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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[BAYER HV 2007] Hauptversammlung 2007

CBG Redaktion

Zahlreiche Gruppen und Aktivisten beteiligten sich an den Protesten zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April in Köln. Klaus Klinger, Schüler von Top-Künstler Gerhard Richter, hatte eigens eine vier Meter große Skulptur gestaltet. Die Arbeit des weltweit mit großformatigen Arbeiten gegen Ausbeutung und Krieg aktiven Künstlers war Teil des Protests gegen die geplante Verbrennung von Giftmüll in Anlagen des BAYER-Konzerns.

ausführlicher Bericht von den Protestaktionen

Medienberichte in taz, Kölner Stadt-Anzeiger, WDR

Fotos von den Aktionen

Kurz-Video: Protestaktion vor Kölner Messe

Presse Informationen zur Kritik an geplantem Kohlekraftwerk in Uerdingen

Presse Info: Kritische Aktionäre protestieren gegen Giftmüll-Verbrennung, giftige Pestizide und CO2-Emissionen

154 Organisationen fordern in Bayer-Hauptversammlung Verkaufs-Stopp hochgiftiger Pestizide!

Presse Info: „Keine Import-Zulassung für Liberty Link-Reis von BAYER“

Coordination gegen BAYER-Gefahren reicht Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung ein

Gegenantrag zu Giftmüll-Verbrennung

Analyse der Aktionärs-Struktur

Die Abstimmungsergebnisse: http://www.cbgnetwork.de/downloads/Abstimmungsergebnisse2007.xls

[Gegenantrag] Gegenantrag Giftmüll

CBG Redaktion

Presse-Information vom 28. März 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

„Unfall auf dem Rhein zeigt einmal mehr Gefahrenpotential von Sondermüll-Transporten“

Giftmüll-Verbrennung: Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung eingereicht

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat heute in einem Gegenantrag zur Hauptversammlung der BAYER AG die Nicht-Entlastung des Vorstands gefordert. Grund hierfür ist der Einstieg des Konzerns in den internationalen Handel mit Giftmüll.

Zahlreiche Umweltgruppen aus Nordrhein-Westfalen wenden sich gegen den zunehmenden Import von Sondermüll in die Verbrennungsanlagen des Konzerns, da hiermit Transportrisiken und erhöhte Emissionen verbunden sind. Aktuell will BAYER rund 4.500 Tonnen krebserregendes Hexachlorbenzol aus Australien einführen.

„Der aktuelle Unfall auf dem Rhein zeigt einmal mehr, dass der Transport von Chemikalien und Sondermüll mit hohen Gefahren verbunden ist. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bevölkerung diese Risiken tragen muss, damit der BAYER-Konzern seine zu groß dimensionierten Anlagen auslasten kann“, so Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Der Verein kündigt Proteste zu der BAYER-Hauptversammlung am 27. April in den Kölner Messehallen an.

Der Gegenantrag im vollen Wortlaut:

Gegenantrag: Der Vorstand wird nicht entlastet

Begründung: Der BAYER-Konzern ist – entgegen früherer Ankündigungen – in den internationalen Handel mit Giftmüll eingestiegen. Aktuell sollen in den Verbrennungsanlagen des Konzerns 4.500 Tonnen hochgiftiges Hexachlorbenzol aus Australien verbrannt werden, wofür BAYER drei Millionen Euro erhalten würde. Hexachlorbenzol gehört zu dem sogenannten „Dirty Dozen“, den gefährlichsten Giftstoffen überhaupt, die durch die Stockholmer Konvention international verboten sind. Der Stoff ist biologisch nicht abbaubar und führt bei Menschen zu Stoffwechselstörungen, Krebserkrankungen und Organschäden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren und die Grünen hatten bereits Ende der Achtziger Jahre einen Giftmüll-Tourismus in die Werke von BAYER prognostiziert und sich daher gegen den Bau der Dormagener Sondermüllverbrennungsanlage sowie die Erweiterung des Leverkusener Müllofens ausgesprochen. Tatsächlich liefern heute 300 Firmen aus aller Welt Giftmüll nach Dormagen und Leverkusen. Die Dormagener Anlage war ursprünglich nur für Abfälle des BAYER-Konzerns sowie für Sondermüll aus dem Kreis Neuss genehmigt worden. Im Jahr 2004 wurde sie im Hauruck-Verfahren vergrößert, um Sondermüll aus aller Welt verbrennen zu können.
Der Konzern sucht die Bedenken gegen die Verbrennung von Giftmüll aus aller Welt mit den angeblich niedrigen Emissionen zu zerstreuen. Tatsächlich sind die Emissionen der Müllöfen aber keineswegs so gering, wie von BAYER stets behauptet. Allein die Leverkusener Müllverbrennungsanlage stieß im Jahr 2004 über 22 Tonnen Schwefeldioxid, 10 Tonnen Ammoniak und 160 Tonnen Stickoxide aus. In Dormagen wurden 67 Tonnen Stickoxide und knapp 5 Tonnen Schwefeldioxid emittiert. In Leverkusen verdoppelten sich die SO2-Emissionen innerhalb von vier Jahren, während sie sich in Dormagen gar vervierfachten. Weitere Schadstoffe sind Kohlenmonoxid, Feinstaub, Lachgas und Schwermetalle.

Die Bevölkerung wird nicht nur durch den Schadstoff-Ausstoß, sondern auch durch den Transport des Giftmülls gefährdet. Immer wieder kommt es beim Transport auf Wasser, Schiene und Straße zu Unfällen. Ein weiteres Problem sind die bei der Reinigung des Abgases anfallenden Filterkuchen, die eine Vielzahl von Giftstoffen enthalten und über Jahrzehnte deponiert werden müssen. Die genaue Zusammensetzung und Menge der Filterkuchen hat BAYER trotz Nachfrage nicht veröffentlicht.

Ein weiteres Risiko für die Anwohner der Verbrennungsanlagen sind Störfälle. 1980 wurde die Leverkusener Anlage durch eine Explosion weitgehend zerstört. Im August 1986 fiel im Krefelder Müllofen die Abgaswäsche aus, und eine gelbliche Rauchwolke trat aus. Vier Monate vorher gab es eine Explosion in der Leverkusener Abfallbeseitigungsanlage, die Nitrosegase freisetzte. Die Anlieger konnten das Gas kilometerweit riechen. Im Oktober 2003 erhitzte sich in Dormagen ein Container, der Reste einer Basis-Chemikalie enthielt, auf 120 Grad (Normaltemperatur: 70 Grad). Wegen der Explosionsgefahr sperrte die Feuerwehr das Gelände großflächig ab und unterbrach den Zug-Verkehr auf der Strecke Köln-Neuss.

Die tageszeitung kommentiert denn auch treffend: „Umweltminister Uhlenberg kann die Giftverbrennung tatsächlich nicht verhindern, weil die schwarz-gelbe Landesregierung überhaupt kein Interesse daran hat, ein lukratives Auslandsgeschäft von BAYER zu torpedieren oder dem Beseitigungsstandort NRW zu schaden. Wer wirtschaftlich denkt, darf den Giftmülldeal nicht platzen lassen. Wer sich tatsächlich um die Gesundheit seiner Landsleute und die immensen Umweltrisiken auf dem langen Seeweg sorgt, der könnte das!“

Wegen schärferer Umweltgesetze reduzierte BAYER zwar den Ausstoß von Schadstoffen - aus freien Stücken hätte der Konzern jedoch kaum in neue Techniken investiert. BAYER gibt das auch ganz offen zu: „Die Anforderungen der 17. BImSchV (Bundesimmissionsschutz-Verordnung) machten Mitte der 90er Jahre eine weitergehende Rauchgasreinigung notwendig“, heißt es in einer Broschüre von BAYER. Gegen solche neuen Richtlinien sträubte sich der Konzern stets bis zuletzt. Er ging Anfang der 90er Jahre sogar so weit, gegen das Abfallgesetz und eine Fernüberwachung von Emissionen zu klagen.

Die Abfallimporte nach Nordrhein Westfalen belaufen sich schon jetzt auf mehr als 2,4 Millionen Tonnen jährlich, rund ein Viertel davon ist Sondermüll. Es ist nicht hinnehmbar, dass eine dicht besiedelte Region wie NRW, die bereits eine hohe Umweltbelastung aufweist, zum Ziel internationaler Giftmülltransporte wird. Die kommerziellen Interessen von BAYER und anderen „Entsorgern“ müssen daher hinter dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung zurücktreten.

Der Vorstand trägt die Verantwortung für die Verbrennung von Giftmüll aus aller Welt bei BAYER und die damit einhergenden Gefährdung der Bevölkerung.

Der Gegenantrag findet sich auch auf der homepage von BAYER unter: http://www.hv2007.bayer.de/de/Gegenantraege-2007.pdfx

[Krefeld] Steinkohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

13. Juli 2011
ERFOLG: Kohlekraftwerk im BAYER-Werk Krefeld verhindert!

7. Dezember 2010
Weltklimatag: Demo gegen Kohlekraftwerk Krefeld

21. September 2010
Kritik im Erörterungstermin

21. Juli 2010
Kohlekraftwerk Krefeld: „Bayer misst mit zweierlei Maß“

28. Juni 2010
21.500 Einwendungen: Massenprotest gegen Kohlekraftwerk in Krefeld

2. Juni 2010
MITMACHEN: Einwendungen gegen das Steinkohlekraftwerk im BAYER-Werk Krefeld

„Kritiker fühlen sich von Bayer hinters Licht geführt“

ERFOLGREICHE DEMO GEGEN KREFELDER KOHLEKRAFTWERK

Hat sich Trianel mit dem Kohlekraftwerk Uerdingen übernommen?

Umweltinitiativen lehnen Kohlekraftwerk weiter ab, Bericht der Westdeutschen Zeitung

Resolution der Grünen Keine neuen Kohlekraftwerke – auch nicht in Krefeld-Uerdingen

Greenpeace-Protest gegen Kraftwerk in Krefeld

Presse Info: Umweltverbände kritisieren Schwenk des Oberbürgermeisters, Berichte von NRZ und Rheinische Post

Druck auf die Stadt? Bayer kauft Bahnflächen in Uerdingen

ERFOLG: Klimakiller (vorerst) verhindert!

„Klimakiller“: Umweltverbände rufen zu Kundgebung gegen Kohlekraftwerk in Krefeld auf

Aus für Kohlekraftwerk ist so gut wie besiegelt

Fakten zum geplanten Steinkohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen

Umweltverbände fordern Verzicht auf Kohlekraftwerk

Bayer/Trianel: Hungerstreik gegen Kohlekraftwerk in Krefeld

Presse Info: geplantes Kohlekraftwerk konterkariert Absichtserklärungen zum Klimaschutz

Unterschreiben Sie die Forderungen

AFP: Bayer Climate Program spart kritische Bereiche aus
Westdeutsche Allgemeine: Kraftwerksgegner machen weiter mobil
Auch die tageszeitung (Berlin) und die Neue Ruhr/Rhein Zeitung (NRZ) berichten über unsere Kritik

Rheinische Post: „Klimakiller Kohlekraftwerk“

Hungerstreik gegen CO2-Schleuder von Trianel und Bayer

Bayer Hauptversammlung: Kritik an geplantem Kohlekraftwerk in Uerdingen

links:
=> Kampagne des Niederrheinischen Umweltverbands
=> Informationen der Bürgerinitiative „Saubere Luft“

Bienensterben

CBG Redaktion

22. Dezember 2006, Deutscher Berufs- und Erwerbsimkerbund

„Verraten und Verkauft“ - Das deutsche Bienenmonitoring

Der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund informiert zur aktuellen Lage der Imkerei.

Das Bienensterben der letzten Jahre und laufende Untersuchungen. Industrielle Schaumschlägerei und nicht mehr.

Nach nunmehr 2 Jahren Mitarbeit ist der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund kurz davor sich vom Projekt Bienenmonitoring zu verabschieden. Ausschlaggebend dafür ist, dass trotz wiederholter Anläufe des DBIB es von der Industrie abgelehnt wird, die Untersuchungen in gleichwertigem Umfang auf die Pflanzenschutzmittel auszudehnen.
Nachdem einige Imkervertreter Verwunderung über dieses Vorgehen geäußert hatten, wurde die Sache dadurch gelöst, daß die Firma Bayer selbst einige Laboruntersuchungen vornahm - alles ohne Befund.
Im zweiten Jahr verzichtete man dann ganz auf Untersuchungen in dieser Richtung, weil die Untersuchungen zu teuer seien. Man hat stattdessen beschlossen die Proben einzufrieren und diese erst nach Bedarf auf Pflanzenschutzmittelrückstände zu untersuchen.
Damit war dieses Thema erst mal auf Eis gelegt. Stattdessen wurde im Projekthaushalt viel Geld für alle möglichen Untersuchungen auf verschiedene Bienenkrankheiten und Ähnliches eingestellt.
Einen Haushaltsposten für unabhängige Laboruntersuchungen auf Pflanzenschutzmittel gab es damit erst gar nicht!
Auch hat man sich nicht die Arbeit gemacht, zu recherchieren, welche PSM (Pflanzenschutzmittel) in der näheren Umgebung der Bienenvölker eingesetzt wurden. Somit ist es ein leichtes zu sagen, dass es nicht möglich ist zielgerichtet auf bestimmte PSM hin zu untersuchen.

Und so konnte man sich getrost auf den wichtigsten Teil des Projektes stürzen: die Pressearbeit.
Dort wurde wirklich gründliche Arbeit geleistet. Dort wurde nichts auf Eis gelegt. Die Türen der Bundespressekonferenz standen plötzlich offen.
Der Blätterwald rauschte.
Vorträge wurden gehalten. Der Deutschlandfunk berichtete schon während die Projektmitglieder noch tagten. Im Beitrag des Deutschlandfunks wurde sogar erzählt, dass das Monitoring gezeigt hätte, daß die Gentechnik keine Gefahr für die Imkerei sei. Dabei war dies überhaupt nicht Gegenstand der Untersuchungen.
Aber wenn man Geld in die Hand nimmt, um Ruhe an der Imkerfront zu bekommen, dann muss man natürlich versuchen den PR-Gewinn zu maximieren.
Wir haben versucht einen Mitschnitt der Sendung zu bekommen.
Der Deutschlandfunk behauptet er habe keinen, weil die Sendung extern im Auftrag des Bauernverbandes produziert worden sei. Beim Bauernverband behauptet man davon nichts zu wissen.
Der Mitschnitt ist bis heute verschollen!

Der DBIB hat am so genannten „Runden Tisch“ am 9. November nochmals seine Kritik-Punkte vorgebracht. Das Resultat war, dass diese in dem von Deutschen Bauernverband erstellten Protokoll nicht einmal erwähnt wurden.
Was man nicht haben will wird einfach tot geschwiegen.
All das hat unseren Argwohn geschürt und es liegt der Verdacht nahe, dass das Bienenmonitoring nur dem Ziel dient, die Imker ruhig zu stellen und der Industrie Zeit zu schaffen um weiterhin ungestört die Pflanzenschutzmittel die in der Kritik stehen, ausbringen zu können.
Und Gründe dafür gibt es genug.
Was die Industrie anbelangt so darf man erwarten, dass keine Gelder ausgegeben werden, die nicht in mittelbarer oder unmittelbarer Weise zum Gewinn des Unternehmens beitragen. Das Aktienrecht verbietet Konzernen ausdrücklich uneigennützige Wohltätigkeit. Die Aktionäre könnten in so einem Fall den Vorstand wegen Zweckentfremdung der Mittel verklagen. Aber mit der Finanzierung dieses Projektes herrscht für die Dauer des Projekts Ruhe an der Front. Jegliches Ansinnen, bienengefährliche Wirkstoffe so wie in Frankreich zu behandeln, kann mit dem Hinweis auf die laufenden Untersuchungen auf die lange Bank geschoben werden. Das sichert Millionenumsätze über Jahre. Da darf man ruhig schon mal in die Portokasse greifen.

Vor diesem Hintergrund wundert es auch nicht, wie durchsichtig das Ganze ist, wenn der Vertreter der Industrie die Presseerklärung für den runden Tisch bereits vor der Sitzung auf seinem Laptop vorbereitet hat und diese Presseerklärung eine Generalabsolution für die Geldgeber darstellt, viele andere mögliche Ursachen anführt, auf sehr gute Honigerträge in diesem Jahr verweist, ohne auch nur mit einem Wort die am „Runden Tisch“ geäußerten Bedenken der Imkervertreter zu erwähnen.
Beim Thema der neuen Wirkstoffe bei der Beizung von Rapssaatgut wurde ein weiteres Ziel des Runden Tisches klar.
Der Vertreter von Syngenta erregte sich sehr darüber, dass Imker in der Frage der fehlenden Zulassung von ELADO direkt bei verschiedenen Behörden aktiv geworden sind. Man müsse solche Sachen am „Runden Tisch“ klären. Sonst könne er in seiner Firma die Zurverfügungstellung der Mittel für das Monitoringprojekt nicht mehr rechtfertigen.
Was die Bieneninstitute anbelangt, stellt sich die Frage warum dort alles kritiklos hingenommen wird ?
Für die Institute bedeutet das Bienenmonitoring erst einmal, dass zusätzliche Gelder zur Verfügung stehen.
Natürlich ist der Verdacht, es handele sich bei diesem Projekt um eine rein industriefinanzierte Gefälligkeitsstudie, sehr kränkend für die beteiligten Institute.
Daher weist man auch darauf hin, dass das Monitoringprogramm nicht nur von der Industrie finanziert sei, sondern die Institute inzwischen auch noch etwa den gleichen Betrag durch Eigenleistung beisteuern.
Nun machen die Institute das nicht in ihrer Freizeit, sondern mit Mitarbeitern und Ressourcen, die eigentlich aus anderen Töpfen und zu anderen Zwecken finanziert werden.
Hier sei die Frage erlaubt welchen Anteil die Institute an den EU-Imkerfördergelder im Rahmen der EU VO 1221 bekommen und warum dieser nicht an die Imker geht? Und wenn schon die Imker die volle Einbeziehung der Pflanzenschutzmittel fordern, warum diese Gelder dann nicht dafür ausgegeben werden ?
Ein Kunstgriff der Industrie ist, dass die Mittel nicht zu Beginn des Projektes auf einmal gezahlt werden, sondern jährlich abgerechnet wird.
Damit könnte das Projekt jederzeit abgeblasen werden, so etwa auch wenn unerwünschte Ergebnisse zu Tage kommen sollten. Damit ergibt sich bei den beteiligten Instituten eine Interessenkonflikt: bei unerwünschtem Ergebnis ist eventuell das Geld weg. Was hier bleibt ist ein „Geschmäckle“.

Man hält es in den Reihen der Institute auch für normal, dass die nächsten Presseaktionen und Vortragsserien geradezu generalstabsmäßig vorbereitet werden, obwohl bei dem Projekt bisher kaum etwas herausgekommen ist, das einen solchen Rummel rechtfertigen könnte. Man muss aber wohl jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf treiben können, denn so ist die Ablenkung von der ursprünglichen Fragestellung perfekt.
Der Vorwurf an die Institute ist nicht, dass sie Ergebnisse manipulieren, sondern, dass sie sich nicht vehement an die Seite der Imker stellen und fordern, dass ausgewogen in alle Richtungen auch bei PSM untersucht wird.
Die Institute berichten voller Stolz, dass das deutsche Projekt in Europa große Beachtung finde. In Frankreich mit den dortigen Imkerverbänden sei so etwas nicht möglich, würden Kollegen aus den anderen Ländern sagen.
Aus unseren Gesprächen mit den französischen Imkern wissen wir aber, wie das Monitoring dort tatsächlich gesehen wird. Bei einem Treffen verschiedener europäischer Imkerverbände in Paris zum Thema Pflanzenschutzmitel, das die COPA verhindern wollte, wurde uns von unseren Kollegen höflich aber deutlich gesagt:
„Nur in Deutschland sind die Imkerverbände naiv genug, sich für diese PR-Strategie der Industrie herzugeben. Ihr macht euch damit nicht nur lächerlich. Ihr schwächt auch die Position der Imker in den anderen EU-Ländern.“

Die Sorgen unserer europäischen Kollegen sind berechtigt. Die Europäisierung des deutschen Bienenmonitorings wird bereits vorangetrieben, denn die Ergebnisse dieses Projekts sollen auch dazu verwendet werden, die Pflanzenschutzmittel in anderen Ländern aus der Schusslinie zu bekommen. Wir erweisen unseren europäischen Imkerkollegen einen Bärendienst, wenn wir uns als Feigenblatt für ein Projekt hergeben, bei dem eine unabhängige ergebnisoffene Forschung von seiner Struktur her nicht garantiert ist.
Natürlich sollten wir Imker daran interessiert sein, dass ein echtes Monitoring statt findet. Die Initiative dafür ging, wie oben erwähnt, eigentlich von unserem Verband aus. Wir müssen uns weiter für ein Projekt stark machen, das ausschließlich mit öffentlichen Mitteln so finanziert wird, dass glaubwürdige Ergebnisse möglich sind. Wir müssen dafür sorgen, dass die Bieneninstitute aus diesem schlimmen Interessenkonflikt befreit werden und unabhängig arbeiten können.
Unser Ziel ist es nicht, dieses oder jenes Pflanzenschutzmittel verboten zu bekommen. Unser Ziel muss es sein, zu lernen, was wir selbst in unserer Betriebsweise besser machen können und was diejenigen, die die Kulturlandschaft, in der unsere Bienen leben und überleben sollen, besser machen können, damit die vielen Faktoren, die unsere Bienen immer mehr schwächen, Schritt für Schritt positiv verändert werden können.
Dazu gehört nicht nur aber auch eine tief greifende Reform der Zulassungsverfahren von Pflanzenschutzmitteln.
Das deutsche Bienenmonitoring in der jetzigen Form bringt uns auf diesem Wege nicht weiter, sondern ist dazu angelegt uns auszubremsen. Wir haben es uns zwei Jahre lang angeschaut. Viele Mitglieder unseres Verbandes waren daran beteiligt. Wir haben guten Willen gezeigt und einen großen Vertrauensvorschuss gegeben, indem wir trotz erheblicher Zweifel unsere Mitglieder zum Mitmachen aufgefordert haben. Was wir uns vielleicht selber vorwerfen können ist, so lange gewartet zu haben bis wir in dieser Weise unseren Standpunkt Nachdruck verleihen.
Leider ist es uns nicht gelungen, den überwältigenden Einfluss der Industrie in vertretbaren Grenzen zu halten. Im Interesse aller Imker müssen wir daher unseren Mitgliedern empfehlen, ihre Mitarbeit bei diesem Projekt einzustellen, falls unsere seit langem bekannten Forderungen nicht endlich umgesetzt werden.

Hier also noch einmal unser Forderungskatalog:
1. Bei der Ursachenforschung sind alle möglichen Faktoren gleich zu behandeln. Wenn wir Imker etwas falsch machen, wollen wir das wissen, damit wir unsere Betriebsweise verbessern können. Wenn es neue Krankheitserreger gibt, wollen wir sie finden und zu kontrollieren lernen.
Wenn Pflanzenschutzmittel unsere Bienen schwächen, wollen wir dies wissen und mit der Industrie, dem Bauernverband und den Behörden eine Strategie zur Schadensminimierung entwickeln. Wir sind uns dabei bewusst, dass Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft benötigt werden, weisen aber auch darauf hin, dass die ökologische Landwirtschaft zeigt, dass der Ansatz der chemischen Industrie nicht immer alternativlos ist.

2. Wenn es bei Bienenkrankheiten für sinnvoll erachtet wird, routinemäßig den Erregerdruck für das ganze Spektrum möglicher Krankheiten zu erfassen, dann hat dies auch für die Präsenz der wichtigsten Pflanzenschutzmittel zu geschehen.

3. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit der Bienen bereits lange vor dem Tod der adulten Bienen eintritt. Ein Bienenvolk mit desorientierten Flugbienen ist in überlebenswichtigen Funktionen gestört. Die subletale Wirkung ist bereits bei Konzentrationen zu beobachten, bei denen das entsprechende Pflanzenschutzmittel zwar nachweisbar, aber nicht quantifizierbar ist. Bei den von Bayer durchgeführten Untersuchungen wurden Ergebnisse unter der Quantifizierungsgrenze nicht berücksichtigt. Es sind aber alle Ergebnisse, bei denen das Vorhandensein bestimmter Pflanzenschutzmittel nachgewiesen werden kann, bei der Ursachenforschung berücksichtigt werden.

4. Die Untersuchungen haben mit den Analysemethoden zu erfolgen, die heute die niedrigsten möglichen Nachweis- und Quantifizierungsgrenzen haben.

5. Hersteller von Pflanzenschutzmitteln haben einen Interessenkonflikt und dürfen daher nicht wie ein unabhängiges Untersuchungslabor angesehen werden. Im Monitoringprojekt müssen ausreichend Mittel bereitgestellt werden, um Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel durch ein unabhängiges Labor unseres Vertrauens durchführen zu lassen.

6. Bei der Untersuchung der Völker ist auch das landwirtschaftliche Umfeld nach der Art der Kulturen und verwendeten Pflanzenschutzmassnahmen zu erheben.

7. Transparenz: Ein abgestimmter Bericht ist im Internet und der Fachpresse zu veröffentlichen. Eine darüber hinaus gehende offensive PR-Kampagne ist nur dann sinnvoll, wenn es gilt Ergebnisse zu kommunizieren, die in der Breite praktisch umgesetzt werden können. Dies war in der Vergangenheit nicht der Fall.

8. Die Tatsache, dass dieses Projekt durchgeführt wird, darf nicht zur verzögerten Umsetzung bereits bekannter Verbesserungsmöglichkeiten führen. Wenn, wie die Industrie gerne feststellt, die Varroa die Hauptursache für das Bienensterben ist, dann ist es unverständlich, warum:
a) wir keine Unterstützung bei der Zulassung von 85%iger Ameisensäure haben,
b) nach langem Ringen mit erheblicher Verspätung nur eine Methode der Oxalsäurebehandlung erlaubt ist,
c) immer noch der Einsatz von Varroaziden mit Rückstandsproblematik und Resistenzbildung gefördert wird,
d) bürokratische Auswüchse bei der Anwendung des europäischen Tierarzneimittelrechts auf die Imkerei nicht verhindert werden,
e) die Schulung der Imker durch die Fachberater sich auf veraltete Methoden beschränken muss, weil für die anderen die Zulassung fehlt.

Wenn die Industrie wirklich davon überzeugt ist, dass es sich hier um ein Varroa-Problem handelt, wäre es doch ratsam sich in der Frage der Varroabekämpfungsmittel im Sinne der Imker zu verwenden.
Auch in der Frage der Methodik bei den Untersuchungen auf Bienengefährlichkeit für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln hat es keine Fortschritte gegeben.
Die Statistiken der BBA über das Ausmaß von Bienenschäden in Deutschland scheinen nur deshalb zu sinken, weil die Dunkelziffer wächst.
Wie gesagt, die oben genannten Forderungen sind für die Organisatoren des Monitoringprojektes sicher nicht neu. Leider wurden die letzten zwei Jahre nicht genutzt, um sich Vertrauen in der Imkerschaft zu erarbeiten.
Gleichzeitig wurde bei den Fragen, die uns wirklich beschäftigen, viel Zeit verloren und Gelder in das Bienenmonitoring umgeleitet. Wir empfehlen daher es mit Erich Kästner zu halten:

„Was immer auch geschieht: Nie sollt Ihr so tief sinken, von dem Kakao, durch den man Euch zieht, auch noch zu trinken!“

Pressekontakt: Schaubienenstand Honighaeuschen, Klaus Maresch 0177 9133175 oder Manfred Hederer 08806 922321

weitere Infos:
Bienensterben jetzt auch in Deutschland
Süddeutsche Zeitung: Insektizid ist Grund für Bienensterben

Doping

CBG Redaktion

Presse-Info vom 21. Dezember 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Zahlungen dürfen nicht auf die schwersten Fälle beschränkt werden

Jenapharm: BAYER-Konzern muss alle Dopingopfer entschädigen

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert den BAYER-Konzern auf, sich an der Entschädigung ostdeutscher Doping-Opfer zu beteiligen. In der DDR wurden schätzungsweise 10.000 Sportler – darunter Kinder und Jugendliche – systematisch gedopt. Die Hormonpräparate stammten zum größten Teil von dem damaligen VEB Jenapharm. Jenapharm wurde von der Firma Schering übernommen, die ihrerseits von BAYER geschluckt wurde.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Jenapharm war Teil eines kriminellen Doping-Systems, das Tausenden von Menschen die Gesundheit ruinierte. Mit dem Kauf von Schering hat BAYER auch die Verantwortung für Jenapharm übernommen. Der Konzern muss alle Betroffenen finanziell entschädigen.“ Bei dem Dopingprogramm kam das von Jenapharm produzierte Anabolikum Oral-Turinabol zum Einsatz. Auch Hormonsubstanzen, die nicht für Menschen zugelassen waren, wurden verabreicht. Ein Großteil der Betroffenen erlitt schwere Gesundheitsschäden, darunter Leberschäden, Krebs- und Herzerkrankungen, Vermännlichung bei Frauen, Persönlichkeitsstörungen und behindert geborene Kinder.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesregierung beschlossen in der vergangenen Woche, die 167 am schwersten betroffenen Sportler mit jeweils 9.250 Euro zu entschädigen. Jenapharm kündigte daraufhin an, dem selben Personenkreis einen „sozialen Beitrag“ zukommen zu lassen. Juristische Verantwortung will Jenapharm jedoch nicht übernehmen.

Zuvor hatte das Unternehmen jahrelang eine finanzielle Wiedergutmachung verweigert - noch im Oktober signalisierten Anwälte die Abwehr aller Entschädigungsklagen. Im Auftrag der Bayer AG, dem neuen Besitzer von Jenapharm, verhinderte die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer die Zulassung einer Sammelklage. Und noch Anfang Dezember veranstaltete Jenapharm „eine an Peinlichkeiten kaum zu überbietende so genannte wissenschaftliche Konferenz“ (Berliner Zeitung), auf der von Jenapharm finanzierte Studien präsentiert wurden, die die Weste des Unternehmens reinwaschen sollten.

Der BAYER-Konzern wurde bereits vor der Übernahme von Jenapharm/Schering regelmäßig mit Doping in Verbindung gebracht. So warf Uli Eicke, ehemaliger Weltklasse-Ruderer und Leiter des Olympia-Stützpunktes, dem Konzern vor, seiner Leichtathletik-Abteilung über Jahre hinweg mit unlauteren Mitteln aus den eigenen Pharma-Labors Beine gemacht zu haben. Der Mittelstreckenläufer Walter Ewen äußerte, er habe „auf massiven Druck der BAYER AG“ Äußerungen zum Doping in der Laufabteilung des Unternehmens zurückgezogen. Auch andere aussagewillige Athleten seien beeinflußt worden.

Erst im vergangenen Sommer gab Rad-Profi Jörg Ludewig zu, in den 90er Jahren Dopingmittel eingenommen zu haben. Ludewig fuhr damals für den von BAYER gesponsorten Radrennstall EC Bayer Köln-Worringen. Die für BAYER Leverkusen startende Triathletin Nina Kraft, erste deutsche Gewinnerin des Ironman von Hawaii, wurde im vergangenen Jahr der Einnahme des Dopingmittels EPO überführt.

GenMais

CBG Redaktion

SUSANNE BASTAROLI (Die Presse) 19.12.2006

Gen-Mais: Österreich „rettet“ Verbot

Gentechnik. Österreich hat sich gegen die EU-Kommission zum zweiten Mal durchgesetzt.

Brüssel. Gentechnisch manipulierter Mais darf auch in Zukunft nicht nach Österreich importiert werden. Nach langem Ringen der europäischen Umweltminister blitzte die EU-Kommission am Montag auch im zweiten Versuch ab, die österreichischen Importverbote zu kippen. Schon im Juni 2005 hatte Österreich genügend Verbündete gefunden. Diesmal war die Ausgangssituation noch schwieriger, da in der EU immer mehr Gen-Mais angebaut wird.

Gleich zu Beginn des Gen-Kampftags in Brüssel trug Österreich einen wichtigen Etappensieg davon: Die Mehrheit der EU-Umweltminister stimmte gegen einen Vorschlag der EU-Kommission, den Einfuhrstopp von zwei gentechnisch veränderten Maissorten (MON810 der US-Firma Monsanto und T25 des deutschen Konzerns Bayer) nach Österreich aufzuheben.
Ausschlaggebend war das Abstimmungsverhalten Spaniens und Deutschlands, die sich am Montag nach langem Zögern hinter Wien stellten. Vor allem Berlin hatte Bedenken, da die regierende CDU der Gentechnik nicht ablehnend gegenüber steht. Spanien ist mittlerweile der größte Produzent von Gen-Mais in der EU.
Trotz des Siegs bei der ersten Abstimmung war noch längere Zeit nicht das letzte Wort gesprochen. Denn Frankreich meldete Bedenken gegen die wissenschaftliche Begründung an, mit der das Importverbot für Österreich aufrechterhalten bleiben soll. Wien argumentiert, dass die möglichen Risiken der beiden Genmais-Sorten für die Gesundheit und Umwelt noch nicht ausreichend geprüft worden sind. Die Kommission hingegen verweist auf Prüfungen der EU-Lebensmittelagentur EFSA, laut denen die beiden Maissorten „unbedenklich“ sind. Das Verbot stelle eine „Beeinträchtigung des Binnenmarkts“ dar.
Den ganzen Tag rangen die Umweltminister um einen Kompromisstext. Erst am späten Nachmittag war dieser gefunden - und wurde mit qualifizierter Mehrheit angenommen. Nur Großbritannien, Tschechien, die Niederlande und Schweden beharrten weiter auf der Aufhebung des Importverbotes. Kern des Kompromisses: Die beiden Gen-Mais-Sorten seien nach dem alten EU-Zulassungsverfahren geprüft worden. Dieses war sehr lückenhaft. Nun sollen die beiden Sorten nach dem neuen EU-Verfahren noch einmal geprüft werden. Ergebnisse sollen im April vorliegen. Enden die Tests mit „Freisprüchen“ für die beiden Mais-Sorten - was zu erwarten ist -, dann könnte die EU-Kommission theoretisch die österreichischen Importverbote beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) einklagen.

Das wird aber nach einhelliger Meinung von Diplomaten vorerst nicht geschehen. Österreichs Umwelt- und Landwirtschaftsminister Josef Pröll (ÖVP) sieht das auch so: „Die EU-Kommission hat es zwei Mal versucht und hat zwei Mal verloren. Das ist ein starkes politisches Zeichen“, sagte er nach der Abstimmung zur „Presse“.
Die Begründung für das Beibehalten des Importverbotes ist zentral: Die Argumentation ist nicht nur für die etwaige Klage der EU-Kommission entscheidend, sondern auch für die Welthandelsorganisation WTO. Diese hatte ja im Handelsstreit zwischen EU und USA entscheiden, dass Importverbote zwar möglich, aber ausreichend wissenschaftlich begründet sein müssten. In Österreich reagierte man am Montag mit Erleichterung: Die Biobauern jubelten, Greenpeace sprach von einem „Etappensieg“.

14.12.2006, Grüne Österreich

GenMais von Monsanto und Bayer: Importverbote auf der Kippe

Anlässlich des EU-Umweltministerrates am Montag, den 18. Dezember, wo erneut darüber abgestimmt werden soll, ob Österreich seine Importverbote über den Gentech-Mais der Firma Monsanto MON 810 und der Firma Bayer T25 aufrecht erhalten kann, kritisiert der Landwirtschaftssprecher der Grünen, Wolfgang Pirklhuber, die EU-Strategie in der Gentechnikfrage: „Es ist demokratiepolitisch höchst bedenklich, wenn die EU-Kommission solange über die Import-Verbote abstimmen lässt bis ein Ergebnis zustande kommt, das im Interesse der Gentech Saatgut-Konzerne ist, statt dem Wunsch der europäischen Bürgerinnen und Bürger nach Sicherung von gentechnikfreien Lebensmitteln konsequent nachzukommen“.

Pirklhuber fordert daher BM Pröll auf die österreichischen Gen-Pflanzen-Importverbote weiterhin konsequent zu verteidigen und im Umweltministerrat Überzeugungsarbeit bei der deutschen Vertretung zu leisten, damit diese unser Anliegen unterstützen. „Österreich fehlt eine Stimme auf die erforderliche qualifizierte Mehrheit im Ministerrat und wenn es BM Pröll nicht schafft Deutschland zu überzeugen, dann entscheidet die Kommission, die bisher in ähnlichen Fällen immer noch für die Zulassung entschieden hat“, erläutert Pirklhuber.

[CO2-Emissionen] Offener Brief an Kanzlerin Merkel

CBG Redaktion

Presse-Information vom 19. Dezember 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Streit um CO2-Ausstoß

Offener Brief an Kanzlerin Merkel: „Konzerne müssen Treibhaus-Emissionen vollständig offenlegen“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert in einem Offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass die Industrie notfalls gezwungen werden muss, ihre CO2-Emissionen zu senken. Außerdem fordert der Verein, dass große Unternehmen die Höhe ihres Treibhaus-Ausstoßes vollständig offenlegen müssen. Der Verband reagiert damit auf den Offenen Brief von 15 Konzern-Vorständen, darunter BAYER-Chef Werner Wenning, in dem die von der EU vorgeschriebene Emissionsminderung attackiert wird.

Werner Wenning, der momentan auch dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) vorsteht, brüstete sich unlängst, BAYER habe „seine Treibhausemissionen seit 1990 um deutlich mehr als 60% reduziert“. Diese vermeintliche Erfolgsbilanz verbindet Wenning mit Forderungen an die Politik wie der Befreiung von der Ökosteuer, dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sowie einem entschärften Emissionshandel. Wenning verschweigt jedoch in seinen öffentlichen Äußerungen, dass der Rückgang der Emissionen des Konzerns zum großen Teil auf Ausgliederungen sowie auf einem erhöhten Fremdbezug von Energie basiert. Die Emissionen der Energie-Zulieferer werden in der schriftlich vorgelegten Umweltbilanz von BAYER nicht berücksichtigt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Mit buchhalterischen Tricks und unverbindlichen Selbstverpflichtungen lässt sich das Klima nicht retten. Die Industrie muss notfalls gezwungen werden, ihre Emissionen zu mindern. Hierbei muss natürlich der CO2-Ausstoß aller Zulieferer, insbesondere im Energiebereich, berücksichtigt werden.“ Die CBG wirft dem Vorstandsvorsitzenden von BAYER vor, ein doppeltes Spiel zu betreiben: „In der Öffentlichkeit stellt Werner Wenning den BAYER-Konzern als Vorreiter beim Klimaschutz dar. Gleichzeitig nutzt Wenning irreführende Zahlen, um eine Abschwächung gesetzlicher Regelungen zu fordern“, so Mimkes weiter.

BAYER steigert seit 15 Jahren den Fremdbezug von Energie. Die bei den Zulieferern anfallenden CO2-Emissionen werden in BAYERs Klimabilanz jedoch nicht berücksichtigt und auch auf Nachfrage nicht genannt. Hierdurch sinkt automatisch die Höhe der Emissionen des Konzerns - wenn auch nur auf dem Papier. Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission für Anlagensicherheit: „BAYER will augenscheinlich davon ablenken, dass das Unternehmen nach wie vor zu den großen Klimasündern in Deutschland gehört. Nicht einmal der Konkurrent BASF, wahrlich kein Vorbild in Sachen Umweltschutz, rechnet seine Bilanz derartig schön.

Die Kritik der CBG wird von der Unternehmensberatung Arthur D. Little untermauert. In einer Evaluierung des BAYER Nachhaltigkeitsberichts schreiben die Prüfer: „Zusätzlich zum Energieverbrauch werden auch die CO2-Emissionen berichtet. Allerdings ist diese Information von begrenzter Relevanz, weil Emissionen aus der Produktion extern erzeugter Energie nicht berücksichtigt werden und die berichtete Reduzierung zum Teil aus dem zunehmenden „Out-sourcing“ der eigenen Energieerzeugung resultiert.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren dokumentierte in den vergangenen 25 Jahren hunderte von ökologischen und sozialen Problemen, die auf die Geschäftspolitik des Konzerns zurückgehen.

weitere Informationen

Doping

CBG Redaktion

Berliner Zeitung, 18.12.2006

Einigung mit Jenapharm

Die Firma will Dopingopfer entschädigen und spenden

LEIPZIG. Auch gute Nachrichten klingen bisweilen seltsam: „Gerade habe ich eine ehemalige Kugelstoßerin mit einem Tumor aufgespürt“, sagt Werner Franke am Telefon. Der anabolikaabhängige Tumor ist operiert, das wusste Franke, aber nicht, dass die frühere DDR-Athletin ins Schwäbische verzogen ist. Bekanntlich bringt der Heidelberger Molekularbiologe mit kriminalistischem Gespür seit vier Jahrzehnten Dopingtäter aus West und Ost in Bedrängnis. An diesem Wochenende aber fahndet er nach Athleten, denen das Bundesverwaltungsamt gravierende Gesundheitsschäden durch das ostdeutsche Zwangsdoping bescheinigte. Fast 190 Sportler hatte die Politik 2002 über das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz entschädigt. Viele fehlten auf der Liste des Sports, der vergangene Woche 167 Athleten Schmerzensgeld zusagte und damit diesen ostdeutschen Erbteil anerkannte.

Die Kugelstoßerin und andere „gründlichst medizinisch geprüfte Fälle“ will Franke nun mit dem Verein Dopingopferhilfe (DOH) einbezogen wissen. Denn übers Wochenende muss eine neue Liste fertig sein. Schon heute, so hoffen die Anwälte der Geschädigten, könnte die erst vor Tagen überraschend angekündigte Vereinbarung mit der Jenapharm GmbH unterschriftsreif sein. Der Thüringer Arzneimittelhersteller will dem Vernehmen nach 9 250 Euro pro Athlet zahlen. Das wäre exakt jener Betrag, den der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gibt. Aber anders als der DOSB legt Jenapharm Wert auf Transparenz. Geld sollen zunächst alle vom Bundesverwaltungsamt anerkannten Athleten bekommen.

Leid lindern
Jenapharm produzierte einst die berüchtigten Blauen, das Anabolikum Oral-Turinabol, und andere Hormonsubstanzen, oft nicht einmal für Menschen zugelassen, und lieferte sie an die DDR-Medaillenschmieden. Jahrelang verweigerte das Unternehmen finanzielle Wiedergutmachung. Noch im Oktober signalisierten Anwälte die Abwehr aller Entschädigungsklagen. Noch im November versuchte der von Jenapharm bezahlte Auftragsforscher Lutz Niethammer Reinwaschung, indem er Verantwortung der Firma ins Nirwana „sozialistischer Kollektivstrukturen“ diffundieren ließ. Nun holt das Unternehmen Verantwortung gewissermaßen zurück, ausdrücklich keine juristische.
Aber nach eigenem Bekunden will Jenapharm „einen sozialen Beitrag leisten, um das Leid der Betroffenen zu lindern“. Der unerwartete Kurswechsel könnte vom Agreement mit dem DOSB inspiriert sein. Vielleicht hat er auch damit zu tun, dass ein Gericht der einstigen Weltklasseschwimmerin Karen König für den Rechtsstreit mit Jenapharm Prozesskostenhilfe zusprach. König reichte gerade die erste Klage ein. Die letzte wäre es nicht gewesen, und für Jenapharm wäre ein lang währender Gang durch alle Instanzen, mit Aussagen hormongeschädigter Frauen, kaum geschäftsfördernd. Nach der Übernahme durch Bayer richtet das Unternehmen sein Profil neu aus - ausschließlich auf Medikamente für Frauen.

Furcht vor dem Zorn
Letztlich aber ist zweitrangig, was den Meinungswandel bewirkte. Denn das Unternehmen hat nun die Folgen der Sportchemie erstaunlich sorgfältig bedacht: Über die Einmalzahlung hinaus erwägt Jenapharm eine Großspende. Die angeregte Stiftung des Sports ersetzt das zwar nicht, aber das Geld soll für psychologische und medizinische Betreuung von schwerst geschädigten Opfern verwendet werden. Zudem wäre denen geholfen, deren Schäden erst jetzt auftreten, und denen unter den 600 Betroffenen, die bisher juristischen Streit scheuten. Werner Franke kennt sie fast alle. „Das hat noch immer mit Scham zu tun und Furcht vor dem Zorn alter Sportkameraden.“ Diese Athleten können mit Angaben über ihre Sportbiografie und medizinischen Gutachten auch künftig Schmerzensgeld beantragen. Grit Hartmann

[REACH] REACH verwässert

CBG Redaktion

13. Dezember 2006

REACH: Kaum geboren, schon geschwächt

BUND, Greenpeace und WECF kritisieren zu wenig Schutz vor Chemikalien

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Greenpeace und WECF (Women in Europe for a Common Future) kritisierten das heute vom Europäischen Parlament beschlossene EU-Chemikaliengesetz REACH als zu schwach. So dürften Krebs erregende, die Fruchtbarkeit schädigende und hormonell wirksame Chemikalien weiter vermarktet werden, selbst wenn sichere Ersatzstoffe vorhanden seien. Der Bundesregierung warfen die Verbände vor, den verbindlichen Ersatz besonders gefährlicher Risiko-Chemikalien verhindert zu haben.

Patricia Cameron, Chemikalienexpertin des BUND: REACH hat das Gezerre um seine Verabschiedung glücklicherweise überlebt, ist im Ergebnis aber unzureichend. Ursprünglich sollten mit dem Gesetz Menschen und Umwelt besser vor giftigen Chemikalien geschützt werden. Mit der heute beschlossenen Verordnung können jedoch viele gesundheitsschädliche Chemikalien weiterhin in vielen Konsumprodukten eingesetzt werden, auch wenn es sichere Alternativen gibt.

Greenpeace-Sprecherin Corinna Hölzel kritisierte, dass die Testanforderungen für ungefähr 20000 der 30000 von REACH erfassten Chemikalien auf Druck der Industrie stark abgeschwächt wurden: Dank der gemeinsamen Bemühungen der deutschen Industrie und der Bundesregierung ist aus dem Löwen REACH ein zahmes Kätzchen geworden. Über die Gefährlichkeit vieler Stoffe wird man auch künftig erst durch Chemieskandale etwas erfahren. Solange giftige Chemikalien weiter vermarktet werden dürfen, besteht für die Industrie kaum Anreiz, Geld in die Entwicklung sicherer Alternativen zu investieren.

Mit REACH bleiben Risiko-Chemikalien erlaubt, wenn die Hersteller behaupten, sie angemessen zu kontrollieren. REACH-Expertin des WECF, Daniela Rosche: Es ist ein Skandal, dass Stoffe, die Fehlgeburten oder Entwicklungsstörungen bei Föten hervorrufen können, nicht ersetzt werden müssen. Damit werden auch nachkommende Generationen mit den gefährlichen Stoffen belastet.

Die Verbände werten positiv, dass in Zukunft wenigstens die nicht abbaubaren und sich im menschlichen Körper anreichernden Stoffe durch Alternativen ersetzt werden müssen, sobald diese vorhanden sind. Auch könnten Stoffe, die in sehr großen Mengen hergestellt werden, nicht mehr ungetestet vermarktet werden. Zudem erlaube das Gesetz den Verbrauchern, von Firmen Informationen über einige besonders gefährliche Substanzen zu verlangen. Die Verbände kündigten an, die Umsetzung des Gesetzes kritisch zu begleiten.


01. Dezember 2006 - BUND und Greenpeace

Europäische Chemikalienreform: Fauler Kompromiss hinter verschlossenen Türen

Brüssel/Berlin (ots) - Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Greenpeace haben den Kompromiss zur europäischen Chemikalienreform REACH, der gestern Nacht zwischen Vertretern des Europäischen Parlaments und des EU-Ministerrats ausgehandelt wurde, scharf kritisiert. „Diese Vereinbarung ist ein fauler Kompromiss auf dem Rücken von Verbrauchern und Umwelt. Wenn das Parlament diesem Deal Mitte Dezember zustimmt, wird es kaum eine Verbesserung gegenüber der jetzigen Gesetzeslage geben. Menschen und Natur werden weiter durch gefährliche Chemikalien belastet“, sagte Patricia Cameron, Chemieexpertin des BUND.

BUND und Greenpeace kritisieren vor allem die negative Rolle des Bundeskanzleramtes, das massiv Einfluss auf die Verhandlungen in Brüssel nimmt. „Bundeskanzlerin Merkel lässt sich von Chemieunternehmen wie BASF instrumentalisieren. Sie sorgt brav dafür, dass Deutschland sämtliche Versuche blockiert, die Industrie zum Ersatz aller gefährlichen Chemikalien zu verpflichten. Die wirtschaftlichen Interessen der Chemiebranche sind ihr wichtiger als der Schutz der Verbraucher vor Chemiegiften“, sagte Stefan Krug von Greenpeace.

Der Kompromiss sieht vor, dass krebserregende, fortpflanzungsschädliche und andere gefährliche Chemikalien selbst dann weiter vermarktet und in Alltagsprodukten verwendet werden dürfen, wenn Alternativen vorhanden sind. Die Hersteller würden diese Stoffe angeblich „adäquat kontrollieren“, somit bestehe keine Gefahr für Menschen und Umwelt. Eine adäquate Kontrolle sei aber illusorisch, wie zahlreiche Studien und regelmäßig auftretende Chemieskandale bewiesen. „In Deutschland hergestellte Industriegifte tauchen überall dort auf, wo sie nichts zu suchen haben - im Blut von Babys und Erwachsenen, in der Muttermilch, in Lebensmitteln, im Trinkwasser, sogar im Fettgewebe von Eskimos und Eisbären“, so Krug.

Laut Kompromiss sollen lediglich langlebige, sich in der Natur und im Menschen anreichernde Chemikalien ersetzt werden, wenn es Alternativen gibt. Verbrauchern sollen zudem Informationen nur über eine beschränkte Anzahl von Chemikalien zugänglich sein. „Der Industrie wird auch künftig erlaubt, entscheidende Sicherheitsdaten zu ihren Chemikalien zurückzuhalten. Es ist skandalös, dass BASF, Bayer & Co weiter Chemikalien in Umlauf bringen, ohne über Risiken und Nebenwirkungen zu informieren“, sagte Patricia Cameron.

Der BUND und Greenpeace fordern die Mitglieder des Europäischen Parlaments auf, den derzeitigen Kompromiss im Sinne des Umwelt- und Gesundheitsschutzes nachzubessern. So müssten Unternehmen durch die Pflicht, alle gefährlichen Stoffe zu ersetzen, Anreize erhalten, in die Entwicklung sicherer Alternativen zu investieren. Für Gesundheitsschäden bei der Anwendung von Endprodukten müssten zudem die Hersteller haftbar gemacht werden.

Pressekontakt:
Almut Gaude, BUND-Pressestelle, Tel. +49-30-275864-64, mobil: +49-163-6079090, www.bund.net;

Greenpeace: Stefan Krug, Leiter der Politischen Vertretung Berlin, mobil: +49-171-8780-836 oder
Simone Miller, Pressestelle, Tel. +49-40-30618343, www.greenpeace.de

[Mocap] Pestizid Mocap

CBG Redaktion

Presse-Information vom 8. Dezember 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Philippinen: 79 Kinder durch Pestizid Mocap vergiftet

Wirkstoff wird von BAYER CropScience produziert / Verkaufs-Stopp gefordert

In der philippinischen Provinz Davao del Norte mussten nach einer Pestizid-Vergiftung 79 Kinder stationär behandelt werden. Der Zwischenfall ereignete sich in einer Schule, die sich in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer Bananen-Plantage befindet. In der Plantage war zuvor das von der Firma BAYER CropScience produzierte Agrogift Mocap ausgebracht worden. Unklar blieb zunächst, ob es sich um einen Unfall oder einen geplanten Einsatz des Pestizids handelt. Die Kinder hatten sich auf dem Schulhof befunden, als sie von der Giftwolke eingehüllt wurden. Rund 30 Schüler fielen in Ohnmacht, andere litten unter Brechreiz, Schwindelanfällen und Atemproblemen.

Die Plantage gehört zur Firma Tadeco, die mit einer Anbaufläche von 55.000 Hektar zu den größten philippinischen Agro-Unternehmen gehört. Tadeco übernahm die Verantwortung für den Zwischenfall und ließ die Kinder in einem firmen-eigenen Krankenhaus behandeln. Angehörigen der staatlichen Gesundheitsbehörde, die Blutproben der Betroffenen nehmen wollten, wurde der Zutritt zum Hospital jedoch verweigert.

Kritiker werfen dem Unternehmen vor, den Tathergang verschleiern zu wollen. Die Asian Peasant Coalition sowie die Landarbeiter-Organisation Kilusang Magbubukid ng Pilipinas (KMP) fordern eine Schließung der Plantage bis zur vollständigen Klärung des Vorgangs. „Offenbar wollen die Verantwortlichen von Tadeco Dauer und Ausmaß der Vergiftung verschleiern. Unabhängige Experten müssen die Opfer sofort untersuchen. Es geht um Menschenleben – zudem sehr junge Leben“, so Danilo Ramos, Vorsitzender der KMP.

Uwe Friedrich, Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren, fordert den BAYER-Konzern auf, alle Wirkstoffe der Gefahrenklassen 1 und 2 sofort vom Markt zu nehmen. „Pestizide wie Mocap können nicht sicher angewandt werden – schon gar nicht in tropischen Ländern oder unter Armutsbedingungen. BAYER trägt eine Mitverantwortung für Tausende von Pestizid-Vergiftungen Jahr für Jahr, viele davon tödlich“. BAYER CropScience ist nach eigenen Angaben Marktführer für Agrochemikalien. In vielen Teilen der Welt verkauft das Unternehmen Pestizide der WHO-Gefahrenklasse Ia (extrem gefährlich) und Ib (hoch gefährlich), darunter Thiodicarb, Parathion, Fenamiphos, Azinphos-Methyl und Methamidophos. Vor zehn Jahren hatte BAYER angekündigt, alle Pestizide der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen. Das Versprechen wurde jedoch nicht eingehalten. Schon mehrfach kam es zu Vergiftungen in der Umgebung philippinischer Plantagen (s.u.).

Der Wirkstoff von Mocap, Ethoprop, gehört zur Substanzklasse der Organophosphate und ist chemisch mit E 605 verwandt. Die WHO bezeichnet Ethoprop als „extrem gefährlich“ (Gefahrenklasse 1) und krebserregend. Das Pestizid wird gegen Würmer und Insekten eingesetzt, BAYER bietet Mocap seit den 60er Jahren an. Ethoprop wird in der Umwelt nur langsam abgebaut und wird häufig in Gewässern und im Grundwasser nachgewiesen.

Weitere Informationen:
Bayer´s Mocap: Pesticide poisons Students and Teachers in the Philippines
Kampagne „BAYER-Pestizide im philippinischen Bananen-Anbau“

Doping

CBG Redaktion

Berliner Zeitung, 06.12.2006

Service der Pillendreher

Jenapharm-Historiker düpiert die DDR-Dopingopfer

Grit Hartmann

LEIPZIG. In Thüringen erzielte Lutz Niethammer womöglich den beabsichtigten Erfolg. Lokalzeitungen übermittelten die Zwischenbilanz, die der Geschichtswissenschaftler nach 15 Monaten Arbeit zum Thema „Unterstützende Mittel - Doping im Sportsystem der DDR und die Rolle der pharmazeutischen Industrie“ zog, als Tatsache. „Es gab bis auf eine Ausnahme keine speziellen Entwicklungsarbeiten bei Jenapharm zu Doping“, behauptete der emeritierte Professor. „Niemandem“, auch nicht den Mitarbeitern des Pharmaherstellers, „musste bekannt sein, dass STS 646 als Pille im Sport verabreicht wurde - außer den Trainern und den Sportlern.“ Niethammers Projekt läuft noch bis Ende 2007, es befasst sich mit Jenapharm, Produzent des Anabolikums Oral-Turinabol und weiterer Steroidsubstanzen (STS), deren größerer Teil selbst minderjährigen Athleten ohne klinische Prüfung geschweige denn Aufklärung verabreicht wurde. Eine ziemlich barbarische Angelegenheit; die Folgen in Form von Gesundheitsschäden haben die einstigen Testpersonen heute zu tragen.
Deshalb klangen viele Sätze für Experten ungeheuerlich bei dem dreitägigen Workshop, zu dem Niethammer auch anerkannte Doping-Forscher nach Schloss Dornburg bei Jena geladen hatte. „Was ist denn das für eine pseudowissenschaftliche Konferenz?“, wunderte sich Werner Franke, der Heidelberger Molekularbiologe. Die Strategie: Die Niethammer-Truppe wollte offensichtlich einen Persilschein ausstellen. Demnach war die Firma Jenapharm nur ein pillendrehendes Serviceunternehmen und ihre Forscher Deppen, die vom illegalen Einsatz der männlichen Hormone im rechtsfreien Raum des ostdeutschen Spitzensports nichts mitbekommen mussten.

Schuld und Verantwortung
Es existieren genügend Belege für die bizarren Verdienste der Jenapharm-Wissenschaftler an der Hormonfront. Von Forschungsdirektor Professor Michael Oettel stammt etwa der Vorschlag zur Steroidapplikation per Nasenspray zwecks Leistungssteigerung. Auch die Danksagung ist überliefert: Probleme wegen der „schlechten Löslichkeit der Substanz“ konnten „durch engagierte Mitarbeit des Kooperationspartners VEB Jenapharm gelöst werden. Es wurde ein verträgliches Spray kurzfristig entwickelt“. Tiermediziner Oettel, bis 2003 in Diensten von Jenapharm, interessierte sich 1984 auch dafür, wie „den Virilisierungs-Erscheinungen bei Sportlerinnen unter Anabolikaabgabe entgegenzuwirken“ sei. Rainer Hartwich, Abteilungsleiter für Klinische Forschung, warnte 1987: Jeder Jenapharm-Mitarbeiter, der an der Herstellung der illegalen Substanzen beteiligt sei, könne „auf den Einsatz beim Sonderbedarfsträger“ schließen - also im Sport.
Niethammers Behauptungen wären also keine Zeile wert, böte das Jenaer Projekt nicht ein Lehrstück über das heikle Verhältnis von Auftragsforschung und historischer Wahrheit. Denn Finanzier ist die mittlerweile zum Bayer-Konzern gehörende Jenapharm GmbH. Niethammer war Berater der Regierung Schröder im Streit um die Entschädigung von Zwangsarbeitern, sollte sich also auskennen in Fragen von Schuld und Verantwortung. Der westdeutsche Historiker durfte schon 1986/87 als Gastforscher Oral-History-Befragungen in ostdeutschen Industriestädten durchführen, bevor er 1993 den Lehrstuhl für Zeitgeschichte in Jena besetzte. Nun geht es wieder um Verantwortung und Schuld - vor dem Hintergrund eines Rechtsstreits zwischen Jenapharm und Dopingopfern.
Nur diese Gemengelage konnte erklären, wie Belege für Jenapharms Verstrickung als „scheinkonkret“ abgetan und statt dessen „eine Diffusion der Verantwortung“ ausgemacht wurde. Niethammer meinte, es lasse sich „nicht so genau prüfen, wo außerhalb der Politik noch Verantwortung von Einzelnen“ für Doping-Staatsplan 14.25 liege. Er ignorierte so Gerichtsurteile gegen Ärzte und Trainer und stellte das Zwangsdoping in Frage. Verantwortung, tat er noch kund, trügen „zu einem erheblichen Teil auch die Sportler“.
Derlei sagt viel darüber, wie marode sich interessengelenkte Geschichtsschreibung im Jahr 16 der Einheit präsentieren kann. Die Opfer anzuerkennen, ist noch längst keine Selbstverständlichkeit. Denn wo sie fehlen, existieren keine Täter. Es gibt keine klare Verantwortung - und kaum Zweifel am einst allzu milden Blick bundesdeutscher Ost-Forscher. Auf dieser Linie lagen auch Workshop-Referate, die nach der „kulturhistorischen Wahrnehmung“ des Dopings fragten, aber nur den ideologisch begründeten Zugriff der Diktatur aufs Athletenmaterial verstellten. „Sagen Sie das mal den Frauen mit den tiefen Stimmen“, kommentierte Buchautorin Brigitte Berendonk die Reflektionen über eine angebliche sozialistische Utopie von der Schönheit des Körpers.
Erst vor wenigen Tagen beauftragte Jenapharm die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer mit der Abwehr von Entschädigungsforderungen von Dopingopfern. Geschäftsführerin Isabel Rothe sagte dieser Zeitung, die Kanzlei verfüge „über die notwendige Expertise und entsprechende Kapazitäten“ gegen eine Vielzahl von Einzelklagen. Den absehbaren finanziellen Aufwand nannte ein Workshopteilnehmer in Jena „obszön“. Das kann so stehen bleiben. Auch für die Alibiveranstaltung auf Schloss Dornburg.

04. Dezember 2006 FAZ

Bleiben Opfern nur tausend Euro?

Wie weit entfernt voneinander der Alltag der Geschädigten des DDR-Dopings und der Wissenschaftler ist, die sich hauptberuflich mit just diesen Manipulationen beschäftigen, ist am Wochenende deutlich geworden. Da nämlich schlug die an Leib und Seele versehrte ehemalige Volleyballspielerin Katarina Bullin in Berlin Alarm. Die 9.250 Euro, die der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) ihr und etwa 180 weiteren Dopingopfern zahlen wolle, würden mit ihrer Sozialhilfe verrechnet werden, sagte sie. Deshalb werde sie lediglich knapp tausend Euro davon erhalten.
Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, kennt das Problem. Schließlich lebt aufgrund chronischer Schmerzen und Schädigungen und daraus resultierender Arbeitsunfähigkeit mindestens jedes dritte Opfer des Dopings von Sozialhilfe. Für die Vereinbarung, sagte Vesper der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, habe man deshalb eine Formulierung gefunden, die den humanitären Charakter der Zahlung deutlich mache. Er erwarte, daß dies anerkannt werde, denn es wäre absurd, subventionierte der Sport die Bundesagentur für Arbeit, anstatt den Betroffenen zu helfen. Die Vereinbarung soll noch in dieser Woche öffentlich vorgestellt werden.

Flächendeckende Prozesse
Dem früher Volkseigenen Betrieb Jenapharm, der in der DDR eine Vielzahl hormoneller Dopingsubstanzen herstellte und der deshalb von Dopingopfern auf Schadensersatz verklagt wird, ist unterdessen die Zuständigkeit für dieses Thema entzogen worden. Im Auftrag der Bayer Leverkusen AG, die Schering und damit dessen Nachwende-Erwerbung Jenapharm übernommen hat, meldete sich in der vergangenen Woche die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer bei Rechtsanwalt Manfred Lehner, der einen Teil der Dopinggeschädigten vertritt, und kündigte an, im Falle einer Klage jeden der 180 angezeigten Dopingfälle dort verhandeln zu wollen, wo tatsächlich gedopt wurde. Nun werde flächendeckend prozessiert werden, folgerte daraus kämpferisch der Experte Werner Franke, „von Chemnitz bis Rostock“.

Franke „auf Feindesland“
Der Mikrobiologe und Krebsforscher Franke, der das systematische Doping der DDR aufdeckte, war am Wochenende mittelbar Gast von Jenapharm, als er auf Schloß Dornburg bei Jena eine Tagung des Historikers Lutz Niethammer besuchte. Dieser präsentierte im Rahmen der Thematik „Doping in Ost und West von 1960 bis 1990“ den Zwischenstand seines Forschungsprojektes zum Thema Doping und Jenapharm, welches das Unternehmen mit 300.000 Euro finanziert.
„Ich bin hier auf Feindesland!“ rief Franke schon am ersten Tag empört, als seine Redezeit abgelaufen, sein Vortrag aber noch nicht zu Ende war. Am Ende nannte er die Veranstaltung „ein Gefälligkeitsgutachten“. „Es ist eine Verhöhnung der Teilnehmer, wenn man ihnen sagt: Wir wissen schon alles“, sagte er. Der Chirurg Klaus Zöllig, Vorsitzender des Dopingopfer-Hilfevereins, konstatierte: „Man kommt sich vor wie am Institut für korrigierende und korrumpierende Geschichtsforschung. Hier ist niemals die Rede von den Opfern gewesen. Diese Veranstaltung war der Versuch, Jenapharm reinzuwaschen.“

Vergleich mit der Viehzucht
In der Tat erschien es vor allem den Medizinern und Naturwissenschaftlern, die die gravierenden Folgen von Doping kennen und mit großem Engagement zu lindern versuchen, befremdlich, Praktiken kulturhistorisch zu überhöhen, zu denen das Zwangsdoping von Kindern gehörte. Zumal wenn es, wie in Schloß Dornburg geschehen, in einem Exkurs über die Industrialisierung von Natur und Körper beiläufig der hormonellen Brunstsynchronisation in der Viehzucht der DDR gegenübergestellt wird.
Dies verärgerte Zöllig und Franke um so mehr, als Niethammer den geschädigten Sportlern als den Objekten der Manipulation das Recht verweigerte, sich zu äußern. Der renommierte Vertreter der „oral history“ mußte sogar einräumen, daß für die Befragung des wichtigsten Zeugen für die Rolle von Jenapharm beim Doping, des einstigen Leiters der klinischen Forschung im Unternehmen, Rainer Hartwich, in fünfzehn Monaten Projektdauer noch keine Zeit gewesen war. Hartwich, in einer Privatklinik in Thüringen, also in der Nachbarschaft beschäftigt, hat schon vor Jahren öffentlich seine persönliche und die Verantwortung von Jenapharm eingeräumt.

Ist niemand verantwortlich?
Das paßt ganz offensichtlich nicht zur Forschung Niethammers. Die „Diffusion der Verantwortlichkeiten in autoritären Kollektiven“ steht im Mittelpunkt der Arbeit seines wissenschaftlichen Mitarbeiters Klaus Latzel. Niemand sei verantwortlich, kommt bei so etwas heraus, jedenfalls niemand bei Jenapharm. Der VEB habe niemals Dopingforschung betrieben, behauptete Latzel zudem, und nur auf Anweisung gehandelt.
Statt Betroffene und Beteiligte baten die Historiker im Auftrag von Jenapharm zum Beispiel Referenten zum Vortrag, die behaupteten, Vierzehnjährige hätten die Chance gehabt, aus eigenem Antrieb aus Dopingsystem auszusteigen. Einer beendete seinen Beitrag mit der realitätsfernen Parole: „Ehrliche Kameradschaft statt Anabolika!“
Text: F.A.Z.

[Zulassung GenReis] Zulassung Gen-Reis

CBG Redaktion

Presse-Information vom 29. November 2006
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Nachträgliche Zulassung von Gen-Reis in den USA:

„Blanker Zynismus gegenüber den Geschädigten“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren protestiert gegen die nachträgliche Zulassung der gentechnisch veränderten Reis-Sorte LL 601 in den USA. „So schnell kann aus einem Gen-GAU ein beschleunigtes Zulassungsverfahren werden“, urteilt Jan Pehrke, Vorstandsmitglied des Vereins. Pehrke fordert den BAYER-Konzern auf, alle gentechnisch veränderten Reis-Sorten vom Markt zu nehmen und die betroffenen Bauern, die ihre Ernte nicht mehr verkaufen können, zu entschädigen.

In den USA ist praktisch die gesamte Langkornreis-Ernte mit LL 601 kontaminiert. Die gegen das von BAYER produzierte Herbizid Glufosinat resistente Sorte kam dadurch weltweit in den Handel. Erst nach Bekanntwerden des Skandals im August beantragte BAYER eine Zulassung - nicht, um LL 601 kommerziell anzubieten, sondern um Schadensersatz-Verfahren den Wind aus den Segeln zu nehmen. Jan Pehrke: „Die US-Behörden machen sich zu Handlangern von BAYER. Eine seriöse Sicherheitsprüfung ist in wenigen Monaten nicht durchführbar – ob von herbizidresistentem Reis langfristige Gesundheitsgefahren ausgehen, ist völlig unklar.“

Ende Oktober wurde in Lieferungen aus den USA auch noch die von BAYER hergestellte Genreis-Sorte LL 62 gefunden. Dieser Fund ist von besonderer Brisanz, da der Konzern eine EU-Importzulassung für LL 62 beantragt hat und die Gefahr einer unkontrollierten Ausbreitung stets bestritten hat. In beiden Fällen ist die Ursache der Kontamination unklar. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren forderte die EU in den vergangenen zwei Jahren mehrmals auf, keine Importgenehmigung für genmodifizierten Reis von BAYER zu erteilen.

Auch Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf, stellvertretender Vorsitzender des Agrarausschusses des EU-Parlaments, kritisiert das Vorgehen von BAYER: „Ein Unternehmen, das sich aus der Verantwortung stiehlt, indem es im Nachhinein eine Vermarktungsgenehmigung für die USA erwirken will, zeigt blanken Zynismus gegenüber den Landwirten, die geschädigt wurden. Der Fall des Gentech Reises zeigt, dass entweder ein gezieltes Interesse vorliegt, den Bäuerinnen und Bauern Gentech-Getreide unterzumischen oder aber, dass die Gentech-Saatgutindustrie nicht in der Lage ist, zu kontrollieren, wo ihre Gen-Konstrukte auftauchen.“

In den Schadensersatz-Prozessen, die hunderte US-Farmer anstrengten, schaltet BAYER bislang auf stur. In einer 30-seitigen Antwort auf die Vorwürfe der Bauern und Bäuerinnen spricht der Konzern von einem „Akt Gottes“ und einer angeblichen „Nachlässigkeit“ der Farmer. „Es ist bedauernswert, dass BAYER, anstatt die Verantwortung zu übernehmen, versucht, den Reisbauern die Schuld zuzuschieben - den Menschen, die am meisten von der Unternehmenspolitik betroffen sind“, so Adam Levitt, Anwalt der Kläger.

weitere Informationen:
Brief an europäische Lebensmittelbehörde EFSA: Gen-Reis von Bayer nicht in der EU zulassen!
Artikel zur Gen-Kontamination von Reis
Briefing about the food safety and environmental risks of Bayer's GMO rice

Gen-Weizen

CBG Redaktion

25.11.2006, junge Welt

Lobbyisten genehmigen Genweizenanbau

Umweltinstitut München leitet rechtliche Schritte gegen Freisetzungsversuch in Sachsen-Anhalt ein

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am Donnerstag einen Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen in Gatersleben (Sachsen-Anhalt) genehmigt. Den Antrag für das Experiment hatte das Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) gestellt. Die gentechnisch veränderten Weizenpflanzen sind resistent gegen ein sogenanntes Totalherbizid des Bayer-Konzerns und die Antibiotika Ampicillin und Streptomycin. Gegen diesen Versuch hatte das Umweltinstitut München (UIM) dem BVL im September mehr als 30000 Einwendungen überreicht. Es wird nun Dienstaufsichtsbeschwerde gegen zwei Mitarbeiter des BVL einreichen. Das Institut wirft den beiden mit der Entscheidung befaßten Spitzenbeamten Befangenheit vor. Dies ergäbe sich aus deren langjähriger öffentlicher Parteinahme für die Agrogentechnik, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Erklärung des Instituts.

So sind der Leiter der Abteilung Gentechnik im BVL, Hans-Jörg Bukh, und sein Stellvertreter, Detlef Bartsch in einem PR-Film der Gentechnikindustrie aufgetreten, der unter anderem von den Konzernen Monsanto und Syngenta finanziert wurde. In diesem Film, der in Ausschnitten in dem Politmagazin »Report Mainz« gezeigt wurde, plädiert Bukh für den Anbau von Genmais. »Von solchen Beamten sind keine abwägenden Entscheidungen bei einem so heiklen Thema wie der Freisetzung genmanipulierter Pflanzen zu erwarten«, kritisierte Harald Nestler, Vorstand beim UIM. Nestler fordert, daß Bukh und Bartsch von ihren Aufgaben entbunden und alle unter ihrer Leitung getroffenen Entscheidungen überprüft werden.

Der Genweizen soll in Gatersleben in unmittelbarer Nähe der Anbauflächen einer der weltgrößten Getreide-Genbanken freigesetzt werden. Dort lagern mehr als 60000 Getreidesorten, die zu ihrer Erhaltung regelmäßig im Freiland angebaut werden müssen. Die Möglichkeit von Auskreuzungen in die Saatgutbestände wird durch die getroffenen Sicherheitsmaßnahmen keineswegs ausgeschlossen. Eine Verunreinigung dieser Pflanzen durch genmanipulierten Weizen wäre ein unersetzlicher Verlust für zukünftige Züchtungsbemühungen und die Ernährungssicherheit folgender Generationen. »Die Genehmigung zum Anbau von Genweizen in unmittelbarer Nachbarschaft zur Genbank in Gatersleben ist bezeichnend für die Behörde«, so der Agrarwissenschaftler Andreas Bauer vom UIM.

Seit dem Regierungswechsel agiere das BVL »völlig enthemmt« und öffne durch die kritiklose Genehmigung riskanter Freisetzungsexperimente der Agrogentechnik Tür und Tor, so Bauer. Allein in diesem Jahr wurden vom BVL mehrere höchst kontrovers diskutierte Genehmigungen für solche Versuche mit Genpflanzen durchgewinkt. Dazu gehören die Freisetzung von Genraps und von transgenen Kartoffeln zur Produktion von Impfstoffen gegen Cholera und ein Kaninchenvirus. Dabei setzte sich das BVL über schwerwiegende wissenschaftliche Bedenken anderer Behörden, wie des Bundesamts für Naturschutz (BfN), hinweg.

Gen-Weizen von BAYER: Schon 27.000 Einwendungen gegen Freisetzungsversuch

[BIS] Bayer Industry Services

CBG Redaktion

23. November 2006

Zur heutigen Demonstration in Leverkusen:

Solidarität für die Belegschaft von Bayer Industry Services

Der BAYER-Konzern will die Bayer Industry Services (BIS) zerschlagen, sich dabei von wesentlichen Geschäftsteilen trennen und auf diese Weise 3.000 Arbeitsplätze ausgliedern oder vernichten. Anlässlich der heutigen Demonstration der Belegschaft in Leverkusen fordert die Coordination gegen BAYER-Gefahren:

· Keine Entlassungen bei BIS;
· Keine weiteren Ausgliederungen;
· Keine Verlängerung der Arbeitszeit für die Mitarbeiter und keine Lohnkürzungen;
· Chemietarifverträge für alle BIS-Mitarbeiter und –Mitarbeiterinnen;
· Langfristige Sicherung der Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren, deren Wahlspruch lautet „Für Umweltschutz und sichere Arbeitsplätze bei Bayer weltweit!“, kritisiert, dass weder eine mangelnde Auslastung noch rote Zahlen das Unternehmen zu den Einschnitten bei BIS zwingen – im Gegenteil. Die von BIS angebotenen Leistungen werden in den BAYER-Werken benötigt, der Gesamt-Konzern ist hochprofitabel.

Die konkreten Vorschläge zur Zukunft von BIS hat die Unternehmensberatung Boston Consulting Group ausgearbeitet. Sie plädiert wegen erhoffter Rationalisierungsgewinne für das Abstoßen einzelner Sparten. Das BAYER-Management bedient sich gern solch auswärtiger Expertise, da diese mit der Autorität eines unabhängigen Votums daherkommt und sich deshalb hervorragend als Argumentationshilfe eignet. Daher schreiben die BAYER-Chefs in einem Brief an die Belegschaft, dass die Untersuchung gezeigt habe, „dass wir nicht in allen Bereichen wettbewerbsfähig sind. Jetzt geht es darum, wie wir diese Wettbewerbsfähigkeit erreichen“.

Dabei war es nie Sinn und Zweck von BIS, mit Arbeitsfeldern wie dem Chemiepark-Management, Umweltschutz, Entsorgung und Werkschutz Milliarden zu erwirtschaften - im Gegenteil: Im Zuge der Umstrukturierung zu einer Holding hatte BAYER in der Service-Gesellschaft alles geparkt, was keinen Gewinn abwirft, um die anderen Unternehmensteile zu entlasten und um spätere Ausgliederungen zu erleichtern.

Es ist nicht hinzunehmen, dass sich der Konzern jeglicher Verantwortung für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entzieht. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) erklärt sich daher solidarisch mit den Forderungen der Belegschaft.

GenMais

CBG Redaktion

21. November 2006, Greenpeace Einkaufsnetz

Brasilien will Gen-Saat von Bayer nicht

Brasilien ist kein Versuchsfeld für Gen-Mais, so die klare Botschaft der Greenpeace-Aktivisten vor der Bayer-Niederlassung in Sao Paulo. Mit einen Feld von Gen-Mais-Fratzen zeigen sie, dass Gen-Mais unkalkulierbare Risiken birgt. Bayer versucht für seinen gentechnisch veränderten Mais, der gegen das hauseigene Spritzmittel Gluphosinat widerstandsfähig ist, eine Marktzulassung in Brasilien zu bekommen.

Dieser Mais ist nicht unbekannt: In Österreich wurde er 1999 verboten und kein einziges EU-Land baut ihn an. Zu groß sind die Sicherheitsbedenken gegen diese Gen-Saat. Bayer selbst hat diese Sorte beispielsweise in Großbritannien zurückgezogen - der Anbau würde sich nicht rechnen, wenn alle Maßnahmen zum Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft vor Verunreinigungen umgesetzt würden.

Über die Zulassung in Brasilien entscheidet die „National Technical Biosafety Commission“, die am Mittwoch, dem 22. November, tagt. Zur Vorbereitung gab es Anfang November von Greenpeace ein Paket mit Dokumenten. Studien, die beispielsweise aufzeigen, dass Gen-Mais-Felder wesentlich stärker mit Spritzmitteln besprüht werden als Äcker mit herkömmlichen Mais.

Ein Problem nicht nur für die Umwelt. Auch der Mensch leidet unter dem massiven Pestizid-Einsatz: Übelkeit, Durchfall, sogar Frühgeburten können die Folge sein. Zudem breiten sich Gen-Pflanzen unkontrolliert aus und verunreinigen die Ernte von konventionell und ökologisch arbeitenden Bauern.

Greenpeace steht mit der Ablehnung des Bayer-Mais nicht allein da. Mehr als 7.000 Brasilianer haben seit dem 8. November bereits an einer Cyberaktion teilgenommen und die „Biosafety Commission“ per E-Mail aufgefordert, den Gen-Mais nicht zuzulassen. Eine Kopie ging jeweils an die Bayer-Zentrale in Deutschland.

An Post mangelt es dem Konzern nicht. Auch in Deutschland beteiligten sich Tausende an Protestaktionen gegen Bayer. Der Konzern will in Europa Gen-Reis auf den Markt drängen.

Machen Sie mit! Wie Sie sich gegen die Pläne von Bayer wehren können, erfahren Sie hier.
http://de.einkaufsnetz.org/gentechnik/23844.html

Fritz ter Meer

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 7. November 2006

Uerdingen: BAYER ehrt Kriegsverbrecher Fritz ter Meer

Der BAYER-Konzern verweigert weiterhin eine öffentliche Distanzierung von dem verurteilten Kriegsverbrecher Fritz ter Meer. An Allerheiligen ließ das Unternehmen an ter Meers Grab in Krefeld-Uerdingen zum wiederholten Mal einen Kranz aufstellen.

Ter Meer, geboren 1884, war seit 1925 Vorstandsmitglied der IG Farben. Während des 2. Weltkriegs war er verantwortlich für den Aufbau des IG Farben-Werks in Auschwitz, in dem rund 30.000 Zwangsarbeiter den Tod fanden. Im Nürnberger IG-Farben-Prozess wurde ter Meer im Juli 1948 wegen Versklavung und Plünderung zu sieben Jahren Haft verurteilt. In den Vernehmungen äußerte er, den Zwangsarbeitern sei kein besonderes Leid zugefügt worden, „da man sie ohnedies getötet hätte“.

Nach seiner Haftentlassung wurde ter Meer Aufsichtsratsvorsitzender von BAYER. Nach seinem Tod 1967 benannte BAYER eine Stiftung zur Förderung von Studierenden in „Fritz-ter-Meer-Stiftung“.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist unerträglich, dass der BAYER-Konzern einen Kriegsverbrecher wie Fritz ter Meer ehrt und sich zur selben Zeit weigert, die Opfer und ihre Nachfahren angemessen und gerecht zu entschädigen. BAYER muss sich seiner Mitverantwortung für die Terrorherrschaft der Nazis, für Krieg und Zwangsarbeit stellen.“ Köhler-Schnura erinnert daran, dass internationale Proteste und eine Reihe von Prozessen in den USA zwar BAYER (und andere deutsche Konzerne) zwangen, sich ihrer verbrecherischen Nazi-Vergangenheit zu stellen. Aber statt Reue, Einsicht und Wiedergutmachung schufen die Firmen in Geheimabsprachen mit der Bundesregierung die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, mit deren Hilfe die Opfer mit beschämenden Brosamen abgefunden wurden. Die Coordination bleibt dabei: Es gibt für BAYER und andere Konzerne keinen Schlussstrich. Die Opfer von Zwangsarbeit, Menschenversuchen und anderen Verbrechen in Konzernverantwortung sowie ihre Nachkommen müssen angemessen entschädigt werden.

Bitte lesen Sie auch:
Vergangenheitsbewältigung à la BAYER: Wie der Chemie-Konzern mit der IG FARBEN-Geschichte umgeht
Zur „Arisierung“ des Uerdinger Friedhofs: Die Grabschänder
BAYERs Menschenversuche in Auschwitz

Glosse

CBG Redaktion

saveourseeds, 07.11.2006

Sind Sie Bayer - Kennen Sie den Herrn Winnacker?

Sie, kennan Sie fei den Herrn Winnacker? Ja, den kennan Sie nicht? Aber freilich, den müssen’s doch kennan, so a Kleiner, ziemlich Großer, Kompakter, wissen’s aus München, ja, ein ganz ein feiner Herr ist das. Freilich kennt der Sie nicht, aber Sie sollten ihn schon kennan, weil er nämlich ein ganz ein Schlauer und Wichtiger ist.
Also der Herr Winnacker ist ein Professor an der Ludwigs-Maximilian-Universität in München. Nein, einen Nobelpreis hat er nicht. Aber er hat viele Bücher geschrieben, weil er nämlich ein Biochemiker und Gentechniker ist, damit wir das begreifen mit dem Achten Tag der Schöpfung. Sie wissen ja, der Herrgott hat sieben Tage gebraucht um die Welt zu erschaffen. Das glauben in Amerika fei viele bis heute wörtlich. “Smart design” nennans des und glauben, der Herrgott hat das nicht einfach der Evolution überlassen mit dem Leben, sondern richtig sauber geplant und umgsetzt. Aber der Herr Professor, der ist kein solcher Kreationist, wie man sagt, sondern ein ganz ein Rationaler. Der macht den Rest an einem Tag. Und zwar mit der Gentechnik. Da geht nämlich alles viel schneller und so wie wir des woll’n. Sie müssen praktisch nur so ein Gen nehmen und in eine Pflanze rein montieren und dann macht die Pflanze des was sie soll. Ja unglaublich, gell, die tollsten Kunststücke kann man den Pflanzen und Tieren da beibringen, sagt jedenfalls der Herr Professor, wenn man sie nur richtig dressiert, eben mit der Gentechnik. Mit Menschen macht man so was aber nicht, gell, weil das der Herrgott sicher nicht gewollt hätt. Bloss die Stammzellen, die muß man jetzt auch dressieren, sagt der Professor, aber nur zu ethisch hochwertigen Zwecken, also für nix Schlimmes.
Jedenfalls der Herr Winnacker, der hat jetzt zwar keinen Nobelpreis, aber dafür ist er der Chef von der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Ja, die kennan Sie auch nicht, die De-Ef-Ge? Freilich kennt die Sie auch schon wieder net. Aber Sie sollten die schon kennan, weil da nämlich jedes Jahr viele hundert Millionen Euro von Ihren Steuergeldern durch diese Gesellschaft also praktisch hindurchfließen, in die Forschung. Natürlich nicht direkt hinein, aber doch zu den anderen Herren Professoren, den Kollegen von dem Herrn Winnacker, und die bezahlen damit die Assistenten und die Postdoks und die Sekretärin und die Reagenzgläser und die Computer und die Reisekosten und alles was der Fortschritt sonst noch braucht. Also jedenfalls ist der Herr Winnacker dort Präsident. Aber bald nicht mehr. Warum? Das werd ich ihnen gleich erklären.
Erst noch a andere Frage: Kennen Sie Bayer? Ja, freilich – Leverkusen, des Apotheken-Kreuz, Alka Selzer, Paraquat, Lipobay, und jetzt dieser Reis, dieser gentechnische, der gar nicht erlaubt ist. Ja, Reis von Bayer, da staun’S, gell, nicht vom Dr.Oetker oder Uncle Ben, sondern von Bayer. Schön heißt er ja: “Liberty Link”. Können’s die Freiheit schon schmecken? Des “Liberty” ist nämlich ein Pestizid, pardon ein Pflanzenschutzmittel, von Bayer. Und der Reis ist dressiert drauf, daß er des Liberty verträgt, aber des ganze andere Grünzeug stirbt ab vom Liberty. Bloss der Reis ist hier verboten und in Amerika auch, weil die Professoren noch net genau wissen ob er unschädlich ist. Es gibt überhaupt noch gar keinen schönen Gentechnik-Reis auf dem Markt, weil den nämlich keiner essen will; bloß die illegale Bückware praktisch, die aber keiner will. Deshalb hat die EU-Kommission jetzt gesagt: Einen Reis aus Amerika darf man nur noch einführen, wenn kein Liberty-Reis von Bayer drin ist und die Japaner, die ja sowieso nur Reis essen, hoam des aa gsogt. Mei, des war net gut für den Reis-Preis in Chicago und die Reisbauern in Arkansas und Louisiana ham gleich an Anwalt gnommen und jetzt muß der Bayer für sein Liberty Link an Haufen Geld bezahln. Selber schuld, gell. Aber des Geld kommt schon wieder rein, hofft Bayer, wenn erst mal das Gentechnikgesetz in Deutschland geändert wird. Weil “mit seinen unangemessenen Haftungsregeln behindert das Gesetz einen wichtigen Forschungszweig,” hat der Herr Wenning geklagt. Sehen Sie, dem geht es auch nur um die Forschung.
Das mit dem Reis war den Gentechnikern ziemlich peinlich, weil das mit dem achten Tag der Schöpfung hier praktisch aus Versehen passiert ist bei einem ganz einem wissenschaftlichen Experiment in Louisiana, vor fünf Jahren. Da haben die Wissenschaftler bei der Innovation irgendwie nicht richtig aufgepaßt. Deshalb ist also dieser Liberty-Reis leider aus Versehen ins Saatgut gekommen und niemand hat es gemerkt. Und wie sie es dann doch gemerkt haben bei Bayer, da dachten sie erst, daß das jetzt nicht gleich jeder wissen muß. Weil, man weiß ja was die Medien aus so einer Mücke gleich machen. Aber dann kam es eben doch raus. Wie der Reis da überhaupt rein kam weiß immer noch keiner.
Am allerwenigsten natürlich Bayer, weil denen nämlich zwar dieser Liberty-Reis gehört aber eigentlich haben sie ihn ja nur geerbt von Aventis. Sehen Sie die kennen sie jetzt wieder nicht. Die gibt es auch nicht mehr, die wurden nämlich von Bayer aufgekauft und haben vorher Hoechst gehört und Schering. Aber Schering gehört ja jetzt auch Bayer und Hoechst gibt es eigentlich auch nicht mehr. Aber Bayer, sehen’s das hätten Sie jetzt auch wieder nicht gedacht, Bayer ist jetzt der drittgrößte Saatgut-Konzern der Welt und alles was vorher Hoechst und Schering und Rhone-Poulenc und Limagrain gehört hat, heißt jetzt “Bayer Crop Science“. Aber so was steht ja auch nicht auf der Packung, wer jetzt das Saatgut hergestellt hat und wer die Pestizide für Ihr Müsli.
Und was hat das jetzt mit dem Herrn Professor Winnacker zu tun? Sehen Sie, das hätten Sie jetzt vielleicht nicht gedacht, der Herrn Professor ist nämlich im Aufsichtsrat von Bayer. Das darf man nicht falsch verstehen. Eigentlich hat er den Posten sozusagen auch nur geerbt. Der Vater vom Herrn Professor war nämlich ein ganz hohes Tier bei Bayer und den IG Farben im Krieg. Aber das war noch eine andere Zeit und die gehört jetzt eigentlich gar nicht hier her.
Bloss, wundern tut es manche schon, weshalb jetzt ein Professor, der die ganzen schönen Millionen für die Forschung verwaltet, also wie der die Zeit findet, auch noch bei Bayer im Aufsichtsrat zu sitzen und außerdem auch noch bei KWS, also der Kleinwanzlebener Saatzucht. Die ist fei gar nicht so eine kleine Wanze wie man denkt, sondern der fünftgrößte Saatgutkonzern auf der Welt und die gehört auch ein Bißchen dem Dr. Oetker und dressiert mit der Gentechnik Rüben. Jedenfalls, wie macht das der Herr Professor alles? Das ist wahrscheinlich, weil er eben so schlau ist. Deshalb hat er auch noch eine eigene Firma, Medigen, auch mit Gentechnik.
Aber jetzt wird ja alles anders. Da brauchen wir uns also keine Gedanken mehr machen, weil der Herr Winnacker ja bald nicht mehr der Präsident von der Deutschen Forschungsgemeinschaft ist und dann auch nicht mehr dementieren muß, daß er gar keine Interessenskonflikte nicht kennt, weil er ja streng wissenschaftlich vorgeht und eigentlich nur dem Fortschritt verpflichtet ist. Und wenn also jetzt ihr Steuergeld an Bayer geht, daß das dann nur wegen der Wissenschaft und der Innovation ist und nicht weil der Winnacker vielleicht – also so was sollten Sie gar nicht erst denken, weil sonst müßte der Herr Professor vielleicht von Ihnen denken, daß Sie vielleicht ein Feind der Wissenschaft sind und in Wirklichkeit nur gegen die Gentechnik und zwar ganz radikal und fundamental und überhaupt, daß Sie vielleicht gar nicht objektiv denken, sondern emotional und daß sie nur verhetzt sind von den ganzen Umweltschützern und Neidhammeln und Fortschrittsverhinderern …
Aber jetzt sind wir schon wieder abgeschwiffen, weil ich Ihnen doch eigentlich erklären wollte warum der Herr Winnacker jetzt nicht mehr Präsident von der DeEfGe ist. Ja, da werden Sie wirklich staunen. Sie werden mir das vielleicht nicht glauben nach all den gemeinen Sachen, die ich da über den Herrn Professor habe anklingen lassen. Deshalb lesen Sie selbst, in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die ganz bestimmt nichts gegen den Herrn Winnacker hat:
EU-Forschungsrat - Winnacker wird Generalsekretär
Es kommt nicht häufig vor, daß eine Bürokratie freiwillig Macht abgibt. Doch im Dienst des großen Zieles, Europa im Innovationswettbewerb mit Amerika und Asien zu behaupten, ist die EU-Kommission dazu bereit. Die Forschungsinvestitionen der Gemeinschaft sollen vom kommenden Jahr an nicht mehr ausschließlich von ihren Brüsseler Beamten vergeben werden, sondern zumindest teilweise von der Wissenschaftsgemeinde selbst - nach dem strengen Gutachterprinzip. Allein um herausragende Grundlagenforschung soll es im Europäischen Forschungsrat gehen, nicht wie so oft in Brüssel etwa darum, Fördermittel gleichmäßig zwischen Griechenland und Finnland zu verteilen.
Bis die Idee des Rates reifte und Gestalt annahm, sind sieben Jahre vergangen. Doch nun steht auch fest, wer den Rat leiten und sein Jahresbudget von rund einer Milliarde Euro verantworten wird. EUForschungskommissar Potocnik und der wissenschaftliche Leiter des Rates, Kafatos, haben bekanntgegeben, daß der Biochemiker Ernst-Ludwig Winnacker zum 1. Januar 2007 die Position des Generalsekretärs einnimmt. Bis dahin wird der 65 Jahre alte Winnacker noch sein Amt als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ausüben, das ihn für die neue Aufgabe prädestiniert. Die DFG ist nicht nur die größte Wissenschaftsfördereinrichtung Europas, sie verwirklicht die Selbstverwaltung der Wissenschaft genauso, wie es der Europäische Forschungsrat nun für ganz Europa tun soll.(…)
Als Leiter des Gremiums in seiner Gründungsphase kann Winnacker entscheidende Weichen stellen, damit der Forschungsrat zum Erfolg wird. Es geht vor allem darum, den politischen Einfluß der Kommission auf die Vergabe der Mittel zu begrenzen und sicherzustellen, daß in den geplanten zehn Gutachtergremien mit je zwanzig Mitgliedern geeignete Fachleute der jeweiligen Disziplinen arbeiten, denen man die EU-Mittel anvertrauen kann.

Also jetzt kennen Sie den Herrn Winnacker zwar noch immer nicht und er sie ja auch nicht. Aber, gell, das ist schon ein verdächtiger Zufall mit den sieben Jahren und dem achten Tag der Schöpfung. Ist mir gleich aufgefallen. Ihnen auch?

[Ausgliederung] Ausgliederung BIS

CBG Redaktion

03.11.06, Leverkusener Anzeiger

„Moralisch ist das ein Armutszeugnis“

Keinerlei Verständnis für die Zerschlagungspläne bei Bayer Industry Services (BIS) hat der Leverkusener SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach.

„Politisch doppelzüngig, entlarvend und moralisch ein Armutszeugnis.“ Das ist das Urteil des in Leverkusen direkt gewählten Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach. In einem Telefoninterview mit dem „Leverkusener Anzeiger“ berichtete der Sozialdemokrat gestern, er sei am Dienstag gleich zu zwei Gesprächen in den Bayer-Konzern gebeten worden. Vormittags hätten ihn die Manager der Pharma-Sparte gebeten, in der aktuellen Gesetzgebung zur Gesundheitsreform Politik zugunsten von Bayer und für den Standort Leverkusen zu machen, abends habe ihm der BIS-Arbeitsdirektor Heinz Bahnmüller zu erklären versucht, dass der Standort Leverkusen geschwächt werden müsse, weil anders die Marktsituation für BIS nicht zu verbessern sei.

Von einer Marktsituation, so Lauterbach, könne bei BIS kaum die Rede sein. 75 Prozent der Aufträge kämen schließlich von den Müttern, der Bayer AG und Lanxess. Beide machten Rekordgewinne und seien dennoch nicht bereit, BIS auskömmliche Preise zu zahlen. „Bayer und Lanxess“, davon ist Lauterbach überzeugt, „stecken hinter den Zerschlagungsplänen, nicht etwa BIS selbst.“ „Bayer hat im Jahr 2005 sein Ergebnis um 56 Prozent, Lanxess das operative Geschäft ohne Sondereinflüsse sogar um 110 Prozent gesteigert.“ BIS könne nicht so gute Zahlen aufweisen. Das aber liege am Verhalten der beiden „Monopolauftraggeber“, die ihre Rekordergebnisse zum Teil auch zulasten von BIS erreicht hätten. Bayer-Chef Werner Wenning und der Lanxess-Vorstandsvorsitzende Axel C. Heitmann seien nicht bereit, die BIS-Mitarbeiter an den Rekordgewinnen teilhaben zu lassen. „Das soll allein an die Aktionäre gehen.“ Viele BIS-Mitarbeiter dagegen müssten künftig mit reduzierten Einkünften leben. „Und das sind die, die noch Glück haben.“ Er sei sicher, dass es in zwei, drei Jahren in den ausgelagerten Bereichen von BIS zu betriebsbedingten Kündigungen kommen werde, weil Bayer nicht bereit sei, Auftragsgarantien zu geben.

„Der kurzfristige Gewinn ist das Ziel, das ist die ganze Geschichte“, empörte sich Lauterbach. Wenn es dem Unternehmen gut gehe, wolle man nicht mit den Mitarbeitern teilen, sei der Konzern aber in der Krise, werde an die Solidarität der Belegschaft appelliert, kritisierte der Abgeordnete unter Anspielung auf die Lipobay-Krise.

Ihn jedenfalls habe das Gespräch mit BIS-Arbeitsdirektor Heinz Bahnmüller in keiner Weise überzeugt, erklärte der SPD-Politiker. Als „nicht dumm“ hingegen bezeichnete Lauterbach einige Gedanken von Bayer Health Care zur Gesundheitsreform. Allerdings hätten die Bayer-Argumente angesichts des Verhaltens des Konzerns in Sachen BIS „bei mir deutlich an Gewicht verloren“.
Die Bundesregierung müsse noch einmal über die Unternehmenssteuern nachdenken. Die bisherigen Entlastungen hätten die in Aussicht gestellten Arbeitsmarkt-Effekte nicht gehabt. Während der Bürger höhere Steuern und Beiträge zu tragen habe, wolle man die Unternehmen netto um weitere fünf Milliarden Euro entlasten. „Ich halte das für falsch“, erklärte Lauterbach und plädierte dafür, stattdessen in Bildung zu investieren. „Ich bin überzeigt, dass das für die Gesellschaft eine höhere Rendite bringt.“ VON RAINER SCHMIDT,

Rheinische Post, 26.10.2006

Bayer Industry Services: Eklat bei Abteilungsversammlung

Die Zukunft der einzelnen Abteilungen bei Bayer Industry Services ist ein sensibles Thema. Das sollte die Arbeitgeberseite spätestens nach der Demo und der großen gemeinsamen Betriebsversammlung am Dienstag erkannt haben.

Doch bei nicht allen Vorgesetzten scheint angekommen zu sein, wie viel an Emotionen sich in den letzten Wochen bei der Belegschaft angesammelt hat.
So kam es in der Abteilungsversammlung der vor dem Verkauf stehenden Technischen Betriebe gestern zum Eklat. Bis auf ein paar Dutzend hätten die rund 700 Teilnehmer demonstrativ die Veranstaltung am gestrigen Vormittag verlassen, bestätigte Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Feldmann Informationen unserer Zeitung. Grund des Protestes: eigentlich sollen die Betroffenen in den Abteilungsversammlungen Fragen stellen, die ins Detail gehen.
Doch der Vorgesetzte soll nach RP-Informationen lediglich die Ausführungen der Geschäftsführung von Dienstag wiederholt haben.
Derweil bestätigte ein Unternehmenssprecher, dass die Geschäftszahlen von BIS in diesem Jahr wegen des Konjunkturanstiegs besser sind als erwartet. So liegt der Umsatz rund zehn Prozent über Plan.
Trotzdem werde BIS am Jahresende mit einem Fehlbetrag von 17 Millionen Euro da stehen, rechnete der Unternehmenssprecher vor: den 18 Millionen Plus stünden Verpflichtungen von 35 Millionen (vor allem für Pensionsaufwändungen) gegenüber.

Stimmen aus dem Werk

Hallo Kollegen
Für mich ist eine Entscheidung gefallen. Ich habe gestern eine Verkaufsorder auf den 24.10.2006 für allen meine Bayeraktien gesetzt. Denn ich brauche keine Aktien von einem Unternehmen das sich nicht (mit mir) mit seinen Mitarbeitern identifizieren kann !
Ist eine persönliche Einstellung und ich hätte ein schlechtes Gewissen wenn ich Dividenden im nachsten April bekomme und dafür mußten so viele Kollegen gehen und Angst um ihre Existenz haben, nur damit der Akienkurs stimmt !!!

Ich denke, dass nun die Ernte eingefahren wird, die schon vor Jahren gesät wurde. Und mit immer derselben Salami-Taktik werden die Kolleginnen und Kollegen auseinander dividiert. So geht es Jahr für Jahr und niemand schreitet von den Funktionären der IGBCE voran. Ich bin der Meinung es reicht, kommt endlich mal hoch mit eurem hochbezahlten Arsch und setzt alle eure Mittel ein, um den betroffenen Kollegen von BIS zu helfen. Jeder der heute meint, es wäre nur ein BIS Problem den kann schon morgen das gleiche Schiksal ereilen. Lasst uns alle gemeinsam gegen diese fadenscheinige Firmenpolitik vorgehen. Unser Unternehmen ist kerngesund und fährt traumhafte Gewinne ein, hieran partizipieren aber nur noch die Kopfgesteuerten. Schluss damit lasst uns am besten zu Millionen nach Berlin maschieren und allen voran die Gewerkschaftsführer.
Ich hoffe für alle Betroffenen auf eine vernünftige Lösung.

Alle die mal „Unser Werk“ waren oder auch noch sind,sollten Ihre Meinung zu einem Streik kundtun.
Auch ich habe mich in über 30 Jahren von Bayer nach Lanxess hochgearbeitet??!!??
Ich persöhnlich habe die Schnauze voll und rufe unsere Gewerkschaft auf , Ihre Zurückhaltung aufzugeben.
Wir werden immer weiter zerschlagen und kleiner gemacht und irgendwann geht garnichts mehr. Wenn nicht jetzt wann dann? Vielleicht ist es unsere letzte Chance.

Es gibt nicht wenige, die endlich wissen wollen, wie es weitergeht. Die ewigen Gerüchte zehren doch an allen, aber die Geschäftsführung macht dicht. Ich habe noch die Parole im Ohr, dass zeitnah informiert wird und die BIS Grundsätze eingehalten werden.
Ein Scheiß wird gemacht, wir stehen nachher wie HR vor den Ergebnissen, und jeder muß schauen was für ihn dabei herumkommt und wie er damit umgeht. Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir schon Bundesweit Stellenangebote anschaue, zwar ist mein Job hier relativ sicher, aber ich hab keinen Bock mich unter Wert zu verkaufen.

25.10.2006, Rheinische Post

Leverkusen: IG BCE sieht Dämme brechen

VON ANDREA RÖHRIG

Laut hergegangen muss es sein auf der gestrigen Betriebsversammlung im Leverkusener Werk zu den Plänen der Geschäftsleitung von Bayer Industry Services. 4000 Teilnehmer – allesamt Betroffene des am Montag vorgestellten Strategieprojektes – waren es nach Schätzungen der Gewerkschaft IG BCE. Und viele machten ihrem Unmut gegenüber ihren Chefs Luft.

Von 10 bis ca. 13 Uhr hatte BIS-Geschäftsführer Dr. Klaus Schäfer Rede und Antwort gestanden. Auch dort soll der 43-Jährige noch einmal bekräftigt haben, dass das Programm schnell umgesetzt wird. Bereits Ende des Jahres sollen die Entscheidungen gefällt sein.

Doch der erste Gesprächstermin mit der Arbeitnehmervertretung am morgigen Donnerstag wurde bereits gecancelt, sagte BIS-Gesamtbetriebsratsvorsitzender Jörg Feldmann: „Wir haben als Betriebsrat jetzt erstmal ausführlichen Gesprächsbedarf mit unserer Gewerkschaft.“ Das Thema BIS interessiere die IG BCE bis in die Führungsebene, weil man befürchte, dass in Leverkusen erste Dämme brechen könnten, so Feldmann. Immerhin hatte man sich vor einiger Zeit mit der Unternehmensseite über eine Öffnung des Tarifs für die Logistik-Tochter Chemion mit ihren rund 1200 Beschäftigten verständigt. Nach seiner Information habe die Geschäftsführung beim Thema Chemion gestern etwas zurück gerudert. Hatte Schäfer am Montag noch keine Aussage zu einem möglichen Verkauf getätigt, habe es gestern geheißen, eine Veräußerung sowie die Suche nach einem strategischen Partner sei erst mal vom Tisch. Immerhin arbeite Chemion bereits schon eng mit „Rhenus“ zusammen, so Feldmann.

Tausende demonstrieren vor Bayer-Werk
Aber auch für so manchen Mitarbeiter, der zurück zu Bayer soll, könnte es knüppeldick kommen. Feldmann verwies auf rund 30 BIS-Beschäftigte, die das Erholungshaus managen. Für die sei ein Übergang in die Bayer Gastronomie im Gespräch, die ihre Mitarbeiter nicht nach dem Chemietarif bezahlten. Doppelt betroffen vom Sparpaket sei der Bereich der Flächen- und Gebäudeverwaltung. Diese rund 50 Beschäftigten, die unter anderem Hausmeisterdienste versähen, hätten gerade ein eigenes Sparpaket abgearbeitet. BIS bestätigte gestern einen RP-Bericht, 2008 werde man sich aus der eigenen Berufsschule zurück ziehen. Die Städte müssen Lösungen für 1000 Azubis suchen.

Am Montag trieb auch Mitarbeiter des IT-Dienstleisters Bayer Business Services die Sorge um, dass es im Hinblick auf die Fusion von Bayer und Schering bald ihnen an den Kragen geht. „Bayer Business Services befindet sich nicht in einer Situation, die vergleichbar ist mit der der Bayer Industry Services. Auslagerungen und Veräußerungen von Geschäftsfeldern oder Kündigungen stehen bei uns nicht zur Debatte“, sagte BBS-Sprecher Dietmar Bochert auf Anfrage: Zudem sei die Struktur nicht vergleichbar. BBS hat weltweit 4400 Mitarbeiter, 2000 arbeiten in Leverkusen. Hinzu kommen 500 bei vier BBS-Töchtern.

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[Zensur] Internet Zensur

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 31. Oktober 2006

Bayer AG lässt Website von Greenpeace sperren

Statt Proteste von Bürgern zu beherzigen, setzt die Bayer AG auf Zensur

Ohne rechtliche Befugnis hat der Agrar- und Pharmakonzern Bayer gestern die Greenpeace-Website www.einkaufsnetz.org sperren lassen. Am Vormittag startete Greenpeace eine Cyberaktion gegen gentechnisch veränderten Reis von Bayer. Bürger konnten ihren Protest gegen die Zulassung des Gen-Reises als Nahrungsmittel in Europa an den Vorstandsvorsitzenden der Bayer AG, Werner Wenning, mailen. Schon nach wenigen Stunden hatten hunderte von Cyberaktivisten Protest-Mails verschickt. Am Abend, gegen 18 Uhr, konnte die Website des Einkaufsnetzes, der Verbraucherorganisation von Greenpeace, nicht mehr aufgerufen werden. Die Bayer AG hatte diese über die Firma, die den Server der Greenpeace-Website betreibt, sperren lassen. Greenpeace wurde von keiner Seite über diesen Vorgang informiert.

„Anstatt die Ablehnung der Verbraucher gegen Gen-Reis ernst zu nehmen, nutzt die Bayer AG ihre Macht, um die Website sperren zu lassen“, sagt Greenpeace-Sprecherin Ulrike Brendel. „Offensichtlich benötigt die Bayer AG dringend Nachhilfe in Sachen Demokratieverständnis. Es existiert keine rechtliche Grundlage für die Sperrung einer unliebsamen Website.“ Nach Beschwerden von Greenpeace und der Firma, die die Website technisch betreut, wurde die Seite heute gegen elf Uhr wieder aktiviert.

Greenpeace hatte im September illegalen Gen-Reis der Bayer AG bei Aldi Nord gefunden. Inzwischen haben auch die staatlichen Behörden in mindestens 45 Proben illegalen Gen-Reis nachgewiesen. Der Gen-Reis, der keine Zulassung für Anbau und Verzehr hat, breitete sich unkontrolliert in herkömmlichen Reis aus. „Anstatt aus diesem Skandal eine Lehre zu ziehen, will die Bayer AG jetzt eine Zulassung für Gen-Reis in Europa durchsetzen“, sagt Brendel.

Achtung Redaktionen: Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an Ulrike Brendel, Tel. 0171-8780 844. Das Protest-Schreiben gegen gentechnisch veränderten Reis von Bayer finden Sie unter: http://de.einkaufsnetz.org/gentechnik/lebensmittel/23490.html

siehe hierzu auch: Bayer würgt kritische Homepage ab

[GenReis] GenReis Fund

CBG Redaktion

30. Oktober 2006, Greenpeace

Gen-Reis lagert im Hamburger Hafen / Bayer AG ist verantwortlich!

Nach einer bundesweiten Rückrufaktion lagert illegaler genmanipulierter Reis der Firma Bayer nach Recherchen von Greenpeace im Hamburger Hafengebiet. Der Gen-Reis LL601 soll nach Auskunft des Reishandelsunternehmens Euryza GmbH möglicherweise zur weiteren Verwendung als Nahrungsmittel exportiert werden.

Euryza-Reisprodukte wurden in den vergangenen Wochen bundesweit aus Supermärkten entfernt, nachdem Greenpeace und die staatlichen Überwachungsbehörden Verunreinigung mit der nicht zugelassenen Gen-Reis-Sorte festgestellt hatten. Die Auswirkungen von LL601-Reis auf die menschliche Gesundheit sind bisher nicht erforscht. Der Reis darf weder angebaut, noch als Nahrungsmittel verkauft werden. Greenpeace fordert, dass die kontaminierten Lagerbestände im Hamburger Hafen umgehend vernichtet werden.

„Es droht eine globale und illegale Kreislaufwirtschaft mit Gen-Reis“, sagt Gentechnik-Experte Christoph Then. „Exportierter Gen-Reis kann erneut mit konventionellem Reis vermischt und mit neuer Verpackung wieder auf den Markt gebracht werden. Die fortschreitende Verunreinigung eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Welt muss unverzüglich gestoppt werden.“ Erst Anfang Oktober hatte Greenpeace den Gen-Reis von Bayer auch in Dubai und Kuwait gefunden.

Nach einem anonymen Hinweis auf eine Lagerhalle im Hamburger Hafengebiet wurden Greenpeace-Aktivisten rasch fündig: Auf dem Gelände lagen Reiskörner lose auf einem Parkplatz. Eine Laboranalyse ergab, dass es sich tatsächlich um die Gen-Ware handelt. Auf Rückfrage hat die Firma Euryza bestätigt, dass auf dem Gelände der kontaminierte Reis gelagert wird. Die Hamburger Lebensmittelüberwachung teilte mit, den Vorgang kritisch zu verfolgen. Bislang würden jedoch gesetzliche Regelungen für den weiteren Umgang mit der Ware fehlen.

Nach Ansicht von Greenpeace ist es notwendig, den Verursacher des Gen-Reis-Skandals, den deutschen Pharma- und Agrarkonzern Bayer, für die entstandenen Schäden in die Haftung zu nehmen. Die Firma Bayer will gentechnisch veränderten Reis, der gegen Spritzmittel resistent gemacht wurde, zukünftig auch in Europa vermarkten. Der Gen-Reis hat bereits erhebliche wirtschaftliche Schäden allein auf dem deutschen Markt verursacht. Laut Schätzung des Bundesverbandes von Nährmittel aus Getreide und Reis wurden rund 10.000 Tonnen Reis in Rückrufaktionen vom deutschen Markt genommen. Der Verband schätzt nach einer kleinen Anfrage der Grünen an die Bundesregierung den in Deutschland entstandenen Schaden (Kosten für Rückruf und Lagerung) für die Lebensmittelwirtschaft auf rund zehn Millionen Euro. Viele Reis-Mühlen und Handelsunternehmen meiden inzwischen konsequent Reis aus den USA. Langfristig können auch Schäden für die Umwelt und menschliche Gesundheit nicht ausgeschlossen werden.

Interessierte Verbraucher können sich heute den Protesten von Greenpeace anschließen und die Firma Bayer unter www.einkaufsnetz.org auffordern, für den Gen-Reis zu haften und die Vermarktungsanträge für Gen-Reis in der EU zurückzuziehen.

Lesen Sie hierzu auch einen Brief an die europäische Lebensmittelbehörde EFSA: Gen-Reis von Bayer nicht in der EU zulassen!