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Beitrag veröffentlicht im September 2009

Pestizide

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
30. September 2009

Brasilianische Behörden durchsuchen BAYER-Werk / Verkaufs-Stopp für 12 Pestizide

Die brasilianische Gesundheitsbehörde Agência Nacional de Vigilância Sanitária (Anvisa) hat bei einer Inspektion des BAYER-Werks Belford Roxo erhebliche Verstöße festgestellt und einen Verkaufs- und Produktions-Stopp für zwölf Pestide angeordnet. In einer Mitteilung bemängelt die Anvisa „gepanschte Agrochemikalien ohne Zulassung der zuständigen Behörden“.

Das Produktions- und Verkaufsverbot gilt zunächst für 90 Tage. Die Anvisa, die dem Gesundheitsministerium unterstellt ist, hatte das Werk in der Nähe von Rio de Janeiro vom 23. bis 25. September inspiziert. Insgesamt wurden eine Million Liter Pestizide mit fehlerhafter Zusammensetzung aus dem Verkehr gezogen. Außerdem droht dem Unternehmen eine Strafe von 1,5 Millionen Real (rund 580.000 Euro).

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Immer wieder beobachten wir doppelte Standards bei BAYER. Das Unternehmen ist dringend aufgefordert, überall auf der Welt das gleiche Sicherheits-Niveau zu garantieren. Im übrigen fordern wir BAYER auf, alle Pestizide der obersten Gefahrenklasse endlich vom Markt zu nehmen – ein gefahrloser Umgang ist besonders in tropischen Ländern wie Brasilien unmöglich“.

Im Fall des Pestizids Procloraz hätte es das Unternehmen nach Angaben der Anvisa versäumt, vorgeschriebene Analysen vorzunehmen, wodurch Landarbeiter und Bevölkerung gefährdet würden. Ebenfalls betroffen sind das umstrittene BAYER-Pestizid Imidacloprid (Produktname Evidence), das mit Bienensterben in Verbindung gebracht wird, sowie Methamidophos, ein Pestizid der obersten Gefahrenklasse.

Die Meldung der ANVISA im Original (portugiesisch)

Yasmin

CBG Redaktion

Presse Information vom 28. September 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Yaz-Todesfall: Gefährliche Antibaby-Pillen vom Markt nehmen!

Erhöhtes Risiko von Thrombosen und Embolien / Geschädigte fordern Verbot / fünfzig Todesfälle in den USA geschätzt

Angesichts des jüngsten Todesfalls in der Schweiz fordert die Coordination gegen BAYER-Gefahren ein Verbot der Antibaby-Pillen Yasmin, Yaz, Yasminelle und Petibelle. Die Einnahme der Kontrazeptiva ist mit einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko verbunden. Die Schweizer Aufsichtsbehörde Swissmedic hatte am Freitag bekannt gegeben, dass Mitte September eine junge Frau an einer Lungenembolie gestorben war; sie hatte zuvor zehn Monate lang das Präparat Yaz eingenommen. Bis Ende Oktober will Swissmedic eine Untersuchung zu den Risiken von Yaz und Yasmin vorlegen.

Jan Pehrke vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Es ist empörend, dass neue Verhütungsmittel gefährlicher sind als alte, nur weil sie mit Versprechen wie „Gewichtsabnahme“ und „wirkt gegen Akne“ auf dem Lifestyle-Markt punkten wollen. Hiermit sollen besonders junge Frauen geködert werden.“ In den Werbekampagnen für Yasmin werden die Risiken mit keinem Wort erwähnt, das Marketing zielt in erster Linie auf Anwendungen wie Akne-Behandlung und Gewichtsregulierung ab. „Was Yasmin so gefährlich macht, ist genau der immer wieder beschworene „Figur-Bonus“. Denn indem das in Yasmin enthaltene Hormon Drospirenon Wassereinlagerungen entgegenwirkt, macht es zugleich das Blut zähflüssiger und steigert so die Embolie-Gefahr“, so Pehrke weiter. Jüngste Studien zeigten, dass Yasmin das Risiko gefährlicher Blutgerinnsel gegenüber älteren Präparaten fast verdoppelt.

Auch Betroffene setzen sich für ein Verbot ein. „Dass ich noch lebe, ist ein Wunder und auf unglaublich tolle Arbeit der Ärzte und einige glückliche Umstände zurückzuführen. Um zu verhindern, dass weitere junge Frauen ein ähnliches oder sogar tödliches Schicksal erleiden, muss die Problematik publik gemacht werden„, so Felicitas Rohrer. Die 25jährige erlitt im Juli nach der Einnahme von Yasminelle eine schwere Lungenembolie. „Fatal an dieser Pille ist, dass sie sich gezielt an junge Mädchen richtet. Die erste Packung kommt in einem schicken, silberfarbenen Schächtelchen mit Schminkpinsel daher. Zusammen mit dem angeblichen Vorteil, dass man nicht an Gewicht zunimmt, erhöht das die Akzeptanz bei jungen Frauen natürlich enorm. Aber sie erfahren nichts davon, dass sie damit ein höheres Risiko für Thrombosen und Embolien haben. Wir wollen doch nur nicht schwanger werden und nicht unser Leben riskieren!“, so Rohrer weiter.

Nach Angaben des Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) kam es in Deutschland zu „sieben Todesfällen im Zusammenhang mit der Anwendung des Arzneimittels Yasmin“. Schon bei der Zulassung hatte die Fachzeitung arznei-telegramm von einer Anwendung abgeraten. Auch der „Berufsverband der niederländischen Allgemeinärzte“ warnt seine Mitglieder ausdrücklich vor einer Verordnung. In den USA hatte Yasmin wegen der zu befürchtenden Risiken und Nebenwirkungen schon bei der Zulassung Probleme. Mittlerweile wurden in den USA mehrere Sammelklagen gegen BAYER eingereicht, bis zu fünfzig Todesfälle werden dort mit Yasmin in Verbindung gebracht. Der Konzern erlöste mit der Yasmin-Produktgruppe im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro, BAYER ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei hormonellen Verhütungsmitteln.

Das Unternehmen verweigert jedoch Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und Todesfällen, angeblich um „die Kundinnen nicht zu verunsichern“. Hierzu Hubert Ostendorf vom Vorstand der CBG: „Das Ziel von BAYER ist es, Hormonpräparate weltweit als Standard-Verhütungsmittel zu etablieren, denn die Gewinne sind gigantisch. Der Konzern lässt negative Informationen in der Schublade verschwinden, um den Absatz nicht zu gefährden.“ Die CBG fordert eine Offenlegungs-Pflicht aller gemeldeten Nebenwirkungen und aller Anwendungsstudien sowie wirksame Strafen für unlautere Pharma-Werbung. In den USA hatte BAYER kürzlich 20 Millionen Dollar Strafzahlungen für falsche Versprechungen in Yasmin-Spots zahlen müssen.

In der Schweiz waren seit dem Frühjahr eine Reihe schwerer Erkrankungen nach Yasmin-Einnahme bekannt geworden. Seitdem wird die Forderung nach einem Verbot breit diskutiert. Erika Ziltener, Präsidentin des Dachverband Schweizerischer Patientenstellen, gegenüber der Zeitung Sonntag: „Die Behörden müssen das Medikament vom Markt nehmen. Swissmedic muss jetzt genau abklären, welches Risiko junge Frauen mit der Einnahme der Pille Yasmin eingehen“. Über die Gründe für den Erfolg von Yasmin bestehen auch in der Schweiz keine Zweifel. „Es sind alles Lifestyle-Faktoren, weshalb die Mädchen die Pille verlangen“, so Franziska Maurer-Marti von der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe.

weitere Informationen:
· Mitteilung Swissmedic
· Yaz/Yasmin: Bayer Sued Over Safety of Popular Birth Control Pills
· BAYER verschweigt Zahl tödlicher Nebenwirkungen der “Pille"
· Tagesanzeiger „Sieben Tote nach Einnahme der Pille Yasmin“
· BAYER in den USA verwarnt
· Artikel „Pharmamarketing von BAYER“
· Bewertung arznei telegramm

[Berkeley] USA

CBG Redaktion

Presse Information vom 23. September 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Standort-Erpressung: BAYER erhält $13 Mio Subventionen

US-Städte Berkeley und Oakland gewähren Steuernachlass / Konzern drohte mit Verlagerung

Nach massiven Drohungen des BAYER-Konzerns, Teile der Produktion des Blutgerinnungsmittels Kogenate zu verlagern, gewähren die US-Städte Berkeley und Oakland einen Steuernachlass von über $13 Millionen. Berkeley und Oakland erweitern hierfür eine bestehende Gewerbezone, in der günstigere Steuern und verbilligte Stromtarife gelten. BAYER kündigte daraufhin an, die Produktion von Kogenate im Werk Berkeley auszubauen.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist nicht hinnehmbar, dass Städte und ganze Länder von hochprofitablen Unternehmen gegeneinander ausgespielt werden. Während BAYER Steuergeschenke in Millionenhöhe erpresst, herrscht in den öffentlichen Kassen Ebbe. Die Kürzung von Sozialleistungen ist die direkte Folge eines solchen ruinösen Standort-Wettlaufs.“ BAYER hatte im vergangenen Jahr vor Steuern knapp sieben Milliarden Euro Gewinn gemacht, allein der Umsatz mit Kogenate betrug 848 Millionen Euro. Die Behandlung eines einzelnen Patienten mit dem Gerinnungsmittel kann jährlich über €100.000 kosten.

BAYER hatte im Juni damit gedroht, neue Kogenate-Produktionsanlagen an anderen Standorten aufzubauen oder Zulieferer zu beauftragen. Das Gerinnungsmittel wird bislang ausschließlich im BAYER-Werk in Berkeley produziert. An der Genehmigung des Steuernachlasses war auch der kalifornische Gouverneur Arnold Schwarzenegger beteiligt.

In Deutschland hatte BAYER dank der rot-grünen Unternehmenssteuerreform jahrelang keine Gewerbesteuer gezahlt, wodurch Städte wie Leverkusen und Dormagen an den Rand der Pleite taumelten. Zudem schrumpfte die an die Länder zu zahlende Körperschaftssteuer. „Es geht nicht an, dass BAYER & Co gut ausgebildete Mitarbeiter und eine moderne Infrastruktur fordern, sich aber an der Finanzierung des Gemeinwohls kaum noch beteiligen“, so Jan Pehrke weiter.

weitere Informationen:
· Bayer's Berkeley Facility May Outsource Work
· Artikel “Wie Bayer sich arm rechnet”
· Rekordgewinn und Arbeitsplatzvernichtung: Das Krisenmanagement von BAYER
· BAYER und die Krise: “Die heutigen Strukturen wird man nicht erhalten können“

Pestizide

CBG Redaktion

22. September 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Neuseeland: Orchideen-Pflanzer protestieren gegen BAYER

Lkw-Ladung vor Zentrale von BAYER CropScience gekippt

YouTube Film ansehen

In Neuseeland protestieren Orchideen-Pflanzer gegen das BAYER-Pestizid Oberon, dessen Einsatz zu Schäden im Blumenanbau führte. Insgesamt 45 Pflanzer verloren ihre Ernte, der Schaden wird auf mindestens 4 Millionen neuseeländische Dollar geschätzt.

Knapp die Hälfte der Betroffenen erhielt von BAYER eine Entschädigung, ohne dass der Konzern eine Schuld anerkannt hätte. Da einige Pflanzer das Geschäft ganz aufgeben mussten, gaben sie sich mit dem Angebot des Konzerns nicht zufrieden. Einer von ihnen, Paul Hulshof, kippte gestern eine komplette Lkw-Ladung unverkäuflicher Orchideen in die Einfahrt der neuseeländischen BAYER-Zentrale.

Nach Bekanntwerden der Schädigungen hatte BAYER das Präparat vom Markt genommen. Mittlerweile wurde es jedoch in Neuseeland für die Behandlung von Tomaten und Paprika zugelassen. Paul Hulshof fordert wegen möglicher Schädigungen auch ein Verbot von Oberon für Nahrungsmittel-Pflanzen.

engl. Infos und Fotos

[Wasser] Wasserverbrauch

CBG Redaktion

Presse Information vom 17. September 2009

Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW
Coordination gegen BAYER-Gefahren
Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU)

Umweltverbände: Kritik an Abschaffung des „WasserCent“

„Anreiz zum Wasser sparen geht verloren“ / Verbände veröffentlichen Wasserverbrauch der BAYER-Werke / Geschlossene Systeme gefordert

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW, die Coordination gegen BAYER-Gefahren und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz kritisieren die von der NRW-Landesregierung beschlossene schrittweise Abschaffung des Wasserentnahme-Entgelts. Bislang beträgt der „WasserCent“ für entnommenes Grund- und Oberflächenwasser zwischen 0,3 und 4,5 Cent pro Kubikmeter. Das jährliche Aufkommen in Höhe von €86 Millionen wird etwa zur Hälfte von privaten Haushalten und der Industrie entrichtet.

Paul Kröfges, Landesvorsitzender des BUND: „Aus der Sicht des BUND ist der Erhalt des Wasserentnahmeentgelts unverzichtbar, denn es stellt einen wichtigen Anreiz dar, Wasserentnahmen auf das unbedingt nötige Maß zu beschränken. Insbesondere für die Entnahme von Kühlwasser wäre im Gegenteil eine deutliche Anhebung der Abgabe erforderlich, um den erheblichen Auswirkungen der Erwärmung unserer Gewässer Rechnung zu tragen.“ Untermauert wird diese Ansicht durch eine aktuelle Studie des BUND, die die Erwärmung des Rheins dokumentiert und insbesondere die Belastungen durch die Kühlwassernutzungen darstellt.

Die Umweltverbände veröffentlichen heute auch erstmals den Wasserverbrauch der fünf BAYER-Werke in NRW (s.u.). Demnach entzieht allein die Leverkusener Fabrik dem Boden jährlich knapp 90 Millionen Kubikmeter Grundwasser, hinzu kommen 45 Millionen Kubikmeter Rheinwasser. Das Monheimer BAYER-Werk verbraucht rund 50 Mio Kubikmeter Grund- und Flusswasser. Die Verbände erhielten die Mengenangaben über eine Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Der Wasserverbrauch des Leverkusener BAYER-Werks liegt rund doppelt so hoch wie der Trinkwasserbedarf der benachbarten Millionenstadt Köln! Dies ist ein schwerwiegender Eingriff in die Natur, der nicht dauerhaft zu rechtfertigen ist. Der enorme Verbrauch von BAYER zeigt, dass der „WasserCent“ dringend notwendig ist, um den Wasserverbrauch zu verringern.“ Bis zum Jahr 2003 hatte der Konzern aufgrund „alter Wasserrechte„, die zum Teil bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen, gar keine Gebühren für Wasserentnahmen entrichtet. Im vergangenen Jahr zahlte BAYER ein Entgelt von 4,6 Millionen Euro an das Land Nordrhein-Westfalen.

Harald Gülzow vom Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz ergänzt: „Bayer muss verantwortlicher mit den Grundwasservorräten umgehen. Deshalb ist dringend in Produktions- und Reinigungsprozesse zu investieren, bei denen keine Abwässer entstehen, sondern das Gebrauchswasser wieder in einem Kreislauf zurückgeführt und aufbereitet wird.“

Die von BAYER entnommenen Wassermengen (in Kubikmeter/Jahr):

2008 - 2007 - 2006 - 2005
Werk Leverkusen
Rheinwasserwerk: 45.538.921 - 59.006.356 - 44.001.389 - 42.503.718
Grundwasser: 85.608.897 - 89.957.325 - 92.010.147 - 87.083.140
Werk Monheim 52.691.314 - 46.796.344 - 41.399.608 - 46.554.953
Werk Dormagen
Brunnen Worringen: 17.873.420 - 17.327.201 - 19.634.105 - 19.786.530
Brunnen Dormagen: 7.484.009 - 7.779.134 - 7.996.759 - 7.885.573
Werk Krefeld 3.047.057 (vorl.) - 16.625.913 - 16.966.824 - 16.472.239

Die Abschaffung des Wasserentnahmeentgelts wird nach Ansicht des BUND auch zu Folgen für die zukünftige Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in NRW führen. Hier bedeutet jeder Reduzierungsschritt eine Verminderung der verfügbaren Finanzmittel um mindestens 8,6 Mio. €, die nicht mehr für die Kofinazierung der zukünftig erforderlichen Gewässerschutzausgaben von ca. 80. Mio. Euro jährlich erforderlich sind.

Sieht sich das Umweltministerium an seine Zusagen zur WRRL-Finanzierung aus dem Dezember 2008 gebunden (vgl. Pressemitteillung des MUNLV vom 22.12.2008), müssen die Mittel aus anderen Bereichen des Haushalts beschafft werden. Dies geht entweder zu Lasten anderer Aktivitäten des MUNLV oder die Bürger werden über den Umweg anderer Steuermittel weiterhin mit den erforderlichen Kosten belastet. Minister Uhlenberg verspricht zwar die Sicherstellung der Finanzierung der Maßnahmen, er bleibt jedoch die Antwort schuldig, wie dies geschehen kann, ohne die Verursacher der Gewässerbelastungen weitgehender in die Pflicht zu nehmen.

Kontakt:
· Philipp Mimkes: Tel , CBGnetwork(at)aol.com , www.CBGnetwork.org
· Paul Kröfges - Landesvorsitzender BUND NRW, paul.kroefges(at)bund.net,
· Harald Gülzow: Tel 0170 3856076, guelzow(at)bbu-bonn.de

[Yasmin] Kontrazeptiva

CBG Redaktion

16. September 2009

US-Gesundheitsbehörde verwarnt Bayer wegen Abweichungen von Produktionsvorschriften

Kontrazeptiva wegen überhöhter Nebenwirkungen in der Kritik

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat die Bayer AG wegen Abweichungen von den Vorschriften bei der Produktion im Werk Bergkamen verwarnt. Einige Chargen der Wirkstoffe, die in den Verhütungsmitteln „YAZ“ und „Yasmin“ verwendet werden, hätten nicht in den Vertrieb gelangen dürfen, teilte die Behörde gestern mit.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert ein Verbot von Yasmin, da die Einnahme mit einem erhöhten Thrombose- und Embolie-Risiko verbunden ist. Jüngste Studien zeigten, dass Yasmin das Risiko gefährlicher Blutgerinnsel gegenüber älteren Präparaten fast verdoppelt. Der BAYER-Konzern erlöste mit der Yasmin-Produktgruppe im vergangenen Jahr 1,2 Milliarden Euro, BAYER ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei hormonellen Verhütungsmitteln.

In einem am 5. August an Bayer versendeten Schreiben hatte die FDA den Leverkusener DAX-Konzern darauf hingewiesen, dass Kontrolleure in dem Werk Abweichungen von den Vorschriften festgestellt hätten. In dem Werk produzierte pharmazeutische Wirkstoffe würden den behördlichen Vorgaben nicht entsprechen, so die FDA.

Zudem habe Bayer keine angemessenen Verfahren eingerichtet, mit denen die Anlagen gereinigt und gewartet würden. Solange nicht alle Bedenken der FDA durch den Konzern ausgeräumt würden, könne die Behörde eine Empfehlung für eine Genehmigungsaussetzung neuer Anträge von Bayer aussprechen. Die FDA könne auch ein US-Importverbot für Bayer-Produkte verhängen.

Das Warnschreiben der FDA im Wortlaut

weitere Informationen:
=> Presse Info „Gefährliche Antibaby-Pillen vom Markt nehmen!“
=> Artikel Antibabypillen haben große Risiken
=> Radio Interview mit Geschädigter hier anhören

[Rumänien] Preisabsprachen

CBG Redaktion

Presse Info vom 14. September 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Verdacht auf Kartell-Bildung: Rumänische Wettbewerbsbehörde durchsucht Pharmafirmen

Bayer, Baxter, Belupo, Sintofarm betroffen / Coordination gegen BAYER-Gefahren veröffentlicht Kartell-Liste mit Beteiligung von Bayer

Die rumänische Wettbewerbsbehörde hat Büros der vier Pharmaunternehmen Bayer, Baxter, Belupo Pharmaceutical und Sintofarm durchsucht. Die Kartellbehörde vermutet Preisabsprachen zwischen Pharma-Produzenten und Zwischenhändlern. Belupo ist ein kroatischer Medikamentenhersteller, die rumänische Firma Sintofarm ist auf Generika spezialisiert.

Bogdan Chiritoiu, Präsident der rumänischen Kartellbehörde: „Der pharmazeutische Sektor besitzt Priorität für die Wettbewerbsbehörde. Wenn immer es nötig ist, werden wir intervenieren, damit die Bevölkerung Zugang zu Medikamenten erhält, deren Preise auf freiem Wettbewerb beruhen.“ Bei Verstößen gegen die rumänischen Wettbewerbsgesetze drohen den Unternehmen Strafen bis zu 10% des jährlichen Umsatzes.

Der Bayer-Konzern beteiligt sich laufend an illegalen Preisabsprachen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte im Jahr 2006 Strafanzeige gegen das Management von BAYER gestellt. Der Verein wirft den verantwortlichen Managern vor, die andauernde Beteiligung des Unternehmens an illegalen Kartellen zu dulden oder anzuordnen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren veröffentlichte zudem unter http://www.cbgnetwork.de/2355.html eine Liste aller bekannt gewordenen Kartelle mit Beteiligung von Bayer. Die notwendigerweise unvollständige Aufstellung ist nach Bekanntwerdung der Fälle sortiert, sie enthält die Strafzahlung sowie die Laufzeit der jeweiligen Absprachen.

weitere Informationen:
* Ein englischsprachiger Artikel des Curierul National
* Strafanzeige gegen BAYER

Pharma-Marketing

CBG Redaktion

Presse Information vom 9. September 2009
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Kritik an Social Marketing-Kampagnen der Bayer AG

Sponsoring soll negative Berichterstattung in den Hintergrund drängen / Brief an ex-Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert das sogenannte Social Marketing der Pharma-Industrie. Dieses diene lediglich dazu, Berichte über Nebenwirkungen und andere Probleme in den Hintergrund zu drängen. Die Bayer AG hatte gestern die Stiftung des mit €30.000 dotierten „Aspirin Sozialpreis“ angekündigt, mit dem Sozialprojekte im Gesundheitsbereich ausgezeichnet werden sollen. Das Konzept für die Kampagne stammt von der Agentur Pleon, deren Bereich Health Care von der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer geleitet wird. Pleon hatte im Vorjahr für Bayer auch eine Kampagne zum Thema Kinderarmut durchgeführt.

In einem Brief der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) an Fischer heißt es: „Es geht uns nicht darum, das Engagement der beim Aspirin Sozialpreis teilnehmenden Organisationen in Frage zu stellen. Aber es ist wohl unstrittig, dass es der Bayer AG bei solchen aus der Portokasse finanzierten Kampagnen nicht um soziales Engagement, sondern ausschließlich um Werbung geht.“ Die von Pleon für Bayer organisierten Kampagnen seien nicht dazu angetan, die Bevölkerung zu informieren, sondern sollten ein positives Umfeld für die Produkte schaffen. „Wir können den Versuch des Konzerns, Aspirin als „Wunderpille“ zu vermarkten, nur verurteilen“, heißt es in dem Schreiben weiter. Bayer startete in den USA unlängst die Aspirin-Kampagne Expect Wonders, zu der auch die website www.WonderDrug.com gehört.

Aspirin ist ein hochwirksames Medikament, welches aber, anders als es die Werbung suggeriert, tief in den biochemischen Haushalt des Körpers eingreift und mit teilweise schweren Nebenwirkungen verbunden ist. In den USA sterben mehr Menschen an Acetylsalicylsäure-Nebenwirkungen als an HIV. Das New England Journal of Medicine spricht von einer „geräuschlosen Epidemie“, da 75 Prozent aller Patienten, die regelmäßig Aspirin einnehmen, die Gefahren des Schmerzmittelgebrauchs nicht kennen.

Immer wieder müssen Aspirin-Kampagnen von den Behörden gestoppt werden. So wurde im Juni Aspirin-Werbung von der brasilianischen Gesundheitsbehörde ANVISA verboten, da diese zu einem unsachgemäßen Umgang mit dem Medikament verleite und die Risiken verharmlose. Im vergangenen Herbst wurde Bayer von der US-Gesundheitsbehörde wegen Werbung für Anwendungen von Aspirin, für die keine Zulassung existiert, bestraft.

Der Konzern betreibt zahlreiche unlautere Werbekampagnen im Pharmabereich. Bayer hält zum Beispiel aktuell an dem auf junge Frauen ausgerichteten Marketing für die Antibabypille Yasmin fest und verweigert Angaben zur Häufigkeit von schweren Nebenwirkungen und Todesfällen - angeblich um „die Kundinnen nicht zu verunsichern. Aktuelle Studien belegen, dass das Risiko schwerster Nebenwirkungen bei Yasmin fast doppelt so hoch ist wie bei älteren Präparaten. In den USA hatte BAYER kürzlich 20 Millionen Dollar Strafzahlungen für falsche Versprechungen in Yasmin-Spots zahlen müssen.

Bayer ging Dutzende von Kooperationen mit Sozialverbänden, medizinischen Fachgesellschaften, Selbsthilfegruppen, etc ein. Die Firma nutzt diese Kooperationen in ihrer Außendarstellung weidlich. Reale Veränderungen der Geschäftspolitik von Bayer resultieren aus diesen Projekten jedoch nicht. Die CBG zeigt sich in dem Brief enttäuscht darüber, dass Frau Fischer, die sich als Ministerin für eine Begrenzung unlauterer Pharmawerbung einsetzte, nun an eben solchen Praktiken mitwirkt.

Feb. 2012 Kritische Analyse zum Aspirin Sozialpreis erschienen

weitere Informationen:
· Der Brief an Andrea Fischer im Wortlaut
· Artikel „Das Pharma-Marketing von Bayer“
· Presse Info „Gefährliche Antibaby-Pillen vom Markt nehmen!“
· Brasilien: Regierung verbietet unlautere Aspirin-Werbung

Störfälle

CBG Redaktion

Liste aller Störfälle bei BAYER

7. September 2009, Hellweger Anzeiger

Bergkamen: Explosion bei Bayer Schering erschüttert die Stadt

Ein lauter Knall, Rauch über Bergkamen und Blaulicht aus allen Himmelsrichtungen: Eine Explosion bei Bayer Schering versetzte die Stadt am Samstag in Katastrophenstimmung.

Am Ende verlief alles glimpflich. Diese Nachricht muss man vorweg nehmen, denn die Ereignisse am Abend des 5. Septembers ließen Schlimmes fürchten. Die vierköpfige Schicht der Verbrennungsanlage an der Ernst-Schering-Straße steht unter Schock und psychologischer Betreuung. Einer der vier Mitarbeiter muss dankbar sein, dass er seine Kontrollrunde auf dem Hof nicht eine Minute später begonnen hat. Die Explosion hatte einen gut fünf Meter großen Krater ins Erdreich gesprengt, das Verbundpflaster wie einen Teppich aufgeworfen und Stahlbetonträger zerrissen.
Bis dahin war es ein ruhiger Samstagabend in der „AfU“. Die „Abteilung für Umweltschutz“ betreibt am Rande des Bergkamener Chemiestandortes ein Klärwerk, Labors und eine Müllverbrennungsanlage. „Schering“ entsorgt dort eigene Reststoffe, aber auch von draußen angelieferte. Seit 33 Jahren läuft die regelmäßig modernisierte Anlage ohne größere Zwischenfälle. Und auch am Samstag lief zunächst alles gut.
Im Ladebereich auf dem Hof wurde gerade eine Chemikalie aus einem Tankcontainer in die Anlage gepumpt. Hoch reaktionsfreudige Aluminiumalkyle, die zuletzt vor zehn Jahren einen Bergkamener Chemiewerker ums Leben gebracht haben. Für die „AfU“ gehört der Umgang mit der Substanz zum Alltagsgeschäft. Und auch die Umfüllarbeiten am Samstag liefen schon fast zwei Stunden störungsfrei, bis einer der vier Mitarbeiter bei einer Kontrollrunde Rauch aufsteigen sah.
Er lief. Lief in die Steuerzentrale und ohne es zu wissen auch um sein Leben. Die „Bombe“ platzte erst kurz nachdem er die Tür hinter sich geschlossen hatte. Das war um 19.25 Uhr.
Während die Verbrennungsanlage nach Plan in den abgesicherten Betriebszustand herunterfuhr, fuhren die Feuerwehr nach Notfallplan ihre Kräfte auf: Werksfeuerwehr, vier Löschgruppen aus Bergkamen, dazu Einheiten aus Kamen und Lünen. Thomas Engelbert, stellvertretender Kreisbrandmeister, übernahm die Koordinierung der einzelnen Kontingente, die 72 Bergkamener Feuerwehrleute unter Wolfgang Lantin setzten zum „Erstangriff“ an. Insgesamt waren 170 Einsatzkräfte im Dienst. Nach zwei Stunden hatten sie ihren Einsatz beendet. An der Unfallstelle mochten ihnen Worte wie „Bombeneinschlag“ in den Kopf gekommen sein.
„Glück im Unglück“ wäre auch nicht falsch gewesen: Äußerlich verletzt wurde niemand. Die Produktion bei Bayer Schering und seinen Nachbarunternehmen kann weiterlaufen, und selbst die Verbrennungsanlage ist abgesehen von den Einschränkungen an der Füllstation noch betriebsbereit.

Video vom Unfallort

Westfälische Rundschau, 11.09.2009

Explosion bei Schering war ein technischer Defekt

Menschliches Versagen ist als Unglücksursache für die Explosionen und für den Brand auf dem Bayer Schering-Gelände am vergangenen Samstagabend nach Überzeugung der Polizei auszuschließen.
Die Kreispolizei hat jetzt Experten zu Rate gezogen. Die hätten die Unglücksstelle am Mittwoch genau unter die Lupe genommen, berichtete Martin Volkmer, Sprecher der Kreispolizei Unna, gegenüber der Redaktion. Nach dem jetzt vorliegenden Bericht kam es bei der Befüllung der Sondermüllverbrennungsanlage mit Aluminiumalkyl wegen eines Technischen Versagens einer Pumpe zu einer Verpuffung. Dadurch wurden Löcher in das Leitungssystem gerissen.
Folge davon war, dass das Aluminiumalkyl, dass in der Verbrennungsanlage entsorgt werden sollte, auf den Boden floss und auch zum Teil in die Kanalisation eindrang. In der Verbindung mit Wasser sei dann zur Explosion gekommen.

Volkmer sprach in diesem Zusammenhang von einem unheimlichen Glück, dass die vier Mitarbeiter von Bayer Schering Pharma, die sich zu diesem Zeitpunkt in der Nähe des Explosionsherds aufgehalten haben, nur einen Schock und nicht wesentlich ernstere Verletzungen erlitten hätten.
170 Feuerwehrleute der Werkfeuerwehr von Bayer Schering Pharma (ehemals Schering) sowie von den Feuerwehren Bergkamen, Lünen, Kamen und vom Kreis Unna waren am Samstag über weit mehr als vier Stunden bei dem Brand auf dem Bayer-Gelände in Bergkamen-Mitte im Einsatz.
Durch den Brand und durch die Explosionen wurden offensichtlich keine Schadstoffe freigesetzt, die gesetzliche Grenzwerte überschritten haben. Diese Versicherung kommt von der Städischen Feuerwehr Lünen, die die notwendige Messtechnik besitzt und die Überprüfung in Bergkamen vorgenommen hat. Heino Baue