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Beitrag veröffentlicht im Juni 2014

GenSoja

CBG Redaktion

Presse Info vom 30. Juni 2014
Coordination gegen BAYER-Gefahren

„Einsatz von immer mehr Agro-Chemikalien ist Irrweg“

BAYER bringt Gen-Soja auf den Markt

Die Firma Bayer CropScience hat in den USA eine neue Soja-Produktlinie vorgestellt. Unter dem Namen Credenz verkauft der Konzern ab sofort gentechnisch verändertes Saatgut, das gegen die Herbizide Glyphosat und Glufosinat immun ist. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Sorten folgen, die zusätzlich gegen sogenannte HPPD-Herbizide tolerant sind. Die Landwirte können dann mehrere Pestizide sprühen, ohne die Nutzpflanze zu schädigen.

„Nach dem Praxisversagen Glyphosat-toleranter Genpflanzen dreht nun auch Bayer kräftig an der Pestizidspirale“, kritisiert Dirk Zimmermann von Greenpeace. „Mit dem Einstieg in das Wettrüsten auf den Gensoja-Äckern der Welt beweist sich der Konzern als verantwortungsloser Kriegsgewinnler. Die Ankündigung weiterer, mit immer neuen Herbizid-Resistenzen ausgestatteten Genpflanzen entlarvt das ganze Konzept als Sackgasse, in der sich leider immer mehr und immer giftigere Agrochemikalien verkaufen lassen.“

Jan Pehrke vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergänzt: „Die Soja-Produktlinie Credenz ist ein Musterbeispiel für den Irrweg der Agrochemie. Durch den langjährigen Einsatz von Glyphosat haben sich zahlreiche „Super-Unkräuter“ gebildet, denen die Agro-Riesen nun durch eine Kombinationstherapie ihrer gefährlichen Altstoffe Einhalt gebieten wollen. Auch das wird aber nicht lange helfen.“ Pehrke fordert ein weltweites Verbot von Glyphosat und Glufosinat.

Durch die riesigen Soja-Plantagen werden Wälder, Brachflächen und kleinbäuerliche Betriebe verdrängt, vor allem in Südamerika. Die Ernte dient jedoch nicht der Versorgung der örtlichen Bevölkerung, sondern wird fast vollständig exportiert. Grund hierfür ist die große Nachfrage nach eiweißhaltigem Futter von Seiten der Massentierhalter in Europa und den USA. Die Produktion von Grundnahrungsmitteln hingegen geht durch den Soja-Boom zurück.

Das ursprünglich von Monsanto entwickelte Glyphosat („Roundup“), das weltweit meistverkaufte Agrogift, ist seit 30 Jahren im Einsatz. Glyphosat-haltige Pestizide stehen im Verdacht, Fehlbildungen hervorzurufen, das Erbgut zu schädigen und Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Krebs zu begünstigen. Da das Patent abgelaufen ist, wird der Wirkstoff mittlerweile auch von BAYER und anderen Firmen angeboten.

Viele Wildpflanzen sind inzwischen resistent gegen Glyphosat. In diese Lücke will BAYER mit seinem Herbizid Glufosinat vorstoßen. Glufosinat, das bereits seit 1984 auf dem Markt ist, ist noch gefährlicher als Glyphosat und soll daher in der EU bis 2017 vom Markt genommen werden. Dies hindert BAYER jedoch nicht daran, gegenwärtig im US-Bundesstaat Alabama eine große neue Glufosinat-Fabrik zu bauen.

BAYER gehört zu den weltgrößten Anbietern von Pestiziden und Saatgut. Gentechnisch verändertes Saatgut vertreibt der Konzern gegenwärtig vor allem in Nord- und Südamerika.

siehe auch: Steigender Pestizidverbrauch durch Fleischkonsum

[Leverkusen] CO-Pipeline stoppen!

CBG Redaktion

Leverkusener Anzeiger, 25. JUNI 2014

CHEMPARK LEVERKUSEN

Currenta legt weitere Leitungen still

„Vorsorglich“ hat Currenta eine Wasserstoff-Leitung abgeklemmt, weil die jüngste Untersuchung „eine fehlerhafte Stelle innerhalb der Rheinunterquerung“ gezeigt habe. Eine Ethylen-Leitung sei ebenfalls vom Netz genommen worden.

Der Chempark-Betreiber Currenta will die neue Rheinquerung für diverse Versorgungsleitungen so schnell wie möglich in Betrieb nehmen. Am Dienstag berichtete Chempark-Chef Ernst Grigat, dass die Anträge auf Genehmigung „in Kürze“ eingereicht würden. Er hofft, dass der neue Düker in gut zwei Jahren ans Netz gehen kann. Das ist ambitioniert: Currenta rechnet allein mit eineinhalb Jahren Bauzeit – die Behörden müssten also ziemlich Gas geben.
Weitere Gründe für die Eile wurden auch offenbar: „Vorsorglich“ hat Currenta eine Wasserstoff-Leitung abgeklemmt, weil die jüngste Untersuchung „eine fehlerhafte Stelle innerhalb der Rheinunterquerung“ gezeigt habe. Eine Ethylen-Leitung sei vom Netz genommen worden, weil sie im Gegensatz zu den anderen Verbindungen zwischen Dormagen und Leverkusen nicht geprüft werden konnte. Currenta nennt Kapazitätsgründe im eigenen Haus als Ursache.
Die seit einem Dreivierteljahr lebhaft diskutierte Kohlenmonoxid-Leitung zwischen Dormagen und Leverkusen sei inzwischen zusätzlich mit 30 bar Wasserdruck geprüft worden. Das biete zusätzliche Sicherheit. Das Teilstück unter dem Rhein hatten Currenta und der Betreiber Bayer Material Science im März lieber umgeleitet. Die technische Überprüfung hatte fehlerhafte Stellen in der fast 50 Jahre alten, ursprünglichen Leitung gezeigt.
Mit Blick auf die Prüfergebnisse des Tüv hieß es: Die Sicherheit sei gewährleistet. Aber „in Summe“ zeigten die Tests auch, dass eine neue Rheinquerung her muss. (tk)

CBG fordert Stopp des CO-Transports

Artensterben

CBG Redaktion

24. Juni 2014

Studie: Pestizide bedrohen Biodiversität

Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert Verbote von Neonikotinoiden

Pestizide bedrohen laut einer neuen Studie Bienen, Vögel, Fische und andere Tiere und stellen damit auch für die Landwirtschaft eine ernste Gefahr dar. „Wir erleben eine Bedrohung der Produktivität unserer natürlichen und landwirtschaftlichen Umwelt“, erklärte der französische Forscher Jean-Marc Bonmatin vom französischen Forschungsinstitut CNRS, der die internationale Studie mitverfasst hat. Die Beweise gegen Insektizide mit den Wirkstoffen Fipronil und aus der Gruppe der Neonicotinoide seien ausreichend, um ein Eingreifen der Regulierungsbehörden zu rechtfertigen.

Anstatt die Nahrungsmittelproduktion zu schützen und zu unterstützen, bedrohten die chemischen Wirkstoffe Tiere, die für die Bestäubung von Pflanzen und die natürliche Bekämpfung von Schädlingen notwendig seien und die damit „zentral für ein funktionierendes Ökosystem sind“, sagte Bonmatin.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) führt bereits seit 1998 eine Kampagne zum Verbot von Wirkstoffen aus der Klasse der Neonikotinoide. Mehrfach reichte die CBG Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung ein und lud Imker ein, vor den Aktionären zu sprechen. Der BAYER-Konzern hatte die Agrogifte vor über 20 Jahren auf den Markt gebracht und machte mit Produkten wie Poncho (Clothianidin) und Gaucho (Imidacloprid) bis zu eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr.

Die genannten Pestizide werden in der Landwirtschaft weiträumig zur Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Die Stoffe, die auf das Nervensystem einwirken, schaden aber auch anderen Tieren. Insbesondere werden sie für das besorgniserregende Bienen-Sterben in Europa, Amerika und Asien verantwortlich gemacht.

Laut der neusten Studie, die im Sommer in mehreren Teilen in der Fachzeitschrift „Environment Science and Pollution Research“ veröffentlicht werden soll, werden die Pestiziden von Pflanzen aufgenommen und sickern in Boden und Wasser ein, wo sie auch Würmern, Schmetterlingen, Vögeln und Fischen schaden. Durch den breiten Einsatz der Insektengifte seien ihnen Organismen in „landwirtschaftlichen Böden, Frischwasserressourcen, Feuchtgebieten und Wassersystemen an Ufern und Küsten“ „wiederholt und chronisch“ ausgesetzt.

Die insgesamt 29 Autoren empfehlen den zuständigen Behörden, die Regelungen für die Verwendung von Neonicotinoide und Fipronil weiter zu verschärfen und „Pläne für die erhebliche Reduktion ihres globalen Einsatzes“ auszuarbeiten. Die beiden Typen von Pestiziden haben laut den Autoren einen globalen Marktanteil von 40 Prozent mit einem Umsatz von 1,9 Milliarden Euro im Jahr 2011.

Die Autoren werteten für die Studie mit dem Titel „Worldwide Integrated Assessment“ im Auftrag eines Beratungsgremiums der Weltnaturschutzunion über einen Zeitraum von vier Jahren rund 800 frühere Studien zum Einsatz von Pestiziden aus.

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Pestizidverbrauch

CBG Redaktion

Presse Info vom 19. Juni 2014
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Verbot von Glyphosat und Glufosinat gefordert / „hoher Fleischkonsum für Vergiftungen mitverantwortlich“

Verbrauch giftiger Pestizide steigt weiter an

In Schwellen- und Entwicklungsländern explodiert der Verbrauch gefährlicher Agrochemikalien. Allein in Argentinien und Indien hat sich die eingesetzte Menge in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Verantwortlich für den Anstieg ist auch der massenhafte Anbau von Tierfutter, das in den Export geht.

In Ländern wie Argentinien oder Brasilien verdrängen riesige Sojaplantagen Wälder, Brachflächen und kleinbäuerliche Betriebe, was zu einem Rückgang der Biodiversität und der Produktion von Nahrungsmitteln führt. Durch den massiven Pestizideinsatz, vor allem in den Soja-Anbaugebieten, steigen Fehlgeburten und Krebsraten. Grund für die Entwicklung ist die große Nachfrage von Seiten der industriellen Massentierhalter in Europa und den USA nach eiweißhaltigem Futter.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der hohe Fleischkonsum führt zu schweren ökologischen und gesundheitlichen Schäden in Südamerika. Wir fordern eine Umstellung auf ökologischen Anbau, auch wenn dies zu einer Verringerung der Fleischproduktion führt. Giftige Herbizide wie Glyphosat und Glufosinat müssen verboten werden!“. Glyphosat und Glufosinat werden in Kombination mit gentechnisch verändertem Saatgut angeboten, vor allem Soja und Mais. Da der Saatgut-Markt in den Händen weniger Konzerne liegt, können viele Landwirte ausschließlich genmanipuliertes Saatgut erwerben.

Das von der Firma MONSANTO entwickelte Glyphosat („Roundup“) ist das weltweit meistverkaufte Agrogift. Da das Patent abgelaufen ist, wird der Wirkstoff mittlerweile auch von der deutschen BAYER AG und anderen Firmen angeboten. Glyphosat-haltige Pestizide stehen im Verdacht, Fehlbildungen hervorzurufen, das Erbgut zu schädigen und Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes und Krebs zu begünstigen.

Das noch giftigere BAYER-Produkt Glufosinat kann Missbildungen bei Föten verursachen; in der EU soll der Wirkstoff bis 2017 vom Markt genommen werden. Dies hindert BAYER jedoch nicht daran, gegenwärtig im US-Bundesstaat Alabama eine große neue Glufosinat-Fabrik zu bauen. Der Konzern will damit in die Lücke stoßen, die sich aufgrund der zunehmenden Resistenzen gegen Glyphosat auftut. Hierzu Philipp Mimkes: „Die Firma BAYER handelt unverantwortlich, wenn sie im Ausland den Einsatz eines Herbizids forciert, das in Europa aus guten Gründen vom Markt genommen werden soll“. BAYER bietet Glufosinat in Kombination mit herbizidresistentem Raps, Reis, Zuckerrüben, Mais, Soja und Baumwolle an, vor allem in Nord- und Südamerika.

Keine Lösung des Hungerproblems
Wegen der zunehmend wirkungslosen Herbizide haben die Agrokonzerne zahlreiche Patente untereinander ausgetauscht. Die Firmen bieten nun Saatgut an, das gegen zwei oder gar drei Herbizide immun ist. So wurde 2012 eine Soja-Sorte vorgestellt, die gegen Glufosinat, Glyphosat und 2,4-D resistent ist (2,4-D war Teil des Entlaubungsmittels „Agent Orange“). Im vergangenen Jahr kündigten BAYER und SYNGENTA die Markteinführung einer Soja-Sorte an, die ebenfalls gegen drei Wirkstoffe - Mesotrion, Glufosinat und Isoxaflutol – tolerant ist.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert daher, endlich den Teufelskreis zu durchbrechen, in dem der Einsatz von Pestiziden zur Entstehung von immer mehr resistenten Unkräutern führt, die mit immer mehr Agrochemikalien bekämpft werden müssen. Umweltverbände hatten bereits vor der Einführung von genmanipuliertem Saatgut vor der Entstehung herbizidresistenter Wildkräuter gewarnt.

Anders als von den Lobbyist/innen stets behauptet, dient der Anbau von Gen-Pflanzen auch nicht der Lösung des Hungerproblems – im Gegenteil. BAYER, SYNGENTA und Co. richten sich bei ihren Neuentwicklungen nämlich nach den Bedürfnissen der globalen Fleisch-Industrie. Rund 80 Prozent der angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen werden als Tierfutter verwendet. Die eingesetzten Gen-Pflanzen sind weder dürreresistent noch ertragreicher. Durch ihren Anbau auf immer größeren Flächen wird die Produktion von Lebensmitteln zurückgedrängt, wodurch sich die Versorgung der lokalen Bevölkerung erschwert.

BAYER ist mit einem Weltmarktanteil von 20 % der zweitgrößte Pestizidhersteller. Produkte des Konzerns sind für einen beträchtlichen Teil der weltweiten Vergiftungen verantwortlich. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der jährlichen Pestizidvergiftungen auf bis zu 20 Millionen. Bis zu 200.000 Fälle verlaufen tödlich.

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[Krefeld] BAYER-Werk Krefeld

CBG Redaktion

13. Juni 2014

Ausfall der Rauchgasreinigung im BAYER-Werk Uerdingen

Am 24. April fiel im Werk Krefeld-Uerdingen die thermische Abgasreinigung aus. Die Produktion von Polyurethan (MDI) musste zunächst gedrosselt und dann für zwei Wochen ganz eingestellt werden.

Über eine Anfrage nach dem Umwelt-Informationsgesetz erhielt die Coordination gegen BAYER-Gefahren weitere Informationen zu dem Vorgang:

1. Was genau ist passiert? Welche Anlage war betroffen?
Im Bereich der Thermischen Abgasreinigung führten betriebliche Probleme dazu, dass diese abgefahren werden musste. Nach Untersuchung der Anlage wurde als Störungsursache ein irreparabel beschädigter Apparat identifiziert. Der beschädigte Apparat war der Dampfkessel der thermischen Abgasreinigung (TAR), in der die Abwärme der Abgasverbrennung genutzt wird, um Dampf zu erzeugen. In dem Apparat ist ein Rohrbündelwärmetauscher enthalten, in diesem waren drei Rohre undicht. Dadurch konnte Wasser (das verdampft werden soll) in den Befeuerungsraum gelangen.
Die betroffene Teilanlage gehört zu der nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz genehmigungsbedürftigen Anlage „Desmodur-Betrieb“ und befindet sich im Gebäude N 184, der zugehörige Kamin in N 223.

2. Wann genau fiel die Abgasreinigung aus?
Die Anlage fiel am 21.04.2012 um 11:07 Uhr aus.

3. Wie lange lief die Produktion noch nach dem Ausfall der Abgasreinigung?
Nach dem Ausfall wurde die Produktion innerhalb von 24 Stunden auf 2/3 der Maximalkapazität gedrosselt und innerhalb von weiteren 43 Stunden abgefahren.

4. Welche Schadstoffe sind in diesem Zeitraum in welcher Menge ausgetreten (Isocyanat, Salzsäure, Chlorbenzol etc)?
Die genauen Mengen sind mir nicht bekannt.
Aus den Genehmigungsunterlagen der aktuellen Betriebsgenehmigung ergeben sich bei Ausfall der Thermischen Abluftreinigung folgende maximale Emissionsfrachten:

Kohlenmonoxid 260,2 kg/h
Chlorwasserstoff 0,222 kg/h
Organisch gebundener Kohlenstoff 5,62 kg/h
Phosgen 1,405 g/h

Bei diesen Angaben handelt es sich um Obergrenzen, die aufgrund der Drosselung der Produktion und des späteren kompletten Abfahrens unterschritten wurden. Eine Nebenbestimmung lässt den Weiterbetrieb mit 2/3 der Kapazität bei Ausfall der Abgasreinigung über 24 Stunden hinaus zu, wenn die Funktionsfähigkeit innerhalb von 72 Stunden nach Ausfall wieder hergestellt werden kann.

5. Ist eine Störfallmeldung an das UBA gegangen?
Eine Meldung ist nicht ergangen, weil die in der Störfall-Verordnung festgelegten Meldekriterien nicht zutrafen. Nach der Verordnung werden z.B. die gesundheitliche Beeinträchtigung von Personen bzw. schwere Schäden für Personen, die Umwelt oder Sachwerte für eine Meldepflicht vorausgesetzt.

6. Wann wird die Anlage wieder angefahren?
Die thermische Abluftreinigung wurde am 02.05.2014 wieder in Betrieb genommen, die Produktionsanlage am 05.05.2014.

Uni Kooperationen

CBG Redaktion

Presse Info vom 13. Juni 2014
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Universitäten am Tropf der Wirtschaft

NRW-Hochschulgesetz: Geheimhaltung statt Transparenz

Unternehmen bestellen Studien, engagieren Professor/innen und gründen Institute, die in ihrem Auftrag forschen. Trotz anders lautender Versprechen will die NRW-Landesregierung die Kooperation von Hochschulen mit der Industrie nun doch im Dunkeln belassen. Eine öffentliche Diskussion über die Ziele universitärer Forschung wird dadurch verhindert. Am Mittwoch findet am Düsseldorfer Landtag eine Protestaktion statt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kritisiert das Einknicken der NRW-Landesregierung vor den Drohungen der Wirtschaftsverbände. Auch künftig soll nach den Plänen des Wissenschaftsministeriums die Zusammenarbeit von Universitäten mit der Industrie weitgehend geheim bleiben.

Der ursprüngliche Entwurf des neuen Hochschulgesetzes hatte vorgesehen, zumindest die Inhalte, den finanziellen Umfang und die an den Drittmittelprojekten beteiligten Akteure vorab offenzulegen. Die Landesregierung gab jedoch dem Druck der Industrie nach und schwächte den entsprechenden Passus ab: Die Öffentlichkeit soll nun erst im Nachhinein informiert werden; Art und Umfang der Offenlegung bleiben im Ermessen von Hochschulen und Unternehmen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Der Gesetzentwurf bekräftigt das Primat wirtschaftlicher Interessen gegenüber einer Forschung, die dem Allgemeinwohl verpflichtet ist.“ Mimkes kritisiert, dass die Öffentlichkeit erst nach Beendigung einer Kooperation informiert werden soll. Hierdurch werde eine Diskussion über die Ausrichtung universitärer Forschung verhindert. „Öffentliche Einrichtungen, die aus Steuergeldern finanziert werden, müssen sich dieser Debatte stellen – und zwar nicht erst, wenn bereits Fakten geschaffen wurden. Wir benötigen bindende Regeln zu Art und Umfang der Offenlegung, sonst werden die Firmen alle relevanten Informationen als „Betriebsgeheimnisse“ deklarieren. Wenn die Regierung ihr Versprechen halten will, für mehr Transparenz zu sorgen, muss der Entwurf dringend überarbeitet werden“, so Mimkes weiter.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat auf Offenlegung des im Jahr 2008 geschlossenen Kooperationsvertrags zwischen der Uniklinik Köln und der BAYER HealthCare AG geklagt. Die CBG befürchtet eine Ausrichtung der pharmakologischen Forschung nach rein wirtschaftlichen Kriterien. Der Landesbeauftragte für Informationsfreiheit hatte den Vertrag geprüft und einer Einsichtnahme zugestimmt. BAYER und Uni Köln hatten sich über das Votum jedoch hinweggesetzt. Das Verfahren ist gegenwärtig beim Oberverwaltungsgericht in Münster anhängig.

Wie eng Uni Köln und der BAYER-Konzern kooperieren, wird auch an einer Personalie deutlich: Leiter des Hochschulrats ist Richard Pott, der mehr als zehn Jahre lang Vorstandsmitglied von BAYER war.

Der Forderung nach Offenlegung des Vertrags haben sich zahlreiche Verbände angeschlossen, darunter Transparency International, der Deutsche Hochschulverband und die Ärzte-Vereinigung IPPNW. Der DGB-Gewerkschaftstag forderte Anfang Mai: „Der Abhängigkeit der Wissenschaft von privatwirtschaftlichen Geldgebern muss durch eine ausreichende öffentliche Finanzierung entgegengewirkt werden. Zwecke der Forschung müssen der Öffentlichkeit transparent gemacht werden.“

Die DGB-Jugend sowie studentische Gruppen rufen zu einer Protestaktion auf. Treffpunkt: Mittwoch, 18.6., 12 Uhr vor dem Landtag NRW in Düsseldorf

weitere Informationen zur Kampagne

TTIP

CBG Redaktion

Presse Info vom 12. Juni 2014
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Freihandelsabkommen TTIP

Pestizide und Genfood durch die Hintertür

Die Verhandlungen über das transatlantische Freihandelsabkommen gehen ungebremst weiter. Beidseits des Atlantiks droht ein massiver Abbau ökologischer und sozialer Standards. Die Konzerne BAYER und BASF wollen insbesondere die Grenzwerte für Pestizide aufweichen und Zulassungen für genmanipuliertes Saatgut durchsetzen.

Die Industrielobby war von Beginn an in die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen TTIP eingebunden. Gewerkschaften, Umweltverbände und sogar das EU-Parlament blieben außen vor. Die Chemieindustrie will mit Hilfe des Abkommens die europäischen Standards zu Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz aufweichen.

Konzerne wie BAYER und BASF haben es unter anderem auf die Pestizidgesetzgebung der EU abgesehen. Über ihren Lobbyverband CropLife attackieren sie diese als „illegal“: US-Farmer könnten die europäischen Grenzwerte nicht einhalten und würden somit diskriminiert. CropLife fordert die EU ultimativ auf, die Verbote gesundheitsschädlicher Pestizide aufzuheben. BAYER und SYNGENTA klagen zudem gegen das jüngste EU-Verbot bienenschädlicher Wirkstoffe.

Auch die Zulassung von genmanipuliertem Saatgut möchte die Industrie mit Hilfe von TTIP durchsetzen. Erneut mit dem Argument, die hiesigen Verbote benachteiligten die amerikanischen Anbieter. BAYER und BASF investierten im vergangenen Jahr allein fünf Millionen Dollar, um in den USA eine Kennzeichnung von GenFood zu verhindern.

Jan Pehrke vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Wir dürfen nicht zulassen, dass der Umwelt- und Verbraucherschutz als Handelshemmnis diskreditiert wird. Wenn wir uns jetzt nicht gegen TTIP wehren, setzen wir den ökologischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte aufs Spiel und verhindern künftige Verbesserungen.“ BAYER als einer der sechs führenden Agro-Konzerne sitzt über Lobbyvereinigungen wie EuropaBio oder CropLife beidseits des Atlantiks mit am Verhandlungstisch.

Durch die geplanten Regeln zum „Investorenschutz“ sollen Konzerne das Recht erhalten, Staaten auf Schadensersatz zu verklagen, wenn sie ihre Gewinne durch gesetzliche Auflagen geschmälert sehen. Dies würde den demokratischen Handlungsspielraum dramatisch einschränken. Beispielsweise hat Kanada zum Schutz des Grundwassers ein Fracking-Moratorium verhängt. Eine US-Firma verklagt das Land nun wegen der zu erwartenden Gewinnausfälle auf 250 Millionen Dollar Schadenersatz. Ähnliche Klagen drohen, wenn der Ausstoß von Schadstoffen, die Zulassung von Agrochemikalien oder der Betrieb von Atomkraftwerken gesetzlich eingeschränkt wird.

Ausdrucken und Verteilen: Das Flugblatt der CBG zum Thema

Demokratie verteidigen! Helfen Sie jetzt.
Profite dürfen nicht über demokratischen Rechten stehen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat sich von Anbeginn an in den Bündnissen gegen TTIP engagiert. Wie zuvor in den Auseinandersetzungen gegen MAI, NAFTA und die anderen Freihandels- und Industrieabkommen.
Noch ist TTIP nicht vom Tisch. Die Kampagnen und Anstrengungen müssen weiter verstärkt werden. Solche Kampagnen kosten Zeit und Geld. Wir bitten Sie, unterstützen Sie uns mit einer Spende. Auch brauchen wir Rückenstärkung durch Fördermitglieder, wenn wir den Konzernen die Stirn bieten.

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[Kehler Zeitung] Hauptversammlung 2014

CBG Redaktion

Die Kehler Zeitung berichtet heute über die Proteste zur BAYER-Hauptversammlung gegen risikoreiche Antibabypillen des Konzerns. Hier finden Sie weitere Infos zur Kampagne.

Kehlerin kämpft gegen Konzern-Riesen

Eine junge Frau macht Bayer dafür verantwortlich, dass sie fast gestorben wäre

20 Minuten lang war Felicitas Rohrer aus Goldscheuer klinisch tot. Erst eine Notoperation am offenen Herzen rettete ihr das Leben. Sie macht die Einnahme der Antibabypille Yasminelle von Bayer für ihr Leiden verantwortlich. Jetzt hat sie in der Hauptversammlung von Bayer in Köln vor Tausenden Aktionären gesprochen und für ihre Sache gekämpft.

7. Juni 2014 -- Es ist acht Uhr morgens. Bei diesigem Wetter bauen sich mehrere Protestgruppen vor der Messehalle in Köln auf – dort, wo gleich die Aktionärsversammlung von Bayer beginnt. In leuchtend rote T-Shirts gekleidete junge Frauen verteilen Flugblätter gegen Antibabypillen mit dem Wirkstoff Drospirenon. Unter ihnen ist Felicitas Rohrer aus Goldscheuer. Die 29-Jährige erlitt vor vier Jahren eine Lungenembolie. Um ein Haar wäre sie daran gestorben. Zuvor hatte sie die Antibabypille Yasminelle von Bayer eingenommen.

Sie verklagt den Pharmakonzern auf Schadensersatz und Schmerzensgeld und gründete die Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter. Mit weiteren betroffenen Frauen ist sie nach Köln gereist, um den Aktionären die Schattenseiten von Bayers Geschäftspolitik aufzuzeigen. Zudem will sie den Vorstand auffordern, Verantwortung für die eigenen Produkte zu übernehmen.

»Drospirenonhaltige Pillen haben ein drei- bis fünffach erhöhtes Thromboserisiko als andere Pillen. Aber keinerlei Zusatznutzen«, sagt Felicitas Rohrer. »Warum sind solche Pillen auf dem Markt? In Deutschland haben sie bisher 28 Frauen das Leben gekostet und bei Tausenden schwere Erkrankungen hervorgerufen.« Bayer weigere sich, die unabhängigen Studien anzuerkennen und berufe sich nur auf die eigenfinanzierten Studien, wonach das Thromboserisiko nicht erhöht sei.

Um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen, sind die zehn jungen Frauen hier nach Köln gekommen. Auf ihren T-Shirts ist in knappen Lettern das Leiden junger Frauen zu lesen: 25 Jahre, klinisch tot; 24 Jahre, Lungenembolie; 19 Jahre, Thrombose.

Viele Aktionäre laufen kommentarlos an den Demonstrantinnen vorbei. Dennoch erregen sie Aufmerksamkeit. Für sie ist es schon ein Erfolg, dass sie überhaupt hier stehen dürfen. Bayer wollte die Proteste vor der Messehalle verbieten, unterlag aber vor dem Verwaltungsgericht Köln, das bestimmte, dass der Bereich vor der Halle öffentlich sei.

Die Demo ist aber nicht die einzige Form von Protest der Selbsthilfegruppe. In der Halle hält Felicitas Rohrer vor den Aktionären eine Rede und präsentiert all die Studien und Fakten, die Bayer nicht anerkennen will. Sie berichtet darüber, dass in fünf Ländern Klagen gegen Bayer laufen. Sie erzählt, dass Bayer in den USA 1,7 Milliarden US-Dollar Entschädigung gezahlt hat, dass Bayer auf Drängen der Gesundheitsbehörden inzwischen den Beipackzettel ändern und in Frankreich eine Pille mit ebenfalls erhöhtem Thromboserisiko vom Markt nehmen musste.

Felicitas Rohrer erzählt davon, dass der Pharmakonzern die Betroffenen selbst an den Pranger stellt. Wie beispielsweise in der Schweiz, wo die Familie einer jungen Frau, die mit 16 durch die Einnahme einer drospirenonhaltigen Pille eine Lungenembolie erlitt und seither schwerstbehindert ist, Bayer nun 120 000 Schweizer Franken Prozessentschädigung zahlen soll.

Presse ist in der Halle nicht erwünscht. Aber Felicitas Rohrer berichtet der Kehler Zeitung nach ihrer Rede: »Wider Erwarten hat mir der Vorstand wirklich zugehört. Bei anderen Redebeiträgen sind sie auch schon mal aufgestanden oder haben sich unterhalten. Bei meiner Rede haben sie sogar den Stuhl in meine Richtung gedreht. Ich hatte auch durch Äußerungen mancher Mitarbeiter das Gefühl, dass Bayer ganz genau weiß, wer ich bin. Leider war die Reaktion ansonsten vorhersehbar.

Die gleichen Standardsätze von wegen, dass die drospirenonhaltigen Pillen ein positives Risiko-Nutzen-Profil haben und dass sie bei indikationsgemäßer Anwendung sicher seien. Das ist schon frustrierend, da meine Mitstreiterinnen und ich detailliert alle vorhandenen Studien aufgelistet haben, die das Gegenteil beweisen.«

Erfreut ist sie über die positive Rückmeldungen vonseiten der Aktionäre: »Viele kamen nach der Rede auf uns zu und haben uns darin bekräftigt weiterzukämpfen. Viele von ihnen haben Töchter in meinem Alter und sind vom ablehnenden Verhalten Bayers schockiert.«

Die 29-Jährige wird also weiterkämpfen, ermutigt von den vielen Betroffenen, die vor Ort waren, und von den Reaktionen der Aktionäre. Und bis zur nächsten Aktionärsversammlung wird sie weiter juristisch gegen den Konzern vorgehen: »Ich hoffe, dass sich mein letzter Satz in der Rede bewahrheitet. Dass ich Bayer das nächste Mal vor Gericht begegnen werde!«
Klaus Körnich

[Hiltrud Breyer] CBG Beirat

CBG Redaktion

Presse Info vom 4. Juni 2014

nach Abschied aus dem EU-Parlament

Hiltrud Breyer neu im Beirat der Coordination gegen BAYER-Gefahren

Die langjährige Europa-Abgeordnete Hiltrud Breyer tritt dem wissenschaftlichen Beirat der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) bei. Der Beirat leistet fachliche und organisatorische Unterstützung für die Kampagnen der CBG.

Hiltrud Breyer: „Ich freue mich, dass ich meine Erfahrung aus dem Europaparlament nun in die kritische Auseinandersetzung mit dem Chemie-Multi BAYER einbringen kann. Besonders engagieren möchte ich mich in den Bereichen Pestizide, Gentechnik und gefährliche Chemikalien.“

Philipp Mimkes vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergänzt: „Hiltrud Breyer hat sich im Europaparlament stets als Vertreterin der Umweltbewegung verstanden. Besonders bei der EU-Chemikaliengesetzgebung, dem Verbot hochgefährlicher Pestizide und dem Kampf gegen gentechnisches Saatgut war ihr Einsatz von großer Bedeutung. Hiltruds Engagement und ihre Fachkenntnis sind eine große Bereicherung für unsere Arbeit!“.

Dem Beirat der CBG gehören momentan zehn Fachleute an, darunter der langjährige MdB Prof. Jürgen Rochlitz, die Bundestagsabgeordnete Eva Bulling-Schröter und Dr. Angela Spelsberg, ärztliche Leiterin des Tumorzentrums Aachen an.

Hiltrud Breyer war für die Grünen von 1989 bis 2009 und erneut 2013/2014 Mitglied des EU-Parlaments. Zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit gehörten die Chemikalienverordnung REACH, die Pestizidgesetzgebung, die Gentechnik sowie der Tierschutz. Wiederholt brachte sie auch Kampagnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren in das Europaparlament ein, unter anderem zum Bienensterben durch Pestizide aus der Substanzklasse der Neonicotinoide. Zu ihrem Abschied aus dem EU-Parlament veröffentlichte Breyer das Buch Giftfreies Europa, an dem zahlreiche Umweltverbände (darunter die CBG) mitwirkten.

Kontakt: http://www.hiltrudbreyer.eu