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Beitrag veröffentlicht im Mai 2006

Kongo

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 31. Mai 2006

Kein Blut für BAYER

Nein zum Bundeswehr-Einsatz im Kongo

Der deutsche Bundestag stimmt morgen über den Einsatz der Bundeswehr im Kongo ab. Ein Truppenkontingent von bis zu 750 Mann soll die dort im Juli stattfindenden Wahlen absichern, so die offizielle Begründung. Aber es gibt auch inoffizielle Motive: Auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ob „wirtschaftliche Interessen, Versorgungs- und Ressourcensicherung“ eine Rolle spielen, antwortete Verteidigungsminister Franz Josef Jung: „Das gehört dazu“. Tatsächlich sieht die Bundeswehrsatzung seit den 90er Jahren ausdrücklich die Sicherung wirtschaftlicher Ressourcen für die deutsche Wirtschaft als Auftrag für Einsätze vor.

Und im Kongo hat sie viel zu sichern: Gold, Diamanten, Kupfer, Wolfram, Germanium, Kobalt und Tantal. Bei letzterem handelt es sich um ein seltenes Metall, dessen weltweit führender Weiterverarbeiter die BAYER-Tochter HC STARCK ist. Besonders der Handyboom bescherte dem Unternehmen astronomische Gewinne mit dem Metall, das sich als Werkstoff in Kondensatoren, Flugzeugmotoren und Airbags findet. Während des Bürgerkrieges in dem afrikanischen Staat schreckte HC STARCK nicht einmal davor zurück, über Mittelsmänner mit Warlords, welche die Tantal-Minen kontrollierten, Geschäfte zu machen. Weil dies wesentlich zur Finanzierung des blutigen Treibens beitrug, verurteilte die UN diese an Beschaffungskriminalität grenzende Politik von HC STARCK und anderen Firmen scharf.

Die Soldaten sollen für die Interessen deutscher Konzerne ihren Kopf hinhalten. BAYER hat in diesem Geschäft reichhaltige Erfahrung. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg waren führende Vertreter des Multis an Vorbereitung und Planung beteiligt und arbeiteten geopolitische Strategien aus, die sich an den Rohstoffvorkommen orientierten. Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Bundeswehr greift für die Interessen der großen Konzerne zu den Waffen. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Kein Blut für BAYER!“.

Auf dem im vergangenen Jahr vom BDI abgehaltenen Kongress „Rohstoffsicherung - Herausforderung für die Industrie“ suchten HC STARCK- und BAYER-VertreterInnen gemeinsam mit ihren KollegInnen nach neuen Wegen, um an die dringend benötigten Bodenschätze heranzukommen. Im Gefolge des Meetings bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft „Internationale Rohstoff-Fragen“, welcher mit Karl Heinz Dörner der Präsident der „Wirtschaftsvereinigung Metalle“, vorsitzt. Im März veranstaltete diese die Tagung „Für eine sichere Rohstoffversorgung“. Zu den prominentesten „unberechenbaren politischen Regimen“, die für die ressourcen-abhängige bundesdeutsche Industrie ein „geostrategisches Risiko“ darstellen, nannte Dörner den Kongo. Und im Zuge der immer selbstbewusster auftretenden deutschen Außenpolitik traten Dörner & Co. offen für den Einsatz von Waffen zur Minimierung derartiger „geopolitischer Risiken“ ein. Rudolf Adam von der „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ etwa optierte für „militärische Kräfte“, „um bestimmte Handelsrouten freizuhalten“ und sprach sich für von bundesdeutscher Seite initiierte regime changes aus.

Die entsprechenden Vorarbeiten dafür laufen im Kongo schon lange. Bereits im Jahr 2004 übernahmen Bundeswehr-Stabsoffiziere die Ausbildung kongolesischer Soldaten; der BGS schult derweil Sicherheitskräfte. Zudem unterstützt die Bundesregierung die Armee Nambias, die bereits während des Bürgerkriegs in die Kampfhandlungen eingriff und auch im Juli Flankenschutz geben könnte. Die Generäle bereiten die Soldaten dabei auf das Schlimmste vor. Infanterie und Eliteeinheiten werden nach Angaben des Brigadegenerals Johann Berger prophylaktisch auf „schreckliche Bilder“ eingestellt, denn: „Wer nicht physisch, psychisch und mental entsprechend ausgebildet ist, braucht da gar nicht erst hingehen. Ein zerfetzter Mensch sieht nicht gut aus“.

Lesen Sie auch den Artikel „Die Bayer-Tochter und der Krieg im Kongo“

Addyston

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Erklärung vom 30. Mai 2006

Bayer/Lanxess-Werk im amerikanischen Addyston

Erhöhte Krebsrate rund um Chemie-Fabrik

Amerikanische Gesundheitsbehörden haben in der Nachbarschaft des Chemie-Werks Addyston eine stark erhöhte Rate von Krebserkrankungen festgestellt. Die vom Ohio Department of Health veröffentlichte Studie zeigt, dass die Zahl der Krebs-Fälle 76% höher liegt als zu erwarten gewesen wäre. Die Fabrik im Bundesstaat Ohio wird von der deutschen Firma LANXESS, einer Ausgliederung des BAYER-Konzerns, betrieben. Die Untersuchung war nach einer Vielzahl von Störfällen, die von der Werksleitung teilweise verheimlicht worden waren, angeordnet worden.

Allein 13 der rund tausend Einwohner von Addyston erkrankten zwischen 1996 und 2003 an Lungenkrebs, statistisch zu erwarten wären drei Fälle. Auch die Zahl der Fälle von Darm- und Nierenkrebs lag dreimal höher als normal. Paul Koval, Toxikologe von der US-Umweltbehörde EPA: „Wir haben diese Probleme erwartet, unsere Sorgen werden durch die Ergebnisse der Studie bestätigt.“ Tim Ingram, Leiter der zuständigen Gesundheitsbehörde, nennt die Resultate der Untersuchung „beunruhigend“.

Die EPA hatte nach mehreren Freisetzungen der giftigen Chemikalien Acrylnitril und Butadien berechnet, dass sich das Krebsrisiko der Anwohner um rund 50% erhöhen würde. Eine Grundschule in direkter Nachbarschaft des Werks wurde daraufhin geschlossen. Die Werks-Leitung von LANXESS wies zwar die Verantwortung für die hohe Zahl von Krebs-Fällen zurück, kündigte aber gleichzeitig an, 4 Millionen Dollar zur Verhinderung weiterer Störfälle zu investieren. Die Gesundheitsbehörden wollen nun bis zum Herbst in einer weiteren Studie feststellen, wie viele der Erkrankungen direkt von den Emissionen der Chemie-Fabrik ausgelöst wurden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Vernachlässigung von Gesundheit und Umwelt zugunsten von Konzernprofiten hat bei BAYER und LANXESS System. Das Werk in Addyston stößt selbst im „Normalbetrieb“ jährlich 700 Tonnen Schwefeldioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und Feinstäube aus. Dies ist ebensowenig hinzunehmen wie die Zahl von über hundert Unfällen in einem Jahr. Die Produktion gefährlicher Stoffe wie Acrylnitril oder Phosgen hat schlichtweg nichts in der Nähe von Wohngebieten zu suchen – weder in den USA noch hier in Deutschland.“

weitere Informationen:
Artikel aus dem „Cincinnati Enquirer“ und dem „Columbus Dispatch“
Lanxess-Werk in Addyston/USA: Anwohner protestieren gegen Störfälle und Luftverschmutzung
Neues Deutschland: Krebsfälle am Chemie-Werk

Policosanol

CBG Redaktion

Deutsches Ärzteblatt, 17. Mai 2006

Kubanischer Lipidsenker auf Placeboniveau - Studie zum Nahrungsergänzungsmittel Policosanol

Wirkstoff in One-A-Day-Tabletten von Bayer enthalten

Köln - Policosanol, ein zumeist aus Zuckerrohr gewonnener Extrakt, wird im Internet als natürliche Alternative zu den ärztlich verordneten Lipidsenkern beworben. Doch in einer in Deutschland durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie, die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 2262-2269) publiziert wurde, war das „hochwertige Herzvitamin“ (so eine Google-Anzeige) nicht besser wirksam als ein Placebo.

Policosanol (nicht zu verwechseln mit dem juckreizstillenden Dermatikum Polidocanol) ist eine Mischung aus aliphatischen Alkoholen, die aus Zuckerrohr (aber auch aus Weizenkeimen, Reisschalen und Bienenwachs) isoliert werden. In Deutschland ist es als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken erhältlich. Es darf offiziell nicht mit dem Hinweis auf seine lipidsenkende Wirkung beworben werden, doch die entsprechenden Botschaften erhält der Verbraucher über entsprechende Internetseiten. Schon der erste Treffer bei einer Google-Suche informiert den Patienten darüber, dass Policosanol bei der Senkung des Cholesterins „genauso wirksam ist wie die Statine“, die doch recht teuer seien, „auch wenn sie erstattet werden“.

Die Wirkung wird teilweise durch wissenschaftliche Studien belegt, die auch die Pharmazeutische Zeitung, Organ der deutschen Apotheker, zu einer relativ positiv-pharmakologischen Bewertung kommen lässt. Tatsächlich wurden mehr als 80 Studien zu Policosanol durchgeführt, von denen die meisten allerdings von einer einzelnen Forschergruppe in Kuba durchgeführt wurden, wie Heiner Berthold von der Universität Köln und Geschäftsführer der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft im JAMA schreibt. Publiziert wurde jedoch auch eine Negativstudie aus den Niederlanden. Wissenschaftler der Firma Unilever konnten keine lipidsenkende Wirkung eines Extraktes ausmachen (Metabolism 2004; 53: 1309-14). Auch die jetzt von Berthold und Mitarbeitern durchgeführte Studie, die von der Firma Madaus gesponsort wurde, findet keinen Hinweis auf eine den Statinen vergleichbare Wirkung.

An der multizentrischen placebokontrollierten Doppelblindstudie hatten 143 Patienten mit Hypercholesterinämie oder kombinierter Hyperlipidämie teilgenommen. Einschlusskriterien waren ein LDL-Cholesterin von über 150 mg/dl, wenn die Patienten außer einer bekannten Koronaren Herzkrankheit höchstens einen weiteren Risikofaktor hatten. Wenn zwei oder mehr Risikofaktoren vorlagen, qualifizierte ein LDL-Cholesterin zwischen 150 und 189 mg/dl zur Teilnahme.

Die Patienten wurden auf 5 Gruppen randomisiert, in denen ihnen Policosanol in Tagesdosierungen von 10, 20, 40 oder 80 mg/d oder ein Placebo verordnet wurden. In keiner de fünf Gruppen sank der LDL-Cholesterinwert um mehr als 10 Prozent, wobei sich die Ergebnisse in den vier Policosanol-Armen nicht signifikant von Placebo unterschieden. Auch in den sekundären Endpunkten der Studie, namentlich dem protektivem HDL-Cholesterin erzielte Policosanol keine Wirkung.

Die Kölner Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass das Medikament keine relevanten lipidsenkenden Eigenschaften hat, jedenfalls nicht bei dem verwendeten Extrakt und nicht bei weißen Patienten. Worauf die Unterschiede zu den in Kuba durchgeführten Studien beruhen, bleibt offen, doch auch diese Studien haben die Wirkung, sofern sie wirklich bestehen sollte, nur hinsichtlich der Laborparameter untersucht. Was völlig fehlt, sind Daten zu den klinisch relevanten Endpunkten, also etwa der Reduktion von kardialen Ereignissen. /rme

Hinweis: Policosanol wird von Bayer in „One-A-Day Cholesterol plus Vitamins“-Tabletten angeboten. Weitere Infos