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CBG bei „Wir haben Agro-Industrie satt“

CBG Redaktion

Vereint gegen Big Agro

Auch 2026 reiste die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN wieder nach Berlin und trat dort für ein Landwirtschafts- und Ernährungssystem ein, das nicht mehr von ALDI, BAYER, CARGILL und Konsorten dominiert ist. 

Von Jan Pehrke

Bei den diesjährigen Gegenveranstaltungen zur „Grünen Woche“ mit der traditionellen „Wir haben Agro-Industrie satt“-Demonstration als Höhepunkt bildete die Macht-Konzentration im Nahrungsmittel-Bereich einen Schwerpunkt. Deren Risiken und Nebenwirkungen geraten nämlich immer mehr in den Fokus. So stellte der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Michael Fakhri, Mitte Oktober 2025 bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen seinen Bericht „Konzern-Macht und Menschenrechte im Nahrungsmittel-Sektor“ vor, der mit einem alarmierenden Befund aufwartete. „Die Macht der Unternehmen im Nahrungsmittel-Sektor ist stark konzentriert, sodass eine relativ kleine Gruppe von Menschen die Nahrungsmittelsysteme so gestalten kann, dass sie dem obersten Ziel der Gewinnmaximierung dienen und nicht dem Gemeinwohl“, hielt Fakhri fest. Eindringlich wartete er deshalb vor den Folgen dieser Entwicklung für das Recht auf Nahrung.

Im Vorfeld hatte der UN-Sonderberichterstatter Initiativen aus der ganzen Welt um Input zu dem Konzernmacht-Report gebeten. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat sich gemeinsam mit FIAN beteiligt. Aber nicht nur deshalb findet der BAYER-Konzern in dem UN-Dokument als nicht gerade kleiner Teil des Problems Erwähnung, beherrscht er doch 23 Prozent des globalen Saatgut-Geschäfts und 15 Prozent des Pestizid-Geschäfts. Die Top 4 in beiden Bereichen kommen dem Bericht zufolge zusammen auf Marktanteile von 56 bzw. 61 Prozent.

Kaum mehr als einen Monat später veröffentlichte die Monopolkommission dann ihr Sondergutachten „Wettbewerb in der Lebensmittel-Lieferkette“ und sah angesichts des Ergebnisses Handlungsbedarf. „Diese Markt- und Machtveränderungen in der Lebensmittel-Lieferkette machen aus Sicht der Monopolkommission eine wirksamere Kontrolle gegen Machtmissbrauch erforderlich“, hielt sie fest.

Dementsprechend hieß es im Aufruf der Coordination zur „Wir haben Agro-Industrie satt“-Demonstration: „Fast alle Bereiche der Agrar-Wirtschaft dominieren einige wenige Konzerne – mit fatalen Folgen für Mensch, Tier und Umwelt. Dagegen gilt es am 17. zu protestieren.“ Dabei thematisierte die CBG nicht nur die oligopol-artigen Strukturen in den Terrains von BAYER wie etwa dem Saatgut- und Ackergift-Segment, sondern auch die vergleichbaren Phänomene in den Sektoren „Ackerflächen“, „Tier-Arzneien“, „Mast-Geflügel“, „Lebensmittel-Einzelhandel“ und „Traktoren“. „Dieses agro-industrielle Modell sorgt für rund 30 Prozent aller Treibhaus-Emissionen, vergiftet die Gewässer, laugt die Böden aus und macht die Menschen krank“, so ihr Resümee.

In Berlin selbst kam das alles am 12. Januar im Rahmen der Präsentation des „Konzernatlas“ bei der „Heinrich Böll Stiftung“ zur Sprache. „[E]in Problem, das dringend – so meinen wir – mehr politischer Aufmerksamkeit bedarf“, nannte Imme Scholz vom Stiftungsvorstand da die „Konzentration von Markt-Macht in der Hand weniger großer Player vom Saatgut bis zum Supermarkt“. 

Bei der Vorstellung des „Kritischen Agrarberichts 2026“ stand das Thema ebenfalls auf der Tagesordnung. „[E]ine große systemische Übermacht“ wurde da ausgemacht und die Frage aufgeworfen, wie es unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt noch möglich ist, Politik zu machen.

Die Agrarwissenschaftlerin Sophie von Redecker machte den Vorschlag, Zwischenräume zu nutzen. Als positives Beispiel dafür nannte sie LA VIA CAMPESINA, die Bewegung der Kleinbauern und -bäuerinnen. 

Diese setzen von Redecker zufolge nämlich im Kleinen ein ökologisches und soziales Modell von Landwirtschaft um, das der Konzern-Macht etwas entgegensetzt und sich der Ernährungssouveränität verpflichtet sieht. „Sie erzeugen Hoffnung und begründen diese materiell durch ihr Tun“, schreiben sie und Anne Klingenmeier in ihrem Beitrag zum Agrarbericht. 

Einige zeigten sich selbst bei der nicht eben aussichtsreichen Lage unverdrossen und gaben die Losung aus: „Bleibet auf dem Lande und wehret euch täglich“. Nicht wenige wiederum motivierte die gegenwärtige Konstellation zu einem „Jetzt erst recht“.

Für die CBG stand in der Woche auch noch anderes an. So besuchte sie einen Workshop zu PFAS, den der grüne Bundestagsabgeordnete Karl Bär abhielt. Der BAYER-Konzern gehört nämlich weltweit zu den zwölf größten Produzenten dieser Ewigkeitschemikalien. Zahlreiche seiner Pestizide enthalten solche Stoffe, die massive Gesundheitsstörungen verursachen können. Dazu zählen unter anderem Krebs, eine Schwächung des Immunsystems, Fruchtbarkeitsstörungen, Schädigungen des Embryos im Mutterleib, Herz/Kreislauferkrankungen, Diabetes und Leber-Krankheiten. 

Die Bemühungen der PolitikerInnen, diesen Gefahren entgegenzutreten, schätzten die Workshop-TeilnehmerInnen als arg defizitär ein. Seit Anfang Januar 2026 gilt zwar ein EU-weiter Grenzwert für PFAS-Rückstände in Gewässern, aber ansonsten geschieht in Brüssel kaum etwas. Deutschland, Norwegen, die Niederlande, Dänemark und Schweden haben ihren ursprünglich strengen Regulierungsvorschlag inzwischen abgeschwächt, und selbst diese Light-Version steht angesichts der derzeitigen Deregulierungswelle vor einer ungewissen Zukunft.

Auf die Agenda der großen „Wir haben Agroindustrie satt“-Demonstration am 17. Januar setzte die Coordination die Pestizid-Nebenwirkung „Parkinson“. „Parkinson für die Bauern – Profite für BAYER & Co.“ stand auf ihrem Transparent zu lesen. Seit dem März 2024 ist es nämlich offiziell: Agro-Chemikalien können krank machen, denn in diesem Monat empfahl der „Sachverständigenbeirat Berufskrankheiten“ (ÄSVB), „Parkinson-Syndrom durch Pestizide“ bei LandwirtInnen als Berufskrankheit anzuerkennen. Das steht jetzt auch, wenngleich es den Agro-Riesen auf den letzten Drücker noch gelang, Abschwächungen – bzw. „vereinzelt Ergänzungen“ durchzuboxen. So lautet die genaue Bezeichnung der Berufskrankheit nun „Parkinson-Syndrom durch langjährig, häufig und selbst angewendete Pestizide“, was die Anerkennungsrate senken dürfte. Besonders hoch ist diese eh nicht. Eine Zahl von 550 Fällen meldete die „Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau“ (SVLFG) im Januar. 1.100 Anträge lehnte sie ab, verursacht die Krankheit doch enorme Kosten. Nicht zuletzt deshalb erhöhte die SVLFG ihre Beiträge im letzten Jahr um satte 20 Prozent. Für die CBG stellt das keine Lösung dar. Sie tritt dafür ein, dem Verursacherprinzip Geltung zu verschaffen und fordert, BAYER & Co. an den finanziellen Lasten zu beteiligen.

Rund 8.000 Menschen gingen an dem Tag für eine Agrar-Wende auf die Straße. Eine Kolonne von 45 Treckern führte sie an. Deshalb zogen die VeranstalterInnen eine positive Bilanz: „Gemeinsam haben wir es auch dieses Jahr wieder geschafft, unseren Protest laut, bunt und inhaltsstark öffentlich zu machen“. Dann also bis zum nächsten Mal, Berlin. ⎜