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Beitrag veröffentlicht im Dezember 1999

Entschädigung

CBG Redaktion

17. Dezember 1999

Kritik an Unternehmen und Bundesregierung:

Entschädigung unzureichend

Kritische Aktionäre bezeichneten heute das abschließende Angebot zur Entschädigung überlebender Sklavenarbeiter als ”völlig unzureichend”. Sowohl die niedrige Summe als auch die fehlende Entschuldigung seitens der deutschen Konzerne stoßen auf Unverständnis. Kritisiert wird, dass die beteiligten Unternehmen nach Abzug aller Steuern lediglich ein Viertel aller Kosten übernehmen und dass zahlreiche Betriebe der Stiftung fernbleiben.

Axel Köhler Schnura vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren: ”Das Verhalten der Industrie ist beschämend. Die Opfer brutalster Ausbeutung wurden zu Bittstellern degradiert.” Die Unternehmen hätten ihre Verantwortung jahrzehntelang geleugnet und letztlich nur auf wirtschaftlichen Druck reagiert, ohne eine moralische Verpflichtung anzuerkennen. ”Die Konzerne haben vom Krieg profitiert. Sie sollten ihre Schuld eingestehen und ein würdiges Zeichen setzen.” Köhler-Schnura kritisiert auch Bundeskanzler Gerhard Schröder, der mit seinem parteiischen Verhalten die Firmen zu ihrem zögerlichen Verhalten ermuntert hat.

Die CBG dokumentiert seit 15 Jahren die Geschichte der Chemischen Industrie im Dritten Reich und hat zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema vorgelegt. Der Verein setzt sich für eine gerechte Entschädigung von Zwangsarbeitern und Hinterbliebenen, für eine Entschuldigung der beteiligten Unternehmen und für eine Auflösung der IG Farben in Liquidation ein. Vertreter der Gruppe kamen kürzlich in den USA mit Betroffenen und ihren Anwälten zusammen.

USA

CBG Redaktion

8. Dezember 1999

Bayer AG schließt Werk in Elkhart/USA:

Gewerkschaften protestieren gegen Kündigungen

Amerikanische Gewerkschaften kündigten heute Proteste und Demonstrationen gegen die Schließung des Bayer-Werks in Elkhart/USA an. In der vergangenen Woche hatte die Bayer AG beschlossen, die Produktion im Bundesstaat Indiana zu beenden. 550 Chemie-Arbeiter sollen im nächsten Frühjahr entlassen werden. Trudy Manderfeld, Gewerkschafts-Vorsitzende im Werk Elkhart: ”Die von uns hergestellten Produkte werden zum Teil in Billiglohnländern und in Betrieben produziert, in denen es keine Gewerkschaften gibt. Wenn wir Forderungen stellen, wird sofort mit einer Abwanderung zu den anderen Standorten gedroht.”

Hintergrund der Schließung: Die Fabrik in Elkhart gehört zu den wenigen Standorten in den USA, in denen Gewerkschaften vertreten sind - nur in sechs der über fünfzig Bayer-Werke sind die Arbeiter organisiert. Manderfeld wirft der Geschäftsleitung vor, die Fabrik vorsätzlich heruntergewirtschaftet zu haben: ”Unser Werk ist zum Abschuss freigegeben worden. Seit Jahren wurden wichtige Wartungsarbeiten nicht mehr durchgeführt, wir haben Schäden, die kaum noch behoben werden können. ” Bayer macht 30% seines Umsatzes in den USA, rund 24.000 Mitarbeiter erwirtschaften 16 Mrd DM jährlich.

Die Produktion von Aspirin, Alka Selzer und Vitamintabletten will Bayer von Elkhart nach Mexiko und Bitterfeld verlegen. Aspirin wird in Ostdeutschland mittlerweile billiger hergestellt als im Ausland - dank üppiger Staats-Subventionen: rund 50% der Baukosten für das Bitterfelder Werk wurden durch den Aufbau Ost finanziert. Auch in Mailand war die Aspirin-Fertigung kürzlich eingestellt worden, wegen Überkapazitäten entstehen in Bitterfeld jedoch keine neuen Arbeitsplätze.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren: “Die Schließung in Elkhart ist ein Musterbeispiel dafür, wie einzelne Standorte gegeneinander ausgespielt werden. Nur internationale Solidarität unter den Beschäftigten kann diese Entwicklung aufhalten.” Mimkes kritisiert staatliche Subventionen für Konzerne mit Milliarden-Gewinnen.