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Beitrag veröffentlicht im April 2003

[HV] Kampagne Pestizide Peru

CBG Redaktion

Rede von Luis Gomero Osorio auf der BAYER-Hauptversammlung am 25.04.2003 in Köln

Sehr geehrte Damen und Herren,

mein Name ist Luis Gomero. Ich bin Vorsitzender des internationalen Pestizid Aktions-Netzwerks PAN in den Andenstaaten. Ich komme aus Peru und habe die weite Reise nach Köln angetreten, um Sie über die verheerenden Todesfälle durch Pestizidvergiftungen im peruanischen Dorf Taucamarca zu informieren und vom BAYER-Vorstand die Entschädigung der Vergiftungsopfer zu verlangen. Ich selbst bin als Berater an der Untersuchung der Tragödie von Taucamarca beteiligt.

Im Oktober 1999 starben dort 24 Kinder, nachdem sie in der Schule verunreinigtes Milchpulver zu trinken bekamen. 18 weitere wurden schwer vergiftet. Der peruanische Kongress berief daraufhin einen Untersuchungsausschuss, der im Oktober 2002 seinen Abschlussbericht vorlegte. Demnach führten ungenügende Sicherheitsmaßnahmen zu den Vergiftungen: Das BAYER-Produkt FOLIDOL mit dem hochgiftigen Wirkstoff Parathion-methyl ist ein weißes Pulver, das Milchpulver ähnelt. Es enthielt keinen Warn-Geruch und wurde in durchsichtigen Tüten am Straßenrand verkauft. Informationen zur Gefährlichkeit der Produkte fehlten entweder ganz oder waren in Spanisch abgefasst - die Bewohner des Hochlandes sprechen jedoch überwiegend Quetchua. Statt mit Warn-Piktogrammen waren die Tüten mit Abbildungen von Gemüse bedruckt.

Der Kongress-Ausschuss fordert in seinem Bericht, dass BAYER und die peruanische Regierung die betroffenen Familien entschädigen.

Ich frage deshalb den Vorstand von BAYER:
Erfüllt das Unternehmen die Forderung des peruanischen Kongress- Ausschusses und kommt damit der Verantwortung für seine Produkte, deren Vertrieb und Anwendung auch in der Andenregion nach? Wird BAYER den Opfern und ihren Angehörigen eine angemessene Entschädigung leisten?

Seit langem ist die Gefährlichkeit hochgiftiger Pestizide wie die im Fall Taucamarca angeführten Wirkstoffe Parathion-ethyl und Parathion-methyl bekannt. 1995 hatte sich Bayer dazu verpflichtet, sämtliche von der WHO als „hochgiftig“ eingestuften Pestizide in einem Zeitraum von 5 Jahren vom Markt zu nehmen. Das Unternehmen hat diese Verpflichtung nicht erfüllt. Diese Produkte sind weiterhin in Gebrauch und verursachen Vergiftungen und Todesfälle wie im Fall von Taucamarca.

Ich frage den Vorstand von BAYER:
Warum ist BAYER seiner Verpflichtung nicht nachgekommen und hat die genannten Pestizide nicht früher vom Markt genommen?

Wie ist es möglich, dass trotz Verbots seit 1998 und erneuter Ratifizierung (oder: Bestätigung) des Verbots im Jahr 2000 die genannten Wirkstoffe in Peru immer noch - nicht-legal gehandelt - auf dem Markt erhältlich sind?

Obwohl bekannt ist, dass in den randständigen Andenregionen die Mehrheit der Bauern weder spanisch spricht noch liest, sind sämtliche Produktinformationen von BAYER, z.B. auch zu FOLIDOL, nur auf Spanisch verfügbar.

Eine qualifizierte Beratung und technische Unterweisung in der Hand-
habung der BAYER-Produkte erfolgt in diesen Regionen nicht. Die notwendige Aufklärung über Produktrisiken und -gefahren bleibt aus.

Ich frage den Vorstand:
Warum hat BAYER nicht die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um die Bevölkerung über Risiken und Gefahren aufzuklären?

Nachdem das Regime des Ex-Diktators Fujimori die juristische Aufklärung des Falls von Taucamarca mit allen Mitteln behindert und blockiert hat, weist nun auch BAYER die von den Familien der Todesopfer eingereichte Klage auf finanzielle Entschädigung und Verbot der betroffenen BAYER-Produkte aus fadenscheinigen Gründen zurück. Eine angebliche Verjährung sowie Unklarheiten in der Klageerhebung werden angeführt.

Ich frage:
Warum behindert BAYER die Arbeit der Justiz in einem Land, das sich erst vor kurzem von einer Diktatur befreit hat; und in einem Fall, der die Gesundheitspolitik von Peru in so grundlegender Weise berührt?

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und würde mich freuen, den betroffenen Familien und ihren Angehörigen in Peru eine positive Antwort von BAYER übermitteln zu können.

Alles was wir erwarten, ist Gerechtigkeit.

TAUCCAMARCA

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 25. April 2003

Wegen tödlicher Pestizid-Vergiftung von 24 Kindern:

BAYER-Hauptversammlung: Peruanischer Menschenrechtler fordert Wiedergutmachung

Der peruanische Menschenrechtler Luis Gomero, Vorsitzender des Pestizid Aktions-Netzwerk Peru, fordert in der heutigen Hauptversamm-
lung der BAYER AG eine Entschädigung der Vergiftungsopfer von Tauccamarca. In dem peruanischen Andendorf waren vor drei Jahren 24 Kinder gestorben, nachdem sie in der Schule verunreinigtes Milchpulver zu sich genommen hatten; 18 weitere wurden schwer vergiftet.

Gomero wörtlich: „Trotz jahrelanger Warnungen hält BAYER bis heute an dem Verkauf hochgefährlicher Pestizide fest. Damit trägt der Konzern die Verantwortung für den Tod der Kinder von Tauccamarca und von Tausenden von Menschen in aller Welt“. Gomero reist auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) nach Deutschland. Er nahm an der Untersuchung der Tragödie von Tauccamarca teil und vertritt die Angehörigen vor Gericht.

Nach dem Sturz des Diktators Fujimori hatte der peruanische Kongress einen Untersuchungsausschuss einberufen, der kürzlich seinen Abschlussbericht vorlegte. Demnach führten Vergiftungen mit dem BAYER-Produkt „Folidol“ zu den Todesfällen. Folidol ist ein weißes Pulver, das Milchpulver ähnelt. Es enthielt keinen Warn-Geruch und wurde vor allem in entlegenen Andenregionen an Kleinbauern verkauft. Informationen zur Gefährlichkeit der Produkte fehlten meist vollständig, statt mit Warn-Piktogrammen waren die Tüten mit Abbildungen von Gemüse bedruckt. Der Untersuchungsausschuss wirft dem BAYER-Konzern mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor und fordert eine Entschädigung der Hinterbliebenen sowie eine Übernahme der Behandlungskosten der Überlebenden durch BAYER.

Axel Köhler-Schnur von der CBG: „Seit 20 Jahren stehen die BAYER-Hauptversammlungen im Zeichen massiver Kritik. Unsere zentrale Forderung lautet: Nicht der Profit darf im Mittelpunkt stehen, sondern der Schutz des Mensch und der Umwelt.“

Betrug

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. April 2003

Wegen Betrugs an staatlichem Gesundheitssystem

USA: Bayer-Konzern zahlt Rekordstrafe

Die Bayer AG bestätigte heute, dass der Konzern rund 250 Millionen Dollar wegen Betrugs an dem amerikanischen Gesundheitsprogramm „Medicaid“ zahlt. Bayer hatte sich sowohl in einem strafrechtlichen als auch in einem zivilrechtlichen Verfahren schuldig bekannt, dem Hilfsprogramm nicht wie vorgeschrieben die niedrigst möglichen Medikamentenpreise eingeräumt zu haben.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich um die bislang höchste Strafe in einem Verfahren wegen Preismanipulationen. Dem Staat waren jährliche Schäden von rund 1 Milliarde Dollar entstanden. Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Massachusetts war durch Hinweise eines ehemaligen Mitarbeiters auf den Betrug aufmerksam gemacht worden. Demnach hatte Bayer jahrelang Medikamente über Mittelsmänner und Scheinfirmen vertrieben, um die Offenlegung der tatsächlichen Medikamentenpreise zu verhindern.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG): „Betrug hat bei Bayer eine lange Tradition. Konzerne müssen viel stärker kontrolliert werden - leider geht die Entwicklung in Deutschland in die falsche Richtung, wie das Scheitern des Anti- Korruptionsregisters im Bundesrat gezeigt hat.“ Mimkes fordert die Entlassung der verantwortlichen Bayer-Manager und eine Reglementierung von Preisen von Pharmazeutika.

Erst im vergangenen Herbst hatte die EU-Wettbewerbsbehörde die Bayer-Zentrale wegen mutmaßlicher Preisabsprachen beim Verkauf von Kautschukchemikalien durchsucht. In einem weiteren Verfahren wegen überhöhter Preise hatte der Konzern vor zwei Jahren 14 Millionen Dollar an „Medicare“ und „Medicaid“ bezahlt. Bereits in den 90er Jahren hatte die damalige Bayer-Tochter Haarmann & Reimer (H&R) mit fünf Wettbewerbern ein Kartell für Zitronensäure gebildet - gegen H&R wurden Strafen von 100 Mio Dollar verhängt. In den 80er Jahren beteiligte sich Bayer an einem europaweiten Kartell für den Kunststoff Polyethylen, auch damals waren Preise und Quoten exakt abgestimmt gewesen.