Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Beitrag veröffentlicht im September 2003

[ICC] Pressemitteilung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 26. September 2003

Internationaler Strafgerichtshof ermittelt gegen Firmen aus 29 Staaten

Geschäfte mit Bürgerkriegsparteien im Kongo / Klage gegen BAYER-Tochter H.C. STARCK gefordert / rund 3 Mio Tote

Der internationale Strafgerichtshof ermittelt gegen Unternehmen aus 29 Ländern, die den kongolesischen Bürgerkrieg durch Abnahme von Rohstoffen und Lieferungen von Waffen befördert haben. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo spricht vom „wichtigsten Fall seit dem Zweiten Weltkrieg“ - dem Krieg fielen bislang zwischen 2,5 und 3 Millionen Menschen zum Opfer. Um welche Firmen es sich handelt, wurde zunächst nicht bekannt.

Zu den wichtigsten Abnehmern kongolesischer Rohstoffe gehörte jahrelang die Firma H.C. STARCK mit Sitz in Goslar. Die Tochterfirma des BAYER-Konzerns war zeitweise größter Abnehmer des Minerals Coltan, welches das wertvolle Metall Tantal enthält. Abgebaut wird das Mineral im Osten des Kongo, der von der mit Ruanda verbündeten Rebellenarmee RCD kontrolliert wird.

Die RCD hatte nach eigenen Angaben mit dem Export von Coltan mehr als 1 Million US$ monatllich eingenommen und mit den Erlösen Waffen gekauft und Soldaten rekrutiert. Das Worldwatch Institute schätzt, dass Ruanda allein im vergangenen Jahr durch die Coltanausbeute im Ostkongo 250 Millionen Dollar eingenommen hat - viel Geld in einer Region, in der eine Kalaschnikow für 30 Dollar erhältlich ist. H.C. STARCK hatte die Importe aus dem Kongo lange abgestritten und erst nach Recherchen der Vereinten Nationen sowie von Journalisten eingeräumt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „H.C. STARCK trägt Mit-Verantwortung für die grauenhaften Kämpfe im Osten des Kongo, denen Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag muss auch gegen die Verantwortlichen bei STARCK ermitteln, damit die Verwicklung des Unternehmens in den Bürgerkrieg vollständig ans Licht kommt.“ Die CBG recherchiert seit drei Jahren zu dem Fall und hat dem Strafgerichtshof in Den Haag daher Unterlagen zur Rolle von STARCK im Kongo angeboten.

Kongo

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 26. September 2003

Internationaler Strafgerichtshof ermittelt gegen Firmen aus 29 Staaten

Geschäfte mit Bürgerkriegsparteien im Kongo / Klage gegen BAYER-Tochter H.C. STARCK gefordert / rund 3 Mio Tote

Der internationale Strafgerichtshof ermittelt gegen Unternehmen aus 29 Ländern, die den kongolesischen Bürgerkrieg durch Abnahme von Rohstoffen und Lieferungen von Waffen befördert haben. Chefankläger Luis Moreno-Ocampo spricht vom „wichtigsten Fall seit dem Zweiten Weltkrieg“ - dem Krieg fielen bislang zwischen 2,5 und 3 Millionen Menschen zum Opfer. Um welche Firmen es sich handelt, wurde zunächst nicht bekannt.

Zu den wichtigsten Abnehmern kongolesischer Rohstoffe gehörte jahrelang die Firma H.C. STARCK mit Sitz in Goslar. Die Tochterfirma des BAYER-Konzerns war zeitweise größter Abnehmer des Minerals Coltan, welches das wertvolle Metall Tantal enthält. Abgebaut wird das Mineral im Osten des Kongo, der von der mit Ruanda verbündeten Rebellenarmee RCD kontrolliert wird.

Die RCD hatte nach eigenen Angaben mit dem Export von Coltan mehr als 1 Million US$ monatllich eingenommen und mit den Erlösen Waffen gekauft und Soldaten rekrutiert. Das Worldwatch Institute schätzt, dass Ruanda allein im vergangenen Jahr durch die Coltanausbeute im Ostkongo 250 Millionen Dollar eingenommen hat - viel Geld in einer Region, in der eine Kalaschnikow für 30 Dollar erhältlich ist. H.C. STARCK hatte die Importe aus dem Kongo lange abgestritten und erst nach Recherchen der Vereinten Nationen sowie von Journalisten eingeräumt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „H.C. STARCK trägt Mit-Verantwortung für die grauenhaften Kämpfe im Osten des Kongo, denen Hunderttausende Menschen zum Opfer fielen. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag muss auch gegen die Verantwortlichen bei STARCK ermitteln, damit die Verwicklung des Unternehmens in den Bürgerkrieg vollständig ans Licht kommt.“ Die CBG recherchiert seit drei Jahren zu dem Fall und hat dem Strafgerichtshof in Den Haag daher Unterlagen zur Rolle von STARCK im Kongo angeboten.

Pleite PPL

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 18. September 2003

Pleite der Gentech-Firma PPL

Tierrechtler protestieren gegen Tötung von 6.500 Schafen

Die schottische Gentechnik-Firma PPL Therapeutics hat Konkurs angemeldet. Die im Besitz der Firma befindlichen 6.500 zum Teil gentechnisch veränderten Schafe sollen nach Angaben der NY Times getötet werden. Ein Bündnis von Tierrechts- und Umweltverbänden verlangt die Übergabe der Tiere an Gnadenhöfe oder ähnliche Auffangstationen.

Das Unternehmen PPL Therapeutics wurde in den Achtziger Jahren als Ableger des schottischen Roslin-Instituts gegründet. Die Firma war nach eigenen Angaben führend in der Entwicklung von Klon-Verfahren und gentechnisch veränderten „Nutztieren“. Mit der im Auftrag des BAYER- Konzerns erfolgten Züchtung der Klon-Schafe „Tracy“ und „Dolly“ kam PPL weltweit in die Schlagzeilen. Nachdem BAYER die Unterstützung für PPL eingestellt hatte, stürzten die Aktien der Firma ab.

Der Bankrott wird 6.500 Schafen in Schottland und Neuseeland möglicherweise das Leben kosten. Gegen die geplante Tötung der zum Teil gentechnisch veränderten Tiere laufen Tierrechtler in aller Welt Sturm. In Deutschland haben sich der Bundesverband Menschen für Tierrechte, Ärzte gegen Tierversuche, die tierbefreier, SHAC Germany, Antivivisektion Rhein-Ruhr und die Coordination gegen Bayer-Gefahren zusammengeschlossen, um gegen die Tötung der Schafe zu protestieren. Sie fordern die Unterbringung auf Gnadenhöfen, da es ethisch nicht zu verantworten sei, die Schafe aufgrund der Pleite einer Firma durch Tötung zu „entsorgen“.

Der Konkurs der Firma ist ein Indiz dafür, dass die gentechnische Manipulation von Tieren nicht den versprochenen schnellen medizinischen und wirtschaftlichen Erfolg bringe, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Durch Genveränderung würden Tiere ihrer Unversehrtheit, ihrer genetischen Identität und Integrität beraubt. Schmerzen, Leiden und Schäden seien vorprogrammiert, denn das Ziel sei häufig die Erzeugung kranker oder missgebildeter Tiere. Unabhängig davon sei der Nutzen für den Menschen mehr als fraglich, Risiken können dagegen nicht ausgeschlossen werden.

Auch die Klon-Techniken sind mit ernsten gesundheitlichen Problemen für die Tiere verbunden. So litt das Klon-Schaf ‚Dolly‘ an einer schmerzhaften Gelenkentzündung und wurde im Alter von nur sechs Jahren – Schafe können bis 18 Jahre alt werden - wegen einer nicht behandelbaren Lungenerkrankung getötet. „Es ist schlimm genug, dass für Gentechnik-Firmen wie PPL unzählige Tiere leiden und sterben müssen“, erklärte eine Sprecherin der Tierrechtler. In den letzten Jahren stiegen durch die biotechnologische Forschung die Tierversuchzahlen in Deutschland stark an – entgegen aller Versprechungen der Gentechnik- Befürworter. „Die jetzt übrig gebliebenen Schafe haben ein Recht auf Leben“, so die Sprecherin weiter, “der Konzern darf mit seinem wirtschaftlichen Aus nicht einfach den Tod für Tausende Schafe verbinden. Es ist seine Pflicht, den Tieren ein artgemäßes Leben zu ermöglichen."

Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner e.V.
Telefon: 0241-157214
info@tierrechte.de
www.tierrechte.de

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Telefon: 069-519411
info@aerzte-gegen-tierversuche
www.aerzte-gegen-tierversuche.de

die tierbefreier e.V.
Telefon: 040-28051946
bundesbuero@die-tierbefreier.de
www.die-tierbefreier.de

SHAC - Stop Huntingdon Animal Cruelty
info@shacgermany.net
www.shacgermany.net

Antivivisektion e.V.
53569 Unkel
Telefon: 02224-76207
Antivivisektion@tierversuchsgegner.org ·
www.tierversuchsgegner.org

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Telefon 0211-333911
info@cbgnetwork.org
www.cbgnetwork.org

Schwarzbuch

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. September 2003

„Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“:

BAYER-Konzern führt erneut die „Liste der Bösen“ an

Die Journalisten Klaus Werner und Hans Weiss haben das „Neue Schwarzbuch Markenfirmen - Machenschaften der Weltkonzerne“ veröffentlicht. Die erste Auflage wurde über 100.000 Mal verkauft - das Schwarzbuch ist damit das in Deutschland erfolgreichste Buch zum Thema Globalisierungskritik. Das überarbeitete Buch aktualisiert die Vorwürfe gegen 50 multinationale Unternehmen, die das politische und gesellschaftliche Geschehen in aller Welt wesentlich mitbestimmen.

In der Erstauflage führten die Unternehmen BAYER, TotalFinaElf und McDonalds die „Hitliste der Bösen“ an. BAYER wurde genannt wegen unerlaubter Medikamententests, des Verkaufs giftiger Chemikalien und Pestizide sowie wegen des Handels mit Rohstoffen aus dem Kongo, mit dem laut Angaben der UNO der mörderische Bürgerkrieg in Zentralafrika finanziert wird.

Auch in der Neuauflage bleibt BAYER unangefochten an der Spitze. „Nicht nur, weil dieser Konzern in allen Geschäftsfeldern - Chemie, Pharmazie, Agrobusiness und Rohstoffgewinnung - eine enorme destruktive Phantasie an den Tag legt, was die Missachtung ethischer Prinzipien betrifft“, so die Autoren, „sondern auch, weil BAYERs Kommunikationspolitik offenbar im 19. Jahrhundert stecken geblieben ist. Da wird vertuscht, dass einem die Haare zu Berge stehen.“

Die im Schwarzbuch aufgezeigten Mißstände bei BAYER recherchierten die Autoren in Kooperation mit der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG). Die CBG überwacht den Leverkusener Konzern seit 25 Jahren. Der Verein arbeitet zu einer großen Bandbreite von Problemen, die aus der Geschäftstätigkeit des Konzerns resultieren: Umweltschäden, Pestizidvergiftungen, Risiken unbrauchbarer oder gefährlicher Medikamente, Einfluss auf Politik und Gesellschaft, Gefahren von Chemikalien, Störfälle, uvm.

Philipp Mimkes von der CBG: „Die im Schwarzbuch aufgeführten Beispiele zeigen, dass für große Konzerne Profitraten wichtiger sind als Umweltschutz und Menschenrechte. Abhilfe können nur aufgeklärte Verbraucher, strikte politische Vorgaben und unabhängige Kontrollen schaffen.“

Bestellung: Das „Neue Schwarzbuch Markenfirmen - Machenschaften der Weltkonzerne“ kann zum Preis von 19.90 Euro (+ 2,50 Euro Versand) beim Mensch+Umwelt-Versand bestellt werden. Einfach Adresse per email zusenden, das Buch kommt mit Rechnung

Chemiewaffen

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 13. September 2003

Stasi-Vorwürfe gegen Günter Wallraff:

„Chemiewaffen-Forschung bei BAYER kein Hirngespinst“

Günter Wallraff wird vorgeworfen, im Auftrag der Stasi die Bundes-
republik Deutschland verleumdet zu haben. So behaupten die „Stasi- Experten“ Hubertus Knabe und Prof. Manfred Wilke, Wallraff hätte Berichte über Chemiewaffen „herbeiphantasiert“, um den „Industriestandort Deutschland zu schwächen“.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) weist darauf hin, dass die von Wallraff kritisierte Firma BAYER jahrzehntelang Chemiewaffen-Forschung betrieben hat. Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der CBG: „Die im Zusammenhang der Rufmord- Kampagne gegen Günter Wallraff in Frage gestellte Beteiligung des BAYER-Konzerns an Entwicklung und Herstellung chemischer Waffen ist weder ein Hirngespinst noch eine Erfindung der Stasi.“ Köhler-Schnura führt mehrere Beispiele an:

* BAYER war während des Vietnam-Kriegs an Entwicklung und Produktion von AGENT ORANGE beteiligt. Die Produktion des Giftstoffs erfolgte bei der gemeinsam von BAYER und MONSANTO gegründeten Firma MOBAY.
* Mehrere Firmen entwickelten in den 50-er Jahren Pestizide, die auch als sogenannte VX-Chemiewaffen eingesetzt werden können. BAYER hat 1957 unter der deutschen Patent Nr. 3014943 und 1961 unter der amerikanischen Patent Nr. 3014943 eine Substanzklasse schützen lassen, die bis heute von den US-Streitkräften als VX-Kampfgas verwendet wird.
* Nach Aussage des Toxikologen Prof. Max Daunderer verfügt BAYER über das weltweit größte Wissen über tödliche Wirkungen von Chemikalien.
* Jahrelang wurde die Bundesrepublik Deutschland bei den Genfer Verhandlungen zur Abschaffung von Chemiewaffen von dem BAYER-Direktor Prof. Hoffmann vertreten.
* BAYER hat im ersten und zweiten Weltkrieg intensiv an Chemiewaffen geforscht. Der Erfinder von chemischen Kampfstoffen auf Phosphorsäureester-Basis (SARIN, TABUN),
* Dr. Gerhard Schrader, leitete bis in die 60-er Jahre die BAYER-Pestizidabteilung.

Diese Vorwürfe wurden von der Coordination gegen BAYER-Gefahren auch auf der BAYER-Hauptversammlung vorgetragen.
Trotz ausdrücklicher Aufforderung hat das Unternehmen diese Aussagen nie gerichtlich angefochten.

e.velop

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 5. September 2003

Instrumentalisierung der Regierungspresse - oder einfach nur schlechter Journalismus?

Antwort auf „e.velop“ Nr. 11 vom Juli 2003, Schwerpunkt: Brasilien

In der 11ten Ausgabe des online-Entwicklungsmagazins „e.velop“ der Bundesregierung erschien ein Lobgesang auf das vorbildliche Verhalten des BAYER-Konzerns in Brasilien. Unter dem Titel „Gesellschaftliches und soziales Engagement eines deutschen Großunternehmens in Schwellen- und Entwicklungsländern“ wird das Bild einer deutschen Musterfirma und ihrer vorbildlichen Wirtschaftsweise in einem Land des Südens gezeichnet. Der Autor des Artikels, Günter Graichen vom Presseamt der Bundesregierung, bescheinigt dem BAYER-Konzern „nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung“ und veranschaulicht dies anhand konkreter Projektbeispiele. Als Quelle für seine Recherche gibt Graichen treuherzig die BAYER-Pressestelle an - der Artikel liest sich denn auch wie Werbepropaganda und hat in seiner Unreflektiertheit mit journalistischer Arbeit kaum etwas zu tun.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren kritisch begleitet, protestiert gegen diese einseitige Positionierung eines Presseorgans der Bundesregierung. Im Folgenden werden einige der im Artikel genannten Beispiele näher beleuchtet.

e.velop: BAYER fördert „Projekte gegen Kinderarbeit“
Kinderarbeit ist seit langem international geächtet. BAYER spendet regelmäßig an die brasilianische Abrinq-Stiftung, die sich für die Abschaffung von Kinderarbeit einsetzt. Eine genaue Bewertung dieser Spenden fällt schwer, da BAYER die Höhe der Aufwendungen nicht veröffentlicht. Zur Abschätzung der Summe muss man den Geschäftsbericht des Unternehmens zur Rate ziehen: hierin wird keine Spende erwähnt, die höher als eine Million Euro liegt.

Bevor man jedoch das BAYER-Engagement gegen Kinderarbeit preist, sollte man die Situation bei Zulieferbetrieben des Konzerns betrachten: so bezieht die indische BAYER-Tochter Proagro Saatgut von südindischen Farmbetrieben, die nach jüngsten Untersuchungen rund 2.000 Kinder im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren beschäftigen. Diese Kinder befinden sich zum Teil in Schuldknechtschaft und arbeiten bis zu dreizehn Stunden täglich. Die Verwendung von Kindern als billige „Arbeitssklaven“ liegt in den geringen Abnahmepreisen, die die BAYER-Tochter an die Zulieferer zahlt, begründet. Dem Unternehmen ist die massenhafte Verwendung von Kindern bei seinen Zulieferern seit langem bekannt, trotzdem blieben bislang Initiativen aus, die eine Verwendung erwachsener Arbeitskräfte und einen Schulbesuch der Kinder ermöglichen würden.
(ausführliche Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Kampagnen/Kinderarbeit/kinderarbeit.html)

e.velop: BAYER organisiert „Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung“
Für ebenso löblich wie die Kinderarbeitskampagne kann man Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung von Landarbeitern im Süden Brasiliens erachten (Programm „Agrovida“). Allerdings nur, wenn man außer Acht lässt, dass BAYER nach dem von der FAO initiierten „Kodex zum Verkauf von Agrogiften“ verpflichtet ist, Pestizide der Gefahrenklasse I („extrem gefährlich“ bzw. „hoch gefährlich“) nur an „trainierte und zertifizierte Personen“ zu verkaufen, die bei der Anwendung einen Ganzkörperschutz tragen. Falls diese Bedingung nicht gewährleistet werden kann, so ist BAYER laut Kodex verpflichtet, das entsprechende Mittel vom Markt zu nehmen.

Diesem Kodex wird BAYER als weltweit zweitgrößter Pestizidhersteller in keinster Weise gerecht. Recherchen aus Lateinamerika und Asien belegen, dass der Konzern gefährliche Agrogifte ohne Hinweis auf die hohen Gesundheitsrisiken frei verkauft. Im Rahmen des Programms „Agrovida“ konnten nach Angaben von BAYER rund 25.000 Kleinbauern erreicht werden. Dies kann jedoch nicht mal als Tropfen auf den heißen Stein bewertet werden - nach Schätzungen der Weltgesundheits-
organisation WHO werden jährlich mindestens zwei Millionen Landarbeiter mit Pestiziden vergiftet, wobei mindestens 20.000 sterben. Ein großer Teil der Vergiftungen geschieht durch BAYER-Produkte.

Abgesehen von der Frage, ob der Einsatz von Pestiziden als nachhaltige Landwirtschaft bezeichnet werden darf, bleiben weitere Probleme völlig unbeachtet:

* Schutzbekleidung ist nur für wenige Kleinbauern und insbesondere nicht für Plantagenarbeiter finanzierbar, außerdem in tropischen Temperaturen nicht anwendbar;
* oftmals resultiert die mangelnde Vorsorge auch aus der verharmlosenden Werbung und unzureichenden Kennzeichnung durch BAYER; hochgiftige Pestizide finden mitunter sogar Verwendung als Düngemittel;
* Nummer 1 auf dem brasilianischen Pestizid-Markt ist das BAYER-Produkt Baysiston. Der Konzern vermarktet Baysiston trotz zahlreicher Vergiftungsfälle und Ermittlungen der Staatsanwalt-
schaft in aggressiver Art und Weise.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_1999/SWB01_99/Kaffee_-_Brasilien/kaffee_-_brasilien.html)

e.velop: Unternehmenseigene Stiftungen gewähren „Geld-und Sachspenden“ / BAYER stellt der WHO das Medikament Germanin kostenlos zur Verfügung
Als weiteres Beispiel für engagiertes Handeln erwähnt Autor Günter Graichen, dass BAYER Sach- und Geldspenden leistet und der WHO dringend notwendige Medikamente gegen die afrikanische Schlafkrankheit zur Verfügung stellt.

Dass der Leverkusener Chemie-, Pharma- und Gentechnik-Riese, der jährlich rund 28 Milliarden Euro umsetzt, dadurch nicht verarmt, dafür sorgt er an anderer Stelle. So betrog BAYER das US-amerikanische Programm „Medicaid“ zur Arznei-Versorgung sozial Schwacher durch falsche Preisangaben um mehr als 100 Millionen Dollar. Auch spielte der Konzern nach den Anthrax-Anschlägen in den USA seine Monopol-
stellung bei CIPROBAY, dem einzig zugelassenen Medikament gegen Milzbranderreger, so gewissenlos aus, dass nur die Androhung der Regierungen Kanadas und der USA, den Patentschutz aufzuheben, BAYER dazu bewegen konnten, das Antibiotikum zu bezahlbaren Preisen anzubieten.
(weitere Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_04_01/Ciprobay_04_01/ciprobay_04_01.html)

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass BAYER seine Abteilung „Tropenforschung“ bereits in den 80er Jahren geschlossen hat, obwohl Tropenkrankheiten weltweit mehr Todesopfer fordern als Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Doch entscheidend für das Unternehmen ist, ob sich ein Medikament teuer verkaufen lässt, nicht ob es Menschen hilft.
Auch ist es instruktiv, den Wert der von BAYER geleisteten Spenden mit den durch das Unternehmen gezahlten bzw. nicht gezahlten Steuern zu vergleichen: Lagen die weltweiten Unternehmenssteuern von BAYER im Jahr 2000 noch bei rund 1,15 Milliarden Euro, so wurden diese im Jahr 2001 bereits um fast 90% reduziert: gerade noch 150 Millionen Euro überwies der Konzern an Bund und Länder. Im vergangenen Jahr gab es dann dank der von Heribert Zitzelsberger, seinerzeit Eichels Staatssekretär und zuvor Leiter der Steuer-Abteilung bei BAYER, eingeführten Unternehmensteuerreform eine saftige Steuerrückerstattung von 107 Mio Euro.

Somit machen sämtliche „wohltätigen“ Gaben von BAYER maximal einige Prozent der eingesparten Steuern aus. Die Öffentlichkeit wäre mit angemessenen Steuern auf den Unternehmensgewinn, deren Einsatz planbar und frei verfügbar wäre, weit besser bedient als mit einzelnen, willkürlich verteilten Almosen.

BAYER will der „wachsenden Bedrohung durch Bakterien entgegenwirken, die schnell Resistenzen gegen die heutigen Antibiotika entwickeln“
Ein weiteres BAYER-Prestigeprojekt ist die Förderung der Initiative „Libra“, die Forschung zu Antibiotikaresistenzen durchführt. Libra will auf den WHO-Bericht über Infektionskrankheiten aus dem Jahr 2000 reagieren, der Antibiotikaresistenzen zu den größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählt. Laut WHO ist es notwendig, alle Vorkehrungen zu treffen, die die Ursachen von Antibiotikaresistenzen beseitigen.

Einer der Hauptgründe für die Ausbreitung von Resistenzen ist der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht - in manchen Ländern landen mehr als die Hälfte aller Antibiotika im Tierstall. Dadurch entstehen resistente Bakterienstämme, etwa von Salmonellen, die über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen und unbehandelbare Infektionen auslösen können.

BAYER gehört weltweit zu den größten Herstellern von Antibiotika und ist zudem drittgrößter Hersteller von Veterinärprodukten. Die Substanz-
klasse der Fluoquinolone vermarktet der Konzern sowohl für Menschen („Ciprobay“) als auch für Tiere („Baytril“). In Deutschland ist Baytril seit 1995 zugelassen und wird in großem Umfang zur Behandlung von Schweinen verwendet. In den USA wird das Präparat massenhaft Hühnern, Truthähnen und Rindern verabreicht. Nach einer Untersuchung des Wissenschaftlers S. A. Anderson ist das Bakterium Campylobacter jejuni resistent gegen Fluochinolone geworden. Die US-Gesundheits-
behörde CDC hat BAYER bereits vor drei Jahren aufgefordert, Baytril zur Behandlung von Geflügel vom Markt zu nehmen. Anderson zufolge machen die massenhaften Verordnungen von Ciprobay ebenfalls immer mehr Keime immun gegen Fluochinolone.

Die Wirtschaftspraxis des BAYER-Konzernes ist also maßgeblich für die Entstehung von Resistenzen verantwortlich. Es kommt einer Gehirnwäsche gleich, wenn sich der Konzern mit der Verhinderung von Resistenzen im Rahmen der Initiative Libra brüstet. BAYER sollte die Forderung erfüllen, keine Antibiotika in der Tierzucht zu vermarktet, die auch Anwendung in der Humanmedizin finden, um somit die Gesundheit von Mensch und Tier zu gewährleisten. Ein diesbezüglicher Offener Brief an BAYER wurde in den USA von mehr als 20.000 Gesundheitsorgani-
sationen und Ärzten unterschrieben.

(der Offene Brief findet sich unter: www.KeepAntibioticsWorking.com)

e.velop: BAYER-Werk in Belford Roxo verfügt über eine vorbildliche Infrastruktur von Umwelteinrichtungen
Das Magazin der Bundesregierung bescheinigt BAYER in seinem brasilianischen Werk Belford Roxo „moderne Umwelttechnologie“ sowie „umwelt- und ressourcenschonende Produktionsabläufe“ und „nachhaltigen Produktergebnisse“. Untersuchungen von Greenpeace in der Umgebung des in den 60er Jahren gebauten Werks, in dem u.a. Pestizide, Kunststoffe und Farben produziert werden, zeigen jedoch ein anderes Bild. Bei Messungen rund um das Werk stießen Greenpeace- Wissenschaftler auf extrem hohe Schadstoff-Werte. So wiesen sie rund um das zentrale Werksabwasser-Rohr massive Schwermetall-Belastun-
gen nach - diese lagen um das bis zu 30fache über der für diese Stoffe üblichen Hintergrundbelastung. Der Wert für Quecksilber überschritt diese sogar um das 800fache. Noch höher fielen die Messdaten für Schwermetalle in der Nähe der Müll-Deponie aus.

Bei den anderen in den Proben nachgewiesenen Stoffen war besonders der hohe Anteil von Chlorchemikalien Besorgnis erregend. 38 chlorhaltige Substanzen wie DDT, HCH oder PCB fanden sich in den verschiedensten Zusammensetzungen an der Einleitungsstelle der BAYER-Abwässer. Für die Wissenschaftler ließ dies nur einen Schluss zu: „Die Resulate zeigen, dass das Schadstoff-Management des Werkes nicht effizient ist und eine Ursache der Verschmutzung des Sarapui- Flusses darstellt.“

Eine weitere hochgiftige, Krebs erregende und das Erbgut schädigende Stoffgruppe, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, stellten die größte Belastung im Umfeld der BAYER-Mülldeponie dar. Naphthaline, Anthracene, Pyrene und Phenanthrene bestimmte Greenpeace auch in den Erd- und Wasserproben stromaufwärts des Sarapui und an der Einleitungsstelle.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_02_01/Bayer_Brasilien/bayer_brasilien.html)

„Nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung als Gütesiegel für die Zukunft“
Wenige Begriffe werden wohl so sehr missbraucht, wie der Begriff der Nachhaltigkeit. Folgt man der Argumentation von „e.velop“, so wird Nachhaltigkeit über (preiswerte) Musterprojekte hergestellt. Es wird nicht hinterfragt, nach welchen Kriterien die Projekte ausgewählt werden und in welcher Form BAYER als Geldgeber den Inhalt der Projekte bestimmt. Es wird nicht diskutiert, dass soziale Projekte somit in erster Linie für ein positives Firmenimage sorgen sollen und diesbezügliche Aufwendungen schlicht als Werbeausgaben anzusehen sind. Vollkommen unter den Tisch gekehrt wird, dass BAYER maßgeblich an der Entstehung vieler Probleme beteiligt ist, die durch die geförderten Projekte gelindert werden sollen (laut „Schwarzbuch Markenfirmen“ liegt BAYER unter den Top Drei der umweltzerstörenden Konzerne; BAYER befindet sich zudem auf der Liste der „10 übelsten Unternehmen des Jahres 2001“ der amerikanischen Fachzeitschrift Multinational Monitor).

In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass Kritiker des Konzerns von e.velop nicht kontaktiert wurden. Günter Graichens unkritischer und konzernfreundlicher Artikel ist im Hinblick auf eine Verbesserung von nachprüfbaren Umwelt- und Sozialstandards kontraproduktiv und erschwert es, die soziale Verantwortung von Großkonzernen wie BAYER einzufordern. Der Text trägt dazu bei, von Konzernen ausgehende Probleme zu negieren und die Öffentlichkeit zu desinformieren. Insgesamt handelt es sich um Verbreitung von Werbepropaganda unter dem Missbrauch einer staatlichen Institution.

[BMZ] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

An Heidemarie Wieczorek-Zeul
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Friedrich Ebert Allee 40
53113 Bonn

3. September 2003

Kinderarbeit im indischen Baumwoll-Anbau / Verantwortung multinationaler Saatgut-Hersteller

Sehr geehrte Frau Wieczorek-Zeul,

gemeinsam mit dem Global March Against Child Labour haben wir Anfang August die deutschsprachige Übersetzung der Studie CHILD LABOUR AND TRANS-NATIONAL SEED COMPANIES IN HYBRID COTTONSEED PRODUCTION des indischen Arbeitswissenschaftlers Dr. Davuluri Venkateswarlu veröffentlicht (s. Anlage). Darin werden die Produktionsbedingungen im indischen Baumwollanbau, der Rückgriff auf Kinderarbeit sowie die Verbindungen zwischen transnationalen Saatgut- Konzernen und lokalen Produzenten untersucht.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Zehntausende Kinder - überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren - in kleinen Zuliefer-
betrieben beschäftigt sind, die für multinationale Unternehmen Baumwoll- Saatgut produzieren. Viele Kinder befinden sich in Schuldknechtschaft und arbeiten über Jahre hinweg auf den selben Feldern, um Darlehen und Zinszahlungen abzuarbeiten. Vom Schulbesuch sind sie ausgeschlossen - damit haben sie keine Chance, jemals aus dem Armutskreislauf ausbrechen zu können. Insgesamt sind nach den Berechnungen von Dr. Venkateswarlu bis zu 450.000 Kinder in der indischen Baumwollsaat- Herstellung beschäftigt. Diese Zahlen übertreffen alle anderen Bereiche der indischen Wirtschaft, in denen Kinderarbeit auftritt (Teppich-
herstellung, Diamanten schleifen, Verarbeitung von Kalkstein, etc).

Rund ein Viertel des mit Hilfe von Kinderarbeit produzierten Saatguts wird von Tochterfirmen sechs multinationaler Unternehmen aufgekauft. Hierzu gehört neben dem US-amerikanischen Konzern Monsanto, der Schweizer Syngenta AG und dem holländischen Unternehmen Unilever auch der deutsche Bayer-Konzern.

Die lokalen Farm-Betriebe arbeiten zwar nominell unabhängig, sind jedoch durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie durch langfristige Lieferverträge vollständig an die Abnehmer gebunden. Vertreter der Konzerne geben die Dauer der Pflanzperiode, den Einsatz von Pestiziden, die Häufigkeit von Bewässerung und die Qualität der Ernte detailliert vor und nehmen auf den Farmen regelmäßige Kontrollen vor. Mit dem massenhaften Einsatz von Kindern sind die Multis daher gut vertraut. Auf Anfrage räumen die Unternehmen denn auch „Probleme mit Kinderarbeit“ ein, schieben jedoch die Verantwortung auf die Zulieferer. Die Farm-Betreiber hingegen verweisen auf die niedrigen Abnahme-
preise für das Saatgut, die eine rentable Produktion nur mit Hilfe von Kinderarbeit ermöglichen.

Gemeinsam mit dem Global March Against Child Labour und anderen NGOs haben wir die verantwortlichen Unternehmen aufgefordert, keine Produkte aus Kinderarbeit zu vertreiben, angemessene Abnahmepreise für Saatgut zu zahlen, die eine Produktion mit Hilfe erwachsener Arbeitskräfte ermöglichen würde, strikte Kontrollen bei allen Zulieferern durchzuführen und allen Kindern, die in den vergangenen Jahren für ihre Zulieferer gearbeitet haben, eine Schulausbildung zu finanzieren. Zwar gab es vor Ort erste Gespräche (u.a. mit den indischen Kinderarbeits- Aktivisten der M.V. Foundation), substantielle Schritte sind bislang jedoch ausgeblieben (gerade auch beim Bayer-Konzern).

In diesem Zusammenhang haben wir die folgenden Fragen an Sie:

Ist dem BMZ die Problematik bewusst?
Unterstützt das BMZ unsere Forderungen an die genannten Unternehmen?
Steht das BMZ mit den beteiligten Unternehmen (inbesondere der deutschen Firma Bayer) diesbezüglich im Gespräch?
Vier der sechs internationalen Unternehmen, die für die Situation verantwortlich sind, stammen aus Europa (Syngenta, Bayer, Advanta, Unilever). Gibt es auf europäischer Ebene Ansatzpunkte, Druck auf die Firmen auszuüben?
Die beigelegte Studie ist aus Geldmangel bislang nur an ausgewählte Pressekontakte versandt worden. Kann das BMZ bei der weiteren Streuung der Studie finanziell behilflich sein?

Für Rückfragen stehen wir natürlich gerne zu Verfügung. In der Anlage erhalten Sie zudem Artikel der tageszeitung sowie der Schweizer Zeitung Blick, in denen über die Veröffentlichung der Studie berichtet wird.
Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Geschäftsführer CBG

Axel Köhler-Schnura
Vorstandsmitglied CBG