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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 28. Juli 2010

GenMais

CBG Redaktion

Presse Information vom 28. Juli 2010
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Klage von Umweltverbänden erfolgreich

Brasilien: Gericht entzieht Zulassung für GenMais von BAYER

Karikatur LL Mais: Angriff auf Konsumenten und Landwirte

Der Bundesgerichtshof des brasilianischen Bundesstaats Paraná hat dem Unternehmen Bayer CropScience gestern die Zulassung für sogenannten Liberty Link-Mais entzogen. Die gentechnisch veränderte Sorte ist resistent gegen das von Bayer produzierte Herbizid Liberty mit dem Wirkstoff Glufosinat. Das vom Gerichtshof in Curitiba verhängte Verbot gilt landesweit. Die zuständige Richterin Pepita Durski Tramontini gab damit den Umweltverbänden Terra de Direitos, AS-PTA, IDEC and ANPA Recht, die bereits 2007 Klage eingereicht hatten. Die Verbände fürchten eine gentechnische Kontamination traditioneller Mais-Sorten.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Wir begrüßen das Verbot von glufosinat-resistentem Mais in Brasilien. Zum einen würde der Anbau von LL-Mais zwangsläufig zu gentechnischen Verunreinigungen herkömmlicher Sorten führen. Zum anderen ist eine gefahrlose Anwendung von Glufosinat nicht möglich – schon gar nicht in tropischen Ländern, in denen Landarbeiter meist nicht über angemessene Schutzkleidung verfügen.“ In Europa gehört Glufosinat zu den 22 Wirkstoffen, die wegen ihrer Risiken keine erneute Zulassung erhalten dürfen. Der Wirkstoff ist als reproduktionstoxisch klassifiziert und kann Missbildungen bei Föten verursachen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren bezeichnet es als „unverantwortlich“, einen vermehrten Einsatz gefährlicher Wirkstoffe wie Glufosinat in Schwellen- und Entwicklungsländern zu forcieren und fordert einen sofortigen Verkaufs-Stopp.

Das Gericht in Curitiba begründet das Urteil mit dem Fehlen von Kontroll-Mechanismen nach der Aussaat, die eine Koexistenz von transgenem und herkömmlichem Mais garantieren würden. Dem Unternehmen wird ein tägliches Strafgeld von 50.000 Real angedroht, sollten Verkauf und Anbau nicht sofort gestoppt werden. Die Entscheidung der nationalen Kommission für biologische Sicherheit (CTNBio), eine Zulassung für Liberty Link-Mais zu erteilen, wurde aufgehoben. CTNBio wurde zudem aufgefordert, Einblick in die Zulassungsunterlagen zu gewähren. Bislang waren die zugrundeliegenden Studien wegen angeblicher Geschäftsgeheimnisse nicht offengelegt worden.

Erst vor wenigen Wochen war Bayer damit gescheitert, in Brasilien eine Zulassung für gentechnisch veränderten Reis zu erhalten. Die von Bayer hergestellte Sorte LLRice62 ist ebenfalls gegen Glufosinat resistent.

weitere Informationen:
·Brazilian court suspends release of Bayer's GM maize
·Kein GenReis von BAYER in Brasilien
·Herbizid Glufosinat sofort vom Markt nehmen!

Bienensterben

CBG Redaktion

Presse Information vom 28. Juli 2010
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Langzeitrisiken von Imidacloprid unterschätzt

Neue Studie zu BAYER-Pestiziden veröffentlicht / Oberflächengewässer belastet / weltweit meistverkauftes Insektizid / Bienensterben auch in Deutschland

Der niederländische Toxikologe Dr. Henk Tennekes weist in einer aktuellen Untersuchung nach, dass die Langzeitrisiken der Insektizide Imidacloprid und Thiacloprid weitaus größer sind, als bislang angenommen. Dies könne eine der Ursachen für die Bienenvolksterben in aller Welt sein. Die Studie The toxicity of neonicotinoid insecticides to arthropods is reinforced by exposure time erschien am 23. Juli in dem Fachmagazin Toxicology (online).

Dr. Henk Tennekes zu seinen Ergebnissen: "Das Risiko von Pestiziden wie Imidacloprid und Thiacloprid wird wahrscheinlich enorm unterschätzt, besonders für Wasserlebewesen und Bodenorganismen. Die bislang gültigen Grenzwerte wurden weitgehend aus Kurzzeit-Tests abgeleitet. Würde man Langzeit-Versuche durchführen, könnten schon bei wesentlich geringeren Konzentrationen verheerende Schäden auftreten. Damit kann erklärt werden, wieso schon geringe Mengen Imidacloprid längerfristig Bienensterben verursachen können“. Tennekes zeigt sich besorgt über die hohe Belastung von Oberflächengewässern mit schwer abbaubaren Agrochemikalien. So wiesen Messungen der niederländischen Umweltbehörde bis zu 320 Mikrogramm Imidacloprid pro Liter (µg/l) nach. Der EU-Grenzwert für Trinkwasser hingegen liegt bei 0,1 µg/l.

Imidacloprid wird unter den Handelsnamen Gaucho, Provado und Admire angeboten, der Wirkstoff gilt als meistverkauftes Pestizid weltweit. Thiacloprid wird unter den Namen Biscaya, Proteus und Calypso vertrieben. Beide Wirkstoffe gehören zur umstrittenen Wirkstoffklasse der Neonicotinoide, die u.a. zur Behandlung von Saatgut verwendet wird. Hersteller ist die Bayer CropScience AG, die im vergangenen Jahr allein mit Imidacloprid 606 Millionen Euro erlöste. Saatgutbehandlungsmittel von Bayer hatten vor zwei Jahren das großflächige Bienensterben in Süddeutschland verursacht.

Neonicotinoide können wegen ihrer hohen Persistenz mehrere Jahren im Boden verbleiben. Selbst unbehandelte Pflanzen, auf deren Feldern in den Vorjahren Imidacloprid oder Clothianidin eingesetzt wurde, können den im Boden befindlichen Giftstoff über die Wurzeln aufnehmen und eine für Bienen gefährliche Konzentration enthalten. Ähnlich wie Dr. Tennekes hatte die kanadische Zulassungsbehörde Pest Management Regulatory Agency wegen der mehrjährigen Verweildauer im Boden ein Risiko für Bienen befürchtet; die von Bayer vorgelegten Studien hatte die Behörde als mangelhaft („deficient“) bezeichnet. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert wegen der Risiken für Bienen einen Verkaufs-Stopp für Neonicotinoide. Der Verband hatte vor zwei Jahren Strafanzeige gegen den Bayer-Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning wegen der „Inkaufnahme der verheerenden Bienensterben in aller Welt“ gestellt.

Auch die vor sechs Wochen von italienischen Wissenschaftlern veröffentlichte Studie The puzzle of honey bee losses: a brief review kommt zu dem Schluss, dass der Einfluss von Pestiziden für das weltweite Bienensterben unterschätzt wird. Schon im Jahr 2003 hatte ein im Auftrag des französischen Landwirtschaftsministerium erstellter Untersuchungsbericht festgestellt, dass die Verwendung von Imidacloprid für den Tod Hunderttausender Bienenvölker mitverantwortlich ist.

Da der Patentschutz von Imidacloprid in den meisten Ländern abgelaufen ist, brachte Bayer im Jahr 2003 das chemisch verwandte Nachfolgeprodukt Clothianidin auf den Markt. Seit dem Bienensterben in Deutschland vor zwei Jahren sind Imidacloprid und Clothianidin für die Behandlung von Mais-Saatgut verboten. Auch Italien, Frankreich und Slowenien verhängten Verbote bzw. verweigerten eine Zulassung.

weitere Informationen:
· Kontakt Dr. Henk Tennekes: info(at)toxicology.nl, Tel. +31 575 545500
· Kampagne „Bienensterben stoppen“