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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

Hauptversammlung

CBG Redaktion

26. April 2001

Bayer Hauptversammlung:

Protest und Kunst-Happening

Kritiker aus allen Teilen der Welt werden anlässlich der morgigen Hauptversammlung der Bayer AG auf die Kehrseiten der Geschäfts- politik des Unternehmens hinweisen. Alle Rednerinnen und Redner stehen vor Beginn der Veranstaltung für Interviews zur Verfügung:
Ort: Köln-Deutz, Eingang zur Messehalle 6
Zeit: zwischen 9.00 und 10.00 Uhr

Die bolivianische Agraringenieurin Tania Santivanez kritisiert Vergiftungen durch hochgefährliche Bayer-Pestizide in Lateinamerika.

Dr. Korinna Horta vom amerikanischen Umweltverband Environmental Defense fordert das Unternehmen auf, das Tierantibiotikum Baytril vom Markt zu nehmen, da dieses für steigende Antibiotikaresistenzen verantwortlich ist.

Der englische Chirurg Dr. Stephen Karran kritisiert risikoreiche Pharmatests der Bayer AG, die den Tod mehrerer englischer Patienten verursachten.

Lothar Evers, Vorsitzender des Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte, fordert eine sofortige Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter durch Bayer.

Die Organisation Rettet den Regenwald kritisiert Importe des Minerals Tantalit aus dem Kongo durch die Bayer-Tochter HC Starck, da hierdurch der Bürgerkrieg in Zentralafrika finanziert und die Zerstörung des Regenwaldes beschleunigt wird.

Ilka Schröder, grüne Abgeordnete des Europaparlaments, kritisiert die Patentierung lebenswichtiger Pharmazeutika durch das Leverkusener Unternehmen.

Die Performance-Künstlerin C. R. kündigt eine Aktion zum Thema Gentechnik an (9.00 bis 10.00 Uhr)

Fenthion

CBG Redaktion

31. Januar 2001

US-Behörden: „Risiko für Umwelt und Gesundheit“

Vogelsterben durch Bayer-Pestizid

Die amerikanische Environmental Protection Agency (EPA) bezeichnet das Pestizid Fenthion als „Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt“ und will die Zulassung des Wirkstoffs einschränken. Die Umweltbehörde untersucht gegenwärtig ein großes Vogelsterben auf Marco Island vor Florida, für das Fenthion verantwortlich sein soll. Das Pestizid wird zur Bekämpfung von Moskitos sowie in der Fischzucht eingesetzt.

Linda Farley von der American Bird Conservancy führt Studien an, nach denen Fenthion mindestens 16 Vogelarten in ihrem Bestand gefährdet, amerikanische Vogelschutzverbände fordern ein vollständiges Verbot des Pestizids. Der Toxikologe Carey Pope nennt auch Risiken für Menschen: „Die EPA hat allen Grund, besorgt zu sein. Fenthion zersetzt sich viel langsamer als andere Pestizide“. Organophosphate, zu denen neben Fenthion auch E605 gehört, stören das menschliche Nervensystem und können Schwindel, Sehstörungen und Atemlähmungen auslösen, bei hohen Konzentrationen den Tod.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert ein Verbot aller Organophosphate: „Weltweit sterben jährlich bis zu 200.000 Menschen an Pestizidvergiftungen. Die Hersteller müssen endlich ihrer Verantwortung gerecht werden und diese Ultragifte vom Markt nehmen.“ Die Leverkusener Bayer AG, weltweit einer der größten Pestizidproduzenten, stellt Fenthion seit über 40 Jahren her. Forscher des Unternehmens hatten die Substanzklasse in den 30er Jahren bei der Suche nach Giftgasen entdeckt. Bayer produziert neben Fenthion die Organophosphate Azinphos-Methyl, Fenamiphos, Isofenphos und Tribufos - Stoffe, die die Weltgesundheitsorganisation WHO als „hoch gefährlich“ bezeichnet.

Die EPA führt in dieser Woche Anhörungen durch und wird danach eine Einschränkung der Anwendung oder ein Verbot von Fenthion beschließen. Nach dem noch von der Clinton-Regierung erlassenen Food Quality Protection Act muss die Umweltbehörde bis zum Jahr 2006 alle risikoreichen Inhaltsstoffe von Nahrungsmitteln untersuchen - oberste Priorität haben dabei Organophosphate. Umweltschützer hoffen, dass organophosphathaltige Pestizide dann ganz verboten werden.

Medicaid

CBG Redaktion

26. Januar 2001

Wegen manipulierter Pharma-Preise:

Bayer AG zahlt 14 Millionen Dollar Strafe

Nach einem Vergleich mit dem amerikanischen Justizministerium zahlt die US-Tochter der Bayer AG vierzehn Millionen Dollar an die staatlichen Gesundheitsprogramme Medicare und Medicaid. Die Aufsichtsbehörden sehen es nach dreijährigen Ermittlungen als erwiesen an, dass Bayer bei Lieferungen an Krankenhäuser und Ärzte falsche Preise abrechnete. Im Rahmen des Vergleichs muss das Unternehmen seine Verkaufszahlen offenlegen und mit den Behörden kooperieren, die Ermittler hoffen, hierdurch weiteren Sündern auf die Schliche zu kommen. Bayer entgeht mit dem Vergleich einer Schadensersatz-Klage.

Staatsanwalt José Maldonado, der die Ermittlungen leitete, greift das Unternehmen scharf an: „Allein im Bundesstaat New York gibt Medicaid jährlich 2,5 Milliarden Dollar für Medikamente aus. Das Verhalten dieser namhaften Firma, die die Preise zu Lasten der Steuerzahler künstlich aufblähte, kann man nur skrupellos nennen.“ Sein Kollege Eliot Spitzer ergänzt: „Dieser Vergleich ist ein großer Erfolg. Er stellt klar, dass sich die Pharmahersteller nicht auf Kosten der Bedürftigen und der Allgemeinheit bereichern dürfen.“ Nach Schätzungen der Staatsanwälte wurde Medicare jährlich um eine Milliarde Dollar betrogen, in manchen Fällen wurden vierfach überhöhte Preise berechnet.

Nach Angaben der Ermittler hatte Bayer mindestens sieben Jahre lang falsche Großhandelspreise festgesetzt, auf deren Grundlage mit Krankenhäusern und Ärzten abgerechnet wurde. In der Praxis gewährte der Chemie-Konzern den Abnehmern großzügige Abschläge, wovon beide Seiten profitierten: Die Kunden ließen sich den vollen Listenpreis erstatten und behielten die Differenz ein. Bayer steigerte künstlich die Nachfrage nach den teuersten Präparaten, weil diese das meiste „extra-money“ versprachen, und verhinderte den Verkauf billigerer Konkurrenz-Produkte.

Die Behörden hatten im vergangenen Frühjahr die Ermittlungen aufgenommen, nachdem ihnen ein Mitarbeiter von Bayer geheime Firmendokumente zugespielt hatte. Diese beschrieben die Manipulationen als bewährte „Marketing-Instrumente“. Die Sonderermittler vermuten, dass insgesamt zwanzig Firmen überhöhte Preise angaben. Medicare und Medicaid übernehmen die Arzneikosten von Rentnern und Bedürftigen.

[Störfall] Störfall Wuppertal

CBG Redaktion

29. November 2000

Chemie-GAU in Wuppertal im Juni 1999 muss neu bewertet werden

Konsequenzen für Staatsanwaltschaft und Bayer-Vorstand gefordert

18 Monate nach dem Chemie-GAU im Wuppertaler Bayer-Werk fordert Wolfgang Diesing, Rechtsanwalt der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG), eine Neuaufnahme des Verfahrens gegen die Verantwortlichen der Bayer AG. Diesing übersandte heute ein Gutachten des Chemikers Professor Jürgen Rochlitz, welches gravierende Sicherheitsmängel aufdeckt, an die Wuppertaler Staatsanwaltschaft. Demnach mangelte es bei Bayer an einer angemessenen Unterweisung der Mitarbeiter und an einer effektiven Überwachung gefährlicher Reaktionen. Zudem habe das Management eine gründliche Untersuchung des Unfalls behindert. Am 8.6. 1999 waren bei einer Explosion eines Reaktors mehr als 100 Menschen verletzt worden, der Sachschaden betrug rund 200 Millionen DM - nur durch ein Wunder gab es keine Toten.
Prof. Rochlitz: „Auch in NRW müssen endlich Konsequenzen aus den Großunfällen bei Bayer und Hoechst gezogen werden. Die Regierung muss ein umfassendes Umwelthaftungsrecht einführen.“ Rochlitz kritisiert, dass Bayer keine Lehren aus dem Störfall bei Hoechst im Frühjahr 1993 gezogen hat, der ähnliche Ursachen hatte - dort wurde ein Chlornitrobenzol mit Alkali umgesetzt. „Die verantwortlichen Chemiker bei Bayer hätten wissen müssen, dass die Reaktion von 2,5-Chlornitrotoluol mit Alkali dieselben Risiken besitzt“, so Rochlitz.
Rechtsanwalt Diesing, der nach dem Unfall im Auftrag der CBG Anzeige gegen die Werksleitung erstattet hatte, ergänzte heute auf einer Pressekonferenz: „Wir verlangen eine Reaktion der Wuppertaler Staatsanwaltschaft auf unsere Strafanzeige.“ Diesing bemängelt, dass die Staatsanwaltschaft einen untergeordneten Schichtmeister verurteilt hat und die Verantwortlichen im Betrieb unbehelligt ließ.
Hubert Ostendorf von der CBG fordert den Rücktritt der Wuppertaler Werksleitung und des Bayer-Vorstandsvorsitzenden Dr. Manfred Schneider. Er kritisiert, dass nach dem Unfall nach Stoffen gesucht wurde, die mit den freigewordenen Stoffen nichts zu tun hatten, wodurch eine sinnvolle Behandlung der Verletzten nicht möglich war.

Wuppertal Juni 1999 : Neubewertung des Chemie-GAUs bei B A Y E R

Gutachten von Prof.Dr.Jürgen Rochlitz

Burgwald, den 9.11.2000

Gutachterliche Stellungnahme nach Akteneinsicht

Leider erst nach Abschluß des Prozesses gegen den Chemiemeister Puschmann u.a.(Bayer AG) - also über ein Jahr nach dem Chemie-Unglück im Juni 1999 in Wuppertal - hat die Staatsanwaltschaft die Akten an die Anwälte der Coordination gegen Bayer-Gefahren herausgerückt. Deswegen können wir erst jetzt eine völlige Neubewertung des Unglücks und seiner Folgen vornehmen.

Man hat den Eindruck, dies sollte so sein, denn die wahren Hintergründe des Unglücks wurden von der Fa. Bayer mit hoher Raffinesse verschleiert.
Die Rechtsbeistände der an der Verursachung beteiligten Personen waren Juristen des Konzerns, die schon dafür sorgten, daß alle die Aussage verweigern konnten, die unmittelbar mit der Explosivreaktion zu tun hatten. Lediglich der Meister Puschmann, verurteilt zu DM 5000.- Strafe, hatte sich erst Tage später gegenüber Bayer-Managern und Juristen als verantwortlich für das Unglück geoutet. Ein weiterer Mitarbeiter hatte ihm kurze Zeit vor der Explosion mitgeteilt, daß nicht die für die Reaktion vorgesehene Pottasche (Kaliumcarbonat) sondern Ätzkali (Kaliumhydroxid) bereitgestellt worden war. Puschmann wies ihn dennoch an, die falsche Chemikalie einzufüllen. Seinen Vorgesetzten gegenüber erklärte er dies als Versehen und Verwechslung.
Mit dieser Erklärung fängt die Reihe der Dubiositäten an.
Der angebliche black-out des Meisters Puschmann und der seines Mitarbeiters, einen falschen Stoff in einen Reaktor zu geben, ist mindestens so ungewöhnlich wie der berühmte black-out des ehemaligen Kanzlers Kohl vor dem Untersuchungsausschuß in Koblenz 1984. Jeder in der Chemie nur einigermaßen Unterrichtete kennt die Grundregel aller Chemie-Reaktionen, daß wenn A mit B reagieren sollen, unmöglich statt B der falsche Stoff C eingesetzt werden darf.
Doch bei allem Zweifel an dem Wahrheitsgehalt dieser Erklärung, müssen wir, solange keine weiteren Fakten bekannt werden, unsere Einschätzung zunächst darauf aufbauen. Allerdings müssen wir in diesem Zusammenhang dem Meister Puschmann den Vorwurf machen, daß er nicht schon am Unglückstag sein Eingeständnis vorgebracht hat. Er müßte es sofort nach der Explosion gewußt haben, daß es sein Fehler war. Sein Zögern führte dazu, daß die Mitexplosion bis zu einer halben Tonne des stark ätzenden Kaliumhydroxid unbeachtet blieb. - Behandlung und Prophylaxe von Leichtverletzten, insbesondere diejenigen mit Augenreizungen, hätten zielsicherer erfolgen können.

Die Selbstbezichtigung des Meisters Puschmann kam jedenfalls dem Management der Bayer AG sehr gelegen, lenkte es doch von seinen eigenen Versäumnissen ab. Dabei geht es um folgende:

1) Weder der Betriebschemiker noch dessen Vorgesetzte haben in der Betriebsanweisung oder bei der Sicherheitsbelehrung zu der geplanten Reaktion auf die Parallelität dieser Reaktion mit der analogen beim Störfall der Hoechst AG vom 22.2.1993 hingewiesen. Damals wurde das verwandte 1,2- Chlornitrobenzol mit Alkali/Methanol umgesetzt; nachdem die Rührung nicht rechtzeitig eingeschaltet worden war, kam es zur katastrophalen Explosion mit der Freisetzung von 10 t Reaktionsmasse, teilweise als „gelber Regen“ über den Nachbarorten. End- wie auch Ausgangsprodukt besitzen kreberregendes Potential, das letztere ist im Tierversuch eindeutig krebserregend. Seine Auswirkungen auf die betroffene Bevölkerung ist bis heute nicht endgültig geklärt. Der Störfall hat zu erheblichen Turbulenzen nicht nur bei der Hoechst AG geführt (u.a. Ablösung des Vorstandsvorsitzenden), sondern überall in Deutschland wurde das Risiko ähnlicher, exothermer Reaktionen diskutiert - auch in NRW.

Bei Bayer haben die verantwortlichen Chemiker wissen müssen, daß die analoge Reaktion des 2,5-Chlornitrotoluols mit Alkali ähnliche Risiken besitzt wie die Hoechster Reaktion. Möglicherweise wurde deswegen hilfsweise auf die weniger reaktive Pottasche zurückgegriffen. Jedenfalls hätten weitergehende Sicherheitsmaßnahmen stattfinden müssen. So hätte die Reaktion mit höchster Präzision und Aufmerksamkeit über die Daten der Meßwarte kontrolliert werden müssen - hiervon war nicht einmal ansatzweise die Rede. Und es hätten vor allem weitergehende Unterrichtungen stattfinden müssen - mit der Quintessenz : Kontrolle von Temperatur, Rührung ist hochsensibel; alles vermeiden, was zu schärferen Reaktionsbedingungen führt (d.h. auch niemals das reaktivere Ätzkali statt Pottasche einsetzen!).
Schließlich hätte eine Bayer-interne Reaktionsinventur nach dem Hoechster Störfall stattfinden müßen, ja auch vom NRW-Umweltministerium angeordnet werden müssen, wie dies z.B. seinerzeit in Hessen geschah. Dabei wäre man auch auf die Sensibilität der Produktion von Baycoxnitroether gestoßen. Von daher kann auch die Aufsichtsbehörde nicht von Versäumnissen freigesprochen werden.

2) Mit der Explosion bei Bayer-Wuppertal am 8.6.1999 wurden knapp 2,7 t des Reaktionsgemischs freigesetzt, das nicht nur das verwechselte stark ätzende Ätzkali enthielt, sondern die Reaktionskomponenten 2-Chlor-5-nitro-toluol und Trifluomercaptophenol, sowie ihre Reaktionsprodukte 2-Methyl-4-nitrophenol und Baycoxnitroether und sicherlich auch die entsprechenden substituierten Aniline. Alle diese Stoffe sind toxikologisch relevant, ihre Relevanz reicht vom karzinogenen Potential (ähnlich wie beim Hoechster Unfall) bis hin zum sicher auch nicht ganz ungefährlichen Mittel gegen Parasiten (Baycox).
Skandalös ist nun, daß bei den direkt nach der Explosion erfolgten Luftmessungen lediglich die klassischen Schadstoffe gemessen wurden und kein Versuch unternommen wurde, nach dem Verbleib der gefährlichen Inhaltsstoffe des explodierten Reaktors zu fahnden. Selbst die Hinweise von Verletzten auf eine „gelbe Wolke“ wurden vom Sachverständigen Schweers mit den klassischen Stickoxiden erklärt. An die freigesetzten gelbgefärbten Nitroverbindungen und die mit ihnen entstandenen Aniline dachte niemand. Vor allem unterließen es die Bayer-Chemiker nach ihrer ersten Unsicherheit über den explodierten Reaktor, die untersuchenden Stellen auf das freigesetzte Inventar hinzuweisen. So war auch eine verbindliche Prophylaxe bei der Behandlung der Verletzten nicht möglich. Es ist nicht auszuschließen, daß bei ihnen auch Langzeitschäden verursacht worden sind.Auch die involvierten staatlichen Ämter haben bei ihren Luft- und Staubuntersuchungen nicht die Inhaltsstoffe des Reaktors und ihre Reaktionsprodukte im Visier gehabt. Und kamen daher zu dem absurden Ergebnis, daß „Schadstoffe in bedeutendem Umfang nicht freigesetzt wurden“.

3) Zu den Methoden, die Hintergründe des Unfalls zu verschleiern, gehört schließlich eine besonders dreiste Manipulation. Staatsanwaltschaft und Behörden wurde durch nachträgliche Versuche vorgemacht, bei Bayer wäre die „stürmische“ Reaktion bei Einsatz von Kaliumhydroxid nicht bekannt gewesen. Aus Sicht eines ehemaligen Forschungschemikers liegt klar auf der Hand, daß jeder Chemiker, der die Synthese des Baycoxnitroethers entwickelt und untersucht, auch die kleine Variation mit Kaliumhydoxid ausprobiert. Hierbei muß schon früher bei den Vorarbeiten zur endgültigen Produktionsanweisung bekannt gewesen sein, daß Kaliumhydroxid ungeeignet ist - wegen zu stürmischen Verlaufs der Reaktion. Auch mit dieser Manipulation sollte die Verantwortung für den GAU von den Chemikern und den Führungsebenen abgelenkt werden.

Insgesamt haben wir zudem den Eindruck gewonnen, daß sämtliche staatlichen Investigatoren von den Chemikern bis zu den Kriminalpolizisten und Staatsanwälten fachlich in der Lagebeurteilung überfordert waren und vollständig abhängig von den Informationen der Fa. Bayer. Und dieser war vor allem daran gelegen, alles zu vermeiden, was zu Folgen wie in Hoechst 1993 führen könnte. Daher wurde ein Schuldiger von der untersten Ebene relativ schnell präsentiert; ansonsten war die Fa. daran interessiert, daß die Leitungsebene unbehelligt blieb und die Faktenlage darüber hinaus undurchsichtig blieb.

Fazit:

Das Wuppertaler Unglück muß durch die Staatsanwaltschaft und durch die staatlichen Aufsichtsbehörden neu bewertet werden. Dabei müssen die Versäumnisse des Managements, des Betriebschemikers und seiner unmittelbaren Vorgesetzten aber auch der Werksleitung und des Vorstands unter besonderer Berücksichtigung des analogen Störfalls von 1993 bei der Hoechst AG durchleuchtet werden. Da die aufgezeigten Manipulationen und Verschleierungen nur von höchster Ebene angeordnet oder wenigstens gebilligt worden sein können, sollten die Zuständigen in Werksleitung und Vorstand die Konsequenzen ziehen.

Zusammenfassung:

Es gab erhebliches Organisationsverschulden der Führungsebenen
(Betriebschemiker, Sicherheitsbeauftragter,Werksleiter,Vorstand):
* Die Verwechslung von Pottasche und Ätzkali hätte organisatorisch und technisch ausgeschlossen werden müssen.
* Die Meßwarte hätte besetzt sein müssen.*)
* Eine schärfste Kontrolle der Reaktion und ihrer Komponenten hätte angeordnet sein müssen
* Die Arbeitsanweisung hätte Hinweise auf die mögliche Explosivität der Reaktion enthalten müssen.

Denn die explosive Reaktion vom 8.´6.99 ist nicht irgendeine 08-15-Reaktion, sondern eine sehr ähnliche wie beim Explosions-Störfall 1993 bei Hoechst, als dort 10 Tonnen Reaktionsmasse zum „gelben Regen“ über der Nachbarschaft wurden.
Die genannten Maßnahmen hätten die Folgerungen aus dem Störfall bei der Hoechst-AG sein müssen, wie sie auch seinerzeit von der damaligen Oppositionspolitikerin Bärbel Höhn, jetzt Umweltministerin, gefordert wurden.
Der damalige Chemie-GAU führte zu erheblichen Turbulenzen bei der Hoechst AG (Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden Hilgers) und in der Chemischen Industrie Hessens. So wurde die Chemische Produktion im städtischen Umfeld selbst vom nachfolgenden Vorstandsvorsitzenden Jürgen Dormann („stadtnahe Chemie“) problematisiert.
Für die Bayer-AG und den Spezialfall Wuppertal wäre eine soche Debatte längst überfällig - gerade deswegen mußte sie in der Folge des 8.6. im Keim erstickt werden.
Das Trauma des Hoechster GAU bestimmte das Verhalten des Bayer-Managements: Es mußte alles, aber auch alles getan werden, um ähnliche Folgen zu verhindern:
* durch schnellste Präsentation eines Schuldigen von der unteren Ebene,
* durch Vermeidung einer analytischen Suche nach dem freigesetzten Reaktionsinventar - wegen dessen ähnlicher Carcinogenität verglichen mit den bei Hoechst freigesetzten Stoffen. Also suchte und fand man nur die klassischen Schadstoffe.
Die Hinweise von Zeugen auf die „gelbe Wolke“ (Mischung aus
Nitro- und Aminoverbindungen) wurden unbeachtet gelassen.
* Abschottung sämtlicher betroffener Mitarbeiter vor Kreuzverhören durch Aussageverweigerungen,
* Schnelle Präsentation eines Beweises, daß die verwechselte Chemikalie die Explosion auslöste - ein Faktum, das den Chemikern, die die Reaktion entwickelt hatten, bekannt gewesen sein muß.

Wir stellen fest:
Bayer wollte jeden Eklat um seine miserable Sicherheits-Organisation vermeiden. Die verantwortlichen Chemiker, Betriebs- und Werksleitung sollten daher verschont werden vor heiklen Fragen.
Bayer wollte sich hinziehende Debatten um die gesundheitlichen Folgen der herausgeschleuderten Inhaltsstoffe erst gar nicht entstehen lassen.
Bayer wollte jeden Ansatz einer Debatte um riskante Produktionen im engen Wuppertal in unmittelbarer Nachbarschaft von Wohnbebauung verhindern.
Sowohl Bayer als auch die Landesregierung haben offensichtlich nicht die Konsequenzen aus dem Hoechster Störfall gezogen.

Jetzt sind Staatsanwaltschaft und kontrollierende Landesbehörden gefordert, das Verfahren neu aufzurollen.

*) Der seinerzeit von den Behörden eingesetzte Gutachter kam zu dem Ergebnis, daß bei einer besetzten Meßwarte der ungewöhnliche Verlauf der Reaktion mit frühzeitig ansteigender Temperatur noch rechtzeitig hätte erkannt werden können, um mit Gegenmaßnahmen die Explosion zu verhindern!

AIDS

CBG Redaktion

23. November 2000

Entschädigung AIDS-kranker Bluter:

Bayer AG soll Stiftung finanzieren

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert das Unternehmen Bayer auf, die Rentenzahlungen an HIV-infizierte Bluter vollständig zu übernehmen. Die im Jahr 1995 eingerichtete Stiftung für die Opfer von verseuchten Blutkonserven steht vor dem Aus, da ihr Grundkapital größtenteils aufgebraucht ist. Bayer war als Weltmarktführer für Faktor VIII-Präparate verantwortlich für die HIV-Infektion Tausender Bluter.
Hubert Ostendorf von der CBG: „Der Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags hat eindeutig bestätigt, dass die Aids-Gefahr für Bluter frühzeitig bekannt war. Lediglich aus Kostengründen wurden die bestehenden Sicherungsverfahren damals nicht eingesetzt - Tausende von Blutern mussten dieses Versäumnis mit ihrem Leben bezahlen.“ Obwohl Mitarbeiter von Bayer intern bereits 1983 vor einer „gigantischen Epidemie“ warnten, weigerte sich das Unternehmen lange, entsprechende Tests und eine Hitze-Behandlung der Gerinnungspräparate einzuführen. Als diese Verfahren in den USA obligatorisch wurden, setzte Bayer die unbehandelten Produkte weiter in Japan und Lateinamerika ab. Ostendorf fordert daher neben der Übernahme der Rentenzahlungen durch die Bayer AG auch eine strafrechtliche Verfolgung der verantwortlichen Manager.
Während der Leverkusener Konzern allen japanischen Opfern auf Druck der dortigen Regierung 630.000 Mark Entschädigung, eine monatliche Rente und alle Behandlungskosten bezahlt, wurde in Deutschland lediglich eine Stiftung gegründet, die eine Minimalrente garantiert. Die Kosten dafür trägt zum größten Teil die Allgemeinheit - Bayer beteiligte sich lediglich mit 18 Millionen Mark. Der Leverkusener Konzern setzt jährlich fast eine Milliarde Mark mit Faktorpräparaten um, die Behandlung eines einzigen Patienten kann jährlich 300.000 Mark verschlingen.

Patentraub

CBG Redaktion

16. November 2000

BAYER muss wahrheitswidrige Behauptungen unterlassen:

Teilerfolg für Süllhöfer im Patentraub-Verfahren

Der Düsseldorfer Unternehmer und Erfinder Heinz Süllhöfer hat in dem langjährigen Patentraub-Verfahren gegen den BAYER-Konzern einen Teilerfolg errungen. Das Düsseldorfer Landgericht untersagte dem Leverkusener Unternehmen heute, weiterhin die Behauptung aufzustellen: “Süllhöfer hat bei seinen mehrfachen Besuchen in Leverkusen diese neue Technik (zur kontinuierlichen Herstellung von Polyurethan-Hartschaumplatten) kennen gelernt und danach schnell ein eigenes Patent für seine spezielle Variante des Herstellungsverfahrens angemeldet (...)”. Sollte BAYER diese Aussage wiederholen, so muss der Konzern mit einer Strafe von bis zu 500.000 Mark oder einer Ordnungshaft von bis zu sechs Monaten rechnen.
“Damit darf BAYER nicht mehr sagen, ich hätte nicht das Patent”, freut sich der Unternehmer. Seit dreißig Jahren fordert Süllhöfer vom BAYER-Konzern Lizenz-Gebühren für die Nutzung eines Maschinen-Patents zur Herstellung von Kunststoff-Platten. Die Forderungen belaufen sich auf mehrere Hundert Millionen DM.
Einem von Süllhöfer gestellten Beweisantrag gaben die Richter nicht statt. Grundlage dieses Antrages war ein Gutachten der Technischen Universität Aachen. Es belegt, dass BAYER an Konstruktionszeichnungen der Maschine nachträglich Manipulationen vorgenommen hat, um sie als eigene Erfindung ausweisen zu können. Hätte das Gericht diesem Begehren Süllhöfers stattgegeben, hätte das ganze Verfahren noch einmal aufgerollt werden müssen. Ermutigt vom Ausgang des Verfahrens kündigte der Unternehmer heute eine erneute Klage vor einem Kölner Gericht an.

Sponsoring

CBG Redaktion

13. November 2000

Zu den Präsidentschafts-Wahlen in den USA:

Bayer sponsorte Bush-Wahlkampf

Die Leverkusener Bayer AG hat mit sechsstelligen Summen den Wahlkampf des republikanischen Präsidentschafts-Kandidaten George W. Bush unterstützt. Bereits im Sommer wurden 120.000 US$ über das eigens eingerichtete Komitee BayPAC an Bush gespendet, weitere Zahlungen folgten in der heißen Phase des Wahlkampfes. Kritiker werfen dem Konzern vor, Einfluss auf die Politik auszuüben, um hohe Pharmapreise und niedrige Sicherheitsauflagen durchzusetzen. Gouverneur Bush ist verantwortlich für die niedrigen Umweltschutz-Standards der texanischen Chemie-Werke, sein designierter Vize Dick Cheney ist ehemaliger Manager der Öl-Industrie.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.: „George W. Bush vertritt ganz unverblümt die Interessen der Öl-, Pharma- und Chemie-Unternehmen. Auf der Strecke bleiben der Umweltschutz und die Interessen der Verbraucher. Aus dem hehren Ziel der amerikanischen Verfassung One man-one vote ist ein schnödes One Dollar-one vote geworden.“ Mimkes fordert das Unternehmen Bayer auf, alle Zahlungen an Parteien und Politiker einzustellen.
Da Spenden ausländischer Unternehmen in den USA verboten sind, wurden die Beträge über Umwege - deklariert als private Spenden von Mitarbeitern - überwiesen. Auf diese Weise spendete Bayer in den letzten fünf Jahren über 600.000 Dollar an US-Politiker, von den deutschen Firmen zahlten nur DaimlerChrysler und Heidelberger Zement mehr. Offen bekundet Ronald Docksai, Leiter des Lobby-Büros von Bayer: ”Jeder weiß, dass wir als Unternehmen mit einem Präsidenten Bush viel glücklicher wären als mit einem Präsidenten Gore”. Die Lobby-Aktivitäten der Pharma-Industrie stellen die aller anderen Industriezweige weit in den Schatten.
Der Kongress-Abgeordnete Bernhard Sanders aus Vermont: ”Es gibt eine direkte Verbindung zwischen den massiven Profiten der Arzneimittel-Industrie und der Tatsache, dass Amerikaner weltweit die höchsten Preise für Medikamente zahlen.” Mit Al Gore als Präsident könnten die goldenen Zeiten, die den Pillen-Produzenten hohe Gewinn-Spannen, Steuer-Erleichterungen, beschleunigte Arznei-Zulassungsverfahren und eine Stärkung des Pharmazeutika-Patentrechts bescherten, ein wenig Glanz verlieren.

Pestizide

CBG Redaktion

gem. Presseerklärung von Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG), WWF Deutschland

„Fehler im Vegetations-Management bei der Bahn soll Pestizid-Einsatz rechtfertigen“

Umweltverbände kritisieren geplante Wiederzulassung von Diuron

(Hamburg, 2. November 2000): Das Pestizid Aktions-Netzwerk, WWF Deutschland und die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisieren die geplante Wiederzulassung des Herbizids Diuron auf Gleisanlagen zur Bekämpfung des Pflanzenbewuchses. Die Umweltverbände halten eine Aufhebung des derzeit geltenden Anwendungsverbotes für nicht akzeptabel und fordern Maßnahmen, um die Diuron-Belastung in Grund- und Oberflächengewässern deutlich zu reduzieren.
Die geplante Wiederzulassung von Diuron wird mit dem verstärkten Wildpflanzenbewuchs der Gleise begründet. Diuron tötet jedoch nicht nur Pflanzen, sondern versickert im Boden und belastet Gewässer, Grund- und Trinkwasser. Es ist giftig für viele Wasserlebewesen und steht im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen und das Hormonsystem zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat die Wiederzulassung des u.a. von der Leverkusener Bayer AG vermarkteten Herbizids empfohlen, das Bundeslandwirtschaftsministerium legte kürzlich einen entsprechenden Entwurf vor.
In einer detaillierten Stellungnahme des Pestizid Aktions-Netzwerk heißt es, dass der Ruf nach Diuron auf Missmanagement bei der Bahn beruht. Der starke Bewuchs sei darauf zurückzuführen, dass die Bahn seit 1996 die Mittel für die Gleis- und Böschungspflege erheblich reduziert habe und bestehende ungiftige Alternativen nicht einsetzt. Die Bahnunternehmen der Schweiz und Österreichs betreiben bereits seit 1992 ihre Vegetationskontrolle ohne Bodenherbizide wie Diuron.
Die Deutsche Bahn hatte 1993 eine Studie beim Institut Fresenius in Auftrag gegeben, die die Grundwasserbelastung durch den Einsatz von Diuron exemplarisch an fünf Standorten untersucht. Die Studie erfasst jedoch weder die Gefährdung des Oberflächenwassers noch bewertet sie die zahlreichen vorliegenden Untersuchungen zur Gewässerbelastung durch Diuron. Der freiwillige Diuronverzicht der DB AG im Jahr 1996 und das Verbot der Anwendung von Diuron auf Gleisanlagen 1997 sind auf der Basis eines Kenntnisstandes getroffen worden, der nach Ansicht der Umweltverbände nichts an seiner Gültigkeit verloren habe.
Auch die Betreiber von Wasserwerken kritisieren die geplante Wiederzulassung. Ortwin Rodeck von der Gelsenwasser AG: „Bundesweit müsste ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden, um das Diuron aus dem Trinkwasser zu filtern.“

Resistenzen

CBG Redaktion

30. Oktober 2000

Wegen Gesundheitsgefährdung durch resistente Keime:

Antibiotika-Verbot für Tierzucht

Die US-Regierung will die Verwendung von zwei Antibiotika in der Geflügelzucht verbieten. Nach Auffassung der Gesundheitsbehörde Food and Drug Administration (FDA) entstehen durch die Verfütterung sogenannter Fluoquinolone resistente Keime, mit denen jährlich mehr als 10.000 Amerikaner infiziert werden. Zum ersten Mal spricht damit die amerikanische Regierung ein Verbot aus, um dieser Entwicklung entgegenzutreten, das Gesetz muss jedoch noch vom Senat bestätigt werden. Marktführer für diese Art von Antibiotika ist das Leverkusener Unternehmen Bayer.
Nach Angaben der FDA sind Fluoquinolone eine „wichtige Ursache“ für Infektionen mit Campylobacter Bakterien, die im wesentlichen durch den Genuss von Hühnerfleisch übertragen werden. Rund 1,8 Millionen Erkrankungen durch Campylobacter treten jährlich allein in den USA auf, 190.000 Fälle werden mit Antibiotika behandelt. In rund 11.000 Fällen treten Antibiotika-resistente Keime auf - 20 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Nach Berechnungen der FDA sind rund 5.000 Erkrankungen mit resistenten Bakterien auf den Einsatz von Fluoquinolonen in der Hühnerzucht zurückzuführen.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Fluoquinolone werden für die Behandlung von Menschen dringend benötigt. Die Zahlen der FDA sprechen eine deutliche Sprache: Bayer muss jetzt das Produkt Baytril vom Markt nehmen - nicht nur in den USA, sondern auch in Europa.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert seit Jahren ein Verbot des Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht.
Fluoquinolone werden seit 1986 in der Humanmedizin eingesetzt und werden von Bayer unter dem Markennamen Ciprobay vertrieben. Fast die Hälfte aller Antibiotika wird jedoch an Tiere verfüttert, in der EU allein 10.000 Tonnen jährlich. Bayer ist weltweit der drittgrößte Hersteller von Veterinär-Produkten - der jährliche Umsatz liegt bei 1,7 Milliarden Mark.

Bienensterben

CBG Redaktion

25. Oktober 2000

Pestizide verursachen Bienen-Sterben

Französische Imker demonstrieren vor BAYER-Fabrik

1.500 Imker aus ganz Frankreich demonstrieren heute vor einer Fabrik des Unternehmens BAYER in Cormery nahe Tours. Sie fordern den Leverkusener Konzern auf, den Pestizid-Wirkstoff Imidacloprid vom Markt zu nehmen, da dieser für das größte Bienen-Sterben der letzten Jahrzehnte verantwortlich ist. 250 Imker reisen mit Traktoren an und werden vor dem Werk leere Bienenstöcke aufbauen. Imidacloprid, enthalten in den Produkten Gaucho und Confidor, wird für das Absterben von 40% aller französischen Bienenvölker in den vergangenen sechs Jahren verantwortlich gemacht.
Bereits gestern organisierte der Zusammenschluss der französischen Imker-Verbände Coordination des Apiculteurs de France Kundgebungen in über 30 Städten. Die Protestaktion wird unterstützt vom Französischen Verband der Agrargewerkschaften FNSEA sowie von der radikaleren Conféderation Paysanne. Die Imker-Organisationen fordern ein endgültiges Verbot von Gaucho und Confidor auf allen Kulturen - besonders im Mais-Anbau werden große Mengen Imidacloprid eingesetzt.
Im Januar 1999 war Gaucho für die Verwendung im Sonnenblumen-Anbau vorläufig verboten worden. Das Unternehmen Bayer scheiterte im vergangenen Dezember vor Gericht mit einer Klage gegen das Verbot. In den Niederlanden wurde Gaucho im Januar auf allen freien Flächen verboten. Die Zulassung der französischen Aufsichtsbehörde ist besonders wichtig, da sie von zahlreichen afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern übernommen wird, die keine eigenen Aufsichtsbehörden unterhalten.

TAUCCAMARCA

CBG Redaktion

23. Oktober 2000

Ein Jahr nach dem Tod von 24 Kindern in Tauccamarca/Peru:

BAYER nimmt hochgiftiges Pestizid vom Markt

Ein Jahr nach der tödlichen Pestizid-Vergiftung von 24 Kinder im peruanischen Tauccamarca hat das Leverkusener Unternehmen BAYER das Pestizid Folidol vom Markt des südamerikanischen Landes genommen. Am 13. Oktober hatten die zuständigen Behörden die Zulassung von Folidol und verwandten Pestiziden zurückgezogen.
Eine Vergiftung durch Folidol gilt als mögliche Ursache des Sterbens am 22. Oktober 1999. Staatliche Stellen legten bis heute keinen Bericht über den Verlauf der Tragödie vor - auch die genaue Todesursache der Kinder blieb unter Verschluss. Jährlich erleiden mindestens 6.000 Peruaner Pestizid-Vergiftungen.
Die Menschenrechtsorganisation Instituto de Defensa Legal hatte sich mit einem Offenen Brief an die Firma BAYER gewandt und einen Verkaufs-Stopp gefordert. Auch deutsche Organisationen wie die Informationsstelle Peru und kirchliche Initiativen beteiligten sich an der Kampagne. Trotz fehlender Ergebnisse der staatlichen Untersuchungen in Peru wies Bayer die Forderung bislang mit der Begründung zurück, dass die Ermittlungen keine Hinweise auf Folidol als Unglücksursache enthielten.
Das Instituto de Defensa Legal verlangt weiterhin eine unabhängige Untersuchung der Vergiftungen in Tauccamarca. Wenn sich der Verdacht bewahrheitet, dass Folidol die Ursache der Vergiftungen war, müsse Bayer die betroffenen Familien der Opfer entschädigen und die Behandlungskosten der Verletzten übernehmen. Andere gefährliche Pestizide deutscher Hersteller bleiben in Peru weiterhin im Handel, u.a. Tamaron von Bayer, Folque von BASF und Temik von Aventis.

USA

CBG Redaktion

18. Oktober 2000

Amerikanische Bluter stoppen Kooperation mit Pharmakonzern Bayer

Medikamente nur für Reiche?

Die amerikanische National Hemophilia Foundation (NHF), die die Interessen von 14.000 Blutern in den USA vertritt, beendet mit sofortiger Wirkung jegliche Zusammenarbeit mit dem Pharmaunternehmen Bayer. Alle Spenden des Leverkusener Konzerns an die Stiftung wurden zurück überwiesen, eine Delegation von Bayer zum anstehenden Jahrestag der NHF wurde ausgeladen.
„In Zukunft entscheidet die teuerste Versicherung darüber, wer eine Behandlung erhält“, protestiert Mark Skinner, Präsident der NHF, „für Bayer scheint die Profitrate wichtiger zu sein als die Hilfe für schwerkranke Menschen.“ Hintergrund des Zerwürfnisses: Bayer zieht das Medikament Kogenate FS aus dem freien Handel zurück. In Zukunft soll das Blutfaktor-Präparat nur noch an Direktabnehmer verkauft werden, die dem Unternehmen Alter, Krankheitsgeschichte und die Art ihrer Krankenversicherung mitteilen müssen. Bayer ist Alleinanbieter für diese Art von Gerinnungsfaktoren, die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem.
Die NHF kritisiert in einem Offenen Brief an Bayer den Besitz vertraulicher Patientendaten durch das Unternehmen und die Risiken für Notfall-Patienten, die in Krankenhäusern keine Blutgerinnungsmittel mehr erhalten können. Die Stiftung befürchtet zudem höhere Preise aufgrund der Monopolstellung des Anbieters - schon heute geben Hämophile jährlich bis zu 150.000 US$ für ihre Behandlung aus. Besonders ältere Betroffene, die auf die staatlichen Programme Medicare und Medicaid angewiesen sind, könnten in Zukunft leer ausgehen.
Jan Hamilton, Vorsitzende der zweiten großen Bluter-Vereinigung Hemophilia Federation of America: „Niemand von uns vertraut Bayer“. In den 80er Jahren hatte sich die große Mehrheit der amerikanischen Hämophilen mit Hepatitis C infiziert. 40% der Patienten wurden außerdem mit HIV angesteckt, obwohl Experten jahrelang auf die Risiken hingewiesen hatten. Schon damals war Bayer Weltmarktführer für Blutprodukte.

Demo

CBG Redaktion

31.08.2000

Für den Ausstieg aus der Risiko-Technologie:

Heute Proteste bei BAYER

Heute werden TeilnehmerInnen des Camps der Gentechnik-KritikerInnen gagatu in Köln-Poll einem der weltweit führenden Gentechnik-Unternehmen einen Besuch abstatten:
Donnerstag, 31.08.2000, 13 Uhr
Leverkusen BAYER-Werk
Fr.-Ebert-Str. (B8) Tor 1

Die DemonstrantInnen wenden sich mit dieser Aktion gegen die rücksichtslose Unterordnung der „Bausteine des Lebens“ unter die betriebswirtschaftliche Profitmaxime. Zugleich wollen sie mit ihren Protesten auf das unkalkulierbare Risko der Gentechnologie und der gentechnischen Produkte hinweisen. Axel Köhler-Schnura (Vorstand Coordination gegen BAYER-Gefahren): „Entgegen allen Heilsversprechen dient die Gentechnologie einzig den goldenen Bilanzen des BAYER-Konzerns.“

Archiv

CBG Redaktion

24. August 2000

Trotz Verpflichtung im neuen Stiftungsvertrag:

Bayer AG verweigert Zugang zu Konzern-Archiv

Die Leverkusener Bayer AG verweigert Kritikern des Unternehmens den Zugang zum Werksarchiv, in dem sich umfangreiches Material aus der Zeit des Dritten Reiches befindet. Mitarbeiter der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) wollen dort Unterlagen einsehen, die die „Arisierung“ eines jüdischen Friedhofs in Krefeld betreffen. Außerdem sollen Briefwechsel zwischen dem Leverkusener Bayer-Werk und dem KZ Auschwitz, in dem im Auftrag der IG Farben Menschenversuche durchgeführt wurden, eingesehen werden. Erst im vergangenen Jahr hatte die Bayer AG das Archiv der skandalträchtigen IG Farben AG in Liquidation übernommen.
Im Gegensatz zu anderen Firmen beauftragte Bayer bislang keine unabhängigen Historiker mit der Niederschrift einer Konzerngeschichte. Nun antwortete das Unternehmen: „...ergibt sich keine Verpflichtung, Ihrem Antrag nachzukommen. Wir möchten Sie bitten, von weiterer Korrespondenz in dieser Angelegenheit abzusehen.“
In den Vertrag der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“, die die Entschädigung ehemaliger Sklavenarbeiter regelt, wurde auf Drängen amerikanischer Anwälte die Öffnung der Werksarchive festgeschrieben. In der Vergangenheit war Journalisten und Unternehmenskritikern der Zutritt meist verweigert worden.
Die CBG begleitet das Unternehmen Bayer seit über zwanzig Jahren und ist Herausgeber des Buches „IG Farben - Von Anilin bis Zwangsarbeit“. Im Juni organisierte der Verein eine Demonstration in Uerdingen, um an den zerstörten jüdischen Friedhof zu erinnern. Auf dem Gelände des Friedhofs befindet sich heute der Eingang zum Bayer-Werk Uerdingen, ein Hinweisschild oder ein Denkmal sucht man vergeblich.

Alltagsdrogen

CBG Redaktion

8. August 2000

Studie belegt: Pillen für den Alltag führen zu Suchtverhalten

Kritik an „Lifestyle-Medikamenten“

Heftige Kritik an neuen „Lifestyle-Medikamenten“ äußerten Pharmakritiker heute in Düsseldorf. Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren bemängelt, dass Pharmaunternehmen wie die Leverkusener Bayer AG die Forschung gegen Tropenkrankheiten eingestellt haben, gleichzeitig aber sinnlose Alltags-Pillen entwickeln. "Während jede Bagatelle zum profitträchtigen Makel erklärt wird, fordern Krankheiten wie Malaria und Bilharziose Millionen von Opfern. Die Pharmamultis arbeiten nicht gegen die Geißeln der Menschheit, sondern nur für ihre Dividende”, so Ostendorf.
Life-Style-Medikamente haben Konjunktur: La Roche bringt ein Präparat gegen Fettleibigkeit auf den Markt, MSD ein Mittel gegen Haarausfall. In den USA haben die Hersteller Lustpillen für Frauen und Wachstumsförderer für Kinder in der Pipeline, und seit kurzem gibt es die erste Anti-Raucher-Pille.
Die Bayer AG arbeitet an einem Konkurrenzprodukt für Viagra. Die Nebenwirkungen von Viagra führten bereits zu zahlreichen Todesfällen. Kritiker bezweifeln, dass der neue Lustförderer wie versprochen ”erheblich weniger Nebenwirkungen” haben wird.
Viele der neuen Alltags-Pillen haben ein hohes Suchtpotenzial und verwischen die Grenze zwischen Medikamenten und Drogen. Eine Studie der Universität Bielefeld belegt, dass ”normale” Medikamente den Einstieg zu Designerdrogen wie Speed und Ecstasy erleichtern. Befindlichkeitsstörungen werden zunehmend mit einer ”reflexartigen pharmakologischen Reaktion” beantwortet. Der Zugang zu Medikamenten, so die Bielefelder Untersuchung, sei durch immer mehr frei verkäufliche Mittel in den letzten zehn Jahren extrem erleichtert worden, was das Suchtverhalten bei den Betroffenen wie den Profit bei der Pharmaindustrie fördere.

[EBS] European Business Summit

CBG Redaktion

9. Juni 2000

Zum Auftakt des European Business Summit in Brüssel:

Protest gegen Verquickung von Wirtschaft und Politik

Organisationen aus ganz Europa kritisieren anlässlich des European Business Summit in Brüssel den wachsenden Einfluss der Industrie auf die Politik. Besonders bemängelt werden die mangelnde Transparenz politischer Entscheidungen auf europäischer Ebene und die Verquickung der EU Kommission mit Lobbyorganisationen der Wirtschaft.
Die EU Kommission mit Romano Prodi an ihrer Spitze und Vertreter des europäischen Parlaments treffen ab heute mit rund 1.000 Vertretern europäischer Unternehmen zusammen - Gewerkschaften und Verbraucher-Verbände sind zu dem Austausch nicht eingeladen. In insgesamt 10 workshops, geleitet jeweils von einem EU Kommissar und einem Konzern-Vertreter, werden Themen wie Privatisierungen, Steuersenkungen für Unternehmen und Handelsliberalisierungen diskutiert.
Erik Wesselius vom Amsterdamer Corporate Europe Observatory kritisiert den privilegierten Zugang der Wirtschaftslobbyisten zur EU Kommission und ihren Gremien: ”Der überdimensionale Einfluss der Industrie auf die Entscheidungen der EU ist eine Gefahr für die Demokratie.” Hubert Ostendorf von der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergänzt: ”Wenn politische Entscheidungen allein nach Vorgaben der Industrie gefällt werden, geraten Umwelt- und Verbraucherschutz, die Rechte von ArbeitnehmerInnen und die sozialen Sicherungssysteme immer mehr unter die Räder.”
Der European Business Summit wird vom europäischen Arbeitgeberverband UNICE und vom exklusiven European Roundtable (ERT), dem die 47 größten Konzerne Europas angehören, organisiert. Der Leverkusener Bayer-Konzern ist in beiden Gremien vertreten – ebenso die Unternehmen Veba, Daimler Benz, Siemens, Bertelsmann und Krupp. Unter anderem gehen die europäische Wirtschaftsunion und das europäische Verkehrswegeprogramm wesentlich auf Vorgaben des ERT zurück.

Pharma-Tests

CBG Redaktion

31. Mai 2000

Londoner Sunday Times berichtet:

Bayer verschwieg Risiken von Pharma-Tests

Nach Angaben der Londoner Sunday Times verschwieg der Bayer-Konzern mögliche Unverträglichkeiten eines Antibiotikums und gefährdete damit 650 Patienten in englischen Krankenhäusern. In einer klinischen Studie in sechs Hospitälern war das Medikament Ciproxin bei Operationen eingesetzt worden, obwohl dem Unternehmen Untersuchungen vorlagen, nach denen Ciproxin im Zusammenspiel mit anderen Pharmazeutika seine Wirksamkeit verlieren kann. Hierdurch stieg die Gefahr von Infektionen. Den beteiligten Krankenhäuser wurden die Risiken vor Beginn der Studie nicht mitgeteilt.
“Obwohl ich zu Beginn der Tests auf die Probleme hingewiesen habe, wurde die Studie im ganzen Land unverändert weitergeführt” kritisiert der Chirurg Stephen Karran. “Ich glaube, dass Patienten gelitten haben. Daher ist eine unabhängige Untersuchung notwendig”. Karran gehört zu den Wissenschaftlern, die bereits 1989 im Auftrag von Bayer das Zusammenspiel des Wirkstoffs Ciprofloxacin mit Schmerzmitteln, die bei Operationen eingesetzt werden, untersuchten. Nach mehreren erfolglosen Beschwerden wandte sich der Arzt an die Presse.
Bislang wurden nur die Testergebnisse aus einer Klinik in Southampton bekannt. Nach Angaben der Sunday Times erlitt mindestens ein Teilnehmer der Studie eine lebensbedrohliche Infektion. Die Resultate der übrigen fünf Krankenhäuser will Bayer aus Geheimhaltungsgründen nicht offenlegen.
Ciproxin, in Deutschland unter dem Namen Ciprobay auf dem Markt, ist in England seit 1993 für bestimmte Operationen zugelassen. Bayer strebt die Zulassung für weitere Gebiete an. Das Unternehmen räumte ein, dass die Probleme mit Ciproxin vor Beginn der Studie bekannt waren und dass die Testunterlagen keinen entsprechenden Hinweis erhielten. Im Verlauf der Studie seien die Protokolle jedoch ergänzt worden. Der staatliche National Health Service kündigte eine Untersuchung an.

Wuppertal

CBG Redaktion

26. Mai 2000

wegen des Unfalls im Werk Wuppertal im Juni 1999:

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Bayer AG

Gutachten fordert Konsequenzen für Bayer-Vorstand

Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat wegen des Verdachts auf Luftverunreinigung Anklage gegen die Bayer AG erhoben und reagiert damit auf eine Strafanzeige des Vereins Coordination gegen BAYER-Gefahren. Die Umwelt-Initiative wirft dem Unternehmen ”schwere Gefährdung durch Freisetzung von Giften” und ”unerlaubten Umgang mit nicht zugelassenen Stoffen” vor. Das Verfahren wird am Amtsgericht Wuppertal vor einem Strafrichter geführt.
Axel Köhler-Schnura vom CBG-Vorstand: ”Es besteht der Verdacht, dass Bayer mit nicht zugelassenen und nicht dokumentierten Stoffen gearbeitet hat, für die nicht einmal Sicherheitsdatenblätter existieren. Wir sehen den dringenden Verdacht gegeben, dass dem Unfall ein strafbares Handeln zugrunde liegt.” Köhler-Schnura weiter: ”Der Konzern hat trotz der zahlreichen Unfälle in der Vergangenheit die Sicherheitslage nicht verbessert und erfüllt damit den Tatbestand der groben Fahrlässigkeit.”
Die CBG kritisiert, dass der Öffentlichkeit keine Katastrophenpläne bekannt waren, dass Menge und Zusammensetzung der ausgetretenen Stoffe nicht veröffentlicht wurden und dass die Unternehmenssprecher verharmlosend von einer ”Betriebsstörung mit Geruchsbelästigung” sprachen.
Bei der Explosion in Wuppertal waren am 8. Juni 1999 mehr als 100 Menschen verletzt worden. Eine systematische Untersuchung von Anwohnern und Verletzten wurde nicht vorgenommen, so dass eine Langzeiterfassung von Gesundheitsschäden nicht möglich ist. Ein offener Brief der Initiative an die Bayer AG blieb bis heute unbeantwortet. Zu einer Bürgerversammlung mit Bärbel Höhn schickte das Unternehmen keinen Vertreter – trotz einer Einladung der Umweltministerin.

Fußball

CBG Redaktion

20. Mai 2000

Zum heutigen Finale der Fußball-Meisterschaft:

Leverkusener Erfolg verdeckt Kehrseiten des Bayer-Konzerns

Anlässlich des Finales der Fußball Bundesliga äußern Kritiker des Unternehmens Bayer die Befürchtung, dass die Leverkusener Erfolge die vom Chemie-Konzern verursachten Probleme überdecken. Das sportliche Engagement drängt die Berichterstattung über Störfallrisiken, Umweltverschmutzung und giftige Produkte in den Hintergrund.
Hubert Ostendorf vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): ”Bayer betreibt das Sport-Sponsoring lediglich aus Werbegründen. Kein Verein in Deutschland forciert die Kommerzialisierung des Sports so rücksichtslos wie Bayer 04 – der Verein wurde mittlerweile sogar in eine GmbH umgewandelt”. Die Spieler der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH kicken laut Eintrag im Handelsregister zum Zweck des Einsatzes als Werbeträger für die Bayer AG. Hierzu Ostendorf: ”Deutlicher kann man die Degradierung des Sports zum Imagefaktor nicht in Worte fassen.”
Die Unterstützung des Breitensports hat Bayer in den letzten Jahren deutlich eingeschränkt. Ab der kommenden Saison wird der Verein Trikotwerbung für die RWE-Tochter avanza betreiben und dann am Tropf der beiden größten Konzerne Nordrhein-Westfalens hängen. Ostendorf fordert die Offenlegung der finanziellen Unterstützung durch den Chemie-Multi sowie ein Verbot des Besitzes von Mannschaften durch Konzerne. Zahlreiche Initiativen werden am heutigen Samstag in der Leverkusener Innenstadt gegen die teilweise skrupellose Geschäftspolitik von Bayer demonstrieren.
Die CBG dokumentiert seit über 20 Jahren Probleme, die vom Bayer-Konzern in aller Welt verursacht werden. Zentrale Themen der Vereinsarbeit sind die Gefahren von Bayer-Pestiziden, Sicherheitsbedingungen in Bayer-Werken in der Dritten Welt, die Verschmutzung von Wasser und Luft sowie die bis heute ausgebliebene Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter durch die Chemische Industrie.