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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

Ticker 3/25

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Aktion gegen den EU-Mercosur-Deal

Unter der Losung „Giftigen Handel verhindern – EU-Mercosur-Abkommen stoppen“ führte das Netzwerk Gerechter Welthandel am 24. Juni 2025 in Berlin vor dem „Bundesministerium für Wirtschaft und Energie“ eine Aktion durch. Anlässe gab es gleich mehrere. Zum einen fand an dem Tag in Brüssel eine öffentliche Anhörung des Handelsausschusses des EU-Parlaments zum Deal statt und zum anderem kündigte die EU-Kommission in der Woche an, den Mitgliedsländern den endgültigen Vertragstext vorzulegen. Bis zum Ende des Jahres will sie alle Unterschriften beisammenhaben. 

Das Netzwerk, dem auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN angehört, führte die Risiken und Nebenwirkungen des Übereinkommens plastisch in einem kleinen Aktionstheater vor Augen. In den Hauptrollen:  ManagerInnen von BAYER und BASF als Ackergift-HändlerInnen, die sich von dem Abkommen noch einmal bessere Geschäfte erhoffen und in den Statisten-Rollen als Handlanger von BAYER & Co. Friedrich Merz, Ursula von der Leyen und Lula da Silva.

Input für UN-Bericht

Der Sonderbeauftragte der UN für das Recht auf Nahrung, der Kanadier Michael Fakhri, bereitet einen Bericht über die Gefährdung der Versorgungssicherheit durch Big Agro vor. Auch Initiativen bat er um Beiträge zur „Konzentration der Konzern-Macht im globalen Lebensmittelsektor und seine Auswirkungen auf die Verwirklichung des Rechts auf Nahrung“. Die Menschenrechtsorganisation FIAN schlug der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine gemeinsame Eingabe vor, und die Coordination willigte ein. Sie übernahm dabei den Part, die Risiken und Nebenwirkungen der oligopol-haften Strukturen in den Bereichen „Agro-Chemie“, „Gentechnik“ und „Saatgut“ darzulegen. 

So widmete sich die CBG etwa Glyphosat, zu dem es immer noch keine weniger gesundheitsschädlichen Alternativen gibt, die auch aus anderen Gründen wichtig wären. BAYERs Milliardenseller – der Konzern zeichnet für 40 Prozent der weltweiten Produktion verantwortlich – verliert nämlich immer mehr an Wirksamkeit, weil sich Wildpflanzen zunehmend auf das Mittel einstellen. Warum kein Nachfolger in Sicht ist, weiß nach Ansicht der CBG der Leverkusener Multi selbst am besten. Darum zitierte sie den einstigen BAYER-Forscher Dr. Hermann Stübler mit einem Statement aus dem Jahr 2012: „Seit über 25 Jahren hat die weltweite Pflanzenschutz-Industrie kein wirtschaftlich bedeutendes Herbizid mit neuem Wirkmechanismus mehr für Flächen-Kulturen entwickelt und auf den Markt gebracht – unter anderem eine Folge der Konsolidierung der Industrie, die mit einer deutlichen Reduktion der Forschungsaufwendungen für neue Herbizide einherging.“

FIAN hingegen beschäftigte sich hauptsächlich mit den Alternativen zum bestehenden System und beschrieb Konzepte wie die „Solidarische Landwirtschaft“, Food-Kooperativen, Bäckerei-Zusammenschlüsse, Regionalbewegungen und genossenschaftliche Modelle der Landnutzung.

Im Oktober 2025 will Michael Fakhri der Vollversammlung der Vereinten Nationen den fertigen Bericht vorlegen.

Tag der Arbeitslosigkeit

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) nahm den „Tag der Arbeit“ am 1. Mai 2025 zum Anlass, um auf die problematische Situation der Beschäftigten bei BAYER aufmerksam zu machen. So wies sie auf die 11.000 Arbeitsplätze hin, die das zwei Milliarden Euro schwere Rationalisierungsprogramm „Dynamic Shared Ownership“ seit seinem Start Anfang 2024 bereits vernichtet hat. Um nicht weniger als zehn Prozent schrumpfte die Belegschaft seither. 

Damit nicht genug, steht es auch mit den Arbeitsbedingungen beim Leverkusener Multi nicht gerade zum Besten. Der aktuelle Bericht zum Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetz führt 79 Meldungen über Arbeitsschutz-Verletzungen und Gesundheitsgefährdungen am Arbeitsplatz auf. Und bei den 63 Meldungen, die Zulieferer von BAYER betreffen, kommen erschwerend noch Lohnraub und Diskriminierung am Arbeitsplatz hinzu.

„Die Lage der BAYER-Beschäftigten ist prekär. Ihre Rechte gilt es zu stärken. Dazu braucht es aber eine selbstbewusste IG Bergbau, Chemie und Energie, die nicht länger auf Co-Management setzt“, hieß es in der Pressemitteilung der CBG zum 1. Mai.

Die CBG zum Tag der Befreiung

Am 8. Mai 2025 jährte sich der Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus zum 80. Mal. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) wies im Zuge dieses Datums auf die fatale Rolle hin, die die von BAYER mitgegründete I.G. FARBEN im „Dritten Reich“ gespielt hat. Sie diente dem Hitler-Regime durch üppige Parteispenden an die NSDAP schon als Steigbügelhalter und bildete fortan das industrielle Rückgrat der Diktatur. Auch übernahmen I.G.-Obere wichtige Funktionen im NS-Staat. So fungierten sie beispielsweise als Wehrwirtschaftsführer. Überdies arbeitete die Interessensgemeinschaft die Blaupause für den Vierjahresplan aus, mit dem Hitler & Co. die Wirtschaft kriegstüchtig machten. Als es dann 1939 so weit war, konnte das Unternehmen die Armee fast alleine ausstatten. Im Schlepptau der Raubzüge nahm es sofort die chemischen Anlagen der überfallenden Länder in Beschlag. Zudem betätigten sich Beschäftigte der Auslandsniederlassungen als SpionInnen und fertigten Karten-Material für Bombenangriffe an. 

An der NS-Vernichtungspolitik wirkte die I.G. FARBEN ebenfalls mit. Ihre Tochterfirma DEGESCH lieferte den Nazis mit Zyklon B die grausamste Mordwaffe. Zudem errichtete der Konzern in unmittelbarer Nähe zu Auschwitz ein eigenes Werk, um beim Bau auf ZwangsarbeiterInnen zugreifen zu können. Später unterhielt er in der Nähe der Baustelle sogar ein firmen-eigenes KZ. Damit nicht genug, dienten die Häftlinge der I.G. auch noch als Versuchskaninchen für medizinische Experimente. 

„Sollte es zu Wirtschaftsklagen kommen, würde das Material den Verteidigern den Schlaf rauben“, schwante deshalb dem I.G.-Vorstandsmitglied Georg von Schnitzler. Und zunächst sah es auch ganz danach aus. Aber es kam anders. Die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse widmeten der I.G. FARBEN zwar einen eigenen Verfahrensstrang, und von den 23 angeklagten Managern landeten auch 13 im Gefängnis, sie mussten ihre Haftstrafen allerdings nicht voll abbüßen. Die Zeiten hatten sich nämlich geändert. Im Zuge des Kalten Krieges erfolgte nicht wie ursprünglich vorgesehen eine radikale Zerschlagung des Mörder-Kombinats. Es blieb bei einer Entflechtung, die die tragenden Säulen BAYER, BASF und HOECHST unangetastet ließ. Resultat: Kaum 20 Jahre nach dem Neustart erreichten die drei Gesellschaften für sich allein eine Größe, die derjenigen der I.G. FARBEN in ihren besten Zeiten entsprach. 

CBG bei Wasserkonferenz

Vom 21. bis zum 23. März 2025 fand die Konferenz „Wasser.Klima.Gerechtigkeit“ statt. Und da der BAYER-Konzern ein großer Wassernutzer und -verschmutzer ist, war auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gefragt. Sie bot zusammen mit BLOCK BAYER den Workshop „BAYER und das Wasser“ an. CBG-Vorstand Jan Pehrke referierte dort über die Bedeutung des Wassers als Ressource und Müllschlucker für die Chemie-Industrie und unternahm einen Schnelldurchlauf durch alle Protestaktionen der Coordination zu diesem Thema. Von den Protesten gegen die Dünnsäure-Verklappung in der Nordsee in den 1980er Jahren über die Mitorganisation des Wasser-Tribunals in Rotterdam bis hin zur Unterstützung von LandwirtInnen, deren Brunnen durch den großen Wasserdurst von BAYER austrockneten, reichte die Palette. Im Anschluss entspann sich eine lebhafte Diskussion.

Ursprünglich sollte die Konferenz in der Kölner Universität stattfinden. Die Hochschule cancelte die Veranstaltung aber kurzfristig, so dass die „Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft“ in Alfter bei Bonn einspringen musste.

CBG auf dem Umweltfestival

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat am 1. Juni 2025 am Berliner Umweltfestival teilgenommen, dessen Motto dieses Jahr aus gegebenem Anlass „Jetzt erst recht! lautete. Zwischen Brandenburger Tor und Großem Stern empfingen über 200 Stände die rund 60.000 BesucherInnen. Neben der CBG waren auch ATTAC, der BUND, Greenpeace, Robin Wood, die Naturfreunde, Slow Food, Amnesty International, die Deutsche Umwelthilfe, der Weltfriedensdienst und das Aktionsbündnis Fairer Handel mit von der Partie. 

Die Coordination legte Flyer, das Stichwort BAYER und anderes Informationsmaterial aus, was Anknüpfungspunkte für viele interessante Gespräche bot. So nahm etwa eine Angestellte des Bundesumweltamtes das PFAS-Cover eines Stichwort BAYERs zum Anlass, der CBG ihr Leid über das mutmaßliche Ende des vom Bundesumweltamt maßgeblich mitgestalteten Vorschlags zu einem umfassenden EU-Verbot der Ewigkeitschemikalien zu klagen. Unter Schwarz-Rot hat dieser nun definitiv keine Zukunft mehr, bedauerte sie. Absetzbewegungen hatte es zuvor schon bei der Ampelkoalition gegeben. Und eine Brasilianerin, die aus ihrem Heimatland Mate-Tee nach Deutschland importiert, berichtete von den Anstrengungen, Glyphosat von den Pflanzen fernzuhalten. Selbstverständlich gehörte sie dann auch zu denjenigen, die ihre Unterschrift unter den „Stop Glyphosat“-Aufruf der CBG setzten.

Solidarität mit Gaby Weber

Die Journalistin Gaby Weber, eine langjährige Kooperationspartnerin der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), wurde Opfer eines De-Bankings. Die Comdirect-Bank kündigte ihr das Konto. Gaby Weber hat den dringenden Tatverdacht, dass dieser Akt im Zusammenhang mit ihrer Arbeit steht. Sie recherchiert nämlich bereits seit Langem zu den Finanzierungsquellen von BAYERs MONSANTO-Übernahme und hat im Zuge dessen auch eine Auskunftsklage gegen die Bundesbank eingereicht, dessen ehemaliger Chef Jens Weidmann der Aufsichtsratsvorsitzender der Comdirect ist.

Darum gab die Coordination eine Solidaritätserklärung ab. „Die Konto-Kündigung kann nicht der Privat-Person Gaby Weber gegolten haben, sondern nur dem politischen Menschen Gaby Weber. Darum solidarisiert sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren mit ihr und allen anderen, denen Ähnliches widerfuhr – und das sind nicht wenige“, hieß es darin.

Zum Hintergrund: Der Leverkusener Multi finanzierte den Erwerb des US-amerikanischen Agro-Riesen zu einem nicht geringen Teil über die Ausgabe von Unternehmensanleihen. Rund 19 Milliarden Euro hat er auf diese Weise eintreiben können. Gaby Weber hat nun die Vermutung, dass die Europäische Zentralbank (EZB) und sechs Zentralbanken der EU-Länder – darunter die Deutsche Bundesbank – BAYER dabei durch ihr im Juni 2016 angelaufenes Kaufprogramm für Unternehmensanleihen unter die Arme gegriffen haben. 

Indirekt taten die Banken das auf jeden Fall, denn die Shopping Tour – im Januar 2020 hielt allein die EZB Anleihen von Unternehmen im Wert von 183 Milliarden Euro – reduzierte durch den Nachfrage-Druck die Zinsen, welche die Global Player den KäuferInnen der Papiere zahlen mussten. Aber Weber interessierte sich auch für die direkte Unterstützung. Darum wollte sie wissen, wie viele Anleihen des Leverkusener Multis die Banken damals erwarben. Die Europäische Zentralbank und die Bundesbank mauerten aber, weshalb Weber vor Gericht zog. 

Die beiden Häuser äußerten sich nur allgemein zu dem Tatbestand und wiesen die Vorwürfe der Journalistin zurück. Sie bezeichneten deren Aussage, „dass ‚ein großer Teil der BAYER-Anleihen von der Bundesbank mit EZB-Geldern gekauft’ wurden“, als falsch. Zentral- und Bundesbank gingen vielmehr nach dem „Prinzip der Marktneutralität“ vor und achteten streng darauf, einzelne Unternehmen nicht über- oder unterzugewichten, hieß es in der Stellungnahme. Die BankerInnen räumten zwar ein, mit dem Ankauf-Programm die Finanzierungsbedingungen für die Firmen verbessert zu haben, bezeichneten dies jedoch nicht als das eigentliche Ziel der Maßnahmen. Dieses habe vielmehr darin bestanden, „eine drohende Deflation in der Eurozone abzuwenden“.

CBG beim Klimastreik

Der BAYER-Konzern stößt immens viel Kohlendioxid aus – und er zeigt auch keine Bestrebungen, das zu ändern. Seit Jahren bewegen sich seine CO2-Emissionen um die Marke von drei Millionen Tonnen pro Jahr herum. Darum beteiligte sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren am 11. April 2025 wieder am weltweiten Klimastreik. Sie ging in Düsseldorf mit auf die Straße, wo die Demonstration am Burgplatz begann. Dort brauchten die rund 300 TeilnehmerInnen ihren Blick nur ein wenig von der Bühne weg auf den Rhein schweifen zu lassen, um die Dringlichkeit ihres Anliegens bestätigt zu finden. Der war nämlich kaum mehr ein Strom. „[D]ie niedrigsten Wasserstände seit mindestens 20 Jahren in einem April“ machte das „Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein“ aus. Darunter leidet zwar auch der Leverkusener Multi selbst, aber er sieht sich gewappnet. „Generell sind wir auf Ereignisse wie Hoch- und Niedrigwasser organisatorisch vorbereitet. Unter anderem können wir auf andere Transport-Möglichkeiten ausweichen“, verlautete aus der Unternehmenszentrale.

CBG schreibt Leserbrief

Seit Jahr und Tag bestreiten die kritischen AktionärInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) mit ihren Beiträgen einen Gutteil der BAYER-Hauptversammlung. Trotzdem finden sie in der Berichterstattung der großen Zeitungen über das Ereignis zumeist keinerlei Erwähnung, ganz als ob das, was sie vorbringen, nicht zur Sache gehöre. Darüber beschwerte die CBG sich jetzt bei der FAZ und der Rheinischen Post. Dabei wies sie auch darauf hin, dass die JournalistInnen gut daran getan hätten, den RednerInnen genau zuzuhören. Als ein Beispiel nannte die Coordination René Lehnherr vom „MONSANTO-Tribunal“. Der Schweizer wies nämlich bereits im Jahr 2018 auf das juristische Risiko hin, das durch das in den USA unter dem Namen ROUNDUP vermarktete Glyphosat droht. „Wie viel Geld wird BAYER für die mehr als 5.000 Klagen amerikanischer Landwirte aufbringen, die Klagen gegen MONSANTO führen, weil sie wegen Gebrauch von ROUNDUP an einem Non-Hodgkin-Lymphom leiden? “, hatte er den Vorstand damals gefragt.

Alarmierende SLAPP-Studie

Immer wieder versuchen Unternehmen und mächtige Einzelpersonen, KritikerInnen mundtot zu machen, indem sie juristische Auseinandersetzungen entfachen und den Streitwert immens hoch ansetzen. Auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN war schon Ziel dieser sogenannten SLAPP-Klagen (SLAPP = Strategic Lawsuits Against Public Participation). 1987 zerrte der BAYER-Konzern die CBG wegen einer Passage in einem Aufruf vor Gericht, in dem es geheißen hatte: „In seiner grenzenlosen Sucht nach Gewinnen und Profiten verletzt BAYER demokratische Prinzipien, Menschenrechte und politische Fairness. Missliebige Kritiker werden bespitzelt und unter Druck gesetzt, rechte und willfährige Politiker werden unterstützt und finanziert“. Dafür forderte der Konzern unter Strafandrohung „von Ordnungshaft bis zu sechs Monaten bzw. einer Geldstrafe von bis zu DM 500.000“ eine Unterlassungserklärung. Die Sache ging bis vor das Bundesverfassungsgericht und endete 1992 schließlich mit einem Freispruch. 

Als die Rechtswissenschaftlerin Stefanie Egidy sich für eine Studie einmal systematisch mit diesem strategischen Instrument aus der Werkstatt-Kiste des Kapitals beschäftigten wollte, gab daher auch die CBG ihre Erfahrungen weiter. 

Die im März 2025 veröffentlichten Ergebnisse zeichnen ein verheerendes Bild. Von den 227 Initiativen, AktivistInnen, JournalistInnen und anderen Personen, die sich an der Untersuchung beteiligten, gaben 51 Prozent Einschüchterungsversuche zu Protokoll – und davon 43 Prozent mit SLAPP-Klagen als Mittel. 

„Besonders alarmierend ist, dass ein Drittel der Befragten angibt, durch SLAPPs – seien es Klagen oder vorgerichtliche juristische Maßnahmen – von zukünftiger öffentlicher Beteiligung abgeschreckt worden zu sein. Dies verdeutlicht, wie sehr SLAPPS den freien demokratischen Diskurs gefährden und wie dringend Handlungsbedarf gegen solchen Rechtsmissbrauch ist“, hält die Juristin fest. Die EU hat zwar eine Anti-SLAPP-Richtlinie auf den Weg gebracht, aber diese gibt lediglich Mindeststandards vor. Darum fordert Egidy, die Schutzmaßnahmen für die Betroffenen bei der Umsetzung in nationales Recht erheblich zu verstärken und z. B. Strafen für Unternehmen einzuführen, die sich Konzern-Kritik auf dem Rechtsweg entledigen wollen.

Petition gegen doppelte Standards

BAYER & Co. exportieren zahlreiche Pestizide, die innerhalb der Europäischen Union keine Zulassung (mehr) haben, unter anderem auch in afrikanische Länder. Darum hat die belgische Initiative BROEDERLIJK DELEN eine Petition initiiert, die an PolitikerInnen der Afrikanischen Union und der EU appelliert, diese Praxis der doppelten Standards zu beenden. An die Agro-Riesen richtete sich ebenfalls eine Forderung: „Die europäischen Unternehmen müssen auf die Verantwortung hingewiesen werden, die Sicherheit ihrer Produkte in jedem Land zu garantieren.“ Auch die Coordination gegen BAYER-Gefahren unterzeichnete die Petition.

Offener Brief in Sachen „Flufenacet“

Der auch von BAYER vermarktete Ackergift-Wirkstoff Flufenacet hat es in sich. Von der chemischen Struktur her ähnelt er Hormonen. Deshalb kann die Substanz den menschlichen Organismus gehörig durcheinanderwirbeln und Krankheiten wie Krebs oder Diabetes auslösen. Damit nicht genug, entsteht bei seiner Zersetzung der PFAS-Stoff Trifluoressigsäure (TFA) – kaum eine andere Ewigkeitschemikalie findet sich so ubiquitär in den Gewässern wieder. „Derzeit sind die TFA-Konzentrationen um Größenordnungen höher als die von anderen PFAS – und um Größenordnungen höher als die von anderen Pestiziden und Pestizid-Metaboliten“, konstatieren Hans Peter H. Arp und seine MitautorInnen in der Studie „The Global Threat from the irreversible Accumulation of Trifluoroacetic Acid (TFA)“. Darum hat das PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN) im November 2024 einen offenen Brief initiiert, der das sofortige Verbot von Flufenacet fordert. Und das Schreiben, das die Coordination gegen BAYER-Gefahren mitunterzeichnete, blieb nicht ohne Effekt. Es trug mit dazu bei, dass die EU das Mittel im März 2025 aus dem Verkehr zog. 

Für eine sozial-ökologische Handelspolitik!

In einem 10-Punkte-Papier fordern mehr als ein Dutzend Initiativen – darunter die Coordination gegen BAYER-Gefahren – eine Umkehr in der Handelspolitik. „Trotz mancher Reformen bleiben soziale Sicherheit, Menschenrechte, Umweltschutz und internationale Gerechtigkeit noch immer auf der Strecke, werden den dominanten Zielen der Marktöffnung und Rohstoff-Beschaffung zugunsten europäischer Konzerne unterworfen“, heißt es in dem vom NETZWERK GERECHTER WELTHANDEL initiierten Statement. Auf besondere Kritik der Organisationen stoßen die Demontage des europäischen Lieferketten-Gesetzes, das geplante EU-Mercosur-Abkommen sowie der Export von innerhalb der EU nicht (mehr) zugelassenen Pestiziden in andere Länder.

KAPITAL & ARBEIT

Zahlreiche Arbeitsschutz-Verletzungen

2024 kam es in den BAYER-Werken zu zahlreichen Verstößen gegen Vorschriften zu Arbeitsschutz und arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren. 79 Fälle zählt der Lieferkettenbericht auf.

BAYERs prekäre Lieferketten

Bei den unmittelbaren Zulieferern von BAYER kam es im Jahr 2024 zu 63 Verstößen den Arbeitsschutz und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren betreffend. Zudem gab es fünf Fälle von Diskriminierung am Arbeitsplatz, und elf Vertragspartner des Konzerns betrieben Lohnraub. 

Unter fünf Prozent Schwerbehinderte

In Deutschland müssen Unternehmen mit mehr als 20 Belegschaftsangehörigen auch Schwerbehinderte beschäftigen. Der vorgeschriebene Anteil beträgt mindestens fünf Prozent; ansonsten ist eine Ausgleichsabgabe fällig. Der BAYER-Konzern zahlte im Geschäftsjahr 2024 rund 70.000 Euro, weil nicht alle seine Tochter-Gesellschaften die Vorgabe erfüllten. Besonders düster sieht es bei der PALLAS VERSICHERUNGEN und der INVITE GmbH mit null Prozent, JENAPHARM (1,08 Prozent), BAYER INTELLECTUAL PROPERTY GmbH (2,1 Prozent) und der BAYER BITTERFELD GmbH (2,84 Prozent) aus.

IG BCE verliert Mitglieder

Die Mitgliederzahl der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE reduzierte sich von 2023 auf 2024 von 566.560 auf 560.583, was Teil einer längerfristigen Entwicklung ist. Von 2005 bis 2024 verlor die Gewerkschaft 24 Prozent ihrer Mitglieder.

I.G. FARBEN & HEUTE

BAYER & Co. räumen Mitschuld ein

Auf Initiative des BAYER-Konzerns haben 49 Firmen zum 80. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich zu ihrer Mitschuld an der Terror-Herrschaft bekennen. „Deutsche Unternehmen trugen dazu bei, die Herrschaft der Nationalsozialisten zu festigen. Auf ihren eigenen Vorteil bedacht, waren viele Unternehmen und ihre damaligen Akteure verstrickt“, konstatieren die Firmen. Sie ziehen daraus die Lehre, „die Zerbrechlichkeit der Demokratie immer wieder zu erkennen“ und Errungenschaften wie Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu schützen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) begrüßte diese Stellungnahme. Allerdings kritisierte sie den Leverkusener Multi für die nur halbherzige Aufarbeitung seiner Vergangenheit. So widmet er der Zeit des Nationalsozialismus auf seiner Website keinen eigenen Abschnitt. Stattdessen behandelt der Global Player sie als einen Abschnitt der Periode, die er mit dem Jahr 1925 beginnen und 1945 enden lässt. 

Darüber hinaus spielt der Konzern die aktive Rolle herunter, die die von ihm mitgegründete I. G. FARBEN in der Diktatur gespielt hat. Das Regime habe die I.G. „als einen der ‚kriegs- und lebenswichtigen‘ Betriebe der deutschen Wirtschaft“ eingestuft, steht da zu lesen. Dabei war es die Interessensgemeinschaft, die die Blaupause für den Vierjahresplan erarbeitete, mit dem Hitler & Co. die Wirtschaft kriegstüchtig machten. Auch weist die Darstellung viele Lücken auf: kein Wort zu den Wahlkampf-Spenden an die NSDAP, kein Wort zur Einbindung von I.G.-Managern in das NS-System, kein Wort zu Zyklon B und kein Wort zu den medizinischen Experimenten mit KZ-Häftlingen. 

Mit der 1988 publizierten Firmen-Chronik „Meilensteine“ verhält es sich ähnlich. „Die Mobilisierung der Wirtschaft folgte den Plänen der Regierung“, heißt es dort etwa und weiter: „Die Behandlung der Zwangsarbeiter wurde durch staatliche Vorschriften bis ins Detail geregelt“. Auch mit deren Beschäftigung bei der Errichtung einer Produktionsanlage in unmittelbarer Nähe von Auschwitz hatte die I.G. FARBEN angeblich nicht viel zu tun: „Nachdem das Oberkommando der Wehrmacht den Plan für das I.G.-Werk genehmigt hatte, erteilte Göring Himmler den Auftrag, den Bau mit Häftlingen zu unterstützen.“ Und mit der Verurteilung des I.G.-Managers Fritz ter Meer zu sieben Jahren Haft bei den Nürnberger Nachfolge-Prozessen hadern die „Meilensteine“ ebenfalls: „In der Industrie war man bestürzt über dieses Urteil. Man wusste, dass ter Meer kein Nazi gewesen war.“ Alles nur „die Folge einer Zwangslage, in der die meisten nicht anders gehandelt hätten“. 

POLITIK & EINFLUSS

Anderson trifft Selenskyj

„Heute hatte ich auf Einladung des deutschen Bundeskanzlers Friedrich Merz die Gelegenheit, an einem Treffen mit dem ukrai-nischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj teilzunehmen“, vermeldete BAYER-Chef Bill Anderson auf dem Portal LinkedIn. Diese Einladung kam nicht von ungefähr. Der Leverkusener Multi zählt in dem Land nämlich zu den größten Investoren der letzten Jahre, weshalb sein Ukraine-Chef Oliver Gierlichs auch Präsident der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer ist. Im Jahr 2018 errichtete der Konzern in Pochuiky für 200 Millionen Euro eine Fabrik zur Saatgut-Produktion, in deren Ausbau er 2023 noch einmal 60 Millionen Euro steckte.  „Dank dieser Anlage basiert ein Großteil des Mais‘, den die Ukraine nach Europa, Asien und Afrika exportiert, aus Saatgut von BAYER“, so Anderson. Aber die Konkurrenz schläft nicht. Auch KWS, SYNGENTA, CORTEVA, MAISADOUR und REMINGTON SEEDS verstärkten ihr Engagement in dem Staat, den Anderson „als eine der Kornkammern der Welt“ bezeichnet. Allerdings könnten die Geschäfte in diesem Jahr ein wenig schlechter laufen. Die EU will der Ukraine nämlich auf Druck einiger Mitgliedsländer mit großem Landwirtschaftssektor nicht länger Handelserleichterungen für einige Agrar-Güter gewähren.

Anderson bei Xi Jinping

Ende März 2025 lud Chinas Staatspräsident Xi Jinping die Bosse von rund 40 Global Playern zu einem Wirtschaftsbankett ein, darunter auch BAYERs Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson. Xi warb dabei um ein größeres wirtschaftliches Engagement in dem Land. „Chinas Tür wird sich noch weiter öffnen. Die Politik, ausländische Investitionen willkommen zu heißen, wird sich nicht ändern“, sagte er und sprach von einem erstklassigen „Geschäftsumfeld, das marktorientiert, regelbasiert und international ist“.

Für den Leverkusener Multi ist das Reich der Mitte nach den USA und Brasilien der drittgrößte Absatz-Markt. Einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro machte er dort im Jahr 2024.

Anderson zur Weltlage

In einem Interview mit dem Podcast The Pioneer erklärte sich BAYER-Chef Bill Anderson zur Weltlage. „Alle sehnen sich nach einer neuen Normalität im freien Handel zwischen den USA und Europa“, sagte er und erklärte: „Wir müssen an dieser transatlantischen Ehe arbeiten.“ Aber auch für gute Beziehungen zu China plädierte der US-Amerikaner: „Wir brauchen ein gutes Verhältnis zwischen den drei Blöcken: USA, Europa, China.“ Konkret zur Attacke der USA auf die iranischen Atomanlagen befragt, drückte der Ober-BAYER sich um eine Antwort: „Das war ja nicht meine Entscheidung (…) Ich übernehme keine Verantwortung für diese Entscheidung – denn sie war nicht meine.“

Extrem-Lobbyismus in Brasilien

Nach Recherchen der investigativen JournalistInnen von O JOIO E O TRIGO betreibt das Agro-Business in Brasilien Extrem-Lobbyismus. Auf 752 Treffen mit Regierungsoffiziellen kam es im Zeitraum von August 2022 bis Oktober 2024. 58 Prozent davon bestritten RepräsentantInnen von BAYER, BASF und SYNGENTA. Die Pool Position nahm dabei der Leverkusener Multi mit 52 Meetings vor BASF (42) und SYNGENTA (26) ein. Ein Schwerpunkt der Einfluss-Arbeit stellte das neue Gesetz zur Pestizid-Regulierung dar, das KritikerInnen als „Giftpaket“ bezeichnen, weil es viele Bestimmungen aufweicht (Ticker 4/24). Aber auch die Steuerreform bewog die Konzerne zu vielen Interventionen.

BAYER will Pestizid-Reform

Der Leverkusener Multi drängt auf eine Reform des Genehmigungsprozesses für Pestizide. „Konkret und kurzfristig fordert BAYER eine Entpolitisierung der Zulassung und mehr Wertschätzung und Realismus in der Debatte um Risiken und Nutzen von Pflanzenschutzmitteln“, verlautete aus der Konzern-Zentrale. 

Der Agro-Riese verlangt nichts weniger als eine Abkehr vom Vorsorge-Prinzip mit seinem gefahren-orientierten Ansatz. Gefährlichkeit ist nämlich eine objektive Eigenschaft einer Sub-stanz, weshalb sie auch nach eindeutigen Schutz-Vorkehrungen wie einem Verbot verlangt. Risiko ist hingegen ein relativer Begriff. Er steht in Abhängigkeit zu anderen Faktoren wie etwa der Wirkstoff-Konzentration – „die Dosis macht das Gift“. Darum brauchen die Hersteller für einen nach einem solchen Kriterium begutachteten Stoff keine so starken Konsequenzen zu fürchten; in der Regel tun es da Grenzwerte. Für den Global Player lautet daher das Gebot der Stunde: „[V]on gefahren-basierten Ausschlusskriterien weg und hin zu wissenschaftlicher und daten-basierter Risikobewertung als Grundlage für ein robustes und möglichst feldspezifisches Risikomanagement unter Nutzung der digitalen Chancen des 21. Jahrhunderts.“ Zur Umsetzung all dessen schwebt dem Global Player vor, dem Verbraucherschutz-Ministerium die Rolle einer zentralen Zulassungsbehörde zu verleihen.

Der Kennedy-Report

Der wegen seiner Ansichten zu Impfungen, der Covid-Pandemie und der Schulmedizin im Ganzen sehr umstrittene US-amerikanische Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. veröffentlichte im Mai 2025 den Report der „Make America Healthy Again“-Kommission. Dieser Bericht, der sich vornahm, „die Ursachen der eskalierenden Gesundheitskrise in Amerika zu untersuchen und zu adressieren“, ließ im Vorfeld BAYERs Aktien-Kurs abstürzen. Gerüchten zufolge sollten darin nämlich die Risiken und Nebenwirkungen von Glyphosat eine prominente Rolle einnehmen. Es kam dann aber doch nicht so schlimm wie erwartet – die Konzern-LobbyistInnen hatten mal wieder ganze Arbeit geleistet. Die MAHA-Kommission zitiert zwar Studien, die Umweltbelastungen durch Glyphosat und andere Pestizide neben solchen durch PFAS-Stoffe, Weichmacher, Industriechemikalien, Fluoride, Mikroplastik und elektromagnetische Strahlungen gesundheitsgefährdendes Potenzial bescheinigen, aber politische Schlussfolgerungen zogen die AutorInnen nicht. Sie machten stattdessen noch Forschungsbedarf aus. Genau diese Inkonsequenz kritisierten dann auch Initiativen wie das CENTER FOR FOOD SAFETY (CFS). „Die MAHA-Kommission erkennt an, dass der übermäßige Einsatz von Pestiziden im industriellen Lebensmittelsystem Amerikas ein entscheidender Faktor für die Gesundheitskrise des Landes ist, und bestätigt die mittlerweile fundierten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die schwerwiegenden Schäden (…) Allerdings enthält der Bericht leider keine Angaben dazu, wie die Regierung diese Gesundheitskrise stoppen will“, erklärte CFS-Direktor George Kimbrell.

PROPAGANDA & MEDIEN

Vom Bundestag zu BAYER

BAYER hat mit Lars Lindemann von der FDP einen neuen Pharma-Lobbyisten verpflichtet. Dafür bringt der Politiker viele einschlägige Qualifikationen mit. Lindemann war Hauptgeschäftsführer des „Spitzenverbandes FachärztInnen und Fachärzte Deutschlands“, Mitglied des Bundestagsgesundheitsausschusses und bei den Liberalen für das Thema „Arzneimittel-Versorgung“ zuständig.

Kahrs für BAYER

Johannes Kahrs, seit den 1980ern Mitglied der deutschen „Sozialdemokratie“, ist dem einen oder der anderen vielleicht noch als Hamburger SPD-Vorsitzender, Bundestagsabgeordneter oder Haushaltsausschussmitglied des Bundestags bekannt. Hier baute er sich einen Ruf als gut vernetzter Lobby-Hardliner auf. Wenig überraschend ist es da, dass Kahrs, der 2020 aus dem Bundestag ausschied, mittlerweile auch hauptamtlich und offiziell als Lobbyist arbeitet. Er hat sogar eine eigene Agentur namens „Duckdalben Consulting“, mit der er laut dem Lobbyregister des Bundestags auf jährlich zwischen 100.001 und 150.000 Euro kommt. 

BAYER sponsert COP30

BAYER macht für die Klimakonferenz COP30, die vom 10. bis zum 21. November in Brasilien stattfindet, Geld locker. Der Konzern, der jährlich rund drei Millionen Tonnen Kohlendioxid ausstößt, hat die „diamond sponsorship“ der „AgriZone“ übernommen. Dem brasilianischen Agrarforschungsinstitut Empresa zufolge, das dem Landwirtschaftsministerium untersteht, strebt dieser Bereich der COP an, „der Welt die Bedeutung der Förderung der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft zur Bewältigung der Klimakrise zu zeigen.“ 

Der Leverkusener Multi dürfte den Event nicht zuletzt dazu nutzen, das Carbon Farming im Allgemeinen und seinen den Methan-Ausstoß reduzierenden Direktsaat-Reis im Besonderen zu propagieren (siehe auch WASSER, BODEN & LUFT). Auch ist PR für seine neuen, angeblich klima-resilienteren Ackerfrüchte zu erwarten. 

DRUGS & PILLS

Preis-Senkungen in China

China ist ein wichtiger Absatz-Markt für die Arzneien des Leverkusener Multis. BAYERs oberster Öffentlichkeitsarbeiter, der ehemalige Bündnisgrünen-Politiker Matthias Berninger, lobt in einem Interview mit dem Portal Table Media die Deregulierungen bei den Pillen-Zulassungen, kritisiert allerdings die Kostensenkungsbemühungen der Regierung. „Innerhalb von fünf Jahren steht jetzt die 14. Runde an, in der die Preise für bestimmte Medikamenten-Gruppen gesenkt werden“, klagt Berninger.

Trump will billigere Arzneien

Der US-amerikanische Präsident Donald Trump hat ein Dekret zur Senkung der Arznei-Kosten auf den Weg gebracht. Er will eine Meistbegünstigungsklausel festschreiben, die den weltweit günstigsten Preis in einem Industrieland zur Richtschnur für den Pillenmarkt in den USA macht. Konkrete Pläne für die Umsetzung gibt es allerdings bisher noch nicht. Einige Maßnahmen gegen die Mondpreise hatte bereits die Vorgänger-Regierung getroffen.

Zur Begründung des Vorstoßes sagte Trump: „Obwohl in den Vereinigten Staaten nur vier Prozent der Weltbevölkerung leben, erwirtschaften Pharma-Unternehmen mehr als zwei Drittel ihrer Gewinne in Amerika.“ Das Land finanziere so die „sozialistischen Gesundheitssysteme in Deutschland und vielen anderen Staaten“, erklärte er. BAYER-Chef Bill Anderson teilt diese Ansicht. „In den USA sind Medikamente teurer. Das bringt den Unternehmen dort ausreichend Geld, um in Forschung und Entwicklung zu investieren. In Europa erzwingt die Politik hingegen möglichst niedrige Pharma-Preise. Die amerikanischen Verbraucher und Unternehmen finanzieren also Fortschritt und Innovation in der Medizin, wovon die ganze Welt profitiert.“ Anderson hofft offensichtlich, dass der Trump-Vorstoß einen Boomerang-Effekt hat und hierzulande zu teureren Pharmazeutika führt. Aber natürlich nur aus moralischen Gründen: „Es geht nicht um mehr Gewinne, sondern um Fairness.“

Immer mehr CIPROBAY-Resistenzen

BAYERs Antibiotikum CIPROBAY (Wirkstoff: Ciprofloxacin) hat ein beeindruckendes Nebenwirkungsprofil. Die Hauptwirkungen hingegen lassen nach. Gegen immer weniger Gesundheitsstörungen kann das Mittel noch etwas ausrichten. So haben bereits 70 Prozent der Erreger der Geschlechtskrankheit Gonorrhö (Tripper) Resistenzen gegen CIPROBAY und andere Arzneien aus der Gruppe der Ciprofloxacine entwickelt.

AGRO & CHEMIE

Glyphosat verursacht Leukämie

Die unter Leitung von Dr. Daniele Mandrioli entstandene Studie, nach der Glyphosat Leukämie hervorrufen kann (siehe Ticker 1/24), ist Mitte Juni 2025 in der Medizin-Zeitschrift Environmental Health erschienen und damit offiziell in der Fachwelt angekommen. Den WissenschaftlerInnen zufolge reichen für die attestierte Nebenwirkung schon Dosen, die die EU bei der letzten Zulassungsverlängerung des Herbizids noch als unbedenklich eingestuft hatte. 

Auch für andere Krebsarten machte die Untersuchung ein erhöhtes Risiko aus. „Die Ergebnisse unterstreichen das tumor-auslösende Potenzial von Glyphosat und glyphosat-haltigen Produkten (…) Diese neuen Erkenntnisse müssen von den Aufsichtsbehörden weltweit sorgfältig geprüft werden“, so der beteiligte Forscher Dr. Alberto Mantovani. 

Die AutorInnen hatten die Europäische Union bereits im Zuge des Zulassungsverlängerungsverfahrens von 2023 über ihre alarmierenden Befunde informiert. Damals reagierte die Staatengemeinschaft nicht. Jetzt erklärte die EU gegenüber der taz aber, die Studie ihrer Chemikalien-Agentur ECHA sowie der Lebensmittelbehörde EFSA vorzulegen und – sollten diese die Resultate bestätigen – sofort zu handeln. Dann „wird die Kommission unverzüglich tätig, um die Zulassung zu ändern oder zu widerrufen“, hieß es aus Brüssel.

Die in den Niederlanden für die Pestizid-Zulassung zuständige Einrichtung CTGB hat ebenfalls schon angekündigt, sich mit der Untersuchung zu beschäftigen, und dafür die Rückendeckung des Bauernverbandes LTO erhalten. Der BAYER-Konzern bestritt dagegen erwartungsgemäß die Seriosität der wissenschaftlichen Arbeit und bescheinigte ihr stattdessen „signifikante methodische Mängel“. Er sah sich aber nicht in der Lage, der taz dafür Belege zu liefern. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) forderte als Reaktion auf die Arbeit von Mandrioli & Co. einen sofortigen Glyphosat-Stopp.

Glyphosat-Weltmarktanteil: 40 Prozent

BAYER ist der weltweit führende Glyphosat-Anbieter. Der Anteil an der globalen Produktion des Herbizids beträgt nach den Angaben von Cropscience-Chef Rodrigo Santos auf der letzten Hauptversammlung 40 Prozent.

Parkinson: Nur BAYER zahlt nicht

Seit dem Frühjahr 2024 ist „Parkinson durch Pestizide“ in Deutschland offiziell als Berufskrankheit bei Bauern und Bäuerinnen anerkannt. Die landwirtschaftliche Sozialversicherung rechnet mit zahlreichen Fällen und entsprechend hohen Kosten. Dafür sollen jedoch nicht BAYER & Co. als Hersteller der Ackergifte aufkommen, sondern die LandwirtInnen selbst. Die Berufsgenossenschaft hebt deshalb die Beiträge saftig an. Auch die SteuerzahlerInnen müssen ran. Die Bundesregierung erhöht ihren Zuschuss zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung um 20 Millionen Euro auf 120 Millionen Euro. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN setzt weiterhin alles daran, dem Verursacher-Prinzip Geltung zu verschaffen und die Agro-Riesen zu Zahlungen zu zwingen.

PFLANZEN & SAATEN

Neue Anlage in Sambia

BAYER baut eine neue Maissaatgutanlage in Kabwe, Sambia, und verkauft diese Investition als Ausdruck der selbsterklärten Mission des Konzerns, den Welthunger zu bekämpfen. 

Das klingt besser als es ist, denn dem Agro-Riesen geht es naturgemäß nicht um hehre Ziele, sondern um Proftimaximierung. So spekuliert er nicht nur auf 6,4 Millionen Kleinbauern und -bäuerinnen in der Subsahara-Region als Kundschaft für das Saatgut (von denen sich ein relevanter Teil das Saatgut gar nicht wird leisten können), sondern auch als Kundschaft für Pflanzengifte. In seiner Pressemitteilung zum Millionendeal lässt BAYER das freilich anders klingen. Der Global Player spricht von einem wichtigen Schritt in Richtung „Ernährungssicherheit“ und macht für Hunger und Unterernährung im südlichen Afrika das angeblich begrenzte landwirtschaftliche Fachwissen und – zutreffender – den fehlenden Zugang zu modernen Technologien verantwortlich. Als Verteilungsproblem und Effekt des ungerechten Welthandels vermag er Ernährungskrisen freilich nicht zu sehen.

Ehrlicher ist, dass BAYER die Saatgutanlage als wichtigen Teil seiner „Wachstumsstrategie“ in Afrika bezeichnet und sich eine Verdoppelung des Afrika-Geschäfts von BAYER CROPSCIENCE bis 2030 erhofft. 

Die Beschäftigten dürften davon kaum profitieren. Der Konzern richtet in Kabwe nämlich nur 80 feste Arbeitsplätze ein. Ansonsten greift er auf Zeitarbeit zurück. Die Betreffenden würden „über einen Dienstleister eingestellt und nach lokalem Industriestandard vergütet“, bekundete BAYER gegenüber dem nd (ehemals neues deutschland). Die eigentliche Arbeit – die Saatgutvermehrung – lagert das Unternehmen ebenfalls aus. 15.000 Saisonkräfte erledigen das auf „mehreren Tausend Hektar in verschiedenen Provinzen des Landes“, so der Leverkusener Multi. Gerade bei der Saatgut-Vermehrung kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Kinderarbeit. Deshalb sprach die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN das auf der letzten Hauptversammlung an und fragte nach Vorkehrungsmaßnahmen, der Vorstand wiegelte jedoch ab.

GENE & KLONE

Immer mehr Resistenzen

Der afrikanische Maiszünsler hat in Südafrika eine Resistenz gegen Cry1A.105 – eines der beiden Gifte, mit denen BAYERs Gentech-Mais MON 89034 bestückt ist – entwickelt. Damit büßt auch das Nachfolge-Modell von MON 810 an Wirksamkeit ein. Der Leverkusener Multi empfahl den LandwirtInnen daraufhin, „geeignete Insektizide einzusetzen, um die Population zu kon-trollieren und weitere Schäden zu verhindern“. Ein weiterer Beleg dafür, dass die grüne Genetechnik nicht zu einer Reduzierung des Pestizid-Einsatzes führt. 

Gensoja mit Fünffach-Resistenz

Glyphosat und andere Herbizide büßen unerwünschten Feldgewächsen gegenüber immer mehr an Wirksamkeit ein, und BAYER & Co. schaffen es nicht, neue, vielleicht sogar weniger gesundheitsschädliche Mittel zu entwickeln. Bei Genpflanzen müssen sie sich deshalb damit behelfen, den Laborfrüchten Resistenzen gegen gleich mehrere Pestizide einzubauen. So hat der Leverkusener Multi eine Soja-Sorte entwickelt, die gleichzeitig gegen Glyphosat, Glufosinat, Dicamba, 2,4-D und Mesotrion immun ist.

BAYERs „Monster-Mais“

2024 hat BAYER in den USA einen Gen-Mais auf den Markt gebracht, der es in sich hat. Das VT4PRO-Gewächs verfügt nicht nur über Resistenzen gegenüber Glyphosat und Glufosinat und produziert für Insekten giftige Bt-Toxine, sondern kombiniert das alles auch noch mit der „neuesten Abwehr gegen den Maiswurzelbohrer“ (O-Ton BAYER). Dabei handelt es sich um einen Wirkmechanismus auf der Basis der Ribonukleinsäure-Interferenz, der im Magen des Schadinsekts überlebenswichtige Proteine blockiert. Aber WissenschaftlerInnen zufolge kann die RNA auch den Magen von Säugetieren heimsuchen und mit der Darmflora interagieren. Damit nicht genug, verfügt das doppelsträngige Molekül dazu noch über die Fähigkeit, in den Blutkreislauf zu gelangen und in die Steuerung von Genen einzugreifen.

Hoffnung auf Afrika

Der neue Forschungsleiter von BAYER CROPSCIENCE, Mike Graham, setzt in Sachen „Gentechnik“ große Hoffnungen auf Afrika, wie er beim „Investor Update“ im Zuge der letzten Bilanzpressekonferenz im Mai 2025 bekundete. „Afrika wird für uns zu einer großen Chance“, sagte er dort. In Europa sieht er hingegen keine Zeichen dafür, dass sich die skeptische Haltung der Risiko-Technologie gegenüber ändert.

WASSER, BODEN & LUFT

Fossil BAYER

Der Gesamtenergie-Verbrauch des BAYER-Konzerns lag 2024 bei 9,055 Millionen Megawattstunden (2023: 9,127 Millionen). Dabei entstammten 7,058 Millionen Tonnen fossilen Quellen (2023: 7,161 Millionen. Das macht einen Anteil von 77,9 Prozent aus.

BAYERs CO2-Lieferkette

Neben dem Treibhausgas-Ausstoß, der bei der selbstproduzierten und der zugekauften Energie entsteht, weist der BAYER-Konzern auch die entlang den vor- und nachgelagerten Lieferketten entstehenden Emissionen aus. Diese fallen unter anderem bei der Herstellung eingekaufter Waren, beim Transport, bei Geschäftsreisen oder bei der Entsorgung von Produkten des Konzerns an und beliefen sich im Jahr 2024 auf 8,38 Millionen Tonnen.

Hohe Rückstellungen für Bodenschäden

Wenn der BAYER-Konzern einen Standort schließt, hinterlässt er oft verbrannte Erde – und das im buchstäblichen Sinn. Dafür wappnet der Leverkusener Multi sich im Vorhinein. Bis Ende 2024 beliefen sich die Rückstellungen für eventuell anfallende Bodensanierungen nach dem Dichtmachen einer Produktion oder nach einem „Umweltereignis“ auf 722 Millionen Euro. Alice Werner von den PARENTS FOR FUTURE/Leverkusen hatte diese Zahl auf der letzten Hauptversammlung des Unternehmens im April 2025 erfragt.

BAYERs Treibhaus-Gase

Als klima-schädlicher Stoff steht zumeist das Kohlendioxid im Fokus, weil BAYER & Co. es in Massen emittieren. Die anderen Treibhaus-Gase sind jedoch auch nicht ohne. In der Summe richten fluorierte Kohlenwasserstoffe, Lachgas, Methan, Kohlenmonoxid und Ruß fast einen ebenso großen Schaden an wie CO2. So ist Methan 25-mal so wirksam wie CO2 und Lachgas sogar 125-mal. Und der Leverkusener Multi mischt auch auf diesem Feld kräftig mit. Er emittierte im Geschäftsjahr 2024 40.000 Tonnen fluorierte Kohlenwasserstoffe, 10.000 Tonnen Lachgas und 3.000 Tonnen Methan. Der Methan-Ausstoß, in dem die Internationale Energieagentur (IEA) eine der Hauptgefährdungen für das Erreichen der internationalen Klimaziele ausmacht, ist bei BAYER damit zwischen 2019 und 2024 um 0,001 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente gestiegen, was nicht nach viel klingt, allerdings besonders negativ zu Buche schlägt. Der IEA zufolge geht nämlich fast ein Drittel der Klima-Erwärmung seit Beginn der industriellen Revolution auf das Konto von Methan.

BAYERs CO2-Handel

Der BAYER-Konzern kompensiert seinen Kohlendioxid-Ausstoß teilweise durch Investitionen in Klimaschutz-Projekte wie Wiederaufforstungen. Er tritt bei diesem Handel mit Emissionszertifikaten jedoch nicht nur als Kunde, sondern auch als Anbieter auf. „BAYER gibt die erste Tranche von Emissionszertifikaten für bis zu 250.000 Tonnen an Kohlenstoffdioxid-Äquivalenten (CO2e) aus dem Reisanbau in Indien aus“, verlautete Anfang April 2025 aus der Unternehmenszentrale. Der Hintergrund: Der Agro-Riese hat einen Direktsaat-Reis entwickelt, der eine bessere Klimabilanz hat als herkömmlicher.

Bisher stecken die LandwirtInnen ihre Setzlinge in überflutete Felder und entwässern diese wieder, wenn die Gewächse eine bestimmte Größe erreicht haben. Dabei entsteht durch die Zersetzung organischer Substanzen klimaschädigendes Methan. Direktsaat-Reis braucht dieses Wasserbad hingegen nicht. 

Der Global Player nennt das „Carbon Farming“ und bietet nun „Carbon Credits“ an. Dadurch will er zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die LandwirtInnen mit dem Versprechen zusätzlicher Einnahme-Quellen stärker an sich binden und sich zusätzlich noch als Klima-Retter in Szene setzen. 

KlimaschützerInnen kritisieren den CO2-Ablasshandel hingegen massiv. Sie befürworten zwar die Einführung klimaschonenderer landwirtschaftlicher Praktiken, lehnen das Geschäftsmodell „Carbon Farming“ jedoch ab. So ist ihrer Ansicht nach gar nicht einschätzbar, ob z. B. ein indischer Farmer nur durch die Möglichkeit des Verkaufs von Verschmutzungsrechten von der traditionellen Anbau-Methode abgehalten wird. Zudem fällt die Quantifizierung des CO2-Einsparpotenzials schwer. Auch steht in Frage, wie lange die Direktsaat-Felder Bestand haben und Wind und Wetter trotzen. Und nicht zuletzt hält der Erwerb von Verschmutzungsrechten die großen CO2-Emittenten davon ab, in sauberere Produktionstechniken zu investieren. „Um die globale Erhitzung unter 1,5 Grad zu halten, sind echte, gerechte und sofortige Reduzierungen erforderlich“, heißt es deshalb in einem gemeinsamen Statement von FRIENDS OF THE EARTH, dem CORPORATE EUROPE OBSERVATORY, dem BUND und zwölf weiteren Organisationen. 

Wasserreinigung: BAYER & Co. blocken

Deutschlands Wasser ist verunreinigt – nicht zuletzt durch Arznei- und Kosmetikarückstände. Das wird Schätzungen zufolge bis 2045 den Einbau von weiteren Reinigungsstufen für die Klärwerke im Wert von knapp neun Milliarden Euro erforderlich machen. Bereits 2019 informierte eine Studie über die Problematik: „Am effektivsten ist es, den Schadstoff-Eintrag zu vermindern und vorbeugende Maßnahmen zu treffen. Falls dies nicht möglich ist, sollten zumindest die Schadstoff-Verursacher in die Pflicht genommen werden und die Kosten tragen“. Das tat die EU dann auch. Ihre im Herbst 2024 auf den Weg gebrachte Abwasser-Richtlinie sieht eine Kostenbeteiligung von mindestens 80 Prozent vor. Dagegen wehren sich die Konzerne jedoch vehement. So droht der von BAYER gegründete „Verband der forschenden Arzneimittelhersteller“ (VFA) mit Abwanderung. „Wird einem Pharmaunternehmen eine Zahlungspflicht auferlegt, sieht es sich für die betreffenden Medikamente mit einer veränderten Kostensituation konfrontiert. Es muss sich dann überlegen, wie es reagiert, was ggf. auch die Möglichkeit einer Marktrücknahme einschließt“, erklärte der VFA. Und der beim Verband für die Forschungspolitik verantwortliche Matthias Meergans echauffierte sich: „Die EU will ja versorgungskritische Industrien fördern und nicht durch unverhältnismäßige Belastungen verlieren.“

GIFTIG, ÄTZEND & EXPLOSIV

Viele besorgniserregende Stoffe

Im Jahr 2024 hat der BAYER-Konzern 321.480 Tonnen an Sub-stanzen als Rohstoffe eingekauft, die nach offizieller Definition als besorgniserregend gelten, also gesundheitsgefährdend und/oder umweltschädigend sind. 320 Tonnen dieser Erzeugnisse verlassen die Werke des Unternehmens in Reinform wieder und 22.960 Tonnen als Bestandteil von Produkten. Stoffe der Kategorie „besonders besorgniserregend“ erwarb der Leverkusener Multi in einer Größenordnung von 4.800 Tonnen. 

IMPERIUM & WELTMARKT

Top-Positionen im Agrar-Markt

Der BAYER-Konzern belegt Top-Positionen im Agrar-Geschäft. Bei Mais-Saatgut ist er 2024 die Nummer Eins auf der Welt mit einem Umsatz von 6,6 Milliarden Euro; auf einen Markt-Anteil von rund 35 Prozent kommt das Unternehmen. Bei Soja führt der Leverkusener Multi mit einem Umsatz von 2,5 Milliarden Euro und einem Markt-Anteil von ca. 30 Prozent ebenfalls die Rangliste an.. Auch bei Baumwolle nimmt er den ersten Platz ein; bei Raps indessen muss er sich mit dem dritten Platz zufriedengeben. Ähnlich stellt sich seine Dominanz bei den Pestiziden dar: Nr. 1 bei den Herbiziden, Nr. 2. bei den Fungiziden und Nr. 3 bei den Insektiziden. 

Sorgen über den USA/China-Konflikt

Die politischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China wirken sich nach Meinung von BAYERs oberstem Öffentlichkeitsarbeiter, dem ehemaligen Bündnisgrünen-Politiker Matthias Berninger, negativ auf die Entwicklung der Biotechnologie aus. „An der Schnittstelle von Künstlicher Intelligenz, Biologie und Chemie ergibt sich eine völlig neue Wachstumschance. Manche sprechen hier von einer Biorevolution. Und es wäre für keinen gut, wenn wir hier die Aufteilung der Welt in zwei Sphären fortsetzen würden, wie wir es jetzt schon im Technologie-Bereich sehen. Gerade was neue Medikamente angeht, wäre das sehr schlecht“, sagte er in einem Interview mit dem Portal Table Media. „In Bereichen, in denen die Probleme global sind, sollten wir zusammenrücken. Gerade in der Biotechnologie würde es sonst zu großen Verzögerungen kommen, unter denen Menschen leiden“, meinte er.

BAYERs Zoll-Vorkehrungen

Der BAYER-Konzern versucht sich auf die Zoll-Politik der Trump-Administration einzustellen. „Wir beobachten die Entwicklungen in den USA fortwährend genau und analysieren die potenziellen Auswirkungen auf unsere Lieferketten, Kunden und auch unsere Geschäftsbeziehungen“, sagte Finanz-Vorstand Wolfgang Nickl auf der letzten Hauptversammlung des Konzerns. Ein ganzes Netzwerk von ExpertInnen-Teams hat der Leverkusener Multi darauf angesetzt. „Diese Aktivitäten verstärken unsere ohnehin bestehende kontinuierliche Arbeit, die geopolitische Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Geschäfte zu stärken z. B. durch ein vielfältiges Beschaffungsnetzwerk oder das Management von Lagerbeständen“, so Nickl.

ÖKONOMIE & PROFIT

Vorerst keine Aufspaltung

Auf der diesjährigen BAYER-Hauptversammlung erklärte der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson, vorerst keine Aufspaltung des Konzerns anzustreben. „[D]er beste Weg für BAYER im Moment“ sei die Einführung des neuen Organisationsmodells, erklärte der US-Amerikaner, das binde alle Ressourcen. Aber prinzipiell ausschließen wollte er die Zerschlagung des Unternehmens nicht: „‚Nicht jetzt‘ sollte nicht als ‚nie‘ missverstanden werden. Wir bleiben offen für alle strukturellen Überlegungen und werden diese kontinuierlich im Auge behalten.“

Dollar-Kurs wirkt sich aus

Der Wechselkurs des Dollars gegenüber dem Euro hat erhebliche Auswirkungen auf den BAYER-Konzern. Er wickelt nämlich viele Geschäfte in dieser Währung ab. Zudem machen Dollar-Schulden rund ein Drittel der gesamten Last aus. Wie Finanzvorstand Wolfgang Nickl auf der letzten Hauptversammlung ausführte, entspricht eine Dollar-Schwankung von einem Prozent zum Euro einem Umsatzplus bzw. -minus von 160 Millionen Euro. 

BAYERs Steuerländer

Nach den Angaben von Finanzvorstand Wolfgang Nickl auf der letzten BAYER-Hauptversammlung hat der Konzern im Jahr 2024 weltweit 1,2 Milliarden Euro Steuern gezahlt. Dabei fielen die meisten Abgaben in den USA, Finnland, den Niederlande, der Schweiz und Indien an. In der Schweiz und den Niederlanden locken nicht zuletzt günstige Steuer-Konditionen. Besonders die niederländischen Angebote nutzt der Global Player immer wieder gerne. Dort haben unter anderem BAYER GLOBAL INVESTMENTS, BAYER WORLD INVESTMENTS, BAYER SOLUTION, BAYER CAPITAL CORPORATION und MONSANTO INVEST ihren Sitz.

31,6 Millionen Euro Gewerbesteuer

Der BAYER-Konzern hat im Jahr 2024 in Deutschland 31,6 Millionen Euro an Gewerbesteuern gezahlt. Den höchsten Anteil davon erhielten die Gemeinden mit den niedrigsten Sätzen, die deutschen Steuerparadiese Monheim und Schönefeld, und nicht etwa Leverkusen als Stammsitz. 

BAYER muss Ausgleich zahlen

Im Jahr 2021 hat die Industrieländer-Organisation OECD Regeln für eine globale Mindestbesteuerung von Unternehmen beschlossen, die 2024 in Kraft traten. Demnach müssen Konzerne, die in Staaten mit Steuer-Sätzen von unter 15 Prozent Abgaben zahlen, eine Primärergänzungssteuer abführen. Das hatte dann auch der Leverkusener Multi zu tun. „Die für das Jahr 2024 berechnete Primärergänzungssteuer der BAYER AG beträgt 2 Mio. Euro und entfällt auf Einkommen in den Vereinigten Arabischen Emiraten“, heißt es im Geschäftsbericht für das Jahr 2024. Die Vereinigten Arabischen Emirate zählen zu den wenigen Steueroasen, die die Zusatzsteuer nicht gleich selbst vor Ort erheben.

RECHT & UNBILLIG

BVG-Beschwerde: Die CBG hakt nach

Bei der Hauptversammlung im Jahr 2017 hatte der BAYER-Konzern die Proteste gegen das Profitstreben massiv behindert. Im Jahr Eins nach der Ankündigung des Plans, MONSANTO zu übernehmen, drohten diese sich nämlich noch einmal auszuweiten. Der Global Player sah also einiges auf sich zukommen und wollte sich die AktivistInnen deshalb so gut es geht vom Leib halten. Zu diesem Behufe setzte er ihnen „aus Sicherheitsgründen“ beispielsweise ein riesiges Zelt vor die Nase und beschnitt so den Raum der Kundgebung. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren ging dagegen im Vorfeld durch Eilverfahren und nach dem AktionärInnen-Treffen durch Feststellungsklagen vor. Im Jahr 2020 reichte sie nach verlorenen Prozessen sogar eine Beschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht wg. Verstoßes gegen das Versammlungsrecht ein. Eine Entscheidung gab es jedoch bisher nicht. Deshalb hakte die CBG jetzt in Karlsruhe noch einmal nach und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge.

Neuer juristischer Winkelzug?

Nach einem Bericht des Wall Street Journal unternimmt der BAYER-Konzern einen neuen Vorstoß in Sachen „Glyphosat-Entschädigungsprozesse“. Er strebt im Bundesstaat Missouri – Gerichtsstand der meisten der 67.000 noch anhängigen Klagen – einen Vergleich mit Vorbildcharakter für die übrigen Fälle an. Der Zeitung zufolge hat der Leverkusener Multi aber auch einen Plan B: „Der Agrarriese bereitet sich darauf vor, seine US-Tochter MONSANTO in Konkurs gehen zu lassen, falls eine Einigung mit Schadenersatzklägern scheitert.“ 

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) nahm in einer Pressemitteilung zu den Gerüchten Stellung. „Wenn das stimmen sollte, wäre das infam. BAYER droht mit einer Teil-Insolvenz, die die Glyphosat-Geschädigten fast leer ausgehen lassen würde, um eine möglichst billige Lösung zu erreichen. Die Frage ist, ob die Gerichte das mitmachen werden“, hieß es darin. 

ANDROCUR: BAYER muss zahlen

Anfang Juni 2025 sprach ein Gericht im französischen Poitiers einer Frau Schadensersatz zu, die durch BAYERs Hormon-Medikament ANDROCUR gravierende Gesundheitsstörungen erlitten hatte. Véronique Dujardin nahm ANDROCUR gegen Endometriose (eine gutartige Wucherung der Gebärmutter-Schleimhaut) und eine übermäßige Körper-Behaarung ein und erkrankte mehrfach an – gutartigen – Hirntumoren. Im Verlaufe des Prozesses hatte Dujardins Anwalt Romain Sintès den RichterInnen diverse Fachartikel über den Zusammenhang zwischen dem Mittel und der Krankheit vorgelegt, was schlussendlich Wirkung zeigte. Das „Tribunal judiciaire“ verurteilte BAYER, zwei weitere Pharma-Firmen sowie einen Arzt und einen Apotheker zu einer Schadensersatz-Zahlung von insgesamt 300.000 Euro. „Es ist ein jahrelanger Kampf, der endlich Früchte trägt“, freute sich Sintès. Er bezeichnete den Fall „Dujardin“ als einen Präzedenz-Fall, der auch anderen PatientInnen helfen wird, zu ihrem Recht zu gelangen.

Dabei reicht das Gefährdungspotenzial des ANDROCUR-Wirkstoffs Cyproteronacetat weit über Hirntumore hinaus. Er steht zudem in Verdacht, Leberkrebs, Thrombosen und Brustdrüsen-Vergrößerungen zu verursachen. Das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ (BfArM) bezeichnete ANDROCUR deshalb bereits 1995 „als Mittel der letzten Wahl“. Das BfArM sah es als geboten an, die Anwendung von Cyproteronacetat „auf das medizinisch unverzichtbare Maß“ zu beschränken und untersagte die Nutzung in Verhütungspräparaten.

Neue MIRENA-Klage

BAYERs Hormonspirale MIRENA hat seit Jahren einen schlechten Ruf, da sie Nebenwirkungen wie nächtliche Schweißausbrüche, Herzrasen, Schlaflosigkeit, Bauchkrämpfe, Oberbauchschmerzen oder Unruhe verursachen kann. Bei einzelnen Nutzerinnen durchbohrte die Spirale sogar die Gebärmutterwand. 

Darum ziehen die Geschädigten immer wieder vor Gericht. Nach Sammelklagen von über 3.000 Frauen musste der Leverkusener Multi in den USA bereits Millionen Dollar an Schadensersatz zahlen. Und immer noch kommen neue juristische Auseinandersetzungen dazu. So verklagte jetzt Bridget Doyle den Pharma-Riesen. Bei ihr fand sich die 2010 eingesetzte Spirale nach einer ektopischen Schwangerschaft – bei einer solchen nistet sich das befruchtete Ei nicht in der Gebärmutter, sondern an einer anderen Stelle ein – im Bauch wieder, was eine operative Entfernung erforderte. Der BAYER-Konzern übernimmt jedoch wieder einmal keine Verantwortung für seine Produkte und plädiert auf unschuldig.

Stillstand bei der OECD-Beschwerde

Im April 2024 reichte ein Bündnis verschiedener zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Argentinien, Brasilien, Paraguay, Bolivien und Deutschland eine Beschwerde gegen BAYER bei der deutschen Kontaktstelle der „Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung“ (OECD) ein. Es wirft dem Konzern vor, seine Sorgfaltspflichten beim Vertrieb von Soja-Saatgut und Pestiziden zu verletzen und damit gegen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen zu verstoßen. 

Auf der vorletzten Hauptversammlung konfrontierten die VertreterInnen der Initiativen das Management auch direkt mit den katastrophalen Zuständen in ihren Ländern und brachten unter anderem Gesundheitsgefährdungen durch Glyphosat & Co., Regenwald-Abholzungen, Vertreibungen von indigenen Gruppen und Wasserverschmutzungen zur Sprache.

Passiert ist allerdings noch nichts, weshalb MISEREOR jetzt Druck macht. „Ein Verfahren, dass eigentlich nach drei Monaten eine Entscheidung der Zulässigkeit vorsieht, dauert jetzt schon ein Jahr lang an. Währenddessen bleibt die Lebenssituation für viele Familien bedrohlich“, kritisierte MISEREORs Landwirtschafts- und Welternährungsexpertin Sarah Schneider.

BAYER & Co. halten Preise geheim

BAYER, CORTEVA und SYNGENTA bieten ihr Saatgut und ihre Pestizide nicht auf E-Commerce-Plattformen an. Sie wollen den LandwirtInnen nicht die Möglichkeit geben, Preise zu vergleichen. Die FarmerInnen sahen in der konzertierten Aktion einen Verstoß gegen Kartell-Gesetze und zogen vor Gericht. Die Richterin Sarah Pitlyk wies die Klage allerdings ab. BAYER & Co. wären nur „ihren jeweiligen individuellen, legitimen Geschäftsinteressen zur Aufrechterhaltung eines profitablen Marktes“ nachgegangen“, urteilte Pitlyk.

Brand bei BAYER-Manager

Im März 2025 kam es auf dem Anwesen eines US-amerikanischen BAYER-Managers zu einem Brand. Nach dem Attentat auf den Chef einer Krankenversicherung im Dezember 2024 schließt die Polizei auch hier ein politisches Motiv nicht aus und hat entsprechende Ermittlungen aufgenommen. „Personen, die aufgrund wirtschaftlicher Missstände mobilisiert wurden, nutzen den Mord an einem Krankenkassen-Vorstand als Inspiration für Drohungen und Anschlagspläne“, so das US-Heimatschutzministerium zur Begründung.

SPORT & MEDAILLEN

Aus für Lex Leverkusen

Die Sportvereine haben ihre Profifußball-Abteilungen in eigene Sparten ausgegliedert. Mit der „50 + 1“-Regel räumt der „Deutsche Fußball-Bund“ (DFB) den Mitgliedern des Muttervereins aber immer noch einen dominierenden Einfluss auf die Geschicke der Klubs ein. Unternehmen und InvestorInnen müssen sich hingegen auf einen Geschäftsanteil von höchstens 49 Prozent beschränken. 

1999 ließ der Verband jedoch „Förderausnahmen“ zu, wenn „ein Rechtsträger seit mehr als 20 Jahren den Fußball-Sport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat“. „Lex Leverkusen“ hieß diese Sonderklausel bald, denn BAYERs Werkself nahm diese zuerst in Anspruch, damit der Chemie-Multi auch im Fußball-Geschäft das Sagen haben kann. Danach folgten noch der VFL Wolfsburg und die TSG Hoffenheim. 

Der Lex droht nun aber das Ende. Das Bundeskartellamt, von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) um eine Einschätzung der „50 + 1“-Regel gebeten, meldete nämlich Bedenken an. Die Bestimmung sei nur unter der Bedingung zu halten, keine Extrawürstchen mehr für Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim bereitzuhalten, so die JuristInnen. „Wenn einigen Clubs größere Möglichkeiten zur Einwerbung von Eigenkapital zur Verfügung stehen als anderen, dürfte dies nicht zur Ausgeglichenheit des sportlichen Wettbewerbs beitragen, sondern ihn eher verzerren“, meinten sie. 

Im Juni 2025 veröffentlichte das Bundeskartellamt eine rechtliche Bewertung und sprach Empfehlungen aus. „Nach der neuen Rechtsprechung des EuGH erscheint es (…) nicht mehr möglich, zu den bislang vorgeschlagenen Bedingungen einen dauerhaften Bestandschutz für Vereine vorzusehen, die bereits eine Förderausnahme erhalten haben – nach aktuellem Stand BAYER Leverkusen und der VFL Wolfsburg“, heißt es darin. „Das bedeutet, dass bei allen Clubs – ob vormaliger „Förderclub“ oder nicht – zumindest perspektivisch sichergestellt werden muss, dass der für Neumitglieder offene Mutterverein die Profi-Abteilung beherrscht“, hält das Bundeskartellamt fest. 

Aber so einfach hinnehmen will die „BAYER 04 Leverkusen Fußball GmbH“ das alles nicht. „Die rechtlich unverbindliche Stellungnahme des Bundeskartellamts bedeutet einen bemerkenswerten Kurswechsel in der Frage der Rechtmäßigkeit der seit 25 Jahren bestehenden Ausnahme von der 50+1-Regel. Diese neue Einschätzung halten wir weder inhaltlich noch im Ergebnis für überzeugend. Gemeinsam mit der DFL und allen relevanten Akteuren werden wir die Sach- und Rechtslage sorgfältig prüfen und behalten uns dabei sämtliche rechtliche Optionen vor“, ließ der Club verlauten. 

Die BAYER-Hauptversammlung 2025

CBG Redaktion

Der Doppelpack

Auch im Jahr 2025 sah sich BAYER auf der Hauptversammlung wieder mit Konzernkritik im virtuellen und im realen Raum konfrontiert.

Von Peer Clausen

Am 25. April fand die Aktionärsversammlung des BAYER-Konzerns statt – wiederum virtuell. Dieses digitale Format, das im Windschatten der Corona-Pandemie eingeführt und einfach beibehalten wurde, stößt auf massive Ablehnung. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und der DACHVERBAND KRITISCHE AKTIONÄRINNEN UND AKTIONÄRE sehen in ihm einen bequemen Weg, sich nicht länger direkt mit Konzern-Kritik konfrontieren zu müssen. Aber auch unorganisierte AktionärInnen stoßen sich an den Online-Hauptversammlungen. Sie geißeln diese als undemokratisches Kosteneinsparungsmodell und stellen auch die hohen technischen Hürden heraus, die gerade ältere Personen oft nicht überwinden könnten.

Die Kundgebung

Die CBG aber hielt dagegen und organisierte Protest in Präsenz. Ab 9 Uhr morgens standen Aktivistinnen und Aktivisten vor der BAYER-Zentrale auf der Kaiser-Wilhelm-Allee in Leverkusen, während AnzugträgerInnen auffällig unauffällig Fotos von ihnen machten. Von derart billigen Einschüchterungsstrategien ließen die ProtestlerInnen sich jedoch nicht einschüchtern, sie kennen die Chose ja schon einige Jahre.

Die KonzernkritikerInnen nahmen den ganzen Vorplatz in Beschlag – Belagerungszustand. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) war mit zwei Treckern vorgefahren, deren Schaufeln sie zu Transparenthaltern umfunktioniert hatten. „Patente und Gentechnik stoppen“ und „Unser Saatgut ist in Gefahr – Neue Gentechnik und Patente stoppen“ war darauf zu lesen. Die beiden Banner der Coordination thematisierten die Risiken und Nebenwirkungen von Pestiziden und globalem Handel. „Parkinson für die Bauern – Profite für BAYER & Co. und „Welt in (Liefer-)ketten – BAYER muss haften!“ stand auf ihnen. Sogar Dreidimensionales bot die CBG auf: eine riesige Weltkugel im Würgegriff des Global Players.

All das und noch viel mehr fand sich auch in den Wortbeiträgen wieder, die Sibylle Arians und ihre Schwester Maria musikalisch umrahmten. Annemarie Volling von der AbL referierte über die Saatgutstrategie des Agro-Riesen und die Patentierungen, die Kleinbauern und -bäuerinnen in dessen Abhängigkeit treiben. „Vor allem die großen Konzerne wie BAYER oder CORTEVA sind die Treiber und melden immer mehr Patente auf Pflanzen und Tiere an“, erläuterte sie und malte ein beängstigendes Bild von der Macht des Agro-Business. „2018 hat BAYER MONSANTO für 60 Mrd. US-Dollar aufgekauft und ist damit zum größten Saatgutkonzern geworden. Die AbL war die einzige landwirtschaftliche Organisation, die bei dieser Mega-Fusion Widerspruch eingelegt hat.“, machte sie noch mal auf die relativ singuläre Position der AbL unter den landwirtschaftlichen Vertretungen aufmerksam. 

Brigitte Hincha-Weisel, Vorstandsmitglied der CBG, zeigte am Beispiel der Frage der Lieferketten, die ein thematischer Schwerpunkt der diesjährigen CBG-Aktivitäten zur HV waren, dass BAYER für die Steigerung der Profite die systematische Verletzung von Menschenrechten, Sozial-, Gesundheits- und Arbeitsschutzstandards in Kauf zu nehmen bereit ist. Lars-Ulla Krajewski von der CBG sprach zu Parkinson als Berufskrankheit bei LandwirtInnen und Uwe Friedrichs zu PFAS-Pestiziden. Rolf Brombach nahm sich in einem Schnelldurchlauf BAYER im Ganzen vor und Bernward Geier sorgte für das nötige Kontrastprogramm: Er widmete sich der ökologischen Landwirtschaft als Alternative zum von BAYER & Co. forcierten agro-industriellen Modell.

Die virtuelle HV

Jan Pehrke von der Coordination verlängerte den Protest dann in die Online-Hauptversammlung hinein, die bis zu 2.600 Menschen an ihren Monitoren verfolgten. „Heute Morgen fand vor der BAYER-Zentrale in Leverkusen eine Kundgebung der Coordination gegen BAYER-Gefahren statt, an der Landwirte, Gentechnik-Gegner und Pestizid-Kritiker teilnahmen. Und einige Themen, die die Aktivisten auf die Tagesordnung setzten, möchte auch ich jetzt ansprechen wie z. B. BAYERs prekäre Lieferketten“, sagte er. So verwies Pehrke auf eine Saatgutanlage in Sambia, deren Zuliefer-Betriebe 15.000 SaisonarbeiterInnen beschäftigen. „Wie will BAYER bei diesen 15.000 beschäftigten Saisonarbeitern sicherstellen, dass da keine Kinder dabei sind?“, fragte er.

IG FARBEN & heute

Hans van Scharen vom Corporate Europe Observatory sprach über den Extrem-Lobbyismus des Global Players in den USA für Gesetze, die Glyphosat Straffreiheit gewähren (inklusive der Teilnahme an der Amtseinführung Donald Trumps). Er holte dafür aber weiter aus: „Doch ich möchte zunächst der Vergangenheit eine Stimme geben, weit über Ihre Quartalszahlen hinausgehend, weil die Geschichte beeinflusst, wer wir sind und wie wir heute handeln. Mein Großvater Karel van Scharen wurde 1942 von den Nazis aus Antwerpen, Belgien, nach Auschwitz deportiert, um dort Zwangsarbeit in den Fabriken der IG FARBEN zu verrichten, einem Konzern, der aus drei deutschen Chemieunternehmen bestand, einer davon BAYER, und der offiziell erst vor 22 Jahren aufgelöst wurde.“ 

Aus solchen historischen Ereignissen gelte es zu lernen, aber eben diese Prüfung hat der Leverkusener Multi van Scharen zufolge nicht bestanden. „Leider sehen wir heute, wie BAYER als großes europäisches Unternehmen sich einer neuen und schockierenden Diktatur anbiedert, die sich direkt vor unseren Augen entwickelt: der von Donald Trump in Washington. Sie mögen diese Vergleiche vielleicht für unangemessen halten, aber ich bin nicht der Einzige. Der Vizepräsident der USA, Al Gore, hat gestern dasselbe getan“, so van Scharen.

Um die „undemokratischen Bemühungen von BAYER, Gesetze abzuändern, die dazu bestimmt waren, die Völker und den Planeten schützen“ zu konterkarieren, hat das Corporate Europe Observatory einen offenen Brief initiiert, den über 100 Organisationen aus der ganzen Welt unterzeichnet haben. Klar ist: Unterschriften allein werden den Kurs des BAYER-Konzerns nicht ändern, doch sind sie ein wichtiges Zeichen für Widerstand gegen die rücksichtslose Durchsetzung seiner Profitinteressen. 

Immer wieder Pestizide 

Einen Schwerpunkt der weiteren Beiträge bildete das Pestizid-Geschäft des Chemieriesen. Dabei gelang es der CBG sogar, den AktionärInnen eine Stimme aus dem fernen Afrika zu Gehör zu bringen. Harun Warui von der Heinrich-Böll-Stiftung in Nairobi kritisierte den Export von innerhalb der EU wegen ihres Gefährdungspotenzials nicht (mehr) zugelassenen Ackergiften. Seit Neuestem geht Kenia gegen diese doppelten Standards vor. So hat das Land laut Warui Ende des letzten Jahres acht als „Highly Hazardous Pesticides“ (HHPs) klassifizierte Ackergifte – darunter auch BAYERs Thiacloprid – aus dem Verkehr gezogen. Diesen Schritt begrüßte er als Maßnahme zur Unterstützung der Kleinbauern und -bäuerinnen, die den Großteil der afrikanischen landwirtschaftlichen ErzeugerInnen stellen. Damit gehe Kenia einen Schritt, den bereits zahlreiche andere Staaten gegangen seien, was Ausdruck einer grundsätzlichen Umkehr sei. Angesichts der mit zweierlei Maß messenden Geschäftspraxis stellte er BAYERs Leitmaxime in Frage: „Was bedeutet ‚Science For A Better Life‘, wenn es nur selektiv Anwendung findet, abhängig von der Geografie, dem regulatorischen Umfeld und dem Wachsamkeitsgrad der Öffentlichkeit?“ 

Gleich mehrere RednerInnen sprachen zu „Parkinson durch Pestizide“, das bei LandwirtInnen seit dem letzten Jahr als Berufskrankheit anerkannt ist. „Mit bestem Wissen und Gewissen haben die Bäuerinnen und Bauern die betreffenden Pestizide entsprechend der Angaben der Hersteller und Zulassungsbehörden zur gesundheitlichen Sicherheit angewendet. Ein Hinweis auf mögliche Gefahren für eine Parkinson-Krankheit hat es nicht gegeben, und heute findet man diesen immer noch nicht“, warf AbL-Vizegeschäftsführer Bernd Schmitz dem Agro-Riesen vor. Die Berufsgenossenschaft der LandwirtInnen belasten die erwarteten Behandlungskosten enorm, weshalb sie die Beträge drastisch erhöht hat. Für Schmitz ein unhaltbarer Zustand: „Bauern und Bäuerinnen kommen heute allein für die Kosten von Parkinson als Berufskrankheit mit ihren Beiträgen zur Berufsgenossenschaft auf. Pharma-Konzerne haben ihre Gewinne eingestrichen, entziehen sich aber jetzt ihrer Verantwortung für die Folgen. Ich fordere BAYER hiermit auf, sich mit einem Fonds an den Folge-Kosten für eine berufliche Pestizid-Exposition und der Entstehung der Parkinson-Erkrankung zu beteiligen.“

Jan Pehrke verlangte angesichts des von der „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau“ geschätzten Parkinson-Mehrbedarfs von 270 Millionen Euro pro Jahr ebenfalls eine Kostenbeteiligung. Hans van Scharen befasste sich indessen grundsätzlicher mit dem Nervenleiden, das sich rasant ausbreitet. In den letzten 20 Jahren haben sich die Parkinson-Zahlen mehr als verdoppelt und übertreffen damit Schlaganfälle und Multiple Sklerose, so der CEO-Aktivist. Zur Erklärung der Ursachen dafür zitierte er den Wissenschaftler und Neurologen Bas Bloem: „Parkinson war bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts eine sehr seltene Krankheit. Mit der landwirtschaftlichen Revolution, der chemischen Revolution und dem explosionsartigen Anstieg des Pestizideinsatzes begannen die Erkrankungsraten zu steigen.” Angesichts dessen konnte van Scharen es nur als zynisch empfinden, dass der Leverkusener Multi sich auch noch als Heilsbringer in der Sache inszeniert, weil seine Pharma-Abteilung an Behandlungsmethoden für Parkinson forscht. 

Nicole van Gemert von der niederländischen FOODWATCH-Sektion machte da gleich einen praktischen Therapie-Vorschlag: „Ich schätze die Bemühungen von BAYER, ein Heilmittel für Parkinson zu finden, aber könnten Sie dieses Geld nicht einsparen, wenn Sie die Produktion von Glyphosat einstellen würden?“ Aus der Perspektive einer Organisation, die für ein gesundes Essen streitet, widmete sie sich den Pestiziden im Allgemeinen und den doppelten Standards im Besonderen, landen die hierzulande nicht (mehr) genehmigten, in ferne Länder exportierten Ackergifte über Lebensmittelimporte doch wieder auf den hiesigen Tellern. 

Dr. Gottfried Arnold sprach von der Warte eines ehemaligen Kinderarztes aus und schilderte die Gefahren, die ErdenbürgerInnen in spe schon im Mutterleib drohen. „Die erste Pestizid-Dosis, die ungeborene Kinder in dieser frühen und empfindlichen Phase abbekommen, nennen Kinderkrebs-Ärzte den ‚1. Schlag‘“, erläuterte er. Der 2. Schlag folge dann draußen in der Welt durch die Schadstoff-Expositionen in der Luft, so Arnold. Am häufigsten entwickeln die Neugeborenen ihm zufolge eine Leukämie. Dazu zitierte er eine Studie von WissenschaftlerInnen, die in diesem Zusammenhang von einer „vermeidbaren Erkrankung“ sprechen, weil die Entstehungsgeschichte so klar vor Augen liegt und Handlungsoptionen eröffnet.

Peter Clausing, promovierter Toxikologe vom PESTIZID AKTIONS-NETZWERK (PAN), beschäftigte sich mit denjenigen Pestiziden, die Mensch, Tier und Umwelt besonders zusetzen, weil sie zu den Ewigkeitschemikalien zählen. Allein sieben, die bei ihrer Zersetzung den PFAS-Stoff Tetraflouracetat (TFA) bilden, hat BAYER im Programm. „Auch wenn es noch andere Emissionsquellen für TFA gibt, sind PFAS-Pestizide die vorherrschende Quelle für die Kontamination von Grund- und Trinkwasser mit TFA. Laut Europäischer Chemikalien-Agentur werden in der EU pro Jahr knapp 5.500 Tonnen PFAS-Pestizide ausgebracht. Und aus dem Bericht des Umweltbundesamts von 2023 geht hervor, dass in Deutschland das Potenzial besteht, dass durch die ausgebrachten PFAS-Pestizide jährlich bis zu 521 Tonnen TFA gebildet werden“, führte er aus. „Wie hoch ist der Anteil des BAYER-Konzerns an den nach offizieller Schätzung knapp 5.000 Tonnen PFAS-Wirkstoffen, die jährlich in der EU ausgebracht werden?“, wollte er unter anderem vom Vorstand wissen.

Gentechnik & Co.

Judith Düesberg vom Gen-ethischen Netzwerk widmete sich der neuesten Schöpfung aus den BAYER-Laboren: einem Hybrid aus Pestizid und Gentechnik auf der Basis von doppelsträngiger Ribonukleinsäure (dsRNA). Damit bestückt, sollen die Mittel dem Maiswurzelbohrer zu Leibe rücken.  Die Molekül-Kette zieht nämlich Enzyme im Magen des Insekts an und spaltet diese in siRNA auf, was dann ein für das Tier überlebenswichtiges Protein blockiert. Als Alternative zur Agro-Chemie preisen die Konzerne diese Entwicklung an, Düesberg aber äußerte Zweifel am Sicherheitsprofil der Technologie, die in einem Gen-Mais des Global Players bereits zur Anwendung kommt. Zu einem anderen erst jüngst erschlossenen Anwendungsgebiet der Gentechnik, der Kreation von Boden-Bakterien, stellten sich ihr ebenfalls drängende Fragen. Das nicht zuletzt deshalb, weil sich die Versprechungen, die BAYER & Co. bei der Einführung der ersten Gentech-Pflanzen gemacht haben – wie zum Beispiel eine Reduktion der Giftspritzereien auf den Feldern durch passgenau auf die Ackerfrüchte abgestimmte Pestizide – nicht erfüllt haben. 

Damit blieb an diesem Tag keine Gentech-Hervorbringung BAYERs unter dem Radar der AktivistInnen, denn zuvor schon hatte Bernd Schmitz sich in seiner Rede der Gentechnik 2.0 angenommen und den Umgang des Leverkusener Multis mit dieser Risiko-Technologie scharf kritisiert. „[I]n der Debatte um die Anwendung der neuen Gentechnik CRISPR-Cas bei Saatgut lehnt BAYER jede Haftung und Verantwortung ab. Auch eine Rückverfolgbarkeit und eine durchgehende Kennzeichnung in der Lebensmittel-Kette wird von Ihrem Konzern bekämpft. Das ist alles andere, als Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen!“, konstatierte er.

CO2 & Co.

Auch der Klimawandel kam zur Sprache, trägt der Leverkusener Multi doch mit einem Treibhausgas-Ausstoß von rund drei Millionen Tonnen pro Jahr nicht unwesentlich dazu bei. „Wie stark die Extremwetter in Zukunft noch zunehmen werden, ist abhängig von den Entscheidungen, die heute in den Chefetagen der Unternehmen wie der BAYER AG getroffen werden. Werden die planetaren Grenzen weiterhin negiert und nicht eingepreist, werden sich die Krisen in absehbarer Zukunft überschlagen“, prophezeite Alice Werner von den Leverkusener PARENTS FOR FUTURE. Darum erkundigte sie sich danach, was der Global Player tut, um so schnell wie möglich aus der fossilen Energie-Gewinnung auszusteigen. Auch zu weiteren Maßnahmen zur Eindämmung der Erderwärmung erbat sie Informationen. Eigentlich wollte sich die Aktiengesellschaft auf der Hauptversammlung dazu groß in Szene setzen und ihren Klimaplan zur Abstimmung stellen. Aber das verschwand schnell wieder von der Tagesordnung – Mächtige AktionärInnen hatten interveniert. „Ich hätte jetzt gerne die Namen der Großinvestoren erfahren, die ihr Veto eingelegt haben“, bat Jan Pehrke deshalb. 

Mit Günter Wulf ergriff schließlich ein ehemaliges Heimkind das Wort, das in Kinder- und Jugendpsychiatrien als Versuchskaninchen für Arzneien von BAYER und anderen Firmen herhalten musste. „Bei jahrelangen Misshandlungen und unter 8-jähriger Dauermedikation, bei der die Pharma-Unternehmen unvorstellbar hohe Gewinne einstreichen konnten, da ihnen ja ‚günstige Probanden‘ für ihre Medikamententests zur Verfügung standen, nämlich wir Heim- und Psychiatrie-Kinder, bin ich heute dankbar dafür, dass ich diese medikamentöse Vergewaltigung, die überhaupt keinen therapeutischen Nutzen hatte, tatsächlich überstanden habe, wenngleich Nervenschäden nicht ausblieben“, berichtete er.

Von 1964 bis 1972 war Wulf dieser Tortur ausgesetzt. Erst mit dem neuen Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Schleswig-Hesterberg – Hermann Meyerhoff, der Vater des bekannten Schauspielers und Autors Joachim Meyerhoff – endeten seine Qualen. Darum forderte Günter Wulf den Leverkusener Multi auf, Verantwortung zu übernehmen.

Nur Ausflüchte von BAYER

Das lehnte das Unternehmen jedoch ab. „Herr Wulf – Sie hatten gefragt, wann sich die BAYER AG dazu bereiterklärt, für die an Heimkindern angeblich begangene Körperverletzung einzustehen“, hob Pharma-Chef Stefan Oelrich in seiner Antwort an, um Günter Wulf dann zu bescheiden: „Die Forderung nach einer finanziellen Beteiligung lehnen wir ab, da wir weder für die Zustände in den damaligen Heimen noch für die Handlungen der Mitarbeiter Verantwortung übernehmen können.“ Die Untersuchungen selbst wurden damals „auf der Grundlage der damals geltenden rechtlichen und ethischen Rahmenbedingungen und unter den Voraussetzungen der entsprechenden Indikationsstellung durchgeführt“, behauptete Oelrich. Und überdies wurden Kinder und Jugendliche nur „in geringem Umfang eingebunden“ und das auch nur, „wenn der medizinische Bedarf oder die Indikationsstellung gegeben war“, wiegelte er weiter ab.

Auch wollte das Unternehmen nicht damit rausrücken, welche Großinvestoren genau darauf gedrungen hatten, den Klimaplan nicht zur Abstimmung zu stellen. BAYER-Chef Anderson äußerte sich nur ganz allgemein dazu. „Die Entscheidung, die Abstimmung über ein ‚Say on Climate‘ nicht zur Abstimmung zu stellen, wurde auf der Basis einer gründlichen Analyse der Erwartungen unserer Investoren getroffen“, erläuterte er. Diese hätten dem Vorstand „aufgrund ihrer internen Diskussionen signalisiert, dass der momentane Zeitpunkt für einen ‚Say on Climate‘ nicht der richtige ist“, so der Ober-BAYER weiter. Aber heute ist nicht alle Tage. „Wir prüfen das Thema weiterhin“, versuchte Anderson Trost zu spenden.

Judith Düesberg erhielt ebenfalls keine Antwort auf ihre Frage, wie viel Geld BAYER in die Entwicklung von gentechnisch veränderten Mikroorganismen steckt – Geschäftsgeheimnis. Auch zur Erforschung der Risiken von RNAI-Pestiziden hielt sich das Unternehmen bedeckt. Nur Lobby-Aktivitäten bezüglich deren Regulierung räumte es ein, prägen doch „Gesetzgebung und Politik die Rahmenbedingungen unseres Geschäfts“. „Als global agierendes Unternehmen haben wir die gesamtgesellschaftliche Verantwortung, aktiv unsere Fähigkeiten und Kenntnisse zur Verfügung zu stellen und politische Entscheidungsprozesse zu begleiten“, meinte BAYERs Agrar-Chef Rodrigo Santos. „Deshalb haben wir zu diesem Themen-Komplex zahlreiche Gespräche unter anderem mit der EU-Kommission und dem europäischen Parlament geführt“, führte er aus. Und natürlich pflegt der Global Player die politische Landschaft nicht nur in Brüssel. „Selbstverständlich tauschen wir uns auch mit der US-Regierung über den Nutzen unserer Produkte aus“, erklärte Finanz-Vorstand Wolfgang Nickl: „Tragfähige Beziehungen zu Regierungen überall sind für uns sehr wichtig, das ist unabhängig von bestimmten Personen.“ 

Am Vorstandsvorsitzenden Bill Anderson war es dann dieses Mal, die Wahlkampf-Spenden des Konzerns an Trump herunterzuspielen und als reine Privatangelegenheiten der Beschäftigten darzustellen. Er bekannte sich bei der Gelegenheit beherzt zu den Geschäften in den USA, trotz der Schadensersatz-Prozesse in Sachen „Glyphosat“ und „PCB“. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, diese Hindernisse aus dem Weg zu räumen und BAYER wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zu bringen. Dabei machen wir sehr gute Fortschritte, es ist aber auch noch sehr viel zu tun.“ 

Auf die Zollpolitik der Trump-Admini-stration versucht sich der Agro-Riese derweil einzustellen. „Wir beobachten die Entwicklungen in den USA fortwährend genau und analysieren die potenziellen Auswirkungen auf unsere Lieferketten, Kunden und auch unsere Geschäftsbeziehungen“, sagte Finanz-Vorstand Wolfgang Nickl. Ein ganzes Netzwerk von ExpertInnen-Teams hat der Leverkusener Multi darauf angesetzt. „Diese Aktivitäten verstärken unsere ohnehin bestehende kontinuierliche Arbeit, die geopolitische Widerstandsfähigkeit unserer Gesellschaft und unserer Geschäfte zu stärken z. B. durch ein vielfältiges Beschaffungsnetzwerk oder das Management von Lagerbeständen“, so Nickl. 

Genauere Angaben darüber, wie BAYER mit dem Druck von Trump & Co. auf die Konzerne umgeht, ihre Programme für Vielfalt, Gleichberechtigung und Diversität einzustellen, machte die Vorstandsriege nicht. Unter anderem Jan Pehrke hatte darüber Auskünfte verlangt. Er zitierte dazu Statements von ehemaligen Beschäftigten, die sich um Angehörige von Minderheiten innerhalb der Belegschaft sorgten und aus dieser Perspektive die Teilnahme Bill Anderson und BAYERs US-Chef Sebastian Guth an der Amtseinführung Trumps kritisiert hatten. Personalvorständin Heike Prinz flüchtete sich zunächst in Allgemeinplätze. „Wir setzen uns weiterhin für Vielfalt ein“, bekundete sie. Die konkreteren Ausführungen ließen daran jedoch großen Zweifel aufkommen. „Dieses Versprechen setzen wir unter Einhaltung aller jeweils geltenden staatlichen Gesetze und Vorschriften um“, erläuterte Prinz. Die rechtliche Situation in den USA sei weiterhin in Bewegung und BAYER in Habacht-Stellung. „Wir beobachten die sich in den USA entwickelnde Situation sehr aufmerksam, um die möglichen Auswirkungen auf unser Geschäft besser einschätzen zu können. Dabei handeln wir proaktiv, um unser Unternehmen voranzubringen und gleichzeitig unseren Werten treu zu bleiben“, so die Managerin.

Wie schlecht es um diese Werte bestellt ist, zeigte der von Jan Pehrke zur Sprache gebrachte Lieferkettenbericht, der zahlreiche Verstöße gegen soziale und ethische Standards ausweist. Genauere Auskunft zum dort dokumentierten Fall von Kinderarbeit verweigerte der Leverkusener Multi. Ein neues Einfallstor für die Ausbeutung von Minderjährigen könnte BAYERs neue Maissaatgut-Anlage in Sambia darstellen, denn nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen ist die Landwirtschaft ein Hot Spot von Kinderarbeit. Und bei der Fertigungsstätte in Kabwe ist das Risiko besonders groß. Die Vertragsfirmen, die für diese Fabrik das Saatgut vermehren, beschäftigen nämlich nicht weniger als 15.000 Saisonkräfte. Der Agro-Riese aber sieht da keine Gefahr. Die Zulieferer wären an BAYERs Human Rights Policy gebunden, die sich wiederum an den allgemeinen Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen der Vereinten Nationen orientiert, versicherte Rodrigo Santos Jan Pehrke: „Zudem gelten die arbeitsrechtlichen Bedingungen in Sambia“. Etwas konkreter fielen die anderen Antworten zu diesem Thema aus. Die Behinderungen gewerkschaftlicher Betätigung fanden in Mexiko und in Indien statt. In dem lateinamerikanischen Land verzögerte sich die Umsetzung von Bestimmungen zur Versammlungsfreiheit, und in dem südostasiatischen Land behinderte eine Vertragsfirma von BAYER die Gründung eines Betriebsrats. Der Lohnraub wiederum ereignete sich in China, Indien und Saudi-Arabien. Es handelte sich in allen elf Fällen um verspätete Bezahlung, erklärte Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann.

Der Pestizid-Komplex

Die Risiken und Nebenwirkungen der BAYER-Pestizide verleugnete Agrar-Chef Rodrigo Santos samt und sonders. Die Ewigkeitschemikalie TFA als Abbau-Stoff von Ackergiften – kein Problem! „Nach den Ergebnissen der jüngsten wissenschaftlichen Studien zu TFA – einschließlich relevanter Überwachungsdaten – ist es wichtig zu sagen: Es gibt keine Hinweise für ein Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt, das mit der ordnungsgemäßen Verwendung unserer Produkte verbunden ist“, meinte er. Für Parkinson gilt das ihm zufolge natürlich auch. „Die Entstehung des Parkinson-Syndroms ist komplex und in der medizinischen Forschung nicht vollständig geklärt“, eröffnete er Bernd Schmitz von der AbL, klar ist nur das: „Im Rahmen der Zulassungs- und Wiederzulassungsverfahren für Pflanzenschutzmittel überprüfen und bewerten die Zulassungsbehörden umfangreiche Daten aus Studien (…) Keine Zulassungsprüfung kam jemals zu dem Schluss, dass die Verwendung eines unserer registrierten Produkte oder Wirkstoffe mit der Parkinson-Krankheit in Zusammenhang steht.“ 

Selbst innerhalb der Europäischen Union nicht (mehr) zugelassenen, von BAYER aber weiter in andere Länder exportierte Mitteln stellte der Brasilianer eine Unbedenklichkeitserklärung aus, die der Konzern in ganz ähnlicher Form bereits bei der Hauptversammlung von 2023 zur Anwendung brachte. „Allein die Tatsache, dass ein Pflanzenschutzmittel nicht in der EU zugelassen ist, sagt nichts über seine Sicherheit aus. Auch viele andere Zulassungsbehörden aus der ganzen Welt verfügen über robuste und hochentwickelte Regulierungssysteme zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Umwelt“, erklärte der Agrar-Manager. BAYER hat sich da kurzerhand ganz eigene Regeln zugelegt. Nach „Das Unternehmen vertreibt keine Pestizide, die nicht in mindestens einem OECD-Staat eine Genehmigung haben“ ein Komma setzen und schreiben: „und meint damit den Gleichbehandlungsansprüchen zu genügen.“ Seinen Leit-Slogan „Science For A Better Life“ wollte es dann auch keineswegs nur selektiv verstanden wissen. „Unsere Strategie bezüglich der Landwirte steht im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und wird in unsere regionale Wirtschaftsstrategie eingegliedert“, versicherte Santos Harun Warui. Aber es gebe nun einmal spezifische lokale Bedürfnisse, meinte er nach der Devise „andere Länder, andere Sitten“.

Die Antworten fielen also wieder einmal dürftig aus. Es gab von Seiten des Managements kein ernsthaftes Interesse, sich mit den von den AktivistInnen vorgebrachten Problematiken auseinanderzusetzen. Darum lautete das Resümee des CBG-Vorstandsmitglieds Jan Pehrke: „Die Themen-Komplexe, die ich und die anderen Konzern-Kritiker bisher angesprochen haben, zeigen, dass BAYER ohne Rücksicht auf Verluste für Mensch, Tier und Umwelt den Profiten nachjagt. Um dem in Zukunft Einhalt zu gebieten, muss der Konzern unter gesellschaftliche Kontrolle gestellt werden.“ ⎜

Die „Operation Ranch Hand“

CBG Redaktion

Agent Orange & Co.

Vor 50 Jahren endete der Vietnam-Krieg. Über drei Millionen Menschen verloren durch die Kämpfe ihr Leben. Als besonders verheerend erwies sich der Einsatz von Agent Orange. Einer der Hauptproduzenten des zur Chemie-Waffe umfunktionierten Herbizids: Die jetzige BAYER-Tochter MONSANTO.

Von Jan Pehrke

Mit der Einnahme Saigons durch die nordvietnamesischen Truppen am 30. April 1975 endete der Vietnam-Krieg. Die Bilanz: über drei Millionen Tote auf vietnamesischer Seite, davon vier Mal so viel ZivilistInnen wie Soldaten, und 58.000 tote US-Kämpfer. Auf das südostasiatische Land gingen sieben Millionen Tonnen Bomben nieder – das 2- bis 3-Fache der im gesamten 2. Weltkrieg abgeworfenen Menge. 

Als besonders tückisch erwies sich der „Herbicidal warfare“ mit Agent Orange und anderen Pestiziden. „Sie versprühten so viel Agent Orange, dass man am Ende ganz nass war“, erinnert sich die Franco-Vietnamesin Tran To Nga an den Tag im Dezember 1966, an dem sie zum ersten Mal mit dem Herbizid in Berührung kam. Transportmaschinen des Typs Fairchild C-123 hatten sich im Tiefflug genähert und ein weißes Pulver herabrieseln lassen. „Das Puder verwandelte sich in eine klebrige Flüssigkeit, die meinen Körper umschloss. Ich musste husten und hatte das Gefühl zu ersticken“, so die 83-Jährige. 

Die US-Armee nutzte den Stoff als Entlaubungsmittel, um die sich im Dschungel verborgen haltenden Vietcong besser vor die Zielfernrohre zu bekommen. Überdies diente er dem Kriegsziel, die Ernten des Gegners zu vernichten und so eine Nahrungsmittel-Krise auszulösen. Eine Fläche von 3,3 Millionen Hektar geriet ins Visier der Sprüh-Flugzeuge, was einem Viertel des Staates entspricht. Über 3.000 Dörfer flogen die Piloten an. Nicht weniger als 46 Millionen Liter Agent Orange und dazu noch einmal 34 Millionen Liter anderer Pestizide gingen von 1962 bis 1971 im Zuge der „Operation Ranch Hand“ auf den südostasiatischen Staat nieder. 

Die Nachfrage des „U. S. Chemical Corps“ war so groß, dass die Konzerne mit der Produktion gar nicht mehr nachkamen und bei der Fertigung Fehler machten. Sie verunreinigten das 2,4,5-T mit Dioxin. 400 Kilogramm dieser Verbindung gelangte auf diese Weise nach Vietnam. Zum Vergleich: Nach einer von Marie-Monique Robin in ihrem Buch „Mit Gift und Genen“ zitierten Studie reichen 80 Gramm der Substanz im Trinkwasser-Netz einer Stadt aus, um acht Millionen EinwohnerInnen zu töten. Durch diese Extra-Ladung Dioxin potenzierte sich die fatale Wirkung des Agent Orange noch, die ohnehin schon immens war. Die Konzentration der Inhaltsstoffe überstieg nämlich diejenige, die sich in dem für „zivile“ Zwecke genutzten Agent Orange findet, um das 50-Fache. 

Die Strategie, Antiunkraut-Mittel und andere Pestizide als Chemiewaffen einzusetzen, entwickelten die britischen Streitkräfte 1940. Anfang der 1950er Jahre erprobten sie den „Herbicidal warfare“ dann im Kampf gegen die malaysische Befreiungsbewegung. Aber erst der Vietnam-Krieg brachte das ganze zerstörerische Potenzial dieser militärischen Praxis ganz zur Entfaltung. 

Zahlreiche Chemie-Multis leisteten dabei Schützenhilfe. Mit die größten Rüstungslieferungen stammten von MONSANTO. Bereits seit 1950 befand sich das Unternehmen im regen Austausch mit der Chemiewaffen-Abteilung des US-Militärs über die Kriegsverwendungsfähigkeit des Wirkstoffs 2,4,5-T. Die entsprechende Akte ist 597 Seiten stark und zu großen Teilen immer noch als „geheim“ deklariert. Überdies wusste der Multi schon früh um die Gefährlichkeit des Stoffes. Aber bei einem Treffen mit weiteren Herstellern des Produkts zur Erörterung der Gesundheitsgefahren übte MONSANTO Druck auf die VertreterInnen anderer Firmen aus, der Regierung der Vereinigten Staaten diese Risiken zu verheimlichen. „Ein kausaler Zusammenhang zwischen Agent Orange und chronischen Krankheiten beim Menschen konnte nicht nachgewiesen werden“, behauptete der Agro-Riese stets in der Öffentlichkeit. Und auf seiner Website stand früher die Rechtfertigung zu lesen, die Flugzeuge hätten das Herbizid versprüht, „um das Leben der US-Soldaten und ihrer Verbündeter zu schützen und zu retten“. 

Seit 2018 gehört MONSANTO zum BAYER-Konzern. Aber auch der will für Agent Orange keine Verantwortung übernehmen. „Es war die US-Regierung, die die Spezifikationen für die Herstellung des Entlaubungsmittels Agent Orange entwickelte und vorgegeben hat, wann, wo und wie es eingesetzt wird. Agent Orange wurde ausschließlich für den militärischen Einsatz auf Anweisung der Regierung von MONSANTO hergestellt“, lautete auf der letzten Hauptversammlung die Antwort an Tricia Euvrard vom „Collectif Vietnam Dioxine“. 

Zwar gilt BAYER seit dem Ersten Weltkrieg als „Erfinder der Chemiewaffe“ und war bis weit in die 1980er Jahre hinein bekannt als „weltweit führender Chemiewaffen-Konzern“, aber das Pentagon direkt oder über das mit MONSANTO seit 1954 betriebene Gemeinschaftsunternehmen MOBAY mit Agent Orange beliefert zu haben, bestreitet der Leverkusener Multi seit 2016 mit windiger Argumentation. Die Produktion von Agent-Orange-Bestandteilen und anderen Pestiziden für die Kriegsverwendung hingegen nicht. So stellte der Global Player jährlich 700 bis 800 Tonnen des „Agent Orange“-Grundstoffes 2,4,5-T her und verkaufte einen Teil davon an die französische Firma PROGIL. Diese wiederum verarbeitete es weiter und exportierte es nach Vietnam. Eine Aktennotiz der BOEHRINGER AG belegt dies: „BAYER und PROGIL haben auf dem 2,4,5-T-Sektor seit Jahren (Vietnam) zusammengearbeitet“. Der Global Player verleugnet diese Kooperation nicht, hält allerdings fest: „Über die weitere Verwendung des Wirkstoffes bei der PROGIL liegen keine Erkenntnisse vor.“ In einer früheren Äußerung zu diesem Thema räumt er hingegen durchaus die Möglichkeit ein, „dass Tochter-Unternehmen beziehungsweise Drittfirmen 2,4,5-T-haltige Pflanzenbehandlungsmittel auf den amerikanischen Markt brachten“. 

Andere ebenfalls als Kampfstoffe einsetzbare Agro-Chemikalien wie Agent Green, Zineb und Dalapon veräußerte das Unternehmen dem US-Militär ebenfalls. Teilweise legten die Substanzen dabei einen weiten Weg zurück. Einige von ihnen gelangten über Konzern-Niederlassungen in den damals autoritär regierten Staaten Spanien und Südafrika zur US-Tochter CHEMAGRO und von dort dann zu den Militärbasen. Die Zeitschrift International Defense Business konnte für das Jahr 1972 sogar genau den Wert von BAYERs Kriegsbeitrag beziffern: Rund eine Million Euro stellte die Aktiengesellschaft für die verschiedenen Chemikalien in Rechnung. ExpertInnen des Unternehmens standen der US-Army gemeinsam mit ihren Kollegen von HOECHST aber auch direkt vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Als medizinische HelferInnen getarnt, arbeiteten sie dem US-amerikanischen Planungsbüro für B- und C-Waffeneinsätze in Saigon zu. Die transatlantische Kooperation vermochte sich dabei sogar auf alte Verbindungen zu stützen: Die Abstimmung zwischen den US-amerikanischen und bundesdeutschen Chemie-Firmen übernahm die General Aniline and Film Corporation, eine ehemalige US-Tochter der I.G. FARBEN. 

Mehr als 4,8 Millionen Vietnamesen waren den zu Chemiewaffen umgerüsteten Pestiziden ausgesetzt. Drei Millionen von ihnen leiden noch heute darunter. Krankheiten wie Leukämie, Lungen-, Brust- und Leberkrebs, Diabetes, Tuberkulose und chronische Kopfschmerzen lösten die Mittel aus. Über 100.000 Kinder kamen mit Fehlbildungen auf die Welt. 

Auch viele GIs erlitten durch Agent Orange Gesundheitsstörungen und führten so MONSANTOs patriotischer Beteuerung, der Einsatz des Mittels sei erfolgt, „um das Leben der US-Soldaten und ihrer Verbündeter zu schützen und zu retten“, ad absurdum. Die Armee-Angehörigen zogen vor Gericht, um die Konzerne zur Rechenschaft zu ziehen. 180 Millionen Dollar musste MONSANTO ihnen 1984 gemeinsam anderen Chemie-Riesen im Rahmen eines Vergleichs zahlen und fast die Hälfte der Summe selbst aufbringen, da sein Agent Orange den höchsten Dioxingehalt aufwies. 

VietnamesInnen haben dagegen überhaupt noch kein Geld von den Produzenten der Pestizide erhalten. Eine entsprechende Klage wies der Oberste Gerichtshof der USA im Jahr 2009 ab. Tran To Nga versucht es jetzt in Frankreich. Sie zog gegen MONSANTO und 13 weitere Unternehmen vor Gericht, denn ihr Leben ist durch Agent Orange tief gezeichnet. Die Franco-Vietnamesin leidet unter der Blutkrankheit Alpha-Thalassämie, unter Chlorakne und einer Herzfehlbildung, die sie ihrer ersten Tochter weitervererbte. Schon nach 17 Monaten starb das Kind daran. Auch die anderen beiden Töchter Trans haben an Agent Orange noch schwer zu tragen. 

Den ersten Prozess verlor Tran To Nga. Das Berufungsverfahren ging im August 2024 ebenfalls zu Gunsten der Konzerne aus. Die RichterInnen billigten ihnen einen Immunitätsstatus zu, weil sie im Auftrag eines souveränen Landes – den USA – handelten. Die vietnamesische Regierung reagierte umgehend darauf. „Vietnam bedauert das Urteil des Pariser Berufungsgerichts und hat seine Haltung in dieser Angelegenheit wiederholt zum Ausdruck gebracht. Obwohl der Krieg beendet ist, haben seine schwerwiegenden Folgen weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf unser Land und unsere Bevölkerung, einschließlich der langfristigen und schwerwiegenden Folgen von AO/Dioxin“, hieß es aus Hanoi. 

Tran To Nga ließ sich von der Entscheidung nicht entmutigen. Sie kündigte an, vor das französische Verfassungsgericht zu ziehen. „Es ist nicht nur mein Kampf, sondern auch der von Millionen von Opfern“, sagt sie. 

80 Jahre Kriegsende

CBG Redaktion

Keine Stunde Null für BAYER

Am Tag der Befreiung, der sich am 8. Mai 2025 zum 80. Mal jährte, mussten BAYER und andere deutsche Großunternehmen das Schlimmste befürchten. Die Alliierten betrachteten die Industrie nämlich als willigen Helfer der Nazis. Und „härter als alle anderen trat die IG FARBEN auf“, urteilten sie über den vom Leverkusener Multi mitgegründeten Mörder-Konzern. Aber es sollte anders kommen. Für den Chemie-Riesen schlug keine Stunde Null. Bald schon galt wieder „Business as usual“. Zu einer Aufarbeitung der Vergangenheit fühlte sich die Aktien-Gesellschaft da nicht bemüßigt. Erst seit einigen Jahren ändert sich das – ein bisschen jedenfalls.

Von Jan Pehrke

1945 kam die nationalsozialistische Diktatur zu ihrem Ende. Und das hätte eigentlich auch das Ende für BAYER und die anderen Konzerne bedeuten müssen, die 1925 die I.G. FARBEN gegründet hatten. Diese Gesellschaft bildete nämlich das industrielle Rückgrat des deutschen Faschismus. So erstellte sie die Blaupause für den Vierjahresplan, mit dem Hitler & Co. die Wirtschaft wehrtüchtig machten. Als es dann 1939 soweit war, konnte das Unternehmen die Armee fast alleine ausstatten. Zudem betätigten sich Beschäftigte der Auslandsniederlassungen als Spione und fertigten Karten-Material für Bombenangriffe an. An der Vernichtungspolitik wirkte die I.G. FARBEN ebenfalls mit. Sie errichtete in unmittelbarer Nähe zu Auschwitz ein eigenes Werk, um Zugriff auf ZwangsarbeiterInnen zu haben, während ihre Tochter-Firma DEGESCH den FaschistInnen mit dem Zyklon B ihre grausamste Mordwaffe bereitstellte. „Sollte es zu Wirtschaftsklagen kommen, würde das Material den Verteidigern den Schlaf rauben“, schwante deshalb dem IG-Vorstandsmitglied Georg von Schnitzler.

Das Gesetz Nr. 9 des Alliierten Kontrollrates befasste sich dann auch explizit mit dem Multi. Es wollte dazu beitragen, „dass Deutschland nie mehr zu einer Bedrohung für seine Nachbarn oder den Weltfrieden werden kann (...) unter Berücksichtigung der Tatsache, dass die IG FARBEN wissentlich und an führender Stelle am Aufbau und der Produktion des deutschen Rüstungspotenzials beteiligt war“. Darum ordnete das Paragraphen-Werk eine Beschlagnahme des Firmen-Vermögens und eine Zerschlagung an.

Paradigmenwechsel

Zu all diesen Maßnahmen kam es jedoch nicht. Das hatte vornehmlich drei Gründe. Zum Ersten änderten sich in den USA die politischen Kräfteverhältnisse. Zum Zweiten unterhielt die US-Industrie umfangreiche Geschäftsbeziehungen zu deutschen Konzernen und verlangte von der Regierung, ihre Absatzgebiete zu sichern statt eine „Tabula rasa“-Strategie umzusetzen. Zum Dritten schließlich spaltete sich die Anti-Hitler-Koalition, und im Kalten Krieg war wieder ein starkes Deutschland gefragt, das als „Frontstaat“ agieren konnte. Und so wandelte sich die Einstellung gegenüber dem Land, das den Kontinent mit einem beispiellosen Vernichtungsfeldzug überzogen hatte. Statt einem „industrial disarmament“ stand jetzt nur noch eine Entflechtung der Wirtschaft auf dem Programm, und selbst diese führten die Alliierten nur halbherzig durch.

Von den ursprünglich geplanten 50 „independent units“ blieben in einem ersten Schritt noch zwölf I.G.-Nachfolger und dann mit BAYER, BASF, HOECHST und CASELLA gar nur noch vier übrig. Damit unterschied sich die Lösung nicht mehr allzu sehr von den Nachkriegsplänen der I.G. selbst, welche vorsahen, den Zentralismus abzubauen und mehr auf Regionalisierungen zu setzen. Das Quartett konnte großzügigerweise mit fast dem gesamten Kapital der in den westlichen Besatzungszonen gelegenen I.G.-Niederlassungen operieren, das Vermögen der 24 in der Sowjetzone gelegenen Firmen-Sitze musste es hingegen abschreiben. Die Westmächte behielten jedoch bloß zehn Prozent des Grundvermögens der I.G. FARBEN ein. BAYER bekam von dem schmutzigen Geld im Mai 1952 mit 387 Millionen D-Mark den höchsten Betrag. Dann folgten die BASF mit 340 Millionen, HOECHST mit 285 Millionen und CASSELLA mit 34 Millionen.

BAYER hatte von der britischen Besatzungsmacht bereits im Juni 1945 die Erlaubnis für das Anlaufen bestimmter Fertigungsreihen erhalten. So verließen bald schon wieder Chlor, Arzneien, Wurmmittel und Kunststoff-Borsten für Bürsten die Anlagen. Dementsprechend stieg die Beschäftigten-Zahl. „Schneller, als sich jemand in der ‚Stunde Null’ hätte vorstellen können, wuchsen Belegschaft und Produktion am Niederrhein wieder an, konstatierte die Firmenchronik „Meilensteine“ zufrieden. Von 1.730 ArbeiterInnen im April 45 auf fast 11.000 im April 46 erhöhte sich der Personalstand. 

„Zu 90 Prozent obsiegt“

Auch persönlich kamen von Schnitzler und seine KollegInnen beim Nürnberger Prozess gegen die I.G. FARBEN glimpflich davon. Insgesamt 23 I.G.-ManagerInnen mussten sich vor den RichterInnen verantworten. Die Anklagepunkte reichten von Planung und Führung von Angriffskriegen und Teilnahme am Massenmord über verbrecherische Experimente an Menschen und Unterhalt eines firmen-eigenen KZs bis hin zu Nötigung zu Zwangsarbeit. Aber Verurteilungen zogen die wenigsten nach sich. So erhielten alle 23 in Sachen „Teilnahme am Massenmord“ Freisprüche. Büßen für das Liefern von Zyklon B an die KZs mussten in anderen Verfahren nur Bruno Tesch und Karl Weinbacher von der DEGESCH-Handelsfiliale TESTA sowie Gerhard Peters als technischer Geschäftsführer der DEGESCH.

Von Schnitzler & Co. versicherten den RichterInnen hingegen, von dem Verwendungszweck des Zyklon B in den Konzentrationslagern nichts gewusst zu haben, und kamen damit durch. Weder der immens steigende Absatz des eigentlich zum Einsatz gegen Schadinsekten bestimmten Mittels ab 1942 noch die Änderungswünsche der Besteller – sie wollten ein geruchsloses Gas, so dass es zunächst unbemerkt ausströmen kann – habe sie stutzig gemacht, beteuerten sie. DEGESCH-Aufsichtsratmitglied Wilhelm-Rudolf Mann, Carl Wurster und Heinrich Hörlein erklärten sich die hohen Liefermengen angeblich mit einer „Insektenplage im Osten“. Selbst die Angestellten vor Ort in Auschwitz auf der Baustelle des I.G.-Werkes – es sollte die größte Chemie-Fabrik in ganz Osteuropa werden – sagten aus, nicht gewusst zu haben, was für ein Stoff in den Gaskammern als Mord-Instrument diente.

Dabei gab es erdrückende Beweise für das Gegenteil, obwohl die I.G. FARBEN 1945 zahlreiche Unterlagen vernichtet hatte. Der frustrierte Chef-Ankläger Josiah E. DuBois Jr. zählt in seinem Buch „The Devil’s Chemists“ einige auf. So räumte Gerhard Peters ihm zufolge bei Vernehmungen ein, Hörlein und Wurster über die vielen Lieferungen nach Auschwitz inklusive der Gaskammern in Kenntnis gesetzt zu haben. Im Prozess selbst nahm er das jedoch wieder zurück. 

Auch zitierte DuBois aus der Aussage des österreichischen Auschwitz-Häftlings Gustav Herzog, wonach dort allen klar war, was passierte. „In der kurzen Zeit, in der ich draußen arbeitete, und in der langen Zeit, in der ich im Büro arbeitete und meine Mitgefangenen mir von den Ereignissen draußen erzählten, gewann ich aus den Gesprächen den hundertprozentigen Eindruck, dass jeder Zivilist auf dem I.G.-Gelände davon wusste. Sie sprachen zynisch von einem ‚Zyklon‘, weil das Gas ‚Zyklon‘ hieß“, gab Herzog zu Protokoll. Und DEGESCH-Beschäftigte waren ebenfalls im Bilde, wie Peter Hayes in seinem Buch über die DEGUSSA, den zweiten DEGESCH-Anteilseigner neben der I.G. FARBEN, darlegt. Peters‘ Geschäftsführer-Kollege Hans-Ulrich Kaufmann machte sogar den Vorschlag, sich sicherheitshalber schriftlich bestätigen zu lassen, dass Zyklon B in den KZs nur bestimmungsmäßig als Biozid Verwendung findet.

Verurteilungen erfolgten nur zu den Anklagepunkten „Zwangsarbeit“ und „Raub und Plünderung“. Freiheitsstrafen von anderthalb Jahren bis zu acht Jahren für 13 I.G.-Manager verhängten die RichterInnen. Aber spätestens nach drei Jahren waren alle wieder frei. „Zu 90 Prozent obsiegt“, lautete deshalb das Fazit von Fritz ter Meer. 1956 kehrte er zu BAYER zurück und übernahm auch gleich den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden, den er bis 1964 innehatte. 

Im Zeichen einer solchen Kontinuität ist an eine Aufarbeitung der Vergangenheit natürlich nicht zu denken. Erste wirkliche Schritte in diese Richtung unternahm der Leverkusener Multi eigentlich erst in diesem Jahrzehnt. Auch zum 8. Mai wurde er aktiv. Auf seine Initiative hin haben 49 Firmen zum 80. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus eine Erklärung veröffentlicht, in der sie sich zu ihrer Mitschuld an der Terror-Herrschaft bekennen. „Deutsche Unternehmen trugen dazu bei, die Herrschaft der Nationalsozialisten zu festigen. Auf ihren eigenen Vorteil bedacht, waren viele Unternehmen und ihre damaligen Akteure verstrickt“, konstatieren die Firmen. Sie ziehen daraus die Lehre, „die Zerbrechlichkeit der Demokratie immer wieder zu erkennen“ und Errungenschaften wie Rechtsstaatlichkeit und Freiheit zu schützen. 

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) begrüßte diese Stellungnahme. Allerdings kritisierte sie den Leverkusener Multi für die nur halbherzige Aufarbeitung seiner Vergangenheit. So widmet er der Zeit des Nationalsozialismus auf seiner Website keinen eigenen Abschnitt. Stattdessen behandelt der Global Player sie als einen Abschnitt der Periode, die er mit dem Jahr 1925 beginnen und 1945 enden lässt. Darüber hinaus spielt der Konzern die aktive Rolle herunter, die die I. G. FARBEN in der Diktatur gespielt hat. Das Regime habe die I.G. „als einen der ‚kriegs- und lebenswichtigen‘ Betriebe der deutschen Wirtschaft“ eingestuft, steht da zu lesen. Dabei war es die Interessensgemeinschaft, die die Blaupause für den Vierjahresplan erarbeitete, mit dem Hitler & Co. die Wirtschaft kriegstüchtig machten. Auch weist die Darstellung viele Lücken auf: kein Wort zu den Wahlkampf-Spenden an die NSDAP, kein Wort zur Einbindung von I.G.-Managern in das NS-System, kein Wort zu Zyklon B und kein Wort zu den medizinischen Experimenten mit KZ-Häftlingen. 

Mit der 1988 publizierten Firmen-Chronik „Meilensteine“ verhält es sich ähnlich. „Die Mobilisierung der Wirtschaft folgte den Plänen der Regierung“, heißt es dort etwa und weiter: „Die Behandlung der Zwangsarbeiter wurde durch staatliche Vorschriften bis ins Detail geregelt“. Auch mit deren Beschäftigung bei der Errichtung einer Produktionsanlage in unmittelbarer Nähe von Auschwitz hatte die I.G. FARBEN angeblich nicht viel zu tun: „Nachdem das Oberkommando der Wehrmacht den Plan für das I.G.-Werk genehmigt hatte, erteilte Göring Himmler den Auftrag, den Bau mit Häftlingen zu unterstützen.“ Und mit der Verurteilung von Fritz ter Meer zu sieben Jahren Haft in Nürnberg hadern die „Meilensteine“ ebenfalls: „In der Industrie war man bestürzt über dieses Urteil. Man wusste, dass ter Meer kein Nazi gewesen war. Alles nur „die Folge einer Zwangslage, in der die meisten nicht anders gehandelt hätten“. 

Überdies tut sich BAYER in der Praxis schwer damit, „die Zerbrechlichkeit der Demokratie immer wieder zu erkennen“ und entsprechend zu handeln, wie Hans van Scharen vom Corporate Europe Observatory dem Konzern auf der letzten Hauptversammlung in Bezug auf Trump vorwarf. Der Global Player unterstützte den Republikaner nämlich im Wahlkampf massiv durch Spenden. Sein Vorstandsvorsitzender nahm sogar als einziger Chef eines DAX-Unternehmens persönlich an der Amtseinführung teil. Dass der Politiker den Klimawandel leugnet, abfällig über Minderheiten spricht, Gerichtsurteile missachtet und an Kongress und Senat vorbeiregiert, stört den Agro-Riesen dabei nicht groß, ist die Aktien-Gesellschaft doch wiederum „auf ihren eigenen Vorteil bedacht“. Sie sieht unter der Trump-Administration bessere Chancen für ein Ende der juristischen Probleme mit Glyphosat als unter den Demokraten. Von Scharens Großvater Karel musste in Auschwitz auf der I.G.-Baustelle Zwangsarbeit leisten, ohne dafür je eine Entschädigung erhalten zu haben. „Aus tragischen historischen Ereignissen wie diesem sollten wir lernen und ähnliche private und kollektive Fehleinschätzungen und Fehler vermeiden“, resümierte Hans van Scharen. Aber gerade das vermisste er beim Leverkusener Multi.  „Leider sehen wir heute, wie BAYER als großes europäisches Unternehmen sich einer neuen und schockierenden Diktatur anbiedert, die sich direkt vor unseren Augen entwickelt: der von Donald Trump in Washington“, hielt der Belgier fest. 

Eine große Resonanz in der Presse erfuhr die von BAYER initiierte Erklärung nicht. Offenbar bestand kein großes Interesse, sich mit der Rolle der Unternehmen in der Zeit des Nationalsozialismus zu beschäftigen. Nach der Einschätzung von Ulrich Sander, der dem „Verband der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) angehört, ist sogar ein Rollback zu beobachten. Immer mehr Erinnerungsorte tilgen die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Kapitalismus und Faschismus. So schloss die Dortmunder Gedenkstätte Steinwache den Themenraum „Die Schwerindustrie setzte auf Hitler“. „Das politische Engagement der deutschen Großunternehmen beim Aufstieg des Nationalsozialismus wird in der Geschichtswissenschaft in den letzten Jahren eher als gering eingestuft“, lautete die Begründung. Und in Oberhausen verschwand die Losung „Faschismus kommt nicht über Nacht, er wird vom Kapital gemacht“ im Depot.

http://Keine Stunde Null für BAYER

Merz & Co. liefern

CBG Redaktion

Eine gute Wahl für BAYER

Dass die Regierung Merz als offener Sachwalter deutscher Konzerninteressen antreten würde, das wurde allgemein erwartet. Dass die SPD an der Regierung auch das bisschen fortschrittliche Inhalte in ihrem Programm sofort und ohne Bedenken über Bord schmeißen würde, auch. Und trotzdem: Von der Ampel-Regierung in Sachen Dreistigkeit bereits viel gewöhnt, wundert es einen doch, wie offen die Generaloffensive im Dienst der Multis von Schwarz-Rot propagiert wird. Einer der größten Nutznießer: BAYER 

Von Peer Clausen

Klimaschutz sei auch ein konservatives Anliegen, hält die FAZ fest. Deshalb plädiert die Zeitung dafür, der neuen CDU/SPD-Regierung einen gewissen Vertrauensvorschuss zu geben: Das wird schon. Die Wissenschaft bleibt jedoch skeptisch. Sie verweist auf die schon unter der Ampel-Regierung gerissenen Klima-Ziele in den Sektoren „Gebäude“ und „Verkehr“ und sieht jetzt bei Schwarz-Rot kein gesondertes Bemühen, das wettzumachen. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht klar, wie die Bundesregierung das Ziel der Klimaneutralität im Jahr 2045 erreichen will“, konstatiert das Klimarat-Mitglied Marc Oliver Bettzüge, keinesfalls ein Grüner. Der Kölner Professor für Energiewirtschaft war bis 2016 wissenschaftlicher Beirat des CDU-Wirtschaftsrats. 

Und tatsächlich: Bisher klingt das alles ganz und gar nicht fortschrittlich. Unter Klimapolitik verstehen Merz & Co. nämlich die Lippenbekenntnisse zu den Klimazielen, die die Umweltbewegung bereits als unzureichend kritisiert hatte. Erschwerend kommen dann noch Milliardengeschenke an die Energiekonzerne als Anreiz für den „Ausbau erneuerbarer Energien“, neue Gaskraftwerke, die Beibehaltung des Status Quo in Sachen Bahnruinierung mit einem nur vagen Bekenntnis zu einem noch erschwinglichen Deutschlandticket und billige Energie für die Wirtschaft – Stichwort „Industriestrompreis“ – hinzu.

Nach diesem geiern vor allem die Damen und Herren aus den energieintensiven Branchen, das heißt in besonderem Maße die Chemie und damit BAYER. Das Konzept ist simpel: Deckelung des Strompreises auf fünf Cent pro Kilowattstunde für die Industrie durch Subventionen aus Steuergeldern – also weitere Milliardengeschenke an die Großkonzerne. Der „Verband der Chemischen Industrie“ freut sich und fordert: „Jetzt geht es darum, aus guten Absichten konkrete Ergebnisse zu machen.“

Die Aussage von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche: „Deutschland meldet sich zurück“ in diesem Zusammenhang zeigt außerdem, dass es hier nicht nur um simple Subventionen geht.  Der Energiesektor ist auch von strategischem Interesse für die Bundesrepublik: Mittelfristig ist das erklärte Ziel, sich noch deutlich unabhängiger vor allem von russischer Energie, aber auch insgesamt von ausländischen Energie-Importen zu machen. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass auch die Rüstungsindustrie und ihre Zulieferer wie Stahl-Unternehmen ausgesprochen energieintensiv sind. 

Eigentlich beabsichtigten CDU und SPD auch, die Stromkosten für Privathaushalte zu senken und schrieben das sogar in ihren Koalitionsvertrag. Diesem Teil des Entlastungspakets stellte sich jedoch die Realität in den Weg. „Der Koalitionsvertrag trifft hier auf die finanzielle Wirklichkeit“, erklärte Reiche. Und der Kanzler erläuterte: „Wenn wir mehr machen könnten, würden wir mehr machen, aber wir müssen auch einen Blick auf den Bundeshaushalt haben“. Diese Entscheidung löste allerdings eine Welle des Protestes aus, weshalb Schwarz-Rot doch noch ein Einsehen haben könnte.

Die Bauernfrage

Unter dem Vorwand, den Bauern und Bäuerinnen zu helfen, plant die Regierung Merz zudem, die Klimaschutzvorgaben für den Agrar-Bereich zu lockern. Zwar wird die Wiedereinführung der Agrardiesel-Subvention tatsächlich eine Entlastung auch für kleinere Höfe bringen, alles in einem werden von den angekündigten Maßnahmen jedoch vor allem die landwirtschaftlichen Großbetriebe profitieren, so wie auch die Ankündigung der Lockerungen bei den Klima- und Umweltschutzbestimmungen den Agrarmultis wie BAYER sehr gelegen kommt. Und der „Industrieverband Agrar“ (IVA), dem auch der Leverkusener Multi angehört, freut sich noch auf ein weiteres Geschenk aus Berlin. „Das europäische Pflanzenschutzrecht ist so streng und damit innovationsfeindlich, dass nur einer von sechs weltweit neu zugelassenen Wirkstoffen auch in der EU genehmigt wird. Zugleich hat die neue Bundesregierung das komplizierte deutsche Zulassungssystem als Nadelöhr identifiziert und will für schnelle Verfahren durch eine, wie es im Koalitionsvertrag heißt, ‚Verschlankung der behördlichen Zusammenarbeit‘ sorgen“, frohlockt der Lobbyverband. Und in der Tat, die Bundesregierung greift hier einen lange gehegten Wunsch des BAYER-Konzerns auf. 

Investitionsbooster 

Als „Investitionsbooster“ bezeichnen die GroßkoalitionärInnen derweil ein weiteres Vorhaben, nämlich die Möglichkeit für Sonderabschreibungen von 30 Prozent für „Investitionsausgaben“. Auch das ist ein freiwilliger Verzicht des Staates auf Steuereinnahmen zugunsten der Großindustrie. Diese darf nun all ihre wegen Finanzierungsbedenken zurückgehaltenen Projekte aus der Schublade holen und auf Kosten der SteuerzahlerInnen realisieren. Nach Berechnungen der Rheinischen Post dürften die deutschen Unternehmen so rund sieben Milliarden Euro sparen.

Der EON-Vorstandsvorsitzende Leonhard Birnbaum zeigt sich dementsprechend zufrieden. „Deutschland kann sich das Wachstums- und Investitionspaket leisten. Allerdings nur, wenn es konsequent investiert wird. Es ist kein Reformersatz. Es ist kein Freibrief für noch mehr Umverteilung“, so frech tönt es aus den Chefetagen, ganz so, als sei dieses Paket kein Milliardengeschenk an die Konzerne, für das andere zahlen müssten.

„Die Wirtschaftslobby war laut und bekommt nun wieder, was sie möchte. 2001 und 2008 wurden die Steuern auf Unternehmensgewinne bereits deutlich reduziert. Jetzt erleben wir eine weitere Runde im Steuersenkungsspiel. Mit weniger Steuern werden sich die Herausforderungen nicht bewältigen lassen“, so fasste Achim Truger (einer der „Wirtschaftsweisen“) die Situation im Gespräch mit der taz treffend zusammen. Die von Olaf Scholz zur Corona-Zeit auf den Weg gebrachte „Bazooka“ mit ihrer Erhöhung der Verlustrücktragsgrenze sowie den erweiterten Abschreibungs- und Steuerstundungsmöglichkeiten erwähnte Truger da noch nicht einmal.

Die damaligen Steuerentlastungen entzogen Bund, Länder und Kommunen enorme Summen und trugen nicht wenig zu der jetzt allseits – und paradoxerweise besonders von der Wirtschaft – beklagten Verrottung Infrastruktur bei. Auch jetzt befürchten Länder und Kommunen wieder Einnahme-Verluste und übten dementsprechend lautstark Kritik. Selbst der Vizefraktionsvorsitzende der Grünen, Andreas Audretsch, findet klare Worte: „Das wird ganz vielen Kommunen in Deutschland das Genick brechen.“ 

Die Gewerkschaft Ver.di forderte zuletzt die vollständige Übernahme der anfallenden Kosten durch den Bund – darauf wird die neue Bundesregierung jedoch sicherlich nicht eingehen. Aber ein paar milde Gaben hat sie schon zugesichert und damit erst einmal für Ruhe gesorgt.

Der Vater der ersten großen Unternehmenssteuerreform von 2001 war übrigens BAYERs ehemaliger Finanzchef Heribert Zitzelsberger. Mit den Worten: „Wir haben mit Herrn Zitzelsberger unseren besten Mann entsandt und gehen davon aus, dass er in unserem Sinn tätig wird“, kommentierte der damalige Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider den Wechsel in die Politik. Und das tat Zitzelsberger dann auch nicht zu knapp. Schon bald durfte sich der Leverkusener Multi über eine Rücküberweisung des Finanzamts in der Höhe von 200 bis 300 Millionen Euro freuen. Der damalige nordrhein-westfälische Finanzminister Peer Steinbrück sprach der FAZ zufolge von „gigantischen“ Steuerausfällen und klagte: „Wir zahlen unterm Strich mehr, als wir einnehmen.“ „Keinem der Berliner Großkopfeten hat die deutsche Großindustrie so viel Wohltaten zu verdanken wie Heribert Zitzelsberger“, resümierte die Zeitung.

Aber Veronika Grimm, auch eine sogenannte „Wirtschaftsweise“ und gleichzeitig Aufsichtsrätin bei SIEMENS ENERGY, genügen die Subventionen noch nicht. Sie fordert weitere Deregulierungsmaßnahmen und bedauert, dass das EU-Lieferkettengesetz nicht bereits im Koalitionsvertrag grundsätzlich „hinterfragt“ wurde. Damit tut sie der neuen Regierung jedoch Unrecht, denn Merz bemüht sich in Brüssel redlich um eine Abwicklung, denn damit erledigt sich der Lieferketten-Passus in der Koalitionsvereinbarung von selbst. Dort sollten die EU-Regeln nämlich noch das Vakuum füllen, das das geplante Schreddern des deutschen Lieferketten-Gesetzes hinterlässt. „Darüber hinaus schaffen wir das nationale Lieferkettensorgfaltspflichten-Gesetz (LkSG) ab. Es wird ersetzt durch ein Gesetz über die internationale Unternehmensverantwortung, das die Europäische Lieferketten-Richtlinie (CSDDD) bürokratiearm und vollzugskräftig umsetzt“, hatte es da noch geheißen. Wie nötig entsprechende Regelungen sind, zeigt indes ein Blick in BAYERs Lieferkettenbericht, der zahlreiche Verstöße gegen Menschenrechte sowie Arbeitsschutz- und Gesundheitsbestimmungen dokumentiert.

Noch mehr Geschenke

In Sachen „Elektronischer Patientenakte“ will die GroKo den Medizinmultis ebenfalls beispringen und das bisher auf Freiwilligkeit setzende Konzept ab dem 1. Oktober in eine „verpflichtende sanktionsbewehrte Nutzung“ umwandeln. Damit werden die Befürchtungen von DatenschützerInnen wahr, die in der ePA vor allem eine riesige Datensammlung sahen, die den Unternehmen, nicht aber den PatientInnen nützt. Im Koalitionsvertrag nennen die Parteien das dann ein: „offeneres und positiveres Datennutzungsverständnis“. Diese Daten fließen auch dem „Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit“ zu, das sich mit dem „Gesundheitsverhalten“ der Bevölkerung befasst und auf dieser Grundlage „Kosten im Gesundheits- und Sozialsystem zu reduzieren“ versucht. 

Aber das Wohlergehen der Pillen-Riesen liegt Schwarz-Rot auch ganz allgemein am Herzen. „Wir stärken die industrielle Gesundheitswirtschaft, insbesondere die pharmazeutische Industrie und Medizintechnik, als Leitwirtschaft“, bekunden die Parteien im Koalitionsvertrag. Dazu beabsichtigen sie z. B. das Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz (AMNOG) „mit Blick auf die ‚Leitplanken‘ und auf personalisierte Medizin“ weiterzuentwickeln. Die Leitplanken betreffen die Preise von neuen Pharmazeutika mit gar keinem oder nur geringen Zusatznutzen. Bisher mussten sich diese Minderleister an den Kosten der Vergleichstherapie orientieren. 

Das lohnt sich für die Industrie aber nicht. Deshalb wettert BAYERs Arznei-Chef Stefan Oelrich gegen die Leitplanken für das, was er statt Pharma-Flops „Schritt-Innovationen“ nennt.  „Anreize für die Entwicklung verbesserter Therapie-Ansätze und für weitere Behandlungsoptionen werden vermindert und die Markt-Einführung dieser Schritt-Innovationen in Deutschland gefährdet. Was jetzt verlagert und in anderen Ländern investiert wird, das wird nicht mehr zurückkommen. Das kann nicht der Wunsch der Politik im Sinne einer stabilen Versorgung der Bevölkerung in Deutschland sein“, erklärte er. Die Politik hat seine Signale offensichtlich gehört. 

Die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) verhielt sich bisher weitestgehend handzahm gegenüber dem BAYER-Konzern unter Verweis auf die angespannte wirtschaftliche Lage des Unternehmens. Der „Sozialpartner“ BAYER dankt es ihr, indem er die Bundesregierung in Tateinheit mit anderen Firmen zum Großangriff aufs Arbeitsrecht beordert: So will die neue Koalition die bisherige tägliche Höchstarbeitszeit von acht Stunden, die in Deutschland mit der Novemberrevolution 1918 erkämpft wurde, durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ersetzen. Damit wären tägliche Arbeitszeiten von bis zu 12 Stunden möglich, wenn ein entsprechender Ausgleich stattfindet. Besonders die chemische Industrie mit ihrem Schichtsystem, das auf konstante Produktion angewiesen ist, dürfte sich über diese Regelung erheblich freuen. Absehbar ist auch, dass es hier nicht einfach um eine Flexibilisierung geht, sondern um eine schrittweise Aufweichung der bisherigen Maximalarbeitszeiten. Das kritisiert der DGB dementsprechend auch, die Mitgliedsgewerkschaft IG BCE hält sich leider bis dato eher zurück. 

Diese Offensiven gegen erkämpfte Rechte durch die neue Regierung sind dabei im Kontext der internationalen Lage zu sehen: Es geht um die Konditionierung der ArbeiterInnen, das schrittweise Gewöhnen an den „Ausnahmezustand“, das Abtrainieren vom Arbeitskampf und die „Standortstärkung“ gegen den „systemischen Konkurrenten“ China sowie das Ausloten von Handlungsspielräumen gegenüber den USA. Zwar forderten zuletzt einige LobbyvertreterInnen mehr Offenheit gegenüber dem chinesischen Markt, auch aus Angst vor den Unwägbarkeiten, die die brachiale trump`sche Außenhandelspolitik mit sich bringt, aber die Regierung Merz setzt trotzdem weiterhin auf das sogenannte „De-Risking“, also eine Zurückhaltung gegenüber einem Engagement in dem Land, um größere Abhängigkeiten zu vermeiden.

Fazit

Die neue Regierung, so lässt sich wenig überraschend zusammenfassen, handelt also vor allem im Interesse der deutschen Großindustrie und damit auch der BAYER AG. CORRECTIV berichtete bereits Anfang des Jahres über die Lobbyverbindungen von und rund um Friedrich Merz vor allem in die Chemie- und Stahlindustrie hinein, bspw. aus seiner Zeit als Aufsichtsratschef des BAYER-Großaktionärs BLACKROCK Deutschland. Dazu kommen noch seine engen Verbindungen zu BASF aus seiner Zeit bei der Anwaltskanzlei MAYER BROWN und die Kontakte, die er über den CDU-Wirtschaftsrat knüpfte. Auch bei Dinnern, die BAYER ausrichtete, netzwerkte Merz.

Aber es geht nicht nur um seine Person, weder Klingbeil mit seinen engen Kontakten zur deutschen Waffenindustrie noch die restlichen Regierungsmitglieder bilden hier eine Ausnahme. Eine große Koalition für das Kapital also.

BAYER schließt Werk

CBG Redaktion

Keine Pestizide mehr aus Frankfurt

Im Mai 2025 kündigte der BAYER-Konzern die Abwicklung der Cropscience-Niederlassung in Frankfurt und weitere Maßnahmen zur Profitsteigerung der Agro-Sparte an. Die Gewerkschaft protestiert entschieden gegen die Pläne.

Von Jan Pehrke

„Wir werden den Standort nicht aufgeben und kämpfen für die Rechte der Kolleginnen und Kollegen“, mit diesen Worten reagierte die Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von BAYER, Heike Hausfeld, auf das Vorhaben des Konzerns, die Cropscience-Niederlassung in Frankfurt abzuwickeln. Sie kritisierte die immer kürzere Abfolge der Veränderungszyklen beim Agro-Riesen und sprach von einem „Zustand des permanenten Ausnahmezustands“. Francesco Grioli vom Vorstand der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE pflichtete ihr bei: „Diese Schließungspläne sind eine Zäsur in der 162-jährigen Konzerngeschichte und stehen im Widerspruch zum erklärten BAYER-Bekenntnis zum Heimatstandort Deutschland.“ Auch die Politik meldete sich zu Wort. „Die Schließung eines hessischen Standorts ist für uns völlig inakzeptabel“, so Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori. „Sie widerspricht den Prinzipien der Sozialpartnerschaft, auf denen unsere Arbeitswelt beruht“, hielt der Sozialdemokrat fest.

BAYER hingegen erklärte: „Wir bekennen uns ausdrücklich zum Standort Deutschland. Um diesem Bekenntnis in Zeiten erheblicher Herausforderungen gerecht zu werden, müssen wir uns jedoch neu ausrichten.“ Einige Krokodilstränen vergoss der Konzern dabei auch über die schwierigen Entscheidungen, „die schmerzhaft für viele Kolleginnen und Kollegen sind“

Für den Entschluss, den Betrieb in Frankfurt mit den 500 Beschäftigten aufzugeben und in Dormagen 200 von 1.200 Arbeitsplätze zu vernichten, machte er vor allem die wachsende Konkurrenz durch preiswertere Pestizide aus China verantwortlich. „In den vergangenen Jahren haben Hersteller von Pflanzenschutzmittel-Generika (Nachahmerprodukte nach Ablauf der Patentfrist, Anm. SWB) in Asien große Überkapazitäten aufgebaut. Sie drängen mit bleibenden Niedrigstpreisen in den Markt, die teilweise unter den Herstellungskosten von Pflanzenschutzmitteln in Europa liegen“, sagte BAYER-Chef Bill Anderson Mitte Mai 2025 bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das erste Quartal 2025. In seiner Hauptversammlungsrede Ende April hatte er sogar von einem Markt gesprochen, der „zunehmend von Generika aus Asien geflutet wird“. 

Auch über „zunehmende regulatorische Beschränkungen“ klagte der Agro-Riese. Er beanstandete die gestiegenen Ansprüche bei der Genehmigung neuer Mittel und das härtere Vorgehen gegen gesundheitsschädliche alte Mittel. Hier vermisste der Leverkusener Multi in seinen Abrechnungen besonders schmerzlich das wegen seines Gefährdungspotenzials in der EU nicht mehr zugelassene Insektizid MOVENTO und das in den USA wegen eines Übergreifens auf Nutzpflanzen aus dem Verkehr gezogene Herbizid Dicamba.

Zudem, so BAYER, verschärften „nationale Export-Hemmnisse“ die Lage. Die Ampelregierung hatte zwar die Ausfuhr von innerhalb der EU verbotenen Pestiziden in andere Länder nicht generell untersagt, das bis Anfang 2025 „grün“ geführte Landwirtschaftsministerium betrieb in den Augen des Global Players aber Obstruktionspolitik, indem es bestimmte für den Export benötigte Dokumente wie Ursprungszeugnisse nicht ausstellte.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) lässt die vom Vorstand angegebenen Gründe für den Kahlschlag nicht gelten. „Wie immer bei BAYER müssen die Beschäftigten für Management-Fehler büßen“, kommentierte sie die Kürzungspläne. So hat BAYER CROPSCIENCE immer nur auf den von der Weltgesundheitsorganisation als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuften Milliardenseller Glyphosat gebaut und die Forschung nach anderen, womöglich sogar weniger gefährlichen Wirkstoffen vernachlässigt. Die Konsequenz: Der Konzern musste hier in Ermangelung neuer Einnahmequellen von der Substanz leben. Stattdessen floss ein Großteil des Geldes der Agrarsparte in die neue und die alte Gentechnik. BAYER habe es nie geschafft, „sich aus der Glyphosat-Abhängigkeit zu lösen, die schon die alte MONSANTO-Führungsriege befallen hatte“, befindet das Manager Magazin dann auch.

„BAYER CROPSCIENCE muss endlich so auftreten, wie es für einen Weltmarktführer angemessen ist“, fordert Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann jetzt. Als Mittel der Wahl dazu hat der Vorstand einen Fünfjahresplan mit einem klaren Planziel auf den Weg gebracht: 3,5 Milliarden Euro mehr Umsatz und eine Milliarde Euro mehr Gewinn bis zum Jahr 2030. 

Am Tag der Bilanzpressekonferenz präsentierte der Global Player im Zuge eines „Investor Updates“ Einzelheiten dazu. Im Pestizidbereich rechnet er nicht mit einem Nachlassen des Preisdrucks. Deshalb greift der Konzern zu drastischen Mitteln wie einer „Straffung des Produkt-Portfolios“ und einer „Optimierung des Produktionsnetzwerks“. Durch die Schließung von Werken wie in Frankfurt und Einschnitte wie diejenigen in Dormagen zeigt er sich entschlossen, binnen fünf Jahren 500 Millionen Euro einzusparen. Statt Massenware beabsichtigt der Agro-Riese nun mehr innovative Produkte herzustellen: „Innovation ist der Schlüssel“.  Ganz ähnlich reagierte er seinerzeit im Kunststoff-Geschäft, als günstige Plaste & Elaste aus Asien seine Gewinn-Bilanz eintrübte. 

Überdies hat BAYER fünfzehn „‚Focus‘ markets“ identifiziert. In diesen Ländern, in denen die Aktiengesellschaft heute schon 70 Prozent ihres Umsatzes macht, will sie ihre Anstrengungen nun noch verstärken. In den 48 Ländern der zweiten Kategorie mit einem Umsatzanteil von 25 Prozent und den über 70 Ländern der dritten Kategorie mit einem Umsatz-Anteil von fünf Prozent plant der Leverkusener Multi hingegen eine Reduzierung der Aktivitäten. Die dortigen Marketing- und Forschungskapazitäten schlägt er den „Focus markets“ zu. Im neuseeländischen Hastings zum Beispiel schloss der Konzern im Juni 2025 schon eine Forschungsstation. Und weiteres Einsparpotenzial eröffnen dann das Outsourcing, das Eingehen von Kooperationen und das Vergeben von Produktionslizenzen an Dritte.

Aber das Unternehmen möchte sich auch neue Märkte jenseits des Pestizid- und Saatgutgeschäfts erschließen. Hierbei setzt es vor allem auf Mittel auf nicht-chemischer Basis – sogenannte Biologika sowie auf Biokraftstoffe. Das alles findet nicht mehr unter der Ägide von Bob Reiter als Forschungsleiter statt. BAYER trennte sich vom MONSANTO-Urgestein und verpflichtete auch einen neuen „Chief Financial Officer“. 

Den BAYER-Beschäftigten stehen unruhige Jahre bevor. Frankfurt, Dormagen und Hastings dürften erst der Auftakt gewesen sein. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN stellt sich in diese Zeiten auf die Seite der Belegschaft und wird ihr Möglichstes gegen die Arbeitsplatzvernichtungspläne der Vorstandsetage tun. 

Die CBG zum Tag der Befreiung

CBG Redaktion

Am heutigen 8. Mai jährt sich der Tag zum 81. Mal, an dem die Alliierten dem Zweiten Weltkrieg und der faschistischen Gewaltherrschaft ein Ende setzten. 

Der BAYER-Konzern hatte einen wesentlichen Anteil an dieser Gewaltherrschaft. Die von ihm mitgegründete I.G. FARBEN diente dem Hitler-Regime durch üppige Parteispenden an die NSDAP als Steigbügelhalter und bildete fortan das industrielle Rückgrat der Diktatur. I.G.-Obere übernahmen wichtige Funktionen im NS-Staat. So fungierten sie beispielsweise als Wehrwirtschaftsführer. Überdies arbeitete die Interessensgemeinschaft die Blaupause für den Vierjahresplan aus, mit dem Hitler & Co. die Wirtschaft kriegstüchtig machten. Als es dann 1939 soweit war, konnte das Unternehmen die Armee fast alleine ausstatten. Im Schlepptau der Raubzüge nahm es sofort die chemischen Anlagen der überfallenden Länder in Beschlag. Zudem betätigten sich Beschäftigte der Auslandsniederlassungen als Spione und fertigten Karten-Material für Bombenangriffe an. 

An der NS-Vernichtungspolitik wirkte die I.G. FARBEN ebenfalls mit. Ihre Tochterfirma DEGESCH lieferte den Nazis mit Zyklon B die grausamste Mordwaffe. Zudem errichtete der Konzern in unmittelbarer Nähe zu Auschwitz ein eigenes Werk, um beim Bau auf ZwangsarbeiterInnen zugreifen zu können. Später unterhielt er in der Nähe der Baustelle sogar ein firmen-eigenes KZ. Damit nicht genug, nutzte die I.G. die Häftlinge auch noch als Versuchskaninchen für medizinische Experimente. 

„Sollte es zu Wirtschaftsklagen kommen, würde das Material den Verteidigern den Schlaf rauben“, schwante deshalb dem I.G.-Vorstandsmitglied Georg von Schnitzler. Und zunächst sah es auch ganz danach aus. Aber es kam anders. Die Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse widmeten der I.G. FARBEN zwar einen eigenen Verfahrensstrang, und von den 23 angeklagten Managern landeten auch 13 im Gefängnis, sie mussten ihre Haftstrafen allerdings nicht voll abbüßen. 

Der Anklagepunkt „Teilnahme am Massenmord“ führte für keinen von ihnen zu einer Verurteilung. Die I.G.-Vorstände Carl Wurster, Wilhelm-Rudolf Mann und Heinrich Hörlein sagten vor Gericht aus, von dem Verwendungszweck von Zyklon B nichts gewusst zu haben. Was die florierenden Auschwitz-Geschäfte mit dem Stoff anging, seien sie von einer „Insektenplage im Osten“ ausgegangen, behaupteten Wurster & Co. – und kamen damit durch.

Auch kam es im Zuge des Kalten Krieges nicht wie ursprünglich vorgesehen zu einer radikalen Zerschlagung des Mörder-Konzerns. Es blieb bei einer Entflechtung, die die tragenden Säulen BAYER, BASF und HOECHST unangetastet ließ. Resultat: Kaum 20 Jahre nach dem Neustart erreichten die drei Gesellschaften für sich allein eine Größe, die derjenigen der I.G. FARBEN in ihren besten Zeiten entsprach. 

EU-Mercosur-Abkommen vorläufig in Kraft

CBG Redaktion

Scharfe Kritik vom Netzwerk Gerechter Welthandel

Die Europäische Kommission und die vier Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Uruguay und Paraguay werden den Handelsteil des umstrittenen EU-Mercosur-Abkommens ab dem 1. Mai 2026 anwenden. Damit schafft die Kommission Fakten, noch bevor der Gerichtshof der Europäischen Union seine Stellungnahme vorgelegt und das Europäische Parlament sein Votum abgegeben hat. Dabei hatte das Parlament bereits am 21. Januar 2026 beschlossen, das Abkommen dem Gerichtshof zur rechtlichen Prüfung vorzulegen.

Das bundesweite Netzwerk für Gerechten Welthandel und seine Mitgliedsorganisationen schließen sich der transatlantischen Kritik zahlreicher Umwelt-, Landwirtschafts-, Entwicklungs- und Verbraucherverbände an.

„Die Vorab-Inkraftsetzung des umstrittenen EU-Mercosur-Abkommens, ohne die Entscheidung des Europäischen Parlaments und die Prüfung durch den Europäischen Gerichtshof abzuwarten, ist nicht nur kurzsichtig, sondern demokratieschädlich.“

Ludwig Essig, Koordinator des Netzwerks Gerechter Welthandel

„BAYER, VW, Thyssenkrupp & Co. haben die entsprechenden Sektoren in den Mercosur-Staaten nichts entgegenzusetzen. Darum dürfte sich der Deindustrialisierungsprozess noch einmal beschleunigen, weshalb sich der länderübergreifende lateinamerikanische Gewerkschaftsdachverband CCSCS auch klar gegen den Deal aussprach. Es ist ein Hohn, dass der Handelskontrakt ausgerechnet am 1. Mai vorläufig in Kraft tritt.“

Jan Pehrke (Coordination gegen BAYER-Gefahren)

„Indigene Gemeinschaften drohen zu den größten Verlierern dieses Abkommens zu werden. Während in Europa über wirtschaftliche Vorteile diskutiert wird, nehmen vor Ort Landverlust, Vertreibung und Umweltzerstörung zu. Aus indigenen Territorien wird wirtschaftlicher Profit gezogen, ohne dass die Gemeinschaften fair in Entscheidungen einbezogen werden." 

Jan Königshausen (Referent für Indigene Völker, Gesellschaft für bedrohte Völker) 

Mit der vorläufigen Anwendung des Handelsabkommen leistet die EU-Kommission den Arbeiter*innen beiderseits des Atlantiks einen Bärendienst. Hunderttausende von Arbeitsplätzen im Mercosur stehen auf dem Spiel, während Beschäftigte in der europäischen Landwirtschaft um ihre Existenz bangen. Dieses Abkommen an einem 1. Mai in Kraft zu setzen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für gute Arbeitsbedingungen und faire Löhne einsetzen. 

Bettina Müller, Referentin für Handels- und Investitionspolitik bei PowerShift e.V.

Zum Hintergrund

Der Gerichtshof der Europäischen Union prüft nach dem Parlamentsbeschluss im Januar drei Kernfragen:

erstens, ob die Aufspaltung des Abkommens in einen Handels- und einen politischen Teil die Beteiligungsrechte nationaler Parlamente umgeht;

zweitens, ob der sogenannte Rebalancing-Mechanismus europäische Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutzgesetze unter Druck setzt, weil bereits neue Schutzregeln bei angeblicher Beeinträchtigung von Handelsvorteilen Gegenmaßnahmen auslösen könnten;

drittens, ob dadurch das europäische Vorsorgeprinzip geschwächt wird.

Gerade der Rebalancing-Mechanismus ist hoch umstritten: Er schafft bestehende Standards nicht automatisch ab, kann aber einen erheblichen Abschreckungseffekt auf künftige Gesetzgebung erzeugen. Neue Regeln – etwa zur EU-Entwaldungsverordnung, zu Lieferketten oder Agrarimporten – könnten aus Angst vor Streitverfahren oder handelspolitischen Gegenmaßnahmen verzögert oder abgeschwächt werden.

In der Kritik steht das Abkommen insgesamt wegen drohender Entwaldung und Klimafolgen, wachsendem Preisdruck auf bäuerliche Betriebe, unzureichendem Schutz von Arbeits- und Menschenrechten, möglichem Druck auf Umwelt- und Verbraucherschutzstandards sowie eines wahrgenommenen Demokratiedefizits durch die Vertragsaufspaltung.

CBG reicht Gegenanträge ein

CBG Redaktion

10 Einsprüche gegen BAYERs Profit-Jagd

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat zur Hauptversammlung des BAYER-Konzerns, die am 24. April stattfindet, zehn Gegenanträge eingereicht. 

Gleich zwei davon setzen die Verwendung von Glyphosat als Chemie-Waffe auf die Tagesordnung. Im Südlibanon will die israelische Armee mit Hilfe des Herbizids eine menschenleere Pufferzone schaffen. Sie gebraucht die Substanz, um Äcker zu zerstören und den LandwirtInnen so ihre Lebensgrundlage zu nehmen. Dem „Euro-Med Human Rights Monitor“ zufolge fielen dem schon Anbau-Flächen in einer Größenordnung von 9.000 Hektar zum Opfer. 

Das Glyphosat-Vorprodukt Phosphor dient ebenfalls dazu, aus dem Grenzgebiet im Südlibanon eine „Sicherheitszone“ zu machen. Zu weißem Phosphor verarbeitet, steckt es in Artillerie-Geschossen, die in der Luft explodieren und als Rauch- oder Brandbomben wirken. Human Rights Watch dokumentierte eine solche Detonation am 3. März in der Gegend um Yohmor, der eine Aufforderung an die BewohnerInnen der Stadt sowie von 50 Dörfern der Umgebung vorausging, ihre Häuser zu verlassen. „Die brandfördernde Wirkung von weißem Phosphor kann zum Tod oder zu grausamen Verletzungen führen, unter denen die Betroffenen ihr Leben lang leiden“, warnt die Organisation.

Der zweite Gegenantrag zum Thema befasst sich mit Brasilien als Einsatzort von Glyphosat als Chemie-Waffe. Dort lassen GroßgrundbesitzerInnen das Mittel von Flugzeugen oder Drohnen aus versprühen, um Indigene zu vertreiben und sich deren Land anzueignen.

Agrochemikalien widmen sich darüber hinaus noch zwei weitere Gegenanträge der CBG. Einer hat das Gefährdungspotenzial derjenigen Mittel zum Gegenstand, die zu den PFAS gehören, ein anderer beschäftigt sich konkret mit der Pestizid-Nebenwirkung „Parkinson“. Auch zur politischen Landschaftspflege des Leverkusener Multis bei der EU in Brüssel und dem vom Konzern mit besonderem Lobby-Einsatz bedachten EU-Mercosur-Vertrag legte die Coordination Gegenanträge vor. Zusätzliche stellte sie zu den von BAYER bis in die 1970er Jahre hinein betriebenen Arznei-Tests mit Heimkindern, den Aufsichtsratswahlen und den virtuellen Hauptversammlungen, zu denen die CBG keinen Anlass mehr sieht.

„Unsere Gegenanträge greifen die unterschiedlichsten Missstände auf, eines aber verbindet diese: Sie sind zurückzuführen auf BAYERs gnadenlose Profit-Jagd“, so Brigitte Hincha-Weisel vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren abschließend.

Kundgebung zur BAYER-Hauptversammlung

CBG Redaktion

BAYERs Hauptversammlung naht. Am. 24. April ist es wieder so weit. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) steckt mitten in den Vorbereitungen. Wir tun alles dafür, damit der Leverkusener Multi sich an dem Tag wieder mit einer kraftvollen Konzern-Kritik konfrontiert sieht, obwohl er sich davor mit einer Hauptversammlung im Online-Format zu wappnen gedenkt. 

Dazu brauchen wir bei der CBG aber Unterstützung. Wir wollen trotz allem auch Protest in Präsenz zeigen und halten vor der Unternehmenszentrale eine Kundgebung ab. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat ihr Kommen bereits angekündigt. Auch Vertreter*innen des „Vereins zum Erhalt der Nutzpflanzen-Vielfalt“ (VEN) und von IFOAM, der „Internationalen Vereinigung der ökologischen Landbau-Bewegungen“, stoßen wieder mit dazu. 

Das Schwerpunkt-Thema der CBG dieses Mal: „Glyphosat als Chemie-Waffe“. Neben allem anderen gehört das Herbizid nämlich auch noch zu den Dual-Use-Gütern. Momentan kommt es im Nahost-Krieg zum Einsatz. Und in Brasilien lassen Großgrundbesitzer*innen Glyphosat versprühen, um Indigene zu vertreiben und sich deren Land anzueignen. Dazu werden CBG-Aktivist*innen sprechen. Zu dem Krieg, den BAYER gegen die Natur führt, wird es ebenfalls eine Rede geben. Die Eingriffe zu ihrer „Verbesserung“ mittels Gen-Manipulationen stehen im Mittelpunkt eines weiteren Beitrags. 

Die Redeliste ist noch nicht geschlossen. Bei Interesse bitte bei der CBG melden.

Also kommt zahlreich! Stellt den BAYER-Konzern bei seiner Flucht ins World Wide Web durch Protest in Präsenz! 
Kundgebung vor der Konzernzentrale: 24.04.2026
10.00 Uhr
Kaiser-Wilhelm-Allee 3, Leverkusen
S-Bahn-Haltestelle Leverkusen-Chempark
Wegbeschreibung: die Otto-Bayerstr. hochgehen, nach rechts in die Düsseldorferstr. einbiegen und dann die erste Straße links
Die Stiftung GEKKO unterstützt die Aktionen.

CBG ruft zu den Ostermärschen auf

CBG Redaktion

Glyphosat als Chemie-Waffe im Einsatz

Presse-Information vom 01.04.26

„Kriege verweigern – Frieden schaffen“ – unter diese Losung hat das Netzwerk Friedenskooperative die diesjährigen Ostermärsche gestellt. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die dem Bündnis angehört, ruft zur Teilnahme auf. Sie selbst schließt sich am 4. April den Protesten in Bonn an.

„Die Coordination gegen BAYER-Gefahren war bei vielen Friedensdemonstrationen der letzten Zeit dabei und hat in diesem Jahr noch einen Grund mehr, auf die Straße zu gehen, denn Glyphosat kommt  im Nahost-Krieg als Chemie-Waffe zum Einsatz“, so Brigitte Hincha-Weisel vom Vorstand der CBG.

Die israelische Armee zerstört mit dem Herbizid im Südlibanon Ackerflächen, um aus dem Grenzgebiet eine große Pufferzone zu machen. Laut „Euro-Med Human Rights Monitor“ fielen dem schon 9.000 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche zum Opfer. Nach Ansicht des Büros des UN-Hochkommissars für Menschenrechte stellt dieses Vorgehen „ein ernsthaftes humanitäres Risiko“ für die dort lebende Zivilbevölkerung dar.

Dem Zweck der Errichtung eines Niemandslandes zwischen dem Libanon und Israel dient auch die Verwendung des Glyphosat-Vorprodukts Phosphor. Zu weißem Phosphor verarbeitet, steckt es in Artillerie-Geschossen, die in der Luft explodieren und als Rauch- und Brandbomben wirken. Human Rights Watch dokumentierte einen solchen Angriff am 3. März in der Gegend um Yohmor, dem eine Aufforderung an die BewohnerInnen der Stadt sowie 50 Dörfern der Umgebung vorausging, ihre Häuser zu verlassen. 

„Der rechtswidrige Einsatz von weißem Phosphor durch das israelische Militär über Wohngebieten ist äußerst alarmierend und wird schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung haben“, hält Ramzi Kaiss von Human Rights Watch fest. „Die brandfördernde Wirkung von weißem Phosphor kann zum Tod oder zu grausamen Verletzungen führen, unter denen die Betroffenen ihr Leben lang leiden“, warnt er.

Auch 2023 und 2024 hat die israelische Armee im Libanon solche Operationen durchgeführt. Für 2023 wies Amnesty International die Herkunft der Artillerie-Geschosse detailliert nach. Sie stammten aus den USA. Und damit führt die Spur zum BAYER-Konzern, denn dieser ist dort der einzige Phosphor-Produzent. 

Aus ebendiesem Grund hat Donald Trump BAYERs Glyphosat-Produktion in Soda Springs und die nahe gelegene Phosphorerz-Mine am 18. Februar per Dekret unter besonderen Schutz gestellt. „Eine zukünftige Verringerung oder die Einstellung der inländischen Produktion von elementarem Phosphor und glyphosat-basierten Herbiziden würde die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten ernsthaft gefährden“, heißt es in seiner „Executive Order“.  Unter der Überschrift „Förderung der Landesverteidigung durch die Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit elementarem Phosphor und Herbiziden auf Glyphosat-Basis“ bezeichnet sie Phosphor als „in Verteidigungslieferketten allgegenwärtig und daher von entscheidender Bedeutung für die militärische Einsatzbereitschaft und die nationale Verteidigung“.

„Immer noch betätigt sich der der BAYER-Konzern als Waffen-Lieferant. Das zeigt, dass er aus seiner unheilvollen Geschichte nichts gelernt hat“, konstatiert Hincha-Weisel.

Der Leverkusener Multi hatte 1914 mit Dianisidin eine der weltweit ersten Chemie-Waffen entwickelt. Es folgten weitere Kampfstoffe wie Chlorkohlenoxyd, Blausäure, Tabun, Sarin und Lost. Auch im Kalten Krieg liefen die Forschungen weiter, und zum „herbicidal warfare“ im Vietnam-Krieg leistete der Global Player ebenfalls seinen Beitrag. 

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren wird das Thema am 24. April auf die Tagesordnung der BAYER-Hauptversammlung setzen und vom Vorstand Antworten zur Chemie-Waffe Glyphosat verlangen.

BAYER-Hauptversammlung 24. April 2026

CBG Redaktion

Die diesjährige BAYER-Hauptversammlung findet am 24. April statt. Der Leverkusener Multi wählte wiederum das Online-Format, um sich der Konzern-Kritik nicht direkt stellen zu müssen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren protestiert aber trotzdem nicht nur virtuell, sondern auch in Präsenz gegen die Risiken und Nebenwirkung der gnadenlosen Profit-Jagd. 

Die CBG wird sich selbst mit einer Rede in die Hauptversammlung zuschalten und hat viele Beiträge von anderen Initiativen organisiert. Zudem hält sie am Übertragungsort, der BAYER-Zentrale in Leverkusen, eine Kundgebung ab. Unter anderem haben VertreterInnen der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) und des „Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzen-Vielfalt (VEN) ihr Kommen schon zugesagt.

Ihr diesjähriges Schwerpunktthema ist „Die Chemie-Waffe Glyphosat“. Neben allem anderen ist das Herbizid nämlich auch kriegsverwendungsfähig. Zurzeit kommt es im Nahost-Krieg zum Einsatz. In Lateinamerika dient das Pestizid GroßagrarierInnen überdies dazu, indigene und traditionelle Gemeinschaften zu vertreiben, um ihr Land in Beschlag nehmen zu können.

Demnächst mehr an dieser Stelle. 

KUNDGEBUNG VOR DER BAYER-ZENTRALE

24.04.2026

Treffpunkt 9.30; Beginn: 10.00 Uhr

Kaiser-Wilhelm-Allee 3, Leverkusen

S-Bahn-Haltestelle Leverkusen-Chempark

In Sachen „Versammlungsrecht“

CBG Redaktion

CBG reicht Beschwerde vor EU-Menschenrechtsgerichtshof ein

Bereits seit 2017 prozessiert die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), weil der BAYER-Konzern auf seiner damaligen Hauptversammlung in Zusammenarbeit mit der Stadt Bonn und der Polizei das grundgesetzlich verbriefte Versammlungsrecht aushebelte. In allen bislang gelaufenen Verfahren schlossen sich die bundesdeutschen Gerichte in skandalöser Weise den Argumenten des Leverkusener Multis an. Und das Bundesverfassungsgericht nahm den Fall überhaupt gar nicht erst an. Darum zog die Coordination jetzt vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und reichte eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen das Versammlungsrecht ein. Juristische Unterstützung erhielt sie dabei von Dr. Remo Klinger, der für die Deutsche Umwelthilfe schon diverse Klima-Klagen zum Erfolg führte.

Zum Hintergrund: Im April 2017 erwartete BAYER zur Hauptversammlung seiner AktionärInnen wegen der „Gift-Hochzeit“ mit dem MONSANTO-Konzern eine große Protest-Demonstration vor den Türen des „World Conference Center Bonn“ (WCCB). Die CBG hatte ordnungs- und fristgerecht bei Stadt und Polizei eine entsprechende Kundgebung auf dem öffentlichen Platz vor dem WCCB angemeldet. Dabei gab es keinerlei Bedenken von Seiten der Behörden, die CBG startete also mit ihren Vorbereitungen. Doch einige Wochen nach der unwidersprochenen Anmeldung wiesen die Behörden der CBG-Kundgebung unmittelbar vor dem Termin einen weit von der Hauptversammlung entfernten Platz zu. 

Die CBG zog trotz der sehr knappen Zeit bis zur Hauptversammlung direkt vor die Gerichte und erwirkte einen Eilbeschluss, der die Kundgebung wieder zurück vor die Tore der HV holte. Der ursprünglich beantragte Platz jedoch war inzwischen von BAYER mit einem Riesenzelt belegt und mittels eines meterhohen Zauns weiträumig abgeriegelt worden.

Nach der HV ging die CBG dann in die Hauptverfahren gegen die skandalöse „Privatisierung des Versammlungsrechts“. Gegner waren die Stadt Bonn und die Polizei als Versammlungsbehörde. Doch diese sorgen nicht etwa selbst für ihren Rechtsbeistand. Sie ließen sich ohne jeden Skrupel durch alle Instanzen hindurch ihre Schriftsätze von den AnwältInnen des „beigeladenen“ BAYER-Konzerns schreiben. Der Briefbogen der Kanzlei Redeker Sellner Dahs war auf dabei auf der Rückseite jeweils mit weit mehr als 100 Namen von Professoren und Doktoren der Rechtswissenschaften gefüllt. 

BAYER berief sich in seinen Begründungen auf „Terror-Gefahr!“ und meinte „aufgrund der aktuellen terroristischen Bedrohungslage“ dürften die Aktionen nicht so wie von der CBG geplant und angemeldet stattfinden. Dazu brachten die Konzern-JuristInnen sie in Zusammenhang mit dem Anschlag am Brüsseler Flughafen und dem Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund.  Die Großkanzlei unterstellte, dass sich derartige Gewaltakte auch aus den von der CBG angekündigten Protesten heraus entwickeln könnten, wenn keine Vorsorge getroffen werde. Kurzerhand machte BAYER aus ImkerInnen, die in den Vorjahren in voller Montur und mit Rauchbläsern ausgestattet gegen die bienengefährlichen BAYER-Pestizide protestierten, einen „Gas-Angriff von Vermummten“.

Im Ergebnis folgten die JuristInnen der Gerichte diesen Vorgaben, die CBG bekam kein Recht zugesprochen. Heraus allerdings kam im Zuge der Verfahren z. B., dass sich die Polizei mit den von BAYER vorgelegten Dokumenten zu „Terrorgefahr“ und „Sicherheitskonzepten“, die die Verdrängung der CBG-Kundgebung auf dem öffentlichen Platz vor den Räumen der HV in Bonn begründete, nicht einmal genauer befasst hatte. Nachdem die CBG vor Gericht darauf aufmerksam machte, hielten auch die RichterInnen es „zur Beurteilung der Sachlage“ nicht für nötig, Einblick in diese Dokumente zu nehmen. 

Darum setzt die CBG nun auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Vor diesem macht sie einen Verstoß gegen den Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit garantierten Artikel 11 der Europäischen Menschenrechtskonvention geltend. Dort heißt es nämlich: „Die Ausübung dieser Rechte darf nur Einschränkungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind (…).“

„In Straßburg streitet die CBG nicht nur für sich selbst. Sie strebt eine gerichtliche Entscheidung an, die alle politischen Gruppen vor der Willkür der Konzerne schützt“, erklärt Brigitte Hincha-Weisel von der Coordination gegen BAYER-Gefahren abschließend.

Die Glyphosat-Bilanz

CBG Redaktion

Hohe Rückstellungen infolge der Entschädigungsklagen

Auch in diesem Jahr bestimmt Glyphosat wieder BAYERs Geschäftsbilanz. Während die Umsätze und Erlöse sich für 2025 auf dem Vorjahres-Niveau bewegen, verhageln die vorgenommenen Rückstellungen für die Prozess-Risiken das Ergebnis. Diese „Sonderaufwendungen“ in Höhe von rund 6,2 Milliarden Euro führen unter dem Strich zu einem Minus von 3,6 Milliarden Euro.

Jetzt aber wähnt sich der Konzern auf einem guten Weg zur Beilegung der Klagen und einer Vergleichslösung. So hofft er auf ein positives Urteil des Obersten Gerichtshof der USA in Sachen „Glyphosat“, denn laut BAYER-Chef Bill Anderson gab es „starke Unterstützung durch Stellungnahmen von der US-Regierung, von 15 US-Bundesstaaten, der US-Handelskammer und vielen anderen“. Überdies versucht der Agro-Riese auf bundes- und zentralstaatlicher Ebene mit einigem Erfolg Gesetze zu lancieren, die dem umstrittenen Herbizid Immunität verschaffen. Und zuletzt hat US-Präsident Donald Trump Glyphosat per Executive Order als systemrelevant eingestuft. „Wir teilen diese Ansicht und werden die Verordnung umsetzen“, bekundete Anderson. 

„Das wirft einige Fragen auf, denn die Verordnung gilt auch für den militärischen Gebrauch von Glyphosat und seinen Vorprodukten wie Phosphor“, erklärt Brigitte Hincha-Weisel von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Phosphor kann Hincha-Weisel zufolge zur Herstellung von Rauchbomben oder Blendgranaten dienen und das Herbizid selbst als Chemie-Waffe eingesetzt werden. Gegenwärtig tut das Israel im Südlibanon, um Ackerflächen zu zerstören. Zudem lassen lateinamerikanische GroßagrarierInnen das Mittel zur Vertreibung indigener Gemeinschaften versprühen.

„Unsere mehrgleisige Strategie kommt insgesamt gut voran“, resümierte Anderson indes. „Das alles hat der BAYER-Konzern nur einem extremen Lobbyeinsatz zu verdanken. Er will Glyphosat schlicht freikaufen“, kritisiert Hincha-Weisel. Bill Anderson war der einzige Vorstandsvorsitzende eines deutschen DAX-Unternehmens, der der feierlichen Amtseinführung Donald Trumps beiwohnte. Damit nicht genug, sponserte der Global Player den Event auch noch. Insgesamt hat er die politische Landschaft in den Vereingten Staaten mit mehr als neun Millionen Dollar gepflegt und baute dabei gezielt auf LobbyistInnen aus dem Trump-Umfeld. Dazu zählten unter anderem BeraterInnen aus der ersten Amtsperiode Trumps wie Daniel McFaul, Mike Rubino und Hunter Morgen sowie Brian Ballard, Fundraiser für den 2024er Wahlkampf.

Selbst die Klimabilanz BAYERs prägte Glyphosat. Neben allem anderen ist das Herbizid nämlich auch noch ein veritabler Klima-Killer. Weil der Produktionsprozess enorm viel Energie erfordert, hat das Mittel einen wesentlichen Anteil an den direkten Treibhausgas-Emissionen des Konzerns. „Besonders energie-intensiv ist unsere Rohstoff-Gewinnung einschließlich Aufbereitung und Weiterverarbeitung für die Herstellung von Pflanzenschutzmittel-Vorprodukten von Crop Science – daher entfällt der größte Anteil unserer Treibhausgas-Emissionen auf diese Division“, heißt aus diesem Grund ein ums andere Mal in den Geschäftsberichten der Aktien-Gesellschaft.

„Es gibt kein Pestizid mit so vielen Risiken und Nebenwirkungen wie Glyphosat. Deshalb muss es sofort vom Markt“, fordert Hincha-Weisel abschließend.

Solidaritätserklärung in Sachen „Debanking“

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren erklärt sich mit allen Parteien, Gruppen und Privatpersonen solidarisch, denen die Banken kommentarlos ihre Konten gekündigt haben. 

Gesellschaftliche Teilhabe ist unverzichtbar für ein demokratisches Land, und dafür wiederum ist der Zugang zum Finanzverkehr unabdingbar. Wird dieser erschwert oder gar verunmöglicht, so werden die Existenz, die Arbeit und die gesellschaftliche Wirksamkeit zivilgesellschaftlicher, politischer und oppositioneller Gruppen bedroht.  Gleiches gilt für Einzelpersonen. Debanking ist ein Angriff auf demokratische Grundrechte.

Wir müssen in diesem Zusammenhang auch die Sanktionen ansprechen, welche die Europäische Union in etlichen Fällen gegen kritische Menschen verhängt hat. Beispielsweise trafen im Mai 2025 sie den deutschen Journalisten Hüseyin Dogru und stellten ihn wirtschaftlich total ins Abseits – eine Kaltstellung ohne ein rechtsstaatliches Verfahren.

Zunehmend scheint sich das Debanking als gängige Praxis durchzusetzen und wird insbesondere gegen kritische JournalistInnen und linke Gruppierungen und Medien angewandt. 

Warum? Sie prangern gesellschaftliche Missstände an, sind solidarisch mit Menschen in Not, erstreiten für mehr Transparenz Zugang zu wichtigen Unterlagen nach dem Informationsfreiheitsgesetz wie die Journalistin Gaby Weber oder arbeiten für Menschenrechte und Klimagerechtigkeit, gegen Rassismus, Faschismus und Machtstrukturen, die demokratische Prozesse unterminieren.

Ihre Konten wurden unbeanstandet und oft seit Jahren und Jahrzehnten geführt wie das der VVN-BdA bei der Postbank, das der Roten Hilfe bei der Stadtsparkasse Göttingen oder das der DKP bei der GLS Bank.

Warum also?

Weil Arbeit und Haltung der Organisationen oder Einzelpersonen im Widerspruch zu den Interessen und Risikobewertungen der Banken stehen? 

Weil sie im Konflikt mit wirtschaftlichen oder politischen Interessen der „etablierten“ Kundschaft der Banken stehen?

Weil sie manchmal unbequeme Wahrheiten ans Licht bringen, die auch die Banken in Schwierigkeiten bringen könnten?

Weil es Bedenken gibt hinsichtlich regulatorischer oder Compliance-Anforderungen – etwa weil eine ausländische Regierung Sanktionen verhängen könnte?

Weil die Banken mit Risikobewertungen arbeiten, die so angelegt sind, dass sie gelegentlich überkritisch urteilen: Wer Demos organisiert oder investigativ arbeitet und dafür Spenden sammelt, könnte ja ein Risiko darstellen?

Weil Linke und kritische Stimmen die bestehenden Machtverhältnisse hinterfragen und/oder herausfordern und Debanking da ein probates Mittel darstellt, diese Stimmen zu unterdrücken oder gar mundtot zu machen?

Dies sind alles keine akzeptablen Gründe!

Wir stellen uns solidarisch auf die Seite aller, gegen die Debanking eingesetzt wurde, seien es AktivistInnen, Vereine und Vereinigungen oder kleine Unternehmen. Unsere Gesellschaft lebt von Meinungsvielfalt und kultureller Vielfalt, politischem Diskurs, Transparenz und Engagement. Finanzielle Ausgrenzung untergräbt all das und schafft Ungleichheit, vereinzelt, wo Zusammenhalt nötig ist.

Wir fordern die Banken auf, die Kontokündigungen rückgängig zu machen, denn diese Form der Ausgrenzung verstößt gegen die demokratischen Grundrechte. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat sich den Protesten angeschlossen, den offenen Brief „Debanking stoppen“ unterschrieben und wird weiter entschieden für diese Forderung eintreten.

BAYER präsentiert Vergleichsvorschlag in Sachen „Glyphosat“

CBG Redaktion

Viele Fragen offen

BAYER hat mit AnwältInnen von Glyphosat-Geschädigten einen Vergleichsvorschlag erarbeitet. Demnach will der Konzern über einen Zeitraum von 21 Jahren hinweg 7,25 Milliarden Dollar zur Beilegung vorliegender und zukünftiger Klagen zahlen, wobei die Summen Jahr für Jahr abnehmen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) überzeugt das Angebot nicht. „Diese Vorlage enthält einige heikle Regelungen und lässt viele Fragen offen“, konstatiert Brigitte Hincha-Weisel von der CBG.

So begrenzt der geplante Sammel-Vergleich die Haftung auf kaum mehr als 2 Dekaden. Zudem bleibt mit fortschreitender Zeit immer weniger Geld für neu Erkrankte übrig. „Das Gefährdungspotenzial von Glyphosat kennt kein Ablauf-Datum, also muss der Anspruch auf Entschädigung so lange bestehen, wie das Mittel auf dem Markt ist. Eine Deckelung mag BAYER zwar die erhoffte ‚finanzielle Planungssicherheit‘ bescheren, das darf aber hier nicht der Maßstab sein“, so Hincha-Weisel.

Darüber hinaus gilt die Vereinbarung nur für KlägerInnen, die am Non-Hodgkin-Lymphom – einer bestimmten Form des Lymphknoten-Krebses – leiden, Geschädigte mit anderen Tumor-Diagnosen gehen leer aus. Auch tritt sie nur in Kraft, wenn ihr genügend Betroffene zustimmen und der überwiegende Teil der  67.000 noch zur zur Verhandlung anstehenden Fälle damit ad acta gelegt werden kann. Überdies müssen die Gerichte das Ganze noch absegnen.

Der Global Player aber gibt sich optimistisch. Im Verbund mit der bald erwarteten Entscheidung des Supreme Courts über die Rechtmäßigkeit von Klagen in Sachen „Glyphosat“ trotz einer Unbedenklichkeitsbescheinigung der US-amerikanischen Umweltbehörde EPA hofft er auf ein Ende der juristischen Auseinandersetzungen. Das Kalkül: Der Supreme Court verschafft dem Herbizid für alle Zeiten Immunität, und die Rechtsrisiken der näheren Zukunft wendet der Vergleich ab.

„Damit verspekuliert sich BAYER. Es existiert nur eine Möglichkeit, die Akte „Glyphosat“ zu schließen: ein Stopp der Vermarktung“, hält Brigitte Hincha-Weisel abschließend fest.

CBG unterstützt die Antilobby-Aktion in Brüssel

CBG Redaktion

Extinction Rebellion blockiert Sitz von Chemie-Verband

Presse-Information vom 09.02.26

Am heutigen Montag hat Extinction Rebellion, unterstützt von der belgischen Greenpeace-Sektion, den Sitz des Europäischen Chemie-Verbandes CEFIC in Brüssel blockiert. „Sein toxisches Lobbying vergiftet unser Wasser, unsere Körper und unsere Demokratie“, erklärte die Gruppe zur Begründung. Auch der BAYER-Konzern ist von der Aktion betroffen, denn sein sogenanntes Verbindungsbüro befindet sich im selben Haus.

„Von dem Gebäude in der Rue Belliard 40 aus betreiben BAYER & Co. ihre Einflussarbeit mit viel Geld. Vor allem die Vereinfachungspakete der EU zur Aufweichung von Gesundheits- und Umweltschutzstandards prägten sie maßgeblich mit, ohne dafür durch demokratische Prozesse legitimiert zu sein. Darum hält die Coordination gegen BAYER-Gefahren das Protest-Mittel des zivilen Ungehorsams, zu dem Extinction Rebellion gegriffen hat, für angebracht“, so Brigitte Hincha-Weisel vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren.

Auf 45 Millionen Euro belief sich der Lobby-Etat der CEFIC im vergangenen Jahr. BAYER kam auf über sechs Millionen Euro. 61 LobbyistInnen arbeiteten für den Leverkusener Multi in Brüssel. Auf nicht weniger als 74 Politikfelder erstreckten sich 2025 ihre Tätigkeiten. Von der „Farm to Fork“- und der Biodiversitätsstrategie über die Wasser- und Industrieemissionen-Richtlinie bis hin zur PFAS-Regulierung und den „Vereinfachungspaketen“ reichte die Palette.

33 Mal trafen sich BAYER-EmissärInnen direkt mit EU-KommissarInnen oder deren KabinettsvertreterInnen. Auf der Tagesordnung standen dabei Themen wie BAYERs Afrika-Strategie, das Verhältnis der EU zu den USA, die Chemikalien-Regulierung, die Neuen Gentechniken, Künstliche Intelligenz, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Pharma-Industrie und der Clean Industrial Deal. 

Die meisten Meetings fanden jedoch zu den Vereinfachungspaketen statt. Und hier lieferte die EU dann auch im Rekordtempo. Im letzten Jahr hat sie zahlreiche Vorhaben zur Aufweichung von Gesundheits- und Umweltvorschriften auf den Weg gebracht oder schon beschlossen. Unter anderem nahm sich die Europäische Union die Regelungen zum Umgang mit Chemikalien, den neuen Gentechniken und dem Schadstoff-Ausstoß von Industrie-Anlagen vor. Auch die Bestimmungen zum Schutz von Gewässern, Feuchtgebieten und Mooren stehen zur Disposition. 

Mit dem bisher letzten „Omnibus-Vereinfachungspaket“ wollen von der Leyen & Co. sogar Ackergift-Genehmigungen entfristen und auf Dauer stellen. Da bleibt der Beifall von BAYER nicht aus. „BAYER betrachtet den Omnibus zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit als eine willkommene Gelegenheit, den derzeitigen Rahmen für den Pflanzenschutz zu modernisieren und zu verbessern“, hieß es aus Leverkusen. „Wir sind der Ansicht, dass im Agrarsektor ein erhebliches Potenzial besteht, Verfahren zu straffen, Komplexität zu reduzieren und Innovationen in kritischen Technologien wie dem Pflanzenschutz zu fördern“, bekundete der Global Player. 

„Die EU hat sich auf Druck von BAYER & Co. vom Green Deal verabschiedet und dereguliert nun ohne Rücksicht auf Verluste für Mensch, Tier und Umwelt. Sie kann nicht erwarten, dass das einfach so durchgeht“, hält Hincha-Weisel abschließend fest.

Die CBG lehnt EU-Initiative ab

CBG Redaktion

Die EU hat in letzter Zeit nicht nur zahlreiche Vorhaben zur Aufweichung von Gesundheits- und Umweltstandards an den Start gebracht, sie will auch die Voraussetzung dafür schaffen, dass diese Projekte in Brüssel schneller durchgehen. Dazu dient die Initiative zu einer „besseren Rechtsetzung“. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren lehnt diese entschieden ab und formulierte ihre Kritik im Rahmen des Beteiligungsprozesses, den das EU-Reglement bei legislativen Akten vorsieht. Im Folgenden die CBG-Eingabe.

Im letzten Jahr hat die Europäische Union in einem atemberaubenden Tempo zahlreiche Vorhaben zur Aufweichung von Gesundheits- und Umweltvorschriften auf den Weg gebracht oder sogar schon beschlossen. Dazu zählen unter anderem Regelungen zum Umgang mit Pestiziden, Chemikalien, den neuen Gentechniken und dem Schadstoff-Ausstoß von Industrie-Anlagen. 

Das Mittel der Wahl ist dabei zumeist ein „Omnibus-Vereinfachungspaket“. „Wir können nicht erwarten, dass wir weltweit konkurrieren können, während wir uns gleichzeitig mit unnötigen Beschränkungen und Einschränkungen überfrachten“, schrieb der für Wirtschaft, Produktivität, Implementierung und Vereinfachung zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis in einem Beitrag für die Zeitung „FAZ“ zur Begründung.

Die EU gibt damit dem Lobby-Druck der Industrie nach. Der BAYER-Konzern zum Beispiel hat immer wieder eine Aufweichung der Pestizid-Regularien gefordert und begrüßte dementsprechend die entsprechenden Bestimmungen im Omnibus-Vereinfachungspaket zur Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit. „Bayer betrachtet den Omnibus zur Vereinfachung der Lebensmittel- und Futtermittelsicherheit als eine willkommene Gelegenheit, den derzeitigen Rahmen für den Pflanzenschutz zu modernisieren und zu verbessern“, hieß es aus Leverkusen. „Wir sind der Ansicht, dass im Agrarsektor ein erhebliches Potenzial besteht, Verfahren zu straffen, Komplexität zu reduzieren und Innovationen in kritischen Technologien wie dem Pflanzenschutz zu fördern“, bekundete der Agro-Riese. 

Und jetzt will die Europäische Union BAYER & Co. noch weiter entgegenkommen und eine Schnellstraße für die Omnibusse bauen, damit sie in Brüssel schneller durchkommen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren lehnt diese Initiative für eine angeblich „bessere Rechtsetzung“ entschieden ab. Die veränderte geopolitische Lage darf nicht als Vorwand dafür dienen, Vorschriften zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt zu deregulieren – und das auch noch mittels beschleunigter Verfahren.

EU-Mercosur-Vertrag: Aufregung um Rechtsprüfung

CBG Redaktion

„Wir kennen keine Parteien mehr, wir kennen nur noch Europäer“ – diese Devise soll jetzt in der EU gelten. Und wer dagegen verstößt, wie die ParlamentarierInnen, die für eine rechtliche Prüfung des EU-Mercosur-Vertrags durch den Europäischen Gerichtshof gestimmt haben, der gilt als Verräter an der europäischen Sache. „Offensichtlich haben noch immer zu viele den Ernst der Lage nicht verstanden. Europäische Souveränität muss sich im konkreten Handeln beweisen, die Zeit der wohlfeilen Lippenbekenntnisse ist vorbei. Wenn Europa im internationalen Kräftemessen mit Chinas aggressiver Subventionspolitik und Trumps eskalierender Zoll-Spirale bestehen will, müssen wir erwachsen werden“, mit diesen Worten schallt der baden-württembergische Ministerpräsidenten-Kandidat Cem Özdemir die acht der zwölf deutschen EU-Grünen, die für den Prüfantrag gestimmt hatten.

Noch schwerer aber wog der allseits erhobene Vorwurf, bei der Abstimmung im EU-Parlament gemeinsame Sache mit den extrem rechten Parteien gemacht zu haben. Der sozialdemokratische EU-Abgeordnete René Repasi sprach sogar von einer „Beihilfe vom Brandmauer-Bruch“. Als die Abgeordneten die Resolution im Herbst eingebracht hätten, sei die Mehrheit vielleicht nicht klar gewesen. Die geopolitische Lage habe sich aber geändert. Deshalb hätten auch die Unterstützer jetzt gegen die eigene Resolution stimmen sollen, meinte er laut FAZ.

Tatsächlich haben 144 Abgeordnete aus unterschiedlichen Fraktionen und Nationen die entsprechende Resolution eingebracht. Rechte durften sich der Eingabe explizit nicht anschließen. Sie mussten eine eigene auf den Weg bringen, die dann nicht die erforderliche Mehrheit erhielt. 

Warum fraktionsübergreifend so viele EU-PolitikerInnen eine rechtliche Bewertung des Vertrags für erforderlich hielten, interessierte kaum ein Medium, dabei gab es dafür gute Gründe. Das Abkommen erweist sich nämlich nicht nur inhaltlich als problematisch. So hat die EU-Kommission es kurzerhand gesplittet, um den Handelsteil ohne Zustimmung der nationalen Parlamente in Kraft setzen zu können. Und ob dies noch durch das Mandat gedeckt ist, das von der Leyen & Co. vom Europäischen Rat erhalten haben, bedarf nach Ansicht der Abgeordneten-Gruppe der Prüfung. Auch der in dem Kontrakt verankerte Ausgleichsmechanismus wirft für sie Fragen auf. „Wenn wegen einer europäischen Umwelt-Gesetzgebung zum Beispiel Brasilien weniger Exporte in die Europäische Union hat, kann es auf Schadensersatz oder auf Ausgleich klagen. Damit könnte das Mercosur-Abkommen eine Gefahr für die autonome Gesetzgebungskompetenz der EU werden“, gibt die grüne EU-Parlamentarierin Anna Cavazzini zu bedenken. Für das Vorsorge-Prinzip der Europäischen Union birgt der Deal für Cavazzini & Co. ebenfalls Gefährdungspotenzial, weil er eine Absenkung der Kontroll-Anforderungen für Agrar-Importe vorsieht. Deshalb mahnt die Resolution auch hier eine Klärung durch den Europäischen Gerichtshof an.

Die harsche Reaktion auf ihr Abstimmungsverhalten blieb bei den deutschen EU-Grünen nicht ohne Wirkung. So nannte es Rasmus Andresen inzwischen „einen Fehler“, für den Antrag votiert zu haben, und Anna Cavazzini äußerte auf Instagram Verständnis dafür, „dass die gestrige EP-Abstimmung zu Mercosur in vielen Augen ein ungutes geopolitisches Signal sendet und viele Fragen aufwirft“. Reumütig erklärten die acht deshalb, sich einem vorläufigen Inkrafttreten des Handelsvertrags nicht in den Weg stellen zu wollen. 

So kann in Brüssel dann doch noch Burgfrieden einkehren.