SWB 02/2004

Liebe Leserinnen und Leser,

die von BAYER bei der EU beantragte Import-Genehmigung für Gen-Reis, das als Tierfutter Verwendung finden soll, hat nicht nur Auswirkungen auf die der Union angehörenden Länder. In größerem Maß noch hat sie Bedeutung für die Reis anbauenden Regionen der Welt. GENE CAMPAIGN ist besorgt über die Aussicht, Indien oder andere Länder mit einem großen Reservoir verschiedener Reis-Sorten könnten der Versuchung nachgeben, Reis für die EU zu produzieren. Er wäre von einer bitteren Ironie, wenn diese Staaten ihr wichtigstes Nahrungsmittel gefährden würden, um Tierfutter für die Fleischindustrie der Industrieländer herzustellen. Es ist unethisch von BAYER, die wenigen reis-anbauenden EU-Staaten zu schützen, indem der Konzern in Spanien, Italien, Griechenland, Portugal oder Frankreich keine Zulassung beantragt. Das Unternehmen gefährdet lieber die Nahrungsmittelsicherheit in den armen Ländern, um den nicht nachhaltigen Konsum der westlichen Staaten zu unterstützen.

Gerade für Entwicklungsländer wie Indien, die über gar keine oder nicht ausreichende Zulassungsverfahren für gentechnisch veränderte Organismen verfügen, ist die Aussaat von Gen-Pflanzen mit großen Risiken behaftet, weil sie den natürlich Gen-Pool von Reis gefährden könnten. Die LandwirtInnen dieser Staaten sind nicht darüber informiert, welche Folgen das Anpflanzen von Gen-Reis auf ihren Feldern wirklich haben könnte und sind deshalb auch nicht in der Lage, eine wohlüberlegte Entscheidung darüber zu fällen. Die Öffnung des EU- Markt für genetisch manipulierten Reis würde die Reis-produzierenden Länder dazu verlocken, Gen-Reis für den Export zu produzieren. Wegen der zu erwartenden Gewinne wäre es einfach durchzusetzen. Übersehen würde dabei aber die Gefahr der genetischen Verunreinigung in Gebieten mit großen Reis-Artenvielfalt wie Orissa, Jharkhand und Chattisgarh.

Und diese genetische Vielfalt ist überlebenswichtig für jede Pflanze. Wenn eine Sorte sich als anfällig für eine bestimmte Krankheit erweist oder sie auf zu wässrigen oder alkalischen Böden nicht wächst, müssen die WissenschaftlerInnen sie mit einer anderen Art kreuzen. Sie tun dies, indem sie nach passenden Genen in verwandten Arten oder dem natürlichen Gen-Pool suchen. Wenn sie diese nicht mehr finden, ist die Pflanze zum Untergang verdammt. Darum ist es so wichtig, die Biodiversität zu erhalten. GENE CAMPAIGN setzt sich deshalb für ein Moratorium ein, das die Aussaat von gentechnisch veränderten Organismen in den Ursprungsländern der Pflanzen mit einem noch variationsreichen Vorkommen unterbindet.

Dr. Suman Sahai gehört der indischen Initiative GENE CAMPAIGN an (www.genecampaign.org)