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BAYERs Herbstbilanz

CBG Redaktion

Weniger Jobs, mehr Gewinn

Am 12. November 2025 präsentierte der BAYER-Konzern die Zahlen für das dritte Quartal des Jahres. Sein Rationalisierungsprogramm mit den massiven Arbeitsplatzvernichtungen sorgte an den den Börsen für gute Stimmung, die nicht einmal der Zuwachs an Glyphosat-Klagen trüben konnte.

Von Jan Pehrke

BAYERs fortlaufende Arbeitsplatzvernichtungen lassen die Margen steigen. Im dritten Quartal 2025 legte der Gewinn vor Sondereinflüssen um 20,8 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro zu. „Beim Ergebnis profitierten wir von Effizienz-Steigerungen durch das neue Organisationsmodell und Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität“, so der Vorstandsvorsitzende Bill Anderson. Zusammen hat das seit Anfang 2024 nicht weniger als 13.500 Jobs gekostet. „Unser Unternehmen wird immer schlanker, effizienter, schneller und fokussierter“, resümierte der US-Amerikaner.

Den größten Aderlass musste die Agro-Sparte über sich ergehen lassen. Im Mai 2025 hatte der Konzern einen Fünfjahresplan mit einem klaren Ziel auf den Weg gebracht: 3,5 Milliarden Euro mehr Umsatz und eine Milliarde Euro mehr Gewinn bis zum Jahr 2030. Zu den Bestandteilen des Rationalisierungsprogramms gehören unter anderem die „Straffung des Produkt-Portfolios“ und eine „Optimierung des Produktionsnetzwerks“. Als erstes verkündete das Unternehmen, die Pestizid-Produktion in Frankfurt mit den 500 Beschäftigten aufzugeben und in Dormagen 200 von 1.200 Stellen zu streichen. 

Erste bittere Früchte trug das bei BAYER CROP SCIENCE bereits jetzt. Durch „niedrigere Herstellungskosten und Kostenreduktion“ erreichte der Gewinn vor Sondereinflüssen „fast das Fünffache des Vorjahreszeitraums“, wie der Agro-Riese jubiliert. Auf 172 Millionen Euro stieg der Ertrag. „[S]tarkes Wachstum im Bereich Maissaatgut und Pflanzen-Eigenschaften“ vermeldet der Quartalsbericht und nennt als Gründe die Ausweitung von Anbauflächen in Nordamerika und einen guten Saisonstart in Lateinamerika. 

Die florierenden Mais-Geschäfte gehen dabei auf den Handelskonflikt zwischen China und den USA zurück. Weil das asiatische Land als sonstiger Großabnehmer von Soja auf die Zoll-Erhöhungen der Trump-Administration mit einem Import-Stopp reagierte, bauten die US-Landwirt-Innen verstärkt Mais an. Auch bei den nicht glyphosat-haltigen Herbiziden verzeichnete BAYER Zuwächse, während der Glyphosat-Absatz auf Vorjahres-Niveau blieb.

Allerdings sank der Umsatz der Agrar-Sektion leicht, weil die zuständigen Behörden zwei Pestizide wegen ihrer Risiken und Nebenwirkungen aus dem Verkehr zogen. Konkret erhielt das Insektizid MOVENTO in der EU keine Zulassung mehr, weil es fruchtschädigend wirkt und die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann. Und in den USA zog die Umweltbehörde EPA das Herbizid Dicamba vorerst aus dem Verkehr, das BAYER hauptsächlich in Kombination mit gentechnisch gegen die Substanz immunisierten Gewächsen anbietet. Das Mittel hatte nämlich eine Spur der Verwüstung hinterlassen, weil es nach dem Ausbringen nicht einfach an Ort und Stelle bleibt. Die Chemikalie verflüchtigt sich und treibt zu Ackerfrüchten hin, die gentechnisch gegen den Stoff nicht gewappnet sind und deshalb eingehen.  Das verursachte immense Ernte-Schäden und zwang die EPA zu handeln. Der Leverkusener Multi erläutert diese Umstände natürlich nicht. Bei MOVENTO spricht er schlicht von „Ablauf der Registrierung“ und bei Dicamba lediglich von „regulatorische(n) Auswirkungen infolge der ausgesetzten Zulassung“.

Die weiteren Aussichten in dem Segment bewertet der Vorstand ebenfalls positiv, „vor allem durch Glyphosat getrieben“. Da bei dem umstrittenen Herbizid die Gewinn-Spanne nicht besonders groß ist und es vor allem die Masse macht, rechnet der Global Player durch die Absatz-Steigerung allerdings mit einer Verwässerung der Marge. In jedem Fall zieht er in der Sparte aber den Fünfjahresplan weiter ohne Rücksicht auf Verluste durch: Anderson kündigte die Einstellung der Herstellung von 120 Produkten und die Ausgliederung der Produktion von 12 Wirkstoffen an.

Im Pharma-Bereich hielt sich der Umsatz mit 4,33 Milliarden Euro auf Vorjahres-Niveau. Allerdings sank das Ergebnis vor Sondereinflüssen um 5,2 Prozent auf rund eine Milliarde ab. BAYER macht dafür hauptsächlich negative Währungseinflüsse sowie höhere Aufwendungen für Forschung & Entwicklung geltend. Zudem konnten das Rationalisierungsprogramm und positive Entwicklungen beim Absatz der Prostatakrebs-Arznei NUBEQA, des Nieren-Therapeutikums KERENDIA und des Langzeitverhütungsmittels MIRENA die schlechteren Geschäfte mit dem Gerinnungshemmer XARELTO und dem Augen-Pharmazeutikum EYLEA, deren Patente ablaufen, nicht aufwiegen. Auf dem US-amerikanischen Markt wirkten sich überdies die von der Biden-Administration im Rahmen des „Inflation Reduction Acts“ initiierten Preis-Reduzierungen für den Milliarden-Seller XARELTO und einige andere Medikamente profit-mindernd aus. 

Im vierten Quartal will der Konzern die misslichen Folgen des wegfallenden Patentschutzes für XARELTO und EYLEA allerdings schon durch die Markt-Eintritte von LYNKUET gegen die „Krankheit“ Wechseljahresbeschwerden und der Herz/Kreislauf-Arznei BEYONTTRA aufgefangen haben. Allerdings muss BAYER dafür so kräftig in Werbung investieren, dass darunter die Marge der Sparte leidet, wie Finanzvorstand Wolfgang Nickl vorsichtshalber schon einmal ankündigte.

Das Segment mit den frei verkäuflichen Arzneien wie ASPIRIN sorgte für einen Umsatz von 1,4 Milliarden Euro (plus zwei Prozent) und für einen Gewinn vor Sondereinflüssen von 363 Millionen Euro (plus 0,8 Prozent). Damit fiel es hinter die Prognose zurück, weshalb der Konzern sie für das Gesamtjahr von Consumer Health nach unten korrigieren muss. Aber die Gewinn-Marge von 23 bis 24 Prozent steht felsenfest, versicherte Nickl den Finanzmärkten. Ein „zunehmend herausforderndes Marktumfeld in den Kernmärkten in Nordamerika und Asien/Pazifik [gemeint ist zuvorderst China, Anm. SWB]“, führte das Unternehmen als Ursache für die Nichterfüllung der Erwartungen an.

Trotz dieser kleinen Widrigkeiten erwirtschafte BAYER also einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro vor Sondereinflüssen. Nach den Sondereinflüssen kamen die Zahlen allerdings ins Rutschen. Minus 963 Millionen weist der Global Player hier aus. Er macht dafür hauptsächlich die Notwendigkeit verantwortlich, für die Schadensersatz-Prozesse in Sachen „Glyphosat“ und andere Rechtsstreitigkeiten höhere Rückstellungen zu bilden. Bis zu vier Milliarden Euro veranschlagt das Unternehmen hierfür. Zu den 61.000 Glyphosat-Klagen sind nämlich im neuen Quartal noch weitere 4.000 dazugekommen. Darüber hinaus gestalten sich auch die Prozesse um die Risiken und Nebenwirkungen der Industrie-Chemikalie PCB nicht im Sinne des Konzerns. Erst Ende Oktober 2025 verurteilte ihn der Oberste Gerichtshof des Bundesstaates Washington zur Zahlung von 185 Millionen Dollar Schadensersatz an einen Lehrer.

Was den „Rechtskomplex“ Glyphosat angeht, zeigte sich der BAYER-Chef zuversichtlich. Er nahm „Fortschritte bei unserer mehrgleisigen Strategie“ wahr und konnte die wenig später auch verbuchen (siehe S. 6). Dabei versteht der US-Amerikaner unter „mehrgleisig“, nicht nur juristisch um das Herbizid zu kämpfen, das im dritten Quartal 2025 für einen Umsatz von 667 Millionen Euro sorgte, sondern auch politisch. So schaffte es die Aktien-Gesellschaft mit enormem Lobby-Aufwand, in den Bundesstaaten Georgia und North Dakota Gesetze zu lancieren, die Glyphosat einen Immunitätsstatus verleihen, bzw. „für mehr Klarheit in Bezug auf die Regulierung essenzieller Pflanzenschutzmittel in der US-Landwirtschaft sorgen“, wie Bill Anderson sich ausdrückte. Es gelang dem Agro-Riesen sogar, in das Haushaltsgesetz einen entsprechenden Passus einzuschmuggeln. Der Appell der Demokraten-Politikerin Chellie Pingree: „Lasst uns diesen Zusatz in Stücke reißen! Lasst uns eine klare Botschaft senden, dass wir nicht zulassen werden, dass umweltverschmutzende Unternehmen die Wahrheit über krebserregende Chemikalien verbergen, und dass wir immer für die öffentliche Gesundheit kämpfen werden statt für den Reichtum von Unternehmen!“ fand keine Mehrheit. Gerne hätte Anderson die frohe Botschaft schon bei der Präsentation der Dreivierteljahres-Bilanz verkündet, aber der „Shutdown der Regierung hat die Arbeit im Kongress verzögert“.

Ansonsten bekräftigte er trotz empfindlicher Einbußen im Geschäft mit den nicht verschreibungspflichtigen Arzneien die Gewinn-Erwartungen. „Insgesamt sind wir in diesem richtungsweisenden Jahr gut aufgestellt, die Konzern-Prognose für 2025 zu erreichen“, resümierte der Ober-BAYER. 

Der politische Ausblick blieb indes vage. Finanz-Vorstand Wolfgang Nickl regis-trierte zwar mehr Klarheit, was die US-Zölle auf Medikamente aus EU-Ländern angeht, sah aber noch viele offene Fragen andere Produkte betreffend. Gleichwohl versicherte er, BAYERs „bereichsübergreifende Teams haben bewiesen, dass sie die Situation beherrschen. Sie konnten die möglichen Effekte in diesem Jahr eingrenzen“. Zusätzliche Sorgen bereiten ihm die Wirtschaftsbeziehungen zwi schen den USA und China, seien doch beide Länder „für unsere Mission sehr wichtig“.

„BAYER ist operativ im Aufwind“, konstatierte die Wirtschaftspresse und auch die Finanzmärkte reagierten positiv auf den Quartalsbericht. Der BAYER-Kurs stieg, und das Portal Ariva.de fragte bereits: „Aktie vor neuer Rallye?“. ⎜