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Beitrag veröffentlicht im November 2004

Südafrika

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 23. November 2004

Südafrika: BAYER-Werk verseucht Grundwasser

Stadtverwaltung von Durban warnt Bevölkerung vor hochgiftigem Chrom

Die Stadtverwaltung von Durban/Südafrika hat hochgefährliche Chromverbindungen im Grundwasser gefunden. Die krebserregenden Stoffe treten in der Umgebung des Chemie-Werks der Firma BAYER im Süden der Stadt auf. Den Anwohnern wurde dringend empfohlen, das Wasser aus angrenzenden Brunnen weder zum Kochen noch zum Trinken zu verwenden.

Nach Angaben des Unternehmens geht die Kontamination auf „historische Verunreinigungen“ zurück - wie diese in den Untergrund gelangten, sei unklar. Umi Sankar, Leiter des Gesundheitsamts von Durban, empfiehlt allen Personen, die kontaminiertes Wasser getrunken haben, sofort einen Arzt aufzusuchen. Vertreter lokaler Bürgerinitiativen zeigen sich besorgt, dass das vergiftete Grundwasser in schadhafte Trinkwasserleitungen eindringen könnte.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Chrom-Fabrik in Durban war bereits für eine Vielzahl von Vergiftungsfällen verantwortlich. Wir fordern die Firma BAYER auf, das Gelände gründlich zu dekontaminieren und alle Vergiftungsopfer angemessen zu entschädigen“.

BAYER hatte die Firma CHROME CHEMICALS in Durban 1968 übernommen und dort bis 1991 sogenanntes sechswertiges Chrom hergestellt. Wegen mangelhafter Sicherheits-Einrichtungen kam es in dem Betrieb seit den 70er Jahren zu einer großen Zahl von Vergiftungsfällen. Ein Drittel der Belegschaft erlitt bleibende Gesundheitsschäden, mindestens acht Arbeiter starben an Lungenkrebs, zwei weitere an Tuberkulose. Selbst die Apartheids-Regierung hatte 1976 in einem Bericht Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme der Belegschaft moniert. Wörtlich hieß es in der Untersuchung: „Die Ergebnisse sind extrem beunruhigend und lassen mangelnde Fürsorge bezüglich des physischen Wohlergehens der Arbeiter erkennen“.

Nach Protesten südafrikanischer Gewerkschaften sowie der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die zu umfangreichen Medienberichten führten, schloss BAYER 1991 die Produktion von sechswertigem Chrom und entließ einen Großteil der Beschäftigten. Obwohl in Deutschland seit 1936 Lungenkrebs als Berufskrankheit von Beschäftigten der Chrom-Verarbeitung anerkannt ist, verweigerte die Firma eine Kompensation der betroffenen Arbeiter sowie der Hinterbliebenen. In Durham wurde die Produktion auf weniger gefährliches, dreiwertiges Chrom umgestellt.

BAYER gehört zu den weltweit größten Chrom-Produzenten. Die Verarbeitung wurde vor einigen Jahren in Deutschland und Brasilien eingestellt und in Südafrika gebündelt. Im Nordwesten des Landes betreibt BAYER eine eigene Chrom-Mine, zudem besitzt BAYER einen 50-prozentigen Anteil an der Firma Chrome International South Africa, die Natriumdichromat und Chromsäure produziert.

Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. November 2004

BAYER-Hauptversammlung in Essen:

Kritiker lehnen Ausgliederung der Chemie-Sparte ab

Kritische Aktionäre wenden sich auf der heutigen Hauptversammlung der BAYER AG in Essen gegen die Abspaltung der Chemie-Sparte des Konzerns. Die Kritiker befürchten, dass bei der neuen Firma Lanxess der Verlust Tausender Arbeitsplätze droht - durch die Übertragung von Milliarden-Schulden auf Lanxess saniere sich BAYER auf Kosten der Belegschaft. Die Aufspaltung bringe zudem keinerlei Vorteile für den Umwelt- und Verbraucherschutz.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Mit der Ausgründung von Lanxess findet eine gigantische Bereicherung der Altaktionäre von BAYER statt. Sie bekommen auf 10 Aktien je eine neue geschenkt, insgesamt immerhin 73 Millionen Stück. Die Extra-Profite gehen wieder einmal auf Kosten der Belegschaft - alles natürlich korrekt nach dem Buchstaben des Gesetzes, aber skrupellos gegenüber den arbeitenden Menschen.“ Selbst Heiner Geisler, ehemaliger Generalsekretär der CDU stellt in einem aktuellen Beitrag zu Shareholder-Value und kapitalistischer Wirtschaftsorganisation in der „Zeit“ fest, dass offenkundig „die Gier nach Geld die Hirne zerfrisst“.

Lanxess-Vorstandsmitglied Ulrich Koemm urteilte kürzlich, dass „30 Prozent der Geschäfte von Lanxess keine strategisch haltbare Position, keine Top-Position“ haben, und kündigte Schließungen und Verkäufe an. Wegen des hohen Schuldenstands werden die Beschäftigten von Lanxess dauerhaft unter Druck gesetzt, Kosteneinsparungen durch Mehrarbeit und Lohnverzicht hinzunehmen. Auch die Möglichkeit der Belegschaft, auf den Kurs des Unternehmens Einfluss auszuüben, ist langfristig gefährdet: bei Aufsplitterung in immer kleinere Einheiten fällt die tarifliche Mitbestimmung weg.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert zudem, dass Lanxess gefährliche Chemikalien wie Weichmacher, Phosgen und Chlorbenzole produziert. Der Verein fordert einen langfristigen Erhalt aller Arbeitsplätze sowie den Ausstieg aus der Chlorchemie. In der Hauptversammlung sprechen Vertreter des Vereins und fordern eine Ablehnung der Ausgliederung.