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Beitrag veröffentlicht im Dezember 2002

[IG Farben] IG FARBEN

CBG Redaktion

18. Dezember 2002

Proteste auf IG FARBEN-Hauptversammlung

Coordination gegen BAYER-Gefahren stellt Gegenanträge

Zu Tumulten kam es auf der heutigen Hauptversammlung der IG FARBEN AG in Abwicklung im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim. Dreißig Kritische Aktionäre, die in gewaltloser Weise die Auflösung der Gesellschaft forderten, wurden vom Saaldienst brutal aus dem Gebäude entfernt. Versammlungsleiter Born heizte die Stimmung weiter an, indem er die Kritiker als „geistige Väter von Gewalt“ und „Psychopathen“ beschimpfte. An den Protesten gegen die IG FARBEN beteiligten sich auch ehemalige Zwangsarbeiter der Gesellschaft.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kandidiert in der Versammlung für den Aufsichtsrat der IG FARBEN, um eine sofortige Liquidierung der Firma durchzusetzen. „Kein Unternehmen hat mehr Blut an seinen Aktien als die IG FARBEN. Jeder einzelne Tag der Weiterexistenz dieser Gesellschaft ist eine Schande für jeden demokratisch gesinnten Bürger dieses Landes“. Köhler-Schnura wirft Otto Bernhard, CDU Bundestagsabgeordneter und langjähriger Liquidator der IG FARBEN, vor, mit seiner Tätigkeit die moralische Integrität des Bundestags zu beschmutzen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kämpft seit 20 Jahren für die Entschädigung ehemaliger ZwangsarbeiterInnen. In der Versammlung stellten Vertreter des Vereins mehrere Gegenanträge, in denen eine Nicht-Entlastung der Liquidatoren und des Aufsichtsrats gefordert werden. Begründet wird dies mit der seit Jahrzehnten verschleppten Abwicklung der Gesellschaft und der Nicht-Einbeziehung der Opfer in den Prozess der Auflösung. Auch in die Entschädigungsstiftung der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft hat die Firma nicht eingezahlt.

Die IG FARBEN kooperierte im Dritten Reich eng mit dem national-
sozialistischen Regime und unterhielt in Auschwitz ein „werkseigenes“ Konzentrationslager für Zwangsarbeiter. Unmittelbar nach Kriegsende beschlossen die Alliierten die Zerschlagung des Konzerns. Bayer, BASF und Hoechst sind die drei größten von ursprünglich sechs Unternehmen, die übrig blieben. Mit rund zehn Prozent des Kapitals gründeten die Alliierten die IG FARBEN in Abwicklung. „In Abwicklung“ befindet sich die IG FARBEN nun allerdings bereits seit fast 50 Jahren.

Global Compact

CBG Redaktion

PAN Germany - Presse-Information vom 3. Dezember 2002

Appell an Kofi Annan: Pestizidhersteller von der Global Compact Initiative ausschließen

Anlässlich des vom internationalen Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN) ausgerufenen „weltweiten Tag gegen den Pestizideinsatz“ wenden sich die KoordinatorInnen der PAN-Regionalzentren an den UN General-
sekretär Kofi Annan. Mit ihrem Schreiben unterstützen sie den Appell einer Dorfgemeinschaft aus Peru, die den Ausschluss der Bayer AG aus der UN Global Compact Initiative fordert.

Kinder in Peru durch Bayer-Pestizid gestorben
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Peru kam zu dem Ergebnis, dass die Bayer AG für die durch das Pestizid Parathion- Methyl verursachte tödliche Vergiftung von 24 Kindern aus dem Andendorf Tauccamarca verantwortlich sei. Der Vorfall ereignete sich bereits im Jahr 1999, als die Kinder in der Schule mit dem Pestizid verunreinigtes Milchpulver zu trinken bekamen. Die Bayer AG wurde als Hauptimporteur des extrem gefährlichen und hochgiftigen Insekten-
vernichtungsmittels vom eigens eingesetzten Untersuchungsausschuss identifiziert.

Unglücksfall repräsentiert Probleme mit Pestiziden in Entwicklungsländern
PAN betont, dass es sich nicht um einen unglücklichen Einzelfall handelt. „Unsere seit 20 Jahren andauernde Arbeit hat gezeigt, dass der Einsatz von Pestiziden in bestimmten Regionen der Welt sehr problematisch ist. Insbesondere gilt dies dort, wo Bäuerinnen und Bauern, deren Familien und die Land- und Plantagenarbeiter keinen Zugang zu oder keine wirtschaftlichen Mittel für Sicherheitsausrüstung haben, wo es sich um Analphabeten handelt und/oder wo keine Kenntnisse über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz der Gesundheit und der Umwelt vorhanden sind“ erklärt Carina Weber, PAN Germany Geschäftsführerin.

Appell zum Ausschluss der Bayer AG vom Global Compact
Die PAN Regionalzentren unterstützen daher den Appell der betroffenen Dorfge-meinschaft an Generalsekretär Kofi Annan, im Namen der Vereinten Nationen Pesti-zidhersteller dazu aufzufordern, ihre gefährlichsten Produkte vom Markt zu nehmen. Auch sollten Unternehmen, die solche hochgefährlichen Produkte vermarkten, von der UN Global Compact Initiative ausgeschlossen werden, stellen sie doch die Glaubwürdigkeit eines solchen Programms, das Menschenrechte und Umweltschutz voranbringen will, in Frage.

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. Fon: +49 (0)40-39 91 91 0-0
Nernstweg 32, D-22765 Hamburg Fax: +49 (0)40-390 75 20