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Beitrag veröffentlicht im Juni 2006

Unfälle

CBG Redaktion

Rheinische Post, 27.06.06

Störfall bei Bayer in Leverkusen / elf Mitarbeiter im Krankenhaus

Leverkusen (rpo). Im Bayer Chemiepark Leverkusen hat sich ein Störfall ereignet. Aus bislang ungeklärter Ursache war gasförmiger Fluorwasserstoff ausgetreten. Elf Mitarbeiter mussten in eine Klinik eingeliefert werden.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers war der gasförmige Fluorwasserstoff in einem Lanxess-Produktionsbetrieb ausgetreten. Die Freisetzung des stechend riechenden Gases habe rasch gestoppt werden können, die ausgetretenen Dämpfe seien von der Werkfeuerwehr niedergeschlagen worden. Die Untersuchungen des Luftmesswagens zeigten dem Unternehmen zufolge keine messbaren Ergebnisse. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden. Die elf Mitarbeiter sollten noch am Dienstag die Klinik wieder verlassen können.

Pharma-Preise

CBG Redaktion

20 Minuten (Schweiz), 28. Juni 2006

Viagra & Co.: Laut Weko viel zu teuer

Die Wettbewerbskommission (Weko) untersucht die Preisempfehlungen Potenzmittel. Sie vermutet Preisabsprachen zwischen den Herstellern.

Die drei Mittel der Pharmakonzerne Pfizer, Bayer und Eli Lilly gegen Erektionsstörungen sind nicht kassenpflichtig. Damit bestehen für sie keine gesetzlich festgeschriebenen Höchstpreise. Trotzdem geben ihre Hersteller Empfehlungen für die Publikumspreise ab.

Solche Preisempfehlungen gibt es für insgesamt etwa 4000 nicht kassenpflichtige Mittel. Die Herstellerfirmen publizieren die Preisempfehlungen auf ihren Webseiten direkt oder auf den Datenbanken der e-mediat AG. Die Mehrheit der Apotheken hält sich an diese Empfehlungen, die Publikumspreise sind fast überall gleich hoch.

Das könnte eine Wettbewerbsbeeinträchtigung oder -verhinderung sein, schreibt die Weko am Dienstag. Dieser Verdacht bestehe nicht nur bei den drei Potenzmitteln, sondern beispielsweise auch bei einigen gängigen Schmerz- und Grippemitteln, sagte Weko- Vizedirektor Olivier Schaller auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Signalwirkung auf Hersteller und Handel
Da die Untersuchung von 4000 Mitteln die Möglichkeiten der Weko übersteigen würden, nehme die Kommission fürs erste die drei Mittel gegen die erektile Dysfunktion unter die Lupe.

Bestätige sich der Verdacht bei den drei Potenzmittel- Herstellern und bei den Verteilern, sei eine gewisse Signalwirkung auf die gesamte Branche zu erwarten, sagte Schaller.

Viagra, Levitra und Cialis seien gute Beispiele, fuhr er fort. Bei ihnen bestehe der Verdacht auf vertikale und horizontale Preisabsprachen. Zum einen sind gemäss Schaller die Preisempfehlungen der Hersteller für alle drei Mittel etwa gleich hoch: Verdacht auf horizontale Preisabsprache.

Sodann hielten sich die Apotheken, die Grossisten, selbstdispensierenden Ärzte und die Datenbank e-mediat AG an die Empfehlungen: Verdacht auf vertikale Absprache. Und eine grosse Mehrheit der Verteiler verlange die empfohlenen Preise, was wiederum den Verdacht auf eine horizontale Absprache aufkommen lasse. Quelle: SDA/ATS

t-online Wirtschaft, 28.6. 2006

Potenzpillen: Bayer-Konzern im Visier der Weko

Die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen die drei Pharmariesen Bayer (ISIN: DE0005752000), Pfizer (ISIN: US7170811035) und Eli Lilly & Co (ISIN: US5324571083) eröffnet. Die Preisempfehlungen der drei Unternehmen für ihre Medikamente Viagra, Levitra und Cialis gegen die erektile Dysfunktion würden von den Apotheken nicht nur weitgehend übernommen, sondern seien auch sehr ähnlich, teilte die Weko mit.

Weko: bislang ein zahnloser Tiger
Sollten die Wettbewerbshüter der Weko den drei Unternehmen Preisabsprachen nachweisen können, drohen Strafen von maximal 10 Prozent des in den letzten drei Geschäftsjahren in der Schweiz erzielten Umsatzes. Allerdings mit Ausnahmen, denn die rote Karte für Missbrauch gibt es bei den Eidgenossen erst seit einer Gesetzesänderung vom ersten April dieses Jahres. Vorher konnten Sanktionen erst im Wiederholungsfall verhängt werden, was für Unternehmen einem Freifahrtschein gleich kam. Und weil die Regelung neu ist, gilt noch eine einjährige Übergangsfrist. Ob die Betroffenen also überhaupt zur Kasse gebeten werden, ist fraglich.

Sanktionen innerhalb der EU härter
Im Übrigen können sich die drei Konzerne glücklich schätzen, dass die Untersuchung durch die Weko und nicht durch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erfolgt. Die hatte zuletzt die deutschen Energieversorger E.ON Ruhrgas AG (DE000761440) und RWE AG (DE0007037129) sowie europäische Konkurrenten wie Gaz de France wegen des Verdachts auf Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung im Visier. Auch hier drohen Strafen von bis zu zehn Prozent - allerdings vom Gesamtumsatz, was sich für die Konzerne hier schnell auf Milliardensummen belaufen könnte.

Schon einmal 60 Millionen Kartellstrafe für Bayer
Für den Bayer-Konzern, der sich bei der Übernahme von Schering (ISIN: DE0007172009) gerade erst eine Schlacht mit dem Darmstädter Pharma-Konzern Merck lieferte, würde eine Verurteilung bereits die zweite Strafe in einem kurzem Zeitraum bedeuten. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Kommission eine Kartellstrafe wegen Preisabsprachen bei Gummichemikalien verhängt. Diese Zusatzstoffe verbessern die Elastizität, Festigkeit und Haltbarkeit von synthetischem Gummi und werden für die Herstellung von Reifen, Schläuchen, Riemen und Schuhen gebraucht.

Preisempfehlungen auch für andere Medikamente
Die aktuell betroffenen Medikamente Viagra, Levitra und Cialis gehören zu den Hors-Liste-Medikamenten: Medikamente, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden. Hier bestünden zwar keine staatlich oder gesetzlich vorgegebenen Höchstpreise, trotzdem machten die Hersteller Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Doch nicht nur für die drei genannten Medikamente sind die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Die Vorabklärung des Sekretariats der Weko habe ergeben, dass eine große Mehrheit der Hersteller Preisempfehlungen für ihre rund 4000 nicht kassenpflichtigen Arzneimittel bekannt gibt.

Weitere Untersuchungen nicht ausgeschlossen
Die Preisempfehlungen würden zum Teil auf den Webseiten der Hersteller direkt oder auf Datenbanken der e-mediat AG publiziert. Dies könnte eine erhebliche Beeinträchtigung bzw. Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen, so die Weko. Von der Untersuchung der Weko sind auch die Apotheker, die selbst dispensierenden Ärzte, die Grossisten und die e-mediat AG betroffen. Die Weko behält sich vor, weitere Untersuchungen beim Vorliegen solcher Preisempfehlungen aufzunehmen.

Wettbewerbskommission Schweiz
Medienmitteilung, 27. Juni 2006

Wettbewerbskommission untersucht Preisempfehlungen bei drei Hors-Liste-Medikamenten

Für Medikamente, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden, bestehen keine staatlich/gesetzlich vorgegebenen Höchstpreise. Trotzdem machen die Herstellerinnen solcher Medikamente Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat daher am 26. Juni 2006 eine Untersuchung über die Preisbildung bei drei Hors-Liste-Medikamenten eröffnet.

Die Vorabklärung des Sekretariats der Weko hat ergeben, dass eine grosse Mehrheit der Herstellerinnen Preisempfehlungen für ihre nicht kassenpflichtigen Arzneimittel (ca. 4'000 sog. Hors-Liste-Medikamente) bekannt gibt. Die Preisempfehlungen werden zum Teil auf den Webseiten der Herstellerinnen direkt oder auf Datenbanken der e-mediat AG publiziert. Da eine grosse Mehrheit der Apotheker/innen diese Preisempfehlungen einhält, sind die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Dies könnte eine erhebliche Beeinträchtigung bzw. Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen.

Da die Preisempfehlungen für drei Medikamente gegen die erektile Dysfunktion (Viagra, Levitra, Cialis) nicht nur weitgehend übernommen werden, sondern auch sehr ähnlich sind, wird die Untersuchung gegen die Herstellerinnen Pfizer AG, Bayer AG und Eli Lilly SA eröffnet. Von der Untersuchung betroffen sind auch die Apotheker/innen, die selbstdispensierenden Ärzt/innen, die Grossistinnen und die e-mediat AG. Die Eröffnung von weiteren Untersuchungen beim Vorliegen solcher Preisempfehlungen bleibt vorbehalten.

27. Juni 2006, Neue Zürcher Zeitung Online

Pfizer, Bayer, Eli Lilly: Potenzmittel-Preise im Visier

Untersuchung gegen Hersteller, Apotheker und Ärzte

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung über die Preisbildung von drei Potenzmitteln eingeleitet, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden.

Die Untersuchung richtet sich gegen die Hersteller der drei Medikamente gegen erektile Dysfunktion Viagra, Levitra und Cialis. Dabei handelt es sich um die Pfizer AG, die Bayer AG und die Eli Lilly SA, wie die Weko am Dienstag in Bern mitteilte. Von der Untersuchung betroffen seien auch die Apotheker, die selbstdispensierenden Ärzte sowie die Grossisten und die E-mediat AG.

Für die sogenannten Hors-Liste-Medikamente bestünden zwar keine staatlich vorgegebenen Höchstpreise, schreibt die Weko. Trotzdem machten die Hersteller solcher Medikamente Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Vorabklärungen des Weko-Sekretariats hätten ergeben, dass eine grosse Mehrheit der Hersteller Preisempfehlungen für ihre nicht kassenpflichtigen Arzneimittel bekannt gebe.

Die Preisempfehlungen würden zum Teil auf den Webseiten der Herstellerinnen direkt oder auf Datenbanken der E-mediat AG publiziert. Da eine grosse Mehrheit der Apotheken sich an diese Preisempfehlungen halte, seien die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Dies könne eine erhebliche Beeinträchtigung beziehungsweise Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen.

[Brief an EU] Bienensterben

CBG Redaktion

EU Kommission
Generaldirektion SANCO
Director General Robert Madelin

Bienensterben in Süddeutschland

Sehr geehrter Herr Madelin,
in Baden-Württemberg und Bayern kam es im April/Mai 2008 nach der Aussaat von Clothianidin-behandeltem Mais zu einem großflächigen Bienensterben. Mindestens 700 Imker verloren ihre Bestände ganz oder teilweise, insgesamt rund 11.500 Völker. Der Bestand wildlebender Insekten ging ebenfalls stark zurück. Das Insektizid Clothianidin (Produktnamen: Elado, Poncho) wird von der Firma Bayer CropScience hergestellt. Der Wirkstoff wird vor allem im Mais- und Rapsanbau verwendet.
Nach Aussage des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut, JKI) ist „eindeutig davon auszugehen, dass Clothianidin hauptsächlich für den Tod der Bienen vor allem in Teilen Baden-Württembergs verantwortlich ist“. Das JKI untersuchte 66 tote Bienen und wies in 65 Fällen den Wirkstoff Clothianidin nach. In den 14 Bienenproben aus Bayer fand das JKI in sämtlichen Fällen Clothianidin. Die Bienenschäden können laut JKI „nicht mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten erklärt werden“.
Durch das großflächige Bienensterben wurde die von Bayer-Vertretern stets vorgebrachte Aussage, dass Beizmittel wie Clothianidin und Imidacloprid nicht direkt mit Bienen in Kontakt kämen, widerlegt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) reagierte und verbat am 16. Mai die Anwendung von acht Beizmitteln, darunter Imidacloprid und Clothianidin, mit sofortiger Wirkung.
Vertreter von Bayer versuchen, das Bienensterben als einmaligen Vorgang darzustellen, der auf einen fehlerhaften Abrieb der Wirkstoffe bei der Mais-Aussaat zurückzuführen sei. Dabei hatte Dr. Richard Schmuck von Bayer CropScience bei einem Expertengespräch des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums am 8. Mai eingeräumt, dass auch bei einer ordnungsgemäßen Aussaat mit einem Clothianidin-Abrieb zu rechnen sei.
Schon im Jahr 2003 hatte ein Untersuchungsbericht der französischen Regierung festgestellt: „Was die Behandlung von Mais-Saat mit Imidacloprid betrifft, so sind die Ergebnisse ebenso besorgniserregend wie bei Sonnenblumen. Der Verzehr von belasteten Pollen kann zu einer erhöhten Sterblichkeit von Pflegebienen führen, wodurch das anhaltende Bienensterben auch nach dem Verbot der Anwendung auf Sonnenblumen erklärt werden kann“. Imidacloprid und Clothianidin gehören zur Substanzklasse der Neonicotinoide und sind chemisch verwandt. Beide Wirkstoffe wurden in Frankreich im Mais-Anbau verboten bzw. erhielten keine Zulassung.
Hierzu stellen wir folgende Fragen:
1. Clothianidin und Imidacloprid werden als „bienengefährlich“ eingestuft. Dennoch kam die EU im Zulassungsverfahren für Clothianidin zu dem Schluss, dass durch die Anwendung des Mittels keine Risiken für Bienen entstehen. Diese Aussage wurde spätestens durch das aktuelle Bienensterben widerlegt. Teilt die EU-Kommission die Meinung, dass die Zulassung für beide Wirkstoffe zurückgezogen werden muss?
2. Wurden die Ergebnisse des Untersuchungsberichts “Imidaclopride utilisé en enrobage de semences (Gaucho) et troubles des abeilles“ des Comité Scientifique et Technique (CST) bei der EU-Zulassung von Imidacloprid und Clothianidin berücksichtigt? Warum hat die EU nicht das französische Vorsorgeprinzip übernommen?
3. Aus Italien und Slowenien werden ebenfalls Bienensterben durch Clothianidin gemeldet, Slowenien hat die Verwendung des Wirkstoffs verboten. Gab es in den vergangenen fünf Jahren weitere Fälle von Bienensterben durch Neonicotinoide in EU-Mitgliedsländern?
4. Der Clothianidin-Umsatz betrug im vergangenen Jahr 237 Mio Euro, der von Imidacloprid über 500 Mio Euro. Der Hersteller will daher ein dauerhaftes Verbot unbedingt verhindern. In welcher Weise ist Bayer bei der EU vorstellig geworden?

Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren
www.CBGnetwork.org
Tel 0211-333 911, Fax 0211-333 940

Beirat
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Jürgen Junginger, Designer, Krefeld
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Berlin
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln
Dorothee Sölle,Theologin, Hamburg (gest. 2003)

Agrogifte

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Information vom 23. Juni 2006

umstrittene Menschen-Versuche mit Agrogiften:

US-Regierung spricht Regeln für Pestizid-Tests mit Industrievertretern ab

Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr mit Vertretern der chemischen Industrie die Gesetzgebung zu Menschenversuchen mit Pestiziden abgesprochen. Dies belegen Gesprächsprotokolle, die von dem Umweltverband Public Employees for Environmental Responsibility (PEER) veröffentlicht wurden. Demnach griff die Administration verschiedene Wünsche der Pestizid-Hersteller auf. Insbesondere wurde in dem Anfang des Jahres vorgelegten Gesetz die Möglichkeit eröffnet, Versuche auch an Kindern und schwangeren Frauen durchzuführen. Dies war zuvor nicht nur von Umweltverbänden, sondern auch vom amerikanischen Kongress abgelehnt worden.

An dem Treffen am 9. August 2005 nahmen neben Vertretern der Regierung und der Umweltbehörde EPA auch der amerikanische Verband der Pestizid-Produzenten, CropLife, sowie der BAYER-Konzern teil. BAYER, führender Produzent gefährlicher Agrogifte, drängt seit Jahren darauf, Versuche mit Pestiziden direkt am Menschen durchführen zu dürfen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „BAYER nahm als einziges Unternehmen an dem Treffen mit der US-Regierung teil. Dies belegt, dass der Konzern zu den treibenden Kräften bei der Zulassung dieser hochgefährlichen Tests gehört. Zynischer Weise ist das Ziel dieser Versuche die Lockerung der Pestizid-Grenzwerte in der Nahrung“.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren bezeichnet den übermäßigen Einfluss großer Unternehmen auf Gesetzgebungsverfahren als undemokratisch. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die amerikanische Regierung die Wünsche der Pestizid-Hersteller aufgreift, während Umweltschützer und Gewerkschaften außen vor bleiben“, so Mimkes weiter.

Die Clinton-Regierung hatte der EPA verboten, die Ergebnisse solcher Versuche zu verwenden. Ebenfalls unter Clinton hatte der US-Kongress mit dem „Food Quality and Protection Act“ strengere Grenzwerte für Pestizide in der Nahrung erlassen. Gerade deutsche Chemiefirmen wie BAYER und BASF wollen die schärferen Grenzwerte zu Fall bringen.

Mit den geplanten Menschenversuchen verstoßen BAYER und andere Pestizid-Hersteller auch gegen den Nürnberger Kodex von 1947, der Tests an Menschen nur dann zulässt, wenn „Ergebnisse für das Wohl der Gesellschaft“ zu erwarten sind. Weder den Versuchspersonen noch der Allgemeinheit dienen die Versuche hingegen. „Bayer hat wohl verdrängt, dass der Kodex das Ergebnis der grauenvollen Menschenversuche im Dritten Reich war, zu deren Auftraggebern damals auch BAYER gehörte“, so Philipp Mimkes. „Es ist nicht akzeptabel, dass ein Chemie-Gigant wie BAYER hochgefährliche Pestizide an Menschen ausprobiert“, ergänzt Richard Dixon, Forschungsleiter der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth. „Schlimmer ist aber noch der Versuch, die internationale Ächtung solcher Tests auszuhebeln.“

weitere Informationen:
Protokolle der Gespräche von US Regierung und Pestizidindustrie (engl.)
Umstrittene Menschenversuche (Spiegel Online)
Bayers Menschen-Pestizidtests (taz)
US-Umweltbehörde erlaubt Pestizidversuche am Menschen (Die Welt)

Levitra

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Presse-Info vom 19. Juni 2006

„Unlautere Werbe-Aktionen für Levitra sofort stoppen!“

Potenz-Pille an Fußballfans verteilt / brasilianische Behörden ermitteln

Der BAYER-Konzern lässt in Rio de Janeiro Proben seines Potenz-Mittels Levitra an Fußballfans verteilen. Brasilianische Gesundheitsbehörden kritisieren die Aktion, da das Präparat ohne medizinische Aufsicht ausgegeben wird. Dem Unternehmen droht eine Strafe von 1,5 Millionen Real (600.000 Euro).

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „BAYER muss diese unlauteren und gefährlichen Werbe-Aktionen sofort unterbinden. Die Einnahme von Levitra kann schwere Nebenwirkungen verursachen. Es ist absolut unverantwortlich, ein Medikament wie Lutschbonbons unter die Leute zu bringen“. Die Einnahme von Levitra kann zu Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen und in schweren Fällen zu Erblindung führen.

Die Verkaufserlöse von Levitra bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Prognostiziert wurden einst eine Milliarde Euro jährlich, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 260 Millionen Euro. BAYER reagiert darauf mit dubiosen Werbe-Kampagnen, die bereits in mehreren Ländern verboten wurden. „Die Aktionen in Brasilien zeigen einmal mehr, dass Werbung für Pharmazeutika streng reglementiert und größtenteils verboten werden muss. Die Information über Medikamente gehört in die Hände von Ärzten und unabhängigen Prüfern – nicht in die der Verkäufer“, so Mimkes weiter.

Erst kürzlich hatte BAYER in Australien nach Protesten von Ärzten eine Marketing-Kampagne für Levitra stoppen müssen. Im vergangenen Jahr musste der Konzern in den USA eine TV-Werbung für das Präparat wegen irreführender Angaben und fehlender Warn-Hinweise stoppen. Auch in Deutschland behilft sich BAYER zweifelhafter Marketing-Methoden: so wurde über das unseriöse „Institut für Gesundheitsberatung“ die sogenannte „Levitra-Studie“ verbreitet, die in der irrsinnigen Aussage gipfelte, dass „Potenzprobleme in Deutschland über 60 Milliarden Euro Schaden verursachen“. In Broschüren, mit denen Pharmareferenten über neue Produkte informieren, stellte BAYER die schnelle und lange Wirksamkeit von Levitra heraus - verschwieg aber, dass sich diese Aussage auf Tests mit betäubten Hasen bezog.

Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert die Flut sogenannter „Lifestyle-Medikamente“ grundsätzlich: „Während jede Bagatelle zum profitträchtigen Makel erklärt wird, fordern Krankheiten wie Malaria und Bilharziose Millionen von Opfern. Die Pharmamultis arbeiten nicht gegen die Geißeln der Menschheit, sondern nur für ihre Dividende“, so Ostendorf.

weitere Informationen:
Bayer: La agencia brasileña encargada del control sanitario predispuso una indagatoria
Australien: Umstrittene Marketing-Methoden für LEVITRA untersagt
FDA Orders Levitra Ad Off the Air

[Übern. Schering] Übernahme Schering

CBG Redaktion

FR, 4. Juli 2006

Bayer hält Jobabbau bei Schering für möglich

Bei der Fusion des Pharmakonzerns Bayer mit dem Berliner Konkurrenten Schering müssen sich die Beschäftigten nach wie vor auf Entlassungen gefasst machen. Bei einem Spitzengespräch mit Betriebsräten vermied Personalchef Richard Pott allerdings konkrete Aussagen zur geplanten Streichung von 6000 Arbeitsplätzen.

Berlin - Kündigungen sollen bei der Verschmelzung von Bayer und Schering nur das äußerste Mittel sein. Dies hat nach Angaben von Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann der Bayer-Vorstand versichert. Zuvor würden alle anderen Mittel zur „Beschäftigungssicherung“ ausgeschöpft. Dazu gehörten Altersteilzeit, Versetzungen oder interne Job-Agenturen.

Grundlage für Kooperation
Die Sorgen der Schering-Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze seien in Leverkusen angekommen, so Deutschmann. Das Gespräch in der Konzern-Zentrale von Bayer werte man „als einen Schritt aufeinander zu und als Grundlage für eine kooperative Zusammenarbeit“. Anfang August sollen die Gespräche über den Jobabbau als Folge der Pharma-Ehe fortgesetzt werden. Eine gemeinsame Kommission soll über die Kürzungen vor einem Beschluss beraten.

Der Schering-Betriebsrat fordert vor allem, dass bei dem Aderlass Entlassungen vermieden werden. Absolute Schmerzgrenze für einen sozial verkraftbaren Stellenabbau in der Hauptstadt seien maximal 500 Jobs bis 2010. Derzeit beschäftigt Schering noch 5600 Menschen an der Spree und rund 9000 bundesweit. Weltweit arbeiten 25 000 Frauen und Männer für den Weltmarktführer bei Antibabypillen. Deutschmann betont, dass die Schering-Beschäftigten schon durch die vor zwei Jahren gestartete Sparwelle große Belastungen aushalten mussten. Durch die zusätzliche Steigerung der Rendite sollte die Unabhängigkeit gesichert werden. Dazu wurden trotz hoher Gewinne weiterhin Stellen besonders in Deutschland gestrichen. Letztlich schützte aber auch der gestiegene Aktienkurs Schering nicht vor den Übernahmeangeboten von zunächst Merck und dann Bayer.

Höhere Rendite
Bayer-Chef Werner Wenning will durch die Pharma-Ehe die Umsatzrendite vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen von 19 auf 25 Prozent erhöhen. Dazu sollen Einspareffekte von jährlich 700 Millionen Euro beitragen, die besonders durch den Stellenabbau entstehen sollen.

Zunächst wird die Kappung von 6000 Stellen den Konzern aber rund eine Milliarde Euro kosten. Bayer zahlte für die Übernahme fast 17 Milliarden Euro, die vor allem über Kredite sowie Teilverkäufe finanziert werden sollen. Thomas Wüpper

22.06.2006

Schering Betriebsrat setzt Bayer Frist bis 29.Juni

Der Betriebsrat der Schering AG, Berlin, hat der Führung des Bayer-Konzerns eine Frist bis 29. Juni gesetzt, um die Zukunftsängste der Schering-Mitarbeiter auszuräumen. „Der Frust ist sehr hoch“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Norbert Deutschmann am Donnerstag am Rande einer Betriebsversammlung. Zumindest müsse die Bayer AG, die Schering in ihren Konzern integrieren will, zusagen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe. Auf der Versammlung machten rund 2.000 Mitarbeiter ihrem Frust über die Unsicherheit Luft, in der sie nach Deutschmanns Angaben seit Monaten gelassen werden. Weltweit soll die Übernahme zum Abbau von 6.000 Stellen führen. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning hatte am Vortag bei der Besiegelung der Übernahme erklärt, betriebsbedingte Kündigungen seien nur die „ultima ratio“. Der Schering-Arbeitnehmervertreter interpretierte dies aber nicht als Ausschluss der Maßnahme, sondern als Formulierung, die lediglich die Gesetzeslage widerspiegelt, nach der ohnehin zuvor alle anderen Mittel zur Sanierung ausgeschöpft sein müssten. Der Schering-Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen habe auf der Betriebsversammlung „nicht viel Neues“ gesagt, sagte Deutschmann. Vor allem hätten konkrete Aussagen zur Zukunft der Arbeitsplätze gefehlt. Das Äußerste, was die Arbeitnehmer in Berlin hinnehmen würden, wäre der sozial verträgliche Abbau von 500 Stellen bis 2010, meinte Deutschmann. Als weitere Forderungen nannte der Betriebsratsvorsitzende den Erhalt der bei Schering üblichen sozialen Standards, die Transparenz der Unternehmensentscheidungen und die Offenlegung aller eventuellen Absprachen mit dem gescheiterten Übernahme-Bewerber Merck KGaA. Erlen habe allerdings auf der Betriebsversammlung die Existenz solcher Absprachen, etwa über Kooperationen in bestimmten Bereichen, dementiert. Deutschmann verlangte vor allem, dass den Arbeitnehmern bis zum Beginn der Sommerferien konkrete Perspektiven für ihre Arbeitsplätze eröffnet würden. „Ob die Situation sich zuspitzt, das liegt jetzt bei Bayer“, sagte er. Die Frage, ob und wenn ja, welche Maßnahmen die Belegschaft ergreifen wolle, wenn sich Bayer nicht bis zum 29. Juni äußern sollte, beantwortete Deutschmann nicht.

Berliner Zeitung, 13.06.2006

„Die Headhunter sind schon unterwegs“

Herr Deutschmann, die Schering-Übernahme durch Bayer steht auf der Kippe, weil Konkurrent Merck massenhaft Schering-Aktien kauft. Welche Motive hat Merck?
Ich denke, Merck will daraus einen finanziellen Vorteil ziehen. Auf jeden Fall bedeutet die derzeitige Entwicklung noch mehr Ungewissheit für uns.

Was könnte Schering denn passieren, wenn Bayer nicht zum Zuge kommt?
Das Horrorszenario wäre natürlich, dass Schering zerschlagen wird. Die sehr optimistische Variante wäre, ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erhalten. Dazwischen liegt ein breites Feld.

Wenn es zur Übernahme von Bayer kommt, sollen rund zehn Prozent der Stellen im neuen Unternehmen wegfallen. Befürchten Sie, dass die Bieterschlacht noch mehr Jobs gefährdet?
Auf jeden Fall! Weil die Erwartungen, für den Verkauf von Schering-Aktien noch mehr herauszuschlagen, steigen. Höhere Preise bedeuten höhere Kosten, höhere Kosten müssen wieder hereingespielt werden. Daraus folgen höhere Einsparungen - und das gefährdet in der Regel noch mehr Arbeitsplätze. Die Zeche nachher sollen die Arbeitnehmer zahlen.

Was kann man dagegen tun?
Wir können nur appellieren an die Vernunft der Akteure. Egal, wer die Schering-Aktien nachher besitzt, der Wert von Schering steckt in den Patenten und Köpfen der Mitarbeiter. Und wenn die Motivation sinkt oder Mitarbeiter Schering verlassen, dann nimmt das Unternehmen Schaden. Daran kann kein künftiger Erwerber ein Interesse haben.

Gibt es denn bereits die Tendenz, dass Top-Leute Schering verlassen?
Die Headhunter sind schon unterwegs und versuchen unsere Leute abzuwerben. Die Frage ist, wann sind die Leute bereit, darauf einzugehen. Wenn sie bei Schering eine Perspektive sehen, dann bleiben sie auch.

Haben Sie noch Hoffnung, dass Bayer die 75 Prozent erreicht?
Ich hoffe, dass Merck letztlich Verantwortung zeigt und nicht nur kurzfristige Interessen hat. Es geht auch um den Pharmastandort Deutschland, der durch die Bieterschlacht weiter geschwächt werden könnte.
Das Gespräch führte Peter Kirnich.

taz, 14. Juni 2006

Schering nur zu Mondpreisen zu haben

Der Übernahmepoker um den Pharmakonzern Schering entscheidet sich heute. Die Darmstädter Firma Merck hat immer mehr Schering-Aktien gekauft - und treibt damit den Preis für die Bayer-Gruppe in die Höhe. Die Belegschaft muss die Zeche zahlen
VON RICHARD ROTHER

Für Berlin und Schering wollten sie nur das Beste, erläuterten die Vertreter des Darmstädter Familienunternehmens Merck wortreich, als sie im März im feinen Hotel Adlon ihre Übernahmepläne den Journalisten erklärten. Nachdem der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer die Merck-Offerte deutlich überbot, erweisen sich heute die Merck-Manager als das, was sie möglicherweise von Anfang an waren: Spekulanten. Heute um 24 Uhr endet die Frist für die Schering-Anleger, das Bayer-Angebot anzunehmen. Merck hatte sich in den vergangen Tagen mit immer mehr Schering-Aktien eingedeckt - vermutlich, um von Bayer Preis- oder weitere Zugeständnisse verlangen zu können. Die Spekulationsmasse ist die Weddinger Pharmafirma .

Denn Bayer muss bis heute Abend 75 Prozent der Schering-Aktien halten. Andernfalls scheitert die Übernahme, aus der die neue Bayertochter Bayer Schering Pharma mit Sitz in Berlin werden soll. Das wissen natürlich auch die Merck-Manager, die bislang mehr als 20 Prozent der Aktien zusammenkauften. Damit haben sie ein Pfund in der Hand, mit dem sie bis heute Abend wuchern können. Entweder, Bayer legt auf sein Angebot in Höhe von 86 Euro je Schering-Aktie noch etwas drauf. Oder aber Bayer bietet den Merck-Managern Teile des gewinnträchtigen Schering-Geschäfts an - etwa Patente, neu zu entwickelnde Medikamente oder ganze Sparten. Gestern schloss Bayer bereits nicht mehr aus, auch einen höheren Preis, als bislang geboten, für Schering zu zahlen.

Verlierer dieses spekulativen Übernahmepokers ist in jedem Fall Schering. Im schlimmsten Fall würde Schering nicht nur von den Leverkusenern geschluckt, sondern zerlegt und teilweise verkauft. Im - nach Lage der Dinge - weniger schlimmen Fall kostet Bayer die Schering-Übernahme nur mehr Geld. Geld, das auf den Konten der Merck-Besitzer landet. Auch dies wird in Berlin zu spüren sein, denn Bayer muss die Übernahme refinanzieren - bislang soll sie 16,5 Milliarden Euro kosten. Die Folge werden weitere Einsparungen sein, auch bei den Personalkosten. Schon jetzt steht jede zehnte Stelle bei Schering durch die Übernahme zur Disposition. Sollte die Übernahme noch teurer werden, dürften weitere hinzukommen.

Bei Schering, dem einzigen Dax-Unternehmen Berlins, herrscht schlechte Stimmung. Die Hängepartie zerre an den Nerven der Beschäftigten, „die Belastung nimmt zu“, sagt Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann. Die Beschäftigten fühlten sich wie Schachfiguren.

„Der Schering-Übernahme-Poker zwischen Bayer und Merck droht für den Standort Berlin zur Tragödie zu werden“, befürchtet auch die Grünen-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Franziska Eichstädt-Bohlig. Deutschland brauche Regeln, um feindliche Übernahmen und Zerschlagungen durch Finanztransaktionen einzudämmen. Da weder die rot-grüne noch die schwarz-rote Bundesregierung in diesem Sinne vorangekommen sind, bleibt Eichstädt-Bohlig nur ein moralischer Appell: „Ich appelliere an die Firma Merck ebenso wie an die Schering-Aktionäre, nicht nur die Steigerung der Kapitalrendite im Auge zu haben, sondern auch die eigene gesellschaftliche Verantwortung für Unternehmenskultur, Arbeitsplätze und Standortsicherheit.“

Wie attraktiv Schering für Investoren ist, zeigen die Zahlen des ersten Quartals dieses Jahres. In den ersten drei Monaten 2006 stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf 174 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

12. Juni 2006

Schering-Betriebsrat befürchtet weiteren Stellenabbau

BERLIN --Der Betriebsratsvorsitzende der Schering AG, Norbert Deutschmann, befürchtet wegen der neu entfachten Bieterschlacht um das Unternehmen einen weiteren Stellenabbau. „Jetzt sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr“, sagte Deutschmann der Berliner Tageszeitung „BZ“ (Montagausgabe). Durch das Vorgehen der Merck KGaA dürften die Kosten für eine Übernahme steigen. „Und das bedeutet in der Regel, dass diese Kosten die Arbeitnehmer tragen sollen und weitere Jobs wegfallen würden“, warnte Deutschmann.

Schering wollte zunächst keinen Kommentar zu den jüngsten Entwicklungen abgeben. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte die stellvertretende Sprecherin Verena von Bassewitz am Montag. Kurz vor dem Fristablauf für das Übernahmeangebot von Bayer hatte sich der Bieterkampf um Schering in den vergangenen Tagen zugespitzt. Die im Bieterstreit unterlegene Darmstädter Merck-Gruppe stockte ihren Schering-Anteil von 5% auf bisher knapp 19% auf und setzte damit ein großes Fragezeichen hinter die schon sicher geglaubte Übernahme Scherings durch den Bayer-Konzern.

12. Juni, Netzeitung

Bayer bei Schering auf Hedgefonds angewiesen

Heimlich und still hat sich Merck mit Schering-Anteilen eingedeckt - für eine Sperrminorität fehlt nicht mehr viel. Die entscheidende Rolle im wieder entfachten Übernahmekampf spielen jetzt die Hedgefonds.

Der im Übernahmekampf um Schering unterlegene Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck liefert sich mit dem Rivalen Bayer einen heftigen Schlagabtausch. Der Darmstädter Konkurrent hält nach eigenen Angaben derzeit mehr als 18 Prozent an Schering und hat damit seinen Anteil deutlich aufgestockt.
Merck versucht offenbar, eine Sperrminorität von 25 Prozent zu erreichen und damit die Übernahme durch Bayer faktisch zu verhindern. Die Frist zur Annahme des Übernahmeangebots des Leverkusener Konzerns läuft noch bis zu diesem Mittwoch.

Hedgefonds halten 20 Prozent
Bayer hatte sich als so genannter Weißer Ritter in den Übernahmekampf zwischen Schering und Merck eingeschaltet und mit 86 Euro je Aktie deutlich mehr geboten als Merck. Das Schering-Management empfahl daraufhin den eigenen Aktionären, das Angebot von Bayer anzunehmen.
Um die notwendigen 25 Prozent der Anteile zu erhalten, könnte das Darmstädter Familienunternehmen mit Hedgefonds zusammen gehen und die Bayer-Pläne mit Schering durchkreuzen oder eine Übernahme durch die Leverkusener in die Länge ziehen. Nach Angaben aus Branchenkreisen halten Hedgefonds bereits rund 20 Prozent an dem Berliner Unternehmen.
Unter den Schering-Großaktionären hatte zuletzt der Münchener Versicherungskonzern Allianz seinen Anteil von elf Prozent an Bayer verkauft. Eigenen Angaben zufolge erwarb Bayer am Aktienmarkt zuletzt zudem 23,09 Prozent der Schering-Aktien zu Preisen von je 84,71 bis 86 Euro. Der Leverkusener Konzern hält damit derzeit mehr als 61 Prozent an Schering.

Frist läuft bis Mittwoch
Bis Mittwoch muss eine Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent erreicht werden, damit die Schering-Übernahme zu Stande kommt. „Wir halten uns alle Optionen offen“, sagte ein Sprecher von Merck. In Unternehmenskreisen hieß es jedoch, dass Merck nicht mehr damit rechne, Schering komplett übernehmen zu können. Es werde vielmehr darauf spekuliert, dass Bayer sein Angebot nochmals anhebt.
Beim Schering-Betriebsrat wächst angesichts des neu entflammten Übernahmekampfs die Sorge, der Stellenabbau könnte höher ausfallen als bisher geplant: „Jetzt sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Norbert Deutschmann der Berliner „B.Z.“.
Mit dem Vorgehen von Merck stiegen die Kosten für die beabsichtigte Übernahme. „Und das bedeutet in der Regel, dass diese Kosten die Arbeitnehmer tragen sollen und weitere Jobs wegfallen würden“, sagte Deutschmann. Zuvor hatte bereits Bayer-Chef Werner Wenning vor den Folgen des Übernahmekampfes gewarnt: „Wir hoffen, dass diese Intervention von Merck nicht zu einer Belastung der Entwicklung von Schering führt.“ (nz)

FTD

Bayer prüft neues Schering-Gebot

von Klaus Max Smolka, Matthias Pindter, Frankfurt, und Peter Kuchenbuch, Hamburg

Für den Fall, dass der aktuelle Kaufversuch scheitert, prüft der Bayer-Konzern, wie sich die Schering-Übernahme dennoch retten lässt. Eine zweite Kaufofferte bleibt dem Konzern rechtlich möglich.

Sollte Bayer aufgrund der Aktienkäufe des Rivalen Merck die für die Übernahme erforderlichen 75 Prozent der Schering-Anteile nicht zusammenbekommen, kann der Leverkusener Konzern bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragen, sich von der zwölfmonatigen Sperrfrist befreien zu lassen. Dies ist möglich, wenn das Zielunternehmen Schering dafür seine Zustimmung gibt. Da Schering den Zusammenschluss mit Bayer unterstützt, wäre ein solches Placet zu erwarten.
Bayers aktuelles Gebot wackelt, weil Merck vorige Woche über die Börse mehr als 18 Prozent der Anteile an Schering zusammengekauft hat. Das gefährdet die Annahmequote von 75 Prozent, die Bayer zur Bedingung für das Übernahmeangebot gemacht hat. Merck hatte zuvor selbst versucht, Schering zu kaufen.
Nach dem deutschen Übernahmegesetz muss ein Bieter ein Jahr warten, bevor er nach einer gescheiterten Offerte wieder beim selben Unternehmen anklopfen darf. Mit dieser Regel hatte Bayer den Schering-Aktionären zuletzt gedroht. Das Unternehmen verlängerte vor knapp zwei Wochen seine Offerte von 86 Euro je Aktie bis zum 14. Juni und betonte, dies sei rechtlich die letztmögliche Verlängerung. Auch am Preis und anderen Gebotsbedingungen sei nichts mehr zu ändern. Die Botschaft dahinter: Jetzt annehmen oder nie.

Übernahme durch Bayer kleineres Übel
Das stimmte formal. Weitgehend unbeachtet blieb, dass Bayer sein Gebot voraussichtlich sehr wohl aufstocken kann. Denn bei Schering sieht man inzwischen die Übernahme durch Bayer als kleineres Übel an. Der Grund: Wenn der Zusammenschluss fehlschlägt, wird der Schering-Kurs vermutlich abstürzen. Die bei hohem Preis eingestiegenen Hedge-Fonds würden wahrscheinlich versuchen, ihr Investment auf andere Weise zu retten als durch den Verkauf an Bayer: Sie würden auf die Veräußerung jener Unternehmensteile drängen, die erst langfristig Erfolg versprechen - beispielsweise der Anti-Krebs-Mittel.
Schering dürfte daher einem Antrag Bayers bei der Bafin zustimmen, sich von der Sperrfrist befreien zu lassen. Die Chancen bei der Behörde stünden dann nicht schlecht. Auf gleiche Weise kam 2005 die niederländische Firma NDO beim IT-Anbieter Arxes im zweiten Anlauf zum Zuge. NDO war in der ersten Runde an einer zu niedrigen Annahmequote gescheitert - so wie es jetzt Bayer droht. Bayer könnte bei einem neuen Gebot die Annahmeschwelle von 75 Prozent herabsetzen.
„Das Gesetz sieht vor, dass die Bafin einer Befreiung zustimmen kann“, sagte eine Sprecherin der Behörde. „Die Bafin hat ein Ermessen und müsste die Bedingungen des Einzelfalls entsprechend würdigen.“ Bayer und Schering wollten sich am Wochenende zu diesem Thema nicht äußern. „Schering steht nach wie vor zu dem Bayer-Angebot“, sagte ein Schering-Sprecher.

Skeptischer Blick der Bafin
Das Schweigen ist wenig verwunderlich: Den Investoren soll nicht signalisiert werden, sie bekämen eine zweite Chance, ihre Anteile anzudienen. In Firmenkreisen ist aber zu hören, dass die Rechtsabteilungen diesen Weg prüfen. Theoretisch wäre auch ein Gebot über eine neue Tochtergesellschaft möglich. Diese Option wird aber dem Vernehmen nach von Bayer verworfen.
Die Bafin würde einen solchen Schritt wohl skeptisch betrachten. „Wenn ein neuer Bieter käme, von dem man wissen würde, dass dahinter der gleiche wirtschaftliche Eigentümer steht, dann wäre zu prüfen, ob das einen Umgehungstatbestand darstellen würde“, sagte die Bafin-Sprecherin.
In jedem Fall ist Bayer fest gewillt, die Akquisition von Schering durchzuführen. Schließlich hat der Leverkusener Konzern schon mit hohem Tempo die Zusammenlegung mit dem Konkurrenten vorbereitet - unterstützt von den Beratungsgesellschaften Deloitte und Egon Zehnder. Leiter des Projekts ist Lambert Courth, Chef der Ländergruppe Großbritannien und Irland. Er führte schon die Integration des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten, das Bayer 2004 von Roche gekauft hatte.
In Singapur trafen sich nach FTD-Informationen vorige Woche Bayer- und Schering-Manager zu Gesprächen über die Fusion der Asiengeschäfte. Von Montag an sollen rund 80 bis 100 Manager beider Seiten in einem Hotel in Amsterdam über die Integration beraten. Die Unternehmen sind peinlich darauf bedacht, diese Treffen auch intern noch nicht als Teil einer Fusion darzustellen - das ist juristisch heikel, weil sie derzeit noch Wettbewerber sind. Daher sind die Veranstaltungen als „Integration Planning Kick-off Meetings“ deklariert - also erste Treffen zur Planung der Integration.

Sonntags TV

CBG Redaktion

11. Juni 2006, Sonntags TV, ZDF

Schule statt schuften

Initiativen gegen Kinderarbeit

250 Millionen Kinder weltweit arbeiten. Allein in Indien gehen nach Schätzungen von Unicef rund 80 Millionen Jungen und Mädchen nicht zur Schule, sondern schuften in Steinbrüchen oder auf dem Feld. Und das obwohl Kinderarbeit auch in Indien seit Jahren offiziell verboten ist.

In Indien arbeiteten früher viele der Kinder in der Bekleidungsindustrie, doch auf Druck internationaler Organisationen sind hier die Zahlen zurückgegangen. Nun arbeiten sie in Zulieferbetrieben, zum Beispiel in der Zucht von Baumwollsaatgut. Diese Herstellung ist sehr zeitaufwendig: Meist sind es junge Mädchen, die die hybriden Pflanzen von Hand bestäuben.

Kinder als billige Arbeitskräfte
„Ich bin 10 Jahre alt und arbeite von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends für 30 Rupees am Tag. Natürlich würde ich gerne zur Schule gehen, aber meine Eltern müssen Schulden zurückzahlen“, erzählt ein Mädchen. 30 Rupees am Tag, das sind gerade mal 60 Cent. Friedel Hütz-Adams kennt diese Zahlen. Er arbeitet seit Jahren für den entwicklungspolitischen Verein Südwind.

Kinderarbeit hat ihm zufolge mehrere Ursachen: „Das Problem ist sozial fundiert, es ist traditionsbedingt, es liegt zum Teil an der Diskriminierung von Bevölkerungsschichten und es liegt auch daran, dass Arbeitgeber lieber billige Kinder als teure Erwachsene einstellen. Die Familie hat dann die Wahl, entweder arbeitet das Kind oder es arbeitet niemand.“

Teure Importware
Häufig arbeiten die Kinder in Steinbrüchen und Kalköfen. Im indischen Madhya Pradesh etwa schleppen Kinder 12 Stunden am Tag Steine. Natürlich ist das nicht legal, doch die Kontrollen sind selten. Viele der Steinbrüche sind nicht registriert und werden illegal betrieben. Arbeitsschutz und das Verbot von Kinderarbeit sind hier Fremdworte. Zur Schule geht hier niemand, stattdessen verdienen diese Jungen oft das Familieneinkommen. Ihre Arbeitskraft ist billiger als die der Erwachsenen, also erhalten sie den Zuschlag.

Friedel Hütz-Adams weist darauf hin, dass in Deutschland mehr und mehr Steine aus Indien, unter anderem auch Granitblöcke und Grabsteine importiert würden. „Also auch eher hochwertige und teure Dinge, bei denen man erst mal denken würde: Da arbeiten keine Kinder mit. Wenn man aber vor Ort in die Minen reinschaut, stößt man auf verheerende Arbeitsbedingungen, große Umweltbelastungen und eben überall auf Kinder.“

Bildung verleiht Würde
Die 12-jährige Lakshmi musste noch vor kurzem wie viele andere Mädchen zwölf Stunden am Tag schuften. Jetzt kann sie die Schule besuchen und hat schon das ganze Alphabet gelernt. Zeit zum Spielen bleibt ihr sogar auch: „Ich spiele mit meinen Freundinnen, das ist ganz toll, das kannte ich vorher gar nicht. Da blieb ja gar keine Zeit übrig, aber jetzt haben wir Zeit für uns. Das ist wirklich toll. Ich bin froh, dass ich hier bin.“

Die Kampagne „Stopp Kinderarbeit - Schule ist der beste Arbeitsplatz“ hat die Deutsche Welthungerhilfe ein Bildungsprojekt ins Leben gerufen, um arbeitenden Kindern in Entwicklungsländern kostenlose staatliche Grundbildung zu ermöglichen. „Bildung macht den Menschen zum Bürger, versetzt ihn in die Lage, seine Rechte wahrzunehmen, selbst wenn am Ende nicht unbedingt ein Arbeitsplatz steht“, sagt Antje Paulsen von der Welthungerhilfe.

Wie viele andere Eltern war auch die Mutter von Lakshmi zunächst gegen den Schulbesuch ihrer Tochter, doch jetzt ist sie stolz auf sie. Im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gehen mittlerweile fast alle Kinder zur Schule.

mit Material von epd

Indien

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Mitteilung vom 8. Juni 2006

Kinderarbeit bei indischen Saatgut-Zulieferern: „BAYER muss Versprechen halten“

Rund 500 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren arbeiteten im vergangenen Jahr bei indischen Saatgut-Zulieferern des BAYER-Konzerns. Die Kinder stehen bis zu 13 Stunden täglich auf den Feldern, verdienen weniger als 50 Cent am Tag und tragen wegen der hohen Pestizidbelastung oftmals Gesundheitsschäden davon. In wenigen Wochen beginnt die etwa sechsmonatige Pflanz-Saison.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der BAYER-Konzern muss in der nun startenden Pflanz-Saison sicherstellen, dass bei seinen Zulieferern keine Kinder mehr ausgebeutet werden. Alle ehemaligen Kinderarbeiter müssen auf Kosten des Unternehmens eine Schulbildung erhalten.“ Wegen der höheren Löhne, die an Erwachsene gezahlt werden, würden diese Maßnahmen in den betroffenen Regionen auch zu einer Verbesserung der sozialen Lage führen.

Nach internationalen Protesten hatte BAYER im vergangenen Jahr einen Aktionsplan gestartet, das Ziel der Eliminierung von Kinderarbeit bei seinen Zulieferern jedoch verfehlt. Die CBG fordert BAYER nun auf darzulegen, welche Konsequenzen aus den Fehlern des Vorjahres gezogen wurden. „BAYER hat zwar im Frühjahr 2005 unter dem zynischen Titel „Harvest of Happiness“ („glückliche Ernte“) eine breit angelegte Medienkampagne gestartet, jedoch erst im Juli die Zulieferer darauf hingewiesen, dass sie ohne Kinderarbeit produzieren sollten. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Arbeitsverträge bereits unterschrieben, die meisten Zulieferer konnten die Belegschaft nicht mehr austauschen“, so Mimkes weiter.

Die CBG hatte die Problematik vor drei Jahren in Deutschland öffentlich gemacht und eine Kampagne gestartet, der sich inzwischen zahlreiche Verbände angeschlossen haben. Gemeinsam mit dem Global March against Child Labour und Germanwatch reichte der Verein bei der OECD eine Beschwerde wegen Verletzung der Leitlinien für Multinationale Konzerne ein.

„Die im letzten Jahr erfolgte Reduzierung der Kinderarbeit bei Zulieferern von BAYER ist auf den Druck von Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland zurückzuführen“ erläutert Dr. Davuluri Venkateswarlu vom Glocal Research and Consultancy Service in Hyderabad. Dr. Venkatesvarlu, dessen Untersuchungen die Kampagne ins Rollen gebracht hatten, fordert weitere Aktionen am Stammsitz von BAYER. „Es war ganz eindeutig, dass die Firma nur aufgrund des Drucks von europäischen Gruppen zu Diskussionen mit uns bereit war“, so Venkatesvarlu. Der Arbeitswissenschaftler kennt die Zustände auf den Feldern aus persönlicher Betroffenheit: seine acht Geschwister arbeiteten als Kinder auf Baumwoll-Feldern, er allein erhielt eine Schulbildung.

Wie schon bei früheren Streitthemen bleibt der Konzern bei der Strategie, seine Kritiker in „gut“ und „böse“ aufzuteilen. Während große Verbände zu Gesprächen eingeladen werden, ließ das Unternehmen ein im Bundeswirtschaftsministerium geplantes Gespräch platzen. Grund für die Absage: die Teilnahme der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die angeblich „ideologisch motivierte Kampagnen“ gegen BAYER führe. Dabei hatten die Veröffentlichungen des Vereins die Kampagne in Deutschland überhaupt erst ins Rollen gebracht....

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Kampagnen-Seite

Die Kampagne wird von der Stiftung Menschenwürde + Arbeitswelt, der Stiftung Umverteilen und der Aktion Selbstbesteuerung unterstützt