SWB 01/2004 - Ticker

ERSTE & DRITTE WELT

WTO-Einigung zu Patenten
Die Klage von BAYER und anderen Pharma-Multis gegen Südafrika, welches das Patent-Recht brechen wollte, um der Bevölkerung erschwingliche AIDS-Medikamente zur Verfügung zu stellen, hat weltweit für Aufsehen gesorgt (SWB 2/01). In Genf haben sich Ende August 2003 die Mitglieder der Welthandelsorganisation trotzdem geeinigt, die umstrittene Patent-Regelung im Wesentlichen beizubehalten. Lediglich in medizinischen Notfällen wollen sie es Staaten gestatten, Nachahmer- Präparate von patent-geschützten Arzneien einzuführen. Die WTO- Länder bauten dafür allerdings laut BUKO PHARMA-KAMPAGNE und ÄRZTE OHNE GRENZEN so “komplexe bürokratische Hürden” auf, dass die Ausnahme-Regelung eine gesicherte medizinische Versorgung in Notfall-Situationen immer noch nicht gewährleistet.

VFA kritisiert “Dritte-Welt-Staaten”
Wer ist schuld an der desolaten medizinischen Versorgung in den armen Staaten? Nach Meinung des von BAYER gegründeten “Verband der Forschenden Arzneimittel-Hersteller” die betreffenden Länder selber mit ihrer mangelhaften Infrastruktur. “Die größten Probleme bei der Arzneimittel-Zulassung in Entwicklungsländern werden allerdings durch einen oft schwachen, schlecht organisierten und korruptionsanfälligen staatlichen Sektor verursacht”, heißt es in der VFA-Broschüre “Gemeinsam für Gesundheit und Entwicklung - Forschende Arzneimittel-Hersteller verbessern die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern”. Die auf Patente gestützte Hochpreis-Politik von Big Pharma, die Medikamente für die Ärmsten der Armen oft unerschwinglich macht, verteidigt die Publikation kaltschnäuzig. Über die oft unsinnigen Präparate wie BAYERs “Stärkungsmittel” TONIC und dubiose Vitamin-Präparate sowie die aus Profit-Gründen erfolgte Einstellung der tropenmedizinischen Forschung zur Entwicklung wirklich benötigter Medikamente gegen Malaria oder andere Krankheiten steht in der Veröffentlichung nichts.

Doppelte Standards in Indien
BAYER vertreibt in Indien die Pestizide Monocrotophos und Finalphos, die in Industrie-Ländern aufgrund ihrer extremen Giftigkeit schon längst verboten sind. Der Leverkusener Chemie-Multi lässt sie in Fabriken der Region Vapi herstellen, wo es keinerlei Umwelt- und Sicherheitsauflagen gibt und sich entsprechend oft Chemie-Unfälle ereignen (siehe auch SWB 1/04).

BAYERs Kuba-Blockade
Die US-Gesetze untersagen einen Handel mit Kuba. Deshalb kann das Land bitter benötigte Arzneien und Medizin-Produkte nicht einführen, was die Versorgung von Kranken stark beeinträchtigt. Aber nicht nur US-amerikanische Pharma-Firmen, auch solche mit großen Niederlassungen in Nordamerika beteiligen sich am Boykott. BAYER weigert sich etwa, den Insel-Staat mit Diagnose-Apparaturen zu beliefern. Die Situation ist so alarmierend, dass Kuba den UN-Generalsekretär Kofi Annan aufgefordert hat, sich persönlich für die Aufhebung der Blockade einzusetzen.