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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

Trasylol

CBG Redaktion

Heute wurde im New England Journal of Medicine eine kanadische Studie veröffentlicht, wonach die Sterberate bei Trasylol-Patienten mehr als 50 Prozent höher liegt als bei Herzkranken, die mit anderen Medikamenten behandelt werden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren weist seit langem auf die Risiken von Trasylol hin. Lesen Sie hierzu:

=> Interview: „Massive Nebenwirkungen von TRASYLOL lange bekannt“
=> Früherer Stopp von Trasylol hätte 22.000 Menschenleben gerettet
=> Presse Info: „Aus Lipobay-Skandal nichts gelernt“
=> Artikel Zweifelhaftes Pharma-Marketing bei BAYER

15. Mai 2008

Bayer nimmt sein umstrittenes Herzpräparat Trasylol praktisch vollständig vom Markt

Die US-Arzneimittelaufsicht FDA erklärte am Mittwoch, Bayer habe angekündigt, in den Vereinigten Staaten die noch vorhandenen Bestände einzuziehen. Das Medikament solle künftig nur noch zu Studienzwecken für bestimmte Patienten verfügbar bleiben, die keine akzeptablen Alternativen hätten. Die Behörde befürworte die Entscheidung, Trasylol komplett aus dem regulären Gebrauch in den USA zu nehmen.
Eine Bayer-Sprecherin erklärte, die Bestände des Präparats würden in allen Ländern eingezogen, in denen sie sich noch in der Lieferkette befänden. Davon ausgenommen seien nur Staaten, in denen die Behörden das Mittel für Sonderprogramme auf dem Markt halten wollten.
Zuvor hatte das Fachblatt „New England Journal of Medicine“ die Ergebnisse einer lange erwarteten Studie veröffentlicht, derzufolge die Sterberate bei Trasylol-Patienten mehr als 50 Prozent höher liegt als bei Herzkranken, die mit anderen Medikamenten behandelt werden. Das bedeute höchstwahrscheinlich das Ende des auch unter dem Wirkstoff-Namen Aprotinin bekannten Mittels, folgerten die Autoren der kanadischen Untersuchung. „Auch wenn die Existenz einer Patientenklasse, denen Aprotinin nutzen würde, nicht unmöglich ist, erscheint sie äußerst unwahrscheinlich“, führten sie aus.
Bayer hatte den Vertrieb von Trasylol im November wegen zunehmender Hinweise auf ein erhöhtes Sterberisiko zunächst ausgesetzt. Das Medikament, mit dem Bayer jährlich gut 150 Millionen Euro umsetzte, wurde bei bestimmten Herzoperationen eingesetzt, um den Blutverlust zu verringern.

[Demo Lev] Zerstörung Biodiversität

CBG Redaktion

Aktionsbündnis COP 9
Bonn, 15. Mai 2008

Natur für Menschen – nicht für's Business!

Samstag, 17. Mai: Protest am Bayer-Werk Leverkusen

Treffpunkt: 11 Uhr, Leverkusen, S-Bahnhof Bayerwerk
11.30 Uhr Bayer-Werk (Kreuzung Kaiser-Wilhelm-Allee / Friedrich-Ebert-Str (B8))

Als einer der größten Pestizid-, Gentechnik- und Saatgut-Konzerne zerstört BAYER massiv die biologische Vielfalt und gefährdet die Ernährungssicherheit. Während es in vielen Teilen der Erde zu Hunger-Aufständen kommt, heißt es im jüngsten BAYER-Geschäftsbericht: „Wir konnten an der positiven Entwicklung der Welt-Agrarmärkte partizipieren“.
Wir wollen die ökologischen und sozialen Zerstörungen durch den transantionalen Bayer-Konzern anprangern und die “grün-wasch-Kampagne” des Unternehmens im Rahmen der COP 9 in Bonn entlarven.

Samstag 17. Mai: Besuch bei den Bayer-Werken in Leverkusen zwischen 11:30 und 13:00 Uhr.

Unter dem Vorwand, sich auch für Naturschutz zu interessieren, nutzen transnationale Konzerne internationale Verhandlungen um sich mehr Kontrolle über natürliche Ressourcen zu sichern. Viele der von ihnen propagierten Lösungen gegen Klimaveränderung und den Verlust von biologischer Vielfalt (Agrofuels, GM-Pflanzen und Bäume, Terminator-Technologie, Schutzgebiete,...) führen letzten Endes zur Privatisierung von Biodiversität auf Kosten der ländlichen und indigenen Gemeinschaften.

Vom 12. bis 30. Mai finden in Bonn Verhandlungen zum Cartagena Protokoll über Biosicherheit (MOP 4) und Verhandlungen zur Konvention über biologische Vielfalt (COP 9) statt. Dort wird u.a. über die oben genannten Themen diskutiert.

“Natur für Menschen, nicht fürs Business!” unter diesem Motto ruft ein internationales Bündnis aus sozialen Bewegungen und AktivistInnen zu Protesten auf. Vor dem Hintergrund massiver Umweltzerstörung durch die Plünderung natürlicher Ressourcen im Interesse von Konzernen, sind wir der Meinung, dass die Priorität auf einem sofortigen Stopp von Privatisierungen und einer gerechten Verteilung von natürlichen Ressourcen zu Gunsten der lokalen Gemeinschaften sein muß.

Kontakt und weitere Informationen:
Info-Phone: 0151-51806945, http://biotech.indymedia.org

Aktionsbündnis COP 9:
Aktionsnetzwerk globale Landwirtschaft
ASEED Europe
Bonner AK gegen Gentechnologie
BUKO Kampagne gegen Biopiraterie
Corporate Europe Observatory
Grüne Jugend
Netzwerk Freies Wissen
Via Campesina

Presse Kontakte:
Flip Vonk (ASEED) +49-15120 6419176
Gregor Kaiser (BUKO) +49-151-18187950
Anne Schweigler (BUKO) +49-162-5237137
Morgan Ody (Via Campesina) +49-151-53630102

c/o Oscar Romero Haus
Heerstr. 205
53111 Bonn

[DBIB] Bienensterben

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert ein präventives Verbot der von BAYER hergestellten Pestizide Gaucho und Poncho, um weitere Bienensterben zu verhindern. Lesen Sie hierzu auch eine Pressemitteilung des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker Bunds DBIB

Exodus der Bienen

Sind Beiz-Staub und Pflanzenschutzmittel-verseuchter Boden Ursache für Bienensterben?

14. Mai 2008 -- „Die Ursache des aktuellen, massiven Bienensterbens entlang des Oberrheins soll noch unklar sein?“, staunt Manfred Hederer, Präsident des Deutschen Berufs- und Erwerbs-Imker-Bunds, der die erwerbsorientierten Imker Deutschlands vertritt, beim Lesen der Presseerklärung des Landwirtschaftsministeriums in Baden-Württemberg . „In allen 15 bisher untersuchten Proben der verendeten Bienen ist der Wirkstoff Clothianidin, ein für Bienen und andere Insekten bereits in geringsten Mengen tödliches Nervengift, gefunden worden!“, so Hederer. „Das ist, als ob man einer Leiche mit einem Messerstich ins Herz Tod durch einen Magen-Darm-Virus bescheinigt.“

Clothianidin wird als Beizmittel u. a. für Maiskörner, die seit wenigen Wochen am Oberrhein ausgesät werden, verwendet. Mit der Maisaussaat begann das Massensterben der Bienen. Die Stäube, die bei der Aussaat entstehen, können auf blühende Pflanzen auf Nachbaräckern und Waldränder abdriften und werden dort von den Bienen aufgenommen und in den Bienenstock transportiert. Die Trachtbiene nimmt dabei das Gift als erste auf.

Clothianidin bindet sich irreversibel an die Nervenzellen des Insekts, die Folge sind Krämpfe bis zum Tod. Schaufelweise müssen die badischen Imker derzeit diese Bienen vor den Fluglöchern ihrer Völker entsorgen.

Was dann an Gift noch im Bienenstock abgeliefert wird, wird an die Brut verfüttert. Das stellen die Imker gerade jetzt, zwei Wochen nach dem ersten Auftreten der Vergiftung, in den Völkern fest, die als erste massives Flugbienensterben hatten. „Wir finden tote Jungbienen, die es nicht mehr schafften, aus ihren Zellen zu schlüpfen. Wir finden abgestorbene Larven. Es ist aber definitiv keine Bienenkrankheit!“, so Imkermeister Klaus Waidele aus Zell am Hamersbach, der als einer der ersten auf das Bienensterben aufmerksam machte.

Neben den Beizstäuben tickt unter Umständen eine Zeitbombe im Boden selbst, vermuten die Berufsimker und fordern ein umfassendes Probenpaket vom Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg.

Bereits vor der Zulassung von Clothianidin in 2006 wies der Berufsimkerverband das für die Zulassung zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit darauf hin, dass Clothianidin ein Wirkstoff ist, der sich jahrelang im Boden in relativ hohen Konzentrationen halten kann. Dies haben internationale Studien belegt. Andere Länder haben daher die Zulassung von Clothianidin verweigert. Intensiver mehrjähriger Maisanbau auf den gleichen Flächen, ohne Fruchtwechsel, erfordert massiven Pflanzenschutzmittel-Einsatz. Clothianidin ist seit 2006 auf dem Markt für Mais, Raps und Rüben. Wieviel von diesem Gift sich seither in den badischen Äckern angesammelt hat, muss jetzt dringend geklärt werden. Nicht nur die Bienen sterben, auch Hummeln, Schmetterlinge und andere Insekten sollen betroffen sein.

Lesen Sie auch den Artikel Nervengift vom Feld könnte Bienen massenhaft töten

Pressekontakt:
Deutscher Berufs und Erwerbs Imker Bund e. V.
Manfred Hederer
Hofstattstr. 22 a
86919 Utting am Ammersee
Fon: 0049 (0) 172 820 64 59
Fax: 0049 (0) 88 06 / 92 23 21
E-Mail: info@berufsimker

Gen Weizen

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 13.05.2008, Umweltinstitut München

Versuch mit manipuliertem Weizen genehmigt: Gefährliche Gen-Show in Ostdeutschland

Umweltinstitut München befürchtet gentechnische Verschmutzung

München, 13. Mai - Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat heute entgegen aller Proteste ein Freilandexperiment mit genmanipuliertem Weizen in Ostdeutschland genehmigt. Die Universität Rostock darf die transgenen Pflanzen nun in den beiden kommenden Jahren in Üplingen (Sachsen-Anhalt) und Thulendorf (Mecklenburg Vorpommern) anbauen. Kritiker stufen den Versuch auf Grund völlig mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen als besonders gefährlich ein.

Gegen den Versuch hatten das Umweltinstitut München und mehrere tausend Verbraucher beim BVL und bei Landwirtschaftsminister Seehofer protestiert. Das Umweltinstitut kritisiert vor allem, dass die Universität Rostock bei der Antragstellung kritische Forschungsergebnisse über die Auskreuzungsdistanzen von Weizen unterschlagen hat. Daher wird bei dem Versuch lediglich ein Sicherheitsabstand von 50 Metern zu umliegenden Weizenfeldern eingehalten werden. Kanadische Wissenschaftler haben aber festgestellt, dass die Getreidepflanze bis in eine Entfernung von 2,7 Kilometern auskreuzt. Dies sei umso riskanter, als dem transgenen Weizen Resistenzgene gegen Totalherbizide wie etwa „Basta“ von Bayer sowie gegen das Antibiotikum Ampicillin eingebaut wurden, sagt Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München. „Die Behörde gestattet damit vorsätzlich die gentechnische Kontamination einer der weltweit wichtigsten Nahrungspflanzen.“

Als besonders fragwürdig betrachtet es das Umweltinstitut München, dass der Versuch ganz offensichtlich der Werbung für die Agro-Gentechnik dienen soll. So ist beabsichtigt, dass der Weizen auf dem Stiftsgut Üplingen in einem Schaugarten für genmanipulierte Pflanzen wächst. Ziel dieses von der EU mit zwei Millionen Euro geförderten Vorhabens ist es, „die Akzeptanz gegenüber gentechnisch verbesserten Pflanzen in Europa zu verbessern“. Dazu sollen „Feldversuche zum Anfassen“ unter anderem für Schulklassen durchgeführt werden.

Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, übt daher scharfe Kritik an der Projektleiterin der Universität, Prof. Inge Broer: „Riskante Gentechnikexperimente zu PR-Zwecken, die noch dazu von einer staatlichen Universität initiiert werden, sind eine Verhöhnung der Verbraucher. Den Menschen soll mit den eigenen Steuergeldern etwas schmackhaft gemacht werden, was sie erklärtermaßen nicht wollen.“ Laut Nestler hätten europäische Forscher und selbst große Gentechnik-Konzerne längst erkannt, dass Gen Weizen keine Zukunft hat. Außer in Deutschland seien daher in der gesamten EU schon seit dem Jahr 2004 keine Freilandexperimente mit Gen-Weizen mehr genehmigt worden.
Nestler fordert jetzt die Eigentümerin der Flächen des Stiftsguts Üplingen, die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz auf, den Gentechnik-Schaugarten zu unterbinden.

Biodiversität

CBG Redaktion

Presse Info vom 9. Mai 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Agro-Konzerne gefährden Ernährungssicherheit

12. Mai, 11 Uhr in Bonn: Demonstration gegen Hunger, Artensterben und Gentechnik

Zum Auftakt der 9. UN-Konferenz zur biologischen Sicherheit am Pfingstmontag ruft die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) zusammen mit 80 Bauern-, Entwicklungs- und Umweltorganisationen zu einer Demonstration gegen Hunger, Artensterben und Gentechnik auf. Die CBG fordert ein Verbot hochgiftiger Pestizide, weltweit freien Zugang zu Saatgut, einen Stopp der Agro-Gentechnik, die Förderung des ökologischen Landbaus sowie die Produktion von Nahrungsmitteln statt Agro-Sprit.

Als einer der größten Pestizid-, Gentechnik- und Saatgut-Konzerne gefährdet BAYER massiv die Artenvielfalt und die Ernährungssicherheit. Während es jedoch in vielen Teilen der Erde zu Hunger-Aufständen kommt, heißt es im jüngsten BAYER-Geschäftsbericht: „Wir konnten an der positiven Entwicklung der Welt-Agrarmärkte partizipieren“. Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren nennt dies eine „zynische Formulierung angesichts der drastischen Verteuerung von Grundnahrungsmitteln und der Zunahme des Hungers weltweit. Der Welternährungsrat sieht als eine wesentliche Ursache der Ernährungskrise die rückläufigen Ernten wegen der durch Agrarchemikalien geschädigten Ackerflächen. Als zweitgrößter Pestizid-Produzent hat BAYER einen entscheidenden Anteil daran.“

Agrogifte vergiften Böden und Gewässer in vielen Teilen der Welt und rotten Pflanzen- und Tierarten aus. Das ökologische Gleichgewicht wird durch pestizidresistente Schädlinge gestört. Der massive Einsatz von Pestiziden steht in starkem Kontrast zu den jüngsten Forderungen des Weltagrar-Rats. Die 400 Wissenschaftler drängen auf radikale ökologische Reformen in der Landwirtschaft und auf eine Rückkehr zu traditionellen Anbaumethoden.

In Europa will BAYER gentechnisch veränderte Pflanzen wie Raps, Zuckerrüben, Soja und Mais in den Markt drücken. Aktuell entscheidet die EU über eine Importzulassung für herbizidresistenten Reis von BAYER. Dieser sogenannte Liberty Link-Reis war für den bislang größten Kontaminations-Skandal verantwortlich, als im Jahr 2006 die herbizidresistente Sorte LL601 weltweit in den Handel kam. Amerikanischen Farmern entstand ein Schaden von über einer Milliarde Dollar. BAYER führt die Verunreinigungen auf „höhere Gewalt“ zurück und lehnt eine Entschädigung ab.

Eine europäische Zulassung von Gen-Reis hätte besonders in Asien dramatische Konsequenzen: Der großflächige Anbau von LL-Reis würde unweigerlich zur Kontamination und Verdrängung traditioneller Sorten führen. Hierdurch würde langfristig die Ernährungssicherheit gefährdet. Während die Landwirte ihr Saatgut bislang durch Tausch und Eigenzüchtungen selbst produzieren, würden sie künftig wegen des Patentschutzes in Abhängigkeit der Saatgut-Unternehmen geraten.

In Brasilien versucht BAYER, eine Zulassung für gentechnisch veränderten Mais zu erhalten. Kein einziges EU-Land baut solchen Glufosinat-resistenten Mais an. Studien zeigen, dass Gen-Maisfelder langfristig stärker mit Spritzmitteln besprüht werden als Äcker mit herkömmlichen Mais. Glufosinat ist ein hochgiftiges Herbizid, das die Entwicklung des menschlichen Gehirns beeinträchtigen und Verhaltensstörungen hervorrufen kann. Schwedische Gesundheitsbehörden hatten empfohlen, das Pestizid zu verbieten, konnten sich jedoch nicht gegen die Lobby-Interessen der Pestizidhersteller durchsetzen.

Auch im Bereich Agrardiesel ist BAYER aktiv. Der Konzern will sowohl aus Raps wie auch aus der tropischen Pflanze Jatropha Agrosprit gewinnen. Im Fall von Raps drohen große Monokulturen und ein hoher Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Jatropha lässt sich laut BAYER auf „Grenzertragsböden“ anbauen, die sich nicht für die Produktion von Nahrungsmitteln eignen. Tatsächlich werden diese Flächen jedoch intensiv genutzt; nach Angaben der Welternährungsorganisation sind solche Ressourcen für Ernährung und Gesundheit der ärmsten Teile der ländlichen Bevölkerung lebensnotwendig. In Indien kam es schon zu Vertreibung Landloser von solchem „Brachland“. Ein großflächiger Jatropha-Anbau würde Naturlandschaften zerstören, Kleinbauern vertreiben und zu mehr Hungertoten führen.

Mitglieder der CBG treffen sich am Pfingstmontag um 10 Uhr in Bonn (Kleine Blumenwiese, Rheinauen). Weitere Informationen: http://www.planet-diversity.org/de/demonstration.html

[Poncho] Bienensterben

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert ein präventives Verbot der Pestizide Gaucho und Poncho, um weitere Bienensterben zu verhindern. Lesen Sie hierzu aktuelle Artikel:

Artikel von Franz Alt, 07.05.2008

Badische Imker verzeichnen ein massives Bienensterben nach der Maisaussaat

Derzeit verzeichnen die badischen Imker trotz schönsten Wetters massive Schwächungen, ja Zusammenbrüche ihrer Bienenvölker entlang der Rheinschiene.
Was auf den ersten Blick zusammenhanglos zu sein scheint, wird auf den zweiten Blick zu einer sehr ernst zu nehmenden Bedrohung für die Bienenvölker in verschiedenen Regionen Deutschlands. Nicht nur in der Geschäftsstelle des Badischen Imkerverbandes laufen die Telefone heiß. Traditionell überwintern über 50% der Imker Baden-Württembergs in den Auwäldern entlang des Rheins ihre Bienenvölker. Das milde Winterklima sowie eine gute Frühjahrsentwicklung aufgrund guter Versorgung mit Nektar und Pollen aus Weidenkätzchen, Wildkirschen und Bärlauch lassen die Bienenvölker bald eine gute Stärke erreichen, so daß die Völker schneller die notwendige Volksstärke erreichen.

Dieses Jahr ist das anders, so sieht der Berufsimker Christoph Koch seine Völker nicht wachsen, sondern dahinschmelzen wie Schnee in der Sonne. Aber auch der Landesvorsitzende der Badischen Imker Ekkehard Hülsmann meldet Alarmierendes und verfaßte einen Brandbrief an den baden-würtembergischen Landwirtschaftsminister, in dem er eilige Maßnahmen fordert, um weitere Verluste zu vermeiden.

Die Imker vermuten aufgrund ähnlicher Erfahrungen wie sie in Italien gemacht wurden, daß das mit dem hochtoxischen Nervengift Clothianidin gebeizte Mais-Saatgut für das Sterben der Bienenvölker verantwortlich sein soll. Hersteller des Agrargiftes ist die Firma BayerCropscience, aus deren Haus auch der verwandte Vorgängerwirkstoff Imidacloprid kam, der schon in Frankreich für das Massensterben der Bienen verantwortlich gemacht wurde. Im Vergleich zu Imidacloprid ist Clothianidin um ein Vielfaches giftiger. Es wird eingesetzt, um den Mais-Wurzelbohrer zu bekämpfen und Teile Baden-Würtembergs und Bayerns sind Mais-Wurzelbohrer-Gebiet.

Die italienischen Imker, bei denen die Aussat des Mais schon vor einigen Wochen erfolgte, konnten bei Untersuchungsproben aus verendeten Bienen den Wirkstoff Clothianidin nachweisen. Das Clothianidin ist Bestandteil des Agrargiftes Poncho Pro, welches für das Beizen des Mais-Saatgutes verwendet wird.

Vermutet wird nun, daß durch die Einsatz der Saatmaschinen aufgewirbelte Stäube beispielsweise auf blühende Rapsfelder und Blumenwiesen oder auch Wasserpfützen abdriften, die von den Bienen beflogen werden. Für wie gefährlich das Mittel eingeschätzt wird, zeigt auch eine Warnung der französischen Veterinärämter vom Beginn des Frühjahrs, die den Imkern eindringlich davon abraten, mit ihren Bienenvölkern in entsprechend behandelte Gebiete einzuwandern, ja diese Gebiete sogar für die nächsten Jahre zu meiden, denn Clothianidin baut sich nur sehr langsam im Boden ab bzw. die Abbauprodukte sind teilweise noch toxischer als das Clothianidin selber. Im Elsaß demonstrierten Imker bereits gegen die Anwendung von Clothianidin und fordern ein Verbot.

In seinem Schreiben an Minister Hauk fordert Christoph Koch ebenfalls schnellst mögliche Aufklärung. „Dies wollen wir hier vor allem auch deshalb, um eine mögliche Ausweitung der Problematik auf die anderen Bienenvölker in ganz Deutschland zu verhindern, denn wir befürchten jetzt schon eine sehr große Katastrophe!“

Ekkehard Hülsmann fordert die Einrichtung eines Krisenstabes im Ministerium, „der sich der sofortigen Klärung dieses Massensterbens unserer Bienenvölker annimmt und die Haftungs- und Schadenersatzfragen klärt. Gleichzeitig fordern wir Sie als Verbraucherminister auf, der Bevölkerung in der Todeszone das Ausmaß der entstandenen Vergiftungen offenzulegen.“

Mit ersten Untersuchungsergebnissen eingeschickter Proben rechnet die Biologische Bundesanstalt in Braunschweig etwa ab Mitte der Woche. Dann wird es sich zeigen, ob auch in Deutschland künftig No-Go-Areas für Imker und Bienen eingerichtet werden müssen.

Pressemitteilung Julius Kühn-Institut, 09.05.2008

Nationale Bienenuntersuchungsstelle am Julius Kühn-Institut untersucht Bienenproben aus Baden-Württemberg

Seit der vergangenen Woche beklagen Imker aus Baden-Württemberg große Verluste in ihren Bienenvölkern. Seit vergangenem Freitag sind an der Bienenuntersuchungsstelle am Julius Kühn-Institut - Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) in Braunschweig 47 Proben mit toten Bienen eingegangen. Außerdem wurde Pflanzenmaterial eingesendet, von dem die Imker vermuten, dass ihre Bienen vor ihrem Tod Nektar und Pollen an den betreffenden Blüten gesammelt haben.

Erste Proben wurden auf die verschiedenen Mittel untersucht, die mit dem Bienensterben in Baden-Württemberg in Verbindung gebracht werden. Vor allem wird mit Chlothianidin behandeltes Maissaatgut verdächtigt. Der Wirkstoff wurde im besagten Zeitraum als Saatgutbeizmittel mit der Maisaussaat in den Boden gebracht. Saatgutbeizmittel sollen Samen und Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen schützen wie z. B. dem Maiswurzelbohrer, einem gefürchteten Quarantäneschädling, der im vergangenen Jahr erstmals in Deutschland auftrat.

In den ersten untersuchten Proben konnte der Wirkstoff Chlothianidin tatsächlich in Spuren nachgewiesen werden. Diese ersten Analysenergebnisse reichen jedoch nicht für eine abschließende Einschätzung aus, ob diese Dosis allein für den Tod der Bienen verantwortlich ist. Bisher ist ebenfalls unklar, wie die Bienen überhaupt in diesem Ausmaß mit dem Mittel in Kontakt kommen konnten.

Das JKI arbeitet mit Hochdruck an der endgültigen Aufklärung. Das Bundesforschungsinstitut ist ebenfalls an den Krisengesprächen des Landes Baden-Württemberg zum Thema beteiligt. Das erste hat gestern (8. Mai) stattgefunden.

Hintergrundinformationen zu Chlothianidin:
Der Wirkstoff ist in verschiedenen Pflanzenschutzmitteln, darunter auch Mittel zum Beizen von Saatgut, zugelassen. Pflanzenschutzmittel, die diesen Wirkstoff enthalten, sind grundsätzlich bienengefährlich, kommen aber - als Beizmittel angewendet - mit den Bienen nicht in direkten Kontakt. Daher wird in diesen Fällen bei der Zulassung der Hinweis erteilt, dass diese Mittel bei sachgerechter Anwendung Bienen nicht gefährden.

Alle in Deutschland zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden aufgrund der Bienenschutzverordnung, die erstmals 1972 erlassen wurde, auf ihre Gefährlichkeit Bienen gegenüber untersucht. Entsprechende Hinweise und Auflagen finden sich in den Anwendungsbestimmungen der Pflanzenschutzmittel.
Dipl.-Biol. Stefanie Hahn, Pressestelle

[Brasilien] Offener Brief an Carl Goerdeler, Autor des Artikels „Expansion im Blick“, erschienen im Bayer Report 1/2008 (s.u.)

CBG Redaktion

Sehr geehrter Herr Goerdeler,

wir haben Ihren Artikel zum 50. Geburtstag des Bayer-Werks Belford Roxo gelesen. Wir waren verwundert, wie konsequent darin alle negativen Begleiterscheinungen der Werksgeschichte ausgeblendet wurden.

So kam und kommt es in der Fabrik immer wieder zu schweren Störfällen – zuletzt im Januar 2007, als eine Produktionsanlage des hochgiftigen Pestizids Methamidophos explodierte und drei Mitarbeiter verletzt wurde. Der Knall war in einem Umkreis von fünf Kilometern zu hören, der ausströmende Gasgeruch verursachte bei vielen Anwohnern Übelkeit. Die Produktion musste mehrere Wochen lang eingestellt werden.

Schlimmer noch war die Situation in den 90er Jahren, als innerhalb von sechs Jahren acht Beschäftigte des Werks starben. Drei Arbeiter starben an Verätzungen mit Schwefelsäure, darüber hinaus gab es Kontaminationen mit Phosgen, Chrom und hochtoxischen Phosphorsäureestern. Im Mai 1992 traten bei einer unkontrollierten Reaktion in einem Desmodur-Reaktor große Mengen Chemikalien aus und zogen in die umliegenden Wohnbezirke. Eine darauffolgende Inspektion enthüllte eine ganze Reihe betrieblicher Mängel, die den Unfall mitverursacht hatten.

Mit einer solch hohen Zahl von Verletzten und Toten kann selbst das 20x größere Werk in Leverkusen nicht aufwarten. Auf die gravierenden Sicherheitsmängel in Verbindung mit damals fehlenden Alarmplänen und Schutzvorschriften machte bereits 1986 ein Vertreter der Werksfeuerwehr, Paolo Morani, auf Einladung kritischer BAYER-Aktionäre in der Hauptversammlung von BAYER aufmerksam (weitere Informationen zur mangelnden Arbeitssicherheit in Belford Roxo finden Sie in einem Leserbrief deutscher Gewerkschafter an die FAZ unter: http://www.cbgnetwork.org/2475.html).

Ein weiteres Problem des Werks Belford Roxo ist der hohe Schadstoff-Ausstoß. Messungen von Greenpeace zeigen, dass die Werte von PCBs, Pestiziden sowie Schwermetallen im Abwasser stark erhöht sind. Hinzu kommen die Emissionen der Müllverbrennungsanlage (siehe hierzu: http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/wirtschaft_und_umwelt/umweltverbrechen_multinationaler_konzerne.pdf).

Apropos Pestizide: in Brasilien kommen bis heute BAYER-Wirkstoffe der höchsten Gefahrenklasse zum Einsatz (WHO Klasse Ia „extremely hazardous“), obwohl der Konzern schon vor 12 Jahren versprochen hat, alle Klasse-I Pestizide vom Markt zu nehmen. Immer wieder kommt es zu Vergiftungen. Eine Reportage zu tödlichen Vergiftungen mit dem BAYER-Pestizid Baysiston im brasilianischen Kaffee-Anbau finden Sie unter: http://www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_1999/SWB01_99/Kaffee_-_Brasilien/kaffee_-_brasilien.html

Anders als in Ihrem Heile-Welt-Artikel dargestellt, gaben BAYER und BASF ihren brasilianischen Beschäftigten erst nach langen Protesten die Möglichkeit, eine betriebliche Interessensvertretung mit minimalen Rechten zu wählen. Schlimmer noch war die Situation in den 80er Jahren zur Zeit der Militärdiktatur: Ein Streik in Belford Roxo wurde mit Hilfe der Militärpolizei beendet, die Gewerkschaftsführer wurden entlassen. Erst eine Solidaritätskampagne in Brasilien und Deutschland erzwang ihre Wieder-Einstellung.

Ist zu erwarten, dass Sie über all dies im Bayer Report hätten berichten können? Nein. Darum wäre von einem ernstzunehmenden Journalisten, der in der ZEIT und der FR veröffentlicht, zu erwarten gewesen, dass er einen solchen Auftrag nicht annimmt.

Für Rückfragen zur Geschäftstätigkeit von BAYER – in Brasilien und anderswo – stehen wir gerne zu Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Expansion im Blick
Brasilien: 1958 errichtete Bayer in der Nähe von Rio de Janeiro seinen ersten Chemiekomplex in Brasilien. Heute ist der Industriepark von Belford Roxo der größte Arbeitgeber der 500.000-Einwohner-Stadt. Und das soll auch in Zukunft so bleiben

Früher war hier nur grüne Wiese.“ Flavio Abreu blickt über das Werksgelände und weist in die Ferne. Abreu ist Leiter des Bayer-Standorts Belford Roxo, 45 Kilometer außerhalb Rio de Janeiros. Und wenn er „früher“ sagt, dann meint er die Zeit vor 50 Jahren, als es allenfalls ein paar Landwirte in der Region gab. Aus der grünenWiese ist inzwischen nicht nur ein Industriepark mit rund 2.000 Beschäftigten entstanden, sondern eine Stadt mit einer halben Million Einwohner.
1993 wurde aus dem einstigen Außenbezirk der heutigen Nachbarstadt Nova Iguaçú die Stadt Belford Roxo.
Die Entwicklung ist beispielhaft für die gesamte Baixada Fluminense (von Flüssen durchzogene Tiefebene) oder einfach nur Baixada, wie die Einheimischen dieses Hinterland der einstigen Hauptstadt Rio de Janeiro nennen.
Die Veränderung begann, als der ehemalige Staatspräsident Juscelino Kubitschek in den 1950er-Jahren beschloss, aus dem Agrarstaat Brasilien eine Industrienationwerden zu lassen.
Innerhalb von fünf Jahren wollte er das Land ein halbes Jahrhundert nach vorne bringen. In die Zeit des Aufbruchs fiel nicht nur der Ausbau von Brasilia zur neuen Hauptstadt, sondern auch die Ansiedlung internationaler Konzerne. Mit dabei: Bayer. Das Unternehmen erkannte die Bedeutung des brasilianischen Marktes. Bei der Wahl des Standorts für eine große Produktionsstätte vor Ort entschied sich das Unternehmen für Belford Roxo.
Der damals ländliche Bezirk bestach durch seine Lage direkt an der bereits gebauten Via Dutra, der Autobahn von Rio nach São Paulo. Zu der Zeit besaß der Konzern mit seinen Produkten längst einen guten Ruf in dem südamerikanischen Land.
Schon Ende des 19. Jahrhunderts hatte Bayer eine Handelsvertretung, 1911 sogar eine eigene Gesellschaft gegründet. In den 20er-Jahren kam dann der Slogan „Se é Bayer é bom“ auf, der das Image des Unternehmens auf den Punkt brachte: Wenn es von Bayer ist, ist es gut. Eine Aussage, die selbst im abgelegenen Amazonien zum stehenden Begriff wurde. Ob in Orangenhainen, auf Kaffeeplantagen oder in Maniokfeldern – überall im Land war das
Bayer-Kreuz präsent.
Und dann also noch eine eigene Produktion.
Am 10. Juni 1958 war es so weit: Das Werk in Belford Roxo wurde offiziell eingeweiht. Ein perfekter Zeitpunkt. Das Land setzte gerade zu einem ökonomischen Steilflug an. Die Textilindustrie brauchte Farbstoffe, die Lederbetriebe verlangten nach Gerbstoffen und Polituren, und in der Landwirtschaft benötigte man Pflanzenschutzprodukte.
Bayer in Belford Roxo produzierte all dies. Später folgte der Boom der Autoindustrie, und auch diese wurde von Bayer gut versorgt.
Infolge dieses industriellen Aufschwungs zog es immer mehr Menschen in die Baixada. Ein wahrer Immobilienboom
setzte ein. Heerscharen von Menschen siedelten sich an, in der Hoffnung auf einen Job. Möglichst bei Bayer: Wer es auf die Gehaltsliste des deutschen Unternehmens schaffte, brachte gutes Geld nach Hause.
Bis heute ist der Parque Industrial Bayer, wie das Werk inzwischen heißt, die bedeutendste Produktionsstätte des Konzerns in Lateinamerika. Dort betreiben Bayer CropScience (BCS) und Bayer MaterialScience (BMS) ihre Anlagen. Die Teilkonzerne versorgen zumTeil ganz Lateinamerika mit ihren Produkten. So liefert BCS zum Beispiel Pflanzenschutzmittel wie Nativo für die Behandlung von Soja, Baumwolle, Reis, Zitrus- undanderenFrüchten, Crop Star für Maissamen und Evidence für Zuckerrohr. BMS produziert Ausgangsstoffe für den Kunststoff Polyurethan
(PUR) sowie Lackrohstoffe, die von der boomenden Möbel-, Auto und Bauindustrie nachgefragt werden.
„Etwa 850 der rund 2.000 Menschen
im Industriepark arbeiten bei
Bayer, die übrigen bei unmittelbaren
Dienstleistern oder anderen Betrieben“,
erklärt Standortleiter Flavio Abreu.
Dazu zählen Logistikunternehmen,
Verpackungsfirmen oder der Industriegasehersteller
Air Liquide. Keine
Frage, der Industriepark ist ein
attraktiver Standort.
Abreu ist sehr stolz auf seine Mannschaft,
in der jeder Dritte einen Universitätsabschluss
besitzt. Zum Beispiel
Luiz Muiño Negreira, der neben
seiner Arbeit ein Geografiestudium
abschloss. Heute überwacht der 35-
Jährige die Produktion des PUR-Ausgangsstoffs
MDI. „Als ich hier anfing,
hatte ich nur den Volksschulabschluss.
Ich war 15, und ein Onkel hatte mir zu
einer Bewerbung bei Bayer geraten“,
sagt Negreira. Er hatte Glück und gehörte
zu den 25 Jugendlichen, die unter
200 Bewerbern ausgewählt wurden.
„Wir lernten alles von der Pike
auf“, erinnert sich der Techniker. Und
auch nach 20 Jahren lerne er immer
noch dazu. Dass Mitarbeiter Bayer
jahrzehntelang die Treue halten, hat
auch mit dessen Weiterbildungsangebot
zu tun. Das Unternehmen engagiert
sich stark in diesem Bereich. Einer,
der davon profitiert hat, istMarcelo
Vilardo. Er arbeitet seit 25 Jahren
im Unternehmen. Begonnen hatte seine
Karriere als Lehrling, jetzt ist er Ingenieur
und führt die Aufsicht in der
Produktion von Polyetherpolyolen,
einemweiteren PUR-Ausgangsstoff.
Das Unternehmen kümmert sich
aber nicht nur um seine Mitarbeiter,
sondern auch um die Menschen in der
Region. Und das auf vielfältige Weise.
Die Landkarte der Kommune, die im
Büro von Arturo Rodriguez hängt, ist
übersät mit roten Stecknadeln. „Jede
Nadel kennzeichnet einen Ort der Hilfe
für Kinder und Jugendliche“, sagt
Rodriguez, der die örtlichen Bayer-
Projekte zur gesellschaftlichen Verantwortung
(Corporate Social Responsibility)
leitet. Sie stehen zum Beispiel
für Kinderhorte, in denen jeden Tag
2.400 warme Mahlzeiten ausgeteilt
werden. Oder für Austragungsorte der
„Olympiade Bayer Belford Roxo“, die
einmal im Jahr Kinder, Jugendliche
und Behinderte sechs Wochen lang zu
sportlichen Wettkämpfen zusammenbringt.
2007 erreichte sie rund 7.000
Kinder.
Eine andere Nadel auf der Karte
steht für die Bayer-Fußballschule, die
mehr als 250 Jugendlichen eine Zukunftschance
bietet. 53 der roten Nadeln
zeigen jene Schulen, die regelmäßig
Ausflüge zum Waldlehrpfad des
Unternehmens machen. Dort lernen
die Schüler dann zum Beispiel, was
man mit Kreativität aus Abfall noch alles
herstellen kann.
Am 23. Juni feiert Bayer offiziell den
50. Geburtstag seines Werks in Belford
Roxo. Werksleiter Flavio Abreu
sieht dem Festakt mit Stolz entgegen.
„2007 hatten wir einige Produktionsrekorde,
und Bayer CropScience betreibt
hier inzwischen seinen zweitgrößten
Formulierbetriebweltweit.“ In
Zukunft werde man weiter in den Ausbau
der Anlagen investieren. Bayer
profitiere in Belford Roxo auch ganz
konkret vom Engagement des Bundesstaates.
Rio de Janeiro wird in den
nächsten drei Jahren über 50 MilliardenUS-
Dollar investieren, unter anderem
in die Verkehrsinfrastruktur, aber
auch in Stahlwerke und in die Petrochemie.
„Wir werden manche unserer
Rohstoffe dann direkt aus der Region
beziehen können“‚ freut sich Abreu.
Der Standortleiter wünscht sich,
dass Brasilien, und insbesondere der
Großraum Rio de Janeiro, künftig
nicht mehr nur mit Samba, Karneval
und Zuckerhut assoziiert werden, sondern
darüber hinaus mit einer modernen
Industrielandschaft. Ganz im
Sinne des einstigen Staatspräsidenten
Juscelino Kubitschek. Carl Goerdeler

[Smog] Luftverschmutzung

CBG Redaktion

Presse Information vom 30. April 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

“TOP 100 CORPORATE AIR POLLUTERS”

BAYER: Viertgrößter Luftverschmutzer in den USA

Die Universität von Massachusetts hat eine Liste der 100 größten industriellen Luftverschmutzer in den USA vorgelegt. Der deutsche BAYER-Konzern belegt darauf einen unrühmlichen vierten Platz. Vor BAYER rangieren lediglich das Chemie-Unternehmen Du Pont, der Autohersteller Nissan und der Agro-Konzern Archer Daniels Midland. Ebenfalls unter den ersten zehn befinden sich Exxon, Dow Chemical und General Electric.

Die negative Platzierung von BAYER beruht in erster Linie auf der Verbrennung von über 1.500 Tonnen des krebserregenden Stoffs Toluylen-Diamin (TDA). Die Produktions-Rückstände stammen aus dem Werk Baytown/Texas und werden in einer Anlage des Unternehmens Clean Harbors verbrannt. Ebenfalls in der Kritik steht das BAYER-Werk in Institute/West Virginia. Dort werden große Mengen hochgefährlicher Chemikalien wie Phosgen und Methyl Isocyanat gelagert.

TDA wird von BAYER auch im Werk Dormagen hergestellt. Fragen nach der Höhe der Produktions-Rückstände in der Dormagener TDA-Produktion und nach deren Entsorgung wurden von BAYER-Chef Werner Wenning in der Hauptversammlung des Konzerns am vergangenen Freitag nicht beantwortet.

Die Untersuchung des Political Economy Research Institute (PERI) der Universität von Massachusetts berücksichtigt nicht nur die Höhe des Schadstoff-Ausstoßes, sondern auch die Gefährlichkeit der emittierten Stoffe sowie die Zahl der direkt betroffenen Anwohner. Zu allen Fabriken der größten 100 Unternehmen kann die Höhe der Schadstoff-Emissionen online abgerufen werden. James K. Boyce, Direktor des Umweltprogramms am PERI: “Jeder hat ein Recht zu wissen, welchen toxischen Risiken er ausgesetzt ist. Unser Ziel ist es, den Anwohnern zu helfen, das bestehende Informationsrecht in ein Recht auf saubere Luft zu transformieren.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Wir fordern den BAYER-Konzern auf, die Höhe der Produktionsrückstände drastisch zu senken – besonders in Baytown. Außerdem fordern wir das Unternehmen auf, alle verbrannten Abfälle nach Menge und Herkunft offen zu legen.“ BAYER verbrennt in seinen deutschen Verbrennungsanlagen Sondermüll von rund 300 Firmen aus dem In- und Ausland. Die CBG hatte sich bereits Ende der achtziger Jahre gegen den Bau des Dormagener Müllöfens ausgesprochen und einen Giftmüll-Tourismus prognostiziert.

Den deutschen Gesetzgeber fordert die Coordination gegen BAYER-Gefahren auf, ähnlich wie in den USA eine verbindliche Veröffentlichung aller gelagerten und emittierten Gefahrstoffe festzulegen. „Das deutsche Informationsrecht hinkt weiterhin dem amerikanischen hinterher. Die Anwohner gefährlicher Fabriken haben aber das Recht zu wissen, welche Mengen welcher Stoffe produziert und gelagert werden“, so Mimkes weiter.

Die Untersuchung des PERI ist online unter: http://www.peri.umass.edu/Toxic-100-Index.421.0.html

Risiken des BAYER-Werks Institute

[Pipeline] CO-Pipeline

CBG Redaktion

30.04.08, Kölner Stadt-Anzeiger

Gutachter: Pipeline ist gefährlich

Die Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG, die zurzeit auf einer Trasse von 67 Kilometern von Dormagen nach Krefeld mit Umweg über das Rechtsrheinische in Bau ist, birgt nach Ansicht eines weiteren Gutachters erhebliche Risiken. Der Hannoveraner Pipeline-Experte Manfred Veenker hat das Projekt im Auftrag der Stadt Duisburg begutachtet, die im Verfahren vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf, das im Juni beginnen soll, zu den Klägern zählt. Seines Erachtens würden die Sicherheitsvorkehrungen einer Überprüfung nach DIN-Norm nicht standhalten. Allein auf den 17 Kilometern ihres Verlaufs auf Duisburger Stadtgebiet befänden sich 50 Gefahrenpunkte, an denen die zugelassenen Grenzwerte bei einem Betrieb mit den angekündigten 13,5 bar Druck deutlich überschritten würden.
Auch der Schutz der Giftgas-Leitung durch eine sogenannte Geo-Grid-Matte, ein Kunststoffgeflecht, das die Leitung von oben abgedeckt, sei wirkungslos, befand der Gutachter. Ein Praxistest im Duisburger Süden ergab: Ein mittelgroßer Bagger zerriss mit seiner Schaufel die Matte, ohne dass der Baggerfahrer auch nur einen Widerstand bemerkt hätte. Bereits 2006 war ein Tüv-Gutachten zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Auch der Bochumer Professor Gerd Falkenheim hatte der Giftgas-Pipeline vor einem Jahr in seiner Expertise im Auftrag der Stadt Monheim „erhebliche Sicherheitsmängel“ attestiert.
Die in Bürgerinitiativen organisierten Pipeline-Gegner und die Anliegerkommunen schöpfen aus der weiteren Gutachter-Warnung nun die Hoffnung, dass der Betrieb der Pipeline zum Transport des hochgiftigen Kohlenmonoxid doch noch gerichtlich unterbunden wird. (ger)

Burma

CBG Redaktion

Presse Information vom 25. April 2008

Zur heutigen BAYER-Hauptversammlung:

Engagement in Burma in der Kritik

BAYER hat in der Vergangenheit nicht davor zurückgeschreckt, Geschäfte mit dem südafrikanischen Apartheidsregime oder Militärdiktaturen in Südamerika zu machen. Aktuell gehört der Leverkusener Chemie-Multi zu den wenigen Global Playern, die in dem von Generälen regierten Burma (Myanmar) noch wirtschaftliche Aktivitäten entfalten.

Die Burma-Initiative Asienhaus, die Coordination gegen BAYER-Gefahren sowie die Burma Aktion wenden sich daher in einem Brief an den Vorstand des Konzerns. Darin heißt es unter anderem:

„Die jüngsten Ereignisse sind trauriger Höhepunkt der Machenschaften eines Regimes, das seit Jahrzehnten für Zwangsarbeit und die Missachtung grundlegender Menschenrechte bekannt ist.
Umso bestürzter sind wir zu erfahren, dass BAYER zu den wenigen multinationalen Unternehmen gehört, die noch immer Geschäfte in Burma tätigen.
Wirtschaftliche Aktivitäten in Burma sind nicht ohne ein Kooperation mit dem Militärregime möglich. Zum einen wird hierdurch die Militärjunta legitimiert. Zum anderen werden dem Regime durch Geschäfte mit ausländischen Unternehmen Mittel bereitgestellt, die zum Kauf von Waffen verwendet werden, die auch gegen die eigenen Bevölkerung eingesetzt werden.
Wer mit dem Militärregime zusammenarbeitet, macht sich mitverantwortlich für die Gewalt gegen Burmas Bevölkerung. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat ihre Mitglieder wiederholt aufgefordert, ihre Wirtschaftsaktivitäten in Burma zu überdenken.
Wir fordern Sie daher dringend auf, sich aus Burma vollständig zurückzuziehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass BAYER in der Vergangenheit eine Vielzahl von Geschäften mit repressiven Regimen tätigte – angefangen bei der engen Verquickung mit dem Dritten Reich bis hin zu Geschäften von BAYER mit dem südafrikanischen Apartheidsregime oder Militärdiktaturen in Südamerika – ist eine Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens in Burma nicht zu rechtfertigen.

Die Initiativen werden Ihre Forderung in der heutigen Hauptversammlung des Konzerns vorbringen.

Das Engagement von BAYER in Burma hat sogar die bekannte indische Aktivistin Vandana Shiva auf den Plan gerufen. Das Beispiel in ihrem Heimatland vor Augen, warnt sie: „Die multinationalen Konzerne haben den ganzen Sektor für landwirtschaftliche Bedarfsgüter wie Saatgut und Agrochemikalien übernommen. Wenn diese Unternehmen teure Samen und Pestizide auf den Markt drücken, dann verkaufen sie das auf Kredit-Basis, und diese Kredite können die kleinen Landwirte nicht zurückzahlen. Die Erfahrung, die Indien machen musste, ist ein Zeichen dafür, was Burma vielleicht bevorsteht“, so Shiva.

weitere Informationen
Burma-Initiative Asienhaus, Bullmannaue 11, D- 45327 Essen www.asienhaus.de
Tel. 0201-8303825, Email: ulrike.bey@asienhaus.de oder burma@asienhaus.de

Coordination gegen BAYER-Gefahren, Postfach 1504 18, 40081 Düsseldorf
info@cbgnetwork.org, www.CBGnetwork.de, 0211 – 333 911

Burma Aktion, www.burmaaktion.de, kontakt@burmaaktion.de

[Jatropha] Agrardiesel

CBG Redaktion

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren trauert um Werner Paczian, der zwei Tage nach Veröffentlichung dieser Presseinformation plötzlich und unerwartet verstorben ist. Werner Paczian war ein unermüdlicher und aufrechter Kämpfer für Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte.

Rettet den Regenwald
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER vergoldet indisches „Ödland“

Auf der morgigen Hauptversammlung des Leverkusener Konzerns werden Umweltorganisationen kritisieren, dass das Unternehmen jetzt auf Agrarenergie aus Jatropha setzt

Leverkusen/Hamburg – Rettet den Regenwald (RdR) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordern den Leverkusener Konzern Bayer auf, sofort sämtliche Investitionen in Agrarenergie zu stoppen. Energie vom Acker zerstöre Naturlandschaften, vertreibe Kleinbauern und führe zu mehr Hungertoten, so die beiden Organisationen.
Aktueller Anlass ist die Bayer-Hauptversammlung am morgigen Freitag in Köln sowie die jüngste Ankündigung des Konzerns, in Indien in den Anbau von Jatropha-Pflanzen zur Gewinnung von Agrarenergie zu investieren. Vertreter der Organisationen werden in der Hauptversammlung das Wort ergreifen.
Die Bayer AG investiert in Indien in den tropischen Strauch Jatropha, der ölhaltige Früchte liefert, aus denen Agrardiesel hergestellt werden kann. Ein Partner ist der Daimler-Konzern, der schon entsprechende Fahrversuche durchgeführt hat. In Indien winkt ein großer Markt, weil das Agrardiesel-Programm der Regierung auf Hochtouren läuft. Elf Millionen Hektar sollen mit Energiepflanzen, überwiegend Jatropha, bebaut werden. Laut Bayer lässt sich Jatropha auf „Grenzertragsböden in tropischen und subtropischen Ländern anbauen, also auf Flächen, die sich nicht für die Produktion von Nahrungsmitteln eignen“.
„Regierung und Konzerne bezeichnen die Anbauflächen als Ödland („wasteland“) und tun so, als ob sie frei zur Verfügung stünden. Tatsächlich werden auf diesen Flächen zwar wenig Nahrungsmittel angebaut, aber sie werden von der lokalen Bevölkerung intensiv genutzt“, erklärt RdR-Sprecher Werner Paczian. „Es ist Gemeinschaftseigentum, auf dem Vieh weidet und die lokale Bevölkerung Früchte, Nüsse, Blätter und andere Naturprodukte sammelt.“ Nach Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO, sind solche Ressourcen für Ernährung und Gesundheit der ärmsten Teile der ländlichen Bevölkerung lebensnotwendig.
Überdies wird Jatropha in Indien trotz aller Beteuerungen, auch der Bayer AG, auf fruchtbaren Äckern angebaut. „Kleinbauern wurden bereits vertrieben und über zwei Dutzend Menschen verloren im Kampf um Land schon ihr Leben. Denn wie alle Pflanzen wächst auch Jatropha auf fruchtbaren Böden besser und liefert höhere Erträge“, berichtet Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.
In Indien hat sich eine Koalition von Nicht-Regierungsorganisationen gebildet, die gegen die Agrardiesel-Pflanzungen protestiert. Auch auf der Konferenz zum Schutz der globalen biologischen Vielfalt in Bonn im Mai 2008 werden die Agrarkraftstoffe ein zentrales Thema sein.

Lesen Sie hierzu auch den Artikel „Greenwashing mit Bio-Treibstoff“

Kontakt:
Werner Paczian, Rettet den Regenwald: info@regenwald.org
Philipp Mimkes, Coordination gegen BAYER-Gefahren: Tel 0211 – 333 911,

[Gentech] Gentechnik

CBG Redaktion

22. April 2008

Gentechnik-Filz in Mecklenburg-Vorpommern

Umweltinstitut München deckt Verflechtungen in der Agro-Gentechnik auf

In Mecklenburg-Vorpommern existieren im Bereich der Agro-Gentechnik enge Verflechtungen zwischen öffentlich finanzierter Forschung, Lobbygruppen und kommerziellen Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die das Umweltinstitut München veröffentlicht hat. Das Institut untersucht darin unter anderem die Rolle von Prof. Inge Broer von der Universität Rostock.
Broer ist neben ihrer Tätigkeit als Hochschullehrerin Vorsitzende des Gentechnik-Lobbyvereins FINAB und Gesellschafterin von biovativ, dem kommerziellen Tochterunternehmen von FINAB. Nach Recherchen des Umweltinstituts München wurden im Rahmen steuerfinanzierter Freilandexperimente mit genmanipulierten Pflanzen Aufträge von der Universität Rostock an biovativ vergeben.
Broer ist zudem Mitglied eines Gremiums beim Bundesinstitut für Risikobewertung, das über die Genehmigung von Freilandversuchen in Deutschland entscheidet. Auch in der EFSA, einer EU-Behörde, die die Sicherheit von transgenen Pflanzen bewerten soll, tritt die Wissenschaftlerin als Expertin auf. Gemeinsam mit dem Chemie- und Gentechnikkonzern Bayer hat Broer außerdem zahlreiche Genpflanzen-Patente angemeldet.
Eine unabhängige und vertrauenswürdige Forschung im Bereich Agro-Gentechnik scheint in Mecklenburg-Vorpommern damit völlig ausgeschlossen. Harald Nestler, Vorstand beim Umweltinstitut München, fordert Konsequenzen: „Gerade bei diesem sensiblen Thema müssen Vetternwirtschaft und die Verwendung von Steuergeldern für die Interessen der eigenen Firma sofort unterbunden werden. Die Bundesregierung muss endlich einen kritischen Blick auf die Förderung der Agro-Gentechnik werfen und überprüfen, in welche Hände öffentliche Gelder gelangen.“
Dass Gen-Experimente und öffentliche Forschungsgelder auch dazu dienen, befreundete Lobbyisten zu versorgen, zeigt aktuell ein von Broer beantragter Freisetzungsversuch mit genmanipuliertem Weizen. Der Versuchsstandort auf dem Gut der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz in Üplingen (Sachsen-Anhalt) soll in einen „Gentechnik-Schaugarten“ eingegliedert werden. Dieser Schaugarten soll die Akzeptanz für genmanipulierte Pflanzen in der Bevölkerung verbessern. Den Versuch will das Unternehmen Biotech Farm durchführen. Geschäftsführerin von Biotech Farm ist Kerstin Schmidt, die Schatzmeisterin von FINAB und Geschäftsführerin von biovativ.
Andreas Bauer, Gentechnikexperte beim Umweltinstitut München: „Die wissenschaftlichen Gründe für den Genweizen-Anbau in Üplingen sind ganz offensichtlich vorgeschoben. Er soll vielmehr allein Profit- und PR-Interessen nützen. Das ist pure Lobbyforschung.“

[Leserbrief] Kohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

22. April 2008

Leserbrief von H. Jochums an die Rheinische Post bezgl. deren Artikel: „Bayer glaubt ans Kraftwerk“ (siehe unten)

Die Emissionen des Kraftwerks lägen deutlich unter den Grenzwerten, so Herr Dresely. Betrachtet man das Kraftwerk isoliert, so mag das stimmen. Er verschweigt jedoch, daß das Kraftwerk mitten in ein schon hochbelastetes Gebiet gepflanzt werden soll.

Ist diese Aussage schon recht rudimentär, wird‚s schlichtweg falsch, wenn er von dem Kohlekraftwerk als einem von „modernster Bauart“ mit einem „besonders hohen Wirkungsgrad“ (57% gesamt, laut Fa. Trianel) spricht. Und das auch noch mit „ökologisch sinnvolle(r) Kraft-Wärmekopplung“! Vor soviel Unkenntnis vom neuesten Stand der Technik kann ich nur den Hut ziehen. Auch ist der Begriff „besonders hoch“ so schwammig wie er nur sein kann. Darf‘s etwas genauer sein? Vielleicht auch noch differenziert nach elektrischem und thermischem Wirkungsgrad? Oder hält er die Journalisten und die Leser für zu doof, das zu verstehen?

Und wenn Herr Dresely mal über die Uerdinger Brücke in Richtung Osten gehen würde (würde ihn auch begleiten), würde er in Duisburg-Wanheim auf ein GuD-Kraftwerk (Gas-und Turbinenkraftwerk) der Stadtwerke Duisburg treffen, das einen Spitzenwirkungsgrad (elektrisch und thermisch) von 82%, im Jahresmittel von 68-72% hat bei 240MW Leistung in der Grundlast - laut ihrem Pressesprecher, weil die Wärme im Sommer nicht vollständig abgenommen werden kann mangels Verbraucher. Es existiert seit 2005. Dann hätte ich noch ein im Bau befindliches Gas-Kraftwerk in Irsching (Bayern) anzubieten mit einem angestrebten Wirkungsgrad elektrisch von 60%, Uerdingen wird dagegen auf hochmoderne 45% kommen. Irsching soll bis 2011 zu einem GuD ausgebaut werden. Und dann kommen noch etliche % thermisch hinzu.

„Für die Investition von 1,2 Milliarden EURO bedürfe es keiner Änderung der gültigen Bebauungspläne,...“ so Herr Dresely weiter. Damit wäre die Stadt Krefeld aus dem Rennen, die Bürger durften erst gar nicht antreten. Haben wohl die Qualifikation verpaßt. Die Tatsachen suggerierende Äußerung des Werksleiters ist aber juristisch äußerst zweifelhaft und damit ist es unredlich, zu behaupten, die Bebauungspläne müßten nicht geändert werden und dies noch als Tatsache hinzustellen.

Und dann die Arbeitsplätze: Ein mittlerweile routinert vorgetragenes Totschlagargument. „BenQ“ liegt garnicht so weit vom „Chempark“ entfernt! „Nokia“ grüßt von etwas weiter weg.

Schlußwort: Mir ist völlig schleierhaft, wie wir mit so geartetem Führungspersonal bei Betreibern und Großabnehmern den Klimwandel abdämpfen, geschweige denn verhindern wollen. - Gedankenstrich

Alle Zitate stammen aus dem Artikel von 18/4/08. In einem Artikel vom Folgetag kamen kritische Stimmen in derselben Zeitung in bedenkenswerten 6 Zeilen zu Wort.

H. Jochums

Hier nochmal die Pressemitteilung aus der Rheinischen Post vom 18.04.2008:

Bayer glaubt ans Kraftwerk

Der Antrag zum Bau eines Steinkohlekraftwerks auf dem Gelände des Chemieparks wird derzeit geprüft. Die Firmenleitung ist optimistisch. Allein dieses Jahr sollen 120 Millionen Euro im „Chempark“ investiert werden.

Die Bezirksregierung Düsseldorf prüft derzeit die von der Chempark-Betreibergesellschaft Currenta zusammen mit dem Energieunternehmen Trianel eingereichten Antragsunterlagen für ein 750-Megawatt-Steinkohlekraftwerk. Im Mai gehen sie den Verfahrensbeteiligten zu. Für die Investition von 1,2 Milliarden Euro bedürfe es keiner Änderung der gültigen Bebauungspläne, erklärte Chempark-Leiter Dr. Stefan Dresely gestern im Rahmen eines Pressegesprächs. Die Emissionen lägen deutlich unter der vom Gesetzgeber festgelegten Irrelevanzgrenze. Außerdem habe das Kohlekraftwerk modernster Bauart einen besonders hohen Wirkungsgrad, indem es die ökologisch sinnvolle Kraft-Wärme-Kopplung nutze.

Dresely weiter gesprächsbereit
„Wir werden jede konstruktive Anregung aufnehmen und in das Projekt integrieren,“zeigt sich Dresely gesprächsoffen. Das Kohlelager würde staubdicht eingehaust und der Krefelder Hafen an den Kohlelieferungen beteiligt. Mit dem Kraftwerk entstünden 160 neue Arbeitsplätze und die beiden alten Kohlebrenner könnten 2015 im Kraftwerk Nord abgeschaltet werden.„ Nach Meinung der Chempark-Betreiber ist eine positive Entwicklung des Standortes eng mit einer leistungsfähigen und verlässlichen Energieversorgung verbunden. Unter den Krefelder Ratsfraktionen sind aber die Meinungen geteilt: SPD und FDP sind für das Kraftwerk, CDU und Grüne sind dagegen.
Der Zwang zu immer schnellerer Effizienzsteigerung führte zur Zerstückelung ehemals großer Chemiekonzerne. Unter dem Uerdinger Bayerkreuz entstanden der Chempark und die Currenta als Betreiber. Neu hinzugekommen ist die Firma Tectrion, die ganzheitliche Instandhaltungskonzepte für den Chemiebereich anbietet. Die Serviceleistungen von Currenta, der ehemaligen Bayer Industry Services, richten sich auch an externe Kunden und stellen ein zusätzliches Werbeargument für den Chempark dar. “Wir wollen den Chempark für die Ansiedlung auswärtiger Firmen attraktiv machen„, erklärt Dresely. “Der Chempark ist wie ein Hotel , in dem Lanxess, Tronox und die Bayer-Firmen zahlende Gäste sind. Dieses Hotel wird von der Currenta betrieben und von der Tectrion gewartet." Im Jahre 2007 habe man 120 Millionen Euro investiert, eine Summe, die auch in 2008 wieder erreicht würde.
Bei diesen Investitionen käme vor allem den Aspekten Sicherheit und Umweltschutz der Nachbarn des Chemparks große Bedeutung zu. Derzeit baut die Currenta eine neue Sicherheitszentrale, um die Leitstellen des Werkschutzes, der Werksfeuerwehr und der Umweltüberwachung unter einem Dach zusammenzuführen. 18 Firmen unterschiedlicher Größe beherbergt der Uerdinger Chempark.
Quelle: RP, 18.04.2008

[BPA] Bisphenol A

CBG Redaktion

Presse Information vom 18. April 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Bisphenol A: „Risikoreiche Anwendungen verbieten!“

Chemikalie in Kanada als „gefährliche Substanz“ eingestuft / Supermärkte reagieren

Die kanadische Gesundheitsbehörde Health Canada wird die Chemikalie Bisphenol A voraussichtlich noch heute als „gefährliche Substanz“ klassifizieren. In einem zweiten Schritt sollen risikoreiche Anwendungen verboten werden. Der kanadische Gesundheitsminister Tony Clement kündigte für 12 Uhr mittags (Ortszeit) gemeinsam mit Umweltminister John Baird eine entsprechende Erklärung an. Mehrere Supermarkt-Ketten, darunter Wal-Mart Canada und Sears reagierten umgehend und nahmen Babyflaschen und Verpackungen aus Bisphenol A aus dem Sortiment. Wal-Mart kündigte an, auch in den USA risikoreiche Anwendungen vom Markt zu nehmen.

Prof. Jürgen Rochlitz, Chemiker und Beiratsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Bisphenol A und andere hormonaktive Substanzen haben in Produkten des täglichen Bedarfs absolut nichts verloren.“ Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG ergänzt: „Es ist ein Skandal, dass BAYER, Dow und Co. die Risiken von Bisphenol A jahrzehntelang runtergespielt haben. Deutsche und europäische Behörden müssen endlich reagieren. Wir fordern ein sofortiges Verbot von BPA in Spielzeug und in allen Produkten, die mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen“.

Health Canada ist weltweit die erste Aufsichtsbehörde, die der langjährigen Forderung von Umweltschützern nachkommt, Schädigungen des menschlichen Hormonsystems durch Bisphenol A zu unterbinden. Die Chemikalie wird bei der Herstellung von Plastikflaschen, der Innenbeschichtung von Konservendosen sowie in Lebensmittel-Verpackungen, Spielzeug und Zahnfüllungen eingesetzt. Säuglinge, deren Hormonsystem noch nicht ausgereift ist, sind besonders gefährdet - Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen und verfrühte sexuelle Reife können die Folge einer Exposition sein.

Ebenfalls in dieser Woche veröffentlichte das US-amerikanische National Toxicology Program einen Report, wonach die Gefahr besteht, dass die alltägliche Belastung mit BPA zu neurologischen Schäden führt - insbesondere bei Föten und Kleinkindern. Auch eine kanzerogene Wirkung könne nicht ausgeschlossen werden. US-Wissenschaftler hatten vor wenigen Wochen Urinproben von 2500 Personen untersucht und bei 92 Prozent der Proben messbare Mengen von BPA gefunden. Die Konzentration war „substanziell höher als jene, die in Tierversuchen bereits zu Krankheiten und Geburtsschäden geführt hatte“.

Jährlich werden rund 3,7 Millionen Tonnen der Chemikalie hergestellt. Die größten Produzenten sind die Firmen Dow, BAYER, Hexion, GE und Sunoco. BAYER als größter deutscher Hersteller produziert Bisphenol A in Krefeld, Antwerpen, Baytown/Texas, Map Ta Phut/Thailand und Shanghai/China. Das deutsche Umweltbundesamt fordert seit Jahren, die Verwendung von Bisphenol A in risikoreichen Anwendungen einzustellen - kann sich jedoch nicht gegen die Interessen der Industrie durchsetzen.

weitere Informationen:
Feds to declare bisphenol A toxic: http://www.canada.com/topics/news/story.html?id=19fa685b-f2b0-4446-9e27-453dcd65d016
The Globe and Mail “Canada first to label bisphenol A as officially dangerous”: http://www.theglobeandmail.com/servlet/story/LAC.20080415.TOXIC15/TPStory/National
Süddeutsche Zeitung “Hormone in Babyflaschen”: http://www.cbgnetwork.org/1797.html

[Grüne NRW] GRÜNER Landesparteitag beschließt Resolution gegen CO-Pipeline

CBG Redaktion

Erstmals zu Gast auf einem GRÜNEN Landesparteitag waren die „Bürger-Initiativen gegen CO“ mit einem Infostand, der insbesondere auf den beabsichtigten Pipelineverbund aufmerksam machte und auf reges Interesse stieß. Manuela Bursch von der Langenfelder Eltern-Initiative bekam großen Beifall bei ihrem Grußwort an die knapp 300 Delegierten.

Auf Initiative des GRÜNEN Kreisverbandes Mettmann hat der Landesparteitag der GRÜNEN in Hamm am Wochenende im Anschluss an die Rede auch einstimmig eine Resolution gegen die BAYER-CO-Pipeline beschlossen. Darin unterstützen sie die BürgerInnen im Kampf gegen die Pipeline und fordern, endlich einen Schlussstrich zu ziehen.

„Die GRÜNEN verurteilen, dass aus rein privat-wirtschaftlichem Interesse mehrere hunderttausend Menschen unbeherrschbaren Gefahren ausgesetzt werden sollen“, heißt es in der Resolution. „Wir GRÜNEN wenden uns gleichzeitig entschieden gegen einen im Pipelinegesetz angekündigten - aber ansonsten bisher geheim gehaltenen - „Kohlenmonoxid-Pipelineverbund“ nach Norden bis Gelsenkirchen-Scholven und nach Süden bis Köln Godorf/Wesseling.“ Die GRÜNEN forden stattdessen, Alternativ-Konzepte für eine dezentrale Kohlenmonoxid-Versorgung für die Kunststoff-Produktions-Standorte in NRW zu entwickeln.

Resolution im Wortlaut:

Schluss-Strich jetzt - GRÜNE unterstützen BürgerInnen im Kampf gegen die BAYER-CO-Pipeline!

Spätestens nach dem größten Kölner Chemieunfall seit dem zweiten Weltkrieg am 17.3.2008 in Worringen, der aufgrund eines Pipeline-Lecks entstanden ist, kann niemand mehr behaupten, dass der Betrieb von Pipelines risikolos beherrschbar ist.

Trotz dieses Ereignisses und trotz eines schwerwiegenden OVG-Beschlusses vom Dezember 2007 halten die Firma BAYER, die Regierung Rüttgers/Pinkwart und die Bezirksregierung Düsseldorf unbeirrt an der Absicht fest, die hochgefährliche Kohlenmonoxid-Pipeline 67 Kilometer durch dichtbesiedeltes Gebiet von Dormagen über den Kreis Mettmann, Düsseldorf und Duisburg nach Krefeld mit allen Mitteln gegen den Protest der ganzen Region durchzusetzen. Und das sogar ohne Katastrophenschutz.

Die GRÜNEN verurteilen, dass aus rein privat-wirtschaftlichem Interesse mehrere hunderttausend Menschen unbeherrschbaren Gefahren ausgesetzt werden sollen.

Wir kritisieren scharf, dass CDU, FDP und SPD im Januar dieses Jahres das von der GRÜNEN Landtagsfraktion eingebrachte Aufhebungsgesetz abgelehnt haben.

Wir GRÜNEN setzen uns deswegen weiter auf allen Ebenen – den Kommunen und Kreisen vor Ort, auf Regional- und auf Landesebene - gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern konsequent gegen die BAYER-Kohlenmonoxid-Pipeline ein.

Wir GRÜNEN wenden uns gleichzeitig entschieden gegen einen im Pipelinegesetz angekündigten - aber ansonsten bisher geheim gehaltenen - „Kohlenmonoxid-Pipelineverbund“ nach Norden bis Gelsenkirchen-Scholven und nach Süden bis Köln Godorf/Wesseling.

Das hochgefährliche Kohlenmonoxid darf nicht zu Lasten der Allgemeinheit transportiert, sondern muss wie international Standard an den Chemie-Standorten produziert werden, wo es direkt verarbeitet wird. Wir fordern die Landesregierung und BAYER auf, gemeinsam Alternativ-Konzepte für eine dezentrale Kohlenmonoxid-Versorgung für die Kunststoff-Produktions-Standorte in NRW zu entwickeln.

Die Zeit ist reif, einen Schlussstrich ziehen: Die CO-Pipeline muss jetzt endgültig vom Tisch!"

Einstimmig beschlossen in Hamm am 12. April 2008

[CO Pipeline] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

Leserbrief Rheinische Post, 10. April 2008

CO-Pipeline im Landtag NRW

Gestern, am 9. April, tagte wieder einmal der Umweltausschuss des Düsseldorfer Landtags. Themen waren der Brand in den Ineos-Werken (ein ehemaliges Bayer-Werk) im Chemiepark Dormagen und die CO-Pipeline, die zur Zeit von Bayer unter anderem quer durch den Kreis Mettmann gebaut wird.

Der Umweltminister des Landes NRW, Eckhard Uhlenberg, war zwar noch daran interessiert, Stellung zu den Ereignissen im Chemiepark zu nehmen, als es aber um die CO-Pipeline ging, war er bereits nicht mehr anwesend. Das Thema übernahm sein Staatssekretär, der nach einer Meldung von „Radio Neandertal“ auf die Frage, ob nach den Ereignissen bei Ineos der Baustopp der Pipeline erwogen würde, mit „Nein“ antwortete. Man würde die Erfahrungen aus diesem Unglück in den Gefahrenabwehrplan mit einarbeiten.

Die Ignoranz, die daraus spricht, ist mir unbegreiflich und ich bin immer wieder erstaunt, wie stur die Landesregierung, der Regierungspräsident und Bayer an diesem Projekt festhalten.

Die Motive von Bayer kann ich ja noch nachvollziehen (Profitgier, leider ohne Rücksicht auf die Gefährdung der Pipeline-Anlieger), was aber die Landespolitiker davon haben, ist mir schleierhaft. Ich kann ihnen allerdings schon voraussagen, was sie auf jeden Fall davon haben werden: massive Stimmenverluste bei der nächsten Landtagswahl. Ich möchte allerdings nicht unerwähnt lassen, dass die Politiker der Grünen mittlerweile eingesehen haben, dass die Genehmigung des Pipeline-Baus falsch war und sie sich jetzt gegen die Pipeline aussprechen.

Für alle anderen Politiker im NRW-Landtag, den Verantwortlichen bei Bayer und sonstigen Pipeline-Befürwortern habe ich eine Literaturempfehlung: das Amtsblatt der Europäischen Union vom 02.10.2003, Nr. L 250/24, bekannt gegeben unter Aktenzeichen K (2003) 647.

Es geht hierbei um eine Entscheidung der EU-Kommission vom 19. März 2003 über staatliche Beihilfen Deutschlands an einen Chemiekonzern (nicht Bayer), der 1999 eine CO-Pipeline nach Bitterfeld oder Buna bzw. eine andere Transportmöglichkeit dieses Gases wollte.

Worum es dabei genau ging, spielt hier jetzt keine Rolle, aber einige Passagen aus dieser EU-Entscheidung sind im Zusammenhang mit der Bayer-Pipeline äußerst beachtenswert.

Unter Nr. II., 2., (19) heißt es: „Mit Schreiben vom 25. Mai 1999 wies Deutschland darauf hin, dass CO wegen seiner besonderen chemischen Merkmale als Gas an dem Ort seines Verbrauchs hergestellt werden müsse.“

In den weiteren Ausführungen der Entscheidung steht unter Nr. II., 4., (30), letzter Absatz: „ ... da dieses Gas in der Nähe des Abnehmers erzeugt werden muss.“

Weiter geht es mit Nr. III., 1., (32): „Da sein Transport teuer und gefährlich ist, muss die Produktion nahe beim Abnehmer gelegen sein.“

(33) „Der räumlich relevante Markt ist immer ein lokaler Markt, da sich Erzeugung und Verbrauch wegen der Transportkosten und -risiken an demselben Standort befinden müssen.“

Also selbst die Bundesregierung und die EU vertreten die Ansicht, dass Kohlenmonoxid (CO) dort hergestellt werden muss, wo es gebraucht wird. Das sind nun einmal die Standorte der Chemiewerke und nicht eine Pipeline durch dicht besiedeltes Gebiet.

Meine Frage an die Pipeline-Befürworter: Warum soll das, was seinerzeit in Ostdeutschland unmöglich war, in NRW mit aller Macht durchgesetzt werden?

Einige Zitate aus dem Amtsblatt der EU vom 19. März 2003

Mit Schreiben vom 25. Mai 1999 wies Deutschland darauf hin, dass CO wegen seiner besonderen chemischen Merkmale als Gas an dem Ort seines Verbrauchs hergestellt werden müsse. Daher könne ein solches Erzeugnis den Handel innerhalb der Gemeinschaft nicht beeinträchtigen. Da es keinen CO-Markt nach dem herkömmlichen Verständnis gebe,....

Die Errichtung eines neuen CO-Werkes wäre mit 20 Mio. DEM wesentlich teurer gewesen als die Umrüstung seiner bestehenden Gaserzeugungsanlagen, die Linde 12,5 Mio. DEM gekostet haben.
(Eine interessante Aussage, weil es sonst keine Zahlen über die Kosten einer CO-Produktionsanlage gibt)

UCB hätte sich Kohlenmonoxid auch nicht außerhalb von Leuna beschaffen können, da dieses Gas in der Nähe des Abnehmers erzeugt werden muss (siehe die 22. Begründungserwägung der angefochtenen Entscheidung).“

Die Beförderung zu den nächstgelegenen chemischen Produktionsstätten in Bitterfeld oder Buna war wegen der technischen Merkmale von CO unmöglich.

Vollständiger Text:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:250:0024:0028:DE:PDF

[Kohle] Kohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

07. April 2008, Rheinische Post

Zum Kampf ,wild entschlossen'

Die Bürgerinitiative „Saubere Luft e.V.“ sieht sich als „David“ im Kampf gegen „Goliath“: die Unternehmen, die das Steinkohlekraftwerk in Uerdingen planen. Eine Gerichtliche Auseinandersetzung wäre sehr, sehr teuer.

Herbert Mommertz wird der Bürgerinitiative „Saubere Luft e.V.“ künftig nicht mehr als Vorsitzender zur Verfügung stehen. „Ich bin jetzt 70 Jahre. Meine Kraft ist nicht unendlich. Es gibt auch gesundheitliche Probleme“, erklärte er den Mitgliedern anlässlich der Mitgliederversammlung. Damit stellte er klar, dass er allein aus den genannten persönlichen Gründen nicht mehr auf der nächsten Jahreshauptversammlung kandidiere, die am 16. Mai stattfindet. Trotzdem werde er weiter aktiv in der BI mitarbeiten und alles daran setzen, das von den Firmen Trianel und Bayer geplante Kohlekraftwerk am Standort Uerdingen zu verhindern.
Er und die Bürgerinitiative seien nach wie vor schon allein in Namen der Kinder und Enkel „wild entschlossen“, das Kraftwerk zu verhindern. Für die BI in der Rolle des David sei es ein Kampf gegen den Goliath der das Kraftwerk planenden Unternehmen. Den „Monstern“ in den Firmenleitungen, so Mommertz auf der Versammlung, an der auch die Rheinhauser Bezirksvorsteherin Katharina Gottschling teilnahm, seien die Belange der Bevölkerung völlig egal. „Verzögern, verzögern, verzögern“, sei die erfolgversprechendste Taktik, um den Kraftwerksbau abzuwenden. Das Kraftwerk müsse vor 2012 in Betrieb gehen, sonst werde es aus wirtschaftlichen Gründen uninteressant. Unerschwingliche Emissionszertifikate und steigende Kohlepreise verhinderten dann den Bau von selbst.

Große Risiken
Als letzte Chance darüber hinaus den Kraftwerksbau zu stoppen, diskutierte die Initiative den Klageweg. Informationen lieferte dazu in einem Vortrag von der Kreisgruppe Duisburg des BUND Matthias Schneider. Zunächst nannte er den Kreis der Klageberechtigten. Zunächst hätten politische Gremien über die Ausübung des ihnen zustehenden Planungsrechts Einfluss. Dann wären Organklagen von Parteien oder Fraktionen möglich. Schließlich könnten Privatpersonen, deren Belange von dem in Rede stehenden Projekt unmittelbar betroffen wären, vor Gericht ihr Glück versuchen. Das jedoch berge ruinöse Risiken. Vor allem aber stünde zugelassenen Verbänden wie dem BUND nach Umweltrecht ein Klagerecht zu. Dazu habe ihn, erklärte Schneider, seine Kreisgruppe in die Rheinhauser Bürgerinitiative delegiert, um hier zusammen mit den Mitgliedern Chancen auszuloten und Schritte einzuleiten.
Vor allem komme es jedoch darauf an, die für eine Klage nötigen Gelder zusammenzubekommen. Gerechnet werden müsse mit Anwaltskosten in Höhe von fünf bis 10 000 Euro, 1000 bis 3000 Euro Gerichtsgebühren sowie Gutachterkosten zwischen 20 000 und 50 000 Euro. Herbert Mommertz errechnete daraus eine Startkapitalsumme von 30 000 Euro, die die Initiative schultern müsse.
VON HANS-ULRICH KRESS

[Hormone] Pharma-Marketing

CBG Redaktion

Presse Information vom 3. April 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER: Marketing für Hormonpräparate in der Kritik

unlautere Werbemethoden / auch Männer im Visier / Gegenantrag zur Hauptversammlung

Durch die Übernahme der Schering AG ist der Bayer-Konzern zum weltweit größten Anbieter von Verhütungsmitteln und Hormonen geworden. Auch die ehemalige DDR-Dopingschmiede Jenapharm, mittlerweile Marktführer für orale Kontrazeptiva in Deutschland, gehört nun zum Leverkusener Unternehmen.

Für das neue Geschäftsfeld initiiert der Konzern im Wochentakt neue Werbeaktionen: Bayer gibt laufend Umfragen zu den Themen Familienplanung und Sexualität in Auftrag, sponsort eine Unzahl von Internetforen zu Gesundheitsthemen, organisiert Pressegespräche, finanziert Kampagnen wie den „Weltverhütungstag“ und fördert Kongresse zum Thema Familienplanung.
Dabei schreckt das Unternehmen vor unbewiesenen Behauptungen nicht zurück. Mal heißt es, dass 30% aller Männer unter einem zu niedrigen Testosteron-Spiegel leiden, ein andermal soll durch Hormonspritzen „das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich gesenkt“ werden, dann wiederum sollen nur bei zwei von zehn Männern „die vitalen Körperfunktionen problemlos funktionieren“. Auch auf Nachfrage kann das Unternehmen zu keiner dieser Aussagen ernstzunehmende Belege liefern.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) hat daher einen Gegenantrag zur Bayer-Hauptversammlung am 25. April eingereicht. Die Konzernkritiker fordern, dem Vorstand wegen des verantwortungslosen Pharma-Marketings die Entlastung zu verweigern. Hubert Ostendorf vom Vorstand der CBG: „Laien sind häufig nicht in der Lage, die haltlosen Versprechungen der Pharma-Produzenten zu durchschauen. Werbung für Pharmazeutika in Medien und im Internet muss daher verboten werden. Die Information über Medikamente gehört in die Hände von Ärzten und unabhängigen Prüfern - die Pharmaindustrie kann aufgrund ihrer kommerziellen Interessen nicht ausgewogen informieren.“

Glaubt man der Bayer-homepage, so treibt den Konzern die Sorge um Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit um („weltweit Armut bekämpfen, die Umwelt schützen, die Globalisierung gerechter gestalten“). Tatsächlich geht es Bayer wohl eher darum, Hormonpräparate weltweit als Standard-Verhütungsmittel zu etablieren - denn die Gewinne sind gigantisch: die „Pille“ ist mit einem jährlichen Umsatz von über einer Milliarde Euro mittlerweile die wichtigste Produktgruppe des Konzerns. Durch das Marketing-Feuerwerk sollen die mitunter schweren Nebenwirkungen – Thrombosen, Embolien, Depressionen, Brust- und Gebärmutterhalskrebs - in den Hintergrund gedrängt werden.

In jüngster Zeit geraten immer mehr die Männer in das Visier der Hormon-Produzenten. Die Bayer-Werbeabteilung lancierte hunderte Artikel in aller Welt, in denen Hormontherapien gepriesen werden. Die Artikel kommen meist als „Gesundheitsberatung“ oder „Telefonsprechstunde“ daher. Analog zum Prä-Menstruellen Syndrom erfanden die Hormonproduzenten sogar eine neue „Krankheit“, das Testosteron-Mangel-Syndrom. Als mögliche Indikationen für eine Behandlung werden Zunahme des Bauchfetts, verringerte Libido, Haarausfall oder eine Abnahme der Knochendichte genannt – alles Symptome, die noch vor fünf Jahren als normale Alterserscheinungen galten. Von Bayer initiierte websites wie www.get-back-on-track.com („wieder in die Spur kommen“) oder www.testosteron.de versprechen denn auch, dass „die Testosteron-Ersatztherapie die Lebensqualität und Gesundheit des Mannes entscheidend verbessern und langfristig erhalten“ kann und dass „das psychische und physische Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit erheblich gesteigert werden“.

Dabei gibt es keinerlei Langzeit-Untersuchungen zu den Risiken einer Testosteron-Behandlung. Untersuchungen mit kürzerer Laufzeit erbrachten Hinweise darauf, dass Testosteronprodukte Prostatakrebs fördern und die Leber schädigen können. Fachärzte empfehlen daher, nicht ohne ausreichenden medizinischen Grund in den Hormonhaushalt einzugreifen. „Es kann gut sein, dass niedrigere Testosteronkonzentrationen bei älteren Männern irgendeinen Sinn haben, den wir noch nicht kennen. Da wäre es doch blöd, wenn wir den gleichen Fehler machen würden wie vor Jahren bei der Hormontherapie für Frauen“, so der Würzburger Endokrinologe Bruno Allolio.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert verbindliche Kontrollen aller bereits zugelassener Pharmazeutika und Industrie-unabhängige Studien bei Neuzulassungen. Aufsichtsbehörden müssen materiell und gesetzgeberisch gestärkt werden, um Nebenwirkungen von Medikamenten systematisch erfassen und risikoreiche Mittel vom Markt nehmen zu können.

Weitere Informationen:
=> Artikel „Das Pharma-Marketing von BAYER“
=> DER SPIEGEL: „Bayers merkwürdige Männer-Pillen“
=> Gegenantrag zur Bayer-Hauptversammlung

[Demo Leverkusen] STICHWORT BAYER 02/2008

CBG Redaktion

Proteste in Leverkusen

BAYER versus Artenvielfalt

Als einer der größten Pestizid-, Gentechnik- und Saatgut-Konzerne der Welt gefährdet BAYER massiv die Artenvielfalt. Auf der Bonner UN-Konferenz zur Biodiversität tat der Konzern alles dafür, um diesen Raubbau an der Natur weiter fortsetzen zu können. KleinbauerInnen-Organisationen, UmweltschützerInnen und die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN protestierten dagegen.

Von der SWB-Redaktion

Pestizide von BAYER gefährden massiv die Biodiversität: Böden und Gewässer werden vergiftet, Pflanzen- und Tierarten ausgerottet, das ökologische Gleichgewicht wird durch pestizidresistente Schädlinge gestört. Das Gen-Sortiment des Konzerns stellt ebenfalls eine Bedrohung der Artenvielfalt dar. Für seinen gegen das Herbizid LIBERTY resistenten Reis hat der Multi bei der EU bereits eine Importzulassung beantragt. Der großflächige Anbau dieses LL-Reises in Asien würde unweigerlich zur Kontamination und Verdrängung traditioneller Sorten führen. Hierdurch würde langfristig die Ernährungssicherheit gefährdet. Während die LandwirtInnen ihr Saatgut bislang durch Tausch und Eigenzüchtungen selbst produzieren, würden sie künftig wegen des Patentschutzes in Abhängigkeit der Saatgut-Unternehmen geraten.
Gen-Reis von BAYER war auch für den bislang größten Kontaminations-Skandal verantwortlich: Im Jahr 2006 kam die herbizidresistente Sorte LL601 weltweit in den Handel – ohne Zulassung und ohne Kenntnis der Risiken für die VerbraucherInnen. US-Amerikanischen Farmern entstand ein Schaden von über einer Milliarde Dollar. BAYER führt die Verunreinigungen auf „höhere Gewalt“ zurück und lehnt eine Entschädigung ab. In Australien und in der Bundesrepublik sorgte derweil Raps made by BAYER für einen Gen-GAU. Trotzdem arbeitet der Agro-Riese schon an der nächsten Generation der Laborfrüchte: dem Terminator-Saatgut. Dabei handelt es sich um eine Technologie, welche die Pflanzen unfruchtbar macht. Dies soll verhindern, dass LandwirtInnen einen Teil ihrer Ernte aufbewahren und im folgenden Jahr als Saatgut verwenden. BAYER und Co. versuchen hartnäckig, das bestehende Moratorium für Terminatorpflanzen zu kippen.
Auch im Bereich „Agrardiesel“ ist BAYER aktiv. Der Konzern will sowohl aus Raps wie auch aus der tropischen Pflanze Jatropha Agrosprit gewinnen. Im Fall von Raps drohen große Monokulturen und ein hoher Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden. Jatropha lässt sich laut BAYER auf „Grenzertragsböden in tropischen und subtropischen Ländern anbauen“, die sich nicht für die Produktion von Nahrungsmitteln eignen. Tatsächlich werden diese Flächen jedoch intensiv genutzt, z. B. als Weideland. Nach Angaben der Welternährungsorganisation sind solche Ressourcen für Ernährung und Gesundheit der ärmsten Teile der ländlichen Bevölkerung lebensnotwendig. In Indien kam es schon zu Vertreibung Landloser von solchem „Brachland“. Ein großflächiger Jatropha-Anbau würde Naturlandschaften zerstören, Kleinbauern und -bäuerinnen vertreiben und zu mehr Hungertoten führen.
Auf einer von der UNO veranstalteten Konferenz zur Wüstenbekämpfung sammelte BAYER von den teilnehmenden Ländern Unterschriften zum Jatropha-Anbau ein. Auch sonst tut der Leverkusener Multi alles, damit die Umweltpolitik der Vereinten Nationen seinen Aktionsradius nicht hemmt. So hievte er seine Managerin Annik Dollacker auf den Posten der Co-Leiterin der „Task Force Biodiversität“. Diese Arbeitsgruppe der internationalen Handelskammer ICC beschäftigt sich nach Selbstauskunft im Allgemeinen „mit allen Aspekten der Biodiversitätskonvention (CBD) der Vereinten Nationen, bei denen die Wirtschaft betroffen ist“, und im Besonderen mit der Bonner Konferenz zur Artenvielfalt. „Ein Schwerpunkt der Task Force wird die Begleitung der 9. Vertragsstaatenkonferenz zur Konvention über die biologische Vielfalt sein, die in Bonn vom 19. - 30. Mai 2008 stattfindet“, so die ICC. Diese „Begleitung“ hatte dann unter anderem zur Folge, dass es in Bonn zu keiner verbindlichen Regelung über die Frage der Haftung bei Verunreinigungen durch Gen-Pflanzen kam. Die führenden Saatguthersteller wie MONSANTO, DUPONT, SYNGENTA oder BAYER CROPSCIENCE könnten weiter beliebig mit der Gentechnik verfahren, beklagte sich daraufhin der GREENPEACEler Martin Kaiser laut Frankfurter Rundschau.
Aber wo die Gefahr wächst, da wächst das Rettende auch. Es war nämlich nicht nur BAYER in Bonn vor Ort. Kleinbauern und -bäuerinnen, UmweltschützerInnen und AktivistInnen aus aller Herren Länder reisten nach Deutschland, um für eine Agrarwende zu streiten. Sie besuchten „Planet Diversity“, den Gegenkongress zum UN-Meeting, nahmen am 12. Mai an der Demonstration zur Artenvielfalt teil und hatten sogar einen Lokaltermin bei BAYER.
Hundert Menschen machen sich am 17. Mai von Bonn aus nach Leverkusen auf. Mit Straßentheater, Demo-Ballett und kunstvoll gestalteten Figuren machten sie ihrem Unmut über die Geschäftspolitik des Agro-Multis Luft. „Wir protestieren gegen BAYERs Lobby-Anstrengungen, die Patentgesetze noch härter zu machen. Wir erlauben es nicht, unsere genetischen Ressourcen zu privatisieren“, skandierten Mitglieder der internationalen FarmerInnen-Organisation VIA CAMPESINA. Und ihr Sprecher José Oviedo erklärte in seiner Rede: „Agrogifte und gentechnisch veränderte Pflanzen, die von BAYER über die Welt gebracht werde, zerstören die lokalen Gemeinschaften, die seit Jahrhunderten Biodiversität geschaffen haben. Wenn wir Biodiversität erhalten wollen, müssen wir BAYER und ähnliche Firmen stoppen“. Petra Buhr vom NETZWERK FREIES WISSEN pflichtete ihm bei und kritisierte in ihrem Beitrag vor allem die Forschung des Leverkusener Multi zur Terminator-Technologie. Axel Köhler-Schnura schrieb derweil das „Schwarzbuch BAYER“ weiter: „Produkte von BAYER sind für Todesfälle in aller Welt verantwortlich – von hochtoxischen Pestiziden bis hin zu gefährlichen Pharmaprodukten“. Und zum Schluss gab die versammelte Schar BAYER alles schriftlich: Die AktivistInnen überreichten dem Multi einen Offenen Brief mit dem ganzen Sündenregister.

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[Pestizide] STICHWORT BAYER 02/2008

CBG Redaktion

Fähren als Agrogift-Transporter

Die Pest an Bord

Am 21. Juni dieses Jahres geriet das philippinische Schiff „Princess of the Stars“ in den Wirbelsturm „Frank“ und sank. 800 Menschen starben. Bei den Bergungsarbeiten stießen die ArbeiterInnen zu allem Unglück auch noch auf Massen von BAYER-Pestiziden, obwohl die staatlichen Behörden einen solchen Transport auf Fähren untersagen.

Von Philipp Mimkes

Die Philippinen hatten sich von dem Schock über den Verlust von 800 Menschenleben nach dem Kentern der Fähre „Princess of the Stars“, das in den Wirbelsturm „Frank“ geraten war, noch nicht ganz erholt, da versetzte sie ein Fund bei der Bergung erneut in Schrecken: Das Schiff hatte 10 Tonnen Endosulfan sowie Ackergifte des Leverkusener Multis geladen. Die Arbeiten mussten sofort unterbrochen werden, zu groß war das Risiko, dass die Agrochemikalien ins Meer gelangen und eine ökologische Katastrophe auslösen könnten.

Die Reederei-Unterlagen weisen das Endosulfan als Eigentum des Frucht-Multis DEL MONTE aus, er könnte es jedoch von BAYER gekauft haben. Endosulfan ist in der Bundesrepublik wegen seiner Gefährlichkeit verboten. Unter Auflagen darf ihn der Leverkusener Multi jedoch noch in Länder der „Dritten Welt“ exportieren. Im Juli 2007 hat sich die Europäische Kommission dafür ausgesprochen, das Mittel auf die Liste der Stockholmer Konvention für besonders giftige Substanzen zu setzen und damit sein Verschwinden von allen internationalen Märkten einzuleiten. Aufforderungen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) an die Adresse BAYERs, den Wirkstoff nicht mehr zu vertreiben, kam der Agro-Riese trotz gegenteiliger Versprechungen bisher nicht nach. Aber auch die andere Pest an Bord, die 500 kg ANTRACOL, TRAP, FUERZA und TAMARON, ist nicht ohne. Besonders risikoreich ist Methamidophos, der Wirkstoff von TAMARON, der von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „hoch gefährlich“ eingestuft wird.

Nach Informationen des philippinischen Senders ABS-CBN war BAYER Auftraggeber des Transports. Träfen diese Angaben zu, hätte der Global Player einen Rechtsbruch begangen, denn die philippinische Regierung erlaubt den Transport von Pestiziden auf Personenfähren wegen des Gefahrenpotenzials nicht. Allerdings scheint es trotzdem gängige Praxis zu sein. Die Firmen scheuen nämlich die bei gefährlicher Ware fälligen Behördengänge und Genehmigungsverfahren und deklarieren ihre Ladung lieber um. „Es geht so schneller für sie und außerdem zahlen sie so weniger als sie eigentlich müssten“, sagte Elena Bautista vom philippinischen Transportministerium.

Die CBG drang in ihrer Presseerklärung auf Klärung der Verantwortlichkeiten: „Die Begleitumstände des schrecklichen Unglücks auf den Philippinen werfen zahlreiche Fragen auf: Wer wusste davon, dass hochgefährliche Pestizide auf Fährschiffen transportiert werden? War den Pestizid-Herstellern diese illegale Praxis bekannt? Wer ist der Hersteller des an Bord befindlichen Endosulfans? Werden sich die Produzenten an den Bergungskosten beteiligen?“ Antworten darauf blieb BAYER bislang schuldig.