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Beitrag veröffentlicht im Juli 2003

[taz] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

Die tageszeitung vom 31. Juli 2003

Kinderarbeit für Wucherzinsen

Wie das 12-jährige Mädchen Narsamma arbeiten in Indien nach Schätzungen 450.000 Kinder in Schuldknechtschaft, um für transnationale Konzerne Baumwollsaat herzustellen. Von fünf Global Playern stellen sich nur zwei ihrer Verantwortung

von KATHARINA KOUFEN

Als der Regen ausblieb und die Ernte verdorrte, liehen sich Narsammas Eltern von einem Arbeitsvermittler 2.000 indische Rupien - das sind etwa 50 Euro. Das war 1998. Seitdem muss Narsamma auf einem Baumwollsaatfeld arbeiten, um den Kredit zu tilgen. Umgerechnet 19 Euro im Monat verdient die 12-Jährige inzwischen, am Anfang war es nur die Hälfte.

Wie Narsamma arbeiten in Indien rund 450.000 Kinder in der Baumwollsaatindustrie, hat eine Studie des Instituts Glocal Research and Consultancy Services (GRCS) aus Hyderabad ergeben. 95 Prozent von ihnen in Schuldknechtschaft: Ihre Eltern, meist arme Bauern aus den niederen Kasten, leihen sich Geld bei so genannten Arbeitsvermittlern und verleihen im Gegenzug ihre Kinder. Und weil die Gläubiger Wucherzinsen verlangen - 165 Prozent im Jahr oder 20 Prozent pro Woche sind keine Seltenheit - sind die 6- bis 14-Jährigen, zum größten Teil Mädchen, auf Jahre hin dem Arbeitsvermittler oder dem Besitzer des Saatgutbetriebs ausgeliefert.

Der Saatgutbetrieb, in dem Narsamma arbeitet, produziert auf einem Hektar die Baumwollsorte „Brahma“. Dieses hybride Saatgut entsteht durch die Kreuzung zweier Pflanzen mit unterschiedlichen Erbanlagen. Das Ergebnis ist ein Saatgut, das ertragreicher ist, aber steril. Das heißt: Anstatt aus dem Eigenanbau Saatgut für die nächste Aussaat zu gewinnen, müssen die Bauern jede Saison neue Ware beim Hersteller kaufen. Im Fall von Narsamma ist das die holländisch-britische Firma Unilever. Für sie produziert der Farmer, bei dem Narsamma arbeitet, Saatgut.

„Brahma“ wird von der indischen Unilever-Tochter Hindustan Lever Limited (HLL) für das Vierfache dessen verkauft, was die Zulieferer erhielten. „Aufgrund der geringen Erzeugerpreise ist der Einsatz von Kindern fast vorprogrammiert“, so die Studie. „Die Verwendung erwachsener und damit teurerer Arbeiter würde den Gewinn des lokalen Betriebs praktisch auf null senken.“

Die Herstellung von hybridem Saatgut ist arbeitsintensiv: Bei jedem Keim muss der eigene Samen entfernt und der fremde Samen aufgetragen werden. Die Kinder müssen sich dicht über die Pflanzen beugen, um die Blüten für die Kreuzung auszuwählen. Dabei, so die Studie, „nehmen sie über die Haut und die Atemwege große Mengen Agrogifte auf“. Auf den Baumwollfeldern werden besonders viele Pestizide eingesetzt. Auch während die Pflanzen gespritzt werden, müssten die Kinder weiterarbeiten, berichten die Autoren.

Sie arbeiten den ganzen Tag - laut der Studie im Sommer rund neun, im Winter elf bis zwölf Stunden täglich. Kinder, die von auswärts kommen und auf der Farm oft in leer stehenden Ställen untergebracht sind, arbeiten bis zu 13 Stunden am Tag.

Im Zuge der Recherche besuchten die Verfasser der Studie im Frühjahr letzten Jahres 22 kleine Zulieferbetriebe im Süden Indiens. Sie fanden heraus, dass dort Saatgut für fünf transnationale Konzerne und deren indische Tochterfirmen hergestellt wird: für Unilever, die amerikanische Firma Monsanto, die Schweizer Syngenta AG, die niederländische Advanta - und für den deutschen Bayer-Konzern.

Konfrontiert mit dem Vorwurf der Kinderarbeit, reagierten die Unternehmen unterschiedlich. Die Unilever Tochter HLL wies darauf hin, dass sie keinen direkten Kontakt zu den Saatgutfarmern habe. Die Lieferverträge würden von Zwischenhändlern ausgehandelt. Auch Advanta und Monsanto wiesen die Verantwortung für Kinderarbeit von sich.

Syngenta hingegen ging in die Offensive: „Wir möchten uns der Verantwortung stellen“, sagte Shantu Shataram, bei Syngenta für die Beziehung zu den Aktionären zuständig. In der laufenden Anbausaison hat die Schweizer Firma daher wie nach eigenen Angaben auch Bayer einen Passus in die Verträge mit den Zwischenhändlern aufgenommen, nach dem „keine Kinder beim Anbau des Saatguts eingesetzt werden“.

taz Nr. 7118 vom 31.7.2003, Seite 8, 132 Zeilen (TAZ-Bericht), KATHARINA KOUFEN
http:www.taz.de/pt/2003/07/31/a0083.nf/text.ges,1

Baumwolle in Indien

In Indien befinden sich 21 Prozent der weltweit mit Baumwolle bepflanzten Fläche. Die Produktion für Saatgut ist in dem südindischen Bundesstaat Andhra Pradesh konzentriert. Indien war 1970 das erste Land, das hybrides -also aus der Kreuzung zweier Sorten entstandenes, steriles -Baumwoll-Saatgut großflächig herstellte. Heute wird auf 9 Mio. Hektar Land Baumwolle angebaut - fast die Hälfte mit Hybrid-Saatgut. Nur noch 20 Prozent der Sorten sind lizenzfrei - für die anderen 80 Prozent müssen die Bauern bei jeder Aussaat Gebühren bezahlen.
Studie: www.cbgnetwork.de

Bayer: Absichten besser als Wirklichkeit

Eine Studie indischer Wissenschaftler wirft dem Saatguthersteller vor, für Kinderarbeit verantwortlich zu sein.

BERLIN taz Auf seiner Internetseite weist der Bayer-Konzern darauf hin, dass er sich für Menschenrechte, Arbeitsstandards, Umweltschutz einsetzt - und gegen Kinderarbeit. Doch genau diesem Vorwurf müssen sich der Saatgutproduzent Bayer und vier andere Konzerne jetzt stellen. Das indische Institut Glocal Research and Consultancy Services (GRCS) stellt heute in Deutschland eine Studie zum Thema Kinderarbeit auf indischen Saatgutfeldern vor.

Rund 450.000 Kinder arbeiten in der Produktion von indischem Hybridsaatgut, so die Studie. Sie arbeiten für Bauern, die an die Firmen Bayer, Unilever, Monsanto, Syngenta und Advanta verkaufen. Der Autor der Studie und GRCS-Direktor, Davuluri Venkateswarlu, wirft den großen Saatgutfirmen in Europa und Nordamerika vor, „den Einsatz von Kinderarbeit nicht nur zu dulden, sondern auch dafür verantwortlich zu sein“. Die Preise, die die Saatgutkonzerne an ihre indischen Lieferanten zahlten, seien so gering, dass diese nicht an Kinderarbeit vorbeikämen.
Bayer wies die Vorwürfe zurück: „Weder wir noch unsere indische Tochterfirma beschäftigen Kinder, das passt nicht zum Bayer-Image“, sagte ein Konzernsprecher der taz. In die Verträge mit den Zulieferern seien mittlerweile ebenfalls „Richtlinien gegen Kinderarbeit“ aufgenommen worden. "KK

http:www.taz.de/pt/2003/07/31/a0011.nf/text

[Presseerklärung] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 31. Juli 2003

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Global March Against Child Labour (deutsche Sektion)
India Committee of the Netherlands

Kinderarbeit im indischen Saatgut-Anbau

Bayer, Monsanto und Unilever in der Kritik

Die heute veröffentlichte Studie „Kinderarbeit im indischen Baumwollanbau - die Rolle multinationaler Saatgut-Konzerne“ enthüllt, wie internationale Saatgutfirmen von Kinderarbeit in ihrer schlimmsten Form profitieren. Auf der Anklagebank sitzen die Konzerne Monsanto, Unilever, Advanta und Syngenta sowie der deutsche Bayer-Konzern.

Der sehr arbeitsintensive Anbau von Baumwoll-Saatgut in Südindien erfolgt in kleinen Zuliefer-Betrieben, die zwar nominell unabhängig, jedoch durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie durch langfristige Lieferverträge an die Konzerne gebunden sind. Die hauptsächlich in Andhra Pradesh gelegenen Farmbetriebe beschäftigen Zehntausende Kinder - überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren.

Von Werbeagenten werden sie ihren Eltern in Notzeiten für einen Vorschuss gezielt abgeworben und gehen dann in den Frondienst - auf oft bis zu 100 km entfernt gelegenen Saatgutfarmen. Viele sind über Jahre auf den selben Feldern tätig, um immer wieder neue Vorschüsse abzuarbeiten. Für eine 12 - Stunden-Schicht erhalten sie unter 50 Cent. Giftigen Pestiziden ausgesetzt ist ihre Gesundheit im besonderen Maße gefährdet - ein schlimmer Verstoß gegen die Konvention 182 der ILO. Vom Schulbesuch sind sie ausgeschlossen, damit ist jede Chance verbaut, aus dem Armutskreis ausbrechen zu können.

Die Saatgut-Konzerne nehmen auf den Farmen mehrmals pro Jahr Kontrollen vor und räumen „Probleme mit Kinderarbeit“ ein, schieben jedoch die Verantwortung auf die Zulieferer. Die Farm-Betreiber hingegen verweisen auf die niedrigen Abnahmepreise für das Saatgut, die eine rentable Produktion nur mit Hilfe von Kinderarbeit ermöglichen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es wäre für die Firmen ein Leichtes, durch die Zahlung höherer Abnahmepreise sowie ein vertragliches Verbot von Kinderarbeit und diesbezüglichen Kontrollen das Problem zu lösen. Es ist beschämend, dass reiche Konzerne wie Bayer von der Ausbeutung von Kindern profitieren.“

Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour : „Das Beispiel macht sehr deutlich, dass Kinderarbeit, weil sie so billig zu haben ist, den Erwachsenen die Arbeitplätze nimmt. Der deutsche Bayer-Konzern könnte eine Vorreiterrolle bei der Befreiung der Kinder aus der Fron übernehmen, indem er den Farmern angemessene Abnahmepreise zahlt - geknüpft an die Bedingung, “unverzüglich Erwachsene auf Mindestlohnbasis einzustellen„. Der beachtliche Erfolg bei der Bekämpfung der Kinderarbeit in der Teppichindustrie durch die Einführung des Warenzeichens Rugmark zeigt, dass Bayer die Leiden der Kinder in seinem Bereich beenden könnte.“

Die Untersuchung wurde vom indischen Forschungsinstitut Glocal Research and Consultancy Services durchgeführt und wird von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour, der Coordination gegen BAYER-Gefahren und dem India Committee of Netherlands gemeinsam herausgegeben.

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
www.CBGnetwork.org
info@cbgnetwork.org
Tel: 0211 - 333 911

Global March Against Child Labour (deutsche Sektion)
www.globalmarch.org
kruserainer@surfeu.de
Tel/Fax: 0711 - 467381

India Committee of the Netherlands
www.indianet.nl
g.oonk@antenna.nl

Kinderarbeit

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 31. Juli 2003

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Global March Against Child Labour (deutsche Sektion)
India Committee of the Netherlands

Kinderarbeit im indischen Saatgut-Anbau

Bayer, Monsanto und Unilever in der Kritik

Die heute veröffentlichte Studie „Kinderarbeit im indischen Baumwollanbau - die Rolle multinationaler Saatgut-Konzerne“ enthüllt, wie internationale Saatgutfirmen von Kinderarbeit in ihrer schlimmsten Form profitieren. Auf der Anklagebank sitzen die Konzerne Monsanto, Unilever, Advanta und Syngenta sowie der deutsche Bayer-Konzern.

Der sehr arbeitsintensive Anbau von Baumwoll-Saatgut in Südindien erfolgt in kleinen Zuliefer-Betrieben, die zwar nominell unabhängig, jedoch durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie durch langfristige Lieferverträge an die Konzerne gebunden sind. Die hauptsächlich in Andhra Pradesh gelegenen Farmbetriebe beschäftigen Zehntausende Kinder - überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren.

Von Werbeagenten werden sie ihren Eltern in Notzeiten für einen Vorschuss gezielt abgeworben und gehen dann in den Frondienst - auf oft bis zu 100 km entfernt gelegenen Saatgutfarmen. Viele sind über Jahre auf den selben Feldern tätig, um immer wieder neue Vorschüsse abzuarbeiten. Für eine 12 - Stunden-Schicht erhalten sie unter 50 Cent. Giftigen Pestiziden ausgesetzt ist ihre Gesundheit im besonderen Maße gefährdet - ein schlimmer Verstoß gegen die Konvention 182 der ILO. Vom Schulbesuch sind sie ausgeschlossen, damit ist jede Chance verbaut, aus dem Armutskreis ausbrechen zu können.

Die Saatgut-Konzerne nehmen auf den Farmen mehrmals pro Jahr Kontrollen vor und räumen „Probleme mit Kinderarbeit“ ein, schieben jedoch die Verantwortung auf die Zulieferer. Die Farm-Betreiber hingegen verweisen auf die niedrigen Abnahmepreise für das Saatgut, die eine rentable Produktion nur mit Hilfe von Kinderarbeit ermöglichen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es wäre für die Firmen ein Leichtes, durch die Zahlung höherer Abnahmepreise sowie ein vertragliches Verbot von Kinderarbeit und diesbezüglichen Kontrollen das Problem zu lösen. Es ist beschämend, dass reiche Konzerne wie Bayer von der Ausbeutung von Kindern profitieren.“

Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour : „Das Beispiel macht sehr deutlich, dass Kinderarbeit, weil sie so billig zu haben ist, den Erwachsenen die Arbeitplätze nimmt. Der deutsche Bayer-Konzern könnte eine Vorreiterrolle bei der Befreiung der Kinder aus der Fron übernehmen, indem er den Farmern angemessene Abnahmepreise zahlt - geknüpft an die Bedingung, “unverzüglich Erwachsene auf Mindestlohnbasis einzustellen„. Der beachtliche Erfolg bei der Bekämpfung der Kinderarbeit in der Teppichindustrie durch die Einführung des Warenzeichens Rugmark zeigt, dass Bayer die Leiden der Kinder in seinem Bereich beenden könnte.“

Die Untersuchung wurde vom indischen Forschungsinstitut Glocal Research and Consultancy Services durchgeführt und wird von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour, der Coordination gegen BAYER-Gefahren und dem India Committee of Netherlands gemeinsam herausgegeben.

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
www.CBGnetwork.org
info@cbgnetwork.org
Tel: 0211 - 333 911

Global March Against Child Labour (deutsche Sektion)
www.globalmarch.org
kruserainer@surfeu.de
Tel/Fax: 0711 - 467381

India Committee of the Netherlands
www.indianet.nl
g.oonk@antenna.nl

Positivliste

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 22. Juli 2003

Nach dem Aus von „Positivliste“ und „Institut für Qualitätssicherung“

Kniefall vor Pharma-Konzernen

Scharfe Kritik übten Vertreter der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) an der geplanten Gesundheitsreform. Der auf Druck der CDU erfolgte Verzicht auf „Positivliste“ und „Institut für Qualitätssicherung in der Medizin“ bedeuteten einen „Kniefall vor der Pharma-Lobby“ und würden zu weiteren Kostensteigerungen im Gesundheitssystem führen. Besonders die Positivliste hätte die Möglichkeit erbracht, nutzlose und risikoreiche Medikamente aus dem Leistungskatalog zu streichen. Hierdurch wären eine Verbesserung der Versorgung und Einsparungen in Milliardenhöhe zu erreichen.

Philipp Mimkes von der CBG: „Vor zehn Jahren versuchte Horst Seehofer, damals noch Gesundheitsminister, selbst eine Positivliste aufzustellen. Wider besseren Wissens beendete er damals auf Druck der Pharmakonzerne das Projekt. Heute lässt sich die Union erneut zum Lakaien der Pharmalobby machen.“ Mimkes erinnert an die Demuts-
geste, mit der Seehofer das Projekt seinerzeit kassiert hatte: beim Geburtstag des Verbandspräsidenten der Pharmaindustrie, Hans- Rüdiger Vogel, übergab der Staatssekretär des Gesundheitsministers, Baldur Wagner, die Positivliste in zerschreddertem Zustand. „Wirkungslose Präparate wie das Diabetes-Mittel Glucobay von BAYER werden die Kassen weiterhin mit hunderten Millionen von Euro pro Jahr belasten“, so Mimkes weiter.

Über 40.000 Präparate tummeln sich auf dem deutschen Markt, skandinavische Länder oder Großbritanien kommen mit wenigen Tausend aus. „Kein Arzt kann bei dieser Pillenflut die Übersicht behalten. Verschrieben wird daher auch in Zukunft nicht das effektivste Präparat, sondern das, was am intensivsten beworben wird“, so Jan Pehrke von der CBG. Pehrke entkräftet auch das Argument der Lobbyisten, eine Reglementierung des Pharmamarkts würde die Forschung gefährden. „Für Marketing geben die Konzerne doppelt so viel Geld aus wie für die Forschung“, kritisiert Pehrke.

Der Kampf gegen die Positivliste wird heute vor allem vom Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) geführt. Der VFA wurde 1994 auf Initiative des BAYER-Konzerns gegründet und wird von Cornelia Yzer, früher Justitiarin bei BAYER, geleitet. Alle vorherigen Versuche zur Aufstellung einer Positivliste durch Krankenkassen und Ärztekammern verhinderte der VFA durch Millionenklagen – wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrung. Ellis Huber, damaliger Präsident der Berliner Ärztekammer, musste den Versuch aufgeben, Licht in den Pharma- Dschungel zu bringen: „Ich kapituliere vor der wirtschaftlichen Übermacht der Pharmakonzerne“, so Huber angesichts sechsstelliger Prozesskosten.

Cornelia Yzer war nach dem ersten Scheitern der Positivliste als Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium gewechselt und hatte dort die Wünsche ihres Arbeitgebers BAYER direkt umgesetzt. Ein weiterer Versuch zur Aufstellung der Positivliste, die auch Bestandteil des Koalitionsvertrags zwischen SPD und Grünen ist, wurde SPD-intern gekippt: Wolfgang Clement, damals noch NRW-Ministerpräsident, verhinderte das Projekt im Bundesrat - nach einer entsprechenden Intervention von BAYER. „Es ist beschämend zu sehen, dass die Gesundheit der Bevölkerung einen niedrigeren Stellenwert besitzt als die Profitinteressen der Pharmaindustrie“, so Philipp Mimkes von der CBG.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kontrolliert seit 25 Jahren die Geschäftspolitik des BAYER-Konzerns. Der Verein arbeitet u.a. zu den Bereichen Produktrisiken, Gentechnik, Störfallgefahren und Lobbyismus.

Australien

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 10. Juli 2003

Australien: Bayer verweigert Haftung für Genpflanzen

„Konzerne müssen volle Verantwortung übernehmen“

Das australische Network of Concerned Farmers (NFC) fordert in einem Offenen Brief an die Firma Bayer CropScience die Übernahme aller Folgekosten, die sich aus dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben. Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel sind in der australischen Landwirtschaft bislang verboten, die Firma Bayer drängt aber auf die Zulassung von modifiziertem Raps. Australien würde hierdurch seinen Status als „Gentechnik-frei“ verlieren - Landwirte, die weiterhin Gentechnik-frei produzieren möchten, wären gezwungen, die Reinheit ihrer Produkte mit aufwendigen Testverfahren zu belegen. In einer Stellungnahme weigerte sich das Unternehmen Bayer, der Forderung nachzukommen.

„Wenn die Verantwortlichen bei Bayer sicher sind, dass der Anbau von Gen-Raps keine Probleme verursacht, dann sollen sie auch die Haftung und alle Folgekosten übernehmen“, so Julie Newman, Sprecherin der NFC. „Die Konzerne planen offenbar, die Kosten, die sich bei der Inverkehrbringung gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben, den Gentechnik-frei arbeitenden Landwirten aufzubürden. Diese sind aber nicht bereit und nicht in der Lage, Unternehmen wie Bayer und Monsanto zu subventionieren. Die Firmen müssen die volle Verantwortung für Ihre Produkte übernehmen“. Die Kosten Gentechnik-frei arbeitender Landwirte für Tests und Aussortierung gentechnischer Verunreinigungen lägen bei 10-20% des Verkaufspreises.

In dem Brief an Bayer CropScience schreibt die NFC: „Wie Ihnen bekannt ist, gibt es in Bezug auf den kommerziellen Anbau von gentechnisch verändertem Raps viele ungelöste Probleme. Als ein Netzwerk Gentechnik-frei arbeitender Landwirte weigern wir uns, jegliche Kosten zu übernehmen, die durch die Kontamination Gentechnik-freier Felder durch benachbarte Gentechnik-Pflanzen entstehen. Wir bestehen darauf, dass Bayer CropScience alle Kosten für die Kontrolle seiner Produkte übernimmt.“

Die NFC weist darauf hin, dass wichtige Importeure wie China und die EU nur Gentechnik-freien Raps abnehmen und diese Märkte verloren gehen werden. Untersuchungen in Kanada hatten ergeben, dass 95% des von Öko-Bauern angebauten Raps mit Fremdgenen kontaminiert waren.

der Offene Brief und weitere Infos der NFC finden sich unter:
www.non-gm-farmers.com