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Gefährliche BAYER-Genpflanzen
Alarmierende Ergebnisse einer Feld-Studie
Das Jahr war geprägt von zähem Ringen um den richtigen Weg. Eine Lösung ist aber noch nicht in Sicht. Im Jahr 2003 hatte die Regierung von Großbritannien
eine groß angelegte öffentliche Debatte über gentechnisch veränderte Pflanzen in der britischen Landwirtschaft durchgeführt. Außerdem sollte eine Reihe von Untersuchungen zum Thema veröffentlicht werden. Die so
genannten Farm-Scale-Evaluations zu Auswirkungen des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen auf die Biodiversität und Forschungen, die im Wesentlichen die Verbreitung der Gene untersuchen, sind nun vorgelegt
worden.
Von Christof Potthof (GID)
Im Rahmen der Farm-Scale-Evaluations (FSE) wurden in ganz Großbritannien auf insgesamt 283 Flächen Tests mit den folgenden Herbizid-resistenten, gentechnisch
veränderten Pflanzen durchgeführt: Sommer-Raps (BAYER), Winter-Raps (BAYER), Futter-Mais (BAYER), Zuckerrübe (MONSANTO) und eine Futterrübe (MONSANTO). Nach Angaben der Regierung wurden die Tests entwickelt, um
eventuelle Unterschiede im Vorkommen von "farmland wildlife" (natürliche Arten auf landwirtschaftlichen Flächen) zu finden, die sich auf unterschiedliche Bewirtschaftungsweisen (mit und ohne gentechnisch
veränderten Organismen GVO) zurückführen lassen. Die Unterschiede zwischen den zwei Herbizid-Anwendungen stellen das Zentrum der Fragestellung dar (1).
Vier Untersuchungen wurden von der für die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und ihre Kontrolle zuständigen Behörde (DEFRA) initiiert:
Drei betreffen unmittelbar das Thema Genfluss bei gentechnisch veränderten Organismen, die Vierte ermittelt den Einfluss des Managements im Betrieb auf die Natur (2).
Negative Ergebnisse Die Nutzung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen kann einen
negativen Effekt auf die Biodiversität der landwirtschaftlich genutzten Flächen Großbritanniens haben. Dies ist die zentrale Erkenntnis aus den Farm-scale-Evaluations, den aufwendigsten Untersuchungen, die weltweit
bisher zum Thema "Gentechnik in der Landwirtschaft und ihren ökologischen Auswirkungen" durchgeführt worden sind. Dabei wurde auf eine möglichst repräsentative Auswahl von Versuchsflächen besonderer Wert
gelegt. Das heißt: Die untersuchten Flächen sollten ein möglichst genaues Abbild der britischen Landwirtschaft abgeben, um so zu gewährleisten, dass die Ergebnisse bis zu einem gewissen Grad auf die gesamte
britische Landwirtschaft übertragen werden können. Die Flächen wurden jeweils in der Mitte geteilt und zur Hälfte mit konventionellen Anbaumethoden und zur Hälfte mit gentechnisch veränderten Sorten bewirtschaftet.
Die FSE stehen in einer Reihe mit weiteren Untersuchungen .
Teufel oder Beelzebub Bei dem Anbau von gentechnisch verändertem
herbizid-resistenten Mais wirkte sich der Anbau positiver auf die Artenvielfalt aus als die zum Vergleich herangezogene Anbau-Variante mit konventionellem Mais, der mit dem Unkrautvernichtungsmittel Atrazin
gespritzt wurde. Atrazin ist ein außergewöhnlich aggressives Mittel, das wegen seiner Giftigkeit nur noch für wenige Anwendungen zugelassen und in weiten Teilen Europas bereits vollständig verboten ist. Der
gentechnisch veränderte Mais von BAYER CROPSCIENCE ist tolerant gegen das Unkrautvernichtungsmittel GLUFOSINAT. So ist der Vergleich dieser Anbau-Varianten von nur zweifelhaftem Wert und der Versuchsansatz selbst
bereits fragwürdig. Im Übrigen gibt es eine Vielzahl von Berichten, nach denen die LandwirtInnen in den USA - trotz Gen-Pflanzen und entsprechenden Herbiziden - immer häufiger wieder Atrazin einsetzen, da sie mit
der Wirkung der gentechnisch veränderten Sorten nicht zufrieden sind(3).
Weltweit größte Untersuchung Die Untersuchungen in Großbritannien gelten als die
aufwendigsten ihrer Art weltweit. Auf fast dreihundert Flächen wurden über einen Zeitraum von vier Jahren die Auswirkungen des Anbaus von fünf gentechnisch veränderten Nutzpflanzen mit denen konventioneller Sorten
verglichen. Nichtsdestotrotz bleiben viele Fragen offen. Diese Meinung vertritt auch eines der Biotechnologie-Beratungsgremien der britischen Regierung: Die "Agriculture and Environment Biotechnology
Commission" meinte bereits im Jahre 2001, dass die FSE allein nicht ausreichen, um über die Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Pflanzen in Großbritannien zu entscheiden. Denn das ist die Frage, die
die verschiedenen Initiativen vereint: Sollen gentechnisch veränderte Organismen (GVO) in Großbritannien auf den Markt oder nicht? Und: Wenn ja, unter welchen Bedingungen?
Die Untersuchungen zur Biodiversität wurden auf den Feldern und an den Feld-Rändern mit ihrer unmittelbaren Umgebung durchgeführt. Es wurden die Populationen
von Unkräutern und die von wirbellosen Tieren (Käfern, Schmetterlinge und Bienen) aufgenommen. Auch wurde geprüft, wie sich das unterschiedliche Umgehen mit den Unkräutern auf die Samenbank im Boden auswirkt. Kurz
zusammengefasst ergibt sich das folgende Bild: In den Versuchsjahren führte die Anbau-Variante mit gentechnisch veränderten herbizid-resistenten Raps- und Rüben-Sorten zu einer deutlichen Abnahme der Anzahl der
Samen im Boden, was mit der Bekämpfung der Unkräuter im Untersuchungszeitraum zusammenhängt. Die mit Unkrautvernichtungsmitteln abgetöteten Pflanzen kommen nicht dazu, ihre Samen zu bilden, was eine Abnahme der
Anzahl der Samen im Boden zur Folge hat. Der gegenteilige Effekt konnte bei dem gentechnisch veränderten herbizid-resistenten Mais beobachtet werden (siehe oben). Die ForscherInnen beobachteten zwölf der in
Großbritannien verbreitetsten Unkräuter. Der Abnahme der Samen-Zahl im Boden folgend wird, nach Einschätzung der WissenschaftlerInnen, die Anzahl der Unkräuter abnehmen, entsprechend werde es vermutlich weniger
Insekten geben. Die Einschätzung des Koordinators der Untersuchung, Les Firbanks: "Die Ergebnisse (...) zeigen deutliche Unterschiede zwischen dem Anbau gentechnisch veränderter herbizid-resistenter
Nutzpflanzen und den konventionellen Sorten. Die Studie zeigt die Bedeutung der Unkräuter zwischen den Nutzpflanzen für die Lebensgemeinschaften in den Feldern."
Die weiteren Untersuchungen zum Gen-Fluss zeigen vor allem eines: Der Anbau von gentechnisch verändertem Raps und seinen verwandten Sorten (Rüben,
Kohlsorten...) funktioniert in Großbritannien nur unter strengsten Auflagen, oder es wird massiven Gen-Fluss in die nicht gentechnisch veränderten Bestände geben, mit der Folge, dass die Grenzwerte der EU für die
Verunreinigung mit gentechnisch verändertem Material nicht zu halten sind.
...und die Regierung? Die Regierung von Tony Blair und insbesondere der
Premierminister selbst gelten als (sehr) Biotechnologie-freundlich. Bis in den Sommer hieß es unentwegt, die Regierung plane die Kommerzialisierung fest ein, die Diskussionen und Untersuchungen seien nur Teil der
Strategie, die gentechnisch veränderten Sorten auf den Markt zu bringen. Mittlerweile kann gelegentlich auch Gegenteiliges vernommen werden. Nachdem ein Bericht zu den ökonomischen Auswirkungen der
Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Nutz-Pflanzen keine besonderen Hoffnungen auf positive Effekte wecken konnte, soll dem Premier von seinem Berater-Stab eine zurückhaltendere Politik empfohlen worden
sein. Blair selbst wird mit den Worten zitiert: "Die Regierung hat keine eigenen Interessen, weder in die eine noch in die andere Richtung", nur versuche sie, so Blair weiter, "das Richtige zu
tun." Eine Aussage, die zunächst relativ viel Interpretationsspielraum lässt. Doch kann es der Regierungschef scheinbar nicht lassen, die möglichen positiven - auch wirtschaftlichen - Erwartungen weiter zu
verfolgen, trotz des genannten Berichtes. Ein "verzweifelter Offizieller" wird mit der Ansicht zitiert, dass Blair möglicherweise nicht zwischen der Biotechnologie insgesamt und der Agrar-Gentechnologie
unterscheiden könne; in letzterer arbeiteten zum Beispiel nur etwas mehr als 1.000 Menschen in ganz Großbritannien.
Die Bevölkerung hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass sie die Gentechnologie in Land- und Lebensmittelwirtschaft nicht will. An der öffentlichen
Diskusssion im Sommer partizipierten weit mehr Menschen, als erwartet worden war, und mehr als 35.000 von ihnen beteiligten sich auch schriftlich mit Eingaben. Der zusammenfassende Bericht stellt heraus: Die
britische Bevölkerung hat große Zweifel an der Technologie, je mehr sich die Menschen mit ihr beschäftigen, desto mehr lehnen sie diese ab, sie wollen, dass mehr Untersuchungen gemacht werden. Ob diese Forschung
alle Fragen zu klären vermag?
Christof Potthof ist Mitarbeiter des Gen-ethischen Netzwerkes im Bereich Gentechnologie in der Landwirtschaft.
Fußnoten: (1) die Ergebnisse der acht Untersuchungen unter www.pubs.royalsoc.ac.uk (2) die Ergebnisse der vier Untersuchungen unter www.defra.gov.uk . (3) Siehe auch Christof Potthof:
Hilft die Gentechnik? Gen-ethischer Informationsdienst (GID) 154.
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