Veröffentliche Beiträge in “BAYER HV 2002”
Acht GegenrednerInnen belasten den Vorstand
BAYER nicht aus dem Schneider
Von Udo Hörster
Die BAYER-Hauptversammlung ist nach Ansicht des Konzern-Chefs Manfred Schneider nicht der Ort dafür, die Gründe für den Tod von über 100 LIPOBAY-PatientInnen zu erörtern. Sie ist für ihn aber sehr wohl der geeignete Ort, um die finanziellen Verluste des Pharma-GAUs bis zur letzten Zahl hinterm Komma zu beziffern und das Bilanz-schädigende Risiko von Schadensersatz-Klagen zu erwägen. Aber die acht auf Einladung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) sprechenden GegenrederInnen funktionierten die AktionärInnen-Versammlung kurzerhand zu einem Ort um, an dem über LIPOBAY und die anderen gesundheitlichen, ökologischen, und sozialen “Kollateralschäden der zügellosen Profit-Jagd gesprochen werden konnte.
“Ich spreche hier im Namen von Tausenden Opfern, die durch LIPOBAY getötet oder gesundheitlich geschädigt worden sind. So begann der US-amerikanische Rechtsanwalt Daniel Becnel seine Hauptversammlungsrede. Er bot dem Leverkusener Chemie-Multi an, die rechtlichen schwarzen Wolken zu vertreiben, die durch die 720 anhängigen Klagen den Himmel über der Konzern-Zentrale verdunkeln. “Ist BAYER bereit, unverzüglich Verhandlungen aufzunehmen?, fragte er. Der Pharma-Riese war nicht dazu bereit. Der Vorstandsvorsitzende Schneider antwortete ihm, dass “BAYER sich den Verfahren zur Wehr setzen wird. Noch immer lehnt es der Konzern ab, die Verantwortung für die über 100 LIPOBAY-Toten zu übernehmen. Für den BAYER-Boss ist “nach wie vor unklar, ob überhaupt ein Zusammenhang besteht zwischen dem Cholesterin-Senker und den Todesfällen.
Die fatalen Nebenwirkungen eines anderen BAYER-Medikamentes machte Peter Noquet zum Thema. Der Leverkusener Chemie-Multi wollte für sein Antibiotikum CIPROBAY, nach Operatiionen verabreicht, eine Zulassung auch in der oralen Dareichungsform erhalten. Die Tests an 800 Personen fielen allerdings negativ aus. Weil das Mittel nicht wirkte, starben sogar einige ProbandInnen an Infektionen. BAYER verschwieg dies den Behörden. Der an den Voruntersuchungen beteiligte britische Arzt Dr. Steven Karren hat deshalb unmittelbar nach der letzten Hauptversammlung eine Klage gegen BAYER eingereicht. Gegenüber der Kölner Staatsanwaltschaft mauert das Unternehmen allerdings munter weiter. Statt der Behörde Unterlagen über die Todesfälle zukommen zu lassen, stellte es ihr lediglich nichtssagende Dokumente zur Verfügung. Eine “Täuschung nannte das Peter Noquet. Manfred Schneider stritt den Vorwurf natürlich ab - und schwieg weiter. Mit dem Hinweis auf das “schwebende Verfahren verweigerte er alle Auskünfte.
Sowohl LIPOBAY als auch CIPROBAY wurden in den BAYER-Labors an Ratten getestet, bevor sie am Menschen ihre gesundheitsschädigende Wirkung entfalteten. Das sagt vieles über die Aussagekraft von Tierversuchen. Wissenschaftlich von zweifelhaftem Nutzen und tier-ethisch verwerflich - das veranlasste Melanie Bujok von SHAC (STOP HUNGINGDON ANIMAL CRUALITY zu bohrenden Fragen an die Adresse des Vorstandes. “Würde BAYER noch Tierversuche durchführen, wenn diese nicht länger gesetzlich vorgeschrieben wären?, “Entwickelt BAYER Alternativ-Methoden?, “Setzt BAYER sich für eine Verankerung des Tierschutzes in der Verfassung ein?, wollte sie von den Konzern-Herren wissen. Schneider bekannte sich unverbindlich zu alternativen Test-Verfahren und wurde dann verbindlich beleidigt. Nicht geneigt, minimale moralische Standards im Umgang mit Lebewesen einzuhalten, wies er Bujoks Kritik als anmaßend zurück. Gegner zu Unrecht diffamieren “und sich selbst, weil man gegen Tierversuche ist, heilig (zu) sprechen, warf der BAYER-Boss der SHAC-Aktivistin vor.
Wieviel Fische die BAYER-Chemikalie CLOPHEN vergiftet hat, interessierte den Vorstandsvorsitzenden an seinem letzten Arbeitstag in dieser Funktion deshalb auch nicht. Wie Tom Erik Ökland von NATURVERN, der norwegischen Sektion von FRIENDS OF THE EARTH, den AktionärInnen darlegte, haben die in Schiffsanstrichen verwendeten Polychlorierten Biphenyle (PCB) von BAYER das ganze Hafenbecken von Oslo verseucht. Auf 26 Mio. Euro beziffert die staatliche Umweltbehörde die Aufwendungen für die Reinigung. Konsequenterweise forderte Ökland den Konzern in seiner Rede auf, sich an den Kosten zu beteiligen und kündigte im Falle einer Verweigerung eine Klage an. Nach allen Erfahrungen dürfte nur eine entsprechende Verurteilung und die damit verbundene Anerkennung des Verursacher-Prinzips das Unternehmen dazu bringen, sich für die ökologischen Folgen seines Handelns zu interessieren.
Für die ökologischen Risiken der Gentechnik zu haften, braucht der Leverkusener Chemie-Multi vorerst nicht zu fürchten. Henry Mathews vom DACHVERBAND DER KRITISCHEN AKTIONÄRE UND AKTIONÄRINNEN entlarvte in seinen Ausführungen am Redner-Pult das BAYER-Argument, die umstrittene Risiko-Technologie würde das Problem des Welthungers lösen, als reine Propaganda-Lüge. “Der Welthunger ist kein Mengen-Problem, sondern ein Verteilungsproblem!, betonte er. Für die AktivistInnen, die ihre Besorgnis über die Gefahren der Gentechnik am Morgen auf eine etwas unkonventionelle Weise zum Ausdruck gebracht hatten, zeigte Mathews deshalb vollstes Verständnis. Keines hatte er dagegen für das brutale Vorgehen des Sicherheitsdienstes, die einer Gentechnik-KritikerInnen einfach roh den Mund zuhielten und einen anderen Protestler brutal über den Boden aus dem Saal schleiften. “Das hat mit der von Manfred Schneider bekundeten Respektierung Andersdenkender und der Meinungsfreiheit nichts zu tun, kritisierte der Geschäftsführer der KRITISCHEN AKTIONÄRE. Aber für die reine Herren-Riege des Vorstands ist Gewalt offenbar ein probates Mittel. Frauen haben in dieser Hack-Ordnung dagegen keine Chance, bei BAYER eine Führungsposition zu erlangen, monierte Henry Mathews. “Schauen Sie nur hinter mich aufs Podium, und Sie wissen, wovon ich rede, forderte er die AktionärInnen auf. In seiner Antwort auf den Beitrag von Henry Mathews sicherte Dr. Schneider zu, den Fragen-Katolog der KRITISCHEN AKTIONÄRE umgehend zu beantworten - die CBG wird nachhaken! Unbeeindruckt zeigte sich der Profit-Profi dagegen von Mathews Gentech-Kritik. Obwohl das Thema “Gentechnik nach Ansicht Schneiders in der Öffentlichkeit noch zu “erheblicher Diskussion mit spektakulären Maßnahmen führen wird, kündigte er an, unbeirrt an der Risiko-Technologie festhalten zu wollen.
Geld genug für Investitionen in diesem Bereich hat der Konzern jedenfalls. Er zahlte nämlich für 2001 keinen Pfennig Gewerbesteuer und bekam sogar noch Körperschaftssteuer zurückerstattet. Rainer Kau von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wetterte gegen die ganz legalen Steuertricks des Chemie-Multis. Er rechnete vor, dass das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr 1 Mrd. Euro an Abgaben einsparte und nur noch auf eine Steuer-Quote von 15 Prozent kommt - “davon kann ein normal Beschäftigter nur träumen, so Kau. In dramatischen Worten schilderte der Gewerkschaftler und PDS-Politiker der AktionärInnen-Versammlung die Situation am Konzern-Sitz Leverkusen. Die Stadt ist durch die ausbleibende BAYER-Gewerbesteuer zu arm geworden, um noch Zuschüsse vom Land Nordrhein-Westfalen anfordern zu können, weil die Kommune nicht über den dafür benötigten Eigenmittel-Anteil verfügt. “Wie wird das Unternehmen künftig zu den Kommunal-Finanzen beitragen?, fragte er Dr. Schneider, der die Antwort wieder einmal schuldig blieb. Sein Nachfolger Werner Wenning sagte immerhin soviel, dass die neue Holding-Struktur den Stadtskassen keine noch negativeren Folgen bescheren wird, was schlechthin auch nicht möglich ist, denn weniger als nichts kann man nicht einnehmen. Trotzdem dürfte die Einschätzung von Investment-BankerInnen, die die Bundesrepublik als Paradies für Holdings betrachten, bei der Entscheidung keine geringe Rolle gespielt haben. Für die Belegschaft hat der Konzern-Umbau schon jetzt negative Folgen, wie Wolfgang Teuber von der DKP darstellte. Die Beschäftigten der neu gegründeten Service-Gesellschaften fallen nämlich aus der Betriebsvereinbarung heraus. In diesem Zusammenhang kritisierte Teuber die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE scharf, die den betreffenden Beschäftigten versichert hatte, die Betriebsvereinbarung würde für sie weiter gelten, um sich deren Zustimmung zur Umstrukturierung zu sichern.
Es war dann am CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes, den Negativ-Katalog seiner VorrednerInnen zu vervollständigen. Er erinnerte noch einmal an die unrühmliche Rolle, die der Konzern nach dem 11. September gespielt hatte, als er in “Kriegsprofitlertum (VerbraucherInnen-Anwalt Ralph Nader) 1,80 Dollar für eine Tablette des Antibiotikums CIPROBAY herausschlagen wollte. Zudem forderte Mimkes den Konzern auf, endlich der Aufforderung von US-VerbraucherschützerInnen nachzukommen und den CIPROBAY-Wirkstoff nicht länger unter dem Namen BAYTRIL als Antibiotikum für die Massentierhaltung anzubieten, weil sich immer mehr Resistenzen ausbreiten. Für das Pestizid FENTHION, das TierschützerInnen für ein massenhaftes Vogelsterben verantwortlich machen, verlangte der CBG-Geschäftsführer ebenfalls eine Markt-Rücknahme. Als Versuch, sich solche Kritiken künftig vom Hals zu halten, wertete er das gerichtliche Vorgehen gegen die CBG wegen des Beitreiben einer dem Konzern nicht genehmen Web-Page. In Abwandlung des alten Schneider-Wortes, “Politiker kommen und gehen, BAYER bleibt, gab Mimkes dem Ex-Verstandsvorsitzenden schließlich ein “BAYER-Chefs kommen und gehen, die COORDINATION bleibt mit auf den Weg in den unverdienten Ruhestand.
Rede Rainer Kau, ver.di
Sehr geehrte Damen und Herren,
250 Millionen Euro der Dividende, die hier und
heute trotz des Lipobay-Desasters zur Verteilung
anstehen, stammen als Rückzahlung von Körper-
schaftssteuern des Landes NRW direkt aus
öffentlichen Kassen.
Sie werden als Folge der Steuerreform der rot-
grünen Bundesregierung aus den Steuergro-
schen der ArbeitnehmerInnen unseres Landes
und den von kleinen und mittleren Unternehmen,
die übrigens im Gegensatz zu Bayer Arbeits-
plätze schaffen und nicht abbauen, direkt in Ihre
Taschen umverteilt.
Dies ist ein sozialpolitischer Skandal erster Güte
und auch der Grund, warum ich als Gewerk-
schaftssekretär von ver.di im Rheinland und als
PDS-Bundestagskandidat hier die Proteste der
Kritischen Aktionäre unterstütze.
Die politische Verantwortung dafür, dass große Unternehmen immer weniger Ertragssteuern zahlen, liegt unmittelbar bei der Bundesregierung, und es ist ihr Recht, die politisch geschaffenen Steuerschlupflöcher weitestgehend auszunutzen. Zwischen dieser unsozialen Steuerpolitik und der Bayer AG gibt es jedoch eine enge Verbindung in der Person des Finanzstaatssekretärs Zitzelsberger, der vor seinem Eintritt in die Politik die Steuerabteilung von Bayer leitete. Vorstandsvorsitzender Schneider hat selbst Herrn Zitzelsberger als Bayers Beitrag zur Steuerpolitik bezeichnet, und es mag sein, dass sie meine erste Frage an den Vorstandsvorsitzenden als rhetorisch abtun werden.
Herr Schneider, ich möchte sie fragen, ob sie diesen Beitrag zur Steuerpolitik ernsthaft für vereinbar mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Sozialpflichtigkeit des Eigentums halten.
150 Millionen Ertragssteuern bei einem Gewinn von über einer Milliarde Euro hat Bayer im vergangenen Jahr noch gezahlt, fast eine Milliarde Mark weniger als im Vorjahr. Und von einer
effektiven Steuerbelastung von 15 Prozent können die
Beschäftigten, die ich tagtäglich vertretenur träumen, denn
das Lohnsteueraufkommen ist stetig gestiegen, während
die Konzerne von rot-grün restlos aus der sozialen Verant-
wortung entlassen wurden.
Die Bundesregierung geht davon aus, dass diese Steuer-
entlastungen in den Unternehmen für die Schaffung neuer
Arbeitsplätze verwandt werden. Auch im Namen der
Bundestagsabgeordneten Ulla Lötzer, die sehr bedauert,
ihnen wegen der Sitzungswoche des Bundestages diese
Frage nicht selbst stellen zu können, möchte ich sie fragen, Herr Schneider, ob sie dieses wirtschaftspolitische Kalkül
der Bundesregierung für zutreffend halten, und woran es
aus ihrer Sicht liegt, dass es nicht aufgeht, wie der Anstieg
der Arbeitslosigkeit im vergangenen Jahr zeigt. Weiter
möchte ich konkret wissen, wie viele neue Arbeitsplätze die Bayer AG mit den im Geschäftsjahr 2001 gesparten Steuern geschaffen hat,
beziehungsweise wie viele Arbeitsplätze im Konzern abgebaut wurden.
Weitere 45 Millionen Euro ihrer Dividende stammen ganz konkret aus Gewerbesteuerminderein-
nahmen im Haushalt der Stadt Leverkusen. 45 Millionen Euro, nicht einmal 5 % des Konzerngewinns, sind aus Sicht der Bayer AG vielleicht eher Peanuts, für die verschuldete Kommune ganz bestimmt nicht. Die Leverkusener Stadtkasse ist so leer, dass die Stadt, deren Infrastruktur und Dienstleistungs-
angebot nicht zuletzt auch der Bayer AG zu Gute kommt, nicht einmal mehr die für die Teilnahme an Landesprogrammen zur Verbesserung der bekannt desolaten Situation an den Schulen erforderlichen Eigenbeträge aufbringen kann.
Langfristig werden diese heute gesparten 45 Millionen jedoch auch die Bayer AG teuer zu stehen kommen, denn auch Bayer braucht gut qualifizierte Beschäftigte aus der Region. Solche Steuer-
vermeidungspolitik kommt kurzfristig ihren Bankkonten zu Gute, mittelfristig sägen sie, meine Damen und Herren, damit aber an dem Ast auf dem nicht nur sie selber sitzen. Denn ohne eine Kommune, die in Ausbildung und leistungsfähige Infrastruktur investieren kann, hat auch ihr Unternehmen keine Zukunft. Deshalb möchte ich sie abschliessend fragen, auf welche Weise sie künftig zum Erhalt und Ausbau der kommunalen Infrastruktur und des Bildungsangebotes beitragen wollen.
Rede und Fragen der Tierrechtsinitiative SHAC Deutschland an Bayer
(und die Antworten des Bayer-Vorstandschefs Dr. Manfred Schneider im Kursivdruck)
BAYER gab bei Europas größtem und seit Jahren aufs schärfste kritisierten und bekämpften Tierversuchsauftrags-
labor Huntingdon Life Sciences HLS mit anderen Unternehmen eine Studie in Auftrag, bei der Tiere 2 Jahre lang mit der Chemikalie Tri-n-butyl-Phosphat TBP in Versuchen vergiftet wurden.
Der Vorstand weiß, dass beim Tierversuchsauftragslabor Huntingdon Life Sciences HLS, das Labore in England und den USA hat,
- etwa 500 Tiere täglich in Versuchen gequält und umgebracht werden,
- etwa 70.000 Tiere, unter ihnen Hunde, Katzen, Affen, Nager, Fische, Rinder, in den Laboren von HLS gefangengehalten werden,
- HLS 5x Undercover-Recherchen unterzogen wurde, bei denen Beweismittel gesammelt und, z.B. vom britischen Fernsehsender Chanel Four, veröffentlicht wurden,
Der Vorstand weiß, dass dabei bekannt wurde, dass HLS Tiere in hohem Maße und absichtlich quält, z.B. erst ein paar Monate alte Hunde, um sie zu disziplinieren, schlägt, weshalb Mitarbeiter von Huntingdon Life Sciences von britischen Gerichten bereits mehrfach wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz rechtskräftig verurteilt wurden: HLS-Mitarbeiter gaben darüber hinaus selbst zu, Daten ungenau zu erfassen.
Ihnen ist weiter bekannt, dass bereits seit 1999 in England eine Tierrechtskampagne – Stop Huntingdon Animal Cruelty – kurz SHAC – gestartet wurde, um die Tierquälerei bei HLS zu beenden und HLS zu schließen. Auch wissen Sie, dass die Kunden und Geschäftspartner von HLS die Folter und Ermordung von Tieren bei HLS erst ermöglichten bzw. in Auftrag gaben und aus diesem Grund ebenfalls Ziel der SHAC-Kampagne waren und sind. Bayer zählt zu diesen Geschäftspartnern, ebenso einige Kooperationsfirmen von Bayer wie Aventis.
1. Welche Geschäftsbeziehungen hatte Bayer in der Vergangenheit zu HLS aufgebaut, konkreter:
1.1 welche Tierversuche gab Bayer dort in Auftrag?
1.2 an welchen Tieren wurden Versuche von HLS durchgeführt?
1.3 an wieviel Tieren wurden diese Versuche durchgeführt?
Schneider: „Wir haben ganz normale Geschäftsbeziehungen zu dem genannten Unternehmen HLS.“
2. Aus welchen Gründen wurde HLS beauftragt, wie kam es zu diesen Geschäftsbeziehungen?
3. Wer hat HLS beauftragt, die Bayer AG als Gesamtkonzern oder die Niederlassung in England oder eine dritte Stelle?
4. Wie sehen die derzeitigen Geschäftsbeziehungen zu HLS aus?
4.1 Gab Bayer im vergangenen Geschäftsjahr Tierversuche bei HLS in Auftrag? Bei welchen weiteren Firmen werden für Bayer Tierversuche durchgeführt?
4.2 Laufen derzeit Tierversuche bei HLS für Bayer
4.3 Beabsichtigt Bayer in Zukunft Tierversuche bei Huntingdon Life Sciences durchführen zu lassen?Wer wird diese Versuche dann in Auftrag geben, meint, welche Entscheidungsstelle bei Bayer?
5. Warum wurde die Bayer-Geschäftsstelle in London geschlossen?
5.1 Der Kölner Stadtanzeiger berichtet am 16.06. vergangenen Jahres, dass TierrechtlerInnen aus England in das Bayerwerk in Wuppertal eindrangen. Warum haben diese TierrechtlerInnen diese Aktion ihrer Meinung nach durchgeführt, d.h. welches Anliegen könnten sie gehabt haben?
Schneider: „Ich kann zu der Motivation der Tierschützer nichts sagen, da müssen Sie diese schon selbst fragen.“
5.2 Wie hoch lagen die Ausgaben bei Bayer für Krisen-bzw. Risikomanagement im vergangenen Geschäftsjahr, insbesondere für das Management von Krisen, die sich für Bayer aus der Kritik sog. Anspruchsgruppen, also Protestgruppen, ergaben? Zusatzfrage: Wäre es nicht ethisch geboten, sozial verträglicher und auch den AktionärInnen gegenüber verantwortungsbewusster, nicht Risikomanager zu finanzieren, die die negativen Folgen von bewusst herbeigeführten Krisen abwenden sollen, sondern Krisen, wie das Ziel von Kampagnen besorgter und sozial engagierter Menschen zu sein, gar nicht erst entstehen zu lassen, z.B. durch ein faires und emotional intelligentes Wirtschaftshandeln?
Schneider: „Selbstverständlich sind wir in der Lage und grundsätzlich verpflichtet, unsere eigenen Anlagen zu schützen, dort entstehen keine zusätzlichen Kosten.“
5.3 Ist Ihnen bekannt, dass auch Bayer-Aktionärinnen und –Aktionäre Ziel der SHAC-Kampagne sind, also mit Protestaktionen rechnen müssen, wenn Bayer noch oder wieder Tiere bei Huntingdon Life Sciences quälen lässt?
Welche Schutzmaßnahmen wurden bzw. werden von Bayer gegen die Shac-Kampagne getroffen?
Schneider: „Leider schrecken diese Leute zum Teil auch vor Drohungen und Gewaltanwendung nicht zurück, wie wir schon an einem unserer Standorte in Deutschland erfahren mussten.“
6. Bayer hat noch immer nicht den Missbrauch von Tieren zu Versuchszwecken eingestellt, statt dessen hält Bayer an einer rücksichtslosen Unternehmenspolitik, an systematischer Gewalt gegen Tiere fest.
6.1 An welchen Standorten Bayers werden Tierversuche durchgeführt?
6.2 In welchen einzelnen Bereichen und Abteilungen von Bayer werden Tierversuche durchgeführt?
6.3 An welchen Tieren werden Versuche durchgeführt und welche Versuche?
6.4 An wieviel Tieren jährlich werden Tierversuche durchgeführt?
Schneider: „Sie haben Tierversuche angesprochen, ein Thema, über das es viele emotionale Diskussionen gegeben hat und sicherlich auch noch geben wird. Ich möchte darauf nicht weiter eingehen, um keine weitere emotionale Diskussion auszulösen. Man sollte jedoch nicht alle verurteilen, die Tierversuche durchführen und sich selbst, nur weil man gegen Tierversuche ist, heilig sprechen.“
„Bayer selbst macht nur Tierversuche, die unumgänglich sind und vom Gesetz vorgeschrieben werden.“
„Ich weiß nicht, warum die Zahl der Versuchstiere so interessant ist.
140.000 Tiere wurden im Jahre 2001 in Versuchen verwendet, 90% davon waren übrigens Ratten und Mäuse und vor zehn Jahren war die Zahl noch doppelt so hoch.“
„Die Tierversuche werden auf Bayers eigenem Werksgelände durchgeführt.“
7. Als Grund für die Durchführung von Tierversuche führt die chemische und pharmazeutischen Industrie meist an, dass diese gesetzlich vorgeschrieben und somit für sie zwingen seien.
7.1 Wenn diese Gesetzeslage nicht bestünde, würde Bayer dann an Tierversuchen festhalten?
7.2 Welche Initiativen hat Bayer gestartet, um die Gesetzeslage dahingehend zu ändern, dass Tierversuche nicht mehr vorgeschrieben sind? Zusatzfrage: Wie hat sich Bayer im Zusammenhang mit der Diskussion um die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz verhalten, über die im kommenden Mai im Bundestag abgestimmt wird und die dem Tierschutz bei ihrer Annahme die Chance einräumen würde, bei rechtlichen Abwägungen in Zukunft mit berücksichtigt zu werden?
7.3 Wie sieht das Engagement Bayers im vergangenen Geschäftsjahr bei der Entwicklung und dem Einsatz von in-vitro Methoden und von sog. Alternativmethoden im Allgemeinen aus?
Schneider: „Wir arbeiten natürlich auch an Alternativmethoden und setzen diese überall ein, wo es möglich ist.“
Rede von Tom Ökland/Friends of the Earth auf der Bayer Hauptversammlung am 26. April
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Tom Erik Okland. Ich arbeite als Umweltexperte für die Norwegische Gesellschaft für Naturschutz, auch Friends of the Earth Norwegen genannt.
Eine Untersuchung der Stadt Oslo hat gezeigt, dass der Hafen von Oslo stark mit PCB verseucht ist. Mit Hilfe des sogenannten „chemischen Fingerabdrucks“ wurden PCB von insgesamt drei Herstellern nachgewiesen. Der größte Teil der untersuchten Gifte wurde von Bayer hergestellt.
Die in Oslo gefundenen PCB stammen von Schiffs-Anstrichen. Die norwegische Umweltbehörde hat nachgewiesen, dass PCB von Bayer in Schiffslacken verwendet wurden, die in Norwegen verkauft wurden. Etwa die Hälfte der gefundenen PCB gehören zu der Marke „Clophen“, die von Bayer hergestellt wurde.
Friends of the Earth Norwegen und die Stadt Oslo erwägen eine Klage gegen Bayer und andere PCB-Hersteller. Die Entgiftung des Hafens von Oslo wird etwa 26 Millionen Euro kosten. Wir fordern eine Beteiligung von Bayer an diesen Kosten!
Meine erste Frage lautet: ist Bayer bereit, einen Teil der Kosten für die Reinigung zu übernehmen?
In einem möglichen Gerichtsverfahren müsste zunächst geklärt werden, warum Bayer keine Informationen über die Giftigkeit und die Persistenz von PCB veröffentlicht hat. Denn bereits Mitte der sechziger Jahre war die Gefährdung für die Umwelt bekannt. Und die akute Giftigkeit und die Persistenz von PCB wurden noch früher entdeckt.
Trotzdem wurden PCB bis Mitte der siebziger Jahre an Hersteller von Schiffsfarben geliefert. Ohne Informationen über die Gefahren für die Umwelt und für die Gesundheit der Arbeiter!
Vor diesem Hintergrund frage ich:
Warum hat die Bayer AG nicht sofort reagiert, als die Gefahren von PCB entdeckt wurden? Warum wurden PCB nicht direkt aus dem Handel genommen?
Und warum wurden die Käufer von PCB nicht über die Risiken informiert? PCB sind völlig ungeeignet für das Anstreichen von Schiffen.
PCB wurden in Norwegen vor 20 Jahren vom Markt genommen, doch erst in den neunziger Jahren wurden alle Gefahren von PCB bekannt. Daher wird erst jetzt die Reinigung der norwegischen Häfen und Fjorde in Angriff genommen. Wenn die norwegischen Hersteller von Schiffsfarben früher Informationen über die Gefahren von PCB erhalten hätten, hätte die Kontaminierung weiter Teile der norwegischen Küste verhindert werden können!
Zusätzlich wurden durch das Sandstrahlen alter Schiffe zahlreiche Werften und Arbeiter vergiftet. Durch eine rechtzeitige Information der Kunden hätte auch diese Form von Vergiftung verhindert werden können. Dieser Verantwortung ist Bayer als Hersteller nicht gerecht geworden!
Daher frage ich:
Warum hat Bayer nach dem Produktions-Stopp keine Informationen über die Gefahren von PCB veröffentlicht?
Nach Meinung von Friends of the Earth Norwegen ist das Verursacherprinzip der beste Weg, um die Produktion und die Verbreitung von toxischen Substanzen zu stoppen oder zu vermeiden. Wir fordern, dass sich Bayer generell an das Verursacherprinzip hält. Daher muss sich Bayer auch an der Entgiftung des Hafens von Oslo beteiligen!
Meine letzte Frage lautet daher:
Wird die Bayer AG ihre Produktion an dem Verursacherprinzip orientieren? Wie verhindert Bayer künftige Vergiftungen von Mensch und Umwelt?
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Bei Bayer ein Gefühl wie im Hochsicherheitstrakt
Auf der Hauptversammlung des Leverkusener Konzerns schlechtere Stimmung als gewohnt. Englische Proteste auf der Vorstandsbühne
KÖLN taz Ein wahres Seuchenjahr hat die Bayer AG hinter sich. Zunächst kam der Skandal um das Cholesterin senkende Medikament Lipobay, dann der Einbruch der Aktie und jetzt die Kürzung der Dividende. Die Aktionärsversammlung der Bayer AG in der Kölner Messehalle 6 hatte am vergangenen Freitag einiges zu besprechen. Doch zunächst mussten die etwa 8.000 AktionärInnen sich durch die Jahr für Jahr wachsende Zahl der Demonstranten gegen die Geschäftspraktiken des Chemie- und Pharmakonzerns kämpfen.
In diesem Jahr wurde vor allem gegen die grausamen Tierversuche und die Senkung der Unternehmenssteuern protestiert, die der ehemalige Bayer-Angestellte Heribert Zitzelsberger als jetziger Staatssekretär im Bundesfinanzministerium durchgesetzt hatte. Danach musste sich AktionärIn durch eine von zwanzig Sicherheitsschleusen quetschen, wie man sie von Flughäfen kennt. Derart strenge Kontrollen waren bisher nicht üblich. Doch die Sicherheitsvorkehrungen waren seltsam inkonsequent: Wer die Halle verließ, wurde bei der Rückkehr ohne Kontrolle durchgewunken. Samt Gepäck.
Der sonst so weltgewandte Vorstandsvorsitzende der Bayer AG, Dr. Manfred Schneider, wirkte wenig souverän, als er zum letzten Mal zum Geschäftsbericht ansetzte. Nach zehn Jahren Amtszeit wechselte der 63-Jährige mit Ablauf der HV in den Aufsichtsrat. Im vergangenen Jahr brach der Konzerngewinn um 47 Prozent auf 965 Millionen Euro ein. Die Dividende wird auf Vorschlag des Vorstands von 1,40 auf 0,90 Euro je Aktie gesenkt. Nur verhaltener Beifall aus den Reihen der anwesenden Bayer-Aktionäre ertönte nach Schneiders Rede. Doch er bekannte erleichtert, dass ihm das sehr gut tue. Nach dem enttäuschenden Geschäftsjahr hatte er wohl mit heftigeren Reaktionen seiner Aktionäre gerechnet. Der aus diesem Anlass verstärkte Werkschutz war aber nicht in der Lage, zu verhindern, dass englische Gegner von Genpflanzen-Freilandversuchen zur Bodyguard-geschützten Vorstandsbühne stürmten und sich einer von ihnen die Dekoration hinaufhangelte. Diesen zu entfernen, gelang erst, nachdem Aufsichtsratsvorsitzender Strenger dem Werkschutz wutentbrannt seine Hilfe angeboten hatte.
Über die Diskussion des Geschäftsberichts selbst dürfte der Vorstand wenig Freude gehabt haben. Außer den vom Dachverband der Kritischen Aktionäre und von der Coordination eingeladenen elf Konzernkritikern äußerten sich diesmal fast alle Redner kritisch; etliche beklagten natürlich den Dividendenrückgang, aber es gibt eine wachsende Zahl von Aktionären, die vom Vorstand ein an ethischen Grundsätzen orientiertes Handeln erwarten. Die Stimmung der Aktionäre drückte sich auch in einer deutlichen Abstrafung bei der Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat aus; statt der üblichen 99 Prozent gab es diesmal nur 90 Prozent Zustimmung.
PAUL KRANEFELD-WIED Der Autor ist Mitglied der konzernkritischen Coordination gegen Bayer-Gefahren (www.cbgnetwork.org)
taz Nr. 6737 vom 29.4.2002
Hamburger Morgenpost
Hauptversammlung mit Handgemenge
Protest gegen Gen-Saat / Harte Zeiten für die Bayer AG
KÖLN - Eine Gruppe britischer
Demonstranten hat gestern die
Hauptversammlung der Bayer AG zu Beginn
unterbrochen. Sie protestierten gegen die
Einführung von genetisch manipuliertem
Saatgut in Großbritannien. „Nieder mit
Bayer“, schrie ein Demonstrant, der etwa
fünf Meter an einer Wand am Rande des
Podiums hochgeklettert war. Die Aktionäre
des Bayer-Konzerns dürften ebenfalls
schlechter Stimmung gewesen sein. Denn
der scheidende Vorstandschef Manfred
Schneider verkündete überwiegend negative
Nachrichten. Die Konjunkturflaute und
Umsatzausfälle durch die Rücknahme des
Medikaments Lipobay machen dem Chemie-
und Pharmakonzern auch 2002 zu schaffen.
In allen vier Geschäftsbereichen –
Gesundheit, Pflanzenschutz, Polymere und
Chemie – brach im ersten Quartal der
Gewinn ein. Der Konzernumsatz im
fortzuführenden Geschäft blieb mit sieben
Milliarden Euro um sechs Prozent unter dem
Vorjahreswert. Das operative Ergebnis vor
Sonderposten verringerte sich sogar um 46
Prozent auf 493 Millionen Euro.
Schneider, der nach zehn Jahren auf dem
Bayer-Chefsessel auf den Posten des
Aufsichtsratsvorsitzenden wechseln will,
dürfte es schwer fallen, gerade jetzt die
Zügel aus der Hand zu geben. Acht Mal
hintereinander hatte der Vorstandschef die
Aktionäre mit Rekordergebnissen verwöhnt.
Schneider holte nach fast 75 Jahren für
Bayer die Rechte am eigenen Namen in den
USA zurück. Er brachte die Bayer-Aktie an
die Wall Street und sorgte dafür, dass sich
der Unternehmenswert verdreifachte.
Doch ausgerechnet im letzten Jahr seiner
Verantwortung ging fast alles schief. Zwar
gelang Schneider gerade noch, das Ruder
rumzureißen, doch für Nachfolger Werner
Wenning bleibt noch eine Menge zu tun. Ihm
dürfte helfen, dass er den Konzern in- und
auswendig kennt: Wenning, 55 Jahre alt,
begann am 1. April 1966 als Lehrling im
Hause Bayer. (AP/dpa)