Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Ticker] STICHWORT BAYER 03/2016

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

CBG beim „Terra Viva March“
Der Düsseldorfer „March against MONSANTO“ hieß diesmal „Terra Viva March“, „March against BAYER“ wäre vielleicht aber der passende Namenswechsel gewesen, schickt der Leverkusener Multi sich doch gerade an, seinen US-amerikanischen Konkurrenten zu übernehmen. Der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) war die Teilnahme aus gegebenem Anlass diesmal ein noch wichtigeres Anliegen. Der neue CBG-Geschäftsführer Toni Michelmann malte den DemonstrantInnen in seinem Rede-Beitrag plastisch aus, was es bedeutet, wenn BAYER der Coup gelingen und das Unternehmen damit ein Monopol über die globalen Nahrungsmittel-Märkte erlangen sollte.

Anhörung im Landtag
Am 18. August 2015 hatte das Oberverwaltungsgericht Münster die Klage der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) abgelehnt und ihr die Einsichtnahme in den Vertrag verwehrt, den BAYER mit der Universität Köln im Bereich medizinischer Forschungen abgeschlossen hatte. Für die Piraten-Partei zeigte dieses Urteil, wie dringlich eine gesetzliche Neuregelung der Transparenz-Vorschriften in den Landesgesetzen Nordrhein-Westfalens ist. Deshalb startete sie verschiedene Initiativen. Dazu gehörte unter anderem eine öffentliche Anhörung zum Thema im Landtag, die am 28. April 2016 stattfand. Zu den Eingeladenen gehörte auch ein Vertreter der CBG. Dieser legte dem Innenausschuss noch einmal dar, welch einen enormen Einfluss ein Konzern wie BAYER mittlerweile nicht nur auf Hochschulen, sondern auf den gesamten Bildungssektor hat, weshalb dieses Treiben nicht im Verborgenen stattfinden dürfe. Christopher Bohlens von TRANSPARENCY INTERNATIONAL und die NRW-Datenschutzbeauftragte Helga Block traten ebenfalls für erweiterte Informationspflichten bei Kooperationen zwischen Wirtschaft und Universitäten ein. Die EmissärInnen der Unternehmensverbände wollten indessen die Geheimniskrämerei fortführen. „Informationsfreiheit muss dort an seine Grenzen stoßen, wo die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gefährdet ist“, meinte etwa die nordrhein-westfälische Industrie- und Handelskammer in ihrer schriftlichen Stellungnahme zur Anhörung.

Proteste gegen GAUCHO & Co.
Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide wie BAYERs Saatgutbehandlungsmittel GAUCHO (Wirkstoff: Imidacloprid) und PONCHO (Clothianidin) gelten als besonders bienengefährlich. Die EU hat diese Stoffe deshalb ebenso wie andere Ackergifte dieser Substanz-Klasse bereits mit einem vorläufigen Verkaufsbann belegt.
Und nicht nur bei seinen Hauptversammlungen sieht sich der Leverkusener Multi mit direkter Kritik in Sachen „GAUCHO & Co.“ konfrontiert. So initiierte die Organisation FRIENDS OF THE EARTH im April 2016 Demonstrationen vor Konzern-Niederlassungen im US-amerikanischen Washington, im kanadischen Montreal und im englischen Newbury.

Kritik an „Neuer Allianz“
Im Jahr 2012 gründeten BAYER, MONSANTO, CARGILL, DUPONT und andere Agro-Riesen gemeinsam mit den führenden Industrie-Staaten am Rande eines G8-Treffens die „Neue Allianz für Ernährungssicherheit“. Die „Public Private Partnership“ will Entwicklungshilfe nach Konzern-Gusto machen und strebt deshalb unter anderem an, die „Verteilung von frei verfügbarem und nicht verbessertem Saatgut systematisch zu beenden“. Dafür akquiriert die Allianz nicht zu knapp öffentliche Gelder. Allein die Bundesrepublik stellte ihr in den Jahren bis 2014 über 50 Millionen Euro zur Verfügung. Luis Muchanga vom UNAC, dem mosambikanischen Verband für Kleinbauern und -bäuerinnen, kritisiert das Treiben der Multis scharf. „Die Neue Allianz beunruhigt uns und die mosambikanischen Kleinbauern sehr. Wir sind gegen das Modell einer industrialisierten Landwirtschaft, das die Neue Allianz propagiert. Ernährungssicherheit, wie sie der Neuen Allianz vorschwebt, ist etwas völlig anderes als die Ernährungssouveränität, für die wir eintreten“, so Muchanga.

Manipulierte Glyphosat-Studien
Ein ehemaliger Mitarbeiter der US-amerikanischen Umweltbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) erhebt schwere Vorwürfe gegen seine einstige Arbeitsstelle. William Sanjour bezichtigt die EPA in seinem Buch „Poison Spring“, die Zulassung von Pestiziden nicht widerrufen zu haben, obwohl sich die zur Genehmigung vorgelegten Studien als manipuliert erwiesen hatten. Die Behörde hätte stattdessen von den Herstellern einfach nur neue Untersuchungen eingefordert, so Sanjour. Auch bei dem umstrittenen Ackergift Glyphosat, das unter anderem MONSANTO und BAYER produzieren, ging die Agency dem Whistleblower zufolge so vor.

Habeck für Pestizid-Steuer
Dänemark, Frankreich und Schweden erheben eine Steuer auf Pestizide, um einen Anreiz zu setzen, die Ausbringung der Ackergifte zu reduzieren. Die Einführung einer solchen Maßnahme schlägt in einer Studie, die der schleswig-holsteinische Landwirtschaftsminister Robert Habeck von Bündnis 90/die Grünen in Auftrag gab, jetzt auch das „Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung“ vor. Das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN) fordert eine solche Abgabe bereits seit Längerem.

Leserbrief zu Menschenversuchen
Die vom VEREIN DEMOKRATISCHER ÄRZTINNEN UND ÄRZTE herausgegebene Zeitschrift Gesundheit braucht Politik hatte in ihrer Ausgabe 4/15 einen Text über den BAYER-Forscher Gerhard Domagk veröffentlicht, der 1935 die antibakterielle Wirkung eines Sulfonamid-Farbstoffes entdeckt hatte und dafür später den Nobelpreis erhielt. Mit eben diesem Sulfonamid unternahm die vom Leverkusener Multi mitgegründete IG FARBEN in Konzentrationslagern Menschenversuche. Da der Artikel diesen Sachverhalt bestritt und stattdessen behauptete, die IG FARBEN hätte die Sulfonamid-Lieferungen in die KZs eingestellt, nachdem sie von den dortigen Experimenten erfahren hatte, schrieb die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) einen Leserbrief. Darin wies die CBG auch auf eine SWB-Veröffentlichung zum Thema hin, die mit Zitaten aus dem Beweis-Material zu den Nürnberger Prozessen eindeutige Belege für dieses Kriegsverbrechen des Großkonzerns anführte. „Medikamente sind von der IG unmittelbar an Konzentrationslager in solchen Mengen versandt worden, dass schon hieraus die Verwendung dieser Medikamente zu unzulässigen Zwecken hätte gefolgert werden müssen“, hieß es in den Dokumenten unter anderem.

ÄrztInnen gegen CO-Pipeline
Nicht nur die zwischen den BAYER-Werken Dormagen und Krefeld verlegte Kohlenmonoxid-Pipeline wirft Sicherheitsfragen auf. Auch die in den 1960er Jahren zwischen Dormagen und Leverkusen gebaute und schon genutzte Verbindung birgt hohe Risiken. Eine ÄrztInnen-Initiative forderte die nordrhein-westfälische Landesregierung deshalb in einem Brief auf, dem Röhren-Verbund die Betriebserlaubnis zu entziehen. Unter anderem begründeten die MedizinerInnen dies mit den unzureichenden Katastrophenschutz-Maßnahmen. „Die bestehenden Leckerkennungssysteme schlagen erst an, wenn bereits 100 Kubikmeter CO ausgetreten sind. Dabei können schon ein oder zwei Atemzüge ausreichen, um einen Menschen zu töten. Ein Vollbruch der Leitung könnte eine Katastrophe ungeheuren Ausmaßes zur Folge haben“, heißt es in dem Schreiben.

KAPITAL & ARBEIT

US-Werke ohne GewerkschaftlerInnen
In den USA haben die Gewerkschaften traditionell eine schweren Stand, bei BAYER allerdings einen noch schwereren: Während der Organisationsgrad in den Betrieben durchschnittlich bei 6,7 Prozent liegt, beträgt er in den US-Niederlassungen des Leverkusener Multis nur 5,5 Prozent. Diesen „Erfolg“ können sich die dortigen ManagerInnen gutschreiben, denn sie versuchen mit allen Mitteln, die Gründung von Beschäftigten-Vertretungen zu hintertreiben. So schüren sie etwa die Angst, Betriebszellen würden den jeweiligen Standort und damit auch die Jobs gefährden. In Emeryville hat der Konzern GewerkschaftlerInnen vor den Beschäftigten sogar als Schmarotzer diffamiert, die es nur auf die Mitgliedsbeiträge abgesehen hätten. Und schließlich müssen organisierte Belegschaftsmitglieder bei Entlassungen immer auch als erste dran glauben.

Erneute Effizienz-Offensive
Im Zuge der Trennung von seiner Kunststoff-Sparte hat der Leverkusener Multi die Holding-Struktur mit den vormals selbstständig agierenden Teil-Bereichen aufgegeben. „Wir sind überzeugt davon, dass die stärkere Verzahnung von strategischen und operativen Aufgaben BAYER voranbringen wird“, sagte Aufsichtsratschef Werner Wenning zur Begründung. Und der Konzern verbindet mit der Veränderung auch ein neues Rationalisierungsprogramm. „Es gibt einige Bereiche, wo unsere Mitbewerber effizienter arbeiten“, mit diesen Worten stimmte der Manager Markus Arnold die Beschäftigten auf die Maßnahme ein. Unter anderem will er Doppelarbeiten, nicht reibungslos funktionierende Herstellungsprozesse und Probleme bei den Zuständigkeitsregelungen ausgemacht haben.

Ausgliederung im Lager-Bereich
BAYER hat am Standort Dormagen die Pestizid-Produktion beträchtlich gesteigert. Deshalb reichen die Lager-Kapazitäten nicht mehr aus. Nun hat der Leverkusener Multi aber nicht etwa mit einem Erweiterungsbau begonnen, sondern einfach bei einem externen Dienstleister in Düsseldorf 20.000 Paletten-Plätze angemietet. Bleibt nur zu hoffen, dass der Anbieter auch die für die Unterbringung von Chemikalien nötigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen hat.

24 Millionen für den Vorstand
Der BAYER-Vorstand konnte sich auch 2015 wieder über eine saftige Gehaltserhöhung freuen. Die Gesamtbezüge stiegen gegenüber dem Vorjahr von 22,2 Millionen auf 23,8 Millionen Euro. Und darüber hinaus
musste der Konzern noch 2,3 Millionen Euro für die späteren Pensionen der ManagerInnen zurücklegen.

BAYER stößt Haushaltsgifte-Sparte ab
Der Leverkusener Multi trennt sich von seinen Haushaltsgiften. Das Unternehmen verkaufte die Sparte mit den Pestiziden für den Haus- und Gartenbereich, mit der es zuletzt einen Umsatz von rund 240 Millionen Euro machte, an das französische Unternehmen SBM. Alle 250 Arbeitsplätze dürften diese Transaktion wohl kaum überleben.

ERSTE & DRITTE WELT

Marketing-Instrument „Health Camps“
Der indische Staat hat – vornehmlich in der Nähe von Slums – Gesundheitscamps eingerichtet, um wenigstens für eine notdürftige medizinische Versorgung der Armen zu sorgen. Auch BAYER, ROCHE und andere große Pharma-Firmen sind in den „Health Camps“ präsent. Entwicklungshilfe leisten sie dort allerdings nicht, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Die Konzerne stellen den in den Camps praktizierenden ÄrztInnen Personal und Apparaturen zur Diagnose von Krankheiten zur Verfügung, erwarten aber eine kleine Gegenleistung: Das Verschreiben ihrer Medikamente. „Die Förderung des Arznei-Umsatzes durch Screening-Programme, welche den Anschein von Wohltätigkeit verbreiten, ist eine gängige Praxis in Indien“, kritisiert das British Medical Journal. Das Fachblatt sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Grundsätze eines verantwortungsvollen Marketings, zu denen sich BAYER & Co. immer gerne bekennen. Auch der holländische Mediziner Hans Hogerzeil geißelt das Treiben der Pillen-Riesen: „Ich würde das eine Markt-Penetration unter dem Label der Corporate Social Responsibility nennen.“

KONZERN & VERGANGENHEIT

Merkel spricht Chemie-Verbrechen an
2013 konnte der BAYER-Konzern zu seinem 150-jährigen Betriebsjubiläum Bundeskanzlerin Angela Merkel als Festrednerin gewinnen. Im Vorfeld hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN die Christdemokratin in einem Offenen Brief aufgefordert, in Leverkusen auch die dunklen Kapitel der Vergangenheit des Unternehmens wie etwa Giftgas-Produktion, ZwangsarbeiterInnen und Menschenversuche in den KZs anzusprechen. Das tat Merkel jedoch nicht. Drei Jahre später bei der BASF jedoch zeigte sie mehr Geschichtsbewusstsein. Bei den Feierlichkeiten zu „100 Jahre Leuna“ verschwieg die Politikerin die Chemie-Verbrechen nicht länger. „Es bleibt unsere Pflicht, daran zu erinnern“, mahnte sie.

BAYERs „Max Planck“-Connection
2015 war ein trauriges Jubiläum zu begehen: „25 Jahre Freiland-Versuche in Deutschland“. 1990 hatte das Kölner „Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung“ gentechnisch veränderte Petunien ausgesetzt. Der Leverkusener Multi war frühzeitig in das Projekt involviert. Er unterstützte die Experimente finanziell und sicherte sich so Zugriff auf die Ergebnisse. Dem Gen-ethischen Informationsdienst (GID) berichtete der damalige Forschungsleiter Dr. Heinz Saedler, dass „die Mitarbeiter der Firma BAYER (...) an unser Institut gekommen waren, um die Methodik und das Know-how kennenzulernen, um beides dann zu Hause auf ihre Projekte anwenden zu können.“ Und genauso hatte es sich die bundesdeutsche Forschungspolitik auch gedacht. Sie war Saedler zufolge nämlich darauf aus, „die Grundlagen-Forschung so zu entwickeln, dass sie in Anwendungsnähe kommt“.

POLITIK & EINFLUSS

BAYER setzt EFSA unter Druck
BAYERs Pestizid Thiacloprid hat die EU im Gegensatz zu den anderen beiden bienengefährlichen Neonicotinoiden Imidacloprid und Clothianidin von ihrem vorläufigen Verbot verschont. So findet sich der Stoff dann nicht nur in den Bienen selber wieder, sondern auch in ihrem Produkt, dem Honig. Und seit Kurzem darf es sogar wieder ein wenig mehr sein: Als die Europäische Behörde für Lebensmittel (EFSA) den Grenzwert für Thiacloprid im Februar 2016 von 0,2 auf 0,05 mg/kg senkte, schrieb der Konzern nämlich einen Brandbrief nach Brüssel und bekam prompt „geliefert“ – die EFSA machte den Beschluss rückgängig.

Gekaufte Glyphosat-Wissenschaft
Der Pestizid-Wirkstoff Glyphosat, der hauptsächlich in Kombination mit MONSANTOs Gen-Pflanzen zum Einsatz kommt, aber auch in BAYER-Mitteln wie GLYFOS, PERMACLEAN, USTINEX G, KEEPER und SUPER STRENGTH GLYPHOSATE enthalten ist, gilt als gesundheitsgefährdend. So hat eine Krebsforschungseinrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Substanz im März 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Just vor der Sitzung eines EU-Gremiums, das sich mit der Frage eines Verbotes dieser Agro-Chemikalie befasste, legte eine aus WissenschaftlerInnen der Welternährungsorganisation FAO und der WHO gebildete Kommission jedoch eine entlastende Studie vor. „Die Experten sind nach eingehender Analyse aller vorliegenden Daten zu dem Schluss gekommen, dass für den Verbraucher von den Glyphosat-Rückständen in Lebensmitteln kein Gesundheitsrisiko ausgeht“, erklärte eine WHO-Sprecherin. Was sie jedoch nicht erklärte: Sowohl der Vorsitzende des „Joint FAO/WHO Meeting on Pesticide Residues“ als auch sein Stellvertreter gehören dem „International Life Science Institute“ an, das schon Spenden von rund 500.000 Dollar von MONSANTO und Croplife – dem Lobbyverband von MONSANTO, BAYER & Co. – erhielt.

Merkel kaut BAYER-PR nach
Die Agro-Riesen gerieren sich beim Verkauf ihrer Pestizide und Gen-Pflanzen gerne als bessere EntwicklungshelferInnen, denen es nur darum gehe, alle Menschen satt zu machen. Und so will BAYER dann auch MONSANTO selbstverständlich nur schlucken, um „die weltweite Versorgung einer wachsenden Weltbevölkerung mit gesunden, sicheren und bezahlbaren Lebensmitteln zu ermöglichen“. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel verbreitet diese PR-Lügen. In einer Rede lobte sie BAYER & Co. dafür, „bei der Bekämpfung des Hungers eine zentrale Rolle“ zu spielen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN kritisierte diese Äußerung scharf. „Das von BASF, BAYER und Co. propagierte Modell der industriellen Landwirtschaft ist gescheitert. Es führt zu einem erhöhten Ausstoß von Klimagasen, dem Verlust fruchtbarer Böden sowie zu einer verringerten Biodiversität. Hunger ist in den meisten Fällen eine Folge von Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Die Kanzlerin sollte an dieser Stelle nicht die gebrochenen Versprechungen der Konzerne nachbeten“, erklärte CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes.

Schäuble zu BAYER-Diensten
Die Konzerne nutzen alle Steuersparmodelle, die sich ihnen so bieten. BAYER tut sich hierzu vor allem in Belgien und in den Niederlanden um. Dort haben etwa BAYER WORLD INVESTMENTS, BAYER GLOBAL INVESTMENTS, BAYER CAPITAL CORPORATION und BAYER ANTWERPEN ihren Sitz (siehe auch ÖKONOMIE & PROFIT). Weil den Finanzämtern durch solche Briefkasten-Firmen Milliarden entgehen, plant die Europäische Kommission Maßnahmen gegen das Vorgehen der Groß-Unternehmen. Dazu zählt beispielsweise, die Gesellschaften zur Offenlegung der Abgaben zu veranlassen, die sie in den jeweiligen Staaten leisten. Und die Zahlen dieses „Country-by-Country-Reportings“ sollten nach Ansicht der EU nicht nur den FinanzbeamtInnen zur Verfügung stehen, sondern allen, die sich dafür interessieren. Dagegen wehrt sich der Leverkusener Multi jedoch vehement. „Diese Form der Transparenz ist wenig hilfreich“, meint BAYERs Steuer-Chef Bernd-Peter Bier und sieht gleich den ganzen Standort Europa in Gefahr. „Drittstaaten – aber im Übrigen auch Wettbewerber – können so an die Kennziffern der europäischen Unternehmen gelangen, ohne dass sie dafür die Daten der eigenen Unternehmen preisgeben müssen“, warnt er. Darum appelliert er an die Politik: „Wir erwarten ein Signal, dass Deutschland seine Unternehmen schützt.“ Und von Finanzminister Wolfgang Schäuble kam ein solches Signal dann auch prompt. „Fachleute wissen, dass der Informationsaustausch sehr viel weniger effizient sein wird, wenn er öffentlich sein wird“, hielt er fest und setzte sich in Brüssel für die „effiziente“ Lösung ein. Damit nicht genug, drang der Finanzminister zusätzlich noch darauf, die Tochter-Firmen der Aktien-Gesellschaften von der Berichtspflicht zu entbinden. Das wollten seine KollegInnen aus den anderen Mitgliedsstaaten jedoch nicht mitmachen. „Wir wurden hierbei von keinem MS (Mitgliedsstaat, Anm. Ticker) unterstützt, klagt sein Ministerium. Nicht einmal in Deutschland selber hat Schäuble für seine Beistandspolitik ausreichend Rückendeckung. Sowohl Justizminister Heiko Maas (SPD) als auch die meisten Ministerpräsidenten der Länder, denen durch die ganz legalen Steuertricks der Konzerne viele Einnahmen entgehen, treten einstweilen für das Recht der Öffentlichkeit ein, mehr über das Finanz-Gebaren von BAYER & Co. zu erfahren.

Preis für Chlor-Fertigungsstätte
Mit einer Chlor-Produktion von über einer Million Tonnen gehört BAYER europa-weit zu den größten Anbietern der Substanz. Dennoch sperrte sich der Leverkusener Multi lange gegen eine umweltschonendere Fertigung dieser gefährlichen Chemikalie. Während viele mittelständische Betriebe ihre Chlor-Herstellung schon lange auf das Membran-Verfahren umgestellt hatten, bei dem kein giftiges Quecksilber als Produktionsrückstand mehr anfällt, hielt der Konzern noch eisern am Unbewährten fest. Erst als Subventionen in Höhe von sechs Millionen Euro aus dem Forschungsministerium lockten, zeigte er sich zu Veränderungen bereit. Gemeinsam mit dem Anlagenbauer UHDE und der RWTH Aachen entwickelte das Unternehmen das Membran-System bei dieser Gelegenheit gleich so weiter, dass zur Einspeisung des zur Elektrolyse benötigten Sauerstoffs weniger Energie erforderlich ist als bisher. Und genau dafür erhielt der Global Player nun vom Land Nordrhein-Westfalen einen Klimaschutz-Preis, obwohl seine gesamten Kohlendioxid-Emissionen im Jahr 2015 stiegen (siehe WASSER, BODEN & LUFT).

BAYERs Nachwuchsarbeit gefällt Obama
Seit Jahr und Tag bemüht sich der Leverkusener Multi, die Naturwissenschaften von ihrem schlechten Image zu befreien und Nachwuchsarbeit zu betreiben. An kritischen WissenschaftlerInnen hat er dabei natürlich kein Interesse, außer Gentechnik und Agro-Chemie steht nicht viel auf dem Lehrplan. „Making Science Make Sense“ heißt das betreffende Programm in den USA. Und dem Konzern gelang es sogar, US-Präsident Barack Obama dafür einzunehmen. „BAYER setzt sich dafür ein, 100.000 amerikanische Eltern und ihre Kinder zusammenzubringen, um gemeinsam im Rahmen von Wissenschafts- und Techologie-Projekten zu arbeiten“, lobte er etwas unkonkret.

Prizker bei BAYER
Im letzten Herbst besuchte die US-amerikanische Handelsministerin Penny Prizker die Berliner BAYER-Niederlassung. Im Beisein von Thorben Albrecht, Staatssekretär im „Bundesministerium für Arbeit und Soziales“, informierte sie sich dem Leverkusener Multi zufolge über die Berufsausbildung in Deutschland und die Frage, wie sich die Unternehmen hierzulande auf den technologischen Wandel durch die Digitalisierung einstellen.

PROPAGANDA & MEDIEN

Einweihung der „Dream Production“
Am 17. Juni 2016 nahm die BAYER-Tochter COVESTRO ihre „Dream Production“ offiziell in Betrieb. „CO2, das unpopuläre Treibhaus-Gas – so ist gemeinhin die Wahrnehmung. Doch das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit. Denn wie im Theater sich der vermeintliche Bösewicht häufig als Held erweist, so hat auch Kohlendioxid sozusagen zwei Gesichter. Es ist nämlich gleichzeitig ein nützlicher Helfer“, mit diesen Worten pries COVESTRO-Chef Patrick W. Thomas die neue Rolle des CO2 als Grundstoff zur Herstellung von Kunststoffen in Dormagen. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zweifelt allerdings an den dem Kohlendioxid nun zugesprochenen Star-Qualitäten. Für sie ist die „Dream Production“ alles andere als eine Traumfabrik. Das gesamte Verfahren erfordert nämlich selber viel Energie, bei deren Erzeugung als Nebenwirkung Kohlendioxid entsteht. So schlägt etwa die Herstellung von Katalysatoren, die das reaktionsträge CO2 aktivieren, in der Klimabilanz als Negativposten zu Buche. Als „bestenfalls marginal“ bezeichnete die CBG in ihrer Presseerklärung deshalb die Verbesserung des CO2-Footprints für den gesamten Prozess. Auf rund zehn Prozent beläuft sich die Einsparung, während die gesamten BAYER-Emissionen weiter zunehmen (siehe WASSER, BODEN & LUFT). An der COVESTRO ging diese bereits im Frühjahr 2016 erstmals geübte Kritik nicht spurlos vorüber. Sie versucht jetzt nicht mehr mit einer guten Klima-Bilanz durch die CO2-Kunststoffe zu punkten, sondern betont die Schonung natürlicher Ressourcen durch die Verwendung von Kohlendioxid statt Öl. Und wenn die Gesellschaft im Vorfeld schon eine Medien-Agentur engagiert hatte, um sich mittels der „Dream Production“ als Umweltengel in Szene zu setzen, so zeigte sie zur Eröffnung „low profile“. Nicht einmal eine Pressemitteilung veröffentlichte das Unternehmen zur Einweihung der Fertigungsstätte.

BAYERs Innovationsapotheke
Die ApothekerInnen beraten die KundInnen, und BAYER berät die ApothekerInnen – was dabei herauskommt, ist klar: BAYER-Produkte in den Taschen der KundInnen. Der Leverkusener Multi hat zur Sicherung dieses Mechanismus’ in Köln eine „Innovationsakademie Deutscher Apotheken“ (IDA) aufgebaut, die angeblich schon mit über 1.000 Pharmazien zusammenarbeitet. In der IDA hat er sogar die Möglichkeit, den PharmazeutInnen ganz praktischen Unterricht zu geben. Zur Ausstattung gehört nämlich eine Muster-Apotheke, die auf dem neuesten technischen Stand ist. So verfügt sie etwa über eine Kamera, welche die Laufwege von KundInnen aufnimmt, um Aufschlüsse darüber zu gewinnen, wie die ApothekerInnen ihnen möglichst viele Waren vor die Nase setzen können. Ganz oben auf dem Lehrplan der Akademie steht für BAYER dann auch „die Frage, wie sich durch die richtige Präsentation der Verkauf von OTC-Produkten steigern lässt. Dabei steht ‚OTC’ für nicht verschreibungspflichtige Medikamente“. Und das kommt nicht von ungefähr. „Gerade dieser Bereich wird für Apotheker immer wichtiger. Denn er bietet viel Potenzial, um Impulskäufe zu generieren“, hält der Konzern fest, ohne zu erwähnen, dass dieser Bereich deshalb auch für ihn immer wichtiger wird. Er tut jedoch alles dafür, ASPIRIN & Co. auf diesem Gebiet die besten Ausgangspositionen zu verschaffen. Der Konzern gibt etwa Regal-Systeme und andere Einrichtungsgegenstände kostenlos ab; lediglich eine kleine Gegenleistung verlangt er: „BAYER-Produkte erhalten dafür in der Apotheke die prominentesten Plätze.“

Chemie-Tag mit TU Dortmund
Der Leverkusener Multi veranstaltet regelmäßig „Tage der Chemie“, um zu versuchen, das Image dieser nicht eben gut beleumundeten Naturwissenschaft aufzupolieren. Dabei setzt das Unternehmen traditionell schon bei den Jüngsten an. Im Bergkamener Werk beispielsweise veranstaltete es einen SchülerInnen-Wettbewerb, um das Interesse der Youngster zu wecken. Aber auch um die Älteren kümmerte der Konzern sich zu diesem Anlass. So bewegte er die ihm seit langer Zeit in Freundschaft verbundene TU Dortmund dazu, an dem BAYER-Standort über ihre Studiengänge zu informieren, damit die Bildungsstätte ihm auch weiterhin passgenauen, unkrititischen Nachwuchs liefert.

VFA im Kontrollwahn
Die Multis investieren viel Zeit und Geld in das sogenannte Reputationsmanagement. Und zuweilen drohen sie auch mit Anzeigen-Entzug oder bemühen Gerichte, um eine konzern-freundliche Berichterstattung durchzusetzen. Besonders doll trieb es jetzt der von BAYER gegründete „Verband der forschenden Arzneimittel-Hersteller“. Er hielt eine Presse-Konferenz ab und verlangte anschließend von den JournalistInnen, ihm die Artikel vor Erscheinen noch einmal zur Freigabe der wörtlichen Zitate vorzulegen. „Es herrscht ein Kontrollwahn“, empörte sich Klaus Max Smolka in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung über diese Gängelung. Ein mutiger Schritt, denn wer sich den Gepflogenheiten der Konzerne nicht fügt, riskiert berufliche Nachteile wie etwa den, keine Einladungen zu Hintergrund-Gesprächen mehr zu erhalten.

Tomaten-PR in der Rheinischen Post
BAYER zählt in Europa zu den größten Züchtern von Tomaten-Saatgut (siehe auch PFLANZEN & SAATEN). Und obwohl sich das in der Angebotspalette neben Pestiziden, Gen-Pflanzen und Medikamenten nicht gerade gut macht, steht der Leverkusener Multi zu dem Produkt-Segment und sucht seit einiger Zeit verstärkt die Öffentlichkeit. So gewann er die Rheinische Post dazu, Reklame für CALIFORNICATION, ROTATION und andere „High-Tech-Tomaten“ zu machen. Auf einer ganzen Seite, dekoriert von Rezeptvorschlägen, breitete die Zeitung die Story vom Gemüse-Bauern BAYER aus.

Marketing-Ausgaben steigen weiter
BAYER gibt immer mehr Geld für Marketing und Vertrieb aus. 2015 stiegen die Zahlen gegenüber dem Vorjahr um 15,9 Prozent auf 12,36 Milliarden Euro. Obwohl das mehr als einem Viertel des Gesamtumsatzes entspricht, verweigert der Konzern der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN auf den Hauptversammlungen seit Jahren eine genauere Aufschlüsselung dieser Ausgaben.

DRUGS & PILLS

BAYER stoppt STIVARGA-Vertrieb
Nach dem Arzneimittel-Neuverordnungsgesetz (AMNOG) von 2011 müssen neue Medikamente eine Kosten/Nutzen-Prüfung durchlaufen. Schaffen die Arzneien es dann in diesem Prozess, ihre Überlegenheit gegenüber den gängigen Pharmazeutika unter Beweis zu stellen, können die Hersteller in den Verhandlungen mit den Krankenkassen einen besonders hohen Preis für die Präparate verlangen. Dem BAYER-Mittel STIVARGA (Wirkstoff: Regorafenib) gelang dies für das Anwendungsgebiet „fortgeschrittener Darmkrebs“ jedoch nicht (siehe Ticker 2/16). Einen Zusatznutzen vermochte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von MedizinerInnen, Krankenhäusern und Krankenkassen bei dieser Indikation nicht auszumachen. Er folgte damit der Bewertung, die das „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ (IQWiG) vorgelegt hatte. Demnach verlängerte STIVARGA zwar das Leben der PatientInnen um rund 45 Tage, die stärkeren Nebenwirkungen wie z. B. Durchfall heben diesen positiven Effekt nach Ansicht des IQWiG jedoch wieder auf. Auch zweifelte das Institut die Ergebnisse der STIVARGA-Tests, die zur Zulassung der Arznei geführt hatten, wegen nicht eingehaltener Studien-Standards an. Der Konzern reagierte schroff auf das Votum. Er bezeichnete die Entscheidung als „nicht nachvollziehbar“ und entschied kurzerhand, das Pharmazeutikum in Deutschland vom Markt zu nehmen.

Neue ASPIRIN-Studie
Mit Verweis auf eine Studie der TU München versucht BAYER, den Verkauf des Schmerzmittels ASPIRIN weiter anzukurbeln. Die ForscherInnen um Markus Ploner hatten herausgefunden, dass sich körperlicher Schmerz binnen kurzem in der Psyche niederschlägt. „Es ist grundsätzlich richtig, jede Art von Schmerz ernstzunehmen und die Schmerz-Weiterleitung frühzeitig und ausreichend zu unterbinden, um eine Chronifizierung (...) zu unterbinden“, meint deshalb Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel. Und von diesem Statement ist es dann nicht mehr weit bis zur Produkt-Empfehlung des Leverkusener Multis: „Hier punktet die weiterentwickelte ASPIRIN-Tablette: Eine erste spürbare Schmerz-Linderung tritt bereits 16 Minuten nach der Einnahme ein.“ Bis zu den ersten Nebenwirkungen dauert es hingegen ein wenig länger, dafür kommen sie gewaltig – Magenblutungen zählen zu den gravierensten.

LAIF-Lieferengpass
Kein Johanneskraut-Mittel verschreiben die MedizinerInnen so oft wie BAYERs LAIF. Für 30 Millionen Tagesdosen des Präparats, das bei leichten bis mittelschweren Depressionen Anwendung findet, erstellten die ÄrztInnen 2014 Rezepte. In diesem Jahr dürften es jedoch weniger sein. Der Leverkusener Multi kann nämlich nicht liefern, und die PatientInnen stehen auf dem Schlauch. Über die Gründe macht der Konzern nur ungenaue Angaben. Teile der neuen Ernte hätten die hohen Qualitätsstandards nicht in allen Punkten erfüllt, verlautet aus der Unternehmenszentrale. Darüber, ob die Probleme mit neuen Auflagen des „Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) bezüglich der Rückstände von Pyrrolizidinalkaloiden zusammenhängen, schweigt sich der Pharma-Riese aus. Fragen zur Belastung seiner LAIF-Pflanzen mit diesen von Kräutern zur Insektenabwehr gebildeten Giften ließ er unbeantwortet.

Neue Hormon-Spirale
BAYERs Hormon-Spiralen haben beträchtliche Nebenwirkungen. Bei MIRENA etwa reichen sie von nächtlichen Schweißausbrüchen, Herzrasen und Unruhe über Schlaflosigkeit und Bauchkrämpfe bis hin zu Oberbauchschmerzen. Allein die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA erhielt bereits über 45.000 Meldungen zu solchen unerwünschten Arznei-Effekten. Trotzdem will der Leverkusener Multi seine Produkt-Palette in diesem Bereich noch einmal erweitern. Er hat in den USA und in der EU einen Zulassungsantrag für die Spirale LCS-16 gestellt und stellt als besonderen Vorteil die geringe Konzentration des Wirkstoffes Levonorgestrel heraus. Als „hocheffektiv und gleichzeitig gut verträglich“ bezeichnet der Konzern seine neueste Errungenschaft. Aber das sagt er in seinen Hauptversammlungen ja auch immer über MIRENA, wenn Geschädigte ihn mit ihren Krankengeschichten konfrontieren.

41 Anwendungsbeobachtungen
Erkenntnisse werfen die Beobachtungsstudien zu Arzneien, die MedizinerInnen mit ihren PatientInnen durchführen, kaum ab. Das ist aber auch gar nicht Sinn der Übung. Die Anwendungsuntersuchungen verfolgen einzig den Zweck, die Kranken auf das getestete Präparat umzustellen. Dafür zahlen die Pharma-Riesen den ÄrztInnen jährlich ca. 100 Millionen Euro. Rund 700 Euro erhalten diese pro TeilnehmerIn. „Fangprämien“ nannte ein ehemaliger Vorsitzender der „Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein“ diese Zuwendungen einst. 41 solcher „Studien“ mit BAYER-Medikamenten fanden nach Angaben des Recherche-Netzwerkes Correct!v von 2009 bis 2014 in den Praxen statt. Unter anderem testeten die MedizinerInnen für den Konzern das Antibiotikum AVALOX, das MS-Präparat BETAFERON, das Kontrastmittel GADOVIST, das Blutprodukt KOGENATE und die Krebs-Arznei NEXAVAR.

BAYERs DDR-Arzneitests korrekt?
Im Jahr 2013 berichtete der Spiegel über großflächige Arznei-Tests bundesdeutscher Pharma-Firmen in der ehemaligen DDR. Von 1961 bis 1990 fanden dort ca. 600 Arznei-Versuche mit ungefähr 50.000 ProbandInnen statt. Auch BAYER war mit von der Partie. Der Pharma-Riese erprobte im anderen Deutschland unter anderem das Antibiotikum CIPROBAY, das Diabetikum GLUCOBAY, das die Gehirn-Durchblutung fördernde Mittel NIMOTOP und das zur Blutstillung nach Bypass-Operationen zum Einsatz kommende TRASYLOL, das wegen seiner Risiken und Nebenwirkungen von 2007 bis Anfang 2012 verboten war. Der Spiegel-Bericht warf Fragen danach auf, ob die Medikamenten-Prüfungen gängigen Standards entsprachen. Darum beauftragte die damalige Bundesregierung eine Kommission mit einer genaueren Untersuchung. Drei Jahre später stellte diese erste Ergebnisse vor. Die ForscherInnen um den Medizin-Historiker Volker Hess fanden nach Auskunft der Ostbeauftragten der Großen Koalition, Iris Gleicke, „keine Hinweise darauf, dass ethische Standards verletzt worden wären“. Systematische Verstöße gab es den ExpertInnen zufolge nicht. Die Grünen meldeten jedoch Zweifel an den Resultaten an. Sie bemängelten unter anderem, dass Hess und sein Team nur einen Bruchteil der Firmen-Unterlagen gesichtet haben und dass BAYER & Co. dieses Material obendrein noch vorselektieren durften. Auch gebe es Hinweise auf medizinische Grundsätze verletzende Tests mit nicht einwilligungsfähigen Menschen, so die Partei. Die Informationen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN über die einstigen Versuche des Leverkusener Multis bestätigen das skeptische Urteil von Bündnis 90/Die Grünen über die wissenschaftliche Arbeit. So verabreichte der Pharma-Riese sein NIMOTOP damals etwa AlkoholikerInnen in akutem Delirium. „Ich bin psychisch absolut weggedampft“, berichtete ein früheres Versuchskaninchen. Und da hatte er noch Glück. „Es hätte auch Tote geben können“, meint der Mediziner Ulrich Moebius. Bei TRASYLOL, das der Pharma-Riese im Osten auch als Mittel zur Konservierung von Organen, die für eine Transplantation vorgesehen waren, erprobte, wies er den verantwortlichen Arzt Dr. Horpacsy an, Stillschweigen über negative Resultate zu bewahren (siehe SWB 3/13). Darum verschwieg dieser in einem späteren Aufsatz den völligen Verlust der Vital-Funktionen der Nieren unter TRASYLOL. Er vermeldete lediglich, die Gabe des Pharmazeutikums hätte nicht zu einer Verbesserung des Transplantat-Überlebens geführt; dafür hätte der Stoff jedoch einen positiven Effekt auf die Enzym-Werte des Organs gehabt. Der Global Player weist in Sachen „DDR-Tests“ allerdings alle Schuld von sich. „Sofern im Auftrag unseres Unternehmens klinische Studien in der ehemaligen DDR durchgeführt worden sind, gehen wir davon aus, dass diese entsprechend der Deklaration von Helsinki sowie den Vorschriften des Arzneimittel-Gesetzes der ehemaligen DDR erfolgte“, erklärte er.

Testosteron bei Fettleibigkeit?
Mit großer Anstrengung arbeitet der Leverkusener Multi daran, die „Männergesundheit“ als neues Geschäftsfeld zu etablieren und Hormon-Präparaten wie NEBIDO oder TESTOGEL neue und nur selten zweckdienliche Anwendungsmöglichkeiten zu erschließen. Zu diesem Behufe hat der Pharma-Riese die Krankheit „Testosteron-Mangel“ bzw. „männliche Wechseljahresstörungen“ erfunden. Aber dabei soll es nicht bleiben. BAYER will die Mittel auch bei fettleibigen Männern in Anschlag bringen. „Epidemiologische Studien zeigen mit großer Übereinstimmung, dass zwischen Adipositas und Testosteron-Mangel (Hypogonadismus) ein enger Zusammenhang besteht“, behauptet der Konzern. Er erweitert diesen Zusammenhang sogar noch um Diabetes – und weiß sogleich Abhilfe. Der Multi präsentiert in einem Artikel, den er in der Zeitschrift Diabetes, Stoffwechsel und Herz platzieren konnte, Untersuchungen, welche die positiven Effekte von NEBIDO & Co. auf das Gewicht und den Blutzucker-Spiegel der Probanden belegen. Allerdings handelt es sich dabei lediglich um kleine, den Anforderungen von Zulassungsstudien nicht genügende Test-Reihen mit unter hundert Teilnehmern. MedizinerInnen warnen indessen vor den Hormon-Gaben. Als Nebenwirkungen zählen sie unter anderem Herzinfarkt, Harntrakt-Schädigungen, Brust-Wachstum, Bluthochdruck, Ödeme und Leberschäden auf. Zudem beobachteten die WissenschaftlerInnen Schrumpfungen des Hodengewebes und Samenzellen-Missbildungen.

BAYER testet Finerenone
Der Leverkusener Multi erprobt zur Zeit den Wirkstoff Finerenone. Er will die Substanz zur Behandlung von Herz-Insuffizienz einsetzen und spekuliert darauf, Präparaten wie dem PFIZER-Mittel INSPRA Markt-Anteile wegnehmen zu können. Angeblich hat das Pharmazeutikum nämlich weniger Nebenwirkungen als andere Arzneien dieser Medikamenten-Gruppe, die häufig die Blutkalium-Konzentrationen in bedenkliche Höhe treiben und deshalb das Herz schädigen können. Zudem testet der Konzern Finerenone noch zur Therapie von solchen Nierenschädigungen, die in Folge einer Diabetes entstehen.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Neonicotinoid-Verbot in Frankreich
Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide wie BAYERs Saatgutbehandlungsmittel GAUCHO (Wirkstoff: Imidacloprid) und PONCHO (Clothianidin) gelten als besonders bienengefährlich. Sie sorgen unter anderem für schrumpfende Populationen, indem sie im Futtersaft der Ammen-Bienen die Bildung des Botenstoffes Acetylcholin hemmen, der bei der Aufzucht der Larven eine wichtige Rolle spielt. Die EU hat Imidacloprid und Clothianidin wegen ihrer desaströsen Wirkung auf Bienen gemeinsam mit der Substanz Thiamethoxam bereits vorläufig aus dem Verkehr gezogen. Die Französische Nationalversammlung ging im März 2016 jedoch noch einen Schritt weiter. Sie erließ ein komplettes Neonicotinoid-Verbot, das 2018 in Kraft tritt. Der Leverkusener Multi protestierte vehement gegen diese Entscheidung. Er sieht die LandwirtInnen nun mit „veritablen Engpässen beim Schutz ihrer Pflanzen“ konfrontiert und prophezeite Ernte-Einbußen von 15 bis 40 Prozent.

UN-Gremium warnt vor GAUCHO & Co.
Auch die Vereinten Nationen hatten die Berichte über das zunehmende Bienensterben alarmiert. Darum setzte sie mit dem Welt-Biodiversitätsrat (IPBES) ein Gremium ein, um eine Bestandsaufnahme zur Lage von Bienen und anderen anderen Bestäuber-Insekten zu erhalten und Aufschluss die Gefährdung der Bestände zu gewinnen. Die WissenschaftlerInnen kamen – wie schon viele ihrer KollegInnen vor ihnen – zu dem Ergebnis, dass Ackergifte eine Mitschuld am Rückgang der Populationen tragen. „Das Gutachten ermittelte, dass Pestizide, inklusive Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide, für Bestäuber weltweit eine Bedrohung darstellen“, hält der IPBES fest. Das Pikante dabei: Unter den am Bericht beteiligten ForscherInnen befand sich auch Christian Maus von BAYERs Bienenforschungszentrum in Monheim. Das wirbelte in Leverkusen gehörig Staub auf. Die Presseabteilung des Konzerns griff Maus umgehend dafür an, sich nicht von der Neonicotinoid-Kritik des Reports distanziert zu haben und tat das stellvertretend für ihn: „Diese Aussage können wir nicht nachvollziehen.“

Zahlreiche Bienen-Arten gefährdet
Besonders Pestizide aus der Gruppe der Neonicotinoide wie BAYERs Saatgutbehandlungsmittel GAUCHO und PONCHO tragen eine Mitschuld am Bienensterben (s. o.). Welches Ausmaß der Rückgang der Populationen in der Bundesrepublik bereits angenommen hat, machte jetzt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen deutlich. Von insgesamt 560 Wildbienen-Arten schätzte die Große Koalition 40,9 Prozent als gefährdet ein. 39 Spezies sind bereits ausgestorben. Nicht viel besser sieht es bei den Schmetterlingen aus: 69 Arten drohen bald vom Planeten zu verschwinden. BAYER jedoch leugnet den Zusammenhang zwischen den Agro-Chemikalien und dem Artensterben. Auf der Hauptversammlung am 29. April 2016 zeigte sich der Konzern „ … davon überzeugt, dass unsere Neonicotinoide sicher sind für die Umwelt, wenn sie sachgerecht eingesetzt werden“.

Neues Bio-Pestizid
BAYER hat die Zulassung für das Pestizid REQUIEM erhalten, dessen Wirk-Mechanismus auf einem biologischen statt auf einem chemischen Prinzip beruht. Der Inhaltsstoff Terpenoid ist einer Substanz nachgebildet, mit der sich die Pflanze Epazote, bekannt auch als Mexikanischer Drüsengänsefuß, gegen Insekten wehrt. Damit erweitert der Konzern seine Produkt-Palette im Bereich der Bio-Pestizide. So bietet er in diesem Segment bereits das Anti-Wurmmittel BIBACT und das Anti-Pilzmittel CONTANS an. Zudem kaufte der Global Player bereits im Jahr 2014 das argentinische Unternehmen BIAGRO, das biologische Saatgutbehandlungsmittel auf der Basis von Mikro-Organismen und Pilzen sowie Mittel zur Stärkung des Pflanzen-Wachstums produziert. Der Leverkusener Multi will wegen REQUIEM & Co. jedoch seinen Agrogift-Schrank nicht gleich entsorgen; „best of both worlds“ lautet die Devise. „Wir setzen auf integrierte Angebote für Nutzpflanzen. Also auf die Auswahl des passenden Saatguts und die beste Kombination aus chemischen und biologischen Produkten“, so BAYER-Manager Ashish Malik.

PFLANZEN & SAATEN

Tomaten made by BAYER
Von keiner Gemüse-Art produziert die europäische Landwirtschaft mehr als von der Tomate. Entsprechend stark konzentrieren sich die Agro-Multis auf diese Nachtschatten-Gewächse – BAYER, SYNGENTA, MONSANTO & Co. dominieren den EU-Handel mit Tomaten-Saatgut. Der Studie „Concentration of Market Power in the EU Seed Market“ zufolge stammten 2013 45 Prozent aller Saaten aus den Gewächshäusern dieser Konzerne. Der Marktanteil der BAYER-Tochter NUNHEMS belief sich 2014 auf 3,7 Prozent. Inzwischen dürfte dieser gestiegen sein, denn in den letzten zwölf Monaten brachte das Unternehmen viele neue Sorten heraus. Die „hochtechnologischen Tomaten“ versprechen laut NUNHEMS gute Ernten, zuweilen gar „Ertragsrekorde“ und „Einheitlichkeit“, was diese „zu einer rentablen Wahl für den Erzeuger macht“. Geschmacksfragen stellen sich der Firma hingegen nicht.

BAYER erweitert Weizenzucht-Zentrum
Im Saatgut-Geschäft des Agro-Riesen bildet Weizen einen Schwerpunkt, weil die Ackerfrucht die weitverbreiteste Kulturpflanze der Welt ist. Bis 2020 will der Konzern 1,5 Milliarden Euro in Züchtungsprogramme investieren, um eine führende Rolle in diesem Markt-Segment zu einzunehmen. Dazu kooperiert er mit vielen Weizenforschungsinstituten und unterhält eigene Zuchtstationen. Sieben solcher Einrichtungen hat der Multi bisher schon aufgebaut. In Gatersleben, wo der Global Player seit 2012 ein solches Zentrum – nicht von ungefähr in unmittelbarer Nähe des „Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen-Forschung“ – betreibt, plant er jetzt eine Erweiterung. Das Unternehmen kündigte an, dort die Acker-Flächen auf 80 Hektar zu verdoppeln.

GENE & KLONE

BAYERs Gen-Soja entert Brasilien
Brasilien hatte es Gen-Pflanzen made by BAYER jahrelang sehr schwer gemacht. So verbot das Land gentechnisch veränderten Mais der Produktreihe LIBERTYLINK und entzog der Sorte T25 die Genehmigung. Jetzt aber scheint der Widerstand gebrochen. Ab diesem Jahr vermarktet der Leverkusener Multi in dem südamerikanischen Staat LIBERTYLINK-Soja. Dabei handelt es sich um eine Laborfrucht, die immun gegen das extrem gesundheitsschädliche und in Europa deshalb nur noch bis 2017 erlaubte Pestizid Glufosinat ist. Gleich 2.000 LandwirtInnen wollen es nach Aussage des Global Players trotzdem mit dem LL-Soja versuchen.

WASSER, BODEN & LUFT

BAYER-Altlast unter Kleingarten
Viele Duisburger KleingärtnerInnen sorgen sich um ihre Grundstücke, denn unter der Grasnarbe schlummern Altlasten von BAYER, KRUPP oder MANNESMANN. Boden-Untersuchungen des Bielefelder Instituts IFUA PROJEKT ergaben in vielen Fällen bedenkliche Werte für Cadmium, Zink, Arsen, Benzo(a)pyren und Blei. Auf dem Gelände des Kleingarten-Vereins „Borgsche Hütte“ in Rumeln, wo der Leverkusener Multi um 1958 Giftstoffe verklappt hat, gab es hingegen keine Überschreitungen der zulässigen Limits. Das Chemie-Grab liege zu tief, als dass von ihm noch Gefahren ausgehen könnten, versichert Wolfgang Ibels vom Duisburger Umweltamt. Mögliche Verunreinigungen des Grundwassers durch die Hinterlassenschaften des Leverkusener Multis ignorierte er dabei jedoch.

Kaum Energie-Ersparnis
BAYERs Energie-Einsatz sank 2015 gegenüber dem Vorjahr von 85.317 auf 83.182 Terajoule. Die Reduktion verdankt sich jedoch mitnichten einer ressourcen-schonenderen Produktionsweise, sondern hauptsächlich der im letzten Jahr erfolgten Stillegung der Fertigungsstätte im brasilianischen Belford Roxo.

Mehr Kohlendioxid-Emissionen
BAYERs Emissionen des klima-schädlichen Kohlendioxids stiegen 2015 gegenüber dem Vorjahr um 160.000 Tonnen auf 9,71 Millionen Tonnen. Ein Grund dafür ist, dass der Konzern bei der Energie, die er selbst erzeugt, mehr auf die besonders klima-schädliche Kohle setzt. Deren Quantum am Energie-Mix wuchs gegenüber 2014 von 12.611 auf 12.755 Terajoule. Für den Löwenanteil an den CO2-Emissionen des Unternehmens sorgt die Kunststoff-Tochter COVESTRO mit 6,41 Millionen Tonnen, dahinter folgt die CURRENTA als Betreiber der Chemie- „Parks“ mit 1,47 Millionen Tonnen, die Agro-Sparte mit einer Million Tonnen und der Pharma-Bereich mit 0,57 Millionen Tonnen.

BAYER schädigt Ozonschicht
Seit Jahren schon sorgt hauptsächlich ein einziges Werk des Leverkusener Multis für den ganzen Ausstoß an ozon-abbauenden Substanzen: die Niederlassung der Agro-Sparte im indischen Vapi. Und seit Jahren schon schraubt der Konzern auch ein bisschen an der Fertigungsstätte rum, so dass die Werte immer ein bisschen sinken. Aber 2015 summierten sie sich trotzdem noch auf 11,7 Tonnen (2014: 14,8).

1.610 Tonnen flüchtige Substanzen
Auch BAYERs flüchtige organische Substanzen entstammen hauptsächlich dem Werk im indischen Vapi. Im Zuge der „Work in Progress“-Sanierung ging der Ausstoß ebenso wie derjenige der ozon-abbauenden Stoffe (s. o.) 2015 etwas zurück. Von 2.120 auf 1.610 Tonnen sank der Wert.

Kaum weniger Stickstoff & Co.
Der Ausstoß von Stickstoffoxiden, Schwefeloxiden, Staub und Kohlenmonoxid hat sich bei BAYER 2015 gegenüber dem Vorjahr kaum verändert. Die Emissionen von Stickstoffoxiden stiegen von 2.360 Tonnen auf 2.420 Tonnen, während diejenigen von Schwefeloxiden leicht von 1.220 Tonnen auf 1.170 Tonnen zurückgingen. Auch etwas weniger Staub wirbelte der Konzern auf: 250 gegenüber 230 Tonnen. Dafür erhöhte sich jedoch der Kohlenmonoxid-Ausstoß um 20 auf 930 Tonnen.

BAYERs großer Durst
Der Leverkusener Multi hat einen enormen Wasser-Durst. Auf 346 Millionen Kubikmeter bezifferte er seinen Konsum im Jahr 2014, in den zwölf Monaten zuvor waren es sogar 350 Millionen gewesen. Zum Vergleich: Das ist mehr als das Dreifache dessen, was die ganze Stadt Köln verbraucht. Drei Viertel des Wassers gehen als Kühlwasser drauf, ein Viertel verwendet der Konzern in der Produktion. Und erschwerend kommt noch hinzu, dass die Wiederaufbereitungsquote verschwindend gering ist: Gerade einmal 10,4 Millionen Liter recycelte das Unternehmen.

BAYER Abwasser-Frachten
2015 produzierte der Leverkusener Multi mit 61 Millionen Kubikmetern fünf Millionen Liter weniger Abwässer als 2014, aber nicht, weil er etwa „grüner“ produzierte, sondern nur, weil er überhaupt weniger produzierte. Und trotzdem schaffte es der Konzern noch, von einzelnen Stoffen mehr einzuleiten als im Vorjahr. Bei den anorganischen Salzen stieg die Menge von 845.000 Tonnen auf 927.000 Tonnen. Bei den Schwermetallen, die das Unternehmen nicht mehr einzeln aufführt, um besonders gefährliche Stoffe wie Quecksilber nicht nennen zu müssen, wuchs sie von 63 auf 64 Kilogramm. Der Phosphor-Eintrag blieb hingegen konstant bei 100 Tonnen, und der Stickstoff-Wert sank von 760 auf 560 Tonnen. Auch organischer Kohlenstoff fand sich etwas weniger im Wasser wieder: Das Volumen reduzierte sich um 40 Tonnen auf 1.160.

BAYER produziert mehr Müll
Im Jahr 2015 produzierte BAYER mehr Müll als 2014. Von 896.000 auf 940.000 Tonnen stieg die Menge. Auch bei gefährlichen Abfällen erhöhte sich der Wert; er legte von 487.000 auf 541.000 Tonnen zu. Als Grund dafür nennt der Leverkusener Multi neben Produktionssteigerungen „eine neue abfallrechtliche Bewertung der Wirbelschicht-Asche aus dem Kraftwerk im Chem-‚Park’ Leverkusen“.

CO & CO.

„Risiko nicht ausgeschlossen“
Während BAYERs zwischen Dormagen und Krefeld geplante Kohlenmonoxid-Pipeline wegen einer Klage noch immer keine Betriebsgenehmigung hat, zeigt deren zwischen Dormagen und Leverkusen verlaufendes Pendant schon bedenkliche Alterserscheinungen. Besonders dort, wo die Leitung den Rhein unterquert, zeigen sich Korrosionsschäden, also Abnutzungserscheinungen an den Bau-Bestandteilen. So treten an diesem Düker nach einem Bericht des TÜV Rheinland „gravierende externe Materialverluste“ auf. Eine „Restlebensdauer von 2 Jahren, bis die rechnerisch geforderte Mindestrohrwandstärke von 3,6 mm erreicht wird“, errechnete der Technische Überwachungsverein. Nachdem die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN diesen Befund publik gemacht hatte, blieb dem Leverkusener Multi nichts anderes übrig, als Maßnahmen einzuleiten: Er kündigte den Bau eines neuen Dükers an. Dieser nimmt noch einmal größere Dimensionen als der alte an und bietet zusätzlich zu den zehn Leitungen noch Platz für fünf Reserve-Pipelines. Weil der Pharma-Riese deshalb in die unter Naturschutz stehende Uferlandschaft eingreifen muss, hat er später Kompensationsleistungen zu erbringen. Absolute Sicherheit mochte der Konzern auch nach der Fertigstellung des neuen Tunnel-Systems nicht garantieren. Lediglich als „unwahrscheinlich“ bezeichnete das Unternehmen das Risiko einer Explosion im Düker, es könne aber „nicht 100-prozentig ausgeschlossen werden“. Und die Folgen wären BAYER zufolge „wegen der engen räumlichen Nähe der Rohrleitungen und dem zu erwartenden Totalversagen auch der CO-Leitung als katastrophal einzuschätzen“. Trotzdem rechnet der Multi fest mit einer Betriebsgenehmigung durch die Bezirksregierung. Anfang 2017 will er den Düker dann nutzen – und ansonsten wohl bei der Pipeline, die immerhin schon rund 50 Jahre auf dem Buckel hat, alles beim Alten lassen. Lediglich ein paar kleine Eingriffe stehen möglicherweise an.

STANDORTE & PRODUKTION

Neues Haus für Insektizid-Forschung
BAYER will am Standort Monheim ein Gewächshaus für die Insektizid-Forschung errichten, das „weltweit neue Maßstäbe“ setzt. 43,5 Millionen Euro investiert der Leverkusener Multi zu diesem Behufe.

Leverkusen: Neue Pack-Anlage
BAYER errichtet in Leverkusen für rund 150 Millionen Euro eine neue Anlage für Medikamenten-Verpackungen. Zudem kündigte der Konzern den Bau einer Fertigungstätte für Arznei-Formulierungen an.

Millionen-Investition in Bitterfeld
Der Leverkusener Multi plant am Standort Bitterfeld, wo er vor allem das Schmerzmittel ASPIRIN produziert, 20 bis 30 Millionen Euro zu investieren. Das Geld will er unter anderem für einen Ausbau der Automation, für neue Filteranlagen und für mehr Informationstechnologie.

ÖKONOMIE & PROFIT

Die BAYER-Bank in Belgien
Der Leverkusener Multi unterhält viele Niederlassungen im Steuer-Paradies Belgien. BAYER ANTWERPEN etwa wirkt als konzern-interne Bank, die den Teilgesellschaften Geld für Investitionen leiht. Für den Global Player entsteht so eine Win-win-Situation: Während die Tochter-Firmen die Zins-Zahlungen von der Steuer absetzen können, muss BAYER ANTWERPEN für die Zins-Erträge kaum Abgaben zahlen. Und bei den 11,8 Milliarden Euro an Krediten, die im Jahr 2015 von Belgien aus auf die Reise gingen, kommen da schon ganz hübsche Summen zusammen.

BAYERs globale Steuer-Praxis
Der Leverkusener Multi hat Niederlassungen auf der ganzen Welt. Nur profitiert steuerlich nicht die ganze Welt gleichermaßen von den Erträgen. Die BAYER-Töchter müssen einen Großteil ihrer Gewinne an die Mutter-Gesellschaft in Leverkusen abführen. In der Heimat fällt deshalb auch der Löwenanteil der Abgaben an, welche der Konzern leistet, nachdem er sich durch Nutzung diverser Steuersparmodelle arm gerechnet hat. Der Global Player gibt an, 50 Prozent seiner Ertragssteuern in Deutschland zu zahlen, obwohl er hierzulande nur rund elf Prozent seines Gesamtumsatzes erzielt und nur 31 Prozent seiner Belegschaftsangehörigen beschäftigt. Mit Imperialismus hat das alles aber dem Unternehmen zufolge nichts zu tun. Der Pharma-Riese betrachtet die ungleiche Verteilung vielmehr als angemessen und führt dazu eine recht abenteuerliche Begründung an: Da er hauptsächlich an den deutschen Standorten forsche und das mit viel kosten-intensivem „Trial and Error“ einher gehe, sei auch das unternehmerische Risiko vornehmlich zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen angesiedelt. Sorgen bereiten ihm in diesem Zusammenhang nun die Pläne der EU, die Multis zur Veröffentlichung ihrer Steuer-Zahlungen in den einzelnen Ländern zu zwingen (siehe POLITIK & EINFLUSS) So warnt BAYERs Steuer-Chef Bernd-Peter Bier, das sogenannte Country-by-Country-Reporting „führt gerade vor dem Hintergrund der deutschen Export-Stärke dazu, dass die Regierungen unserer ausländischen Absatzmärkte (sic!) künftig mehr vom deutschen Anteil am Steuer-Kuchen abhaben wollen“. Deshalb sperrt er sich vehement gegen weitergehende Transparenz-Verpflichtungen.

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Salzsäure tritt aus
Am 15.1.2015 meldete die BAYER-Tochter COVESTRO am US-amerikanischen Standort Illinois einen Stoff-Austritt: Ein Tankwagen, der Salzsäure transportierte, verlor 7.600 Liter seiner Ladung.

Polyisocyanat tritt aus
Am 18.1.2015 meldete die BAYER-Tochter COVESTRO am indischen Standort Hubli einen Transport-Unfall, bei dem 1.200 Kilo des Gefahrguts Polyisocyanat ins Freie gelangten.

TDI tritt aus
Am 7.2.2015 liefen in einem kalifornischen Werk der BAYER-Tochter COVESTRO an einer Abfüll-Station 1.150 Liter des Kunststoffes TDI aus, weil ein Tankwagen zu voll gepumpt wurde.

MDI tritt aus
Am 31.5.2015 meldete die BAYER-Tochter COVESTRO am US-amerikanischen Standort Ward Creek einen Transport-Unfall. Ein Sattelzug stürzte auf der Straße um, und 1.500 Liter des Kunststoffes MDI liefen aus.

BAYHYDROL tritt aus
Am 4.6.15 kam es in Helsinki zur Beschädigung eines Containers der BAYER-Tochter COVESTRO, in dem sich das Lackharz BAYHYDROL befand. Die Flüssigkeit trat aus, und 12 Personen, die mit ihr in Berührung gerieten, mussten sich zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben. Ein stationärer Aufenthalt blieb ihnen aber erspart.

DESMOPHEN-Tank platzte
Am 18.8.15 platzte am Antwerpener Standort der BAYER-Tochter COVESTRO bei einem Umfüll-Vorgang ein Tank, in dem sich der Lack-Grundstoff DESMOPHEN befand. Rund 6.000 Kilogramm des Stoffes gelangten so an die Luft. Der Leverkusener Multi gab jedoch sogleich Entwarnung: „Es kam weder zu Verletzungen noch zu Gefährdungen.“

Salpetersäure tritt aus
Am 3.9.15 kam es am Dormagener Standort der BAYER-Tochter COVESTRO beim Entladen von Salpetersäure zu einem Unfall. In der Folge liefen 150 Liter des Stickstoffs aus, der auf Haut, Atemwege und Schleimhäute stark reizend wirkt und Verätzungen hervorrufen kann. Ein Beschäftigter geriet mit der Substanz in Berührung und kam in ein Krankenhaus. Er konnte jedoch zum Glück bald schon wieder entlassen werden.

DESMODUR tritt aus
Am 28.9.15 durchbohrte am US-amerikanischen Standort Laredo der BAYER-Tochter COVESTRO ein Gabelstabler die Wand eines Fasses, in dem sich das Kunststoff-Produkt DESMODUR befand. In der Folge liefen 150 Liter der Substanz aus.

Salzsäure tritt aus

  • 2


Am 30.9.15 trat an einem Kesselwagen der DEUTSCHEN BAHN, der Salzsäure der BAYER-Tochter COVESTRO beförderte, eine Leckage auf. 100 Liter der Substanz flossen auf diese Weise aus.

DESMODUR tritt aus

  • 2


Wie zuvor in Laredo (s. o.) durchbohrte am 28.10.15 auch in Köln ein Gabelstabler ein Fass, in dem sich DESMODUR der BAYER-Tochter COVESTRO befand. Und wieder flossen 150 Liter der Substanz aus.

DESMODUR tritt aus

  • 3


Das Werk der BAYER-Tochter COVESTRO am US-amerikanischen Standort Martinsburg schickte am 9.12.15 ein undichtes DESMODUR-Fass auf Reisen. Der LKW-Fahrer bemerkte den Austritt des Kunststoff-Produkts jedoch nach einiger Zeit und alarmierte die Feuerwehr. Diese sog die Substanz mit Bindemitteln auf und konnte den Schaden so in Grenzen halten.

Polyalkohol tritt aus
Am 16.12.15 informierte die BAYER-Tochter COVESTRO am US-amerikanischen Standort Charleston die Behörden über einen Verkehrsunfall, in dessen Folge ein LKW aus einem Tank 1.900 Liter Polyalkohol verlor.

RECHT & UNBILLIG

4.300 XARELTO-Klagen
BAYERs Gerinnungshemmer XARELTO mit dem Wirkstoff Rivaroxaban hat gefährliche Nebenwirkungen. So erhielt das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) 2015 von ÄrztInnen 173 Benachrichtigungen über Todesfälle, von denen 137 auf Blutungen zurückgingen. Insgesamt erfolgten 1.792 Meldungen wegen unerwünschter Pharma-Effekte. In den USA, wo PatientInnen bzw. deren Hinterbliebene leichter Schadensersatz-Ansprüche geltend machen können, beschäftigt sich deshalb bereits die Justiz mit XARELTO. Bis zum 25.1.2016 lagen 4.300 Klagen vor. Bei kanadischen Gerichten belief sich die Zahl auf acht.

Patent-Klage gegen AUROBINDO et. al.
Der Leverkusener Multi verklagt routinemäßig Pharma-Hersteller, die nach Ablauf der Patentfrist Nachahmer-Produkte seiner Pillen auf den Markt bringen wollen, wegen Verletzung seines geistigen Eigentums. So hofft der Konzern sich die lästige Billig-Konkurrenz möglichst lange vom Leibe halten zu können. Deshalb ging er auch gegen AUROBINDO und sieben weitere Unternehmen vor, die Generika-Versionen seines umstrittenen Gerinnungshemmers XARELTO (s. o.) vorbereiten.

Patent-Klage gegen MYLAN
BAYER will generische Versionen seines Krebsmittel NEXAVAR möglichst lange vom Markt fernhalten. Aus diesem Grund ging der Pharma-Riese jetzt gerichtlich gegen die Firma MYLAN vor, die bei den US-Behörden Zulassungsanträge für ein solches Präparat eingereicht hatte, und verklagte das Unternehmen wegen Patent-Verletzung.

BAYER-Patente ungültig
BAYER hatte das Unternehmen WATSON LABORATORIES, das beabsichtigt, Generika-Versionen der gefährlichen drospirenon-haltigen Verhütungsmittel BEYAZ und SAFYRAL herzustellen, schon vor längerer Zeit wegen Patent-Verletzung verklagt. In erster Instanz bekam der Pharma-Riese auch Recht, aber WATSON focht die Entscheidung an. Und in dem Revisionsverfahren erklärte das Gericht die BAYER-Patente dann für ungültig. Als Begründung führten die RichterInnen an, dass MERCK als ursprünglicher Inhaber der BEYAZ- und SAFYRAL-Schutzrechte schon vor Erhalt des Patents einzelne Komponenten der Kontrazeptiva zum Verkauf angeboten hatte. Ob der Global Player plant, gegen diesen Beschluss vorzugehen, stand bis Redaktionsschluss nicht fest. Auch der Rechtsstreit mit LUPIN in der gleichen Sache könnte durch das Urteil jetzt eine andere Wendung nehmen.

EU-Klage wg. Dünger
Laut nordrhein-westfälischem Umweltministerium befindet sich das rechtsrheinische Grundwasser-Reservoir in einem chemisch so schlechten Zustand, dass es sich nicht zur Trinkwasser-Gewinnung eignet. BAYER trägt dazu unter anderem durch den Dünger bei, der auf den landwirtschaftlichen Versuchsfeldern in Monheim zum Einsatz kommt und so für Nitrat-Einträge sorgt. Die Europäische Kommission hatte die Bundesrepublik in der Vergangenheit mehrfach aufgefordert, die Dünge-Praxis strenger zu reglementieren, aber es geschah nichts. Deshalb hat die EU nun vor dem Europäischen Gerichtshof in Straßburg eine Klage eingereicht. Nicht einmal der Verweis auf eine in Arbeit befindliche Gesetzes-Novelle konnte Juncker & Co. davon abhalten. Diese enthalte zu viele Ausnahme-Regelungen und sei deshalb nicht geeignet, eine bessere Wasser-Qualität zu garantieren, hieß es aus Brüssel.

FORSCHUNG & LEHRE

Pharmazie-Studierende bei BAYER
Früh übt sich, wer ein/e Pharmazeut/in ganz im Sinne der Pharma-Industrie werden will, deshalb bietet der Leverkusener Multi viele Übungsmöglichkeiten an. So unterhält er bereits seit 2008 eine Kooperation mit der Kieler Christian-Albrechts-Universität, in deren Rahmen die BAYER-Tochter KVP PHARMA + VETERINÄR zweimal im Jahr Pharmazie-Studierende empfängt. Im Werk erfahren diese dann unter anderem, wie mustergültig der Pillen-Riese angeblich Qualitätssicherung betreibt und die regulatorischen Rahmenbedingungen umsetzt. Und die Lehrenden spielen das Spiel mit. Die Privatdozentin Dr. Regina Scherließ bezeichnet es dem Global Player zufolge nachgerade als Glücksfall, mit dem BAYER-Standort in Kiel ein international aufgestelltes Pharma-Unternehmen zu haben, das den Studierenden einen solchen Einblick bietet.

BAYER forciert Digital-Medizin
Der Leverkusener Multi bereitet sich auf den Eintritt in den Markt der digitalen Medizin vor und fördert im Rahmen seiner „Grants4Apps-Accelerator“-Initiative Start-ups, die Apps oder andere Anwendungen entwickeln. So erhielt VIOMEDO im Jahr 2015 Geld für ein Internet-Projekt, das den Pharma-Riesen mehr ProbandInnen für seine Klinischen Studien zuführen soll. SERONA bekam Unterstützung für das Vorhaben, die personalisierte Medizin auf dem Gebiet der Hormon-Therapien mittels Daten-Analysen voranzutreiben und VITAMETER für die Konstruktion eines Gerätes zur Bestimmung des Vitamin-Gehaltes im Blut.

[CO2 Dream] STICHWORT BAYER 03/2016

CBG Redaktion

Start der „Dream Production“ in Dormagen

CO2-Recycling keine Lösung für Umweltprobleme

Am 17. Juni 2016 eröffnete die BAYER-Tochterfirma COVESTRO im Werk Dormagen ihre sogenannte „Dream Production“. In der Anlage wird Polyurethan hergestellt, welches unter anderem in Matratzen und Autopolstern verwendet wird. Da in der Herstellung das Treibhausgas Kohlendioxid zum Einsatz kommt, nennt BAYER das Verfahren einen „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“. Umweltschützer bezeichnen das Projekt hingegen als Greenwashing ohne ökologischen Nutzen.

von Philipp Mimkes

Im Monatstakt erschienen jüngst Jubel-Meldungen zur „Dream Production“ der BAYER-Tochter COVESTRO. So berichtete der Spiegel unter der Überschrift „Vom Klimakiller zum Rohstoff“, die Deutsche Welle verspricht „Plastik und Treibstoff aus CO2“. Dem ansonsten eher nüchternen Handelsblatt wurde gar lyrisch zumute: zu Bildern einer leicht bekleideten, schlafenden Frau titelte das Blatt „Die weiche Seite eines Klimakillers“.
Aufhänger für die Berichte ist die neue Produktionsanlage für Polyurethan im BAYER-Werk Dormagen. In der Anlage werden rund 20 % des Vorprodukts Polyol nicht mehr aus Erdöl gewonnen, sondern aus dem Treibhausgas CO2. Die Fabrik wurde Mitte Juni mit einem Festakt eröffnet.
Nicht nur die Medien sind begeistert, auch die Politik jubelt in den höchsten Tönen: So bezeichnet das NRW-Wissenschaftsministerium das Projekt als „Vorreiter für den Klimaschutz“ und als „Unterstützer bei der Energiewende“. Forschungsministerin Johanna Wanka traut der Technologie „einen wichtigen Beitrag zur Energiewende“ zu. Und Lothar Mennicken, zuständiger Referent im Bundesforschungsministerium, trägt bei Konferenzen gar einen Button mit der Aufschrift „I love CO2“.

Greenwashing
Für den Medien-Hype gibt es eine einfache Erklärung: BAYER hatte 2012 die Agentur KETCHUM PLEON mit einer Marketing-Kampagne für die Dream Production beauftragt. In einer Präsentation der PR Agentur heißt es unverblümt, dass die Anlage „gegenüber der Politik, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Öffentlichkeit als Musterbeispiel für ein nachhaltiges Projekt kommuniziert werden“ solle. Die Agentur organisierte Veranstaltungen, lud JournalistInnen zur Besichtigung ein und verfasste sogar eigene Artikel für Publikums- und Fachzeitschriften. Mit dem Ergebnis zeigte sich KETCHUM PLEON höchst zufrieden. In einer Auswertung heißt es: „Über das Projekt wurde in nahezu allen großen deutschen Zeitungen, Magazinen, Fernseh- und Radiosendungen auffallend berichtet“. Mehr als zehn Millionen Personen seien erreicht worden.
Unabhängige Experten hingegen sehen in dem Verfahren keinen ökologischen Fortschritt. In der Kritik steht insbesondere der extreme Energie-Aufwand zur Aktivierung von Kohlendioxid. Die Versprechungen von BAYER seien daher ein „Öko-Schwindel“. So urteilt der Chemiker Dr. Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied vom Naturschutzbund (NABU) und Gründer der Auro AG für ökologische Farbstoffe: „Man kann sich kaum eine katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen. Die Physik kann man nicht überlisten – der riesige energetische Abstand zwischen CO2 und komplexen Kohlenstoff-Verbindungen ist eben nur mit ebenso hohem Energieaufwand zu überwinden.“
Dass man ausgerechnet das reaktionsträge Kohlendioxid als Synthesegrundlage propagiert, hat laut Fischer mit Greenwashing zu tun: „Es macht sich einfach gut, mit einem Verfahren zu prahlen, welches das „böse“ CO2 in nützliche Verbindungen umwandelt. Die PR-Strategen der Industrie haben daher Kohlendioxid zum neuen Lieblings-Spielzeug erwählt. Man baut darauf, dass die Öffentlichkeit den Irrsinn hinter dieser Aktion nicht hinterfragt.“ Fischer fordert stattdessen den Einsatz pflanzlicher Rohstoffe, für deren Verwendung weit weniger Energie benötigt wird.

Klimaeffekt marginal
Auch Prof. Jürgen Rochlitz, Chemiker und langjähriges Mitglied der Deutschen Störfallkommission, ist skeptisch: „Die Nutzung von CO2 in der Kunststoff-Produktion spielt angesichts der um Zehnerpotenzen größeren Mengen energetischer Verbrennungsprozesse eine zu vernachlässigende Rolle. Dies zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: BAYER will 5.000 Tonnen Polyol auf CO2-Basis herstellen und hierbei 1.000 Tonnen Kohlendioxid einsetzen. Das ist nicht einmal ein Tausendstel des jährlichen CO2-Ausstoßes von BAYER.“
In dieselbe Kerbe schlägt Manuel Fernández vom Bund für Umwelt und Naturschutz: „Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar. Wenn BAYER im Zusammenhang mit diesem neuen Verfahren von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“ spricht, muss sich die Konzernleitung nicht über den Vorwurf wundern, Öko-PR zu betreiben. Der Nutzen eines solchen Verfahrens ist schon angesichts des benötigten Energieaufwands fragwürdig.“ Fernández fordert stattdessen eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion sowie des Einsatzes fossiler Brennstoffe.

öffentliche Förderung
Der Chemie-Industrie ist es in den letzten Jahren gelungen, das Recycling von Kohlendioxid als Musterbeispiel für eine „grüne Chemie“ zu etablieren. Dutzende Projekte wurden mit öffentlicher Unterstützung gestartet. So kooperierte BAYER bei der Entwicklung der Dream Production mit der Technischen Hochschule Aachen und der Technischen Universität Berlin und erhielt hierfür Zuschüsse in Höhe von 4,5 Mio Euro.
Eine Broschüre des Bundesforschungsministeriums (BMBF) mit dem Titel „Nachhaltigkeit und Klimaschutz in der Chemie-Industrie? CO2 macht´s möglich“ zeigt ein Werbefoto von BAYER direkt auf dem Cover. Thomas Rachel, Staatssekretär im BMBF, reiste am 17. Juni eigens zur Eröffnung der Anlage an.
Insgesamt bewilligte das Ministerium im Rahmen seiner „Hightech Strategie 2020“ rund einhundert Millionen Euro für Verfahren auf Basis von Kohlendioxid. Es steht zu befürchten, dass durch die massive Förderung des CO2-Recyclings wichtige Weichen falsch gestellt werden. Denn wirklich nachhaltige Verfahren auf Basis pflanzlicher Rohstoffe erhalten keine vergleichbare Unterstützung. Dabei könnten Kunststoffe aus Algen, Holzresten oder Stroh – Biomasse, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion steht - ganz ohne fossile Rohstoffe auskommen.

Chemie-Wende verschlafen
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) forderte in einem Schreiben an das BMBF eine Beendigung der Kooperation mit BAYER: „Die schönfärberisch benannte Dream Production ist allenfalls minimal besser als der Status Quo, aber in keiner Weise nachhaltig. Staatliche Fördergelder sollten jedoch nicht die Chemie-Industrie subventionieren, sondern einen wirklichen ökologischen Fortschritt unterstützen“, heißt es in dem Schreiben. Die CBG fordert stattdessen Programme für eine drastische Reduzierung des Kunststoffverbrauchs sowie wirksame Schritte zur Vermeidung von Plastikmüll.
BAYER hat die Umstellung auf regenerative Rohstoffe und biologisch abbaubare Endprodukte bislang verschlafen. Im Geschäftsbericht des Unternehmens heißt es lapidar: „Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe spielt bei Bayer noch eine untergeordnete Rolle.“ Zudem stammt gerade mal ein Prozent der vom Konzern erzeugten Energie aus regenerativen Quellen. Die Aktivierung des reaktionsträgen Kohlendioxids würde aber allenfalls dann Sinn machen, wenn hierfür regenerativ erzeugte und überschüssige Energie verwendet wird.
Die Etablierung des CO2-Recyclings hat denn auch weniger etwas mit ökologischen Gründen zu tun. Vielmehr dürfte sie ein Versuch der Industrie sein, auch in Zeiten schwindender Ressourcen großtechnische Anlagen mit Kapazitäten von mehreren hunderttausend Jahrestonnen zu betreiben. Die Alternative hierzu - kleine, dezentrale Verfahren auf Basis von Biomasse – könnten zwar dem ländlichen Raum neue Perspektiven eröffnen. Ebenso wie bei der Energie-Wende, von der tausende kleine Erzeuger profitieren, stehen die großen Chemie-Firmen bei einer solchen Transformation jedoch nicht auf der Gewinner-Seite. Wie auch bei der Einführung regenerativer Energien, die von der Industrie jahrzehntelang verzögert wurde, ist daher auch mit ausdauerndem Widerstand gegen die Etablierung einer Kreislaufwirtschaft in der Chemie-Produktion zu rechnen.

[PE Berl] Einladung Pressekonferenz

CBG Redaktion

Einladung zur Pressekonferenz

Neue GVO Technologien – alte illusionäre Heilsversprechungen

Was das internationale Monsanto Tribunal erreichen will und warum die Bayer-Monsanto-Fusion verhindert werden muss

Berlin, 22. Juni 2016 – Ein Bündnis von NABU, Navdanya International, dem weltweiten Dachverband für biologischen Landbau IFOAM - Organics International und der Coordination gegen BAYER-Gefahren lädt zu einer Pressekonferenz ein, die am Montag, den 27. Juni 2016 von 12 bis 13 Uhr in der NABU-Bundesgeschäftsstelle, Charitéstraße 3, in Berlin-Mitte stattfindet.

Die Podiumsteilnehmer sind:

• die weltweit bekannte Aktivistin und Öko-Feministin sowie Trägerin des alternativen Nobelpreises, Dr. Vandana Shiva (Indien)
• der Dipl. Chemiker und neue Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren Antonius Michelmann
• die Köchin sowie Food - und Landwirtschaftsaktivistin Sarah Wiener

Moderation: Bernward Geier

Aktuellster Anlass für die Pressekonferenz ist die geplante Fusion von Bayer und Monsanto. Antonius Michelmann wird zu den Hintergründen und den möglichen Folgen der Fusion sprechen, Vandana Shiva wird u.a. auf die schädlichen Nebenwirkungen auch der neuen gentechnischen Verfahren eingehen und aktuelle Informationen zum internationalen Monsanto Tribunal geben, das vom 13. - 15. Oktober in Amsterdam stattfindet. Sarah Wiener wird zu Notwendigkeit und Perspektiven eines intensivierten Kampfes für eine Gentechnik freie Landwirtschaft sprechen.
Nach den drei Kurzreferaten der Podiumsgäste gibt es ausreichend Zeit für Fragen. Auch ist die Möglichkeit für Interviews und O-Töne nach der Veranstaltung gegeben. Interesse hierfür bitte bis spätestens 24.06. bei b.geier@colabora-together.de anmelden.

Über Ihre Teilnahme würden sich die Veranstalter sehr freuen. Anmeldungen bitte an Kathrin.Klinkusch@NABU.de

Für den Gastgeber und die Veranstalter:

Leif Miller (NABU-Bundesgeschäftsführer)
Bernward Geier COLABORA & IFOAM Ambassador)

PS: Gerne laden wir Sie nach der PK noch zu einem Imbiss und persönlichen Begegnungsmöglichkeiten mit den Podiumsgästen ein.

-- Zur Finazierung sind wir leider auf Ihre Spenden angewiesen! Vielen Dank! [gallery]

[Demo] Übernahme MONSANTO

CBG Redaktion

Bitte helfen Sie mit einer Spende. Jetzt.

Der drohende BAYER / MONSANTO-Deal fordert den Einsatz der Coordination gegen BAYER-Gefahren in besonderem Maß und auf lange Sicht. Wir brauchen daher Unterstützung und Hilfe.

Fusion verhindern! Forderung hier unterstützen

Heraus zur Demonstration

Düsseldorf, Essen, Duisburg, Krefeld, Mönchengladbach, Köln, Leverkusen, Solingen, Wuppertal und Umgebung

=> Samstag, 04. Juni 2016, 12.00 Uhr bis 15.00 Uhr
=> Düsseldorf, Graf-Adolf-Platz

Wir bitten um Unterstützung

Helft am 04.06.2016 mit bei Infostand, Transparenten und Flyer-Verteilung.
Kommt um 12 Uhr zum Infostand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) auf dem Graf-Adolf-Platz.

Wir schlagen Alarm
Axel Köhler-Schnura/Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gerfahren (CBG): „Wir schlagen Alarm: ‚Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt’, hat Henry Kissinger einmal gesagt. Durch die Übernahme von MONSANTO durch BAYER entsteht ein weltweites Lebensmittel-Monopol. Die Welternährung gerät in ernste Gefahr. Lebensmittel werden ausschließlich vom Profit eines einzigen Konzerns bestimmt.“

Wir fordern:
=> Die Fusion der beiden Konzerne muss gestoppt werden!
=> Die Konzerne vergesellschaften und unter demokratische Kontrolle stellen (wie es etwa die Landesverfassung von NRW vorsieht)!
=> Das Profitprinzip muss fallen und einem Solidarprinzip weichen!

[MONSANTO] Gegen die Fusion: Wir brauchen Ihre Hilfe!

CBG Redaktion

Bitte helfen Sie mit einer Spende.

Sollte die drohende BAYER / MONSANTO-Fusion zustande kommen, werden wir uns dieses Konzerns genauso gründlich annehmen, wie wir dies in den letzen 35 Jahren mit dem BAYER-Konzern getan haben. Aufklärung und Dokumentation sowie Koordinierung, Unterstützung und Zusammenführung von Betroffenen, Widerstand und Fachleuten - so lautet die Aufgabe die wir uns gesteckt haben. Bereits jetzt, da die Fusion zunächst „nur“ droht sind unsere Kräfte besonders gefragt. Leider kostet auch eherenamtliche Arbeit Geld. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit durch Ihre Spende.

Fusion verhindern! Forderung hier unterstützen

Presse Information vom 20. Mai 2016
Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)

Der BAYER/MONSANTO-Deal

Vereinigung zu Lasten Dritter

Der BAYER-Konzern hat Gespräche mit MONSANTO über eine mögliche Fusion bestätigt. Bei einem Abschluss der Transaktion würde der mit Abstand größte Agro-Multi der Welt entstehen mit schlimmen Folgen für die LandwirtInnen, die Natur, die VerbraucherInnen und die Beschäftigten.

Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG: „Wir schlagen Alarm: ‚Wer das Saatgut kontrolliert, beherrscht die Welt’, hat Henry Kissinger einmal gesagt. Durch die Übernahme droht ein weltweites Lebensmittel-Monopol. Die Welternährung gerät in ernste Gefahr.“

Schon jetzt befindet sich der globale Agrar-Markt in den Händen einiger weniger Unternehmen. Hatten 1985 die zehn größten Anbieter von Saatgut zusammen noch einen Marktanteil von ca. 12,5 Prozent, so kamen BAYER, BASF, DUPONT, MONSANTO, SYNGENTA & Co. 2011 schon auf 75,3 Prozent. Und in den letzten beiden Jahren hat sich die Situation noch einmal zugespitzt. DUPONT hat DOW aufgekauft und CHEM-CHINA erwarb SYNGENTA. Vor allem vom Finanzmarkt geht dabei der Druck aus. Den großen Akteuren wie BLACKROCK reicht das interne Wachstum der Agro-Riesen nicht mehr, deshalb treiben sie die Gesellschaften zu Fusionen.

Die oligopol-artigen Strukturen bringen einen riesigen Innovationsstau mit sich. Weitverbreitete gesundheitsschädliche Pestizide wie BAYERs Glufosinat oder MONSANTOs Glyphosat stammen bereits aus den 1970er Jahren. Neue Herbizide haben die Konzerne wegen der übersichtlichen Markt-Verhältnisse seit Urzeiten nicht mehr entwickelt, wie der Leverkusener Multi selbst einräumt. „Seit über 25 Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr für Flächenkulturen entwickelt und auf den Markt gebracht – unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen für neue Herbizide einherging“, so der BAYER-Forscher Dr. Hermann Stübler. Als Folge davon stellen sich immer mehr Wildpflanzen auf die Mittel ein, und die LandwirtInnen müssen immer mehr Agro-Chemikalien ausbringen, was verheerende Auswirkungen auf die Artenvielfalt hat.

Die Konzerne reagieren auf die Forschungsmisere, indem sie sich bei der Entwicklung von Genpflanzen gegenseitig Zugriff auf ihre Ackergifte gewähren. Auf diese Weise können sie ihre Labor-Früchte gleich gegen mehrere Agrochemikalien zugleich immunisieren, was den FarmerInnen mehr Flexiblität bei der Anwendung der Substanzen erlaubt, aber zugleich die Abhängigkeit der Agrarwirtschaft von den Konzernen erhöht.

Was die Skrupellosigkeit angeht, so verweist die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) darauf, dass BAYER 1954 bis 1967 mit MONSANTO das US-amerikanische Joint Venture MOBAY führte und dort in die Herstellung von Komponenten von AGENT ORANGE für den Vietnamkrieg verwickelt war.

Beirat CBG

CBG Redaktion
Beirat

Abczynski, Dr. Erika / Kinderärztin / Dormagen Breyer, Hiltrud / Politologin / Mandelbachtal (ehem. MdEP) Bulling-Schröter, Eva / Schlosserin / Ingolstadt (ehem. MdB) Elsner, Prof. Wolfram / Ökonom / Bremen Gössner, Dr. Rolf / Rechtsanwalt / Bremen Junginger, Prof. Jürgen / Designer / Krefeld Roth, Prof. Rainer / Sozialwissenschaftler / Frankfurt (Main) Rügemer, Dr. Werner / Philosoph / Köln

[Wechsel CBG] Geschäftsführung CBG

CBG Redaktion

Liebe Mitglieder der Coordination gegen BAYER-Gefahren,
liebe Freundinnen und Freunde,

viele von Ihnen (und Euch) habe ich in den vergangenen 21 Jahren persönlich kennengelernt. Viele haben sich an Aktionen der CBG beteiligt oder haben unsere Kampagnen unterstützt. Viele haben uns immer wieder Mut zugesprochen.

Nur dank der Solidarität unserer Unterstützer/innen können wir seit fast vier Jahrzehnten der Übermacht eines großen Multis trotzen. Auch wegen dieser Verbundenheit fällt es mir schwer, die Coordination gegen BAYER-Gefahren nun zu verlassen.

Nach so vielen Jahren ist für mich jedoch die Zeit gekommen, noch einmal etwas Neues zu beginnen. Ich bin sehr froh, dass weder persönliche noch inhaltliche Differenzen zu dieser Trennung führen. Und auch bei meiner neuen Tätigkeit als Geschäftsführer der Menschenrechts-Organisation FIAN werde ich mich gegen die ungezügelte Macht transnationaler Konzerne engagieren.

Der Coordination gegen BAYER-Gefahren wünsche ich weiterhin Kreativität, Biss und Durchhaltevermögen. Angesichts der vielen Probleme in der Welt, die von BAYER, MONSANTO und Co. verursacht werden, ist konzernkritische Arbeit so wichtig wie eh und je. Sie (und Euch) möchte ich bitten, der Coordination die Treue zu halten und meinem Nachfolger genauso ausdauernd beizustehen wie mir. Ab Anfang Juni wird er sich in die Kampagnen der CBG einarbeiten und sich dann auch persönlich melden.

Mit herzlichen Grüßen und Dank für die langjährige Unterstützung,

- Philipp Mimkes -

Bienensterben

CBG Redaktion

BUND, Pressemitteilung vom 29. April 2016

Protest bei Bayer-Hauptversammlung gegen bienengefährdende Pestizide und Gift im Honig

Köln: Anlässlich der heutigen Hauptversammlung der Bayer AG hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vor dem Kongresszentrum in Köln mit Schildern „Bienenhonig enthält Bayer-Pestizide“ gegen die von dem Chemieunternehmen hergestellten bienengefährdenden Gifte protestiert. Auf Flugblättern riefen BUND-Aktivisten die Bayer-Aktionäre dazu auf, sich gegen die Verunreinigung des Honigs mit Pestiziden und für den Ausstieg des Konzerns aus bienengefährlichen Chemikalien einzusetzen. Parallel dazu protestierten BUND-Partnerorganisationen des internationalen Netzwerks „Friends of the Earth“ auch in Großbritannien, den USA und Kanada gegen Bayer-Pestizide.

Auf EU-Ebene habe Bayer erst kürzlich eine Anhebung des Grenzwerts für das bienengefährdende Pestizid Thiacloprid in Honig von 0,05 Milligramm auf 0,2 Milligramm pro Kilo erwirkt, kritisierte die BUND-Pestizidexpertin Corinna Hölzel. Thiacloprid ist ein Nervengift, das zur Stoffgruppe der Neonikotinoide gehört und beim Menschen Krebs hervorrufen sowie die Fortpflanzung stören kann. Für Bienen und andere nützliche Insekten ist es oft tödlich. Trotzdem wird es in großem Umfang im Obst- und im Rapsanbau sowie im Heimgartenbereich eingesetzt.

„Bayer boxt Gewinninteressen knallhart auf Kosten der menschlichen Gesundheit und der Umwelt durch“, sagte Hölzel. „Bienen gehören zu den wichtigsten Nutztieren und sorgen für die Bestäubung von etwa zwei Dritteln unserer Nahrungspflanzen. Pestizide wie Thiacloprid sind inzwischen in unserer Nahrung angekommen. Wir fordern eine Null-Toleranz für Pestizide in Lebensmitteln“, so Hölzel.

Viele Baumärkte und Gartencenter haben inzwischen freiwillig bienengefährliche Bayer-Produkte ausgelistet. Seit Februar 2016 dürfen acht von 19 Bayer-Produkten für den Kleingartenbereich nicht mehr verkauft werden, weil sie Thiacloprid in hoher Konzentration enthalten. Wegen ihrer Gefährlichkeit hatte die EU-Kommission schon 2013 die Zulassung von drei Neonikotinoiden für von Bienen bevorzugte Pflanzungen wie Mais und Raps beschränkt. Dagegen klagen Bayer und Syngenta derzeit vor dem Europäischen Gerichtshof.

„Thiacloprid ist ähnlich besorgniserregend wie andere bereits nur noch eingeschränkt zugelassene Neonikotinoide. Bayer muss die Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zurückziehen. Auf keinen Fall darf die EU ihre Restriktionen gegenüber bienengefährdenden Pestiziden aufweichen, im Gegenteil, nötig ist das Verbot aller Neonikotinoide“, sagte Hölzel.

Fotos von der Protestaktion finden Sie zum Download unter www.bund.net/bayer-fotos

[ECCHR] Pestizide

CBG Redaktion

PRESSEMITTEILUNG

ECCHR fordert: Keine Entlastung von Bayer-Vorstand und -Aufsichtsrat!

Welternährungsorganisation prüft, ob Bayers Pestizid-Vertrieb in Indien gegen internationales Recht verstößt

Köln/Berlin, 28. April 2016 – Die Bayer AG vermarktet über Tochterunternehmen wie die BayerCropScience AG hochgefährliche Pflanzenschutzmittel in Indien. Doch die Unternehmen tragen nicht genügend Sorge dafür, dass die Menschen über die Gefahren der Pestizide und die nötigen Schutzmaßnahmen informiert werden. Damit gefährdet die Bayer AG die Gesundheit und das Leben von Zehntausenden in Indien. Das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und die Coordination gegen Bayer-Gefahren e.V. fordern daher bei der Hauptversammlung am 29. April 2016 die Aktionäre der Bayer AG auf, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten. Das ECCHR setzt sich dafür ein, dass Bayer den Vertrieb von Pestiziden wie Larvin (dessen Wirkstoff Thiodicarb in der EU verboten ist) und Nativo in Indien einstellt.

Das ECCHR begründet seine Forderungen mit einem Beschwerde-Bericht, den es im Oktober 2015 gemeinsam mit Organisationen aus Deutschland, der Schweiz und Indien beim Expertengremium der Welternährungsorganisation FAO eingereicht hat. Die Studie enthält u.a. Hinweise darauf, dass beim Vertrieb in Punjab (Indien) die Bayer-Pestizide nicht ausreichend etikettiert sind. Zahlreiche Aussagen von Bauern sowie ein Video deuten darauf hin, dass die Geschäftspraktiken von Bayer in Indien gegen nationales und internationales Recht verstoßen. „Unterschiedliche Warnungen in Europa und Indien sind ein klarer Fall von Doppelstandards“, so Christian Schliemann aus dem Programm „Wirtschaft und Menschenrechte“ des ECCHR.

Zum anderen unterstützt das ECCHR eine Petition der indischen Bürgerbewegung Swadeshi Andolan beim indischen Landwirtschaftsministerium. Die Aktivisten fordern strafrechtliche Ermittlungen gegen Bayer wegen Falschetikettierung des Pestizids Nativo. Denn: In Europa verkauft der Konzern das Pflanzenschutzmittel mit der obligatorischen Warnung „kann möglicherweise das Kind im Mutterleib schädigen“. Auf den Produkten für den indischen Markt fehlt diese Warnung.

ECCHR-Mitarbeiter und Menschenrechtsaktivisten aus Indien stehen vor Ort für Interviews zur Verfügung: 29. April 2016 von 08:30-10:00 Uhr am Eingang zur Bayer-Hauptversammlung (Messe-Hallen Köln, Eingang Nord, Halle 9, Deutz-Mülheimer-Straße 111)

Weitere Informationen: http://www.ecchr.eu/de/unsere-themen/wirtschaft-und-menschenrechte/pestizide.html

European Center for Constitutional and Human Rights e.V. (ECCHR)
Zossener Str. 55-58, Aufgang D
D-10961 BERLIN

Phone: + 49 (0)30 - 69819797
Mobil: + 49 (0) 172 - 587 00 87
Fax: + 49 (0)30 - 40 04 85 92
E-Mail: bermejo@ECCHR.eu
Skype: anabel.bermejo1
Twitter: @ECCHRBerlin

[Protest Pipeline] Hauptversammlung 2016

CBG Redaktion

Rheinische Post, 27. April 2016

Umstrittene CO-Pipeline wird zum Thema auf der Bayer-Hauptversammlung

Bundesverfassungsgericht: Beschluss über Bayer-Kohlenmonoxid-Leitung noch nicht in Sicht. Initiative bleibt am Ball.

Ein in sich verknotetes Stahlrohr symbolisiert im Monheimer Stadtzentrum den Widerstand gegen die vom Bayer-Konzern geplante Kohlenmonoxid-Leitung durch die Region. Dieses von Anti-CO-Pipeline-Koordinator Erwin Schumacher entworfene Mahnmal ließe sich auch als Warteschleife deuten. Seit dem von den Pipeline-Gegnern als Teilerfolg bejubelten Beschluss des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster im August 2014 liegt das Verfahren beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Alles wartet auf eine Entscheidung. Doch nach Auskunft von Gerichtssprecher Michael Allmendinger ist ein Termin noch nicht absehbar. „Die durchschnittliche Verfahrensdauer beträgt zwar zwei Jahre, aber in dem Dezernat gibt es weitere Verfahren, die vorrangig sind“, erklärt er.

Über eine Länge von 67 Kilometern hatte der Bayer-Konzern bis 2011 unter anderem in Monheim, Langenfeld, Hilden, Erkrath und Ratingen Metallrohre im Boden verlegt, um darin das im Dormagener Werk hergestellte und für Menschen hochgefährliche Kohlenmonoxid (CO) nach Krefeld-Uerdingen zu befördern. Doch die Inbetriebnahme hat der breite Widerstand von Bürgern, Kommunalpolitikern und Stadtoffiziellen bislang verhindert. Die Richter in Münster bezeichneten 2014 das so genannte Rohrleitungsnetz als verfassungswidrig, auf dessen Basis einst Grundstücke von Anwohnern entlang der Trasse enteignet worden waren. Die Stadt Monheim hatte noch unter dem damaligen Bürgermeister Thomas Dünchheim eine entsprechende Klage des ortsansässigen, mittlerweile gestorbenen Landwirts Heinz-Josef Muhr vorangetrieben und auch unterstützt.

Der Düsseldorfer Rechtsanwalt Jochen Heide vertritt in dieser Klage die Interessen der Familie Muhr. „Das Bundesverfassungsgericht betrachtet die Entscheidung nicht als eilig und hat damit ja auch recht. Die CO-Pipeline ist nicht in Betrieb, es passiert also nichts.“ Alle Akten liegen in Karlsruhe, weitere Stellungnahmen der Beteiligten werden nach Heides Einschätzung erst etwa ein Jahr vor dem zu erwartenden Beschlusstermin angefordert. „Das ist für uns quasi ein Frühwarnsystem.“

Auch Sprecher Jochen Klüner von der Covestro AG (ehemaliger Bayer-Teilkonzern Material Science) hat noch kein Signal aus Karlsruhe erhalten. Von dem noch vor Jahren vom Konzern in Sachen CO-Pipeline geltend gemachten Zeitdruck ist im Gespräch mit unserer Redaktion nichts zu spüren. „Natürlich hätten wir es uns anders gewünscht und gerade im internationalen Wettbewerb gerne Klarheit.“ Aber dem Unternehmen bleibe nichts anderes übrig, als abzuwarten. „Was wir machen konnten, haben wir getan. Wichtig war uns die Bestätigung des OVG hinsichtlich der Konzeption von Sicherheit und Trassenverlauf.“ Die im Boden verlegten Rohre würden behandelt, „als ob sie in Betrieb wären“ und bei Kontrollgängen regelmäßig überprüft.

Doch die Anti-Pipeline-Initiative geht nach den Worten von Erwin Schumacher und Koordinator Dieter Donner aus Hilden fest davon aus, dass das Bundesverfassungsgericht die Inbetriebnahme endgültig kippen wird. „Dafür kämpfen wir weiter - wie schon seit neun Jahren. Mit diesem Durchhaltevermögen hatte Bayer nicht gerechnet“, sagt Schumacher. Trotz der Hängepartie in Karlsruhe seien alle aktiven Pipeline-Gegner in engem Kontakt zueinander. Mit weiteren Mitgliedern der Initiative und großen Bannern werden Schumacher und Donner bei der Bayer-Hauptversammlung am 29. April auf ihr Anliegen aufmerksam machen. Donner: „Ich werde mich dank der Vollmacht eines Aktionärs auch in der Versammlung zu Wort melden.“ Von Stephan Meisel

[Yasmin] Antibaby-Pillen

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 22. April 2016
Risiko Pille – Initiative Thrombose-Geschädigter (ITG)

Erste Klage gegen Bayer wird nun auch mündlich verhandelt / Geschädigte fordern weiterhin Verbot gefährlicher Antibaby-Pillen

Proteste auf der Bayer-Hauptversammlung am 29. April / 2,04 Milliarden Dollar Entschädigung in den USA / Klagen in ganz Europa

Antibaby-Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon haben ein deutlich höheres Risikopotenzial als ältere Präparate. Geschädigte Frauen, die ein Verbot der Produktgruppe fordern, kündigten heute Proteste zur Hauptversammlung der Bayer AG am 29. April in Köln an.

Die Antibaby-Pillen Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida und Petibelle mit dem Wirkstoff Drospirenon haben ein höheres Thromboserisiko als ältere Präparate der sogenannten 2. Generation mit dem Gestagen Levonorgestrel. Es entstehen häufiger Thrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle. Bayer zahlte bis Februar 2016 alleine für Vergleiche in den USA 2,04 Milliarden US-Dollar an 17.500 geschädigte Frauen. 2300 Klagen in den USA sind noch anhängig. In Kanada gibt es 13 Klagen, in Israel zwei.

In Europa klagen betroffene Frauen in Frankreich, Österreich, Italien, in der Schweiz und in Deutschland. Bayer rechnet mit weiteren Zahlungen und hat bereits bilanzielle Vorsorgemaßnahmen getroffen. In Frankreich werden die Kosten von Pillen der 3. und 4. Generation inzwischen nicht mehr von der Krankenkasse übernommen. In Großbritannien, den Benelux-Ländern, Dänemark und Norwegen warnen die Gesundheitsbehörden vor den erhöhten Risiken. Die Techniker Krankenkasse veröffentlichte im Oktober 2015 einen Pillenreport, in dem sie vor der Einnahme der Antibaby-Pillen der 3. und 4. Generation abrät.

Das Marketing der Hersteller Bayer bzw. der Bayer-Tochterfirma Jenapharm wendet sich speziell an Mädchen und junge Frauen. Geworben wird in erster Linie mit Versprechungen wie „Gewichtsabnahme“ und „wirkt gegen Akne“, auf die erhöhten Gefahren hingegen wird nicht eingegangen. Drospirenonhaltige Präparate galten lange als meistverkaufte Antibaby-Pillen der Welt. Bayer weigert sich aber weiterhin, in Europa Verantwortung für seine Antibaby-Pillen zu übernehmen.

In Deutschland haben wir Betroffene uns zu „Risiko Pille – Initiative Thrombose-Geschädigter“ (ehemals Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter) zusammengeschlossen. Unser Ziel ist es, Frauen für die Risiken der Pille zu sensibilisieren, den Betroffenen ein Gesicht zu geben und endgültig mit dem Mythos aufzuräumen, als Geschädigte ein Einzelfall zu sein. Unsere Internetseite www.risiko-pille.de zeigt über 400 Erfahrungsberichte betroffener junger Frauen und Mädchen und informiert umfassend über die Risiken verschiedener Pillen-Präparate.

An der Versammlung in den Kölner Messehallen nehmen neben Vorstand und Aufsichtsrat rund 4.000 AktionärInnen teil. Wir sind vor Ort und informieren vor der Messehalle über unser Anliegen und werden auch mit einer Rede im Saal den Vorstand direkt mit den Fakten konfrontieren.

Im Dezember 2015 hat das Landgericht Waldshut-Tiengen die erste Klage gegen Bayer auf Schadenersatz und Schmerzensgeld verhandelt. Der Prozess läuft weiter. Die Klägerin Felicitas Rohrer ist Mitbegründerin der ITG.

weitere Informationen:
=> Website der ITG: www.risiko-pille.de
=> Kampagne der CBG: www.cbgnetwork.org/3113.html
=> Pillenreport der Techniker Krankenkasse: https://www.tk.de/tk/themen/studien-und-auswertungen/pillenreport-2015/770798

[Artikel NGZ] CO2 in Kunststoffproduktion

CBG Redaktion

19. April 2016

Einsatz von CO2 in Kunststoff-Produktion

„Mogelpackung bleibt Mogelpackung“

Die in Dormagen, dem Standort der neuen „Dream Production“, erscheinende Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ) berichtet heute über die Kritik von Umweltverbänden an dem vielbejubelten Musterprojekt von BAYER / COVESTRO. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren und weitere Umweltverbände hatten das Projekt als „Öko-Schwindel“ bezeichnet, insbesondere wegen des hohen Energie-Aufwands zur Aktivierung von Kohlendioxid.

Hierzu schreibt die NGZ: “Die unternehmenskritische „Coordination gegen Bayer-Gefahren“ greift den Bayer MaterialScience (BMS)-Nachfolger Covestro an und stützt ihren Vorwurf des „Öko-Schwindels“ auf Aussagen von Experten großer Umwelt- und Naturschutzverbände. Haupt-Kritikpunkt laut CBG: Zur Aktivierung von Kohlendioxid sei ein hoher Energie-Aufwand erforderlich. Das Verfahren sei kein ökologischer Fortschritt. Stattdessen werden eine Reduzierung des Kunststoffverbrauchs, wirksame Schritte zur Vermeidung von Plastikmüll sowie „die Förderung wirklich nachhaltiger Verfahren“ gefordert. Die CBG beruft sich dabei u.a. auf Aussagen von Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied des Naturschutzbundes (NABU) und Manuel Fernández vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). „Man kann sich kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau komplexer, energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen“, wird Fischer zitiert. Fernández urteilt: „Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar.“

Markus Kleine-Beck, Sprecher der BAYER-Tochter Covestro, entgegnete: „Grundsätzlich ist es zwar richtig, dass CO2 nur mit hohem Energieaufwand zur Reaktion gebracht werden kann. In dem speziellen Fall bei Covestro muss aber keine Energie von außen zugeführt werden. Die nötige Energie liefert der Reaktionspartner Propylenoxid selbst", so der Covestro-Sprecher.

Die von Covestro aufgestellte Energiebilanz ist eine Mogelpackung! Herr Kleine-Beck lässt die extrem energieintensive Synthese des Reaktionspartners Propylenoxid einfach unter den Tisch fallen. Dass die nachgelagerte Reaktion mit Kohlendioxid ohne weitere Energiezufuhr läuft, ist daher wertlos.

Es bleibt dabei: die schönfärberisch benannte Dream Production ist allenfalls minimal besser als der Status Quo, aber in keiner Weise „nachhaltig“. Notwendig wäre stattdessen eine drastische Reduzierung des Kunststoff-Verbrauchs. Der verbleibende Rest sollte aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion stehen.

Replik von Dr. Hermann Fischer, Chemiker, Präsidiumsmitglied NABU e.V.

Dass die Bayer AG nach einer jahrzehntelangen Monostruktur erdölbasierter Chemie jetzt einer „Verbreiterung der Rohstoffbasis in der chemischen Industrie“ das Wort redet, ist uneingeschränkt zu begrüßen. Allerdings verbreitert man die Basis leider an der falschen Stelle – mit dem am wenigsten geeigneten Ausgangsstoff CO2. Dessen Qualität liegt für Bayer offensichtlich vor allem im PR-Bereich. Und die geschönte Energiebilanz der Synthese auf CO2-Basis ist natürlich eine fatale Mogelpackung: man lässt die extrem energieintensive Synthese des Reaktionspartners Propylenoxid einfach außen vor.

Trotzdem: auch Bayer sieht sich offenkundig genötigt, konkrete Schritte in Richtung einer ökologisch nachhaltigen Produktion in der Chemie zu gehen – das ist gut so und verdient als Einstieg in eine ‚Chemiewende‘ die Unterstützung der Öffentlichkeit. Allerdings täte Bayer besser daran, bei der willkommenen Verbreiterung der Rohstoffbasis vor allem an diejenigen ‚Vorlieferanten‘ zu denken, die seit Jahrmillionen bereits erfolgreich CO2 in komplexe Chemikalien umwandeln: an die Vielfalt von Pflanzen und Algen. Dann wäre die Energiebilanz auch ganz ungeschönt positiv, beziehen diese kleinen, inhärent sicheren Chemielabore doch ihre Syntheseenergie ausschließlich von der Sonne. Sie arbeiten zudem dezentral und abfallfrei.“

Dr. Hermann Fischer

alle Infos zur Kampagne

[BCC Konferenz] Wirtschaftskriminalität

CBG Redaktion

Am 16. April findet in Frankfurt/Main eine interessante Tagung mit Beteiligung der „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ statt.

Steuerbetrug, TTIP, Wirtschaftslobbyismus

Veranstaltungshinweis „Steuerbetrug, TTIP, Wirtschaftslobbyismus – Wie Konzernmacht die Demokratie unterminiert“

=> Samstag, 16. April 2016
=> 11:00 bis 18:00 Uhr
=> Saalbau Bockenheim, Frankfurt am Main, Schwälmer Straße 28 / Kurfürstenplatz

Eine Veranstaltung von Business Crime Control e.V.

11:00 – 11:15 Uhr
Begrüßung durch Prof. Dr. Erich Schöndorf, Vorsitzender von Business Crime Control e.V., und Grußadressen

11.15 – 12.00 Uhr
Prof. Dr. Hans See
25 Jahre BCC – Bilanz und Perspektiven
Hans See ist – mit Dieter Schenk – einer der Gründer von BCC. Er wird zeigen, dass und weshalb die bei Gründung von BCC ausgesprochenen Befürchtungen über die Entwicklung der Wirtschaftskriminalität weit übertroffen wurden. Er zeigt die noch immer nicht überwundenen Grenzen der Aufklärung über die Kriminalität der Reichen und Superreichen, vor allem der Konzerne.

12:00 – 13:00 Uhr
Frank Wehrheim
Steuerkriminalität und neoliberale Mentalität
Frank Wehrheim war viele Jahre Leiter jenes Steuer-fahnderteams, das seine Beamtenpflicht aus Sicht der Regierung Roland Koch (CDU) zu ernst genommen hatte und – so das Gericht in letzter Instanz – zu Unrecht gefeuert wurde. Er spricht über bürgerliche Steuermoral.

13:45 – 14:45 Uhr
Axel Köhler-Schnura
Der Bayer-Konzern als Wirtschaftsstraftäter
Axel Köhler-Schnura ist – so Wikipedia – „ein deutscher Betriebswirt, Unternehmer, Journalist sowie Umwelt- und sozialpolitischer Aktivist und Konzernkritiker mit internationalem Wirkungsfeld“. 1993 erhielt er als Gründer der Bürger-Initiative Coordination gegen BAYER-Gefahren (CGB) als erster den BCC-Preis. Er spricht über Willkürherrschaft und Gesetzesbrüche der Konzerne am Beispiel des Chemie- und Pharmariesen Bayer und wird in diesem Zusammenhang auch an Praxisbeispielen klarmachen, was zu erwarten ist, wenn das EU-USA- Freihandelsabkommen TTIP Wirklichkeit werden sollte.

14:45 – 15:45 Uhr
Dr. Wolfgang Hetzer
Ist die Deutsche Bank eine kriminelle Vereinigung?
Wolfgang Hetzer war von 2002 bis 2011 Leiter der Abteilung „Intelligence: Strategic Assessment & Analysis“ bei der Korruptionsbekämpfungsbehörde OLAF in Brüssel. Zuvor war er Referatsleiter im Bundeskanzleramt, zuständig für die Aufsicht über den BND in den Bereichen Organisierte Kriminalität, Geldwäsche, Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und Überwachung der Telekommunikation. Seit Jahren publiziert er – mit kritischem Blick auf die EU – Bücher über die Finanzmafia und die von ihr verursachte Euro-Krise. Heute bewegt ihn die Frage, ob Unternehmen des globalisierten Kapitalismus nicht in Formen der Organisierten Kriminalität wirtschaften und ob die freiheitlichen Demokratien noch vor deren Propagandisten zu retten sind.

16:15 – 17:15 Uhr
Diskussion der Tagungsteilnehmer mit den Referenten
Diskussionsleitung: Prof. Dr. Erich Schöndorf

17:15 – 18:00 Uhr
Erich Schaffner
„Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank“
Der Schauspieler, Sänger und Rezitator Erich Schaffner wird zum Abschluss der Tagung einschlägige und noch unbekannte Prosatexte und Gedichte zum Thema der BCC-Jahrestagung vortragen. Er wird auch die Botschaft verbreiten, dass die schärfsten Waffen der Schwachen Aufklärung und Solidarität sind.
Die Reihenfolge der Gäste sowie die Anfangszeiten können sich evt. noch ändern.

Teilnahmegebühren
€ 15,00 für Gäste
€ 10,00 für Mitglieder
€ 5,00 € für Studierende, Hartz-IV-Bezieher und andere Ermäßigungsberechtigte
Ein Mittagsimbiss – ohne Getränke – ist inbegriffen. Spenden sind willkommen.
Anmeldungen sind nicht zwingend, aber bis 12. April 2016 erwünscht, um die Teilnahme am Imbiss planen zu können.

Anmeldung:
per E-Mail an:
Hildegard.Waltemate@Businesscrimecontrol.org
Per Telefon unter:
(06181) 491119 oder (06181) 47231

[Mannheim] Vortrag

CBG Redaktion

Einladung zum Vortrag

Zwangsarbeit, Giftgas, Gentechnik, Pestizide:

Konzernkritik am Beispiel der BAYER AG

Zeit: Samstag, 16. April, 13 – 15 Uhr
Ort: Jugendherberge, Rheinpromenade 21, 68163 Mannheim
Eintritt frei

Im vergangenen Jahr feierte die BASF in Ludwigshafen ihren 150. Geburtstag. Die „Schwester-Konzerne“ BAYER und Hoechst wurden zur selben Zeit gegründet.

In den Jubiläumsschriften wurden kritische Themen weitgehend ausgespart. Hinweise auf chemische Kampfstoffe, gefährliche Pestizide oder tödliche Pharmaprodukte sucht man vergebens. Doch trotz aller Nachhaltigkeitsbeteuerungen ist die deutsche Chemie-Industrie weiterhin für eine Vielzahl von Umweltschäden und gefährlichen Produkte verantwortlich.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) beschäftigt sich seit 35 Jahren mit den Risiken, die vom Leverkusener BAYER-Konzern ausgehen. Philipp Mimkes, Physiker und Vorstandsmitglied der CBG, wird im Vortrag einen Überblick zur 150-jährigen Geschichte der deutschen Chemie-Industrie geben und die Kehrseiten der Milliardengewinne beleuchten.

Der Eintritt ist frei. Der Vortrag findet statt im Rahmen des Bundestreffens der Ökologischen Plattform der Linken: https://www.oekologische-plattform.de/?p=118703

[Testosteron] Hauptversammlung 2016

CBG Redaktion

Presse Information vom 14. April 2016

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Mein Essen zahl ich selber (MEZIS) e.V.

Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April:

„Marketing von Testosteron unverantwortlich“

MEZIS, die Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte, und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern den BAYER-Konzern auf, das unverantwortliche Marketing für Testosteron-Präparate wie Nebido oder Testogel einzustellen. Die Initiativen haben einen Gegenantrag zur Hauptversammlung des Unternehmens am 29. April eingereicht.

BAYER verspricht „müden, lustlosen, unkonzentrierten und gestressten“ Männern „vital, aktiv und ausgeglichen“ zu werden, wenn sie ihren angeblichen Testosteronmangel beheben. Die Bestimmung des Testosteron-Spiegels sei für „Männer ab 40 Jahren ein wichtiger Bestandteil der Gesundheitsvorsorge“. Für das Marketing hat die BAYER-Tochter Jenapharm eigens die website www.Testosteron.de geschaltet. Zudem wurden spezialisierte PR Agenturen wie die CGC Cramer Gesundheits Consulting engagiert, die sich offen damit brüstet, „mit PR eine neue Indikation“ geschaffen zu haben.

Dr. Jan Salzmann von MEZIS: „Arzneimittelhersteller haben die Aufgabe, zu bekannten Erkrankungen wirksame Medikamente mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu entwickeln. Bei der Vermarktung von Testosteron handelt BAYER jedoch anders: für ein bestehendes Medikament wurden neue Indikationen geschaffen, die zur Schaffung neuer Krankheitsbilder - den angeblichen Wechseljahren des Mannes - führen sollen.“ Dr. Salzmann wird in der BAYER-Hauptversammlung zum Thema sprechen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergänzt: „Normale Alterserscheinungen dürfen nicht pathologisiert werden – zumal, wenn die Risiken einer Behandlung nicht absehbar sind. Hormone sollten nur in gut begründeten Ausnahmefällen und keinesfalls als Lifestyle-Produkte eingesetzt werden.“

Dass die Argumente für das neue Krankheitsbild medizinisch nicht haltbar sind und zudem die Gesundheitsrisiken der Betroffenen erhöhen, belegen mehrere aktuelle Untersuchungen. So betonte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie im vergangenen Jahr, dass die „Wechseljahre des Mannes“ ein Mythos seien. Auch eine im August 2015 vom Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie zeigt, dass eine Behandlung mit Testosteron-Präparaten meist ohne Nutzen ist und zudem mit gefährlichen Nebenwirkungen einhergehen kann. So könne die Testosteron-Gabe das Risiko für Herz/Kreislauferkrankungen steigern und das Wachstum von Prostatakarzinomen fördern. Zudem werde eine Gefährdungssituation für solche Patienten geschaffen, die den Wirkstoff nicht indikationsgetreu einnehmen, zum Beispiel für Doping.

Dr. Jan Salzmann abschließend: „Das Erfinden von Erkrankungen und die Ausweitung von Indikationen werden seit Jahrzehnten mit Erfolg betrieben. Bevorzugte Einsatzgebiete sind Tabuzonen der Gesellschaft, z.B. psychische Erkrankungen und sexuelle Störungen. Hier sprechen die Betroffenen nicht gerne drüber, sondern informieren sich häufig im Internet oder in populärmedizinischen Zeitschriften. Fakt ist jedoch: ab dem Alter von 40 Jahren sinkt der Testosteronspiegel physiologisch. Dass die Kräfte im Laufe des Lebens weniger werden, ist genauso normal wie seelische oder soziale Krisen.“

Ansprechpersonen:
– Dr. Jan Salzmann, MEZIS-Vorstand: salzmann(at)mezis.de , Tel: 0151-22240592; 0241-508074
– Dr. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin MEZIS: fischer(at)mezis.de, Tel.: 01575-5575135
– Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren: Info(at)CBGnetwork.org, 0211-333 911

[gallery]

[GenSoja] Hauptversammlung 2016

CBG Redaktion

Presse Info vom 8. April 2016

BAYER-Hauptversammlung am 29. April 2016

Coordination legt Gegenantrag zu GenSoja ein

Der BAYER-Konzern vermarktet eine Vielzahl gefährlicher Produkte. Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung, weswegen ihm die Entlastung zu verweigern ist.

Ein Beispiel hierfür ist die Vermarktung von Gen-Soja: BAYER betreibt in Südamerika intensives Marketing für Soja-Saatgut. Die lateinamerikanische Soja-Ernte wird zu großen Teilen nach Europa und Nordamerika exportiert und dort in der Massentierhaltung eingesetzt.

Besonders stark bewirbt BAYER die Produktlinie Credenz. Diese genmanipulierte Sorte ist gegen gleich zwei Herbizide resistent, Glyphosat und Glufosinat. BAYER verkauft das Saatgut und die zugehörigen Pestizide im „Kombipack“.

Beide Wirkstoffe sind jedoch stark gesundheitsgefährlich. So wird Glufosinat in der EU im kommenden Jahr wegen erbgutschädigender Wirkungen vom Markt genommen. Glyphosat wiederum wurde von der WHO im vergangenen Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ klassifiziert. Trotz solcher Gesundheitsgefahren wächst die Menge der in Südamerika eingesetzten Pestizide in hoher Geschwindigkeit. Besonders in den Soja-Anbauregionen nimmt die Zahl von Vergiftungen und Fehlbildungen dadurch stark zu.

Die riesigen Monokulturen bedrohen nicht nur die Regenwälder und die Biodiversität, sondern auch die Ernährungssicherheit: durch die massive Ausweitung des Soja-Anbaus werden immer mehr Kleinbauern verdrängt. Einheimische Kulturen verschwinden, was in vielen Regionen zu Lebensmittel-Knappheit führt. Traditionelles Saatgut, das an die lokalen Bedingungen angepasst ist, kommt kaum noch zum Einsatz.

Trotz der Gefahren für Umwelt und Gesundheit hat BAYER im vergangenen Jahr eine EU-Importgenehmigung für mehrere genmanipulierte Soja-Sorten beantragt. Das EU-Parlament hat sich gegen eine Zulassung ausgesprochen. Dennoch hält BAYER den Antrag aufrecht.

In den USA will BAYER ab 2017 Soja-Saatgut namens Balance Bean vermarkten, das gegen Glyphosat und Isoxaflutol resistent ist. In einem weiteren Schritt soll eine zusätzliche Glufosinat-Resistenz eingebaut werden.

Credenz und Balance Bean sind Musterbeispiele für den Irrweg der von BAYER propa-gierten Agrochemie. Der massive Einsatz von Herbiziden führt zur Entstehung resisten-ter „Super-Unkräuter“, die mit immer höheren Mengen immer giftigerer Pestizide be-kämpft werden müssen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert, diesen Teufelskreis zu durchbrechen. Gefährliche Herbizide wie Glyphosat und Glufosinat müssen verboten werden. Die Landwirtschaft muss auf agrarökologische Verfahren umgestellt werden; hierdurch kann die Ernährungssicherheit erhöht und der Einsatz fossiler Rohstoffe verringert werden.

Infos zu GenSoja: Kampagne der CBG

Dream Production

CBG Redaktion

Presse Information vom 6. April 2016

Einsatz von CO2 in der Kunststoff-Produktion:

„Öko-Schwindel statt Nachhaltigkeit“

Am 17. Juni eröffnet die BAYER-Tochterfirma COVESTRO ihre sogenannte Dream Production. In der Anlage im Werk Dormagen soll Kohlendioxid bei der Herstellung von Polyurethan eingesetzt werden. BAYER bezeichnet das Verfahren daher als „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“. Auch das NRW-Wissenschaftsministerium lobt die Anlage als Vorreiter für den Klimaschutz. Das Bundesforschungsministerium (BMBF) fördert die Dream Production mit vier Millionen Euro; an der Eröffnung soll auch Staatssekretär Thomas Rachel vom BMBF teilnehmen.

BAYER beauftragte eigens die Agentur Ketchum Pleon mit einer Marketing-Kampagne. In einer Präsentation heißt es unverblümt, dass die Anlage „gegenüber der Politik, Geschäftspartnern, Mitarbeitern und Öffentlichkeit als Musterbeispiel für ein nachhaltiges Projekt kommuniziert werden“ solle. Die Agentur organisierte nicht nur Veranstaltungen, sondern verfasste offenbar auch Artikel für Publikums- und Fachzeitschriften.

Unabhängige Experten bezeichnen die Dream Production jedoch als „Öko-Schwindel“. Sie bemängeln den hohen Energie-Aufwand zur Aktivierung von Kohlendioxid und sehen in dem Verfahren keinen ökologischen Fortschritt. Stattdessen fordern sie eine Reduzierung des Kunststoffverbrauchs, wirksame Schritte zur Vermeidung von Plastikmüll sowie die Förderung nachhaltiger Verfahren:

Dr. Hermann Fischer, Präsidiumsmitglied des Naturschutzbund (NABU), Gründer der Auro AG und Autor des Buchs „Stoff-Wechsel“: Man kann sich kaum eine ökologisch katastrophalere Strategie ausdenken, als ausgerechnet das auf dem niedrigsten Energielevel ruhende Molekül CO2 zum Aufbau komplexer, energiereicher Verbindungen nutzen zu wollen. Die Physik kann man nicht überlisten – der riesige energetische Abstand zwischen CO2 und komplexen Kohlenstoff-Verbindungen ist eben nur mit ebenso riesigem Energieaufwand zu überwinden. Nur Illusionäre glauben, man könne diesen Energieeinsatz aus regenerativen Quellen beziehen. Wir brauchen die regenerative Energie viel dringender für die Energiewende. Es gibt nur ein System, das Kohlendioxid nachhaltig und mit regenerativer Energie in komplexe chemische Stoffe umwandelt: Pflanzen in einer intakten Biosphäre (Photosynthese).
Dass man ausgerechnet CO2, also das am wenigsten geeignete Molekül, als Synthesegrundlage propagiert, hat ganz andere Gründe: Billige Pseudo-Öko-PR. Es macht sich einfach gut, mit einem Verfahren zu prahlen, welches das „böse“ CO2 in harmlose und nützliche Verbindungen umwandelt. PR-Strategen haben daher Kohlendioxid zum neuen Lieblings-Spielzeug der Chemie erwählt. Man baut darauf, dass die Öffentlichkeit den energetischen und verfahrenstechnischen Irrsinn hinter dieser Aktion nicht hinterfragt.

Manuel Fernández vom Bereich Chemikalienpolitik des Bund für Umwelt und Naturschutz: Der Einsatz von Kohlendioxid bei der Produktion von Polyurethan stellt aus Sicht des BUND keinen echten Fortschritt in Sachen Klimaschutz dar. Wenn BAYER im Zusammenhang mit diesem neuen Verfahren von einem „ganzheitlichen Ansatz zur Nachhaltigkeit“ spricht, muss sich die Konzernleitung nicht über den Vorwurf wundern, Öko-PR in eigener Sache zu betreiben. Der Nutzen eines solchen Verfahrens ist schon angesichts des benötigten Energieaufwands fragwürdig und steht in keinem Verhältnis zu den Mengen an CO2, mit denen wir alljährlich die Umwelt belasten. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Nachhaltigkeit führt für den BUND nach wie vor nur über eine drastische Reduzierung der Kunststoffproduktion und des Einsatzes von fossilen Brennstoffen.

Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker und langjähriges Mitglied der Kommission für Anlagensicherheit: Es handelt sich hierbei nicht um eine dream reaction, sondern um eine Reaktion der Illusionen. Eine mögliche Nutzung von CO2 in der Kunststoff-Produktion spielt angesichts der um Zehnerpotenzen größeren Mengen, die bei energetischen Verbrennungsprozessen freigesetzt werden, eine zu vernachlässigende Rolle. Dies zeigt schon ein Blick auf die Zahlen: BAYER will 5.000 Tonnen Polyol auf CO2-Basis herstellen und hierbei 1.000 Tonnen Kohlendioxid einsetzen. Das ist gerade mal ein Tausendstel des jährlichen CO2-Ausstoßes von BAYER in Höhe von rund fünf Millionen Tonnen.

Prof. Dr. Gerd Liebezeit, Meeres-Chemiker: Selbst wenn hocheffektive Katalysatoren zur Verfügung ständen (deren Herstellung ja auch wieder Energie kosten würde), wird für die Produktion noch immer Energie in großer Menge benötigt. Das ist Greenwashing, mit dem sich das Unternehmen ein grünes Mäntelchen umhängen möchte. Ökologisch akzeptabel ist nur der Einsatz langlebiger Kunststoffe mit intelligentem Design, die später recycelt werden können. Kurzlebige Kunststoffe wie Einmalverpackungen und Plastiktüten müssen ganz vermieden werden.

Philipp Mimkes, Physiker und Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): Die schönfärberisch benannte Dream Production ist allenfalls minimal besser als der Status Quo, aber in keiner Weise nachhaltig. Staatliche Fördergelder sollten aber nicht die Chemie-Industrie subventionieren, sondern einen wirklichen ökologischen Fortschritt unterstützen. Wir fordern eine drastische Reduzierung des Kunststoff-Verbrauchs; der verbleibende Rest muss aus nachwachsenden Rohstoffen produziert werden. Hierbei müssen Rohstoffe wie Algen, Holzreste oder Stroh zum Einsatz kommen, die nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion stehen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat zur Dream Production einen Gegenantrag zur anstehenden Hauptversammlung der BAYER AG eingereicht. Die CBG wirft dem BAYER-Konzern vor, die Umstellung auf nachwachsende Rohstoffe und biologisch abbaubare Endprodukte verschlafen zu haben. So heißt es im Geschäftsbericht des Unternehmens: „Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe spielt bei Bayer noch eine untergeordnete Rolle.“ Zudem stammt gerade mal ein Prozent der von BAYER selbst erzeugten Energie aus regenerativen Quellen.

alle Infos zur Kampagne

[RTL] Yasmin / Yaz

CBG Redaktion

Der TV-Sender RTL berichtet heute über die Risiken neuerer Antibaby-Pillen von BAYER. Berichtet wird auch über die Proteste in den BAYER-Hauptversammlungen (weitere Infos)

4. April 2016, 23.30 Uhr, RTL

30 Minuten Deutschland – Justice

Gefährliche Antibabypille - Frauen im Kampf gegen einen Pharmariesen

In Deutschland nehmen über sechs Millionen Frauen täglich die Antibabypille ein. Die Pille ist das meist eingenommene Medikament weltweit. Doch die Antibabypillen der dritten und vierten Generation stehen seit Jahren unter Verdacht, lebensbedrohliche Nebenwirkungen zu haben und vermehrt Thrombosen oder Embolien zu verursachen. Die geschädigten Frauen kämpfen lebenslang mit den Folgen: Familienplanung und Berufswunsch sind oft mit einem Schlag zunichte gemacht. Nach Sammelklagen in den USA sowie Klagen und Protesten in Frankreich wollen jetzt auch Frauen in Deutschland juristisch gegen den Pharmariesen Bayer vorgehen. Die Frauen fordern Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Der Konzern hält mit eigenen Studien dagegen und spricht von Einzelfällen. Außerdem verweist er auf die besondere Verantwortung der Ärzte – die könnten nach gründlicher Anamnese am besten entscheiden, ob sich eine Frau für diese neue Pillengeneration eigne. Bayer geht nach wie vor „von einem positiven Risiko-Nutzen-Profil aus“. Dennoch: In den USA hat der Konzern inzwischen viele Millionen Dollar Entschädigung gezahlt, allerdings ohne Eingeständnis einer Schuld. Der Verkauf läuft also weiter.

Die Klägerinnen in den USA und in Europa kämpfen für bessere Aufklärung. Denn die Antibabypillen der dritten und vierten Generation wurden früher speziell bei jungen Frauen damit beworben, dass sie übermäßige Behaarung und Pickel verschwinden lassen und keine Gewichtszunahme nach sich ziehen – anders als Pillen der ersten und zweiten Generation. Das Ziel der geschädigten Frauen ist, dass Bayer die Präparate vom Markt nimmt.

JUSTICE – Die Justizreportage mit Richterin Julia Scherf

Gefährliche Antibabypille? – Frauen im Kampf gegen einen Pharmariesen
04. April 2016, 23.30 Uhr, RTL
Autorin: Dominique Klughammer
Redaktion: Stefan Suchalla
Produzent: Thorsten Neumann

[Wimmelbuch ] STICHWORT BAYER 2/2016

CBG Redaktion

Propaganda & Medien

Werbung im Kindergarten

BAYER-Zielgruppe „Kleinkinder“

Seit vielen Jahren schon hat BAYER die staatlichen Bildungseinrichtungen im Visier. Der Konzern erstellt Unterrichtsmaterialien, schickt rollende Chemie-Labore durchs Land und sponsert Schulen. Die Tochterfirma CURRENTA geht nun einen Schritt weiter: An den Werks-Standorten verschenkt sie ein eigens erstelltes „Wimmelbuch“ an Kindergärten. Und die Stadt Leverkusen unterstützt die PR-Maßnahme auch noch.

Von Philipp Mimkes

Große Firmen nehmen vermehrt Kinder und Jugendliche ins Visier. Unterstützung erhalten sie hierbei von spezialisierten Agenturen, die das Marketing im Schulumfeld als Dienstleistung anbieten. Die COBRA YOUTH COMMUNICATIONS GmbH“ etwa beschreibt ihre Aktivitäten mit den Worten: „Je früher ein Konsument an eine Marke oder ein Produkt herangeführt wird, umso geringer ist die Wechselbereitschaft zu einem späteren Zeitpunkt. Wer also frühzeitig in spezielle Kommunikationsmaßnahmen für Kinder investiert, profitiert später von besonders loyalen Kunden.“

Der BAYER-Konzern hat für die Einflussnahme auf Bildungseinrichtungen eigens die steuerbegünstigte „BAYER Science & Education Foundation“ gegründet. Diese Stiftung richtet Schülerwettbewerbe wie „Jugend forscht“ oder die „Internationale Chemie-Olympiade“ aus und lädt Schulklassen in sogenannte BayLabs ein. Auch bietet der Konzern kostenlose Lehrerfortbildungen und Unterrichtsmaterialien an – bevorzugt zu Themen wie „Bienensterben“ oder „grüne Gentechnik“, bei denen der Global Player in der Kritik steht.

Da der Leverkusener Multi relativ wenige Produkte für den Consumer-Markt verkauft, steht bei seinen Aktivitäten weniger die klassische Werbung im Vordergrund. Zweck der Unternehmungen ist vielmehr die Beeinflussung möglichst großer Teile der Gesellschaft bei sensiblen Fragen wie dem Einsatz von Agro-Chemikalien oder der Gentechnik. Und auch hierbei gilt: Je früher, desto besser. Stiftungsvorstand Thimo Schmitt-Lord räumt denn auch offen ein, dass BAYER dabei keine altruistischen Motive umtreiben: „Ich muss gestehen, wir fördern die Schulen nicht ganz uneigennützig. Wir sehen das als langfristige Investition“. Die DEUTSCHE UMWELTHILFE wertet dies als „Versuch, Einfluss auf Schüler zu nehmen, um so die nächste Generation reif für Genfood zu machen“. Der Verband fordert daher: „BAYER raus aus den Schulen.“

Schwerpunkt Nachbarschaft
Im Vordergrund des Sponsorings von BAYER stehen naturwissenschaftliche Bereiche. So betreibt das Unternehmen in Kooperation mit der Berliner Humboldt-Universität ein rollendes Chemielabor, um bei 11- bis 15-jährigen „die Attraktivität des Fachgebietes zu erhöhen“. Zudem verteilt der Konzern jährlich etwa eine halbe Million Euro an Schulen in der Nähe seiner Werke. Die Dormagener Realschule etwa erhielt 5.000 Euro für das Projekt „Genetik schüler-orientiert“, das Gymnasium Brunsbüttel bekam 19.500 Euro zur Ausstattung eines Gen-Labors, die Monheimer Lise-Meitner-Realschule konnte 4.000 Euro für eine Unterrichtseinheit zu Nanotechnologie entgegennehmen, und derselbe Betrag floss dem Michael-Ende-Gymnasium in St. Tönis zu. Die ehemalige BAYER-Tochter Lanxess brachte überdies in allen 26 Leverkusener Grundschulen eine Mappe mit dem Titel „Lanny erkundet die Welt“ für den Sachunterricht unter.

Besonders aktiv ist BAYER am Standort Wuppertal. Unter dem vielsagenden Motto „Schulen unternehmen Zukunft“ beteiligt sich der Konzern an einem Pilot-Projekt, bei dem Schulen, Unternehmen und das auf ökologischem Gebiet forschende ortsansässige „Wuppertal Institut“ zusammenarbeiten. Ziel der Kooperation ist es angeblich, den SchülerInnen ein Bewusstsein für Umwelt und Nachhaltigkeit zu vermitteln. Die jahrzehntelange Verschmutzung der Wupper durch BAYER, die zahlreichen Altlasten oder die Störfall-Gefahren des in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten liegenden Werksgeländes stehen dabei erwartungsgemäß aber nicht auf dem Lehrplan. Darüber hinaus vergibt der Konzern im Stadtgebiet noch gemeinsam mit der Westdeutschen Zeitung den „Wuppertaler Schulpreis“.

Und auch im Ausland ist der Konzern aktiv. So kündigte der Multi in den Niederlanden eine Bildungsinitiative an, um SchülerInnen die Pflanzenzucht näherzubringen. Auch dieses Investment verfolgt ein klares Ziel: BAYER besitzt in Holland die Saatgut-Firma NUNHEMS mit über 2.000 Beschäftigten.

Zielgruppe „Kleinkind“
Die BAYER-Tochterfirma CURRENTA geht nun einen Schritt weiter und weitet ihr Marketing auf Kleinkinder aus. Die Firma, die zu 60 Prozent dem Pharma-Riesen und zu 40 Prozent seiner Abspaltung LANXESS gehört und die Chemie-„Parks“ in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen betreibt, beauftragte eigens den Illustrator Andreas Ganther mit der Erstellung eines „Wimmelbuchs“. Es zeigt das fröhliche Treiben in einer Chemie-Fabrik: Kranfahrer, Taucher, Besucher aus aller Welt, Clowns und viele Luftballons. Mehr als zwanzig Mal hat der Zeichner das Logo von CURRENTA untergebracht. Nach Aussage eines Unternehmenssprechers solle hierdurch der Arbeitsalltag in der chemischen Industrie vermittelt werden. Gerade im Umfeld der Fabriken sei dies von hoher Bedeutung. Und dort verteilt der Betreiber der Chemie-„Parks“, der in der Nachbarschaft der Fabriken bereits mehrere Projekte für GrundschülerInnen durchgeführt hat, das Wimmelbuch derzeit auch. Zu Weihnachten verschenkte CURRENTA es darüber hinaus in vielen Kindergärten.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hingegen verurteilt die Kampagne. In einer Stellungnahme heißt es: „Nirgendwo sind Kinder vor der Einflussnahme von Unternehmen mehr sicher - nicht einmal in Kindertagesstätten. Da Kleinkinder die Risiken chemischer Anlagen nicht einordnen können, sind sie gegenüber solcher Propaganda wehrlos. Es ist ein Skandal, dass CURRENTA und BAYER diesen Schutzraum derart verletzen. Wir benötigen dringend Regeln, um Kindergärten und Schulen vor Werbung und Akzeptanz-Förderung der Industrie zu schützen“.

Norbert Hocke, Vorstandsmitglied der GEWERKSCHAFT ERZIEHUNG UND WISSENSCHAFT (GEW) schlägt in dieselbe Kerbe: „Das Buch hat in der Kita nichts zu suchen. Es ist dringend geboten, dass wir Regelungen für den Umgang mit Werbung bekommen und dass Erzieher besser geschult werden“. Gerade im Hinblick auf aktuelle Ergebnisse der Hirnforschung sieht Hocke die Propaganda kritisch: „Im Alter von null bis sechs Jahren müssen wir besonders aufpassen. Die häufige Wiederholung der Firmenlogos bleibt ein Leben lang in den Köpfen. Später wundert man sich und jammert, wenn die Kinder so auf Marken fixiert sind.“ Auch das Landesjugendamt des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR), zuständig für die Betriebserlaubnis von Kindertageseinrichtungen, „steht dem Versuch einer direkten oder indirekten Einflussnahme von Unternehmen in Kindertagesstätten kritisch gegenüber“.

städtische Unterstützung
Die CBG kritisiert auch die Rolle der Stadt Leverkusen. Eine Vertreterin des Unternehmens hatte das Wimmelbuch in einer städtischen Kita präsentieren dürfen – assistiert von Marc Adomat, dem Leverkusener Bildungsdezernent. Adomat zeigte sich von dem Werk „begeistert“. Kritik an der Kooperation könne er nicht nachvollziehen: „Wir leben in einer Chemiestadt. Ich finde nichts Verwerfliches daran, wenn ein solches Buch auch Kindern bereits nahebringt, in welcher Umgebung sie aufwachsen.“ Die Stadt übernimmt daher über das Kommunale Bildungsbüro den Vertrieb des Buchs. Dank der Unterstützung konnte CURRENTA bereits mehr als ein Drittel der 15.000 gedruckten Exemplare losgeschlagen.
Immerhin führte der Protest der CBG zu einer intensiven Debatte. Zahlreiche Eltern ließen die Bücher zurückgehen. Die örtlichen Zeitungen druckten kritische Leserbriefe, sogar die Süddeutsche Zeitung griff das Thema auf. Der Leverkusener Anzeiger schließlich forderte unter der Überschrift „Die Köpfe gehören den Kindern“ ein generelles Werbeverbot im Bildungsbereich: „Wer bewertet die Güte der Unterrichtsmaterialien? Wer wählt sie aus? Welche Werbung ist zu penetrant – welche zu subtil? Welche Firma ist nicht mehr okay, welche schon noch? Viele sehr schwere Fragen, auf die es eine verblüffend einfache Antwort gibt: Die Leverkusener Schulen und Kindergärten sollten zu werbefreien Zonen erklärt werden. Denn die Köpfe gehören den Kindern selbst. Ohne Wenn und Aber.“

Werbeverbote gefordert
Bildungseinrichtungen werden mehr und mehr für die Meinungsmache einzelner Interessengruppen instrumentalisiert. Die Einflussnahme auf Schulen und Kindergärten untergräbt dabei Werte wie eine eigenständige Meinungsbildung oder Kritikfähigkeit. Dienstleister wie die Deutsche Schulmarketing Agentur, die nach eigener Aussage „die wirtschaftlichen Interessen werbetreibender Unternehmen mit dem pädagogischen Bildungsauftrag in Einklang bringen“ wollen, propagieren unverblümt die Kommerzialisierung der Lehrinhalte.
Dabei sind die Schulgesetze eigentlich unmissverständlich. So heißt es im NRW-Landesrecht: „Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient, (ist) in der Schule grundsätzlich unzulässig.“ Sponsoring sei nur erlaubt, wenn „die Werbewirkung deutlich hinter den schulischen Nutzen zurücktritt.“ Die Entscheidung, ob ein Geschenk angenommen wird oder nicht, bleibt jedoch der Schulleitung überlassen. Ebenso ist es bei Kindergärten.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN fordert daher zusammen mit Initiativen wie LOBBYCONTROL ein wirksames Verbot jeglicher Werbung in Bildungseinrichtungen. Zugleich sind Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen gefordert, die schleichende Durchdringung des Schulalltags mit Werbung und Konzern-Propaganda zu thematisieren. Die CBG wird zudem zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April einen Gegenantrag einbringen und in der Versammlung gegen das Marketing in Kindergärten und Schulen protestieren.