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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 3. Mai 2010

Bienensterben

CBG Redaktion

3. Mai 2010
Presse Info des Deutschen Berufs- und Erwerbs Imkerbund (DBIB)

Imker-Protest zur Bayer-Hauptversammlung

Anlässlich der Hauptversammlung des Bayer-Konzerns am vergangenen Freitag gab der Deutsche Berufs- und Erwerbs Imkerbund folgende Presseerklärung ab:

Nach der Katastrophe von 2008 und der erneuten Vergiftungen in 2009 nicht nur in Österreich und der Schweiz, durch das BAYER Produkt Poncho, ist behaupteteBienensicherheit offensichtlich nicht gegeben. Daran ändern auch die ständigen Versuche seitens der BAYER AG nichts, durch den Verweis auf Bienenkrankheiten die Öffentlichkeit von der Gefährlichkeit dieser Insektizide abzulenken.

Diese erneuten Vergiftungen nehmen wir nun auch zum Anlass festzustellen, dass die bei der Zulassung vorgelegten Studien nicht den Praxisbedingungen entsprechen und die BAYER AG möglicherweise bewusst interne Erkenntnisse zurückgehalten hat, um trotzdem eine Zulassung dieser Wirkstoffe zu erreichen.

So war Mitarbeitern von BAYER nachweislich bereits seit 1997 bekannt, dass insektizidhaltige Beizmittel bei der Ausbringung durch pneumatischen Sämaschinen zu Bienenvergiftungen führen. Aber durch die permanenten Verweise in Richtung Bienenkrankheiten sollten weltweit Imker und Zulassungsbehörden auf eine falsche Fährte gesetzt werden. Die im DBIB organisierten Berufsimker betrachten nach dem heutigen Stand diese Technik in Zusammenhang mit insektizidhaltigen Beizungen als äußerst gefährlich und fordern ein sofortiges weltweites Ende dieses Anwendungsverfahrens. Dies gilt ebenfalls für die Ausbringung dieser Wirkstoffe als Granulat, da es auch hier sehr häufig zu einer hohen Staubentwicklung kommt. Wir fordern zudem die BAYER AG auf im Sinne des Vorsorgeprinzips, diese neonicotinoidhaltigen Beizmittel wie Poncho etc. sofort vom Markt zu nehmen.

Die auch dieses Jahr immer noch zahlreich gefundenen offen herumliegenden Maiskörner zeigen uns Imkern außerdem ganz deutlich, dass auch die aktuell angewendete Sätechnik nicht in der Lage ist, das gebeizte Saatgut vollständig im Boden zu platzieren. Die behauptete Bienensicherheit dieser Produkte beruht jedoch auf der Annahme, dass die Bienen mit dem Wirkstoff nicht in Kontakt kommen können, weil der Wirkstoff vollständig im Boden verschwindet. An diesen offen herum liegenden Saatkörnern können sich die Bienen, die ihren Wasserbedarf an den Pfützen in den Fahrspuren und Gräben decken, weiterhin vergiften. Wir stellen zwar fest, dass es 2010 schon deutlich weniger Saatkörner an der Oberfläche gibt, dennoch geben wir zu bedenken, dass ein einziges mit Clothianidin gebeiztes Saatkorn aufgelöst in 2,5 Liter Wasser für Bienen sofort tödlich ist. Bei Starkregenereignissen kommt es ebenfalls zum Ausschwemmen des Saatguts.

Im Übrigen stellten diese Wirkstoffe auch bei fachgerechter Aussaat eine Gefahr für die Bienen dar, da der Wirkstoff über Guttationswasser, Nektar und Pollen später von der gebeizten Nutzpflanze und Beikräutern wieder an die Oberfläche und in Kontakt mit den Bienen gebracht wird. (DIB)

Die Reden in der BAYER-Haupversammlung
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[Pipeline] CO Pipeline stoppen!

CBG Redaktion

Rheinische Post, 3. Mai 2010

CO-Pipeline: Feuerwehr kritisiert Bayer

Das von Bayer MaterialScience am Schieber in Ratingen-Breitscheid vorgestellte Sicherheitskonzept stößt unverändert auf Kritik.

Wolfgang Cüppers, Anti-Pipeline-Aktivist und Vorsitzender der Interessengemeinschaft Erkrath, verweist darauf, dass es bis heute keinen gültigen Alarm- und Gefahrenabwehr-Plan gebe. Die fünf Schieberstationen würden nicht automatisch schließen: Auch wenn sie dicht seien, dauere es bis zu fünf Stunden, bis die Pipeline entleert sei.
René Schubert, Chef der Feuerwehr in Ratingen, forderte neben dem Alarm- und Gefahrenabwehr-Plan eine bessere Ausrüstung und kritisierte die jüngsten Ausbreitungs-Simulationen von Bayer: Sie stellten nicht den schlimmsten möglichen Fall dar. Bei der Wehr wurden die Simulationen nachgerechnet: Man kam zu ganz anderen Ergebnissen. Werner Breuer, Projektleiter bei Bayer, hatte von einem neuartigen Gasfilter für Atemschutzmaske gesprochen, mit denen Feuerwehrleute bis zu einer Stunde im hochgiftigen CO-Gas arbeiten könnten. Solche Filter seien bei der Feuerwehr gar nicht zugelassen, sagte Schubert. Die Feuerwehrdienstverordnung lasse keine Filter zu, wenn „Filterdurchbrüche“ nicht gerochen oder geschmeckt werden können. Im Klartext: Irgendwann sind die das CO absorbierenden Chemikalien in solchen Filtern aufgebraucht, doch beim geruch- und geschmacklosen CO-Gas merkt der Feuerwehrmann nichts davon. Er fällt schlimmstenfalls einfach um.
Viel zu wenig Zeit
Schubert vermutet, dass Bayer versucht, eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken. Nach Feuerwehrdienstvorschrift dürfe in solchen Gasen nur mit Pressluftatemgeräten oder geschlossenen Kreislaufatemgeräten gearbeitet werden. Die üblichen Pressluftatmer reichen für etwa 30 Minuten. Weil aber für den Rückweg von der Einsatzstelle aus Sicherheitsgründen die doppelte Zeit des Anmarschweges angesetzt werden müsse, ergebe sich beispielsweise bei einer Anrückzeit von fünf Minuten nur eine Arbeitszeit vor Ort von 15 Minuten. Viel zu wenig, um in einer großflächigen Gaswolke wirklich helfen zu können, ahnt auch der Laie.
Seit einem Tunnelbau verfügt die Ratinger als einzige Wehr im Kreis über zehn Kreislaufgeräte, die bis zu vier Stunden Einsatzzeit gewähren. Doch auch diese Ausrüstung, die im Übrigen sehr wartungs- und trainingsintensiv sei, reiche gerade mal für den Erstangriff von drei Trupps: Man sei im Ernstfall dringend auf den gemeinsamen kreisweiten Einsatz und Unterstützung anderer Städte angewiesen, so Schubert. In Ratingen verfüge zwar jeder Löschzug über ein CO-Messgerät, doch im Einsatz an einer Pipeline müsse jeder Trupp ein Gerät dabei haben. Auch eine Windmesseinrichtung gebe es nur auf der Wache, ansonsten setze man auf den Wetterdienst, so Schubert. Bayer selbst hat sich auf den Schieberstationen die preiswerten Windmessanlagen gespart.
Größere Gas-Keulen denkbar
Schubert kritisierte die „realistischen Worst-Case-Simulationen“ (worst case = schlimmster Unfall) von Bayer. Sie seien nachgerechnet worden. Die VDI-Richtlinien für solche Gas-Simulationen seien nicht eingehalten worden. Schubert möchte sich lieber am „realen“ Worst-Case orientieren. So würden beispielsweise seltenere, aber extreme Inversionswetterlagen für größere „Keulen“ am Boden sorgen, als Bayer sie mit 800 Metern Länge berechnet habe. Bayer gehe von Sperrschichten in der Luft nicht unter 100 Metern aus, Schubert rechnet lieber mit 20 Metern entsprechend VDI-Richtlinie. Solche niedrigen Sperrschichten könne man im Kreis Mettmann in Form von Nebelbänken im Morgengrauen beobachten. Eine gar nicht so seltene Wetterlage. VON JOACHIM PREUSS

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