SWB 02/2004

Studie fordert mehr Transparenz

Für einen gläsernen Pestizid-Export!

Von Uwe Friedrich

Beim Handel mit Pestiziden bestehen große Informationslücken. Besonders in Entwicklungsländern, denen oft ein soziales, ökologisches und arbeitsrechtliches Schutzsystem fehlt, bringt der internationale Handel mit gefährlichen Pestiziden erhebliche Risiken mit sich. Jährlich werden Millionen Menschen in diesen Ländern Opfer von Vergiftungen durch Pestizide. In der Studie "Für einen gläsernen Pestizid-Export" stellen das Pestizid-Aktions-Netzwerk PAN und BROT FÜR DIE WELT detailliert dar, welche Informationen zum Pestizid-Export in der Bundesrepublik bisher verfügbar sind, warum das Nachverfolgen der Wege der Pestizide vom Hersteller bis zum Einsatzdringend notwendig ist und welche Wege die Bundesregierung hierfür beschreiten muss.

Der größte Teil der in der Bundesrepublik produzierten und in die Bundesrepublik importierten Pestizide wird hierzulande nicht eingesetzt, sondern geht in den Export. Bundesdeutsche Konzerne sind Spitzenreiter auf dem Weltmarkt der Pestizide. Einer der ersten Adressen: BAYER CROPSCIENCE; Gigant der "grünen" Gentechnik und nach dem Schweizer Konzern SYNGENTA zweitgrößter Pestizid-Hersteller. Gleichzeitig werden weltweit jährlich Millionen Menschen Opfer von Vergiftungen durch solche exportierten Pestizide. Über eine halbe Million Tonnen von zum Teil extrem giftigen, unbrauchbar gewordenen Pestiziden, sogenannte Pestizid-Altlasten, vergammeln darüber hinaus auf der ganzen Welt in verrottenden Behältern auf ungesicherten Halden. Die Hersteller tragen hierfür umfassende Verantwortung.

Stichwort "BAYER CROPSCIENCE"
BAYER ist seit der Übernahme von AVENTIS CROPSCIENCE zweitgrößter Pestizid-Hersteller weltweit. Durch die Übernahme stieg der Umsatz der neuen Gesellschaft BAYER CROPSCIENCE um 22,7 Prozent auf 5,76 Mrd. Euro. Der traditionelle Marktführer bei den Insektiziden (Umsatz 2003: 1,38 Mrd. Euro) nimmt nun auch eine Top-Position bei Fungiziden (Umsatz 2003: 1,17 Mrd. Euro), Herbiziden (Umsatz 2003: 1,85 Mrd. Euro), und Zusatzprodukten ein.  [Daten: BAYER-Geschäftsbericht 2003]

Zugleich stellt BAYER CROPSCIENCE für den Konzern das teuerste Geschäft seiner Geschichte dar. Die frühere AVENTIS CROPSCIENCE war zu einem satten Kaufpreis von damalig 14,5 Milliarden DM zu haben; darin eingerechnet rund 3,8 Milliarden Schulden (SWB 3/01).

Trotz "neuer" umsatzstarker Produkte mit z. T. neuen Wirkstoff- Kombinationen - sie tragen Phantasienamen wie ADMIRE, ACCORD, JAVELIN oder MERLIN - sind die altbekannten AVENTIS-Produkte wie das Total-Herbizid BASTA oder LIBERTY, aber auch von BAYER hergestellte Wirkstoffe wie Fenamiphos, Parathion, Fenthion und Monocrotophos seit vielen Jahren für zigtausende Vergiftungsfälle in aller Welt verantwortlich.

Während von den genannten Problemen hauptsächlich Umwelt und Bevölkerung in den Entwicklungsländern betroffen sind, landen die aus dem Norden in den Süden exportierten Pestizide in Form von Rückständen auch wieder auf den Tellern der Industrieländer und gefährden hier die Gesundheit der Bevölkerung. So finden sich im Rahmen der Lebensmittelüberwachung mehr Pestizid-Rückstände und mehr Überschreitungen der Rückstandshöchstmengen in importierten Nahrungsmitteln als in bundesdeutschen Produkten.

Deshalb fordern PAN und BROT FüR DIE WELT von der Bundesregierung mehr Transparenz beim Pestizid-Export. Das heisst:

  • Veröffentlichung der gemeldeten Daten über den Pestizid-Export
  • Erweiterung der Meldepflicht über den Pestizid-Export
  • Berichterstattung über Probe-Entnahmestellen im Lebensmittel- Monitoring
  • Erfüllen von Auflagen aus internationalen Vereinbarungen
  • Die Übernahme derVorreiterrolle in der internationalen Debatte.
     

Die Situation in Bundesrepublik
Um in Erfahrung zu bringen, welche Ackergifte zu welchem Zweck wo in Bundesrepublik eingesetzt werden, hat die Biologische Bundesanstalt in Kooperation mit den Staatlichen Pflanzenschutzdiensten der Bundesländer vor wenigen Jahren NEPTUN - ein umfangreiches "Netzwerk zur Ermittlung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes in unterschiedlichen, landwirtschaftlich relevanten Naturräumen Deutschlands" entwickelt. Parallel zu NEPTUN wurde kürzlich eine Pflicht zur Aufzeichnung des Pestizid-Einsatzes für die hiesige Landwirtschaft im Bundesnaturschutzgesetz von 2002 verabschiedet. Dort heißt es in Absatz 4 unter anderem: "Eine schlagspezifische Dokumentation über den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln ist nach Maßgabe des landwirtschaftlichen Fachrechts zu führen"; ein offensichtlich positiver Ansatz.

Doch die hehre Absicht solcher Regelungen wird durch die Realitäten des Pestizid-Handels, die Geschäftspraktiken der deutschen Pestizid-Industrie konterkariert; ein Vollzug erschwert bis verunmöglicht. Denn eines wird schnell klar: Pestizid-Vertrieb ist ein globales Geschäft. 34.678 Tonnen Pestizid-Wirkstoffe wurden den jüngsten offiziellen Regierungsdaten zufolge 2002 in Bundesrepublik verkauft. Das ist eine beträchtliche Menge. Der größere Anteil der in Bundesrepublik produzierten oder hierhin importierten Pestizide geht jedoch in den Export. 75.043 Tonnen Wirkstoffe wurden 2002 exportiert (BVL, 2003). Über diese Exporte ist kaum etwas bekannt, obwohl davon auszugehen ist, dass durch Agro-Chemikalien aus der Bundesrepublik im Ausland Vergiftungen von Mensch und Umwelt entstehen, insbesondere, wenn sie unter Armutsbedingungen eingesetzt werden. Zwar ist der Pestizid-Export, ebenso wie der Inlandsabsatz, nach § 19 Pflanzenschutzgesetz (PflSchG) den Bundesbehörden zu melden. Die durch die Bundesbehörden veröffentlichten Daten geben jedoch nur wenige, stark zusammengefasste und somit wenig aussagekräftige Informationen.

Was sich jedoch genau hinter diesen Angaben verbirgt, ist nicht erkennbar. Aus Geheimhaltungsgründen wird nicht veröffentlicht, welche Einzelwirkstoffe in welcher Menge exportiert (oder in der Bundesrepublik abgesetzt) werden. Die Bundesregierung publiziert lediglich eine Zuordnung der Wirkstoffe zu den Wirkstoffgruppen, die im Berichtsjahr in zugelassenen Mitteln enthalten waren. Die Wirkstoffe werden auch dann gelistet, wenn kein Absatz dieser Mittel erfolgte. Zudem beinhalten die Wirkstoff-Gruppen überwiegend mehr als einen Wirkstoff, bis hin zu 21 Einzelwirkstoffen. Es ist offensichtlich, dass bereits ab zwei Wirkstoffen in einer Gruppe eine Zuordnung der Export-Angaben nicht mehr möglich ist.

Diese Form von Unterlassung und Vernebelung gilt in noch größerem Ausmaß für die Informationspolitik des "Industrieverbands Agrar" (IVA), dem Zusammenschluss der in Bundesrepublik ansässigen Pestizid-Hersteller und -Vertreiber.

Es bleibt also festzustellen: Transparenz über Pestizid-Exporte gibt es in Bundesrepublik nicht. Es ist öffentlich nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar, welche Produkte der bundesdeutschen Hersteller mit welchen Wirkstoffen in welcher Menge in welche Länder exportiert werden. Und: Dies scheint der Regierung auch schlicht nicht bekannt zu sein. Denn die Konzerne "mauern", halten Informationen zurück und hintertreiben die Meldepflicht nach § 19, Pflanzenschutzgesetz.

Große Geschäfte im Geheimen
Der Export von Pestiziden ist das wichtigste Geschäft der bundesdeutschen Pestizid-Industrie. Nur ein Drittel der Ackergifte bundesdeutscher Herkunft werden hier eingesetzt, zwei Drittel gehen in den Export. Zwei der vier weltweit größten Agrochemie-Firmen, Bayer und BASF, haben ihren Hauptsitz in Bundesrepublik. Und die Geschäfte laufen nicht nur derzeit gut. Laut dem jüngsten Jahresbericht des "Industrieverband Agrar" (IVA, 2003) "stiegen im Berichtsjahr die Export-Erlöse um 5,7 Prozent auf 2,542 Milliarden Euro".

Die Top-4 der globalen Pestizid-Industrie
1. SYNGENTA 
2. BAYER
3. MONSANTO 
4. BASF 

Laut dem jüngsten Bericht des IVA wird der größte Anteil der Pestizide aus Bundesrepublik in die NAFTA-Region (USA, Kanada, Mexiko) exportiert (31 Prozent), gefolgt von Westeuropa (22 Prozent) und Asien inkl. Japan (22 Prozent), Lateinamerika (16 Prozent), Osteuropa (sechs Prozent) und Afrika (3 Prozent). Sowohl Osteuropa (+2 Prozent) wie auch Afrika (+ ein Prozent) haben gegenüber dem Vorjahr einen vergrößerten Anteil am Weltmarkt. Afrika (drei Prozent) bildet gleichwohl nach wie vor den kleinsten Pestizid-Markt (IVA, 2003). Obwohl somit die Mehrzahl der deutschen Pestizid-Exporte in Industrieländer geht, sind die negativen Folgen des Pestizid-Einsatzes in Entwicklungsländern am größten.

EU-Meldepflicht: völlig unzureichend
Eine Informationspflicht auf EU-Ebene besteht auf der Grundlage der internationalen PIC-Konvention sowie in ihrer europäischen Umsetzung in Form der in diesem Jahr in Kraft getretenen EU-Verordnung (EG) Nr. 304/2003 über die Aus- und Einfuhr gefährlicher Chemikalien. Sie gilt für bestimmte gefährliche Stoffe, die in der Gemeinschaft verboten sind oder strengen Beschränkungen unterliegen, sowie für alle ausgeführten Chemikalien im Hinblick auf ihre Einstufung, Verpackung und Kennzeichnung.

Das PIC-Verfahren: ein erster Schritt
Völkerrechtlich verbindliche Abkommen können dabei helfen, Umwelt- und Gesundheitsrisiken durch gefährliche Chemikalien zu begrenzen. Mit der im Februar in Kraft getretenen Rotterdam Konvention wird das Verfahren zur gegenseitigen Information beim internationalen Handel mit bestimmten gefährlichen Chemikalien geregelt. Dieses Verfahren, in Englisch als Prior Informed Consent (PIC) bezeichnet, gilt für Industrie-Chemikalien und Pestizide.

Mit dem PIC-Verfahren sollen Import-Staaten in die Lage versetzt werden auf informierter Basis Importe bestimmter gefährlicher Chemikalien ablehnen oder erlauben zu können - ein wichtiger Schritt in Richtung eines verantwortungsvollen Umgangs mit chemischen Keulen. Die PIC-Konvention fordert auf internationaler Ebene für bestimmte gefährliche Pestizide mehr Transparenz und geteilte Verantwortung zwischen Import- und Exportstaaten.

Im PIC-Verfahren stehen derzeit 31 gefährliche Chemikalien, davon 21 Pestizide und fünf Pestizid-Formulierungen, u.a. Lindan, DDT oder PCP. Für die zweite Notifizierungsrunde sind derzeit fünf weitere Wirkstoffe gemeldet: Dimefox, Endosulfan, Endrin, Mevinphos und Vinclozolin (Rotterdam Konvention, 2003).

Über die Datenbank EDEXIM (2003) zum Informationsaustausch nach EU-Verordnung 304/2003 lassen sich im öffentlich zugänglichen Teil u. a. Informationen zu den Chemikalien (inkl. PIC-Chemikalien), ihren Klassifizierungen und Einstufungen oder zum Status von ImportVerboten in einzelnen Ländern abrufen. Bezüglich der Informationen zum Export von bestimmten gefährlichen Stoffen fehlen Angaben zum Export-Land, die EU tritt als Exporteur auf. Auch fehlt die Angabe zur Menge des zu exportierenden Stoffs oder der Stoffformulierung.

Von Transparenz kann also auf EU-Ebene nicht die Rede sein; und dies angesichts einer dramatischen Pestizidbelastung z.B. in Lebensmitteln!
In der Europäischen Union sind rund 40 Prozent aller untersuchten pflanzlichen Lebensmittel mit Pestiziden belastet. Nach dem aktuellsten EU-Bericht aus dem Jahr 2001 (EU, 2003) überschritten die Pestizid- Belastungen in 3,6 Prozent der untersuchten Proben die jeweils für ein Pestizid und Produkt festgelegten Rückstandshöchstmengen, die sogenannten "Maximum Residue Limits" (MRLs). Besonders bedenklich ist der zu beobachtende Anstieg von Mehrfach-Belastungen. In rund 18 Prozent aller kontrollierten Lebensmittel konnte 2001 mehr als ein Pestizid-Wirkstoff nachgewiesen werden.

Im Rahmen der EU-koordinierten Sondermessprogramme ("Koordinierte Kontrollprogramme der EU") waren im Jahre 2001 rund 50 Prozent der Proben mit Pestiziden belastet, insbesondere in Salat und Erdbeeren konnten Höchstmengen-Überschreitungen festgestellt werden (3,9 Prozent und 3,3 Prozent). In den vorangegangen Jahren waren von den untersuchten Sorten besonders Paprika (19 Prozent), Melonen (6,1 Prozent), Spinat (7,3 Prozent) und Kohl (4,9 Prozent) mit einer vergleichsweise hohen Anzahl von Grenzwert-Verletzungen aufgefallen.

Pestizid-Vergiftungen weltweit
Pestizid-Vergiftungen stellen ein globales Problem dar. Direkt betroffen sind jedoch insbesondere Menschen in den Entwicklungsländern. Bei einem eigenen Verbrauch von ca. 20 Prozent aller weltweit produzierten Ackergifte treten in Entwicklungsländern ca. 70 Prozent aller Pestizid-Vergiftungen auf(Forastieri, 1999). Ein weiteres Ungleichgewicht besteht hinsichtlich der Folgen der Vergiftungen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich 99 Prozent der tödlich verlaufenden Vergiftungsfälle in Entwicklungsländern ereignen.

Die Schätzungen über das globale Ausmaß der Vergiftungsfälle sind in den letzten 30 Jahren kontinuierlich nach oben korrigiert worden. So ging man 1972 von nur ca. 500.000 Vergiftungsopfern aus (WHO, 1973), während die Zahl der weltweiten Vergiftungsopfer 1990 hingegen bereits auf 25 Millionen geschätzt wurde. Die letzte veröffentlichte Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Vergiftungsproblematik gibt eine Zahl von mindestens drei Millionen Vergiftungsopfern pro Jahr an (WHO, 1990). In der Studie wird jedoch vermutet, dass die tatsächliche Zahl der Pestizid-Vergiftungen noch wesentlich höher, bei 3,5 bis 5 Millionen Opfern, liegen könnte. Unter den drei Millionen Vergiftungen sind etwa zwei Millionen beabsichtigte Vergiftungen bzw. Suizidversuche und eine Million unbeabsichtigte Vergiftungen.

Trotz der immensen Bedeutung ist die Problematik der Pestizid- Vergiftungen jedoch bisher nur schlecht dokumentiert. Gesichertes Daten-Material über das globale Ausmaß liegt nicht vor. Zusätzlich können hohe Dunkelziffern vermutet werden. Denn Vergiftungsfälle fließen oftmals nicht in die Statistiken ein, wenn z. B. weniger stark ausgeprägte Symptome auftreten. Langzeitschäden sind kaum erforscht; viele Krankheitsbilder werden also nicht oder zu spät mit Pestiziden in Verbindung gebracht. Dazu kommt die schwach ausgeprägte Infrastruktur bzw. kaum vorhandene Gesundheitsversorgung in vielen ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer. Aufgrund dieser und anderer Faktoren geht die angeführte WHO-Studie (1990) davon aus, dass einem dokumentierten Vergiftungsfall sechs undokumentierte Fälle gegenüber stehen (WHO, 1990).

Hauptproblem: Pestizid-Altlasten
Pestizid-Altlasten, im Englischen als "obsolete pesticides" bezeichnet, sind Pestizide, die nicht mehr verwendet werden dürfen bzw. nicht mehr verwendet werden sollten. Es handelt sich hierbei zum Beispiel um Agro-Chemikalien, die aufgrund ihrer Gefährlichkeit mit einem Anwendungsverbot belegt wurden, nicht mehr zugelassen sind oder die aufgrund ihrer langen Lagerung ihre erwünschte Wirkung verloren haben (Verfallsdatum abgelaufen). Erschwerend hinzu kommt, dass sich unter dem Pestizid-Giftmüll auch solche Pestizide befinden, die zu den gefährlichsten Insektiziden zählen, wie Aldrin, Chlordan, DDT, Dieldrin, Endrin und Heptachlor, sowie Organophosphate. Genaue Angaben über die weltweiten Bestände an Pestizid-Altlasten existieren bisher nicht. Die Schätzung der FAO (2001) über die globalen Bestände an Pestizid-Altlasten belaufen sich auf über 500.000 Tonnen. In Afrika und dem Nahen Osten liegen 100.000 Tonnen dieser giftigen Zeitbomben, während die "Alt-Pestizide" in Asien sowie in Osteuropa (einschließlich dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion) auf jeweils 200.000 Tonnen geschätzt werden.

Tatsache ist jedoch: Sie führen in den Entwicklungsländern zu den größten Problemen, weil hier die Bevölkerung und die Regierungen nicht ausreichend über die Gefahren der Pestizide informiert sind und die Expertise zum sachgerechten Management von Pestiziden und Pestizid-Altlasten sehr begrenzt ist oder fehlt. Um die Entstehung neuer Pestizid-Altlasten zu verhindern, müssen Präventiv-Maßnahmen, wie z. B. Schulungsprogramme oder Aufbau eines Pestizid-Rücknahme-
systems etc., getroffen werden, was aber natürlich auch zu weiteren Kosten führt.

Fazit: Tausende von Tonnen Pestizid-Altlasten gefährden weltweit Mensch und Umwelt. Um sicherstellen zu können, dass gefährliche Pestizid-Produkte nicht auf ungesicherten Müllhalden der Entwicklungsländer landen, sondern durch geschultes Personal und kompetentes Pestizid-Management gezielten Einsatz auf den Feldern finden, muss der Weg der Pestizide von der Produktion bis zu seinem Einsatz verfolgbar sein. Die obsoleten Pestizide stammen darüber hinaus zum Teil aus deutschen Export-Lieferungen - unklar bleibt bisher wie hoch dieser Anteil ist.