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Beitrag veröffentlicht im August 2006

Vergiftungen

CBG Redaktion

Presse Information vom 24. August 2006

Centre for Sustainable Agriculture (Indien)
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Pesticide Action Network Asia and the Pacific (PAN AP, Malaysia)

Indien: Gefährliche Pestizide sofort vom Markt nehmen!

Hohe Pestizidbelastung von Cola / Tödliche Vergiftungen tausender Landarbeiter

In der indischen Öffentlichkeit wird kontrovers über die hohe Pestizidbelastung von Getränken wie Coca Cola und Pepsi Cola diskutiert. Mehrere Bundesstaaten verhängten Verkaufsverbote. Wenig Beachtung findet jedoch das weit drängendere Problem akuter – oftmals tödlicher - Pestizidvergiftungen indischer Landarbeiter und Bauern. Das indische Centre for Sustainable Agriculture, die Coordination gegen BAYER-Gefahren sowie die asiatische Sektion des Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Asia and the Pacific) fordern daher einen sofortigen Verkaufs-Stopp aller hochgefährlichen Agrochemikalien in Indien.

Kavitha Kuruganti vom Centre for Sustainable Agriculture (CSA): “Multinationale Konzerne wie Bayer, DuPont und Syngenta vermarkten in Indien hochgefährliche Pestizide, die in Europa und den USA schon lange vom Markt genommen wurden. Ein typisches Beispiel doppelter Standards.“ Das CSA hat Dutzende Fälle von Pestizidvergiftungen gesammelt, viele mit tödlichem Ausgang. „Das von Bayer produzierte Agrogift Hinosan mit dem Wirkstoff Edifenfos beispielsweise ist für viele der von uns dokumentierten Vergiftungen verantwortlich“, so Kuruganti weiter.

„Das Pestizid Aktions-Netzwerk hat mit Partnern in vielen asiatischen Ländern dokumentiert, wie Millionen von Bauern und Landarbeitern in ganz Asien durch Pestizide der Gefahrenklasse I vergiftet werden. Auch von Wirkstoffen wie Endosulfan und Paraquat, die irrtümlich als „weniger gefährlich“ (Gefahrenklasse II) bezeichnet werden, geht eine große Gefahr aus“, erklärt Sarojeni V. Rengam, Geschäftsführerin des Pesticide Action Network Asia and the Pacific. „Es ist eine Tragödie, dass Klasse I Pestizide sowie Paraquat und Endosulfan, die unter den Anwendungsbedingungen im Süden extrem gefährlich sind, weiterhin großflächig eingesetzt werden. Wir fordern die Firmen Bayer, weltgrößter Produzent von Endosulfan, und Syngenta, Produzent von Paraquat, auf, die Herstellung dieser tödlichen Pestizide sofort einzustellen.“

Bayer CropScience ist in Indien Marktführer für Agrochemikalien. In vielen Teilen der Welt verkauft das Unternehmen Pestizide der WHO-Gefahrenklasse Ia (extrem gefährlich) und Ib (hoch gefährlich), darunter Thiodicarb, Parathion, Fenamiphos, Azinphos-Methyl und Methamidophos. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Vor zehn Jahren kündigte Bayer an, alle Pestizide der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen. Dieses Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten. Das Unternehmen trägt daher die Verantwortung für die Vergiftung Tausender Landarbeiter Jahr für Jahr.“

Gegenüber deutschen Journalisten räumte Bayer ein, dass das Unternehmen in Indien neben Endosulfan auch das Klasse I-Pestizid Hostathion verkauft. Bis zur vergangenen Woche führte die indische homepage von Bayer zudem eine Reihe weiterer Klasse I Wirkstoffe auf, darunter Larvin (Thiodicarb), Metasystox (Oxidemeton Methyl), Tamaron (Methamidophos) und Folidol (Parathion Methyl). Seit der Veröffentlichung eines Protest-Briefs durch die unterzeichnenden Organisationen in der vergangenen Woche ist diese Seite jedoch „under construction“ (die vollständige Liste findet sich im Anhang).

Nach Auffassung des Centre for Sustainable Agriculture, PAN Asia and the Pacific sowie der Coordination gegen BAYER-Gefahren ist eine gefahrlose Anwendung von Pestiziden in Indien nicht möglich. Armut, Analphabetismus und tropisches Klima, das den Einsatz von Schutz-Anzügen nicht erlaubt, tragen dazu bei, dass rund 99% aller Pestizid-Vergiftungen in Entwicklungsländern auftreten.

Die Organisationen kritisieren in ihrem gemeinsamen Aufruf das skrupellose Marketing der Hersteller, wodurch der Eindruck vermittelt werde, Pestizide könnten gefahrlos eingesetzt werden. Sie erinnern auch an den FAO Kodex, den sowohl Indien als auch die Pestizid-Industrie unterzeichnet hat, laut dem Wirkstoffe der Gefahrenklassen I und II nicht in Ländern des Südens vermarktet werden sollen. Die Gruppen fordern die indische Regierung auf, aggressive Werbung für Pestizide zu verbieten und Haftungsregeln für die Industrie einzuführen, um Vergiftungs-Opfer auf Kosten der Produzenten medizinisch zu behandeln und angemessen zu entschädigen.

Das Eine Welt Netz NRW hat eine Protest-Kampagne gegen den Gebrauch hochgiftiger Pestizide gestartet, die von Bayer noch immer in Indien verkauft werden. Die CBG unterstützt die Kampagne (mehr...)

Die auf der indischen homepage von Bayer angebotenen Agrogifte (Stand 16. August 2006):

FUNGICIDES
ALIETTE
ANTRACOL
BAYCOR
BAYLETON
BILZEB
DEROSAL
HINOSAN
PROTEGA
QUINTAL

INSECTICIDES
BAYRUSIL
BILCYP
BILPHOS
BIPVIN
BITAM
BULLDOCK
CALYPSO
CONFIDOR
CYBIL
DECIS100
DECIS2.8
FOLIDOL
HOSTATHION
LARVIN
METACID
METASYSTOX
REGENT GR
REGENT SC
SEVIN
SHERPA ALPHA
SHERPA CYPER 10EC
SPARK
SPINTOR
TAMARON GOLD
THIODAN

HERBICIDES
ARELON
AROZIN
ATLANTIS
DRADO
KLASS
POWER ACT
PUMA POWER
RAFT
SENCOR
SUNRICE
TOPSTAR
WHIP SUPER

PLANT GROWTH REGULATOR
ETHREL
PLANOFIX

SEED TREATMENT
RAXIL
GAUCHO600
GAUCHO70

[LL Reis] Liberty Link Reis

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Information vom 22. August 2006

Nach dem Skandal in den USA:

„Gen-Reis von Bayer nicht in der EU zulassen!“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert die europäischen Behörden auf, keine Import-Genehmigung für gentechnisch veränderten Reis zu erteilen. Der jüngste Skandal in den USA belege, dass sich die Risiken von modifizierten Pflanzen nicht kontrollieren ließen.

Am Wochenende hatten US-Behörden bekannt gegeben, dass in mehreren amerikanischen Bundesstaaten herkömmlich angebauter Reis mit der von BAYER CropScience hergestellten Sorte LL 601 kontaminiert ist. Der genmanipulierte Reis ist resistent gegen das von BAYER hergestellte Herbizid Liberty Link. Die US-Landwirtschaftsbehörde kennt weder den genauen Umfang der Verunreinigung noch ihre Ursache. Japan verhängte daraufhin einen sofortigen Import-Stopp für Langkorn-Reis aus den USA. In der Europäische Union kam der kontaminierte Reis offenbar bereits in den Handel.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der Fall bestätigt alle Befürchtungen: eine nicht zugelassene gentechnisch veränderte Reis-Sorte landet in der Nahrungskette, und niemand weiß, wie sie dort hineingelangt ist. Der Umfang der Verunreinigung ist ebenso unklar wie die gesundheitlichen Risiken für die Verbraucherinnen und Verbraucher. Dies muss Konsequenzen für die Zulassung von Gen-Reis in der EU haben“. BAYER hatte 2003 in der EU eine Import-Zulassung für genmanipulierten Reis der Sorte LL 62, der ebenfalls gegen Liberty Link resistent ist, beantragt. Insgesamt neun EU-Mitgliedsstaaten äußerten Bedenken, weswegen die European Food Safety Authority (EFSA) bis heute keine Zulassung erteilt hat. Die CBG fordert die Bundesregierung auf, sich gegen eine Importgenehmigung von LLRice62 auszusprechen.

BAYER ist weltweit zweitgrößter Anbieter von gentechnisch verändertem Saatgut. In Europa will das Unternehmen gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Mais in den Markt drücken. Die weltweit folgenschwerste Entscheidung betrifft jedoch die Zulassung von Gen-Reis. Neben den Risiken für die Konsumenten stehen dabei besonders die Auswirkungen in den Anbau-Ländern, vornehmlich in Asien, im Blickpunkt. Philipp Mimkes: „Die Einführung von Gen-Reis hätte dramatische Konsequenzen. Millionen Bauern in den Ländern des Südens, die bislang durch Tausch und Eigenzüchtungen ihr Saatgut selbst produzieren, drohen in Abhängigkeit von multinationalen Konzernen zu geraten - die Verwendung ihrer Ernte als Saatgut wäre wegen des Patentschutzes künftig verboten. Durch den bereits in der „grünen Revolution“ beobachteten Konzentrationsprozess würden Millionen Landwirte ihre Existenz verlieren und in die Elendsgebiete rund um die Metropolen abwandern.“

Dr. Suman Sahai, Direktorin der indischen Initiative Gene Campaign, warnt vor den ökologischen Risiken für ihr Heimatland: Lokal angepasste Reissorten würden durch Hochertragssorten verdrängt, was zu erhöhten Schädlingsaufkommen, verstärktem Einsatz gefährlicher Pestizide und einer Verringerung der Artenvielfalt führt.


Financial Times Deutschland, 29. August 2006

Amerikanische Bauern verklagen Bayer

Amerikanische Landwirte haben die Bayer-Tochter Crop Science verklagt. Die Bauern machen das Unternehmen für Belastungen durch Handelshemmnisse und den jüngsten Preisverfall beim US-Reis verantwortlich, nachdem eine Genreis-Sorte von Bayer auf den Lebensmittelmarkt gelangt war.

Die Klageschrift der Bauern sei am Montag beim Bezirksgericht in Little Rock im Bundesstaat Arkansas eingereicht worden, teilten die Anwälte der Landwirte mit. Bayer Crop Science hat ihrer Ansicht nach nicht verhindert, dass zum Verbrauch nicht zugelassener Genreis in die Nahrungsmittelkette gelangt sei. Wegen dieses Vorfalls hätten die Bauern nun Einbußen hinzunehmen. Ein Bayer-Vertreter war zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Die Europäische Union und Japan hatten Einfuhrbeschränkungen für US-Reis eingeführt. Die EU-Kommission beschloss in der vergangenen Woche, Langkornreis aus den USA nur noch zum Import zuzulassen, wenn er nachweislich keine Anteile der nicht zugelassenen Crop-Science-Sorte enthält. Deshalb verlangt die Kommission Tests und Zertifizierungen durch Labore. Japan setzte die Importe sogar vorübergehend aus. Außerdem brach der Preis für US-Reis ein.
Großteil des US-Reises für Export bestimmt

Obwohl die USA auf dem Weltmarkt nur ein kleiner Reisanbieter sind, sind die amerikanischen Landwirte auf die Verkäufe ins Ausland angewiesen. Etwa die Hälfte der Reisernte geht in den Export.

In den USA war Ende Juli aus bisher nicht geklärten Gründen eine Genreis-Sorte von Bayer Crop Science in für den Lebensmittelmarkt bestimmten Reisbeständen entdeckt worden. Es war der erste derartige Fund bei Reis in den USA. Der Genreis enthält ein spezielles Eiweiß, das die Sorte widerstandsfähiger gegen Unkrautvernichtungsmittel macht. Nach Angaben von US-Behörden führt der Verzehr des Genreises nicht zu gesundheitlichen Störungen.

Frankfurter Rundschau, 21. August 2006

USA: Genreis entdeckt

Washington - Nicht zugelassener Genreis von Bayer ist in den USA in Reis-Containern für den Markt entdeckt worden. Bei den Spuren handele es sich um die Genreis-Sorte Llrice 601, die ein Protein enthalte, das den Reis gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel resistent mache, so das US-Landwirtschaftsministerium. Gefahr für Verbraucher oder Umwelt bestehe nicht.

Es ist unklar, woher der Genreis genau stammt. Mit der Sorte wurden in den USA Feldversuche unternommen, die aber 2001 endeten. Bayer arbeite eng mit den Behörden zusammen, so der Konzern.

Pläne, den verunreinigten Reis zurückzurufen oder gar zu zerstören, gibt es nicht. „Es gibt nichts, was wir gesehen haben, das diesen Schritt rechtfertigen würde“, sagt US-Landwirtschaftsminister Mike Johanns. Eine Untersuchung sei eingeleitet.

Bayer Crop-Science, Pflanzenschutztochter des Konzerns, hat inzwischen die Zulassung der Genreis-Sorte in den USA beantragt - obwohl Bayer nach eigenen Angaben nicht vorhat, die Reis-Sorte in den USA zu vermarkten.

Verbraucherschützer sparen nicht mit Kritik. „Die Biotech-Industrie handelt weiter unverantwortlich und ohne die Regeln zu beachten“, sagt Greg Jaffe vom Center for Science in the Public Interest: „Der Vorfall wird nur die Unsicherheit der Verbraucher im Hinblick auf die Technik verstärken.“

Experten gehen davon aus, dass die USA in diesem Jahr eine Reis-Ernte im Wert von 1,88 Milliarden Dollar haben; die Hälfte davon ist für den Export bestimmt. US-Reis-Pflanzer haben derzeit einen Anteil von etwa zwölf Prozent am weltweiten Reis-Handel. rtr

weitere Informationen auf unserer Kampagnenseite

Tiscali.de, 24. August 2006

EU zieht Reis-Leine

Die EU-Kommission hat einen Importstopp für Reis aus den USA verhängt. Zuvor wurden im herkömmlichen amerikanischen Reisanbau Spuren einer nicht zugelassenen Gen-manipulierten Reissorte entdeckt.

Die EU-Kommission in Brüssel hat am Mittwoch praktisch ein Einfuhrverbot für amerikanischen Langkornreis erlassen. Langkornreis aus den USA darf ab sofort nur noch dann in die EU eingeführt werden, wenn nachgewiesen werden kann, dass er keine Spuren der gentechnisch veränderten, nicht zugelassenen Pflanze LL Rice 601 enthält, berichten Nachrichtenagenturen.

Da es hierfür jedoch noch keine anerkannte Testmethode gebe, kommt die Maßnahme zumindest zwischenzeitlich einem Importstopp gleich. So solle verhindert werden, dass verunreinigter US-Reis in die Lebensmittelkette der EU gelange, begründete ein Kommissionssprecher die Entscheidung.

Bereits am vergangenen Wochenende hatten US-Behörden bekannt gegeben, dass in zwei US-Bundesstaaten, Missouri und Arkansas, herkömmlich angebauter, aber dennoch genmanipulierter Reis gefunden worden sei. Das Korn sei mit der von Bayer CropScience hergestellten Genreis-Sorte LLRice 601 kontaminiert, hieß es. Die Pflanzenschutzsparte des Bayer-Konzerns hätte die Verunreinigung selbst im Juli entdeckt und den US-Behörden gemeldet.

Fünf Jahre zurückliegender Feldversuch
Wie das manipulierte Gen in den Reis kam, konnten jedoch weder die US-Behörden noch der Bayer-Konzern mitteilen. Der Vorfall werde untersucht, ließ US-Landwirtschaftsminister Mike Johanns dazu verlautbaren. In einer Stellungnahme des Bayer-Konzerns ist man sich zumindest sicher, dass der Reis unschädlich „für die Gesundheit, für den Einsatz in Nahrungs- und Futtermitteln wie auch für die Umwelt“ sei.

Die vom Leverkusener Chemie-Riesen aufgekaufte Firma Aventis Crop Science hätte den gegen mehrere Herbizide resistenten LLRice 601 in einem mehrjährigen, 2001 angeblich beendeten Feldversuch entwickelt. Der Reis wurde bisher weder in Europa noch den USA zugelassen.

Beleg für „Unkontrollierbarkeit“ der Gentechnologie
Für einen der größten Reisimporteure der Welt, Japan, reichten diese Informationen aus, um bereits am Wochenende einen sofortigen Einfuhrstopp für Langkornreis aus den Vereinigten Staaten zu verhängen.

Nun zog Europa nach und gab damit der Forderung von Umweltorganisationen statt. Für den Gentechnik-Experten von Greenpeace, Alexander Hissting, belege dieser neue Fall einmal mehr eindrucksvoll die von Gentechnik-Gegnern immer wieder behauptete Unkontrollierbarkeit der Gentechnologie. So sei es nicht möglich, die herkömmliche Landwirtschaft vor der Genmanipulation zu schützen.

Präzedenzfall Süßmais
Es wird auch der EU-Kommission, die in der Vergangenheit tendenziell eine gentechnik-freundliche Politik unterstützte und noch in diesem Jahr über eine Zulassung von LLRice 601 zu entscheiden hat, schwer fallen, diesen Einwand zu entkräften.

Bereits bei der Aufhebung des sechsjährigen „Gentechnik-Moratoriums“ im Jahr 2004 durch die Zulassung der Genmais-Sorte BT11 setzten sich das Brüsseler Gremium und mit ihr die Gen-Food-Industrie kräftig in die Nesseln. Ein Jahr nach der Zulassung stellte sich heraus, dass die Schweizer Firma Syngenta statt des zugelassenen BT11 „versehentlich“ den nicht zugelassenen Süßmais BT10 vertrieb und eigentlich gar nicht in der Lage sei, die beiden Sorten zuverlässig zu unterscheiden.

Das Unternehmen versicherte daraufhin, „binnen weniger Tage“ ein Test- und Zertifizierungsverfahren zur Unterscheidung der beiden Sorten zu entwickeln. Ein solches Verfahren war die Bedingung für die Aufhebung des damals verhängten Importstopps. Seitdem sind nicht nur wenige Tage, sondern mehr als ein Jahr verstrichen. Auf das Testverfahren wartet Brüssel noch heute.
Carsten Wollenweber

SPD Bundestagsfraktion

Bayer soll aktiv über nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Reis informieren

Zu seinem offenen Brief an die Bayer AG, alle Informationen über das Vorkommen von nicht zugelassenem gentechnisch veränderten Reis offen zu legen, erklärt der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber:

Es ist schade, dass Bayer CropScience im Falle des nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Reises die Chancen eines offenen Umgangs mit Informationen nicht nutzt. Wer davon überzeugt ist, dass von der Grünen Gentechnik keine Gefahren ausgehen, müsste gerade in solch einem Falle mit einem Höchstmass an Transparenz dazu beitragen, dass alle Fragen umgehend geklärt werden.

Wer sich in diesen Tagen auf der Website von Bayer CropScience über die Vorkommnisse im Zusammenhang mit nicht zugelassenem gentechnisch veränderten Reis in den USA informieren will, findet leider nur ein paar dürre Zeilen, in denen unter Hinweis auf amerikanische Behörden versichert wird, dass keine Gefahr bestehe. Kein Wort darüber, dass es sich um den nicht zugelassenen gv-Reis LL601 handelt, der zuletzt im Jahre 2001 in den USA im Erprobungsanbau freigesetzt worden ist und für den bisher keine Zulassung beantragt oder erteilt worden ist.

Es stellen sich viele Fragen, an deren Beantwortung die Firma Bayer ein hohes Interesse haben sollte: Wie kann das sein, dass nicht zugelassener gentechnisch veränderter Reis noch mehrere Jahre nach Abbruch der Versuche in Lebensmitteln vorhanden ist und offenbar erst jetzt entdeckt wurde? Wenn Bayer jetzt die Zulassung beantragen will, müssen wir eventuell daraus schliessen, dass der Reis vermutlich nicht nur in den beschlagnahmten Container enthalten war und uns noch länger beschäftigen wird? In welchen Produkten könnte dieser Reis enthalten sein? Und natürlich stellt sich auch die Frage: Warum wurden die Versuche 2001 abgebrochen, wenn das in dem Reis enthaltene Protein so sicher für Mensch und Umwelt ist?

Wir diskutieren in diesen Wochen nicht nur über das Gentechnikgesetz, auch das Verbraucherinformationsgesetz wird im September noch einmal den Bundesrat beschäftigen. Es stellt einen grossen Fortschritt dar, weil es mehr Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher bringen und dazu beitragen wird, dass Qualität sich am Markt durchsetzen kann. Wir haben - auf Wunsch der Wirtschaft und auch unseres Koalitionspartners - darauf verzichtet, bereits jetzt einen Informationsanspruch der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber den Unternehmen darin zu verankern. Mit der Union sind wir uns jedoch einig darin, dass die Informationen am besten bei den Unternehmen selbst verfügbar sind und dass diese deshalb ihre Angebote verbessern müssen. Der vorliegende Fall könnte ein Testfall dafür sein, wie ernst es die Wirtschaft mit der versprochenen Transparenz für die Verbraucherinnen und Verbraucher meint.

Henry Mathews

CBG Redaktion

Beerdigung am 5. September 2006, 12.00 Uhr
Städtischer Friedhof, Eythstr. 1 - 25, (Alboinplatz)
12105 Berlin

Statt zugedachter Blumen bitten Eltern und Lebensgefährtin um Spenden an
Dachverband der Kritischen AktionärInnen
Stadtsparkasse Köln 896 22 92
BLZ 370 501 98
Kennwort „Henry“

Ein mutiges Herz hat aufgehört zu schlagen

Henry Mathews ist gestorben

Am Sonntag, 30. Juli, starb Henry Mathews überraschend am zweiten Tag seines Urlaubs in Schweden. Gerade 40 Jahre jung wurde ein mutiger Kämpfer für eine gerechtere Welt und gegen Profitdiktatur mitten aus dem Leben gerissen. Die Trauer um diesen Verlust ist groß. Henry Mathews wirkte in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, auf nationaler und internationaler Ebene. Insbesondere verbindet sich sein Name mit dem Dachverband der Kritischen AktionärInnen. Zurück lässt er seine fassungslosen Freundinnen und Freunde, seine Angehörigen und seine Liebsten, vor allem seine Lebensgefährtin, seine Tochter und seine Eltern.

Es war 1986, da setzte Henry Mathews zusammen mit Helmut Paschlau und Axel Köhler-Schnura seine Unterschrift unter das Gründungsprotokoll eines Vereins, der die Aktionärshauptversammlungen in Deutschland verändern sollte. Im Naturfreundehaus Solingen wurde der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre aus der Taufe gehoben.

Gesellschaftspolitisch interessiert richtete der Landschaftsgärtner Henry Mathews bereits während seiner Ausbildung zunehmend sein Augenmerk auf die üblen Praktiken des Schering-Konzerns. In diesem Kontext lernte er die BUKO-Pharmakampagne und die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kennen. Nach dem Modell des Netzwerkes der CBG hob er das SCHERING-Aktionsnetzwerk (SCHAN), einen internationalen Verbund zur kritischen Begleitung des Berliner Pharma-Multis, aus der Taufe. Mit 20 Jahren am Scheideweg, seine Karriere als Landschaftsgärtner weiter zu verfolgen oder aus der konzernkritischen Berufung einen Beruf zu machen, nahm er das Angebot an, Geschäftsführer der CBG zu werden. Parallel dazu entwickelte er eine umfangreiche journalistische Tätigkeit.

Als Anfang der 90er Jahre klar wurde, dass der Dachverband der Kritischen AktionärInnen auf rein ehrenamtlicher Basis nicht mehr zu führen ist, nahm Henry Mathews die Herausforderung eines Geschäftsführerpostens bei den Kritischen AktionärInnen an. Seitdem ist die Entwicklung des Dachverbandes von einem kleinen Verein engagierter KonzernkritikerInnen hin zu einer starken Vertretung Tausender AktionärInnen untrennbar mit seinem Namen verbunden.

Doch es blieb nie bei der Beschränkung auf die Verwaltung und Vertretung von Aktionärsrechten. Wo immer Menschenrechte, Demokratie, Ökologie und soziale Rechte in Gefahr waren, engagierte sich Henry Mathews. Besonders verbindet sich mit seinem Namen auch der Kampf gegen Nazis und Faschismus. Als Mitbegründer der Kampagne „Nie wieder!“ setzte er alles daran, das faschistische Kapitel in Form der IG FARBEN endlich zu beenden und das Restvermögen dieses Mord-Konzerns den Opfern und Hinterbliebenen zugänglich zu machen.

Henry Mathews war tatkräftig. Seine Träume einer besseren, gerechteren Welt gab er zu keiner Zeit auf, sondern verfolgte sie aktiv, konsequent und ideenreich. Er erkannte das Profitprinzip als zentrales Hemmnis und setzte den Hebel dort an. Von Jahr zu Jahr wurde er auf einer stetig wachsenden Zahl von Aktionärs-Hauptversammlungen zum Ankläger der Konzernvorstände. Er war Kommunist, zeitweilig organisiert in der PDS/Linkspartei, verpflichtet den Unterdrückten und Ausgebeuteten. Auch wenn der Dachverband der Kritischen AktionärInnen sein Hauptwirkungsfeld war, so hinterließ er Spuren in zahlreichen anderen gesellschaftlichen Feldern, sowohl national als auch international.

Henry Mathews war mutig. Furchtlos trat er den Mächtigen entgegen. Auf den Hauptversammlungen der Konzerne und Banken sagte er den Vorständen, die die Fäden der Welt in der Hand halten, ohne Zögern ins Gesicht, was er von ihnen hielt. Auf Pressekonferenzen, Demonstrationen, Foren und Podien unterschiedlichster Art trat er dem Unrecht des Kapitalismus entgegen. Auch die Anwesenheit Tausender durchaus nicht immer wohlgesonnener ZuhörerInnen auf den Aktionärsversammlungen machte ihn nicht im geringsten bange.

Henry Mathews war sensibel. Freundschaften rangierten an erster Stelle. Geprägt von tiefer Ehrlichkeit eckte er oft an, was er aber niemals scheute. Er war sehr unglücklich darüber, dass er viele Beziehungen nicht so pflegen und entwickeln konnte, wie sie es verdienten und er sich das wünschte. Darunter insbesondere das Verhältnis zu seiner geliebten Tochter.

Henry Mathews war ein Grenzgänger. Er vermochte es, Menschen unterschiedlichster Auffassungen und gesellschaftlicher Herkunft zusammenzubringen. Er sah stets zuerst das Menschliche und erst in zweiter Linie politische und andere Haltungen. Er hörte zu und folgte den Argumenten ohne ideologische Verbrämung. Zugleich war er streitbar, scheute keinen Konflikt und vermochte es so, gedankliche Ghettos zu überwinden und gegensätzliche Meinungen in die Diskussion zu bringen.

Am 30. Juli 2006 war Henry Mathews zusammen mit seiner Lebensgefährtin soeben in Nordschweden angekommen und hatte das gemeinsame Gepäck in einem Kanu verstaut. Vor ihm lag die in der Sonne glänzende Fläche eines Binnensees. Sieben Tage wollten sie gemeinsam die Wildnis erkunden, paddeln bis zu einem geeigneten Liegeplatz, sich für die Nacht einrichten und am nächsten Tag zu neuen Zielen aufbrechen. Nach wenigen Stunden war das Abenteuer zuende. Henry Mathews erlitt einen Herzstillstand und stürzte ins Wasser. Ein mutiges Kämpferherz hatte aufgehört zu schlagen. Wir trauern.

Die tageszeitung, 4. September 2006

Nachruf: Stachel im Fleisch der DAX-Konzerne

Er hatte in das Restaurant hoch droben im Berliner Funkturm geladen, als ich ihn das erste Mal traf. Henry Mathews wollte hoch hinaus mit seinen Kritischen Aktionären, und das ist ihm auch gelungen. Er gilt als Erfinder des Dachverbands der Kritischen Aktionäre (DKA), den er zu dem machte, was er heute ist: eine von Dividendenzahlungen unabhängige Stimme, die sich lautstark in die Vorstandspolitik der großen Konzerne einmischt.

Mathews und seinen Mitstreitern geht es keineswegs um eine Mehrung des Profits, sondern um den volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen der DAX-Unternehmen. Wer das für „links“ hält, lief beim Bürger Mathews nicht ins Abseits.

„Davids“ konzernkritisches Engagement begann im Streit mit Pharma-„Goliath“ Schering. In der Folge wurde Mathews Geschäftsführer der legendären Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) und übernahm 1993 die Leitung der Geschäftsstelle des DKA in Köln. „Henry war nicht nur ein guter Organisator und Verwalter, er war auch ein politisch denkender Mensch, der gut schreiben und sich öffentlich gut artikulieren konnte“, beschreibt ihn DKA-Vorstandskollege Paul Russmann. „In dieser Kombination findet man das selten.“ Mathews, der nebenbei im Vorstand des Bundesverbands BI Umweltschutz (BBU) für seine gute Sache schuftete, nötigte selbst Gegnern Respekt ab. Konzernchefs wie Ex-Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper („Peanuts“) sollen in stiller Stunde beim Bier schon mal ein achtungsvolles Wort für den Widerpart gefunden haben.

Ihm war das nicht egal, aber vor allem freuten ihn die wachsende mediale Präsenz und das zunehmende wirtschaftspolitische Gewicht des DKA. Dies ist Mathews Dividende. Noch vor zehn Jahren wurden Kritische Aktionäre bei Aktionärsversammlungen als seltsame Spinner belächelt. Heute sind sie Teil des schrillen Machtspiels der Hauptversammlungen.

Der gebürtige Berliner hatte bereits eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner hinter sich, bevor er als Journalist bei der alternativen Stadtzeitung Klenkes in Aachen anfing. Womöglich war es der falsche Beruf, den Mathews doch bis zuletzt immer als seinen ansah, denn Unparteilichkeit war nicht sein Ding, um Gerechtigkeit ging es ihm und die verträgt Neutrales nur schwer.

Mathews, der mit 40 Jahren starb, wird morgen beerdigt. Einen Monat nach seinem Tod hat sich „sein“ Dachverband noch nicht auf die neue Situation eingestellt: „In dringenden Fällen erreichen Sie unseren Geschäftsführer Henry Mathews unter folgender Telefonnummer “, heißt es weiterhin auf dem Anrufbeantworter. (HERMANNUS PFEIFFER)

Frankfurter Rundschau, 4. August 2006

Kampf gegen Profitgier

Der Chef der Kritischen Aktionäre, Henry Mathews, ist tot

Henry Mathews, Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre, engagierte sich für die Umwelt und für Menschenrechte. Der 40-Jährige starb im Urlaub in Schweden vermutlich an Herzversagen.

Köln - Wurden die Kritischen Aktionäre noch vor Jahren als „Spinner“ belächelt, wenn sie bei Aktionärsversammlungen auftraten, so hat sich das im Laufe der jüngeren Zeit auch dank der Arbeit von Henry Mathews geändert. Vom Kölner Büro des Dachverbandes aus vernetzte Mathews 13 Jahre lang 29 Organisationen, die Umweltverstöße und Menschenrechtsverletzungen deutscher Konzerne anprangern.

Mehr als 5000 Anleger haben ihr Stimmrecht den Kritischen Aktionären übertragen. „Die Kritischen Aktionäre sind inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden“, erklärte Paul Russmann, einer der Vorstände des Dachverbandes. Mathews habe sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass Kritische Aktionäre vor diesem Forum zu Wort kommen. Gerade für kleinere Mitgliedsorganisationen, sei die Unterstützung von Mathews von unschätzbarem Wert gewesen.

Auf Aktionärsversammlungen großer Konzerne ergriff er das Wort. In Zeitungsartikeln und Interviews beklagte er, dass viele Multis Menschenrechte und Umweltschutz der Profitmaximierung unterordneten.

Mit großer Bestürzung reagierte der Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) auf die Todesnachricht. Mathews vertrat die Kritischen Aktionäre von 1995 bis 1998 im BBU-Vorstand. „Für die Umweltbewegung und insbesondere für den BBU war die faktenreiche konsequente Kapitalismuskritik und der überzeugende Internationalismus eines Henry Mathews stets ein wichtiger Orientierungspunkt“, hob BBU-Vorstandsmitglied Eduard Bernhard hervor. Mathews habe durch „fundierte Argumente Aufsichtsräte und Vorstände immer wieder ins Schwitzen und oft auch in Erklärungsnot“ gebracht habe.

Politisches Denken
Mathews übernahm 1993 die Leitung der Geschäftsstelle des Dachverbands der Kritischen Aktionäre in Köln. „Henry war nicht nur ein guter Organisator und Verwalter, er war auch ein politisch denkender Mensch, der gut schreiben und sich öffentlich gut artikulieren konnte“, so Russmann. „In dieser Kombination findet man das selten.“

Vorstandskollege Bernd Moritz schätzte die „sehr verbindliche Art“ von Mathews. „Es war immer klar, wo er stand. Trotzdem konnte er immer mit Leuten sprechen, die die unterschiedlichsten Positionen hatten.“ Der Vorstand wird am Samstag darüber beraten, wie die Arbeit des Dachverbands fortgesetzt werden soll. Markus Dufner

4. August 2006, taz NRW

Unerschütterlich kapitalismuskritisch

Deutschland im Aktienfieber, die Börse boomt - und was machen die Linken? Das fragte sich die taz vor sechs Jahren und fand die Antwort in einem ganzseitigen Porträt des „letzten Aktienfeindes“: Henry Mathews mache, was er schon immer gemacht habe: „protestieren und kritisieren“.
So ist es geblieben. Bis heute blieb der Geschäftsführer des kleinen Dachverbandes der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre ein Stachel im Fleisch der großen Konzerne.
Der Kölner war das auf den Hauptversammlungen der Republik nicht zum Schweigen zu bringende nervige Gewissen der Vorstände. Ob fehlende Umwelt- und Sozialstandards, ausbleibende Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeiter oder Rüstungsgeschäfte - Mathews las ihnen die Leviten. Er attackierte die Lufthansa wegen ihrer Beteiligung an der Abschiebung von Flüchtlingen. Dem Adidas-Konzern attestierte er, dessen drei Streifen stünden „für Ausbeutung, für das Ausnutzen von Armut, Arbeitslosigkeit und undemokratischer Verhältnisse“. Und der Deutschen Bank bescheinigte er noch im Frühjahr dieses Jahres: „Das Unternehmen hat kein soziales Gewissen.“ Ein regelrechter Plagegeist wider die kapitalistische Profitlogik.
Dabei hatte alles mit einem Zufall begonnen. Mitte der Achtzigerjahre entdeckte der junge Mathews in einem Dritte-Welt-Laden in Westberlin ein Flugblatt der Buko-Pharmakampagne. Der aufmüpfige Abiturient hatte ein Ventil gesucht für seine Systemkritik, und nun fand er es beim Bundeskongress entwicklungspolitischer Aktionsgruppen. Mathews engagierte sich in der Berliner Ortsgruppe. Auch im „Schering-Aktionsnetzwerk“ wurde er aktiv. Sein dabei entstandenes Buch „Schering - die Pille macht Macht“ landete vor Gericht.
Nach einer Gärtnerlehre verließ Mathews kurz vor dem Mauerfall Berlin. Ein Semester studierte er Landschaftsbau in Gießen, danach pendelte er zunächst von Job zu Job. Unter anderem betätigte er sich als Redakteur bei der Aachener Stadtzeitung Klenkes. Als freier Journalist schrieb er auch für die taz, beispielsweise über dioxinverseuchte Sportplätze in Solingen.
Als der Dachverband der Kritischen Aktionäre 1991 eine hauptamtliche Geschäftsführerstelle einrichtete, erschien Mathews als genau der richtige Mann. Die Tätigkeit wurde für ihn zur Lebensaufgabe. Anfangs hätten „die Vorstände noch versucht, unsere Themen ganz abzubügeln. Inzwischen müssen sie antworten, weil das öffentliche Interesse zu groß ist“, zog der Konzernkritiker, der auch im persönlichen Umgang nicht gerade pflegeleicht war, in seinem letzten taz-Interview im März Bilanz.
Am 30. Juli starb Henry Mathews in seinem Sommerurlaub in Schweden an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 40 Jahre alt. Seine Stimme wird fehlen.
Pascal Beucker

04.08.06, Neues Deutschland

Nachruf auf Henry Mathews

Der Vorstand des Dachverbands der Kritischen Aktionäre ist im Alter von 40 Jahren verstorben.

„Einschüchtern lassen unsere Freunde und wir uns weder durch staatliche noch durch private ›Rechts‹-Maßnahmen, denn unser Widerstand gegen umwelt- und sozialfeindliche Machenschaften der Konzerne ist für eine demokratische Gesellschaft dringend notwendig.“ Dieses Statement ist typisch für Henry Mathews, den kritischen Aktionär und Journalisten. Auf zahllosen Hauptversammlungen großer Konzerne hat er das Wort ergriffen, in Zeitungsartikeln und Interviews hat er beklagt, dass viele Multis Menschenrechte und Umweltschutz der Profitmaximierung und dem Shareholder Value unterordnen. Nun wird man diese Stimme nicht mehr hören. Henry Mathews starb erst 40-jährig im Urlaub in Schweden bei einer Kanu-Tour. Als Todesursache wurde Herzversagen festgestellt.
Der gebürtige Berliner machte zunächst eine Ausbildung als Landschaftsgärtner und war später bei der alternativen Stadtzeitung „Klenkes“ in Aachen als Journalist tätig. Sein stark am Gerechtigkeitsgedanken orientiertes Wesen erlaubte es ihm schon damals nicht, unparteiisch zu sein, berichten Weggefährten. Mathews konzernkritisches Engagement begann bei einer Auseinandersetzung mit dem Pharma-Unternehmen Schering. In der Folge wurde er Geschäftsführer der Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG) und übernahm 1993 die Leitung der Geschäftsstelle des Dachverbands der Kritischen Aktionäre in Köln. „Henry war nicht nur ein guter Organisator und Verwalter, er war auch ein politischer denkender Mensch, der gut schreiben und sich öffentlich gut artikulieren konnte“, beschreibt ihn Paul Russmann, einer der Vorstandskollegen im Dachverband. „In dieser Kombination findet man das selten.“ Kollege Bernd Moritz schätzte die „sehr verbindliche Art“ von Mathews. „Es war immer klar, wo er stand. Trotzdem konnte er immer mit Leuten sprechen, die die unterschiedlichsten Positionen hatten.“
Mit großer Bestürzung reagierte der Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) auf die Todesnachricht. In deren Vorstand hatte Mathews die Kritischen Aktionäre von 1995 bis 1998 vertreten. „Für die Umweltbewegung und insbesondere für den BBU war die faktenreiche konsequente Kapitalismuskritik und der überzeugende Internationalismus des Henry Mathews stets ein wichtiger Orientierungspunkt in der Diskussion über die eigene politische Ausrichtung“, hebt BBU-Vorstandsmitglied und Atomenergie-Kritiker Eduard Bernhard hervor. Besonders beeindruckt zeigte er sich davon, wie Mathews durch „fundierte Argumente Aufsichtsräte und Vorstände immer wieder ins Schwitzen und oft auch in Erklärungsnot“ gebracht habe. Trotzdem - oder gerade deswegen - habe sich Mathews auch den Respekt von Konzern-Chefs wie dem ehemaligen Deutsche-Bank-Boss Hilmar Kopper erworben, so Russmann.
Noch vor zehn Jahren wurden Kritische Aktionäre als „Spinner“ belächelt, wenn sie bei Aktionärsversammlungen auftraten. Das hat sich gerade auch dank der Arbeit von Henry Mathews längst verändert. „Die Kritischen Aktionäre sind inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden“, erklärt Russmann. Mathews habe sich mit Erfolg dafür eingesetzt, dass kritische Stimmen vor diesem Forum zu Wort kommen.
Gerade für kleinere der im Dachverband zusammengeschlossenen 29 Mitgliedsorganisationen war die Unterstützung von Mathews von unschätzbarem Wert. Der Vorstand will am Samstag darüber beraten, wie die Arbeit des Dachverbands fortgesetzt werden soll. „Es wird nicht möglich sein, Henry nur annähernd zu ersetzen“, sagt Vorstand Moritz.
Von Markus Dufner

PRESSEMITTEILUNG des Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz e.V zum Tod von Henry Mathews

Die engagierte Konzernkritik verliert mit Henry Mathews einen klugen Kopf

(Bonn, 03.08.2006): Mit großer Bestürzung hat der Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) e V. die Nachricht vom plötzlichen Tod von Henry Mathews (verstorben am 30.07.2006) vernommen. Den langjährigen Geschäftsführer und Aktivisten des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre und den BBU mit seinen Mitgliedsinitiativen hat eine lange, intensive und erfolgreiche Mitgliedschaft und Zusammenarbeit verbunden.

Henry Mathews hat den Dachverband der Kritischen Aktionäre von 1995 bis 1998 im BBU-Vorstand vertreten und ist den Vorstandsmitgliedern durch seinen innovativen Ideenreichtum, seine aktions- und vernetzungsorientierte Vorstandsarbeit und sein mutiges Engagement in guter Erinnerung. Als Geschäftsführer des Dachverbandes der Kritischen Aktionäre hat er die Mitgliedsinitiativen des BBU immer wieder auf ökonomische, ökologische und soziale durch Konzernpolitik verursachte Missstände kompetent hingewiesen und hat ihnen Aktions- und Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Besonders intensiv hat er mit dem langjährigen BBU-Vorstandsmitglied und Atomenergie-Kritiker Eduard Bernhard zusammen gearbeitet und hat dessen zahlreiche Auftritte auf Aktionärshauptversammlungen effektiv vorbereitet.

Eduard Bernhard sagt über seinen langjährigen Mitstreiter:

Ich habe für den BBU und als kritischer Einzelaktionär in den letzten 10 Jahren an zahlreichen Aktionärs-Hauptversammlungen zusammen mit Henry Mathews teilgenommen. Wir haben zusammen vor über100.000 Aktionären der deutschen Großkonzerne wie SIEMENS, E.ON, RWE, EN-BW, der Deutschen Bank, Bayer, Höhst-AG und BASF deren ökologische Versäumnisse und sozialen Ungerechtigkeiten und Fehlleistungen immer wieder aufgezeigt und damit auch in die breite Öffentlichkeit gebracht.
Durch seine fundierten Argumente brachte Henry Mathews Aufsichtsräte und Vorstände immer wieder ins Schwitzen und oft auch in Erklärungsnot. Henry Mathews und ich mussten bei den Hauptversammlungen so manche Unmutsäußerungen hinnehmen. Henry Mathews hat dies mit großer Geduld ertragen und sich nie von seinem kritischen Kurs abbringen lassen.
Dafür gebührt ihm hohe Anerkennung und Dank. Es wird kaum möglich sein, diese Ausnahme-Persönlichkeit zu ersetzen.

Für die Umweltbewegung und insbesondere für den BBU war die faktenreiche konsequente Kapitalismuskritik und der überzeugende Internationalismus eines Henry Mathews stets ein wichtiger Orientierungspunkt in der Diskussion über die eigene politische Ausrichtung.
Durch den frühen Tod von Henry Mathews wird den alternativen Bewegungen nun ein kluger Ideenspender und fähiger Koordinator fehlen. Da die politischen und ökonomischen Ursachen der von Henry Mathews kritisierten Umstände aber weiterhin unvermindert bestehen, bleibt es Aufgabe seiner zahlreichen und ihm auch persönlich eng verbundenen Mitstreiter mit verstärkten und vereinten Kräften in seinem Sinne und Andenken kontinuierlich weiter zu wirken.

Wolfgang Guhle
Geschäftsführender Vorstand des BBU e.V.

Pressemitteilung des Dachverbands Kritischer Aktionäre, 02. 08.2006

Der Vorstand des Dachverbands Kritischer Aktionäre in Köln muss den Tod seines Geschäftsführers Henry Mathews mitteilen. Mathews befand sich auf Kanufahrt in Schweden, als er am Sonntag, den 30. Juli im Alter von 40 Jahren ein Herzversagen erlitt.

Der gelernte Journalist, der seit 13 Jahren den Dachverband der Kritischen Aktionäre leitete, hatte auf zahllosen Aktionärsversammlungen Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder unterschiedlichster deutscher Firmen wegen ihrer Geschäftspolitik kritisiert. Mathews zeichnete sich durch große Vielseitigkeit aus, dies kam zum Ausdruck wenn er Rüstungsfirmen wegen ihrer Rüstungsproduktion und -exporte, Energiefirmen wegen ihrer Atomanlagen angriff, wenn er Arbeitsplatzeinsparungen anprangerte und Mitbestimmungsfragen thematisierte. Internationale Kontakte lagen ihm am Herzen und er bemühte sich mit Erfolg, jährlich Mitarbeiter deutscher Niederlassungen im Ausland hier in Aktionärsversammlungen zu Wort kommen zu lassen.

In der Vergangenheit hatte sich Mathews bei der Frage der Entschädigung von Zwangsarbeitern während des NS-Regimes über lange Zeit eingemischt und zwar noch zu Zeiten, als dies viele Politiker und Wirtschaftsvertreter mit Vehemenz zurückwiesen.

Es war Henry Mathews Verdienst, dass der Dachverband im März dieses Jahres sein 20 jähriges Bestehen feiern konnte. Er nahm nicht nur die Rolle eines Geschäftsführers ein, er war Seele und Aushängeschild des Verbandes der Kritischern Aktionäre. Der Vorstand schätzte an ihm besonders seine Vielseitigkeit und seinen brennenden Wunsch nach Veränderung hin zu einer anderen Gesellschaft, anderen Wirtschaftsformen, einer gerechteren Welt.

Seine Fähigkeit auch sehr ungleiche Partner ins Gespräch zu bringen zeichnete ihn in seiner Kompetenz zur Kommunikation aus. Gruppen aus dem Umwelt- und Sozialbereich hatten in ihm einen erfahrenen, mutigen und engagierten Ansprechpartner. Streitbar und sensibel zugleich war Henry Mathews in seinem Wesen. Der Dachverband erleidet einen harten Verlust.

Die VorstandskollegInnen
Dorothea Kerschgens, Bernd Moritz, Paul Russmann

Agrogifte

CBG Redaktion

ORF (Radio Ö1), 1. August 2006

Syngenta, Bayer, BASF: Die Pestizid-Zeitbombe

Eine Bestandsaufnahme über Chemikaliensicherheit

Die Chemie zählt zu den wichtigsten Motoren der industriellen Entwicklung. Ohne Chemie gäbe es keine Düngemittel, die die Ernährung von bald sieben Milliarden Menschen sichern. Es gäbe kaum wirksame Arzneimittel, und Energie sowie andere Ressourcen würden noch schneller verbraucht als ohnehin.

Das Problem dabei: Unter den gut 100.000 Chemieprodukten dieser Welt befinden sich rund 8.000, die giftig sind - Chemikalien, die Böden, Gewässer und Ozonschicht belasten, die Pflanzen, Tiere und Menschen krank machen und letztlich töten.

340.000 Tote pro Jahr
Nach einer Statistik der ILO, der Internationalen Arbeitsorganisation, sterben jährlich allein 340.000 Menschen infolge des Umgangs mit toxischen Substanzen am Arbeitsplatz. Besonders gefährlich: Chemikalien, die explizit zum Töten hergestellt werden, so genannte Pestizide - Giftcocktails, die Würmer, Mäuse und Insekten, Pflanzen und Pilze deshalb vernichten sollen, weil sie die Produktion von Nahrungsmitteln behindern oder Krankheiten wie Malaria verbreiten.

Während die Industrieländer bereits seit den 1970er Jahren diesbezüglich immer aufwändigere Schutzmaßnahmen ergriffen haben, geschieht in Afrika, Asien und Lateinamerika kaum etwas. Im Gegenteil! Dort boomt der Pestizidmarkt. Erschwerend kommt dabei noch hinzu, dass eben dort, wo das Wissen über die Gefahren der Chemie kaum existiert, ein geradezu verantwortungsloser Pestizidterror betrieben wird. Gerade in die Entwicklungsländer würden - so Michael Dreyer, der Leiter des weltweit operierenden Projekts „Chemikaliensicherheit“ der GTZ, der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit - noch immer Gifte exportiert, die in Europa längst verboten seien oder nur unter großen Sicherheitsvorkehrungen eingesetzt würden.

Beispiele des Pestizidterrors
Der Schweizer Konzern Syngenta als größter Produzent sowie die deutschen Firmen Bayer und BASF kontrollieren gemeinsam die Hälfte des Weltmarktes. Das von Syngenta vertriebene Herbizid Paraquat, das wie Cola aussieht, wird etwa von Bauernkindern in Afrika und Asien immer wieder versehentlich getrunken, mit der Folge, dass das Gift Magen, Lunge und Speiseröhre irreversibel zersetzt.

Ein weiteres Beispiel ist das u. a. von Bayer produzierte und exportierte Insektizid Endosulfan: 30 Baumwollarbeiter sind dadurch vor einigen Jahren in Benin innerhalb von wenigen Tagen umgekommen, als sie das Mittel gegen Baumwollschädlinge einsetzten: “Die Vergiftungsfälle häufen sich vor allem in Afrika, weil dort Anwender und landwirtschaftliche Berater beim Umgang mit brisanten Pestiziden trotz grellfarbiger Warnhinweise auf den Behältern völlig überfordert, da leseunkundig sind“, sagt GTZ-Mann Dreyer.

Vergiftete Orangen
Auch im Norden Thailands außerhalb des kleinen Dorfs Sonsai Klongnai sieht man Männer und Frauen aus blauen Schläuchen hunderttausende Orangenbäumchen besprühen - viele ohne Schutzbekleidung und mit Taschentüchern vor dem Gesicht. In ihrem Dorf selbst pflanzen die knapp tausend Einwohner außer Reis zumeist Erdnüsse, Zwiebeln und Knoblauch an:

„Seit die Firma Tanathorn fast alles Flusswasser für ihre Orangenbäume verbraucht, leiden wir Jahr für Jahr an Wassermangel. Fast noch schlimmer jedoch ist, dass die Arbeiter der Firma tagtäglich giftige Pestizide versprühen. Wir können kaum noch atmen“, beklagt der Wassermeister dieses Dorfes. Von der Regierung Thailands ermutigt, besitzt inzwischen jene Firma im Bezirk Fang und in zwei Nachbarbezirken insgesamt bereits 15.000 Hektar Orangenplantagen. Orangenbäume benötigen allerdings weit mehr Pestizide als zum Beispiel Reis. Die Gifte wie z. B. Parathion werden aus China importiert und lösen laut WHO Leukämie, Lungenkrebs, Erbgutmutationen und in der Folge Missgeburten aus.

Die gefährlichen POPs
Als besonders gefährlich unter den Pestiziden gelten allerdings jene Mittel, die Vergiftete nicht unmittelbar töten - Substanzen, die sich über lange Zeit in der Umwelt erhalten, die höchst resistent gegen den Abbau sind und sich in bestimmten Zonen der Erde anreichern.

Diese giftigen und langlebigen Schadstoffe, kurz POPs - persistent organic pollutants - genannt, findet man in hohen Konzentrationen in der Antarktis oder im Hochgebirge. Zu den POPs zählen vor allem Pestizide, aber auch Industriechemikalien wie das in Transformatoren als Kühlmittel eingesetzte PCB und bei Verbrennungsprozessen entstehende Produkte wie Dioxine und Furane, die etwa in Krematorien oder Verbrennungsanlagen für Krankenhausmüll entstehen. Sie verdunsten vielfach in warmen Regionen, kondensieren aber in kalten und reichern sich dort im Fettgewebe von Mensch und Tier an.

Die Stockholmer Konvention
Engagierte Bürgerinitiativen wie das PAN - das Pesticide Action Network - oder Greenpeace warnen seit jeher vor diesen vagabundierenden Giften. Seit 2004 gilt die von inzwischen 90 Staaten ratifizierte Stockholmer Konvention, die zwölf besonders gefährliche POPs wie etwa Dieldrin, Chlordan und Mirex auf den Index gesetzt und verboten hat. Auch das Kühlmittel PCB soll im Laufe der nächsten 20 Jahre aus Trafos und Kondensatoren verschwinden; ebenso sollen reiche Länder den armen finanziell und technologisch helfen, Dioxine und Furane in den Griff zu bekommen - ein Vorhaben, dem auch eine neue EU-Richtlinie zur Chemikaliensicherheit mit dem Namen REACH dienen soll.

Die große Frage dabei lautet aber: Wie lange wird in Entwicklungsländern die praktische Umsetzung dieser Konvention dauern? - Eine Umsetzung, die viel Geld kostet und wirtschaftliche wie gesundheitspolitische Interessen tangiert. Dass dies ein schweres Unterfangen sein wird, sieht man etwa am Beispiel DDT. In unseren Breiten verboten, darf dieses Gift hingegen weiterhin laut Stockholmer Konvention und auch WHO für die Länder des Südens angesichts der jährlich drei Millionen Malaria-Toten eingesetzt werden, weil es besonders langlebig, giftig und billig ist.

Wer entsorgt die Altlasten?
Ein weiteres Problem verkörpern die gewaltigen Altlasten an Pestiziden. Rund 500.000 Tonnen Pestizidmüll haben sich in den letzten 40 Jahren auf dem Globus angesammelt: eine Zeitbombe, die die ganze Welt bedroht. Seit 20 Jahren wird hier bereits über die Frage der Milliarden teuren Entsorgung gestritten. Werden die Hersteller zur Kasse gebeten, die das Gift einst verkauft haben? Oder Entwicklungshilfe-Geber, die es wohlmeinend verschenkt haben oder aber lokale Regierungen, die fahrlässig mit den Pestiziden umgegangen sind?

Nur wenige Akteure engagieren sich für die Entsorgung, darunter die Welternährungsorganisation FAO, die Firma Shell, die sich um Altlasten ihres Prouktes Dieldrin kümmert, oder die GTZ, die bereits seit Anfang der 1990er Jahre ungefähr 4.000 Tonnen Pestizide aus den verschiedensten Ländern in Afrika und Asien nach Europa rückgeführt und in Sondermüll-Verbrennungsanlagen entsorgt hat. Schließlich haben auch Weltbank und FAO mit mehreren Partnern ein "African Stockpiles Program“ aufgelegt, das über zwei Jahrzehnte Afrika von Altpestiziden säubern soll.

Wichtiger als die Entsorgung der Altlasten sei jedoch der sachgerechte Umgang mit Pestizidlagern, so GTZ-Mann Dreyer. Auch der Bau von Krematorien oder Müllverbrennungsanlagen vorort sollte mehr vorangetrieben werden, ebenso der Einsatz biologischen Pflanzenschutzes oder die Exportverbote einiger international geächteter Pestizide, die leider nach wie vor en masse von vielen Firmen in die Entwicklungsländer geliefert würden.

Gestaltung: Thomas Kruchem
http://oe1.orf.at/highlights/62635.html