|
ERSTE & DRITTE WELT
WTO-Einigung zu Patenten Die Klage von BAYER und anderen Pharma-Multis
gegen Südafrika, welches das Patent-Recht brechen wollte, um der Bevölkerung erschwingliche AIDS-Medikamente zur Verfügung zu stellen, hat weltweit für Aufsehen gesorgt (SWB 2/01). In Genf haben sich Ende August
2003 die Mitglieder der Welthandelsorganisation trotzdem geeinigt, die umstrittene Patent-Regelung im Wesentlichen beizubehalten. Lediglich in medizinischen Notfällen wollen sie es Staaten gestatten, Nachahmer-
Präparate von patent-geschützten Arzneien einzuführen. Die WTO- Länder bauten dafür allerdings laut BUKO PHARMA-KAMPAGNE und ÄRZTE OHNE GRENZEN so “komplexe bürokratische Hürden” auf, dass die Ausnahme-Regelung eine
gesicherte medizinische Versorgung in Notfall-Situationen immer noch nicht gewährleistet.
VFA kritisiert “Dritte-Welt-Staaten” Wer ist schuld an der desolaten
medizinischen Versorgung in den armen Staaten? Nach Meinung des von BAYER gegründeten “Verband der Forschenden Arzneimittel-Hersteller” die betreffenden Länder selber mit ihrer mangelhaften Infrastruktur. “Die
größten Probleme bei der Arzneimittel-Zulassung in Entwicklungsländern werden allerdings durch einen oft schwachen, schlecht organisierten und korruptionsanfälligen staatlichen Sektor verursacht”, heißt es in der
VFA-Broschüre “Gemeinsam für Gesundheit und Entwicklung - Forschende Arzneimittel-Hersteller verbessern die Gesundheitsversorgung in Entwicklungsländern”. Die auf Patente gestützte Hochpreis-Politik von Big Pharma, die Medikamente für die Ärmsten der Armen oft unerschwinglich macht, verteidigt die Publikation
kaltschnäuzig. Über die oft unsinnigen Präparate wie BAYERs “Stärkungsmittel” TONIC und dubiose Vitamin-Präparate sowie die aus Profit-Gründen erfolgte Einstellung der tropenmedizinischen Forschung zur Entwicklung
wirklich benötigter Medikamente gegen Malaria oder andere Krankheiten steht in der Veröffentlichung nichts.
Doppelte Standards in Indien BAYER vertreibt in Indien die Pestizide
Monocrotophos und Finalphos, die in Industrie-Ländern aufgrund ihrer extremen Giftigkeit schon längst verboten sind. Der Leverkusener Chemie-Multi lässt sie in Fabriken der Region Vapi herstellen, wo es keinerlei
Umwelt- und Sicherheitsauflagen gibt und sich entsprechend oft Chemie-Unfälle ereignen (siehe auch SWB 1/04).
BAYERs Kuba-Blockade Die US-Gesetze untersagen einen Handel mit Kuba.
Deshalb kann das Land bitter benötigte Arzneien und Medizin-Produkte nicht einführen, was die Versorgung von Kranken stark beeinträchtigt. Aber nicht nur US-amerikanische Pharma-Firmen, auch solche mit großen
Niederlassungen in Nordamerika beteiligen sich am Boykott. BAYER weigert sich etwa, den Insel-Staat mit Diagnose-Apparaturen zu beliefern. Die Situation ist so alarmierend, dass Kuba den UN-Generalsekretär Kofi
Annan aufgefordert hat, sich persönlich für die Aufhebung der Blockade einzusetzen.
|