Christoph Koch (Imker) 10 Jahre dokumentierte Bienenvergiftung durch BAYER-Produkte
Sehr geehrter Vorstand,
sehr geehrter Aufsichtsrat,
sehr geehrter Herr Baumann und Herr Wenning,
meine sehr geehrten Damen und Herrn Aktionäre,
mein Name ist Christoph Koch, und dies ist jetzt mein 10ter Auftritt in dieser Arena.
Ich spreche zu ihnen zum einen als Berufsimker, Aktionär und im Namen des deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbundes sowie der EU-weiten Imkervertretung, dem EPBA.
10 Jahre und endlich ein Ende?
Die EU hat nun die drei giftigsten Neonics im Freiland verboten! Das haben wir nun heute schon oft gehört.
Am 17.5. noch ne weitere Schlappe!
Der EuG hat ihre Klage abgewiesen, das Verbot ist also rechtens
Und Sie haben nun ihre gewünschte Rechtssicherheit. Schön!
Wie viele Studien wurden bewertet?
Etwa 1000? Stimmt das, Herr Baumann?
Wie viele dieser Studien, welche die EFSA da bewertete, sind von der BAYER AG finanziert worden?
Keine?
Wie viele Studien hat BAYER in Sachen Neonics überhaupt beauftragt?
Weltweit?
Wie viel Geld wurde dafür über all die Jahre hinweg ausgegeben?
Herr Baumann, haben Sie eigentlich keine guten Anwälte ins Rennen geschickt?
Haben die 6.000 Seiten Papier nix genützt? Oder waren es mehr?
Sagen Sie uns mal im Detail, was dies nun alles den Konzern gekostet hat?
Und dann bitte etwas über die nun eintretenden Umsatzverluste bei Imidacloprid und Clothianidin.
Herr Baumann sie erwähnten vorhin ihre massiven Umsatzeinbußen in Brasilien. Haben diese nicht zuletzt auch etwas mit den dortigen Neonic-Verboten zu tun?
Meine Damen und Herrn Aktionäre, BAYER hat bis zuletzt das Insektenproblem durch diese Wirkstoffe abgestritten, und nun ist es trotzdem passiert!
Warum nur?
Warum nur tut sich BAYER dieses Killerimage immer noch an?
Haben Sie sich das schon einmal gefragt, meine Damen und Herrn Aktionäre?
Nach 10 Jahren immer noch so zu tun, als seien es ganz andere Dinge, das funktioniert nun nicht mehr!
Krankheiten sollen es sein, und somit unfähige Imker.
Aber haben Hummeln auch zu doofe Imker?
Haben es Wildbienen?
Herr Baumann, es waren die Imker, welche das Neonics-Problem thematisiert haben. Und nun fällt uns auf, dass die Banker hier zusehends unsere Kritik unterstützen.
Stimmt es, Herr Baumann, dass beim Verbot von Gaucho in Frankreich die pneumatische Sätechnik bereits ein Thema war?
Wann war das Verbot genau? 1997? Oder 1999? Klären Sie uns bitte auf!
Stimmt es auch, Herr Baumann, dass im September 2002 in Bologna der Beizmittelaustrag aus den pneumatischen Sämaschinen ein Thema war?
ICPBR – was steckt dahinter? Klären Sie uns auf.
Ist es richtig, Herr Baumann, dass es erst nach 2008 zu Auflagen bei der Sätechnik gekommen ist? Geschah diese Änderung auf Initiative der BAYER AG? Oder wer hatte das veranlasst? Und warum? Sie können sich rausreden, dass es Bewertungen des BVL bzw. JKI sind, und BAYER hier keinen Einfluss hat. Haben die also den schwarzen Peter?
Ist es richtig, Herr Baumann, dass im Pollen-Monitoring der Landesanstalt für Bienenkunde der Uni Hohenheim heute immer noch Methiocarb, der Wirkstoff von MESUROL, gefunden wird? Wie erklären Sie sich das, Herr Baumann?
Wenn also dieser Wirkstoff im Pollen der Honigbienen zu finden ist, kommt dieser auch zu den Wildbienen. Oder sehen Sie das anders, Herr Baumann? Ist das richtig umgesetzter Bienenschutz?
Sie engagieren sich auf der einen Seite für Bienenschutz durch das Anlegen von Blühstreifen und bestehen dann darauf, dass das Ausbringen von bestäuberinsekten-gefährlichen Präparate in die offene Blüte von Raps und Obst weiterhin uneingeschränkt möglich ist?
Wie geht so eine verbogene Bienenschutzstrategie?
Wie lange hält so was der öffentlichen Kritik überhaupt noch stand?
Wann genau steigt BAYER also aus? Raus aus der jetzigen Art von Pflanzenschutz?
Und wann stoppen Sie unter diesem Aspekt die Neonics-Produktion?
Wollen Sie hier weiter abwarten, bis von außen weitere Verbote kommen?
In Ihrem Vorspann-Video loben Sie ihre digitalen Errungenschaften im Pharma-Bereich, und gleichzeitig müssen Sie ihre eigene digitale Pflanzenschutzabteilung an ihren Wettbewerber BASF verkaufen? Ist das richtig? Wie ist denn dass nun zu verstehen? Und warum? Ist das zukunftsorientiert?
Meine Damen und Herrn Aktionäre, die Bedeutung der blüten-besuchenden Insekten mag vielen von ihnen vielleicht nicht ganz bewusst sein. Ein Supermarkt hatte vor kurzem alle Produkte, welche mit Bestäubung zusammenhängen, aus den Regalen genommen. Auch Baumwolle war dabei, und auch Kosmetik. Viel war da nicht mehr in den Regalen übrig!
Herr Baumann, es waren wir Imker, welche das Neonics-Problem thematisiert haben.
Seit ich hier aktiv bin, waren Sie immer da oben zu sehen. Sie wissen also alles rund um die Fragen von uns Imkern. Wir sollten daher auf diesen Erfolg mal einen zusammen trinken!
Unsere Honigbienen sind nur ein Bruchteil der Insektenwelt. Den Wohlstand, den wir unseren Bienen verdanken, wird wohl auch von niemand in Frage gestellt.
Bienenschutz sei wichtig, sagt mir die BAYER AG nun schon seit 10 Jahren. Über den Weg, den BAYER dabei geht. sind viele nicht begeistert. Das haben Sie auch am Eingang erlebt.
Mag sein, meine Damen und Herrn Aktionäre, dass Sie der Rauch gestört hat. Unseren Bienen raucht es schon lange, was es da an Stilblüten im Bienenschutz inzwischen gibt. Sie sollten davon einfach mal einen Eindruck gewinnen.
Wenn Sie, meine Damen und Herrn Aktionäre, unser Anliegen unterstützen wollen, dann zeigen Sie die Rote Karte und verweigern Sie diesem Vorstand Ihre Entlastung und unterstützen Sie die entsprechenden Anträge!
Vielen Dank für Ihre geschätzte Aufmerksamkeit!
Es güßt Sie ihr Spätzle-Imker
Christoph Koch
Mein Kommentar zu den Antworten von Herrn Baumann:
das Allerwichtigste zuerst: Auf meine Einladung, den Erfolg des Neonics-Verbotes mit einem Bierchen zu begießen, hat Baumann nicht reagiert. Das heißt nicht, dass da nicht noch was kommen kann. Aber vielleicht trinkt er auch kein Bier….? Mal sehen, ob es mit Wein funktioniert.
Ganz interessant war, dass Baumann zugegeben hat, dass BAYER seit 2002 von den Problemen mit den pneumatischen Sämaschinen weiß. Dass (Baumann wörtlich) „Wirkstoffe bei den (Honig-)Bienen ankommen“, hatte Baumann also auch zugegeben, er betonte aber im gleichen Atemzug, dass diese Mengen an gefundenen PSM im Pollen so gering sind, dass keine Schäden zu erwarten sind.
Demnach könnte es also doch Probleme geben? Na ja. Wer weiß, was das aber für Folgen für die Wildbienen hat? Und was BAYER unter einer Schädigung überhaupt versteht?
Es waren also in der Tat 1.000 Studien. Es waren auch einige BAYER-Studien dabei. Auch welche, die für die Zulassung relevant waren. Und das Ganze hat rund 1,5 Million € gekostet.
Dann kam wieder diese alte Leier, bei sachgerechter Anwendung sind ihre Produkte bienensicher!
Schlechte Anwälte hat BAYER nicht, sagte Baumann. Gekostet hat BAYER der Rechtsstreit mit der EU rund eine Million €. Neonics machen nur 1,5 % der Agro-Sparte aus.
Die Verluste in Brasilien haben nichts mit einem teilweisen Neonics-Verbot dort zu tun. Trockenheit und anders soll es gewesen sein.
Digitaler Pflanzenschutz ist für BAYER wichtig, aber eben nur ein Baustein neben Saatgut und innovativen PSM.
BAYER ist vom Neonics-Verbot enttäuscht und wird nun intern prüfen, ob rechtliche Schritte geplant sind. Da sind wir mal gespannt, mit welchen Argumenten sie da noch kommen wollen.
Die PSM sind alle mit umfangreichen Tests auf Bienenverträglichkeit getestet, und von daher auch kein Problem.
Das übliche Ja,aber!
Gefreut hat mich, dass alle Fonds-Manager, welche ans Mikrofon getreten sind, sich über das Bienenkillerimage Sorgen machen. Sie haben, wie die Julia Klöckner oder auch Merkel, inzwischen verstanden, um was es genau geht. Das ist gut so, und man kann sagen, nach 10 Jahren harten Kämpfen hat es sich gelohnt, hier hartnäckig zu bleiben. Das verdanken wir auch den Medien, welche dieses Jahr weit präsenter waren. Es waren schon etliche mehr als alle Jahre davor zusammen. Das miese Image von Monsanto spielte da natürlich primär die größere Rolle. Wir Imker waren stark, den Rauch hat man gespürt. Schöne Bilder gab es auch.
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Karl Bär (Umweltinstitut München) Die Gefahren von Sivanto
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre,
mein Name ist Karl Bär, ich bin Referent für Agrar- und Handelspolitik beim Umweltinstitut München, und ich habe ein paar Fragen zur Geschäftstätigkeit im vergangenen Jahr, insbesondere zur Markteinführung und zu Teilverboten von Insektengiften.
Ich beginne mit einer technischen Frage zum Insektizid Flupyradifuron, das Bayer unter dem Markennamen Sivanto vermarktet: Es handelt sich ja um einen systemischen Wirkstoff, der in Insekten den nicotinischen Acetylcholin-Rezeptor blockiert. Damit erfüllt es meines Wissens alle Voraussetzungen, um in die Gruppe der Neonicotinoide eingeordnet zu werden. Warum also wird Flupyradifuron in den Veröffentlichungen von Bayer nicht als Neonicotinoid bezeichnet? Ist das ein reiner Marketingtrick, oder gibt es dafür eine wissenschaftliche Grundlage?
Die Frage ist wichtig, weil es in Frankreich ein Gesetz zum Schutz der Artenvielfalt gibt, das Neonicotininode verbietet. Letzten Sommer ist in Frankreich die Markteinführung vom Konkurrenzprodukt Sulfoxaflor gescheitert, weil die Abwägung zum Insektenschutz im Zulassungsverfahren mangelhaft war. Das Verwaltungsgericht, das das festgestellt hat, hat den Wirkstoff als Neonicotinoid bezeichnet. Die Herstellerfirma Dow hatte auf genau denselben Trick gesetzt wie Bayer bei Flupyradiforun und für Sulfoxaflor extra eine neue Wirkstoffklasse erfunden. Die Entscheidung in Frankreich ist konsequent: Wenn wir das Insektensterben aufhalten wollen, dann dürfen solche Produkte nicht auf den Markt. Herr Baumann: Sie können jetzt noch zwanzig Mal sagen, dass es keinen Zusammenhang zwischen dem großflächigen Versprühen von Insektengiften und dem Insektensterben gibt. Das wird dadurch nicht logischer und auch nicht glaubwürdiger. Meine Frage an den Vorstand ist: Welche Strategie hat Bayer für die Markteinführung von Sivanto, während in Europa die Diskussion um das Insektensterben tobt?
Meine dritte Frage bezieht sich auf ein Verwaltungsgerichtsverfahren in Deutschland. Das Umweltinstitut hatte das „Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit“ gefragt, ob ihm Zulassungsanträge für Pestizide mit dem Wirkstoff Flupyradifuron vorliegen. Das Amt hat uns die Auskunft verweigert, und wir haben nach dem Umweltinformationsgesetz auf die Information geklagt. Das BVL hat in dem Verfahren lustlos, aber konsequent eine völlig unhaltbare Rechtsposition verteidigt. Ich habe mich dabei gefragt, und die Frage stelle ich jetzt dem Vorstand: Hat Bayer dem BVL mit einer Klage gedroht, wenn es veröffentlicht, dass Bayer das Produkt Sivanto in Deutschland auf den Markt bringen will?
Und wenn ich gerade bei Gerichtsverfahren bin: Letzte Woche hat das Europäische Gericht in Luxemburg einen Fall gegen Bayer entschieden. Die EU-Kommission hat rechtmäßig gehandelt, als sie 2012 Anwendungsbeschränkungen für die Wirkstoffe Imidacloprid und Clothianidin erlassen hat. Die EU darf Bestäuber-Insekten schützen und muss dafür keinen Schadensersatz zahlen. Meine Frage dazu ist: Wieviel Geld hat Bayer für dieses sinnlose Gerichtsverfahren ausgegeben? Und ich frage den Vorstand auch: Hat Bayer wirklich ein Interesse daran, dass die EU-Kommission selbst dann nicht mehr handeln kann, wenn die Wissenschaft ein Pestizid für ökologisch untragbar hält und die große Mehrheit der Bevölkerung ein Verbot will?
Es kann doch auch dem Vorstand und den AktionärInnen von Bayer nicht egal sein, wenn die natürlichen Lebensgrundlagen zerstört werden. Ich für meinen Teil mache mir große Sorgen wegen des Artensterbens und der schwindenden Stabilität von Ökosystemen. Es ist notwendig, dass diese Welt sich von diesem Modell verabschiedet.
Doch die Geschäftspolitik von Bayer setzt weiter auf das agrarindustrielle Modell mit Gift und Gentechnik. Der Kauf des Agrarkonzerns Monsanto ist dafür ja geradezu ein Symbol.
Ich interpretiere dieses Verhalten als eine Wette. Eine Wette darauf, dass die Demokratie nicht stark genug sein wird, Gemeinwohl-Interessen durchzusetzen. Das kann man nur wollen, wenn man darauf setzt, dass die Regierungen die BesitzerInnen von Konzernen wie Bayer vor den Folgen der ökologischen Katastrophe abschirmen werden. Ich würde diese Wette an Ihrer Stelle nicht eingehen. Nicht nur, weil die Wette unmoralisch ist, sondern auch weil ich mir sicher bin, dass Sie sie verlieren würden. Die Demokratie ist stark und lebendig. Sie wird sich weltweit durchsetzen.
Und weil eine Firma nicht gut führt, wer einfache Fakten ignoriert, beantrage ich, Vorstand und Aufsichtsrat nicht zu entlasten und bitte Sie bei den entsprechenden Tagesordnungspunkten mit NEIN zu stimmen.

