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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Pipeline] STICHWORT BAYER 03/2006

CBG Redaktion

Umstrittene CO-Pipeline: „Es gibt keine dauerhafte Sicherung“

Der Leverkusener Multi BAYER will hochgiftiges Kohlenmonoxid per unterirdischer Pipeline von seinem Dormagener Werk zum Standort Krefeld leiten. Die auf der 67 Kilometer langen Strecke liegenden Kommunen sind davon ebenso wenig begeistert wie private GrundstücksbesitzerInnen und Umweltverbände. Deshalb reichten sie bei der Bezirksregierung in Düsseldorf Einwendungen gegen das Projekt ein.

„Wenn hier etwas passiert, ist halb Hilden platt“, sagte ein für den Katastrophenschutz zuständiger Feuerwehrmann auf einer Informationsveranstaltung über die Gefahren, die von BAYERs geplanter Pipeline zum Transport von Propylen und Kohlenmonoxid (CO) ausgehen. Entstände nämlich ein Leck am Röhrensystem, so könnte das Propylen explodieren und das Gas Atemstörungen, Herzklopfen oder sogar Kreislaufkolläpse auslösen. Und das ist alles andere als unwahrscheinlich: Defekte an Leitungen gehören beim Leverkusener Multi mit zu den häufigsten Unfallursachen. Genügend Vorkehrungen zur Verhinderung eines solchen GAUs hat der Konzern bei weitem nicht getroffen. So will er bei der 67 Kilometer langen Pipeline nur alle 10 Kilometer Sicherheitsschieber zum Abdichten der Röhren einbauen. Es ist auch nicht auszuschließen, dass ein Bagger bei Erdarbeiten auf die bloß 1,40 Meter unter der Erde verlaufenden Leitungen stößt. Da diese im Bereich der A3 teilweise auch überirdisch geführt werden, besteht zudem das Risiko der Beschädigung durch Autounfälle.

In weiser Voraussicht um die Problematik des Baus hat der Chemie-Verband „ChemCologne“ die VertreterInnen der betroffenen Kommunen deshalb im Juni zu einer Informationsveranstaltung nach Leverkusen eingeladen, die in BAYERs Kommunikationszentrum „BayKomm“ stattfand. Dort herrschte nach „ChemCologne“-Angaben eitel Sonnenschein. Der Lobbyclub schwärmte über die „harmonische Atmosphäre“ und frohlockte: „Das ‚gute Klima' unter den Beteiligten kann sicherlich bei den weiteren Vorbereitungen und während der Bauphase helfen, auch mögliche Konflikte in sachlicher und kooperativer Weise zu überwinden.“ Da täuschten sich BAYER & Co aber. Entlang des ganzen Streckenverlaufes, der von Dormagen aus über Monheim, Langenfeld, Hellerhof, Hilden, Mettmann, Ratingen und Duisburg nach Krefeld führt, regt sich Protest. PolitikerInnen der Linkspartei und der DKP haben in Gerresheim, Ratingen und Düsseldorf Anfragen zur Sicherheitslage an die jeweiligen Verwaltungen gestellt. Erkraths Technischer Dezernent Klaus-Dieter Holst warnt: „Es gibt keine dauerhafte Sicherung, wenn aus der Leitung Gas sickert“. Der städtische SPD-Bezirksvorsteher Arno hat ebenfalls Bedenken geäußert und mehr Informationen über das Projekt gefordert. Und Monheims Bürgermeister Thomas Dünchheim (CDU) macht vor allem der nahe an Wohngebieten vorbeiführende Weg der Pipeline Sorge. „Im Falle einer Störung wäre das ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Anwohner“, meint er.

Viele Kommunen, aber auch private Grundstückseigentümer und Umweltverbände haben deshalb bei der Bezirksregierung in Düsseldorf Einwendungen gegen das Bauvorhaben eingereicht. Über diese will die Behörde bis Oktober 2006 befinden. Sollte sie Bayer grünes Licht geben, besteht jedoch noch die Möglichkeit, gegen die Entscheidung Klage zu erheben.

Trotz des schwebenden Verfahrens machte sich der Leverkusener Multi in Monheim schon mal daran, mit ersten Vorbereitungen zur Pipeline-Errichtung zu beginnen. Bei Arbeiten an einem werkseigenen Brunnen, der das Dormagener Werk mit Wasser versorgen soll, beabsichtigte der Gen-Gigant, gleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen und zum Transport von Kohlenmonoxid und Propylen vorgesehene Rohre gleich mitzuverlegen. Zu diesem Zweck beantragte das Unternehmen auch die Öffnung des Leitdeiches. Der Bürgermeister tobte: „Der Konzern will nach Gutsherrenart mit Blick auf eine unserer Meinung nach ungenügend gesicherte CO-Leitung vollendete Tatsachen schaffen“. Die Stadt ließ sich das nicht gefallen und reichte eine einstweilige Verfügung ein. BAYER ruderte zurück und beteuerte, nie geplant zu haben, den Deich anzurühren. Erst als die Stadtverwaltung das schriftlich hatte, zog sie die Einstweilige Verfügung zurück. Nichtsdestotrotz erwägt sie aber eine Klage gegen den Bau der Pipeline.

Der Pharma-Riese verwahrt sich gegen Kritik an seinen Plänen und verweist auf die angeblich seit fünf Jahren störungsfrei betriebene - allerdings 57 Kilometer kürzere - CO-Pipeline zwischen Leverkusen und Dormagen. Zudem setzt er auf seine Kontakte zur Politik, um seine Absichten zu verfolgen. Da die avisierten Leitungen teilweise durch Privatgrundstücke gehen, hat die Landesregierung sich mit einer „Lex Bayer“ schon mal im Vorhinein die Möglichkeit zu Enteignungen verschafft. Auch viele PolitikerInnen stehen dem Konzern zur Seite. So äußerten sich der CDU-Bundestagsabgeordnete Hermann Gröhe, der Dormagener CDU-Lokalpolitiker Norbert Dahmen und der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Kress bei einem Besuch bei Bayer zustimmend zur Rohrleitungsanlage. „Eine gute Nachricht für beide Standorte“, befanden sie unisono. Karl Kress bezeichnete die Pipeline darüber hinaus „für die Sicherung von Arbeitsplätzen in Dormagen von herausragender Bedeutung“. Sein Votum verwundert nicht. Karl Kress war nämlich Labor-Leiter bei Bayer-Faser und lässt sein Beschäftigungsverhältnis seit 2002 mit der passiven Phase der Altersteilzeit ausklingen. Im Zuge des Skandals um den auf RWE-Ticket Politik machenden Lorenz Meyer flogen auch Karl Kress Beziehungen zu Bayer auf, was ihn offenbar aber nicht davon abhielt, seinem ehemaligen Arbeitgeber weiter treu zu Diensten zu stehen.

Mit dem von ihm angeführten Arbeitsplatz-Argument versucht auch der Leverkusener Multi, Druck auszuüben. Ohne optimale Gas-Versorgung hat das Uerdinger Werk keine Zukunft, verlautet aus der Konzern-Zentrale. Im Falle einer Nichtgenehmigung müsse man sich genau überlegen, wo man Kapazitäten ausbaut, droht Werner Breuer von Bayer Material Science. Es könnte also ein heißer Herbst werden.

[NRW Politik] STICHWORT BAYER 03/2006

CBG Redaktion

Die mageren Jahren sind vorbei:

BAYER & Co. machen NRW-Umweltpolitik

Die nordrhein-westfälische Landesregierung pflegt in Sachen „Umweltpolitik“ einen „neuen Stil“ im Umgang mit den Konzernen und setzt auf Kooperation statt auf Konfrontation. Der Umweltminister Eckhard Uhlenberg hat zu diesem Zweck den „Dialog Wirtschaft und Umwelt“ ins Leben gerufen, bei dem BAYER ein gehöriges Wort mitredet, während Naturschutz-Belange keinen Fürsprecher haben.

Von Jan Pehrke

„Es gab immer ein Spannungsverhältnis zwischen Umweltschutz und Wirtschaft“, blickte der nordrhein-westfälische Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) in seiner Rede vor der Düsseldorfer „Industrie- und Handelskammer“ auf die Politik seiner Vorgängerin Bärbel Höhn zurück und kündigte eine neue Entspannungspolitik an. Er setzt auf Kooperation statt auf Konfrontation, auf freiwillige Vereinbarungen statt auf Ordnungsrecht und Gesetze und auf beschleunigte Genehmigungsverfahren statt auf „Regulierungswut“. „Wir müssen mehr für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft tun, damit sie die hohen Umweltstandards auch weiterhin halten kann“, meint der CDU-Politiker. Umweltschutz als Luxusartikel, den BAYER & Co. sich ab und zu mal gönnen, wenn das Geschäft besonders floriert, darauf läuft die „mit marktwirtschaftlichen Instrumenten“ betriebene schwarz-gelbe Umweltpolitik hinaus. Das ist umso fataler, als von „hohen Umweltstandards“ im Lande wahrlich nicht gesprochen werden kann. Entsprechend begeistert reagierten BAYERs Bernward Garthoff, seine Kollegen von HENKEL, PROVINZIAL, THYSSEN und die Vertreter des „Verbandes der Chemischen Industrie“ im Auditorium. „Ich freue mich sehr über ihre Bemerkung‚ man muss mehr für die Wettbewerbsfähigkeit tun‘, klopfte der als Moderator fungierende DEGUSSA-Mann Jochen Rudolph Uhlenberg auf die Schulter.

Auch an der bisherigen Bilanz des CDUlers gibt es für BAYER & Co. nichts auszusetzen. Uhlenberg kämpfte wacker gegen Windkrafträder, „entschlackte“ die Bundesimmissionsschutzverordnung auf dem kleinen Dienstweg und bekannte sich klar zur grünen Gentechnik. Bei umweltpolitischen Vorgaben aus Brüssel macht er Dienst nach Vorschrift und setzt Richtlinien nur noch 1:1 um. Im Falle des Chemikaliengesetzes REACH erreichte sein Ministerkollege Michael Breuer durch zahlreiche Interventionen sogar erhebliche Aufweichungen. Zudem brachte der Umweltminister ein Landschaftsgesetz auf den Weg, das Eingriffe in die Natur erleichtert, den Schutz von Biotopen einschränkt und das Klagerecht von Umweltverbänden beschneidet. Die Grünen haben Uhlenberg deshalb schon einen „Abbruchunternehmer für den Naturschutz“ genannt. Schließlich leitete der Umweltminister eine Verwaltungs„reform“ ein. Er hob die Selbstständigkeit der Umweltämter auf und schlug sie den Bezirksregierungen zu und löste das Landesamt für Ökologie, Bodenschutz und Forsten sowie das Landesumweltamt auf. Darüber hinaus schaffte der Politiker systematische Kontrollen im Lebensmittelsektor ab und zentralisierte Genehmigungsverfahren. Allein von dem Kahlschalg im vermeintlichen „Zuständigkeitsdschungel“ erwartet der Umweltminister einen größeren Innovationsschub, als ihn ein Investitionsprogramm auslösen könnte. Erstes Opfer der umweltpolitischen Wirtschaftsförderung wurden die MitarbeiterInnen der einzelnen Ressorts, 1.000 Arbeitsplätze fielen im Umweltbereich des Landes weg.

Als reichte dies alles noch nicht, hielt der Umweltminister für die bei der IHK versammelte Manager-Mannschaft noch ein paar zusätzliche Schmankerl bereit. Er stellte ihnen die Abschaffung des Wassercents in Aussicht, sicherte weitere Erleichterungen beim Emissionshandel zu und sprach sich für verlängerte AKW-Laufzeiten aus. Auch den weiteren Ausbaus des Rheins, der für Jochen Rudolph bloß eine „Wasser-Autobahn“ ist, befürwortete der Landwirt. Darüber hinaus versprach er, Angela Merkel dafür zu gewinnen, sich bei der EU für die Möglichkeit einer flexibleren Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zu verwenden, nach der die Bundesländer eine bestimmte Anzahl von Flächen als Naturschutzgebiete ausweisen müssen.

Zur ideologischen Verpackung der Konzern-Beglückung bediente er sich geschickt grassierender Ressentiments gegen „Regulierungswut“ im Besonderen und den so genannten Amtsschimmel im Allgemeinen. „Umweltschutz darf nicht mehr allein Sache des Staates sein“, lautete seine Devise, und „Politik mit dem Bürger“ nannte er, was de facto „Politik mit BAYER & Co.“ ist.

Einen offiziellen Charakter hatte Eckhard Uhlenberg diesem Schulterschluss bereits am 14. Juni verliehen. An diesem Tag unterzeichneten der BAYER-Vorstand Wolfgang Plitschke, andere Unternehmensvertreter, Uhlenberg und die Wirtschaftsministerin Christa Thoben die Vereinbarung „Dialog Wirtschaft und Umwelt“. „Die Dialogpartner sind überzeugt, dass nachhaltiges Wirtschaftswachstum, Innovation und der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen mit Hilfe einer zuverlässigen Kooperation von Staat und Wirtschaft besser erreicht werden können als nur durch staatliches Regulieren“, heißt es darin unter anderem. Das „Gemeinsam sind wir stark“ sollen als erstes Berlin und Brüssel zu spüren bekommen. Die unheilige Allianz will industriepolitische Interessen made in NRW bei Bundesregierung und EU künftig gemeinsam vertreten, „damit wir dort ernster als bisher genommen werden“, wie Thoben bekundete. Zur Abstimmung der Arbeit hat sich ein Koordinierungskreis auf Staatssekretär- und Geschäftsführer-Ebene gebildet, und zur Praxis schreiten die Dialogisten auch schon recht bald. Sie gaben die Gründung von Arbeitskreisen zu Immissionsschutz, Abfall/Bodenschutz, Ressourceneffizienz und Gewässerschutz bekannt, in deren Hand künftig wohl ein guter Teil der nordrhein-westfälischen Umweltpolitik liegt. Die Gruppe zum Gewässerschutz leitet mit Frank Andreas Schendel ein BAYER-Mann, womit mal wieder ein Bock zum Gärtner wird. Das Leverkusener Werk des Multis allein verbraucht mehr Wasser als die ganze Stadt Köln und verunreinigt mit seinen Einleitungen den Rhein und andere Flüsse massiv. Nicht umsonst wehrte der Konzern sich sogar gerichtlich dagegen, dem Land Nordrhein-Westfalen eine Fernabfrage der Emissionen per Daten-Highway zu ermöglichen und verweigert der Initiative VSR GEWÄSSERSCHUTZ Einblick in seine Abwasserfrachten. Zudem betreibt der Pharmariese in Leverkusen-Bürrig noch ein Gemeinschaftsklärwerk. Die rot-grüne Landesregierung wollte diese Art der Abwasser-Behandlung eigentlich nicht mehr erlauben, da industrielles Schmutzwasser nach einer ganz anderen Aufbereitungstechnologie verlangt als kommunales, erteilte BAYER aber eine Ausnahmegenehmigung. So konnte die Anlage unlängst ihren 40. Geburtstag begehen. Und zu dem aus diesem unfeierlichen Anlass veranstalteten Symposion gab Uhlenberg per Grußwort seinen Segen. So schließt sich der Kreis.

Von Stichwort BAYER im Anschluss an seine IHK-Vortrag zur Rede gestellt, ob der jüngste Skandal um die Perfluorierten Tenside (PFT) im Rhein nicht eher dafür spräche, die Kontrolldichte zu erhöhen, statt Arbeitsplätze im Umweltbereich abzubauen und auf Kooperationen mit Konzernen wie BAYER zu setzen, deren Sündenregister in puncto Wasserverschmutzung lang ist, wich der Umweltminister aus. Er äußerte sich nur zu den Stellenstreichungen. „Es kann keine Rede davon sein, dass die Neustrukturierung der Umweltverwaltung in Nordrhein-Westfalen und der Abbau von Arbeitsplätzen im Verwaltungsbereich und nicht im Vollzugsbereich dazu führt, dass Umweltstandards in Nordrhein-Westfalen gesenkt werden und von daher die Umweltpolitik eine geringere Bedeutung hat“, so der Minister. Sein Krisenmanagement beim PFT-Skandal zeigte aber genau dies. Nach Ansicht des Grünen-Politikers Johannes Remmel leitete die Landesregierung nämlich nicht die nötigen Maßnahmen ein. „Man muss annehmen, dass sie es mit Vorsatz tut“, kritisierte er. Remmel forderte eine Kommunalkonferenz „Sauberes Trinkwasser“ und warf Uhlenberg vor, den Versorgern in den betroffenen Gebieten nicht die Wasserentnahme-Erlaubnis entzogen zu haben und sie nicht in die Pflicht zu nehmen, in eine bessere Filtertechnik zu investieren. Dabei konnte er bis vor kurzem sogar noch auf einen Verbündeten in Uhlenbergs Ministerium setzen, aber der Umweltexperte verlor seinen Job - seiner Darstellung nach eben wegen seiner kompromisslosen Ansichten zur Verbesserung der Wasserqualität. Das weist sein ehemaliger Arbeitgeber natürlich entschieden zurück. Was Uhlenberg kundtat, als er Gebiete, die eigentlich zum Schutz vor Überschwemmungen dienen sollten, wieder für die landwirtschaftliche Nutzung freigab - „Ein Restrisiko bleibt immer“ - scheint auch seine Haltung in Sachen „Rhein“ zu bestimmen.

Aber nicht nur die Umwelt nimmt durch die Kooperation Uhlenbergs mit den Konzernen Schaden, sondern auch die Demokratie. Durch sie macht die Landesregierung nämlich eine Politik vorbei an den eigentlich dafür vorgesehenen Institutionen wie dem Landtag, mit Akteuren, die weder das Mandat der WählerInnen haben noch sich vor ihnen verantworten müssen, und entzieht sie darüber hinaus noch den Blicken der Öffentlichkeit. Aus diesen Gründen wird die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN gemeinsam mit Bündnispartnern alles tun, um es der Kuschelrunde ein wenig ungemütlicher zu machen.

Pharma-Preise

CBG Redaktion

20 Minuten (Schweiz), 28. Juni 2006

Viagra & Co.: Laut Weko viel zu teuer

Die Wettbewerbskommission (Weko) untersucht die Preisempfehlungen Potenzmittel. Sie vermutet Preisabsprachen zwischen den Herstellern.

Die drei Mittel der Pharmakonzerne Pfizer, Bayer und Eli Lilly gegen Erektionsstörungen sind nicht kassenpflichtig. Damit bestehen für sie keine gesetzlich festgeschriebenen Höchstpreise. Trotzdem geben ihre Hersteller Empfehlungen für die Publikumspreise ab.

Solche Preisempfehlungen gibt es für insgesamt etwa 4000 nicht kassenpflichtige Mittel. Die Herstellerfirmen publizieren die Preisempfehlungen auf ihren Webseiten direkt oder auf den Datenbanken der e-mediat AG. Die Mehrheit der Apotheken hält sich an diese Empfehlungen, die Publikumspreise sind fast überall gleich hoch.

Das könnte eine Wettbewerbsbeeinträchtigung oder -verhinderung sein, schreibt die Weko am Dienstag. Dieser Verdacht bestehe nicht nur bei den drei Potenzmitteln, sondern beispielsweise auch bei einigen gängigen Schmerz- und Grippemitteln, sagte Weko- Vizedirektor Olivier Schaller auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Signalwirkung auf Hersteller und Handel
Da die Untersuchung von 4000 Mitteln die Möglichkeiten der Weko übersteigen würden, nehme die Kommission fürs erste die drei Mittel gegen die erektile Dysfunktion unter die Lupe.

Bestätige sich der Verdacht bei den drei Potenzmittel- Herstellern und bei den Verteilern, sei eine gewisse Signalwirkung auf die gesamte Branche zu erwarten, sagte Schaller.

Viagra, Levitra und Cialis seien gute Beispiele, fuhr er fort. Bei ihnen bestehe der Verdacht auf vertikale und horizontale Preisabsprachen. Zum einen sind gemäss Schaller die Preisempfehlungen der Hersteller für alle drei Mittel etwa gleich hoch: Verdacht auf horizontale Preisabsprache.

Sodann hielten sich die Apotheken, die Grossisten, selbstdispensierenden Ärzte und die Datenbank e-mediat AG an die Empfehlungen: Verdacht auf vertikale Absprache. Und eine grosse Mehrheit der Verteiler verlange die empfohlenen Preise, was wiederum den Verdacht auf eine horizontale Absprache aufkommen lasse. Quelle: SDA/ATS

t-online Wirtschaft, 28.6. 2006

Potenzpillen: Bayer-Konzern im Visier der Weko

Die Schweizer Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung gegen die drei Pharmariesen Bayer (ISIN: DE0005752000), Pfizer (ISIN: US7170811035) und Eli Lilly & Co (ISIN: US5324571083) eröffnet. Die Preisempfehlungen der drei Unternehmen für ihre Medikamente Viagra, Levitra und Cialis gegen die erektile Dysfunktion würden von den Apotheken nicht nur weitgehend übernommen, sondern seien auch sehr ähnlich, teilte die Weko mit.

Weko: bislang ein zahnloser Tiger
Sollten die Wettbewerbshüter der Weko den drei Unternehmen Preisabsprachen nachweisen können, drohen Strafen von maximal 10 Prozent des in den letzten drei Geschäftsjahren in der Schweiz erzielten Umsatzes. Allerdings mit Ausnahmen, denn die rote Karte für Missbrauch gibt es bei den Eidgenossen erst seit einer Gesetzesänderung vom ersten April dieses Jahres. Vorher konnten Sanktionen erst im Wiederholungsfall verhängt werden, was für Unternehmen einem Freifahrtschein gleich kam. Und weil die Regelung neu ist, gilt noch eine einjährige Übergangsfrist. Ob die Betroffenen also überhaupt zur Kasse gebeten werden, ist fraglich.

Sanktionen innerhalb der EU härter
Im Übrigen können sich die drei Konzerne glücklich schätzen, dass die Untersuchung durch die Weko und nicht durch EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes erfolgt. Die hatte zuletzt die deutschen Energieversorger E.ON Ruhrgas AG (DE000761440) und RWE AG (DE0007037129) sowie europäische Konkurrenten wie Gaz de France wegen des Verdachts auf Missbrauch ihrer marktbeherrschenden Stellung im Visier. Auch hier drohen Strafen von bis zu zehn Prozent - allerdings vom Gesamtumsatz, was sich für die Konzerne hier schnell auf Milliardensummen belaufen könnte.

Schon einmal 60 Millionen Kartellstrafe für Bayer
Für den Bayer-Konzern, der sich bei der Übernahme von Schering (ISIN: DE0007172009) gerade erst eine Schlacht mit dem Darmstädter Pharma-Konzern Merck lieferte, würde eine Verurteilung bereits die zweite Strafe in einem kurzem Zeitraum bedeuten. Im vergangenen Jahr hatte die Europäische Kommission eine Kartellstrafe wegen Preisabsprachen bei Gummichemikalien verhängt. Diese Zusatzstoffe verbessern die Elastizität, Festigkeit und Haltbarkeit von synthetischem Gummi und werden für die Herstellung von Reifen, Schläuchen, Riemen und Schuhen gebraucht.

Preisempfehlungen auch für andere Medikamente
Die aktuell betroffenen Medikamente Viagra, Levitra und Cialis gehören zu den Hors-Liste-Medikamenten: Medikamente, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden. Hier bestünden zwar keine staatlich oder gesetzlich vorgegebenen Höchstpreise, trotzdem machten die Hersteller Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Doch nicht nur für die drei genannten Medikamente sind die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Die Vorabklärung des Sekretariats der Weko habe ergeben, dass eine große Mehrheit der Hersteller Preisempfehlungen für ihre rund 4000 nicht kassenpflichtigen Arzneimittel bekannt gibt.

Weitere Untersuchungen nicht ausgeschlossen
Die Preisempfehlungen würden zum Teil auf den Webseiten der Hersteller direkt oder auf Datenbanken der e-mediat AG publiziert. Dies könnte eine erhebliche Beeinträchtigung bzw. Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen, so die Weko. Von der Untersuchung der Weko sind auch die Apotheker, die selbst dispensierenden Ärzte, die Grossisten und die e-mediat AG betroffen. Die Weko behält sich vor, weitere Untersuchungen beim Vorliegen solcher Preisempfehlungen aufzunehmen.

Wettbewerbskommission Schweiz
Medienmitteilung, 27. Juni 2006

Wettbewerbskommission untersucht Preisempfehlungen bei drei Hors-Liste-Medikamenten

Für Medikamente, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden, bestehen keine staatlich/gesetzlich vorgegebenen Höchstpreise. Trotzdem machen die Herstellerinnen solcher Medikamente Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Die Wettbewerbskommission (Weko) hat daher am 26. Juni 2006 eine Untersuchung über die Preisbildung bei drei Hors-Liste-Medikamenten eröffnet.

Die Vorabklärung des Sekretariats der Weko hat ergeben, dass eine grosse Mehrheit der Herstellerinnen Preisempfehlungen für ihre nicht kassenpflichtigen Arzneimittel (ca. 4'000 sog. Hors-Liste-Medikamente) bekannt gibt. Die Preisempfehlungen werden zum Teil auf den Webseiten der Herstellerinnen direkt oder auf Datenbanken der e-mediat AG publiziert. Da eine grosse Mehrheit der Apotheker/innen diese Preisempfehlungen einhält, sind die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Dies könnte eine erhebliche Beeinträchtigung bzw. Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen.

Da die Preisempfehlungen für drei Medikamente gegen die erektile Dysfunktion (Viagra, Levitra, Cialis) nicht nur weitgehend übernommen werden, sondern auch sehr ähnlich sind, wird die Untersuchung gegen die Herstellerinnen Pfizer AG, Bayer AG und Eli Lilly SA eröffnet. Von der Untersuchung betroffen sind auch die Apotheker/innen, die selbstdispensierenden Ärzt/innen, die Grossistinnen und die e-mediat AG. Die Eröffnung von weiteren Untersuchungen beim Vorliegen solcher Preisempfehlungen bleibt vorbehalten.

27. Juni 2006, Neue Zürcher Zeitung Online

Pfizer, Bayer, Eli Lilly: Potenzmittel-Preise im Visier

Untersuchung gegen Hersteller, Apotheker und Ärzte

Die Wettbewerbskommission (Weko) hat eine Untersuchung über die Preisbildung von drei Potenzmitteln eingeleitet, die in der Grundversicherung nicht von den Krankenkassen rückvergütet werden.

Die Untersuchung richtet sich gegen die Hersteller der drei Medikamente gegen erektile Dysfunktion Viagra, Levitra und Cialis. Dabei handelt es sich um die Pfizer AG, die Bayer AG und die Eli Lilly SA, wie die Weko am Dienstag in Bern mitteilte. Von der Untersuchung betroffen seien auch die Apotheker, die selbstdispensierenden Ärzte sowie die Grossisten und die E-mediat AG.

Für die sogenannten Hors-Liste-Medikamente bestünden zwar keine staatlich vorgegebenen Höchstpreise, schreibt die Weko. Trotzdem machten die Hersteller solcher Medikamente Empfehlungen für die Festlegung der Publikumspreise. Vorabklärungen des Weko-Sekretariats hätten ergeben, dass eine grosse Mehrheit der Hersteller Preisempfehlungen für ihre nicht kassenpflichtigen Arzneimittel bekannt gebe.

Die Preisempfehlungen würden zum Teil auf den Webseiten der Herstellerinnen direkt oder auf Datenbanken der E-mediat AG publiziert. Da eine grosse Mehrheit der Apotheken sich an diese Preisempfehlungen halte, seien die Preise für die Konsumenten fast überall gleich hoch. Dies könne eine erhebliche Beeinträchtigung beziehungsweise Beseitigung des wirksamen Wettbewerbs darstellen.

Unfälle

CBG Redaktion

Rheinische Post, 27.06.06

Störfall bei Bayer in Leverkusen / elf Mitarbeiter im Krankenhaus

Leverkusen (rpo). Im Bayer Chemiepark Leverkusen hat sich ein Störfall ereignet. Aus bislang ungeklärter Ursache war gasförmiger Fluorwasserstoff ausgetreten. Elf Mitarbeiter mussten in eine Klinik eingeliefert werden.

Nach Angaben eines Unternehmenssprechers war der gasförmige Fluorwasserstoff in einem Lanxess-Produktionsbetrieb ausgetreten. Die Freisetzung des stechend riechenden Gases habe rasch gestoppt werden können, die ausgetretenen Dämpfe seien von der Werkfeuerwehr niedergeschlagen worden. Die Untersuchungen des Luftmesswagens zeigten dem Unternehmen zufolge keine messbaren Ergebnisse. Es habe zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bevölkerung bestanden. Die elf Mitarbeiter sollten noch am Dienstag die Klinik wieder verlassen können.

[Brief an EU] Bienensterben

CBG Redaktion

EU Kommission
Generaldirektion SANCO
Director General Robert Madelin

Bienensterben in Süddeutschland

Sehr geehrter Herr Madelin,
in Baden-Württemberg und Bayern kam es im April/Mai 2008 nach der Aussaat von Clothianidin-behandeltem Mais zu einem großflächigen Bienensterben. Mindestens 700 Imker verloren ihre Bestände ganz oder teilweise, insgesamt rund 11.500 Völker. Der Bestand wildlebender Insekten ging ebenfalls stark zurück. Das Insektizid Clothianidin (Produktnamen: Elado, Poncho) wird von der Firma Bayer CropScience hergestellt. Der Wirkstoff wird vor allem im Mais- und Rapsanbau verwendet.
Nach Aussage des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut, JKI) ist „eindeutig davon auszugehen, dass Clothianidin hauptsächlich für den Tod der Bienen vor allem in Teilen Baden-Württembergs verantwortlich ist“. Das JKI untersuchte 66 tote Bienen und wies in 65 Fällen den Wirkstoff Clothianidin nach. In den 14 Bienenproben aus Bayer fand das JKI in sämtlichen Fällen Clothianidin. Die Bienenschäden können laut JKI „nicht mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten erklärt werden“.
Durch das großflächige Bienensterben wurde die von Bayer-Vertretern stets vorgebrachte Aussage, dass Beizmittel wie Clothianidin und Imidacloprid nicht direkt mit Bienen in Kontakt kämen, widerlegt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) reagierte und verbat am 16. Mai die Anwendung von acht Beizmitteln, darunter Imidacloprid und Clothianidin, mit sofortiger Wirkung.
Vertreter von Bayer versuchen, das Bienensterben als einmaligen Vorgang darzustellen, der auf einen fehlerhaften Abrieb der Wirkstoffe bei der Mais-Aussaat zurückzuführen sei. Dabei hatte Dr. Richard Schmuck von Bayer CropScience bei einem Expertengespräch des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums am 8. Mai eingeräumt, dass auch bei einer ordnungsgemäßen Aussaat mit einem Clothianidin-Abrieb zu rechnen sei.
Schon im Jahr 2003 hatte ein Untersuchungsbericht der französischen Regierung festgestellt: „Was die Behandlung von Mais-Saat mit Imidacloprid betrifft, so sind die Ergebnisse ebenso besorgniserregend wie bei Sonnenblumen. Der Verzehr von belasteten Pollen kann zu einer erhöhten Sterblichkeit von Pflegebienen führen, wodurch das anhaltende Bienensterben auch nach dem Verbot der Anwendung auf Sonnenblumen erklärt werden kann“. Imidacloprid und Clothianidin gehören zur Substanzklasse der Neonicotinoide und sind chemisch verwandt. Beide Wirkstoffe wurden in Frankreich im Mais-Anbau verboten bzw. erhielten keine Zulassung.
Hierzu stellen wir folgende Fragen:
1. Clothianidin und Imidacloprid werden als „bienengefährlich“ eingestuft. Dennoch kam die EU im Zulassungsverfahren für Clothianidin zu dem Schluss, dass durch die Anwendung des Mittels keine Risiken für Bienen entstehen. Diese Aussage wurde spätestens durch das aktuelle Bienensterben widerlegt. Teilt die EU-Kommission die Meinung, dass die Zulassung für beide Wirkstoffe zurückgezogen werden muss?
2. Wurden die Ergebnisse des Untersuchungsberichts “Imidaclopride utilisé en enrobage de semences (Gaucho) et troubles des abeilles“ des Comité Scientifique et Technique (CST) bei der EU-Zulassung von Imidacloprid und Clothianidin berücksichtigt? Warum hat die EU nicht das französische Vorsorgeprinzip übernommen?
3. Aus Italien und Slowenien werden ebenfalls Bienensterben durch Clothianidin gemeldet, Slowenien hat die Verwendung des Wirkstoffs verboten. Gab es in den vergangenen fünf Jahren weitere Fälle von Bienensterben durch Neonicotinoide in EU-Mitgliedsländern?
4. Der Clothianidin-Umsatz betrug im vergangenen Jahr 237 Mio Euro, der von Imidacloprid über 500 Mio Euro. Der Hersteller will daher ein dauerhaftes Verbot unbedingt verhindern. In welcher Weise ist Bayer bei der EU vorstellig geworden?

Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren
www.CBGnetwork.org
Tel 0211-333 911, Fax 0211-333 940

Beirat
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Jürgen Junginger, Designer, Krefeld
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Berlin
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln
Dorothee Sölle,Theologin, Hamburg (gest. 2003)

Agrogifte

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Information vom 23. Juni 2006

umstrittene Menschen-Versuche mit Agrogiften:

US-Regierung spricht Regeln für Pestizid-Tests mit Industrievertretern ab

Die US-Regierung hat im vergangenen Jahr mit Vertretern der chemischen Industrie die Gesetzgebung zu Menschenversuchen mit Pestiziden abgesprochen. Dies belegen Gesprächsprotokolle, die von dem Umweltverband Public Employees for Environmental Responsibility (PEER) veröffentlicht wurden. Demnach griff die Administration verschiedene Wünsche der Pestizid-Hersteller auf. Insbesondere wurde in dem Anfang des Jahres vorgelegten Gesetz die Möglichkeit eröffnet, Versuche auch an Kindern und schwangeren Frauen durchzuführen. Dies war zuvor nicht nur von Umweltverbänden, sondern auch vom amerikanischen Kongress abgelehnt worden.

An dem Treffen am 9. August 2005 nahmen neben Vertretern der Regierung und der Umweltbehörde EPA auch der amerikanische Verband der Pestizid-Produzenten, CropLife, sowie der BAYER-Konzern teil. BAYER, führender Produzent gefährlicher Agrogifte, drängt seit Jahren darauf, Versuche mit Pestiziden direkt am Menschen durchführen zu dürfen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „BAYER nahm als einziges Unternehmen an dem Treffen mit der US-Regierung teil. Dies belegt, dass der Konzern zu den treibenden Kräften bei der Zulassung dieser hochgefährlichen Tests gehört. Zynischer Weise ist das Ziel dieser Versuche die Lockerung der Pestizid-Grenzwerte in der Nahrung“.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren bezeichnet den übermäßigen Einfluss großer Unternehmen auf Gesetzgebungsverfahren als undemokratisch. „Es ist nicht hinnehmbar, dass die amerikanische Regierung die Wünsche der Pestizid-Hersteller aufgreift, während Umweltschützer und Gewerkschaften außen vor bleiben“, so Mimkes weiter.

Die Clinton-Regierung hatte der EPA verboten, die Ergebnisse solcher Versuche zu verwenden. Ebenfalls unter Clinton hatte der US-Kongress mit dem „Food Quality and Protection Act“ strengere Grenzwerte für Pestizide in der Nahrung erlassen. Gerade deutsche Chemiefirmen wie BAYER und BASF wollen die schärferen Grenzwerte zu Fall bringen.

Mit den geplanten Menschenversuchen verstoßen BAYER und andere Pestizid-Hersteller auch gegen den Nürnberger Kodex von 1947, der Tests an Menschen nur dann zulässt, wenn „Ergebnisse für das Wohl der Gesellschaft“ zu erwarten sind. Weder den Versuchspersonen noch der Allgemeinheit dienen die Versuche hingegen. „Bayer hat wohl verdrängt, dass der Kodex das Ergebnis der grauenvollen Menschenversuche im Dritten Reich war, zu deren Auftraggebern damals auch BAYER gehörte“, so Philipp Mimkes. „Es ist nicht akzeptabel, dass ein Chemie-Gigant wie BAYER hochgefährliche Pestizide an Menschen ausprobiert“, ergänzt Richard Dixon, Forschungsleiter der internationalen Umweltschutzorganisation Friends of the Earth. „Schlimmer ist aber noch der Versuch, die internationale Ächtung solcher Tests auszuhebeln.“

weitere Informationen:
Protokolle der Gespräche von US Regierung und Pestizidindustrie (engl.)
Umstrittene Menschenversuche (Spiegel Online)
Bayers Menschen-Pestizidtests (taz)
US-Umweltbehörde erlaubt Pestizidversuche am Menschen (Die Welt)

Levitra

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Presse-Info vom 19. Juni 2006

„Unlautere Werbe-Aktionen für Levitra sofort stoppen!“

Potenz-Pille an Fußballfans verteilt / brasilianische Behörden ermitteln

Der BAYER-Konzern lässt in Rio de Janeiro Proben seines Potenz-Mittels Levitra an Fußballfans verteilen. Brasilianische Gesundheitsbehörden kritisieren die Aktion, da das Präparat ohne medizinische Aufsicht ausgegeben wird. Dem Unternehmen droht eine Strafe von 1,5 Millionen Real (600.000 Euro).

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „BAYER muss diese unlauteren und gefährlichen Werbe-Aktionen sofort unterbinden. Die Einnahme von Levitra kann schwere Nebenwirkungen verursachen. Es ist absolut unverantwortlich, ein Medikament wie Lutschbonbons unter die Leute zu bringen“. Die Einnahme von Levitra kann zu Kopfschmerzen, Verdauungsproblemen und in schweren Fällen zu Erblindung führen.

Die Verkaufserlöse von Levitra bleiben weit hinter den Erwartungen zurück. Prognostiziert wurden einst eine Milliarde Euro jährlich, im vergangenen Jahr waren es gerade einmal 260 Millionen Euro. BAYER reagiert darauf mit dubiosen Werbe-Kampagnen, die bereits in mehreren Ländern verboten wurden. „Die Aktionen in Brasilien zeigen einmal mehr, dass Werbung für Pharmazeutika streng reglementiert und größtenteils verboten werden muss. Die Information über Medikamente gehört in die Hände von Ärzten und unabhängigen Prüfern – nicht in die der Verkäufer“, so Mimkes weiter.

Erst kürzlich hatte BAYER in Australien nach Protesten von Ärzten eine Marketing-Kampagne für Levitra stoppen müssen. Im vergangenen Jahr musste der Konzern in den USA eine TV-Werbung für das Präparat wegen irreführender Angaben und fehlender Warn-Hinweise stoppen. Auch in Deutschland behilft sich BAYER zweifelhafter Marketing-Methoden: so wurde über das unseriöse „Institut für Gesundheitsberatung“ die sogenannte „Levitra-Studie“ verbreitet, die in der irrsinnigen Aussage gipfelte, dass „Potenzprobleme in Deutschland über 60 Milliarden Euro Schaden verursachen“. In Broschüren, mit denen Pharmareferenten über neue Produkte informieren, stellte BAYER die schnelle und lange Wirksamkeit von Levitra heraus - verschwieg aber, dass sich diese Aussage auf Tests mit betäubten Hasen bezog.

Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert die Flut sogenannter „Lifestyle-Medikamente“ grundsätzlich: „Während jede Bagatelle zum profitträchtigen Makel erklärt wird, fordern Krankheiten wie Malaria und Bilharziose Millionen von Opfern. Die Pharmamultis arbeiten nicht gegen die Geißeln der Menschheit, sondern nur für ihre Dividende“, so Ostendorf.

weitere Informationen:
Bayer: La agencia brasileña encargada del control sanitario predispuso una indagatoria
Australien: Umstrittene Marketing-Methoden für LEVITRA untersagt
FDA Orders Levitra Ad Off the Air

[Übern. Schering] Übernahme Schering

CBG Redaktion

FR, 4. Juli 2006

Bayer hält Jobabbau bei Schering für möglich

Bei der Fusion des Pharmakonzerns Bayer mit dem Berliner Konkurrenten Schering müssen sich die Beschäftigten nach wie vor auf Entlassungen gefasst machen. Bei einem Spitzengespräch mit Betriebsräten vermied Personalchef Richard Pott allerdings konkrete Aussagen zur geplanten Streichung von 6000 Arbeitsplätzen.

Berlin - Kündigungen sollen bei der Verschmelzung von Bayer und Schering nur das äußerste Mittel sein. Dies hat nach Angaben von Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann der Bayer-Vorstand versichert. Zuvor würden alle anderen Mittel zur „Beschäftigungssicherung“ ausgeschöpft. Dazu gehörten Altersteilzeit, Versetzungen oder interne Job-Agenturen.

Grundlage für Kooperation
Die Sorgen der Schering-Beschäftigten um ihre Arbeitsplätze seien in Leverkusen angekommen, so Deutschmann. Das Gespräch in der Konzern-Zentrale von Bayer werte man „als einen Schritt aufeinander zu und als Grundlage für eine kooperative Zusammenarbeit“. Anfang August sollen die Gespräche über den Jobabbau als Folge der Pharma-Ehe fortgesetzt werden. Eine gemeinsame Kommission soll über die Kürzungen vor einem Beschluss beraten.

Der Schering-Betriebsrat fordert vor allem, dass bei dem Aderlass Entlassungen vermieden werden. Absolute Schmerzgrenze für einen sozial verkraftbaren Stellenabbau in der Hauptstadt seien maximal 500 Jobs bis 2010. Derzeit beschäftigt Schering noch 5600 Menschen an der Spree und rund 9000 bundesweit. Weltweit arbeiten 25 000 Frauen und Männer für den Weltmarktführer bei Antibabypillen. Deutschmann betont, dass die Schering-Beschäftigten schon durch die vor zwei Jahren gestartete Sparwelle große Belastungen aushalten mussten. Durch die zusätzliche Steigerung der Rendite sollte die Unabhängigkeit gesichert werden. Dazu wurden trotz hoher Gewinne weiterhin Stellen besonders in Deutschland gestrichen. Letztlich schützte aber auch der gestiegene Aktienkurs Schering nicht vor den Übernahmeangeboten von zunächst Merck und dann Bayer.

Höhere Rendite
Bayer-Chef Werner Wenning will durch die Pharma-Ehe die Umsatzrendite vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen von 19 auf 25 Prozent erhöhen. Dazu sollen Einspareffekte von jährlich 700 Millionen Euro beitragen, die besonders durch den Stellenabbau entstehen sollen.

Zunächst wird die Kappung von 6000 Stellen den Konzern aber rund eine Milliarde Euro kosten. Bayer zahlte für die Übernahme fast 17 Milliarden Euro, die vor allem über Kredite sowie Teilverkäufe finanziert werden sollen. Thomas Wüpper

22.06.2006

Schering Betriebsrat setzt Bayer Frist bis 29.Juni

Der Betriebsrat der Schering AG, Berlin, hat der Führung des Bayer-Konzerns eine Frist bis 29. Juni gesetzt, um die Zukunftsängste der Schering-Mitarbeiter auszuräumen. „Der Frust ist sehr hoch“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Norbert Deutschmann am Donnerstag am Rande einer Betriebsversammlung. Zumindest müsse die Bayer AG, die Schering in ihren Konzern integrieren will, zusagen, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gebe. Auf der Versammlung machten rund 2.000 Mitarbeiter ihrem Frust über die Unsicherheit Luft, in der sie nach Deutschmanns Angaben seit Monaten gelassen werden. Weltweit soll die Übernahme zum Abbau von 6.000 Stellen führen. Der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Wenning hatte am Vortag bei der Besiegelung der Übernahme erklärt, betriebsbedingte Kündigungen seien nur die „ultima ratio“. Der Schering-Arbeitnehmervertreter interpretierte dies aber nicht als Ausschluss der Maßnahme, sondern als Formulierung, die lediglich die Gesetzeslage widerspiegelt, nach der ohnehin zuvor alle anderen Mittel zur Sanierung ausgeschöpft sein müssten. Der Schering-Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen habe auf der Betriebsversammlung „nicht viel Neues“ gesagt, sagte Deutschmann. Vor allem hätten konkrete Aussagen zur Zukunft der Arbeitsplätze gefehlt. Das Äußerste, was die Arbeitnehmer in Berlin hinnehmen würden, wäre der sozial verträgliche Abbau von 500 Stellen bis 2010, meinte Deutschmann. Als weitere Forderungen nannte der Betriebsratsvorsitzende den Erhalt der bei Schering üblichen sozialen Standards, die Transparenz der Unternehmensentscheidungen und die Offenlegung aller eventuellen Absprachen mit dem gescheiterten Übernahme-Bewerber Merck KGaA. Erlen habe allerdings auf der Betriebsversammlung die Existenz solcher Absprachen, etwa über Kooperationen in bestimmten Bereichen, dementiert. Deutschmann verlangte vor allem, dass den Arbeitnehmern bis zum Beginn der Sommerferien konkrete Perspektiven für ihre Arbeitsplätze eröffnet würden. „Ob die Situation sich zuspitzt, das liegt jetzt bei Bayer“, sagte er. Die Frage, ob und wenn ja, welche Maßnahmen die Belegschaft ergreifen wolle, wenn sich Bayer nicht bis zum 29. Juni äußern sollte, beantwortete Deutschmann nicht.

Berliner Zeitung, 13.06.2006

„Die Headhunter sind schon unterwegs“

Herr Deutschmann, die Schering-Übernahme durch Bayer steht auf der Kippe, weil Konkurrent Merck massenhaft Schering-Aktien kauft. Welche Motive hat Merck?
Ich denke, Merck will daraus einen finanziellen Vorteil ziehen. Auf jeden Fall bedeutet die derzeitige Entwicklung noch mehr Ungewissheit für uns.

Was könnte Schering denn passieren, wenn Bayer nicht zum Zuge kommt?
Das Horrorszenario wäre natürlich, dass Schering zerschlagen wird. Die sehr optimistische Variante wäre, ein gewisses Maß an Selbstständigkeit zu erhalten. Dazwischen liegt ein breites Feld.

Wenn es zur Übernahme von Bayer kommt, sollen rund zehn Prozent der Stellen im neuen Unternehmen wegfallen. Befürchten Sie, dass die Bieterschlacht noch mehr Jobs gefährdet?
Auf jeden Fall! Weil die Erwartungen, für den Verkauf von Schering-Aktien noch mehr herauszuschlagen, steigen. Höhere Preise bedeuten höhere Kosten, höhere Kosten müssen wieder hereingespielt werden. Daraus folgen höhere Einsparungen - und das gefährdet in der Regel noch mehr Arbeitsplätze. Die Zeche nachher sollen die Arbeitnehmer zahlen.

Was kann man dagegen tun?
Wir können nur appellieren an die Vernunft der Akteure. Egal, wer die Schering-Aktien nachher besitzt, der Wert von Schering steckt in den Patenten und Köpfen der Mitarbeiter. Und wenn die Motivation sinkt oder Mitarbeiter Schering verlassen, dann nimmt das Unternehmen Schaden. Daran kann kein künftiger Erwerber ein Interesse haben.

Gibt es denn bereits die Tendenz, dass Top-Leute Schering verlassen?
Die Headhunter sind schon unterwegs und versuchen unsere Leute abzuwerben. Die Frage ist, wann sind die Leute bereit, darauf einzugehen. Wenn sie bei Schering eine Perspektive sehen, dann bleiben sie auch.

Haben Sie noch Hoffnung, dass Bayer die 75 Prozent erreicht?
Ich hoffe, dass Merck letztlich Verantwortung zeigt und nicht nur kurzfristige Interessen hat. Es geht auch um den Pharmastandort Deutschland, der durch die Bieterschlacht weiter geschwächt werden könnte.
Das Gespräch führte Peter Kirnich.

taz, 14. Juni 2006

Schering nur zu Mondpreisen zu haben

Der Übernahmepoker um den Pharmakonzern Schering entscheidet sich heute. Die Darmstädter Firma Merck hat immer mehr Schering-Aktien gekauft - und treibt damit den Preis für die Bayer-Gruppe in die Höhe. Die Belegschaft muss die Zeche zahlen
VON RICHARD ROTHER

Für Berlin und Schering wollten sie nur das Beste, erläuterten die Vertreter des Darmstädter Familienunternehmens Merck wortreich, als sie im März im feinen Hotel Adlon ihre Übernahmepläne den Journalisten erklärten. Nachdem der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer die Merck-Offerte deutlich überbot, erweisen sich heute die Merck-Manager als das, was sie möglicherweise von Anfang an waren: Spekulanten. Heute um 24 Uhr endet die Frist für die Schering-Anleger, das Bayer-Angebot anzunehmen. Merck hatte sich in den vergangen Tagen mit immer mehr Schering-Aktien eingedeckt - vermutlich, um von Bayer Preis- oder weitere Zugeständnisse verlangen zu können. Die Spekulationsmasse ist die Weddinger Pharmafirma .

Denn Bayer muss bis heute Abend 75 Prozent der Schering-Aktien halten. Andernfalls scheitert die Übernahme, aus der die neue Bayertochter Bayer Schering Pharma mit Sitz in Berlin werden soll. Das wissen natürlich auch die Merck-Manager, die bislang mehr als 20 Prozent der Aktien zusammenkauften. Damit haben sie ein Pfund in der Hand, mit dem sie bis heute Abend wuchern können. Entweder, Bayer legt auf sein Angebot in Höhe von 86 Euro je Schering-Aktie noch etwas drauf. Oder aber Bayer bietet den Merck-Managern Teile des gewinnträchtigen Schering-Geschäfts an - etwa Patente, neu zu entwickelnde Medikamente oder ganze Sparten. Gestern schloss Bayer bereits nicht mehr aus, auch einen höheren Preis, als bislang geboten, für Schering zu zahlen.

Verlierer dieses spekulativen Übernahmepokers ist in jedem Fall Schering. Im schlimmsten Fall würde Schering nicht nur von den Leverkusenern geschluckt, sondern zerlegt und teilweise verkauft. Im - nach Lage der Dinge - weniger schlimmen Fall kostet Bayer die Schering-Übernahme nur mehr Geld. Geld, das auf den Konten der Merck-Besitzer landet. Auch dies wird in Berlin zu spüren sein, denn Bayer muss die Übernahme refinanzieren - bislang soll sie 16,5 Milliarden Euro kosten. Die Folge werden weitere Einsparungen sein, auch bei den Personalkosten. Schon jetzt steht jede zehnte Stelle bei Schering durch die Übernahme zur Disposition. Sollte die Übernahme noch teurer werden, dürften weitere hinzukommen.

Bei Schering, dem einzigen Dax-Unternehmen Berlins, herrscht schlechte Stimmung. Die Hängepartie zerre an den Nerven der Beschäftigten, „die Belastung nimmt zu“, sagt Schering-Betriebsratschef Norbert Deutschmann. Die Beschäftigten fühlten sich wie Schachfiguren.

„Der Schering-Übernahme-Poker zwischen Bayer und Merck droht für den Standort Berlin zur Tragödie zu werden“, befürchtet auch die Grünen-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl, Franziska Eichstädt-Bohlig. Deutschland brauche Regeln, um feindliche Übernahmen und Zerschlagungen durch Finanztransaktionen einzudämmen. Da weder die rot-grüne noch die schwarz-rote Bundesregierung in diesem Sinne vorangekommen sind, bleibt Eichstädt-Bohlig nur ein moralischer Appell: „Ich appelliere an die Firma Merck ebenso wie an die Schering-Aktionäre, nicht nur die Steigerung der Kapitalrendite im Auge zu haben, sondern auch die eigene gesellschaftliche Verantwortung für Unternehmenskultur, Arbeitsplätze und Standortsicherheit.“

Wie attraktiv Schering für Investoren ist, zeigen die Zahlen des ersten Quartals dieses Jahres. In den ersten drei Monaten 2006 stieg der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als 20 Prozent auf 174 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 16 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro.

12. Juni 2006

Schering-Betriebsrat befürchtet weiteren Stellenabbau

BERLIN --Der Betriebsratsvorsitzende der Schering AG, Norbert Deutschmann, befürchtet wegen der neu entfachten Bieterschlacht um das Unternehmen einen weiteren Stellenabbau. „Jetzt sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr“, sagte Deutschmann der Berliner Tageszeitung „BZ“ (Montagausgabe). Durch das Vorgehen der Merck KGaA dürften die Kosten für eine Übernahme steigen. „Und das bedeutet in der Regel, dass diese Kosten die Arbeitnehmer tragen sollen und weitere Jobs wegfallen würden“, warnte Deutschmann.

Schering wollte zunächst keinen Kommentar zu den jüngsten Entwicklungen abgeben. „Wir nehmen das zur Kenntnis“, sagte die stellvertretende Sprecherin Verena von Bassewitz am Montag. Kurz vor dem Fristablauf für das Übernahmeangebot von Bayer hatte sich der Bieterkampf um Schering in den vergangenen Tagen zugespitzt. Die im Bieterstreit unterlegene Darmstädter Merck-Gruppe stockte ihren Schering-Anteil von 5% auf bisher knapp 19% auf und setzte damit ein großes Fragezeichen hinter die schon sicher geglaubte Übernahme Scherings durch den Bayer-Konzern.

12. Juni, Netzeitung

Bayer bei Schering auf Hedgefonds angewiesen

Heimlich und still hat sich Merck mit Schering-Anteilen eingedeckt - für eine Sperrminorität fehlt nicht mehr viel. Die entscheidende Rolle im wieder entfachten Übernahmekampf spielen jetzt die Hedgefonds.

Der im Übernahmekampf um Schering unterlegene Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck liefert sich mit dem Rivalen Bayer einen heftigen Schlagabtausch. Der Darmstädter Konkurrent hält nach eigenen Angaben derzeit mehr als 18 Prozent an Schering und hat damit seinen Anteil deutlich aufgestockt.
Merck versucht offenbar, eine Sperrminorität von 25 Prozent zu erreichen und damit die Übernahme durch Bayer faktisch zu verhindern. Die Frist zur Annahme des Übernahmeangebots des Leverkusener Konzerns läuft noch bis zu diesem Mittwoch.

Hedgefonds halten 20 Prozent
Bayer hatte sich als so genannter Weißer Ritter in den Übernahmekampf zwischen Schering und Merck eingeschaltet und mit 86 Euro je Aktie deutlich mehr geboten als Merck. Das Schering-Management empfahl daraufhin den eigenen Aktionären, das Angebot von Bayer anzunehmen.
Um die notwendigen 25 Prozent der Anteile zu erhalten, könnte das Darmstädter Familienunternehmen mit Hedgefonds zusammen gehen und die Bayer-Pläne mit Schering durchkreuzen oder eine Übernahme durch die Leverkusener in die Länge ziehen. Nach Angaben aus Branchenkreisen halten Hedgefonds bereits rund 20 Prozent an dem Berliner Unternehmen.
Unter den Schering-Großaktionären hatte zuletzt der Münchener Versicherungskonzern Allianz seinen Anteil von elf Prozent an Bayer verkauft. Eigenen Angaben zufolge erwarb Bayer am Aktienmarkt zuletzt zudem 23,09 Prozent der Schering-Aktien zu Preisen von je 84,71 bis 86 Euro. Der Leverkusener Konzern hält damit derzeit mehr als 61 Prozent an Schering.

Frist läuft bis Mittwoch
Bis Mittwoch muss eine Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent erreicht werden, damit die Schering-Übernahme zu Stande kommt. „Wir halten uns alle Optionen offen“, sagte ein Sprecher von Merck. In Unternehmenskreisen hieß es jedoch, dass Merck nicht mehr damit rechne, Schering komplett übernehmen zu können. Es werde vielmehr darauf spekuliert, dass Bayer sein Angebot nochmals anhebt.
Beim Schering-Betriebsrat wächst angesichts des neu entflammten Übernahmekampfs die Sorge, der Stellenabbau könnte höher ausfallen als bisher geplant: „Jetzt sind noch mehr Arbeitsplätze in Gefahr“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Norbert Deutschmann der Berliner „B.Z.“.
Mit dem Vorgehen von Merck stiegen die Kosten für die beabsichtigte Übernahme. „Und das bedeutet in der Regel, dass diese Kosten die Arbeitnehmer tragen sollen und weitere Jobs wegfallen würden“, sagte Deutschmann. Zuvor hatte bereits Bayer-Chef Werner Wenning vor den Folgen des Übernahmekampfes gewarnt: „Wir hoffen, dass diese Intervention von Merck nicht zu einer Belastung der Entwicklung von Schering führt.“ (nz)

FTD

Bayer prüft neues Schering-Gebot

von Klaus Max Smolka, Matthias Pindter, Frankfurt, und Peter Kuchenbuch, Hamburg

Für den Fall, dass der aktuelle Kaufversuch scheitert, prüft der Bayer-Konzern, wie sich die Schering-Übernahme dennoch retten lässt. Eine zweite Kaufofferte bleibt dem Konzern rechtlich möglich.

Sollte Bayer aufgrund der Aktienkäufe des Rivalen Merck die für die Übernahme erforderlichen 75 Prozent der Schering-Anteile nicht zusammenbekommen, kann der Leverkusener Konzern bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beantragen, sich von der zwölfmonatigen Sperrfrist befreien zu lassen. Dies ist möglich, wenn das Zielunternehmen Schering dafür seine Zustimmung gibt. Da Schering den Zusammenschluss mit Bayer unterstützt, wäre ein solches Placet zu erwarten.
Bayers aktuelles Gebot wackelt, weil Merck vorige Woche über die Börse mehr als 18 Prozent der Anteile an Schering zusammengekauft hat. Das gefährdet die Annahmequote von 75 Prozent, die Bayer zur Bedingung für das Übernahmeangebot gemacht hat. Merck hatte zuvor selbst versucht, Schering zu kaufen.
Nach dem deutschen Übernahmegesetz muss ein Bieter ein Jahr warten, bevor er nach einer gescheiterten Offerte wieder beim selben Unternehmen anklopfen darf. Mit dieser Regel hatte Bayer den Schering-Aktionären zuletzt gedroht. Das Unternehmen verlängerte vor knapp zwei Wochen seine Offerte von 86 Euro je Aktie bis zum 14. Juni und betonte, dies sei rechtlich die letztmögliche Verlängerung. Auch am Preis und anderen Gebotsbedingungen sei nichts mehr zu ändern. Die Botschaft dahinter: Jetzt annehmen oder nie.

Übernahme durch Bayer kleineres Übel
Das stimmte formal. Weitgehend unbeachtet blieb, dass Bayer sein Gebot voraussichtlich sehr wohl aufstocken kann. Denn bei Schering sieht man inzwischen die Übernahme durch Bayer als kleineres Übel an. Der Grund: Wenn der Zusammenschluss fehlschlägt, wird der Schering-Kurs vermutlich abstürzen. Die bei hohem Preis eingestiegenen Hedge-Fonds würden wahrscheinlich versuchen, ihr Investment auf andere Weise zu retten als durch den Verkauf an Bayer: Sie würden auf die Veräußerung jener Unternehmensteile drängen, die erst langfristig Erfolg versprechen - beispielsweise der Anti-Krebs-Mittel.
Schering dürfte daher einem Antrag Bayers bei der Bafin zustimmen, sich von der Sperrfrist befreien zu lassen. Die Chancen bei der Behörde stünden dann nicht schlecht. Auf gleiche Weise kam 2005 die niederländische Firma NDO beim IT-Anbieter Arxes im zweiten Anlauf zum Zuge. NDO war in der ersten Runde an einer zu niedrigen Annahmequote gescheitert - so wie es jetzt Bayer droht. Bayer könnte bei einem neuen Gebot die Annahmeschwelle von 75 Prozent herabsetzen.
„Das Gesetz sieht vor, dass die Bafin einer Befreiung zustimmen kann“, sagte eine Sprecherin der Behörde. „Die Bafin hat ein Ermessen und müsste die Bedingungen des Einzelfalls entsprechend würdigen.“ Bayer und Schering wollten sich am Wochenende zu diesem Thema nicht äußern. „Schering steht nach wie vor zu dem Bayer-Angebot“, sagte ein Schering-Sprecher.

Skeptischer Blick der Bafin
Das Schweigen ist wenig verwunderlich: Den Investoren soll nicht signalisiert werden, sie bekämen eine zweite Chance, ihre Anteile anzudienen. In Firmenkreisen ist aber zu hören, dass die Rechtsabteilungen diesen Weg prüfen. Theoretisch wäre auch ein Gebot über eine neue Tochtergesellschaft möglich. Diese Option wird aber dem Vernehmen nach von Bayer verworfen.
Die Bafin würde einen solchen Schritt wohl skeptisch betrachten. „Wenn ein neuer Bieter käme, von dem man wissen würde, dass dahinter der gleiche wirtschaftliche Eigentümer steht, dann wäre zu prüfen, ob das einen Umgehungstatbestand darstellen würde“, sagte die Bafin-Sprecherin.
In jedem Fall ist Bayer fest gewillt, die Akquisition von Schering durchzuführen. Schließlich hat der Leverkusener Konzern schon mit hohem Tempo die Zusammenlegung mit dem Konkurrenten vorbereitet - unterstützt von den Beratungsgesellschaften Deloitte und Egon Zehnder. Leiter des Projekts ist Lambert Courth, Chef der Ländergruppe Großbritannien und Irland. Er führte schon die Integration des Geschäfts mit rezeptfreien Medikamenten, das Bayer 2004 von Roche gekauft hatte.
In Singapur trafen sich nach FTD-Informationen vorige Woche Bayer- und Schering-Manager zu Gesprächen über die Fusion der Asiengeschäfte. Von Montag an sollen rund 80 bis 100 Manager beider Seiten in einem Hotel in Amsterdam über die Integration beraten. Die Unternehmen sind peinlich darauf bedacht, diese Treffen auch intern noch nicht als Teil einer Fusion darzustellen - das ist juristisch heikel, weil sie derzeit noch Wettbewerber sind. Daher sind die Veranstaltungen als „Integration Planning Kick-off Meetings“ deklariert - also erste Treffen zur Planung der Integration.

Sonntags TV

CBG Redaktion

11. Juni 2006, Sonntags TV, ZDF

Schule statt schuften

Initiativen gegen Kinderarbeit

250 Millionen Kinder weltweit arbeiten. Allein in Indien gehen nach Schätzungen von Unicef rund 80 Millionen Jungen und Mädchen nicht zur Schule, sondern schuften in Steinbrüchen oder auf dem Feld. Und das obwohl Kinderarbeit auch in Indien seit Jahren offiziell verboten ist.

In Indien arbeiteten früher viele der Kinder in der Bekleidungsindustrie, doch auf Druck internationaler Organisationen sind hier die Zahlen zurückgegangen. Nun arbeiten sie in Zulieferbetrieben, zum Beispiel in der Zucht von Baumwollsaatgut. Diese Herstellung ist sehr zeitaufwendig: Meist sind es junge Mädchen, die die hybriden Pflanzen von Hand bestäuben.

Kinder als billige Arbeitskräfte
„Ich bin 10 Jahre alt und arbeite von 9 Uhr morgens bis 6 Uhr abends für 30 Rupees am Tag. Natürlich würde ich gerne zur Schule gehen, aber meine Eltern müssen Schulden zurückzahlen“, erzählt ein Mädchen. 30 Rupees am Tag, das sind gerade mal 60 Cent. Friedel Hütz-Adams kennt diese Zahlen. Er arbeitet seit Jahren für den entwicklungspolitischen Verein Südwind.

Kinderarbeit hat ihm zufolge mehrere Ursachen: „Das Problem ist sozial fundiert, es ist traditionsbedingt, es liegt zum Teil an der Diskriminierung von Bevölkerungsschichten und es liegt auch daran, dass Arbeitgeber lieber billige Kinder als teure Erwachsene einstellen. Die Familie hat dann die Wahl, entweder arbeitet das Kind oder es arbeitet niemand.“

Teure Importware
Häufig arbeiten die Kinder in Steinbrüchen und Kalköfen. Im indischen Madhya Pradesh etwa schleppen Kinder 12 Stunden am Tag Steine. Natürlich ist das nicht legal, doch die Kontrollen sind selten. Viele der Steinbrüche sind nicht registriert und werden illegal betrieben. Arbeitsschutz und das Verbot von Kinderarbeit sind hier Fremdworte. Zur Schule geht hier niemand, stattdessen verdienen diese Jungen oft das Familieneinkommen. Ihre Arbeitskraft ist billiger als die der Erwachsenen, also erhalten sie den Zuschlag.

Friedel Hütz-Adams weist darauf hin, dass in Deutschland mehr und mehr Steine aus Indien, unter anderem auch Granitblöcke und Grabsteine importiert würden. „Also auch eher hochwertige und teure Dinge, bei denen man erst mal denken würde: Da arbeiten keine Kinder mit. Wenn man aber vor Ort in die Minen reinschaut, stößt man auf verheerende Arbeitsbedingungen, große Umweltbelastungen und eben überall auf Kinder.“

Bildung verleiht Würde
Die 12-jährige Lakshmi musste noch vor kurzem wie viele andere Mädchen zwölf Stunden am Tag schuften. Jetzt kann sie die Schule besuchen und hat schon das ganze Alphabet gelernt. Zeit zum Spielen bleibt ihr sogar auch: „Ich spiele mit meinen Freundinnen, das ist ganz toll, das kannte ich vorher gar nicht. Da blieb ja gar keine Zeit übrig, aber jetzt haben wir Zeit für uns. Das ist wirklich toll. Ich bin froh, dass ich hier bin.“

Die Kampagne „Stopp Kinderarbeit - Schule ist der beste Arbeitsplatz“ hat die Deutsche Welthungerhilfe ein Bildungsprojekt ins Leben gerufen, um arbeitenden Kindern in Entwicklungsländern kostenlose staatliche Grundbildung zu ermöglichen. „Bildung macht den Menschen zum Bürger, versetzt ihn in die Lage, seine Rechte wahrzunehmen, selbst wenn am Ende nicht unbedingt ein Arbeitsplatz steht“, sagt Antje Paulsen von der Welthungerhilfe.

Wie viele andere Eltern war auch die Mutter von Lakshmi zunächst gegen den Schulbesuch ihrer Tochter, doch jetzt ist sie stolz auf sie. Im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gehen mittlerweile fast alle Kinder zur Schule.

mit Material von epd

Indien

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Mitteilung vom 8. Juni 2006

Kinderarbeit bei indischen Saatgut-Zulieferern: „BAYER muss Versprechen halten“

Rund 500 Kinder zwischen 8 und 14 Jahren arbeiteten im vergangenen Jahr bei indischen Saatgut-Zulieferern des BAYER-Konzerns. Die Kinder stehen bis zu 13 Stunden täglich auf den Feldern, verdienen weniger als 50 Cent am Tag und tragen wegen der hohen Pestizidbelastung oftmals Gesundheitsschäden davon. In wenigen Wochen beginnt die etwa sechsmonatige Pflanz-Saison.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der BAYER-Konzern muss in der nun startenden Pflanz-Saison sicherstellen, dass bei seinen Zulieferern keine Kinder mehr ausgebeutet werden. Alle ehemaligen Kinderarbeiter müssen auf Kosten des Unternehmens eine Schulbildung erhalten.“ Wegen der höheren Löhne, die an Erwachsene gezahlt werden, würden diese Maßnahmen in den betroffenen Regionen auch zu einer Verbesserung der sozialen Lage führen.

Nach internationalen Protesten hatte BAYER im vergangenen Jahr einen Aktionsplan gestartet, das Ziel der Eliminierung von Kinderarbeit bei seinen Zulieferern jedoch verfehlt. Die CBG fordert BAYER nun auf darzulegen, welche Konsequenzen aus den Fehlern des Vorjahres gezogen wurden. „BAYER hat zwar im Frühjahr 2005 unter dem zynischen Titel „Harvest of Happiness“ („glückliche Ernte“) eine breit angelegte Medienkampagne gestartet, jedoch erst im Juli die Zulieferer darauf hingewiesen, dass sie ohne Kinderarbeit produzieren sollten. Zu diesem Zeitpunkt waren aber die Arbeitsverträge bereits unterschrieben, die meisten Zulieferer konnten die Belegschaft nicht mehr austauschen“, so Mimkes weiter.

Die CBG hatte die Problematik vor drei Jahren in Deutschland öffentlich gemacht und eine Kampagne gestartet, der sich inzwischen zahlreiche Verbände angeschlossen haben. Gemeinsam mit dem Global March against Child Labour und Germanwatch reichte der Verein bei der OECD eine Beschwerde wegen Verletzung der Leitlinien für Multinationale Konzerne ein.

„Die im letzten Jahr erfolgte Reduzierung der Kinderarbeit bei Zulieferern von BAYER ist auf den Druck von Nichtregierungsorganisationen aus Deutschland zurückzuführen“ erläutert Dr. Davuluri Venkateswarlu vom Glocal Research and Consultancy Service in Hyderabad. Dr. Venkatesvarlu, dessen Untersuchungen die Kampagne ins Rollen gebracht hatten, fordert weitere Aktionen am Stammsitz von BAYER. „Es war ganz eindeutig, dass die Firma nur aufgrund des Drucks von europäischen Gruppen zu Diskussionen mit uns bereit war“, so Venkatesvarlu. Der Arbeitswissenschaftler kennt die Zustände auf den Feldern aus persönlicher Betroffenheit: seine acht Geschwister arbeiteten als Kinder auf Baumwoll-Feldern, er allein erhielt eine Schulbildung.

Wie schon bei früheren Streitthemen bleibt der Konzern bei der Strategie, seine Kritiker in „gut“ und „böse“ aufzuteilen. Während große Verbände zu Gesprächen eingeladen werden, ließ das Unternehmen ein im Bundeswirtschaftsministerium geplantes Gespräch platzen. Grund für die Absage: die Teilnahme der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die angeblich „ideologisch motivierte Kampagnen“ gegen BAYER führe. Dabei hatten die Veröffentlichungen des Vereins die Kampagne in Deutschland überhaupt erst ins Rollen gebracht....

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Kampagnen-Seite

Die Kampagne wird von der Stiftung Menschenwürde + Arbeitswelt, der Stiftung Umverteilen und der Aktion Selbstbesteuerung unterstützt

Kongo

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 31. Mai 2006

Kein Blut für BAYER

Nein zum Bundeswehr-Einsatz im Kongo

Der deutsche Bundestag stimmt morgen über den Einsatz der Bundeswehr im Kongo ab. Ein Truppenkontingent von bis zu 750 Mann soll die dort im Juli stattfindenden Wahlen absichern, so die offizielle Begründung. Aber es gibt auch inoffizielle Motive: Auf die Frage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, ob „wirtschaftliche Interessen, Versorgungs- und Ressourcensicherung“ eine Rolle spielen, antwortete Verteidigungsminister Franz Josef Jung: „Das gehört dazu“. Tatsächlich sieht die Bundeswehrsatzung seit den 90er Jahren ausdrücklich die Sicherung wirtschaftlicher Ressourcen für die deutsche Wirtschaft als Auftrag für Einsätze vor.

Und im Kongo hat sie viel zu sichern: Gold, Diamanten, Kupfer, Wolfram, Germanium, Kobalt und Tantal. Bei letzterem handelt es sich um ein seltenes Metall, dessen weltweit führender Weiterverarbeiter die BAYER-Tochter HC STARCK ist. Besonders der Handyboom bescherte dem Unternehmen astronomische Gewinne mit dem Metall, das sich als Werkstoff in Kondensatoren, Flugzeugmotoren und Airbags findet. Während des Bürgerkrieges in dem afrikanischen Staat schreckte HC STARCK nicht einmal davor zurück, über Mittelsmänner mit Warlords, welche die Tantal-Minen kontrollierten, Geschäfte zu machen. Weil dies wesentlich zur Finanzierung des blutigen Treibens beitrug, verurteilte die UN diese an Beschaffungskriminalität grenzende Politik von HC STARCK und anderen Firmen scharf.

Die Soldaten sollen für die Interessen deutscher Konzerne ihren Kopf hinhalten. BAYER hat in diesem Geschäft reichhaltige Erfahrung. Sowohl im Ersten als auch im Zweiten Weltkrieg waren führende Vertreter des Multis an Vorbereitung und Planung beteiligt und arbeiteten geopolitische Strategien aus, die sich an den Rohstoffvorkommen orientierten. Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Militarisierung der deutschen Außenpolitik hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Bundeswehr greift für die Interessen der großen Konzerne zu den Waffen. Diese Entwicklung muss gestoppt werden. Kein Blut für BAYER!“.

Auf dem im vergangenen Jahr vom BDI abgehaltenen Kongress „Rohstoffsicherung - Herausforderung für die Industrie“ suchten HC STARCK- und BAYER-VertreterInnen gemeinsam mit ihren KollegInnen nach neuen Wegen, um an die dringend benötigten Bodenschätze heranzukommen. Im Gefolge des Meetings bildete sich eine Arbeitsgemeinschaft „Internationale Rohstoff-Fragen“, welcher mit Karl Heinz Dörner der Präsident der „Wirtschaftsvereinigung Metalle“, vorsitzt. Im März veranstaltete diese die Tagung „Für eine sichere Rohstoffversorgung“. Zu den prominentesten „unberechenbaren politischen Regimen“, die für die ressourcen-abhängige bundesdeutsche Industrie ein „geostrategisches Risiko“ darstellen, nannte Dörner den Kongo. Und im Zuge der immer selbstbewusster auftretenden deutschen Außenpolitik traten Dörner & Co. offen für den Einsatz von Waffen zur Minimierung derartiger „geopolitischer Risiken“ ein. Rudolf Adam von der „Bundesakademie für Sicherheitspolitik“ etwa optierte für „militärische Kräfte“, „um bestimmte Handelsrouten freizuhalten“ und sprach sich für von bundesdeutscher Seite initiierte regime changes aus.

Die entsprechenden Vorarbeiten dafür laufen im Kongo schon lange. Bereits im Jahr 2004 übernahmen Bundeswehr-Stabsoffiziere die Ausbildung kongolesischer Soldaten; der BGS schult derweil Sicherheitskräfte. Zudem unterstützt die Bundesregierung die Armee Nambias, die bereits während des Bürgerkriegs in die Kampfhandlungen eingriff und auch im Juli Flankenschutz geben könnte. Die Generäle bereiten die Soldaten dabei auf das Schlimmste vor. Infanterie und Eliteeinheiten werden nach Angaben des Brigadegenerals Johann Berger prophylaktisch auf „schreckliche Bilder“ eingestellt, denn: „Wer nicht physisch, psychisch und mental entsprechend ausgebildet ist, braucht da gar nicht erst hingehen. Ein zerfetzter Mensch sieht nicht gut aus“.

Lesen Sie auch den Artikel „Die Bayer-Tochter und der Krieg im Kongo“

Addyston

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Erklärung vom 30. Mai 2006

Bayer/Lanxess-Werk im amerikanischen Addyston

Erhöhte Krebsrate rund um Chemie-Fabrik

Amerikanische Gesundheitsbehörden haben in der Nachbarschaft des Chemie-Werks Addyston eine stark erhöhte Rate von Krebserkrankungen festgestellt. Die vom Ohio Department of Health veröffentlichte Studie zeigt, dass die Zahl der Krebs-Fälle 76% höher liegt als zu erwarten gewesen wäre. Die Fabrik im Bundesstaat Ohio wird von der deutschen Firma LANXESS, einer Ausgliederung des BAYER-Konzerns, betrieben. Die Untersuchung war nach einer Vielzahl von Störfällen, die von der Werksleitung teilweise verheimlicht worden waren, angeordnet worden.

Allein 13 der rund tausend Einwohner von Addyston erkrankten zwischen 1996 und 2003 an Lungenkrebs, statistisch zu erwarten wären drei Fälle. Auch die Zahl der Fälle von Darm- und Nierenkrebs lag dreimal höher als normal. Paul Koval, Toxikologe von der US-Umweltbehörde EPA: „Wir haben diese Probleme erwartet, unsere Sorgen werden durch die Ergebnisse der Studie bestätigt.“ Tim Ingram, Leiter der zuständigen Gesundheitsbehörde, nennt die Resultate der Untersuchung „beunruhigend“.

Die EPA hatte nach mehreren Freisetzungen der giftigen Chemikalien Acrylnitril und Butadien berechnet, dass sich das Krebsrisiko der Anwohner um rund 50% erhöhen würde. Eine Grundschule in direkter Nachbarschaft des Werks wurde daraufhin geschlossen. Die Werks-Leitung von LANXESS wies zwar die Verantwortung für die hohe Zahl von Krebs-Fällen zurück, kündigte aber gleichzeitig an, 4 Millionen Dollar zur Verhinderung weiterer Störfälle zu investieren. Die Gesundheitsbehörden wollen nun bis zum Herbst in einer weiteren Studie feststellen, wie viele der Erkrankungen direkt von den Emissionen der Chemie-Fabrik ausgelöst wurden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Vernachlässigung von Gesundheit und Umwelt zugunsten von Konzernprofiten hat bei BAYER und LANXESS System. Das Werk in Addyston stößt selbst im „Normalbetrieb“ jährlich 700 Tonnen Schwefeldioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und Feinstäube aus. Dies ist ebensowenig hinzunehmen wie die Zahl von über hundert Unfällen in einem Jahr. Die Produktion gefährlicher Stoffe wie Acrylnitril oder Phosgen hat schlichtweg nichts in der Nähe von Wohngebieten zu suchen – weder in den USA noch hier in Deutschland.“

weitere Informationen:
Artikel aus dem „Cincinnati Enquirer“ und dem „Columbus Dispatch“
Lanxess-Werk in Addyston/USA: Anwohner protestieren gegen Störfälle und Luftverschmutzung
Neues Deutschland: Krebsfälle am Chemie-Werk

Policosanol

CBG Redaktion

Deutsches Ärzteblatt, 17. Mai 2006

Kubanischer Lipidsenker auf Placeboniveau - Studie zum Nahrungsergänzungsmittel Policosanol

Wirkstoff in One-A-Day-Tabletten von Bayer enthalten

Köln - Policosanol, ein zumeist aus Zuckerrohr gewonnener Extrakt, wird im Internet als natürliche Alternative zu den ärztlich verordneten Lipidsenkern beworben. Doch in einer in Deutschland durchgeführten randomisierten kontrollierten Studie, die jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2006; 295: 2262-2269) publiziert wurde, war das „hochwertige Herzvitamin“ (so eine Google-Anzeige) nicht besser wirksam als ein Placebo.

Policosanol (nicht zu verwechseln mit dem juckreizstillenden Dermatikum Polidocanol) ist eine Mischung aus aliphatischen Alkoholen, die aus Zuckerrohr (aber auch aus Weizenkeimen, Reisschalen und Bienenwachs) isoliert werden. In Deutschland ist es als Nahrungsergänzungsmittel in Apotheken erhältlich. Es darf offiziell nicht mit dem Hinweis auf seine lipidsenkende Wirkung beworben werden, doch die entsprechenden Botschaften erhält der Verbraucher über entsprechende Internetseiten. Schon der erste Treffer bei einer Google-Suche informiert den Patienten darüber, dass Policosanol bei der Senkung des Cholesterins „genauso wirksam ist wie die Statine“, die doch recht teuer seien, „auch wenn sie erstattet werden“.

Die Wirkung wird teilweise durch wissenschaftliche Studien belegt, die auch die Pharmazeutische Zeitung, Organ der deutschen Apotheker, zu einer relativ positiv-pharmakologischen Bewertung kommen lässt. Tatsächlich wurden mehr als 80 Studien zu Policosanol durchgeführt, von denen die meisten allerdings von einer einzelnen Forschergruppe in Kuba durchgeführt wurden, wie Heiner Berthold von der Universität Köln und Geschäftsführer der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft im JAMA schreibt. Publiziert wurde jedoch auch eine Negativstudie aus den Niederlanden. Wissenschaftler der Firma Unilever konnten keine lipidsenkende Wirkung eines Extraktes ausmachen (Metabolism 2004; 53: 1309-14). Auch die jetzt von Berthold und Mitarbeitern durchgeführte Studie, die von der Firma Madaus gesponsort wurde, findet keinen Hinweis auf eine den Statinen vergleichbare Wirkung.

An der multizentrischen placebokontrollierten Doppelblindstudie hatten 143 Patienten mit Hypercholesterinämie oder kombinierter Hyperlipidämie teilgenommen. Einschlusskriterien waren ein LDL-Cholesterin von über 150 mg/dl, wenn die Patienten außer einer bekannten Koronaren Herzkrankheit höchstens einen weiteren Risikofaktor hatten. Wenn zwei oder mehr Risikofaktoren vorlagen, qualifizierte ein LDL-Cholesterin zwischen 150 und 189 mg/dl zur Teilnahme.

Die Patienten wurden auf 5 Gruppen randomisiert, in denen ihnen Policosanol in Tagesdosierungen von 10, 20, 40 oder 80 mg/d oder ein Placebo verordnet wurden. In keiner de fünf Gruppen sank der LDL-Cholesterinwert um mehr als 10 Prozent, wobei sich die Ergebnisse in den vier Policosanol-Armen nicht signifikant von Placebo unterschieden. Auch in den sekundären Endpunkten der Studie, namentlich dem protektivem HDL-Cholesterin erzielte Policosanol keine Wirkung.

Die Kölner Wissenschaftler gehen deshalb davon aus, dass das Medikament keine relevanten lipidsenkenden Eigenschaften hat, jedenfalls nicht bei dem verwendeten Extrakt und nicht bei weißen Patienten. Worauf die Unterschiede zu den in Kuba durchgeführten Studien beruhen, bleibt offen, doch auch diese Studien haben die Wirkung, sofern sie wirklich bestehen sollte, nur hinsichtlich der Laborparameter untersucht. Was völlig fehlt, sind Daten zu den klinisch relevanten Endpunkten, also etwa der Reduktion von kardialen Ereignissen. /rme

Hinweis: Policosanol wird von Bayer in „One-A-Day Cholesterol plus Vitamins“-Tabletten angeboten. Weitere Infos

Preisabsprachen

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Information vom 28. April 2006

Strafanzeige wegen Kartellbetrug:

Verantwortliche hinter Gitter!

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat heute bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige gegen den Vorstandsvorsitzenden des BAYER-Konzerns, Werner Wenning, sowie den Aufsichtsrats-Chef Manfred Schneider gestellt. Der Verein wirft den Managern vor, die andauernde Beteiligung des Unternehmens an illegalen Preisabsprachen geduldet oder angeordnet zu haben.

BAYER war in den vergangenen Jahren in einer Vielzahl von Fällen des Kartell-Betrugs überführt worden. Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr musste das Unternehmen 275 Millionen Euro zur Begleichung von Kartellstrafen zurückstellen.

„Bei diesen Kartell-Absprachen geht es um Summen in dreistelliger Millionenhöhe. Es ist undenkbar, dass Entscheidungen in dieser Größenordnung ohne Wissen des Vorstands getroffen werden. Der Vorstandsvorsitzende und sein Vorgänger müssen persönlich in Haftung genommen werden. Erst wenn die verantwortlichen Manager Gefängnisstrafen fürchten müssen, kann von einem abschreckenden Effekt ausgegangen werden“, so Philipp Mimkes von der CBG.

Illegale Preisabsprachen ziehen sich wie ein roter Faden durch die 140jährige Firmengeschichte. Nach Einschätzung der Coordination gegen BAYER-Gefahren bleibt die Mehrzahl illegaler Preisabsprachen unentdeckt. „Die Zeche zahlen Verbraucher und Steuerzahler“, so Mimkes weiter. „Es ist nicht einzusehen, dass die Verantwortlichen für Millionen-Betrügereien nicht strafrechtlich belangt werden.“

Eberhard Reinecke, Anwalt der CBG, erläutert in der Strafanzeige: „Der große Umfang derartiger Kartellabsprachen und die Vorsorge in der Bilanzierung belegen ganz eindeutig, dass es sich hier nicht um einzelne Ausrutscher, sondern um eine systematische Geschäftspolitik handelt. Der Vorstand der Bayer AG macht sich daher der Veruntreuung schuldig“. Für Reinecke ist es eine „gesetzgeberische Fehlleistung ersten Ranges“, dass Kartell-Vergehen bislang nur mit Bußgeldern und zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen geahndet werden.

Auf politischer Ebene gibt es neuerdings Bestrebungen, die Verantwortlichen in den Unternehmen zur Rechenschaft zu ziehen. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes stuft private Klagen gegen Kartelle daher als „zentrales Mittel der Bekämpfung rechtswidriger Absprachen“ ein. Nach der Verhängung einer Kartellstrafe von 58 Mio Euro gegen BAYER kündigte Kroes an: „Ich werde dafür sorgen, dass Kartelle weiterhin aufgedeckt, strafrechtlich verfolgt und bestraft werden. Mit der jüngsten Entscheidung gebe ich ein sehr starkes Signal an die Unternehmensvorstände, dass Kartelle nicht toleriert werden und an die Anteilseigner, dass sie sorgfältig darauf achten sollen, wie ihre Unternehmen geführt werden.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren wird auf der heutigen Hauptversammlung des Konzerns die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat fordern. Weitere kritische Redebeiträge in der Versammlung befassen sich mit den negativen Auswirkungen der Schering-Übernahme für die Belegschaft, irreführenden Aussagen des BAYER-Vorstands zum Klimaschutz und dem Gentechnik-Engagement des Konzerns.

Lesen Sie hier die vollständige Strafanzeige,einen Artikel aus der Frankfurter Rundschau, und einen Artikel aus der taz

Einige der Kartelle, an denen BAYER in den vergangenen Jahren beteiligt war:

· Von 1996 bis 2001 sprach der Leverkusener Konzern mit den Konkurrenten Flexsys und Crompton die Preise für Kautschuk-Chemikalien ab. Die EU-Kommission verhängte ein Bußgeld von 58,88 Mio Euro, in den USA zahlte BAYER zusätzlich 66 Mio Dollar;
· Im Herbst 2004 wurde BAYER in den USA zu einer Strafe von 33 Mio Dollar verurteilt. Zwischen 1998 und 2002 hatte sich der Konzern an einem Kartell für Polyole beteiligt;
· ebenfalls im Herbst 2004 wurde BAYER zu einer Strafe von 4,7 Mio Dollar verurteilt; hierbei ging es um Preisabsprachen beim Verkauf von Acrylonitril;
· im Oktober 2005 wurde Bayer in Portugal und Brasilien zu Kartellstrafen verurteilt. In beiden Fällen ging es um Pharmazeutika. Die Strafe in Portugal betrug rund 5 Mio Euro, die Laufzeit des Kartells dort war 2001-2004;
· in den USA hat BAYER über Jahre hinweg bei Lieferungen an die staatlichen Gesundheitsprogramme „Medicare“ und „Medicaid“ falsche Preise gemeldet. Dem Staat waren durch die Preismanipulationen jährliche Schäden von rund einer Milliarde Dollar entstanden. Den US-Behörden fielen geheime Firmen-Dokumente zu, in denen die Manipulationen als bewährte „Marketing-Instrumente“ beschrieben wurden. BAYER zahlte die Rekord-Strafe von 257 Mio Dollar;
· in Italien hat Bayer mit Konkurrenzfirmen die Preise für Diabetes-Tests abgesprochen. Bayer und vier weitere Unternehmen wurden 2003 zu Strafen von insg. 30 Mio verurteilt. Das Kartell lief von 1996 bis 2001;
· 1997 wurde die damalige BAYER-Tochter Haarmann+Reimer zu 50 Mio Dollar Strafe verurteilt, hinzu kamen Klagen von geschädigten Firmen. H+R hatte von 1991 bis 1995 den Preis für Zitronensäure mit Konkurrenten abgestimmt;
· Bereits in den 80er Jahren beteiligte sich BAYER an einem europaweiten Kartell für den Kunststoff Polyethylen. Preise und Quoten der Kartell-Teilnehmer wurden vorab exakt abgestimmt.

28.06.2006, Dow Jones

EU-Kommission schraubt Strafen für Kartellsünder nach oben

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes ist der Auffassung, dass es acht Jahre nach Annahme der ersten Leitlinien für Kartellstrafen an der Zeit sei, „die Anwendung dieser Regeln im Licht der Erfahrung zu verfeinern“. Die Änderungen würden „den Unternehmen drei klare Signale senden: Verstoßt nicht gegen die Kartellregeln; wenn ihr es doch tut, stoppt den Verstoß so schnell wie möglich und tut es danach nie wieder“, erklärte Kroes in Brüssel.

Tatsächlich können die Strafen künftig drakonische Ausmaße annehmen. Als größte Neuerung verfügte die Behörde die Anhebung der Höchststrafe. Lag die Grenze für einen „Kartellsünder“ bislang bei 10% seines Jahresumsatzes, können die EU-Wettbewerbskontrolleure künftig Bußgelder von bis zu 30% des Umsatzes verhängen. Damit das Unternehmen die Strafe richtig in der Bilanz spürt, wird der Betrag noch mit den Jahren multipliziert, an denen es am Kartell beteiligt war.

Und um Unternehmen die Lust an einer Kartellbildung gänzlich zu nehmen, kann die EU-Kommission künftig zusätzlich eine so genannte „Eintrittsgebühr“ verlangen. Die Strafe nur für Teilnahme an Absprachen kann unabhängig von der Dauer zwischen 15% und 25% eines Jahresumsatzes betragen. Die Strafen für Wiederholungstäter können zudem verdoppelt werden. Bisher lag der Aufschlag bei 50%. Jene Unternehmen, die ein Kartell verraten, gehen wie bisher straffrei aus.

Allein in den Jahren 2003 bis 2005 hat die EU-Kommission Kartellbußgelder in Höhe von rund 1,5 Mrd Euro verhängt. Die größten Einzelstrafen mussten bislang Microsoft wegen eines Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung (497 Mio Euro) und Hoffman La-Roche wegen Teilnahme an einem Vitamin-Kartell (462 Mio Euro) zahlen. Das Geld fließt, so es denn gerichtlich bestätigt wird, in den allgemeinen EU-Haushalt und mindert damit die Beitragszahlungen der EU-Staaten.

Kroes und ihre Vorgänger Karel Van Miert und Mario Monti haben Kartellen seit Jahren den Kampf angesagt und die Abteilungen der EU-Behörde entsprechend aufgerüstet. Derzeit vergeht kaum ein Quartal ohne Razzien bei Unternehmen, die die EU-Kommission der Kartellbildung verdächtigt, zuletzt bei großen Energieversorgern unter anderem in Deutschland. Die EU-Kommission erwägt auch, ähnlich wie in den USA, Privatklagen auf Schadensersatz zu ermöglichen.
Dirk Müller-Thederan,

Fussball

CBG Redaktion

25. April 2006

Bayer-Geschäftsstelle von Steuerfahndung Köln aufgesucht

Leverkusen (dpa) - Die Steuerfahndung Köln hat im Zuge der Finanzaffäre um den früheren Bundesliga-Manager Reiner Calmund die Geschäftsstelle von Bayer Leverkusen aufgesucht. Wie der Verein mitteilte, ging es dabei um die steuerrechtliche Einordnung einer Transferentschädigung in Höhe von umgerechnet rund 900 000 Euro. Das Geld sei 1998 für einen kroatischen Fußball-Spieler gezahlt worden. Gegen Calmund wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Dabei geht es um ungeklärte Bargeldzahlungen an einen Spielervermittler.

26. März 2006, Spiegel Online

MANIPULATIONSVERDACHT: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Calmund

75 Tage vor dem WM droht der Fußball-Bundesliga ein Manipulationsskandal. Im Zentrum: Reiner Calmund. Die Staatsanwaltschaft Köln hat gegen den Ex-Manager von Bayer Leverkusen Ermittlungen wegen des Verdachts schwerer Untreue eingeleitet.

Köln - „Wir haben ernstzunehmende Hinweise erhalten, wonach die 580.000 Euro nicht wie von Herrn Calmund angegeben als Option auf künftige Spielereinkäufe eingesetzt wurden, sondern um Fußballspieler zu schmieren“, sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld heute auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Mit dem Schmiergeld sollten laut Feld nach bisherigem Ermittlungsstand Fußballspieler eines Bundesligaclubs manipuliert werden. Calmund werde in Kürze erstmals als Beschuldigter vernommen, so Feld. Nach Angaben des Oberstaatsanwalts wird außer gegen Calmund auch gegen einen Spielerberater ermittelt. Zu weiteren Einzelheiten nahm er zunächst nicht Stellung.
Der SPIEGEL hatte berichtet, Calmund habe in Gegenwart hochrangiger Werksvertreter von Bayer mehrfach von Spielmanipulationen gesprochen. Dies dokumentiere eine zwölfseitige Stellungnahme, die Bayer-Anwalt Werner Graf am 9. März der Kölner Staatsanwaltschaft zugestellt habe. Die dortigen Strafverfolgungsbehörden würden seit Anfang März gegen Calmund wegen des Verdachts der Untreue ermitteln. Im Mai 2004 habe der Ex-Manager demnach davon gesprochen, im Bundesligaspiel der Leverkusener gegen 1860 München in der Saison 2002/2003 sei „etwas gelaufen“.
In der Stellungnahme der Bayer Leverkusen Fußball GmbH ist laut SPIEGEL davon die Rede, dass Calmund von Spielerberater Volker Graul „Hilfe“ bei dieser für das abstiegsgefährdete Bayer extrem wichtigen Partie angeboten bekommen habe - für 580.000 Euro. 500.000 davon sollten, so wird Calmund im Schriftstück zitiert, von Graul an drei Münchner Spieler ausgezahlt, den Rest habe der Spielerberater behalten wollen.
Nachdem Bayer das für den Bundesliga-Verbleib des Teams wichtige Spiel am 33. Spieltag der Saison 2002/03 gegen 1860 dann tatsächlich gewonnen habe, wolle Calmund die Auszahlung an den Spielerberater veranlasst haben. Calmunds Anwalt Seitz bestritt diesen Zusammenhang. „Die 580.000 Euro haben definitiv nichts mit Spielmanipulation zu tun.“ Sein Mandant hatte bisher immer darauf bestanden, dieses Geld für Spieleroptionen verwendet zu haben. Ob es sich bei dem von Oberstaatsanwalt Feld neben Calmund nicht genannten Beschuldigten um Graul handelt, steht aber noch nicht fest.

SZ vom 13.04.2006: Der flotte Otto in der Spielwaren-Abteilung

Südafrika

CBG Redaktion

Presse-Info vom 23. April 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

zur Hauptversammlung der Bayer AG am 28. April:

Durban/Südafrika: Grundwasser weiterhin mit giftigem Chrom belastet

Das Grundwasser rund um das Chemiewerk der Firma Lanxess im südafrikanischen Durban ist weiterhin mit hochgiftigem Chrom belastet. Bürgerinitiativen fordern eine Überprüfung der Fabrik durch unabhängige Gutachter. Desmond D´sa von der South Durban Community Environmental Alliance (SDCEA): „Bayer und Lanxess verhalten sich arrogant gegenüber der Bevölkerung. Über Jahre hinweg hat die Werksleitung von der Vergiftung der Umgebung gewusst, doch bis heute gibt es keine Untersuchung der Anwohner auf mögliche Gesundheitsschäden hin. Wir sind es Leid, als Abfalleimer der Fabrik zu dienen.“ Die SDCEA fordert medizinische Untersuchungen aller Anwohner sowie die Ersetzung der Trinkwasser-Rohre in der Nähe des Werks auf Kosten der Firma.

Die Fabrik war bis zur Ausgliederung der Lanxess AG im vergangenen Jahr vom Leverkusener Bayer-Konzern betrieben worden. Grundwasser-Messungen des Durban Institute of Technology in der Umgebung des Werks ergaben bis zu 4800 mg Chrom/Liter - mehr als das 50.000fache der natürlichen Belastung. Nach Angaben des Unternehmens geht die Kontamination auf „historische Verunreinigungen“ zurück, wie diese in den Untergrund gelangten, sei jedoch unklar. Den Anwohnern werde dringend empfohlen, das Wasser aus angrenzenden Brunnen weder zum Kochen noch zum Trinken zu verwenden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Chrom-Fabrik in Durban war bereits für eine Vielzahl von Vergiftungsfällen verantwortlich. Wir fordern die Firma Bayer, die das Werk in den letzten Jahrzehnten betrieben hat, auf, das Gelände gründlich zu dekontaminieren und alle Vergiftungsopfer angemessen zu entschädigen“.

Llwellyn Leonard von der südafrikanischen Umweltorganisation groundWork kritisiert, dass das Unternehmen mehrere Anfragen unbeantwortet ließ: “Wir brauchen eine gründliche Untersuchung. Wenn die Firma sich weigert, alle relevanten Informationen zu veröffentlichen, müssen die Büros von Bayer durchsucht werden.“

Bayer hatte die Firma Chrome Chemicals 1968 übernommen und dort bis in die 90er Jahre sechswertiges Chrom hergestellt. Wegen mangelhafter Sicherheits-Einrichtungen kam es in dem Betrieb zu einer großen Zahl von Vergiftungsfällen. Ein Drittel der Belegschaft erlitt bleibende Gesundheitsschäden. Chrom VI wird von der Weltgesundheitsorganisation als „krebserregend“ eingestuft. Selbst die Apartheids-Regierung hatte 1976 in einem Bericht Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme der Belegschaft moniert.

Die Kampagne wird unterstützt vom Katholischen Fonds

[taz Berlin] tageszeitung

CBG Redaktion

taz vom 21.4.2006

Konzerne machen Berlin zum Rummelplatz

Große deutsche Firmen nutzen zentrale Orte Berlins während der Fußball-WM als Werbekulisse - zum Nulltarif

BERLIN - Einen besseren Ort konnte der Sportartikelhersteller Adidas für sein Werbeprojekt zur Fußball-Weltmeisterschaft nicht finden. Nur ein paar Schritte vor dem Reichstag errichtet er gerade ein Ministadion mit 9.000 Sitzplätzen und Großleinwänden - und erhofft sich, ganz nebenbei, werbewirksame Fernsehbilder vor historischer Kulisse.
In der Hauptstadt wird derzeit heftig über Kommerz im öffentlichen Raum gestritten. Denn vor der WM drängen Großkonzerne mit Werbeprojekten massiv wie nie ins Stadtbild, unterstützt von Senat, Bezirken und dem Weltfußballverband Fifa. „Es ist bedenklich, wie sich die öffentlichen Instanzen den Konzerninteressen unterordnen“, sagt der Berliner Linkspartei-Landeschef Klaus Lederer. Und die Grünen-Politikerin Franziska Eichstädt-Bohlig wettert: „Berlin macht sich zum nationalen Rummelplatz.“ Sie vermutet hinter der Adidas-Arena die „Sehnsucht nach Disneyland“.
Gleich mehrere Projekte erregen die Gemüter. Die Telekom hat den Fernsehturm mit Klebefolie zum Riesenfußball umdekoriert. Allerdings leuchtet dieser in der Konzernfarbe Magenta, was der sonst silbern schimmernden Kugel einen dezenten Akne-Look verpasst. Der Senat steht hinter der Aktion. „Im Kommunikationsgewitter vor der WM brauchen wir spektakuläre Bilder, die ein positives Bild der Hauptstadt transportieren“, sagt ein Sprecher. Das Bild des Fernsehturms werde vor, während und nach der WM „milliardenfach gedruckt und gesendet“.
Spektakuläre Bilder bieten auch andere Wahrzeichen - dank der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“. Bundesregierung und deutsche Konzerne haben sich zu einem Public Private Partnership zusammengetan, das Budget von 22 Millionen Euro teilen sich beide Seiten. Unter der Regie der Initiative wurden an anderen historisch bedeutsamen Orten riesige Skulpturen aus Kunststoff aufgestellt. Sie sollen den Ideenreichtum deutscher Erfinder symbolisieren, so der Pressetext. Das Konzerninteresse wird dabei kaum kaschiert: Ein paar Meter vor dem Brandenburger Tor steht ein Auto aus Plastik, das ein aktuelles Audi-Modell kopiert. Im Regierungsviertel liegen Stollenschuhe, die drei Streifen zieren. Eine Texttafel lobt den Erfindungsgeist von Adolf Dassler, dem Adidas-Gründer. Hinter dem Reichstag macht sich eine überdimensionierte Tablette mit stilisiertem Bayer-Kreuz breit.
Die Sprecherin der Initiative, Steffi Würzig, räumt „eine sehr große Ähnlichkeit“ mit den Produkten ein. Linkspartei-Chef Lederer wird deutlicher: „Das Stadtbild wird von einer Skulpturengalerie der Großkonzerne degradiert.“ Eichstädt-Bohlig lästert, der Senat überlasse den Firmen die hoch verschuldete Stadt als „kostenlose Werbefläche“.
Die Stadtkulissen gibt's quasi zum Nulltarif. Der Fernsehturm gehört der Telekom. Für die Plasteskulpturen fallen keine Mietgebühren an, sagt Sprecherin Würzig. Nur Bearbeitungs- und andere Gebühren würden bezahlt. Und Adidas zahlt für seine Arena - außer den Kosten für die Wiederherstellung des Areals - nur normale Straßennutzungsgebühren, so der Senatssprecher. „Es ist erschreckend, wie bedenkenlos der Senat auf die Einnahmen verzichtet“, kommentiert Eichstädt-Bohlig.ULRICH SCHULTE

19. April 2006, taz Berlin

Bayer, Telekom, Adidas: Die verschenkte Stadt

Großkonzerne nutzen die Fußball-WM zur großflächigen Selbstdarstellung. Fernsehturm, Reichstag und Brandenburger Tor werden zu Werbetafeln degradiert. Die Stadt bekommt dafür kaum einen Cent


Durchgewalkte Ideen

Vor dem Reichstag macht sich eine Kopfschmerztablette aus Plastik breit. Vor dem Brandenburger Tor kauert ein Auto. Im Spreebogenpark schimmern Stollenschuhe. Die ästhetischen Bankrotterklärungen, die derzeit als „Walk of Ideas“ angepriesen werden, haben zwei Dinge gemeinsam: Sie okkupieren die wichtigsten Orte der Stadt, und sie haben nichts mit der Fußball-WM zu tun. Willkommen zum Berliner Schlussverkauf.
Ersonnen haben den Skulpturenpark Konzerne und die Bundesregierung. Das „Public Private Partnership“ richtet mehr Schaden an, als ein paar Touristen zu verstören. Die Firmen bekommen öffentlichen Raum en masse, Bilder vor toller Kulisse, Imagepflege. Die Stadt bekommt: nichts. Miete werde nicht gezahlt, so eine Sprecherin.
Was laut Pressetext zeigen soll, wie pfiffig deutsche Denker sind, zeigt in Wirklichkeit, wie einfallslos die Konzerne sind. Ihre Skulpturen kopieren ihre Produkte: Die Schuhe zieren drei Streifen, die Tablette das Bayer-Kreuz, das Auto bildet ein neues Audi-Modell nach. Es ist deshalb eine glatte Lüge, wenn Jürgen Thumann, der Chef des Industrieverbands, behauptet, ein Tourist, der das Auto vor dem Tor fotografiere, nehme ein „Bild von Deutschland“ mit nach Hause. Er klebt sich Audi-Werbung ins Album. Und irgendwo im Hintergrund kommt Deutschland auch noch vor. Die Konzerne degradieren nicht nur die Stadt zur Kulisse, sie bauen sich gleich eigene Symbole. Der Chemiekonzern BASF, der das Auto lackiert hat, nennt es „Berlins neues Wahrzeichen“.
Verwunderlich ist dies alles nicht. Natürlich wollen Konzerne ihre Marken in Raum und Köpfe drücken. Traurig ist, dass Berlin sich immer wieder dem Kommerz in die Arme wirft. Als das Brandenburger Tor restauriert wurde, behängte es die Telekom mit einer Werbeplane. Bei der Enthüllung seilte sich ein fast vergessener Modemacher aus einem Ballon ab, öffnete einen Riesenreißverschluss, die Plane fiel. Die Welt staunte, Berlin war ganz bei sich. ULRICH SCHULTE

Der verballerte Fernsehturm

Kaum ein Berlin-Film kommt ohne ihn aus, am liebsten wird er von den Dächern in Prenzlauer Berg in Szene gesetzt: der Berliner Fernsehturm, den die DDR 1969 zum Gedenken an ihren 20. Geburtstag am Alexanderplatz errichtete. 35 Jahr später ist er ein besonderes Beispiel dafür, wie sich das arme Berlin an einen Bonner Großkonzern für null verkauft. Die Deutsche Telekom AG, der der Turm gehört, darf ihn zur Fußball-Weltmeisterschaft der Herren umsonst als Werbefläche missbrauchen - und klebt einen magentafarbenen Pseudofußball auf die Turmkugel. So als ob jeder Häuslebauer sein Dach als Reklamefläche vermarkten dürfte.
Dabei ist die Idee, die Fernsehturmkugel zur WM als überdimensionalen Fußball zu gestalten, an sich genial - und sie wäre bei adäquater Umsetzung eine weltweite Werbung für Berlin, das wirtschaftlich zunehmend auf Touristen angewiesen ist. Die verballerte Kopie am Himmel über Berlin ist nur eines: hässlich.
Ein Fußball ist schwarz-weiß - jedenfalls war er es so lange, bis die Marketing-Abteilungen der Sportartikelhersteller auf die Idee kamen, jedes Jahr ein neues Design zu entwerfen, um mehr Bälle zu verkaufen. Eines ist aber ein Fußball nie: rosa. So erinnert der beklebte Turm nun auch eher an das Gesicht eines pickeligen Jungstars denn an einen Fußball.
Doch der Telekom ging es offensichtlich eher um die penetrante Verbreitung ihrer Hausfarbe als um eine Hommage an das bevorstehende Fußballfest. Deshalb prangt jetzt auch noch ein riesiges Telekom-T auf der Kugel. Das ist nicht nur konsequent, sondern dreist. Wenn schon Werbung, dann soll der Konzern wenigstens dafür bezahlen - damit in den brachen Berliner Schulen vernünftige Internet-Zugänge installiert oder Fußbälle für den Sportunterricht angeschafft werden können. RICHARD ROTHER

Die Stadionkopie

Der Asphalt ist schon da. Über der Rasenfläche zwischen Bundestag und Bundeskanzleramt erstreckt sich die dunkelgraue Masse und lässt das Grauen erahnen, der auf ihm stattfinden soll: Veteranen-Fußballspiele und TV-Sendungen mit Johannes B. Kerner und Thomas Gottschalk.
Nur 45 Meter vom Reichstagsgebäude entfernt entsteht die „Adidas World of Football“. Ein Nachbau des Olympiastadions im Verhältnis 1 zu 33, umgeben von Bolzplätzen mit Kunststoffrasen, Bühnen und einem „Hospitality“-Bereich für 250 Personen. „Biertrinken und in die Gegend gucken“-Bereich klang wohl zu wenig erbaulich. Auf ihren 40.000 Quadratmetern wird die kleine Fußballwelt beweisen, dass es in der großen Welt keinen zivilisatorischen Fortschritt gibt. Eher eine Wiederholung der deutschen Geschichte als Farce.
Früher schmähte Kaiser Wilhelm II. das deutsche Parlament als „Quasselbude“. Heute lobt ein illegitimer „Kaiser“ Franz Beckenbauer eine Quasselbude direkt vor dem deutschen Parlament. Früher schämte sich halb Deutschland für das von Nazi-Architekten um- und fertig gebaute Olympiastadion am Stadtrand. Heute scheint sich halb Deutschland zu freuen über ein von einem Privatunternehmen hingeklotztes, nachgebautes Olympiastadion mitten in der Stadt.
Das ist mitnichten ein Zeichen neuer Entspanntheit im Umgang mit historisch prekären Stätten. Es ist die Kapitulation verantwortlicher Berliner Behörden vor der Frage: Wie geht die deutsche Hauptstadt mit symbolisch aufgeladenen Orten um? Anstatt dies mit eigenen Konzepten zu beantworten, will sich der Senat davon befreien. In der Hoffnung, dass Asphalt, Kunstrasen und Stahlträger die Diskussion um den Grund darunter bis zum Finale am 9. Juli begraben. Doch auch die Übereignung öffentlichen Raums an einen Konzern zu Werbezwecken ist eine Antwort. Wie es sich für Berlin bis heute gehört, ist sie zutiefst provinziell. MATTHIAS LOHRE

DER RABE RALF - Die Berliner Umweltzeitung

Deutschland - Land ohne Ideen

Audi-Vorstandschef Winterkorn hat im Beisein von Sozialminister Müntefering und weiteren Politikern, Fußballern und Rennfahrern im April vor dem Brandenburger Tor eine überdimensionale Autoskulptur enthüllt. Sie ist Teil der WM-Imagekampagne „Deutschland - Land der Ideen“. Die metallisch glänzende Plastik soll ein „Symbol für das Autoland Deutschland“ sein.

Das Kunstwerk gehört zum so genannten „Walk of Ideas“, den sechs Skulpturen an prominenten Plätzen in Berlin bilden. Im März war bereits eine riesige Aspirin-Tablette vor dem Reichstag aufgestellt worden. Das Kampagnen-Budget von 20 Millionen Euro wird zur Hälfte aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Die Frage, warum ausgerechnet die Spritfresser und Rußschleudern der deutschen Autoindustrie und die zweifelhaften Praktiken der Bayer AG so besonders gute Ideen sein sollen, um sie der ganzen Welt vorzuführen, wird wohl leider erst spätere Generationen beschäftigen.

[Aids] Welt Hämophilietag

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
18. April 2006

Offener Brief an den Weltverband der Hämophilen (World Federation of Hemophilia)

„Kooperation mit BAYER sofort beenden“

Sehr geehrte Damen und Herren,

mehrere Tausend Bluter sind weltweit durch Bayer-Produkte fahrlässig mit HIV infiziert worden. Die Aids-Gefahr für Bluter war frühzeitig bekannt, aus Kostengründen wurden aber damals die bestehenden Sicherungsverfahren nicht eingesetzt. Die Firma Cutter, Tochter-Unternehmen von Bayer, war zu dieser Zeit Weltmarktführer für Blutprodukte.

Sicherlich ist Ihnen auch bekannt, dass Bayer kontaminertes Blut nach Asien exportierte, nachdem der Verkauf in Europa und den USA verboten wurde. Tausende von Bluter mussten hierfür mit ihrem Leben bezahlen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren, die den Konzern seit 25 Jahren überwacht, fordert eine Entschuldigung von Bayer und eine gerechte Entschädigung für die Betroffenen. Außerdem muss gegen die Verantwortlichen bei Bayer strafrechtlich vorgegangen werden.

Obwohl die Kontamination hätte vermieden werden können, weigern sich die beteiligten Konzerne bis heute, den Betroffenen eine angemessene finanzielle Entschädigung zu zahlen. In den USA zum Beispiel erklärten sich die Unternehmen lediglich dazu bereit, den Infizierten eine Pauschale von 100.000 US$ zu bezahlen. Da diese Summe aber nicht einmal die Behandlungskosten deckt, zogen zahlreiche Betroffene vor Gericht.

Vor diesem Hintergrund ist es für uns unverständlich, dass die „World Federation of Hemophilia“ von Bayer Geld zur Finanzierung des Welt-Hämophilietags annimmt. Das Unternehmen möchte hiermit von seiner Rolle bei der wissentlichen Infizierung Tausender Bluter ablenken. Die Verbände, die die Bluter in aller Welt vertreten, dürfen sich für diese Zwecke nicht missbrauchen lassen. Wir fordern Sie auf, die Kooperation mit Bayer einzustellen.

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Turbofressen

CBG Redaktion

Presse-Information vom 13. April 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER-Konzern sponsort Fress-Turniere

„Wettbewerbe widersprechen allem, was wir über gesunde Ernährung wissen“

Elf Pfund Käsekuchen in neun Minuten, 53 hot dogs in zwölf Minuten, 167 Chicken Wings in 32 Minuten, 57 Kuhhirne in einer Viertelstunde - dies sind einige der Rekorde, die von dem Wettess-Verband International Federation of Competitive Eating (IFoCE) anerkannt werden. Finanziert wird die Vereinigung unter anderem von dem deutschen BAYER-Konzern. Die mit 40.000$ Preisgeld dotierten Alka-Seltzer US Open of Competitive Eating sind sogar nach dem von BAYER hergestellten Schmerzmittel Alka-Seltzer benannt.

Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Welchen Schwachsinn will sich die Werbeabteilung von BAYER eigentlich noch ausdenken? Es ist wohl für jedermann einleuchtend, dass unmäßiges Essen gesundheitsschädlich ist. Bezeichnenderweise bietet der Konzern auch Mittel gegen Diabetes an – eine Krankheit, die wesentlich auf Übergewicht zurückzuführen ist.“ Ostendorf erinnert auch daran, dass Alka-Seltzer den Aspirin-Wirkstoff Acetylsalicylsäure enthält. „Der unsachgemäße Gebrauch von Acetylsalicylsäure kann zu Magenblutungen und sogar Todesfällen führen – hiervon erfährt man in der Werbung für Alka-Seltzer natürlich nichts“, so Ostendorf weiter. Der Fress-Verband IfoCE nennt Alka-Seltzer einen “ständigen Begleiter von Wett-Essern in der ganzen Welt”.

Auch Ärzte und Ernährungsberater weisen auf Nebenwirkungen des Turbofressens hin – u.a. Sodbrennen, Übelkeit, Durchfall und Blähungen, Magenrisse und Entzündungen der Speiseröhre. Von Übergewicht ganz zu schweigen. „Diese Wettbewerbe widersprechen allem, was wir über gesunde Ernährung wissen“, urteilt auch Bonnie Taub-Dix, Sprecherin der Amerikanischen Diätetischen Gesellschaft (American Dietetic Association). Ein Großteil ihrer Landsleute kämpfe mit der Volkskrankheit Fettleibigkeit, sagt die Expertin, umso weniger Verständnis habe sie für Fress-Wettkämpfe.

BAYER hatte das 75-jährige Jubiläum von Alka-Seltzer Ende März mit dem angeblich „größten Buffet der Welt“ begangen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert den Konzern auf, die Förderung von Fress-Wettbewerben sowie verharmlosende Pharma-Werbung einzustellen.

taz: mit Wettessen ist nun Schluss
International Federation of Competitive Eating: http://www.ifoce.com/index.php

[Lanxess] STICHWORT BAYER 02/2006

CBG Redaktion

Unternehmen wirbt mit Umweltzertifikat

LANXESS betreibt Greenwashing

Die ehemals zum BAYER-Konzern gehörende Chemie-Abspaltung LANXESS zeigt sich als gelehriger Schüler des Leverkusener Multis: Sie stellt sich mit Hilfe zweifelhafter Umwelt-Zertifikate als Umweltengel dar.

Von Susanne Bareiß-Gülzow

LANXESS in Marl hisste zum 10-jährigen Bestehen des Umweltaudits auch seine EMAS-Flagge. Damit wollte der Betrieb dokumentieren, dass sie auf freiwilliger Basis Umweltschutz praktizieren, der weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht. Die EMAS-Flagge steht außerdem für Transparenz und Glaubwürdigkeit. Alles Auszeichnungen, die man sich bei einem ehemaligen Tochterunternehmen von Bayer kaum vorstellen kann, das mit der Muttergesellschaft von einst immer noch gemeinsam die Chemieparks unterhält. Es ist nur eine Frage der Zeit und der umweltpolitischen Bewertung, bis nach den Marler Erfahrungen auch in den anderen Chemieparks die EMAS-Flaggen wehen werden.
EMAS ist die Abkürzung für „Eco-Management und Audit-Scheme“ und stellt die höchste europäische Auszeichnung für systematisches Umweltschutzmanagement dar. Betriebe bewerten und verbessern auf Basis dieser europäischen Verordnung fortlaufend ihre eigene Umweltleistungen und veröffentlichen ihre Daten in einer von einem unabhängigen Umweltgutachter geprüften Umwelterklärung. Dafür dürfen sie mit dem EMAS-Logo werben.
Auch die Marler LANXESS-Niederlassung, früher BAYER/Buna, scheut sich nicht, ihre Umweltleistungen - genauer: sein EMAS-Logo - öffentlichkeitswirksam einzusetzten. Was die Auszeichnung angeht, so stellt sich das Unternehmen an der Lippe somit auf Augenhöhe mit dem NABU Stuttgart und weiteren fünf BUND-Geschäftsstellen in Baden-Württemberg, die auch EMAS-geprüft sind. Mit ihrer Teilnahme wollten diese aber den Anspruch an Umweltschutz gegenüber sich selbst dokumentieren und ihn einer internen und externen kritischen Prüfung unterziehen.
Doch eine kritische Prüfung der Umwelterklärung kann bei Lanxess nicht stattgefunden haben. In der letzten Zeit stolpert der VSR-Gewässerschutz immer häufiger über die von sogenannten unabhängigen Gutachtern geprüften Umwelterklärungen von Konzernen. So wurden schon die Urananreicherungslage von URENCO in Gronau und die beiden E.ON-Atomkraftwerke Isar 1 und 2 mit EMAS für ihre Leistungen im „Umweltschutz“ ausgezeichnet. Deshalb forderte der VSR-Gewässerschutz Anfang dieses Jahres die Umwelterklärung von LANXESS in Marl an. Doch zugeschickt wurde nur eine gemeinsame Erklärung des Chemieparks Marl, die noch bis 2007 gültig ist. Auch diesmal wurde man wieder mit einer neuen Interpretationen der EMAS-Richtlinie konfrontiert.
„Umwelterklärungen sind ‚Röntgenbilder', die einen tiefen Einblick in die eigenverantwortlichen erbrachten Leistungen eines konsequent und systematisch praktizierten betrieblichen Umweltschutz ermöglichen“, heißt in der Broschüre des Unweltgutachterausschuss (UGA) (1). Wenn ein Arzt auf den Röntgenbildern so wenig Aussagekräftiges erkennen könnte, wie der VSR-Gewässerschutz beim Suchen in der Umwelterklärung von LANXESS und den anderen Unternehmen im Chemiepark, bräuchte man nicht mehr zu röntgen.
EMAS soll eigentlich den Umweltschutz in den Betrieben vorantreiben. Deshalb fördern auch die Umweltverbände BBU, BUND und NABU im Umweltgutachterausschuss und durch eigene Projekte diese Umweltprüfung für Betriebe. Der UGA soll ein unabhängiges Beratungs- und Lenkungsgremium für das Öko-Audit sein. Ihm gehören 25 Mitglieder an, welche die verschiedenen Interessengruppen „Wirtschaft“, „Gewerkschaften“, „Umwelt- und Wirtschaftsverwaltungen des Bundes und der Länder“, „Umweltgutachter“ und „Umweltverbände“ vertreten. Hier trifft man auf Vertreter großer Konzerne wie E.ON und DEGUSSA sowie auf UmweltgutachterInnen, die zweifelhafte Standorte zertifiziert haben. Der Umweltgutachter der Atomkraftwerke Isar 1 und 2 Werner Wohlfarth ist sogar stellvetretender UGA -Vorsitzender. Wenn schon einer der Vertreter der Umweltgutachter im UGA selbst einem AKW eine EMAS-Zertifizierung ausstellt, zeigt sich, dass sich hier der Umwelt-TÜV weit von den Zielen entfernt, welche die Umweltinitiativen damit verbanden.
LANXESS profitiert davon, dass DEGUSSA auf dieses Umweltzertifikat setzt. Die DEGUSSA-TOCHTER INFRACOR ist in dem Chemiepark für die Ver- und Entsorgung der ansässigen Unternehmen zuständig. Auffällig ist, dass der Chemiepark Wolfgang in Hanau, wo DEGUSSA ähnlich auftritt, durch die gleiche Gutachterorganisation EMAS zertifiziert worden ist. Der Leiter des DEGUSSA-Konzernbereichs „Umwelt, Sicherheit, Gesundheit und Qualität“, Dr. Jochen Rudolph, ist auch einer der stellvetretenden Vorsitzender im UGA und einer der sogenannten unabhängige Gutachter, Michael Sperling, stellvertretendes Mitglied im gleichen Ausschuss.
Auch wenn die Umweltverbände BUND, NABU und BBU dort ebenso vertreten sind, konnten sie nicht verhindern, dass die VertreterInnen der großen Konzerne und UmweltgutachterInnen Richtlinien und Voraussetzungen für EMAS in ihrem Sinne gestalten.
Das nutzen dann DEGUSSA und LANXESS für ihre Standorte aus. Außerdem können die UmweltvertreterInnen auch nicht verhindern, dass sich die Konzerne ihre Gutachter selbst aussuchen. Da die UmweltgutachterInnen auf die Aufträge aus der Industrie angewiesen sind, sind sie kaum unabhängig. Die wirklich auf die Umwelt bedachten VertreterInnen anderer Interessengruppen tun sich natürlich schwer, gegen Ausschussmitglieder vorzugehen. Man kennt sich und sieht lieber über kritsche Zertifizierungen hinweg.
Mit EMAS ausgezeichnete Unternehmen verpflichten sich zur kontinuierlichen Verbesserung ihrer Umweltleistung. Dazu werden die einzelnen Ziele im öffentlich zugänglichen Umweltbericht dargestellt. Bei LANXESS ist nur eine Maßnahme genannt. So soll die Lärmbelästigung durch die Optimierung der Dampfregelung beim Fackelbetrieb bis 2006 verringert werden. Die anderen in den Bericht aufgenommenen Unternehmen planten wesentlich mehr Verbesserungen. Auch wenn zu den Umwelterklärungen noch weitere Maßnahmen hinzukommen werden, ist hier die Darstellung einfach nur lächerlich.
Über die Konzentrationen der Schadstoffe im Abwasser kann man zu den einzelnen auf dem Gelände tätigen Betrieben im Umweltbericht nichts entnehmen. Es wird nur die Abwasserfracht des gesamten Chemieparks angegeben. Die Kläranlage vom Chemiepark Marl erledigt alles zentral. Sicher ist das eine kostengünstige Betreibungsform, wogegen auch nichts einzuwenden ist. Aber wenn verschiedene Abwässer gemischt werden, ohne dass vorher die Belastung angegeben wurde, ist nicht mehr klar, ob Verantwortliche bei LANXESS die gesamte Umweltbelastung durch das eigene Abwasser richtig einschätzen. Leider lassen sich auch viele Problemstoffe auf diese Weise durch das Abwasser der anderen Unternehmen verdünnen und dadurch verstecken. Das führt dann aber nicht zu einem gutem betrieblichen Umweltmanagement. Ob Unternehmen wie LANXESS Schadstoffe im Abwasser betriebsintern noch verringern könnten, ist so wegen fehlender Information nicht zu beurteilen. Doch profitiert LANXESS durch den Zusammenschluss im Chemiepark von den Erleichterungen beim Abwasserrecht, die den EMAS-zertifizierten Betrieben in NRW wie auch in anderen Bundesländern inzwischen als Anreiz gewährt werden. Wenn staatliche Kontrollen verringert werden, sollte der Öffentlichkeit die „Vorbildlichkeit“ der einzelnen Konzerne in Bezug auf Umweltschutz auch in der Umwelterklärung dargestellt werden. Dies ist bei der „gemeinsamen Umwelterklärung“ aber nicht der Fall.
EMAS-Umwelterklärungen sind die „ökologischen Visitenkarten“ ihrer Herausgeber. Hier kann man sich in der Öffentlichkeit gut darstellen. Daher sollen diese Firmen auch den offenen Dialog in der Öffentlichkeit suchen - doch davon ist man bei BAYER & Co. noch meilenweit entfernt. Man denke nur daran, dass vor Jahren das Abwasser bei BAYER einfach zum Betriebsgeheimnis erklärt wurde, woraufhin ein Richter korrigierend eingreifen musste.
Was bleibt, ist eine Umwelterklärung, die LANXESS Nutzen bringt, aber die Öffentlichkeit nicht wirklich über die Umweltfaktoren informiert. Die BürgerInnen erfahren immer noch nicht, wie nachhaltig das Unternehmen überhaupt arbeitet. Schon 1993 versuchte BAYER sich in Dormagen durch ein Ökoaudit sauberer darzustellen. Obwohl in den Folgejahren keine erneute Validierung dieser Umweltauszeichnung gelang, wirbt das Werk auf seiner Homepage immer noch damit. Genauso soll dieses überaus fragliche Instrument jetzt LANXESS grüner erscheinen lassen als dieser Konzern ist.

Die Autorin Susanne Bareiß-Gülzow ist Mitarbeiterin des VSR-Gewässerschutzes. Der Artikel „Umweltprädikat für einen Atommeiler“ ist in der Waterkant Nr. 2/2005 erschienen. Er kann auch unter www.vsr-gewaesserschutz.de abgerufen werden.

1)Umweltgutachterausschuss: Die EMAS-Umwelterklärung fundiert und anschaulich gestaltet; 2003
2)Chemiepark Marl: Gemeinsame Umwelterklärung von 2004