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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 5. Juli 2007

[Bürgermeister] Monheim, Hilden, Erkrath

CBG Redaktion

05.07.2007, Rheinische Post

Plakativer Protest

Gestern demonstrierten Bürgermeister und Gegner der Bayer-Pipeline aus dem Kreis Mettmann Einigkeit. Ihr Ziel bleibt der Baustopp der Kohlemonoxid-Leitung. Ein verfassungsrechtliches Gutachten soll nun helfen.

Hilden / Monheim Mitglieder der Initiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“ haben gestern Morgen mit einer Plakataktion ihre Solidarität mit dem Hildener Eckehard Schmitz an der Elberfelder Straße bekundet. Der Unternehmer (SD Immobilienverwaltung GmbH) hatte Mitte Juni als erster Hildener von der Bezirkregierung Düsseldorf den Besitzeinweisungbeschluss erhalten. Das heißt, dass die Firma Bayer auf Schmitz' Grundstück zirka 300 Meter ihrer Kohlenmonoxid-Pipeline verlegen darf.

Kostenbeteiligung angeboten
Dass Schmitz der Besitzeinweisungsbeschluss zugestellt wurde, habe die Stadt nur aus der Presse erfahren, sagte gestern der Erste Beigeordneter Horst Thiele, der Bürgermeister Günter Scheib während seines Urlaubs vertritt, auf Anfrage der RP. „Wir haben daraufhin Herrn Schmitz sofort angeschrieben und angeboten, dass sich die Stadt an den Kosten des Eilverfahrens, das er anstrengen will, zu beteiligen“, so Thiele. Bisher gebe es keine Reaktion auf dieses Angebot. Die Stadt wartet weiterhin auf den Besitzeinweisungsbeschluss für ihre Flächen. „Unsere Argumentationskette steht und sobald der Beschluss eingeht, werden wir sofort im Eilverfahren gegen die sofortige Vollziehung klagen“, so Thiele.
bleiben betroffene Bürger und Städte Grundstückseigentümer. Freilich müssen sie die „Sach-Herrschaft“ über ihren Grund und Boden abgeben und im konkreten Fall den Bau der Pipeline dulden.
Wertverlust Neben den intensiv diskutierten Sicherheitsfragen sorgen sich unmittelbar betroffene Eigentümer auch um einen ihrer Meinung nach drohenden, möglicherweise drastischen Wertverlust ihrer Grundstücke.
Vier Verwaltungschefs - Dr. Thomas Dünchheim (Monheim), Arno Werner (Erkrath), Magnus Staehler (Langenfeld) und Günter Scheib (Hilden, der trotz Urlaub kam) - demonstrierten gestern Nachmittag in Monheim Einigkeit. Schwungvoll signierten sie ein Großplakat der Initiative gegen die CO-Pipeline. Scheib erläuterte am Rande gegenüber der RP, in der Bürgermeisterkonferenz sei abgesprochen worden, wer welche Aufgabe übernehme. So habe Dünchheim Klage vor Gericht eingereicht. Dessen neuestes Ass im Ärmel: Ein Gutachten des Kölner Rechtsprofessors Stefan Muckel, das kommende Woche der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Kernbotschaft der umfangreichen Analyse: Das die aktuellen Besitzeinweisung überhaupt erst ermöglichende, vom Landtag einstimmig verabschiedete Enteignungsgesetz sei verfassungswidrig. Nach Dünchheims Angaben wird sich das Gutachten vor allem an der so genannten Boxberg-Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts orientieren. In den 80er Jahren, hatten die Richter eine Teststrecke des Daimler-Konzerns im Ort Boxberg gekippt.

Im Urteil hieß es: „Das ...gesetz lässt eine Enteignung mit dem Ziel, Arbeitsplätze zu schaffen und dadurch die regionale Wirtschaftsstruktur zu verbessern, nicht zu.“ Für Monheims Verwaltungsboss ein klarer Fall: „Eine Enteignung privater und städtischer Grundstücke geht nur, wenn sie nachhaltig und dauerhaft dem Allgemeinwohl dient.“ Die nicht genauer belegte Behauptung, der CO-Leitungsverbund Dormagen-Uerdingen sichere Arbeitsplätze, reiche da nicht. VON BARBARA JAKOBY, JÖRG JANSSEN UND DIETER CLARIUS

Kommentar: Heißer Sommer

(RP) Nachdem im Kreis Mettmann Bürger und Verwaltungen schon seit Wochen an einem Strang ziehen, werden in den umliegenden Städten die Bürger jetzt erst wach. In Hubbelrath regt sich Widerstand, in Duisburg auch. Die hiesigen Bürgerinitiativen gegen die CO-Pipeline haben vermutlich selbst zu Anfang nicht mit der großen Resonanz auf ihren Protest gerechnet. Und Bayer hat möglicherweise darauf gehofft, dass der Widerstand in den Sommerferien abflaut. Doch weit gefehlt. Mit dem angekündigten neuen Gutachten wird es noch spannender. Der Sommer dürfte heiß werden, zumindest für Bayer. ja

[Klima] Klimaschutz

CBG Redaktion

Presse Information vom 5. Juli 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

zur heute veröffentlichten Erklärung Caring for Climate:

„Industrie will verbindliche Emissionsminderung mit PR-Aktionen verhindern“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert die Erklärung „Caring for Climate“, die von rund 100 großen Unternehmen aus aller Welt unterstützt wird, als „unverbindliche PR-Aktion“ und als „kontraproduktiv“. Die Deklaration wird der Öffentlichkeit heute anlässlich des in Genf beginnenden „UN-Global Compact Leaders Summit“ vorgestellt. Darin werden zwar „freiwillige Emissionsminderungen“ angekündigt, konkrete Zielvorgaben werden aber nicht genannt. Im Gegenzug fordern die Unternehmen „bedeutende staatliche Hilfen“ für Umstrukturierungen.

Prof. Jürgen Rochlitz, Beiratsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Die Erklärung „Caring for Climate“ reiht sich ein in die große Zahl von Absichtserklärungen, mit deren Hilfe die Industrie eine verbindliche Reduktion von Treibhausgas-Emissionen verhindern will. Wirksamer Klimaschutz wird damit nicht befördert – im Gegenteil. In Anbetracht der von den Firmen eingefahrenen Gewinne sind die Forderungen nach staatlicher Hilfe geradezu obszön. Es wird nach dem Motto verfahren: Klimaschutz so schmerzfrei wie möglich, gesetzliche Regulierung so wenig wie nötig, aber staatliche Hilfen rundum.“

Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG: „Verlautbarungen wie „Caring for Climate“ sind im wesentlichen heiße Luft. Deutlich wird dies am Beispiel des Leverkusener BAYER-Konzerns, der zu den Erstunterzeichnern gehört. In der Öffentlichkeit brüstet sich BAYER stets als Vorbild in Sachen Klimaschutz. Gleichzeitig will BAYER gemeinsam mit der Firma TRIANEL in Krefeld ein Kohlekraftwerk bauen, das allein vier Millionen Tonnen CO2 emittieren würde – Jahr für Jahr, bis weit in die zweite Hälfte des Jahrhunderts hinein. Wenn BAYER den Klimaschutz ernst nähme, würde der Konzern auf den Einsatz solcher Dinosaurier-Technologie verzichten.“

Mimkes nennt den Global Compact einen Papiertiger, da die UN bei der Auswahl ihrer Partner keine noch so tiefe Messlatte anlegen. Alle Unternehmen – vom Hersteller von Atomkraftwerken bis hin zu Ölkonzernen - werden akzeptiert. Informationen unabhängiger Beobachter über das Verhalten der Firmen holen die UN nicht ein, auch die Einhaltung der Prinzipien wird nicht überprüft.

Der Global Compact wurde 1999 vom damaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan initiiert. Die teilnehmenden Konzerne bekennen sich zu 10 Prinzipien, inklusive dem Schutz der Menschenrechte und der Umwelt. Die Firmen nutzen die publicity-trächtige Verbindung mit der UN weidlich: fast alle beteiligten Unternehmen rühmen die Teilnahme am Global Compact auf ihren homepages und in eigens veröffentlichten Broschüren. In den Geschäftsberichten von DaimlerChrysler und BAYER wurden gar Reden von Kofi Annan als Grußwort abgedruckt - mit Foto und UN-Logo.

weitere Informationen
CO2-Emissionen des BAYER-Konzerns
Offener Brief an die Bundesregierung zum Klimaschutz
Caring for Climate: http://www.unglobalcompact.org/Issues/Environment/Climate_Change/index.html