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[IG Farben] STICHWORT BAYER 02/2005

CBG Redaktion

Die IG FARBEN unterstützten die NSDAP massiv

Die Hitler-Macher

Eine große Geschichtsrevision greift um sich. Als via Sozialpolitik willig gemachte Helfer Hitlers begreift Götz Aly die ganze Bevölkerung, Guido Knopp und andere Fernseh-Historiker schreiben die ganze Macht des Nationalsozialismus den Verführungskünsten des Diktators zu und neuere Unternehmensgeschichten schreiben den Anteil der Industrie an der Machtergreifung klein. Stichwort BAYER hingegen demonstriert nochmal am Beispiel der von BAYER mitgegründeten IG FARBEN den Wahrheitsgehalt des Horkheimer-Satzes: „Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen“.

Von Dr. Janis Schmelzer (Historiker)

Der Kurzschluss mit der Poltik hatte bei der IG FARBEN eine lange Tradition. Im Mai 1934 berief sich der Konzern in seinem Firmenkalender auf den Zusammenschluss der deutschen Chemiewerke zur IG am 18. August 1916: „Auch hier waren es im stärksten Maße volkswirtschaftliche, vor allem kriegswirtschaftliche Erwägungen, die zum Zusammenschluss führten. Die Front brauchte die deutsche Chemie nicht minder wie Stahl und Eisen“ (1). Neun Jahre nach dem endgültigen Zusammenschluss zur IG FARBEN AG vom 2. Dezember 1925 kann die Formulierung „auch hier“ nicht nur allein auf den Gründungsakt im 1. Weltkrieg bezogen ausgelegt werden. Immerhin galt während des Zweiten Weltkrieges das interne Motto des Kriegsverbrecherkonzerns: „Was an Rüstung des Soldaten nicht Eisen ist, ist Chemie – auch der Uniformrock.“ (2)
Nach Auffassung der IG FARBEN hat Deutschland den Krieg nur deshalb verloren, weil das wilhelminische Kaiserreich „die Bedeutung wehrwirtschaftlicher Arbeiten vor dem Kriege“ unterschätzt habe und korrigierende Maßnahmen erst während des 1. Weltkrieges „im Drange der Ereignisse improvisiert werden mussten“ (3). Das durfte sich nicht wiederholen. Die seit der Gründung der IG FARBEN 1925 mit den verbliebenen Generälen bestehende Zusammenarbeit war bis 1934 so weit gediehen, dass für den Tag X alles parat stand. Es fehlte nur noch eine politische Kraft, die gemeinsam mit den Militärs für die Realisierung der Kriegsziele des Konzerns garantieren konnte. Die Großkonzerne suchten nach dem „starken Mann“, der in der Weimarer Republik unter den konservativen Parteien auszuwählen war. Der Vorsitzende der BAYER AG, Carl Duisberg hatte 1931 eine Vision: „Fortwährend ruft das deutsche Volk nach einem Führer, der es aus seiner unerträglichen Lage befreit. Kommt nun ein Mann, der bewiesen hat, dass er keine Hemmungen hat, und der gesonnen ist, den Geist der Frontgeneration in friedlicher Befreiungsarbeit einzusetzen und zu verwirklichen, so muss diesem Mann unbedingt Folge geleistet werden.“ (4) Im September 1933, nach der Machtübergabe an Hitler bekannte sich Duisberg zu seiner Rede von 1931: „Meine auf der ersten großen Tagung des Reichsverbandes unter meinem Vorsitz dargelegte Meinung hat sich heute noch nicht geändert: Das Wichtigste für die Industrie ist ein starker Staat, eine machtvolle und energische Regierung.“(5) Offiziell konnte Duisberg die neue deutsche Regierung „unter dem Führer Adolf Hitler“ mit einem dreifachen „Sieg Heil“ bereits am 15. Juli 1933 aus Anlass der Einweihung des Schwimmbades in Leverkusen hochleben lassen.
Die ersten Beziehungen zwischen der NSDAP und den IG FARBEN liegen viel weiter zurück. Seit spätestens 1930 hatte Duisberg im Namen der IG FARBEN und als Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen Industrie finanziell zu den Wahl-Erfolgen der NSDAP beigetragen. Der Polizeipräsident von Berlin informierte am 5. Januar 1932 den Minister des Innern, dass „in früheren Zeiten, auch noch vor der letzten Reichstagswahl“ die NSDAP Gelder erhalten habe. Genannt wurden seinerzeit Graf Helldorf, Geheimrat Duisberg und Dr. Keil (6). Später nahm die „Bosch-Fraktion“ maßgeblichere Kontakte zur NSDAP auf. Die direkten Kontakte zur NSDAP liefen über die „Zweite Reihe“ der IG-Führungselite, Gattineau, Ilgner, Bütefisch und Dr.Schieber.
1930 gründete Max Ilgner die Zentralfinanzverwaltung der IG FARBEN (Zefi) in Berlin, die den offiziellen Kontakt zu den Behörden und Parteien aufzunehmen hatte. Zur gleichen Zeit stieß der Duisbergs Privatsekretär Heinrich Gattineau, ein Studienfreund von Rudolf Heß, zum Büro Ilgner und unterstützte diesen bei der Pflege der Verbindungen zur NSDAP, die er seit 1923 hatte. Für den zur gleichen Zeit bestehenden Kalle-Kreis, dem „Kränzchen“ der IG FARBEN, schuf Gattineau den Kontakt zum wirtschaftspolitischen Pressedienst der NSDAP. Hitlers Wirtschaftsexperte für Kontakte zu Wirtschaftskreisen, der NS-Journalist Walter Funk, erhielt auf Anfrage seitdem monatliche finanzielle Unterstützung durch das neu geschaffene Büro Gattineau (7). Vor dem Sturz Brünings setzte sich das „Kränzchen“ mit Funk in Verbindung, um auszuloten, ob die NSDAP die Geldwährung in Ordnung bringen könne, wenn sie am Regierungssteuer säße. In der ersten Hälfte des Jahres 1932 fanden zwei Zusammenkünfte mit Funk statt, eine davon in der IG-FARBEN-Zentrale Unter den Linden. Einmal arrangierte Funk für Geheimrat Hermann Schmitz, Ilgners Onkel, eine Begegnung mit Hitler. Zur gleichen Zeit sind aus dem zentralen Fonds der IG Gelder an die NSDAP gegangen. Gattineau erklärte gegenüber Ilgner, er wisse, dass der Kalle-Kreis Spenden von 20.000 bis 30,000 Reichsmark an die NSDAP übergeben habe. Im Winter 1933/34 zeigte sich die IG-FARBEN-Zentrale mit ihrer Spende für die SA in Höhe von 200.000 RM großzügiger. Die Spitze erreichte die IG FARBEN mit ihrer „Wahlspende“ vom 20. Februar. Sie belief sich auf 400.000 RM – der größte Einzelbeitrag eines deutschen Konzerns für die vereinigte Rechte von NSDAP, DNVP und DVP. Göring hatte über 20 Repräsentanten aus der Wirtschaft und Hochfinanz in seine Wohnung eingeladen, darunter befanden sich allein vier Herren der IG FARBEN, u.a. Carl Bosch und Georg von Schnitzler.
Die weiteren, inhaltlich anders gelagerten Kontakte zur NSDAP im Jahre 1931 konzentrierten sich auf die Medienkampagne zur Herstellung synthetischen Benzins. Um den Angriffen der Nazi-Presse, vor allem im Völkischen Beobachter, entgegenwirken zu können, veranstaltete die IG FARBEN seit Oktober 1931 offene Führungen in Leuna (7b). Einladungen gingen an alle Parteien des Reichstages außer an die KPD sowie an JournalistInnen. Der Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der Reichsleitung der NSDAP, Otto Wagener erklärte nach einem IG-Imbiß, dass das Benzin-Projekt völlig mit den Zielen des Nationalsozialismus übereinstimme. Nachdem es erneut zu NS-Presseangriffen kam, entschloß sich Carl Bosch, direkt an Hitler heranzutreten. Gattineau, der über einen direkten Draht zur NSDAP-Führung verfügte, hatte über Haushofer ein Treffen der IG FARBEN mit Hitler für das Frühjahr 1932 arrangiert. Tatsächlich fand es aber erst im Juni 1932 statt. Gattineau, Bütefisch, Heß und Hitler trafen sich in München. Hitler versprach, die Angriffe auf das Hydrierungsprojekt in der NS-Presse zu stoppen und die Importzölle auf Erdöl aufrechtzuerhalten, wenn er an der Regierung sei. Die Herstellung synthetischen Benzins für die Motorisierung Deutschlands und den Bau von Autobahnen begrüße er (8). Bosch, der Organisator des Hitler-Treffens, betrachtete das Ergebnis des Treffens als Erfolg. Doch ihm ging es um mehr. Als Kernpunkt bezeichnete er die Haltung der deutschen Wehrmacht zum Benzin-Projekt. Der stellvertretende Vorsitzende der IG-eigenen Länderbank, Geheimrat Lederer, kannte den Leiter des Heereswaffenamtes, Exzellenz Bockelberg, der wie der Finanzminister besonders auf die Vorbereitung zu einem neuen Krieges hinwies. Darauf kam es zur Besichtigung der Leuna-Werke unter Leitung Ilgners, an der Bütefisch, Schmitz und Bockelberg teilnahmen. In den abschließenden Verhandlungen zwischen dem Heereswaffenamt und der IG in der ersten Hälfte des Jahres 1932 – bereits vor dem Treffen vom 25.Juni mit Hitler – ging es um die Garantie für die Weiterführung der kriegswirtschaftlichen Konzeption des Chemiekonzerns. Die IG FARBEN hatte bereits 300-400 Millionen RM an Forschungs-und Entwicklungskosten für Leuna investiert. Die IG FARBEN konnte nunmehr auf die beiden Säulen, die Wehrmacht und die NSDAP setzen. Zum im August 1931 gegründeten „Mitteleuropäischen Wirtschaftstag“ (MWT) gehörte neben dem „Stahlhof“ in Düsseldorf auch der spätere Vizepräsident Max Ilgner. Dieser Kern der großkapitalistischen Macht erwies sich als industrielle Schaltstelle zur Förderung des Hitler-Regimes. Als Gegenleistung erhofften sie sich unter anderem die Erfüllung des Duisberg-Traumes von einem „geschlossenen Wirtschaftsblock von Bordeaux bis Sofia“ (9), um die südosteuropäischen Rohstoffquellen erschließen zu können.
Die konkreten Summen, welche die IG FARBEN-Zentrale zur Unterstützung der NSDAP aufbrachte, konnten im Nürnberger IG-Prozeß nicht festgestellt werden, ebensowenig die von einzelnen Sparten der IG FARBEN zur Verfügung gestellten Gelder.
Bislang unbekannt ist die Tatsache, dass die IG FARBEN bereits Anfang 1932 Kontakte zu Mussolini, seiner faschistischen Partei und den italienischen faschistischen Gewerkschaften hatte und dass IG-FARBEN-Dokumente zum „Kampf um die Rückeroberung der Kolonien“ seit April 1932 vorliegen. Die Deutsche Kolonialgesellschaft erhielt von dem IG FARBEN-Spendenbüro im Auftrag von Duisberg seit 1925 beachtliche Geldbeträge (10).

Zusammenfassend lässt sich sagen:

– Die Führungseliten, die späteren Wehrwirtschaftsführer der IG FARBEN, haben lange vor Hitlers Machtübernahme eine Diktatur gewünscht, die ohne Rücksicht auf die Volksmassen „handeln“ konnte.

– Sie strebten die Beherrschung der europäischen Industrie, und wenn möglich außerhalb Europas an.

– Noch bevor die Macht an Hitler übertragen wurde, hatte die IG FARBEN Abmachungen für eine Regierungsunterstützung zur Ausdehnung ihrer Anlagen für synthetisches Benzin abgeschlossen.

– Die IG FARBEN arbeitete aufs Engste mit den militärischen Führern zusammen und nahm an der Planung für den Aufbau einer gigantischen deutschen Armee und Luftwaffe teil.

– Als Vorkämpfer für die unbegrenzte Wiederaufrüstung Deutschlands stellte sich die IG FARBEN mit ihrem gesamten Gewicht hinter Göring.

– Carl Krauch war führender Mann der gesamten chemischen Industrie Deutschlands und arbeitete bei der Umsetzung des Vierjahres-Plans der IG FARBEN eng mit Göring zusammen.

– Die Leiter der IG FARBEN wussten infolge ihrer strategischen Position auf dem Gebiet von Gummi, Benzin und Giftgas, dass die Wiederaufrüstung bei weitem jeden vorstellbaren Verteidigungszweck überstieg.

– Die Beratungen der IG FARBEN mit den militärischen und politischen Führern überstiegen bei weitem das Gebiet der technischen Angelegenheiten, waren äußerst aggressiv und in jeder Beziehung auf den Krieg gerichtet.

In diesem Zusammenhang hielt die US-Anklage folgendes Dokument fest, das in die Geschichte als „Krauch-Memorandum“ einging:
„Es ist unerlässlich für Deutschland, sein eigenes Kriegspotential, ebenso wie das seiner Verbündeten, so zu stärken, dass dieser Zusammenschluss praktisch den Kräften der übrigen Welt gleichkommt. Dies kann jedoch nur durch neue, starke und gemeinsame Anstrengungen aller Bundesgenossen erreicht werden, indem das Wirtschaftsgebiet zunächst friedlich auf den Balkan und auf Spanien ausgedehnt wird, entsprechend den verbesserten Rohstoffverhältnissen unserer Bundesgenossen. Wenn diesen Überlegungen nicht mit größter Eile Taten folgen, werden alle Blutopfer des nächsten Krieges umsonst sein und es wird uns das bittere Ende nicht erspart bleiben, das wir uns selbst durch unsern Mangel an Voraussicht und Ziellosigkeit beschert haben. (11)“
Dieser Krauch-Bericht an Göring vom April 1938 gilt als offizielles Dokument der Anklage des US-Militär-Tribunals zum Anklagepunkt I, Verschwörung zur Planung und Durchführung von Angriffskriegen.
In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass Duisbergs Annexions-Pläne aus dem 1. Weltkrieg nach 1933 wieder aktuell wurden. Während der Brest-Litowsker Friedensverhandlungen hatte die IG 3 Millionen Reichsmark für die Errichtung von Siedlungsgesellschaften im Baltikum zur Verfügung gestellt. Duisbergs Idee „Die Annexion unmittelbar an das Reich grenzender Gebiete schon unter dem Gesichtspunkt der Nahrungsmittelversorgung in einem zukünftigen Krieg“ sicherzustellen, wurde nach dem Diktatfrieden von Brest-Litowks nicht aufgegeben. Im Juli 1918 beteiligte sich Duisberg an der Gründung des „Osteuropa-Syndikats“ mit dem Ziel, eine dauernde Beherrschung Deutschlands über Rußland, die Ukraine und den Kaukasus zu erlangen. Die IG-FARBEN-Konzeption vom Großraum im Osten war eine Vorwegnahme der Hitlerschen Russland-Politik (12).

Anmerkungen

(1) Betriebsarchiv VEB Filmfabrik Wolfen
(2) Zit.nach Willi A.Boelcke, Die deutsche Wirtschaft 1930-1945. Interna des Reichswirtschaftsministeriums, Düsseldorf 1983,S.238, in: Günther Luxbacher, Roh-und Werkstoffe für die Autarkie, Textilforschung in der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Berlin 2004, S.5.
(3) Vermittlungsstelle Wehrmacht, 11.02.1936, Betriebsarchiv Elektrochemisches Kombinat Bitterfeld S. 1087.
(4) Carl Duisberg, Abhandlungen, Vorträge und Reden aus den Jahren 1932-1933, Berlin 1933, S. 135.
(5) Carl Duisberg, Meine Lebenserinnerungen, Leipzig 1933, S.138.
(6) Martin Seckendorf, Fundst¸cke, Berliner Gesellschaft für Faschismus-und Weltkriegsforschung, 29.05.04, www.berliner-gesellschaft.org.
(7) Eidesstattliche Erklärung Dr.Heinrich Gattineau, Document NO. NI-4833 Office of Chief of Councel for War Crimes, in: Der Auschwitz-Prozeß, Hrsg. Fritz Bauer Institut Frankfurt/Main und Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau
(7b) Anfang 1932 hatte der VB zum Benzin-Projekt wohlwollend berichtet, doch erneuerte seine Anwürfe. Es wurden Zweifel geäu_ert, ob das Projekt und die Unterstützung durch die Regierung gerechtfertigt sei. Es handle sich doch um eine Firma, die unter dem Einfluß ausbeuterischer „internationaler Finanzherren“ stehe. Vor 1933 waren diese Auffassungen in der NSDAP verbreitet, später duldete die Parteiführung sie nicht mehr.
(8) Henry Ashby Turner, Jr., Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers, Siedler, Berlin 1985, S.302 ff.
(9) Carl Duisberg, Abhandlungen…a.a.O., S.173
(10) vgl. Janis Schmelzer, Aus der Geschichte der Filmfabrik Wolfen, Heft 10, IG-Farben stoßen nach Afrika, Bitterfeld-Wolfen, 1965; Heft 13. Die Herren Generale, Wolfen 1966; Heft 16. Die braune Box, Wolfen 1967
(11) Nuremberg Trials. War Crimes and International Law, Ergänzte Sonderausgabe, Übersetzung aus dem Englischen von Ruth Kempner, Zürich 1951, S. 92
(12)Thomas Portz, Großindustrie, Kriegszielbewegung und OHL, Siegfrieden und Kanzlersturz. Carl Duisberg und die deutsche Au_enpolitik, Lauf a.d.Pegnitz, 2000, S.280f

Die IG FARBEN, die Geldhäuser & die NSDAP

Eine Bank für Hitler

Ein Schlüsselrolle im Verhältnis der IG FARBEN und anderer Konzerne zur NSDAP kam der Kölner Bankiersfamilie von Schnitzler mit ihren vielfältigen Verbindungen zu. Der zu ihrem Clan gehörende Kurt Freiherr von Schröder war es, der Hitler in den Düsseldorfer Industrie-Club lud und ihn dort die Allianz von Faschismus und Kapitalismus besiegeln ließ.

Von Axel Köhler-Schnura

In welchem Umfang hat BAYER die Nazis und Hitler finanziert? Inwieweit haben die IG FARBEN – der Zusammenschluß von BAYER, HOECHST und BASF zum damals größten Wirtschaftsimperium der Welt – die Nazidiktatur finanziell und politisch in den Sattel gehoben? Welchen Anteil hatte BAYER-Chef Carl Duisberg daran? – Die Antworten auf diese Fragen sind noch heute nicht völlig klar. Die betroffenen Konzerne halten die Dokumente in ihren Archiven unter Verschluss, klare Auskünfte werden verweigert, entsprechende Feststellungen werden als „Beleidigung“, „Diffamierung“, „haltlos“ etc. zurückgewiesen.

Doch es gibt einen Zeugen der Anklage: Karl-Eduard von Schnitzler. Er ist Spross einer Bankiersfamilie aus Köln und mit drei Hauptakteuren verwandt, die seinerzeit das Scharnier zwischen dem zur Macht strebenden Hitler und der fest im Sattel der Macht sitzenden IG FARBEN bzw. BAYER/Leverkusen bildeten. Es handelt sich um:
– Richard von Schnitzler, Onkel von Karl Eduard von Schnitzler, I.H. Stein-Bank/Köln, Aufsichtsratsmitglied der IG FARBEN;
– Georg von Schnitzler, Vetter von Karl Eduard von Schnitzler, Mitglied des Vorstands der IG FARBEN;
– Kurt Freiherr von Schröder, ein weiterer Vetter von Karl Eduard von Schnitzler, Direktor der I.H.STEIN-BANK/Köln, Schwiegersohn von Richard von Schnitzler.

Im Zentrum des verhängnisvollen Geschehens steht die Familienbank I.H. STEIN. Über diese Bank schreibt Kurt Gossweiler in seinem Buch „Sturz ins Dritte Reich“: „Das Bankhaus I.H. STEIN war bereits 1921 … mit den beiden tragenden Säulen des deutschen Imperialismus, der Ruhrschwerindustrie und der chemischen Industrie aufs Engste verbunden.“ Direktor der Bank war der oben erwähnte Kurt Freiherr von Schröder, der Schwiegersohn des ebenfalls erwähnten Richard von Schnitzler. Die Bank war nicht nur eine der Hausbanken von BAYER und der IG FARBEN, sondern saß bei dieser auch im Aufsichtsrat. Vertreten durch Heinrich von Stein und Richard von Schnitzler, Schröders Schwiegervater.

Direktor Kurt Freiherr von Schröder, Direktor der Hausbank von BAYER und der IG FARBEN, war auch der „Erfinder“ der Idee, für jede Tonne geförderter Ruhrkohle fünf Reichspfennige an die faschistische Harzburger Front zu zahlen. Damit wurde noch lange vor den üblichen direkten Industriespenden an die NSDAP Hitler direkt finanziert, denn der stärkste Partner der Harzburger Front war Hitlers NSDAP.
Es war aber auch eben dieser Direktor Schröder, der höchstpersönlich das alles entscheidende Treffen zwischen Hitler und der deutschen Industrie organisierte. Er machte es möglich, dass Hitler seine faschistischen Großmachtpläne einem handverlesenen Kreis von Generaldirektoren deutscher Banken und Konzerne im Düsseldorfer Industrieclub vortragen durfte. Bekanntlich kam es nach dieser Rede vor den Industriellen zu stehenden Ovationen. Die offizielle Einladung von Adolf Hitler in den Industrieclub sprach übrigens Jost Henkel vom Düsseldorfer HENKEL-Konzern aus. Auch hier sind die Bande zur IG FARBEN unübersehbar.

Und schließlich war es eben jener Schröder, in dessen Haus in Köln am 4. Januar 1933 das Treffen zwischen Hitler und dem Reichskanzler Papen stattfand, dessen Ergebnis die Machtübergabe an Hitler war. Schröder selbst sagte unter Eid vor dem Nürnberger Kriegsverbrecher-Tribunal aus: „Bevor ich den Schritt (zu diesem Treffen, d. Verf.) unternahm, besprach ich mich mit einer Anzahl von Herren der Wirtschaft und informierte mich allgemein, wie sich die Wirtschaft zu einer Zusammenarbeit der beiden stellte. Die allgemeinen Bestrebungen der Männer der Wirtschaft gingen dahin, einen starken Führer in Deutschland an die Macht kommen zu sehen, der eine Regierung bilden würde, die lange Zeit an der Macht bleiben würde.“

Nun, „den starken Führer“ verlangte BAYER-Boss Carl Duisberg mit genau diesen Worten bereits in den 20er Jahren. Und so schließt sich der Kreis: Die Drahtzieher im Hintergrund, die Hitler bereits sehr frühzeitig finanzierten und die dem Faschisten den Durchbruch zur Macht verschafften, waren Carl Duisberg und seine IG FARBEN. So erklärt sich auch das unüberschaubare Meer faschistischer Traditionsfahnen und Nazi-Uniformen zu Carl Duisbergs Tod.

Nachbemerkung: Karl Eduard von Schnitzler hat sich von den „Hitler-Machern“ (K.E. v. Schnitzler) in seiner Familie getrennt und wurde Kommunist. Er trat mit seinen Informationen an die Öffentlichkeit, nachdem das ZDF im Jahr 1995 in einer skandalösen „historisch-fundierten“ Fernseh-Serie Hitler als Alleintäter präsentierte.