SWB 01/2004 - Ticker

GENE & KLONE

Feld-Studie deckt Gen-Risiken auf
In Großbritannien endete im letzten Jahr die bisher größte Untersuchung zu den Risiken gen-manipulierter Nutz-Pflanzen, unter anderem Sommer- und Winter-Raps sowie Futter-Mais von BAYER. Die Ergebnisse waren alarmierend. Auf den Felder mit den Gen-Pflanzen nahm die Artenvielfalt im Vergleich zu den Anbau-Gebieten mit konventionellen Sorten rapide ab. Nur bei BAYERs Gentech-Mais verhielt es sich anders, aber auch nur, weil die WissenschaftlerInnen die Pflanzen mit dem extrem aggressiven, in vielen Teilen Europas längst verbotenem Pestizid Atrazin behandelten (siehe SWB 1/04).

Keine Genmais-Zulassung
In der groß angelegten britischen Feld-Studie zur grünen Gentechnik stellten alle gen-manipulierten Sorten mit eingebauter Herbizid-Resistenz eine größere Gefahr für die Artenvielfalt dar als konventionell angebaute und mit Anti-Unkrautmitteln behandelte Pflanzen (siehe SWB 1/04). Nur BAYERs Gen-Mais bildete eine Ausnahme. Dies aber auch nur, weil der Mais auf dem Vergleichsfeld mit dem in vielen Ländern Europas längst verbotenem Ultra-Gift Atrazin gespritzt wurde. Trotzdem wollte die Labour-Regierung das Ergebnis zum Anlass nehmen, den BAYER-Mais als erste Gen-Pflanze in Großbritannien zuzulassen. Dieses Vorhaben scheiterte allerdings an der ablehnenden Haltung von Wales und Schottland.

Abstriche im Gen-Programm
Die Proteste britischer Gen-AktivistInnen hatten Erfolg: Der Leverkusener Chemie-Multi strebt auf der Insel für sechs seiner neun in der Pipeline befindlichen Gen-Pflanzen nicht länger einen kommerziellen Anbau an. Er ließ zwei Sorten Frühlingsraps, drei Sorten Winter-Raps sowie eine Mais-Sorte aus dem nationalen Register der Gen-Pflanzen streichen. Mit den zwei Sorten Winter-Raps befinden sich darunter auch die einzigen beiden gen-manipulierten Nutz-Pflanzen, für die die Feldversuche bereits abgeschlossen waren.

Kein BAYER-Raps in Belgien
BAYER hat in Belgien einen Antrag auf den Anbau von gen- manipuliertem Raps gestellt. Dieser Genehmigung sollten dann weitere in anderen europäischen Ländern folgen. Dazu kam es allerdings nicht. Die zuständigen BeamtInnen wiesen das Gesuch ab. Sie beriefen sich dabei unter anderem auf die britische Feld-Studie mit Gen-Pflanzen, die Auskreuzungen mit konventionellen Sorten sowie negative Auswirkungen auf die Artenvielfalt festgestellt hatte (siehe SWB 1/04). Mit der Entscheidung der belgischen Behörden haben sich auch die Chancen für Raps made by BAYER auf bundesdeutschen Äckern verschlechtert. Ulrike Brendel von GREENPEACE: “Die Entscheidung der belgischen Regierung setzt die deutsche Landwirtschaftsministerin Renate Künast unter Zugzwang. In Deutschland liegen zwei weitere Anträge von BAYER auf den Anbau von gen-manipuliertem Raps vor. Diese muss Künast ablehnen”.

Gen-Raps in Pufferzone
Die Felder, auf denen Freisetzungsversuche mit gen-manipulierten Pflanzen stattfinden, sind von einer Pufferzone umgeben. In diesem Areal dürfen keine gentechnisch veränderten Sorten wachsen, weil das Risiko von Auskreuzungen mit konventionell angebauten Acker-Früchten zu groß ist. Bei einem Freisetzungsversuch von BAYER in Australien befand aber auch in der Sicherheitszone Gen-Raps. Die Gentech- GegnerInnen der Initiative NETWORK OF CONCERNED FARMERS forderten daraufhin die australische Regierung auf, alle demnächst geplanten 80 bis 100 Freisetzungsversuche zu verbieten.

Grüne Gentechnik kommt
Anfang Januar präsentierte Verbraucherschutzministerin Renate Künast den Entwurf des Gentech-Gesetzes, mit dem die Bundesregierung die EU-Freisetzungsrichtlinie in bundesdeutsches Recht überführen und grünes Licht für die “grüne Gentechnik” geben will (siehe POLITIK & EINFLUSS).

BAYER und MONSANTO einigen sich
BAYER und MONSANTO haben seit Jahren währende Rechtsstreitigkeiten um verschiedene Patente auf Pflanzen mit gentechnisch eingebauten Resistenzen gegen Insekten oder Anti- Unkrautmittel zum größten Teil beigelegt. Sie wuchsen sich nämlich für beide Seiten immer mehr zu einem Geschäftsrisiko aus. Die Gen-Multis vereinbarten einen Kompromiss, nach dem sie dem jeweils anderen gegen Zahlung einer Lizenz-Gebühr Zugang zu ihren Gen-Technologien einräumen. Dem Handelsblatt zufolge schlug die Nachricht von der Einigung in der Branche “wie eine Bombe” ein. Sie wird “die Kräfte- Verhältnisse in der Agrochemie auf den Kopf stellen”, schreibt das Blatt. Weil die Vereinbarung die schnelle Einführung neuer Produkte begünstigt, dürfte BAYER damit dem erklärten Ziel, SYNGENTA die Position als Nr. 1 im Agro-Business streitig zu machen, ein gutes Stück näher gekommen sein.

Gen-Reis von BAYER
BAYER CROPSCIENCE hat in Großbritannien einen Antrag auf die EU-weite Zulassung von Gen-Reis gestellt. BAYER-ForscherInnen haben den Reis gentechnisch so verändert, dass er resistent gegen das konzern-eigene Unkrautvernichtungsmittel LIBERTY mit den Wirkstoffen Glufosinat und Ammonium ist. BAYER bietet die Nutzpflanze dann auch in Kombination mit dem Herbizid an.  Auf Europa setzt der Gen-Gigant dabei nur beim Verkauf; als Anbau-Gebiet ist es ihm aufgrund der vielen Gentechnik-KritikerInnen ein zu heißes Pflaster.

EU überprüft Grenzwerte
Die anhaltenden Proteste von Gentechnik-KritikerInnen gegen das Vorhaben der EU, gentechnische Verunreinigungen von konventionell oder ökologisch angebautem Saatgut bis zu einer Grenze von 0,7 Prozent zuzulassen, haben zu einem Erfolg geführt. Im Oktober 2003 beschloss die Europäische Kommission, die geplante Regelung noch einmal zu überprüfen.

Gentech-Forschung in Gent
BAYER stärkt die Gentech-Forschung. Der Leverkusener Chemie-Multi plant im belgischen Gent einen zusätzlichen Standort zu errichten und will dafür 18 Millionen Euro investieren.

Schwere Zeiten für Gen-Food
Die anhaltenden Proteste der Gentechnik-GegnerInnen haben den Leverkusener Chemie-Multi verunsichert. BAYER CROPSCIENCEs Technologie-Vorstand Bernward Garthoff erwartet nach Angaben des Kölner Stadtanzeigers erst “mittelfristig” eine Akzeptanz von Gen-Food in der Bundesrepublik.

240 Millionen Gentech-Umsatz
In der Öffentlichkeit rühmt sich der Leverkusener Chemie-Multi gern seiner “Zukunftstechnologien”, mögen ihre Anwendungen auch noch so risiko-reich sein. Sie beflügeln nämlich die Phantasien der InvestorInnen und spülen über Aktien-Käufe ganz reales Geld in die Kassen. Die Geschäftszahlen in den entsprechenden Abteilungen wirken allerdings eher rustikal. So hat die Sparte “Gentechnik” bei BAYER CROPSCIENCE lediglich einen Umsatz-Anteil von zwei Prozent. Was noch freundlich gerechnet ist, denn den 240 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2002 haben die ManagerInnen noch die Einnahmen mit konventionell angebautem Gemüse-Saatgut zugeschlagen. Derzeit sei in dem Bereich kaum Geld zu verdienen, räumt BAYER CROPSCIENCE- Chef Jochen Wulff denn auch ein. Nach seinen Worten soll die Zukunft der Zukunftstechnologie erst ab 2012 anbrechen. Gegenwärtig können ihn lediglich die 11 Prozent Markt-Anteil von BAYERs gentechnisch verändertem Baumwoll-Saatgut FIBERMAX in den USA trösten.

Externe Biotech-Vermarktung
In der Forschung und Entwicklung von Produkten bis zur Markt-Reife konzentriert sich der Leverkusener Chemie-Multi im Pharma- und/oder Biotech-Bereich zunehmend auf einige wenige Felder. Hatte er früher in der Sparte “Gentechnologie” auf Kooperationen mit jungen Bio- Unternehmen gesetzt, so bietet er sich inzwischen selber als Junior- Partner an, um die entsprechenden Abteilungen auszulasten. “Wir bieten externen Auftraggebern in nahezu allen Bereichen der klassischen und modernen Biotechnologie individuelle Lösungen an, sei es bei Forschungs- , Entwicklungs- oder Produktionsarbeiten”, erklärte der im Wuppertaler Pharma-Forschungszentrum für Genmedizin zuständige Hans-Dietrich Hörlein.

Phase III-Test mit Krebs-Mittel
Ein von BAYER gemeinsam mit ONYX PHARMACEUTICALS entwickeltes Gentech-Mittel gegen Nieren-Krebs geht in die dritte und letzte Test-Phase. Mit einem Abschluss der Erprobung rechnet der Konzern allerdings erst in einigen Jahren. In der Vergangenheit musste der Konzern schon oft Versuche mit vollmundig als “Wundermittel” gegen Krebs angepriesenen Arznei-Stoffen einstellen.