|
KAPITAL & ARBEIT
Stilllegungsprämie an RÜTGERS Eine “Aufbruchsstimmung” beschwor die
RÜTGERS ELBCHEMIE im Jahr 2001 nach dem Kauf von BAYERs H-Säure-Produktion. Im Kleingedruckten des Vertrages herrschte jedoch eher eine Abwicklungsstimmung vor. Der Leverkusener Chemie-Multi sicherte dem Käufer eine
“Stilllegungsprämie” zu, falls er sich bis zum 30. September 2003 für die Einstellung der H-Säure-Fertigung entscheiden sollte. Zu eben diesem Termin hat dann auch RÜTGERS das Ende der H-Säure-Herstellung verkündet.
Einer flexibleren Handhabung dieser Frist hatte der Konzern bei den Vertragsverhandlungen nicht zugestimmt, im gleichen Atemzug den Beschäftigten aber mit Entlassungen gedroht, falls sie Einspruch gegen die
Übernahme einlegen würden. Deshalb zeigten sich die ca. 60 von einem Arbeitsplatz-Verlust betroffenen Belegschaftsangehörigen in einer Presse-Mitteilung “entsetzt über das Verhalten ihres ehemaligen Arbeitgebers”.
Erst im Jahr 2002 hatten sie in einer Betriebsvereinbarung noch Entgelt-Kürzungen zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze zugestimmt. Aber der hohe Dollar-Kurs und das Bestehen BAYERs auf dem Prämien-Ultimatum bewogen
RÜTGERS schließlich doch, aus der H-Säure-Produktion auszusteigen.
JOHNSON feuert AUTAN-Beschäftigte Anfang 2003 verkaufte BAYER die
Produktion des Haushaltsinsektizids AUTAN an den US-Konzern SC JOHNSON. Laut Vertrag musste das Unternehmen alle 2.300 Belegschaftsangehörigen übernehmen. Knapp neun Monate später begann die Arbeitsplatzvernichtung.
Der Multi schmiss acht Marketing-Beschäftigte raus; zudem stehen 27 Beschäftigte des Monheimer Produktionsentwicklungszentrums auf der Abschuss-Liste. Die BAYER-Vertriebsstrukturen passten nicht zum eigenen
Unternehmen, erklärte ein SC JOHNSON-Sprecher lapidar zur Begründung des Schrittes.
Erfolgsabhängige ManagerInnen-Gehälter Das Gehalt eines/r
BAYER-ManagerIn besteht zum Teil aus erfolgsabhängigen Komponenten. Das Risiko hielt sich für die Top- Etagen aber stets in Grenzen. Als Gradmesser galt nämlich die Dividenden-Höhe und die blieb in den letzten
Jahren konstant bzw. stieg sogar. Ab 2004 jedoch misst das Unternehmen den Erfolg seiner Bosse direkt am Gewinn und weitet zugleich den profit-abhängigen Anteil der Bezüge aus. Damit die Chef-Etagen mit Blick auf
die eigene Brieftasche künftig nicht bloß die kurzfristigen Renditen im Auge haben, bewertet der Chemie-Multi auch die strategischen Zukunftsentscheidungen seiner Top-Leute. Zu wirklich schmerzlichen Gehaltseinbußen
dürfte es für sie jedoch selbst in wirtschaftlich schwierigsten Zeiten nicht kommen, da vernichtet der Konzern lieber ein paar Arbeitsplätze mehr.
Arbeitsplatz-Vernichtung in Slowenien Der Leverkusener Chemie-Multi hat
die Anteile des slowenischen Generika-Herstellers LEK am 1972 gegründeten Gemeinschafts- unternehmen BAYER PHARMA D.O.D. gekauft und ist nun alleiniger Besitzer. Sofort hat der Konzern die Produktion in
Ljubljana stillgelegt und damit 80 bis 90 Arbeitsplätze vernichtet. Er will die BAYER PHARMA D.O.D. als reine Vertriebsgesellschaft für anderswo hergestelltes ASPIRIN und CIPROBAY nutzen.
Arbeitsplatz-Vernichtung in Marl Der Leverkusener Chemie-Multi plant,
die Produktion des Kautschuks Cobalt-Polybutadien (CoBR) in seinem Marler Werk einzustellen und 75 der 240 Arbeitsplätze zu vernichten.
Schlechte CROPSCIENCE-Aussichten Die Integration der im Jahr 2001
erworbenen Landwirtschaftssparte von AVENTIS hat bereits Tausende von Arbeitsplätzen gekostet. Das reicht der Geschäftsführung aber nicht. Ab 2006 will BAYER CROPSCIENCE vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen eine
Rendite von 29 Prozent erzielen. Gegenwärtig beträgt sie 27 Prozent, diese exorbitante Spanne verdankt sich dem zwischen den sechs Agro-Multis monopolartig aufgeteilten Geschäft. Da der Pestizid-Markt aber jährlich
nur um ca. zwei Prozent wächst, hat CROPSCIENCE-Chef Jochen Wulff Einsparungen in Höhe von 570 Millionen Euro angekündigt. Dieses Kostenreduzierungsprogramm dürfte zu Arbeitsplatzvernichtung in großem Ausmaß führen.
Immer mehr Pools BAYER schafft immer mehr MitarbeiterInnen-Pools mit
universal einsetzbaren Springern. Bei BAYER POLYMERS, BAYER INDUSTRIAL SERVICE (BIS) und den Technischen Diensten von BIS gibt es mittlerweile solche Einrichtungen. Die BASIS BETRIEBSRÄTE, eine oppositionelle
Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, sehen diese Pools in ihren Juli-Mitteilungen als reine Zwischenlager für Beschäftigte an, die der Konzern noch nicht entlassen kann. Ohne Zukunftsperspektive im Werk,
soll die Pool-Zeit sie so mürbe machen, dass sie in den so genannten Trennungsgesprächen gegen Zahlung einer Abfindung der Auflösung ihrer Verträge zustimmen.
BAYER untersagt privates Surfen Sieben der 20 größten bundesdeutschen
Unternehmen untersagen den Beschäftigten ausdrücklich, an ihrem Arbeitsplatz das Internet für private Zwecke zu nutzen. BAYER gehört selbstverständlich dazu.
Mehr Teilzeit bei BAYER Durch mehr Teilzeit-Jobs will BAYER
Personalkosten sparen, mehr Flexibilität bei der Planung von Arbeitsabläufen bekommen und “eine schnellere Anpassung an sich ändernde Markt-Bedingungen” erreichen. Den Beschäftigten suggeriert der Leverkusener
Chemie-Multi dabei, sie würden durch die freiwillige Reduzierung ihrer Arbeitsstunden dazu beitragen, die Arbeitsplatz-Vernichtung zu reduzieren.
(Noch) keine Betriebsrenten-Einschnitte Die COMMERZBANK und der
GERLING-Konzern haben ihre Betriebsrenten um bis zu 50 Prozent gekürzt. Der Leverkusener Chemie-Multi plant in nächster Zeit keine Einschnitte. “Im Moment” gebe es keine Überlegungen, an den Regelungen zur
betrieblichen Altersversorgung etwas zu ändern, sagte ein Konzern-Sprecher gegenüber der Rheinischen Post. Ihm zufolge wäre eine Reduzierung auch nicht so einfach, da die Betriebsrenten Teil des Tarif-Vertrages
sind. Nur nach dem Nachweis von konkreten wirtschaftlichen Schwierigkeiten könnte ein Unternehmen sich an die Kappung der Altersversorgung seiner MitarbeiterInnen machen.
NewCo ohne Betriebsrenten? Im Jahr 2005 vollzieht BAYER die Trennung von
Teilen des Kunststoff- Bereiches und von der Chemie-Sparte offiziell. Mehrere tausend Beschäftigte wechseln dann zu NewCo. Ihre bis dahin erworbenen Betriebsrenten-Ansprüche bleiben erhalten. Für die Zukunft dieser
Art der betrieblichen Altersversorgung sieht es allerdings nicht gut aus. Es sei an der NewCo-Unternehmensleitung zu entscheiden, ob man weiter bei der BAYER-Altersvorsorge bleiben wolle, sagte eine
Konzern-Sprecherin der Presse.
BAYERs Arbeitsmedizin sucht KundInnen BAYER hat eigene
arbeitsmedizinische Einrichtungen und nimmt die Dienste der Berufsgenossenschaft oder des “Zentrums für Arbeitsmedizin und Arbeitssicherheit” nicht in Anspruch. So kann der Leverkusener Chemie-Multi die sensiblen
Daten über die produktionsbedingten Krankheiten seiner MitarbeiterInnen am besten unter Verschluss halten. Jetzt will der Konzern den anderen Institutionen sogar Konkurrenz machen und arbeitsmedizinische
Untersuchungen auch auf dem freien Markt anbieten.
Zuschüsse für Pensionsfonds Im Zuge des Börsen-Booms haben BAYER &
Co. für die Regelung der betrieblichen Altersvorsorge nach US-amerikanischem Vorbild zum Instrument der Pensionsfonds gegriffen. Bei der Pensionskasse des Leverkusener Chemie-Multis - mit einer Einlage von sechs
Milliarden Euro die zweitgrößte der Bundesrepublik - beträgt der Aktien-Anteil 29 Prozent. Mit diesem erspekulierten die Fonds-ManagerInnen im Jahr 2002 einen Verlust von fünf Prozent. Wegen der Unterdeckung der
Kasse musste der Konzern seinen Anteil von 80 auf 200 Prozent der Mitgliedsbeiträge erhöhen. Das melden die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATS- ARBEIT, eine oppositionelle
Gewerkschaftsgruppe im Leverkusener BAYER-Werk, in ihrem Oktober-Flugblatt. Die Pensionsfonds erweisen sich damit einmal mehr als äußerst unsichere Altersvorsorge.
Überwachung durch neuen Ausweis Die Einführung eines neuen
MitarbeiterInnen-Ausweis mit eingebautem Elektronik-Chip ermöglicht BAYER eine umfassende Kontrolle. Sämtliche Bewegungen des oder der TrägerIn innerhalb des Werksgeländes sind mit ihm zu erfassen. Damit ist der
Leverkusener Chemie-Multi auch in diesem Jahr wieder ein heißer Anwärter auf den “BigBrotherAward” (siehe Ticker 4/02).
Nur 10 % der MitarbeiterInnen über 55 BAYER siebt gnadenlos ältere
MitarbeiterInnen aus. Im Leverkusener Werk mit seinen ca. 20.000 Beschäftigten arbeiten gerade mal noch etwa 2.000 Belegschaftsangehörige über 55 Jahre.
|