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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Ticker] STICHWORT BAYER 01/2012 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Preis für die CBG
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN und ihr Gründungsmitglied Axel Köhler-Schnura erhielten am 24. September 2011 den „Henry-Mathews-Preis“ der KRITISCHEN AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE. In der Laudatio hieß es: „Eine beeindruckende Anzahl von Aktionen hat eure konzernkritische Arbeit begleitet. Zum Beispiel im Jahr 2000, als ihr auf dem jährlich stattfindenden Gedenktag ‚Day of no Pesticides‘ an die Bhopal-Opfer des Giftgasunfalls in Indien 1984 erinnert habt und mit Giftspritzen, Kreuzen und Transparenten vor BAYER aufgetreten seid (...) Neben den Hauptversammlungs-Auftritten und Aktionen begleitet Ihr BAYER mit kritischen Analysen. Daneben unterstützt ihr weltweit Bürgerinitiativen, wenn sie in euer Aufgabenfeld gehören.“ Axel Köhler-Schnura dankte mit den Worten: „Ich wurde geehrt mit dem Henry-Mathews-Preis. Wofür? Für etwas, das doch selbstverständlich ist: Aufzustehen gegen Unrecht und Verbrechen. Und zwar so, wie es einem möglich ist. Dieser Preis steht Unzähligen zu. Und so sehe ich mich stellvertretend für all diese namenlosen Unbekannten, die tagtäglich das Gleiche tun wie ich“.

TDI-Anlage in der Kritik
Auf den von der Bezirksregierung Köln in der ersten Oktober-Woche 2011 einberufenen Erörterungsterminen zur Toluylendiisocyanat-Anlage, die BAYER in Dormagen plant, mussten sich die Konzern-Emissäre viel Kritik anhören (siehe auch SWB 1/12). Die VertreterInnen von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN, dem BUND und der DORMAGENER AGENDA 21 beanstandeten die fehlenden Angaben zur Umweltbelastung, eine mangelhafte Störfall-Vorsorge und eine ungenügende, da nur mit Blech statt mit Beton vorgenommene Ummantelung der Produktionsstätte. Zudem verlangten sie den Einbau einer Schutzwand, die bei einer Explosion mit nachfolgendem Phosgen-Austritt neutralisierendes Ammoniak freisetzen könnte. Die Bezirksregierung ließ das nicht unbeeindruckt. Sie dürfte das Projekt aber trotzdem genehmigen und im günstigsten Fall einige Nachbesserungen einfordern.

Duisbergs 150. Geburtstag
Am 29. September 2011 jährte sich der Geburtstag des langjährigen BAYER-Generaldirektors Carl Duisberg zum 150. Mal. Er war im 1. Weltkrieg verantwortlich für den Einsatz von Giftgas und die Ausbeutung von Zwangsarbeitern. Zudem hatte er einen maßgeblichen Anteil an der Gründung des Mörderkonzerns IG FARBEN. Da dem Ex-Chef des Leverkusener Multis trotz alledem immer noch in Ehren gedacht wird, startete die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine Kampagne. Sie forderte anlässlich des Jahrestags die Umbenennung von Straßen und Schulen, die Duisbergs Namen tragen, sowie den Entzug der Leverkusener Ehrenbürgerschaft (siehe auch SWB 1/12).

Kritik an Kölner Universität
Der Politologe Thomas Kliche hat den Kooperationsvertrag der Universität Köln mit BAYER scharf kritisiert und als „korporative Korruption“ bezeichnet. „Forscher mit Geld von Unternehmen finden häufiger die gewünschten Wirkungen und interpretieren ihre Ergebnisse netter zugunsten der Pillen“, sagte Kliche in einem Interview mit der taz. Er monierte auch die immer stärkere Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln, weil das die Einrichtungen den Wünschen der Konzerne gegenüber gefügiger mache. Um Transparenz zu gewährleisten, forderte der Wissenschaftler deshalb die Offenlegung der Vereinbarung und ergänzte: „Aber damit kann es nicht getan sein, weil solche Abkommen ja oft bewusst unverfänglich formuliert werden. Auch die Rahmenbedingungen müssen sich ändern. Da könnten interessanterweise Arbeitnehmervertretungen in der Forschung helfen, denn sie stärken die unteren Ebenen gegen den sanften Erwartungsdruck von oben.“

Anfrage zu Kooperationsverträgen
Einen Kooperationsvertrag, wie ihn die Kölner Hochschule mit BAYER vereinbart hat (siehe oben), schließen immer mehr Universitäten mit Wirtschaftsunternehmen ab. Die Partei „Die Linke“ nahm die Zusammenarbeit der Berliner Humboldt-Universität mit der DEUTSCHEN BANK zum Anlass, eine Anfrage an die Bundesregierung zu stellen. Diese sieht die Freiheit von Wissenschaft und Lehre durch solche Partnerschaften allerdings nicht gefährdet. Darum will sie auch keinen Handlungsbedarf erkennen, und zwar gerade im Namen dieser Freiheit. „Die grundgesetzliche garantierte Freiheit von Forschung und Lehre begrenzt die staatliche Einflussmöglichkeit“, so die CDU/FDP-Koalition. Auch an der Geheimhaltungspolitik, wie sie beispielsweise BAYER und die Kölner Uni mit Vehemenz verfechten, stört sie sich nicht. „Angesichts der vielfältigen Formen der Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie der zahlreichen rechtlichen Implikationen, z. B. mit Blick auf den Schutz personenbezogener Daten, den Schutz von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen oder den Schutz geistigen Eigentums erachtet die Bundesregierung (...) eine generelle Pflicht zur Veröffentlichung von Kooperationsverträgen als rechtlich bedenklich“, heißt es in der Antwort.

Forscher warnt vor Glyphosat
Gentech-Pflanzen weisen Resistenzen gegenüber bestimmten Pestiziden auf und können auf den Feldern deshalb bis zum Abwinken mit ihnen besprüht werden. Das bekannteste Mittel ist Glyphosat, das hauptsächlich in Kombination mit MONSANTO-Genpflanzen der „ROUND UP“-Baureihe, aber auch mit BAYER-Produkten wie der Baumwolle „GHB 614“ zum Einsatz kommt. Der emeritierte US-Agrarwissenschaftler Don Huber hat den Präsidenten der Europäischen Kommission, Manuel Barroso, jetzt in einem Brief eindringlich vor Glyphosat gewarnt, da es seiner Meinung nach zahlreiche Risiken und Nebenwirkungen hat. So kann es zum Absterben von Soja-Gewächsen und zum Verwelken von Mais führen. Zudem senkt es Huber zufolge die pflanzen-eigenen Widerstandskräfte. Deshalb riet der Forscher der EU, keine Laborfrüchte zuzulassen, die den Gebrauch von Glyphosat nach sich ziehen.

Demo gegen Patente auf Pflanzen
BAYER & Co. betreiben die Privatisierung der Natur nicht nur vermittels der Gentechnik. Sie streben auch immer mehr Patente auf konventionell gezüchtete Pflanzen wie z. B. Brokkoli an. So hat das Europäische Patentamt BAYER unlängst geistiges Eigentum auf eine besser vor Mehltau geschützte Gurke sowie auf eine Ackerfrucht mit erhöhter Stress-Resistenz zugesprochen. Doch gegen das Vorgehen der Konzerne erhebt sich Widerstand. Am 26. Oktober 2011 kam es vor dem Europäischen Patentamt in München zu einer Demonstration gegen den botanischen Imperialismus der Agro-Multis.

Naturland ohne Nano
Die Nanotechnologie lässt Werkstoffe auf winzig kleine Größen schrumpfen. Dabei entwickeln BAYERs BAYTUBES und andere Nano-Produkte jedoch unbekannte und nicht selten gefährliche Eigenschaften. Wegen dieses Risiko-Profils hat sich der Ökoverband „Naturland“ entschieden, keine Lebensmittel, Kosmetika oder Verpackungsmaterialien auf Nano-Basis mit seinem Label zu versehen.

KAPITAL & ARBEIT

Erfolgreicher Arbeitskampf in Berkeley
Das BAYER-Werk in Berkeley gehört zu den wenigen US-Niederlassungen des Konzerns mit einer organisierten Arbeiterschaft. Darum gelang es in harten Tarifverhandlungen, die von Solidaritätsaktionen im ganzen Land begleitet waren, auch, deutliche Verbesserungen für die Beschäftigten zu erreichen. Die Gewerkschaft INTERNATIONAL LONGSHORE AND WAREHOUSE UNION (ILWU) vereinbarte mit der Betriebsleitung eine Entgelt-Steigerung von 3,1 Prozent über einen Zeitraum von vier Jahren, eine Begrenzung der Krankenversicherungskosten auf 18 Prozent des Gehalts sowie eine Sicherung der Arbeitsplätze. Donald Mahon von der ILWU sah den Erfolg als Bestätigung seiner Arbeit. „BAYER macht - so wie viele andere Unternehmen - Milliardenumsätze, aber damit sie den Arbeitern davon einen Teil abgeben, benötigt man gewerkschaftliche Organisation, Proteste sowie Druck von außerhalb und innerhalb der Werke“, so der Aktivist.

„Chemie Ost“ mit Entgelt-Angleichung
Im neuen Tarifvertrag für die ostdeutsche Chemie-Industrie ist es der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE gelungen, eine weitere Angleichung der Entgelte auf das West-Niveau zu erreichen. Gibt es bei den Eingangstarifen für verschiedene FacharbeiterInnen-Gruppen schon länger keine Unterschiede mehr, so soll nun auch die Differenz bei den vorgesehenen Erhöhungsstufen, die aktuell noch acht Prozent beträgt, schrumpfen. Zudem erweitert sich im Osten die Bemessungsgrundlage für die jährlichen Bonus-Zahlungen sukzessive, bis sie 2015 zum West-Wert von 95 Prozent des letzten Bruttogehaltes aufschließt.

IB BCE will Job-Garantie
Der Betriebsrat verhandelt mit der BAYER-Spitze über den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen bis 2015. „Wegen massiver Umstrukturierungen, Ausgliederungen von Unternehmensteilen und angedrohtem Arbeitsplatz-Abbau benötigen die Beschäftigten klare Perspektiven und dauerhaft gesicherte Arbeit“, erklärte Gesamtbetriebsratschef Thomas de Win von der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE. Allerdings gestalten sich die Gespräche schwierig. Sie werden nicht wie eigentlich vorgesehen zum Jahresende 2011 enden, BAYER-Chef Marijn Dekkers kündigte eine Einigung erst für Mitte 2012 an. De Win indessen reicht die Job-Garantie nicht. Er forderte auch mehr Engagement für die Niederlassungen in der Bundesrepublik: „BAYER muss an allen deutschen Standorten investieren.“.

Lohnangleichung für LeiharbeiterInnen
Der Leverkusener Multi beschäftigt Hunderte von LeiharbeiterInnen. Ihre Lage dürfte sich bald bessern. Die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) erzielte mit dem „Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister“ nämlich eine Einigung über eine Lohnangleichung. Nach einem Zeitraum von drei Monaten sollen die ZeitarbeiterInnen sukzessive Zuschläge erhalten, bis ihr Entgelt dem der Stammbelegschaft entspricht, so die Regelung. Auch anderen Leiharbeitgebern will die IG BCE dieses Modell vorschlagen. Es tritt allerdings erst in Kraft, wenn es den anderen DBG-Gewerkschaften ebenfalls gelingt, das „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“-Prinzip durchzusetzen. Einigen von denen geht die Vereinbarung jedoch nicht weit genug. So lehnt etwa VER.DI die Stufenanpassung ab. „Da sich die Höhe des Lohns nach der Entleih-Dauer richtet, würden lediglich die Einkommensunterschiede zwischen Stammbelegschaft und Leiharbeitern zementiert“, konstatiert Jörg Wiedemuth von VERDIs tarifpolitischer Grundsatzabteilung. Zudem nimmt er es der IG BCE übel, den Leiharbeitsvorstoß nicht mit den anderen Gewerkschaften abgesprochen zu haben.

Auflösung der Diagnostika-Sparte
Seit dem 2006 erfolgten Aufkauf von SCHERING hat BAYER viele Arzneien des ehemaligen Berliner Pharma-Riesen ausgemustert. Der Konzern gab sich nämlich nicht dessen mit Umsatz-Erwartungen zufrieden. Während SCHERING neuen Produkten die Vorgabe von 100 Millionen Euro machte, erwartet der Leverkusener Multi 200 bis 300 Millionen. Neuester Coup: Der Konzern will die Sparte mit den ererbten Diagnostika-Produkten auflösen, die er schon länger vernachlässigt, weshalb bereits viele SCHERING-Ehemalige das Unternehmen verlassen haben. Das Geschäft mit den Röntgenkontrastmitteln MAGNEVIST und ULTRAVIST schlägt der Global Player seiner Tochterfirma MEDRAD zu; für sein noch nicht marktreifes Präparat zur Alzheimer-Früherkennung sucht er einen Käufer. Nach Angaben des Pillen-Herstellers stehen mit den avisierten Veränderungen 100 Arbeitsplätze zur Disposition.

Die letzten SCHERING-Mohikaner
Als der Leverkusener Multi 2006 SCHERING übernahm, stellte er den Beschäftigten Vorteile aus dem Zusammenschluss in Aussicht. Die Realität sah jedoch anders aus. 1.000 Belegschaftsangehörige mussten sofort gehen, und viele SCHERING-Präparate stampfte BAYER ein (s. o.). Mit dem neuen BAYER-Chef Marijn Dekkers brachen dann noch härtere Zeiten an. Er tilgte den Namen SCHERING und unterstellte die Pillen-Schmiede direkt dem Kommando des Pharma-Chefs Jörg Reinhardt. Zudem verabschiedete er sich vom Ausbau des Berliner Standortes und ließ die dortigen Beschäftigten besonders hart unter seinem Arbeitsplatzvernichtungsprogramm leiden. Dies alles hatte Konsequenzen. Von den 96 Personen, die bei SCHERING einst in höheren Positionen tätig waren, arbeiten heute nach einer Berechnung des Betriebsrats gerade noch einmal vier für den Global Player, wie die Financial Times Deutschland berichtete.

Das Ende des Standortes Mishawaka
Im Zuge seines Rationalisierungsprogramms, das 4.500 Jobs kostet, strukturiert BAYER auch das Pharma-Geschäft in den USA um. So stehen bei MEDRAD, der Tochter-Firma für Medizin-Produkte, 60 bis 70 Jobs zur Disposition. Zudem plant der Gen-Gigant an der Ostküste ein neues Pharma-Zentrum, was die Existenz der anderen sechs Standorte in der Region bedroht. Eines wickelt der Pharma-Riese bereits ab. Er kündigte an, seine Niederlassung in Mishawaka schließen zu wollen. Die 130 Belegschaftsangehörigen, die dort für SIEMENS Diagnostika-Geräte herstellten, können zum Münchner Unternehmen wechseln. Die restlichen 270 stehen vor einer ungewissen Zukunft. Der Leverkusener Multi machte ihnen zwar ein Weiterbeschäftigungsangebot, das allerdings fiel ziemlich vage aus.

BAYER verkauft VIVERSO
Der Leverkusener Multi hat seine Tochter-Gesellschaft VIVERSO für 75 Millionen Euro an die Firma NUPLEX verkauft. „Damit trennt sich BAYER MATERIAL SCIENCE von dem Geschäft mit bestimmten konventionellen Lackharzen, das nicht mehr zur aktuellen Strategie des Unternehmens passt“, verkündete der Global Player. Er vernichtet damit 165 Arbeitsplätze innerhalb des Konzerns. Die Beschäftigten müssen vorerst jedoch nicht um ihre Jobs fürchten. NUPLEX kündigte an, die komplette Belegschaft übernehmen zu wollen.

JENAPHARM: Nur noch Vertrieb
Bereits 2006 hatte der Leverkusener Multi die Forschungsabteilung seiner Tochter-Gesellschaft JENAPHARM dicht gemacht. Nun wickelt er auch noch die Entwicklungssparte ab und vernichtet so 40 Arbeitsplätze. Künftig kümmern sich die verbleibenenen 200 Beschäftigten nur noch um den Vertrieb von Kontrazeptiva, Testosteron-Präparaten und Mitteln gegen Hautkrankheiten.

DYNEVO am Ende
Im Jahr 2001 hatte BAYER die Werksdruckerei DYNEVO ausgegliedert. In der Folge reduzierte der Multi die Arbeitsplätze von 230 auf 150. Zuletzt wollte er die Gesellschaft an BERTELSMANN verkaufen. Aber die Verhandlungen scheiterten. Deshalb kündigte der Konzern jetzt an, den Betrieb dicht zu machen.

Frauenanteil: 17 Prozent
Aktuell beträgt der Anteil von Frauen in Führungspositionen bei BAYER 17 Prozent. Der Leverkusener Multi hat sich zum Ziel gesetzt, diesen bis zum Jahr 2015 auf 30 Prozent zu steigern. Er will sich dabei allerdings nicht von der Politik auf die Sprünge helfen lassen. Der Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers empfindet eine „gesetzliche Quote als nicht zielführend“.

Großverdiener Manfred Schneider
BAYERs Aufsichtsratschef Manfred Schneider bleibt König der Deutschland AG. Er sitzt nämlich nicht nur dem Kontrollgremium des Leverkusener Multis vor, sondern bekleidet diese Position auch bei LINDE und RWE. Einen einfachen Aufsichtsratssitz hat er zudem noch bei der ALLIANZ inne. Dafür streicht er insgesamt 1,1 Millionen Euro ein - so viel wie keiner seiner KollegInnen.

14,7 Millionen für Wenning
Der Leverkusener Multi sorgt für einen angenehmen Ruhestand seines Ex-Chefs Werner Wenning. 14,7 Millionen Euro hält er für dessen Lebensabend bereit - mehr haben nur MERCEDES und VW für ihre Ehemaligen übrig. Und Wennings Nachfolger Marijn Dekkers braucht sich ebenfalls keine Sorgen zu machen. Im letzten Jahr hat der Konzern schon über zwei Millionen Euro für seine Pension zurückgelegt, so viel wie kein anderes Dax-Unternehmen für seinen Vorstandsvorsitzenden.

ERSTE & DRITTE WELT

Indien: 138 Arzneitest-Tote
Von 2007 bis 2010 starben in Indien 138 Menschen bei der Klinischen Erprobung von BAYER-Medikamenten (siehe auch SWB 1/12). Insgesamt kamen bei den Pillen-Prüfungen von Big Pharma in dem Zeitraum 1.600 ProbandInnen ums Leben. Nach Ansicht der Multis haben jedoch zumeist nicht die Medikamente, sondern Vorerkrankungen wie Krebs zum Ableben der ProbandInnen geführt. Die amtlichen Stellen machen ebenfalls nicht die Pharmazeutika im Allgemeinen verantwortlich. Von den 668 Sterbefällen im Jahr 2010 schreiben sie 22 der direkten Einwirkung der getesteten Substanzen zu. Darunter befinden sich fünf BAYER-Opfer, allein vier Tote forderte das Präparat XARELTO. Die Tests mit diesem Blutverdünnungsmittel hatte bereits die US-Gesundheitsorganisation PUBLIC CITIZEN beanstandet, da ProbandInnen, welche die Konkurrenz-Substanz Warfarin bekamen, nicht die optimale Dosis erhielten und sich so einem erhöhten Schlaganfall-Risiko aussetzten. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hat in einem Offenen Brief an BAYER die Praxis des Konzerns scharf kritisiert, immer mehr Tests in ärmere Länder zu verlegen, weil dort unschlagbare Preise, schnellere Verfahren und eine mangelhafte Aufsicht locken, und eine umfassende Aufklärung über die Todesserie gefordert.

Kontrazeptiva-Kampagne in Afrika
Der Leverkusener Multi hat in Afrika eine Vermarktungsinitiative für seine Verhütungsmittel gestartet. Dazu ist er eine Partnerschaft mit der US-amerikanischen Entwicklungsbehörde USAID eingegangen, welche die Kosten für Erstellung und Verbreitung von Informationsmaterial zu den Pillen übernimmt. Die gemeinsame „Contraceptive Security Initiative“ will allen Frauen „mit mittlerem Einkommen in vorerst elf subsaharischen Entwicklungsländern Zugang zu bezahlbaren oralen Kontrazeptiva“ verschaffen. Um die Armen geht es also nicht; und um besonders arme Länder auch nicht. Äthiopien hat BAYER als Ausgangspunkt der Kampagne gewählt, weil die Märkte des Landes relativ gut entwickelt sind und eine hohe Nachfrage nach YASMIN & Co. besteht. „Einen neuen strategischen Ansatz und einen innovativen Weg zur Erschließung der Märkte in Entwicklungsländern“ nennt der Pharma-Riese das Ganze.

Freude über hohe Agrar-Preise
Die durch Finanzmarkt-Spekulationen zusätzlich hochgetriebenen Agrar-Preise bedrohen die Ernährungslage der Menschen in der „Dritten Welt“. Der Leverkusener Multi hingegen freut sich über die Entwicklung, denn die Mehreinnahmen der großen landwirtschaftlichen Betriebe führen zu einem gesteigerten Saatgut- und Pestizidabsatz. „All das deutet auf einen recht positiven Branchenausblick für den Rest des Jahres hin“, sagte BAYER-CROPSCIENCE-Chefin Sandra Peterson deshalb im September 2011.

Unnütze BAYER-Pillen in Indien
Die BUKO-PHARMA-KAMPAGNE hat die Geschäftspolitik BAYERs und anderer Pillen-Multis in Indien untersucht und kam zu einem wenig schmeichelhaften Ergebnis. So bewertete die Initiative von den 39 Präparaten, die der Leverkusener Multi dort in 77 Dosierungs- und Formulierungsarten vertreibt, nur neun als unentbehrlich. 40 sah sie als rational und 28 als irrational an. Aber selbst bei den unentbehrlichen Medikamenten wie RESOCHIN mit dem Wirkstoff Chloroquin hapert es, denn als Malaria-Theapeutikum taugt es wegen vermehrt auftretender Resistenzen nur noch bedingt. Und bei den als rational eingestuften Arzneien bemängelt der BUKO den oft viel zu hohen Preis. Die Liste der irrationalen Pharmazeutika führt mit dem Kontrazeptivum DIANE 35 ein Produkt an, das in der Bundesrepublik seit 1994 keine Zulassung mehr hat, weil es in Verdacht steht, Krebs auszulösen. Wegen der Nebenwirkung „Thrombose“ folgt das Verhütungsmittel YASMIN. Das Diabetikum GLUCOBAY und der Blutdrucksenker XIRTAM finden sich wegen Zweifeln an ihrer Wirksamkeit in dieser Kategorie wieder. Die Vitamin-Trunks wie BAYER‘S TONIC, EDINOL oder SUPRADYN hält der BUKO hingegen nicht nur für völlig nutzlos, sondern auch für gefährlich, denn sie enthalten teilweise Alkohol und belasten darüber hinaus das ohnehin zumeist schmale Budget der Familien unnötig. Zu allem Überfluss greift BAYER bei der Reklame für diese heikle Produkt-Palette dann auch noch zu dubiosen Praktiken. Besonders kritisiert die Pharma-Kampagne die aggressive YASMIN-Vermarktung in indischen Privatkrankenhäusern und die Kontrazeptiva-Schleichwerbung im Internet.

KONZERN & VERGANGENHEIT

Im Verbund mit Autokraten
In welchem Maße die von BAYER mitgegründeten IG FARBEN den Faschismus unterstützt haben, ist allgemein bekannt. Aber auch noch nach 1945 hielt es der Leverkusener Multi mit autoritären Regimes. So vollzog er in Südafrika bereitwillig die Apartheid mit und richtete in seinen Niederlassungen getrennte Kantinen und Toiletten für Weiße und Schwarze ein. Und 1978 klagte ein brasilianischer Gewerkschaftler über die Kollaboration von BAYER & Co. mit dem Militär-Regime: „Aus der Bundesrepublik Deutschland sind da insbesondere VW, DAIMLER-BENZ, MANNESMANN, KRUPP, BAYER, HOECHST, SIEMENS, BASF, VOIGT u. a. zu nennen. Man könnte die Liste beliebig fortsetzen, zu der etwa 50 große westdeutsche Konzerne gehören, die in Brasilien die Privilegien genießen, die ihnen die Militärdiktatur einräumt.“ In Peru verstand sich der Konzern ebenfalls prächtig mit den Generälen, weil diese den Beschäftigten keinerlei Rechte zubilligten. 1977 schrieb deshalb die Gewerkschaft von BAYER INDUSTRIAL S.A. an ihre KollegInnen in der Bundesrepublik einen langen Brief. „Die geheiligten Rechte der Arbeiter werden von den Unternehmern verletzt, d. h. der 8-Stunden-Tag, das Streikrecht, die Vorlage von Lohnforderungen, das Recht auf freie Meinungsäußerung, das Recht, Vollversammlungen durchzuführen und uns politisch zu organisieren. Wir bitten Sie, diese unsere Situation in Ihren Veröffentlichungen zu berücksichtigen und Ihren Protest zu erheben gegen diese Angriffe auf die Arbeiterschaft, gegen die Verfolgung von Sozialkämpfern und Gewerkschaftsführern, die verhaftet wurden und noch im Gefängnis sitzen, die deportiert wurden oder einfach verschwunden sind“, hieß es in dem Schreiben.

Die CUTTER-Impfkatastophe
1955 kam es in den USA zu einem folgenschweren Ereignis. Ein Impfstoff der BAYER-Tochter CUTTER gegen Kinderlähmung löste ebendiese aus, da er einen nicht sachgemäß deaktivierten Erreger enthielt. Neun Menschen starben, über 40.000 entwickelten Polio-Symptome. Als „CUTTER-incident“ ging der Fall in die Geschichtsbücher ein. Ein andere Version des Vakzins forderte in der Bundesrepublik zwei Todesopfer; 48 Menschen infizierten sich.

IG FARBEN & HEUTE

Börse ohne IG FARBEN
Auch nach 1945 bestand die IG FARBEN weiter. Der Zustand „in Auflösung“ hielt jahrzehntelang an. Immer wieder fand sich eine Gelegenheit, um alte Ansprüche wahren oder - etwa nach der Wiedervereinigung - neue formulieren zu können. In den 1990er Jahren hielten sich windige Investoren wie der CDU-Großspender Karl Ehlerding zudem gütlich am noch verbliebenen Grundkapital. Immer wieder vergeblich hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gefordert, die IG FARBEN zu liquidieren und ihr Vermögen an die ZwangsarbeiterInnen auszuzahlen. Das langsame Sterben des Unternehmens läutete jedoch erst die finanzielle Schieflage der Beteiligungsgesellschaft WCM ein, die den von BAYER mitgegründeten Mörderkonzern zwang, Insolvenz zu beantragen. Und nun steht das entsprechende Verfahren vor dem Abschluss, weshalb die Insolvenz-Verwalterin Angelika Wimmer-Amend ein Ende der Börsen-Zulassung der IG FARBEN beantragte.

POLITIK & EINFLUSS

BAYER bespitzelt die CBG
Der Leverkusener Multi lässt die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) bespitzeln. Er beauftragte das Kölner Unternehmen UNICEPTA - nach eigener Aussage die „Nr. 1 in Medienbeobachtung, Issue-Management und Pressearbeit“ - damit, Materialien über die CBG zu sammeln. Beschäftigte mussten sich in den Email-Verteiler der Coordination eintragen und Informationen anfordern. Darüber hinaus wertete die Online-Analyse-Abteilung die Web-Aktivitäten der CBG aus.

Staatssekretär bei „invite“-Einweihung
Helmut Dockter, Staatssekretär im nordrhein-westfälischen Forschungsministerium, wohnte der Eröffnung des Forschungszentrums „invite“ bei, das BAYER gemeinsam mit der Universität Dortmund betreibt. Die zu 70 Prozent aus Mitteln des Konjunkturpakets II finanzierte, 6,5 Millionen Euro teure Einrichtung soll Dockter zufolge helfen, den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu profitablen Produkten zu beschleunigen und so den trotz Konjunktur-Einbruch stabilen bundesdeutschen Industrie-Sektor weiter stärken. „Die Landesregierung will, dass diese Krisenfestigkeit erhalten bleibt“, so der Staatssekretär. Zu den Projekten von „invite“ zählt etwa die Entwicklung einer Produktionsstätte in modularer Form, deren einzelne Komponenten unabhängig voneinander ausgetauscht werden können. Sieben Chemie-Firmen gehören dabei zu den Kooperationspartnern, zahlen tut allerdings die EU. 30 Millionen Euro Fördergelder steuert sie bei.

Voigtsberger bei BAYER
Wo einst nur das BAYER-Werk seinen Sitz hatte, da befinden sich heute Niederlassungen von 38 Unternehmen. Und immer noch ist Platz im Leverkusener Chemie-„Park“ - zuviel Platz. Die Anwerbe-Politik des Konzerns verläuft nämlich nicht allzu erfolgreich, da sich die gesamte Chemie-Branche ähnlich wie der Multi „gesundschrumpft“. Er musste sogar schon mit Floristik-Studios als Mietern vorlieb nehmen. Da diese Klientel andere Bedürfnisse hat, veranstaltete der Global Player vor ein paar Jahren sogar einen Architektur-Wettbewerb zur Umgestaltung des Geländes (SWB 4/07). Jetzt hat sich das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium der Problematik angenommen, die sich an den anderen Standorten des Konzerns ähnlich darstellt. Es veranstaltete eine Konferenz zur Zukunft der Chemie-„Parks“. Diese fand Mitte November 2011 passender weise auch gleich am BAYER-Stammsitz statt. Der zuständige Minister Harry Voigtsberger (SPD) sprach dem Global Player in seiner Eröffnungsrede gleich Mut zu. „Chemie-‚Parks‘ haben sich bewährt. Sie werden auch weiterhin ein Zukunftsmodell sein, wenn sie sich den aktuellen Herausforderungen wie Energie-Effizienz sowie nachhaltige Entwicklung stellen“, befand er.

BAYER sponsert Regierung
Auch im jüngsten Sponsoringbericht der CDU/FDP-Koalition ist BAYER wieder prominent vertreten. Mit insgesamt rund 65.000 Euro griff der Konzern den jeweiligen Bundesregierungen von Januar 2009 bis Dezember 2010 unter die Arme. Er sponserte unter anderem Weihnachtskonzerte, Empfänge zum Tag der deutschen Einheit und einen Saatgut-Kongress. Auch die Landesregierungen „unterstützt“ der Leverkusener Multi. So erhielt die „Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen beim Bund“ 8.000 Euro Zuschuss zum „Fest des Westens 2010“.

Dekkers VCI-Vize
Traditionell nehmen BAYER-Chefs Spitzenpositionen beim „Verband der Chemischen Industrie“ ein. Da macht auch der jetzige Vorstandsvorsitzende keine Ausnahme: Marijn Dekkers gehört neuerdings gemeinsam mit seinen Kollegen von MERCK und BASF zum Triumvirat der Vize-Präsidenten.

Dekkers im BDI-Präsidium
Der „Bundesverband der Deutschen Industrie“ (BDI) hat BAYER-Chef Marijn Dekkers in seinen erweiterten Präsidiumskreis gewählt.

Gutes China, schlechtes Deutschland
BAYER-Chef Marijn Dekkers nutzte die Einweihung eines neuen Kunststoffwerkes in Shanghai, um die chinesische Führung zu loben und Kritik am Investitionsklima in der Bundesrepublik zu üben. „Insgesamt hat es die chinesische Regierung bisher immer verstanden, das Wachstum zu managen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Die Bundesrepublik hingegen nutze ihr wirtschaftliches Potenzial nicht, da es Usus sei, „nur noch auf die Vermeidung kleinster Risiken zu pochen“, wie Dekkers im Hinblick auf die umstrittene Kohlenmonoxid-Pipeline formulierte (siehe auch IMPERIUM & WELTMARKT).

Obama stoppt CO2-Vorstoß der EPA
Die US-amerikanische Umweltbehörde EPA wollte ab 2013 schärfere Kohlendioxid-Grenzwerte erlassen. Das aber verhinderte Barack Obama nach politischem Druck von Seiten der Konzerne. Vorher war es BAYER & Co. mit Verweis auf die schlechte Wirtschaftslage bereits gelungen, den Präsidenten von der Einführung eines Handels mit CO2-Verschmutzungsrechten und sowie von dem Ziel einer ehrgeizigen Emissionsreduktion abzubringen (siehe Ticker 1/10).

BAYER & Co. für Beitragssenkungen
BAYER & Co. fordern eine Senkung der Rentenversicherungsbeiträge. Die „Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände“ tritt für eine stufenweise Reduzierung von 19,9 auf 19,1 Prozent ein. Das brächte der Wirtschaft eine Ersparnis von rund vier Milliarden Euro.

Keine Netzgebühren für BAYER & Co.
Das neue Energiewende-Gesetz befreit BAYER und andere energie-intensive Unternehmen rückwirkend ab Januar 2011 von den Netzgebühren. Es gehe darum, den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern und gleichzeitig Industrieland zu bleiben, so begründet Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) laut stern die Subventionsmaßnahme. Zu zahlen haben das die Privathaushalte. Auf sie kommt nach einer Schätzung des „Bundes der Energieverbraucher“ eine Mehrbelastung von jährlich ca. einer Milliarde Euro zu. „Die Industrie massiv zu entlasten und allein die Kleinverbraucher die Zeche zahlen zu lassen, ist eine Dreistigkeit, die bisher ohne Beispiel ist“, protestiert deshalb Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale. Bleibt nur, auf ein Eingreifen der EU zu hoffen. Aber selbst dafür haben die Multis schon vorgesorgt. Sie fordern eine Ausgleichszahlung, falls Brüssel gegen die Ausnahmeregelung vorgehen sollte.

PROPAGANDA & MEDIEN

Die Dekkers-Inthronisierung
In der Fachzeitschrift prmagazin hat BAYERs Kommunikationschef Michael Schade aus dem Nähkästchen geplaudert. Er legte dar, wie umfassend die PR-Abteilung die Presse-Berichte über den neuen Konzern-Leiter Marijn Dekkers gelenkt hat. Als das Unternehmen die Nominierung bekannt gab und erste Artikel auftauchten, die das wenig schmeichelhafte Bild eines rücksichtslosen Sanierers zeichneten, ergriffen Schade & Co. sogleich Maßnahmen und diktierten 40 JournalistInnen eine nettere Story in den Schreibblock. Wenig später stellten sie den Schreiberlingen ihren Schützling bei einem Abendessen exklusiv vor. Das zweite Diner folgte dann kurz vor dem wirklichen Amtswechsel. Dekkers bekam dort die Gelegenheit, die ihm in den Mund gelegten Phrasen „Mehr Innovation, weniger Administration“ und „Evolution statt Revolution“ zu platzieren, die anschließend auch eine weite Verbreitung gefunden haben. Und momentan arbeitet Schade daran, seinem Chef trotz der verkündeten Vernichtung von 4.500 Arbeitsplätzen das Image eines Jobkillers zu nehmen und vermeldet schon erste Erfolge. „Die mediale Platzierung von Herrn Dekkers gelingt immer besser“, sagt er mit Verweis auf ein Interview in der Wirtschaftswoche und einen Beitrag im Handelsblatt. Die Financial Times Deutschland hingegen ließ sich nicht so leicht einspannen. Ihr Journalist Klaus Max Smolka wollte einmal Details über Stellenstreichungen veröffentlichen, die ihm ein BAYER-Beschäftigter zugespielt hatte, und verärgerte damit den Multi nachhaltig. Auch generell „nimmt er wahr, dass der Konzern die Zügel anziehe, um die Berichterstattung zu steuern“, gibt das prmagazin dessen Worte wieder.

Medialer Gen-Gau
Unermüdlich arbeitet EuropaBio daran, die Akzeptanz für die umstrittene Gentechnik zu erhöhen. Und für den Herbst 2011 hatte sich der Lobbyverband von BAYER & Co. einen besonderen Coup ausgedacht: Prominente „Pro-Gentechnik-Botschafter“ sollten für die Risiko-Technologie Reklame machen. Einem internen Papier zufolge hatten sich Bob Geldorf und Kofi Annan bereits „interessiert“ gezeigt. Die Genannten wussten von ihrem Gentech-Glück jedoch noch gar nichts. „Herr Annan ist kein Botschafter für EuropaBio und hat keine Absicht, den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen zu fördern“, antwortete etwa ein Sprecher des ehemaligen UN-Generalsekretärs der englischen Zeitung The Guardian. Damit ging die PR-Offensive nach hinten los und entwickelte sich für EuropaBio zu einem medialen Gen-GAU.

Medialer Pipeline-GAU
Der Leverkusener Multi blickt neidvoll auf seinen Kölner Nachbarn SHELL. Der Öl-Konzern hatte es geschafft, ein mit der Gefährlichkeit von BAYERs zwischen Dormagen und Krefeld geplanter Kohlenmonoxid-Pipeline vergleichbares Projekt zu realisieren, ohne auf größeren Widerstand aus der Bevölkerung zu stoßen. Darum hat der Pharma-Riese die Leiterin der Abteilung „Corporate Policy and Advocacy“, Denise Rennmann, nebst anderen hochrangigen ManagerInnen zur Fortbildung in die Domstadt geschickt. „Wir haben mitgenommen, dass SHELL da sehr professionell kommuniziert hat“, resümierte BAYER-Sprecher Jochen Klüner. Der Global Player hatte nämlich frühzeitig das Gespräch mit AnwohnerInnen und Naturschutz-Initiativen gesucht, statt wie der Agro-Gigant allein auf Legislative und Judikative zu setzen. Bei ähnlich umstrittenen Vorhaben dürfte BAYER also zukünftig geschickter vorgehen. Darauf müssen sich alle Organisationen einstellen.

BAYERs EU-Lobbying
1,85 Millionen lässt sich der Leverkusener Multi seine Lobby-Aktivitäten bei der EU nach eigenen Angaben jährlich kosten. Was BAYER mit dem Geld so alles veranstaltet, darüber gibt der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold auf seiner Homepage einen kleinen Einblick. Der Parlamentarier dokumentiert dort nämlich sämtliche Annäherungsversuche. Und auf der langen Liste darf der Pharma-Riese natürlich nicht fehlen. So wollte er Giegold eine aus Unternehmenssicht verfasste „Studie“ zu den anstehenden Finanzmarkt-Reformen vorstellen. Der Global Player nutzt nämlich so umstrittene Instrumente wie Derivate - eine Art Wette auf Preissteigerungen oder -senkungen von Rohstoffen, Aktien, Währungen, Zinsen oder aber von Derivaten selber - und hat Angst vor Regulierungen. Zudem befürchtet der Pille-Riese, verschärfte Eigenkapital-Vorschriften für Banken könnten die Kreditvergabe erschweren. Auch die Meinung des Konzerns zum Grünbuch „Angemessene, nachhaltige und sichere europäische Pensions- und Rentensysteme“ sollte sich der Parlamentarier auf BAYERs Wunsch anhören. Und solche Avancen dürfte der Pharma-Riese auch den KollegInnen des Grünen-Politikers immer wieder machen.

EU will Werbeverbot lockern
Unter massivem Lobby-Einsatz versucht BAYER in Tateinheit mit der gesamten Branche seit geraumer Zeit, das EU-weite Werbe-Verbot für Medikamente zu kippen, um unter dem Siegel der „PatientInnen-Information“ mit seinem Milliarden-Etat noch ein wenig mehr Marketing betreiben zu können. Ganz ist ihm das nicht geglückt, denn explizite Reklame erlaubt der Gesetzesvorschlag weiterhin nicht. Dafür legt er den Begriff „Information“ recht weit aus. Darunter fallen beispielsweise auch Patientenschicksale und Krankengeschichten. „Dies wäre eine nachträgliche Legalisierung dessen, was Arzneimittel-Hersteller seit einigen Jahren praktizieren. So existieren z. B. zur Männergesundheit zahlreiche Seiten zum Thema Testosteronmangel oder der so genannten erektilen Dysfunktion, die dann in einem Atemzug auch auf entsprechende Arzneimittel zur Behebung des Mangels verweisen“, kritisiert die BUKO-PHARMAKAMPAGNE mit Verweis auf BAYERs Methoden zur Vermarktung von NEBIDO, TESTOGEL und LEVITRA. Studien, Gutachten und wissenschaftliche Veröffentlichungen gelten ebenfalls nicht als Werbung, weshalb der Pharmakologe Gerd Glaeske schon Böses ahnt. „Es gibt sehr viele Gefälligkeitsgutachten von Wissenschaftlern, die Wünsche der Pharma-Industrie erfüllen“, so der Forscher von der Universität Bremen. Und zu allem Überfluss dürfen MedizinerInnen und ApothekerInnen zudem bald Broschüren der Pillen-Riesen an die PatientInnen verteilen.

BAYER sponsort Weltverhütungstag
„Fünf gegen das Wachstum der Bevölkerung investierte Dollar sind wirksamer als hundert für das Wirtschaftswachstum investierte Dollar“, sagte einst der ehemalige US-Präsident Lyndon B. Johnson über seine Vorstellung von „Entwicklungshilfe“. Zum Behagen des Leverkusener Multis erfreut sich diese Ansicht sogar heute noch großer Beliebtheit, die „gigantischen Fruchtbarkeitsmärkte“ in den armen Ländern versprechen nämlich gute Absatzchancen für die Verhütungsmittel des Konzerns. Um die Geschäftsaussichten für YASMIN & Co. noch ein wenig zu verbessern, sponsert er darum auch 2011 wieder den Weltverhütungstag, der vor allem Jugendliche ansprechen soll.

BAYER sponsert Studierende
Der Leverkusener Multi umwirbt schon Studierende als zukünftige BAYER-KundInnen. So spendiert er beispielsweise StudentInnen der Tiermedizin Sezierbesteck, damit sie später auch schön seine Veterinär-Arzneien verschreiben.

BAYER will Forschungssubventionen
Unermüdlich fordert der Leverkusener Multi Steuererleichterungen für seine Forschungsanstrengungen. „In Europa fehlt dieses Instrument außer in Deutschland nur noch in Schweden, Solwenien, Rumänien und den baltischen Staaten“, klagte BAYERs Forschungsvorstand Wolfgang Plischke. In dem Interview mit dem Magazin GoingPublic drohte er in seiner damaligen Funktion als Vorstandsvorsitzender des vom Pharma-Riesen gegründeten „Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller“ bei Nichtgewährung dieser Subvention sogleich mit Abwanderung. „Die Unternehmen können dieses Ungleichgewicht bei ihren Standort-Entscheidungen nicht ignorieren“, so Plischke.

200.000 Euro für Selbsthilfegruppen
BAYER sponsert Selbsthilfegruppen und PatientInnen-Organisationen in hohem Maße. Über 200.000 Euro verteilte der Leverkusener Multi 2010 allein an die bundesrepublikanischen Verbände. Aber natürlich nicht an alle. Zuwendungen erhalten hauptsächlich diejenigen, die der Konzern mit entsprechenden Medikamenten beglücken kann: Diabetes-, Krebs-, Bluter- und Multiple-Sklerose-Vereinigungen. Und das ist gut angelegtes Geld: „Wenn Firmen zehn Prozent mehr in Selbsthilfegruppen investieren, wächst ihr Umsatz um ein Prozent im Jahr“, hat der als Gesundheitsökonom an der Universität Bremen lehrende Dr. Gerd Glaeske einmal errechnet. International greift der Pharma-Riese noch tiefer in die Tasche. So bedachte er die Blutergesellschaften rund um den Globus 2010 mit über fünf Millionen Euro. Aber diese PR-Maßnahme ist auch bitter nötig. In den 1990er Jahren starben nämlich Tausende Bluter an HIV-verseuchten Blutprodukten des Pillen-Herstellers, weil er sein Präparat KOGENATE aus Kostengründen keiner sterilisierenden Hitze-Behandlung unterzogen hatte.

45.000 Euro an Krankenhaus
Im letzten Jahr hat der Leverkusener Multi 45.000 Euro an das Klinikum Bremen-Mitte gespendet, ein weiteres Krankenhaus der Stadt erhielt immerhin noch 5.000 Euro. Auch andere Multis zeigten sich großzügig. Die Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper hätte diese Zahlen am liebsten unter Verschluss gehalten, die Veröffentlichung verdankt sich allein der Beharrlichkeit der HUMANISTISCHEN UNION. Für den Pillen-Multi dürfte sich die Investition lohnen. „Ein Pharma-Unternehmen wie BAYER zahlt das nicht aus gutem Willen zur Förderung eines guten Zwecks, die erwarten eine Gegenleistung“, kommentiert der Pharmakologe Peter Schönhöfer das Sponsoring.

45.000 Euro an „Arche“
BAYERs BEPANTHEN-Kinderförderung unterstützt seit längerem das Kinder- und Jugendwerk „Die Arche“, das dem evangelikalen Verband „Deutsche Evangelische Allianz“ angehört, und investiert damit in das SozialarbeiterInnen-Image des Konzerns. Wie im letzten Jahr honorierte er die Rückgabe einer leeren und den Erwerb einer neuen Packung der BEPANTHEN-Wundsalbe mit einem Euro für „Die Arche“. 45.000 Euro kamen so zusammen. Für die Verbreitung des PR-Coups sorgte als Medienpartner dann das Blatt Frau im Spiegel.

Umweltschutz-Studien bei BAYER
Als „Bluewashing“ kritisieren die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und andere Initiativen die Strategie der Konzerne, sich durch Kooperationen mit den Vereinten Nationen ein gutes Image zu verschaffen. Der Leverkusener Multi tut dies hauptsächlich durch ein Sponsoring der UNEP, des Umweltprogramms der UN. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit besuchten im Herbst 2011 50 Studierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika Leverkusen, um ausgerechnet bei BAYER Studien zum Thema „Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ zu betreiben.

Pestizid-Entlastungsstudie
BAYER & Co. behagt das schlechte Image ihrer Ackergifte nicht. Deshalb hat ihr „Industrieverband Agrar“ (IVA) bei Professor Harald von Witzke von der Berliner Humboldt-Universität eine Entlastungsstudie bestellt. Und Witzke, der schon häufiger vom Leverkusener Multi und anderen Unternehmen gesponserte Expertisen durchgeführt hatte und auch bereits als Autor des BAYER-Magazins re:source hervortat, lieferte das gewünschte Ergebnis. „Studie belegt Wohlstandsgewinn durch moderne Landwirtschaft“, konnte der IVA vermelden. Die Agrochemikalien schalten Unkraut, Pilze und Schadinsekten aus und bescheren den konventionell arbeitenden LandwirtInnen so eine viel reichere Ernte als den Biobauern und -bäuerinnen, so das Resultat der Forschungsarbeit. Witzke hatte sogar eine Zahl parat: Auf vier Milliarden Euro bezifferte er den Pestizid-Mehrwert. „Diese Studie darf nicht folgenlos bleiben“, forderte IVA-Geschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler daraufhin, „... Es wird Zeit, auch jene Risiken klar zu benennen, die durch den Verzicht auf den modernen Pflanzenschutz erwachsen“.

Tag der offenen Tür
Mit dem Image des Leverkusener Multis ist es wegen umstrittener Vorhaben wie der Kohlenmonoxid-Pipeline und anderer Großprojekte nicht zum Besten bestellt. Darum unternimmt er viele Anstrengungen zur Rettung seines Rufes. Eine Gelegenheit dazu bot der „Tag der offenen Tür“, den BAYER und andere Chemie-Konzerne im „Jahr der Chemie“ mit besonders großem Aufwand gestalteten. In Leverkusen schaute sogar der Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers persönlich vorbei, um „Chemie zum Anfassen“ zu präsentieren und Lust auf das „BAYER-Wissenschaftsabenteuerland“ zu wecken. Das größte Abenteuer boten dort Sängerinnen, welche die Forschungsphilosophie des Pharma-Riesen in Lied-Form vortrugen. Ansonsten gab es noch Chemie„park“-Führungen, Austellungen, Labor-Experimente, Hüpfburgen, Kakerlaken-Wettrennen, Flohzirkusse und TiermedizinerInnen-Sprechstunden.

TIERE & VERSUCHE

Mehr Tierversuche
Bei BAYER ist die Zahl der Tierversuche im Geschäftsjahr 2010 gegenüber 2009 von 171.251 auf 171.627 gestiegen. 92 Prozent davon unternahm der Leverkusener Multi mit Ratten und Mäusen, fünf Prozent mit Fischen und Vögeln und 0,6 Prozent mit Hunden, Katzen und Affen. Dazu kommen noch die Experimente, die der Konzern von externen Forschungszentren machen lässt. Sie wuchsen besonders stark an und erhöhten sich von 5.793 auf 19.785. „Der Anstieg ist durch die Tatsache zu erklären, dass wir mit einem Nutztier-Projekt in die finale Entwicklungsphase gekommen sind und gesetzlich geforderte Studien durchgeführt haben“, so das Unternehmen zur Begründung.

DRUGS & PILLS

YASMIN bleibt auf dem Markt
Auch in den USA sehen sich BAYERs Verhütungsmittel aus der YASMIN-Familie wegen ihrer Nebenwirkungen zunehmender Kritik ausgesetzt. Neuere Studien weisen ein bis um den Faktor 3,3 erhöhtes Risiko für Thromboembolien aus. 190 Todesfälle binnen der letzten zehn Jahren listet die US-Gesundheitsbehörde FDA auf. Darum hat sie sich Anfang Dezember mit dem Fall „YASMIN“ befasst. Mit 15 zu 11 Stimmen votierten die von der FDA berufenen ExpertInnen knapp dafür, das Mittel auf dem Markt zu lassen. Die Behörde dürfte den Leverkusener Multi nun lediglich auffordern, auf den Verpackungen dringlicher vor den Gesundheitsgefahren zu warnen. Ähnlich defensiv verfuhr bereits das hiesige „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“.

Erweiterte XARELTO-Indikation
Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat das BAYER-Präparat XARELTO, bisher zur Thrombose-Vorbeugung nach schweren orthopädischen OPs im Einsatz, jetzt auch als Mittel zur Schlaganfall-Vorbeugung zugelassen. Sie setzte sich damit über viele, auch interne Bedenken hinweg. Eigene MitarbeiterInnen hatten sich noch Anfang September 2011 gegen die Genehmigung ausgesprochen, weil die von BAYER eingereichten Studien ihrer Meinung nach Fragen zu Herzinfarkt- und Blutungsrisiken aufwarfen. Zudem konnten sie im Vergleich zum bislang gebräuchlichen Wirkstoff Warfarin keinen therapeutischen Zusatznutzen entdecken. Aber die FDA setzte sich über diese Einwände hinweg. Nicht einmal Meldungen über Sterbefälle bei der Klinischen Erprobung des Mittels in Indien (siehe ERSTE & DRITTE WELT) konnten sie umstimmen. Der Institution waren derartige Zwischenfälle bekannt, wie sie der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN mitteilte: „Die Ärzte-Information führt Tod als mögliche Nebenwirkung auf, die während der Klinischen Tests mit XARELTO auftrat“. Bei Zulassungen gelte es immer, zwischen Wirksamkeit und Sicherheit eines Medikamentes abzuwägen, so die Behörde weiter. Dank dieser Abwägung zu Gunsten der Wirksamkeit und zu Lasten der Sicherheit kann der Leverkusener Multi mit einem XARELTO-Umsatz von zwei Milliarden Euro rechnen.

ALPHARADIN-Zulassung beantragt
Krebsmedikamente sind teuer, helfen zumeist wenig und haben allzuoft nur ein eingeschränktes Anwendungsgebiet. So auch das vom Leverkusener Multi gemeinsam mit dem norwegischen Unternehmen ALGETA entwickelte ALPHARADIN, das vermittels radioaktiver Strahlung das Wachstum von Prostatatumor-Zellen hemmen soll. Männern, bei denen eine Hormon-Behandlung erfolglos geblieben ist und sich zudem noch Metastasen im Knochen gebildet haben, verhalf es in einem Klinischen Test zu einem noch nicht einmal drei Monate längeren Leben. Trotzdem will BAYER für das Medikament im nächsten Jahr die Zulassung beantragen.

TRASYLOL-Wiederzulassung in Kanada
Im November 2007 musste BAYER das Medikament TRASYLOL, das MedizinerInnen bei OPs zur Blutstillung einsetzten, wegen der Nebenwirkung „Tod“ vom Markt nehmen. Mehrere Studien hatten die Gefährlichkeit des Medikamentes belegt. So analysierte der Harvard-Professor Alexander Walker die Unterlagen von 78.000 Krankenhaus-PatientInnen und konstatierte im Falle einer Behandlung mit TRASYLOL eine erhöhte Sterblichkeitsrate sowie ein größeres Risiko für Nierenversagen, Schlaganfälle und Herzerkrankungen. „2.653 Patienten mussten zur Dialyse und 2.613 Patienten starben“, hieß es in der Expertise. Trotz dieses Befundes hat Kanada der Arznei zur Versorgung von PatientInnen nach Bypass-Operationen eine Wiederzulassung erteilt. „Nach einer sorgsamen Überprüfung kam Health Canada (die staatliche Gesundheitsbehörde, Anm. Ticker) zu dem Schluss, dass der Nutzen von TRASYLOL die Risiken übersteigt“, hieß es zur Begründung. Zahlreiche MedizinerInnen mochten sich diese Meinung nicht anschließen und protestierten gegen die Entscheidung.

Lieber kein ASPIRIN COMPLEX
In unendlichen Variationen bietet der Leverkusener Multi seinen „Tausendsassa“ ASPIRIN mittlerweile an. So gibt es ASPIRIN COMPLEX zur Behandlung von Erkältungssymptomen seit Kurzem auch zum Anrühren mit heißem Wasser. Die unabhängige Fachzeitschrift arznei-telegramm rät von dem Mittel mit der Wirkstoff-Kombination Acetylsalicylsäure und Pseudoephedrin allerdings ab. Vor allem am Nutzen des Amphetamin-Abkömmlings Pseudoephedrin zweifelt das Magazin, weil es gegen eine verstopfte Nase nicht so gut wirkt wie andere Wirkstoffe und zudem noch mehr Nebenwirkungen hat. Als solche zählt die Zeitschrift Angstzustände, Schlaflosigkeit, Halluzinationen, Herzrasen und steigender Blutdruck auf. Sogar ein Herzinfarkt ist der Publikation zufolge belegt.

Keine Packungsbeschränkung für ASPIRIN
Immer mehr Menschen nehmen ASPIRIN ein, was vor allem der BAYER-Werbung geschuldet ist. Dem Konzern gelingt es mit seinen Kampagnen, das Präparat nicht mehr nur als Schmerztablette, sondern auch als Mittel zur Herzinfarkt-Prophylaxe zu vermarkten. Aber mit den Umsätzen (aktuell 776 Millionen Euro), steigen auch die Zwischenfälle. Dr. Friedrich Hagenmüller von der Hamburger Asklepios-Klinik schätzt die Zahl der Todesopfer durch die ASPIRIN-Nebenwirkung „Magenbluten“ allein in der Bundesrepublik auf 1.000 bis 5.000. Da er zudem den Nutzen des „Tausendsassas“ bei der Schmerzbehandlung anzweifelt, setzt er sich für eine Handelsbeschränkung ein. Die forderte das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) ebenfalls. Es trat dafür ein, die rezeptfrei abgegebenen Packungen von ASPIRIN und ähnlichen Produkten so zu verkleinern, dass sie nur noch für vier Tage reichen. Danach sollten die PatientInnen die Medikamente bloß noch auf Rezept bekommen. Dieser Vorschlag konnte vor dem auch mit Pharma-VertreterInnen besetzten „Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht“ allerdings nicht bestehen.

Doping mit ASPIRIN
ASPIRIN erfreut sich auch im Sport-Bereich zunehmender Beliebtheit. Besonders vor strapaziösen Marathonläufe greifen die TeilnehmerInnen gerne zu dem Tausendsassa oder zu anderen Schmerzmitteln. Nach einer Untersuchung des Pharmakologen Dr. Kay Brune nahmen beim Bonn-Marathon 2009 fast zwei Drittel der LäuferInnen ASPIRIN oder ähnliche Präparate ein. Unter der sportlichen Belastung steigt die Gefahr noch einmal stark an, dass die Nebenwirkungen durchschlagen, denn der Körper versorgt während dieser Zeit die für die Entgiftung zuständigen Nieren und den Magen/Darm-Trakt weniger mit Blut als üblicherweise. Die Folge: Nierenschäden und Magengeschwüre. „Manche Sportler müssen sogar unmittelbar nach der sportlichen Höchstleistung operiert werden und verlieren Teile ihrer inneren Organe“, so Brune.

LEGANTO neu auf dem Markt
BAYER bringt das bisher unter dem Namen NEUPRO bekannte Pflaster unter der Bezeichnung LEGANTO neu heraus. Eine entsprechende Kooperation mit dem NEUPRO-Hersteller UCB gab der Leverkusener Multi im Sommer 2011 bekannt. Das mit dem dopamin-ähnlich wirkenden Rotigotin versehene Pflaster ist zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms und zur Therapie von Parkinson im Frühstadium zugelassen. In einem späterem Stadium der Krankheit dürfen es die MedizinerInnen nur gemeinsam mit einem anderen Medikament verwenden. In Tests zeigte sich das Mittel bei dieser Indikation der Substanz Ropinirol unterlegen. Die „European Medicines Agency“ ließ das Medikament, zu dessen Nebenwirkungen Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerz und Übelkeit zählen, aber trotzdem zu.

VFA beklagt sinkende Pillen-Preise
Das 2010 erlassene „Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittel-Marktes“ hat die Pillen-Preise bis zum Jahr 2013 auf dem Stand von August 2009 eingefroren und den Hersteller-Rabatt für neue Medikamente von sechs auf 16 Prozent erhöht. Das hat nach Berechnungen des „Verbandes der Forschenden Arzneimittelhersteller“ (VFA), den BAYER gegründet hat, die Arzneien im Durchschnitt um drei Prozent billiger gemacht, was zu entsprechenden Mindereinnahmen bei den Pharma-Multis geführt hat. Allein das neue Rabatt-Reglement kostet die Konzerne 1,5 Milliarden Euro.

Personalisierte Medizin floppt
Die personalisierte Medizin, also die Entwicklung einer passgenauen, auf die jeweiligen Bedürfnisse der PatientInnen ausgerichteten Therapie-Form, erfüllt die in sie gesteckten Erwartungen nicht. „Die Sache ist komplizierter als gedacht“, räumt BAYERs Pharma-Forscher Jörg Müller ein. Besonders bei Herz/Kreislauf-Erkrankungen hapert es noch. „Kardiologische Erkrankungen sind auf molekularer Ebene viel weniger erforscht, als das bei Krebs-Indikationen der Fall ist“, stellt sein Kollege Helmut Haning fest. Zudem ist „Personalisierte Medizin“ oftmals nur ein Euphemismus für ein dem Großteil der PatientInnen nicht zumutbares Medikament. Wenn eine Arznei in einem Klinischen Test bei der Mehrheit der ProbandInnen keine positiven Effekte zeitigt, picken sich die Pharma-Multis die Minderheit heraus und deklarieren die Pille als maßgeschneidert für ebendiese Gruppe. Das hat auch der Leverkusener Multi vor. Da sein Pharmazeutikum XARELTO bei der Indikation „Thrombose“ in Tests nicht besser als die bisherige Standardmedikation abschnitt, will er sich nun diejenigen TeilnehmerInnen herausfiltern, bei denen es doch anschlug, um wenigstens ein personalisiertes XARELTO für dieses Anwendungsgebiet herausbringen zu können.

Neuer Anlauf für Positivliste?
Viele GesundheitsministerInnen haben sich schon bemüht, die unübersehbare Menge der auf dem Markt befindlichen Arzneimittel durch eine Positivliste zu beschränken. Allesamt scheiterten sie jedoch am Widerstand von BAYER & Co. Jetzt unternehmen CDU und FDP einen neuen Anlauf. Die Parteien wollen parallel zum LandärztInnen-Gesetz einen Modellversuch starten, der die MedizinerInnen auf die Verordnung bestimmter, in einem Katalog festgehaltener Arzneien verpflichtet. Warnungen vor einer „standardisierten Kochbuch-Medizin“ ließen da nicht lange auf sich warten, und allen bisherigen Erfahrungen nach zu urteilen, dürfte das Projekt keine großen Chancen haben.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Endosulfan-Verbot beschlossen
Jahrelang hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) den Leverkusener Multi aufgefordert, den in der Bundesrepublik schon längst verbotenen, besonders gefährlichen Pestizid-Wirkstoff Endosulfan in anderen Ländern ebenfalls nicht mehr zu vertreiben. Im vorletzten Jahr erklärte sich der Konzern endlich dazu bereit (SWB 3/09), nicht ohne jedoch noch einmal einen aggressiven Schlussverkauf zu veranstalten (siehe auch SWB 1/11). Und jetzt darf der Multi auch gar nicht mehr anders: Die 133 der „Stockholmer Konvention“ angeschlossenen Staaten haben sich zu einem weltweiten Bann entschlossen. Allerdings gestalteten sich die Verhandlungen schwierig, und Indien, China und Uganda stimmten der Einigung nur gegen die Gewährung von Ausnahmegenehmigungen zu. Ganz verschwindet das Ultragift damit also nicht.

PFLANZEN & SAATEN

Zugriff auf Hybridreis-Zucht
Ende September 2011 erwarb BAYER Zugriffsrechte auf das Hybridreis-Zuchtprogramm der brasilianischen Firma FAZENDA ANA PAULA. Bei Hybrid-Reis handelt es sich um solche Pflanzen, welche die LandwirtInnen nicht wiederaussäen können, was die Abhängigkeit von den Konzernen steigert (siehe auch SWB 1/10). Darum engagiert sich der Leverkusener Multi auch stark auf diesem Gebiet. Er hat in Ländern wie Indonesien, Brasilien, Burma, China, Thailand, den Philippinen und Vietnam Kooperationen mit den Regierungen vereinbart hat, um ARIZE und andere Sorten durchzusetzen. Bauern und Bäuerinnen haben mit ihnen denkbar schlechte Erfahrungen gemacht. So klagen etwa indonesische FarmerInnen über ARIZE, weil er hohe Produktionskosten verursacht, schlecht schmeckt und anfälliger gegenüber Schadinsekten ist. Da der Agro-Riese das Produkt zudem auf die industrielle Landwirtschaft zugeschnitten hat, warnt die Initiative ALLIANCE OF AGRARIAN REFORM MOVEMENT im Land bereits vor einem Bauernsterben durch ARIZE & Co.

Mehr Bioscience
BAYER entwickelt pro Jahr mehr als 100 neue Pflanzen- und Gemüsesorten. Und es sollen noch mehr werden. Der Konzern kündigte nämlich an, seine Forschungsausgaben in der Sparte „Bioscience“ bis 2015 auf 400 Millionen Euro zu verdoppeln. Und neben neuen Gentech-Arten (siehe GENE & KLONE) will der Agro-Multi mit diesem Geld auch mehr Saatgut und auf konventionellem Wege veränderte Ackerfrüchte entwickeln.

Weizen-Kooperation mit Uni
Der Leverkusener Multi hat mit der US-amerikanischen „South Dakota State University“ eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet „Weizen-Saatgut“ vereinbart. Nach dem Vertrag gewähren sich die Partner gegenseitig den Zugriff auf ihr Zuchtmaterial, was dem Konzern die Möglichkeit eröffnet, neue Sorten zu entwickeln. Das gewachsene Interesse des Global Players an der weltweit am häufigsten angebauten Kulturpflanze belegen auch neuere Kooperationen mit dem französischen Unternehmen RAGT, der australischen Forschungseinrichtung „Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation“ (CSIRO), mit dem israelischen Biotech-Betrieb EVOGENE und der Universität von Nebraska sowie der Erwerb zweier Zuchtprogramme von ukrainischen Gesellschaften. Der erste Weizen made by BAYER ist für das Jahr 2015 angekündigt.

Weizenzucht-Zentrum in Gatersleben
BAYER errichtet im Biotech„park“ Gatersleben ein Europäisches Weizenzucht-Zentrum und verstärkt damit sein Engagement auf diesem Gebiet (s.o.) weiter. Auf dem Gelände, auf dem sich auch das „Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzen-Forschung“ befindet, hat der Multi Großes im Sinn. „Unser Team im Europäischen Weizenzucht-Zentrum wird erstklassige, an europäische Bedingungen angepasste Sorten entwickeln. Mit diesen Sorten und unserem führenden Portfolio an Pflanzenschutz-Produkten werden wir in Zukunft Lösungen für eine nachhaltige Getreide-Produktion von der Aussaat bis zur Ernte anbieten können“, erklärte der Agro-Riese. Ähnliche Zentren wie das in Gatersleben plant er in den USA, in Australien, Asien und Lateinamerika. Und um auch den ganzen Nutzen aus der Wertschöpfungskette „Weizen“ ziehen und die LandwirtInnen in eine größere Abhängigkeit treiben zu können, fordert der Global Player auch für nicht per Gentechnik entwickelte Ackerfrüchte eine Patent-Regelung ein (siehe Ticker 4/11).

GENE & KLONE

BAYER testet Krebsmittel
Das Biotech-Unternehmen MORPHOSYS hat einen Antikörper zur Tumor-Behandlung entdeckt und will ihn gemeinsam mit BAYER bis zur Produktreife entwickeln. Die Klinischen Tests der Phase I haben im Herbst 2011 begonnen. Die bisherigen Erfahrungen machen allerdings skeptisch. Bislang ist es dem Leverkusener Multi noch nie gelungen, ein Krebspräparat auf den Markt zu bringen, welches das Leben der PatientInnen mehr als drei Monate verlängert.

BAYER-Gensoja nicht zugelassen
Ein ExpertInnen-Gremium der EU konnte sich nicht über die Zulassung von BAYERs Gensoja der BASTA-Produktreihe einigen. Deshalb muss sich jetzt eine höhere Instanz mit dem Fall beschäftigen. Die COORDINATON GEGEN BAYER-GEFAHREN tritt schon seit längerem für ein Importverbot ein. Die Pflanze ist nämlich durch eine auf gentechnischem Wege eingebaute Resistenz auf den Gebrauch des hochgefährlichen Herbizides Glufosinat abgestimmt, dessen Gebrauch die Europäische Union ab 2017 verboten hat.

Mehr Gentech-Forschung
BAYER will die Forschungsausgaben im Bereich „Bioscience“ bis zum Jahr 2015 auf 400 Millionen Euro verdoppeln. Da sich die Hälfte der Projekte in dieser Sparte mit der „grünen Gentechnik“ befasst, dürfte deshalb in Zukunft mit mehr Laborfrüchten made by BAYER zu rechnen sein.

Neues Gentech-Verfahren
Durch die Nutzung einer Technologie, die das US-Unternehmen PRECISION BIOSCIENCE entwickelt hat, ist es BAYER-ForscherInnen gelungen, eine neue Erbanlage in eine bereits gen-veränderte Pflanze einzubauen. „Durch die zielgenaue Integration vorteilhafter Pflanzen-Eigenschaften lässt sich die Produktentwicklung vereinfachen und die Zeit bis zur Marktreife verkürzen“, jubiliert der Konzern.

WASSER, BODEN & LUFT

„Map Ta Phut“-Gesetz scheitert vorerst
Im thailändischen Map Ta Phut liegt eine der größten Industriezonen der Welt. Sie sollte noch größer werden, aber den AnwohnerInnen reichten schon die bisherigen Umweltbelastungen. Sie klagten, und 2009 gab ein Gericht ihnen Recht. Es stoppte 76 Bauvorhaben, darunter zwei des Leverkusener Multis, der seine Bisphenol- und seine Polycarbonat-Produktion erweitern wollte (SWB 1/11). Inzwischen ist das Moratorium wieder aufgehoben. Die Regionalregierung versprach jedoch einen besseren Gesundheitsschutz. Eine unabhängige Kommission erarbeitete dann auch einen Gesetzesvorschlag. Der allerdings fand im September 2011 nicht die Gnade der Politik. Sie gab eine Überarbeitung in Auftrag, was die Initiative EASTERN PEOPLE‘S NETWORK zu herber Kritik veranlasste.

Kooperation mit der Müll-Mafia
BAYER und andere bundesdeutsche Unternehmen haben in den 1960er bis 1980er Jahren die Dienste der Mafia in Anspruch genommen, um ihren Giftmüll zu entsorgen. Die Abfälle landeten zunächst in Afrika. Als es dort zu Protesten kam, versenkte die kriminelle Vereinigung die Produktionsreste mitsamt Schiffen einfach auf hoher See. Ca. 30 von ihnen schlummern heute noch auf dem Meeresgrund. „Es war ein weitverzweigtes Netzwerk. Ein internationales Netzwerk, bestehend aus Drecksarbeitern und Saubermännern, bis in höchste politische Ebenen vernetzt, mit Ausläufern auf dem ganzen Erdball“, sagt der Journalist Sandro Mattioli, der gemeinsam mit seinem Kollegen Andrea Palladino über diesen Fall das Buch „Die Müllmafia“ geschrieben hat. Ernsthafte Bemühungen, diesen Skandal aufzudecken, gab es nur in den 1990er Jahren - und der damalige Hauptermittler Natale de Grazia bezahlte das mit seinem Leben.

Dormagen: Aus für Müllkraftwerk
Der Leverkusener Multi hat Planungen für ein Müllkraftwerk in Dormagen aufgegeben, da das zu erwartende Abfall-Volumen nicht ausreicht, um es rentabel betreiben zu können. Auch in Brunsbüttel stocken die Vorbereitungen für einen solchen Ofen, der mehr Schadstoffe produziert als herkömmliche Rückstandsverbrennungsanlagen, weshalb die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN die Bau-Bestrebungen bereits seit längerem kritisiert (siehe SWB 1/08).

BAYER initiiert „CleantechNRW“
Unter Nachhaltigkeit versteht der Leverkusener Multi vor allem Ressourcen-Effizienz. Aber die Umwelt profitiert im Gegensatz zum Unternehmensetat nicht unbedingt von einem sparsamen Umgang mit den Rohstoffen. So lobt sich der Konzern zwar immer wieder selbst dafür, den Energie-Einsatz pro Produktionseinheit heruntergefahren zu haben, schweigt aber lieber über den trotzdem in absoluten Zahlen gestiegenen Kohlendioxid-Ausstoß. Da wundert es nicht, dass sich der auf BAYERs Initiative hin entstandene Verbund „CleantechNRW“ auch diesem Paradigma verschrieben hat. „Ich bin überzeugt, dass CleanTechNRW einen hervorragenden Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit des Standorts NRW leisten kann. Auch, weil es sich mutig und klar zu bestimmten Zukunftsthemen bekennt - wie dem Klimawandel und der Ressourcen-Effizienz“, sagt etwa BAYER-Chef Marijn Dekkers. Neben solchen Projekten will sich das Cluster vor allem der Entwicklung von Batterien für Elektroautos und der Gewinnung von Wasserstoff und Methan aus gasförmigen Abfallstoffen widmen.

BAYER sieht Energiewende skeptisch
Der Leverkusener Multi vermag dem Ausstieg aus der Atomkraft nichts Positives abgewinnen, weil er höhere Energiekosten befürchtet. Auf die Frage des Magazins Process: „Könnte die Energiewende im Hinblick auf eine energie-effiziente Produktion zum Antrieb werden?“ antwortete BAYER-Chef Marijn Dekkers: „Daran glaube ich nicht. Wäre es so, müssten sich alle Mitbewerber um deutsche Standorte reißen, um in den Genuss dieser ‚Antriebskräfte‘ zu kommen.“

Plan B zum Gaskraftwerk
Nach massiven Protesten musste TRIANEL darauf verzichten, auf dem Gelände von BAYERs Chemie„park“ in Krefeld ein klima-schädigendes Kohlekraftwerk zu errichten. Nun plant BAYER gemeinsam mit TRIANEL ein Gas- und Dampfkraftwerk. Aber so ganz in trockenen Tüchern ist das Vorhaben noch nicht. „Ob dieses Projekt wirtschaftlich umsetzbar ist, wird sich im Laufe der Projekt-Entwicklung zeigen“, heißt es von Seiten des Leverkusener Multis. Darum hält er sich auch die Alternative einer „Eigenlösung“ offen und hat bei der Bezirksregierung einen Genehmigungsantrag zum Bau einer gas-betriebenen Kessel-Anlage gestellt.

Emissionshandel ohne Effekt
Vor einigen Jahren hat die EU den Emissionshandel mit Kohlendioxid-Verschmutzungsrechten eingeführt. Er sieht vor, BAYER & Co. CO2-Emissionen nur in einem bestimmten Volumen zu gestatten. Alles, was über ein bestimmtes Limit hinausgeht, sollte den Konzernen teuer zu stehen kommen. Aber die disziplinarische Wirkung dieser Maßnahme hält sich in Grenzen. Die Unternehmen erhalten nämlich immer noch viel zu viel Gratis-Lizenzen zur Klimaschädigung. 1,97 Milliarden Tonnen Kohlendioxid dürfen sie 2013 ungestraft ausstoßen, nur geringfügig weniger als momentan (2,08 Milliarden Tonnen). So kann der Leverkusener Multi munter seinen CO2-Ausstoß steigern (aktuell 8,5 Millionen Tonnen), „ohne in größerem Umfang Zertifikate zukaufen zu müssen“, wie es im Nachhaltigkeitsbericht heißt.

GIFTIG, ÄTZEND & EXPLOSIV

BAYER drittgrößter Chlorproduzent
Chlor-Verbindungen gehören zu den gesundheitsschädlichsten und umweltbelastendsten Substanzen überhaupt. Trotzdem unternimmt BAYER kaum Anstrengungen, das Gas als Grundstoff für Chemie-Produkte wie etwa Polyurethan zu ersetzen. So stellen in Europa nur noch DOW CHEMICAL und SOLVAY mehr Chlor her als der Leverkusener Multi. Auf eine Jahres-Kapazitä

[Marketing] STICHWORT BAYER 01/2012

CBG Redaktion

BAYERs Marketing-Offensive

Mehr Werbung, weniger Innovation

Fast neun Milliarden Euro gab der Leverkusener Multi im letzten Jahr für Werbung, „Kundenberatung“, Pharma-ReferentInnen und sonstige Vertriebskosten aus. Und es darf noch ein bisschen mehr sein. BAYER-Chef Marijn Dekkers will den Marketing-Etat weiter erhöhen und das Geld dafür durch Arbeitsplatzvernichtung „erwirtschaften“. „Die neuen Produkte müssen schließlich auch verkauft werden“, meint er. Die Westdeutsche Zeitung fürchtet nicht zu Unrecht schon das Schlimmste. „Das riecht nach Mauscheleien zwischen Pharma-Firmen, Ärzten und Apothekern. Davon sollte Dekkers lieber die Finger lassen“, rät das Blatt.

„Meine größte Aufgabe als CEO von BAYER ist es, unsere Innovationskraft zu stärken und die Vermarktung unserer Innovationen zu verbessern“, sagte der neue Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers bei seinem ersten großen öffentlichen Auftritt im Dezember 2010. Taten sind den Worten jedoch nur teilweise gefolgt. Die Innovationskraft stärkte der Konzern-Chef nicht. Mit 3,1 Milliarden Euro bewegen sich die Forschungsausgaben 2011 nur auf demselben Niveau wie im Vorjahr. Zudem schließt Dekkers eigene Entwicklungsabteilungen und bedient sich mehr außer Haus bei Firmen, die ein Präparat liefern, das bloß noch des Feintunings bedarf. Dafür kündigte er eine drastische Erhöhung der Marketing-Aufwendungen an. „Die neuen Produkte müssen schließlich auch verkauft werden“, so lautet die Begründung.
Doch das kostet. Darum kündigte der BAYER-Boss in einem Atemzug mit der Verkaufsoffensive und einem größeren Engagement in den Schwellenländern ein 800 Millionen Euro schweres Rationalisierungsprogramm an, das an den alten Standorten 4.500 Arbeitsplätze vernichtet. Und um bereits ein wenig von dem neuen Geist zu künden, legte er sich marketing-technisch schon einmal ziemlich ins Zeug und warb mit dem Slogan „Mehr Innovation, weniger Administration“ für das Sparpaket.

Vertriebskosten: 9 Mrd.
Dabei gibt der Global Player schon jetzt mehr als genug für Werbe-Maßnahmen aus. Auf 8,8 Milliarden Euro beliefen sich die Vertriebskosten 2010 - eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent! Nach den Herstellungskosten nimmt dieser Posten damit den zweiten Rang unter den Ausgaben des Unternehmens ein. Für Forschung & Entwicklung und Verwaltungsaufgaben (1,6 Milliarden) wendet es bedeutend weniger auf. Unter „Vertriebskosten“ subsummiert BAYER zwar auch die physische Distribution der Güter, die Lagerhaltung sowie Provisions- und Lizenz-Zahlungen, aber das reine Marketing macht den größten Teil der Summe aus. Der Vertriebsinnen- und -außendienst, also Pharma-DrückerInnen & Co., war dem Pillen-Riesen über vier Milliarden Euro (2009: 3,75 Mrd.) wert, „Werbung und Kundenberatung“ zwei Milliarden Euro (2009: 1,86 Mrd.). „Sonstige Vertriebskosten“ schlugen mit einer Milliarde zu Buche. „Der Anstieg ist im Wesentlichen auf höhere Vertriebskosten bei HealthCare zurückzuführen“, heißt es im Geschäftsbericht, ein Viertel des Arznei-Umsatzes reinvestierte der Multi in diesen Bereich. Teuer kam ihn vor allem die Lancierung neuer Medikamente. So dürfte dann auch die bevorstehende Markteinführung von XARELTO, das der Konzern trotz nur wenig überzeugender Test-Ergebnisse auch als Mittel zur Schlaganfall-Prophylaxe einsetzen will, einer der Hauptgründe für den nochmals aufgestockten Werbe-Etat sein.

Werbung vor Gericht
Die Ausführungen zu den Vertriebskosten nehmen in dem 628 Seiten starken Geschäftsbericht zusammengerechnet nicht einmal eine Seite ein. Darum hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN auf den BAYER-Hauptversammlungen immer wieder nach einer genaueren Aufschlüsselung der Zahlen verlangt. Aber der Vorstand mauerte und verwies auf das Geschäftsgeheimnis. Er hatte dafür gute Gründe, denn nicht immer bewegen sich die Reklame-Aktivitäten des Arznei-Herstellers im Rahmen des gesetzlich Erlaubten. Darum kam der Westdeutschen Zeitung auch gleich bei Dekkers Bekanntgabe der Werbe-Offensive ein Verdacht: „Das riecht nach Mauscheleien zwischen Pharma-Firmen, Ärzten und Apothekern“.
Mit solchen und anderen Mauscheleien tat sich BAYER auch in den vier Jahren seit der letzten Recherche von Stichwort BAYER (siehe SWB 4/07) nur allzuoft hervor. So setzte der Konzern etwa einen bundesweiten ASPIRIN-Preis von exakt 4,97 Euro durch. Der Leverkusener Multi schloss zu diesem Behufe Verträge mit mehr als 11.000 Apotheken und gewährte ihnen einen Rabatt von drei Prozent, wenn sie die „unverbindliche Preisempfehlung“ des Global Players als verbindlich ansahen. In Tateinheit mit anderen Unternehmen gelang es ihm sogar, die Apotheker-Verbände dazu zu bewegen, diese Lösung auf die gesamte Pillen-Produktpalette auszudehnen. Aber das Bundeskartellamt deckte schließlich beide Vergehen auf und verhängte Strafen. Der ASPIRIN-Deal kostete BAYER über zehn Millionen Euro, das zweite Delikt ahndete die Behörde weniger streng: 465.000 Euro forderte sie von den Arznei-Produzenten ein.
Gegen die Reklame für den Tausendsassa mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure schritten die zuständigen Institutionen ebenfalls schon des öfteren ein. So untersagte die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA BAYER 2008, eine Kombination von ASPIRIN mit dem Nahrungsergänzungsmittel Phytosterol als „best of both worlds“ zu bewerben. Nach ihrem Befund war das Ganze weniger als die Summe seiner Teile - das Phytosterol hob nämlich die Effekte der Acetylsalicylsäure auf. Und 2009 verboten staatliche Stellen in Brasilien die ASPIRIN-Kampagne „Eine Welt für weniger Schmerz“, weil sie zu einem unsachgemäßen Gebrauch des Medikamentes animierte und seine Risiken und Nebenwirkungen verharmloste.
Dies tat auch ein TV-Spot von 2008, der das Kontrazeptivum YAZ aus der YASMIN-Produktfamilie anpries. Er stellte positive Nebenwirkungen der Pille auf Akne und das prämenstruelle Syndrom heraus, die es nicht gab, und vergaß darüber die weniger positiven Nebenwirkungen zu erwähnen, die es tatsächlich gab. „Das ist besonders besorgniserregend, weil einige dieser Risiken erheblich, sogar lebensbedrohlich sind“, urteilte die FDA im Wissen um damals fast 100 Todesfälle allein in den USA. Der Pharma-Riese musste deshalb für 20 Millionen Dollar eine Gegendarstellung in eigener Sache produzieren. Eine Lehre war ihm das jedoch nicht. Schon bald darauf schritt die Behörde wegen eines gesponserten Links zu einer verharmlosenden YAZ-Werbung wieder ein. Und in diesem Jahr sah das Selbstkontroll-Organ der britischen Pharma-Industrie, die „Prescription Medicines Code of Practice Authority“ (PMCPA), Handlungsbedarf: BAYER hatte in dem Land YASMIN als Mittel mit dem Zusatznutzen „gegen Akne“ und „gegen Wassereinlagerungen“ beworben, um dann im Kleingedruckten „Akne“ und „Wassereinlagerungen“ als mögliche Nebenwirkungen aufzuführen. Als „hochgradig unethisch“ empfand das die PMCPA und wies den Global Player zurecht.

Marketing-Maßnahmen für die Hormonspirale MIRENA und das Potenzmittel LEVITRA beanstandeten die Aufsichtsbehörden ebenfalls bereits. So richtig teuer wurde aber nur eine irreführende Werbung für das Vitamin-Präparat ONE-A-DAY. 3,3 Millionen Dollar kostete es den Leverkusener Multi, das Mittel zur Prostatakrebs-Vorbeugung zu empfehlen, obwohl es das Risiko für diese Krankheit erhöht

World Wide Werbung
Als neuen Tummelplatz für Marketing-Aktivitäten hat BAYER seit einiger Zeit das Internet entdeckt; immer mehr Geld fließt in diesen Bereich. Und auch im World Wide Web ist das Unternehmen schon unangenehm aufgefallen. So intervenierte die US-Gesundheitsbehörde nicht nur wegen eines gesponserten Links zu einer YAZ-Website, welche die Gefahren des Mittels verschwieg (s.o.), sondern auch wegen eines solchen zu einer MIRENA- und zu einer LEVITRA-Seite. Die PMCPA hingegen rügte den Multi dafür, die Kommunikationsplattform Twitter dafür genutzt zu haben, verbotenerweise für verschreibungspflichtige Arzneien wie LEVITRA und die Multiple-Sklerose-Arznei SATIVEX zu werben. Und das „Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz“ strengte auf Initiative der BUKO PHARMA-KAMPAGNE hin ein Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen den Pillen-Produzenten wegen unsachgemäß informierender Web-Auftritte der Verhütungsmittel VALETTE und PETIBELLE an. Die Behörde stellte es jedoch wieder ein.
Dabei hat schon die pure Existenz dieser Internet-Plattformen ein Geschmäckle - zumindest in der Bundesrepublik. Hierzulande verbietet das Gesetz es nämlich, für verschreibungspflichtige Arzneien offensiv Verkaufsförderung zu betreiben. Deshalb tarnen sich die Kontrazeptiva-Seiten auch als Informationsangebote und versprechen etwa „Alles über die Pille und mehr“. Sie vermeiden es tunlichst, sich nach den Verhütungsmitteln zu benennen und heißen unverfänglich einfach www.pille.com oder ähnlich, haben jedoch trotz aller Ratgeber-Anmutung nur den einen Zweck: den Absatz von YASMIN & Co. zu erhöhen.
Für BAYERs Potenz-Pille LEVITRA erfüllt LoveGent, das „Emag für den Gentleman 2.0“, diesen Zweck. Es kommt als Männermagazin daher, bietet einschlägige Artikel zu den Themen „Die schnelle Nummer“, „Männerspielzeug“ oder „Prostitution“ nebst „Experten“-Rat von Prof. Dr. Frank Sommer. Der Produktname fällt nie. Es ist nur allgemein von Potenzmitteln die Rede, selbstverständlich unter Ausklammerung ihrer Nebenwirkungen wie Hör- und Sehschäden oder temporärer Gedächtnisverlust, und bloß im Kleingedruckten findet sich ein Hinweis auf die BAYER-Tochter JENAPHARM als Urheberin der Seite.
Dafür verweist ein Link auf www.testosteron.de, eine sich ähnlich tarnende Website des Pharma-Riesen. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Testosteronmangel als Krankheit für ein in die Jahre kommendes starkes Geschlecht zu etablieren und im gleichen Atemzug die entsprechenden Pillen an den Mann zu bringen. „Dabei ist weder belegt, ob Testosteron gegen die Beschwerden hilft, noch sind die Langzeit-Risiken einer Testosteron-Behandlung geklärt“, kritisiert der BUKO das Portal.
Auch in anderen Ländern ist die direkte Arzneimittel-Werbung verboten, aber auch dort findet der Pillen-Mogul „kreative Lösungen“. In Indien etwa, wo der Staat nur Aufklärungskampagnen zulässt, klärt der Konzern zum Weltverhütungstag mit zwei Aufklärerinnen auf, die just so heißen wie seine Verhütungsmittel. „Ganz subtiles Product Placement“ nennt das der BUKO in seiner Broschüre „Um jeden Preis“.

Graubereiche
Aber Graubereiche des Marketings erschließt sich das Unternehmen nicht nur im Internet. Auch in der realen Welt operiert es gerne in diesem Bereich. So engagiert BAYER MedizinerInnen für so genannte Beobachtungsstudien, etwa mit dem Multiple-Sklerose-Präparat BETAFERON. Die ÄrztInnen entlocken ihren PatientInnen ein paar Angaben zur Verträglichkeit des Medikamentes und füllen einen kleinen Fragebogen aus. Einen wissenschaftlichen Wert hat das Ganze nicht - nur einen betriebswirtschaftlichen. In Wirklichkeit dienen die Anwendungsuntersuchungen nämlich nur dazu, die Kranken auf die neue Arznei einzustellen. Dafür erhalten die DoktorInnen dann bis zu 1.000 Euro - „Fangprämien“ hat sie ein ehemaliger Krankenkassen-Chef deshalb auch genannt.
Und die zahlreichen Pharma-ReferentInnen, welche die Praxen heimsuchen, bringen ebenfalls immer etwas mit. Einer der DrückerInnen der Firma GERMAN REMEDIES, die in Indien für BAYER, BOEHRINGER und andere Hersteller Arzttermine wahrnimmt, plaudert gegenüber dem BUKO ganz offen über das Investitionsmodell. „Als Faustregel gilt: Ein Arzt muss uns zehnmal so viel einbringen, wie wir in ihn investieren. Wir stecken pro Jahr oft fünf Millionen Rupies (ca. 75.000 Euro, Anm. SWB) in einen Arzt oder eine Ärztin, und jetzt können Sie sich ausrechnen, wie viel wir an ihm oder ihr verdienen“, so der Außendienstler.
Darüber hinaus hält sich der Leverkusener Multi die MedizinerInnen-Schar durch die finanzielle Unterstützung ihrer Kongresse und medizinischen Fachgesellschaften gewogen. Zudem bietet er für sie Fortbildungsveranstaltungen an, deren Erkenntniswert sich umgekehrt proportional zu ihrem Freizeitwert verhält. So lud der Konzern 2009 etwa 700 FrauenärztInnen ins Berliner Hotel Andel‘s zu den „GynSights“ ein, um die DoktorInnen über das Neueste in der Kontrazeptiva-Produktpalette - das Verhütungsmittel QLAIRA - zu unterrichten und ihnen die Stadt zu zeigen. Auch um die geistige Entwicklung von JournalistInnen kümmert sich der Global Player. Für die MedienarbeiterInnen hält er - selbstverständlich kostenlose - Seminare bereit, in denen sie lernen können, was BAYER so unter angemessener Berichterstattung versteht. Und wer das schon gut beherrscht, der darf auf einen der zahlreichen Preise hoffen, mit denen das Unternehmen die publizistische Landschaft pflegt.
Ebenso fragwürdig erscheint das Sponsoring von Selbsthilfegruppen und PatientInnen-Organisationen. Über 200.000 Euro verteilt der Leverkusener Multi allein an die bundesrepublikanischen Verbände. Aber natürlich nicht an alle. Zuwendungen erhalten hauptsächlich diejenigen, die der Konzern mit entsprechenden Medikamenten beglücken kann: Diabetes-, Krebs-, Bluter- und Multiple-Sklerose-Vereinigungen. Und das ist gut angelegtes Geld: „Wenn Firmen zehn Prozent mehr in Selbsthilfegruppen investieren, wächst ihr Umsatz um ein Prozent im Jahr“, hat der als Gesundheitsökonom an der Universität Bremen lehrende Gerd Glaeske einmal errechnet. International greift der Pharma-Riese noch tiefer in die Tasche. So bedachte er die Blutergesellschaften rund um den Globus 2010 mit über fünf Millionen Euro. Aber diese PR-Maßnahme ist auch bitter nötig. In den 1990er Jahren starben nämlich Tausende Bluter an HIV-verseuchten Blutprodukten des Pillen-Herstellers, weil er sein Präparat KOGENATE aus Kostengründen keiner sterilisierenden Hitze-Behandlung unterzogen hatte.

Für alle diese Aktivitäten haben die rund 4.000 im Marketing beschäftigten Angestellten der Gesundheitssparte bald noch mehr Ressourcen zur Verfügung. In der Abteilung für freiverkäufliche - und deshalb - frei bewerbbare - Medikamente ist das Ganze seit Kurzem auch Chefsache. Mit Erica Mann leitet „Consumer Care“ nämlich zum ersten Mal jemand, der über ein Diplom in Marketing-Management als Qualifikation verfügt. Während Mann und ihrer Mannschaft alle Reklame-Wege offenstehen, müssen sich die KollegInnen aus dem Bereich der rezeptpflichtigen Arzneien noch mit allerlei Restriktionen herumschlagen. Darum setzt sich BAYER auch vehement für eine Ausweitung der Marketing-Zone ein. Unter massivem Lobby-Einsatz versucht der Konzern in Tateinheit mit der gesamten Branche seit geraumer Zeit, das EU-weite Werbe-Verbot zu kippen, um unter dem Siegel der „PatientInnen-Information“ mit seinem Milliarden-Etat noch ein wenig mehr Marketing betreiben zu können. Von Jan Pehrke

Nanotubes

CBG Redaktion

Die Versuchsanlage für Nanotubes bei Bayer Leverkusen funktioniert nicht wie geplant. Daher soll eine Anlage in Laufenburg, die die Firma HC Starck für Bayer betreibt, erweitert werden. Der BUND, die Coordination und der Ökologische Ärztebund haben Einwendungen eingereicht. Hier finden Sie ausführliche Infos zur Kampagne.

Badische Zeitung, 08. März 2012

Nanotubes : RP kommt nach Laufenburg

Erörterung am 21. März

LAUFENBURG (mkg). Sechs Einwendungen zum immissionsschutzrechtlichen Antrag der Firma H. C. Starck zum Betrieb einer Anlage zur Herstellung von 75 Jahrestonnen mehrlagiger Kohlenstoffnanoröhrchen (Baytubes) sind beim Regierungspräsidium Freiburg fristgerecht eingegangen.

Zu den bereits bekannten Schreiben vom Verein lebenswerter Hochrhein und der Ökologischen Ärzteinitiative Hochrhein im BUND, vom Altstadtverein Laufenburg/Schweiz sowie dem BUND (Bundesgeschäftsstelle Berlin) und dem Freiburger Institut für Umweltchemie kamen noch Einwendungen von „Coordination gegen Bayer Gefahren“ aus Düsseldorf sowie eine Unterschriftenliste, die von 57 Personen unterzeichnet wurde.

Das Regierungspräsidium Freiburg wird am Mittwoch, 21. März, einen Erörterungstermin ab 10 Uhr im Laufenburger Rathaus veranstalten.

Badische Zeitung, 06. März 2012

„Derart dürftige Datenlage“

Drei Einsprüche gegen die Produktion von Kohlenstoffnanoröhrchen bei der H.C.Starck.

Zur von H.C.Starck beantragten Produktion von Kohlenstoff-Nanoröhrchen auf dem Werksgelände in Laufenburg wird es wohl einen Erörterungstermin des Regierungspräsidiums geben. Das bestätigt ein Sprecher der Behörde in Freiburg. Zum Ablauf der Einwendungsfrist gingen gestern drei Schreiben in Freiburg ein. Eine davon stammt vom Verein lebenswerter Hochrhein und der ökologischen Ärzteinitiative Hochrhein.
Anlass für die Einwendungen ist die Ankündigung der H.C.Starck, den seit 2006 laufenden Probebetrieb der Nanotubes-Produktion auf 75 Jahrestonnen auszuweiten und dafür eine immisionsrechtliche Genehmigung zu bekommen. Die winzigen Kohlenstoffröhrchen, die 5000-mal dünner als ein menschliches Haar sind, gelten unter den Werkstoffen als neue Wunderwaffe. Sie besitzen eine außerordentliche Steifigkeit, leiten Strom und machen Materialien zudem leichter.

Die Genehmigung für die anfängliche Versuchsanlage, in der seit 2006 jährlich 50 Tonnen produziert wurden, lief nach drei Jahren aus und wurde 2010 um ein weiteres Jahr verlängert. Jetzt, da aus der Versuchs- eine offizielle Produktionsanlage werden soll, muss das Genehmigungsverfahren öffentlich gemacht werden.Aus dem Laufenburger Rathaus heißt es zwar, dass wenige die Offenlage der Unterlage zur Einsicht nutzten. Barbara Dohmen vom Verein lebenswerter Hochrhein hat die gestern abgelaufene Frist jedoch genutzt und bemängelt in ihrer Einwendung eine ganze Reihe von Versäumnissen seitens des Unternehmens. So sei nicht begründet worden, „warum die Gebote der Gefahrstoffverordnung, nach denen die sogenannten Baytubes als Gefahrstoff angesehen werden müssen, nicht berücksichtigt wurden“.

Eine wissenschaftliche Bewertung der Gefahren scheitere laut Dohmen daran, dass nichts Belastbares über Größenverteilung, Länge und Durchmesser der Kohlenstoffröhrchen bekannt sei. Auch die Behauptung der H.C.Starck, bei den von ihr hergestellten Produkten C150 P und C70 P treten bei mechanischer Einwirkung keine asbestähnlichen Bruchstücke, fehlten nachvollziehbare Daten. Eine ganze Reihe weiterer fehlender Daten veranlasst Dohmen im Namen der ökologischen Ärzteinitiative zu dem Schluss: „Wir halten eine Genehmigung auf Basis einer derart dürftigen Datenlage bezüglich eines besonders besorgniserregenden Stoffes, was einerseits die Auswirkung auf Mensch und Umwelt im Normalbetrieb und andererseits eine sichere Gefahrenabwehr von Störfällen anbelangt, für unverantwortbar und beantragen eine Aussetzung der Genehmigung, bis eine wissenschaftlich fundierte Einschätzung von firmenunabhängiger Seite für Mensch und Umwelt vorliegt.“

Auch der BUND und das Freiburger Institut für Umweltchemie haben laut Barbara Dohmen Einwendungen gegen das Projekt abgegeben.

2. März 2012, Südkurier

Warnung vor Umweltgefahren

Die von der Laufenburger Firma HC Starck geplante Produktion von Kohlenstoffnanoröhrchen („Nanotubes“ oder „Baytubes“) brachte die Umweltmedizinerin Barbara Dohmen als Vertreterin des Vereins Lebenswerter Hochrhein bei der Sitzung des Murger Gemeinderates unter dem Punkt Fragen und Anregungen ins Gespräch. Sie verwies auf die schädlichen Auswirkungen auf den Organismus und die Umwelt, die mit jenen von Asbeststaub vergleichbar seien und forderte den Gemeinderat zu einer Stellungnahme auf.

„Die Zeit eilt“, sagte sie. In Kürze laufe die Einspruchsfrist ab. Bisher habe lediglich die Stadt Laufenburg/Schweiz Widerspruch erhoben.

Badische Zeitung, 21. Januar 2012

Ärzte wollen Baytubes untersuchen

Initiative und Verein gegen Produktion von H. C. Starck / 5000-mal dünner als menschliches Haar.

LAUFENBURG/MURG (mig). Die Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein und der Verein Lebenswerter Hochrhein halten eine Genehmigung der von H. C. Starck beantragten Produktion von Kohlenstoff-Nanoröhrchen, genannt Baytubes, „angesichts einer dürftigen Einschätzungsgrundlage des Gefährdungspotenzials für Mensch und Umwelt für nicht verantwortbar“. Das erklärte Sprecherin Barbara Dohmen gestern der Presse in Hänner.

Das Regierungspräsidium Freiburg hatte 2006 die Versuchsanlage zur Produktion von 30 Jahrestonnen Baytubes genehmigt, zunächst für drei Jahre und 2010 für ein weiteres Jahr. Nun möchte Starck in Laufenburg eine Produktion von 75 Jahrestonnen. Das Unternehmen spricht von einer „rein genehmigungsrechtlichen Überführung der Versuchsanlage in eine Produktionsanlage“.

Baytubes sind winzige Röhrchen aus Kohlenstoff, die 5000-mal dünner sind als ein menschliches Haar, aber eine Länge von einem Tausendstel Millimeter erreichen können. Sie zeigen bislang völlig unerwartete neue Eigenschaften und werden in Lacken, Rotorblättern oder Sportartikeln verwendet. Verein und Ärzteinitiative haben erhebliche Zweifel an der Ungefährlichkeit der Stoffe. Sie befürchten, dass Nanopartikel tief ins Gewebe eindringen und Lungen-, Herz- und Kreislauferkrankungen auslösen könnten. Dohmen verweist auch auf einen Bericht des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie Hannover, demzufolge „bestimmte Nanotubes mit speziellen Eigenschaften beim Einatmen ähnlich krebsauslösend wie Asbestfasern sein können“. Der Verein und die Initiative fordern, bis zum Beweis der Ungefährlichkeit die Nanoröhrchen als Gefahrgut einzustufen und H.C. Starck die Genehmigung zu versagen. Die Firma Bayer, zu der Starck einst gehörte, verwies auf eine in ihrem Auftrag erstellte Studie, wonach die Baytubes „im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten keine asbestanalogen Schädigungen hervorrufen“. Dohmen vermisst eine unabhängige Prüfung und befürchtet, „dass die Interessen der Bevölkerung wieder einmal hinter die Interessen der Industrie zurückgestellt werden“.

Erklärung zu dem Vorhaben der Fa. H.C.Starck zur geplanten Produktion von Nanotubes

Am Freitag, den 13.1.2012 war in der Badische Zeitung als öffentliche Bekanntmachung zu lesen, dass die Fa. H.C.Starck GmbH in Laufenburg die Genehmigung zum Betrieb einer Anlage zur Herstellung von 75t/Jahr mehrlagiger Kohlenstoffnanoröhrchen, sogenannte Baytubes®, beantragt.
Die Herstellung dieser Nanoröhrchen in der Laufenburger Firmenanlage der H.C.Starck, der sogenannten ENAG, wird allerdings schon seit über 5 Jahren betrieben:

Die Genehmigung zum Bau und Betrieb einer Versuchsanlage in der H.C. Starck, Laufenburg zur Herstellung von mehrwandigen Kohlenstoffnanoröhrchen (Baytubes®) wurde erstmals am 18.9.2006 vom Regierungspräsidium Freiburg erteilt. Das Verfahren wurde im vereinfachten (nichtöffentlich) Verfahren durchgeführt und die Genehmigung auf 3 Jahre befristet. Anfangs wurde die Herstellung der Baytubes mit einer theoretischen Kapazität von 30t/Jahr durchgeführt, später auf eine theoretische Kapazität von insgesamt 60t/Jahr erhöht. Eine Verlängerung der Produktion wurde erneut vom RP Freiburg am 28.1.2010 bis zum 22.1.2011 erteilt. Ursprünglich war am Standort Laufenburg laut RP keine Kapazitätsausweitung geplant.

Herstellungsverfahren: Die CNTs entstehen durch Abscheidung von Kohlenstoff an einem Metalloxidkatalysatorpartikel aus gasförmigem Ethen bei erhöhten Temperaturen. Der Katalysator enthält verschiedene Metalle wie Mangan, Kobalt, Aluminium und Magnesium.“(S.6) Der Prozess wird in einem Wirbelschichtreaktor durchgeführt.

Verwendung finden die Baytubes in Lacken, Rotorblättern von Windkraftanlagen sowie in Sportartikeln.

Zu begrüßen ist, dass das RP Freiburg nun erstmals unter Öffentlichkeitsbeteiligung das Produktionsvorhaben von 75 Jahrestonnen Baytubes einem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsverfahren unterzieht und damit die Möglichkeit besteht, die Antragsunterlagen einzusehen und Einwendungen zu erheben.

Nun muss der Betreiber vor einer Genehmigung darlegen:
· dass von der Anlage keine schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen,
· welche Emissionen und Immissionen in welcher Höhe zu erwarten sind, auch durch diffuse Quellen,
· insbesondere welche Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit der angrenzenden Bevölkerung damit verbunden sind,
· wie hoch die Belastung innerhalb der Anlage ist und
· welche Mengen dieses speziellen Feinstaubs bei einem Störfall austreten können.

Aus dem Genehmigungsschreiben des RP vom 18.9.2006, S.7 ist zu entnehmen, dass auch das Regierungspräsidium einige Fakten für bedenkenswert hält: „Das Werksgelände liegt in einem sensiblen Umfeld, da es südlich an den Rhein und nördlich an Wohn- und Mischgebiete angrenzt.“

Die Immissionsmessstation für Feinstaub in Waldshut besteht nicht mehr. „Heute unterhält das Land Baden-Würtemberg nur noch eine Immissionsmessstation in Weil am Rhein.“ (S8 ebenda).
Wie kann hier eine Gefährdung bei einer derart engen nachbarschaft zu Wohngebieten rechtzeitig und umfassend erkannt oder gar ausgeschlossen werden?

Eine weitere Vielzahl von bedenkenswerten Aspekten lässt aus der Sicht der Ökologischen Ärzteinitiative Hochrhein im BUND und des Vereins „Lebenswerter Hochrhein“ die Ungefährlichkeit dieses Produktionsvorhaben äußerst unglaubwürdig erscheinen:

Es bestehen erhebliche Mängel bei der Einschätzung der Gefährdungspotenz:

Keiner weiß, welche Risiken für die Gesundheit der Menschen und für die Umwelt von diesen künstlich hergestellten, niemals zuvor auf diesem Erdball dagewesenen Winzschläuchen bei Herstellung, Nutzen und Entsorgung ausgehen.
Erste Ergebnisse speziell zu Nanotubes, die insbesondere über Atemwege und Haut aufgenommen werden können, zeigen im Tierversuch eine potentielle Krebsentwicklung wie bei Asbest und eine Wachstumshemmung bei Algen.
Das Fraunhofer Institut für Toxikologie, Hannover, schreibt im News Report vom Oktober 2010, S.3: „Einige Untersuchungen weisen jedoch darauf hin, dass bestimmte Nanotubes mit speziellen Eigenschaften beim Einatmen ähnlich krebsauslösend sein könnten wie Asbestfasern.“

Auch in der Antwort des Landtag Nordrhein-Westfalen auf die Kleine Anfrage der Grünen vom 23. März 2010 zum Gefahrenpotential durch die Produktion von Nanotubes ist zu lesen: „Insgesamt ist das Gefährdungspotential von Nanopartikeln noch weitgehend unbekannt.“„Eine toxikologische Bewertung der produzierten Stoffe, und damit eine Einschätzung des Gefahrenpotentials, sind dringend erforderlich.“

Tatsache ist, wie im Genehmigungsschreiben des RP betont wird: Derzeit werden die in diesem Verfahren hergestellten Baytubes nicht als Gefahrstoff oder Gefahrgut angesehen.

Müssten diese winzigen Partikel nicht bei den bisher derart dürftigen, dafür umso beunruhigenderen wissenschaftlichen Untersuchungsergebnissen zunächst bis zum möglichen Beweis des Gegenteils als Gefahrstoff geführt werden? Hier drängt sich der Verdacht auf, dass eine noch nicht geschaffene gesetzliche Vorgabe die Produktionsfreudigkeit erheblich begünstigt - zum Nachteil von Mensch und Umwelt.....

Allgemein ist von Feinstaubpartikeln bekannt, dass sie wegen ihrer unvorstellbaren Kleinheit eine hohe biologische Mobilität haben und wegen der großen Oberfläche äußerst reaktiv sind. Sind sie kleiner als 2,5 Mikrometer (und je kleiner, desto besser )-, können sie tief in die Lunge bis in die Lungenbläschen und von dort in das umliegende Lungenbindegewebe vordringen. Sie können sogar durch alle biologischen Barrieren hindurch wandern in Blut- und Lymphbahnen, selbst durch die Blut-Hirnschranke oder Plazenta oder Zellwände und Membranen bis in sensibelste Bereiche, wo sie wegen ihrer hohen Reaktionsfreudigkeit körpereigene Moleküle schädigen bis hin zu genetischen Strukturen.

Nanopartikel sind – wie man aus der epidemiologischen Feinstaubforschung weiß - in der Lage, Lungenerkrankungen wie chronische Infekte bis hin zu Lungenentzündung und Asthma auszulösen und Herz-Kreislauferkrankungen wie Thrombosen, Herzinfarkte, Lungenembolien und Schlaganfälle hervorzurufen.

Es ist nicht das erste Mal in der Menschheitsgeschichte bezüglich der Verkennung von Giftauswirkungen – man denke an Asbest, Radioaktivität, Holzschutzmittel - dass mit der Massenproduktion einer noch nicht einschätzbaren Erfindung, im Blick auf verlockenden steigenden Absatz, erste Hinweise auf bedeutsame Gesundheitsgefahren außer Acht gelassen werden und in Kauf genommen wird, dass Arbeiter und die umliegende Bevölkerung einem ungewissen Risiko ausgesetzt werden.

Selbst von behördlicher Seite wird von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) gefordert, dass Arbeiter in der Industrie, die mit Nanotubes in ständigem Kontakt sind, besser informiert werden sollten. Denn die Sicherheitsdatenblätter sind bezüglich ihrer Aussage ungenügend und dadurch kann das Gefahrenpotential der Baytubes® von den Arbeitern vor Ort bei der Produktion nicht erkannt werden. Teilweise muss von der Fa. Bayer ganz offen zugegeben werden, dass der wissenschaftliche Erkenntnisstand vollkommen fehlt: So zu lesen beim vorliegenden Sicherheitsdatenblatt über Baytubes C 70 P, deren Korngröße nicht genannt wird, unter der Rubrik „Mögliche Gefahren“: „Achtung- noch nicht vollständig geprüfter Stoff.“ „Exposition ist zu vermeiden.“ „Toxikologische Untersuchungen am Produkt liegen nicht vor.“
Weiter unten steht unter der Rubrik: „Umweltbezogene Angaben“: „Ökotoxikologische Untersuchungen an dem Produkt liegen nicht vor. Nicht in Gewässer, Abwässer oder ins Erdreich gelangen lassen.“
Diese Aussagen stehen im krassen Widerspruch zu der Mitteilung des RP Freiburg in der Genehmigungsschrift vom 18.9.2006: „Die Anlage zur Herstellung von CNTs unterfällt der Ziffer 4.2 der Anlage zum Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG).“(S7)
Auch ist nicht nachvollziehbar, wie bei diesem zugegebenen dürftigen Wissensstand das RP Freiburg in der Verlängerungsgenehmigung vom 28.1.2010 die Angaben der Fa. Bayer kritiklos übernimmt: “Mehrjährige Untersuchungen der Toxikologie der in der Anlage hergestellten Carbon-Nanotubes...im Auftrag der Fa. Bayer haben ergeben, dass die Baytubes im Gegensatz zu einigen Konkurrenzprodukten keine asbestanalogen Schädigungen hervorrufen.“ Sind diese Untersuchungen einsehbar? Wo sind sie zitiert?
Kann hier von unabhängiger Wissenschaft gesprochen werden?

Neben den dem Gefährdungspotential der Nanotubes ist auch Cobalt nicht als harmlos einzuschätzen: Es gilt als allergieauslösend und potentiell karzinogen. Bei der Abluftverbrennung kann es unverändert aus dem Kamin in die Umgebungsluft austreten, auch kann es in wässrigem Milieu herausgelöst werden.

Zusammenfassend halten wir eine Produktionsgenehmigung in einem derart sensiblen Umfeld und angesichts einer derart dürftigen Einschätzungsgrundlage des Gefährdungspotentials der Baytubes für Mensch und Umwelt für nicht akzeptabel.

Verein: „Lebenswerter Hochrhein“
Ökologische Ärzteinitiative Hochrhein im BUND

i.V. Barbara Dohmen

[CNT] Nanotubes

CBG Redaktion

Presse Info vom 5. März 2012

Nanotubes-Produktion bei H.C. Starck in Laufenburg:

Umweltverbände reichen Einwendung ein

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat heute beim Regierungspräsidium Freiburg eine Einwendung gegen die beantragte Genehmigung einer Produktionsanlage für Carbon Nanotubes (CNT) in Laufenburg eingereicht. Nach Ansicht der CBG sind die Risiken dieser neuartigen Substanzklasse nur unzureichend erforscht, weswegen eine Großproduktion nicht genehmigungsfähig ist.

Auch der Bundesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), die Ökologische Ärzteinitiative sowie der Verein Lebenswerter Hochrhein reichten Einwendungen ein.

Das Gefährdungspotential der neuen Stoffe ist weitgehend unbekannt. Tierversuche zeigen, dass bestimmte Nanotubes die Entstehung von Krebs ähnlich wie Asbestfasern begünstigen können. DNA-Schäden sind ebenso möglich wie eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Selbst der BAYER-Konzern hält in dem Sicherheitsdatenblatt zu den in Laufenburg produzierten „BAYTUBES C 70P“ fest: „Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“ und warnt vor einem Kontakt mit dem Material, denn: „Toxikologische Untersuchungen am Produkt liegen nicht vor.“

Die Laufenburger Anlage, die von der Firma H.C. Starck im Auftrag der Bayer MaterialScience AG betrieben wird, hatte im Jahr 2006 eine befristete Genehmigung als Versuchsanlage erhalten. Die Produktion soll nun von 30 auf 75 to/Jahr ausgeweitet werden und eine dauerhafte Genehmigung erhalten. BAYER betreibt in Leverkusen ebenfalls eine Versuchsanlage, die sogar eine maximale Kapazität von 200 Jahrestonnen besitzt. Da diese nicht wie geplant funktioniert, soll nun auf die Anlage in Laufenburg ausgewichen werden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren führt seit zwei Jahren eine Kampagne zu Carbon Nanotubes. Gemeinsam mit dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW und dem Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hatte die Coordination bereits vor zwei Jahren eine umfassende Risikoprüfung, die vor einer Genehmigung stehen müsse, gefordert. Bei der Formulierung der heutigen Einwendung kooperierte die CBG mit der Umweltärztin Dr. Barbara Dohmen.

Sämtliche Infos zur Kampagne

Im folgenden dokumentieren wir die heutige Einwendung an den RP Freiburg:

Einwendung gegen den Genehmigungsantrag der Fa. H.C. Starck (Laufenburg) zum Betrieb einer Anlage zur Herstellung von 75 t/Jahr Nanotubes

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit erheben wir eine Einwendung gegen die Genehmigung des o.g. Antrags der Firma H.C. Starck.

Ein zu Carbon Nanotubes (CNT) vergleichbares Material kommt in der Natur nicht vor. Der derzeitige Wissensstand zum Gefahrenpotential von CNT ist gering. Dies ist angesichts einer geplanten Großproduktion nicht zu akzeptieren.
Die wenigen toxikologischen Untersuchungen, die zu CNT vorliegen, zeigen zum Teil beunruhigende Eigenschaften: hohe biologische Mobilität; Durchdringung biologischer Barrieren wie die Blut-Hirn-Schranke; hohe Aggressivität und Hervorrufung von oxydativem Stress; Gefahr von Entzündungen, Zellschädigungen, Allergien, Thrombosen, Krebs, etc.

Aufgrund der Biopersistenz, Bioakkumulation und Wasserunlöslichkeit verbunden mit der o.g. Toxizität erfüllen CNT die Kriterien der REACH-Verordnung für sogenannte PBT-Stoffe (persistente, bioakkumulierbare und toxische Stoffe). Umso unverständlicher ist es, dass laut Regierungspräsidium Freiburg „keine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgesehen ist“ und die bestehende CNT-Versuchsanlage nicht der Störfallverordnung unterliegt, obwohl in der Genehmigung von 2006, S.5 von einer „Tätigkeit mit Gefahrstoffen“ gesprochen wird.

Die in den Antragsunterlagen angeführten Daten reichen nicht aus, um in einem derart sensiblen Gebiet den notwendigen Schutz im Normalbetrieb und für mögliche Störfälle zu gewährleisten:

1. weder für die Anwohner und die in unmittelbarer Nähe des Firmengeländes befindlichen zwei Schulen und zwei Kindergärten; außerdem plant die Stadt Laufenburg momentan in enger Nachbarschaft zur Firma H.C.Starck ein neues Wohngebiet;
2. noch für die Arbeitnehmer, welche die Baytubes-Herstellung und -Abfüllung bewerkstelligen und deren Gefährdung größenordnungsmäßig nicht abschätzbar ist;
3. noch für die Umwelt, insbesondere für den in unmittelbarer Nähe gelegenen Rhein und für den Obst- und Gemüseanbau in der näheren Umgebung.

Im Folgenden werden die Mängel im Einzelnen aufgeführt.

Es fehlt eine Begründung, warum die Gebote der Gefahrstoffverordnung, unter denen Baytubes als Gefahrstoff angesehen werden müssen, nicht berücksichtigt wurden.
Zudem steht die fehlende Einstufung der Carbon Nanotubes (CNT) als nanoskalige Stäube mit gesundheitsschädlicher Wirkung im Widerspruch zu
=> den neueren Forderungen des Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA, Roller, Nano-GBS),
=> des Instituts für Arbeitsschutz der dt. gesetzl. Unfallversicherung (IFA)(siehe Shvedova et al.) sowie
=> der Nanokommission der Bundesregierung (NanoDialog 2006-2008, Prinzip 4).

Es fehlen bezüglich der beantragten CNT-Produktion:
=> die genaue Charakterisierung der hergestellten Baytubes einschließlich der durchschnittlichen Länge und des Durchmessers sowie Daten zur Größenverteilung, sowohl für C150 P als auch für C 70 P gemäß der Vorgaben der Innovationsallianz CNT: „Eine individuelle Betrachtung jedes einzelnen CNT-Strukturmodells ist erforderlich, um eine solide wissenschaftliche Bewertung zu gewährleisten“.
=> nachvollziehbare Untersuchungsdaten für die Behauptung der Fa. H.C.Starck, dass bei den hergestellten beiden Baytubes-Sorten C150 P und C 70 P durch mechanische Einwirkungen keine asbestähnlichen Bruchstücke entstehen;
=> Untersuchungsdaten für die Behauptung, es handele sich ausschließlich um mehrwandige CNT.

Es fehlen bezüglich des Schutzes von Mensch und Umwelt:
=> die Ableitung der Grenzwerte von 0,05mg/m³ in beiden Sicherheitsdatenblättern (mit Quellenangaben), sowohl für C150 P als auch für C 70 P;
=> eine genaue Beschreibung, wie und mit welcher Häufigkeit der Reaktor gewartet werden muss;
=> Expositionsmesswerte zur Partikelanzahl von CNT in der Raumluft im Reaktorraum
a) während des Produktionsbetriebs
b) während der Wartung
=> genaue Angaben über beide Filtertypen und ihr Rückhaltevermögen;
=> Filterstaubuntersuchungen mit genauen Angaben zur Partikelanzahl und mit genauer Spezifizierung der Partikelgrößen;
=> Emissionsmesswerte in der Filterabluft;
=> Emissionsmesswerte bei Filterwechsel;
=> Angaben
1. über Anzahl und Standort von Messplätzen und Probenahmenstellen,
2. über die geeignete Messmethode sowie Art und Häufigkeit der Messungen der Emissionskonzentration in der Kaminabluft bzgl. des festgelegten Emissionsgrenzwerts von 0,1 mg/m³ für alle luftverunreinigenden Stoffe bei ungestörtem Dauerbetrieb mit höchster Emission
=> die Festlegung nach TA Luft 3.2.3 für kontinuierliche Messungen, da
1. im Probebetrieb eine Überschreitung der Emissionsbegrenzung von 0,01 mg/m³ stattfand und daher anschließend vom RP Freiburg eine Verzehnfachung des Grenzwertes für den 2. Genehmigungsabschnitt des Probebetriebs genehmigt wurde;
2. Belege fehlen für die Abgasreinigung, wonach die neu genehmigten Emissionswerte eingehalten wurden.
=> ein angemessenes Schutzkonzept bzgl. des Kontakts mit CNT-Partikeln für die dort tätigen Arbeiter (z.B. steht in den Sicherheitsdatenblättern Empfehlung von P2-Masken, die jedoch bei nanopartikelhaltiger Raumluft vollkommen ungenügend schützen), da im Product-Stewardship Baytubes® -Programm der Fa. Bayer (2010-04-06) auf S. 1 angeführt wird: „Eine inhalatorische Exposition im Arbeitsumfeld könnte bei der Herstellung oder Handhabung von Baytubes® auftreten“.
=> genaue Angaben über den Standort der Ethen- und H2-Tanks und wie deren Sicherheit vor Explosionen und anderen Havarien gewährleistet wird;
=> genaue Angaben über Löschwasserauffangbecken bei Bränden;
=> Sicherheitsangaben für die Entsorgung der Abfälle (Filter, Staubsaugerbeutel);
=> Immissionsmessstationen in der näheren Umgebung, die Nanopartikel in Anzahlkonzentration messen;
=> welche Mengen von CNTs im worst case austreten können;
=> die Begründung, warum CNTs nicht unter die Störfallverordnung fallen;
=> die Begründung, warum CNTs nicht unter die Gefahrstoffverordnung fallen.

Es fehlen bezüglich der Toxikologie:
=> Originaldaten zu den angeblich „zahlreichen Untersuchungen“ mittels Akutstudien und Langzeitstudien zur oralen und dermalen Toxizität und Feto- und Gentoxizität von Baytubes C 150 P und C 70 P
sowie insbesondere zu der Behauptung, dass keine asbestanalogen Schädigungen durch Baytubes hervorgerufen werden können.
=> Originaldaten zu Inhalationsstudien mit Baytubes C 150 P und C 70 P in Bezug auf die Toxizität der Atemwege, da im o.a. Product-Stewardship Programm auf S.1 angeführt wird: „Das wiederholte Einatmen von Baytubes® liefert keinen Hinweis auf eine Toxizität außerhalb der Atemwege.“
=> epidemiologische Daten, die den derzeit festgelegten Grenzwert von 0,05 mg/ m³ für den Arbeitsplatz für Baytubes® in beiden Sicherheitsdatenblättern rechtfertigen,
=> Originalstudien zur Ökotoxizität von Baytubes C 150 P und insbesondere zu C 70 P.

Fazit:
Wir halten eine Genehmigung auf Basis der vorliegenden dürftigen Datenlage sowohl in Hinsicht auf die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt im Normalbetrieb sowie bezüglich einer sicheren Gefahrenabwehr von Störfällen für unverantwortbar und beantragen eine Aussetzung der Genehmigung, bis eine wissenschaftlich fundierte Risiko-Einschätzung von firmenunabhängiger Seite vorliegt.

[Duogynon] Duogynon / Primodos

CBG Redaktion

der Prozess wurde auf dem 5. Juli verschoben

Presse Information vom 7. März 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Duogynon-Klage: Prozessbeginn am 1. Juni

BAYER-Konzern lehnt Vergleichsgespräch ab / Verhandlung am Landgericht Berlin

Am Landgericht Berlin beginnt am 1. Juni der Prozess von Duogynon-Geschädigten gegen die Bayer Schering AG. Stellvertretend für Hunderte von Betroffenen hatte der Lehrer Andre Sommer im November eine Haftungsklage gegen das Unternehmen eingereicht. Ein vom Gericht vorgeschlagenes Mediations-Verfahren, zu dem sich die Geschädigten bereit erklärt hatten, lehnte der Konzern wegen angeblicher Verjährung ab. Deshalb kommt es nun zur Verhandlung.

Andre Sommer: „Bayer lehnt weiterhin alle Gespräche ab. Das Verhalten des Unternehmens ist für uns sehr enttäuschend. Die mutmaßlichen Duogynon-Geschädigten wollen endlich eine Aufklärung des Falles!“. Sommer fordert hierfür eine Einsichtnahme in alle firmeninternen Studien zu Duogynon.

Der Einsatz des hormonalen Schwangerschaftstests Duogynon führte in den 60er und 70er Jahren zu Tausenden von Missbildungen. Neu aufgetauchte Dokumente belegen, dass Schering die Risiken frühzeitig bekannt waren. Bis heute steht eine Entschädigung der Betroffenen aus.

Jörg Heynemann, Rechtsanwalt von Sommer, ergänzt: „Bayer bestreitet und bunkert. Alles wie gehabt. Auf der einen Seite wird stereotyp wiederholt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Einnahme hormoneller Schwangerschaftstests und den schweren Schädigungen gebe. Dabei beruft sich Bayer Schering auf interne Erkenntnisse und Gutachten, legt diese aber nach wie vor nicht offen. Bayer verschweigt dabei, dass es in England bereits Ende der 60er Jahre firmeninterne Erkenntnisse gab, die diesen Zusammenhang eindeutig verifizieren! Das Verhaltensmuster von Bayer erinnert an Contergan: auf der einen Seite wird alles blind und wider besseren Wissens bestritten, und auf der anderen Seite werden die Opfer verunglimpft. Hat Bayer/Schering aus der Contergan-Affäre nichts gelernt?“.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die die Kampagne initiiert hat: „Das Ermittlungsverfahren im Jahr 1980 wurde mit der ungeheuerlichen Begründung eingestellt, die Schädigung eines Fötus stelle keinen Straftatbestand dar, da „ein Angriff gegen die Gesundheit eines Menschen im Rechtssinn“ nicht vorliege. Die Geschädigten muss nun endlich Gerechtigkeit erfahren. Schering selbst hat in den siebziger Jahren auf jeder Packung einen Warnhinweis anbringen lassen, laut dem Duogynon wegen der Gefahr von Fehlbildungen nicht in der Schwangerschaft eingenommen werden darf.“ Auf Einladung der CBG hatten mehrere Betroffene in der BAYER-Hauptversammlung vor Tausenden von Aktionären gesprochen. Auch in der kommenden Hauptversammlung am 27. April werden Geschädigte protestieren.

Gerichtstermin: 1. Juni, 11 Uhr, Landgericht Berlin, Tegeler Weg 17-21

weitere Informationen:
=> alle Materialien zur Kampagne
=> die Seite der Betroffenen: http://www.duogynonopfer.de

[BAYER HV 2012] Hauptversammlung 2012

CBG Redaktion

20 Betroffene und Initiativen haben in der BAYER-Hauptversammlung am 27. April zu den Kehrseiten der BAYER-Geschäftspolitik gesprochen (Fotos und ein Film-Clip)

Medienecho
=> Frankfurter Rundschau: 30 Jahre Kritische BAYER-Aktionäre
=> Tagesspiegel: Duogynon - Wahrheit verjährt nicht
=> ND: Bienentod und Pillenklage
=> RP: Tote durch Bayer-Tests
=> Tagesspiegel: Kritik an Antibaby-Pillen von BAYER
=> Süddeutsche: Nina Hagen unterstützt Aktionen zur BAYER HV
=> Kritische Redebeiträge (Zusammenfassung und ein Aktionsbericht
=> weiterer Bericht von der BAYER Hauptversammlung

Presse Informationen
=> 30 Jahre Kritische Aktionäre / Glückwunsch von Nina Hagen
=> BAYER: Tödliche Pharma-Studien in Indien
=> BUND kritisiert Risiken von Nanotubes
=> Statement von Ärzte ohne Grenzen zu Patentstreit in Indien
=> noch Mitstreiter gesucht!
=> Xarelto: unklares Risiko-Profil
=> „Werbe-Ausgaben von BAYER werden verschleiert“
=> Protest gegen CO-Pipeline auf Aktionärsversammlung

Gegenanträge
=> GenReis, Tier-Antibiotika, gefährliche Antibaby-Pillen: CBG reicht Gegenanträge ein
=> Gegenantrag zu verschleierten Marketing-Ausgaben sowie zu Risiken von Xarelto
=> Gegenantrag zu tödlichen Medikamenten-Studien in Indien
=> Gegenantrag Bienensterben durch Pestizide
=> Tierschutz-Organisation PETA reicht Gegenantrag ein

[gallery]

Kartellbildung

CBG Redaktion

Presse Information vom 20. März 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Rumänien: 12 Millionen Euro Strafe gegen BAYER und andere Pharma-Unternehmen

Die rumänische Wettbewerbs-Behörde hat eine Strafe in Höhe von 12 Millionen Euro gegen die Pharmafirmen BAYER und Sintofarm sowie gegen eine Reihe von Zwischenhändlern verhängt. Ermittlungen hätten ergeben, dass die Unternehmen Vereinbarungen über den Export von Präparaten von BAYER sowie des Generikaherstellers Sintofarm getroffen hatten. Der Anteil von BAYER liegt bei 1,6 Millionen Euro.

Nach Aussage von Bogdan Chiritoiu, dem Leiter des rumänischen Kartellamts, stellten die Absprachen der Unternehmen eine "schwere Verletzung des Wettbewerbs-Rechts“ dar. Ziel der Unternehmen sei es gewesen, den rumänischen Markt abzuschotten und den Außenhandel zu behindern, insbesondere mit EU-Staaten. Die Ermittlungen hatten bereits im Jahr 2009 begonnen, damals wurden auch die Geschäftsräume von BAYER und Sintofarm durchsucht.

Der BAYER-Konzern beteiligt sich regelmäßig an illegalen Absprachen mit der Konkurrenz. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte daher vor einigen Jahren Strafanzeige gegen den BAYER-Vorstand gestellt. Der Verein wirft den verantwortlichen Managern vor, die Beteiligung an illegalen Kartellen zu dulden oder anzuordnen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren veröffentlichte zudem unter eine Liste aller bekannt gewordenen Kartelle mit Beteiligung von BAYER. Die notwendigerweise unvollständige Aufstellung ist nach Bekanntwerdung der Fälle sortiert, sie enthält die Strafzahlung sowie die Laufzeit der jeweiligen Absprachen.

weitere Informationen:
=> Pharma companies in Romania fined EUR 12 mln for export stop agreement
=> Kampagne der Coordination gegen BAYER-Gefahren
=> Rumänische Wettbewerbsbehörde durchsucht Pharmafirmen

Clothianidin

CBG Redaktion

Presse Information vom 23. März 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Kritik an „Notfall-Zulassung“ für Bienenkiller Clothianidin

Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April eingereicht / Proteste von Imkern / 1,2 Mio Unterschriften gesammelt

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat eine befristete Zulassung des Bienenkillers Clothianidin (Produktname: Santana) erteilt. Clothianidin war für die verheerenden Bienensterben im Jahr 2008 verantwortlich. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert ein vollständiges Verbot des Wirkstoffs sowie des Vorgänger-Produkts Imidacloprid.

Bereits in den vergangenen beiden Jahren war eine temporäre „Notfall-Zulassung“ für Santana erteilt worden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert die Entscheidung des BVL, die eine Bedrohung für den Bestand von Bienen und Wildinsekten darstellt: „Der Einsatz von Clothianidin im Mais-Anbau ist mit gutem Grund verboten worden. Es kann nicht sein, dass diese Sicherheits-Maßnahme mit alljährlich erneuerten Notfallzulassungen unterlaufen wird. Die ständige Ausweitung des Mais-Anbaus ist nicht akzeptabel, wenn diese nur mit der Ausbringung gefährlicher Agro-Chemikalien möglich ist“, so Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG.

Weder auf der website des BVL noch auf der homepage des Clothianidin-Herstellers BAYER finden sich Sicherheits-Datenblätter oder andere Produkt-Informationen zu Santana. Die genaue Zusammensetzung sowie die Auflagen für die Anwendung sind der Öffentlichkeit somit nicht bekannt. Auch ist unklar, auf wie viel Hektar Santana insgesamt eingesetzt werden darf.

Wegen der anhaltenden Vermarktung von Clothianidin hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April in Köln eingereicht. Nach Auffassung der CBG gefährdet das BAYER-Management durch den fortgesetzten Verkauf hochgefährlicher Pestizide wissentlich den Bestand von Bienen, Wildinsekten und Vögeln. Mehrere große Studien hatten in den vergangenen Monaten die Risiken der Wirkstoffe bestätigt. Im vergangenen Jahr war eine Untersuchung der UN-Umweltbehörde zu dem Schluss gekommen, dass bestäubende Insekten, z.B. Bienen, durch Clothianidin und Imidacloprid chronisch vergiftet werden können. Umweltschützer hatten 1,2 Millionen Unterschriften für ein sofortiges Verbot der Wirkstoffe gesammelt.

Über den Gegenantrag der CBG, der auch auf der website von BAYER veröffentlicht wird, muss in der Versammlung offiziell abgestimmt werden. Zu der Protestaktion vor den Kölner Messehallen werden Imker aus ganz Deutschland sowie aus Österreich erwartet.

=> Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung eingereicht
=> alle Informationen zur Kampagne

Hier noch eine Stellungnahme des Pestizid Aktions-Netzwerks:

Erneut befristete Zulassung verbotener Pestizide

(PAN), 22. März 2012 -- Für konventionelle Maisbauern mag es eine gute Nachricht sein, für Imker, Natur- und Umweltschützer ist es eine schlechte: Wie auch schon 2010 und 2011, hat das für Ausnahmegenehmigungen für Pestizide zuständige Bundesinstitut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) auch in diesem Jahr das Insektizid Santana wieder befristet zugelassen.

Die befristete Zulassung zur Drahtwurmbekämpfung im Mais erfolgte als „Zulassung für Notfallsituationen“. Diese EU-weite Regelung erlaubt eine auf 120 Tage begrenzte Zulassung von Pestizidprodukten, die längst verboten sind oder die für bestimmte Kulturpflanzen eigentlich nicht zugelassen sind, für den Fall, dass eine „Gefahr anders nicht abzuwehren ist“. Rechtsgrundlage hierfür ist seit Juni 2011 Artikel 53 der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009. Santana wurde jetzt zum dritten Mal in Folge über die Notfallregelung zugelassen. „Unter dem Deckmantel der Notfallsituation werden Jahr für Jahr Ausnahmen für verbotene Pestizide genehmigt. Hier wird den ökonomischen Interessen Einzelner Vorrang vor Umwelt- und Naturschutz eingeräumt und das zu einem volkswirtschaftlich fragwürdigen Preis“ so Carina Weber, Geschäftsführerin von PAN Germany.

PAN kritisiert seit längerem diese Praxis. Eine 2011 europaweit durchgeführte Auswertung der Genehmigungen in Notfallsituationen zeigt, dass entgegen der Absicht, hier Ausnahmen zu regeln, die Genehmigungen für Notfallsituationen in den letzten 4 Jahren von 59 auf 310 gestiegen sind und somit zu einem „Regelzustand“ wurden.

PAN-Agrarexpertin Susan Haffmans: „Für die Imker ist es nur ein schwacher Trost zu wissen, dass Santana nur begrenzt und unter Auflagen ausgebracht werden darf. Sie müssen sich im Zweifelsfall entscheiden, ob sie mit ihren Bienenkästen fliehen oder bleiben und hoffen, dass es zu keiner akuten oder chronischen Vergiftung ihrer Völker kommt“.

Das Mittel „Santana“ ist ein Mikrogranulat mit dem sehr bienengiftigen Wirkstoff Clothianidin. 2008 war er für das Massensterben von 11.500 Honigbienenvölkern und einer unbekannten Anzahl von Wildbienen in Deutschland verantwortlich. Damals wurden die Bienen durch die Stäube beim Aussäen des behandelten Saatguts kontaminiert. Längst ist bekannt, dass die wasserlöslichen, systemischen und hoch bienengiftigen Neonicotinoide, zu denen Clothianidin zählt, nicht am Ort ihrer Ausbringung verweilen, sondern sich überall in der Pflanze verteilen. Auf diese Weise können Honig- und Wildbienen auch über belasteten Nektar und Pollen mit dem Wirkstoff in Kontakt kommen. Auch die Kontamination über das sogenannte Guttationswasser wird zunehmend als Problem erkannt. Hierbei handelt es sich um kleine Tropfen, die von Pflanzen bei bestimmten Temperaturen ausgeschieden werden, die erhebliche Pestizidkonzentrationen aufweisen können und von den Bienen zur Deckung ihres Flüssigkeitsbedarfs aufgenommen werden.

Für Nachfragen:
Susan Haffmans (PAN), susan.haffmans@pan-germany.org, Tel. 040-3991910-25

Marketing

CBG Redaktion

Presse Information vom 28. März 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER AG verschleiert Marketing-Ausgaben

Fast neun Milliarden Euro gab der BAYER-Konzern im vergangenen Geschäftsjahr für Werbung und Vertrieb aus. Hierunter fällt der gesamte Graubereich des Pharma-Marketings: Medikamentenproben, Ärzte-Fortbildungen, Pharmareferenten, Lobbyverbände, etc. Für die Forschung hingegen wurden nur 2,9 Mrd Euro aufgewendet.

Im Jahr 2011 gab die BAYER AG 8,96 Milliarden Euro für Vertrieb und Marketing aus. Obwohl die Summe ein Viertel des Umsatzes von BAYER verschlingt, verweigert der Konzern eine detaillierte Aufschlüsselung. Ganze acht Zeilen (!) des 265-seitigen Geschäftsberichts (siehe S. 198) widmen sich diesem Ausgabeposten.

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Den Aktionären und der Öffentlichkeit werden essentielle Informationen über die Marketing-Ausgaben von BAYER vorenthalten. Damit bleibt auch der Einfluss des Konzerns auf Ärzte, Politiker und Fach-Verbände intransparent“. Mimkes hatte in der letztjährigen Hauptversammlung eine detaillierte Aufstellung der Werbe- und Lobby-Ausgaben verlangt. BAYER-Chef Marijn Dekkers hatte mit dem Hinweis auf angebliche „Betriebsgeheimnisse“ eine Antwort verweigert.

In dem Milliardenbetrag verbergen sich all die Aufwendungen zur Beeinflussung der Öffentlichkeit:

=> Werbung in Zeitungen und Zeitschriften, TV und elektronischen Medien;
=> Medikamentenproben für Ärzte und Krankenhäuser,
=> Ausgaben für Lobby-Verbände,
=> Kosten für Pharmareferenten (die Vertriebskosten, in denen die Ausgaben für Pharma-Drücker verbucht werden, machen allein über vier Milliarden Euro aus);
=> Anwendungs-Studien, deren Ergebnisse meist in der Schublade verschwinden;
=> Zuwendungen an medizinische Fachgesellschaften und Selbsthilfegruppen;
=> Finanzierung von Fortbildungen und Ärzte-Kongressen.

Für die Forschung hingegen hat BAYER im abgelaufenen Geschäftsjahr nur 2,9 Mrd. Euro aufgewendet. Sogar eigene Entwicklungsabteilungen hat BAYER geschlossen. Dies widerspricht der Aussage zum Dienstantritt von Marijn Dekkers, wonach die „Innovationskraft gestärkt“ werden solle.

„Einmal mehr zeigt sich, dass die hohen Medikamentenpreise nicht durch Entwicklungskosten, sondern durch das exorbitante Marketing verursacht werden“, so Mimkes weiter. Jan Pehrke vom CBG-Vorstand ergänzt: „Die hohen Marketingkosten zeigen überdies, dass die Medikamente oftmals keinen wirklichen Zusatznutzen bringen, der zu einem natürlichen Bedarf führen würde. Sie treffen vielmehr auf eine Vielzahl ähnlicher Produkte und müssen sich gegen diese mittels eines hohen Werbeaufwands durchsetzen.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat einen Gegenantrag zur Hauptversammlung des Konzerns eingereicht und wird das Thema in der Versammlung am 27. April diskutieren. Der Gegenantrag findet sich im Volltext auf der website von BAYER.

Als neuen Tummelplatz für Marketing-Aktivitäten hat BAYER insbesondere das Internet entdeckt. Da Werbung für verschreibungspflichtige Arzneien verboten ist, werden die websites als „Informationsangebot“ getarnt. Seiten wie www.pille.com haben jedoch trotz aller Ratgeber-Anmutung nur den einen Zweck: den Absatz der Präparate aus dem Hause BAYER zu erhöhen. Eine sich ähnlich tarnende Website von BAYER ist www.testosteron.de. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Testosteronmangel als angebliche Männerkrankheit zu etablieren und die entsprechenden Pillen an den Mann zu bringen. Dabei ist weder belegt, ob Hormon-Gaben gegen Alters-Beschwerden helfen, noch sind die Langzeit-Risiken einer Testosteron-Behandlung geklärt.

Mit massivem Lobby-Einsatz versucht BAYER zudem, das EU-weite Werbeverbot für verschreibungspflichtige Präparate zu kippen. Die Folge wäre noch mehr Marketing unter dem Siegel der „Patienten-Information“.

[Bienensterben] neues Buch „Das Ende der Artenvielfalt“ von Dr. Henk Tennekes

CBG Redaktion

Vogel- und Bienensterben durch Pestizide verursacht

22. Dezember -- In seinem neuen Buch „Das Ende der Artenvielfalt“ belegt der holländische Toxikologe Dr. Henk Tennekes den Zusammenhang zwischen dem großräumigen Einsatz von Pestiziden und dem Rückgang zahlreicher europäischer Vogel- und Insektenarten. Die Agrochemikalien vergiften Käfer, Bienen, Fliegen, Schmetterlingen und Motten. Hierdurch wird der Bestand vieler Vogelarten gefährdet, da mit den Insekten eine Hauptnahrungsquelle wegfällt.

Hauptverantwortlich für diese Entwicklung sind Ackergifte aus der Gruppe der Neonikontinoide. Weltmarktführer für Produkte dieser Substanzklasse ist die Monheimer Firma BAYER CropScience. Der Wirkstoff Imidacloprid gilt als meistverkauftes Pestizid weltweit, die BAYER AG erlöste damit allein im vergangenen Jahr 600 Millionen Euro. Das ebenfalls von BAYER produzierte Clothianidin hatte vor zwei Jahren das großflächige Bienensterben in Süddeutschland verursacht.

Dr. Tennekes fordert ein unverzügliches Verbot der Mittel: „Das Risiko von Pestiziden wie Imidacloprid und Thiacloprid wird enorm unterschätzt. Die Firma BAYER ist verantwortlich für eine drohende Umweltkatastrophe. Ein Verbot neonikotinoider Insektizide ist aus meiner Sicht dringend erforderlich, um weitere Bienen- und Vogelsterben abzuwenden“.

Philipp Mimkes vom Umweltverband Coordination gegen BAYER-Gefahren, der seit langem mit Dr. Tennekes kooperiert, ergänzt: „Wir freuen uns, dass dieses wichtige Buch nun auch auf deutsch vorliegt. Schon seit den 90er Jahren ist bekannt, dass Neonikotinoide für den weltweiten Rückgang von Bienenpopulationen mitverantwortlich sind. Doch trotz der Verbote in Frankreich, Deutschland und Italien exportiert BAYER die Wirkstoffe in mehr als 100 Länder. Wegen der riesigen Umsätze wird der Konzern von sich aus keinen Verkaufs-Stopp vornehmen – hier helfen nur rigorose Verbote!“.

Das vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) herausgegebene Buch wird mit ganzseitigen Bildern des Künstlers Ami-Bernard Zillweger illustriert. Prof. Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, schreibt in seinem Vorwort: „Der BUND verfolgt das Ziel, dass alle für Mensch und Umwelt gefährlichen Neonikotinoide alsbald vom Markt genommen werden. In diesem Sinne wünsche ich, dass dieses Buch viele wichtige Argumente im Kampf gegen gefährliche Pestizide liefern kann.“

Rezension von Susan Haffmans (Pestizid Aktions-Netzwerk) aus der Zeitschrift Kritische Ökologie

Bestellung: https://www.bundladen.de/shop/tierschutz/buecher/zurueck/buecher-4/produkt/das-ende-der-artenvielfalt/

ausführliche Informationen zu Bienensterben

Rückfragen und Rezensionsexemplare: Dr. Henk Tennekes: info(at)toxicology.nl, Tel. +31 575 545500

weitere Infos zur Veröffentlichung:
In seinem neuen Buch „Das Ende der Artenvielfalt“ klagt der holländische Toxikologe Dr. Henk Tennekes Neonikotinoide als Bedrohung der Umwelt an. Er belegt, dass die systemischen neonicotinoiden Pestizid-Wirkstoffe aufgrund ihrer Wirkungsweise schon im Niedrigdosisbereich tödliche Folgen für eine Vielzahl von Insekten, Schnecken und Spinnen haben können und stellt den dramatischen Artenrückgang von Vögeln in Zusammenhang mit der steigenden Anwendung dieser Wirkstoffe in der Landwirtschaft. Er belegt, dass die Expositionsdauer einen wesentlichen Einfluss darauf hat, wie hoch eine Dosis sein muss, um einen schädigenden Effekt auf den Testorganismus auszuüben. Setzt man beispielsweise Honigbienen über einen längeren Zeitraum einer niedrigen Konzentration von Imidacloprid aus, so kommt es zu letalen Effekten obgleich die Gesamtbelastung 60-6000mal unterhalb der Dosis liegt, die den gleichen Effekt in Testverfahren zur Ermittlung der akuten Toxizität hat.

Das Risiko von Pestiziden wie Imidacloprid und Thiacloprid wird demnach erheblich unterschätzt. Dies gilt besonders für Wasserlebewesen, Bodenorganismen und Bienen. Die bislang gültigen Grenzwerte wurden weitgehend aus Kurzzeit-Tests abgeleitet. Würde man Langzeit-Versuche durchführen, könnten schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen verheerende Schäden auftreten. Tennekes kommt in seiner Studie zu dem Schluss, dass die Belastung mit niedrigen Neonicotinoid-Dosen einen negativen Einfluss auf das Sammelverhalten und das Lernvermögen von Honigbienen haben können und somit in Folge subletale Imidacloprid-Konzentrationen sich schädigend auf die Bienenkolonie auswirken und dadurch den Zusammenbruch einer Kolonie verursachen können

Hinzu kommt die gute Wasserlöslichkeit und Mobilität der Neonicotinoide im Boden. Dieses Umweltverhalten der Neonikotinoide nennt Tennekes „den zweiten katastrophalen Nachteil“. Über das Wasser werden sie in der Umwelt verteilt und zu einer Gefahr für unzählige Nicht-Zielorganismen. Hinzu kommt ihre relative Langlebigkeit in Wasser und Boden. Bei Imidacloprid beispielsweise findet in Gewässern mit neutralem pH-Wert fast kein Abbau statt. Imidacloprid wurde als einer der Haupt-Rückstände in niederländischen Oberflächengewässern nachgewiesen, vor allem in den westlichen Landesteilen. Die höchsten Rückstände wurden 2005 in Noordwijkerhout gemessen, einer Gemeinde an der Nordküste der Niederlande, die bekannt ist für ihre Blumenproduktion. Hier lagen die Imidaclopridwerte 4700-fach über dem erlaubten Wert von 67 Nanogramm/Liter.

Tennekes´ neue Studie „Toxicity of Neonicotinoids: a new Approach to Risk Assessment“ erschien am 7. Dezember in der Zeitschrift Journal of Environmental & Analytical Toxicology

[Yasmin] Antibabypillen

CBG Redaktion

20. Dezember 2011

BfArM warnt vor Antibaby-Pillen mit erhöhtem Risiko

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt in seinem heute veröffentlichten, vierteljährlich erscheinenden „Bulletin zur Arzneimittelsicherheit“ vor den Risiken Drospirenon-haltiger Antibabypillen.

Wörtlich heißt es u.a.:
„Im Frühjahr 2011 wurden zwei epidemiologische Studien veröffentlicht, die für Drospirenon-haltige KOK (kombinierten oralen Kontrazeptiva) ein im Vergleich zu Levonorgestrel-haltigen KOK höheres Risiko ermittelten.“
„Die Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe (PhVWP) der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) kam zu dem Schluss, dass die Anwendung Drospirenon-haltiger KOK mit einem höheren VTE-Risiko verbunden sei als die Anwendung Levonorgestrel-haltiger KOK.“

Das BfArM kommt zu folgendem Fazit: „Aus unserer Sicht sollte auch in Deutschland das Thrombose-Risiko der KOK zunehmend beachtet und bei der Entscheidung für das geeignete Präparat insbesondere bei der Erstanwendung und bei jungen Patientinnen einbezogen werden.“

Nach Aussage des BfArM empfehlen mehrere Länder, darunter England, Holland und Dänemark, die Einnahme von Antibaby-Pillen mit erniedrigtem Thrombose-Risiko. Dies gilt insbesondere für Erstanwenderinnen, bei denen die Gefahr besonders hoch ist.

Der Artikel findet sich im Volltext unter: http://www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Bulletin/2011/4-2011.pdf?__blob=publicationFile&v=4

[Rettungskampagne] KonzernKritik in Gefahr

CBG Redaktion

Rettungskampagne geht weiter

Coordination braucht 400 neue Mitglieder

Die Existenz der Coordination gegen BAYER-Gefahren steht weiter auf dem Spiel. Sozialabbau und Wirtschaftskrise haben die Spenden in den letzten Jahren stark sinken lassen, bei steigenden Kosten. Zugleich erhalten wir keinerlei Förderung aus staatlichen oder kirchlichen Quellen - der Preis konsequent konzernkritischer Ausrichtung. Doch ein weltweit aktives Netzwerk kommt ohne Geld nicht aus, auch nicht bei weitgehend ehrenamtlicher Arbeit.

Seit Anfang des Jahres sind 213 neue Mitglieder zu uns gestoßen. Zudem stärken 23 neue Garanten mit Jahresbeiträgen ab 500 Euro unsere Finanzbasis. Und 150 Spender/innen haben größere oder kleinere Beträge überwiesen. DANKE, ganz herzlichen Dank!

Doch es reicht leider noch nicht. Bitte werden Sie Fördermitglied oder vielleicht sogar Garant/in. Oder spenden Sie unter dem Stichwort „KonzernKritik retten“. Damit wir auch weiterhin die Schattenseiten der BAYER-Profite aufdecken können!

Wenn Sie also meinen, dass bei der CBG das Licht nicht ausgehen darf, dass KonzernKritik weitergehen muss, und wenn Sie noch Möglichkeiten haben, dann unterstützen Sie uns bitte.
=> werden Sie Fördermitglied (mtl. ab fünf Euro)
=> leisten Sie eine einmalige Spende
=> gewähren Sie uns ein zinsloses Darlehen oder zeichnen Sie eine 100-prozentig gesicherte Spareinlage bei ProSolidar (Infos unter info@cbgnetwork.org)

Aktuelle Kampagnen der Coordination widmen sich risikoreichen Antibaby-Pillen, Auskreuzungen von gentechnischem Saatgut, tödlichen Pharma-Tests in Ländern der „Dritten Welt“ sowie Vergiftungen durch Pestizide. Ausführliche Infos finden Sie unter www.CBGnetwork.org.

Wir wissen, dass es vielen Menschen in Zeiten sinkender Realeinkommen nicht möglich ist, finanzielle Unterstützung zu leisten. Gehören Sie dazu, dann ignorieren Sie unsere Bitte um Geld und prüfen Sie, ob Sie uns anders unterstützen können. Wir können jede Hilfe brauchen: Übersetzungsarbeiten, Teilnahme an Aktionen, Unterstützung bei Büroarbeiten, fachliche Expertise, uvm.

Wir bedanken uns für Ihre Hilfe und wünschen eine angenehme Weihnachtszeit!

Axel Köhler-Schnura, Gründungsmitglied CBG
Philipp Mimkes, Geschäftsführer

PRESSESTIMMEN

Erhebt sich irgendwo auf der Welt Widerstand gegen eine neue Bayer-Fabrik, greifen die Mitarbeiter der Coordination in ihr Archiv und leisten den Widersachern des Konzerns Amtshilfe.
DER SPIEGEL

Bayer-Chef Schneider hat ein Problem. Die Coordination gegen Bayer-Gefahren, die den Konzern seit Jahren unter Druck setzt. Auch auf der diesjährigen Aktionärsversammlung zeigte sie beharrlich die Schmuddelflecken auf der Firmenweste.
DIE TAGESZEITUNG

Die Initiative beobachtet den weltweit größten Pestizidhersteller seit mehr als 30 Jahren, prangert Missstände an und mobilisiert die Öffentlichkeit. Ein Fulltime-Job.
GREENPEACE MAGAZIN

Bayer hat die Gruppe wegen eines Flugblattes verklagt - und erst beim Bundesverfassungsgericht verloren.
FRANKFURTER RUNDSCHAU

Preiswerte Arzneimittel aus Indien sind unersetzlich für die Patientenversorgung in armen Ländern, meint auch die Coordination gegen Bayer-Gefahren.
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

[GenReis] GenReis stoppen

CBG Redaktion

16. Dezember 2011

Kontamination mit GenReis: BAYER zahlt 750 Mio Dollar

Der Vergleich zwischen der Firma Bayer CropScience und amerikanischen Reis-Bauern wird nun wirksam. Nachdem 85% der Betroffenen der Regelung zugestimmt haben, wird der Konzern 750 Millionen Dollar an die Landwirte zahlen.

Landwirte in den US-Staaten Arkansas, Louisiana, Mississippi, Missouri und Texas hatten gegen das Unternehmen geklagt, nachdem im Jahr 2006 große Teile ihrer Ernte mit einer von Bayer entwickelten, gentechnisch veränderten Reissorte kontaminiert worden waren. Die Landwirte machten Verluste, da u.a. die EU Beschränkungen für den Import von amerikanischem Langkornreis einführte.

Hierzu erklärt Philipp Mimkes, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Wir gratulieren den Reis-Bauern zu diesem mühsam erstrittenen Erfolg. Zudem fordern wir die EU auf, den Antrag von Bayer CropScience auf Importzulassung für herbizidresistenten Reis endgültig abzulehnen. Der Kontaminations-Skandal in den USA zeigt einmal mehr, dass die Risiken gentechnischer Pflanzen schlicht unkalkulierbar sind.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kooperierte seit Jahren mit den Anwälten der Landwirte und forderte mehrfach in der Hauptversammlung der BAYER AG einen endgültigen Verzicht auf „Liberty Link“-Reis. Die CBG erinnert auch daran, dass BAYER die Betroffenen seinerzeit verhöhnt hatte, indem die Auskreuzungen als „Act of God“ bezeichnet wurden. Erst durch kostspielige Prozesse, die die Reis-Bauern ausnahmslos gewonnen hatten, konnte der Konzern zu der nun getroffenen Entschädigungslösung gezwungen werden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren führt seit dem Jahr 2004 eine Kampagne gegen eine EU-Importzulassung der GenReis-Sorte LL62. Diese ist wie LL 601 gegen das Herbizid Glufosinat resistent. Der Antrag von BAYER erhielt bei den Abstimmungen im EU-Ministerrat mehrfach keine Zustimmung, wurde bis heute aber nicht zurückgezogen. Liberty Link-Reis soll nicht nur als Tierfutter eine Zulassung erhalten, sondern direkt auf den Tisch der Konsumenten kommen.

alle Infos zur Kampagne

[PPT Bangalore] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

BASF, Bayer, Dow, Monsanto, DuPont, Syngenta:

Menschenrechts-Tribunal verurteilt die sechs größten Pestizidhersteller

13. Dezember 2011 -- In der vergangenen Woche fand im indischen Bangalore das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) zu Vergiftungen durch Pestizide statt. Mehr als 200 Betroffene und Umweltschützer aus aller Welt präsentierten dem Tribunal Fälle von Umweltzerstörung und schwersten Gesundheitsschäden. Das PPT begann am 27. Jahrestag der Bhopal-Katastrophe, die durch eine Explosion in einer Pestizidfabrik des Konzerns Union Carbide (heute Dow Chemicals) verursacht wurde.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren war zu den 4-tägigen Anhörungen eingeladen worden, um den Fall der weltweiten Bienensterben durch sogenannte Neonicotinoide zu dokumentieren. Der BAYER-Konzern ist Weltmarktführer für diese Art von Insektiziden, die in vielen Ländern wegen Risiken für Bienen nicht mehr frei verkauft werden dürfen - so auch in Deutschland, wo im Jahr 2008 ein flächendeckendes Bienensterben durch den Einsatz des BAYER-Pestizids Clothianidin verursacht wurde.

Die Jury verurteilte in ihrer Abschlusserklärung die sechs Unternehmen, die den Weltmarkt für Pestizide und Saatgut dominieren, wegen schwerster Umwelt- und Gesundheitsschäden.

=> VDI Nachrichten: Pestizidhersteller wegen Menschenrechtsverletzungen schuldig gesprochen

=> Fotos von dem Tribunal

=> Bericht aus Bangalore von Philipp Mimkes

=> Artikel im Greenpeace Magazin und im Neuen Deutschland

=> Artikel indischer und britischer Zeitungen sowie ausführliche Hintergrundinfos

=> Bienensterben durch BAYER-Pestizide

Schmerzmittel

CBG Redaktion

12. Dezember 2011

Rund 2000 Menschen sterben in Deutschland pro Jahr an Magenblutungen nach Einnahme von Schmerzmitteln. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert daher seit Jahren eine Rezeptpflicht und kleinere Packungsgrößen, was die Hersteller vehement ablehnen.
Hierzu erschien heute ein interessanter Beitrag im Spiegel, den wir in Auszügen dokumentieren. Weitere Infos der CBG finden Sie hier.

Verblüffende Sorglosigkeit

Schmerzmittel wie Aspirin, Paracetamol oder Ibuprofen gelten als harmlos. Doch Vergiftungen und Missbrauch sind verbreitet. Um den Patienten die Gefahr bewusst zu machen, sollen jetzt die Packungen kleiner werden.

(…) Im Umgang mit rezeptfreien Schmerzmitteln herrscht eine verblüffende Sorglosigkeit vor. Obwohl Paracetamol schon in vergleichsweise geringer Überdosierung lebertoxisch wirkt und obwohl es unter dem Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) bei mindestens jedem 10.000sten Patienten zu einer lebensbedrohlichen Magenblutung kommt, gelten diese Mittel gemeinhin als harmlos. Die Risiken von Ibuprofen oder Diclofenac - neben Magenblutungen auch Herzinfarkte - werden allen Beipackzetteln zum Trotz ebenfalls systematisch unterschätzt.

„Bei rezeptfreien Schmerzmitteln verhalten sich die Menschen irrational“
Eigentlich vernünftige Menschen schwören auf Kombi-Tabletten aus Paracetamol und ASS, auf Paracetamol-haltige Erkältungssäfte oder Tabletten in doppelter Dosierung - obwohl all diese Mittel und Verabreichungsformen nach Ansicht vieler Experten nicht nur gefährlich, sondern auch überflüssig sind.
„Bei den rezeptfreien Schmerzmitteln verhalten sich die Menschen total irrational“, klagt Kay Brune, Pharmakologe und Sachverständiger des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). „Die Leute denken, wenn man das einfach so kaufen kann, dann wird es schon nicht gefährlich sein“, sagt Canbay. „Es muss in der Bevölkerung bekannt werden, dass diese Schmerzmittel nicht harmlos sind.“

Genau dies ist das Ziel einer aktuellen Initiative des BfArM: Es will die rezeptfrei verkäufliche Packungsgröße für die Schmerzmittel ASS, Diclofenac, Ibuprofen, Naproxen, Phenazon und Propyphenazon auf eine Viertagesdosis beschränken. Im neuen Jahr soll über den Vorschlag abgestimmt werden.
Paracetamol wird schon heute in kleineren Schachteln verpackt: Seit 2009 ist es verboten, mehr als 20 Tabletten à 500 Milligramm rezeptfrei zu verkaufen. Jetzt möchte der BfArM-Sachverständige Brune noch weiter gehen: Er würde den Wirkstoff am liebsten ganz der Verschreibungspflicht unterstellen.

Pharmaindustrie wehrt sich gegen die Verschreibungspflicht
Die Pharmaindustrie hingegen plädiert dafür, alles beim Alten zu lassen: „Paracetamol ist nach übereinstimmender Auffassung nahezu aller Experten ein sicherer und wirksamer Arzneistoff“, beteuert Elmar Kroth, Geschäftsführer des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller. „Bei bestimmungsgemäßer Anwendung ist Aspirin ein sicheres und gut verträgliches Arzneimittel“, versichert auch der Hersteller Bayer über sein Produkt.

„Für uns steht außer Frage, dass eine übermäßige Anwendung von Schmerzmitteln im Einzelfall schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann“, sagt hingegen BfArM-Leiter Walter Schwerdtfeger. Mit einer Begrenzung der Packungsgrößen wolle seine Behörde „die Patienten für die Risiken sensibilisieren und deutlich machen, dass Schmerzmittel mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein können“.
(…)
Dr. Becker-Brüser will deshalb die zulässige Packungsgröße noch einmal verkleinern, am besten auf maximal acht Tabletten à 500 Milligramm. „Bei kleineren Packungsgrößen“, sagt er, „sind dann oft einfach nicht genug Tabletten da, um sich zu vergiften.“ (…)

Doch auch die anderen Schmerzmedikamente sind keineswegs ohne Risiko. Die bekannteste Nebenwirkung von ASS, Ibuprofen und Diclofenac sind Magenblutungen. Schätzungsweise 2000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr daran. Bei langfristiger Anwendung steigern Ibuprofen und Diclofenac möglicherweise auch das Herzinfarktrisiko. Zudem sind Vergiftungen gefürchtet - Ibuprofen- und ASS-Alarm ist bei deutschen Giftzentralen zusammen etwa genauso häufig wie im Fall von Paracetamol.
„Bei ASS und Ibuprofen ist die Dosis, die man nehmen muss, um sich zu vergiften, zwar deutlich höher als bei Paracetamol“, sagt Carola Seidel, stellvertretende Leiterin der Bonner Giftnotrufzentrale, „aber die Symptome sind nicht weniger schrecklich.“ Bei einer Überdosis von ASS oder Ibuprofen übersäuert der Körper, das Herz stottert, der Patient krampft oder fällt gar ins Koma. Auch massive Blutgerinnungsstörungen und Nierenschäden sind möglich - all dies Gründe, warum das BfArM jetzt die Packungsgröße begrenzen möchte. (…)
Von Veronika Hackenbroch und Laura Höflinger

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,802955,00.html

Antibabypillen

CBG Redaktion

8. Dezember 2011, Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter

Höheres Risiko bei drospirenonhaltigen Pillen bestätigt

Das Risiko, durch kombinierte orale Kontrazeptiva (KOK) mit dem Gestagenwirkstoff Drospirenon (z.B.Yasmin) an einer Thrombose und/oder Embolie zu erkranken, wurde von dem Hersteller Bayer AG bisher immer mit levonorgestrelhaltigen Pillen der 2. Generation verglichen. Frauen hätten demnach nur ein 3-5 fach erhöhtes Risiko an einer Thrombose oder Embolie zu erkranken im Vergleich zu Frauen, die nicht hormonell verhüten.

Verschiedene unabhängige Studien wiesen in der Vergangenheit jedoch wiederholt darauf hin, dass das nicht der Fall ist und sprachen im Gegensatz dazu immer von einem 6-8 fach erhöhten Risiko zu Frauen, die nicht hormonell verhüten.

Die Bundesarzneimittelbehörde BfArM hatte die Bayer AG bereits mehrfach dazu aufgefordert, die Fachinformation für Ärzte und den Beipackzettel der drospirenonhaltigen Pillen um diese Informationen zu ergänzen. Da der Konzern aufgrund seiner eigenfinanzierten Studien überzeugt davon war, dass auch drospirenonhaltige Pillen wie z.B. Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida etc. hinsichtlich des Thromboserisikos vergleichbar seien mit levonorgestrelhaltigen Pillen, stand bisher keine dahingehende Information für den Verbraucher im Beipackzettel.

Bisher hiess es: ,,Das VTE Risiko (Risiko für venöse Thromboembolien) ist derzeit unbekannt.‚‘

Nun wurde der Beipackzettel, sowie die Ärztefachinformation geändert und spricht eindeutig von einem DOPPELT so hohen Risiko für venöse Thromboembolien im Vergleich zu kombinierten Pillen der 2. Generation.

Zitat: ,,Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass das Risiko einer venösen Thromboembolie bei Drospirenon-haltigen OK höher ist als bei Levonorgestrel-haltigen OK (sogenannten Präparaten der zweiten Generation) und möglicherweise dem Risiko Desogestrel/Gestoden-haltiger OK (sogenannter Präparate der dritten Generation) ähnlich ist.
Epidemiologische Studien haben auch einen Zusammenhang zwischen der Anwendung von KOK und einem erhöhten Risiko für arterielle Thromboembolie (Myokardinfarkt, transitorische ischämische Attacke) gezeigt.‚‘

Kombinierte Pillen der 3. Generation mit den Gestagenen Gestoden und Desogestrel weisen bereits ein doppelt so hohes Risiko auf zu Pillen der 2. Generation mit Levonorgestrel. Kommen weitere Risikofaktoren hinzu, steigt das Risiko um ein Vielfaches.

alle Infos zur Kampagne

[PPT 2011] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

Presse Information vom 1. Dezember 2011
Coordination gegen BAYER-Gefahren

3.-6. Dezember: Permanent Peoples´ Tribunal in Bangalore / Indien

Anklage gegen BAYER wegen Bienensterben durch Pestizide

Vom 3. bis 6. Dezember findet im indischen Bangalore das Permanent Peoples´ Tribunal (PPT) statt, in dem die Verantwortung großer Pestizid-Hersteller für Vergiftungen und Umweltschäden untersucht wird. Am PPT nehmen rund 180 Betroffene und Umwelt-Organisationen aus aller Welt teil. Die Fälle werden von Richtern und Anwälten gehört, ihre Urteilssprüche werden der UN übermittelt. Einer der über 20 Fälle beschäftigt sich mit Insektiziden des Leverkusener BAYER-Konzerns, die für großflächige Bienensterben in mehreren Kontinenten mitverantwortlich sind.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), und ein geschädigter Imker aus Großbritannien werden den Fall in Bangalore vortragen. Die CBG weist seit den 90er Jahren darauf hin, dass Pestizide eine große Gefahr für Bienen darstellen. So war der von BAYER hergestellte Wirkstoff Clothianidin für das große Bienensterben in Süddeutschland vor drei Jahren verantwortlich. Das Vorgängerprodukt Imidacloprid wurde in Frankreich wegen hoher Bienenschädlichkeit bereits 1999 verboten.

Im Frühjahr veröffentlichte die UN-Umweltbehörde UNEP einen Bericht zu Bienensterben in aller Welt. Die BAYER-Pestizide Clothianidin und Imidacloprid werden darin als Bedrohung für zahlreiche Tierarten bezeichnet. In der diesjährigen BAYER-Hauptversammlung wurden mehr als eine Million Unterschriften für einen sofortigen Verkaufs-Stopp der Wirkstoffe übergeben.

Weitere Unternehmen, gegen die in Bangalore Klage erhoben wird, sind Monsanto, Syngenta, Dow, DuPont und BASF. Das PPT, Nachfolger des Russell-Tribunals zum Vietnamkrieg, wurde 1979 gegründet, um auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die institutionell nicht untersucht werden. Das Verfahren folgt den Regeln einer juristischen Verhandlung und bezieht sich auf existierendes Recht und internationale Regelungen wie die UN Deklaration für Menschenrechte.

Das diesjährige Permanent Peoples´ Tribunal beginnt am Jahrestag der Katastrophe von Bhopal. In Bhopal waren in der Nacht vom 2. auf den 3. Dezember 1984 aus einer Pestizidfabrik tödliche Chemikalien ausgetreten. Mindestens 20.000 Menschen kamen ums Leben.

weitere Informationen:
· Informationen zum PPT (engl)
· Bienensterben durch BAYER-Pestizide

[Yasmin] Antibabypillen

CBG Redaktion

Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter (SDG)
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Pressemitteilung vom 30. November 2011

US-Gesundheitsbehörde berät über gefährliche Antibaby-Pillen

Geschädigte fordern Verbot / neue Studien stellen erhöhtes Thrombose-Risiko fest / mehr als 10.000 Klagen gegen BAYER AG / mindestens 190 Tote

Für den 8. Dezember hat die US-Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) einen Experten-Ausschuss einberufen, der über die Zukunft von Antibaby-Pillen mit dem Wirkstoff Drospirenon beraten wird. Aktuelle Studien der FDA zeigen, dass drospirenon-haltige Präparate wie Yasmin, Yasminelle und Yaz ein deutlich höheres Risiko für die Entstehung von Blutgerinnseln bergen als andere orale Kontrazeptiva. Die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern zu diesem Anlass einen Verkaufs-Stopp der Präparate.

Nach Angaben der FDA starben in den USA mindestens 190 Frauen nach der Einnahme von Yaz. Eine Ende Oktober veröffentlichte Studie zeigt, dass die Anwenderinnen von Yaz ein um 75 Prozent höheres Thrombose-Risiko haben als Frauen, die ältere Präparate benutzen; im Auftrag der FDA waren hierfür die Krankenakten von mehr als 800.000 Amerikanerinnen ausgewertet worden. Zwei jüngst im British Medical Journal publizierte Studien kamen gar zu dem Schluss, dass das Risiko einer Thromboembolie unter Drospirenon gegenüber Präparaten mit dem Hormon Levonorgestrel um den Faktor 2,3 beziehungsweise 3,3 erhöht ist.

Die Bayer AG machte im vergangenen Geschäftsjahr mit der Produktgruppe einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Yaz/Yasmin gilt damit als meistverkaufte Antibaby-Pille der Welt. Der Konzern bewirbt die Pillen mit Versprechen wie „Gewichtsabnahme“ und „wirkt gegen Akne“. Auf die erhöhten Risiken wird in der Werbung nicht eingegangen. Allein in den USA wurden bereits 10.400 Klagen gegen die Bayer AG eingereicht.

In Deutschland kam es zu mindestens 12 Todesfällen, auch hierzulande wird gegen BAYER geklagt. Betroffene Frauen gründeten im Frühjahr die Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter und forderten in der Hauptversammlung der BAYER AG einen Verkaufs-Stopp. Die Yasmin-Opfer hatten zu der Versammlung, an der neben dem Vorstand auch rund 4.000 Aktionäre teilnahmen, einen Antrag zur nicht-Entlastung des Vorstands eingereicht.

Kathrin Weigele, Mitgründerin der Selbsthilfegruppe: „Wir fordern eine ehrliche Aufklärung über die Risiken drospirenon-haltiger Pillen sowie die Offenlegung aller gemeldeten Nebenwirkungen. Wir erwarten, dass sich Bayer endlich mit den zahlreichen Studien unabhängiger Wissenschaftler auseinandersetzt, die eine erhöhte Thrombose-Gefahr belegen. Um weitere Schicksale wie das meine zu verhindern, müssen drospirenon-haltige Produkte vom Markt genommen werden." Kathrin Weigele hatte nach Einnahme der Pille Yasmin eine schwere Lungenembolie erlitten.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die seit Jahren auf die Gefahren von Yasmin & Co hinweist, fordert ein Verbot aller Antibaby-Pillen mit erhöhtem Nebenwirkungs-Profil. „Antibaby-Pillen sollen verhüten. Dies tun ältere Präparate ebenso zuverlässig wie neue. Die schweren Schädigungen, die durch Yasmin und Yaz verursacht werden, sind größtenteils vermeidbar. Allein mit einer Änderung auf dem Beipackzettel ist es jetzt nicht mehr getan“, so Philipp Mimkes vom Vorstand des Vereins.

Auch der im Sommer veröffentlichte Arzneimittelreport der Barmer GEK war zu dem Ergebnis gekommen, dass neuere Antibabypillen wie Yasmin ein mehr als doppelt so hohes Risiko bergen wie ältere Mittel. Der Arzneimittelexperte Prof. Gerd Glaeske forderte die Ärzte auf, „nicht den Werbeaktionen und dem Marketinggeklingel pharmazeutischer Unternehmer zu folgen“ und stattdessen risikoärmere Präparate zu verschreiben.

weitere Informationen:
=> Selbsthilfegruppe Drospirenon Geschädigter
=> Kampagnenseite der CBG

Basler Zeitung, 09.12.2011

Antibabypille auf der Anklagebank

Die umstrittene Pille Yasmin von Bayer kann in den USA vorerst auf dem Markt bleiben. Doch der deutsche Pharmahersteller muss mit verschärften Zulassungsvorschriften rechnen.

Die US-Zulassungsstelle entschied gestern zwar, die Antibabypille von Bayer trotz erhöhter Embolierisiken auf dem Markt zu belassen, aber möglicherweise nur noch beschränkt zum Verkauf freizugeben. Es bleibt aber der Verdacht, Bayer habe gegenüber den Behörden Informationen zu den Nebenrisiken verschwiegen. Dies könnte zudem die laufenden Haftpflichtverfahren beeinflussen.
Um die Nebenwirkungen der Pille, die in der Schweiz unter dem Markennamen Yasmin mit Rezeptpflicht zugelassen ist, wird seit Jahren gestritten. Gestern beschlossen die Experten der US-Arzneimittelbehörde FDA zunächst mit 21 zu 5 Stimmen, dass Bayer die Risiken der Pille nicht ausreichend dargestellt hatte. Knapp mit 15 zu 11 Stimmen kamen sie danach zum Schluss, dass Yasmin mehr Vorteile als Risiken aufweise. Der abschliessende Entscheid steht aus, doch ist damit zu rechnen, dass die Pille auf dem Markt bleibt, aber mit verschärften Zulassungsvorschriften versehen werden muss. Dies deshalb, weil die FDA bereits zweimal eine Bayer-Pille mit der Kombination von Östrogen und Gestagen (Drospirenon) bewilligt und zudem 2008 und 2010 Generika mit den gleichen Wirkstoffen zugelassen hatte. Etwas erhöhte Thromboserisiken für diese Art der Minipille sind zudem bekannt.
Kontrovers ist und bleibt, ob bestimmte Altersgruppen einem höheren Risiko einer Blutverklumpung ausgesetzt sind, ob Bayer davon wusste und dies verschwieg und ob der Konzern die Pille für andere, unerlaubte Zwecke vermarktete. Brisant war dabei die Stellungnahme des früheren FDA-Direktors David Kessler. Er warf Bayer vor, Forschungsresultate zu den Nebenwirkungen nur selektiv vorgelegt und so die Risiken verschleiert zu haben. Wäre dies der FDA früher bekannt gewesen, so hätte dies das Nutzen-Risiko-Profil von Yasmin verändert und zusätzliche Ermittlungen erfordert. Kessler kritisierte zudem eine Marketingkampagne, mit der die Pille gegen Menstruationsbeschwerden angepriesen wurde. Dafür aber ist sie nicht zugelassen. Eingespannt für diese PR-Aktion wurde eine Gynäkologin, die ein Beratungsbuch für Frauen schrieb, Yasmin lobend erwähnte und dafür ein Honorar von 450‚000 Dollar bezog.

Anwälte suchten Yasmin-Opfer
Den Entscheid der FDA haben diese Verdachtsmomente nicht direkt beeinflusst, da Kessler sie nach der Eingabefrist vorlegte. Die Pharmaexperten der Credit Suisse rechnen dennoch mit einem erhöhten Prozessrisiko für Bayer. Der Fall sei so von einem rein wissenschaftlichen zu einem potenziell zivilrechtlichen geworden, so die CS. Sie schätzt das zusätzliche Prozessrisiko für die ersten, in den USA im Januar beginnenden Verfahren auf 500 Millionen Dollar.
Der FDA lagen Gesundheitsdaten von mehr als 800‘000 Frauen aus zehn Jahren vor. Eine Reihe von Studien wies vor allem auf das erhöhte Thromboserisiko für Frauen über 35 Jahren hin. In 16,9 Fällen (auf 10‚000 Frauen) löst Yasmin demnach ein gefährliches Blutgerinnsel aus. Dagegen beobachteten Forscher bei anderen Antibabypillen im Schnitt nur 6,3 Fälle. In der Schweiz geriet das Präparat in die Schlagzeilen, als eine 16-Jährige eine Lungenembolie und nachfolgend eine schwere Hirnschädigung erlitt, kurz nachdem sie zum ersten Mal die Yasmin-Pille eingenommen hatte. Der Fall liegt vor dem Bezirksgericht Zürich, da die Mutter auf einen Schadenersatz von 6 Millionen Franken geklagt hat.
In den USA ist Bayer mit über 10‘000 Forderungen eingedeckt worden, mehr als 2500 allein in den letzten Monaten, nachdem sich spezialisierte Anwälte gezielt an potenzielle Yasmin-Opfer gewandt hatten. Die Antibabypille von Bayer ist in der Schweiz unter dem Namen Yasmin mit Rezeptpflicht zugelassen.
Von Walter Niederberger, San Francisco.

[PPT 2011] Permanent Peoples´ Tribunal 2011

CBG Redaktion

Permanent People´s Tribunal (3.- 6. Dezember 2011) in Indien

„Menschenrechtsverletzungen durch Pestizid-Konzerne“

Bienensterben durch BAYER-Pestizide: Coordination gegen BAYER-Gefahren reicht Fall beim PPT ein

ausführliche Informationen zum Permanent People´s Tribunal (engl)

Am 3.- 6. Dezember 2011 wird das Permanent People´s Tribunal (PPT) Menschenrechtsfälle verhandeln, die von Bauern, Landarbeitern, Müttern, Wissenschaftlern und Verbrauchern aus verschiedensten Ländern dieser Welt vorgetragen werden. Sechs multinationale Pestizid-Konzerne werden angeklagt, gegen Menschenrechte zu verstoßen, weil sie die Abhängigkeit von Pestiziden fördern, von denen bekannt ist, dass sie das international anerkannte Recht auf ein gesundes Leben unterminieren.

Die angeklagten Pestizid-Konzerne sind Monsanto, Dow, BASF, Bayer, Syngenta und DuPont. Diese „Big6“ kontrollieren gemeinsam 71% des globalen Pestizid-Marktes und rund 58% des weltweiten kommerziellen Saatgut-Marktes, wodurch die Pestizid- und Agro-Gentechnik-Industrie einen der am stärksten konsolidierten Wirtschaftszweige der Welt darstellt.

Neben den Konzernen werden auch der Internationale Währungsfond, die Weltbank und die Welthandelsorganisation angeklagt, weil sie durch ihre Politik und durch ihre Programme die Konzentration und Macht von Konzernen begünstigen. Außerdem werden die Regierungen der Schweiz, Deutschlands und der Vereinigten Staaten von Amerika, in denen die sechs Konzerne ihren Hauptsitz haben, angeklagt, weil sie die Macht der Konzerne nicht ausreichend regulieren.

Das Permanent People´s Tribunal (PPT)
wurde 1979 gegründet, um auf massive Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, die institutionell niemals aufgegriffen und verhandelt wurden. Das Verfahren folgt den strengen Regeln einer juristischen Verhandlung und bezieht sich auf existierendes Recht und internationale Regelungen wie die internationale Menschenrechtsgesetzgebung oder die UN Deklaration für Menschenrechte. Das PPT findet in diesem Jahr in Bangalore/Indien statt.

Einladung zum Pressegespräch am 12. Dezember 2011 in Bonn

Datum/Zeit: 12. Dezember 2011, 10:30 bis 11:30 Uhr
Ort: Haus der Evangelischen Kirche, Adenauerallee 37, 53113 Bonn

Gesprächspartner
· Sarojeni V. Rengam, Direktorin, PAN Asia and the Pacific, Penang/Malaysia: berichtet über das Permanent People´s Tribunal, über die Anklagen und den Urteilsspruch
· Francois Meienberg, Co-Geschäftsleiter, Erklärung von Bern, Bern/Schweiz: stellt ein neues Gutachten vor über die Pflicht von Pestizidkonzernen, Menschenrechte zu respektieren.
· Philipp Mimkes, Geschäftsführer, Coordination gegen BAYER-Gefahren, Deutschland: berichtet über die Befassung des Tribunals mit dem Bienensterben durch BAYER-Pestizide
· Carina Weber, Geschäftsführerin, PAN Germany, Hamburg/Deutschland: stellt Ergebnisse einer neuen PAN Germany Recherche über die aktuelle Vermarktung hochgefährlicher Pestizide durch deutsche/schweizer Konzerne vor.

Tierantibiotika

CBG Redaktion

15. November 2011

NRW-Studie: 96% der Masthühner werden mit Antibiotika behandelt

Eine heute veröffentlichte Studie des NRW-Umweltministeriums kommt zu dem Ergebnis, dass 96% der Masthühner regelmäßig Medikamente erhalten. Eines der am häufigsten verwendeten Antibiotika in der Tiermast ist Baytril (Enrofloxacin) von Bayer. Die routinemäßige Verwendung von Antibiotika ist eigentlich verboten, sie führt zur Bildung gefährlicher resistenter Keime.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren führt seit langem eine Kampagne zu Baytril und anderen Tierantibiotika:

=> US-Behörden verbieten Tierantibiotikum Baytril
=> Gesundheitsrisiko Veterinär-Medizin
=> FDA bans Bayer antibiotic for poultry use

=> Die Studie des NRW-Umweltministeriums