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DRUGS & PILLS
GLUCOBAY-Tests manipuliert? BAYERs Diabetikum GLUCOBAY gilt in
Fach-Kreisen als unwirksam. Deshalb sollte es im letzten Jahr auch nicht auf der geplanten - und dann nicht realisierten - Positiv-Liste der erstattungspflichtigen Medikamente auftauchen. Grund genug für den
Pharma-Riesen, in die Offensive zu gehen. Er gab eine Untersuchung in Auftrag, die prompt zum erwünschten Resultat zu kommen schien: GLUCOBAY verzögert den Ausbruch der Zuckerkrankheit um ein halbes Jahr und beugt
überdies Herz/Kreislauf-Erkrankungen vor. Aber an den Resultaten bestehen Zweifel. “Es gibt in der Studie Widersprüche”, sagt etwa der Diabetologe Peter Sawicki, der den Pharma-Test im Fachblatt arznei-telegramm
analysierte. Ihm zufolge hat BAYER die Untersuchungsergebnisse von 61 der 1429 teilnehmenden Personen aus dem Test herausgenommen, angeblich um “die Daten-Qualität zu verbessern”. Verbessert gegenüber der
ursprünglich im Internet veröffentlichten Auswertung hat sich aber vor allem die Wirkung der BAYER-Arznei. Traten in der letzten Version bei lediglich 15 der mit GLUCOBAY behandelten ProbandInnen
Kreislauf-Beschwerden auf, so waren es bei der online publizierten Expertise noch 33 - ein statistisch nicht relevanter Unterschied zu den 39 Personen mit den entsprechenden Symptomen aus der Placebo-Gruppe.
Phase III-Test mit Krebs-Mittel Ein von BAYER gemeinsam mit ONYX
PHARMACEUTICALS gegen Nieren-Krebs entwickeltes Gentech-Mittel geht in die dritte und letzte Test-Phase (siehe GENE & KLONE).
CIPROBAY für Harnwegsinfektionen Im Jahr 2003 lief der eine
Monopol-Stellung garantierende Patentschutz für BAYERs Antibiotikum CIPROBAY aus. Die drohenden Einnahme- Verluste fing der Chemie-Multi zum Teil durch eine Umstellung der Darreichungsform oder eine
geringfügige, neue Anwendungsgebiete erschließende Veränderung der Zusammensetzung ab. Die US- Gesundheitsbehörde FDA spielte das Recycling-Spiel jeweils mit. Sie verlängerte das Patent bereits dreimal. Im August
2003 ließ sie CIPROBAY für die Behandlung schwerer Harnwegsentzündungen zu. Vorher hatte sie bereits einem Einsatz bei leichten Harnwegsentzündungen zugestimmt und die Patent-Gnadenfrist durch das Akzeptieren einer
Wirkstoff-Erhöhung verlängert. Allein die neu erschlossenen urologischen Märkte bringen dem Konzern einen zusätzlichen Jahres-Umsatz von 350 Millionen Euro.
LEVITRA verkauft sich Umfangreiche Werbe-Maßnahmen und die
Bearbeitung der Ärzteschaft durch Pharma-Drücker haben BAYERs Potenz-Pille LEVITRA Erfolg beschert. In der Bundesrepublik beträgt ihr Markt-Anteil schon 17 Prozent. Um auf dem US-amerikanischen Markt gegen VIAGRA konkurrieren zu können, ist der Leverkusener Chemie-Multi eine Vertriebsgemeinschaft mit GLAXO SMITH-KLINE eingegangen, was sich ebenfalls ausgezahlt hat. Bereits 30 Prozent aller Neuverschreibungen des Segments “erektile Dysfunktion” sind in den USA auf LEVITRA ausgestellt.
Inhalationssystem für AAT gekauft Seit langem produziert BAYER das
Pharma-Protein Alpha-1-Antitrypsin (AAT) zur Behandlung von Lungenkrankheiten. Ein Versuch, es mittels gen-manipulierter Schafe kostengünstiger herstellen lassen, scheiterte unlängst spektakulär (Ticker 2/03). Jetzt
will der Pharma-Riese aus dem konventionellen AAT mehr Kapital schlagen. Er kaufte von der INHAMED GmbH die Rechte für eine Inhalationstechnologie, mittels derer die PatientInnen das Mittel auch oral einnehmen
können. Zudem plant der Leverkusener Chemie-Multi, die Anwendungsgebiete der Arznei zu erweitern und hat mit entsprechenden klinischen Studien begonnen.
Neue Blutzucker-Messtechnologie BAYER hat von der SONTRA MEDICAL
COOPERATION die Lizenz für eine neue Methode der Blutzucker-Messung erworben. Diese bestimmt den Wert mittels einer Ultraschall-Untersuchung, was eine Blut-Entnahme unnötig macht. Der Leverkusener Chemie-Multi
zahlte SONTRA für diese Diagnostika-Entwicklung 1,5 Millionen Dollar und vereinbarte eine weitere Zusammenarbeit mit dem Unternehmen.
Zu viele Antibiotika-Verschreibungen Antibiotika kommen in der
Bundesrepublik allzu häufig zum Einsatz, weshalb immer mehr Bakterien Resistenzen gegen die Präparate ausbilden und ÄrztInnen bestimmte Infektionen nur noch schwer behandeln können. Das ist das Ergebnis einer
im Pharma-Brief der BUKO PHARMA-KAMPAGNE vorgestellten Studie von AOK und Universität Freiburg. Neben der massenhaften Verwendung der Medikamente in der industriellen Tier-Zucht kritisieren die WissenschaftlerInnen
auch das Verschreibungsverhalten der MedizinerInnen. So verordnen sie PatientInnen mit virus-bedingten Atemwegserkrankungen oft Antibiotika, obwohl die Arzneien gegen die Erreger gar nicht wirken. Der Pharma-Brief
macht mit Berufung auf das arznei-telegramm zudem auf Unterschiede in den einzelnen europäischen Ländern aufmerksam. Während die dänischen Krankenkassen das zur Gruppe der Gyrase-Hemmer zählende BAYER- Antibiotikum
MOXIFLOXACIN wegen seiner Nebenwirkungen und sich immer mehr ausbreitenden Resistenzen lediglich in Ausnahme-Fällen bezahlen, gehört die Substanz in der Bundesrepublik noch zu den Mitteln erster Wahl.
Neue Antibiotika-Entwicklung Das von BAYER massiv geförderte exzessive
Verschreiben von Antibiotika hat viele Bakterien resistent gegen die Wirkstoffe werden lassen. Deshalb können die MedizinerInnen viele Krankheiten nur noch schwer behandeln. Um die ihrer Wirkung beraubten Präparate
zu ersetzen, suchen die Pharma-Riesen fieberhaft nach lukrativen Alternativen. Der Leverkusener Chemie-Multi hat im Oktober 2003 mit der Firma PARATEK PHARMACEUTICALS einen Kooperationsvertrag geschlossen, die mit
den Amino-Methylcyclinen (AMC) eine neue Antibiotika-Gruppe entdeckt hat. Die Substanz befindet sich momentan in der vorklinischen Entwicklung und ist zur Behandlung von solchen Infektionen vorgesehen, die sich
PatientInnen in Krankenhäusern zugezogen haben.
BAYER profitiert von “Gesundheitsreform” Nach Ulla Schmidts
“Gesundheitsreform” kommen die Krankenkassen auch dann nicht mehr für rezeptfreie Medikamente auf, wenn sie ein/e MedizinerIn verschrieben hat. Da die zumeist mittelständischen Hersteller dieser Präparate rund 40
Prozent ihres Umsatzes mit den erstattungspflichtigen rezeptfreien Arzneien machten, rechnen BeobachterInnen mit einem Firmen-Sterben. Von dieser “Marktreinigung” profitieren nach ihrer Einschätzung die großen
Pharma-Konzerne wie BAYER.
Krebs durch ASPIRIN Einer neuen Studie zufolge erhöht die regelmäßige
Einnahme von ASPIRIN bei Frauen die Gefahr, an Bauchspeicheldrüsen-Krebs zu erkranken. Eva Schernhammer und ihr Team vom Channing Laboratory der Harvard Medical School in Boston haben Daten von 88.000 Frauen
erhoben. Bei ProbandInnen, die seit mehr als 20 Jahren zwei oder mehr Pillen pro Woche einnahmen, stieg das Krebs-Risiko um 58 Prozent, bei solchen mit einem Wochen-Konsum von 14 Tabletten und mehr erhöhte es sich
sogar um 86 Prozent. Der Leverkusener Chemie-Multi, der seinen Bestseller unter anderem auch als Mittel gegen Darm-Krebs anpreist, hat die Ergebnisse der Untersuchung natürlich angezweifelt.
ASPIRIN kränkelt Der ASPIRIN-Umsatz geht seit einiger Zeit stark zurück.
Im Jahr 2002 fiel er um 14 Prozent von 723 auf 589 Millionen Euro und im ersten Quartal 2003 sank er nochmals um neun Prozent. BAYER-Manager Umberto Filippi macht dafür unter anderem die Wirtschaftskrise in der
ASPIRIN-Hochburg Argentinien verantwortlich, wo der Pharma-Riese das Präparat bisher mit Erfolg als Allheilmittel vermarktet hat. Zudem beklagt er das Ausbleiben von großen Erkältungswellen in Europa und Nordamerika
und führt als weitere Begründung für die ASPIRIN-Baisse die Reduzierung der Lager-Bestände seitens der US-HändlerInnen an.
ASPIRIN in neuen Schläuchen BAYER versucht aus dem “Tausendsassa” immer
wieder neu Kapital zu schlagen. Im September 2003 hat der Konzern ASPIRIN COMPLEX als Mittel zur Behandlung von Erkältungen auf den Markt gebracht. Das Unternehmen bietet es in Granulat-Form mit “fruchtig-herben”
Geschmack aus dem Chemie-Labor an. Ein Beutel enthält 500 Milligramm Acetylsalicylsäure und 30 Milligramm Pseudo-Ephedrin. Obwohl das Präparat nicht ursächlich gegen Erkältungen wirkt, hat der Leverkusener
Chemie-Multi mal wieder einen Mediziner gefunden, der den alten Wein in neuen Schläuchen mit seiner Autorität absegnet. “Nach Prof. Dr. Eckhard Beubler vom Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie der
Universität Graz ist es (...) das Beste, die Symptome zu behandeln, damit sich die Betroffenen wieder wohler fühlen und der Körper das Virus bekämpfen kann”, heißt es in der Presse-Mitteilung von BAYER.
Neuer Hepatitis C-Test BAYER hat einen neuen Hepatitis C-Test auf den
Markt gebracht. Die Diagnostik-Apparatur mit dem Produkt-Namen HCV RNA 3.0 ASSAY zeigt angeblich die genaue Menge der sich im Organismus befindlichen Hepatitis-Viren an.
Leere Pipeline Weder in diesem noch im nächsten Jahr wird BAYER eine
neue verschreibungspflichtige Arznei herausbringen.
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