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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 29. April 2011

[RP] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

29. April 2011 – Rheinische Post

Peta und Imker demonstrieren gegen Bayer

Die Bayer-Hauptversammlung in Köln ist am Freitagmorgen von Demonstrationen begleitet worden. Unter den etwa 150 Demonstranten befanden sich zum Beispiel Tierschützer und Imker.

Seit 8 Uhr hockt Anja Hägele in einem Käfig vor der Messehalle 7 in Köln - lediglich mit einem weißen Bikini bekleidet. Auf dem Kopf trägt sie einen Haarreif mit Hasenlöffeln. „Das ist ein beklemmendes Gefühl, aber es ist ja für einen guten Zweck“, erklärt sie. Die Käfigaktion geht auf das Konto der Tierrechtsorganisation Peta, die an diesem Vormittag gegen Tierversuche demonstriert. Hägele stellt dabei symbolisch das Versuchskaninchen da. Um den Käfig herum stehen weitere Peta-Mitglieder. Sie halten Schilder in der Hand mit der Aufschrift:„Bayer: Stoppt Tierversuche“.

Vor der Messehalle haben sich an diesem Vormittag außerdem etwa 50 Mitglieder vom Berufs- und Erwerbsverband der Imker eingefunden. Sie demonstrieren gegen das Beizmittel „Poncho“, das aus Sähmaschinen auf Felder gesprüht wird. Die Imker glauben, dass dadurch millonenfach Bienen sterben. Mit im Gepäck haben sie leere Honig-Fässer, auf die sie lautstark trommeln.

Neben Peta- und Imker-Demo sind an diesem Freitagmorgen zudem Betroffene des von Bayer in den 70er Jahren verkauften Schwangerschaftstestmittels Duogynon (Wirkstoff Norethisteron) zu einer Kundgebung zusammengekommen. Eine Klage eines Betroffenen gegen den Hersteller des Praeperates, das mit einer Vielzahl an fehlgebildeten Kindern in Verbindung gebracht wird, war im Januar 2011 wegen Verjaehrung abgewiesen worden. VON LUDMILLA HAUSER UND URS LAMM

[Duogynon] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

Westfälische Rundschau, 29. April 2011

Duogynon-Opfer : Jahrelanger Kampf um die Wahrheit

Köln. Mehr als 30 Jahre sind vergangen, seit sich Carmen Scholz (58) aus Lüdenscheid mit dem Pharmakonzern Schering angelegt hat: Seit ihr Sohn Markus 1975 mit einem verkrüppelten Arm zur Welt kam – und sie jahrelang (aber vergebens) um Akteneinsicht kämpfte. Ihr damaliger Verdacht – und der von rund 300 anderen Eltern: Das Hormonpräparat Duogynon sei dafür verantwortlich, dass Kinder mit Missbildungen wie Verstümmelungen an Händen und Füßen, offenem Rücken, Wasserköpfen und Schäden im Blasen- und Genitaltrakt zur Welt kamen. Am Freitag nahm die 58-Jährige ihren Kampf wieder auf: Mit rund 40 anderen betroffenen Müttern, Vätern und Kindern verteilte sie vor der Hauptversammlung der Bayer AG, dem Rechtsnachfolger Scherings, Flugblätter, um die Aktionäre auf das Thema aufmerksam zu machen. Die jedoch brachten dafür kaum Interesse auf...

Schon früh am Morgen hatten die „Duogynon-Opfer“, wie sie selbst bezeichnen, Stellung bezogen vor der Köln-Messe. An ihrer Spitze: der 34-jährige Grundschullehrer Andre Sommer aus dem Allgäu, der mit einer Klage gegen den Pharmakonzern 2010 den Stein wieder ins Rollen gebracht hatte. „Es ist unglaublich, was seitdem passiert ist“, sagte er. „In zehn Monaten habe ich 3500 E-Mails und Briefe erhalten. “ Bis heute hätten sich 364 mutmaßliche Geschädigte bei ihm gemeldet. Und alle hätten nur einen Wunsch: „Wir wollen endlich Gewissheit haben. Wir wollen nur wissen, woher unsere Behinderung stammt.“ Deshalb hatte er Bayer bereits schriftlich angeboten, auf alle Schmerzensgeld- und Schadensersatzansprüche zu verzichten, wenn er Akteneinsicht erhalte. Auch das vergebens. Bayer ging auf keinen Vergleich ein – und siegte im Januar vor dem Landgericht Berlin. Begründung: Die Schadenersatzansprüche seien seit 2005 verjährt. Sommer legte Berufung ein, nun geht das Verfahren in die nächste Runde.
„Wir sind nicht verjährt“, stand auf den T-Shirts, die die Betroffenen gestern trugen. In Flugblättern warben sie um Stimmen für einen Gegenantrag, den Sommer und der Kleinwüchsige Wolf-Dietrich Molzow stellten: Vorstand und Aufsichtsrat sollten solange nicht entlastet werden, bis das Unternehmen Auskunft über die Nebenwirkungen von Duogynon gebe.
Doch immer wieder scheiterten die Opfer schon zuvor bei dem Versuch, für Verständnis zu werben. „Nur schnell weg, nur keinen anschauen, bloß nicht mit jemandem reden“, schienen Hunderte von ihnen zu denken, als die Demonstranten am Morgen den Weg zum Eingang säumten. Viele schüttelten nur den Kopf, als die Initiativler ihnen den Handzettel geben wollten. „Interessiert mich nicht“, hieß es. Andere nahmen das Blatt geradezu missmutig und gaben zu: „Fliegt gleich eh wieder in den Papierkorb.“

Wenig Interesse bei den Aktionären
Anita Crump (65), deren Tochter vor 36 Jahren mit Missbildung an Blase und Wirbelsäule und Klumpfuß zur Welt kam, war entsetzt. „Wenn ich sehe, wie die Menschen hier an uns vorbeigehen und so tun, als gehen die Probleme sie nichts an, das erschüttert mich“, gab sie zu.
Nur wenige der Aktionäre blieben stehen und ließen sich auf ein Gespräch ein. Und nur die allerwenigsten hatten Verständnis wie die Rheinländerin Ingrid Meding-Arnd (76), die selbst einmal bei dem Konzern gearbeitet hatte: „Ich bin schon der Meinung, dass Bayer Akten-Einsicht geben muss“, sagte sie. „Und ich finde es immer richtig, zu protestieren.“
Auch Peter Schröder, SPD-Vorsitzender in Uerdingen, ließ sich auf eine Diskussion ein - wenngleich ihm das Thema Kraftwerk und Investitionen wichtiger war. „Der Wohlstand, den wir haben, der hat doch auch etwas mit dieser Firma zu tun!“ betonte er. Der 60-jährigen Elke Fuchs, deren Sohn mit nur einem Auge zur Welt kam und motorische Störungen hat, verschlug es darauf fast die Sprache. „Ich habe keinen Wohlstand durch Bayer“, sagte sie, „ich habe ein behindertes Kind.“
Viele Frauen, die Duogynon zwischen 1950 und 1978 als Schwangerschaftstest oder zur Behandlung ausbleibender Monatsblutungen verschrieben bekommen hatten, haben sich ihr Leben lang Vorwürfe gemacht, die Tabletten genommen zu haben. Auch die Mutter von Andre Sommer. Wenn Bayer nichts zu verheimlichen habe, meint der 34-Jährige, könne man doch auch Einblick in die Unterlagen geben. „Lassen Sie uns die Akte Duogynon endlich schließen und das Thema beenden“, appellierte er bei der Hauptversammlung. „Geben Sie der Wahrheit eine Chance.“

Proteste gegen Pestizide und die Pille
Die „Duogynon-Opfer“ waren nicht die Einzigen, die sich am Freitagmorgen aus Anlass der Bayer-Hauptversammlung vor dem Kölner Messe-Eingang einfanden.
Demonstranten protestierten auch gegen Bayer-Pestizide, die verantwortlich für das Bienensterben seien, gegen Tierversuche, gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline durch NRW, gegen gentechnische Kontaminationen von Bayer und gegen die Antibabypille Yasmin, die Ursache für schwere Lungenembolien sei. Katja Sponholz

[HV 2011] Hauptversammlung 2011

CBG Redaktion

zwei Aktionsberichte zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April 2011

BAYER-HV 2011 im Zeichen der Kritik

Vorstandsvorsitzender Dekkers eiskalt

Es war die erste Hauptversammlung der BAYER-AktionärInnen des neuen Vorstandsvorsitzenden Marijn Dekkers. Alles war toll geplant: Super Zahlen, sensationelle Gewinne, eine noch sensationellere Dividende, jubelnde AktipionärInnen.

Doch es kam alles anders. Bereits um 8 Uhr morgens machten vor den Toren der Kölner Messehallen lautstark DemonstrantInnen auf sich aufmerksam. Sie warfen dem Konzern und seinen AktionärInnen vor, seine Profite auf Kosten von Mensch und Umwelt zu erraffen. Es ging um Tierversuche, um BAYER-Gifte, um die tödliche CO-Pipeline, um Gentechnik, um Arbeitsplatzvernichtung:
> Etwa 100 Imker hatten Bienenstöcke und 1,2 Millionen Unterschriften mitgebracht. In ihren Materialien warnten sie, dass BAYER für das weltweite Bienensterben verantwortlich ist und forderten den sofortigen Stopp der bienentödlichen BAYER-Pestizide.
> TierversuchsgegnerInnen hatten einen übergroßen Käfig mitgebracht, in dem ein menschliches Kaninchen im Dienste der BAYER-„Wissenschaft“ gefoltert wird.
> Aus mehreren Ländern waren Opfer der BAYER/Schering-Schwangerschaftstests PRIMODOS (in Deutschland DUOGYNON) angereist und machten darauf aufmerksam, dass dieser Medizin-GAU weitaus mehr Opfer forderte als die CONTERGAN-Katastrophe.
> Ein Dutzend junge Frauen in brennend roten T-Shirts informierten darüber, dass sie nur knapp dem Tod entronnen waren und nun lebenslange schwere Gesundheitsschäden haben, nachdem sie die BAYER-Antibabypille Yasmin eingenommen hatten.

Die etwa 4.000 AktionärInnen, die so nach und nach bis zum Beginn der HV um 10 Uhr aus den Bussen quollen, wurden von ohrenbetäubendem Lärm und Dutzenden von Flugblättern empfangen. Noch meinten sie, sich den Protesten raschen Schrittes zum Eingang hin entziehen zu können. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Kritischen AktionärInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) gemacht.

Wie in den 30 Jahren zuvor, trat die CBG, ausgestattet mit 40 Tsd. Stimmrechten von mehreren hundert AktionärInnen im Saal ans Mikrofon und versaute die von BAYER-Boss Dekkers und seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Schneider beschworene Jubelstimmung kräftig. Von 32 RednerInnen in der Aussprache des Berichts gingen mehr als 20 mit dem Konzern und dem verantwortlichen Management mehr oder weniger hart ins Gericht. Neben den RednerInnen der CBG sprachen VertreterInnen von Greenpeace International, von Avaaz, von Peta, von den CO-Pipeline-GegnerInnen, von den Imkerverbänden sowie von anderen Organisationen. Es ging neben den bereits in den Flugblättern vor dem Saal erwähnten Themen um die Vernichtung von Arbeitsplätzen, um die Sicherheit in den Werken, um Unglücksfälle und Katastrophen, um die Diskriminierung der Frauen und viele andere mit den BAYER-Profiten verbundene Fragen und Probleme.

Besonders bewegend waren die Auftritte der Antibabypillen- und PRIMODOS-/DUGYNON-Opfer. Während zwei junge Frauen über ihr Schicksal nach der Einnahme von YASMIN berichteten, zogen ein weiteres halbes Dutzend junger Frauen und Angehöriger von YASMIN-Opfern durch die Reihen der AktionärInnen. Die Aufdrucke Ihrer T-Shirts gaben über die persönlichen Schicksale Auskunft.

Ebenso die PRIMODOS-/DUGYNON-Opfer. Während ihrer Rede bauten sie sich vor dem hoch oben auf seinem Podest über ihnen thronenden Vorstandsvorsitzenden auf und zeigten ihre erlittenen Missbildungen an Händen und Füßen. Fast eine Viertelstunde lang brachten sie so die Manager in Verlegenheit.

Einen Schlagabtausch der besonderen Art gab es, als der Gründer der CBG, Axel Köhler-Schnura ans Mikrofon trat. Seit 1983 ist er auf den HVs präsent. Bereits vier Vorstandsvorsitzende vor Dekkers mussten sich Jahr für Jahr seine beißende Kritik am Profitgeschäft des Konzerns anhören. Unnachgiebig enthüllte er das wahre Gesicht des Konzerns und legte faktenreich die Finger in die Wunden: Nicht um Umweltschutz und Erhöhung der weltweiten Gesundheit geht es dem Konzern, sondern einzig um immer neue Maximierung der Profite. Dabei sind Machtmissbrauch, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Kriegstreiberei, Menschenrechtsverletzungen, Gefährdung menschlicher Gesundheit bis hin zum Tod die Regel. Das alles im großen Stil, das alles weltweit.

Dieses Jahr nahm Köhler-Schnura u.a. die Katastrophen der Kernschmelze in Fukushima und der Explosion der Deepwater Horizon im Golf von Mexiko zum Anlass, um vor drohenden Desastern gleichen Kalibers bei BAYER zu warnen. „BAYER hat gleich mehrere vergleichbare Menschheitskatastrophen in der Pipeline .... Gemeint sind die Gentechnik und die Nanotechnologie. Und gemeint ist die gleich mehrfache Verantwortung des BAYER-Konzerns für das seit nunmehr fast zwei Jahrzehnte andauernde Bienensterben. .... Ohne Bienen können wir einpacken. ... Ohne Bienen keine Lebensmittel - so einfach ist das. Und wenn der kritische Punkt überschritten ist, dann haben die von BAYER verursachte Menschheitskatastrophe!“ Darauf gibt es laut Köhler-Schnura nur eine mögliche Antwort: Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat, „auch der Aufsichtsrat vertretenen GewerkschaftskollegInnen, die leider kein besseres Bild abgeben“ sowie Kürzung der Dividende „von 57 Prozent(!!) des Kapitalwertes der Aktien in Höhe 1,50 Euro auf 3,8 Prozent bzw. 0,10 Euro je Aktie“, wobei er betonte, dass er auch die vollständige Streichung zu Gunsten der Sicherung von Arbeitsplätzen, des Schutzes der Umwelt und der Entschädigung von Opfern fordern würde, dass das aber leider gesetzlich nicht möglich sei..

Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich von allem unbeeindruckt. Jedwede Kritik prallte an ihm ab: BAYER hätte für nichts Verantwortung, alles sei bestens, die Vorwürfe seien durchweg haltlos. Und insbesondere den Opfern schrieb er mit Eiseskälte ins Stammbuch, dass YASMIN „sicher“ und irgendein Zusammenhang mit den Missbildungen durch PRIMODOS/DUOGYNON nicht bewiesen sei.

Eine Hauptversammlung ist eine hohe Messe des Kapitals. Fast eine Milliarde Aktien im Nennwert von 2,56 Euro –Kurzwert ca. 50 Euro - zirkulieren bei BAYER. 90 Prozent davon befinden sich in den Händen weniger GroßaktionärInnen. Die ca. 4 Tsd. angereisten KleinaktionärInnen haben keinerlei Bedeutung, sie geben mit den von ihnen zusammen gehaltenen vielleicht zwei Millionen Aktien das Feigenblatt für geschauspielerte Aktionärsdemokratie. Sämtliche Beschlüsse sind längst vor der HV mit den „Investoren“ geklärt. Für sämtliche Beschlussanträge hat der Vorstand sichere Mehrheiten von 90 Prozent dank der Konzentration der Aktien bei den Großaktionären im Sack. Grundlegende Gefahren für die Abstimmungen gibt es bei dieser Art von „Demokratie“ keine.

Doch um diese Diktatur des Kapitals nicht so offenkundig sichtbar werden zu lassen, wird Jahr für Jahr das Schauspiel einer Hautpversammlung aufgeführt. Um so ärgerlicher für die Konzernverantwortlichen, dass es bei BAYER seit Jahrzehnten bereits von den Kritischen AktionärInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren als das entlarvt wird, was es ist: Eine Farce, eine Verdummung der Bevölkerung.

Noch ärgerlicher diesmal, dass es dem Vorstandsvorsitzenden Dekkers noch nicht einmal gelang, die AktionärInnen im Saal bei der Stange zu halten. Da half es auch nicht, dass er – einigermaßen angeekelt - in den Raum schleuderte, „Herr Köhler-Schnura, Ihre pauschalen Vorwürfe zeigen, dass Sie etwas gegen soziale Marktwirtschaft, Pressefreiheit und Demokratie haben. Es zeigt ihre kommunistische Gesinnung, die sich grundsätzlich von unserer Haltung unterscheidet. ... Dass Sie BAYER in die Nähe von Atom-Katastrophen rücken, zeigt wie Sie die Realität verkennen.“ Ein Kleinaktionär, der seine Stimmrechte unmittelbar nach der Rede von Köhler-Schnura diesem übertrug, stellte fest: „Ich kann beim besten Willen nicht erkennen, wo Sie die demokratische Grundordnung verletzen.“

Und so kam es wie es kommen musste. Statt der bei Hauptversammlungen üblichen 99-prozentigen Zustimmung zu den Anträgen der Vorstände gab es bei BAYER auch dieses Mal wieder nicht nur Applaus für die kritischen Redebeiträge von Köhler-Schnura und den anderen kritischen AktionärInnen, sondern mehr als 3 Millionen Gegenstimmen. Der so schön geplante Antritts-HV des neuen BAYER-Bosses Dekkers war damit gründlich missraten, die Fassade der Aktionärsdemokratie bekam Risse, die Profit-Bestie hinter den Hochglanzberichten kam unübersehbar zum Vorschein. Von Chr. LeMaan, Coordination gegen BAYER-Gefahren

Bericht zur Demonstration der Imker im Rahmen der Hauptversammlung der Aktionäre der BAYER AG, sowie zum Verlauf der Hauptversammlung

Köln, den 29. April 2011
Bernhard Heuvel

Ankunft
Bereits beim Eintreffen vor den Messehallen der Köln-Messe fielen die mit hellem Imkerschleier und -anzug gekleideten Menschen auf, die fleißig beim Aufbau waren. Daneben hoben sich die dunkel gekleideten Leute des Sicherheitsdienstes ab, die im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen in auffällig hoher Anzahl vertreten waren.
Vor dem Eingang der Köln-Messe ist ein U-förmiger Busbahnhof gelegen. Die Fassade der Köln-Messe ist hochmodern mit einer hohen Glasfront verkleidet. Die Glasfassade wurde mit dem BAYER-Schriftzug versehen und vor dem Gebäude die BAYER-Flaggen gehisst. Die Imker positionierten sich gegenüber des Einganges zur Hauptversammlung. Die Shuttle-Busse hielten rechts der Imker, die Aktionäre und Besucher der Hauptversammlung liefen an der Glasfront etwa 50 Meter bis zum Eingang. Die Glasfront war mit Absperrungen abgestellt, so daß die Aktionäre wie in einer Art Schlauch eingezwängt vor den Imkern liefen.
Die Imker hatten ein großes DIB-Honigglas aufgebaut, Transparente an den Fahnenmasten angebracht, sowie Holzschilder zum Hochhalten vorbereitet.Schilder zum Umhängen gab es ebenfalls. Mehrere Bienenvölker wurden aufgestellt, wobei vor einem Bienenvolk ein weißes Laken ausgebreitet wurde, auf dem ein ganzer Eimer toter Bienen ausgeschüttet wurde. Das Transparent zeigte dazu: BAYER – Gift für Bienen! Die Veranstaltung wurde vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund DBIB ausgerufen, dessen Vorstand in Person von Manfred Hederer und Christoph Koch vor Ort vertreten war. Ebenfalls vertreten war der Präsident des Europäischen Erwerbsimkerbundes (EPBA ) Walter Haefeker.

Verlauf der Demonstration
Von 8 Uhr bis etwa 10:30 Uhr reisten die Aktionäre und Besucher der Hauptversammlung hauptsächlich mit den zur Verfügung gestellten Shuttle-Bussen an. Die Busse hielten rechts der Demonstranten und wurden beim Aussteigen von der Organisation AVAAZ mit einem in deutscher und englischer Sprache verfassten Banner begrüßt. Insgesamt 1,2 Millionen Menschen weltweit haben für das Verbot der Neonicotinoide und dem Stopp des Bienensterbens gestimmt – das stand auf dem Plakat. Vor dem Plakat haben sich als Bienen verkleidete Aktivisten auf dem Boden gelegt und tote Bienen dargestellt. Die Imker haben sich in Imkerkleidung dazugestellt und damit die Forderung unterstrichen.
Die Aktionäre liefen dann durch einzelne Imker hindurch, die sich mit einem Rauchgerät entlang der Fassade stellten.
Die restlichen Imker positionierten sich gegenüber der Fassade am Busbahnhof. Die Imker verliehen mit drei leeren Ölfässern als Trommeln mächtig Gehör – mit lautem Wummern, das zudem von der Fassade zurückgeworfen wurde, gestaltete sich der Gang zum Eingang (etwa 50 Meter) als richtiger Spießrutenlauf. Die Trommeln wurden durch Trillerpfeifen und Trompeten unterstützt – ein Ignorieren und Vorbeischleichen war kaum möglich.
Daher blieben viele Aktionäre stehen und studierten die Forderungen auf den Bannern.
Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich – von aufmerksamen Interesse, von auf den Boden blicken bis hin zu bösartigen und starren Blicken war jede Reaktion vertreten.
Die Absperrungen waren massiv mit Sicherheitsleuten abgestellt. Sicherheitsleute haben sich auch innerhalb des Gebäudes an den Fenstern platziert, und beobachteten die Demonstranten mit größter Aufmerksamkeit.
Das Publikum entsprach vom Altersdurchschnitt her dem Altersdurchschnitt der Imker in Deutschland, also ein älteres Publikum. Die wenigsten trugen Anzüge, einige kamen sogar in Sandalen, so daß ich mich zum Teil dem Eindruck einer Kaffeefahrt nicht erwehren konnte.
Mit einigen der Besucher kamen wir ins Gespräch – auch hier waren die Fragen sehr unterschiedlich. Von „wir sollten uns schämen“, „ich wurde durch BAYER-Medikamente gerettet“ bis zu interessierten und aufrichtigen Nachfragen unseres Anliegens.
Im Takt von etwa fünf Minuten kamen Busse, die die etwa 3.500 Aktionäre und Besucher zur Versammlung brachten. Jeder Bus wurde mit einem Donnern der Trommeln begrüßt.
Den Pressevertretern in Form von Fotografen, Kameraleuten, Radio- und Zeitungsreportern erklärten die Vertreter des DBIB die Hintergründe zu Neonicotinoiden, Saatgutbeizung und dem Bienensterben.

Parallele Demonstrationen
Die PETA demonstrierte gegen die in den Labors der Firma BAYER durchgeführten Tierversuche, wobei vor allem die unnötige Anwendung von Grausamkeiten gegenüber des Tieres im Fokus stand. Aktivisten haben entsprechende Videos in den Laboren gedreht, die auf der Homepage der Organisation zu sehen sind. Des Weiteren verwies PETA auf die heute zur Verfügung stehenden Alternativen zu Tierversuchen, die zudem aussagekräftiger sind und Risiken besser darstellen.
Die Organisation AVAAZ.org unterstützte die Imker durch ihre Darstellung toter Bienen und der Unterschriftensammlung von 1,2 Millionen Stimmen, die später BAYER-Vertretern überreicht wurde.
Die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter (SDG) demonstrierte gegen die Wirkungen der drospirenonhaltigen Pillen Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida und Petibelle des Herstellers Bayer- Schering. Diese verursachen neuen Studien zufolge ein bis zu doppelt so hohes Embolie- und Thromboserisiko im Vergleich zu älteren Präparate. Nach Angaben der US-Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration starben allein in den USA 190 Frauen nach Einnahme von Yasmin oder Yaz. In Deutschland erlitten mindestens zwölf junge Frauen tödliche Embolien. http:www.risiko-pille.de
Die Gruppe der Duogynon-Opfer werfen der Firma BAYER vor, Unterlagen zur Aufklärung zurückzuhalten, die aufklären, ob der hormonelle Schwangerschaftstest Duogynon bei Föten Missbildungen hervorruft.
Robin Blood ist eine Selbsthilfegruppe der in den 70er- und 80er-Jahren Gruppe von Blutern (4.500 Menschen), die durch verunreinigte Blutpräparate mit Hepatitis-C Viren infiziert wurden.
Die Initiative „Stopp-Bayer-CO-Pipeline kämpft gegen den Bau der CO-Pipeline in Dormagen und Umgebung, die für alle Einwohner ein nichtkalkulierbares Risiko darstellt.
Die Organisation Coordination gegen Bayergefahren unterstützte alle Demonstranten bei ihren Anliegen. http:
cbgnetwork.com

Hauptversammlung
Zur Hauptversammlung der BAYER AG ist jeder zugelassen, der Aktionär der BAYER AG ist, wobei die Anzahl der gehaltenen Aktien keine Rolle spielt. Bereits mit einer einzigen Aktie ist der Status des Aktionärs erfüllt und der Zutritt wird gewährt. Dieser Umstand ermöglichte es den Abgeordneten aller protestierenden Organisationen, an der Versammlung teilzunehmen.
Von Seiten der Imker nahmen etwa fünf Leute an der Versammlung teil. Drei dieser Imker haben die Möglichkeit einer Wortmeldung wahrgenommen: Christoph Koch als Vertreter des Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes (DBIB), Walter Haefeker als Vertreter des Europäischen Erwerbsimkerbundes (EPBA). und meine Person für mich selbst als „einfacher Imker“.
Der Zugang wurde in der Vergangenheit nicht mit Imkerkleidung gewährt, weswegen wir uns umzogen und mit Hemd und Kragen ging es in die Absperrung und zum Spießrutenlauf. Die Sicherheitsleute waren etwas verwirrt, als wir an Ihnen vorbeiliefen und schwankten, ob Sie uns aufhalten sollten oder nicht. Sie haben sich augenscheinlich unsere Gesichter eingeprägt. Doch wir hatten Zugangskarten und wurden durchgelassen. Einige der Imker jedoch haben uns nicht erkannt und riefen uns zu: BAYER vergiftet Bienen! So haben wir am eigenen Leib erfahren, wie sich der Spießrutenlauf zum Eingang der Hauptsammlung anfühlte.
Ich drückte die Eingangstür auf und betrat den riesigen Vorraum der Messehallen. Sobald die Tür sich schloss, umfasste einem die wohltuende Stille und wohltemperierte Umgebung. Rechts in etwa dreißig Meter Entfernung ein Informationstresen mit zwei Empfangsdamen. Links ging es zum Zugangsbereich. Die Messehallen haben die Größe und gefühlte Atmosphäre eines Großflughafens. Um zu den Hallen zu gelangen, mussten wir durch einen Metallscanner hindurchgehen und die am Körper getragenen Metallgegenstände zusammen mit Rucksack und Handtasche auf ein Band des Scanners stellen. Nach dem Durchschreiten des Scanners wurden wir durch das Sicherheitspersonal mit einem Handscanner abermals abgescannt. Wie in einem Flughafen gab es ein Dutzend Eingänge und Röntgengeräte.
Über Lautsprecher wurde gerade die Rede von Dr. Dekkers, dem Vorstandsvorsitzenden der BAYER AG übertragen. Die Stimme hallte omnipräsent aus allen Ecken, denn überall waren Lautsprecher aufgestellt.
Wir holten uns an einem Terminal die Stimmkarten ab (inklusive Werbegeschenke) und um mehrere Ecken und Hallen, gelangten wir zum „Aktionärsbistro“. Das war eine Messehalle, die an zwei Seiten der Halle mit mehreren Bistro-Ständen ausgestattet war. Dort konnte man sich kostenlos mit Getränken (Wasser, Cola, etc.) und kleinen Happen (Brezel, Laugenbrötchen) versorgen – das Angebot wurde fleißig angenommen und der Raum war gut gefüllt, obwohl gerade die Rede des Vorsitzenden gehalten wurde.
Überall waren Sicherheitsleute – an den Eingängen, an den Ausgängen, an den Ecken des Flures – überall. Das war schon sehr auffällig. Ich war schon auf vielen Großveranstaltungen und habe noch nie so ein Sicherheitsbedürfnis erlebt. Auch in Flughäfen habe ich noch nie so viele Sicherheitsleute gesehen – mich hat das sehr nachdenklich gestimmt und ich habe mich gefragt, warum eine Firma sich so sehr Sorgen um die eigene Sicherheit machen muss.
Die Hauptversammlung hatte schon begonnen. Die als Veranstaltungsraum genutzte Messehalle mit einer geschätzten Kapazität für viertausend Besucher war abgedunkelt. Über die gesamte Breite der Messehalle war das Podium des Vorstandes und des Aufsichtsrates aufgebaut. Die gesamte Breite der Front war Fläche für die Projektion – links und rechts war das Nahbild des Redners zu sehen und in der Mitte die Präsentationsfolien.
Die Rede des Vorstandsvorsitzen Dr. Dekkers war gespickt mit den Vokabeln „hervorragend“, „optimistisch“, „tolle Produkte“, „gutes Wachstum“ und so weiter. Wortreich wurde die Fassade eines gut funktionierenden Konzerns gemalt und die saubere Arbeit des Vorstandes, sowie des Aufsichtsrates hervorgehoben. Die stellenweise ziemlich verdrehte Wortwahl, erinnerte mich an das „Neusprech“aus dem Roman von George Orwell. Der Applaus des Publikums wurde jedoch stets brav geleistet.
Nach der Rede von Dr. Dekkers, die etwa gegen 11:00 Uhr zu Ende war, kamen die Wortmeldungen an die Reihe. Sicherheitshalber wurden die kritischen Wortmeldungen in den späten Nachmittag verlegt. Am Vormittag und dem frühen Nachmittag kamen zunächst die Aktionärsvertreter zu Wort. Diese waren sehr redegewandt, überschütteten Herrn Dekkers mit Lob zum Antritt als Vorstandsvorsitzender (Herr Dekkers ist im Herbst 2010 angetreten und hat den ehemaligen Konzernchef Herrn Wenning abgelöst). Nach dem Lob folgte aber auch Tadel. Vor allem wurden bestimmte Aktivitäten des BAYER-Vorstandes in Frage gestellt. Darunter war auch die Kritik, daß der Bericht des Aufsichtsrates mit vier Seiten in Relation zum Gesamtbericht sehr dünn wäre. Durch die Blume wurde auch moniert, daß der Aufsichtsrat und der Vorstand Vetternwirtschaft betreiben. Kritisch wurden die Klagen gesehen, die der Firma BAYER zurzeit wegen Wirkungen der Verhütungsmittel YASMIN und YAZ, sowie den Klagen zur weltweiten Kontamination der Lagerbestände an Reis mit dem „Genreis“ der Firma BAYER anhängig sind.
Das im Bereich Pharma umsatzstärkste Mittel YASMIN/YAZ hat allein in den USA 7.000 Klagen ausgelöst. Den Opfern und deren Angehörigen nach, löst das Mittel auch bei Nichtrisikoanwendern Lungenembolien aus und es ist zu Todesfällen gekommen.
Der „Genreis“ wurde von BAYER in den USA im großen Stil zu Testzwecken angebaut. Dabei wurde 30% der gesamten Reisernte der USA mit dem Genreis kontaminiert. Daraufhin wurde der Import des US-Reis in viele Länder gestoppt und verboten. Das hat der amerikanischen Reiswirtschaft einen großen Schaden zugefügt. Heute wurde der Genreis von BAYER in 25 Ländern gefunden.
Die Aktionärsverbände befürchten, daß die Schadensersatzforderungen und Klagen große Summen verschlingen und den Konzern Schaden zufügen. Die entsprechenden Rückstellungen war auch Bestandteil der Kritik, insbesondere, ob die Rückstellungen groß genug bemessen wurden und welche weiteren Klagen zu erwarten sind.
Auch wurde seitens der Aktionärsverbände hervorgehoben, daß die angehobene Dividende mit einigen Tricks erkauft worden sind und die Anhebung der Dividenden zur Berechtigung der Anhebung der eigenen Gehälter des Vorstandes und der Aufsichtsratsmitglieder dienen soll. Es wurde seitens der Verbände wohl bemerkt, daß weiter Personal auf Kosten des Konzerns abgebaut wird.
Die gestellten Fragen wurden von Herrn Dekkers nach dem Sammeln der Fragen beantwortet, wobei einige Aspekte relativiert wurden, andere weit von sich gewiesen (Gehälter des Vorstandes und des Aufsichtsrates). Bei der Transparenz der Arbeit des Aufsichtsrates gelobte man Besserung.
Am Nachmittag dann kamen die ersten für BAYER kritischen Stimmen zu Wort. Unter anderem ein Sprecher der CBG (Coordination gegen Bayergefahren). Die CBG fordert, daß die Aktionäre gegen die Entlastung des Vorstandes stimmten.
Interessanterweise traten mehrmals nach kritischen Beiträgen Mitarbeiter der Firma BAYER an den Rednerpult. Zum Beispiel sprach nach dem ersten Beitrag der CBG eine Mitarbeiterin – sie brachte einige Kleinigkeiten vor – um dann mit der Forderung zu schließen, daß der Vorstand zu entlasten ist. Das wirkte auf mich sehr konzertiert. Ohnehin hatten die meisten Aktionäre die Versammlung zu diesem Zeitpunkt verlassen (etwa die Hälfte). Die Meisten hatten wohl die Speisen und Getränke, sowie die Werbegeschenke eingesackt, um danach nach Hause zu fahren. (Kaffeefahrt.)
Danach folgten die Reden der kritischen Organisationen.
Die Antworten des Vorstandes zu fast allen Wortmeldungen waren sehr ähnlich gelagert. Zusammenhänge der geschilderten Schäden durch BAYER-Produkte seien wissenschaftlich nicht erwiesen. Die Verantwortung wurde von sich gewiesen. Zum Teil waren die Antworten sehr persönlich. Einer Person wurde zum Beispiel vorgeworfen, „kommunistischer Gesinnung“ zu sein. Die Antworten waren alle recht kurz und knapp gehalten. Meist wurden die Vorwürfe weggewischt. Auffällig war auch, daß viele Fragen einfach nicht beantwortet und damit übergangen wurden. Viele Argumente, die durchaus stichhaltig waren, wurden stumpf mit dem Kommentar weggewischt, daß es altbekannte Vorwürfe seien und die Sachlage sich seither nicht verändert hat.
Eine Chance zur Nachfrage gab es für den Fragesteller nur unter erschwerten Umständen (müßte sich erneut in die Liste der Wortmeldungen eintragen und hinten anstellen).
Zu Anfang der Reihe der Wortmeldung waren es 31 Reden, die angemeldet wurden.
Im Laufe des Tages kamen aber einige Reden hinzu, so daß die Anmeldung um 16 Uhr geschlossen und keine weiteren Meldungen mehr zugelassen wurden.
Die letzten Wortmeldungen endeten um circa 17:30 Uhr.
Die gestellten Gegenanträge wurden als gegenstandslos weggewischt.

Reden im Wortlaut
•Felicitas Rohrer, Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter: http:cbgnetwork.com/3818.html
•Karl Murphy,Liverpool in England, Primodos/Duogynon: http:
cbgnetwork.com/3849.html
•John Santiago, Primodos/Duogynon: http:cbgnetwork.com/3847.html
•Walter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerverbandes EPBA: http:
cbgnetwork.com/3845.html
•Christoph Koch, Deutscher Erwerbs- und Berufsimkerbund: http:cbgnetwork.com/3841.html
•Dieter Donner, Stopp-Bayer-CO-Pipeline: http:
cbgnetwork.com/3829.html
•Axel Köhler-Schnura, CBG: http:cbgnetwork.com/3827.html
•Jan Pehrke, CBG: http:
cbgnetwork.com/3825.html
•Andreas Bemeleit, Robin Blood: http:cbgnetwork.com/3822.html
•Andre Sommer, Duogynon: http:
cbgnetwork.com/3820.html
•Stephanie Brancaforte, avaaz, Bienensterben: http://cbgnetwork.com/3854.html

Persönlicher Eindruck
Die Rede von Christoph Koch war im ersten Block und relativ früh. Walter Haefeker sprach am Nachmittag. Meine Rede war etwa um 17:30 Uhr - obwohl ich mich zeitgleich mit Walter angemeldet habe. Meine Rede war die drittletzte der Veranstaltung. Die Leute von Avaaz.org und die Coordination gegen Bayergefahren haben ebenfalls das Bienensterben durch Neonicotinoide thematisiert.
Ehrlich gesagt war ich schockiert und bin immer noch erschüttert. Bei den Bienenthemen bin ich ja mittlerweile das Leugnen der Schäden gewohnt. Zu weit weg, zu schwer zu zeigen. Auf der Veranstaltung waren jedoch auch viele Menschen, die offensichtlich durch BAYER-Produkte geschädigt wurden. Unter anderem waren viele junge Frauen anwesend, die durch die Anwendung der Antibabypille YASMIN von der Firma Bayer eine Lungenembolie bekamen. Die Rednerin der Gruppe war aufgrund der Embolie für mehrere Minuten klinisch tot - durch Herzversagen. Sie konnte wiederbelebt werden. Andere Frauen nicht. Sichtlich bewegt, erzählte sie, daß die jungen Frauen keine Kinder mehr bekommen könnten und ihr Leben fremdbestimmt durch Ärzte und Medikamenten ist.
Aus England reisten Menschen an, die Verkrüppelungen und Behinderungen durch BAYER-Produkte davontrugen. Sie hatten den Mut, ihre geschädigten Arme und Beine zu zeigen. Und viele weitere Geschädigte meldeten sich zu Wort. Sie forderten, daß die Firma BAYER endlich mit Ihnen redet - es geht nicht nur um Schadensersatz, sondern auch um Gewissheit. BAYER hält die Akten unter Verschluss und ignoriert Gesprächsangebote.
Mir standen bei diesen Berichten über das Leid dieser Menschen die Tränen in den Augen.
All diesen jungen Menschen, deren Leben zerstört ist und deren körperliche Unversehrtheit durch BAYER verletzt wurde - all diesen jungen Menschen sagt so ein Konzernchef ins Gesicht, daß es Einzelfälle sind. Unfälle! Das wissenschaftliche Studien belegen, daß kein Zusammenhang zu den BAYER-Produkten bestünde.
Daß Bienen nicht aufgrund der BAYER-Pflanzenschutzmittel, sondern durch die Varroamilbe sterben. Das werde „von Wissenschaftlern weltweit so gesehen“.
Alles wurde vom Vorstand geleugnet und jegliche Verantwortung abgewiesen.
Ich weiß nicht, ob ihr das nachvollziehen könnt, aber wenn Menschen von Angesicht zu Angesicht von ihrem Leiden erzählen und das einfach weggewischt wird - ich habe das als unmenschlich empfunden. Ich konnte es menschlich nicht nachvollziehen und das schockt mich.

Disclaimer
Dieser Bericht gibt meine persönlichen Erfahrungen wieder und beansprucht weder Vollständigkeit noch die absolute Wahrheit. Wer die Angaben überprüfen und sich selbst ein Bild machen will, der sollte einfach zur Jahreshauptversammlung der BAYER AG im nächsten Jahr kommen.