Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Beitrag veröffentlicht im “Tag: 26. Januar 2007

[HCB] HCB-Verbrennung

CBG Redaktion

„Mit Jobs hat das Vorhaben nichts zu tun, nur mit dem Profitdenken von Bayer“
In Leverkusen und Dormagen werden die Proteste gegen die geplante Verbrennung von australischem Giftmüll lauter – sogar der Dormagener Bürgermeister kritisiert nun die Informationspolitik des Unternehmens Bayer. Anbei finden Sie heute erschienene Artikel und Leserbriefe zum Thema. Weitere Informationen unter: http://www.cbgnetwork.org/1757.html. Dort kann man auch online gegen den Import von Hexachlorbenzol protestieren.

Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 26. Januar 2007

Giftmüll: Bürgermeister Hilgers kritisiert Bayer

Dormagen: Deutliche Kritik hat Bürgermeister Heinz Hilgers an der Informationspolitik von Bayer geübt. Die Stadt Dormagen habe von dem Vorhaben, Giftmüll aus Australien in Dormagen zu verbrennen, erst an dem Tag erfahren, an dem die NGZ im Zuge ihrer Recherchen auch im Rathaus angefragt habe.
Wenige Stunden später habe Chemiepark-Leiter Dr. Walter Leidinger ihn angerufen. Gleichzeitig warnt Hilgers die Bürger davor, von der Stadt Unterstützung beim Protest gegen die Entsorgung von Hexachlorbenzol zu erwarten. „Da will ich keine falschen Hoffnungen wecken“, erklärt Hilgers. Er sehe „keinerlei Möglichkeiten“ einzugreifen.
Anders als in Herten oder Leverkusen halte er auch eine Resolution des Stadtrates gegen die Giftmüll-Import-Pläne für unwahrscheinlich. „Der Stadtrat hat im August 2004 nicht nur einstimmig beschlossen, dass die Kapazität der Verbrennungsanlage erweitert wird, sondern auch, dass in Zukunft deutlich mehr Müll entsorgt werden kann, der nicht von Bayer selbst produziert wird“, sagt er.
Damit seien die Voraussetzungen für das aktuelle Geschäft mit dem australischen Sprengstoffunternehmen Orica geschaffen worden. „Würde der Rat jetzt protestieren, wäre das nicht sehr glaubwürdig“, so Hilgers. Bei den jetzt anstehenden Entscheidungen werde die Stadt weder „gehört noch beteiligt“.
Die Ängste der Bürger könne er gut verstehen, betont der Bürgermeister. Sie seien zu einem guten Teil jedoch auch die Folge der Öffentlichkeitsarbeit, die Bayer betreibe. „Als der Bau der Anlage Anfang der 90-er Jahre genehmigt werden sollte, ist der Konzern ganz anders auf die Bürger eingegangen und hat für Transparenz gesorgt, das kann ich heute nicht erkennen“, sagt Hilgers.
Gerade Chemiepark-Chef Leidinger bemühe sich sehr um ein vertrauensvolles Verhältnis zur Stadtspitze. „Durch die neuen Strukturen innerhalb des Unternehmens wird es für einzelne Bayer-Vertreter aber immer schwieriger, überhaupt verbindliche Aussagen zu treffen“, meint Hilgers.

Leverkusener Anzeiger, 26.01.07

Mit Giftmüll-Transport nicht einverstanden

Das Unbehagen war hier und da spürbar. Und es findet Ausdruck in einer Resolution, die der Stadtrat demnächst wohl verabschieden wird. Gestern diskutierte der Umweltausschuss Bayers spektakuläres Giftmüll-Geschäft mit dem australischen Chemiekonzern Orica. Danach werden vor allem in Bürrig und zu einem weitaus geringeren Teil in Dormagen Abfälle verbrannt, die mit dem hochgiftigen und seit 2001 weltweit verbotenen Hexachlorbenzol (HCB) belastet sind. Bayers Anteil liegt bei rund 4500 Tonnen netto - dazu kommen noch einmal 6000 Tonnen Verpackung, präzisierte Ernst Grigat im Lauf der Ausschusssitzung in Opladen. Der neue Leiter des Chemieparks hatte es angesichts der Bedenken der Leverkusener offenbar für richtig gehalten, die politische Debatte mit Informationen aus Erster Hand anzureichern. Zudem plant er einen Brief an alle Haushalte in der Stadt.
Nach gut 90-minütiger Diskussion unter den Politikern zeigte sich aber, dass das Misstrauen dort vor allem dem Transportweg um den halben Globus gilt, weniger aber den Fähigkeiten bei Bayer, den Giftstoff fachgerecht und ohne größere Gefährdung für die Anwohner zu entsorgen. Zwar legte sich niemand so sehr für Bayers Know-how ins Zeug wie Klaus Naumann, FDP: Der promovierte Chemiker bezeichnete die Bürriger Anlage als „perfekt“ und erhob das Verbrennen australischen Giftmülls in Leverkusen gar zur „ethischen Aufgabe“. Zum Schluss hatte nur Marlene Echterhoff (SPD) ihr „ganz, ganz ungutes Gefühl“ zu Protokoll gegeben.
Die Leverkusener Resolution an Landesumweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU), der dem Sondermüll-Tourismus einen Riegel vorschieben könnte, wurde schließlich auch nicht in der Form verabschiedet, wie sie die die Grünen vorgelegt hatten: Der Hinweis auf den erfolgreichen australischen Widerstand gegen den Bau einer Verbrennungsanlage für Sondermüll wurde ebenso gestrichen wie ein Halbsatz, der die Entsorgung in NRW kritisiert.
Zuvor hatte Grigat detailliert erklärt, wie in Bürrig HCB zu Salzsäure, Kohlendioxid und Schlacke zerfällt und beteuert: „Wir sind der festen Überzeugung, dass wir mit diesen Stoffen fertig werden können.“ Das ist auch entscheidend, denn „bei unsachgemäßer Verbrennung von HCB können Dioxine und Furan entstehen“, erläuterte der Chemiker. Die endgültige Vernichtung der 22 000 Tonnen HCB-durchsetzten Mülls aus Australien entspreche der Stockholmer Konvention von 2001, die eine weitere Lagerung des giftigen Stoffs ächtet. Deshalb sei die Entsorgung im Bürriger Sondermüllofen auch für den Verursacher Orica das geringere Risiko. Trotz 22 000 Kilometer Weg nach Bürrig. VON THOMAS KÄDING

Neuß-Grevenbroicher Zeitung (NGZ), Lesermeinungen

„Dormagen ist schon genug belastet“

Bürger wehren sich gegen die Entsorgung von Giftmüll aus Australien im Chemiepark

Die Ablehnung der Giftmülltransporte von Australien ins Rheinland und der Verbrennung von giftigem Hexachlorbenzol im Bayer Chemiepark ist in der Dormagener Bevölkerung breit. Das wurde gestern beim Heißen Draht der NGZ zu diesem Thema deutlich.
Die wirtschaftliche Betrachtungsweise bei der Entsorgung der Chemikalie halten Hermann und Ute Kienle aus Zons für falsch. „Die Umweltbelastungen werden immer größer und gesundheitliche Schäden machen sich oft erst nach Jahren bemerkbar“, argumentieren sie.
Die Gesundheitskosten seien dann um ein Vielfaches höher. Außerdem sei Dormagen bereits durch Bayer, die Erdölchemie und die Braunkohlekraftwerke genug belastet. Die Politiker im Landtag müssten den Giftmülltransport nach Deutschland verhindern. Dieser Ansicht ist auch Heinz Libertus, ebenfalls aus Zons. „Ministerpräsident Jürgen Rüttgers ist gefordert zu zeigen, dass das Land in der Lage ist, die Bürger vor weiteren Umweltbelastungen zu schützen“, sagt er. Renate Meyer sieht auch die Stadt in der Pflicht. „Da diese Chemikalie wohl besonders für Säuglinge gefährlich ist, frage ich mich, was unser Bürgermeister mit seinem Babybegrüßungspaket erreichen will, wenn er nicht in der Lage ist, für die Gesundheit der Kleinkinder zu sorgen“, sagt sie. Überhaupt kein Verständnis hat sie für die Position des CDU-Landtagsabgeordneten Karl Kress, der erklärt hatte, eine Verbrennung des Stoffs in einer modernen Anlage sei besser als ihn zu deponieren.
Diese Position kritisiert auch Dieter Dorok, Ratsherr der Grünen in Grevenbroich. Kress solle lieber die Interessen der Bevölkerung als die seines Arbeitgebers vertreten, meint er.
Stattdessen trete er als Lobbyist der Chemieindustrie auf. Die Region dürfe nicht zum „Giftklo“ der ganzen Welt gemacht werden. Dieser Ansicht ist auch Mechthild Krampe. „Es reicht“, sagt sie. Dass Bayer Geld verdienen wolle, sei die Aufgabe eines Unternehmens, sagt Alexander Modula. „Die Grenzen sind aber erreicht, wenn es für Umwelt und Mensch gefährlich werden kann.“
„Für mich ist es völlig unbegreiflich, dass es rechtlich überhaupt möglich ist, einen hier seit langem verbotenen Giftstoff vom anderen Ende der Welt einzuführen und zu entsorgen“, schreibt Michael Piezuch. Bayer habe allein schon genug Giftstoffe zu entsorgen, mehr sei zu viel. „Selbst bei modernsten Anlagen kommt mit Sicherheit keine gesunde Waldluft aus dem Kamin“, meint er. Wer eigentlich neutral überprüfe, was wirklich in die Luft ausgestoßen wird, will Horst Siebling wissen.
Skeptisch, dass keinerlei Schadstoffe entstehen, ist auch Marielott Schäfer. „Meines Wissens ist für die Verbrennung von HCB eine Temperatur von mindestens 2000 Grad notwendig, und ich bin nicht sicher, ob die Anlage in Dormagen diese Vorgabe erreicht“, sagt sie. In Sydney solle besser eine moderne neue Anlage gebaut werden. Dieser Punkt gibt auch Edelgard Münchow zu denken. „In Australien haben sich die Menschen erfolgreich gegen den Bau einer Verbrennungsanlage gewehrt, jetzt kommt der Giftmüll zu uns“, sagt sie. Dabei sei erwiesen, dass der Stoff gerade für ungeborenes Leben im Mutterleib gefährlich sei.
Genau aus diesem Grund müsse der Umweltminister einschreiten, fordert Michael Steins aus Grevenbroich.
Im Transport sieht Joachim Semnet aus Nievenheim die größten Gefahren. „Eigentlich habe ich ein sehr großes Vertrauen in die Verbrennungsanlage von Bayer“, betont er. Der Transport bereite ihm jedoch Sorgen. „Da leider nur auf Gewinn geschaut wird, ist die Vermutung groß, dass der billigste Transporteur genommen wird und nicht der sicherste“, meint er. Unter diesen Voraussetzungen seien Umweltschäden nur eine Frage der Zeit. Die Verbrennung des Giftmülls werde keinen neuen Arbeitsplatz in Dormagen bringen oder auf Dauer erhalten. Mit Jobs habe das Vorhaben nichts zu tun, nur mit dem Profitdenken von Bayer, sagt Peter Laufgen. Davon ist auch Silva Knauf überzeugt. „Das schafft keine Arbeitsplätze, sondern nur noch mehr Belastungen für die Bürger“, sagt die 72-Jährige. Sie
hoffe, dass „genug Menschen auf die Barrikaden gehen“, um dieses Vorhaben zu verhindern.
Die Gesundheit der Dormagener stehe auf dem Spiel. Ihren Kindern oder Enkeln werde sie nicht mehr empfehlen, in die Nähe der Bayer-Werke zu ziehen, meint auch Sieglinde Weber.
„Es wird immer unsicherer“, sagt sie. Hajo Palmacher ist der selben Ansicht. „Das Risiko rund um die Anlagen ist jetzt schon groß genug, da brauchen wir nicht noch Gift aus Australien.“ Angst um seine Gesundheit hat auch Hans Peters. Er lebt in Zons und ist Bronchial-Asthmatiker. „Wenn hier Giftmüll verbrannt wird, ist das für mich bestimmt nicht gut“, sagt er. (von Petra Schiffer)

Trasylol

CBG Redaktion

26. Januar 2007, Der Standard

Tödliche Nebenwirkungen: Bayer verzichtet auf breitere Anwendung Trasylols

Der deutsche Pharmakonzern Bayer verzichtet auf eine Ausweitung der Anwendungen seines lukrativen Herzmedikaments Trasylol. Dies führt dazu, dass das Unternehmen den ursprünglich geplanten Spitzenumsatz von rund 500 Millionen Euro für das Mittel nicht erreichen wird.

Bayer gab am Donnerstag das Aus für drei klinische Studien mit Trasylol bekannt, bei denen Sicherheit und Wirksamkeit des Präparats bei bestimmten Operationen untersucht worden waren. Der Konzern reagierte damit auf eine Forderung der US-Gesundheitsbehörde FDA, den Einsatz des Präparats auf Herzoperationen zu beschränken, bei denen eine Herz-Lungen-Maschine zur Verfügung steht. Dadurch sieht Bayer die Anwendungsmöglichkeiten für Trasylol zu sehr eingeengt, wie ein Sprecher erläuterte. Der erwartete Spitzenumsatz für das Mittel werde nun signifikant geringer sein als früher angestrebt.

Anwendung
Trasylol wird vor allem zur Verringerung des Blutverlusts bei Herzoperationen eingesetzt. Bayer wollte eine Ausweitung unter anderem auf bestimmte Krebsoperationen. Im Jahr 2005 hatte Bayer den Umsatz mit dem Präparat um mehr als ein Drittel auf 230 Millionen Euro gesteigert.

Vorwürfe
Bayer hatte wegen Trasylol Probleme bekommen, nachdem Vorwürfe laut geworden waren, wonach das Mittel das Risiko schwerer Nebenwirkungen bis hin zum Tod erhöhen könnte. Daraufhin forderte in den USA die FDA unlängst, dass das Medikament deutlichere Warnhinweise vor der Gefahr von Nierenschädigungen enthalten müsse. Die Behörde hatte Bayer vorgeworfen, vorläufige Erkenntnisse über diese Gefahren nicht rechtzeitig zur Verfügung gestellt zu haben. Dies hatte Bayer dann auch eingeräumt.

Basler Zeitung, 7. Februar 2007

Bayer Medikament Trasylol gerät immer mehr ins Zwielicht

Das weltweit bei Herzoperationen zur Verringerung der Blutungen eingesetzte Bayer-Medikament Trasylol gerät immer mehr ins Zwielicht. Nach einer in in der Nacht zum Mittwoch in den USA veröffentlichten internationalen Studie steigt bei Anwendung des Präparates das Todesrisiko für die betroffenen Patienten in den folgenden fünf Jahren um fast 50 Prozent. Wenn Trasylol ein Jahr lang durch andere, billigere Medikamente ersetzt werde, könne dies in den nächsten fünf Jahren 10'000 Todesfälle verhindern, schrieben die Ärzte.

Bayer selbst wies diese Darstellung allerdings zurück und rügte methodische und analytische Mängel in der Studie. So sei Trasylol in den beteiligten Krankenhäusern grundsätzlich bei Patienten mit schlechtem Allgemeinzustand und damit auch erhöhtem Sterberisiko eingesetzt worden. Diese Verzerrungen würden in der Untersuchung jedoch nicht ausreichend berücksichtigt. Das Unternehmen sprach sich gegen eine Einschränkung des Einsatzes von Trasylol aus, versprach aber gleichzeitig: „Bayer wird mit den Arzneimittelbehörden und externen Experten zusammenarbeiten, um die Ergebnisse weiter zu bewerten.“

Bereits vor einem Jahr hatte eine Studie für Aufsehen gesorgt, wonach Trasylol das Risiko deutlich steigert, dass Patienten ein Nierenversagen, einen Herzinfarkt, Schlaganfälle oder Gehirnschädigungen erleiden. Die Studie empfahl deshalb schon damals, auf das Medikament zu verzichten und auf günstigere und sicherere Generika auszuweichen.

Die darauf folgende Diskussion führte zu deutlichen Umsatzeinbussen des Medikaments in Nordamerika. Ausserdem wurden die Empfehlungen für den Umgang mit dem Medikament strenger gefasst.

Forscher empfiehlt weitgehenden Verzicht auf Trasylol
Hatte die erste Untersuchung vor allem die kurzfristigen Auswirkungen von Trasylol im Visier, so konzentrierten sich die gleichen Wissenschaftler in der nun veröffentlichte Nachfolgestudie auf mögliche längerfristige Effekte. Insgesamt wurden bei der Untersuchung 3.876 Herzpatienten von 62 Krankenhäusern in 16 Ländern berücksichtigt. Der Untersuchung zufolge starben innerhalb von fünf Jahren 20,8 Prozent der mit Trasylol behandelten Patienten, aber nur 12,7 Prozent der Patienten in einer Kontrollgruppe, die keine blutungshemmenden Medikamente erhielt.

Der Verfasser beider Studien, Dennis Mangano, sagte, er glaube, dass in den allermeisten Fällen auf das Bayer-Medikament verzichtet werden sollte. Allerdings sollte der Wirkstoff seiner Meinung nach nicht vom Markt genommen werden, da einige Hochrisiko-Patienten davon profitieren könnten.

Die Studie, die im Journal der American Medical Association veröffentlicht wurde, heizt erneut die Diskussion an, wie die Sicherheit von Medikamenten nach Marktzulassung kontrolliert werden kann. Diese Diskussion war zuletzt durch das 2004 wegen möglicher Herzinfarktrisiken vom Markt genommenen Schmerzmittel Vioxx und durch Zweifel an der Wirksamkeit medikamentenbeschichteter so genannter Stents bei der Öffnung von Herzkranzgefässen wiederaufgeflammt. Stents sind winzige Röhrchen-förmige Drahtgeflechte.

Für Bayer selbst bedeutet die Studie einen neuen Rückschlag. Bereits 2006 hatte der Konzern klinische Studien eingestellt, mit denen die Einsatzmöglichkeiten von Trasylol bei Krebsoperationen und bei Eingriffen zur Wirbelsäulenversteifung geprüft und damit neue Umsatzpotenziale erschlossen werden sollten.

Weitere Informationen:
Trasylol: BAYER verheimlicht negative Studien-Ergebnisse
Todesfälle durch TRASYLOL: BAYERs neuer Pharma-GAU
Bayer drug Trasylol carries tougher kidney warning - FDA