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Beitrag veröffentlicht im August 2025

Gegenantrag Aufsichtsratswahl

CBG Redaktion

Hiermit zeigen wir an, dass wir zum Punkt 4 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und dieAktionärInnen veranlassen wollen, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 4: Wahlen zum Aufsichtsrat 

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren spricht sich dagegen aus, das Aufsichtsratsmandat von Alberto Weisser zu verlängern. Sie schlägt stattdessen vor, mit Wirkung ab Beendigung der ordentlichen Hauptversammlung 2025 bis zur Beendigung der Hauptversammlung, die über seine Entlastung für das Geschäftsjahr 2028 beschließen wird, zu wählen:

Axel Köhler-Schnura, Düsseldorf (Diplom-Kaufmann und Ehrenvorstand der CBG)

Gegenantrag Online-Hauptversammlungen

CBG Redaktion

Hiermit zeigen wir an, dass wir zum Punkt 8 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und dieAktionärInnen veranlassen wollen, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 8: 

Erneute Berechtigung zu virtuellen Hauptversammlungen

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren spricht sich dagegen aus, den Vorstand weiter zur Abhaltung von virtuellen Hauptversammlungen zu berechtigen, weil dieses Format die AktionärInnen-Demokratie einschränkt.

Schon lange vor der Corona-Pandemie hat BAYER damit geliebäugelt, seine Hauptversammlungen künftig nur noch online abzuhalten. Das erspart es dem Unternehmen nämlich, sich direkt mit der Konzern-Kritik konfrontieren zu müssen. 

Die Auseinandersetzung mit Geschädigten von BAYER-Produkten und anderen RednerInnen möchte sich BAYER nämlich lieber ersparen. 

Auch von den AktionärInnen will er die Konzern-KritikerInnen lieber fernhalten, zeigten sich diese doch in der Vergangenheit nicht selten beeindruckt von den Beiträgen und suchten den Dialog. Manche haben der Coordination im Anschluss sogar ihre Stimmrechte übertragen. 

Diese Art der Kommunikation ist nun nicht mehr möglich. Auch können die AktivistInnen die AktionärInnen nicht mehr mit Flugblättern, Transparenten, kleinen Aktionen oder sonstigen Akten der politischen Kommunikation über ihre Anliegen informieren. 

Solange die Hauptversammlung lediglich online im virtuellen Raum stattfindet, ist sie kein Ort des wirklichen Austausches zwischen AktionärInnen und Management mehr. Darum lehnt die Coordination gegen BAYER-Gefahren es ab, den Vorstand weiter zur Abhaltung von Hauptversammlungen im Internet zu berechtigen. Sie fordert stattdessen eine Rückkehr zum Präsenz-Format.

Gegenantrag V-Fluence

CBG Redaktion

Hiermit zeige ich an, dass ich in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren zum Punkt 2 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die AktionärInnen veranlassen will, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

BAYERs Jagd nach dem größtmöglichen Profit geht Hand in Hand mit der Bekämpfung von Kritik an den eigenen fragwürdigen Geschäftspraktiken. Die Zusammenarbeit des Konzerns mit dem „Public-relations“-Unternehmen V-Fluence, das AktivistInnen bespitzelte und Listen mit Informationen über deren Privatleben erstellte, ist nur ein Ausdruck davon. Die Verantwortung für diese Kooperation liegt beim Vorstand, Darum ist ihm die Entlastung zu verweigern. 

Jay Byrne, seines Zeichens ehemaliger Kommunikationschef der jetzigen BAYER-Tochter Monsanto gründete das Unternehmen V-Fluence und das ihm angeschlossene Netzwerk-Portal „Bonus Eventus“ mit dem Ziel, eine Plattform für Big Agro zu schaffen, über die ein koordiniertes Vorgehen gegen KritikerInnen ermöglicht wird. 

Im Jahr 2018 erregte der Versuch Aufsehen, vermittels „Bonus Eventus“ eine Konferenz des „World Food Preservation Center“ in Kenia zu verhindern, weil auf der Veranstaltung auch Gentechnik- und PestizidgegnerInnen sprechen sollten. Jimmy Kiberu, für BAYER CROPSCIENCE in Kenia als PR-Manager tätig, schrieb in diesem Kontext über die OrganisatorInnen und ReferentInnen: „Obgleich wir vielleicht nicht ihre langfristigen Pläne und Strategien kennen, dürfen wir nicht ihre Fähigkeit unterschätzen, Unruhe zu stiften und Zweifel zu säen, was in diesen schwierigen Zeiten Auswirkungen auf einflussreiche Personen und die Politik haben könnte.“ Darum schlug er umgehend ein Treffen zur Planung von Gegenstrategien vor. Auch Regierungsstellen in den USA wollten Kiberu & Co. dabei einbinden.

Aber nicht nur bei solchen Aktionen erwies sich V-Fluence als nützlich für die Agro-Riesen. So organisierte die Firma etwa eine Zusammenkunft von BAYER-ManagerInnen und anderen VertreterInnen der Branche mit US-amerikanischen Handelsbeauftragten, „um die Pestizid-Handelspolitik für das Jahr 2018 zu erörtern“.

Der im Jahr 2018 von BAYER übernommene Monsanto-Konzern arbeitete ebenfalls mit V-Fluence zusammen. Der 2014 zwischen den beiden Partnern geschlossene Vertrag vermittelt einen plastischen Eindruck davon, wie Unternehmen versuchen, sich in der Öffentlichkeit ein positiveres Image zu geben. So heißt es wörtlich im Anhang I des Vertrags unter dem Titel „Work Plan“: „V-FLUENCE wird mit bestehenden akademischen und verwandten NGO-Netzwerken zusammenarbeiten, um ein hochrangiges, glaubwürdiges akademisches öffentliches Engagement in wissenschaftlichen Fragen zu fördern, um ein besseres Verständnis für die Landwirtschaft und genetisch veränderte (transgene) Nutzpflanzen zu erreichen.“

Auch Kommunikationstrainings standen auf dem Programm, um eine „effektive Zusammenarbeit mit der Presse, bei öffentlichen Veranstaltungen und über soziale Medienkanäle zu fördern“. So wollte die Agentur Monsanto schließlich „ermöglichen, sich in den entsprechenden öffentlichen Dialogen stärker zu engagieren, sichtbar zu werden und Einfluss zu nehmen“.

Monsanto nahm darüber hinaus noch die Dienste weiterer PR-Agenturen in Anspruch. Bereits 2019 wurden die sogenannten Monsanto-Papers geleakt, die sehr an die aktuellen Enthüllungen gemahnen. Die Firma Fleishman Hillard erstellte für die jetzige BAYER-Tochter ausführliche politische Lagebilder über bestimmte Länder. Allein das Dossier für Frankreich enthielt Namen von 200 JournalistInnen, PolitikerInnen, Verbands- und NGO-VertreterInnen sowie WissenschaftlerInnen mitsamt Kontakt-Daten und Hobbys. Minutiös verzeichnete Fleishman Hillard die Haltung der Betreffenden zu Themen wie „Landwirtschaft“, „Ernährung“, „Umwelt“, „Gentechnik“, „Gesundheit“ und „Pestizide“. Die Glaubwürdigkeit der Personen, ihren Einfluss und ihre Haltung zu Monsanto bewertete die Agentur dabei mit Noten von „0“ bis „5“. Diese detaillierten Profile dienten dann als Ansatzpunkte, um passgenau „Vertrauen zu Monsanto aufzubauen“. 

Der Leverkusener Multi entschuldigte sich damals nach der Aufdeckung des Skandals bei den Betroffenen und erklärte: „Dies ist nicht die Art, wie BAYER den Dialog mit unterschiedlichen Interessensgruppen und der Gesellschaft suchen würde.“ Offenbar aber doch, wie jetzt der V-Fluence-Skandal zeigt.

Der Vorstand trägt für dieses Verhalten die Verantwortung. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Gegenantrag Kapitalerhöhung

CBG Redaktion

Der BAYER-Konzern will sich „mit Blick auf mögliche zukünftige Vergleichsvereinbarungen mit Klägern in den USA oder andere Maßnahmen im Zusammenhang mit einer weitgehenden Eindämmung von Klage-Verfahren in den USA“ von der Hauptversammlung die Zustimmung zu einer Kapital-Erhöhung geben lassen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) lehnt das ab. Für sie besteht die einzige Möglichkeit, den Fall „Glyphosat“ zu beenden, darin, die Vermarktung des Mittels zu beenden, das die Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend beim Menschen“ einstuft. 

Insbesonders wendet sich die CBG gegen die „Möglichkeit zum Ausschluss des Bezugsrechts“, dient das doch bloß dazu, die neuen Aktien über die Köpfe der KleinaktionärInnen hinweg exklusiv den GroßinvestorInnen anbieten zu können. Ohne diese Option müssten Blackrock & Co. nämlich tatenlos zusehen, dass ihr Aktien-Anteil – und damit ihr Einfluss auf das Unternehmen – verwässert. 

Auch der avisierte Verwendungszweck der Mittel ist der CBG suspekt, denn bei den bisher in Sachen „Glyphosat“ unternommenen „Maßnahmen“ handelt es sich teilweise um äußerst fragwürdige Praktiken. So versucht der BAYER-Konzern in den USA ein Gesetz zu lancieren, das Glyphosat schon allein deshalb, weil es zugelassen ist, Straffreiheit gewährt. Dazu investiert der Global Player auf bundesstaatlicher und zentralstaatlicher Ebene Unmengen von Geld in PolitikerInnen. Noch dazu verteilt er dieses keinesfalls gleich. Für die „Lex BAYER“ rechnet er sich bei den Republikanern bessere Chancen aus. Nicht umsonst war Bill Anderson der einzige Vorstandsvorsitzende eines DAX-Unternehmens, der im Januar an Donald Trumps feierlicher Amtseinführung teilnahm. 

Gegenantrag Arzneitests

CBG Redaktion

Gegenantrag zu TOP 3: Entlastung der Mitglieder des Aufsichtsrats

Von den 1950er Jahren bis in die 1970er Jahre hinein hat der BAYER-Konzern Psychopharmaka und andere Medikamente an Heimkindern testen lassen, ohne dass Einverständnis-Erklärungen zu den Erprobungen vorlagen. An den Folgen leiden die Betroffenen teilweise immer noch. Bis heute zeigt das Unternehmen sich nicht zu einem Schuld-Eingeständnis bereit und verweigert sich Entschädigungslösungen. Der Aufsichtsrat lässt das zu. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.

„Da hat dich einer festgehalten, wenn er kräftig genug war, wurde die Nase zugehalten, Mund auf, und weg ist das Zeug“, so plastisch erinnert sich der heute 52-jährige Franz Wagle noch an das Prozedere bei den Arznei-Tests bzw. -Gaben in der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Landeskrankenhauses Schleswig-Hesterberg. Ab den 1950er Jahren erprobten BAYER und andere Pharma-Firmen dort lange Zeit ihre neuen Medikamente – bevorzugt Neuroleptika – und bestückten die Einrichtungen nach der erfolgten Zulassung postwendend mit mega-großen „Anstaltspackungen“. Pharmazeutika wie MEGAPHEN (Wirkstoff: Chlorpromazin) oder AOLEPT (Periciazin) kamen dort unter anderem zum Einsatz, aber auch Antidepressiva wie AGEDAL (Noxiptilin) oder Schlafmittel wie LUMINAL (Phenobarbital). Rund 1.000 Kindern applizierten die MedizinerInnen dort die Präparate. Darüber hinaus ließen die Konzerne die Mittel auch noch in anderen Einrichtungen testen.

Die Medikation hinterließ bei vielen Kindern tiefe Spuren und verbaute ihnen Lebenschancen. Die Bundesländer und die Kirchen haben als Träger der Einrichtungen dafür inzwischen die Verantwortung übernommen. Nicht aber BAYER und die anderen Pharma-Riesen. So weigerten sie sich, eine Stiftung mitzutragen, die die schleswig-holsteinische Landesregierung einrichten wollte. Damit platzte das Projekt, denn eine Stiftung macht nach Meinung des verantwortlichen Sozialministeriums nur Sinn, „wenn die neben dem Land weiteren Verantwortungsträger bereit wären, ebenfalls finanzielle Mittel einzubringen“. „Angesichts des aktuell nicht erkennbaren Interesses der übrigen Verantwortungsträger an einer finanziellen Beteiligung an weiteren Unterstützungs-leistungen“ will die Landesregierung sich jetzt auf „Möglichkeiten innerhalb des Landeshaushalts“ konzentrieren.

Zu der Veranstaltung „Anerkennen, Aufarbeiten, Zukunft gestalten“ Mitte März diesen Jahres im Plenarsaal des Landtags erhielten BAYER & Co. dann erst gar nicht erst mehr Einladungen, wie eine Anfrage der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergab. „Wir haben in der letzten Legislaturperiode das Gesprächsformat ‚Gespräch der Verantwortungsträger‘ ein- bzw. durchgeführt, bei dem wir unermüdlich versucht haben, die Pharmaverbände mit an den Tisch zu bekommen“, antwortete das Sozialministerium der CBG: „Wir haben hier ganz überwiegend die Resonanz bekommen, dass die Übernahme von Verantwortung durchgängig negiert wurde. Insofern wurden diejenigen Verantwortungsträger angefragt, mit denen wir in Gesprächen sind und die sich ihrer Verantwortung stellen.“ 

Weil der Aufsichtsrat nichts gegen diese Verweigerungshaltung unternimmt, fordere ich die AktionärInnen auf, gegen seine Entlastung zu stimmen.

Gegenantrag Arbeitsplatzvernichtung

CBG Redaktion

Gegenantrag zur Hauptversammlung des BAYER-Konzerns am 25. April 2025

Hiermit zeige ich an, dass ich in meiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren zum Punkt 3 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die AktionärInnen veranlassen will, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

BAYER gefällt sich in der Selbstdarstellung als gütiger Sozialpartner, doch zeigt sich einmal mehr, dass es in Krisenzeiten vor allem die Beschäftigten sind, die dran glauben müssen, während Vorstand und Aufsichtsräte Boni einstreichen. 

Das äußert sich das nicht nur in der niedrigen Tarifbindungsquote der BAYER-Gesellschaften, die sich im Jahr 2024 auf lediglich 53 Prozent belief, sondern auch in dem neuen Organisationsmodell „Dynamic Shared Ownership“ (DSO) - letztlich nichts als ein hübscher Name für Arbeitsplatzvernichtung. Das DSO will „Entscheidungsprozesse beschleunigen“, „Strukturen verschlanken“, „Bürokratie beseitigen“, doch beseitigt werden vor allem die Arbeitsplätze. Mittlerweile sind es 7.000 Beschäftigte, die BAYER für die Tür gesetzt hat. Und Arbeitsdirektorin Heike Prinz feiert das auch noch und verbucht das Ganze unter „Fortschritte bei der Transformation von BAYER". 

Entsprechend schlecht ist das Betriebsklima, wie der Journalist Jürgen Salz in der „Wirtschaftswoche“ darlegte. „In vertraulichen Gesprächen berichten fast alle Mitarbeiter von großer Unsicherheit“, hält er in seiner Reportage fest.

Zwar hat der Konzern letztes Jahr mit dem Betriebsrat noch die „Standortsicherungsvereinbarung“ verlängert, die betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2026 ausschließt, doch ab da seien diese „theoretisch möglich – aber weiterhin nur als letztes Mittel“, sagte Prinz der „Rheinischen Post“. Das „letzte Mittel“ glauben ihr wohl nur diejenigen, die ihr auch glauben, dass „viele Kolleginnen und Kollegen […] diese Veränderung auch als Chance begreifen. Denn wir bieten durchaus attraktive Abfindungen.“ Na dann. 

Damit nicht genug, findet die Managerin in dem Interview auch noch die Gelegenheit, sich gegen Erleichterungen für die Beschäftigen auszusprechen. „Der Staat sollte aus meiner Sicht die telefonische Krankmeldung wieder kippen, so Prinz. „Auch Ideen wie die Vier-Tage-Woche oder bezahlte Null-Bock-Tage führen angesichts der wirtschaftlichen Lage in die falsche Richtung“, meint sie. 

Die Personalvorständin plädiert also für ein strengeres Arbeitsregime. Dabei haben BAYERs angespannte wirtschaftliche Situation einzig und allein die Vorstände und Aufsichtsräte zu verantworten, nicht die Beschäftigten, die den Bankrottkurs des Managements ausbaden dürfen! 

Es waren nicht die Beschäftigten, die entschieden haben, Glyphosat weiter zu produzieren. Und es sind nicht die Beschäftigten, die keine gütliche und faire Einigung mit den Glyphosatgeschädigten wollen, deren Leid einzig und allein die Chefetage zu verantworten hat!

Kurzum: Es baden mal wieder die Belegschaftsangehörigen die Misere aus, in die die Chefetage den Konzern geritten hat. 

Es wäre die Aufgabe des Aufsichtsrats gewesen, den Vorstand zu kontrollieren und solche Arbeitsplatzvernichtungsprogramme zu verhindern. Das hat er jedoch nicht getan. Tausende von Beschäftigten, die täglich ihre Arbeit gut und ehrlich machen, werden im Zuge des „Dynamic Shared Ownership“-Programms gefeuert. Das ist ganz offensichtlich weder gerecht noch verantwortungsvoll, weswegen ich hiermit fordere, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. 

Gegenantrag PFAS

CBG Redaktion

Hiermit zeige ich an, dass ich zum Punkt 2 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die AktionärInnen veranlassen möchte, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen:

Gegenantrag zu TOP 2: Entlastung der Mitglieder des Vorstands

Der BAYER-Konzern gehört zu den zwölf größten Produzenten von PFAS-Stoffen. Diese zählen zu den gefährlichsten Substanzen überhaupt. Trotzdem hält das Unternehmen an ihnen fest und macht gegen Regulierungsbestrebungen mobil. Der Vorstand trägt für dieses Vorgehen die Verantwortung. Darum ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Bei BAYER kommen per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) in Pestiziden, Pharma-Verpackungen sowie als Zwischenprodukt in der Fertigung zur Anwendung. Sie erfreuen sich so großer Beliebtheit, weil sie chemisch extrem stabil sind und über viele nützliche Eigenschaften verfügen. Gerade das aber bereitet auch die Probleme. Der menschliche Organismus kriegt die Substanzen kaum klein, und auch in der Umwelt halten sie sich lange – „Ewigkeitschemikalien“ werden die PFAS deshalb genannt. Die US-amerikanische Umweltbehörde „Environmental Protection Agency“ (EPA) stuft die Erzeugnisse schon in geringsten Mengen als extrem gefährlich ein: „Die EPA hält jeden PFAS-Gehalt für potenziell toxikologisch signifikant.“

Zahlreiche Gesundheitsrisiken sind durch Studien belegt, z. B. Fettleibigkeit, Diabetes, Schäden an Embryonen, Entwicklungs-störungen bei Heranwachsenden, Schwächung des Immunsystems, Schäden an Schilddrüse, Leber und Niere, Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs an Brust, Nieren, Hoden und Fruchtbarkeitsstörungen. 

Wegen des nicht zu leugnenden Gefährdungspotenzials hat die Europäische Union inzwischen eine PFAS-Klasse, die PFOS, verboten sowie Restriktionen für sechs weitere Klassen beschlossen. Darüber hinaus plant sie weitere Einschränkungen.

Das ist eigentlich auch kein großes Problem, denn bei vielen Anwendungen können PFAS schon heute ersetzt werden. Der BAYER-Konzern aber sieht durch diese Situation nicht im Sinne von „Science for a better life“ oder im Sinne von echter Innovationskraft seinen Ehrgeiz geweckt, sich auf die Suche nach Alternativen zu machen. 

Stattdessen betreibt er Extrem-Lobbyismus. So beteiligte das Unternehmen sich an einem Brandbrief an Bundeskanzler Olaf Scholz mit der Forderung, bei der Regulierung „Einzelfall-Prüfungen“ auf der Basis eines „risiko-basierten Ansatzes“ vorzunehmen.

Einzelfallprüfungen sind jedoch nicht durchführbar bei mehr als 12.000 Substanzen. Und der „risiko-basierte Ansatz“ verkennt, dass sich lebende Organismen nicht an Grenzwerte halten. Sie können aufgrund extrem komplexer Stoffwechsel- und Immunprozesse auch an Dosen unterhalb der Grenzwerte Schaden nehmen. Im Unterschied dazu bewertet der bisher genutzte gefahren-orientierte Ansatz objektive Eigenschaften einer Substanz. Da diese nicht durch Grenzwerte einhegbar sind, führt dieser Ansatz eher zu Verboten und ist deshalb bei der Industrie entsprechend unbeliebt.

In Brüssel gehört BAYER der Lobby-Initiative „Fluoro-Products and PFAS for Europe“ (FFP4EU)an. Diese fordert „zeitlich unbegrenzte Ausnahmeregelungen für PFAS, die in der Industrie verwendet werden“, verbunden mit der Drohung der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. Es wird verlangt, dass bei der Erwägung von Verboten neben den wissenschaftlich erwiesenen Risiken für Mensch und Umwelt auch die sozioökonomischen Auswirkungen Berücksichtigung finden. 

Weniger Gesundheit für mehr Profite – diese Rechnung machen BAYER & Co. auf. Ohne Rücksicht auf Verluste wollen sie Gewinne machen. Das ist unethisch. Ein Vorstand, der diese Praxis mitträgt, handelt verantwortungslos. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Gegenantrag „Parkinson durch Pestizide“

CBG Redaktion

Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 25. April 2025

Hiermit zeigen wir an, dass wir zum Punkt 3 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und dieAktionärInnen veranlassen wollen, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet

Im letzten Jahr hat Deutschland „Parkinson durch Pestizide“ bei LandwirtInnen als Berufskrankheit anerkannt. Der BAYER-Konzern schließt Ackergifte als Auslöser dieses Nervenleidens jedoch weiterhin aus und lehnt es ab, sich an den immensen Behandlungskosten zu beteiligen. Der Aufsichtsrat stützt diese Haltung. Daher ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) hat aktuell 8.000 Parkinson-PatientInnen unter ihren Mitgliedern. Sie rechnet durch die Aufnahme von „Parkinson durch Pestizide“ in den Katalog der Berufs-krankheiten mit zusätzlichen Behandlungskosten von 270 Millionen Euro pro Jahr. 

Nicht zuletzt um das zu schultern, hat die Berufsgenossenschaft der LandwirtInnen ihre Beiträge um 17 Prozent erhöht. 

Die Gefährdeten selbst sollen also die Belastungen tragen statt die Gefährder. Dagegen erhebt sich allerdings Protest. „Parkinson als Berufskrankheit anzuerkennen, ist richtig. Die Kosten dafür aber auf alle Bäuerinnen und Bauern umzulegen, ist unfair (…) Hier muss das Verursacher-Prinzip gelten und [müssen] die Hersteller der Pflanzenschutzmittel oder die Zulassungsbehörden zur Kasse gebeten werden!“, fordert etwa die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft(AbL).

BAYER und die anderen im Industrieverband Agrar (IVA) organisierten Pestizid-Produzenten weigern sich aber, ihren Obolus zu leisten. Sie leugnen sogar den Tatbestand. „Die Entstehung von Parkinson ist komplex und in der Medizin nicht vollständig geklärt“, behauptet der IVA. Die vorliegenden Studien würden zwar „statistische Zusammenhänge abbilden (Korrelation), aber die Ursache nicht erklären (Kausalität)“, so der Lobby-Verband. Ansonsten schiebt er in altbekannter Manier alles auf eine möglicherweise nicht sachgerechte Anwendung der Mittel.

Dabei belegten erste wissenschaftliche Studien bereits in den 1980er Jahren den Zusammenhang zwischen Pestizid-Exposition und Parkinson. Und im Jahr 2023 forderten MedizinerInnen in der Fachzeitschrift „The Lancet Planetary Health“ ausdrücklich mit Verweis auf die Nebenwirkung „Parkinson“, den BAYER-Antrag auf eine Verlängerung der Glyphosat-Genehmigung abzulehnen. „Eindringlich appellieren wir an die Regierungen und Politiker der Europäischen Union, gegen die Verlängerung der Marktzulassung von Glyphosat um weitere zehn Jahre zu stimmen“, schrieben sie.

Dementsprechend begrüßt die „Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN)die Anerkennung als Berufskrankheit. „Für viele Pestizide ist ein direkter toxischer Effekt auf das Nervensystem nachgewiesen. So auch für Glyphosat, welches zu Veränderungen der Neurotransmitter(Überträgerstoff-)Konzentrationen im Nervensystem und zu einem zellschädigenden Milieu beiträgt. Parkinson-Erkrankungen werden sowohl nach akuter (…) wie auch nach chronischer (…) Glyphosat-Exposition beobachtet“, konstatiert die DGN. 

Und die ungeheuren finanziellen Belastungen, mit denen die Sozialversicherung der LandwirtInnen rechnet, zeigen einmal mehr, welche enorme Folgekosten BAYER und andere Hersteller von Ackergiften der Gesellschaft aufbürden.

Der Aufsichtsrat steht hinter dieser Praxis. Deshalb ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Gegenantrag Lieferketten

CBG Redaktion

Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 25. April 2025

Hiermit zeigen wir an, dass wir zum Punkt 2 der Tagesordnung den Vor­schlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und dieAktionärInnen veranlassen wollen, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen: 

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

BAYERs aktueller Lieferkettenbericht dokumentiert massenweise Verstöße gegen ethische Standards. Der Vorstand trägt die Verantwortung für das supply chain management. Daher ist ihm die Entlastung zu verweigern.

Der Report listet zahlreiche Verletzungen von Menschenrechten, Arbeitsrechten und Gesundheitsrechten auf. Dazu zählen Kinderarbeit, Behinderung gewerkschaftlicher Tätigkeit, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, mangelnder Arbeitschutz, Lohnraub und Diskriminierung am Arbeitsplatz. 61 Beschwerden über die Missachtung von Arbeitsschutz und über arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren betrafen dabei Zulieferer; 64 galten BAYERs eigenen Produktionsstätten. 

Besonders gravierend ist ein Fall von Kinderarbeit in der Saatgut-Lieferkette. Hier hat der Konzern offensichtlich nichts aus der Vergangenheit gelernt. Bereits im Jahr 2003 machte die Coordination gegen BAYER-Gefahren gemeinsam mit dem „Global March against Child Labour“ flächendeckende Kinderarbeit bei BAYERs indischen Zulieferern von hybridem Baumwoll-Saatgut öffentlich. Dessen Produktion ist nämlich sehr arbeitsintensiv. Bei jedem Keim muss der eigene Samen entfernt und der fremde aufgetragen werden. Und weil BAYER und die anderen Agro-Riesen den Farm-Betrieben dafür keine angemessenen Preise zahlten, griffen die Anbieter auf Kinder – vor allem Mädchen im Alter von 6 bis 14 Jahren – zurück.

Damit nicht genug, führt der Lieferkettenbericht längst nicht alle Verfehlungen auf, denn die vom deutschen Lieferketten-Gesetz vorgeschriebenen Berichtspflichten umfassen nur sehr wenige Umweltschädigungen. Nicht darunter fallen beispielsweise die skandalösen Zustände bei den ersten Gliedern von BAYERs Pharma-Lieferketten, die die CBG im Jahr 2017 aufdeckte. Im indischen Hyderabad etwa leiten viele Firmen, die Grund- oder Zwischenstoffe für Big Pharma herstellen, ihre Produktionsrückstände ungereinigt oder nur marginal aufbereitet in die Gewässer ein. Darum türmen sich auf manchen Flüssen weiße Schäume bis zu einer Höhe von neun Metern auf. Andere Arznei-Rückstände aus den Fabriken verfärben das Wasser gelb, rot oder braun. Und am Grund mancher Seen setzt sich tiefschwarzes, teeriges Sediment ab.

Als besonders gesundheitsgefährdend erweisen sich dabei die Antibiotika-Reste. Durch die hohen Dosen von Ciprofloxacin (Wirksubstanz von BAYERs CIPROBAY) und anderen Substanzen gewöhnen sich die Krankheitserreger nämlich an die Stoffe und bilden Resistenzen heraus. Und das alles bleibt nicht ohne Folgen: 2013 starben in Indien 58.000 Babys, weil sie mit solchen Keimen infiziert waren.

Eigentlich also bräuchte es auf nationaler und europäischer Ebene schärfere Lieferketten-Bestimmungen. BAYER aber setzt die Politik unter Druck, um unter dem Deckmantel des Bürokratie-Abbaus „Vereinfachungen“ bei den Berichtspflichten zu erreichen. Dazu haben VertreterInnen des Konzerns im Dezember 2024 sogar persönlich beim Kabinett-Chef von EU-Wirtschaftskommissar Valdis Dombrovskis vorgesprochen, wie aus dem Transparenz-Register der Europäischen Union hervorgeht.

All dies hat der Vorstand mitgetragen. Darum ist ihm die Entlastung zu verweigern. 

Rede Uwe Friedrich

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde,

mein Name ist Uwe Friedrich, ich bin langjähriges Mitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Ich spreche heute zum besonderen Gefährdungspotenzial von PFAS, BAYERs neuen Ewigkeitschemikalien.

Bis heute sorgen bekannte Chemikalien wie Asbest, DDT oder PCBs für Angst und Schrecken, obwohl BAYER & Co. sie längst nicht mehr in Umlauf bringen dürfen. Die Substanzen gehören nämlich zu den sogenannten Ewigkeitschemikalien, die extrem stabil sind und sich deshalb nur äußerst langsam abbauen. Doch jetzt drängen neue Gifte auf diese schwarze Liste: die PFAS, polyfluorierte Alkylverbindungen, die auch der Leverkusener Konzern im Angebot hat. BAYER gehört zu den zwölf größten Produzenten weltweit.

Bei den „PFAS“ handelt es sich um rund 12.000 verschiedene Erzeugnisse, bei denen die Wasserstoff-Atome ganz oder teilweise durch Fluor-Atome ersetzt wurden. Diese sogenannte Fluorierung dient zum einen dazu, die Effektivität zu steigern, z. B. bei Arzneien dafür zu sorgen, dass der Körper das Medikament gut aufnehmen kann. Zum anderen werden die Substanzen stabiler. Sie halten Hitze ebenso stand wie anderen aggressiven Chemikalien und sind praktisch unkaputtbar. Dies verschafft ihnen zahlreiche Einsatzmöglichkeiten, von Antibeschlagmitteln bis hin zu Zahnseide. In Outdoor-Kleidung halten sie den Regen ab, in Lederwaren und Teppichen dienen sie zur Imprägnierung. Auch in Antihaft-Beschichtungen von Bratpfannen und anderen Koch-Utensilien wirken diese Stoffe. Und in Pestiziden erfüllen sie die gegenteilige Funktion: Sie sorgen dafür, dass die Ackergifte einen besseren Halt auf den Pflanzen finden. 

Deshalb sind PFAS auch in zahlreichen BAYER-Pestiziden zu finden – unter anderem in Flufenacet, Bifenthrin, Diflufenican, Difluthrin, Flubendiamide und Isoxaflutole. Im Pharma-Sektor setzt BAYER PFAS-Verbindungen u. a. in Arzneiverpackungen ein. 

Doch gerade die genannten Eigenschaften wie Vielseitigkeit und Stabilität bereiten die meisten Probleme. Der menschliche Organismus kriegt die Substanzen kaum klein, und auch in der Umwelt halten sie sich lange. Die US-amerikanische Umweltbehörde (EPA) stuft die Stoffe nicht zuletzt deshalb schon in geringsten Mengen als extrem gefährlich ein: „Die EPA hält jeden PFAS-Gehalt für potenziell toxikologisch signifikant.“ 

Studien wie die vom Bonner „Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen“ bestätigten den Befund, dass PFAS Herz/Kreislauf-Erkrankungen befördern. Und ihre Nebenwirkungen gehen weit darüber hinaus. Sie haben das Potenzial, Krebs, Diabetes und Fruchtbarkeitsstörungen auszulösen. Sie können die Leber schädigen sowie die Schilddrüsen-Funktionen und das Immunsystem schwächen.

Wegen der breiten Palette ihrer Anwendungen finden sich PFAS fast überall in der Umwelt, Gewässer und Böden weisen zum Teil große Belastungen auf. Besonders hoch sind die PFAS-Konzentrationen im Rhein. Als Eintragsquelle Nr. 1 firmiert der Chem„park“ Leverkusen. Die ehemalige BAYER-Tochter LANXESS stellte dort bis zum Frühjahr 2024 PFAS-Chemikalien her, deren Produktionsrückstände die Kläranlage des Chem„park“-Betreibers CURRENTA nicht ausreichend aus dem Abwasser herausfiltern konnte. Der Großeinsatz der Feuerwehr bei der Explosion im Entsorgungszentrum Leverkusen-Bürrig am 27. Juli 2021, die sieben Menschenleben forderte, steigerte das Aufkommen der Substanzen im Rhein dann noch einmal deutlich. Rund zwei Kilogramm PFAS enthielt das Lösch- und Ereigniswasser nach Angaben des NRW-Umweltministeriums. Das alles macht Leverkusen zu einem der rund 300 PFAS-Hotspots in Deutschland. 

Dabei wusste die Industrie früh um die Gefahren. Während in medizinischen Fachblättern erst Ende der 1990er Jahre erste Artikel über die Gesundheitsgefährdung durch PFAS erschienen, waren die Chemie-Multis schon Jahrzehnte früher im Bilde. Ein DUPONT-Wissenschaftler bezeichnete PFAS bereits 1970 als „hochgiftig, wenn sie inhaliert werden“

Doch so langsam bildete sich Widerstand gegen diese tickende Zeitbombe und ihre Produzenten. In den USA stellte die Biden-Administration bereits im Oktober 2021 einen „Plan zur Bekämpfung der PFAS-Verschmutzung“ mit einem umfassenden Maßnahmen-Katalog vor. Ende 2022 verbot die US-Umweltbehörde EPA dann zwölf PFAS-Chemikalien in Pestiziden. Einige Bundesstaaten gehen inzwischen noch viel weiter. Und den US-Kommunen wurde ein 21-Milliarden-Dollar-Infrastruktur-Fonds zur Verfügung gestellt, um die Gifte aus den örtlichen Wasserleitungen fernzuhalten. 

Die Europäische Union hat Höchstgrenzen für PFAS-Rückstände in Lebensmitteln und Kosmetik-Artikeln vorgeschrieben und plant, Ewigkeitschemikalien in Verpackungen und Feuerlöschschaum zu untersagen. Die EU-Trinkwasser-Richtlinie von Ende 2020 enthält ebenfalls Bestimmungen zu PFAS. 2023 setzte sie die Ampel-Regierung in nationales Recht um. So gilt ab 2026 ein Grenzwert von 100 Nanogramm pro Liter für die summierten Konzentrationen von 20 PFAS und ab 2028 einer von 20 Nanogramm für vier besonders harte Fälle. Dies sind erste Anfänge einer Regulierung. Doch steht EU-weit derzeit eine große Lösung an, nämlich übergreifende PFAS-Restriktionen, die alle Stoff-Gruppen und Anwendungen umfassen. Nur Pestizide, Biozide und Arzneimittel sind ausgenommen. Doch die Unternehmen und ihre Lobby-Organisationen laufen Sturm dagegen. Der Bundesverband der deutschen Industrie“ (BDI), der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau und der Verband der Elektro- und Digitalindustrie empören sich gegen ein „Generalverbot“ von PFAS. BAYER & Co. drohen mit Abwanderung und sehen einmal mehr den „Wirtschaftsstandort Europa“ untergehen. Und schlau wie sie sind, betonen sie die Bedeutung von PFAS-Verbindungen für die Klimapolitik. Schließlich lassen sich diese auch in Windkraftanlagen, Brennstoffzellen-Membranen und Lithiumionen-Batterien einsetzen.

Im August 2024 schrieben rund 500 Unternehmen einen Brandbrief an Bundeskanzler Olaf Scholz. Sie verlangten von der Politik, statt ganze Stoffgruppen zu verbieten oder deren Gebrauch stark einzuschränken, Einzelfall-Prüfungen durchzuführen – auf der Basis ihres eigenen, subjektiv auslegbaren, sogenannten „risiko-basierten Ansatzes“. Und man beließ es nicht beim Briefeschreiben. Die Bundestagsabgeordneten wurden direkt bearbeitet: Das deutsche Lobby-Register weist entsprechende Bemühungen auch von BAYER aus. Der Leverkusener Konzern setzte sich dabei schwerpunktmäßig dafür ein, dass PFAS in der Arzneimittelproduktion weiterhin erlaubt bleiben. Dies sei notwendig, um die Arzneimittelproduktion in Europa und die Versorgung der Patientinnen und Patienten zu sichern.

Daneben steht BAYER weiterhin fest zu seinen PFAS-haltigen Pestizid-Wirkstoffen wie Flufenacet, obwohl bei dessen Zersetzung der PFAS-Stoff Trifluoressigsäure (TFA) als Metabolit entsteht. Dabei hatte der Konzern dieses Abbauprodukt bei der obligatorischen EU-Einstufung gemäß der Chemikalien-Verordnung REACH selbst als „vermutlich reproduktionstoxisch beim Menschen“ bezeichnet. Nicht umsonst hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit deshalb im Oktober 2024 die Zulassung von Flufenacet widerrufen. Und zwei Monate später schlug die EU-Kommission ein Verbot vor.

Im Großen aber beugt sich die Politik wieder mal vor den Konzernen und plädiert nur für Einschränkungen. Bundeskanzler Olaf Scholz nahm BAYER & Co. auf ihrer Verbandstagung alle Befürchtungen. „[...] bei PFAS setzen wir uns für eine praktikable und ausgewogene Regulierung für Sie ein. Darauf können Sie sich auch für die Zukunft verlassen.“ Auch der aktuelle Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD stellt klar: „Ein Totalverbot ganzer chemischer Stoffgruppen wie PFAS lehnen wir ab“. Und auf der EU-Ebene haben bereits Ende 2024 mehrere Staaten, auch Deutschland, ihre eigenen strengen Regulierungsvorschläge einer Revision unterzogen. Die offiziellen Eingaben von BAYER & Co. bewirkten also einen Meinungsumschwung. Vor allem das Arbeitsplatz-Argument hat offensichtlich wieder einmal verfangen. Die Folge ist nun, dass das ganze Jahr 2025 erst einmal für die Überarbeitung des Regulierungsvorschlags draufgehen wird.

Ohne Druck von außen wird sich daher kaum etwas bewegen. Und diesen Druck gibt es. Seit der Landwirt Wilbur Tennant erfolgreich gegen DUPONT vor Gericht zog, weil sein in der Nähe der Chemie-Fabrik weidendes Vieh verendete, häufen sich die juristischen Auseinandersetzungen. BASF z. B. sieht sich mit über 4.000 Klagen konfrontiert und musste bereits über 300 Millionen Euro für Vergleiche aufbringen. Auch gehen immer mehr Menschen gegen die PFAS-Belastungen auf die Straße und fordern einen Produktionsstopp, wie Ende Mai 2024 im französischen „Tal der Chemie“ nahe Lyon. In Belgien, den Niederlanden, den USA, Schweden, Dänemark und Italien kam es ebenfalls schon zu Protesten. Anfang Dezember 2024 appellierten zahlreiche WissenschaftlerInnen, Umweltgruppen und andere Initiativen in einem Offenen Brief an EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, nicht vor der Industrie-Lobby einzuknicken und den vorliegenden Regulierungsvorschlag zu verwässern, „damit eine deutliche und zeitnahe Reduzierung der PFAS-Emissionen erreicht werden kann.“ 

Auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gehört zu den Unterzeichnern dieses Schreibens, das der BUND und das Europäische Umweltbüro (EBB) initiiert haben. Anlässlich der heutigen BAYER-Hauptversammlung haben wir deshalb zum besonderen Gefährungspotenzial der PFAS einen Gegenantrag gestellt – im Rahmen des TOPs 2 „Entlastung des Vorstands“. 

Vielen Dank.

Rede Lars-Ulla Krajewski

CBG Redaktion

Wussten Sie, dass zahlreiche Pestizide die relativ häufige neurologische Erkrankung Parkinson-Syndrom auslösen können? In der Öffentlichkeit ist darüber wenig zu hören, aber in der Fachwelt weiß man spätestens seit Ende der 90er Jahre Bescheid.

Nun hat die Bundesregierung Parkinson nach Pestizid-Exposition für in der Landwirtschaft Tätige in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. Ist jetzt alles gut? – Leider nein, denn die Kosten für Behandlung, Verdienstausfall, Rente, Pflege etc. müssen die Betroffenen über die Beiträge zur Berufsgenossenschaft selber aufbringen, und viele geraten dadurch in existenzielle Not. Alleine die Kosten für die neue Berufskrankheit Parkinson erfordert die Erhöhung der Beiträge um 12 %, hinzukommen noch 8 % für weitere Kostensteigerungen. Die Landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft erwartet sogar selber, dass die Krankheitskosten in naher Zukunft noch weiter ansteigen werden.

Die Agro-Riesen merken das nicht, aber unsere Kleinbauern, die eh schon am Existenzminimum herumkratzen, obwohl sie sich bemühen, Natur und Umwelt zu schonen, weil sie den Hof häufig geerbt haben oder Landwirt*innen aus Leidenschaft sind, sie wissen häufig nicht, wie sie die erhöhten Beiträge aufbringen sollen.

Hinzukommt, dass Parkinson eine besonders tückische Krankheit ist, weil sie auch schon junge Menschen betreffen kann, und meist im mittleren Lebensalter auftritt. Anfangs können die neurologischen Ausfallerscheinungen und depressiven Symptome noch gut behandelt werden, aber mit fortschreitender Erkrankungsdauer werden die Symptome immer schwerer bis hin zur totalen Pflegebedürftigkeit. 

Betroffen sind jedoch nicht nur Arbeitende in der Landwirtschaft, sondern auch Anwohnende, wie eine Studie der University of California in Los Angeles erbracht hat: Wer im Umkreis von ca. 500 m. eines Feldes wohnt, auf dem Pestizide verbracht werden, hat ein um 50-100 % erhöhtes Risiko, an Parkinson zu erkranken. Diese Personen gehen jedoch leer aus, was die Leistungen der Berufsgenossenschaft angeht, und leer gehen auch die Saisonarbeiter*innen aus, weil sie nicht versichert sind.

Es ist interessant, was die Berufsverbände zu diesem Thema sagen: Der Deutsche Bauernverband sowie der Industrieverband Agrar bestreiten schlicht den ursächlichen Zusammenhang zwischen Pestizid-Expositionen und Parkinson: Die Entstehung der Erkrankung sei so komplex, dass man nichts Genaues sagen könne, und die Korrelation der Zahlen könne auch andere Ursachen haben. Häh?! Sie ignorieren hierbei zahlreiche Studien mit eindeutigem Ergebnis. Letztes Jahr z. B. haben zwei niederländische Mediziner*innen im „The Lancet Planetary Health“ eindringlich an die europäischen Regierungen und Politiker*innen appelliert, die Zulassung für Glyphosat nicht zu verlängern, weil dieses Pestizid besonders stark Parkinson begünstige: Es wirke nämlich nicht nur direkt neurotoxisch, sondern schädige das Gehirn auch über die Beeinträchtigung der Darmflora. Aber, wie wir alle wissen, war die Giftigkeit von Glyphosat nicht ausschlaggebend bei der Entscheidung.

Peter Clausing vom Pestizid Aktions-Netzwerk weist darauf hin, dass bei Genehmigungsverfahren der EU sogenannte „Datenlücken“ folgenlos bleiben, d. h., solange zum Thema Neurotoxizität nichts im Antrag steht, wird auch nicht danach gefragt. Das Thema Pestizidzulassungsverfahren ist übrigens ein weites Feld, das Herr Clausing intensiv bearbeitet hat.

Begrüßt wurde die neue Ehrlichkeit und die erweiterten Möglichkeiten der Sozialleistungen hingegen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, von der IG Bau, dem Bundesverband deutscher Milchviehhalter und von Neuland e. V. 

Allerdings mischen sich in die Freude hierüber auch Sorgen und Wut: Wie gesagt kann die Beitragserhöhung für die Berufsgenossenschaft existenzbedrohend sein, und es ist nicht einzusehen, dass die Verursacher dieser Krankheitslast sich überhaupt nicht an den Kosten beteiligen müssen! Denkbar wäre ein Entschädigungsfonds. Die AbL rätselt auch, warum der Deutsche Bauernverband so vehement gegen die Anerkennung der Berufskrankheit ist: Vielleicht will er die Chemie-Industrie schützen, vielleicht will er aber auch der gesellschaftlichen Kritik am Einsatz von Pestiziden nicht neue Nahrung verschaffen?

Die IG Bau, die für die abhängig Beschäftigten zuständig ist, meint: „Viel besser wäre es aber, auf Pestizide komplett zu verzichten.“ Bio-Bauern tun das ja schon heute, und der Welternährungsrat hat bereits darauf hingewiesen, dass wir die Weltbevölkerung locker mit biologisch erzeugten Lebensmitteln ernähren könnten, wenn wir nur weniger verschwenden und gerechter verteilen würden. Dann würden unsere Böden auch nicht mehr degradiert, sondern sogar wiederaufgewertet.

Für die Chemie-Industrie wäre das natürlich eine große Herausforderung, aber eine solche Transformation würde allen nützen. „Nur Mut!“, möchte ich Bayer und den anderen zurufen. Dänemark hat übrigens eine Pestizidsteuer eingeführt, was auch ein erster sinnvoller Schritt sein könnte. Eines ist jedoch klar:

 „Immer-Weiter-So“ wird die Probleme nur verschlimmern und kein einziges lösen.

Rede Brigitte Hincha-Weisel

CBG Redaktion

Liebe Freundinnen und Freunde!

Seit mehr als 40 Jahren ist die Coordination gegen BAYER-Gefahren nun schon auf BAYER-Hauptversammlungen aktiv. Immer haben sie und ihre Kooperationspartner die Aktionäre mit Flugblättern empfangen und anschließend im Saal konzern-kritische Reden gehalten. 

Aber mit Corona hat der BAYER-Konzern die ungünstige Gelegenheit ergriffen und die Hauptversammlung zu einer geschlossenen Online-Gesellschaft gemacht. So braucht er sich nicht mehr direkt mit der Konzern-Kritik zu konfrontieren und kann auch die Redner von seinen Aktionären fernhalten. Nicht selten in der Vergangenheit nämlich haben Redner, besonders wenn es sich Geschädigte von BAYER-Produkten handelte, die Aktionäre nicht unberührt gelassen. Manche von ihnen haben dann sogar der CBG ihre Stimmrechte überlassen und so für mehr Nein-Stimmen bei der Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat gesorgt.

Die CBG aber lässt sich mit ihrem Protest nicht so einfach in den virtuellen Raum abschieben. Sie will weiter Protest in Präsenz zeigen und hat deshalb zeitgleich zum Beginn von BAYERs Online-Hauptversammlung diese Kundgebung organisiert. 

Ein Schwerpunkt-Thema der CBG bei der diesjährigen HV sind BAYERs prekäre Lieferketten. Der Lieferketten-Bericht des Konzerns führt nämlich über 100 Verstöße gegen Menschenrechte, Sozial-, Gesundheits-, Arbeitsschutz- und Arbeitsrechte-Standards auf. 

Am gravierendsten ist Kinderarbeit, und das nicht zum ersten Mal. Bereits im Jahr 2003 machte die CBG flächendeckende Kinderarbeit in der indischen Saatgut-Lieferkette von BAYER öffentlich. Konkret handelte es sich um die Produktion von hybridem, also nicht fortpflanzungsfähigen Baumwoll-Saaten. Die  ist nämlich besonders arbeitsintensiv. Bei jedem Keim muss der eigene Samen entfernt und der fremde Samen aufgetragen werden. Um Kosten zu sparen, griffen die Farm-Betriebe deshalb bevorzugt auf Kinder, zumeist Mädchen im Alter von 6-14 Jahren, zurück.

Bei den anderen Verstößen handelte es sich um Behinderung gewerkschaftlicher Tätigkeit, gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen, Arbeitsschutz-Verletzungen, die Vorenthaltung eines gerechten Lohns und Diskriminierung am Arbeitsplatz.

Umweltschutz-Verstöße fehlen in der Aufstellung, das aber auch nur, weil das deutsche Lieferketten-Sorgfaltspflichten-Gesetz die Berichtspflicht hier auf unbedeutende Teilbereiche beschränkt hat. Die CBG und andere Organisationen haben deshalb Nachbesserungen gefordert, aber die Politik geht den umgekehrten Weg. Die EU hat eine sogenannte Vereinfachung der Lieferketten-Richtlinie angedroht, und die neue Bundesregierung greift noch strenger durch. Sie verkündet im Koalitionsvertrag: „Darüber hinaus schaffen wir das nationale Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetz ab (…) Die Berichtspflicht wird unmittelbar abgeschafft und entfällt komplett.“

Natürlich waren BAYER & Co. daran nicht ganz unschuldig. Sie haben alle ihre Lobby-Mittel gegen das angebliche „Bürokratie-Monster“ mobilisiert. Dazu wird der BAYER-Vorstand heute in der Hauptversammlung Rede und Antwort stehen müssen, wie auch zu den anderen Themen, über die wir gleich noch etwas hören werden wie PFAS, die neuen Gentechniken und die Pestizid-Nebenwirkung „Parkinson“ – wie auch noch zu zahlreichen weiteren. Unter anderem wird es Beiträge vom Umweltinstitut München, dem Pestizid Aktions-Netzwerk, dem Gen-ethischen Netzwerk, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, den Parents for Future Leverkusen, Foodwatch und dem Corporate Europe Observatory geben. Es wird also kein ganz einfacher Tag für BAYER werden!

Die Kundgebung

CBG Redaktion

Die Aktionärsversammlung des BAYER-Konzerns am 25. April fand wiederum virtuell statt. Dieses digitale Format, das im Windschatten der Corona-Pandemie eingeführt und einfach beibehalten wurde, stößt auf massive Ablehnung. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und der DACHVERBAND KRITISCHE AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE sehen in ihm einen bequemen Weg, sich nicht länger direkt mit Konzern-Kritik konfrontieren zu müssen. Die CBG aber hielt dagegen und organisierte Protest in Präsenz. Ab 9 Uhr morgens standen Aktivistinnen und Aktivisten vor der BAYER-Zentrale auf der Kaiser-Wilhelm-Allee in Leverkusen, während AnzugträgerInnen auffällig unauffällig Fotos von ihnen machten. Von derart billigen Einschüchterungsstrategien ließen die ProtestlerInnen sich jedoch nicht einschüchtern, sie kennen die Chose ja schon einige Jahre.

Die KonzernkritikerInnen nahmen den ganzen Vorplatz in Beschlag – Belagerungszustand. Die ARBEITSGEMEINSCHAFT BÄUERLICHE LANDWIRTSCHAFT (AbL) war mit zwei Treckern vorgefahren, deren Schaufeln sie zu Transparenthaltern umfunktioniert hatten. „Patente und Gentechnik stoppen“ und „Unser Saatgut ist in Gefahr – Neue Gentechnik und Patente stoppen“ war darauf zu lesen. Die beiden Banner der Coordination thematisierten die Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden und globalem Handel. „Parkinson für die Bauern – Profite für BAYER & Co. und „Welt in (Liefer-)ketten – BAYER muss haften!“ stand auf ihnen. Sogar Dreidimensionales bot die CBG auf: eine riesige Weltkugel im Würgegriff des Global Players.

All das und noch viel mehr fand sich auch in den Wortbeiträgen wieder, die Sibylle Arians und ihre Schwester Maria musikalisch umrahmten. Annemarie Volling von der AbL referierte über die Saatgutstrategie des Agro-Riesen und die Patentierungen, die Kleinbauern und -bäuerinnen in dessen Abhängigkeit treiben. „Vor allem die großen Konzerne wie BAYER oder CORTEVA sind die Treiber und melden immer mehr Patente auf Pflanzen und Tiere an“, erläuterte sie und malte ein beängstigendes Bild von der Macht des Agro-Business. „2018 hat BAYER MONSANTO für 60 Mrd. US-Dollar aufgekauft und ist damit zum größten Saatgutkonzern geworden. Die AbL war die einzige landwirtschaftliche Organisation, die bei dieser Mega-Fusion Widerspruch eingelegt hat.“, machte sie noch mal auf die relativ singuläre Position der AbL unter den landwirtschaftlichen Vertretungen aufmerksam. 

Brigitte Hincha-Weisel, Vorstandsmitglied der CBG, zeigte am Beispiel der Frage der Lieferketten, die ein thematischer Schwerpunkt der diesjährigen CBG-Aktivitäten zur HV waren, dass BAYER für die Steigerung der Profite die systematische Verletzung von Menschenrechten, Sozial-, Gesundheits-, und Arbeitsschutzstandards in Kauf zu nehmen bereit ist. Lars-Ulla Krajewski von der CBG sprach zu Parkinson als Berufskrankheit bei LandwirtInnen und Uwe Friedrichs zu PFAS-Pestiziden. Rolf Brombach nahm sich in einem Schnelldurchlauf BAYER im Ganzen vor und Bernward Geier sorgte für das nötige Kontrastprogramm: Er widmete sich der ökologischen Landwirtschaft als Alternative zum von BAYER & Co. forcierten agro-industriellen Modell.

Offener Brief an die Bayer-Aktionäre – 25. April 2025

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

Im Vorfeld der Bayer-Hauptversammlung schreiben wir, zivilgesellschaftliche Organisationen von beiden Seiten des Atlantiks und anderen Teilen der Welt, Ihnen wegen der anhaltenden Lobbying-Aktivitäten des Unternehmens, insbesondere in den USA, die auf Kosten der Rechte von US-Bürgern gehen. Unserer Ansicht nach werden diese Aktivitäten weder dem Bayer-eigenen Verhaltenskodex[1] noch den allgemeinen Grundsätzen der Unternehmensverantwortung gerecht, wie dem Internationalen Verhaltenskodex für Pestizid-Management[2] und den Grundprinzipien des UN Global Compact[3].

Im Jahr 2024 erklärte Bayer-CEO Bill Anderson, dass beim „Aufbau eines Unternehmens (...) ein gemeinsamer Sinn für Integrität und ein starker ethischer Kodex absolut unverzichtbar sind”, und rief „jeden im Team Bayer (...) dazu auf, sicherzustellen, dass wir integer handeln”. Herr Anderson erklärte auch:  „Politische Interessenvertretung oder Lobbying bedeutet, sich an demokratischen Prozessen zu beteiligen und die Politik mitzugestalten, indem man die Interessen einer Person oder einer Organisation gegenüber denjenigen Politikern und Institutionen vertritt, die politische und regulatorische Rahmenbedingungen schaffen, die sich auf den Tätigkeitsbereich oder das Geschäft jener auswirken”.

Seit mindestens zwei Jahren betreibt der in Europa ansässige multinationale Konzern Bayer in den USA jedoch eine intensive Lobbykampagne, die weit über das bloße „Vermitteln der Interessen einer Person oder Organisation gegenüber Politikern und Institutionen, die politische und rechtliche Rahmenbedingungen schaffen”, hinausgeht. In den letzten zehn Jahren haben 181.000 US-Bürger Klage gegen das Unternehmen eingereicht, weil sie sich nicht ausreichend über die Gefahren des Glyphosat-Herbizids „Roundup” informiert fühlten. Viele von ihnen haben Schadensersatz in Höhe von mehreren Millionen und sogar mehreren Milliarden Dollar erstritten, und Zehntausende haben von Bayer Vergleichszahlungen erhalten. Doch viele weitere Verfahren laufen noch.

Bayer reagiert nun mit Lobbyarbeit auf bundesstaatlicher und zentralstaatlicher Ebene, um Bürger daran zu hindern, die Hersteller giftiger Produkte zu verklagen, wenn sie gesundheitliche Schäden erleiden. Wie die Washington Postberichtet[4], enthält der Entwurf des US-Landwirtschaftsgesetzes einen Abschnitt, der „mit Hilfe von Bayer entworfen” wurde und der die bundesstaatlichen und lokalen Behörden daran hindern würde, ihre eigenen Standards für Sicherheitswarnungen bei Pestiziden festzulegen. Dies kann nicht als „ethisches und verantwortungsvolles” Verhalten angesehen werden. Entsprechende Gesetze sind in mindestens acht US-Bundesstaaten eingebracht worden[5] und werden in mehr als zwanzig Staaten vorbereitet. Nach eigenen Angaben gab Bayer im Jahr 2023 18 Millionen US-Dollar für Lobbyarbeit in den USA aus. 

Aus Gerichtsdokumenten geht hervor[6] , dass Bayer und Monsanto die wissenschaftlichen Erkenntnisse[7],[8] zu Glyphosat und glyphosatbasierten Herbiziden wie Roundup lange und aggressiv bekämpft haben. In einem offenen Brief vom April letzten Jahres bezeichnete Bayer wissenschaftliche Studien, die in den Roundup-Prozessen vorgelegt wurden, als „Junk Science“. Dazu gehören auch Studien von Wissenschaftlern, die unabhängig von den Pestizidunternehmen arbeiten und die von der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) überprüft wurden und dazu führten, dass diese Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen einstufte.

Erst im Dezember 2023 legte eine Studie des US National Institute of Health neue Beweise dafür vor, dass die Exposition gegenüber Glyphosat mit oxidativem Stress beim Menschen verbunden ist, der bekanntermaßen zu vielen Krankheiten, einschließlich Krebs, führt[9]. Daraufhin reichte in den USA ein Bündnis aus Landarbeitern, Vertretern der öffentlichen Gesundheit und Umweltschützern eine  Petition bei der US-Umweltschutzbehörde (EPA) ein und forderte die sofortige Aussetzung der Zulassung von Glyphosat[10].

Tatsächlich versprach der Bayer-Konzern 2023, Glyphosat in den USA aus den für Privat-Anwender bestimmten Roundup-Produkten zu entfernen – nur um dann alles noch schlimmer zu machen, indem er vier Chemikalien hinzufügte, von denen zwei in der EU verboten sind, darunter Diquatdibromid. Wie FOE US berichtet, macht dies das neue Roundup im Durchschnitt nach langfristiger Exposition 45-mal giftiger für die menschliche Gesundheit als die alte Version.

Auf der ganzen Welt versucht Bayer mit seinen tiefen Taschen, Gesetze und Verordnungen zu untergraben, die die Bevölkerung und die Umwelt schützen und somit dem Allgemeinwohl dienen sollen, und setzt dabei eine breite Palette von Lobbytaktiken ein[11]. In Europa zum Beispiel hat Bayer – zusammen mit seiner Lobbygruppe Croplife EU – hart dafür gekämpft, eine Verordnung zur Reduzierung von Pestiziden zu Fall zu bringen, die ein wesentlicher Bestandteil des EU Green Deal ist.

Dies steht auch in krassem Gegensatz zu dem, was EU-Politiker in ihrem Bericht über die Monsanto-Papiere[12]dargelegt haben. Die Autoren – Mitglieder des Europäischen Parlaments – erklärten, dass wir stärkere Maßnahmen zum Risikomanagement benötigen: „Das Zulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel sollte weiterhin wissenschaftlich fundiert sein und auf unabhängigen, transparenten und effizienten Verfahren beruhen“ und „die für die Bewertung verwendeten Studien sollten unabhängiger sein und auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, um Interessenkonflikte zu vermeiden”.

Die Lobbykampagne von Bayer in den USA hat nun in mehreren US-Bundesstaaten Kämpfe zwischen Bauernverbänden entfacht. Aaron Lehman, ein Mais- und Sojabohnenfarmer aus Iowa und Präsident der Iowa Farmers Union, sagte in The New Lede und The Guardian: „Wir sind sehr besorgt. Unsere Landwirte sind der Meinung, dass sie bei Verletzungen oder Krankheiten, die auf den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen sind, Zugang zu den Gerichten haben sollten. Wir sind einfach der Meinung, dass dieser Zugang niemandem versperrt werden sollte”.

Der Bayer-Konzern behauptet, die Gesetzesänderungen seien einfach notwendig, um seine „wichtigen Investitionen” zu schützen und um sicherzustellen, dass die Landwirte nicht den Zugang zu Roundup verlieren. Dies steht in krassem Widerspruch zu dem von Bayer selbst für sich reklamierten Wert der „Integrität” und international anerkannten Standards.

Das Ziel der Lobbykampagne von Bayer ist einfach: Gewinnmaximierung und die Aufrechterhaltung einer nahezu monopolistischen Kontrolle über die kommerziellen Saatgut- und Pestizidmärkte[13]. Wie der US-Wissenschaftler Phil Howard schrieb, schaden die kommerziellen Strategien von Bayer auch den Landwirten in den USA: „Die Konzentration auf dem Agrar-Markt verringert die Autonomie der Landwirte und verteilt Kosten und Nutzen über die gesamte Lebensmittelkette, was die Einkommen der Landwirte drückt”[14].

Kurz gesagt: Bayers Fehlkalkulation beim Kauf von Monsanto für 53 Milliarden Euro im Jahr 2018 geht auf Kosten von Verbrauchern, Landwirten und der Demokratie, wobei kommerzielle Interessen offenkundig über die Belange der öffentlichen Gesundheit und der Umwelt gestellt werden.  

In Anbetracht dessen fordern wir, die unterzeichnenden Organisationen aus den USA, der EU und anderen Teilen der Welt Sie auf, folgende Forderungen an den Bayer-Vorstand zu stellen:

  • Stellen Sie die Bemühungen um ein Immunitätsgesetz für Glyphosat in den USA ein
  • Unterlassen Sie weitere Lobbyarbeit, die dem öffentlichen Interesse schadet
  • Hören Sie auf, die wissenschaftliche Integrität zu untergraben, indem Sie die unabhängige Wissenschaft angreifen, und respektieren Sie stattdessen das Vorsorgeprinzip.

[1]    Wie internationale Untersuchungen zeigen, erwirtschaften die größten Agrarchemieunternehmen der Welt (BASF, Bayer Crop Science, Corteva Agriscience, FMC und Syngenta/Synochem) mehr als ein Drittel ihres Umsatzes mit hochgefährlichen Pestiziden - den Pestiziden, die für die menschliche Gesundheit und die Umwelt am schädlichsten sind. Siehe: https://www.publiceye.ch/en/media-corner/press-releases/detail/pesticide-giants-make-billions-from-bee-harming-and-carcinogenic-chemicals

[2]    Die letzte Fassung des Internationalen Verhaltenskodexes mit Schwerpunkt auf der öffentlichen Gesundheit „konzentriert sich auf Risikominderung, indem sie die Länder auffordert, hochgefährliche Pestizide zu identifizieren und falls nötig aus dem Verkehr zu ziehen“, und fordert die Industrie und die Regierungen auf, „alle erforderlichen Vorkehrungen zum Schutz von Arbeitnehmern, Unbeteiligten, nahe gelegenen Gemeinden und der Umwelt zu treffen“; siehe: https://openknowledge.fao.org/server/api/core/bitstreams/a9191456-07cb-4a79-9dce-50472e31b694/content

[3]    https://unglobalcompact.org/what-is-gc/mission/principles/principle-7 und https://unglobalcompact.org/what-is-gc/mission/principles/principle-9

[4]    Washington Post, 20 Juni 2024. ‘Bayer lobbies Congress to help fight lawsuits tying Roundup to cancer’: https://www.washingtonpost.com/business/2024/06/20/bayer-roundup-farm-bill-lobbying/

[5]    The Guardian, 10 Februar 2025. ‘Farmers ‘very worried’ as US pesticide firms push sto bar cancer diagnoses lawsuits’: https://www.theguardian.com/environment/2025/feb/10/pesticide-lawsuits-cancer-gag-act

[6]    https://www.wisnerbaum.com/toxic-tort-law/monsanto-roundup-lawsuit/monsanto-papers/

[7]    https://www.wisnerbaum.com/documents/monsanto-documents-chart-101217.pdf

[8]    Dazu gehören die Manipulation der Wissenschaft, einschließlich Ghostwriting, die Finanzierung von Desinformationskampagnen, die Beeinflussung von Regulierungsbehörden und die Organisation einer Hetzkampagne gegen das IARC. Siehe: https://stopglyphosate.eu/policy-and-scientific-integrity/

[9]    Glyphosate Use and Mosaic Loss of Chromosome Y among Male Farmers in the Agricultural Health Study : https://ehp.niehs.nih.gov/doi/10.1289/EHP12834 and: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36629488/

[10]  https://www.centerforfoodsafety.org/files/12-13-23_glycancelpet_final_85692.pdf

[11]  Bayer und Monsanto haben die Handelspolitik genutzt, um Drittländer zur Änderung ihrer Gesetze zu zwingen, während sie gleichzeitig die politischen Entscheidungsträger mit Investitionsversprechen hinhielten und ablenkten. Diese Taktik wurde in der ganzen Welt angewandt: in der EU und den USA, aber auch in Thailand, Mexiko und in afrikanischen Ländern. Siehe: https://www.corporateeurope.org/en/2024/09/bayers-toxic-trails

[12]  https://www.europarl.europa.eu/news/en/press-room/20181206IPR21260/pesticides-meps-propose-blueprint-to-improve-eu-approval-procedure

[13]  Nur vier multinationale Konzerne - Bayer, BASF, Corteva und Syngenta - kontrollieren über 65 % des weltweiten Handels mit Pestiziden und mindestens die Hälfte des weltweiten Saatguthandels, was einen Markt von mehreren Milliarden Euro darstellt. Siehe: https://philhoward.net/2020/11/19/concentration-and-its-impacts/

[14]  https://philhoward.net/2020/11/19/concentration-and-its-impacts/

Keine Straffreiheit für Glyphosat!

CBG Redaktion

Über 100 Organisationen schreiben offenen Brief an BAYER-AktionärInnen

Presse-Information vom 24.04.25

Welt die BAYER-AktionärInnen auf, den Vorstand zu drängen, in den USA die millionen-schwere Kampagne für Gesetze einzustellen, die Glyphosat und anderen Pestiziden Straffreiheit gewähren. „Unserer Ansicht nach werden diese Aktivitäten weder dem BAYER-eigenen Verhaltenskodex noch den allgemeinen Grundsätzen der Unternehmensverantwortung gerecht wie dem Internationalen Verhaltenskodex für Pestizid-Management und den Grundprinzipien des UN Global Compact“, heißt es in dem offenen Brief, den das Corporate Europe Observatory (CEO) initiiert hat. 

Der BAYER-Konzern schreibt seine Niederlagen vor US-Gerichten in Sachen „Glyphosat“ „fehlgeleitete(n) staatliche(n) Regulierungsbemühungen“ zu. Mit Verweis auf diese Bestimmungen erfolgten in den Schadensersatz-Prozessen nämlich immer wieder Verurteilungen wegen versäumter Warnungen vor den Risiken und Nebenwirkungen des Mittels. BAYERs VerteidigerInnen führten zur Entlastung regelmäßig die US-amerikanische Umweltbehörde EPA an, die das Pestizid nicht als krebserregend einstuft; sie konnten sich damit allerdings nicht durchsetzen. Wegen solcher Entscheidungen lanciert der Agro-Riese nun auf bundesstaatlicher und zentralstaatlicher Ebene Paragrafen-Werke, die die EPA-Bewertung als bindend für alle Gerichte der Vereinigten Staaten erklären und Glyphosat so Immunität einräumen.

Zu diesen Bestrebungen zitieren die VerfasserInnen des offenen Briefs Aaron Lehman, den Präsidenten der Iowa Farmers Union: „Wir sind sehr besorgt. Unsere Landwirte sind der Meinung, dass sie bei Verletzungen oder Krankheiten, die auf den Einsatz von Pestiziden zurückzuführen sind, Zugang zu den Gerichten haben sollten. Wir sind einfach der Meinung, dass dieser Zugang niemandem versperrt werden sollte.”

Hans van Scharen, Researcher beim Corporate Europe Observatory, kritisiert den Leverkusener Multi scharf: „So wie Präsident Trump Straffreiheit für die Verbrechen eingeräumt wurde, in die er verwickelt war, will nun auch Bayer Straffreiheit. Anstatt seiner unternehmerischen Verantwortung nachzukommen, die unabhängige Wissenschaft zu Glyphosat etwas ernster zu nehmen, die gesetzlichen Schutzbestimmungen im US-Recht zu respektieren und eine vorsichtige Distanz zum autoritären Regime in Washington zu wahren, das die US-Demokratie rapide abbaut, knüpft BAYER enge Beziehungen zu Trump.“

Van Scharen wird den Agro-Riesen dazu auch auf der Online-Hauptversammlung zur Rede stellen. Zudem setzen die kritischen AktionärInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) Themen wie Parkinson durch Pestizide, PFAS-Pestizide, doppelte Pestizid-Standards, BAYERs prekäre Lieferketten, das Gefährdungspotenzial der neuen Gentechniken und die Risiken und Nebenwirkungen von BAYER-Arzneien auf die Tagesordnung. Dazu werden VertreterInnen des Pestizid Aktions-Netzwerks, des Gen-ethischen Netzwerks, der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und weiterer Initiativen Reden halten. 

Darüber hinaus findet parallel zur Online-Hauptversammlung vor der BAYER-Zentrale in Leverkusen eine Kundgebung statt. „Der Multi flüchtet ins Internet, weil er sich nicht direkt mit Konzern-Kritik konfrontieren lassen will. Von uns aber wird es trotzdem oder gerade deshalb Protest in Präsenz geben“, so Brigitte Hincha-Weisel vom Vorstand der CBG. Unter anderem wird die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft am Freitag mit Treckern bei BAYER vorfahren.

CBG reicht zur Hauptversammlung Gegenanträge ein

CBG Redaktion

Die andere BAYER-Bilanz

Presse-Information vom 16.04.25

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat zur BAYER-Hauptversammlung am 25. April zahlreiche Gegenanträge eingereicht. „Mit unseren Gegenanträgen legen wir die etwas andere BAYER-Bilanz vor. Sie zeigt, welch katastrophale Folgen für Mensch, Tier und Umwelt die gnadenlose Profit-Jagd des Konzerns hat“, erklärt Brigitte Hincha-Weisel vom CBG-Vorstand. 

So setzt die Coordination die prekären Lieferketten des Leverkusener Multis auf die Tagesordnung der Hauptversammlung. Auch die Pestizid-Nebenwirkung „Parkinson“ und das besondere Gefährdungspotenzial von PFAS-haltigen Ackergiften macht sie zum Thema. Zudem wendet sich die CBG gegen das Vorhaben des Global Players, eine Kapital-Erhöhung vorzunehmen, um sich ein Polster für die Glyphosat-Entschädigungsverfahren und „andere Maßnahmen im Zusammenhang mit einer weitgehenden Eindämmung von Klage-Verfahren in den USA“ zu verschaffen. Ihrer Ansicht nach besteht die einzige Möglichkeit, die Rechtsstreitigkeiten in Sachen „Glyphosat“ zu beenden, darin,die Vermarktung des Herbizids zu beenden. Wäre dieser Schritt schon frühzeitig erfolgt, hätte das den Beschäftigten auch das Rationalisierungsprogramm „Dynamic Shared Ownership“ erspart, das bis dato bereits 7.000 Arbeitsplätze gekostet hat.

Die Zusammenarbeit BAYERs mit der PR-Agentur V-Fluence und deren Netzwerk-Portal „Bonus Eventus“ stößt ebenfalls auf Kritik, denn das US-Unternehmen pflegt die politische Landschaft mit äußerst zweifelhaften Methoden im Sinne der Agro-Riesen. Darüber hinaus schrieb die CBG einen Gegenantrag zur Weigerung des Leverkusener Multis, Verantwortung für die bis in die 1970er Jahre hinein an Heimkindern durchgeführten Arznei-Tests zu übernehmen. Damit nicht genug, fordert sie die AktionärInnen auf, dem Vorstand kein neues Mandat zur Abhaltung von virtuellen Hauptversammlungen zu erteilen: „Solange die Hauptversammlung lediglich online im virtuellen Raum stattfindet, ist sie kein Ort des wirklichen Austausches zwischen AktionärInnen und Management mehr.“

Darum gibt es von der Coordination neben virtuellem Protest in Form von Online-Reden auch weiterhin physischen Protest. Sie hält zeitgleich mit Hauptversammlung eine Kundgebung vor BAYERs Konzern-Zentrale in Leverkusen ab. Dort wie bei der HV selbst kommen neben den Themen der Gegenanträge noch viele weitere zur Sprache. Unter anderem beteiligen sich an der Konzern-Kritik das Pestizid Aktions-Netzwerk, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, das Gen-ethische Netzwerk, das Umweltinstitut München, der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzen-Vielfalt und das Corporate Europe Observatory. 

Das Corporate Europe Observatory wird im Vorfeld der Hauptversammlung überdies einen an die BAYER-AktionärInnen gerichteten – und von zahlreichen US-amerikanischen und europäischen Organisationen unterzeichneten – offenen Brief veröffentlichen. Dieser prangert die Bestrebungen des Konzerns an, in den Vereinigten Staaten mit immensem Lobby-Einsatz Gesetze zu lancieren, die Glyphosat Straffreiheit verschaffen sollen. 

Harun Warui (Heinrich-Böll-Stiftung Kenia)

CBG Redaktion

The Chair, Members of the Management Board, Supervisory Board, fellow shareholders, and attendees, good afternoon

My name is Dr. Harun Warui, and I speak today as the Lead Coordinator for Agroecology and Food Rights at the Heinrich Böll Foundation, Nairobi Office. I am here as an authorised representative to address the topic:
“Highly Hazardous Pesticides in Africa – A Crisis of Responsibility.”  

Although this topical issue has been raised in the previous session here, I wish to bring to your attention that

As of December 31, 2024, Kenya has taken a landmark decision-withdrawing eight pesticide active ingredients officially classified as Highly Hazardous Pesticides (HHPs). This decision was driven by a parliamentary initiative and informed by scientific reviews conducted by Kenya’s Ministries of Agriculture and Health, alongside civil society engagement. It is a public health and environmental protection measure grounded in both evidence and experience-particularly the experiences of small-scale farmers, who make up the majority of Africa’s agricultural producers and who are disproportionately impacted by harmful agrochemicals.

Kenya’s move is not an isolated case - it is a forerunner of regional and global change. Across Africa, a rise of regulatory momentum is forming. Civil society, scientists, and government bodies are aligning to demand agricultural systems that nourish people, preserve ecosystems, and do no harm.

In this context, I ask:
What is Bayer’s vision for agriculture in the Global South, now that a shift away from HHPs is is at the horizon?

Among the active ingredients now banned in Kenya is Thiacloprid, sold by Bayer. It was withdrawn based on documented risks- that is reproductive toxicity, probable carcinogenicity, and severe ecological harm - particularly to bees, which are major pollinators in our food systems.

This brings me to a deeper question:

What does Bayer’s concept of “responsible innovation” truly represent, when it has profited from compounds like Thiacloprid - with global sales reaching approximately 3 billion Euros by 2014-and continues to market Imidacloprid and Glyphosate in Kenya, both of which are facing increasing restrictions and bans around the world due to their human health and environmental impacts?

Is this not the time for Bayer to lead in a different direction - toward products and systems that reflect the evolving global consensus on sustainability, equity and public safety?

  • Is Bayer actively investing in agroecological innovation, farmer-led solutions, and non-toxic alternatives that prioritize human and environmental health?

Bayer invokes the ideal of food security under the motto of Food for all - Hunger for none. But how secure is food when the people who grow it are exposed to chemicals that impact negatively on their health, contaminate their soils and environment, and compromise their future?

And finally:
What does “Science for a better life” mean if it only applies selectively— depending on geography, regulatory environment or the level of public scrutiny?

In closing, I urge shareholders to seriously consider the concerns raised here today when deciding whether to approve the actions of the Board of Management and Supervisory Board.
I respectfully call on you to instead support the counter-motions put forward by the Coordination Against Bayer Dangers.

Thank you for your attention.

Judith Düesberg (Gen-ethisches Netzwerk)

CBG Redaktion

Zukunftstaugliche Landwirtschaft statt Konzerninteressen

Ich bin Judith Düesberg und der von der Organisation Gen-ethisches Netzwerk, ich rede als Bevollmächtigte und möchte zum Thema „Biotechnologien in der Landwirtschaft“ sprechen.

Wir haben in Ihren Ausführungen und im Geschäftsbericht gesehen, wie Bayer weiterhin unter der Übernahme von Monsanto schwankt. Seit der Einführung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der Landwirtschaft warnt eine kritische Öffentlichkeit – unter ihnen das das Gen-ethische Netzwerk –vor den Auswirkungen dieser Pflanzen. Unsere besondere Aufmerksamkeit liegt dabei auf dem Paket von gentechnisch verändertem Saatgut und den dazugehörigen Pestiziden. Im Fall Bayer ist dies das „RoundupReady“-Paket mit Glyphosat. Jahrzehnte nach der Einführung dieses Paketes in den USA und anderswo häufen sich die wissenschaftlichen Untersuchungen, die nun langjährige Daten haben und zu dem Schluss kommen, dass durch die Einführung die Menge an Pestiziden, an Kosten für die Bäuerinnen und Bauern und am CO2-Ausstoß in der Landwirtschaft gestiegen ist. Das Ziel von Bayer, Landwirtschaft nachhaltiger und zukunftsfähiger zu machen, ist auf lange Sicht nicht aufgegangen. Die aktuelle Situation mit den Klagen in Bezug zu Glyphosat zeigt, dass dieses Geschäfts nicht aufgegangen ist. Wir wollen Bayer hier auffordern, sich ihrer Verantwortung für die Folgen des Einsatzes von Glyphosat zu stellen und sich einer wirklich zukunftsfähigen Landwirtschaft zuzuwenden. 

Statt einer Abweichung von diesem Weg sehen wir allerdings, dass Bayer weiter auf Pestizide und Gentechnik setzt. So lobbyierte Bayer in der EU für eine Deregulierung der neuen Gentechniken wie CRISPR-Cas und setzt auch auf Gentechnik bei Mikroben, sogenannte Biologika.

Im Geschäftsbericht schreiben Sie, dass sie ihre Aktivitäten im Bereich von Biologika optimieren.

Hier möchte ich den Vorstand frage:

  • In welchem finanziellen Umfang hat der Bayer-Konzern im letzten Jahr an gentechnisch veränderten Mikroorganismen für die Landwirtschaft geforscht?
  • Welche Produkte sind hier in der Pipeline?

Außerdem erwähnen Sie die Anwendung von KI in den Biotechnologie.

Hier möchte ich den Vorstand fragen:

  • Setzen Sie KI in der Forschung an gentechnisch veränderten Organismen ein? Und wenn ja, wie gehen sie mit bekannten Problemen der KI wie Black-Box-Effekte und Datenverzehrung um?

Wie im Geschäftsbericht beschrieben hat Bayer ein neues Produkt. Die Technologie VT4PRO™ wird in einem gentechnisch veränderten Mais angewandt und in Kanada vermarktet. Ein Wirkmechanismus der Technologie ist die RNA-Interferenz. Durch sie kann die Genexpression gehemmt werden, wodurch bestimmte Proteine nicht mehr gebildet werden.  Der Einbau in Pflanzen ist nicht neu, aber Bayer ist auch an der Forschung von Pestiziden beteiligt, die auf dem Mechanismus der RNA- Interferenz beruhen. In den USA wurde 2024 ein erstes Produkt von einem anderen Unternehmen auf den Markt gebracht. In der Biotech-Industrie werden diese Mittel als Alternative zu chemischen Pestiziden gesehen, weil sie spezifisch auf Organismen wirken sollen. In neueren wissenschaftlichen Artikeln zum Thema werden jedoch vermehrt Zweifel laut, ob diese Spezifität tatsächlich zutrifft und über verschiedene Taxa hinaus ungewünschte Nebenwirkungen zu erwarten sind. Wir möchten deswegen hier betonen, wie absolut notwendig eine genaue und unabhängige Risikoprüfung von biotechnologischen Anwendungen für den Einsatz im freien Feld sind.

Ich möchte den Vorstand daher fragen, was die aktuellen Aktivitäten zum Thema RNAi-Pestizide von Bayer sind. 

  • In welchem finanziellen Umfang hat der Bayer-Konzern im letzten Jahr an der Technologie geforscht?
  • Wie war ihre Risikoforschung zu den RNAi-Pestiziden im Rechenschaftszeitraum 2024 konzipiert und aufgestellt?
  • Wie gehen Sie mit den offenen Fragen der Regulierung bezüglich RNAi-Anwendungen um?
  • Waren sie diesbezüglich im Rechenschaftszeitraum 2024 bei Behörden, Verbänden und/oder Regierungen beratend tätig? Wenn ja bei wem und in welcher Form?

Außerdem möchte ich deutlich machen, dass wir uns eine Hauptversammlung in Präsenz wünschen.

Darum möchte ich die Aktionär*innen auffordern, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten und stattdessen für die Gegenanträge der Coordination gegen BAYER-Gefahren zu stimmen!

Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit.