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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 22. April 2008

[Leserbrief] Kohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

22. April 2008

Leserbrief von H. Jochums an die Rheinische Post bezgl. deren Artikel: „Bayer glaubt ans Kraftwerk“ (siehe unten)

Die Emissionen des Kraftwerks lägen deutlich unter den Grenzwerten, so Herr Dresely. Betrachtet man das Kraftwerk isoliert, so mag das stimmen. Er verschweigt jedoch, daß das Kraftwerk mitten in ein schon hochbelastetes Gebiet gepflanzt werden soll.

Ist diese Aussage schon recht rudimentär, wird‚s schlichtweg falsch, wenn er von dem Kohlekraftwerk als einem von „modernster Bauart“ mit einem „besonders hohen Wirkungsgrad“ (57% gesamt, laut Fa. Trianel) spricht. Und das auch noch mit „ökologisch sinnvolle(r) Kraft-Wärmekopplung“! Vor soviel Unkenntnis vom neuesten Stand der Technik kann ich nur den Hut ziehen. Auch ist der Begriff „besonders hoch“ so schwammig wie er nur sein kann. Darf‘s etwas genauer sein? Vielleicht auch noch differenziert nach elektrischem und thermischem Wirkungsgrad? Oder hält er die Journalisten und die Leser für zu doof, das zu verstehen?

Und wenn Herr Dresely mal über die Uerdinger Brücke in Richtung Osten gehen würde (würde ihn auch begleiten), würde er in Duisburg-Wanheim auf ein GuD-Kraftwerk (Gas-und Turbinenkraftwerk) der Stadtwerke Duisburg treffen, das einen Spitzenwirkungsgrad (elektrisch und thermisch) von 82%, im Jahresmittel von 68-72% hat bei 240MW Leistung in der Grundlast - laut ihrem Pressesprecher, weil die Wärme im Sommer nicht vollständig abgenommen werden kann mangels Verbraucher. Es existiert seit 2005. Dann hätte ich noch ein im Bau befindliches Gas-Kraftwerk in Irsching (Bayern) anzubieten mit einem angestrebten Wirkungsgrad elektrisch von 60%, Uerdingen wird dagegen auf hochmoderne 45% kommen. Irsching soll bis 2011 zu einem GuD ausgebaut werden. Und dann kommen noch etliche % thermisch hinzu.

„Für die Investition von 1,2 Milliarden EURO bedürfe es keiner Änderung der gültigen Bebauungspläne,...“ so Herr Dresely weiter. Damit wäre die Stadt Krefeld aus dem Rennen, die Bürger durften erst gar nicht antreten. Haben wohl die Qualifikation verpaßt. Die Tatsachen suggerierende Äußerung des Werksleiters ist aber juristisch äußerst zweifelhaft und damit ist es unredlich, zu behaupten, die Bebauungspläne müßten nicht geändert werden und dies noch als Tatsache hinzustellen.

Und dann die Arbeitsplätze: Ein mittlerweile routinert vorgetragenes Totschlagargument. „BenQ“ liegt garnicht so weit vom „Chempark“ entfernt! „Nokia“ grüßt von etwas weiter weg.

Schlußwort: Mir ist völlig schleierhaft, wie wir mit so geartetem Führungspersonal bei Betreibern und Großabnehmern den Klimwandel abdämpfen, geschweige denn verhindern wollen. - Gedankenstrich

Alle Zitate stammen aus dem Artikel von 18/4/08. In einem Artikel vom Folgetag kamen kritische Stimmen in derselben Zeitung in bedenkenswerten 6 Zeilen zu Wort.

H. Jochums

Hier nochmal die Pressemitteilung aus der Rheinischen Post vom 18.04.2008:

Bayer glaubt ans Kraftwerk

Der Antrag zum Bau eines Steinkohlekraftwerks auf dem Gelände des Chemieparks wird derzeit geprüft. Die Firmenleitung ist optimistisch. Allein dieses Jahr sollen 120 Millionen Euro im „Chempark“ investiert werden.

Die Bezirksregierung Düsseldorf prüft derzeit die von der Chempark-Betreibergesellschaft Currenta zusammen mit dem Energieunternehmen Trianel eingereichten Antragsunterlagen für ein 750-Megawatt-Steinkohlekraftwerk. Im Mai gehen sie den Verfahrensbeteiligten zu. Für die Investition von 1,2 Milliarden Euro bedürfe es keiner Änderung der gültigen Bebauungspläne, erklärte Chempark-Leiter Dr. Stefan Dresely gestern im Rahmen eines Pressegesprächs. Die Emissionen lägen deutlich unter der vom Gesetzgeber festgelegten Irrelevanzgrenze. Außerdem habe das Kohlekraftwerk modernster Bauart einen besonders hohen Wirkungsgrad, indem es die ökologisch sinnvolle Kraft-Wärme-Kopplung nutze.

Dresely weiter gesprächsbereit
„Wir werden jede konstruktive Anregung aufnehmen und in das Projekt integrieren,“zeigt sich Dresely gesprächsoffen. Das Kohlelager würde staubdicht eingehaust und der Krefelder Hafen an den Kohlelieferungen beteiligt. Mit dem Kraftwerk entstünden 160 neue Arbeitsplätze und die beiden alten Kohlebrenner könnten 2015 im Kraftwerk Nord abgeschaltet werden.„ Nach Meinung der Chempark-Betreiber ist eine positive Entwicklung des Standortes eng mit einer leistungsfähigen und verlässlichen Energieversorgung verbunden. Unter den Krefelder Ratsfraktionen sind aber die Meinungen geteilt: SPD und FDP sind für das Kraftwerk, CDU und Grüne sind dagegen.
Der Zwang zu immer schnellerer Effizienzsteigerung führte zur Zerstückelung ehemals großer Chemiekonzerne. Unter dem Uerdinger Bayerkreuz entstanden der Chempark und die Currenta als Betreiber. Neu hinzugekommen ist die Firma Tectrion, die ganzheitliche Instandhaltungskonzepte für den Chemiebereich anbietet. Die Serviceleistungen von Currenta, der ehemaligen Bayer Industry Services, richten sich auch an externe Kunden und stellen ein zusätzliches Werbeargument für den Chempark dar. “Wir wollen den Chempark für die Ansiedlung auswärtiger Firmen attraktiv machen„, erklärt Dresely. “Der Chempark ist wie ein Hotel , in dem Lanxess, Tronox und die Bayer-Firmen zahlende Gäste sind. Dieses Hotel wird von der Currenta betrieben und von der Tectrion gewartet." Im Jahre 2007 habe man 120 Millionen Euro investiert, eine Summe, die auch in 2008 wieder erreicht würde.
Bei diesen Investitionen käme vor allem den Aspekten Sicherheit und Umweltschutz der Nachbarn des Chemparks große Bedeutung zu. Derzeit baut die Currenta eine neue Sicherheitszentrale, um die Leitstellen des Werkschutzes, der Werksfeuerwehr und der Umweltüberwachung unter einem Dach zusammenzuführen. 18 Firmen unterschiedlicher Größe beherbergt der Uerdinger Chempark.
Quelle: RP, 18.04.2008

[Gentech] Gentechnik

CBG Redaktion

22. April 2008

Gentechnik-Filz in Mecklenburg-Vorpommern

Umweltinstitut München deckt Verflechtungen in der Agro-Gentechnik auf

In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof. Inge Broer von der Universität Rostock.
Broer ist neben ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerin Vorsitzende des Gentechnik-Lobbyvereins FINAB und Gesellschafterin von biovativ, dem kommerziellen Tochterunternehmen von FINAB. Nach Recherchen des Umweltinstituts München wurden im Rahmen steuerfinanzierter Freilandexperimente mit genmanipulierten Pflanzen Aufträge von der Universität Rostock an biovativ vergeben.
Broer ist zudem Mitglied eines Gremiums beim Bundesinstitut für Risikobewertung, das über die Genehmigung von Freilandversuchen in Deutschland entscheidet. Auch in der EFSA, einer EU-Behörde, die die Sicherheit von transgenen Pflanzen bewerten soll, tritt die Wissenschaftlerin als Expertin auf. Gemeinsam mit dem Chemie- und Gentechnikkonzern Bayer hat Broer außerdem zahlreiche Genpflanzen-Patente angemeldet.
Eine unabhängige und vertrauenswürdige Forschung im Bereich Agro-Gentechnik scheint in Mecklenburg-Vorpommern damit völlig ausgeschlossen. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, fordert Konsequenzen: „Gerade bei diesem sensiblen Thema müssen Vetternwirtschaft und die Verwendung von Steuergeldern für die Interessen der eigenen Firma sofort unterbunden werden. Die Bundesregierung muss endlich einen kritischen Blick auf die Förderung der Agro-Gentechnik werfen und überprüfen, in welche Hände öffentliche Gelder gelangen.“
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) soll in einen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, die Schatzmeisterin von FINAB und Geschäftsführerin von biovativ.
Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München: „Die wissenschaftlichen Gründe für den Genweizen-Anbau in Üplingen sind ganz offensichtlich vorgeschoben. Er soll vielmehr allein Profit- und PR-Interessen nützen. Das ist pure Lobbyforschung.“