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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 18. Juni 1999

Störfälle

CBG Redaktion

18. Juni 1999

Giftige Gase bei der RHEIN CHEMIE in Mannheim ausgetreten:

Störfall-Serie bei BAYER reisst nicht ab

Zum dritten grossen Unfall in Werken der BAYER AG innerhalb eines Monats kam es in den frühen Morgenstunden bei der RHEIN CHEMIE in Mannheim. Nach einem vierstündigen Stromausfall, der das Kühlsystem in einem Druckbehälter ausser Kraft setzte, explodierte ein Kessel. Giftige Schwefelverbindungen gelangten in die Umwelt, mehrere hundert Anwohner klagten über “bestialischen Gestank”. Die Bevölkerung wurde aufgefordert, Türen und Fenster zu schließen, mehr als 20 Personen mussten ärztlich untersucht werden. Die RHEIN CHEMIE ist eine 100%ige Tochter des Leverkusener BAYER-Konzerns.

Erst am 8. Juni waren durch eine Explosion im Wuppertaler BAYER-Werk über 100 Mitarbeiter und Anwohner verletzt worden, dabei entstand ein Sachschaden von mehreren hundert Millionen Mark. Anfang Mai war bei der BAYER-Tochter EC ERDÖLCHEMIE ein Tankschiff explodiert. Drei Menschen kamen ums Leben, mehrere Tonnen Benzin flossen in den Rhein.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): “BAYER fährt Jahr für Jahr Rekordgewinne ein, bei ständig sinkender Belegschaftsstärke. Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass durch den rasanten Arbeitsplatzabbau ein sicheres Betreiben der Anlagen nicht mehr möglich ist.” Die CBG fordert systematische Untersuchungen aller Anwohner von Chemieunfällen, um Langzeitschäden aufzudecken. Mimkes weiter: “In den BAYER-Werken wird ausgerechnet bei der Feuerwehr und den Kontrolleinrichtungen gespart. Sicherheit muss aber vor Gewinnoptimierung gehen.”

Die CBG beobachtet den Multi BAYER seit über 20 Jahren. Mit konsequenter Öffentlichkeitsarbeit werden die Bereiche Umweltschutz, Arbeitssicherheit, Probleme in der Dritten Welt und Einflussnahme auf die Politik beleuchtet. Zahlreiche Erfolge wurden verbucht, so ein Sieg vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den Leverkusener Multi und die Verhinderung mehrerer umstrittener Werke.

Demo Leverkusen

CBG Redaktion

18. Juni 1999

Spektakuläre Aktion in Leverkusen:

500 indische Landarbeiter demonstrieren bei BAYER

500 indische Bauern demonstrierten heute am Leverkusener BAYER-Werk für gerechten Welthandel und gegen den Einsatz von Gentechnik und Pestiziden in der Landwirtschaft. Die Landarbeiter, die in traditionelle weisse Gewänder und grüne Schals gekleidet waren, wurden von 300 deutschen Unterstützern begleitet. Die spektakuläre Aktion fand im Rahmen der Internationalen Karawane für Solidarität und Widerstand statt, die in zwölf europäischen Ländern Kundgebungen organisiert.

Spezielle Vorwürfe wurden gegen Bayer gerichtet, da der Leverkusener Konzern mit Pestiziden und gentechnischen Produkten die Lebensgrundlagen der indischen Landbevölkerung gefährdet. Ein Sprecher der Karawane erklärte an die Adresse von Bayer: “Wir brauchen Eure Pestizide nicht, sie zerstören unsere Lebensgrundlagen. Wir warnen Bayer: wenn Sie gentechnisch veränderte Produkte auf den indischen Markt bringen, werden wir unseren Widerstand noch verstärken.”
Das Unternehmen Bayer ist der größte deutsche Chemiekonzern, Vorreiter in der Gentechnologie, einer der weltweit größten Pestizidhersteller und Mitglied einflussreicher Lobbyorganisationen. Nanjunda Swamy, Präsident der 10 Millionen Mitglieder zählenden Bauernorganisation KRRS, erklärte: ”Wir wollen den Regierungen und transnationalen Konzernen im Norden direkt vor Ort unsere Ablehnung ihres Ausbeutungssystems zeigen”. Die Demonstration war in Zusammenarbeit mit Betriebsräten der Bayer AG, der Kölner Gruppe AntiGen und der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) organisiert worden.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der CBG: “Bayer produziert in Indien das hochgiftige Pestizid Parathion, das jährlich für mehr als eine Million Vergiftungsfälle verantwortlich ist. Andere Pestizide lässt Bayer von Subunternehmenen herstellen, bei denen Gewerkschaften verboten sind und keinerlei Sicherheitsstandards eingehalten werden. Daher muss sich das Unternehmen der Kritik der indischen Landbewegung stellen”. Mimkes kritisiert weiterhin den hohen Einfluss von Bayer auf die Politik. Dies zeige sich einmal mehr beim G8-Gipfel in Köln, der von Bayer mitfinanziert wird und auf dem sich das Unternehmen exklusiv präsentiert.

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