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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 9. Dezember 2014

TDI Dormagen

CBG Redaktion

Presse Information vom 9. Dezember 2014

Neue TDI-Anlage: Umweltverbände bekräftigen Kritik

Der Bund für Umwelt und Naturschutz NRW und die Coordination gegen BAYER-Gefahren erneuern ihre Kritik an der TDI-Produktion in Dormagen. Die Anlage wird heute im Beisein von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und BAYER-Chef Marijn Dekkers eröffnet.

In Dormagen wird heute eine Anlage zur Produktion von Toluylen-Diisocyanat (TDI) mit einer Jahreskapazität von 300.000 Tonnen eröffnet. Die Chemikalie dient als Vorprodukt für Polyurethan-Weichschäume, die zum Beispiel in Autositzen und Matratzen verwendet werden.

Hierzu erklärt Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Die TDI-Produktion ist ein Sinnbild für den Irrweg der Chlorchemie: Bei der Herstellung kommen hochtoxische Stoffe wie Phosgen und Kohlenmonoxid zum Einsatz, auch sind die Verfahren extrem energieaufwendig. Da die Stoffe nicht verrotten, landen sie mittelfristig auf Deponien oder als Plastikmüll im Meer. Wir benötigen dringend einen Umstieg auf erneuerbare Rohstoffe, biologisch abbaubare Endprodukte und eine ressourcen-schonende Wirtschaft“.

Angelika Horster vom nordrhein-westfälischen Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND NRW) ergänzt: „Das Credo der Industrie lautet Wachstum. Dieses Wachstum geht stets mit zusätzlichen Emissionen und Ressourcenverbrauch einher. So auch in diesem Fall: die geringe Effizienzsteigerung wird durch die erhöhte Produktionsmenge weit in den Schatten gestellt.“

Die neue Anlage ist stark klimaschädigend, pro Tonne TDI entstehen etwa fünf Tonnen CO2. Im Erörterungstermin hatte sich der Konzern geweigert, für das Projekt eine detaillierte Ressourcen- und Energiebilanz vorzulegen. Zudem kommen in der Anlage pro Jahr rund 360.000 Tonnen des ehemaligen Giftgases Phosgen zum Einsatz. Zwar wird die TDI-Anlage erstmals mit einer Einhausung versehen, womit der Konzern einer jahrzehntelangen Forderung der Umweltbewegung nachkommt. Jedoch ist die Schutzwirkung der geplanten Blechhülle nicht vergleichbar mit der von den Verbänden geforderten gasdichten Betonkuppel, wie diese auch von anderen Herstellern für notwendig gehalten und gebaut wird.

In der Vergangenheit kam es in der TDI-Produktion von BAYER wiederholt zu schweren Unfällen. Dennoch hat BAYER kein Szenario eines Austritts großer Mengen Phosgen oder TDI vorgelegt. Hierzu Philipp Mimkes: „Die Störfälle im amerikanischen BAYER-Werk Institute oder bei INEOS in Dormagen zeigen, dass sich Unfälle nicht an vorhersehbare Abläufe halten. Auch für unwahrscheinliche Szenarien muss daher Vorsorge getroffen werden“.

BUND und CBG bemängeln zudem, dass die Anlage nur 300m vom S-Bahnhof Bayerwerk entfernt liegt, obwohl die Störfallkommission für den Einsatz von Phosgen einen Sicherheitsabstand von 1.500m empfiehlt. Die Verbände hatten sich mit Einwendungen gegen eine Genehmigung der Anlage gewandt. Auch hatten sie eine EU-Beschwerde gegen die Subventionierung des Projekts durch die staatliche KfW-Bank eingereicht.

weitere Informationen:
=> die Einwendungen der Umweltverbände
=> gelagerte Chemikalien im ChemiePark Dormagen

[Luedenscheid] Carl Duisberg

CBG Redaktion

Presse Info vom 9. Dezember

Duisbergweg in Lüdenscheid wird umbenannt

ehem. BAYER-Chef für Zwangsarbeit und Giftgas verantwortlich

Die Stadt Lüdenscheid hat beschlossen, eine nach dem ehemaligen BAYER-Generaldirektor Carl Duisberg benannte Straße umzubenennen. In der gestrigen Sitzung des Stadtrats stimmten alle Fraktionen einem entsprechenden Antrag zu (die einzige Gegenstimme kam vom Vertreter der NPD). Erst vor zwei Wochen war in Dortmund die Umbenennung der dortigen Carl-Duisberg-Straße beschlossen worden.

Das Lüdenscheider Stadtarchiv hatte zur Sitzung einen Bericht zum Leben Duisbergs vorgelegt. Hierin heißt es unter anderem:

=> Während des Ersten Weltkriegs wurde unter Duisbergs Vorsitz bei Bayer Giftgas für den Kriegseinsatz produziert. Abfallprodukte der Chemischen Industrie, die mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfte, dienten als Rohstoffe. In Leverkusen war das u. a. Phosgen, ein Gas, das besonders grausam wirkt.

=> Duisberg gehörte zu den führenden deutschen Industriellen, die während des Krieges die gewaltsame Deportation belgischer Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland durchsetzten. Dieses Vorgehen stellte auch nach damaliger Rechtsauffassung eindeutig einen Bruch des Kriegs- und Völkerrechtes dar

=> Duisberg hatte beste Kontakte zur OHL und war maßgeblich an der Ausarbeitung des sogenannten „Hindenburg-Programms“ beteiligt, dem Wirtschafts- und Rüstungsprogramm der Dritten OHL von 1916, das die Fokussierung der gesamten Wirtschaft auf die Rüstungsproduktion vorsah.

=> Die Einführung der 8h-Schicht für die Arbeiter der Bayer AG und die Einführung von Sozialversorgungssystemen (zunächst v.a. für die Verwaltungsmitarbeiter und Ingenieure der Firma), die ebenfalls als Verdienste angeführt werden, hatten jedoch weniger mit Duisbergs Wohlwollen gegenüber seinen Angestellten und Arbeitern zu tun, als vielmehr mit seinem Bestreben, den Einfluss der Gewerkschaften zu eliminieren, die er Zeit seines Lebens rigoros ablehnte.

=> Seine grundsätzlich positive Haltung zur Politik der Nationalsozialisten – spätestens seit Übernahme der Macht durch diese – wird deutlich aus einem Brief an den Kölner OB Dr. Günter Riesen vom 16.10.1933, zwei Jahre vor seinem Tod:
„Zeit meines Lebens habe ich dem Führerprinzip gehuldigt und mich stets zu dem Grundsatz bekannt ‚Geführt muss werden’ und so hoffe und wünsche ich, dass unter der zielbewussten Führung unserer bewährten Kämpen Hindenburg und Hitler unsereneue Regierung innen- und außenpolitisch von Erfolg zu Erfolg schreitet und es ihr glücken möge, durch straffe und unentwegte Schulung unseres Nachwuchses die Kräfte heranzuziehen und auszusondern, die durch Höchstleistungen (…) unter Beweis stellen, dass sie ein Anrecht auf Führerschaft besitzen. Nur auf diesem Wege wird unser geliebtes Vaterland den ihm gebührenden Platz an der Sonne unter den Nationen wieder erlangen und die unserem Volke durch Verleumdung und Lüge genommene Achtung unter den Kulturvölkern wieder erzwingen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert, die noch verbleibenden Carl-Duisberg-Straßen, unter anderem in Frankfurt, Bonn, Krefeld, Leverkusen und Dormagen, sowie das Wuppertaler Duisberg-Gymnasium nun umzubenennen.

=> Weitere Infos zur Kampagne

=> Die vollständige Stellungnahme des Stadtarchivs

4. Dezember 2014, Meinerzhagener Zeitung

Der „Duisbergweg“ soll aus dem Stadtbild verschwinden

Lüdenscheid - Der Straßenname „Duisbergweg“ soll aus dem Stadtbild verschwinden. Die politische Mehrheit dafür ist vorhanden. Am Montag steht das Thema auf der Tagesordnung des Rats (17 Uhr, Ratssaal).

Die Initiative geht zurück auf eine Antrag der Alternative für Lüdenscheid. Die Ampel-Mehrheit im Rat aus SPD, Grünen und FDP trage die Überlegung mit, sagte gestern für die SPD Fraktionschef Jens Voß nach Abstimmung auch mit den Ampelpartnern.
Für die Neubenennung der Straße zwischen Liebig- und Humboldtstraße sollten die Anwohner gebeten werden, entsprechende Vorschläge zu machen. Ein solchen Auftrag werde die SPD an die Verwaltung geben. „Bei einem solchen Verfahren sollte man die Anwohner einbeziehen“, so Voß. Im vorderen Teil der Straße liegen Eigentumswohnungen. Größere Anlieger, die sich dann ebenfalls auf eine Adressänderung einstellen müssten, sind die Agentur für Arbeit und die Arbeiterwohfahrt samt Kita und Mehrgenerationenhaus.

„Gemeinstes Zeug, das ich kenne“
Der Entscheidung zugrunde liegt eine historische Einordnung des Namensgebers Friedrich Carl Duisberg (geb. 29.9.1861 in Barmen, † 19.3.1935 Leverkusen) durch das Stadtarchiv. Duisbergs Wirken zeige durchaus positive Facetten. „Ohne Duisberg würden (Bayer) Werk und Stadt Leverkusen heute so nicht existieren“, bescheinigt ihm Stadtarchivar Tim Begler. Doch der Spitzenmanager der Chemiebranche zeichnet ebenso verantwortlich für die Produktion von Giftgas, für dessen Herstellung Abfallprodukte aus der Produktion verwendet werden konnten, unter anderem das grausam wirkende Phosgen. Duisberg setzte sich bei der Heeresleitung direkt für die Erprobung des Kampfstoffs ein („...das gemeinste Zeug, das ich kenne...“) und dafür, „die Gelegenheit dieses Krieges nicht vorübergehen zu lassen“.

CDU: Hinweis auf belgische Garnison
„Wir würden uns nicht verschließen“, macht auch CDU-Fraktionschef Oliver Fröhling im Rat angesichts der gestrebten Namensänderung deutlich. Aus den Reihen der Fraktion gebe es bereits auch Ideen zur Benennung der Straße. Die könnte nach dem belgischen König Baudouin benannt werden in Erinnerung an das deutsch-belgische Miteinander zur Zeit des in Lüdenscheid stationierten Militärs. Auch ein Standortkommandeur könnte Namensgeber sein, so die Überlegung. Von Florian Hesse

ausführliche Infos zu Duisberg