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Beiträge verschlagwortet als “Kinderarbeit”

[Ticker] STICHWORT BAYER 01/2006 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

LAUF: BAYER soll spenden
Der BAYER-Konzern hat seinen Stammsitz Leverkusen in den letzten Jahr arg gebeutelt. Die dank kreativer Buchführung entweder gar nicht mehr oder nur noch äußerst spärlich fließenden Gewerbesteuer-Zahlungen haben die Kommune kräftig in die roten Zahlen getrieben. Dabei ließen sich schon mit nur einem Prozent des Unternehmensumsatzes die Schulden der Stadt begleichen, hat Fritz Kunkel von der linken Kommunalpartei LAUF ausgerechnet. Deshalb forderte Kunkel den Agroriesen auf, diesen kleinen Obulus zu leisten, schließlich habe sich Leverkusen an der Absicherung seiner Dhünnauer Giftmüll-Deponie beteiligt und müsse überdies für die vielen vom Pharmariesen „freigesetzten“ Beschäftigten aufkommen.

Mexiko: Pestizidfabrik schließt
Die Drecksarbeit lässt der Leverkusener Agromulti gerne von anderen erledigen, um sich der Öffentlichkeit gegenüber besser als Umweltengel verkaufen zu können. In Mexiko beispielsweise bezog der Konzern die Grundstoffe für seine Pestizidproduktion von einer Chemiefabrik, die ohne behördliche Genehmigung agierte. Entsprechend fatal wirkte sich das unternehmische Treiben auf die Gesundheit der Bevölkerung von Juchitepec de Mariano Rivapalacio aus. Fälle von Krebserkrankungen, Missbildungen der Genitalien, Magenerkrankungen, Brechreiz, Kopfschmerzen, Angstattacken nahmen im Umkreis der Fertigungsstätte exorbitant zu. Das führte zu lokalen Protesten, die - unterstützt von GREENPEACE und dem PESTICIDE ACTION NETWORK (PAN) - schließlich erfolgreich waren. Die staatlichen Stellen schlossen die Niederlassung.

Frankreich: neues Gentech-Gesetz
Die französische Regierung will der „grünen Gentechnik“ von BAYER & Co. in diesem Jahr durch ein neues Gesetz grünes Licht geben. GREENPEACE protestiert dagegen und hat die große Agrarmesse „Salon de l‚agriculture“ als Forum für den Kampagnen-Auftakt genutzt.

BAYER im französischen Parlament
Im Vorfeld der Beratungen zum neuen Gentechnik-Gesetz (s. o.) hat die französische Nationalversammlung unter dem Titel „Landwirtschaft und nachhaltige Entwicklung“ zu einem Meeting geladen. Dieses verlief allerdings etwas einseitig. Teilnehmen durften nämlich nur VertreterInnen von BAYER und anderen Agromultis, Umweltschutzgruppen mussten draußen bleiben. Aus Protest schrieben die Verbände einen Offenen Brief an die PolitikerInnen. „Die Parlamentarier organisieren gemeinsam mit den Gen-Multis eine Veranstaltung zu nachhaltiger Landwirtschaft, aber wie lange sollen wir noch auf eine solche Diskussion mit den Bürgern Frankreichs als Gesprächspartner warten?“, machte Christian Berdot von FRIENDS OF THE EARTH seinem Ärger Luft.

BAYER im holländischen Parlament
Immer noch schuften bei den Zulieferern von BAYERs indischer Saatgut-Tochter PROAGRO ca. 500 Kinder; bei den für MONSANTO und SYNGENTA arbeitenden dürften es mindestens ebenso viele sein. Dieses Skandalon hat die niederländischen SozialdemokratInnen dazu bewogen, die Machthabenden im Parlament dazu aufzufordern, Druck auf die Agromultis und die PolitikerInnen ihrer Herkunftsländer auszuüben. Die holländische Regierung erklärte sich jedoch für „nicht zuständig“. Eine ähnliche Antwort ist bei der EU-Kommission zu erwarten, die auch eine Anfrage in Sachen „Kinderarbeit“ erhielt.

GAUCHO: ImkerInnen beim Minister
In Frankreich hat das inzwischen massiven Anwendungsbeschränkungen unterliegende BAYER-Pestizid GAUCHO zu einem großen Bienensterben geführt (Ticker berichtete mehrfach). Die BienenzüchterInnen hatten BAYER daraufhin verklagt. Neben einer saftigen Strafe für den Agromulti erhoffen sie sich Entschädigungen und ein definitives Verbot des Ackergiftes. Weil die Mühlen der Justiz aber allzu langsam mahlen, hat eine Delegation im Januar 2006 mit Patrice Camberou einen engen Mitarbeiter des französischen Justizministers aufgesucht. Dieser versprach, sich für eine Beschleunigung des Verfahrens einzusetzen. Aber bis Ende Februar tat sich noch nichts, weshalb die ImkerInnen sich erneut mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit wandten.

PAN schreibt Gabriel
Das PESTIZID-AKTIONS-NETZWERK (PAN) hat den Umweltminister Sigmar Gabriel und den Landwirtschaftsminister Horst Seehofer in einem Offenen Brief aufgefordert, mit der Umsetzung eines Beschlusses der AgrarministerInnen-Konferenz vom 4. März 2005 zu beginnen, der eine Reduzierung des Einsatzes der Pestizide von BAYER & Co. auf den Äckern um 15 Prozent bis 2015 vorsieht.

BAYER für Anti-Preis nominiert
Als Kontrastprogramm zum alljährlichen Davoser Klassentreffen von ManagerInnen und PolitikerInnen, an dem auch BAYER-Chef Werner Wenning teilnahm, vergeben die beiden Initiativen PRO NATURA und BERNER ERKLÄRUNG in dem idyllischen schweizer Bergort stets den „Public Eye Award“ als Antipreis. Wie schon im letzten Jahr, gehörte BAYER auch diesmal wieder zu den Kandidaten für die wenig schmeichelhafte Auszeichnung. GREENPEACE/Australien hatte den Leverkusener Agromulti nominiert, weil sein Gen-Raps auf die Felder der konventionell oder ökologisch anbauenden LandwirtInnen übergreift und ihren Ernten starke Absatzprobleme beschert. Allerdings musste der Konzern den Global Player CHEVRON an sich vorbeiziehen lassen, der für seine Kontamination des ecuadorischen Regenwaldes mit Öl den „Public Eye Award“ einstrich.

KAPITAL & ARBEIT

BAYER will 600 Millionen sparen
Auf der Bilanzpressekonferenz am 6. März 2006 verkündete BAYER-Chef Werner Wenning ein Rekordergebnis. Der Konzern erhöhte seinen Umsatz auf in der Unternehmensgeschichte einmalige 27,4 Milliarden Euro. Trotzdem gab der Vorstandsvorsitzende im gleichen Atemzug ein neues, 600 Millionen Euro schweres Kostensenkungsprogramm bekannt. Vor allem im Verwaltungsbereich will der Agromulti Arbeitsplätze vernichten.

Standortvereinbarung: BIS sorgt vor
Im Jahr 2007 läuft die „Standortsicherungsvereinbarung“ aus, die betriebsbedingte Kündigungen ausschloss. Eine Verlängerung mit einer ähnlichen Garantie dürfte ausgeschlossen sein. BAYER INDUSTRY SERVICES (BIS) rüstet sich nach Informationen des Betriebsrates Klaus Hebert-Okon, welcher innerhalb VERDIS der alternativen Gewerkschaftsgruppe BELEGSCHAFTSTEAM angehört, jedenfalls schon für Arbeitsplatzvernichtung im großen Stil. Das Management bildet bereits Rückstellungen für die beim Tabula-rasa-machen anfallenden Sozialpläne.

Das Chemie-Geschäft boomt
Bei der ersten Pressekonferenz in seiner Funktion als Präsident des „Verbandes der Chemischen Industrie“ konnte BAYER-Chef Werner Wenning mit guten Zahlen aufwarten. Die Produktion von BAYER & Co. erhöhte sich um sechs Prozent. Der Umsatz stieg um sieben Prozent, wobei sich das Umsatzwachstum gegenüber den Vorjahren sogar verdoppelte. Trotzdem vernichteten die Chemie-Unternehmen ein Prozent ihrer Arbeitsplätze. Nur noch 440.600 Beschäftigte zählt die Branche. Mit immer weniger Personalkosten erwirtschaften die Firmen also immer exorbitantere Gewinne. Für Wenning dürften sie gerne noch etwas exorbitanter sein. Er kritisierte die im Vergleich zu den USA und Großbritannien am Standort Deutschland um ein Drittel höheren Arbeitskosten und die um fünf Prozent niedrigere Umsatzrendite.

Konkurrenz unter BAYER-Standorten
Das BAYER-Management spielt die einzelnen Standorte des Konzerns systematisch untereinander aus. So hat es intern die Produktion eines Medikamentes neu ausgeschrieben. Bitterfeld und zwei weitere Niederlassungen kamen in die engere Auswahl. Wer am wenigsten Lohnkosten bietet, dürfte den Zuschlag bekommen.

Arbeitsplatzvernichtung bei LANXESS

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Bei der Arbeitsplatzvernichtung liegt BAYERs Chemieabspaltung LANXESS über Plan. Wollte das Unternehmen am Standort Dormagen bis Ende 2005 eigentlich „nur“ 200 Stellen streichen, fielen bereits 303 Jobs weg. Tatorte sind hauptsächlich der Bereich „Feinchemie“ und die Produktion des Styrenics-Kunststoffes, die LANXESS fast komplett nach Spanien verlagert.

Arbeitsplatzvernichtung bei LANXESS

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BAYERS Chemie-Abspaltung LANXESS hat das Geschäftsfeld „Dorlastan-Fasern“ an das japanische Unternehmen ASAHI KASEI FIBERS verkauft. Der Konzern übernimmt mit 160 Beschäftigten lediglich einen Teil der Beschäftigten. 70 weitere arbeiten für zwei Jahre auf Leihbasis für den neuen Inhaber. 41 Belegschaftsmitglieder landen in einer Transfer-Gesellschaft; ihre Chancen auf Vermittlung anderer Jobs dürfte aber ziemlich gering sein.

De Win neuer Gesamtbetriebsratschef
Der 47-jährige Thomas de Win hat den in Ruhestand gehenden Erhard Gipperich als Vorsitzender des BAYER-Gesamtbetriebsrat abgelöst.

Leverkusen zweitproduktivste Stadt
BAYER vernichtet immer mehr Jobs, verteilt die Arbeit auf immer weniger Schultern und erhöht so die Rendite. Ausbund dieser perversen ökonomischen Logik: Leverkusen nimmt in der Rangfolge der produktivsten Kommunen der Bundesrepublik den zweiten Rang ein, was vornehmlich auf das Konto des ortsansässigen Multis geht. 82.008 Euro trug im Jahr 2003 jeder in der Stadt lebende Beschäftigte durchschnittlich zum bundesdeutschen Bruttosozialprodukt bei. Diese Produktivität übertrafen nur noch die MünchnerInnen mit 115.159 Euro.

ERSTE & DRITTE WELT

Noch immer Kinderarbeit
Immer noch beschäftigen die Zulieferer von BAYERs indischer Tochtergesellschaft PROAGRO Kinder. Nach der neuesten Studie von Dr. Davuluri Venkateswarlu haben in der zurückliegenden Saatgut-Pflanzsaison 500 Minderjährige auf den Feldern gearbeitet.

Kinderarbeit: BAYER beim BMZ
Nachdem das TV-Magazin Monitor über die Kinderarbeit bei den Zulieferern von BAYERs indischer Tochtergesellschaft PROAGRO berichtet hatte, lud das „Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit“ den Leverkusener Multi zu einem Gespräch vor, dem auch ein Vertreter der INTERNATIONAL LABOUR ORGANISATION (ILO) beiwohnte. Genauere Informationen über das Treffen gelangten allerdings nicht nach draußen.

WHO warnt vor Malaria-Arznei
BAYER hat sich schon vor Jahrzehnten aus der Tropenmedizin zurückgezogen, weil die „dritte Welt“ keinen lukrativen Pharmamarkt darstellt. Erst großzügige Spenden der Bill-Gates-Stiftung und die Aussicht auf einen Image-Mehrwert brachten die BAYER-ForscherInnen wieder in die Labore zurück. Der Konzern arbeitet an einem Malaria-Medikament, das auf einer Weiterentwicklung des chinesischen Pflanzenstoffes Artemisinin beruht. Jetzt hat die Weltgesundheitsorganisation WHO vor solchen Arzneien gewarnt. Sie rief dazu auf, den Verkauf von Artemisinin-haltigen Einzelmedikamenten zu stoppen. Da der Wirkstoff den Erreger nicht abtötet, sondern nur schwächt, befürchten die GesundheitsexpertInnen nämlich Resistenz-Bildungen.

BAYER betreibt Biopiraterie
Der Leverkusener Multi betrachtet die Natur in „Drittweltländern“ als Rohstoffreservoir für die Pharmaproduktion. Nach einer Untersuchung des US-amerikanischen „Edwards Institute“ gewann der Konzern den Wirkstoff seines Diabetes-Mittels GLUCOBAY aus einem Bakterium, das dem kenianischen Ruiru-See entstammt, und verschweigt dessen afrikanische Herkunft in der Patentschrift (siehe auch SWB 1/06).

IG FARBEN & HEUTE

BAYER im Holocaust-Museum
Der US-amerikanische Jude David Rosenberg gehört am BAYER-Standort Pittsburgh der Gruppe THE COMMITEE FOR APPROPRIATE ACKNOWLEDGEMENT an, die den Konzern immer wieder zwingt, sich mit seiner NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. So sprach der Historiker 1999 auf der BAYER-Hauptversammlung und forderte den Multi zu einer angemessenen Entschädigung seiner ehemaligen ZwangsarbeiterInnen auf. Jetzt hat die Initiative ihr umfangreiches BAYER-Archiv dem Holocaust-Museum in Washington zur Verfügung gestellt.

KONZERN & VERGANGENHEIT

BAYER-Lobbyismus unter Adenauer
Schon unter Bundeskanzler Konrad Adenauer konnte BAYER auf dem kleinen Dienstweg politisch intervenieren, wie Cerstin Gammelin und Götz Hamann in ihrem Buch „Die Strippenzieher“ enthüllen. Der damalige BAYER-Chef Ulrich Haberland gehörte nämlich dem von Adenauer ins Leben gerufenen „Kleinen Kreis“ an, einer Runde einflussreicher Industriebosse. Und der Kanzler nahm sich durchaus zu Herzen, was die Manager ihm einflüsterten. Der Ex-Chef der DEUTSCHEN BANK, der wegen seiner Machenschaften in der NS-Zeit berühmt-berüchtigte Hermann Josef Abs, erklärte jedenfalls, für ihn würden „in späteren Äußerungen, in Reden und im Parlament Ansichten und Urteile deutlich, die das Ergebnis ... solcher Aussprachen waren“.

POLITIK & EINFLUSS

Garthoff neuer DIB-Vorsitzender
Das ehemalige BAYER CROPSCIENE-Vorstandsmitglied Bernward Garthoff sitzt seit Februar 2006 innerhalb des „Verbandes der Chemischen Industrie“der „Deutschen Industrievereinigung Biotechnologie“ vor. Qualifiziert für diesen Lobbyisten-Job hat Garthoff unter anderem seine Position als Vize-Vorsitzender von „EuropaBio“.

Winnacker gratuliert Merkel
Der im BAYER-Aufsichtsrat sitzende Ernst-Ludwig Winnacker gratulierte in seiner Funktion als Präsident der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ (DFG) Angela Merkel zum Wahlsieg. „In seinem Glückwunschschreiben nennt DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker die neue Bundeskanzlerin eine Freundin der Wissenschaft, die sich für die Belange von Forschung und Entwicklung einsetze“, heißt es in der Presseerklärung des Verbandes.

Winnacker will mehr Stammzellen
Der Präsident der „Deutschen Forschungsgemeinschaft“ (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, der auch im BAYER-Aufsichtsrat sitzt, hat Bundesforschungsministerin Annette Schavan aufgefordert, das Stammzellgesetz zu liberalisieren. Bisher verbietet es die Verwendung „überzähliger Embryonen“ aus der künstlichen Befruchtung und erlaubt lediglich die Einfuhr älterer Stammzellen. Nach Meinung von Winnacker kann die Bundesrepublik aufgrund solcher Reglementierungen „nicht in der Weltliga mitspielen“. Er will auch an Stammzellen heran, die ForscherInnen nach dem Stichtag „1.1.2002“ gewonnen haben und mahnt mildere Strafen für GentechnikerInnen an, die sich über ausländische KooperationspartnerInnen Zugang zu den begehrten Zellen verschafft haben.

Zuviel Staat in China
Chinas Wirtschaft boomt. Eine Studie der DEUTSCHEN BANK prognostiziert bis 2015 für die Chemie-Industrie eine 10-prozentige Umsatz-Steigerung auf 400 Milliarden Dollar. Aber BAYER und die anderen im Land vertretenen Global Player plagen auch Sorgen. So betätigen sich die in Staatsbesitz befindlichen Chemie-Unternehmen als Aufseher über ihre ausländische Konkurrenz. Zudem ist die Zulassung von neuen Produkten mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden. Darum haben BAYER & Co. jetzt über die Europäische Handelskammer die Errichtung einer unabhängigen Regulierungsbehörde und einen Rückzug des chinesischen Staates aus dem Wirtschaftsleben gefordert.

Neues Gentechnik-Gesetz
Kaum im Amt, macht sich die rot-schwarze Koalition auch schon daran, das alte Gentechnik-Gesetz auf die Bedürfnisse von BAYER & Co. zuzuschneiden. Merkel & Co. kappen alle über die EU-Richtlinie zur Freisetzung von Genpflanzen hinausgehenden Vorschriften. Die von Rot-Grün eingeführten relativ strengen Haftungsregelungen schaffen die GroßkoalitionärInnen ab. Für Schadensfälle wollen sie einen Fonds einrichten. Aussaaten zu Forschungszwecken können BAYER & Co. künftig schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand beantragen. Zudem hält es die Bundesregierung nicht mehr für nötig, die Öffentlichkeit unbeschränkt über Gen-GAUs in Kenntnis zu setzen. Wenn es um „wettbewerbsrelevante Informationen von Unternehmen“ geht oder Patentrechte betroffen sind, kann der Mantel des Schweigens über „Risiken und Nebenwirkungen“ geworfen werden.

BAYER spart Ökosteuer
Die strom-intensivsten Branchen wie z. B. die Chemieindustrie müssen relativ gesehen am wenigsten Ökosteuer zahlen. Nach erfolgreichen Interventionen von BAYER & Co. räumte die rot-grüne Koalition ihnen großzügige Ausnahmeregelungen ein. Nach einem Bericht zur Bilanz der Ökologischen Steuerreform belaufen sich diese Subventionen jährlich auf 5,6 Milliarden Euro.

Umweltminister bei HC STARCK
Die Einweihung einer Pilotanlage der BAYER-Tochter HC STARCK zur Produktion von angeblich „ökologisch korrekten“ keramischen Stromleitern für Brennstoffzellen fand im Beisein des bayerischen Umweltministers Dr. Werner Schnappauf statt.

Neue Arzneigesetz
Die Gesundheitsreformen kommen und gehen, aber die Profite für die Pillen-Produzenten bleiben bestehen. Im vergangenen Jahr stiegen die Arzneimittel-Kosten der Krankenkassen um 16 Prozent auf 22,4 Milliarden Euro. Auch das von schwarz-rot verabschiedete Arznei-Sparpaket ändert an dem guten Geschäftsklima für BAYER & Co. nicht allzu viel. Die Pharmariesen schalteten sich schon früh in den Beratungsprozess ein und handelten ihren noch vom Koalitionsvertrag vorgesehenen Kostensenkungsbeitrag von 2 auf 1,3 Milliarden Euro herunter. De Regelung, MedizinerInnen, die zu teure Medikamente verschreiben, das Honorar zu kürzen und PatientInnen die Zuzahlung zu ersparen, wenn sie von ihrem Arzt die Verordnung einer preiswerten Arznei verlangen, dürften die Konzerne ebenso sehr verschmerzen können wie die Senkung der Festbeträge für neue oder nur scheinbar neue Medikamente. Dass diese die Unternehmen zu Preissenkungen veranlasst, bezweifeln die Krankenkassen nämlich.

PROPAGANDA & MEDIEN

Konzern-Kampagne zur WM
BAYER & Co. wollen die Fußball-WM nutzen, um mit der Kampagne „Land der Ideen“ für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu werben. Da der Leverkusener Multi die PR-Maßnahme mit einer Million Euro unterstützt, darf er auch Ideen haben. In dem Skulpturenpark mit wichtigen bundesdeutschen Erfindungen, der im Juni in Berlin eröffnet wird, bereitet deshalb auch eine überdimensionale ASPIRIN-Tablette Kopfschmerzen. Zudem kann sich das Bitterfelder Werk künftig mit dem Titel „Ort der Ideen“ schmücken, was den sachsen-anhaltinischen Wirtschaftsminister Horst Rehberger (FDP) als ersten Gratulanten auf den Plan rief.

LEVITRA-Werbung mit Jerry Hall
Unermüdlich versucht BAYER mit immer neuen Methoden, das hinter den Umsatzerwartungen zurückbleibende Potenzmittel LEVITRA an den Mann zu bringen. Jetzt hat der Konzern sich zu diesem Zweck Jerry Hall als Werbeträgerin geangelt, deren Ruhm sich einzig der Tatsache verdankt, einmal mit Mick Jagger verheiratet gewesen zu sein.

BAYER umwirbt AfroamerikanerInnen
In den USA hat BAYER die AfroamerikanerInnen als neue Zielgruppe auserkoren. Der Leverkusener Multi gehört zu den prominenten Werbepartnern eines neuen, speziell auf AfroamerikanerInnen zugeschnittenen Talkradio-Senders und präsentiert dort gleich zwei Programme.

BAYER spendet Wissenschaftsinitiative
In den USA hat BAYER der „Kansas City Science Initiative“ (KCSI) eine finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Die KCSI bildet LehrerInnen fort, und ihre Programme erlauben SchülerInnen und StudentInnen ein praxis-nahes, ergo konzern-nahes Lernen. Das Geld ist also gut angelegt.

Bush ehrt BAYER
Da haben sich zwei gefunden: Der US-amerikanische Präsident George W. Bush zeichnete BAYER als erstes ausländisches Unternehmen mit dem „Ron-Brown-Award for Corporate Leadership“ aus. Bush Junior erachtete es als preiswürdig, schon SchülerInnen die Naturwissenschaften, so wie BAYER sie versteht, zu vermitteln und sich so unkritischen Nachwuchs heranzuzüchten.

Ausbildungsaktivitäten ausgezeichnet
Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten fünfzehn Jahren zurückgegangen. Die Lehrstellen-Quote des Konzerns liegt unter den 7,1 Prozent, welche die Betriebe im Gebiet Rhein-Wupper durchschnittlich erreichen. Trotzdem überreichte Arbeitsminister Franz Müntefering dem Multi im Namen der „Initiative für Beschäftigung“ einen Preis. Er prämierte das Unternehmen für sein Starthilfe-Programm, das Jugendliche fördert, die den Einstellungstest nicht bestanden haben. Lobende Erwähnung fand auch der regionale Ausbildungsverbund. Da hätte Müntefering sich allerdings auch selbst auszeichnen können, denn der Staat ist über die Länder an der Finanzierung des Projektes beteiligt.

Der Hausarzt wirbt für LEVITRA
In der Bundesrepublik gibt es nur wenige unabhängige, nicht auf Anzeigen aus der Pharma-Branche angewiesene Medizin-Zeitschriften. Die übrigen tun alles, um BAYER & Co. ein angemessenes Werbeumfeld zu bieten. So macht Der Hausarzt unverhohlen Reklame für BAYERs Potenzmittel LEVITRA. „Trotz der Möglichkeit einer effektiven Therapie mit den modernen PDE-5-Hemmern wie Vardenafil (LEVITRA) lassen sich nur wenige Männer (<20 Prozent) behandeln“, heißt es in einem Artikel etwa. Das Blatt weiß auch warum: Die ÄrztInnen machen nicht den ersten Schritt und reden mit ihren PatientInnen über das Thema. „Dabei sind die meisten Männer dankbar für die Ansprache des Problemes“, meint Der Hausarzt zu wissen und weist zu allem Überfluss auch noch auf das LEVITRA-Portal im Internet hin. Die nächste LEVITRA-Anzeige ist der Postille also schon sicher.

BAYERs Herzgesundheitsprojekt
Der Leverkusener Multi versucht seit geraumer Zeit, sich nicht bloß als Pillendealer, sondern als Konzern mit einem umfassenderen Gesundheitsbegriff darzustellen. Deshalb startete er öffentlichkeitswirksam zusammen mit dem Herzzentrum der Kölner Universität und der deutschen Sporthochschule das Projekt „Herzgesundheit“, das mit 23 ProbandInnen den Einfluss von sportlicher Betätigung auf die Reduzierung von Risikofaktoren für Herz/Kreislauf-Erkrankungen untersuchte.

Uno und kein Ende
Der Leverkusener Multi lässt kaum einen Monat verstreichen, ohne sich prestigeträchtig als Partner der Uno ins Spiel zu bringen. Jetzt brüstet sich der Konzern damit, Erstunterzeichner der „Responsible Care Global Carta“ zu sein, die der Chemie-Weltverband ICCA bei der UN-Konferenz für Chemikalien-Management in Dubai vorstellen durfte. „Ökonomische, ökologische und soziale Ziele haben bei all unseren Aktivitäten weltweit den gleichen hohen Stellenwert“, verkündete BAYER-Vorstand Udo Oels vollmundig, ungeachtet der Arbeitsplatzvernichtung trotz steigender Profite, Biopiraterien, Pharma-GAUs, Pestizid-Pest und CO2-Schönrechnereien.

BmBF hilft BAYER waschen
Das „Bundesministerium für Bildung und Forschung“ unterstützt die Greenwashing-Aktivitäten der bundesdeutschen Konzerne und hat deshalb den Aufbau einer Internet-Seite zu „nachhaltigem Investment“ finanziert, zu deren „Partnern“ auch BAYER gehört.

BAYER wieder Umweltfilm-Sponsor
Beim letzten Umweltfilm-Festival der „Pittburgh Filmmakers“ gehörte BAYER zu den Sponsoren. Nachdem die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN die VeranstalterInnen auf die diversen Umweltsünden des Konzerns aufmerksam gemacht hatte, von denen er durch das finanzielle Engagement abzulenken trachtet, versprachen die FilmemacherInnen, im nächsten Jahr ihre Kooperation mit dem Leverkusener Chemiemulti zu überdenken. Das haben sie nun getan und kamen mehrheitlich zu der Meinung, auf BAYERs Geld nicht verzichten wollen.

BAYER am Bahnhof Zoo
Das passt: Der Pillen-Dealer BAYER will künftig in Berlin am Bahnhof Zoo für seine Produkte werben. Der Konzern plant, auf dem Dach eines Hochhauses ein BAYER-Kreuz mit einem Durchmesser von elf Metern zu installieren.

DRUGS & PILLS

Tod durch CIATYL?
In einem bayerischen Altersheim verstarb im November 2005 ein 78-jähriger Mann an einer Embolie als Folge einer Thrombose, kurz nachdem sein Arzt das bisherige Medikament zur Behandlung seiner psychischen Krankheit abgesetzt und durch das BAYER-Neuroleptikum CIATYL ersetzt hatte. Da das Auslösen von Thrombosen zu den Nebenwirkungen von CIATYL zählt, führten die Angehörigen des Mannes seinen Tod auf das Mittel zurück und verklagten BAYER. Das Präparat mit dem Wirkstoff Zuclopenthixoldec ist seit längerem umstritten. Nach einer Studie, welche die Archives of Internal Medicine dokumentierten (2004; 164: 1293-1297) erhöht die Verordnung von Antipsychotika wie HALDOL, EUNERPAN oder eben CIATYL das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, stark. Zudem berichten PatientInnen über Ohnmachtsanfälle und Atemkrämpfe nach Einnahme der Arznei.

ASPIRIN-Studie gefälscht
BAYER preist ASPIRIN gern als Tausendsassa an. In mindestens einer Beziehung muss der Pharmariese damit aber in Zukunft vorsichtiger sein. Eine regelmäßige Einnahme des Schmerzmittels reduziert nicht die Wahrscheinlichkeit, an Mundhöhlenkrebs zu erkranken. Der norwegische Mediziner Jon Sudbo hatte das behauptet und entsprechende Untersuchungsergebnisse in renommierten Fachblättern wie The Lancet veröffentlicht. Er berief sich dabei auf statistisches Material von 123.234 Menschen aus den Jahren 1974 bis 1995, das er der Datenbank „Conor“ entnommen haben wollte. Leider existierte diese Datenbank aber erst seit 1994, wie ein Kollege Sudbos herausfand. Der Krebsforscher gab daraufhin zu, seine Studie gefälscht zu haben.

Studie warnt vor LEVITRA & Co.
„Liebe macht blind“ - wenn die Herren der Schöpfung dabei auf Potenzpräparate wie BAYERs LEVITRA zurückgreifen, stimmt das sogar im buchstäblichen Sinn. In den USA verlor ein Mann durch das BAYER-Präparat sein Augenlicht (Ticker 3/04), worauf die US-Gesundheitsbehörde FDA den Konzern dazu zwang, auf den Beipackzetteln vor dieser Gefahr zu warnen. Dabei handelte es sich nicht um einen Einzelfall, wie jetzt eine Studie der Universität von Alabama bestätigte. Die WissenschaftlerInnen untersuchten ältere Potenzmittel-Konsumenten, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten, und machten bei ihnen ein um den Faktor 10 erhöhtes Risiko für Sehstörungen aus.

FDA warnt vor NIMOTOP
Nachdem die intravenöse Verabreichung von BAYERs Calciumantagonisten NIMOTOP mit dem Wirkstoff Nimodipin in den USA zu mehreren Todesfällen geführt hat, verbot die US-Gesundheitsbehörde FDA das Spritzen des Medikamentes. PatientInnen dürfen das Präparat jetzt nur noch in Tablettenform zu sich nehmen. Der Pharmariese hat die Arznei in der Vergangenheit äußerst aggressiv als Wundermittel zur Behandlung von Bluthochdruck, Alzheimer und Schlaganfällen vermarktet. Die Fachwelt fiel darauf jedoch nicht herein. „Bei Schlaganfall-Patienten sind die Behandlungsergebnisse (...) uneinheitlich“, schrieb der „Arznei-Verordnungsreport ‘97“ und beurteilte auch die Verwendung bei Alzheimer kritisch. „Für Calcium-Antagonisten (wie z. B. Nimodipin) konnten die vielversprechenden präklinischen Befunde in Therapiestudien bei der Alzheimerdemenz nicht reproduziert werden“, heißt es in dem Buch.

FDA rügt KOGENATE-Werbung
Der Leverkusener Multi wollte Blutern in einer Werbeaktion seinen Gerinnungshemmer KOGENATE kostenlos zur Verfügung stellen und hat entsprechende Briefe an PatientInnen und MedizinerInnen verfasst. Jetzt hat die US-Gesundheitsbehörde FDA die Kampagne unterbunden. „Durch das Zurückhalten von Informationen über Risiken und den richtigen Umgang mit der Arznei haben Sie eine möglicherweise unsichere Anwendung von KOGENATE FS befördert“, rügte die Institution den Pharma-Riesen. Zu den von BAYER verschwiegenen Nebenwirkungen des Präparates gehören unter anderem Schwindelanfälle und Ausschläge.

TRASYLOL lebensgefährlich
Nach einer im New England Journal of Medicine veröffentlichten Studie gehen von dem BAYER-Präparat TRASYLOL Nebenwirkungen wie Nierenversagen, Schlaganfall und Herzinfarkt aus. Peter Sawicki vom „Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen“ schätzt die Zahl der Todesopfer allein in der Bundesrepublik auf 300 pro Jahr. In den USA bereiten AnwältInnen schon die ersten Sammelklagen vor (siehe SWB 1/06).

TRASYLOL bei Wirbelsäulen-Versteifung
Dem Leverkusener Multi mangelt es an neuen profitträchtigen Medikamenten, weshalb er ständig nach neuen Anwendungsmöglichkeiten für die alten sucht. Für das jüngst wegen Nebenwirkungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall in die Schlagzeilen geratende TRASYLOL (s. o.), das MedizinerInnen bisher nur bei Herz- und Hüft-OPs einsetzen, will er jetzt einen neuen Markt erschließen. Der Konzern testet den Einsatz von TRASYLOL bei Eingriffen zur Behandlung der „elektiven Spondylodese“, einer Versteifung der Wirbelsäule.

NEXAVAR bei Lungenkrebs?
BAYER will das gemeinsam mit ONYX entwickelte Gentech-Medikament NEXAVAR, das in den USA zur Behandlung von Nierenkrebs im fortgeschrittenen Stadium bereits zugelassen ist, auch bei Lungenkrebs zum Einsatz bringen und hat für diese Indikation mit der dritten und letzten Phase der klinischen Tests begonnen.

Sechs neue Krebsmedikamente
Passenderweise auf einer InvestorInnen-Konferenz in London gab BAYER bekannt, sechs Medikamente zur Behandlung von Krebs in frühen Phasen der Entwicklung zu haben. Dabei handelt es sich jedoch lediglich um die zwei Wirkstoffe mit den Bezeichnungen BAY 57 9352 und BAY 73 4506, die der Konzern in wechselnden Kombinationen mit anderen Arzneien erprobt. So vage die medizinischen Ausführungen des BAYER-Managers Joseph J. Catino blieben, so präzise taxierte er das ökonomische Potenzial der Krebsmittel. Der Pharmakologe sagte ein Wachstum des weltweiten Marktes für onkologische Arzneien von 24,6 Milliarden Euro auf 55 Milliarden bis zum Jahr 2009 voraus.

BAYER kauft Alfimeprase-Lizenz
Der Leverkusener Multi beteiligt sich an den Entwicklungskosten für den Wirkstoff Alfimeprase und erhält dafür vom Hersteller NUVELO Vermarktungsrechte. BAYER übernimmt 40 Prozent der Aufwändungen für die zur Auflösung von Blutgerinnseln bestimmte Arznei, die sich gerade in der dritten und letzten Phase der klinischen Tests befindet und in den Genuss eines beschleunigten Verfahrens kam. Der Konzern zahlt dem Pharmaunternehmen NUVELO einen Festbetrag von 50 Millionen Dollar sowie erfolgsabhängige Prämien von bis zu 385 Millionen Dollar (siehe auch GENE & KLONE).

BAYER kauft PRITOR
BAYER hat von GLAXOSMITHKLINE (GSK) die Rechte an dem Bluthochdruckmittel PRITOR mit dem Wirkstoff Telmisartan erworben. Der Pharmariese darf die Arznei, mit der GSK jährlich einen Umsatz von 65 Millionen Euro machte, nun europaweit vermarkten. Der Pharmariese hat zwar mit ADALAT bereits ein entsprechendes Medikament im Angebot, aber mit dessen Ruf ist es nicht zum besten bestellt: Es steht in Verdacht, das Herzinfarktrisiko zu erhöhen. Im Jahr 1971 nahm der Konzern seine Blutdruck-Präparate LERON und TADIP nach einem kritischen Bericht des arznei-telegramms über gravierende Nebenwirkungen sogar freiwillig vom Markt.

BAYER investiert in Diagnostika
Der Leverkusener Multi baut seine Diagnostika-Sparte immer weiter aus. Im Januar 2006 erwarb er vom US-Unternehmen ABBOTT einen Prostatakrebs- und einen Wirkstofftest. Zudem hat er im Februar von der US-Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für einen Herzinfarkt-Test erhalten.

GENE & KLONE

Freisetzungsversuch mit T 25
Brandenburg entwickelt sich immer mehr zum Versuchslabor der „grünen Gentechnik“. Auf 25 Feldern blühen dort schon die Laborfrüchte der Agroriesen. In Dahnsdorf hat die „Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft“ jetzt einen Freisetzungsversuch mit BAYERs gegen die Herbizide BASTA und LIBERTY resistentem Genmais T25 begonnen. Die Aussaat der Genmais-Sorten von MONSANTO, PIONEER und BAYER hat das AKTIONSBÜNDNIS FÜR EINE GENTECHNIKFREIE LANDWIRTSCHAFT IN BERLIN UND BRANDENBURG auf den Plan gerufen. „Der Anbau von Genmais ist mit vermeidbaren Risiken für Umwelt und Gesundheit verbunden. Der gentechnikfreien Landwirtschaft und dem Tourismus in Brandenburg wird unnötiger Schaden zugefügt“, erklärte Thomas Janoschka für die Initiative und kündigte Wiederstand an.

EU vertagt Genraps-Entscheidung
Im letzten Jahr hatte die EU einen BAYER-Antrag auf Anbau von genmanipulierten Raps abgelehnt, eine Entscheidung über eine Einfuhr-Erlaubnis aber offen gelassen. Im Dezember kamen die EU-UmweltexpertInnen in der Frage zu keinem einheitlichen Votum. Nun müssen die MinisterInnen der Mitgliedsländer über den Fall befinden.

BAYER will mehr Genreis
Der Leverkusener Agroriese hat bei der EU einen zweiten Antrag auf Importgenehmigung für eine gentechnisch gegen das Anti-Unkrautmittel LIBERTY LINK (Wirkstoff: Glufosinat) resistent gemachte Reis-Sorte gestellt. Er hat nach Ansicht des GREENPEACE-Gentechnikexperten Geert Ritsema große Chancen auf eine Genehmigung.

Stressresistente Pflanzen?
Die „grüne Revolution“ mit ihrem massiven Pestizid-Einsätzen, der intensiven Bodennutzung und der Züchtung von Hochertragssorten hat die Nutzpflanzen äußerst schadensanfällig gemacht. Jetzt will BAYER den Teufel mit dem Belzebub austreiben. Die GentechnikerInnen des Konzerns arbeiten in ihren Laboren an Ackerfrüchten mit „verbesserter Stresstoleranz“.

BAYER weiter mit MORPHOSYS
BAYER will die Zusammenarbeit mit dem Martinsrieder Biotech-Unternehmen MORPHOSYS ausbauen. Nach dem neuen Kooperationsvertrag, der eine fünfjährige Laufzeit hat, soll MORPHOSYS für den Konzern 25 Proteine auf ihre pharmakologische Verwendbarkeit hin prüfen.

BAYER kauft ICON GENETICS
Der Leverkusener Multi hat das Münchner Biotech-Unternehmen ICON GENETICS erworben. ICON arbeitete an der gentechnischen Veränderung von Pflanzen und kooperierte bereits mit BAYER. Auch im Bereich der Terminator-Technologie, die Ackerfrüchte steril werden lässt, was LandwirtInnen die Wiederaussaat unmöglich macht, hält die bayerische Firma Patente (siehe auch SWB 1/06). Der Gengigant verspricht sich von der Akquisition Fortschritte bei der Umwandlung von Tabakpflanzen in kleine Arzneistoff-Fabriken. Eine entsprechende Pilotanlage dafür will der Konzern bereits im Jahr 2007 in Betrieb nehmen.

BAYER kauft Alfimeprase-Lizenz
Der Leverkusener Multi beteiligt sich an den Entwicklungskosten für den Wirkstoff Alfimeprase und erhält dafür vom Hersteller NUVELO Vermarktungsrechte. Bei Alfimeprase handelt es sich um ein gentechnisch hergestelltes Enzym, das angeblich Blutgerinnsel auflösen soll, indem es für den Abbau des Eiweißstoffes Fibrin sorgt. Die Zulassung hat NUVELO bislang für Anwendungen bei der arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK) und bei Kathederverschluss beantragt. BAYER hofft aber auf weitere Einsatzgebiete wie Schlaganfall, Herzinfarkt und Thrombosen (siehe auch DRUGS & PILLS).

Generbsen machen Mäuse krank
Die australischen Behörden brachen einen Freisetzungsversuch mit gentechnisch veränderten Erbsen aus Sicherheitsgründen ab, weil WissenschaftlerInnen bei Feldmäusen eine Lungenkrankheit diagnostiziert hatten. Nach Ansicht des Vizechefs der australischen Forschungseinrichtung CSIRO, Thomas Higgins, löste ein genmanipulierter Eiweißstoff der Erbsenpflanze die Gesundheitsstörung aus. „Die Reaktion der Mäuse auf das Protein könnte etwas widerspiegeln, was auch bei Menschen geschehen würde“, warnt der Forscher.

Defekte ROUND-UP-Baumwolle
In den USA haben FarmerInnen MONSANTO, DELTA & PINE und BAYER verklagt, weil sie ihnen ROUND-UP-READY-Baumwolle lieferten, die ihre gentechnisch eingebaute Resistenz gegen das Herbizid ROUND-UP-READY eingebüßt hatte (siehe auch RECHT & UNBILLIG). Besonders unter extremen klimatischen Bedingungen wie etwa großer Hitze hat die DNA genmanipulierter Ackerfrüchte schon des öfteren verrückt gespielt.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Menschenversuche erlaubt
Wie erwartet hat die US-Umweltbehörde EPA grünes Licht für Menschenversuche mit Pestiziden gegeben, von denen BAYER sich eine Lockerung der Grenzwerte verspricht. Die Institution rechnet nun mit bis zu 30 Testreihen pro Jahr.

Chlorpyrifos senkt die Fruchtbarkeit
Chlorpyrifos, Wirkstoff der Insektenmittel BLATTANEX, PROFICID und RIDDER, stört den Hormonhaushalt des Mannes und beeinträchtigt seine Fruchtbarkeit. Das ergab eine Studie, die der Wissenschaftler John Meeker von der Michigan-Universität leitete. Er untersuchte bei 268 Männern den Zusammenhang zwischen der Testosteron-Menge und Spuren des Chlorpyrifos-Abbauproduktes TCPY. Dabei zeigte sich, dass bei Probanden mit den meisten TCPY-Rückständen im Körper der Testosteron-Spiegel am niedrigsten war.

Veränderungen bei BAYER CROPSCIENCE
Die Pestizidsparte des Leverkusener Multis hat im Geschäftsjahr 2005 die vom Vorstand als Ziel ausgegebene astronomische Umsatzrendite von 25 Prozent nicht erreichen können. Vor allem in Brasilien liefen die Geschäfte wegen einer Dürreperiode schlechter als erwartet. Um gegen solche Unbill künftig besser gewappnet zu sein, strukturiert das Management die Sparte nun um. Es teilt die Geschäftseinheit „Amerika“ in „Nordamerika“ und „Lateinamerika“ auf. So hofft der Agroriese, die „Kundenbedürfnisse vor Ort“ besser zu erkennen. Zudem hat BAYER CROPSCIENCE als neue Steuerebene über den Regionalgesellschaften eine „Business & Global Marketing-Plattform“ geschaffen, welche die globalen Management-Aufgaben wahrnehmen soll. Darüber hinaus hat die Agro-Abteilung ihren Vorstand verkleinert.

BAYER größter Pestizid-Hersteller
Der Leverkusener Multi ist mittlerweile der größte Pestizidproduzent der Welt. Nach den von der Fachzeitschrift AGROW veröffentlichten neuesten Zahlen verdrängte der Konzern im Jahr 2004 mit einem Umsatz von 6,1 Milliarden Dollar SYNGENTA von Platz 1. Beim Agrochemie-Verkauf haben sich oligarchische Strukturen herausgebildet. Die acht größten Unternehmen kamen auf einen Marktanteil von 80 Prozent. Dabei machte nicht nur BAYER bessere Geschäfte. Das weltweite Ackergift-Handelsvolumen stieg um 12,6 Prozent.

FLUOPICOLID in China
BAYERs Pestizide erobern China. Die Behörden des Landes haben dem Antipilzmittel FLUOPICOLID die Zulassung erteilt. Auch Großbritannien darf das Fungizid bald heimsuchen.

Pakistan verbietet BAYER-Pestizide
Die pakistanische Regierung hat beschlossen, die beiden zur Gruppe der Organophosphate zählenden und auch von BAYER vertriebenen Pestizid-Wirkstoffe Methamidophos und Methamidophos zu verbieten.

WASSER, BODEN & LUFT

Luftverschmutzer Nr. 4
Die in der „Great Lake“-Region zwischen Kanada und den USA ansässigen Unternehmen verschmutzen die Luft in einem erheblichen Maße. Nach einer Studie der Initiativen ENVIRONMENTAL DEFENCE und CANADIAN ENVIRONMENTAL LAW ASSOCIATION steigen aus den Schornsteinen der Fabriken insgesamt über 100 Millionen Kilogramm gefährlicher Stoffe hoch. Ganz vorne mit dabei: Die kanadische BAYER-Niederlassung in Sarnia. Mit Emissionen im Umfang von über 2 Millionen Kilogramm belegt sie in der Dreckschleuder-Hitparade den vierten Platz.

Neue Altlasten in England
Im britischen Cambridge hat BAYER eine Pestizid-Anlage abgerissen. Für das Firmengelände sucht der Konzern einen Käufer, der auf dem Areal Wohnungen baut. Die Verseuchung des Bodens mit Giftstoffen stellt dabei für den Multi keinen Hinderungsgrund dar. Die Dhünnaue-Geschichte könnte sich also in England wiederholen. Auch über der ehemaligen Giftmüll-Deponie in Leverkusen waren nach der Stillegung Häuser entstanden - und mussten wegen der Chemie-Belastung schließlich abgerissen werden.

EU-Umweltrichtlinien nicht umgesetzt
Die EU hat die Mitgliedsländer wegen der mangelhaften Umsetzung der Brüsseler Umweltrichtlinien gerügt. Die Kommission führt zurzeit 509 Verfahren wegen Vertragsverletzungen gegen die EU-Staaten. Die Bundesrepublik hat 20 Richtlinien gar nicht oder nur mangelhaft umgesetzt.

Neue EU-Wasserrichtlinie
Die Europäische Union plant eine neue Richtlinie zum Schutz der Gewässer, die unter anderem eine Reduzierung der Pestizid-Einleitungen vorsieht. Auf ihrer Liste der Top-Wasserverschmutzer finden sich Substanzen wie Chlorpyrifos, Wirkstoff der Insektenmittel BLATTANEX, PROFICID und RIDDER, das unter anderem unter den Produktnamen MALIX, PHASER und THIODAN vermarktete Endosulfan und das seit langem als Brunnenvergifter berühmt-berüchtigte DIURON wieder. Auch andere inkriminierte chemische Substanzen wie Hexachlorbenzene gelangen aus vollen BAYER-Rohren frisch in die Flüsse.

GIFTIG, ÄTZEND & EXPLOSIV

Bisphenol schädigt Gehirn
Nach einer Studie des Wissenschaftlers Dr. Scott Belcher von der Universität Cincinnati schädigt die Chemikalie Bisphenol A das Gehirn. Die Substanz wirkt hormon-ähnlich und stört deshalb den Hormon-Haushalt des Körpers. So hemmt es das im Wachstumsprozess des Gehirns eine wichtige Rolle spielende Östrogen. Bisphenol A findet sich hauptsächlich in Plastikverpackungen. Die Produktionsmenge beträgt in den USA über eine Millionen Tonnen im Jahr, in Europa 700.000 Tonnen. BAYER gehört neben DOW CHEMICALS und GE PLASTICS zu den größten Herstellern. In „eine vollkommen neue Dimension“ des Bispenol-Gefährdungspotenzials ist Belcher für Jürgen Kundke, Sprecher des Berliner „Bundesinstituts für Risikobewertung“, vorgestoßen. Seine Einrichtung und die in Parma angesiedelte „Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit“ haben jetzt eine Neubewertung von Bisphenol A auf ihre Agenda gesetzt. Allerdings haben BAYER & Co. derzeit nicht allzu viel zu befürchten. „Bis es zu einer rechtswirksamen Entscheidung kommt, können Jahre vergehen“, prophezeit Kundke. Solange dürfte das Bisphenol in Konservendosen, Mineralwasser- und Babyflaschen noch eine Menge Schaden anrichten.

Neurologische Störungen durch Chemie
Pestizide und andere Chemikalien wirken auf das Nervensystem des Organismus ein und rufen Krankheiten hervor. Nach Schätzungen eines US-amerikanischen ForscherInnen-Teams gehen zehn Prozent aller neurologischen Störungen ganz oder teilweise auf Chemie-Einwirkungen zurück.

PRODUKTION & SICHERHEIT

Sicherheitsbestimmungen reichen nicht
Im Wuppertaler BAYER-Werk ereignete sich am 8.6.1999 ein Großunfall. Im Kesselwerk 216 explodierten 600 kg 2-Chlor-5-nitrotoluol, 1.200 kg Dimethylsulfoxid und 500 kg Ätzkali. Die austretenden Chemikalien und der Brandruß verletzten über 100 Menschen. Der Chemie-Professor Jürgen Rochlitz, Mitglied der Störfallkommission und Beirat der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG), kritisierte schon damals die mangelhaften Sicherheitsbestimmungen. In einem Antrag an den „Technischen Ausschuss für Anlagesicherheit“ machte er jetzt konkrete Verbesserungsvorschläge. Er regte an, in der „Technische Regel Anlagensicherheit 410“ detaillierte Vorschriften zur Verhinderung gefährlicher Reaktionen im Zusammenhang mit bestimmten Chlorverbindungen sowie in Verbindung mit dem Freiwerden von Wärme zu machen. Ersteres lehnte die Kommission ab, über das zweite Begehr hat sie noch nicht endgültig entschieden.

Probleme mit der Feuerwehr
In Wuppertal hat BAYER die Werksfeuerwehr abgeschafft. Ab Juli 2005 machen die städtischen BrandlöscherInnen den Job. Diese sind jedoch alles andere als begeistert. Eine Personalaufstockung ist mit der neuen Aufgabe nämlich nicht verbunden. Welche Probleme die Kooperation bereitet, hat jetzt ein Offener Brief an die Westdeutsche Zeitung aufgezeigt. Bei einem Großbrand in der Nähe der BAYER-Werke rückten die auf dem Firmengelände stationierten Feuerwehrler der „Wache 3“ aus. Jetzt verlangen die Sicherheitsbestimmungen in solch einem Fall aber, den vakanten Posten auf dem BAYER-Areal sofort wieder mit BrandexpertInnen zu besetzen, und zwar mit solchen, die speziell für Chemie-Unfälle geschult sind. Dafür musste die Leitstelle dann um vier Uhr morgens extra Bedienstete aus dem Bett klingeln, was nicht zum ersten Mal geschah. Und der Konzern erschwert die Arbeit der Einsatzkräfte zusätzlich, weil er Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr aus Angst vor Werksspionage keinen Zutritt zum Standort gewähren will.

STANDORTE & PRODUKTION

Stilling leitet Wuppertaler Chemiepark
Seit Anfang 2006 leitet Herbert Stillings den Wuppertaler Chemiepark. Vorher war Stillings bei BAYER HEALTH CARE für die Pharmaproduktion verantwortlich.

HC STARCK: Neue Elektrolyt-Anlage
Die BAYER-Tochter HC STARCK hofft auf einen Markt für Öl-Alternativen und hat im fränkischen Selb in einer Pilotanlage die Produktion von keramischen Stromleitern (Elektrolyte) begonnen, die in Brennstoffzellen zum Einsatz kommen sollen.

Kommunen gegen BAYER-Pipeline
BAYER will eine 67 Kilometer lange Pipeline bauen, um darin Kohlenmonoxid vom Standort Dormagen zum Standort Uerdingen zu leiten. Sie soll den Rhein mehrmals unterqueren und unterirdisch entlang der Autobahn A3 verlaufen. Da die geplante Strecke teilweise durch Privatgrundstücke geht, hat die Landesregierung sich in einer „Lex BAYER“ schon die Möglichkeit zu Enteignungen verschafft. Aber nicht nur deshalb stößt das Projekt auf massive Kritik von AnwohnerInnen und Kommunen. Erkraths Technischer Dezernent Klaus-Dieter Holst betrachtet die Pipeline als Sicherheitsrisiko. „Es gibt keine dauerhafte Sicherung, wenn aus der Leitung Gas sickert“, warnt er vor den Folgen eines Austrittes von Kohlenmonoxid, das in hohen Konzentrationen tödlich wirkt.
Für Einwände wie diesen hat die Bezirksregierung einen Erörterungstermin festgesetzt. Sollte das Land NRW trotzdem grünes Licht für die Kohlenmonoxid-Leitung geben, dürften Klagen zu erwarten sein. Der Leverkusener Multi reagiert derweil auf die Anfechtungen, indem er erpresserisch die Standort-Karte spielt. Ohne optimale Gas-Versorgung hat das Uerdinger Werk keine Zukunft, verlautet aus der Konzern-Zentrale.

IMPERIUM & WELTMARKT

Plischke neu im Vorstand
Der bisherige Pharmachef von BAYER, Wolfgang Plischke, rückt in den Vorstand auf und ersetzt dort den in Ruhestand gehenden Udo Oels. Plischkes bisherigen Posten übernimmt Gunnar Riemann.

BAYER kauft ICON GENETICS
Der Leverkusener Multi hat das Münchner Biotech-Unternehmen ICON GENETICS erworben (siehe auch GENE & KLONE).

Neues Systemhaus in Thailand
BAYERs Kunststoffsparte „Material Science“ überzieht Asien mit so genannten Systemhäusern, die in enger Absprache mit den Kunden bestimmte Plaste-Produkte herstellen. Nach der Inbetriebnahme eines solchen Centers in Delhi plant der Konzern, ein weiteres in der Nähe von Bangkok zu eröffnen.

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Tod durch Phenol-Austritt
Am US-amerikanischen BAYER-Standort Baytown ereignete sich am 18.6.2005 ein tödlicher Unfall (Ticker 3/05). Der seit 15 Jahren beim Konzern tätige Salvador Barba Sr wollte einen Abpumpschlauch von einem Phenolcontainer lösen. Dabei blieb ein Ventil geschlossen, woraufhin der Druck einen Dichtungsring platzen ließ und das Kunststoff-Vorprodukt austrat. Obwohl der Arbeiter sich sofort unter eine Desinfektionsdusche begab, starb er noch auf dem Weg ins Krankenhaus. Die Arbeitssicherheitsbehörde Osha untersuchte den Fall und stellte massive Verfehlungen BAYERs fest. Sie wies „ernsthafte Verstöße“ gegen die Sicherheitsbestimmungen nach, aufgrunddessen eine „hohe Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls oder ernsthafter körperlicher Schäden“ bestanden hätte. Konkret warfen die SicherheitsexpertInnen dem Leverkusener Multi vor, bei der zum ersten Mal in Betrieb genommenen Pumpe den Arbeitsablauf nicht genau schriftlich festgelegt zu haben. Aus diesem Grund konnte das Team die Arbeit nicht wie nötig koordinieren, weshalb das rechtzeitige Öffnen des Ventils versäumt wurde. Die Behörde verurteilte den Konzern wegen der Versäumnisse zur Zahlung einer Strafe von 5.000 Dollar.

Chlorgas trat aus
Im Dormagener BAYER-Werk ereignete sich am 17.2.2006 ein Unfall. Die Abluftleitung einer Chloranlage fing Feuer, und das Gas trat aus. 18 MitarbeiterInnen kamen mit der Giftwolke in Kontakt, klagten über Augenreizungen und Übelkeit und begaben sich in ärztliche Behandlung. Auch rund um den Chemiepark maß die Feuerwehr noch erhöhte Chlorwerte, halb Dormagen roch nach Schwimmbad. Aber für BAYER-Sprecherin Kerstin Nacken war alles halb so wild. „Es wurde ein Grenzwert überschritten, bei dem nach Auskunft unserer Arbeitsmediziner Menschen noch acht Stunden lang ohne gesundheitliche Schäden arbeiten können“, sagte sie der Presse. In Zukunft dürfte es bei solchen Situationen nach Ansicht der für die Sicherheit auf dem Gelände zuständigen WerkschutzmitarbeiterInnen noch brenzliger werden. Der Chemiepark-Betreiber BAYER INDUSTRY SERVICES will nämlich Personalkosten im Sicherheitsbereich sparen und überlegt sogar, den Werkschutz auszugliedern.

RECHT & UNBILLIG

SCHERING zahlt BAYER 50 Mio.
BAYER fühlte sich beim Kauf der Landwirtschaftssparte von den Vorbesitzern AVENTIS und SCHERING übers Ohr gehauen. Wegen ungeklärter Produkthaftungsfragen und verschwiegener Sozialabgaben-Belastungen forderte der Leverkusener Multi von SCHERING in einem Schiedsverfahren einen Preis-Nachlass. Anfang Februar schließlich kam eine Einigung zustande: Der Berliner Konzern überweist dem Agroriesen 50 Millionen Euro zurück.

Kartellstrafe: 60 Millionen Euro
Die EU-Kommission hat BAYER wg. Preisabsprachen im Kunststoff-Geschäft zu einer Strafzahlung in Höhe von 60 Millionen Euro verurteilt. „Eine besonders schwerwiegende Zuwiderhandlung“ gegen bestehendes Wettbewerbsrecht sahen die EU-PolitikerInnen in dem von BAYER mit den Unternehmen FLEXSYS, CROMPTON und GENERAL QUIMICA gebildeten Kartell. „Mit dieser jüngsten Entscheidung sende ich eine sehr starke Mitteilung an die Vorstände der Unternehmen, dass Kartell-Absprachen nicht toleriert werden“, kommentierte die Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes die Entscheidung. Sie will das harte Urteil als Warnung verstanden wissen. Auch die AktionärInnen sollten ihrer Meinung nach „genau hinschauen, wie Unternehmen geführt werden“.

Wieder Kartell-Ermittlungen
Die Justizbehörden der USA ermitteln wieder einmal gegen BAYER wegen illegaler Preisabsprachen im Kunststoffbereich. Ein Gericht in Kansas geht dem Verdacht einer Kartell-Bildung bei den Kunststoffen TDI und MDI nach und prüft entsprechende Geschäftsunterlagen des Leverkusener Multis (Ticker berichtete mehrfach).

LIPOBAY: USA verlangen Schadensersatz
BAYERs Cholesterinsenker LIPOBAY hat über 100 Menschen das Leben gekostet. Da der Leverkusener Pillenriese auch staatliche Stellen der USA mit dem Medikament beliefert hat, verlangen diese für den Pharma-GAU nun Schadensersatz von dem Konzern und reichten bei einem Gericht in New Jersey Klage gegen den Konzern ein.

BAYER & MONSANTO verklagt
BAYER und eine handvoll anderer Global Player haben sich den Agro-Weltmarkt untereinander aufgeteilt. Sie konkurrieren nicht miteinander, sondern leisten sich sogar gegenseitig Freundschaftsdienste. So vertreibt der Leverkusener Multi in den USA MONSANTOs ROUND-UP-READY-Baumwolle. Deshalb heißt es für den Agroriesen jetzt aber auch „Mitgehangen - Mitgefangen“. Ende Februar 2006 verklagten 90 LandwirtInnen MONSANTO, BAYER und DELTA & PINE, weil die von ihnen gelieferte Baumwolle ihre gentechnisch eingebaute Resistenz gegen das Herbizid ROUND-UP-READY eingerbüßt hatte, was viele Pflanzen an einer ROUND-UP-Überdosis eingehen ließ (siehe auch GENE & KLONE).

USA: Umweltaktivistin verhaftet
Im August 2002 hatte die Umweltschützerin Diane Wilson (siehe SWB 1/04) auf einem Kühlturm des Werksgeländes von DOW CHEMICAL ein Transparent mit der Aufschrift „DOW - Verantwortlich für Bhopal“ entrollt. Sie protestierte damit gegen die Weigerung des Chemiemultis, mit der Übernahme des für die Bhopal-Katastrophe verantwortlichen Konzerns UNION CARBIDE auch die Haftungsverpflichtungen mitzuübernehmen und sich einem indischen Gericht zu stellen. Ins Visier der Justiz geriet durch diese Aktion aber nicht etwa der immer noch juristisch unbehelligte Ex-CARBIDE-Boss Warren Anderson, sondern Wilson selber. Ein Gericht verurteilte die Aktivistin zu einer fünfmonatigen Haftstrafe. Sie entzog sich dem Vollzug, indem sie Texas verließ. Als ihr politisches Engagement die Frau dieses Jahr wieder in den Bundesstaat führte, weil sie während einer Rede von US-Vize Dick Cheney in Houston mit dem Transparent „Konzern-Gier tötet - von Bhophal bis Bagdad“ ein Zeichen gegen die Macht der Multis setzen wollte, verhaftete die Polizei Diane Wilson und nahm sie in Gewahrsam. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat einen Brief an den Gouverneur von Texas, Rick Perry, geschrieben, um gegen die Verhaftung der Umweltschützerin zu protestieren. Nach 120 Tagen Gefängnis kam Diane Wilson schließlich frei und bedankte sich umgehend bei der CBG für die Unterstützung.

Sammelklage zugelassen
Ein kanadisches Gericht im Bundesstaat Manitoba hat die Sammelklage von LandwirtInnen, die BAYER wg. der Verunreinigung ihrer Ackerfrüchte mit Genpflanzen belangen wollen, zugelassen und sich damit über einen Einspruch des Leverkusener Multis hinweggesetzt.

BKK-Verfahren eingestellt
Die BAYER-Betriebskrankenkasse BKK praktizierte bis zum Jahr 2000 eine Zwei-Klassen-Medizin (Ticker 1/04). Top-AngestelltInnen des Konzerns bot sie eine Reihe von Sonderleistungen an - von Kuraufenthalten in 5-Sterne-Hotels bis zur Übernahme von HeilpraktikerInnen-Kosten. Nicht einmal Taschentücher mussten die „verdienten Kräfte“ selber zahlen. Aber der Schwindel flog auf. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen die BKK-Vorstände Ermittlungen aufgrund des Verdachtes von Untreue ein. Ende November 2005 kamen diese zu einem Ende. Wegen „geringer Schuld“ wollte es das Gericht nicht zu einem Verfahren kommen lassen. 15.000 Euro Strafe für einen Krankenkassen-Manager waren das höchste der Gefühle.

SHELL vs. BAYER
SHELL hat im vergangenen Jahr Klage gegen ein von BAYER beim Europäischen Patentamt eingereichtes Patent zur Produktion des hochgradig gesundheitsschädlichen Bisphenol A eingereicht und Recht bekommen. Auch nach Meinung der RichterInnen wies die Idee frappante Ähnlichkeiten mit einer SHELL-Entwicklung auf, weshalb sie dem Leverkusener Multi das geistige Eigentum an der Kreation „wegen mangelnder erfinderischer Tätigkeit“ wieder aberkannten.

FORSCHUNG & LEHRE

Kooperation mit Bundeswehr-Universität
BAYER INDUSTRY SERVICES hat mit der Hamburger „Helmut-Schmidt-Universität“ der Bundeswehr eine Zusammenarbeit vereinbart. Die BAYER-Gesellschaft will künftig gemeinsam mit der „Projektgruppe Fernausbildung“ Computer-gestützte Lernprogramme auf ihre Praxistauglichkeit hin untersuchen.

Otto-Bayer-Preis verliehen
Durch Ehrungen stärkt der Leverkusener Agromulti seine Verbindungen zu ForscherInnen und wissenschaftlichen Instituten, deren Arbeit kommerzielle Verwertbarkeit verspricht. „Die Otto-Bayer-Stiftung zeichnet exzellente Leistungen von Naturwissenschaftlern aus, die in besonderer Weise die Verbindung zwischen Grundlagenforschung und industrieller Anwendung verkörpern“, erläutert BAYER-Chef Werner Wenning das Konzern-Interesse. Die diesjährige Auszeichnung, die mit 50.000 Euro dotiert ist, erhielt Professor Dr. Alois Fürstner vom in Mülheim an der Ruhr ansässigen Max-Planck-Institut für Kohlenforschung. Die Jury prämierte „seine herausragenden Leistungen auf dem Gebiet der Naturstoff-Synthese“, wie BAYERs Propagandapostille direkt vermeldet.

Texas zahlt, BAYER forscht
Der US-Bundesstaat Texas unterstützt ein von BAYER und anderen Konzernen vorangetriebenes Forschungsprogramm zur „Weiterentwicklung“ der Baumwolle mit einem Betrag von zwei Millionen Dollar und fördert unter anderem die Einrichtung einer Professur.

SPORT & MEDAILLEN

Calmunds Finanzdeals
Nach einem Bericht des Spiegels hatte sich BAYER Leverkusen im Juni 2004 wegen undurchsichtiger Bargelddeals von seinem Manager Reiner Calmund getrennt. 580.000 Euro hatte das untersetzte Original dem Spielerberater Volker Graul überwiesen, ohne dass dieser für den Verwendungszweck „Fußballer-Kaufoptionen“ Belege vorzeigen konnte. Im Prinzip hat der Konzern eigentlich gar keine Probleme mit nicht ganz koscheren Praktiken. Sein Vorstrafenregister allein in Sachen „illegale Preisabsprachen“ spricht da Bände, und auch die Aussage des Fußball-Geschäftsführers Wolfgang Holzhäusers „Unser Geschäft wird auch dort abgewickelt, wo nicht die Gesetze kaufmännischer Sorgfalt gelten“ lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Aber bei einer Sache versteht BAYER keinen Spaß: Wenn irgendwo Kosten entstehen, welche die mit allen Wassern gewaschene Finanzabteilung nicht mit 1.000 ganz legalen Steuertricks kleinrechnen kann. Und in genau diese Bredouille brachte Calmund das Unternehmen. Die Zahlen-Jongleure mussten die 580.000 Euro wegen des fehlenden Belegs über den Verwendungszweck als „nicht abzugsfähige Betriebsausgabe“ buchen. BAYER habe sich „daraufhin von Herrn Calmund getrennt“, erklärte der Konzern-Anwalt Walther Graf der jetzt in dieser Sache ermittelnden Bielefelder Kriminalpolizei.

Sporthalle: Stadt soll zahlen
Die von den BAYER-Vereinen genutzte Wilhelm-Dopatka-Sporthalle ist stark renovierungsbedürftig. Was nicht zuletzt an BAYER selber liegt. Der Leverkusener Multi gehörte nämlich zu den weltgrößten Produzenten des Giftstoffes PCB, der wohl nicht zuletzt deshalb beim Bau der Sportstätte reichlich Anwendung fand. Nach Auskunft des BAYER-Sportbeauftragten Meinolf Sprink würde alleine die PCB-Sanierung 2,5 Millionen Euro kosten. Deshalb hätte der Konzern gerne eine neue Halle. Zahlen möchte er dafür allerdings nichts. Sprink hat sich schon bei Bund und Land nach Fördermitteln erkundigt und positive Signale erhalten. Allerdings müsste die Stadt einen Eigenanteil leisten, und da hätte der Sportbeauftragte auch schon eine Idee. Er schlägt den Verkauf eines städtischen Grundstücks vor. Das brachte die Leverkusener Grünen auf die Palme. „Die BAYER AG entzieht sich in Leverkusen jeglicher Verantwortung. Sie baut Arbeitsplätze in allen Sparten ab und zahlt seit Jahren keinen Cent Gewerbesteuer (...) Und dann kommt BAYER und schlägt den Verkauf eines städtischen Grundstücks zur Finanzierung einer neuen Sporthalle vor, mit uns nicht! Wenn der größte Sportverein Leverkusens eine neue Halle will, soll er sie doch selber bauen“, schreibt die Partei in einer Presseerklärung.

KURZ VOR SCHLUSS

Standardisierte Verantwortung
Wozu so ein „Bundesverband der deutschen Arbeitgeber“ doch so alles gut sein kann! Der Lobbyclub von BAYER & Co. hat seinen oft in der Kritik stehenden Mitgliedern jetzt die Arbeit abgenommen, auf jede Anfechtung einzeln reagieren zu müssen und den Unternehmen in einem Leitfaden Standard-Antworten zur Verfügung gestellt. Eine sich gut für BAYER eignende lautet beispielsweise: „Unser Unternehmen nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung sehr ernst. Wir fühlen uns den Prinzipien des UN Global Compacts verbunden und richten unsere Geschäftstätigkeit nach den OECD-Leitsätzen für multinationale Unternehmen sowie der dreigliedrigen Erklärung der ILO aus. Dafür haben wir uns einen Verhaltenscodex gegeben, den wir ihnen anbei übersenden“.

Offener Brief

CBG Redaktion

Der Vorstand der Leverkusener Grünen fordert:

Bayer-Tochter ProAgro soll endlich Kinderarbeit in Indien durch faire Abnahmepreise für Baumwollsaatgut verhindern

26. Oktober 2005

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Vorstand der Leverkusener Grünen fordert die Bayer AG auf, ihr Versprechen einzuhalten und Kinderarbeit bei der indischen Baumwollsaatproduktion konsequent zu unterbinden.
So arbeiteten im letzten Jahr rund 1.500 Kinder auf indischen Farmen, die für die Bayer- Tochter ProAgro Baumwollsaatgut produzieren. Statt die Schule zu besuchen, rackerten sie bis zu 12 Stunden für einen Hungerlohn von 50 Cent pro Tag – und dies teilweise während der Besprühung der Felder mit giftigen Pestiziden. Nach Protesten des Eine-Welt-Netzes NRW versprach Bayer im April 2005 gegen Kinderarbeit vorzugehen. Eine aktuelle Studie, die am vergangenen Wochenende anlässlich der Landeskonferenz des Eine-Welt-Netzes NRW in Neuss vorgestellt wurde, belegt jedoch: trotz Verbesserungen werden bei den Zulie-ferfarmen von ProAgro immer noch Kinder ausgebeutet.
Kinderrechtsorganisationen fordern daher Bayer und andere Saatgutfirmen auf, Aufklärungs-arbeit und Kontrollen zu intensivieren und den indischen Farmern endlich faire Preise für ihre Produkte zu zahlen. Nur so sind diese in der Lage, statt Kinder zum „Dumping Preis“, Er-wachsene zum gesetzlichen Mindesttageslohn von einem Euro zu beschäftigen.
Der Vorstand der Leverkusener Grünen unterstützt dieses Anliegen und erwartet vom Bayer- Konzern, den Kampf gegen Kinderarbeit auch dann fortzusetzen, wenn die Gewinne dadurch nicht ganz so üppig ausfallen wie bisher. So beträgt die Gewinnmarge nach Berechnungen der o.g. Studie derzeit 360 %, bei Einhaltung von Mindestlöhnen und einem Verzicht auf Kinder-arbeit immerhin noch knapp 260 %.

Für den Vorstand
Kasim Deve, Vorsitzender der Leverkusener Grünen

i.A.
Klaus-Dieter Bartel, Geschäftsführer

Kinderarbeit

CBG Redaktion

taz, 25.10.2005

„Glückliche Ernte“ für Bayer-Profite

Der deutsche Chemiekonzern will eigentlich gegen Kinderarbeit vorgehen. Aktivisten unterstellen aber, dass Bayer weiter von Kinderarbeit profitiert: Indische Zulieferer des Konzerns würden tausende Kinder auf Baumwollfeldern rücksichtslos ausbeuten
AUS HYDERABAD WERNER PACZIAN

Das Lieblingsspiel des Mädchens Venkateswaramma ist Kabadi, eine Art Fangspiel. Viel Zeit für Kabadi bleibt nicht: Sie schuftet auf einer Baumwollfarm, die für den deutschen Bayer-Konzern Saatgut produziert. Das Mädchen, das nicht genau weiß, ob sie 12 oder 13 Jahre alt ist, verdient 50 Cent am Tag - für mindestens neun Stunden Arbeit. Im indischen Bundesstaat Andrah Pradesh arbeiten zehntausende Kinder auf Feldern, die Baumwollsaatgut produzieren. Auch für Bayer, das im Sommer 2002 die indische Firma ProAgro kaufte. 2003 enthüllte eine Studie von Agrarforschern des Glocal Research Institute aus der Provinzhauptstadt Hyderabad, dass für ProAgro mehr als 2.000 Kinder ausgebeutet wurden. Bayer hatte zunächst jede Verantwortung abgelehnt, weil es sich bei den Produktionsfarmen um eigenständige Betriebe handele. Bis heute legt der Konzern Wert auf die Feststellung: „Die Behauptung, Bayer profitiere von Kinderarbeit, ist weder für die Vergangenheit noch für die aktuelle Pflanzsaison richtig. Bayer beschäftigt keine Kinder!“ Tatsächlich kontrollieren Vertreter von Bayer die Felder regelmäßig - und sollten daher den massenhaften Einsatz von Kindern bestens kennen.

Venkateswaramma würde gern Lesen und Rechnen lernen, saß aber nie in einen Klassenraum. Dabei müsste sie nach den vollmundigen Ankündigungen von Wolfgang Faust, PR-Chef bei Bayer CropScience, längst eine Schule besuchen. Nachdem unter anderem das „Eine Welt Netz NRW“ die Kinderarbeit für Bayer-Profite Anfang 2005 öffentlich angeprangert hatte, entwickelte Bayer das Konzept „Glückliche Ernte“. Es sieht vor, ab 2005 Kindern, die bisher auf den Feldern arbeiteten, einen Schulbesuch zu ermöglichen. Außerdem kooperiert Bayer seit diesem Jahr nur noch mit 30 „privilegierten Dörfern“. Am 17. Mai 2005 schrieb Wolfgang Faust: „Ab Juni/Juli sollten durch die ergriffenen Maßnahmen auch keine Kinder mehr auf den Feldern arbeiten.“

Venkateswarammas „Glückliche Ernte“ führt häufig dazu, dass sie Kopfschmerzen hat. Etwa alle fünf Tage werden Pestizide auf der Plantage versprüht. Häufig verbieten die Plantagenbetreiber den Kindern, während der Sprühaktionen die Felder zu verlassen. Das berichten sowohl die Kinder selbst als auch der Vorsitzende des Glocal Research Institutes, Dr. Ramana Davuluri. Dabei wird unter anderem das auch von Bayer in Indien verkaufte Agrargift Monocrotophos eingesetzt, das die Weltgesundheitsorganisation als hoch gefährlich in der Kategorie 1 einstuft. 1995 hatte Bayer versprochen, Pestizide der WHO-Klasse 1 bis zum Jahr 2000 weltweit vom Markt zu nehmen. Der Arzt Siva Reddy behandelt in der Sprühsaison täglich Kinder mit typischen Symptomen einer akuten Pestizidvergiftung: Bewusstlosigkeit, Durchfall, Dehydrierung.

Nach Stichproben der renommierten indischen Kinderstiftung MV Foundation werden auch 2005 schätzungsweise 1.500 Kinder dafür ausgebeutet, dass sie für Bayer Baumwollsaatgut produzieren. Wolfgang Faust von Bayer betont: „Wir haben in dieser Saison den Schwerpunkt auf ein systematisches Kontroll- und Sanktionssystem gelegt. Dabei ist klar, dass die Ankündigung der Maßnahmen allein nicht sofort dazu führen kann, dass ausnahmslos alle Farmer gleich zu Beginn der neuen Saison keine Kinder mehr einsetzen.“ Venkat Reddy, Vizechef der MV Foundation, lässt das Argument nicht gelten. „Bayer sagt, sie hatten erst drei Monate Zeit, etwas zu bewegen. Wir sagen, sie hatten drei Jahre und drei Monate Zeit, um die Kinder vom Feld zu holen.“

„Ich würde sofort auf Kinderarbeit verzichten, wenn höhere Abnahmepreise gezahlt würden“, sagt Saatgutfarmer Chinnar Thimmulu. Eine Studie vom Glocal Research Institute, die am Wochenende vom „Eine Welt Netz NRW“ vorstellt wurde, belegt, dass schon 12 Prozent höhere Abnahmepreise die Farmer wirtschaftlich in die Lage versetzen würden, die Arbeit von Kindern durch Erwachsene zu ersetzen. Die Gewinnspanne im Saatgutgeschäft liegt derzeit bei 360 Prozent, resümiert die Studie.

[Diskussion] STICHWORT BAYER 04/2005

CBG Redaktion

Absage von Dr. Faust

Kinderarbeitsdiskussion ohne BAYER

Anlässlich einer vom EINE-WELT-NETZ initiierten Podiumsdiskussion zu Kinderarbeit bei BAYER-Zulieferern demonstrierte der Leverkusener Multi einmal mehr, was er unter Dialog versteht: Eine von kritischen Interventionen nicht weiter getrübte lockere Plauderrunde zur Produktion von moralischem Mehrwert für das Unternehmen. Das stand entgegen früheren Erwartungen bei der Landeskonferenz des EINE-WELT-NETZES nicht mehr in Aussicht, und BAYERs Krisenkommunikator Dr. Wolfgang Faust sagte seine Teilnahme krankheitsbedingt ab.

Von Jan Pehrke

BAYER hatte es sich so schön ausgedacht: Wegen Kinderarbeit bei indischen Zulieferern der Tochterfirma PROAGRO in der Kritik, hatte sich das Unternehmen gegenüber dem EINE-WELT-NETZ im April 2005 dialogbereit gezeigt und mit dem „action plan“ auch gleich schon eine Strategie zur Lösung des Problems parat. Auf der Neusser Landeskonferenz der Initiative am 22. Oktober wollte der Agromulti dann Vollzug melden - „Kinderarbeit um 90 Prozent reduziert!“ - und sich öffentlichkeitswirksam als verantwortungsvoller Konzern in Szene setzen.

Aber aus dem PR-Coup wurde nichts. Jens Elmer vom EINE-WELT-NETZ und der Journalist Werner Paczian kamen im September nämlich auf die Idee, sich einmal vor Ort von den Segnungen des „Glückliche Ernte“ genannten „action plans“ zu überzeugen und reisten in den indischen Bundesstaat Andrah Pradesh. Dort trafen sie Dr. Davuluri Venkateswarlu, der mit seiner Kinderarbeitsstudie für eine holländische Nichtregierungsorganisation den Stein ins Rollen gebracht hat, sprachen mit BAYER-VertreterInnen und betrieben „Feld“-Forschung.

Bei ihren offiziellen Besuchsterminen fanden sie keine Minderjährigen auf den Feldern mehr an. Machten Elmer und Paczian allerdings unangemeldet Stippvisiten, so sahen sie auf den einzelnen Saatgutpflanzungen bis zu neun Kinder. Dr. Davuluri bestätigte diese Einzelbeobachtungen später. Nach seinen Recherchen arbeiteten auf den 120 Feldern der BAYER-Zulieferer insgesamt mehr als 1.000 Kinder - nur 500 weniger als im Jahr 2004.

BAYERs Musterdörfer hatten sich also als Potemkinsche Dörfer erwiesen. Und wenn es dafür noch eines Extra-Beweises bedurft hätte, so lieferte ihn der unter den Plakaten mit der Aufschrift „Bringt die Kinder in die Schulen“ noch nicht ganz trockene Kleister, der eindeutig verriet, wer die Adressaten der Blitzaktion waren: Nicht die Eltern der arbeitenden Kinder, sondern die Besucher aus Europa.

Zurück in der Bundesrepublik, machte Jens Elmer die wenig erfreuliche Lage in Andrah Pradesh per Presseerklärung publik. Am Tag der Veranstaltung schließlich änderte sich noch etwas. Andreas Vollmert als Moderator der mit Elmer, Paczian, Dr. Davuluri und Dr. Faust geplanten Podiumsdiskussion musste den ca. 100 BesucherInnen die krankheitsbedingte Absage des BAYER-Mannes bekannt geben. Er berichtete dem Publikum von einer regen „Krisenkommunikation“ im Vorfeld der Landeskonferenz. Dr. Faust nahm dem EINE-WELT-NETZ die ohne Rücksprache mit ihm veröffentlichte Presseerklärung übel. Auch in der Zusammensetzung der Gesprächsrunde sah er nicht länger die Gewähr dafür, dem Titel „Erfolgreich gegen Kinderarbeit und für ein Recht auf Bildung“ gerecht zu werden, weshalb er sein Kommen bereits in Frage stellte. Nach diesen Ausführungen machte sich jede/r im Saal so seine eigenen Gedanken über die Krankheitsursachen.

Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hatte einem Dialog mit BAYER in dieser Form von vornherein skeptisch gegenübergestanden. Allzu viele Erfahrungen mit nicht eingehaltenen Versprechen und Hinhaltetaktiken hatte die CBG mit dem Multi schon gemacht. Auf einem Transparent und auf Flugblättern brachte die Coordination an dem Samstag ihre Position zum Ausdruck. Nicht nur durch das Fernbleiben von Dr. Faust konnte die CBG sich in ihrer Haltung bestätigt fühlen. Zustimmung kam auch vom Podium. „Wenn kein Druck da ist, haben wir nichts zu erwarten“, sagte Dr. Davuluri vom Standpunkt der indischen AktivistInnen aus. Ohne die mit der Übersetzung seiner ersten Studie durch die CBG in der Bundesrepublik einsetzende Kampagne hätte BAYER sich überhaupt nicht bewegt, meinte der Wissenschafter. Von der Dialogbereitschaft des Konzerns erwartete er nicht mehr viel: „Sie machen wenig und reden viel“.
Werner Paczian pflichtete ihm bei. „BAYER lügt im Zweifelsfall“, sagte der Journalist und hatte dafür gleich ein Beispiel parat. Auf den Feldern hatte er das Versprühen von BAYERs hoch giftigem Pestizid Monocrotophos beobachtet und das Produkt auch noch auf Verkaufsregalen entdeckt, obwohl der Agromulti längst angekündigt hatte, es aus seinem Angebot zu streichen. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, antwortete ihm die Konzern-Zentrale später auf die Frage, ob der Konzern das Pestizid in Indien noch verkaufe: Der Verkauf von Monocrotophos wurde Ende 2004 eingestellt. Wir haben Restbestände aus dem Handel zurückgerufen und diese sachgerecht entsorgt.„ Paczians Schlussfolgerung lautete deshalb: “Ich glaube BAYER nur noch das, was ich mit eigenen Augen gesehen habe„.

In Sachen “Kinderarbeit" ist Dr. Davuluri so ein Gewährsmann. Im Dezember (nach Redaktionschluss dieses Heftes, Anm. SWB) veröffentlicht er eine umfassende Untersuchung über die Kinderarbeit bei den BAYER-Zulieferern in der Pflanzsaison 2004/05. Die Ergebnisse werden dann zeigen, ob die CBG und ihre Kooperationspartner bereits genug Druck entfaltet haben, oder ob sie sich im nächsten Jahr noch mehr ins Zeug legen müssen. Der Glaube an einvernehmliche Lösungen mit BAYER hat jedenfalls am 22. Oktober noch einmal viele Anhänger verloren.

Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 29. April 2005

Proteste auf der heutigen BAYER-Hauptversammlung in Köln

„Vorstand muss Entlastung verweigert werden“

Kritiker des BAYER-Konzerns attackieren auf der heutigen Hauptversammlung in Köln die Geschäftspolitik des Unternehmens. Im Mittelpunkt der Proteste stehen die Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER, umweltschädliche Chemikalien, illegale Kartellbildung sowie Kinderarbeit bei Zulieferern des Unternehmens.

Daniela Rosche vom europäischen Netzwerk Women in Europe for a Common Future bemängelt den anhaltenden Widerstand der deutschen Industrie gegen eine verbesserte EU-Chemikaliengesetzgebung (REACH): „Ist ihnen die Gesundheit ihrer Familie, ihrer Arbeitnehmer und der nachkommenden Generationen wirklich egal? Warum sonst setzen sie sich in Brüssel für Veränderungen am REACH-Vorschlag ein, die ihnen und uns allen nur Nachteile bringen, da sie keinerlei Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten werden?“, so Rosche an die Adresse des BAYER-Vorstands.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert den anhaltenden Abbau von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger Erhöhung der Vorstandsbezüge: „Die vier Vorstandsmitglieder strichen im vergangenen Geschäftsjahr gut zwei Millionen Euro mehr ein als 2003, allein BAYER-Boss Werner Wenning genehmigte sich eine Lohnerhöhung von 48 Prozent. Gleichzeitig vernichtete der Konzern an den deutschen Standorten 2.400 Arbeitsplätze. Dieses Jahr fallen weitere 750 Stellen weg.“

In seinen Gegenanträgen weist der Verein auch darauf hin, dass sich BAYER seit Jahren an illegalen Kartellen beteiligt. „Allein im vergangenen Jahr wurde BAYER vier Mal bei Preisabsprachen erwischt, die Strafzahlungen liegen bei über 100 Millionen Dollar. Seit Jahren ändert sich nichts an dieser Praxis, Kontrollmechanismen oder auch nur ein Unrechtsbewußtsein scheinen im BAYER-Vorstand nicht zu existieren“, so Pehrke weiter.

Ein weiterer Kritikpunkt in der Versammlung: Mehr als 1.500 Kinder arbeiteten im abgelaufenen Geschäftsjahr für indische Zulieferer des BAYER-Tochterunternehmens ProAgro. Auf öffentlichen Druck hin räumte das Unternehmen die Mißstände ein und legte in dieser Woche einen Aktionsplan vor. „Wir freuen uns gemeinsam mit unseren indischen Partnern, dass BAYER jetzt mit neuen Plänen auf die Proteste reagiert“ sagt Udo Schlüter, Geschäftsführer des Eine Welt Netz NRW: „Es kommt zukünftig darauf an, dass BAYER seine Versprechen ernsthaft umsetzt und dass die Ursachen für Kinderarbeit beseitigt werden.“

An den Protesten beteiligen sich auch Imker, da das BAYER-Pestizid Imidacloprid für das großflächige Bienensterben in Europa mitverantwortlich ist. Die Kritiker fordern wegen der Fülle von Problemen, die durch die Geschäftspolitik von BAYER verursacht werden, die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat (siehe den Gegenantrag im vollen Wortlaut).

[HV Bericht] STICHWORT BAYER 02/2005

CBG Redaktion

KritikerInnen-Erfolge auf BAYER-Hauptversammlung

Das Misstrauensvotum

Der Leverkusener Multi hat im Jahr 2004 wieder einmal prächtige Geschäfte gemacht. BAYER-Chef Werner Wenning und seine Vorstandsriege belohnten sich dafür mit einer kräftigen Aufstockung der Bezüge. Der Aufsichtsrat folgte dem schlechten Beispiel und legte der AktionärInnen-Versammlung einen Antrag auf eine 50-prozentige Lohnerhöhung vor. Auf wessen Kosten der Konzern und seine Manager sich bereicherten, berichteten VertreterInnen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und zahlreicher anderer Initiativen in ihren Gegenreden. Arbeitsplatzvernichtung, Kinderarbeit, Umweltzerstörung, Nichtentschädigung von KZ-Opfern, Missachtung des VerbraucherInnenschutzes - aus diesen Kapiteln des „Schwarzbuch BAYER“ lasen sie den Bossen die Leviten. Mit Erfolg: BesitzerInnen von 26 Millionen BAYER-Aktien verweigerten ihre Zustimmung zur Anhebung der Aufsichtsratsbezüge.

Von Udo Hörster

Stolz präsentierte BAYER-Chef Werner Wenning in seiner Eröffnungsrede zur Hauptversammlung die Konzern-Bilanz. Um vier Prozent auf 30 Milliarden stieg der Umsatz; der Gewinn legte sogar um mehr als 50 Prozent auf über zwei Milliarden zu. Grund genug für den Großen Vorsitzenden, sich sein Salär auf 2,36 Millionen zu verdoppeln und seine drei Vorstandskollegen mit insgesamt zwei Millionen zusätzlich zu bedenken. Da mochte auch der Aufsichtsrat nicht zurückstehen. Er wollte sich von den AktionärInnen eine Erhöhung des Jahresfixums von 40.000 auf 60.000 Euro bewilligen lassen. Die erfolgsabhängigen Prämien mitgerechnet, hätten sie dann per anno ca. 90.000 Euro eingestrichen.
Dem Rest der Belegschaft kam der Geldsegen nicht zugute. Im Gegenteil: Drastische Einsparmaßnahmen auf ihrem Rücken sorgten erst für den exorbitanten Profit. „Unsere Kostenoptimierung betraf natürlich auch die Personalaufwendungen: Wir konnten diese seit 2002 um fast zwei Milliarden reduzieren“, vermeldete Wenning in schamloser Offenheit. Von der Debatte um das rücksichtslose Gebaren der Global Player zeigte er sich trotzdem überrascht. Er wandte sich dagegen, „mit populistischen Vorwürfen und dem Aufwärmen überkommender Klassenkampf-Theorien einen Streit zu entfachen“. Lieber brach er selber eine Fehde mit Rot-Grün vom Zaun. „Hierzulande werden aber Zukunftstechnologien und potenzielle Arbeitsplatzschmieden wie die Biotechnologie nicht gefördert, sondern durch Gesetze und Bürokratie behindert. Denken Sie nur an das Stammzellgesetz oder das Gentechnikgesetz!“, tönte der Vorstandsvorsitzende.
Andrea Will (DKP) sah sich gezwungen, ihm in Sachen „Kapitalismus-Kritik“ Nachhilfe-Unterricht zu erteilen. Sie kritisierte die massive Arbeitsplatzvernichtung und demonstrierte anhand einer neuen Umfrage, wie wenig überkommen eine Auseinandersetzung mit der Profitgier von Big Business ist. Angesichts eines trotz hoher Gewinne unverdrossen fortgeführten Arbeitsplatzabbaus meinten 95 Prozent der Befragten, die Unternehmen müssten eine stärkere soziale Verantwortung zeigen. Aber Werner Wenning gab sich begriffsstutzig und blieb lieber Angehöriger einer kleinen radikalen Minderheit. „Für mich ist die gegenwärtige Diskussion schwer verständlich“, so der Unbelehrbare. Umso besser verstand er sich darauf, den wiederum immer mehr Menschen immer unverständlicher erscheinenden Sermon vom Segen der Angebotspolitik herunterzubeten. Wir „müssen Rahmen setzen, die für die Investoren attraktiv sind“, forderte er, dann würden „auch alle profitieren“.
Alle würden profitieren, das hatte der BAYER-Mann auch im vergangenen Herbst auf der außerordentlichen Hauptversammlung, welche die Abspaltung der Chemie-Sparte besiegelte, den zu dem neu gegründeten Unternehmen LANXESS wechselnden Ex-BayeranerInnen versichert. In Köln war davon nicht mehr die Rede. Unverhohlen verkündete er seinen ShareholderInnen, welch große Deinvestitionsdividende sie eingestrichen haben: „Und auch die Börse hat die Umstrukturierung des Konzerns honoriert. Während der DAX seit Ankündigung unserer strategischen Neuausrichtung im November um 13 Prozent stieg, konnte der Kurs der BAYER-Aktie im gleichen Zeitraum um 26 Prozent zulegen“. Entsprechend schlecht stehen die Aktien für LANXESS und die Beschäftigten. Erst im April hatte Unternehmenschef Axel Heitmann wieder die Schließung von zwei Standorten und die Streichung von 1.200 Stellen bekannt gegeben.
CBG-Vorstand Axel Köhler-Schnura hatte diese Entwicklung schon auf der erwähnten Lanxess-HV im November vorhergesehen. Deshalb warf er Wenning vor, ein doppeltes Spiel gespielt zu haben. „Weshalb erfahren wir die Tatsachen erst nach der HV? Weshalb täuschen Sie?, fragte Köhler-Schnura. Angesichts dieses verantwortungslosen Umgangs mit dem Schicksal der Beschäftigten stellte der CBGler klar: “Es ist nicht Rot-Grün, das Arbeitsplätze vernichtet. Es sind Sie. Nicht Rot-Grün betreibt Klassenkampf, es sind Sie, der Klassenkampf von oben betreibt„.
Darauf fiel dem BAYER-Boss keine Antwort ein. Er flüchtete in antikommunistische Polemik und stöhnte: “Seit mehr als 25 Jahren sind sie uns mit ihrer Agitation schon treu„. Er recycelte in seiner Hilflosigkeit sogar einen Satz, den ihm seine fleißigen SouffleurInnen hinter der Bühne schon im letzten Jahr ins Ohr geflüstert hatten: “Uns trennen Welten - besonders in der Weltanschauung„.

Die unheilvolle Tradition
Wie weit die unheilvolle Tradition menschenverachtender Profitjagd bei BAYER zurückreicht, das bezeugte in Köln Eugen Muszynski mit seiner eigenen Leidensgeschichte. Zu Beginn seiner Rede deutete der Vorsitzende des VERBANDES DER IM KINDESALTER INHAFTIERTEN FRÜHEREN HÄFTLINGE DER NATIONALSOZIALISTISCHEN KONZENTRATIONSLAGER auf das hinter der Bühne prangende BAYER-Zeichen und erklärte: “Vor 62 Jahren habe ich zum ersten Mal dieses Logo gesehen„. Es befand sich auf dem Typhus-Präparat B-1034, das MedizinerInnen im Auftrag des Leverkusener Pharma-Riesen an den Inhaftierten ausprobierten, nachdem sie ihre Opfer mit dem entsprechenden Krankheitserreger infiziert hatten. Zwei Spritzen erhielt der damals 7-Jährige, eine dritte hätte er nach eigenem Bekunden nicht überlebt. Noch jetzt leidet Eugen Muszynski an den Spätfolgen der KZ-Zeit und ist zu 100 Prozent schwerbehindert. Und während seine Peiniger ihre Karrieren in der Nachkriegszeit zumeist rasch fortsetzen konnten, muss er von 600 Euro Rente leben. Da halfen ihm die vom Entschädigungsfonds der deutschen Wirtschaft für sein dreijähriges Martyrium in Auschwitz zugesprochenen 7.500 Euro nicht viel weiter - als blanken Hohn bezeichnet Muszynski diese Summe. Deshalb erkundigte er sich auch im Namen seiner Leidensgenossen, die sich oft in einer ähnlich prekären sozialen Lage befinden: “Was können wir als Opfer erwarten vom Konzern?„. Diese Frage hatte er dem Unternehmen bereits mehrfach in Briefform gestellt und bekam darauf in Köln ebenso wenig eine befriedigende Antwort wie früher.
Weil sich das Grauen der Konzentrationslager nur schwer in Worte fassen lässt, hielt Eugen Muszynski zum Schluss schweigend ein Foto hoch, das vier bis auf die Knochen abgemagerte KZ-Insassen zeigte. Beklommende Stille breitete sich unter den mehr als 4.000 AktionärInnen aus. Ein Fall für die Saal-Regie. Zunächst fuhren die Kameras, welche die RednerInnen filmten und sie im Großformat auf den beiden links und rechts des Podiums angebrachten Videoleinwänden zeigten, noch auf Muszynski zu, um das Foto größer ins Bild zu bekommen. Als den TechnikerInnen aber gewahr wurde, was sich ihnen da vor der Linse an Grauen präsentierte, spielten sie sofort unverfänglichere Aufnahmen ein. Trotzdem dauerte es eine ganze Weile, ehe der Versammlungsleiter Manfred Schneider es wagte, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Auch Werner Wenning sah sich später in seiner Antwort auf den Beitrag zunächst gezwungen, zu einem anderen Ton als dem zu greifen, mit dem er sonst die Konzern-KritikerInnen abzufertigen pflegte. “Erlauben Sie mir ein paar persönliche Bemerkungen„, hob er an, “Ich bedauere ihr persönliches Schicksal sehr. Niemand kann ermessen, wie prägend die Erlebnisse gewesen sein mögen„. Nach dieser routiniert-leutselig absolvierten Pflichtübung zeigte der BAYER-Chef aber einen noch unverantwortlicheren Umgang mit der Unternehmensgeschichte als seine Vorgänger. Er stellte nicht nur klar, BAYER sei mit den IG FARBEN nicht gleichzusetzen und kein Rechtsnachfolger des Mörder-Konzerns, er leugnete mit dem Verweis auf die Freisprüche im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess auch noch die Schuld der in Menschenversuche verwickelten BAYER-Pharmakologen. Die RichterInnen setzten damals viele Angeklagten auf freien Fuß, weil im Zuge des Kalten Krieges mit der Sowjetunion ein neuer Feind am Horizont erschienen war und damit plötzlich Milde gegenüber den alten Bösen opportun wurde. Wenning zitierte aus dem Urteil: “Die Annahme, dass die Angeklagten mit den SS-Ärzten, die diese verbrecherischen Handlungen begingen, unter der Decke gesteckt haben, wird durch die Tatsache widerlegt, dass die I. G. die Versendung der Medikamente eingestellt hat, sobald der Verdacht eines gesetz- und standeswidrigen Verhaltens der Ärzte auftauchte„. “Eine Feststellung„, kommentierte der Publizist Ernst Klee in seinem Buch “Auschwitz, die NS-Medizin und ihre Opfer„, “die den in Nürnberg vorliegenden (...) Dokumenten widerspricht: Die Versendung der Präparate endete bei Kriegsende„.

Kinderarbeit
Zu den traurigsten aktuellen Kapiteln im “Schwarzbuch BAYER„ gehört das über die Kinderarbeit bei den Zulieferern der indischen Saatgut-Tochter PROAGRO. Über 1.500 Minderjährige leisten derzeit Frondienste auf den Feldern, berichtete Manfred Belle vom EINE-WELT-NETZWERK NRW und kritisierte: “Verantwortung kann nicht am Fabriktor enden„. Bereits seit zwei Jahren versichert der Leverkusener Multi, seine Geschäftspolitik ändern zu wollen. Geschehen ist bisher allerdings nichts. Deshalb wirft der neue Anlauf, den das Unternehmen nun mit seinem “Aktionsplan„ startet, für Belle auch einige Fragen auf. Der Konzern beabsichtigt, sich - wegen der angeblich unübersichtlichen Lage auf dem Kinderarbeitsmarkt - auf einige wenige Dörfer zu konzentrieren und den dortigen FarmerInnen Bonuszahlungen für den Verzicht auf die Beschäftigung von Nicht-Volljährigen in Aussicht zu stellen. Zudem plant der Agro-Riese ein Programm zur Förderung der Schulbesuche. Ob es sich dabei um Potemkinische Dörfer handelt, bloße Vorzeigeprojekte, die den Blick auf die ansonsten weiterhin flächendeckend betriebene Ausbeutung von Kindern verstellen soll oder ob von den Mustersiedlungen wirklich eine Signalwirkung ausgehen wird, bleibt fraglich. Manfred Belle machte die Erfolgsaussichten in seiner Rede von ganz konkreten Bedingungen abhängig: “Reichen die Bonus-Zahlungen aus?„, gab er etwa zu Bedenken. Darüber hinaus nannte er höhere Saatgut-Abnahmepreise sowie das Garantieren von Mindestlöhnen für Erwachsene als conditio sine qua non für das Gelingen des Aktionsplans. Zudem forderte er BAYER auf, eine wirksame Überprüfung des Erreichten zu ermöglichen. In seiner Antwort sagte Werner Wenning zu, unabhängigen BeobachterInnen künftig die Namen der Orte zu nennen und die bisher praktizierte Verweigerungshaltung aufzugeben. In Sachen “Preise„ blieb er allerding unnachgiebig und behauptete, BAYER zahle bereits “faire Abnahmepreise, die zur Entlohnung erwachsener Arbeit gedacht waren„. Desweiteren besaß er die Dreistigkeit, den Konzern als einen Entwicklungshilfe betreibenden “Vorkämpfer„ gegen die Ausbeutung von Kindern darzustellen. Die Ursachen für diese sah der Vorstandsvorsitzende nämlich nicht in der kapitalistischen Weltwirtschaft und der Abhängigkeit der “Dritten Welt„ von der “Ersten Welt„, sondern in der kulturellen Eigenart des Landes. Die Kinderarbeit sei ein “tief in der indischen Gesellschaft verwurzeltes System„, dozierte der Hobby-Kulturwissenschaftler. Aus solchem Denken dürfte nur schwerlich das “Verantwortliche Handeln„ erwachsen, das der Konzern in seinen Hochglanz-Broschüren so gerne für sich in Anspruch nimmt.

Verbrechen ...
Kriminelles Handeln fällt dem Konzern da leichter. Ralf-Jochen Ehresmann von der PDS schlug vor den AktionärInnen die “Akte BAYER„ auf. Mit vier Verfahren wegen illegaler Preisabsprachen bei Kunststoffen und Diagnose-Geräten war diese auch im Geschäftsjahr 2004 wieder gut gefüllt. Über 100 Millionen Dollar Strafe musste das Unternehmen dafür zahlen. Wenning zeigte sich Ehresmann gegenüber geläutert: Der Vorstand bedauere die Rechtsverstöße ausdrücklich und habe die verantwortlichen Mitarbeiter entlassen. Trotz der Reumütigkeit und des Bauernopfers stehen die Resozialisierungschancen aber nicht allzu gut - das Strafregister in Sachen “Kartell-Bildungen„ ist mittlerweile einfach zu lang.
Mit anderen Gesetzen steht der Multi ebenfalls auf Kriegsfuß. So opponiert er bereits seit Jahren gegen die REACH genannte Chemikalien-Verordnung der EU, welche die Unternehmen zur Überprüfung vorher nie auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin untersuchter Substanzen verpflichten will. Was “Die Chemie - das unbekannte Wesen„ im Alltag so alles anrichtet, schilderte Daniela Rosche von WOMEN IN EUROPE FÜR A COMMON FUTURE (WECF): Lösemittel beeinträchtigen die kognitive Entwicklung von Kleinkindern, Weichmacher wirbeln das Hormonsystem von Menschen und Tieren durcheinander, Zusatzstoffe in Lebensmitteln lösen Allergien aus, Plaste & Elaste in Autoinnenräumen verursachen Kopfschmerzen und Augenbeschwerden. In REACH sieht Rosche die einmalige Chance, solche “Nebenwirkungen„ zukünftig auszuschließen. Der “enorme Druck„, den BAYER & Co. entfalteten, um die Vorlage mehr und mehr aufzuweichen, empörte sie deshalb maßlos. “Warum setzen Sie sich gegen Fortschritte ein?„, wollte sie vom Vorstandsvorsitzenden wissen und “Ist ihnen die Gesundheit ihrer Familie und ihrer Mitarbeiter egal?„
Auf die erste Frage - aber auch nur auf diese - gab Wenning eine klare Antwort: Weil REACH die gesamte Industrie belastet und nicht dazu geeignet ist, das Bruttosozialprodukt zu steigern. Er entwarf ein Horrorszenario, prophezeite das Aus für Teile des Sortiments und sprach von einer “Innovationsbehinderung„ durch die Chemikalien-Verordnung. “Das System muss extrem vereinfacht werden, wenn nicht weitere Standort-Nachteile entstehen sollen„, forderte er. Der Konzern-Boss versteht das ganze Aufheben sowieso nicht, denn für ihn stimmt die Chemie. “Die BAYER-Produkte haben ein größtmögliches Maß an Sicherheit„, bekräftigte er.

... und andere Kleinigkeiten
Wie ungenügend dieses “größtmögliche Maß an Sicherheit„ sein kann, führte der Imker Fridolin Brandt den HV-BesucherInnen anhand seiner Berufspraxis vor Augen. Er verlor zahlreiche Bienenvölker, weil sie auf Sonnenblumen-Feldern Pollen und Blütenstaub sammelten, welche die LandwirtInnen mit dem BAYER-Gift GAUCHO eingedeckt hatten. “Die Geschäftserfolge gehen zu Lasten der Umwelt„, resümierte der Vize-Präsident des EUROPÄISCHEN IMKERBUNDES deshalb. Das sah der Konzern anders: Er gab der angeblich unprofessionellen Arbeit der BienenzüchterInnen die Schuld am Desaster.
Obwohl das französische Landwirtschaftsministerium die Ausbringung des Saatgutbehandlungsmittels nicht nur auf Sonnenblumen-Pflanzungen wegen seiner Bienengefährlichkeit längst verboten hat, leugnete der BAYER-Boss diesen Zusammenhang in seiner Antwort auf die “Brandrede„ immer noch und zauberte stattdessen zusätzliche Alternativ-Erklärungen aus dem Hut. Er zitierte eine ominöse Entlastungsstudie in Sachen “GAUCHO„ herbei, präsentierte mit einer Milbe einen weiteren Tatverdächtigen für den Tod der Bienen und sprach desweiteren von “vielschichtigen Ursachen„. Werner Wenning betätigte sich de facto als Nebelwerfer, warf sich aber in die Pose des Aufklärers, der gemeinsam mit den Imkerverbänden - zufälligerweise nicht mit dem EUROPÄISCHEN IMKERBUND - der Wahrheit auf die Spur kommen will. “Sie sehen Herr Brandt, es wird viel unternommen, um die wahren Gründe zu erforschen„, versicherte er in jovialem Ton.
Eine weitere Rednerin nahm sich des Schicksals derjenigen Tiere an, die zu Tausenden in den BAYER-Laboren sterben. “Ich sage ihnen, wenn Sie Leben töten müssen, um Leben zu erhalten, wird nichts dabei herauskommen„, beschwor sie den Vorstandsvorsitzenden. Darüber hinaus brachte die Aktivistin vom EINE-WELT-NETZWERK NRW Einwände aus wissenschaftlicher Sicht gegen die am “Tiermodell„ gewonnenen Erkenntnisse vor; viele ForscherInnen äußern nämlich Zweifel an deren Übertragbarkeit auf den Menschen. Der BAYER-Chef machte es sich in seiner Reaktion auf die Kritik leicht. Der Gesetzgeber schreibe Tierversuche vor, ansonsten führe der Konzern seine Experimente mit “Verantwortung auch für das Tier als Mitgeschöpf„ durch, so seine knappe Replik.

Sorglose Entsorgung
Tod am Anfang der Produkt-Entwicklung, Tod durch das Erzeugnis selber - und noch das Ende der Produktionskette hat es in sich. Es bleibt dabei nämlich eine Vielzahl giftiger Substanzen übrig. Jahrzehntelang hat der Multi sie einfach sorglos auf dem Dhünnaue-Areal entsorgt, bis es zur größten Giftmüll-Deponie Europas heranwuchs. Hunderttausende Tonnen gefährlicher Stoffe von Schwermetallen bis zu Chromverbindungen lagerten dort schließlich. Über die Folgen berichtete Hubert Ostendorf vom Vorstand der CBG: Im Umkreis des Geländes stiegen die Krebsraten exorbitant an. Erst nach massiven Druck der CBG und anderer Organisationen erkannte BAYER Handlungsbedarf - jedenfalls ein bisschen. Der Konzern nahm nämlich keine Sanierung vor, er entschloss sich zu der billigeren und ökologisch fragwürdigeren Variante einer bloßen Sicherung. So umgeben nun nach oben und zu den Seiten hin Betonwände die Altlast. Aber nach unten hin ist alles offen, was die Deponie buchstäblich zu einem Fass ohne Boden macht. Wie Ostendorf ausführte, muss der Agro-Riese deshalb stündlich 750 Kubikmeter verseuchtes Wasser abpumpen und im werkseigenen Klärwerk reinigen. Da tat eine kosmetische Operation not: BAYER und die Stadt Leverkusen kamen überein, auf dem Gelände die Landesgartenschau auszurichten. “Gras über den Skandal wachsen„ lassen, nannte der CBGler das treffend. Er forderte eine vollständige Sanierung der Dhünnaue auf Kosten des Konzerns und trat für die Errichtung eines Gedenksteins für die Gift-Opfer ein. “Die LAGA hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie an den Giftmüll erinnert„, sagte Hubert Ostendorf am Ende seiner Rede.
Da stimmte Werner Wenning nicht mit ihm überein. “Das Sicherheitskonzept ist abgestimmt„, verkündete er und pries die Gartenkunst am Giftmüll. “Wir sind stolz darauf, dass die Stadt Leverkusen auf dem Gelände der ehemaligen Deponie eine Landesgartenschau veranstaltet„, sprach der Ober-BAYER.

Von Südafrika bis Ohio - Fatal global
CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes unternahm es in seinem Beitrag schließlich, die Anliegen derjenigen gegen die Unternehmenspolitik aktiv gewordenen Gruppen zu vertreten, die nicht nach Köln reisen konnten. Im Namen der US-Sektion des PESTIZID-AKTIONS-NETZWERKES (PAN), die das von der Weltgesundheitsorganisation WHO in die höchste Gefahrenklasse eingeordnete Pestizid LINDAN in den Mittelpunkt einer Kampagne stellte, fragte Mimkes: “Will BAYER die LINDAN-Zulassung zurückziehen?„. Als “traurige Ironie„ bezeichnete er es, dass das durch den Holzgifte-Skandal mit seinen unzähligen Opfern berühmt-berüchtige Mittel sich seit dem Erwerb der US-Firma GUSTAFSON wieder im Sortiment von BAYER befindet. Wenning antwortete, der Konzern habe über die Zukunft der Agrochemikalie noch nicht entschieden, ließ aber nichts auf LINDAN kommen, es bestehe “keine Gefahr für Mensch und Umwelt bei sicherer Anwendung„.
“Keine Gefahr für Anwohner und Öffentlichkeit„ geht ihm zufolge auch von dem im südafrikanischen Durban gelegenen Werk aus, obwohl die Mess-Daten eine Besorgnis erregende Belastung mit Chrom im Umkreis der Niederlassung ausweisen. Die Behörden mussten die Menschen sogar eindringlich davor warnen, das Wasser aus den Brunnen in BAYER-Nähe zum Trinken oder Kochen zu nutzen. Laut Werner Wennings Ferndiagnose waren sie aber “zu keinem Zeitpunkt einer gesundheitsgefährdenden Konzentration ausgesetzt„.
Die von Philipp Mimkes zur Sprache gebrachten Störfalle bei der Firmen-Niederlassung in Addyston - die CBG-Kooperationspartner vor Ort zählten 107 Störfälle im Jahr - rangen dem Vorstandsvorsitzenden immerhin das Zugeständnis ab, die “hohen Sicherheitsstandards weiter optimieren„ zu wollen.
Würde sich ein solcher Unfall in der BAYER-Anlage bei Institute/USA ereignen, so wäre eine Katastrophe zu befürchten. Dort lagert mit Methyl Isocyanat (MIC) nämlich die Chemikalie, die das Unglück von Bhopal ausgelöst hat. Im Falle einer Freisetzung sieht die US-Umweltbehörde EPA das Leben von 300.000 Menschen gefährdet. Dieses “worst case scenario„ hat die Bürgerinitiative PEOPLE CONCERNED ABOUT MIC auf den Plan gerufen. Stellvertretend für die Gruppe wandte sich der CBG-Geschäftsführer an den Vorstand und erkundigte sich danach, warum der Konzern solch hoch gefährliche Stoffe überhaupt lagert, statt auf eine Produktionsweise umzustellen, die ohne eine solche Vorratshaltung auskommt. Werner Wenning ging darauf nicht ein. Zwischen MIC und MIC “eine Verbindung herzustellen, ist abwegig„, meinte er, weil es sich um verschiedene Anlagen-Typen handele.
Beschränkte sich der Vorstandsvorsitzende in Köln darauf, knappe, ausweichende oder beschwichtigende Antworten zu geben, so reagierte er auf einen im Januar von der COORDINATION verfassten Offenen Brief überhaupt nicht. Die CBG bat darin um Angaben darüber, wieviele BAYER-Bedienstete Mandate in politischen Gremien von Stadträten über Kreis- und Landtage bis hin zum Bundestag wahrnehmen und sich nach dem Motto “Wes' Brot ich ess, des Lied ich sing„ politisch engagieren. Mimkes fragte noch einmal nach, warum der Konzern trotz seiner immer wieder signalisierten Dialog-Bereitschaft eine Erwiderung schuldig blieb und forderte Wenning auf, nun auf der Hauptversammlung die konkrete Zahl zu nennen. Der Große Vorsitzende tat es nicht und begründete die Blockadehaltung damit, die CBG sei nicht an einem “konstruktiven Dialog„ interessiert, würde nur nach Anhaltspunkten für eine Kampagne suchen und dann “Agitation pur„ betreiben.

26 Millionen gegen BAYER
Als “Agitation pur" empfanden viele AktionärInnen die Gegenreden von Philipp Mimkes und den neun anderen Konzern-KritikerInnen jedoch offenbar nicht. Bei der abschließenden Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat machten sie nämlich mit einem Misstrauensvotum auf sich aufmerksam. BesitzerInnen von über 26 Millionen BAYER-Papieren stimmten gegen die Erhöhung der Aufsichtsratsbezüge - ca. 10 Prozent! - und HalterInnen von 3,8 Millionen Aktien enthielten sich bei diesem Tagesordnungspunkt. Ein solches Ergebnis überrascht umso mehr, als die Großbanken einen Großteil der Stimmrechte wahrnehmen und so bisher immer für Zustimmungsquoten von 99 Prozent plus X gesorgt hatten. Nun hatten Wenning und Co. die angeblich so unverständliche Diskussion um die Umtriebe des Kapitals einmal in der Sprache präsentiert bekommen, die sie blendend verstehen: die der Zahlen. Und das stimmt optimistisch für die weitere konzern-kritische Arbeit.

[Kinderarbeit] STICHWORT BAYER 02/2005

CBG Redaktion

Weiterhin Kinderarbeit im Baumwollsaat-Anbau

Internationale Kampagne mit ersten Erfolgen

Vor zwei Jahren veröffentlichte die Coordination gegen BAYER-Gefahren eine Studie indischer Arbeits-Wissenschaftler. Die Ergebnisse der Untersuchung waren erschreckend: zehntausende Kinder arbeiten im indischen Saatgutanbau, viele befinden sich in Schuldknechtschaft. Auch Zulieferer multinationaler Konzerne profitieren von den Billiglöhnen. Eine internationale Kampagne führte dazu, dass die Unternehmen ihre Verantwortung einräumten und wirksame Schritte ankündigten. Bislang sank die Zahl der beschäftigten Kinder jedoch nur geringfügig.

von Philipp Mimkes

Bis zu 400.000 Kinder, überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren, arbeiten in kleinen Zulieferbetrieben, die für Agro-Unternehmen wie BAYER, SYNGENTA und MONSANTO Baumwoll-Saatgut produzieren. Die Zulieferer sind zwar nominell unabhängig, aber durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie durch langfristige Lieferverträge vollständig an die Saatgut-Multis gebunden. Diese nehmen auf den Farmen regelmäßige Kontrollen vor und sind daher über den Einsatz von Kindern im Bilde. Die Kinder werden ihren Eltern von lokalen Werbeagenten für einen Vorschuss abgeworben, viele sind über Jahre hinweg auf den selben Feldern tätig, um immer wieder neue Vorschüsse abzuarbeiten. Sie sind giftigen Pestiziden ausgesetzt - es kam bereits zu Todesfällen - und erhalten für eine 12-Stunden-Schicht unter 50 Cent. Da sie keine Schulbildung erhalten, haben sie keine Chance, jemals dem Armutskreislauf zu entfliehen.
Dies sind Ergebnisse der Studie „Kinderarbeit im indischen Baumwollanbau - die Rolle multinationaler Saatgut-Unternehmen“, die von dem in Hyderabad ansässigen Institut „Glocal Research and Consultancy Services“ (GRCS) erstellt wurde. Geleitet wird das GRCS von dem Arbeitswissenschaftler Dr. Davuluri Venkatesvarlu, der für die Untersuchung Dutzende von Baumwollfarmen inspizierte.

Internationale Kampagne
Mit der Übersetzung und Veröffentlichung der Studie in Deutschland startete die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) im Sommer 2003 eine Kampagne, um auf die Mit-Verantwortung des BAYER-Konzerns für die Ausbeutung von Kindern aufmerksam zu machen. Der Kampagne haben sich unterdessen weitere Gruppen angeschlossen: GERMANWATCH, der GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR, die ARBEITSGEMEINSCHAFT SOLIDARISCHE WELT und das EINE WELT NETZ NRW. Auch in Holland, England und den USA arbeiten Gruppen zu dem Thema, indischer Partner ist die renommierte MV FOUNDATION. Medien im In- und Ausland berichteten ausführlich.
Einen ersten Erfolg verbuchten die Gruppen nur wenige Wochen nach Veröffentlichung der Studie: die kritisierten Unternehmen erklärten sich zu einem Treffen mit der MV FOUNDATION bereit und übernahmen darin die Verantwortung für das Auftreten von Kinderarbeit bei ihren Zulieferern. Die Firmen gründeten eine task force, die „Child Labour Elimination Group“ (CLEG), in der BAYER den Vorsitz übernahm. Die Zulieferer sollten offengelegt und somit unabhängige Kontrollen ermöglicht werden. Für das darauffolgende Frühjahr - also Anfang 2004 - strebten die Unternehmen eine weitgehende Ersetzung der Kinder durch erwachsene Arbeitskräfte an. Wegen der höheren Löhne, die an Erwachsene gezahlt werden, würde dies in den betroffenen Regionen auch zu einer Verbesserung der sozialen Lage führen.
Monatelang bewegte sich jedoch nichts. GERMANWATCH, COORDINATION und GLOBAL MARCH wandten sich daher in einem Offenen Brief an den BAYER-Konzern. Darin forderten sie die Zahlung höherer Abnahmepreise, um die Einstellung erwachsener Arbeitskräfte zu ermöglichen, sowie Wiedereinschulungs-Programme für Kinderarbeiter. In seiner Antwort wies das Unternehmen darauf hin, selbst keine Kinder zu beschäftigen (was auch niemand behauptet hatte) und ansonsten „die Anbauer für das Thema Kinderarbeit zu sensibilisieren“ - durch Öffentlichkeitskampagnen, Kontrollen und entsprechenden Klauseln in den Lieferverträgen.

BAYER-Vorstand diskutiert
Tatsächlich beließen es BAYER und SYNGENTA nicht bei reinen Lippenbekenntnissen (im Gegensatz zu den Unternehmen MONSANTO und ADVANTA) und starteten einige Aktivitäten: Radiospots und Anzeigen forderten dazu auf, Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen; Firmenvertreter führten Kontrollen bei Zulieferern durch, um das Ausmaß des Problems genauer abschätzen zu können - eigene Untersuchungen hatten die Firmen bis dahin nicht durchgeführt; BAYER schickte zudem für die Gespräche mit der MV FOUNDATION mehrfach Firmenvertreter nach Indien.
Die Auswirkungen dieses Engagements waren jedoch ernüchternd. Eine Folgestudie im Herbst 2004 zeigte, dass die Zahl der arbeitenden Kinder kaum gesunken war - bei Zulieferern der BAYER-Tochter PROAGRO von gut zweitausend auf rund 1.650. Der Rückgang war hauptsächlich auf eine Dürreperiode und der damit einhergehenden Verringerung der Anbaufläche zurück zu führen. Weder wurden die Abnahmepreise erhöht, was eine Beschäftigung Erwachsener erleichtert hätte, noch wurden die Standorte der Zulieferer vollständig offen gelegt. Zwar führten einige Abnehmer, darunter auch BAYER, in ihre Lieferverträge Verbote für die Verwendung von Kindern ein, mangels wirksamer Kontrollen oder Strafzahlungen hatte dies jedoch keine realen Konsequenzen.
Zwischen der BAYER-Zentrale in Leverkusen und der indischen Tochterfirma kam es in diesem Prozess zu Spannungen - offenbar drängte der Firmensitz wegen der Negativ-Publicity auf wirksamere Schritte. In Treffen mit der MV FOUNDATION räumten BAYER-Vertreter ein, dass das Thema bis hin zum Vorstand des Konzerns diskutiert wurde. Auch auf der Hauptversammlung des Konzerns sprachen Kritiker das Thema an. „Es war ganz eindeutig, dass die Firma nur aufgrund des Drucks von dieser Seite zu Diskussionen mit uns bereit war“, unterstreicht denn auch Shanta Sinha, Vorsitzende der MV FOUNDATION, die Bedeutung der Kooperation von lokalen und internationalen Aktivisten.

OECD Beschwerde
Da sich trotz der Zusagen an dem realen Problem kaum etwas änderte, entschlossen sich die deutschen Vertreter der Kampagne im Herbst 2004, eine Beschwerde gegen den BAYER-Konzern wegen Verstoßes gegen die „OECD-Leitlinien für multinationale Unternehmen“ einzureichen. Die OECD-Leitlinien verbieten Kinderarbeit und legen eine Verantwortlichkeit auch für direkte Zulieferer fest. Wörtlich heißt es daher in der Beschwerde: „Die Produktion in den Zulieferfirmen wird direkt von den Auftraggebern überwacht. Die einzelnen Schritte der Produktion (Zeitpunkt der Aussaat, Bewässerung, Arbeitsumfang, Qualität, Abnahmepreise) werden vertraglich exakt festgelegt. Die Marktstellung von Proagro/Bayer ist der der Zulieferer überlegen: Proagro liefert das Saatgut, gibt Kredite, hat das Recht, jederzeit Kontrollen durchzuführen, etc.“ Das OECD-Verfahren ist nach Meinung der beteiligten Gruppen auch deshalb notwendig, weil dem BAYER-Konzern das Problem jahrelang bekannt gewesen war, Konsequenzen aber erst nach der Veröffentlichung der Studie und den nachfolgenden Medienberichten gezogen wurden.
„Schon seit letztem Jahr versuchen wir, im Dialog mit der indischen Bayer-Tochter ProAgro das Problem der Kinderarbeit bei ihren Zulieferern zu lösen, leider ohne Erfolg. Deshalb wollen wir jetzt mit der OECD-Beschwerde den Druck auf das Unternehmen erhöhen und auch die staatliche Ebene in Deutschland einbeziehen“, erläutert Cornelia Heydenreich von GERMANWATCH. Rainer Kruse von der deutschen Sektion des GLOBAL MARCH drängt auf unverzügliches Handeln: „Die Gesundheit und das Leben der Kinder darf nicht länger aufs Spiel gesetzt werden. Und sie müssen wieder in die Schule gehen können. Jede weitere Arbeitssaison schädigt eine neue Generation von Kindern.“

Bonuszahlungen und Musterdörfer
Das Thema zieht mittlerweile immer weitere Kreise: die WELTHUNGERHILFE wandte sich zu Beginn dieses Jahres per Brief an Bayer und beklagte die mangelnde Umsetzung der von den Firmen angekündigten Schritte. Im Februar startete das EINE WELT NETZ NRW eine Kampagne unter dem Titel „Wer hat mit Kinderarbeit und Kopfschmerzen zu tun.... und reimt sich auf MAYER?“. Hunderte Unterstützer sandten Briefe an den Vorsitzenden von Bayer CropScience, Friedrich Berschauer, und forderten höherere Abnahmepreise, wirksame Kontrollen und ein ernsthaftes Engagement des Konzerns. Auf der BAYER-Hauptversammlung am 30. April gab es erneut Protestaktionen (siehe den Artikel „Das Misstrauensvotum“ in diesem Heft).
Erneut reagierte der Konzern: VertreterInnen von WELTHUNGERHILFE und EINE WELT NETZ wurden zu Gesprächen nach Monheim eingeladen. In Hyderabad gab es ein Treffen mit den indischen Partnergruppen. Der Konzern stellte dabei ein neues Konzept vor: Die Saatgut-Produktion von BAYER/PROAGRO soll in den nächsten Jahren auf wenige, besser zu kontrollierende „Musterdörfer“ konzentriert werden. Auf nachweislich ohne Kinderarbeit hergestelltes Saatgut soll ein Bonus von bis zu 15% bezahlt werden. Im Juni soll die MV FOUNDATION - wie schon vor zwei Jahren versprochen - eine Liste der Vertragspartner erhalten, um unabhängige Kontrollen durchführen zu können. Außerdem will BAYER in einer Kooperation mit der NAANDI FOUNDATION Schulprojekte initiieren. Die Strategie sei mit den Firmen SYNGENTA und EMERGENT GENETICS abgestimmt. Ein Vorgehen innerhalb des indischen Saatgut-Verbands Association of Seed Industries (ASI) wäre nicht zustande gekommen, da mehrere Unternehmen nach wie vor kein Interesse an dem Thema haben.

Guter Kritiker, böser Kritiker
Wie schon bei früheren Streitthemen bleibt der Konzern bei der Strategie, seine Kritiker in „gut“ und „böse“ aufzuteilen. Während WELTHUNGERHILFE und EINE WELT NETZ zu Gesprächen eingeladen werden, ließ das Unternehmen einen Termin im Bundeswirtschaftsministerium, in dem die OECD-Beschwerde diskutiert werden sollte, platzen. Grund für die Absage: die Teilnahme der COORDINATION, die „ideologisch motivierte Kampagnen“ gegen BAYER führe und die „für uns keine ernstzunehmende und seriöse Organisation“ darstellt. Kein Wort darüber, dass die Veröffentlichungen der CBG die Kampagne in Deutschland überhaupt erst ins Rollen gebracht hatten....

Skepsis bleibt bestehen
Die neue Anbau-Saison beginnt im Juli, so dass im Moment nicht absehbar ist, ob die von BAYER angekündigten Konzepte greifen oder ernst gemeint sind. Auch bleibt unklar, wieweit das Handeln der Unternehmen über einige „Vorzeigeprojekte“ hinaus Erfolg verspricht.
Dr. Venkatesvarlu, dessen Studie die Basis der Kampagne darstellt, äußert Zufriedenheit, dass die meisten Forderungen der MV FOUNDATION erfüllt wurden. Darüberhinaus sei eine Bewertung im Moment jedoch nicht möglich - Venkatesvarlu erinnert daran, dass ähnlich lautende Versprechen aus dem Jahr 2003 nicht umgesetzt wurden und dass „BAYER nur aufgrund des kontinuierlichen Drucks von Gruppen aus ganz Europa“ zu weiteren Zugeständnissen gebracht werden konnte.
Skeptischer äußert sich Rainer Kruse vom GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR: „Multinationale Unternehmen sind auf Profite aus und haben naturgemäß keine altruistischen Ziele. Wenn sie Kooperationen mit NGOs suchen, dann vor allem um ihr öffentliches Image zu verbessern. Alle Organisationen, die gegen Kinderarbeit kämpfen, sollten ihre Unabhängigkeit bewahren und so lange wie nötig öffentlichen Druck auf die Firmen ausüben“. Auch das Prinzip der „Musterdörfer“ kritisiert Kruse: „Die von BAYER angekündigten Extra-Zahlungen an solche Bauern, die keine Kinder einstellen, laufen letztlich darauf hinaus, dass für die Einhaltung der indischen Kinderschutzgesetze ein Bonus bezahlt wird - ein völlig falsches Signal. Zudem hat das Konzept keinen langfristigen Effekt, nach Beendigung des Projekts wird alles wie zuvor sein. Wegen der hohen Kosten ist das Konzept zudem nicht in größeren Regionen nachahmbar. Bonuszahlungen sind das Gegenteil von bewusstseinsbildenden Maßnahmen, die bislang die Stärke der indischen NGOs waren.“ Kruse leitete 26 Jahre lang das Indienreferat von BROT FÜR DIE WELT.

langer Atem nötig
Selbst wenn sich die Situation im indischen Saatgut-Anbau in Bezug auf Kinderarbeit verbessert, ist weiterhin ein langer Atem gefragt. Sprecher von BAYER räumten bereits ein, dass auch im kommenden Jahr Kinder auf Vertragsfarmen arbeiten werden. Auch wurde bereits eine Verlagerung des Problems in andere Regionen Indiens beobachtet.
Die beteiligten Gruppen sind an einer Fortführung der Kampagne interessiert - bleibt zu hoffen, dass die von BAYER betriebene Strategie des „divide et impera“, mit der der Widerstand auseinander dividiert werden soll, nicht aufgeht.

Davos

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 25. Januar 2005

Public Eye Awards für unverantwortliches Konzernverhalten

Übergabe in Davos parallel zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums / BAYER-Konzern nominiert

Am morgigen Mittwoch werden in Davos erstmals die Public Eye Awards für unverantwortliches Konzernverhalten vergeben. Der Preis wird in den Kategorien Menschenrechte, Umwelt, Arbeitsrechte und Steuern vergeben. Nominiert sind rund zwanzig Konzerne, die sozial und ökologisch verantwortliches Verhalten vermissen lassen. Die Verleihung findet zeitgleich zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos statt.

Zu den nominierten Unternehmen gehört auch der deutsche BAYER- Konzern. Ihm werden Kartellabsprachen, Vermarktung hochgefährlicher Pharmaprodukte und Pestizide, Diffamierung von Kritikern, Duldung von Kinderarbeit bei Zulieferern, Betrug am amerikanischen Fürsorgeprogramm MediCare sowie Rohstoffbeschaffung aus Kriegsgebieten vorgeworfen. Die vollständige Nominierung kann im Internet abgerufen werden.

Bereits zum sechsten Mal findet in Davos parallel zum Weltwirtschaftsforum der Kongress Public Eye statt. Dort wird anhand von Fallbeispielen auf die Notwendigkeit einer wirksameren Regulierung wirtschaftlicher Aktivitäten aufmerksam gemacht. Weitere Kandidaten für die Public Eye Awards sind BP, Dow Chemical, Monsanto, Nestlé, Shell, Syngenta, Tchibo, Wal-Mart und Vodafone.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren überwacht: „Codes of Conduct und andere Selbstregulierungsmaßnahmen reichen nicht aus, um Menschenrechte, Arbeitsrechte und Umweltschutz gegen die Allianz aus Wirtschaft und Politik durchzusetzen. Die Diktatur der Profite muss gebrochen werden zugunsten der Rechte von Menschen und Umwelt. Konzerne müssen unter demokratische Kontrolle und Überwachung gestellt werden.“

[Ticker] STICHWORT BAYER 01/2005 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Proteste gegen Arbeitsplatzvernichtung
Mehrere hundert BAYER-Beschäftigte demonstrierten am 10.12.04 mit einer Lichterkette gegen die Vernichtung von 440 Arbeitsplätzen im Wuppertaler Pharma-Zentrum des Konzerns.

CBG bei Anti-Bush-Demo
BAYER hat George W. Bush durch großzügige Wahlkampf-Spenden massiv unterstützt und profitiert im Gegenzug unter anderem von seiner industrie-freundlichen Umwelt-, Pharma- und Steuerpolitik. Darum gehörte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) am 23. Februar 2005 zu den TeilnehmerInnen der Anti-Bush-Demonstration in Mainz.

Betriebsratsvorsitzender kritisiert BAYER
Reinhard Werner, ein Manager des Brunsbütteler BAYER-Werks, hat versucht, die Politik im Allgemeinen und den SPD-Landtagsabgeordneten Wilhelm Malerius im Besonderen für die Arbeitsplatz-Vernichtung beim Chemie-Riesen verantwortlich zu machen. Das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“ und die - inzwischen gestoppte - Ausweisung von mehr Naturschutz-Gebieten führte er als Beispiele für schlechte wirtschaftliche Rahmenbedingungen an. Dieser Vorstoß erboste den Betriebsratsvorsitzenden Hans-Jürgen Möller. „Da werden eigene Unzulänglichkeiten und hausgemachte Probleme anderen in die Schuhe geschoben“, so Möller. Er nahm stattdessen den Chemie-Multi in die Pflicht, kritisierte das Ausbleiben der von BAYER bereits zugesagten 150-Millionen-Euro-Investition in die Fertigung des Kunststoffes TDI und mahnte die Verbesserung der gesamten Produktionskette im Werk an. Die Landespolitik hingegen verteidigte Möller. Dabei wurde allerdings auch unfreiwillig deutlich, wie beflissen diese versucht, dem Leverkusener Chemie-Multi alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen. „Bei der drohenden Ausweisung von Naturschutz-Flächen hat Herr Malerius innerhalb von einer Woche reagiert. Dann war das Problem vom Tisch“, sagte der Gewerkschaftler der Dithmarschener Rundschau.

Errichtung des Mahnpunktes „Zyklon B Dessau“
Der von BAYER mitgegründete Mörder-Konzern IG FARBEN ließ unter anderem in Dessau Zyklon B herstellen. Um das nicht vergessen zu lassen, hat sich in der Stadt die FORSCHUNGSGRUPPE ZYKLON B zusammengefunden. Bereits seit 1996 setzt sie sich für die Errichtung eines Mahnmals ein, sah sich jedoch großen Widerständen in der Stadt gegenüber. Jetzt hat sich die Beharrlichkeit der AntifaschistInnen endlich ausgezahlt. Am 27. Januar 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz, konnten sie den „Informations- und Mahnpunkt Zyklon B Dessau“ einweihen. Eine Skulptur aus Zyklon-B-Behältern erinnert nun an das Menschheitsverbrechen. Genauere Informationen stellt die Website „www.zyklon-b.info“ bereit. Zum nächsten Jahr bereitet die FORSCHUNGSGRUPPE ZYKLON B darüber hinaus die Erstellung einer Broschüre zu dem Thema vor.

BAYER lagert Bhopal-Gift
1984 kamen bei der Explosion eines Chemie-Werkes im indischen Bhopal ca. 20.000 Menschen um. In den darauffolgenden Jahren starben noch hunderte an den Spätfolgen. Bei der damals freigesetzten Chemikalie handelte es sich um Methyl Isocyanat (MIC). Heute verfügt ein US-amerikanisches BAYER-Werk über 90 Prozent des Methyl Isocyanat-Bestandes in dem Land. Im Falle einer Freisetzung sieht die US-Umweltbehörde EPA das Leben von 300.000 Menschen gefährdet. Die AnwohnerInnen haben wegen dieser Gefahren bereits die Bürgerinitiative PEOPLE CONCERNED ABOUT MIC gegründet. Zum 20. Jahrestag der Bhopal-Katastrophe informierte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) die Öffentlichkeit über diese tickende Zeitbombe und forderte BAYER zu Maßnahmen auf.

NATURE ET PROGRES gegen GAUCHO
Durch BAYERs Saatgut-Behandlungsmittel GAUCHO und das zeitweilig ebenfalls zur Produkt-Palette des Konzerns gehörige REGENT kam es in Frankreich vor geraumer Zeit bei 182 Menschen zu Vergiftungserscheinungen. Fast hundert Milliarden Bienen starben. Deshalb ist die Anwendung der chemischen Keule im Nachbarland schon seit geraumer Zeit untersagt. Im Januar 2005 hat der belgische Naturschutzverband NATURE ET PROGRES in einer Petition die Regierung aufgefordert, GAUCHO auch in Belgien zu verbieten.

Aktion zu „60 Jahre Auschwitz-Befreiung“
Am 27. Januar 2005 jährte sich die Befreiung von Auschwitz zum 60. Mal. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) nahm dieses Ereignis zum Anlass, auf die Verbindungen des von BAYER mitgegründeten Mörder-Konzerns IG FARBEN zu Auschwitz hinzuweisen. Die IG FARBEN wirkten bei der Planung des KZs mit, unterhielten mit Monowitz ein eigenes Lager, aus dem sie ZwangsarbeiterInnen für das nahe gelegene Werk rekrutierten und führten mit Gefangenen Medikamenten-Versuche durch. Die Resonanz auf die Öffentlichkeitsarbeit der COORDINATION war groß. Sogar aus Indien erreichte die CBG eine positive Rückmeldung. „Vielen Dank für die Zusendung des Newsletters. Er hat mir die Augen über die Nazi-Vergangenheit von BAYER geöffnet“, bedankte sich der Empfänger.

EINE-WELT-NETZWERK gegen Kinderarbeit
Das Engagement von GERMAN WATCH und COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gegen Kinderarbeit bei den Zulieferern von BAYERs indischer Tochter-Firma PROAGRO hat weitere Aktionen angestoßen. So startete das EINE-WELT-NETZWERK im Februar eine Kampagne zu dem Thema. Sie führt eine Plakat-Aktion durch und ruft zu Protest-Mails an die Adresse der Leverkusener Konzern-Zentrale auf.

Menschenrechtsverletzungen von BAYER
Die Initiative ACTION AID hat in einem Report Menschenrechtsverletzungen von Konzernen dokumentiert. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) lieferte hierfür Material über Vergiftungen durch BAYER-Pestizide. Der vollständige Bericht kann bei der CBG angefordert werden.

CBG-Protest beim LANXESS-Börsengang
BAYER entschied sich Ende 2003, die Chemie- und Teile der Kunststoff-Sparte abzuspalten und unter dem Firmen-Namen LANXESS am 31. Januar 2005 an die Börse zu bringen. Den Weg in die Selbstständigkeit pflastert das Unternehmen mit Rationalisierungsmaßnahmen, Lohn-Kürzungen und Arbeitsplatzvernichtung. Deshalb war die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zum Börsengang in Frankfurt vor Ort und führte gemeinsam mit den ORDENSLEUTEN FÜR DEN FRIEDEN eine Protest-Aktion durch. Eine Kundgebung direkt vor dem Eingang duldete die Polizei nicht. Sie wies den Konzern-KritikerInnen eine abgelegene Stelle am Rande des Vorplatzes zu. Allerdings hatten die OrdnungshüterInnen nicht bedacht, dass sich dort auch die Bulle-und-Bär-Plastik befand, das Börsen-Symbol. Davor wollte sich LANXESS-Chef Axel Heitmann eigentlich telegen ablichten lassen, aber die CBG machte dem Vorstandsvorsitzenden nicht Platz und vermasselte ihm so seinen Medien-Auftritt.

BAYER für „Public Eye Award“ nominiert
Da mag BAYER noch so viel in image-fördernde Greenwashing-Aktivitäten wie dem Beitritt zu „Corporate Accountability“, einer PR-Initiative zu „verantwortungsvollem Unternehmenshandeln“, investieren (siehe PROPAGANDA & MEDIEN), der Konzern belegt doch immer wieder Spitzenplätze in den Hitparaden der Konzerne mit schlechtem Leumund. So war der Leverkusener Chemie-Multi für den am Rande des Davoser Weltwirtschaftsforums verliehenen „Public Eye Award“ nominiert, den besonders rücksichtslose Global Player erhalten. Daran hatte eine von der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) erstellte 7-seitige „Schwarzbuch BAYER“-Aufstellung gehörigen Anteil. Sie führte belastendes Material von Kartell-Absprachen und Vermarktung gefährlicher Arzneien über Kinderarbeit bis zu Kriegsgewinnlertum durch Rohstoff-Beschaffung aus dem Kongo auf.

Wieder Nazi-Demo in Leverkusen
Am 9. November 2004 führten rechte Kräfte in Leverkusen einen Umzug durch. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beteiligte sich an der Antinazi-Kundgebung und stellte eine Strafanzeige, weil die RechtsextremistInnen Sätze wie „Die schönsten Nächte sind aus Kristall“ skandiert hatten (SWB 4/04). Am 29. Januar marschierten die Ewiggestrigen erneut am Stammsitz BAYERs auf. Die CBG organisierte im Rahmen der Vorbereitungen zu den Protesten gegen die NeofaschistInnen die Pressearbeit und nahm an der Gegen-Demonstration teil.

WHO kritisiert BAYER & Co.
Der Europäische Leiter des Umwelt- und Gesundheitsprogrammes der Weltgesundheitsorganisation WHO, Dr. Roberto Bertollini, wirft BAYER und anderen europäischen Chemie-Konzernen vor, in einem beim „Center for Ecotoxicology and Toxicology“ bestellten Report wider besseren Wissens die Kausalbeziehungen zwischen dem Kontakt mit Quecksilber, Blei und Benzol und der Entstehung bestimmter Krankheiten zu leugnen. „Die Industrie leugnet die Zusammenhänge sogar, wenn sie wissenschaftlich belegt sind“, ereifert sich der Mediziner. Bertollini glaubt auch zu wissen, warum BAYER & Co. so handeln. „Ich habe keinen Beweis dafür, aber ich glaube, sie wollen Druck auf die neue EU-Kommission ausüben, um die gesetzlichen Auflagen aufzuweichen“, so der WHO-Wissenschaftler.

KAPITAL & ARBEIT

Brunsbüttel: 225 Jobs weniger
In den kommenden Jahren will BAYER am Standort Brunsbüttel 225 der 827 Arbeitsplätze vernichten, also mehr als ein Viertel. Zudem kündigte der Brunsbütteler Chemie„park“-Leiter Roland Stegmüller an, in Zukunft mehr Aufträge nach außerhalb zu vergeben. „Der Markt hat sich verändert. Heute werden Aufgaben außerhalb der Kern-Kompetenz an spezialisierte Firmen abgegeben, die gleiche Qualität zu niedrigeren Kosten anbieten“, behauptet Stegmüller.

Bestandssicherung bis 2011
Im Brunsbütteler BAYER-Werk kursierten immer wieder Gerüchte über eine Schließung. Jetzt gelang es der Gewerkschaft in einer Betriebsvereinbarung zumindest, den Bestand der vorhandenen Produktionskapazität bis zum Jahr 2011 zu sichern.

LANXESS kürzt Entgelt-Erhöhung
Die nunmehr börsen-notierte BAYER-Abspaltung LANXESS reduziert an allen Ecken und Enden Kosten. An den ausländischen Standorten geht sie dabei noch schonungsloser zu Werke als an den bundesdeutschen. So kürzt sie dort die schon vereinbarten Lohn-Erhöhungen für 2005 nachträglich um 30 Prozent.

Bei BAYER geht die Angst um
„Wir sparen zu Hause jetzt schon, wo es geht“, sagte ein Teilnehmer der Lichterkette gegen die Arbeitsplatzvernichtung im Wuppertaler Pharma-Zentrum (siehe AKTION & KRITIK), um Vorsorge zu treffen in der „für uns alle unsicheren Zeit“. Nach seiner Aussage hat fast jeder BAYER-Beschäftigte Angst um seinen Job. „Die Angst sei da, bei so vielen, sie sei Tag für Tag deutlich zu spüren - bei der Arbeit, in der Mittagspause und auch noch in der Familie daheim“, gibt die Westdeutsche Zeitung seine Worte wieder.

Pseudo-Initiative zur Ausbildung
BAYERs Lehrstellen-Quote liegt unter den 7,1 Prozent, welche die Betriebe im Gebiet Rhein-Wupper durchschnittlich erreichen. Weil der Konzern wegen der dürftigen Zahlen im letzten Jahr fürchtete, eine Ausbildungsplatz-Abgabe von bis zu zwei Millionen Euro zahlen zu müssen, unternahm er einen Vorstoß zur Besänftigung der Politik. Der Leverkusener Chemie-Multi hob das System der Verbund-Lehre aus der Taufe. Er unterstützt Betriebe, die Jugendliche einstellen, finanziell und übernimmt Teile der Ausbildung. Zusätzlicher Vorteil der Entlastungsstrategie: Die Länder beteiligen sich an den Kosten.

Besänftigungsstrategie bei LANXESS
Wie es BAYER gelang, bei der LANXESS-Abspaltung Unruhe in der Belegschaft zu verhindern, schilderte die Berliner Morgenpost. „Um die Arbeitnehmer-Seite beim geplanten Börsen-Gang der Chemie-Sparte LANXESS nicht zum Störfaktor werden zu lassen, wurde ein Erfolg für den Betriebsrat arrangiert. Nur noch 3.000 statt der geplanten 4.000 Stellen sollen an den deutschen Standorten des Konzerns bis Ende 2005 abgebaut werden. Nur beiläufig teilte der Konzern mit, wozu dies führen wird: Ein Großteil der Mitarbeiter wird dem Bereich ‚bedarfsgerechte Einsätze‚ zugeordnet - einer Abteilung, in der es zwar noch Gehalt, aber keine Beschäftigung mehr gibt“, schreibt die Zeitung.

Der Osten als Billiglohnland
Der im Osten vereinbarte Chemie-Tarif beträgt 28 Euro brutto die Stunde. Die ArbeiterInnen im Westen bekommen dagegen 40 Euro. Damit verdienen die Chemie-WerkerInnen in den fünf neuen Bundesländern weniger als ihre US-amerikanischen und japanischen KollegInnen. Und BAYER & Co. sind zuversichtlich, dass sie trotz der bis 2009 avisierten 100-prozentigen Lohn-Angleichung weiter von dem Gefälle profitieren, weil die Belegschaften in Bitterfeld und anderswo 40 Stunden die Woche arbeiten müssen. Trotz dieser paradiesischen Bedingungen vernichteten BAYER & Co. nach der Wende Arbeitsplätze en masse. „Von sechs Arbeitsplätzen blieb im Durchschnitt nur einer übrig“, räumt Rolf Siegert vom „Verband der Chemischen Industrie“ freimütig ein.

„Job-Hemmnis“ Lohn-Angleichung
Georg Frank, Geschäftsführer des Bitterfelder BAYER-Werks, nahm gemeinsam mit Verkehrsminister Manfred Stolpe, dem sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer und Klaus von Dohnanyi an einer Diskussion über den „Aufbau Ost“ teil, die in der Berliner Landesvertretung Sachsen-Anhalts stattfand. Dort wandte er sich vehement gegen die Angleichung der Gehälter in Ost und West. „Der Aufbau von Arbeitsplätzen muss Vorrang vor dem Angleichen der Löhne haben“ forderte der Manager und bezeichnete es als Einstellungshemmnis, „dass wir pro Jahr acht Prozent Lohnkosten-Steigerung haben“. Auch das alte BAYER-Lamento über scheinbar zu hohe Energie-Kosten und die angebliche Blockade-Haltung der Bundesregierung gegenüber der Gentechnik stimmte Frank wieder an.

Entlassung wg. Mülltüten-Klau
Die Mitnahme einer Rolle Mülltüten im Wert von sechs Euro genügte dem Krefelder BAYER-Werk, eine seit 34 Jahren beim Chemie-Multi tätige Frau zu entlassen. Der Betriebsrat kritisierte das Vorgehen, weil es nicht der Verhältnismäßigkeit der Mittel entspräche. Für den Betriebsratsvorsitzenden Peter Kronen ist die Kündigung ein weiteres Zeichen für das rauher gewordene Betriebsklima bei BAYER. Die Betroffene hat vor dem Arbeitsgericht Widerspruch gegen die Entscheidung eingelegt.

Rationalisierungsgewinn bei der Buchhaltung
Im Jahr 2001 fasste BAYER das gesamte Rechnungswesen für die nicht-deutschen Niederlassungen in Barcelona zusammen, was zu Streiks und Protesten bei MitarbeiterInnen führte (Ticker 3/01), weil sie um ihre Stellen fürchteten. Zu Recht, denn die vom Leverkusener Chemie-Multi erzielte 30-prozentige Kosten-Ersparnis durch die Verlagerung der Buchhaltung nach Barcelona dürfte zum größten Teil auf die Vernichtung von Arbeitsplätzen zurückgehen.

Immer mehr Call-Center-Jobs
Bei BAYER nimmt die Zahl der Telefon-Arbeitsplätze zu. Allein am Standort Leverkusen verfügt der Call-Center über 320 MitarbeiterInnen. Zusätzlich hat das Unternehmen ein Teil dieser Aktivitäten ausgelagert und leitet Servicenummer-Anrufe direkt an freie „Call-Center-AgentInnen“ weiter, die der Konzern nicht nach Chemie-Tarifen bezahlen muss.

Neues Aktien-Programm
Im Jahr 2004 bot BAYER den MitarbeiterInnen wieder Aktien-Programme an. Die Beschäftigten konnten die Unternehmenspapiere vergünstigt mit einem Abschlag von 6,75 Euro auf den Kurswert kaufen. Nach Angaben des Konzerns besitzen 55.000 Belegschaftsangehörige und Ehemalige BAYER-Wertpapiere. Mit 15,3 Millionen Aktien halten sie rund zwei Prozent des Kapitals. Teilhabe bedeutet dies jedoch nicht, denn nur Großaktionäre wie Banken, Pensionsfonds und Versicherungen bestimmen die Geschicke des Chemie-Multis.

1 Million weniger für Vereine
BAYER unterstützt nicht nur Sport-Clubs, sondern auch Kultur- und Hobby-Vereine. Aber wie jene leiden auch diese unter dem Einspar-Programm des Konzerns. So stellt der Leverkusener Chemie-Multi anno 2005 eine Million Euro weniger als 2004 zur Förderung von Freizeit-Aktivitäten zur Verfügung.

BAYER schließt Werksbibliothek
Der soziale Kahlschlag beim Leverkusener Chemie-Multi geht weiter. Nach der Schließung des Carl-Duisberg-Bades, der „Galerie am Werk“ und dem Aus für das Kleinkunst-Programm muss demnächst wohl die Werksbibliothek dran glauben. 102 Jahre hat der Konzern sie unterhalten, jetzt aber mag er die nötigen 500.000 Euro nicht mehr aufbringen. Für die Bücherei mit 240.000 Ausleihen pro Jahr ist es ein Tod auf Raten. Bereits 1998 machte der Pharma-Riese die Filialen an anderen Standorten dicht und verringerte die Bestände. Dreisterweise schiebt BAYER die Schuld auch noch auf LANXESS und andere im Chemie-„Park“ angesiedelte Unternehmen, weil sie sich an den Kosten nicht mehr beteiligen wollten. Die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine von zwei oppositionellen Betriebsratsgruppen im Leverkusener BAYER-Werk, protestierten gegen die Pläne. „Wir erwarten und fordern, dass der BAYER-Vorstand diese Überlegungen beerdigt und der Belegschaft den Erhalt der Bücherei zusichert“, sagte Klaus Jagusch.

ERSTE & DRITTE WELT

BAYER will Patente in Indien
Der von der Welthandelsorganisation WTO geschlossene TRIPS-Vertrag zum Schutz des geistigen Eigentums verhindert die Versorgung der armen Länder mit erschwinglichen Medikamenten, weil der 20 Jahre geltende Patentschutz die Preise hochtreibt und die Produktion von Nachahmer-Produkten unterbindet. Indien muss die Vereinbarung ab diesem Jahr umsetzen und dürfte deshalb schnell aus der Gruppe der Länder mit den weltweit niedrigsten Medikamenten-Preisen herausfallen. Aber Big Pharma reicht diese neuere Arzneien betreffende Regelung nicht. Sie möchten auch den Schutz ihrer Zulassungsanträge erreichen und damit die nach Ablauf des Schutzes mögliche Produktion von Nachahmer-Präparaten hinauszögern. Darüber hinaus beabsichtigten die Konzerne, Patente auch für ältere Pillen durchzusetzen. BAYER, ELI LILLY und NOVARTIS haben bereits entsprechende Anträge gestellt.

Kongo: Entwicklungshilfe für BAYER
Der Kongo stellt für BAYERs Tochter-Firma HC STARCK wegen des großen Coltan-Vorkommens ein wichtiges Rohstoff-Reservoir dar. Deshalb machte sie auch während des Bürgerkrieges Geschäfte mit den dortigen Warlords und finanzierte damit deren blutiges Treiben. Der Bundesregierung zufolge kann das Land nach Beendigung des Konflikts aufgrund seiner „Größe, des Rohstoff-Reichtums und der zentralen Lage an politischem und wirtschaftlichem Gewicht erheblich gewinnen“. Deshalb verstärkt sie nach Informationen von „www.german-foreign-policy.com“ ihre Aktivitäten in der Region. Vermittlungsgespräche mit den Kriegsparteien und Hilfslieferungen sollen den bundesdeutschen Einfluss in Friedenszeiten stärken und HC STARCK langfristig den Zugang zu Coltan sichern.

IG FARBEN & HEUTE

Beschönigende IG-Ausstellung
Das ehemalige Frankfurter Hauptverwaltungsgebäude des von BAYER mitgegründeten Mörder-Multis IG FARBEN ging 2001 in den Besitz der Universität über. Mit der Dauerausstellung „Von der Grüneburg zum Campus Westend“ wollte die Hochschul-Leitung ihrer „selbstverständlichen Verpflichtung“ nachkommen, an die Verbrechen des Konzerns im Nationalsozialismus zu erinnern. Die von der Agentur „Kontor für Geschichte“ konzipierte und vom „Verband der Chemischen Industrie“ großzügig unterstützte Schau verharmlost die IG-FARBEN-Geschichte allerdings in skandalöser Weise, wie Peter Heinelt in Konkret 1/05 schreibt. Nach Darstellung der Geschichtsagentur hat es erst nach dem Wahlsieg der NSDAP erste Kontakte zwischen der Firmen-Leitung und der Partei gegeben - und dazu ganz unverbindliche: „Stagnierende Produktion, finanzielle Einbußen und die wachsende Arbeitslosigkeit steigern das Interesse der IG an Hitlers wirtschaftspolitischen Plänen“. Die Existenz einer mindestens seit Anfang der 30er Jahre existierenden strategischen Allianz verschweigen die Ausstellungsmacherinnen. In Übereinstimmung mit den Expansionsplänen der Nazis träumte IG-Chef Carl Duisberg schon 1931 von der Schaffung eines „geschlossenen Wirtschaftsblocks von Bordeaux bis Odessa“. In diesem Jahr begannen die IG FARBEN auch, den Wahlkampf der NS-Partei mit Spenden zu finanzieren. Auf die zentrale Bedeutung des Unternehmens bei der Versorgung des Staates mit kriegswichtigen Gütern geht die Ausstellung ebenfalls nicht ein. Selbst bei dem dunkelsten Kapitel der dunklen Firmen-Historie - der Einrichtung des konzern-eigenen KZ Monowitz - betreibt das „Kontor für Geschichte“ noch Geschichtsklitterung. Nach der wahrheitswidrigen Auffassung der GeschichtswissenschaftlerInnen haben nämlich nicht IG-Mitarbeiter die ausgezehrten ZwangsarbeiterInnen ausgesondert und damit ihr schließlich in den Gaskammern von Auschwitz vollstrecktes Todes-Urteil gesprochen, sondern SS-Männer. Darüber hinaus behelligen die KontoristInnen die BesucherInnen auch noch mit dem privaten Carl Duisberg und zeigen den Parteigänger Hitlers als passionierten Käfersammler, was so einiges über die Perspektive der GeschichtsdienstleisterInnen verrät.

POLITIK & EINFLUSS

Clement für Steuerreform
Wirtschaftsminister Wolfgang Clement will das Geld, das die Bundesregierung durch Hartz IV bei den Ärmsten der Armen gespart hat, gleich an BAYER & Co. weiterreichen. Er trat für eine Reform der Unternehmenssteuer ein. „Wir sind nominell in der Unternehmensbesteuerung zu hoch geraten“, erklärte er. Dabei zahlen im EU-Vergleich aufgrund der zahlreichen Schlupflöcher nur noch griechische Multis weniger Abgaben als die bundesdeutschen (SWB 4/04), weshalb sich der „Bundesverband der Deutschen Industrie“ auch vehement gegen eine Mindestbesteuerung ausspricht. Die paradiesischen Zustände schuf der ehemalige Steuer-Chef BAYERs, Heribert Zitzelsberger, im Jahr 2001 als Staatssekretär im Finanzministerium mit seiner Unternehmenssteuer-„Reform“. Sie führte bis 2003 zu Einnahme-Ausfällen des Bundes von mehr als 50 Milliarden Euro - und schuf keinen einzigen Arbeitsplatz. Trotzdem zeigte sich Gerhard Schröder den Plänen Clements gegenüber nicht abgeneigt, er wollte aber nichts überstürzen. So einigte sich die SPD Ende Februar darauf, den Sachverständigen-Rat ein Sondergutachten zur Veränderung des Steuer-Rechts ausarbeiten zu lassen.

Simonis‘ „frohe Botschaft“
Die EU-Kommission will in Norddeutschland Elbe und Umgebung gemäß der „Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie“ zum Naturschutzgebiet erklären. BAYER intervenierte sofort bei der Landesregierung, welche die Unterelbe-Region dem zuständigen Gremium der Europäischen Union dann auch prompt nicht als in Frage kommendes Gebiet meldete. Bei ihrem Besuch des Brunsbütteler BAYER-Werkes sicherte Ministerpräsidentin Heide Simonis dem Chemie-Multi weitere Unterstützung bei der Verhinderung von Naturschutz zu. „Wir dürfen Brüssel keinen Vorwand liefern, hier eingreifen zu müssen“, meinte die Landesmutter. Zudem versprach sie der Konzern-Leitung, Genehmigungsverfahren zum Bau neuer Anlagen industrie-freundlicher zu gestalten.

BAYER-Druck wg. B5-Ausbau
Das Brunsbütteler BAYER-Werk übt massiven Druck auf die Politik aus, um den Ausbau der Bundesstraße B5 voranzutreiben. Die Kreistagssprecherin Ilona Adamski (SPD) beklagte sich gegenüber der Presse über die Erpressung: „BAYER sagt: Macht bis 2007 etwas mit der B5, oder wir ziehen ab!“. Der Chemie-Multi weist jedoch scheinheilig alle Schuld von sich. „Die B5 hat für uns gar keine Priorität. Für uns zählt vor allem der Bau der A 20“, so Konzern-Sprecher Reinhard Werner.

Leverkusens OB traf Wenning
Kaum war der SPD-Politiker Ernst Küchler in Leverkusen zum neuen Oberbürgermeister gewählt, da machte er auch schon einen Antrittsbesuch bei BAYER-Chef Werner Wenning. Die beiden sprachen über das Verhältnis von Kommune und Konzern und präsentierten der Presse als Ergebnis ihres Dialogs die nichtssagende diplomatische Formel, die Beziehungen zwischen der Stadt und der BAYER AG weiterentwickeln zu wollen.

Chinesischer Botschafter bei BAYER
Im März 2004 besuchte der chinesische Botschafter Ma Canrong das Wiesdorfer BAYER-Werk und trug sich dort in das Goldene Buch des Chemie-Multis ein.

Zeng Peiyan bei BAYER
Ende November 2004 besuchte der stellvertretende Ministerpräsident Chinas, Zeng Peiyan, in Begleitung von Ma Canrong, dem Botschafter des Landes in der Bundesrepublik, und einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation das Brunsbütteler BAYER-Werk. Dort machte ihm dann der schleswig-holsteinische Wirtschaftsminister Dr. Bernd Rohwer seine Aufwartung. Der Presse gegenüber betonte BAYER-Chef Werner Wenning noch einmal, welche Bedeutung China als wichtigster Zukunftsmarkt für den Leverkusener Chemie-Multi besitzt. Im letzten Jahr machte der Konzern dort einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro.

Schmoldt für Freiland-Versuche
Der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE)-Vorsitzende Hubertus Schmoldt sitzt im BAYER-Aufsichtsrat und hat sich damit den Unternehmenszielen des Chemie-Multis verpflichtet. Darum rührt er in der Öffentlichkeit auch kräftig die Werbetrommel für die „grüne Gentechnik“, ohne einen blassen Schimmer von der Materie zu haben. Auf einer Regional-Konferenz der IG BCE phantasierte er über neue Arbeitsplätze durch die Risiko-Technologie und warnte die GRÜNEN vor einer Nicht-Genehmigung der Freisetzungsversuche, die „ein großes NRW-Unternehmen mit B“ plane. Auch die freischaffenden Gentechnik-GegnerInnen knöpfte sich der Lieblingsgewerkschaftler der Unternehmer vor: „Wer Versuchsfelder zertrampelt, zertrampelt am Ende auch Chancen für Deutschland“.

Schartau besucht Chemie-Forum
Beim fünften Chemie-Forum, das BAYER und andere der im Verband „ChemCologne“ zusammengeschlossenen Unternehmen der Region organisiert haben, konnten die Chemie-Firmen NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau begrüßen. Auf der Veranstaltung im Leverkusener BayKomm sicherte der SPD-Politiker BAYER & Co. unter anderem die finanzielle Unterstützung des Landes beim Bau einer Pipeline von Antwerpen nach Nordrhein-Westfalen zu.

BAYER-Mann UN-Berater
Dr. Wolfgang Kern, Leiter der Vorstands- und Technologie-Kommunikation bei BAYER CROPSCIENCE, ist ein leidenschaftlicher Propagandist der „grünen Gentechnik“. Er tritt bei Bauernvereinen auf und spricht dort über die Zukunftsperspektiven der deutschen Landwirtschaft vor dem Hintergrund globaler und regionaler Entwicklungen„, die natürlich nur Gen-Pflanzen made by BAYER eröffnen und hat es sogar bis zum Berater der UN in Ernährungsfragen gebracht.

Wenning in Top 12 der Wirtschaftsbosse
Die Zeitung euro zählt den BAYER-Chef Werner Wenning zu den 12 einflussreichsten Konzern-Lenkern der Bundesrepublik und verlieh ihm das Attribut “Der radikale Chemiker„. Passend dazu stellt für die Publikation Nordrhein-Westfalen das Wirtschaftsmacht-Zentrum der Bundesrepublik dar. Dem BAYER-Intimus Wolfgang Clement schreibt sie das zweifelhafte Verdienst zu, die “Macht am Rhein„ gehalten und ausgebaut zu haben.

IHK-Sitz für BAYER-Manager
Der Geschäftsführer von BAYER INDUSTRY SERVICES, Dr. Jürgen Hinz, hat bei der Vollversammlungswahl der nordrhein-westfälischen “Industrie- und Handelskammer„ einen Sitz errungen und vertritt nun mit vier weiteren Delegierten das Produzierende Gewerbe aus dem Raum “Leverkusen/Rheinisch-Bergischer Kreis„.

BAYER & Co. drücken Kurth durch
Der bisherige Präsident des “Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizin-Produkte„ (BfArM), Prof. Harald Schweim, fand nicht das Gefallen der Pharma-Industrie (Ticker 2/04). Deshalb bewegten BAYER & Co. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, ihn abzusetzen und einen ihnen genehmen Nachfolger zu nominieren. Der neue kommissarische Chef der Behörde, Reinhard Kurth, hat vorteilhafterweise nicht so viel Zeit für seinen Job, weil er Leiter des “Robert-Koch-Institutes„ bleibt. Die von ihm angekündigten Reformen lassen die Herzen der Pharma-Industrie jedoch schon einmal höher schlagen. So sprach Kurth sich für die Schaffung eines Vorstandes aus und hatte auch schon Ideen für die Besetzung. Es könne durchaus auch “jemand Hochrangiges aus (...) der Industrie„ sein, meinte er laut Pharma-Brief 9-10/2004. Vor allem an der Beschleunigung der Zulassungsverfahren dürfte der neue Leiter Pharma-GAUs wie dem LIPOBAY-Skandal zum Trotz arbeiten.

NRW gliedert Schuldienst aus
Nordrhein-Westfalens BildungspolitikerInnen haben kein Problem damit, BAYER einen Teil des Lehr-Angebots bestreiten zu lassen. Aus Anlass der Einweihung eines neuen Gen-Labors für SchülerInnen in Leverkusen bekundete die Schulministeriumssprecherin Heike Götte, diese enge Kooperation der privaten Wirtschaft mit dem öffentlichen Bildungssystem leiste einen wertvollen Betrag zum naturwissenschaftlichen Unterricht. Die ebenfalls anwesenden VertreterInnen der Kölner und Düsseldorfer Bezirksregierungen teilten ihre Auffassung, und auch die Presse jublilierte. “Gen-Manipulation ist schon im Schüler-Labor machbar„, frohlockte der Leverkusener Anzeiger und fand nichts Anstößiges an der Ausbildung von bereits über 460.000 BAYER-MutantInnen in den Konzern-Labors.

Regierungspräsident bei BAYER
Der Regierungspräsident Jürgen Roters weihte BAYERs neuen Container-Terminal auf dem Gelände des Leverkusener Chemie-“Parks„ ein und zeigte sich begeistert: “Investitionen wie diese zeigen deutlich, wie das Ergebnis einer unternehmerischen Initiative aussehen kann, die sich an Markt-Entwicklungen, Kunden-Bedarf und Anlagen-Sicherheit orientiert„. Mit der Sicherheit des Terminals scheint es aber nicht so weit her zu sein: Noch wenige Stunden vor der offiziellen Inbetriebnahme kam es zu einem Unfall mit einem Container, bei dem das Brand-Früherkennungssystem seinen ersten Einsatz hatte.

Gute KritikerInnen, schlechte KritikerInnen
Die IFPMA als internationaler Verband von BAYER und den anderen Pharma-Riesen plant, ihre Strategie gegenüber KritikerInnen zu ändern. Sie erhöhte ihren “Dialüg„-Etat und will eine Spaltung der kritischen Gruppen in gute und schlechte betreiben. Gute Initiativen sind nach Ansicht des Lobby-Clubs solche, “die bereit sind, ihre Ansichten auszutauschen und zu einem besseren Verständnis der Industrie zu kommen„. Gegen die übrigen unabhängigen Nichtregierungsorganisationen empfahl ein Berater vom konservativen “American Enterprise Institute„ der IFPMA ein harsches Vorgehen: “Erkenne deine Feinde und neutralisiere sie, und handele, bevor sie es tun!„.

Handelsverträge made by BAYER
BAYER & Co. haben einen großen Einfluss auf die Gestaltung der Handelsverträge, welche die USA mit anderen Nationen schließt. In den entsprechenden Berater-Gremien sitzen bis zu 16 RepräsentantInnen von Big Pharma. Sie sorgen unter anderem für rigide Patent-Regeln, die in den Ländern der Dritten Welt den Zugang zu erschwinglichen Arzneien erschweren. Zudem blockieren die Industrie-Emissäre den Aufbau eines effizienten staatlichen Gesundheitssystems in den betreffenden Ländern und verhindern strenge Regelungen zur Lebensmittelsicherheit, da BAYER & Co. so etwas als “Handelshemmnisse„ betrachten.

Bush schränkt Sammelklagen ein
Die von LIPOBAY-Geschädigten eingereichten Sammelklagen haben den Leverkusener Chemie-Multi bisher über eine Milliarde Dollar gekostet. In Zukunft dürfte der Konzern bei Pharma-GAUs deutlich billiger wegkommen. Der von BAYER großzügig mit Wahlkampf-Spenden bedachte George W. Bush schränkt nämlich die Möglichkeit, Schadensersatz-Ansprüche gegen große Unternehmen durchzusetzen, drastisch ein. Übersteigt der Streitwert fünf Millionen Dollar, sind nach einem neuen Gesetz automatisch die Bundesgerichte zuständig - und die wiesen bereits in der Vergangenheit viele Klagen aus spitzfindigen formaljuristischen Gründen ab.

PROPAGANDA & MEDIEN

BAYER wäscht sich grün
Je weniger BAYER real die Anfordungen an eine umweltbewusste Konzern-Politik erfüllt, wie nicht nur die zunehmende Zahl der Störfälle zeigt, desto mehr Arbeit steckt er ins image-fördernde “Greenwashing„. So gehört der Leverkusener Chemie-Multi zu den Mitbegründern von “Econsense - Forum für nachhaltige Entwicklung„ und nutzt die Veröffentlichungen der Organisation als Werbe-Plattform zur Präsentation seiner “Umwelt-BotschaftlerInnen„. Zudem beteiligte sich der Agro-Riese an “Corporate Accountability„ einer PR-Initiative zu “verantwortlichem Unternehmenshandeln„.

BAYER spendet Computer
Mit der Spende von 70 PCs und Laptops an den Förderverein “Schulnetz Leverkusen„ betreibt BAYER mal wieder Schulpolitik. “Computer-Kenntnisse sind heute unverzichtbar und werden von uns als Arbeitgeber auch erwartet„, sagte der Leverkusener Chemie“park„-Leiter Heinz Bahnmüller bei der Übergabe des Geschenks und enthüllte damit die niederen Beweggründe der noblen Geste.

TIERE & ARZNEIEN

BAYER bei Tier-Arzneien Nr. 4
Die Veterinär-Sparte BAYER ANIMAL HEALTH machte 2003 einen Umsatz von 800 Millionen Euro. Damit ist sie die Nr. 4 auf dem Weltmarkt.

DRUGS & PILLS

Aus für REPINOTAN
BAYER hat die Medikamenten-Versuche mit dem Schlaganfall-Mittel REPINOTAN abgebrochen. “Eine kürzlich durchgeführte Phase IIb-Studie mit REPINOTAN hat nicht die erhofften Ergebnisse gebracht„, verlautbarte das Unternehmen. Nun befindet sich nur noch die Krebs-Arznei BAY 43-9006 in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Für die Financial Times Deutschland demonstriert die Schlappe das besondere Risiko von BAYERs neuer Pharma-Strategie, die Forschung zurückzufahren und sich nur noch auf vier Therapie-Gebiete zu beschränken.

ASPIRIN schädigt Darmwand
Die Liste der Nebenwirkungen von ASPIRIN ist lang. Das Schmerzmittel kann unter anderem das Schlaganfall-Risiko erhöhen, Nieren-Erkrankungen verschlimmern, Kopfschmerzen und Magenbluten auslösen und bei Kindern zum Reye-Syndrom führen, einer Leber- und Gehirn befallenden Krankheit. Eine Untersuchung des Magen-Spezialisten David Graham vom “Veterans Affairs Medical Center„ im texanischen Houston fügte dem “Schwarzbuch ASPIRIN„ jetzt ein weiteres Kapitel zu. Nach seiner Studie führte die Einnahme von ASPIRIN bei 70 Prozent der ProbantInnen mit Gelenk-Beschwerden zu einer Schädigung der Darm-Schleimhaut.

ASPIRIN bekommt Sonderstatus
Pharma-Konzerne betrachten es nicht als ihre ureigene Aufgabe, Arzneien zur Behandlung von möglichst vielen Krankheiten zu erfinden. Sie wollen lediglich Medikamente zur Therapie der verbreitesten Gesundheitsstörungen entwickeln, weil nur das genügend Profit verspricht. Deshalb müssen die GesundheitspolitikerInnen solche Arzneien subventionieren. Diese Aufgabe erfüllt die Verleihung des Orphan-Drug-Status (orphan = engl. Waise). Ein solches Prädikat bekam BAYER jetzt von der Europäischen Union für ihren Tausendsassa ASPIRIN verliehen. Nach Meinung der EU-ExpertInnen kann es bei der Therapie der Blutzellen-Erkrankung Polycythemia vera ergänzend eingesetzt werden, um das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko der PatientInnen zu senken. Der Leverkusener Chemie-Multi kommt so in den Genuss einer verlängerten Patent-Laufzeit und geringerer Zulassungsgebühren für das Polycythemia-vera-ASPIRIN. Mit dieser Entscheidung setzen sich die EU-PolitikerInnen über die Meinung vieler WissenschaftlerInnen hinweg, die massive Zweifel an solch einer vorbeugenden Wirkung des Präparats haben.

Mehr Herzschlag-Risiken, mehr ASPIRIN
Ob ASPIRIN ein sinnvolles Medikament zur Verhütung von Herz/Kreislauf-Erkrankungen ist, diskutiert die medizinische Fachwelt äußerst kontrovers. Trotzdem versucht der Leverkusener Chemie-Multi, die Arznei in diesem Anwendungsbereich als ASPIRIN PROTECT möglichst großflächig an den Mann und an die Frau zu bringen. Dem Pharma-Riesen zufolge weisen nämlich 42 Prozent der über 40-jährigen Personen ein erhöhtes Gefährdungspotential auf. Und nach einer von BAYER in Auftrag gegebenen Untersuchung nehmen nur 43 Prozent dieser Gruppe ASPIRIN zu Präventionszwecken ein. Also ruft der Konzern in Tateinheit mit der von ihr großzügig unterstützten AMERICAN HEART ASSOCIATION zu einem vermehrten Konsum des Tausendsassas auf. Diese mehr als zweifelhafte Empfehlung beruht auf einem “erweiterten Risiko-Begriff„. BAYER zählt nämlich alle Menschen, die einer um 10 Prozent höheren Herzinfarkt-Gefahr als der Durchschnitt ausgesetzt sind, zur ASPIRIN-Zielgruppe. Dazu reicht es oft schon zu rauchen, an Diabetes zu leiden, einen erhöhten Blutdruck zu haben, schlechte Cholesterin-Werte aufzuweisen oder zu viel Gewicht auf die Waage zu bringen.

ASPIRIN: Gefährliche Kombinationswirkungen
Magenblutungen zählen zu den bekannten Nebenwirkungen von ASPIRIN. Schluckt eine Person parallel zu diesem Präparat noch andere Medikamente, so steigt diese Gefahr zusätzlich. “Wer zum Beispiel ASPIRIN und ein Rheuma-Mittel gleichzeitig einnimmt, hat ein erhöhtes Risiko von Magenblutungen„, warnt der Pharma-Experte Gunter Hopf von der “Ärztekammer Nordrhein„.

Neuer Diabetes-Wirkstoff
Das Biotech-Unternehmen CURAGEN hatte im Auftrag BAYERs ein Protein identifiziert, das angeblich Einfluss auf den Krankheitsverlauf von Diabetes hat (Ticker 4/01). Der Leverkusener Chemie-Multi hat nun einen Wirkstoff entwickelt, der den Stoffwechsel dieses Proteins beeinflusst und ihn in die präklinische Test-Phase eingebracht. Es gibt zwar schon genügend Präparate zur Behandlung der Zuckerkrankheit, aber der Pharma-Riese sieht noch Marktlücken. Dem Konzern zufolge haben viele gängige Medikamenten nämlich angeblich den Nachteil, das Senken des Blutzuckerspiegels nicht ausreichend steuern zu können, weshalb das Risiko gefährlicher Unterzuckerungen besteht.

Krebsmittel aus Taxol
BAYER forscht an einem Krebs-Medikament auf Taxol-Basis. Taxol ist ein Wirkstoff, der sich aus Rinde und Nadeln der kanadischen Eibe gewinnen lässt. Sollte der Baum-Stoff wirklich einmal Markt-Reife erlangen, dürfte ihn der Pharma-Riese sicherlich als Naturstoff anpreisen, obwohl der BAYER-Pharmakologe Thomas Henkel sich differenzierter äußert. “Die Natur dient als Ideengeber. Wir versuchen, den Naturstoff chemisch nachzubauen„, so Henkel. Nichts anderes hat die Chemie-Industrie ihr ganzes Leben lang getan, angefangen von der Produktion synthetischer Farbstoffe.

KOGENATE bei vielen wirkungslos
BAYERs Blutgerinnungsmittel KOGENATE hilft bei 25 Prozent aller Bluter nicht. Bei diesen Patienten bildet das Immun-System Antikörper gegen KOGENATEs Gerinnungsfaktor VIII und neutralisiert ihn damit. Das Risiko gefährlicher Blutungen bleibt so weiter bestehen. Der Pharma-Riese unterstützt nun ein Forschungsvorhaben mit dem “Special Project Award„, das nach Mitteln und Wegen sucht, diese häufig auftretende Komplikation zu verhindern.

KOGENATE: Neue Darreichungsform

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BAYER hat von der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMEA die EU-weite Zulassung für eine neue KOGENATE-Darreichungsform erhalten. Der Leverkusener Chemie-Multi bietet das Präparat, das Bluter mit dem ihnen fehlenden Gerinnungsfaktor VIII versorgt, nunmehr auch in einem Fertigset mit eingebauter Spritze an.

KOGENATE: Neue Darreichungsform

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BAYER hat die niederländische Firma ZILIP PHARMA beauftragt, die Darreichungsform für das Bluter-Mittel auf der Grundlage einer von dem Unternehmen neu entwickelten Technologie so zu ändern, dass Patienten nicht mehr einmal täglich, sondern nur noch einmal in der Woche eine Spritze benötigen.

Studie fördert ADALAT-Image
Das blutdruck-senkende Mittel ADALAT (Wirkstoff: Nifedipin) fährt für BAYER die zweitgrößten Umsätze im Arznei-Bereich ein. Der Ruf hat aber stark gelitten. Bereits 1999 schätzte der Mediziner Peter Sawicki, heute Leiter des “Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen„, die Zahl der auf das Konto von ADALAT und anderen Kalzium-Antagonisten gehenden Todesfälle ab 1979 auf 20.000. Darum entschloss sich der Pharma-Riese zu einer Image-Korrektur, fabrizierte eine länger wirkende ADALAT-Art und gab eine medizinische Studie in Auftrag. Sie lieferte prompt auch das gewünschte Ergebnis. Die Untersuchung bescheinigte dem Präparat, Herz- und Schlaganfälle zu verhindern und die Risiken und Nebenwirkungen der alten Version abgestellt zu haben. An der Glaubwürdigkeit dieses Urteils bestehen allerdings wie bei allen industrie-finanzierten Tests große Zweifel.

LEVITRA-Rechte zurückgekauft
BAYERs Potenz-Mittel LEVITRA hat die hoch gesteckten Erwartungen bisher nicht erfüllt. Eine Milliarde Euro Umsatz pro Jahr wollte das Management mit der Pille gegen “erektile Dysfunktion„ machen, schlappe 133 Millionen waren es dagegen im Geschäftsjahr 2003. Der Markt-Anteil beträgt lediglich 12 Prozent. “Nicht so wie ursprünglich gesehen„ entwickelte sich das Geschäft mit dem Lifestyle-Präparat, räumte BAYER-Chef Werner Wenning dann auch ein. Darum ändert der Konzern die Vermarktungsstrategie und kaufte von GLAXOSMITHKLINE (GSK) für 208 Millionen Euro die Vertriebsrechte für Kanada, Europa, Asien, Afrika und Lateinamerika zurück. Nur in den USA bleibt die LEVITRA-Distribution in der Hand von GSK.

Weniger Forschung, mehr Lizenzen
BAYER hat die Forschungsanstrengungen im Pharma-Bereich auf vier Therapie-Gebiete reduziert, was viele Arbeitsplätze kostete (Ticker 4/04). Der Konzern will stattdessen die Früchte fremder Arbeit ernten und verstärkt Lizenzen für kurz vor der Marktreife stehende Arzneien zukaufen, wie der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning gegenüber der Presse bekannt gab.

Weniger Forschung, mehr Zweitverwertung
BAYER hat im Arznei-Sektor die wissenschaftlichen Anstrengungen zur Entwicklung neuer Medikamente auf vier Therapie-Felder beschränkt. Dafür will der Konzern die Zweitverwertung seiner Arzneien professionalisieren. Dazu hat der Pharma-Riese in Wuppertal eine Abteilung für “produkt-begleitende Forschung„ eingerichtet. Sie soll unter anderem neue Anwendungsmöglichkeiten für alte Pillen finden und so ihre Patent-Laufzeit, die Lizenz für überteuerte Monopol-Preise, verlängern. Die Krankenkassen kostet dieses Arznei-Recycling, das der Leverkusener Chemie-Multi “Life-Cycle-Management„ nennt, Millionen-Summen.

BAYER macht Infarkt-Diagnose
BAYER unterzeichnete mit der PES DIAGNOSESYSTEME GmbH und der an dem Unternehmen beteiligten SIEMENS AG einen Kooperationsvertrag. Nach dieser Vereinbarung vertreibt BAYER HEALTHCARE zukünfig eine von PES entwickelte Apparatur, die bei der Diagnose akuter Herzinfarkte zum Einsatz kommen soll.

Zulassung für Hepatitis-B-Test
Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat BAYER die Zulassung für einen Hepatitis-B-Test erteilt, mit dem MedizinerInnen den Gesundheitszustand von PatientInnen bestimmen können, die an dieser Form von Gelbsucht leiden.

Pharma-Allianz kostet Umsatz
Nach dem LIPOBAY-Skandal entschloss BAYER sich, den Pharma-Bereich zu verkleinern. Im Zuge dieser Maßnahmen gab der Chemie-Multi in den USA seinen eigenen Pillen-Vertrieb auf und ging eine Allianz mit SCHERING-PLOUGH ein (Ticker 4/04). Dadurch muss der Konzern finanzielle Einbußen hinnehmen. Er beziffert den Umsatz-Verlust in der Sparte Pharma/Biologische Produkte exklusive Blutplasma insgesamt auf fünf bis sieben Prozent.

Leere Pharma-Pipeline
Mit dem Krebsmittel BAY 43-9006 befindet sich derzeit nur eine Arznei des Leverkusener Chemie-Multis in der fortgeschrittenen klinischen Entwicklungsphase III. Drei Kandidaten durchlaufen gerade die Phase II und elf die Phase I. Vorklinische Experimente machen die BAYER-PharmazeutInnen mit 18 Substanzen.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

BAYER profitiert von “Asiatischem Rost„
Auf Soja-Feldern in Lateinamerika grassiert die Pilz-Krankheit “Asiatischer Rost„ und vernichtet einen beträchtlichen Teil der Ernte. Der BAYER-Konzern als Agrochemikalien-Marktführer auf dem Kontinent profitiert von der Lage. In Brasilien steigerte sich der FOLICUR-Umsatz vom zweiten zum dritten Quartal 2004 um 44 Prozent auf 88 Millionen Euro. Mittlerweile haben sich Sporen des Rostes auch bis in die USA hinein verbreitet. Deshalb erteilen die Behörden Sonderzulassungen für den Einsatz von FOLICUR und STRATEGO auf Soja-Kulturen, was große Geschäfte verspricht.

Mehr Biozide aus Nordamerika
Im Jahr 2002 hat BAYER die Biozid-Sparte von ONDEO NALCO übernommen. Die gefährlichen Substanzen auf Basis von Thiabendazol oder Dibromdicyanobutan verhindern die Entstehung von Bakterien, Schimmelpilze oder Hefen, können beim Menschen aber Vergiftungserscheinungen auslösen. Der Leverkusener Multi liefert die Chemikalien Industrie-Kunden, welche die Stoffe dann Farben, Lacken, Kunststoffen, Klebstoffen, Papieren oder anderen Produkten beimengen. Da die Geschäfte gut laufen, will der Konzern die Produktionsstätte in Wellford, South Carolina für 0,5 Millionen Dollar ausbauen und die Produkte mit den Namen TEKTAMER, METASOL und BIOCHEK verstärkt auch in Europa und Asien anbieten.

Genehmigung für PROLINE
Das “Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel-Sicherheit„ hat BAYERs Anti-Pilzmittel PROLINE die Zulassung erteilt. Der Leverkusener Chemie-Multi will das Fungizid hauptsächlich als Präparat gegen den Echten Mehltau und andere Pflanzen-Krankheiten im Raps- und Getreide-Anbau vermarkten, zum Teil auch in Kombination mit IMPULSE.

GENE & KLONE

Keine Zulassung für Gen-Mais
Trotz grünen Lichts aus Brüssel für zwei Sorten von gen-manipuliertem BAYER-Mais hat Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast den Labor-Produkten ebenso wenig eine Zulassung erteilt wie vier ihrer KollegInnen aus anderen Ländern. Daraufhin erhöhte die EU-Kommission den Druck auf die MinisterInnen. Ob Künast und die anderen PolitikerInnen bei ihrer Entscheidung bleiben, dürfte sich in naher Zukunft herausstellen.

LIBERTY-Baumwolle in Australien
Die australischen Behörden haben einen Antrag von BAYER auf Zulassung von Gentech-Baumwolle genehmigt. Der Gen-Gigant darf nun Baumwolle anbauen, die resistent gegen das konzern-eigene Unkrautvernichtungsmittel LIBERTY mit den Wirkstoffen Glufosinat und Ammonium ist.

BAYER will Gen-Senf anpflanzen
Nachdem der Agro-Multi Experimente mit Gentech-Senf in Indien stoppen musste, versucht er nun sein Glück in Australien. Der Konzern beantragte die Genehmigung zu Feldversuchen mit gentechnisch manipuliertem indischen Senf aus Leverkusen und löste damit eine Kontroverse zwischen konservativer Regierung und Demokratischer Partei aus.

Neue Projekte bei Biotech-Pflanzen
Die Mehrheit der VerbraucherInnen lehnt die grüne Gentechnik ab, weil sie darin keinen zusätzlichen Nutzen, sondern nur unabsehbare Gefahren erblickt. BAYER verfolgt deshalb die Strategie, durch die Erhöhung des “Gebrauchswertes„ der Pflanzen die Akzeptanz der Risiko-Technologie zu steigern. So entwickelt das Unternehmen gen-manipulierten Raps mit einem angeblich gesundheitsfördernden höheren Gehalt an ungesättigten Fettsäuren. Zudem basteln Konzern-ForscherInnen an Gen-Baumwolle, die sich leichter färben lässt, Wasser abweist und nicht so schnell verknittert. Darüber hinaus will der Gen-Gigant aus Pflanzen kleine Fabriken machen, indem er sie als Bio-Reaktoren nutzt. Sie sollen später einmal Kohlehydrate für Nahrungsmittel, Klebstoffe und andere Anwendungen herstellen. Den Risiken und Nebenwirkungen solcher “Innovationen„ geht der Chemie-Multi selbstredend nicht nach.

PLASTE & ELASTE

Gefährliches GENITRON
In einem Betrieb des Chemie-Unternehmens LANXESS, an dem BAYER eine Aktien-Beteiligung hält, hat der Kunststoff-Zusatz GENITRON bei Beschäftigten Haarausfall und Allergien ausgelöst. Die Substanz mit dem Inhaltsstoff Azodicarbonamid gilt als leicht Krebs erregend. Da sie auch in Lebensmittel-Behältnissen wie den gummierten Innen-Seiten von Deckeln enthalten ist, hat die EU ein Verbot der Verwendung von GENITRON im Lebensmittel-Bereich beschlossen.

BAYER profitiert von DVD-Boom
Im Jahr 2003 produzierte die Elektronik-Industrie sechs Milliarden DVDs. Dieser Boom verhilft dem Leverkusener Chemie-Multi zu einem erhöhten MAKROLON-Absatz, denn ein Drittel aller Disks besteht aus diesem BAYER-Kunststoff.

Preis-Erhöhung für Kunststoffe
In den letzten Jahren hat die Überproduktion im Kunststoff-Sektor zu Preis-Senkungen geführt. BAYER & Co. versuchten dem unter anderem durch Kartell-Absprachen zu begegnen (siehe RECHT & UNBILLIG). 2004 ist die Nachfrage gestiegen. Deshalb erhöht der Leverkusener Chemie-Multi die Produktionskapazitäten und verlangt für seine Erzeugnisse wieder mehr Geld.

WASSER, BODEN & LUFT

Emissionshandel: BAYER lamentiert
Die Chemie-Industrie zählt zu den größten Produzenten des klima-schädigenden Kohlendioxides. Aus den Schornsteinen der BAYER-Werke steigen jährlich 6,1 Millionen Tonnen CO2 in die Luft auf. Mit dem Emissionshandel, wonach die Unternehmen nur bis zu einem bestimmten Oberwert kostenfrei CO2 ausstoßen dürfen, wollte die EU die Konzerne zur Entwicklung umweltfreundlicherer Technologien bewegen. Aber den Chemie-Multis gelang es durch intensive Lobby-Arbeit, die Gesetzes-Vorlage aufzuweichen. So unterliegt bei BAYER jetzt nur das Kohlendioxid, das bei der Strom-Erzeugung der betriebseigenen Kraftwerke entsteht, dem Emissionshandel, nicht aber das von den Produktionsanlagen ausgestoßene. Trotzdem beklagte sich der Leverkusener Chemie-Multi bei der Vorstellung des neuen Nachhaltigkeitsberichtes über die durch den C02-Handel angeblich anfallenden Mehrkosten in zweistelliger Millionen-Höhe. Diese würden Investitionen verhindern und Arbeitsplätze kosten, beklagte sich BAYER-Vorstand Udo Oels wider besseren Wissens.

Noch mehr Sondermüll in Krefeld
BAYER betreibt die Abfall-Entsorgung mittlerweile als Geschäft und nimmt auch Fremd-Aufträge an. So bekam der Chemie-Multi den Zuschlag, für 3,6 Millionen Euro das Betriebsgelände der ELEKTROCHEMISCHEN FABRIK KEMPEN zu sanieren und 95.000 Tonnen Chlor sowie Klebstoff- und Waschmittel-Rückstände nach Krefeld abzutransportieren. Die LokalpolitikerInnen erfuhren von dem Gift-Deal nur aus der Presse und fühlten sich überfahren. Das Ratsmitglied Burkhard Frohnert sah noch reichlich Klärungsbedarf. “Wie wird Flugstaub beim Abkippen verhindert„, fragte er etwa im Rat.

Verbrennungsanlage verunreinigt Luft
Nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz hat der Leverkusener Chemie-Multi die Pflicht, die Öffentlichkeit über den Schadstoff-Ausstoß bei Giftmüll-Verbrennungen zu informieren. Bei der Krefelder Anlage kam da so einiges zusammen. Die Emissionswerte betrugen für Staub im Jahresmittel 0,26 mg/m3, für Kohlenstoff 1,4, für Chlorwasserstoff 0,9, für Schwefeldioxid 1,7, für Stickstoffdioxid 82, für Kohlenmonoxid 6,3 und für Ammoniak 1,6. Der Halbstundenwert für Chlorwasserstoff überstieg dabei sogar einmal die zulässige Obergrenze.

Hoher Sondermüll-Anteil von Chemie
28,6 Millionen to Sonderabfall produzierte die europäische Industrie im Jahr 1999. Die giftigen Substanzen von BAYER und anderen Chemie-Unternehmen hatten daran einen Anteil von zehn Prozent.

Mehr Rückstandsverbrennung in Dormagen.
Der Leverkusener Chemie-Multi will die Kapazität der Dormagener Rückstandsverbrennungsanlage um 19.000 Tonnen auf 75.000 Tonnen jährlich erweitern. Dazu brachte er einen Eilantrag in den Rat ein. Werksleiter Walter Schulz begründete die Ausbau-Pläne mit der gestiegenen Abfall-Produktion im Chemie-“Park„ und einer höheren Nachfrage auf dem Markt für Verbrennung von Sondermüll.

Rückstellungen wg. Chrom
Das Grundwasser in der Umgebung des im südafrikanischen Durban gelegenen BAYER-Werks ist stark durch Krebs erregende Chrom-Verbindungen belastet (siehe auch SWB 4/04). Der Leverkusener Chemie-Multi bestreitet, dass es sich um aktuelle Einträge handelt, die Chrom-Belastung gehe angeblich auf “historische Verunreinigungen„ zurück. Trotzdem hat BAYERs Chemie-Abspaltung LANXESS wegen etwaiger Schadensersatz-Ansprüche eine Rückstellung in Höhe von 40 Millionen Euro gebildet.

Leichterer Zugang zu Umwelt-Informationen
Die EU erleichtert natürlichen und juristischen Personen den Zugang zu Umwelt-Informationen der Behörden. Nach der neuen Richtlinie müssen die Ämter diese binnen vier Wochen zur Verfügung stellen. Verweigern die staatlichen Stellen die Auskunft, so sind sie zu einer detaillierten Begründung angehalten. AntragstellerInnen haben überdies die Möglichkeit, die Ablehnung anzufechten. Vor zwei Jahre hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) eine Anfrage an das NRW-Umweltministerium wegen der Risiken bei Erweiterung von BAYERs Phosgen-Produktion gestellt und monatelang keine Antwort erhalten. Bleibt abzuwarten, ob sich das in Zukunft ändern wird.

PRODUKTION & SICHERHEIT

BAYER überwacht sich selbst
BAYER hat 1949 den Verband der Technischen Überwachungsvereine (TÜV) mitgegründet. Entsprechend wohlwollend und nichtssagend fallen dann auch die Gutachten zu Störfallen aus. Jetzt erreicht die Zusammenarbeit eine neue Stufe. Die 80 für die Sicherheit der Leverkusener BAYER-Anlagen zuständigen MitarbeiterInnen wechseln komplett zur TÜV CHEMIE SERVICE GmbH. “TÜV SÜD und BAYER INDUSTRY SERVICES GmbH & Co. OHG legen damit ihre Branchen-Kompetenz für technische Anlagen-Sicherheit und überwachungsbedürftige Anlagen in der Chemie- und Prozess-Industrie zusammen„, heißt es dazu in einer Presse-Information. Sie stellt eine endgültige Kapitulationserklärung des TÜV vor den Interessen der Industrie zu Lasten des Katastrophenschutzes dar. Hintergrund des “Joint Ventures„ dürfte der Wunsch BAYERs gewesen sein, die Sicherheitsnebenkosten der Immobilie “Chemie-„Park“ zu senken (s. u.).

STANDORTE & PRODUKTION

Krise der Chemie-„Parks“
Mit einem Jahres-Umsatz von 1,5 Millarden Euro ist die BAYER INDUSTRY SERVICES der größte Betreiber von Chemie-„Parks“ in der Bundesrepublik. Aber die Geschäfte laufen nicht so gut. Konkurrenten wie die DEGUSSA versuchen zurzeit, sich von ihren Grundstücken zu trennen. Wegen der hohen Fixkosten, unter anderem durch Sicherheitsauflagen, sagen BeobachterInnen eine „Markt-Bereinigung“ voraus. BAYER sieht jedoch noch keinen Handlungsbedarf. „Es gibt keine Verkaufsgespräche und auch keine Pläne dazu“, sagte ein Konzern-Sprecher. Allerdings versucht der Chemie-Multi, die Parks effizienter zu managen. So plant er in Wiesdorf, das Gelände zu verkleinern und die Verwaltungsgebäude außen vor zu lassen, weil die nötigen Sicherheitsmaßnahmen dann nicht mehr dem Chemie-Standard entsprechen müssen (siehe auch Ticker 4/04).

HC STARCK in Leverkusen
Die BAYER-Tochter HC STARCK, berühmt-berüchigt wg. des Bezuges von Rohstoffen aus dem Bürgerkriegsland Kongo, hat seit 2002 auch eine Niederlassung im Leverkusener Chemie-„Park“. Jetzt richtet sie dort ein neues Verwaltungs- und Forschungsgebäude ein. Sie will in den neuen Labors Leuchtdioden für den TV- und Computermarkt, leitfähige Kunststoffe und Spezial-Chemikalien für die Elektro- und Elektronik-Industrie entwickeln.

BAYER kritisiert die Stadt Leverkusen
Der Pharma-Riese zahlt in Leverkusen im Jahr 2005 keine Gewerbesteuern, was ihn aber nicht davon abhält, immer wieder Forderungen an die Kommune zu stellen. So kritisierten drei BAYER-Teilnehmer an dem Fachkongress „Bio meets Nano and IT“, der in Leverkusens finnischer Partnerstadt Oulu stattfand, die fehlende Präsenz der Stadt bei der Tagung. Während andere Orte wie Halle ihre BürgermeisterInnen mit zum Kongress schickten, glänzte Leverkusens politische Spitze durch Abwesenheit, monierten die BAYER-Vertreter. Die angegriffenen KommunalpolitikerInnen machten die nicht zuletzt durch den Konzern verschuldete schlechte Haushaltslage für ihr Fehlen in Oulu verantwortlich und erläuterten dem Chemie-Multi im Übrigen, welch großen Anteil die „Wirtschaftsförderung Leverkusen“ an der Vorbereitung des Technologie-Meetings gehabt hat.

Streit um Park-Pflege
Während BAYER in Leverkusen 2005 keinen Cent Gewerbesteuer zahlt, erbringt die Kommune nach wie vor viele freiwillige Leistungen für das Unternehmen. So trägt die Stadt mit 40.000 Euro die Hälfte der Kosten für die Pflege des Wiesdorfer BAYER-Parks. Die Ratsfraktion der SPD hat sich jetzt gegen diese Subvention ausgesprochen. „Warum sollen wir BAYER-Gelände pflegen?“, meinte etwa der Ratsherr Johannes Singer. Entsprechende Vorstöße von seiten der Politik hat es bereits in der Vergangenheit gegeben, bisher blieb aber immer alles beim Alten.

Krefeld: Ein Hallenbad weniger
Der Schwimmsport-Verein SSF Aegir errichtete über einem Krefelder Freibad im Winter eine Traglufthalle. BAYER sorgte mit kostenlosen Dampf-Lieferungen für die Beheizung. Im September 2004 stoppte der Leverkusener Chemie-Multi seine Unterstützung. Stadt und Verein können das Geld für den Unterhalt des Bades nicht allein aufbringen, weshalb sie den Winter-Betrieb einstellten. In der Vergangenheit hat das Unternehmen bereits das konzern-eigene Carl-Duisberg-Bad geschlossen und die Zuschüsse für die Dormagener „Römer-Therme“ gekürzt.

Stegmüller Boss in Brunsbüttel
Roland Stegmüller hat im August 2004 die Leitung des Brunsbütteler Chemie-„Parks“ übernommen und tritt damit die Nachfolge von Willy Schiwy an. Werksleiter gibt es bei BAYER nicht mehr, an seine Stelle ist der Chemie „park“-Leiter getreten. Nach den vielen Umstrukturierungen und Ausgliederungen existieren auf den Unternehmensarealen nämlich keine einheitlichen Werke im früheren Sinne mehr. Weil der Chemie-Multi in Brunsbüttel nur Kunststoff herstellt, betreibt nicht wie sonst üblich BAYER INDUSTRY SERVICE den Chemie-„Park“, sondern BAYER MATERIAL SCIENCE.

Genter Forschungszentrum eröffnet
BAYER hat Ende Oktober 2004 das Gentechnik-Forschungszentrum im belgischen Gent in Betrieb genommen. In den nunmehr größten und modernsten Gentech-Laboren des Konzerns sollen die WissenschaftlerInnen gen-manipuliertes Saatgut und neue Produkte der Pflanzen-Biotechnologie entwickeln.

Antwerpen: Neue Anilin-Anlage
BAYER baut im belgischen Antwerpen für 20 Millionen Euro eine neue Anilin-Anlage und erweitert an dem Standort die Kapazität der bereits vorhandenen Fertigungsstätte. Der Konzern setzt den Stoff unter anderem bei der Produktion des Schaumstoffes Polyurethan ein.

BAYER erhöht Kunststoff-Produktion
Der Leverkusener Chemie-Multi kündigte an, seine Kunststoff-Produktion zu steigern und neben der Investition in Antwerpen (s. o.) die Kapazitäten der Fertigungsstätten im spanischen Tarragona, im US-amerikanischen Baytown und in Brunsbüttel zu steigern.

Neue Fabrik auf den Philippinen
BAYER plant, auf den Philippinen eine neue Anlage zur Produktion von Saatgut-Behandlungsmitteln à la GAUCHO aufzubauen, das in Frankreich für ein Bienensterben enormen Ausmaßes verantwortlich war.

IMPERIUM & WELTMARKT

BAYER kauft EHRFELD MIKROTECHNIK
Der Leverkusener Chemie-Multi hat das hessische Unternehmen EHRFELD MICROTECHNIK erworben. Die Firma machte die Mikrotechnik für Produktionsanlagen nutzbar, weshalb diese nicht mehr so einen großen Umfang haben müssen. Zudem erhöht die Einführung der Mikrotechnik die Effizienz der Fertigungsstätten und macht angeblich die chemischen Prozesse kontrollierbarer.

Kooperation mit PHYSIOMICS
BAYER hat einen Kooperationsvertrag mit der britischen Bioinformatik-Firma PHYSIOMICS abgeschlossen. Die beiden Unternehmen wollen ihre Technologien zur pharmakologischen Untersuchung von Stoffen zusammenführen.

Verkauf des Plasma-Geschäfts
Der Leverkusener Chemie-Multi hat seine Blutplasma-Sparte für 450 Millionen Euro an den US-amerikanischen Finanz-Investor CERBERUS verkauft. Damit wechselten Blut-Präparate wie GAMUNEX, GAMIMUNE N, POLYGLOBIN und PROLASTIN den Besitzer. Nur KOGENATE vermarktet der Konzern noch selbst. Um Steuern zu sparen, hält BAYER aber pro forma eine Beteiligung von 10 Prozent „als mittelfristiges Investment“ an dem Blutprodukte-Segment.

Vertrag mit HIKAL
Der Leverkusener Chemie-Multi betreibt drei Ackergift-Produktionen in Indien. Im Herbst hat das Unternehmen mit dem indischen Hersteller HIKAL LTD einen Vertrag über die Lieferung von Feinchemikalien für die Pestizid-Herstellung geschlossen. BAYER hatte sich vor zwei Jahren von der eigenen Feinchemie-Sparte getrennt. BAYER CROPSCIENCE-Vorstand Wolfgang Welter bezeichnete das Eingehen von Kooperationen deshalb jetzt als Teil der neuen globalen Strategie des Konzerns.

ÖKONOMIE & PROFIT

Steuersparen in den USA
BAYER & Co. stöhnen bei jedem passenden und unpassenden Anlass über die angeblich zu hohe Steuer-Belastung in der Bundesrepublik und verweisen im gleichen Atemzug auf die weit unternehmensfreundlicheren Regelungen in den USA. Das ist allerdings reine Propaganda: In den Vereinigten Staaten sind die Steuersätze für Konzerne mit 35 Prozent genauso hoch wie hierzulande - und die Möglichkeiten, sie zu umgehen, genauso zahlreich (siehe auch SWB 4/04). Von den 275 größten Firmen zahlen BOEING, PFIZER, TIME WARNER und 43 andere trotz riesiger Gewinne überhaupt keine Abgaben. Im Durchschnitt bewegte sich das Steuer-Aufkommen der Firmen im Zeitraum zwischen 2002 und 2003 bei weniger als 18 Prozent und damit auf dem niedrigsten Niveau seit dem Zweiten Weltkrieg. Diese paradiesischen Zustände haben die Multis der Politik von George W. Bush zu verdanken. Für BAYER hat sich also die ihm gewährte Wahlkampf-Hilfe mehr als ausgezahlt.

UNFÄLLE & KATASTROPHEN

Fünf Verletzte bei Explosion
Am 23.11.04 kam es im Brunsbütteler BAYER-Werk zu einer Explosion. Die Druckwelle war so stark, dass Beschäftigte durch den Raum stoben und Teile durch die Luft flogen. Fünf Belegschaftsangehörige verletzten sich dabei und mussten sich einer Krankenhaus-Behandlung unterziehen.

Austritt von Adipin-Säure
Auf dem Gelände des BAYER-Chemie-„Parkes“ in Uerdingen kam es am 11.12.04 beim Umladen einer Chemikalie vom LKW in den Werkstank zu einem Unfall. In der Förderleitung entstand ein Leck, aus dem 400 Kilo der giftigen und Reizungen auslösenden Adipin-Säure austraten. Die als Vorprodukt bei der Herstellung von Lacken und Kunststoffen verwendete Säure verbreitete sich bis zu einer angrenzenden Straße. Der Lastkraftwagen-Fahrer musste sich zur Untersuchung in die BAYER-Polyklinik begeben.

Austritt von Acrylonitril

  • 1


In der im US-amerikanischen Addyston (Bundesstaat Ohio) gelegenen Niederlassung des Chemie-Unternehmens LANXESS, an dem BAYER eine Aktien-Beteiligung hält, passierte im Oktober 2004 ein Unfall. In der Kunststoff-Fertigung kam es zu einer Produktionsstörung, in deren Folge 448 Kilogramm des Krebs erregenden Gases Acrylonitril austraten. Obwohl in der Nähe des Werkes ein Volksfest stattfand, unterließ es die Firmen-Leitung, die Behörden zu informieren.

Austritt von Acrylonitril

  • 2


Im Addystoner LANXESS-Werk (s. o.) ereignete sich zwei Monate nach dem Acrylonitril-Austritt im Oktober erneut ein Störfall mit dem Krebs erregenden Gas. Am 15. Dezember 2004 traten während der Kunststoff-Produktion 260 Kilogramm der Substanz aus. Die zuständigen Behörden wollen dem Unternehmen nun strengere Sicherheitsauflagen machen.

Austritt von Aktivkohle
Am 29.9.04 ereignete sich im Uerdinger BAYER-Werk ein Unfall, bei dem giftige Substanzen austraten. Acht MitarbeiterInnen kamen in Kontakt mit den Chemikalien und mussten zur Untersuchung ins Krankenhaus. Sechs Beschäftigten entließen die MedizinerInnen nach kurzer Beobachtungszeit, zwei behielten sie länger dort. Nach BAYER-Angaben hat das Gemisch „im Wesentlichen aus Aktivkohle und Wasserdampf“ bestanden. Was „im Unwesentlichen“ noch so alles dabei war, verschwieg der Konzern. Da Aktivkohle dazu dient, giftige Stoffe aus den bei der Produktion anfallenden Reststoffen herauszufiltern, dürfte sie mit so allerhandlei angereichert gewesen sein. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat in einer Anfrage an das Umweltministerium NRW genauere Informationen über die Vorgänge verlangt und die Medien über den Störfall informiert.

Container-Unfall in Leverkusen
Am 14.9.04 kam es wenige Stunden vor der offiziellen Inbetriebnahme des neuen Container-Terminals auf dem Gelände des Leverkusener Chemie-„Parks“ zu einem Unfall mit einem Container, bei dem BAYERs Brand-Früherkennungssystem Schlimmeres verhinderte.

Brand bei LANXESS
Am 19.1.05 entzündete sich bei einem Produktionsbetrieb der BAYER-Abspaltung LANXESS auf dem Gelände des Leverkusener Chemie-„parks“ die Chemikalie Natriumborhydrid, ein Vorprodukt zur Arznei-Herstellung. Es entstand ein Brand, den die Feuerwehr erst nach einer Stunde unter Kontrolle hatte.

RECHT & UNBILLIG

Wieder Kartell-Strafe für BAYER
BAYERs kriminelle Energie in Sachen „Preis-Absprachen“ ist trotz des jüngsten Verfahrens in den USA wg. Bildung eines Kunststoff-Kartelles ungebrochen. In Portugal hat der Pharma-Riese zusammen mit anderen Unternehmen eine konzertierte Aktion bei Diabetes-Tests beschlossen - und binnen eines Jahres kosteten diese dann nicht mehr 15, sondern 20 Euro. Aber die Sache flog auf. Ein Gericht verurteilte BAYER zu einer Strafe von 658.000 Euro. Schon vor vier Jahren hatten die Konzerne in Italien die Gewinn-Spannen

OECD-Beschwerde

CBG Redaktion

gem. Pressemitteilung vom 11. Oktober 2004

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Germanwatch
Global March against Child Labour (deutsche Sektion)

OECD-Beschwerde gegen Bayer wegen Kinderarbeit in Indien

Aktuelle Untersuchung: Kinder sterben auf indischen Baumwollfeldern an Pestizidvergiftungen

Berlin/Köln, 11.10.2004: Zulieferer des Leverkusener Bayer-Konzerns beschäftigen bei der Produktion von Baumwollsaatgut im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gegenwärtig rund 1.500 Kinder unter 15 Jahren. Bei drei weiteren internationalen Unternehmen - Advanta, Emergent Genetics und Monsanto - werden weitere 10.725 Fälle von Kinderarbeit gezählt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die von den Nichtregierungsorganisationen Germanwatch, Coordination gegen Bayer-Gefahren und Global March Against Child Labour (deutsche Sektion) heute in Deutschland veröffentlicht wurde. Die Organisationen reichen heute im Bundeswirtschaftsministerium eine Beschwerde gegen Bayer wegen Verstoßes gegen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen ein.

Die von einem indischen Wissenschaftler durchgeführte Untersuchung beschreibt detailliert, dass es sich in Andhra Pradesh um Kinderarbeit der schlimmsten Form handelt: Die Kinder gehen nicht zur Schule, arbeiten bis zu 14 Stunden täglich, verdienen weniger als 50 Cent am Tag und tragen schwerste Gesundheitsschäden davon. Mindestens drei Kinder im Alter von 8, 12 und 13 Jahren sind in den letzten Monaten an Pestizidvergiftungen auf den Feldern gestorben. Siebzig Prozent der Kinder werden in sogenannter Schuldknechtschaft beschäftigt. Die Eltern bekommen im Voraus einen Kredit, den die Kinder dann inklusive Wucherzinsen abarbeiten müssen - in vielen Fällen mehrere Jahre lang. Andere Kinder werden von den Baumwollfarmern in den umliegenden Dörfern gekauft und von ihren Familien getrennt; sie müssen in ärmlichen Hütten bei den Feldern leben.

„Schon seit letztem Jahr versuchen wir, im Dialog mit der indischen Bayer-Tochter ProAgro das Problem der Kinderarbeit bei ihren Zulieferern zu lösen, leider ohne Erfolg. Deshalb wollen wir jetzt mit der OECD-Beschwerde den Druck auf das Unternehmen erhöhen und auch die staatliche Ebene in Deutschland einbeziehen“, so Cornelia Heydenreich von Germanwatch. Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour drängt auf unverzügliches Handeln: „Die Gesundheit und das Leben der Kinder darf nicht länger aufs Spiel gesetzt werden. Und sie müssen wieder in die Schule gehen können. Jede weitere Arbeitssaison schädigt eine neue Generation von Kindern.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren betont: „Dem Unternehmen sind die Zustände bei seinen Zulieferern seit Jahren bekannt. Es wäre für Bayer ein Leichtes gewesen, mit Hilfe höherer Abnahmepreise und strikter Kontrollen das Problem Kinderarbeit bei seinen Zulieferern zu lösen. Doch trotz öffentlicher Ankündigungen hat sich kaum etwas getan.“

Insgesamt sind in der indischen Baumwollproduktion mehr als Hunderttausend Kinder tätig. Shanta Sinha, die Generalsekretärin der indischen MV-Stiftung, die vor Ort gegen Kinderarbeit kämpft, nennt als deren Hauptursache die unfairen Vertragsbedingungen, die Konzerne wie Bayer den Baumwollfarmern aufzwängen. Die Preise, die ihnen von den Konzernen gezahlt werden, seien so niedrig, dass sie billige Kinderarbeiter in Schuldknechtschaft anstellen müssten. „Deshalb ist eine unserer Hauptforderungen, dass faire Verträge mit den Farmern geschlossen und bessere Preise gezahlt werden, damit die Ausbeutung der Kinder endlich aufhört!“

Die sechs Forderungen von Germanwatch, der Coordination gegen Bayer-Gefahren, der deutschen Sektion des Global March against Child Labour, der indischen MV-Stiftung, des Indien Komitees der Niederlande, des International Labor Rights Fund (USA), von Amnesty International Niederlande, von FNV Mondiaal (Niederlande), Hivos (Niederlande) und Novib/Oxfam Niederlande lauten:

1. Sofortige Umsetzung eines Aktionsplans, um Kinderarbeit in der indischen Baumwollindustrie abzuschaffen und um zu garantieren, dass jedes Kind zur Schule geht. Dies sollte in enger Kooperation mit Organisationen der Zivilgesellschaft und der Regierung erfolgen;
2. Zahlung fairer Preise an die Baumwollfarmer, damit sie erwachsene Arbeiter anstellen und diesen wenigstens den offiziellen Mindestlohn zahlen können, sowie gleiche Löhne für Männer und Frauen;
3. Abschaffung aller Formen von Schuldknechtschaft in der Baumwollsaatgutproduktion in Indien,
4. Schutzanzüge und -ausrüstung für die Arbeit mit Pestiziden sowie Trainingskurse für Farmer zur sicheren Handhabe von Pestiziden;
5. Die Rechte der Arbeiter zur Bildung von Gewerkschaften und zu gemeinsamen Tarifverhandlungen müssen respektiert werden;
6. Die Umsetzung dieser Forderungen muss öffentlich dargelegt und von unabhängigen Beobachtern überprüft werden.

Der neue Bericht „Kinderarbeit in der Baumwollsaatgutproduktion in Andhra Pradesh: Neueste Entwicklungen“ sowie ein zweiter ebenso aktueller Bericht zur Situation in den Nachbarstaaten Gujarat und Karnataka kann auf Englisch im Internet unter www.germanwatch.org runtergeladen werden. Hier finden Sie auch eine ins Deutsche übersetzte Stellungnahme der indischen MV-Stiftung zur Rolle der multinationalen Konzerne in Andhra Pradesh und weitere Dokumente zum Thema. Die OECD-Beschwerde und alle weiteren Materialien senden wir gerne zu.

Weitere Informationen und Interviews:
* Germanwatch, Cornelia Heydenreich, Tel: 030 - 28 88 35 64, Fax: 030 - 28 88 35 61, heydenreich@germanwatch.org, www.germanwatch.org
* Coordination gegen Bayer-Gefahren, Philipp Mimkes, Tel: 0211-333 911, Fax: 0211-333 940, info@cbgnetwork.org, www.CBGnetwork.org
* Global March Against Child Labour (deutsche Sektion), Rainer Kruse, Tel/Fax: 0711 - 467381, kruse@globalmarch.de, www.globalmarch.org

Indien

CBG Redaktion

gemeinsame Pressemitteilung vom 11. Oktober 2004

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Germanwatch
Global March against Child Labour (deutsche Sektion)

OECD-Beschwerde gegen Bayer wegen Kinderarbeit in Indien

Aktuelle Untersuchung: Kinder sterben auf indischen Baumwollfeldern an Pestizidvergiftungen

Berlin/Köln, 11.10.2004: Zulieferer des Leverkusener Bayer-Konzerns beschäftigen bei der Produktion von Baumwollsaatgut im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh gegenwärtig rund 1.500 Kinder unter 15 Jahren. Bei drei weiteren internationalen Unternehmen - Advanta, Emergent Genetics und Monsanto - werden weitere 10.725 Fälle von Kinderarbeit gezählt. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die von den Nichtregierungsorganisationen Germanwatch, Coordination gegen Bayer-Gefahren und Global March Against Child Labour (deutsche Sektion) heute in Deutschland veröffentlicht wurde. Die Organisationen reichen heute im Bundeswirtschaftsministerium eine Beschwerde gegen Bayer wegen Verstoßes gegen die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen ein.

Die von einem indischen Wissenschaftler durchgeführte Untersuchung beschreibt detailliert, dass es sich in Andhra Pradesh um Kinderarbeit der schlimmsten Form handelt: Die Kinder gehen nicht zur Schule, arbeiten bis zu 14 Stunden täglich, verdienen weniger als 50 Cent am Tag und tragen schwerste Gesundheitsschäden davon. Mindestens drei Kinder im Alter von 8, 12 und 13 Jahren sind in den letzten Monaten an Pestizidvergiftungen auf den Feldern gestorben. Siebzig Prozent der Kinder werden in sogenannter Schuldknechtschaft beschäftigt. Die Eltern bekommen im Voraus einen Kredit, den die Kinder dann inklusive Wucherzinsen abarbeiten müssen - in vielen Fällen mehrere Jahre lang. Andere Kinder werden von den Baumwollfarmern in den umliegenden Dörfern gekauft und von ihren Familien getrennt; sie müssen in ärmlichen Hütten bei den Feldern leben.

„Schon seit letztem Jahr versuchen wir, im Dialog mit der indischen Bayer-Tochter ProAgro das Problem der Kinderarbeit bei ihren Zulieferern zu lösen, leider ohne Erfolg. Deshalb wollen wir jetzt mit der OECD-Beschwerde den Druck auf das Unternehmen erhöhen und auch die staatliche Ebene in Deutschland einbeziehen“, so Cornelia Heydenreich von Germanwatch. Rainer Kruse von der deutschen Sektion des Global March Against Child Labour drängt auf unverzügliches Handeln: „Die Gesundheit und das Leben der Kinder darf nicht länger aufs Spiel gesetzt werden. Und sie müssen wieder in die Schule gehen können. Jede weitere Arbeitssaison schädigt eine neue Generation von Kindern.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen Bayer-Gefahren betont: „Dem Unternehmen sind die Zustände bei seinen Zulieferern seit Jahren bekannt. Es wäre für Bayer ein Leichtes gewesen, mit Hilfe höherer Abnahmepreise und strikter Kontrollen das Problem Kinderarbeit bei seinen Zulieferern zu lösen. Doch trotz öffentlicher Ankündigungen hat sich kaum etwas getan.“

Insgesamt sind in der indischen Baumwollproduktion mehr als Hunderttausend Kinder tätig. Shanta Sinha, die Generalsekretärin der indischen MV-Stiftung, die vor Ort gegen Kinderarbeit kämpft, nennt als deren Hauptursache die unfairen Vertragsbedingungen, die Konzerne wie Bayer den Baumwollfarmern aufzwängen. Die Preise, die ihnen von den Konzernen gezahlt werden, seien so niedrig, dass sie billige Kinderarbeiter in Schuldknechtschaft anstellen müssten. „Deshalb ist eine unserer Hauptforderungen, dass faire Verträge mit den Farmern geschlossen und bessere Preise gezahlt werden, damit die Ausbeutung der Kinder endlich aufhört!“

Die sechs Forderungen von Germanwatch, der Coordination gegen Bayer-Gefahren, der deutschen Sektion des Global March against Child Labour, der indischen MV-Stiftung, des Indien Komitees der Niederlande, des International Labor Rights Fund (USA), von Amnesty International Niederlande, von FNV Mondiaal (Niederlande), Hivos (Niederlande) und Novib/Oxfam Niederlande lauten:

1. Sofortige Umsetzung eines Aktionsplans, um Kinderarbeit in der indischen Baumwollindustrie abzuschaffen und um zu garantieren, dass jedes Kind zur Schule geht. Dies sollte in enger Kooperation mit Organisationen der Zivilgesellschaft und der Regierung erfolgen;
2. Zahlung fairer Preise an die Baumwollfarmer, damit sie erwachsene Arbeiter anstellen und diesen wenigstens den offiziellen Mindestlohn zahlen können, sowie gleiche Löhne für Männer und Frauen;
3. Abschaffung aller Formen von Schuldknechtschaft in der Baumwollsaatgutproduktion in Indien,
4. Schutzanzüge und -ausrüstung für die Arbeit mit Pestiziden sowie Trainingskurse für Farmer zur sicheren Handhabe von Pestiziden;
5. Die Rechte der Arbeiter zur Bildung von Gewerkschaften und zu gemeinsamen Tarifverhandlungen müssen respektiert werden;
6. Die Umsetzung dieser Forderungen muss öffentlich dargelegt und von unabhängigen Beobachtern überprüft werden.

Der neue Bericht „Kinderarbeit in der Baumwollsaatgutproduktion in Andhra Pradesh: Neueste Entwicklungen“ sowie ein zweiter ebenso aktueller Bericht zur Situation in den Nachbarstaaten Gujarat und Karnataka kann auf Englisch im Internet unter www.germanwatch.org runtergeladen werden. Hier finden Sie auch eine ins Deutsche übersetzte Stellungnahme der indischen MV-Stiftung zur Rolle der multinationalen Konzerne in Andhra Pradesh und weitere Dokumente zum Thema. Die OECD-Beschwerde und alle weiteren Materialien senden wir gerne zu.

Weitere Informationen und Interviews:
* Germanwatch, Cornelia Heydenreich, Tel: 030 - 28 88 35 64, Fax: 030 - 28 88 35 61, heydenreich@germanwatch.org, www.germanwatch.org
* Coordination gegen Bayer-Gefahren, Philipp Mimkes, Tel: 0211-333 911, Fax: 0211-333 940, info@cbgnetwork.org, www.CBGnetwork.org
* Global March Against Child Labour (deutsche Sektion), Rainer Kruse, Tel/Fax: 0711 - 467381, kruse@globalmarch.de, www.globalmarch.org

Indien

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 1. Oktober 2004

Aktivisten ketten sich an BAYER-Zentrale fest / Protest bis in die Nacht

„BAYER vergiftet unsere Nahrung“

Greenpeace-Aktivisten haben gestern bis in die Nacht vor der indischen BAYER-Zentrale in Bombay gegen umstrittene Gentechnik-Experimente des Konzerns protestiert. Sechs Demonstranten ketteten sich elf Stunden lang an das Eingangstor des Gebäudes fest und hielten ein Transparent mit der Aufschrift „Bayer vergiftet unsere Nahrung“ hoch. Greenpeace verlangt Informationen über Versuche der indischen BAYER-Tochter ProAgro mit genmanipulierten Gemüsesorten wie Kohl und Blumenkohl.

Die Blockade wurde erst beendet, als BAYER in ein Treffen und die Herausgabe von Versuchsergebnissen einwilligte.

Die Proteste richten sich gegen die Verwendung des Allergie-erzeugenden Gens Cry9C, das in menschlicher Nahrung nicht eingesetzt werden darf. Divya Raghunandan von Greenpeace India: „In Anbetracht der großen Gesundheitsrisiken des Cry9C-Gens sorgen wir uns um die Auswirkungen für Verbraucher und Landwirte. Wir fordern BAYER auf, alle Versuche mit dieser Gen-Veränderung einzustellen und alle bisherigen Forschungsergebnisse offen zu legen.“

Das Cry9C-Gen stand vor vier Jahren im Mittelpunkt des bislang größten Skandal der grünen Gentechnik: die Firma Aventis hatte in den USA Schäden in dreistelliger Millionenhöhe begleichen müssen, nachdem genmanipulierter Mais der Sorte „Starlink“ in Nahrungsmitteln gefunden worden war. Starlink war nur als Tierfutter zugelassen. Aventis CropScience wurde daraufhin von der Firma BAYER übernommen, die seitdem weltweit zweitgrößter Anbieter von Gen-Saatgut ist.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „BAYER scheint Indien als seinen dreckigen Hinterhof zu erachten. Der Konzern vertreibt dort Pestizide wie Monocrotophos, die für eine große Zahl tödlicher Vergiftungen verantwortlich sind und die in Europa längst verboten sind. Im vergangenen Jahr mussten Sprecher der BAYER-Tochter ProAgro einräumen, dass bei Zulieferern des Unternehmens in großem Maße Kinderarbeit eingesetzt wird. Und nun wird auch noch bekannt, dass Saatgut von Lebensmitteln mit einem Allergie-auslösenden Gen ausgestattet werden.“ Mimkes fordert BAYER auf, alle gentechnischen Freisetzungsversuche in Indien einzustellen und sämtliche Pestizide der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen.

Gerne senden wir Fotos von den Protesten zu

[Ticker] Stichwort BAYER 04/2004 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Proteste bei BAYER CROPSCIENCE
Im Monheimer Werk will BAYER CROPSCIENCE 140 Arbeitsplätze vernichten (siehe auch KAPITAL & ARBEIT). Betroffen sind unter anderem Chemie- und Biologie-LaborantInnen, Diplom-ChemikerInnen und promovierte BiologInnen. Gegen die Stellen-Streichungen protestierten am 20.10.04 ca. 300 Beschäftigte mit Plakaten wie “Kosteneinsparungen um jeden Preis - wo bleibt der Mensch”.

Streik bei BAYER CROPSCIENCE
In Frankreich hat die bei BAYER CROPSCIENCE geplante Arbeitsplatz-Vernichtung (siehe KAPITAL & ARBEIT) zu einem Streik geführt. Mehrere Tage lang legten Beschäftigte ihre Arbeit nieder.

Proteste auf LANXESS-HV
Am 17. November 2004 berief BAYER eine außerordentliche Hauptversammlung ein, um sich von den AktionärInnen die Abspaltung des angeblich zu unprofitablen Chemie-Geschäfts absegnen zu lassen. Es operiert fortan unter dem Namen LANXESS unabhängig. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) kritisiert die Trennung, weil sie zu Arbeitsplatzvernichtung in großem Ausmaß führt und brachte das an dem Tag in Reden-Beiträgen, auf Flugblättern und Transparenten zum Ausdruck (siehe SWB 4/04).

Kinderarbeit: kaum Verbesserungen
Immer noch arbeiten in Indien 1.650 Kinder für Zulieferer von BAYERs Tochter-Firma PROAGRO, die meisten davon in Schuldknechtschaft. Insgesamt beuten die Agro-Multis über 12.000 Minderjährige für ihre Profite aus. Drei Kinder bezahlten das mit ihrem Leben: Sie starben an Pestizid-Vergiftungen. Das ist das Ergebnis der neuen Untersuchung der Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION für die Pflanz-Saison 2003/2004. Im letzten Jahr produzierten noch 2.000 Kinder Baumwoll-Saatgut für PROAGROs VertragslandwirtInnen (Ticker berichtete mehrfach). Die abnehmende Zahl geht jedoch nicht etwa auf den Willen der BAYER-Gesellschaft zur Verbesserung der Lage zurück, sie ist lediglich der großen Trockenheit in dem indischen Staat Andhra Pradesh geschuldet. Der MV FOUNDATION zufolge weigern sich die Agro-Unternehmen nach wie vor, die Forderungen der Organisation und ihrer Kooperationspartner wie der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zu erfüllen. Statt etwa die Zulieferer endlich angemessen zu bezahlen, so dass sie Erwachsene einstellen können, üben sich BAYER & Co. weiterhin in Hinhalte-Taktiken, kritisiert die Initiative.

OECD-Beschwerde wg. Kinderarbeit
Wegen der Kinderarbeit bei Zulieferern von BAYERs indischer Tochter-Gesellschaft PROAGRO hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gemeinsam mit dem GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR und GERMAN WATCH eine Beschwerde bei der “Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung” (OECD) eingereicht. Dies hat ein großes Medien-Echo hervorgerufen, was den Leverkusener Chemie-Multi dazu veranlasste, mit einer die Tatsachen entstellenden Presse-Erklärung an die Öffentlichkeit zu treten (siehe PROPAGANDA & MEDIEN).

Kinderarbeit: BAYER blockte
Entgegen Zusagen zur Kooperation weigerte sich BAYERs indische Tochter-Firma PROAGRO lange, der indischen Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION eine Liste mit ihren Kinder beschäftigenden Zuliefern auszuhändigen. Erst nachdem mehrere Zeitungen groß über tödliche Pestizid-Vergiftungen von KinderarbeiterInnen berichteten, änderte PROAGRO die Strategie. Das Unternehmen lud den MV-Wissenschaftler Davuluri Venkatesvarlu ein und überreichte ihm die gewünschte Aufstellung. Zudem sicherte die BAYER-Tochter Dr. Venkatesvarlu zu, sich mit dem Problem der niedrigen Zahlungen an ihre Zulieferer beschäftigen zu wollen. Die geringen Erlöse aus den Verkäufen von Saatgut an die Agro-Multis stellen für die Zulieferer den Hauptgrund dafür dar, auf ihren Feldern Minderjährige zu beschäftigen.

Indien: Verzicht auf Gentechnik
Indische Gentech-GegnerInnen von GREENPEACE und anderen Organisationen protestierten immer wieder gegen die Experimente des Leverkusener Chemie-Multis mit gentechnisch verändertem Saatgut. So haben sich am 30.9.04 AktivistInnen elf Stunden lang am Eingangstor von BAYERs Zentrale in Bombay festgekettet; die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) begleitete die Aktion durch ihre Öffentlichkeitsarbeit. Dieses Engagement hatte Erfolg: Mitte November 2004 gab das Unternehmen bekannt, alle Gentechnik-Projekte in Indien zu stoppen (siehe SWB 4/04).

Proteste gegen die ABIC
Vom 12. bis zum 15. September 2004 luden BAYER & Co. zur weltweit größten Biotech-Messe nach Köln. Mit der ABIC (Agricultural Biotechnology International Conference) wollten Industrie und Politik ihr Ansinnen unterstreichen, Nordrhein-Westfalen zu einem der bedeutensten Gentech-Standorte in ganz Europa zu machen. Auf Initiative der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und Organisationen wie ATTAC KÖLN, BIOSKOP und MISEREOR formierte sich dagegen massiver Protest. So fanden unter anderem eine international besetzte Gegen-Konferenz und Aktionen vor dem Eingang zur ABIC-Messe statt.

PANNA fordert Lindan-Stopp
Nach dem Kauf der US-Firma GUSTAFSON (Ticker 2/04) kehrt das ultra-giftige Pestizid Lindan, das mit dem Wirkstoff Hexachlorcyclohexan zur Gruppe der chlorierten Kohlenwasserstoffe gehört, in das BAYER-Sortiment zurück. Traurige Berühmtheit erlangte die Substanz in den 70er Jahren als Holzgift XYLADECOR, das 200.000 Menschen vergiftete - mit verheerenden gesundheitlichen Folgen bis hin zu Sterbefällen (Ticker berichtete mehrfach). Der Leverkusener Chemie-Multi trennte sich im Zuge des Holzgifte-Prozesses, des bis dahin größten Umwelt-Strafverfahrens hierzulande, von dem Skandal-Stoff, den die bundesrepublikanischen Behörden kurz darauf verboten. In den USA dürfen die Konzerne Lindan hingegen noch vermarkten. Deshalb haben die US-amerikanische Sektion des PESTIZID-AKTIONS-NETZWERKs und zwei weitere Umwelt-Initiativen einen Offenen Brief an BAYER geschrieben, in dem sie einen Produktionsstopp verlangten. 80 weitere Organisationen schlossen sich dieser Forderung an.

GAUCHO gegen Unkraut?
In Kanada strebt BAYER die Zulassung des berühmt-berüchtigen GAUCHO-Wirkstoffs Imidacloprid (siehe PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE) als Mittel gegen Unkraut-Wuchs an, wogegen Umweltgruppen massiv Einspruch erheben. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) unterstützt ihre Proteste und stellte umfangreiches Hintergrund-Material zur Verfügung.

Proteste gegen BAYER-Geschäftspartner
In Indien arbeitet BAYER mit der Pestizid-Firma TAGROS zusammen. Weil diese wegen ihrer niedrigen Umwelt- und Sicherheitsstandards berühmt-berüchtigt ist, hat es Widerstand gegen eine im Bundesstaat Tamil Nadu geplante Werkserweiterung gegeben. Auf Bitten der AktivistInnen vor Ort hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ihre Proteste unterstützt und zum BAYER-Stammssitz getragen.

“Berliner Erklärung” zur Gentechnik
Im Anschluss an eine Tagung zur Gentechnik in der Landwirtschaft, organisiert von dem AGRARBÜNDNIS und der ZUNKUNFTSSTIFTUNG LANDWIRTSCHAFT, veröffentlichten die TeilnehmerInnen die “Berliner Erklärung”. Die mehr als 70 Gruppen aus Bereichen wie “Landwirtschaft”, “Umwelt” und “Verbraucherschutz” fordern darin die Politik auf, in dem geplanten Gentechnik-Gesetz die freie Ausübung von Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Bienen- und Fischzucht ohne Gentechnik ebenso zu gewährleisten wie einen Schutz von Naturschutzgebieten vor Auskreuzungen mit gentechnisch veränderten Organismen made by BAYER & Co.. Zudem verlangten sie, den VerbraucherInnen eine Wahlfreiheit beim Lebensmittel-Kauf zu garantieren.

CBG klagt Neonazis an
Nicht nur wegen der IG-FARBEN-Vergangenheit von BAYER begreift die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ihre Arbeit auch als antifaschistisch. Deshalb beteiligte sie sich am 9. November 2004 an der Gegendemonstration zum Leverkusener Neonazi-Aufmarsch. Mit Bedacht hatten die RechtsextremistInnen sich den Gedenktag der Reichsprogromnacht als Datum ausgesucht. Mit dem Skandieren von Sätzen wie “Die schönsten Nächte sind aus Kristall” verhöhnten sie die Opfer des Nazi-Terrors. Die CBG sah damit die Tatbestände der Billigung von Straftaten und der Störung des öffentlichen Friedens erfüllt und stellte Strafanzeige gegen die AnmelderInnen der Neonazi-Demonstration. Erste Stellungnahmen der Polizei lassen allerdings nicht auf einen Erfolg hoffen. “Die Sprüche müssen im Zusammenhang betrachtet werden”, erläuterte ein Kölner Ermittler der taz NRW und führte aus, der “Äußerungscharakter” sei von mehreren Faktoren, etwa dem Umfeld, in dem sie geäußert wurden, abhängig. Zu was für Differenzierungsleistungen die Behörden in Sachen “Faschismus” doch fähig sind!

CBG-Jahrestagung 2004
Am 27. November fand die Jahrestagung der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zum Thema “Ökonomie frisst Ökologie - Goldene Bilanzen für BAYER & Co.” statt. Jan Pehrke (CBG) machte eine Bestandsaufnahme der aktuellen Umweltpolitik und legte in einem historischen Rückblick die entscheidenen Zäsuren dar, die schließlich zu einer Versöhnung von Ökonomie und Ökologie führten. Jörg Bergstedt von der Projektwerkstatt Reiskirchen analysierte detailliert, wie sich neoliberales Denken in die Ökologie-Bewegung selbst einschlich. Der ehemalige Chemie-Professor Jürgen Rochlitz berichtete von seinen frustrierenden Erfahrungen als grünes Bundestagsmitglied und präsentierte eine rot-grüne Mängelliste, die von A wie Atom-Ausstieg bis V wie Verkehr reichte. CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes widmete sich dem “Greenwashing” und skizzierte die Strategie BAYERs, sich mittels Wort-Kosmetik, aus der Porto-Kasse finanzierten Vorzeige-Projekten und Kooperationen mit angesehenen Institutionen wie den Vereinten Nationen das Image eines Umwelt-Engels zu verpassen. Uwe Friedrich (CBG) gab passend dazu einen Aufriss über die gesammelten Umwelt-Sünden des Leverkusener Chemie-Multis. Ausgehend vom aktuellsten Fall “Chrom in südafrikanischem Grundwasser” (siehe WASSER, BODEN & LUFT) beschäftigte er sich unter anderem mit der Chrom-Produktion, der Chlor-Chemie, der Dünnsäure-Verklappung, dem Widerstand gegen die Chemikalien-Verordnung, den nicht dem neuesten Stand entsprechenden Anlagen und der Gentechnik. Nach den Vorträgen entwickelten sich anregende Diskussionen über den Stand der Dinge in Sachen “Ökologie” und die Chancen, ihn mittels politischem Druck von unten zu verändern. So traten die TeilnehmerInnen am Abend ein wenig klüger und auch ein wenig neu motiviert die Heimreise an.

CBG macht Theater
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) ging eine Kooperation mit dem Düsseldorfer “Forum Freies Theater” (FFT) ein und gab aus dem reichen Fundus der an bühnenreifen Skandalen nicht armen BAYER-Geschichte Anregungen für ein Theaterstück. Die Autoren Donald Becker und Gudrun Herrbold, letztere als gebürtige Leverkusenerin bestens mit der Materie vertraut, entschieden sich für das Thema “Heroin”. Aus dem Stoff, den BAYER als Hustensaft entwickelte, entwickelten sie ein anregendes Theaterstück um die Risiken und Nebenwirkungen der Pharma-Produktion, rücksichtlose Konzern-Herren, Erfinderstolz und die unfreiwillige und todbringende Karriere der BAYER-Erfindung in der Pop-Kultur. Zur Uraufführung am 15.10.04 brachte es das FFT am “Tatort” Leverkusen selbst. Auf der Bus-Fahrt zum Spielort hatten die CBGler Axel Köhler-Schnura und Philipp Mimkes Gelegenheit, das Theater-Publikum mit näheren Informationen zum BAYER-Konzern auf das Stück einzustimmen.

Offener Brief an Winnacker
Die ZUKUNFTSSTIFTUNG LANDWIRTSCHAFT, der BUND FÜR UMWELT UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND, FOODWATCH, das GEN-ETHISCHES NETZWERK und andere Organisationen haben einen Offenen Brief an den BAYER-Aufsichtsrat, Gentechfirmen-Gründer und Vorsitzenden der “Deutschen Forschungsgemeinschaft”, Ernst-Ludwig Winnacker, geschrieben. Winnacker hatte als Sprecher einer “Allianz der Wissenschaftsorganisationen” das geplante Gentechnik-Gesetz im Allgemeinen und die den einzelnen LandwirtInnen auferlegte Haftung im Schadensfall im Besonderen scharf kritisiert. Nach Meinung der UnterzeichnerInnen hat der Wissenschaftler damit private wirtschaftliche Interessen, Lobby-Verpflichtungen und seinen öffentlichen Auftrag als Repräsentant der bundesdeutschen ForscherInnen in unzulässiger Weise vermengt.

Offener Brief an die EU
Der Leverkusener Chemie-Multi will Gen-Reis in Asien und den USA anbauen und von dort aus in die Europäische Union einführen (SWB 2/04). Eine entsprechende Import-Genehmigung hat er im März 2004 bei der EU beantragt. Im September 2004 fand eine Beratung der Mitgliedsländer zu diesem Thema statt. Das nahmen FRIENDS OF THE EARTH EUROPE, die indische GENE CAMPAIGN und die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) zum Anlass, sich in einem Offenen Brief vehement gegen die Zulassung des gegen das Herbizid LIBERTYLINK immunen Reis’ auszusprechen.

Offener Brief an EU-Kommission
Die Europäische Union gerät immer mehr “unter Einfluss” von BAYER & Co. (siehe auch POLITIK & EINFLUSS). Aus Protest dagegen haben die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und 49 andere Organisationen einen Offenen Brief an den neuen Kommissionspräsidenten José Barroso geschrieben. Darin fordern die Initiativen Beschränkungen für die unzähligen Lobby-Gruppen wie eine Registrierung und eine Berichtspflicht über ihre vielfältigen Aktivitäten. Darüber hinaus kritisieren die UnterzeichnerInnen die zunehmend industrie-freundliche Ausrichtung der EU-Politik selber. “Immer öfter setzen sich Partikular-Interessen einzelner Industrie-Zweige gegenüber dem Allgemeinwohl durch - dies ist mit demokratischen Prinzipien nicht zu vereinbaren. So wurde auf Druck der deutschen Chemie-Industrie die ursprünglich ambitionierte Reform der EU-Chemikalien-Gesetzgebung vollkommen verwässert”, konstatiert CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes in dem Schreiben. Die Pressure Groups der Multis sahen sich zu Reaktionen herausgefordert. Ihr Verband startete eine Initiative zur Registrierung - natürlich auf freiwilliger Basis. Als eine völlig unzureichende, rein kosmetische Maßnahme bezeichnete dies Offener-Brief-Mitinitiator Eric Wesselius von der konzern-kritischen CEO in einer Stellungnahme.

Empörung über Chef-Gehalt
Ein Leserbrief-Schreiber empörte sich angesichts der ausgewiesenen BAYER-Verluste von ca. 1,4 Milliarden Euro für das Geschäftsjahr 2003 über das im gleichen Zeitraum stattlich um 300.000 Euro angestiegene Salär von Konzern-Chef Werner Wenning. “Es ist doch so, dass Bauern, Handwerker, Händler von dem leben - müssen - , was sie erwirtschaftet haben (...) Und daran sollte sich auch ein Vorstandsvorsitzender, der sicher gerne von ‘meiner Firma’ spricht, orientieren, meint der Rheinpfalz-Leser.

Stoiber: Manager-Gehälter senken!
Sogar dem bayrischen CSU-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber erscheinen die Manager-Gehälter zu hoch, weshalb er für eine Absenkung eintrat. “Ich halte das im Sinne einer sozialen Symmetrie für unumgänglich”, so Stoiber. Der Präsident des “Bundesverbandes der Deutschen Industrie”, Michael “Rocky” Rugowski, findet aber nichts Anstößiges an dem 1,6 Millionen-Gehalt von BAYER-Chef Werner Wenning und den Bezügen seiner Kollegen, er hätte es sogar gern noch ein wenig asymmetrischer. Im internationalen Vergleich lägen nicht die Manager-Gehälter, sondern die Arbeitnehmer-Löhne im oberen Bereich, gibt die Münchner tz seine Worte wieder.

Studie rügt falsche BAYER-Angaben
Das Kölner “Institut für evidenz-basierte Medizin” untersuchte 143 Broschüren, mit denen die Pharma-DrückerInnen von BAYER & Co. ÄrztInnen über die Konzern-Produkte informieren. Das Ergebnis war schockierend. Die Unterlagen strotzten vor falschen oder irreführenden Angaben. Es fehlten Hinweise auf Nebenwirkungen, während sie therapeutische Erfolge übertrieben darstellten. Der Leverkusener Chemie-Multi etwa stellte die schnelle und lange Wirksamkeit des Potenz-Mittels LEVITRA heraus, verschwieg aber, dass diese Aussage sich bloß auf Tests mit betäubten Hasen bezog. Nur in sechs Prozent der Broschüren fanden die Kölner ForscherInnen keine Mängel. Der Institutssprecher Thomas Kaiser trat deshalb für eine Kontrolle dieser Pharma-Publikationen ein. “Wenn man sich überlegt, dass sich die Ärzte auf diese Produkt-Informationen verlassen, muss sichergestellt sein, dass sie auch korrekt sind”, so Kaiser. Würde es diesen Check schon geben, hätten die Pharma-GAUs “LIPOBAY” und “VIOXX” bestimmt nicht so ein Ausmaß angenommen.

KAPITAL & ARBEIT

Ergebnis-Steigerung von 27,6 Prozent
“Die Kostensenkungsprogramme, die Straffung der Organisationen, die Bereinigung der Bilanzen, auch ein massiver Arbeitsplatz-Abbau zeigen Wirkung: Insbesondere viele große Konzerne haben ihre Gewinne massiv gesteigert”, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Auch die BAYER-Bosse haben erfolgreich nach der Devise “Wenn es dem Unternehmen gut gehen soll, muss es den Beschäftigten schlecht gehen” gehandelt. Der Leverkusener Chemie-Multi hat bis September 2004 bereits ein operatives Ergebnis 1,87 Milliarden Euro eingefahren, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 27,6 Prozent bedeutet.

Schneider: Mehr Geld, weniger Mitbestimmung
Niemand in der bundesdeutschen Wirtschaft hat so viele Aufsichtsratsposten ergattert wie der ehemalige BAYER-Chef Manfred Schneider. Neben seinen Jobs als Aufsichtsratsvorsitzender bei BAYER und LINDE hat er noch Sitze in den Kontroll-Gremien von ALLIANZ, DAIMLER CHRYSLER, METRO, RWE und TUI inne. Die Springer-Presse kürte ihn deshalb zum “mächtigsten Mann Deutschlands”. Diese Macht will er jetzt dazu nutzen, um die Mitbestimmung zu demontieren. In der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung trat er dafür ein, die Größe der Aufsichtsräte zu reduzieren und die Mandate der GewerkschaftsvertreterInnen auf unter 50 Prozent zu senken. Heutzutage würden angeblich nämlich “leicht Koalitionen gebildet, um Ziele zu erreichen, die nicht unbedingt mit den Interessen des Unternehmens im Sinne der Aktionäre übereinstimmen müssen”, meint Schneider. Dazu hat er noch die Chupze, für sich und seinesgleichen mehr Geld zu fordern. Als “nicht angemessen” bezeichnete er das derzeitige Honorar von 50 - 60.000 Euro pro Mandat.

LANXESS will rationalisieren
“Kosten senken und die Profitabilität steigern” - das ist nach Aussage des LANXESS-Chefs Axel Heitmann die Geschäftsgrundlage des Unternehmens, welchem BAYER alle angeblich zu unprofitablen Chemie-Bereiche zugeschlagen hat. Heitmann kündigte direkt nach der die Abspaltung besiegelnden außerordentlichen Hauptversammlung ein Rationalisierungsprogramm im Umfang von 25 Millionen Euro an. Im nächsten Jahr kommen dann “sämtliche Geschäftsprozesse auf den Prüfstand”. 40 Prozent der Geschäftseinheiten liegen bei der Umsatz-Rendite nämlich unter fünf Prozent und erfüllen damit nicht die Profit-Ziele der Bosse. Besonders schlecht steht es nach Heitmann um die Feinchemie und den Kunststoff Styrenics. Hier schloss der LANXESS-Chef für die Zukunft Verkäufe nicht aus. Zu den avisierten Betriebsschließungen in Goch und Marl dürften auch noch einige dazu kommen. Arbeitsplatz-Vernichtung im großen Stil verhindert einstweilen noch die bis 2007 geltende “Standort-Sicherungsvereinbarung”. Personalkosten-Senkungen beabsichtigt LANXESS deshalb auf anderem Wege zu erreichen. Handlungsspielraum könne sich etwa bei den Arbeitszeiten ergeben, gibt die Faz Heitmanns Worte wieder. “Da werden die Beschäftigten mitmachen, schließlich geht es um ihre Arbeitsplätze”, äußerte sich Axel Heitmann zuversichtlich über das Gelingen des Erpressungsmanövers.

CROPSCIENCE will rationalisieren
BAYER CROPSCIENCE kriegt den Hals nicht voll. BAYERs Landwirtschaftssparte will die Umsatz-Rendite von 19 Prozent bis zum Jahr 2006 auf 25 Prozent steigern und hat deshalb ein Kostensenkungsprogramm im Umfang von 200 Millionen Euro im Jahr beschlossen. Das bedeutet Arbeitsplatz-Vernichtung im großen Stil. Allein in Monheim und Frankfurt streicht der Konzern insgesamt 200 Stellen. Die Belegschaften starteten Protest-Aktionen (siehe AKTION & KRITIK).

Pharma: Über 500 Jobs weniger
BAYER hat seine Pläne zur Arbeitsplatz-Vernichtung in der Pharma-Forschung konkretisiert. Der Konzern will in Wuppertal 440 der 3.000 Jobs streichen und im US-amerikanischen New Haven 110 Stellen abbauen. Nachdem die Weltmarkt-Aspirationen im Bereich “Pharma” gescheitert sind, positioniert sich der Leverkusener Chemie-Multi als “mittelgroßes europäisches Unternehmen” neu. Im Zuge dieses Strategie-Wechsels hat der Konzern zahlreiche Forschungsgebiete aufgegeben wie z. B. “Asthma” (siehe IMPERIUM & WELTMARKT), “Urologie” und “Infektionskrankheiten”, das Pharma-Forschungszentrum im japanischen Kyoto geschlossen und die Kapazitäten im kalifornischen Berkeley reduziert.

BAYER bildet zu wenig aus
Erlangte die Ausbildungsplatz-Abgabe Gesetzes-Kraft - was nicht zu erwarten ist -, so müsste BAYER zahlen. Das Unternehmen erreicht nämlich nicht die Ausbildungsquote von sieben Prozent der Belegschaft. Kosten von 1,5 bis 2 Millionen Euro kämen auf den Konzern zu.

Schlimme BAYER-Jahre
Das manager-magazin 3/04 gibt einen Einblick in das schlechte Betriebsklima bei BAYER. “Die letzten Jahre waren schlimm”, gesteht ein langjähriger Mitarbeiter dem Reporter und klagt über Abteilungen, die heute A und morgen B hießen und andere kurzlebige Veränderungen, die ihn nur noch seine Pension herbeisehnen ließen.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten
Während BAYER für das Geschäftsjahr einen Verlust von 1,36 Milliarden Euro auswies, stieg das Gehalt von BAYER-Chef Werner Wenning im gleichen Zeitraum um 300.000 Euro auf 1,6 Millionen, obwohl die Bezüge angeblich erfolgsbezogen sind. Sie beziehen sich allerdings nicht auf die Richtgröße “Gewinne/Verluste”, sondern auf den “Brutto-Cashflow”. Und der vermehrte sich wundersam, während das Unternehmen rote Zahlen schrieb. Diese schrieb der Konzern nämlich nur für die Steuerbehörden mittels Wertberichtigungen und hohen Abschreibungen.

Schiwy droht
Die so genannte Globalisierung dient BAYER als willkommene Ausrede, um weiterhin fröhlich Arbeitsplätze zu vernichten. “Wir müssen uns anpassen. Tun wir das nicht, sind wir nicht mehr da”, sagte der Brunsbütteler Werksleiter Willy Schiwy und konkretisierte: “Wir werden weiter rationalisieren müssen, sonst sind wir nicht mehr konkurrenzfähig”.

Schmoldt schützt Kapital-Einkünfte
In der SPD gab es bei der Diskussion um die Bürgerversicherung den Vorschlag, bei der Beitragsberechnung auch Kapital-Einkünfte einzubeziehen. Dagegen wandte sich der IG BERGBAU, CHEMIE UND ENERGIE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt, der bei BAYER im Aufsichtsrat sitzt, vehement. “Wer Leistungsträger überfordert, provoziert eine Akzeptanz-Krise der Sozialversicherung überhaupt”, meint Schmoldt. Vielleicht sollte er den neoliberalen Gewerkschaftsbund gründen.

Wieder nur 1.000 Lehrlinge
Um mehr als ein Drittel ist die Zahl der Ausbildungsplätze bei BAYER in den letzten vierzehn Jahren zurückgegangen. Gab es 1990 in den Werken noch 1.600 Lehrstellen, so strich der Konzern diese bis zum Herbst 2004 auf rund 1.000 zusammen. Zudem übernimmt der Chemie-Multi in der Regel nur die Hälfte der Ausgebildeten.

POLITIK & EINFLUSS

Gentechnik-Gesetz beschlossen
Am 26.11. 2004 hat der Bundestag das Gentechnik-Gesetz verabschiedet (siehe auch Ticker 1/04). Damit gibt Rot-Grün grünes Licht für die “grüne Gentechnik”. Ausdrücklich verschreibt sich das Paragraphen-Werk der Förderung gentechnologischer Forschung. Getreu Gerhard Schröders Devise, man müsse das Augenmerk hauptsächlich auf die Chancen neuer Technologien richten, nicht aber auf die möglichen Risiken, zeigt sich die Regierungskoalition blind für die Gefährdungen durch Gentech-Pflanzen. Die Gefahr der Auskreuzungen von gentechnisch manipulierten Nutz-Pflanzen mit konventionell angebauten Sorten will die Gesetzes-Novelle einfach mit Abstandsregelungen verhindern. Kommt es dann doch zu einer Gen-Übertragung, sollen nicht etwa BAYER & Co. haften, sondern die LandwirtInnen. Im Vorfeld hatte der Leverkusener Chemie-Multi sich deshalb positiv über das Vorhaben geäußert, die europäische Freisetzungsrichtlinie in bundesdeutsches Recht umzusetzen und nur ein wenig an Details der Abstandsregelung herumgemäkelt. Im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens verschärften die Gen-Giganten allerdings die Kritik und sprachen von einem Gentechnik-Verhinderungsgesetz, um Veränderungen bei der Haftungsregelung zu erreichen. Am Tag der Entscheidung schließlich bezeichnete ein Sprecher von BAYER CROPSCIENCE das Votum des Bundestages für das Gesetz als “nicht hilfreich”.

Lobby-Club Wirtschaftsministerium
Der jüngste Wirtschaftsbericht des Wirtschaftsministeriums lässt keinen Zweifel an der Amtsauffassung von Wolfgang Clement. Der Superminister versteht sich als erster Lobbyist im Staate. Wirtschaftspolitik, so heißt es in der Publikation, “muss industrie-politische Belange fördern und sie bewusst gegen Forderungen aus anderen Politik-Bereichen wie der Umwelt- oder Verbraucher-Politik oder gegen wettbewerbsverzerrenden Maßnahmen anderer Staaten vertreten”. Als solche kontroversen Politik-Felder bezeichnet der Bericht die Abgas-Normen für Autos, die Chemikalien-Gesetzgebung der EU, die Förderung der Gentechnik und die Beschleunigung der Arzneimittel-Zulassungen. Die drei letzten Punkte hat zweifellos BAYER mit auf die Agenda des Ministeriums gesetzt.

EU: Industrie-Studie übertreibt
Unermüdlich arbeiteten BAYER & Co. an einer weiteren Aufweichung des Chemikalien-Gesetzes der EU, das die VerbraucherInnen besser vor giftigen Substanzen schützen will. Die Konzerne gaben eine Studie in Auftrag, die auch brav das bestellte Horror-Szenario ablieferte und eine Gefährdung von Millionen Arbeitsplätzen durch das neue Regelwerk vorhersagte. Trotzdem erfüllte die Untersuchung nicht den beabsichtigten Zweck. Das EU-Parlament wies ihre Prognosen als übertrieben und unsachlich zurück.

Florenz Umweltausschuss-Vorsitzender
Der nordrhein-westfälische EU-Umweltpolitiker Karl-Heinz Florenz (CDU) ist BAYER-Dauergast und dem Konzern bei der Obstruktionspolitik gegen die europäische Chemikalien-Verordnung treu zu Diensten. Diese Arbeit kann er jetzt in herausgehobener Position fortsetzen. Florenz sitzt dem mit der Umsetzung des Regelwerks betrauten Ausschuss der Europäischen Union vor und hat auch schon die Marsch-Route vorgegeben. Er will “Industrie-Interessen stärker berücksichtigen”. Der Christdemokrat hat erstmal eine Verzögerungstaktik eingeschlagen, so dass die Regelung dem Straßburger Parlament erst im Herbst 2005 zur Abstimmung vorliegen wird.

Chemie-Gesetz: unendliche “Nachbesserungen”
Der Protest von BAYER & Co. gegen das Chemikalien-Gesetz der EU hat zu einer Neuausrichtung der gesamten Brüsseler Politik geführt (SWB 4/04). Super-Kommissar Günter Verheugen kann nicht nur sämtliche Gesetzes-Vorhaben auf ihre Wirtschaftsverträglichkeit hin prüfen, ihm obliegt auch die Umsetzung der Chemikalien-Verordnung. Wie er diese in die Wege leiten will, daran ließ er bei seiner Anhörung durch das Straßburger Parlament keinen Zweifel. “Das Gesetz muss so handhabbar sein, dass die Unternehmen nicht darunter zusammenbrechen”, sagte er ganz im Bann des von den Chemie-Multis entworfenen Katastrophen-Szenarios. Auch der neue Umwelt-Kommissar Stavros Dimas hat gegen weitere “Nachbesserungen” im Sinne der Industrie nichts einzuwenden.

IHK-Büro in Brüssel
Auf Initiative des Werksleiters der Brunsbütteler BAYER-Niederlassung, Willy Schiwy, haben 13 norddeutsche Industrie- und Handelskammern ein gemeinsames Büro in Brüssel eröffnet. Neben der weiteren Verwässerung der Chemikalien-Verordnung steht für die LobbyistInnen hauptsächlich auf der Agenda, die geplante Ausweisung von Naturschutz-Gebieten im Norden zu verhindern (siehe auch WASSER, BODEN & LUFT).

Bundesverdienstkreuz für Stindt
BAYERs Arbeitsrechtler Heinrich Meinhard Stindt hat das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekommen. Der Leiter der Konzern-Abteilung “Strategie und Politik” im Bereich “International Human Ressources” bekam die Ehrung “für sein Engagement um die Entwicklung von Recht und Praxis in der Beschäftigung und der Arbeitsförderung”. Dieses “Engagement” sah unter anderem so aus, dass Stindt vorschlug, neu abgeschlossene Arbeitsverträge sollten einen Passus enthalten, der den Unternehmen erlaubt, in Krisenzeiten bis zu 20 % des Grundlohns einzubehalten und die Arbeitszeit entsprechend zu kürzen. Auch sträubte er sich mit Händen und Füßen gegen einen neuen Passus im Arbeitsrecht, wonach die Beschäftigten bei geplanten Fusionen oder Ausgliederungen umfassend über die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen aufzuklären sind.

Kubicki bei BAYER
Der schleswig-holsteinische Landtagsfraktionschef der FDP, Wolfgang Kubicki, besuchte mit der Brunsbütteler Ortsvereinsvorsitzenden Bettina Jebens und der Landtagsabgeordneten Veronika Kolb das BAYER-Werk an der Elbe und betätigte sich bei einem Gespräch mit Wirtschaftsrepräsentanten als zuverlässiger Lautsprecher der Konzern-Interessen. Er wetterte gegen die EU-Chemikalien-Verordnung, die geplante Ausweisung von mehr Naturschutzgebieten und die hohen Energie-Kosten, die angeblich durch die Windkraft-Subvention entstanden seien.

Bush gegen Re-Importe
Die hohen Arzneimittel-Preise in den USA stoßen zunehmend auf Kritik in der Öffentlichkeit (siehe auch unter DRUGS & PILLS). Da die Kosten für Medikamente um zwei Drittel über denen in Kanada liegen, treten viele PolitikerInnen dafür ein, den Re-Import der Mittel aus dem Nachbarland zu erleichtern. Aber George W. Bush wusste, was er dem Leverkusener Chemie-Multi, der ihn im Wahlkampf mit 120.000 Dollar unterstützt hat, und anderen Herstellern schuldig ist. Er lehnte die Forderung ab. Zudem hat seine Reform des Gesundheitsprogrammes “Medicare”, das künftig gegen eine Kopf-Prämie von 35 Dollar im Monat dreiviertel der Kosten für verschreibungspflichtige Pillen übernimmt, aus Kanada oder anderen Staaten stammende Pharmazeutika ausdrücklich von der Regelung ausgenommen.

PROPAGANDA & MEDIEN

Kinderarbeit: BAYER desinformiert
Die neue Studie der indischen Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION stellt keine wesentliche Verbesserung der Situation von Kindern fest, die für Zuliefer der BAYER-Tochter PROAGRO in der Saatgut-Produktion arbeiten (siehe AKTION & KRITIK). In seiner öffentlichen Reaktion auf die OECD-Beschwerde der CBG und anderer Organisationen besitzt der Leverkusener Chemie-Multi nun die Unverfrorenheit, das Ergebnis der Studie in einer Presse-Erklärung umzuinterpretieren und sich selber so “erste Erfolge” im Engagement gegen die Kinderarbeit zuzuschreiben. Dabei schreckte der Konzern nicht einmal davor zurück, den Autoren der Untersuchung, Dr. Davaluri, als Kronzeugen für die angeblich positiven Veränderungen anzuführen.

Neue Chemie-Kampagne des VCI
Der “Verband der Chemischen Industrie” (VCI) hat eine neue Kampagne zur Image-Verbesserung von Plaste & Elaste gestartet. Sie stellt einmal mehr Chemie als unverfänglichen Begleiter des Alltags dar. “Sie macht Glas kratzfest, Sonnenbaden unbeschwert, Bildschirme flacher, PCs schneller” - und Lebensmittel giftiger, die Flüsse verseuchter, die Luft schmutziger, die Ozonlöcher größer und die Menschen kränker, was in der Aufzählung der BAYER-Propaganda-Postille direkt allerdings fehlt. Das abgebildete Werbe-Foto zeigt dagegen ganz groß das Wort “Verknallt”, wobei “AL” als Bezeichnung für Aluminium markiert ist. Dazu schmiegt sich eine Reinigungskraft verzückt an die offenbar aus Aluminium gefertigte Kachelwand eines Hallenbades an.

BAYER predigt
Der Leverkusener Chemie-Multi erweiterte im November 2004 das Spektrum seiner Werbe-Auftritte. Der Dormagener Chemie“park”-Leiter Walter Schulz bestieg die Kanzel der evangelischen Christus-Kirche und verkündete BAYERs Wort. In seiner Litanei berichtete er von gar Unglaublichem wie dem “gesellschaftlichen Engagement von BAYER”, der wundersamen Armenhilfe für brasilianische Kinder aus der Porto-Kasse eines Welt-Konzerns und verkündete, “dass nicht nur ökonomische, sondern auch und in gleichem Maße ökologische Kompetenz unabdingbar ist für das erfolgreiche Handeln”. Wer’s glaubt, wird selig.

Neue BAYER-Werbung
BAYER hat eine neue Werbe-Kampagne gestartet. Sie steht unter dem Motto “Science For A Better Life” und belässt es natürlich bei Versprechungen. Das Anzeigen-Motiv “Krebs aufhalten - Leben verlängern” etwa suggeriert, der Leverkusener Chemie-Multi hätte ein wirkungsvolles Mittel gegen Krebs entwickelt, was lediglich das Kleingedruckte relativiert. Die Annonce “Leben erforschen - Träume verwirklichen” zeigt ein niedliches Mädchen asiatischer Abstammung mit einer niedlichen Kinder-Zeichnung - man ist ja schließlich international ausgerichtet - und stellt eine Menge guter Fragen wie z. B.: “Wie kann immer mehr Menschen besser ernähren, ohne dabei die Natur zurückzudrängen?”, bleibt dann allerdings die Antwort schuldig. Zu einem Zeitpunkt, da der Konzern sein soziales Engagement real immer weiter zurückfährt (siehe STANDORTE & PRODUKTION), kommt darüber hinaus die “Corporate Social Responsibility” als Werbe-Motiv zumindest virtuell zu neuen Ehren.

Beteiligung an SCALE
BAYER beteiligt sich am SCALE-Projekt der EU, das die Auswirkung von Substanzen auf die Gesundheit von Kindern analysieren will. “Allerdings dürfe der Focus nicht einseitig auf möglichen Auswirkungen von Chemikalien liegen, warnen BAYER und der ‘Verband der Chemischen Industrie’ (VCI)”, heißt es in der Konzern-Postille direkt. Keinesfalls dürfe das bloße Vorhandensein eines Stoffes im Körper dazu führen, ihn als Krankheitsursache dingfest zu machen und ihn womöglich gar zu verbieten. BAYER lenkt hingegen von der lästigen Chemie ab. “Auch andere, für Kinder relevante Faktoren müssen berücksichtigt werden”, meint der Pharma-Riese. Als solche erachtet er Übergewicht, Bewegungsmangel, Reizüberflutung, passives Rauchen und Alkohol-Konsum. Geschickt eingefädelt: In dieser Krankheitsreiz-Überflutung soll die Chemie als eine Gesundheitsgefährdung von vielen untertauchen.

Ökotest lobt LEVITRA
Die Zeitschrift Ökotest hat im August 2004 43 Mittel zur Behandlung von Erektionsstörungen geprüft dabei dem BAYER-Produkt LEVITRA eine sinnvolle pharmakologische Zusammensetzung und gute Wirksamkeit bescheinigt. Ein peinliches Urteil: Die Publikation übernahm nicht nur kritiklos die Industrie-Angaben, wonach in der Bundesrepublik angeblich vier bis sechs Millionen Männer an “erektiler Dysfunktion” leiden, sie verschwieg auch die zahlreichen Nebenwirkungen. Als solche zählt eine von BAYER selbst in Auftrag gegebene Studie Kopfschmerzen, Gesichtsrötungen, Nasenschleimhaut-Entzündungen, Grippe-Symptome und Verdauungsbeschwerden auf (Ticker 1/03).

Werbe-Plattform Landesgartenschau
Der Leverkusener Chemie-Multi nutzt die über den 126.000 Tonnen Schadstoff seiner ehemaligen Giftmüll-Deponie Dhünnaue errichtete Landesgartenschau 2005 (siehe auch unter WASSER, BODEN & LUFT) in massiv als Werbe-Plattform. So sollen etwa ein “Unkraut-Lehrpfad” und Bilder von “Pflanzen-Krankheiten” den Segen der BAYER-Pestizide preisen.

BAYER kauft Wissenschaftler
BAYERs Diabetes-Mittel GLUCOBAY steht seit langem in der Kritik. Nach Meinung des Pharmakologen Gerd Glaeske handelt es sich dabei um ein Präparat, das “gerade mal so wirksam ist wie Müsli”. Da wunderte es die Fachwelt schon, dass ein Artikel in dem Fachmagazin Lancet zu einer positiven Bewertung kam. BAYER musste dabei allerdings kräftig nachhelfen. Der Konzern selbst hatte die Studie in Auftrag gegeben, bezahlt und die Bedingungen festgelegt. Das verschwiegen die AutorInnen, womit sie eindeutig gegen den Verhaltenscodex der Zeitschrift verstießen. Einer der Beteiligten, der Dresdener Professor Markolf Hanefeld, blieb dem Leverkusener Chemie-Multi auch darüber hinaus noch verbunden. Im Zuge der Verhandlungen über die Positiv-Liste für therapeutisch sinnvolle Medikamente setzte er sich in der Ärzte-Zeitung vehement dafür ein, GLUCOBAY in das Verzeichnis aufzunehmen. Unterstützung erhielt er in dem Blatt von dem Präsidenten der “Deutschen Diabetes-Union, dem Münchner Diabetologen Eberhard Standl. Aus freien Stücken, beteuerte Standl, er stehe nicht in Diensten BAYERs. Leider ist er aber auf der ReferentInnen-Liste des Konzerns mit einem Honorar von 1.000 Euro aufgeführt.

BAYER spart an der Kultur
Nicht nur bei der Unterstützung des Breitensports, auch beim image-fördernden Kultur-Sponsoring reduziert der Leverkusener Chemie-Multi sein Engagement. So schrumpfte sein Kultur-Etat in den letzten vier Jahren um 10 Prozent.

Sportler laufen für BAYER
Der Leverkusener Chemie-Multi finanzierte den “TransEuropaLauf”, der 49 Teilnehmer durch 5.017 Kilometer Europa führte. “BAYER stieg ein, wohlwissend, dass dieses Engagement zum positiven Image der Marke Polymers beitragen würde”, heißt es dazu im Werbe-Fachblatt PR Report. Diese Vermarktungsaufgabe übernahm für den Konzern die Agentur ATKON. Sie produzierte unter anderem einen Magazin-Beitrag, den klamme Privatsender dankend abnahmen, und vermittelte Interviews mit Läufern. “Der Aufwand hat sich gelohnt: Weltweit gab es 110 Millionen Zuschauer”, resümiert der PR Report.

TIERE & ARZNEIEN

BAYER verkauft Impfstoffe
Der Leverkusener Chemie-Multi hat die EU-weiten Vermarktungsrechte für IBR-Marker-Impfstoffe sowie für noch in der Entwicklung befindliche Vakzine an PFIZER verkauft.

DRUGS & PILLS

Höhere Pillen-Preise
BAYER & Co. holen sich die durch die “Gesundheitsreform” erfolgten finanziellen Einbußen über höhere Arzneimittel-Preise zurück. So verlangten die Pharma-Multis für ihre Erzeugnisse um die Jahreswende 2003/2004 durchschnittlich 18 Prozent mehr als 12 Monate zuvor. Nach Angaben des arznei-telegramms tat sich dabei neben TROPON und CELL PHARM vor allem BAYER hervor. Damit behauptet sich die Bundesrepublik in der Rangliste der Länder mit den kostenträchtigsten Arzneien sicher auf Platz fünf.

Weitere Zulassungen für LEVITRA
BAYER hat für das Potenz-Mittel LEVITRA (Nebenwirkungen: siehe unter PROPAGANDA & MEDIEN) Zulassungen auch in Kanada, China und Japan erhalten. Es ist jetzt in 76 Ländern erhältlich.

Medikamenten-Abhängigkeit steigt
Die Zahl der Medikamenten-Abhängigen nimmt ständig zu. Mittlerweile sind in der Bundesrepublik 1,5 Millionen Menschen betroffen. Als Arzneien mit hohem Sucht-Potential gelten neben Schmerzmitteln wie BAYERs ASPIRIN vor allem Beruhigungsmittel und Antidepressiva.

Orphan Drug “BAY 43-9006”
Pharma-Konzerne betrachten es nicht als ihre ureigene Aufgabe, Arzneien zur Behandlung von möglichst vielen Krankheiten zu erfinden. Sie wollen lediglich Medikamente zur Therapie der verbreitesten Gesundheitsstörungen entwickeln, weil nur das genügend Profit verspricht. Haben sie denn zufällig doch einmal zufällig ein aussichtsreiches Pharmazeutikum für ein seltenes Leiden in den Labor-Töpfen, so lassen sie sich die Weiterentwicklung subventionieren. Diese Aufgabe erfüllt die Verleihung des Orphan-Drug-Status (orphan = engl. Waise). Ein solches Prädikat bekam BAYER jetzt für den Wirkstoff “Bay 43-9006” (siehe Ticker 3/04) als Nierenkrebs-Therapeutikum zugebilligt. Es räumt dem Leverkusener Chemie-Multi eine verlängerte Patent-Laufzeit und geringere Zulassungsgebühren ein.

Zulassungsantrag für “BAY 43-9006”
BAYER will für das in der letzten Phase der Erprobung steckende Nierenkrebs-Medikament “BAY 43-9006” bei der US-Gesundheitsbehörde FDA einen Zulassungsantrag stellen, obwohl sich einige InvestorInnen von den Test-Daten der Phase zwei enttäuscht zeigten. Die Substanz gehört wie PFIZERs SU11248 zu den so genannten Signal-Transduktionsinhibitoren. Sie sollen die Signal-Wirkung von Wachstumsfaktoren stören, so dass Tumore sich nicht länger vergrößern können. Aber im direkten Vergleich mit dem PFIZER-Präparat sieht es nicht so gut für “BAY 43-9006” aus. “Der Wirkstoff konkurriert direkt mit SU11248 und scheint in der Wirkung etwas schwächer zu sein”, urteilt das Magazin GoingPublic.

Aus für TAXANE
Wieder einmal konnte ein von BAYER schon als Wundermittel gegen Krebs gepriesenes Medikament die hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Anfang September stoppte der Leverkusener Chemie-Multi die Erprobung von TAXANE. Wegen nicht ausreichender Wirksamkeit schaffte die Arznei den Sprung in die dritte Test-Phase nicht. Im Frühjahr hatte der Konzern Gerüchte um Probleme noch dementiert. “TAXANE ist sehr lange in Phase zwei, das heißt aber nicht, dass es in Schwierigkeiten ist”, hatte der damalige Gesundheitschef Rolf Clasen die Presse beruhigt. Sogar den jährlichen TAXANE-Umsatz hatte das Unternehmen schon taxiert: 400 Millionen Dollar.

Neue ONKOLOGIE-Sparte
BAYER baut für die Vermarktung von Krebsmedikamenten eine neue Sparte auf. Bis auf die für SCHERING-PLOUGH vertriebenen Arzneien beschränkt sich die Produkt-Palette bisher allerdings auf VIADUR alias LEUPROLID, eine umsatzschwache Arznei gegen Prostata-Krebs. Das Pharmazeutikum TAXANE (s. o.) konnte das Angebot wider Erwarten nicht erweitern. Bei Arzneimittel-Tests erwies es sich als mangelhaft. Jetzt ruhen die Hoffnungen allein auf der sich ebenfalls in der Erprobung befindlichen Substanz “BAY 43-9006” zur Behandlung von Nierenkrebs.

Zweifelhafte ADALAT-Studie
Nach einer neuen Studie führt BAYERs Herz/Kreislauf-Medikament ADALAT bei Hochrisiko-PatientInnen zu einem um 30 Prozent geringeren Infarkt-Risiko. Ob der Konzern die Untersuchung selber in Auftrag gegeben hat, oder ob sie allein der Objektivität verpflichtete WissenschaftlerInnen durchgeführt haben, teilte der Pharma-Riese nicht mit. An den Ergebnissen bestehen in jedem Fall große Zweifel. So mussten US-PharmakologInnen Ende der 90er Jahre eine Test-Reihe sogar abgebrechen, weil die ADALAT-ProbandInnen fünf mal häufiger einen Herzinfarkt erlitten hatten als die TeilnehmerInnen aus der Vergleichsgruppe (Ticker 1/99). “Wenn ich jetzt böswillig wäre, was ich nicht bin, könnte ich ausrechnen, dass über 200.000 Menschen im Laufe der letzten 20 Jahre, dass wir die umgebracht haben mit Kalzium-Antagonisten (...)!”, kommentierte der heutige Leiter des Institutes für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, Dr. Peter Sawicki, damals den Vorfall.

HIV-Test für Blut-Plasma genehmigt
Der Leverkusener Chemie-Multi kann jetzt seine Blut-Produkte selber auf HI-Viren untersuchen. Die US Gesundheitsbehörde FDA erteilte die Zulassung für einen entsprechenden Test auf Gentech-Basis. Sie machte damit den Bock zum Gärtner. Seit Mitte der 80er Jahre starben nämlich Tausende Bluter an AIDS-verseuchten Blutplasma-Produkten von BAYER, weil der Konzern sich wie andere Hersteller aus Profit-Gründen weigerte, die Präparate einer Hitze-Behandlung zu unterziehen.

Ärger im Pharma-Paradies
Nirgendwo können BAYER & Co. so viel Geld für ihre Medikamente verlangen wie in den USA. So kostet BAYERs Potenz-Mittel LEVITRA in den Vereinigten Staaten doppelt so viel wie in der Bundesrepublik. Diese Hochpreis-Politik ist jedoch zunehmender Kritik von Verbraucherschutz-Organisationen ausgesetzt. Selbst Industrie-Vertreter wie der ehemalige MERCK-Boss Roy Vagelos sehen das Ende der Fahnenstange erreicht. “Staatliche Preis-Kontrollen sind fast unvermeidlich”, sagte er der New York Times. 46 Bundesstaaten haben bereits mit Planungen für Kostendämpfungsprogramme begonnen. John Kerry wollte sie im Falle eines Wahlsieges ausgebauen, weshalb BAYER & Co. wie schon im Jahr 2000 den Wahlkampf von George W. Bush großzügig unterstützt haben.

BAYER profitiert von gefährlicher Diät
ErnährungswissenschaftlerInnen warnen eingehend vor der “Atkins-Diät”. Sie schreibt den weitgehenden Verzicht auf Kohlenhydrat-haltige Nahrungsmittel wie Brot, Reis, Kartoffeln und Nudeln vor, was unter anderem zu Mangel-Erscheinungen, Verdauungsproblemen, Muskelkrämpfen und Schwäche-Anfällen führt. Den Leverkusener Chemie-Multi jedoch ficht das nicht an. Der Konzern bietet begleitend zur “Atkins-Diät” Nahrungsergänzungsmittel wie den Vitamin-Cocktail ONE-A-DAY CARBSMART an, um die Folgen der unausgewogenen Ernährung auszugleichen, und setzt damit jährlich zwei Millionen Dollar um. Die von BAYER ebenfalls zum Bei-Konsum bei allen Diäten empfohlene Pille ONE-A-DAY WEIGHTSMART brachte es sogar auf 32 Millionen Dollar per anno (siehe auch SWB 4/04).

GENE & KLONE

Kein Gen-Soja in Belgien
Belgien ist kein gutes Pflaster für BAYER. Nachdem die Behörden vor einiger Zeit die Zulassung von Gen-Raps wegen der Auskreuzungsgefahr und der negativen Auswirkungen auf die Artenvielfalt abgelehnt hatten (Ticker 1/04), zog der Leverkusener Chemie-Multi jetzt einen Antrag auf Genehmigung von gentechnisch manipuliertem Soja freiwillig zurück.

Gentech-Rückzug in England

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Ende 2003 hatte BAYER in England das Zulassungsbegehr für Gen-Mais zurückgezogen, weil der Konzern die Auflagen der Regierung nicht akzeptieren wollte. Nachdem die britische Umweltministerin Margaret Beckett in einer Regierungserklärung klarstellte, dass die Gen-Multis und niemand sonst die Haftungsrisiken für die “Zukunftstechnologie” zu tragen hätten und ein behördliches OK für Gen-Raps und -Zuckerrübe von vornherein ausschloss (Ticker 2/04), stoppte der Konzern die Genehmigungsanträge für fünf Raps-Linien und eine Futtermais-Sorte.

Gentech-Rückzug in England

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Mitte November 2004 zog BAYER in Großbritannien die Zulassungsanträge für zwei Sorten Gentech-Raps zurück.

Gen-Raps in Australien
BAYER hat in der australischen Provinz Victory Freisetzungsversuche mit Gen-Raps begonnen. LandwirtInnen schlugen wegen möglicher Auskreuzungen mit ihren Acker-Früchten Alarm, woraufhin die Provinz-Regierung den Leverkusener Chemie-Multi aufforderte, die Lage des Felds bekanntzugeben. Zunächst wollten die PolitikerInnen die Stelle sogar selbst outen, beugten sich dann aber dem Willen ihrer Bundesregierung. Der Konzern verriet den Tatort selbstverständlich nicht, woraufhin das NETWORK OF CONCERNED FARMERS die Sache selbst in die Hand nahm und mit Flugzeugen nach gen-manipuliertem Raps made by BAYER suchte.

LIBERTYLINK in Bulgarien
Die gentechnik-kritische Stimmung in den westeuropäischen Ländern zwingt BAYER, in andere Staaten wie z. B. Bulgarien auszuweichen. Dort bietet der Konzern LIBERTYLINK-Saatgut mit eingebauter Resistenz gegen Anti-Unkrautmittel und eine Kombination von LIBERTYLINK mit MAISGARD, ein Produkt eines anderen Herstellers, an, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass diese nicht zuverlässig gegen Unkräuter wirkt.

Neue Grenzwert-Regelungen in der EU
Die EU plant eine neue Grenzwert-Regelung für die Verunreinigung von Saatgut mit Gen-Spuren. Nach dem Entwurf von Umweltkommissarin Margot Wallström soll das Limit für Raps und Mais bei 0,3 Prozent und bei Zuckerrübe, Futterrübe, Kartoffeln und Baumwolle bei 0,5 Prozent liegen. Bislang galt hingegen die Nachweis-Grenze von 0,1 Prozent als Richtmaß. Organisationen wie SAVE OUR SEEDS fordern deshalb auch, diese Bestimmung beizubehalten.

Kein Gen-Glück mit LION
Seit langem fahndet das Heidelberger Bioinformatik-Unternehmen LION BIOSCIENCE für den Leverkusener Chemie-Multi nach krankheitsrelevanten Genen, um diese als Wirkorte für neue Medikamente zu nutzen. Die Bio-TechnikerInnen haben zwar schon mehr als 250 so genannter Targets gefunden, aber mit denen konnte der Leverkusener Gen-Gigant, der sieben Prozent der Geschäftsanteile von LION hält, nicht viel anfangen. Deshalb hat der Konzern jetzt das Auftragsvolumen deutlich reduziert.

“EuropaBio” erforscht die “Bio-Ökonomie”
BAYER, BASF und andere im Brüsseler Lobby-Club “EuropaBio” organisierte Konzerne haben im Juni 2004 ein 45 Milliarden Euro schweres Programm zur Erforschung der “Bio-Ökonomie” vorgestellt. Die Multis wollen mit Hilfe der Gentechnik das Problem immer knapper werdender Ressourcen lösen und “biologische Rohstoffe” zur Grundlage der Industrie-Produktion im 21. Jahrhundert machen. Obwohl die Unternehmen es bisher noch nicht einmal geschafft haben, das Übergreifen von Gentech-Samen auf Felder mit konventionellem Anbau zu verhindern, ließ die EU schon mal 500.000 Euro für die Konzeption eines Aktionsplans zur “Bio-Ökonomie” springen (siehe SWB 4/04).

WASSER, BODEN & LUFT

Streit um Naturschutzgebiet
Die EU-Kommission will in Norddeutschland Elbe und Umgebung gemäß der “Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie” zum Naturschutzgebiet erklären. In diesem Fall müsste das Brunsbütteler BAYER-Werk, wollte es die Produktion und damit auch die Gift-Einleitungen erhöhen, sich vorher einer Prüfung unterziehen. “Dann müssten wir bald Fische und Krebse zählen, wenn wir das Werk erweitern wollen”, giftete Werksleiter Willy Schiwy. Deshalb setzt der Chemie-Multi alle Hebel in Verbindung, um die “unvertretbare Belastung” zu verhindern, dabei wieder einmal das fadenscheinige Argument “Arbeitsplätze” im Munde führend. So forderte der Konzern das schleswig-holsteiner Umweltministerium auf, sich für die “Nichtnotwendigkeit der Ausweisung eines FFH-Gebietes vor Brunsbüttel” einzusetzen. Dem kam die Politik prompt nach und meldete die Unterelbe-Region nicht als “Flora-Fauna-Habitat” nach Brüssel. “Falls Brüssel trotzdem eine Ausweisung will, müssen wir uns massiv dagegen wehren”, meint der Brunsbütteler Betriebsratsvorsitzende Erich Timmermann. Auch das auf BAYERs Initiative hin in Brüssel eingerichtete Büro der norddeutschen Industrie- und Handelskammern (siehe auch POLITIK & EINFLUSS) wird eine entsprechende Lobby-Politik betreiben.

BAYER zeigt “Absicherung Dhünnaue”
126.000 Tonnen Schadstoffe lagern auf dem Dhünnaue-Gelände. Der Pharma-Riese hat nämlich die Altlasten seiner ehemaligen Deponie einfach mumifiziert anstatt sie abzutragen. Eine fast vier Kilometer lange dicke Sperrwand umgibt das Gift-Grab nun seitlich. Nach oben hin dichten mehrere Schichten aus Ton, Erde und Kunststoff ab. Aber nach unten ist alles offen. So ist die Deponie buchstäblich ein Fass ohne Boden. Der Konzern entschloss sich deshalb in Tateinheit mit der Stadt Leverkusen, im wörtlichen Sinn Gras über die Sache wachsen zu lassen und die Landesgartenschau 2005 auf dem Gelände auszurichten. Eine Million Euro stellt der Chemie-Multi dafür zur Verfügung. Im Preis inbegriffen: Genug Raum, um seine Sicht der Dinge darzustellen. So zeigt BAYER auf 190 Quadratmeter eine unkritische Ausstellung zum Thema “Absicherung Dhünnaue”.

Kanada: mangelhafte BAYER-Anlagen
Am kanadischen BAYER-Standort Sarnia hat die Umweltbehörde der Provinz Ontario die Chemie-Werke rund um den St. Clair-River überprüft, weil der Fluss zu einem Endlager für Chemikalien zu werden drohte. (siehe auch SWB 4/04) Bei vier Fertigungsstätten des Leverkusener Chemie-Multis stellte sie Verstöße fest. Der Konzern hatte Gift-Müll falsch deklariert, eine Abwasser-Anlage ohne Genehmigung der zuständigen Stellen umgebaut und betrieb eine gefährliche Produktion ohne Zulassung.

Südafrika: Chrom im Grundwasser
Das Grundwasser in der Umgebung des im südafrikanischen Durban gelegenen BAYER-Werks ist stark durch Krebs erregende Chrom-Verbindungen belastet (siehe auch SWB 4/04). Die Behörden warnten die Bevölkerung eindringlich davor, Wasser aus den angrenzenden Brunnen zum Trinken oder Kochen zu verwenden. Der Leverkusener Chemie-Multi bestreitet, dass es sich um aktuelle Einträge handelt, die Chrom-Belastung geht angeblich auf “historische Verunreinigungen” zurück. Die Chrom-Produktion des Konzerns in Südafrika machte in der Vergangenheit immer wieder Schlagzeilen. So kam es in den 70er Jahren wegen mangelhafter Sicherheits-Vorkehrungen zu einer großen Zahl von Vergiftungsfällen. Ein Drittel der Belegschaft erlitt bleibende Gesundheitsschäden, mindestens acht Arbeiter starben an Lungenkrebs, zwei weitere an Tuberkulose.

CHEMIE & GIFTE

EU: Chemie belastet Innenräume
Eine Studie des Joint Research Centers der EU wies eine starke Belastung von Innenräumen wie Wohnungen, Büros und Schulgebäude mit Chemikalien nach. Als besonders alarmierend hob sie die Zahlen für Lösemittel hervor. BAYER verwendet diese bei der Produktion von Kunst- und Farbstoffen, Pestiziden, Fasern und Pharmazeutika.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

Künast untersucht GAUCHO-Gefahren
Durch BAYERs Saatgut-Behandlungsmittel GAUCHO und das zeitweilig ebenfalls zur Produkt-Palette des Konzerns gehörige REGENT kam es in Frankreich bei 182 Menschen zu Vergiftungserscheinungen. Fast hundert Milliarden Bienen starben. Deshalb ist die chemische Keule im Nachbarland schon seit geraumer Zeit verboten. Der Bundesregierung reichten diese Fakten allerdings nicht als Beleg für die Gefährlichkeit des Ackergiftes. Sie initiierte erst einmal ein Monitoring-Projekt zur Untersuchung des Schadenspotenzials von GAUCHO. Dabei wirken auch BAYER selbst sowie das industrie-freundliche Bienen-Institut mit, Umweltschutzgruppen fehlen hingegen. Zu einer Verbotsempfehlung dürfte es bei so einer Konstellation wohl kaum kommen.

Pestizide machen krank
Kanadische ForscherInnen untersuchten die wissenschaftliche Literatur zu Pestiziden ab 1992 und kamen in Bezug auf die gesundheitsgefährdenden Wirkungen zu alarmierenden Ergebnissen. Die Studien machten die Agro-Chemikalien als Auslöser zahlreicher Krankheiten aus. Die Produkte von BAYER & Co. können demnach unter anderem verschiedene Krebsarten, Leukämie, Störungen des Nervensystems sowie psychische Erkrankungen auslösen. Personen, die beruflich mit Ackergiften umgehen wie LandwirtInnen, gefährden nicht nur sich, sondern auch ihre Nachkommen. Die WissenschaftlerInnen beobachteten in den betreffenden Familien ein vermehrtes Auftreten von embryonalen Wachstumsstörungen, Totgeburten und Geburtsschäden.

DIURON verursacht Asthma
Das Spritzen von BAYERs Pestizid DIURON im Nachbarsgarten hat bei einem 10-Jährigen Jungen Asthma ausgelöst. Der behandelnde Arzt wies im Blut des Kindes Glyphosat Trimesium, ein DIURON-Abbauprodukt nach.

Künast verharmlost GAUCHO
Wegen seiner bienengefährdenden Wirkung hat der französische Landwirtschaftsminister Hervé Gaymard die Anwendung des BAYER-Saatgutbeizmittels GAUCHO auf Sonnenblumen- und Maisfeldern vor einiger Zeit untersagt. Obwohl auch in der Bundesrepublik im letzten Jahr ein Drittel aller Bienenvölker einging, sieht das Landwirtschaftsministerium keinen Handlungsbedarf. “Bei richtiger Anwendung des Insektizids GAUCHO gab es keine Schäden an den Bienen”, heißt es aus dem Hause Künast wider besseren Wissens.

Pestizid-Weltmarkt: BAYER Nr. 2
BAYER ist die Nr. 2 des weltweiten Pestizid-Marktes und verringerte mit einem Umsatz von 5,4 Milliarden Dollar den Abstand zu SYNGENTA (5,5 Milliarden) weiter. Den dritten Platz nimmt mit fast zwei Milliarden weniger BASF ein.

Weltweit mehr Pestizide
BAYER & Co. haben 2003 mehr Pestizide verkauft als im Geschäftsjahr 2002. Der Agrochemie-Umsatz stieg nach Angaben des “Industrieverbandes Agrar” um sechs Prozent auf 26,7 Milliarden Dollar. Als weltweit zweitgrößter Anbieter auf diesem Markt fließt ein gehöriger Anteil dieses Geldes in BAYER-Kassen.

Immer mehr Pestizid-Rückstände
Nach einem Bericht der EU finden sich in immer mehr Lebensmitteln der Gemeinschaft Pestizid-Rückstände. Nur noch 56 Prozent des untersuchten Obstes, Getreides und Gemüses weist keine nachweisbaren Spuren auf; 1999 waren es noch 64 Prozent. Die Grenzwert-Überschreitungen stiegen von 1996 drei Prozent auf 5,5 Prozent anno 2002. Die Bundesrepublik lag dabei mit 8,7 Prozent über dem Durchschnitt, bei den Mehrfach-Belastungen nahm sie mit dem Wert von 31,1 Prozent sogar den Spitzenplatz ein. BAYER-Produkte hatten daran einen gehörigen Anteil. Der TAMARON-Wirkstoff Methamidophos überschritt in Bohnen die noch als gesundheitlich unbedenklich geltende Menge - die akute Referenz-Dosis (ARfD) - um 477 Prozent, der MESUROL-Wirkstoff Methiocarb um 441 Prozent. Der Wirkstoff Oxidemeton-methyl, enthalten in METASYSTOX R, lag in Spinat um 404 Prozent über dem ARfD-Wert. Parathion, das unter anderem in den BAYER-Produkten E 605 FORTE, ME 605 und ECOMBI enthalten ist, übertraf in Pfirsichen die ARfD-Grenze um 161 Prozent. Beim von der EU eingeführten Schnellmeldesystem zu gesundheitsgefährdenden Gift-Spuren in Lebens- und Futtermitteln gingen neun von 43 Warn-Hinweisen und 18 von 129 Informationshinweisen zu BAYERs Methamidophos ein.

EU harmonisiert Grenzwerte
Die Europäische Union strebt bis Mitte 2005 eine Vereinheitlichung der noch erlaubten Rückstandsmengen für die Pestizide von BAYER & Co. in Lebensmitteln an. Einen verbesserten Gesundheitsschutz für bundesdeutsche VerbraucherInnen bedeutet dies jedoch nicht unbedingt, sie müssen sich bei den 160.000 zur Disposition stehenden Werten sowohl auf Anhebungen als auch auf Absenkungen einstellen.

Wachstumsmarkt Polen
Nach der EU-Osterweiterung hofft BAYER CROPSCIENCE vor allem in Polen auf glänzende Geschäfte. Europa-Chef Kurt Küsgen erwartet einen Strukturwandel in der Landwirtschaft weg von den personal-intensiven Kleinbauernhöfen hin zu mehr agro-industriellen Großbetrieben. Diese sieht er als “Technologie-Driver” und also auch als Umsatz-Driver für den Konzern an.

Neue Pestizide
BAYER hat Zulassungsanträge für zwei neue Antipilz-Mittel gestellt, PROLINE (Wirkstoff: Prothioconazole) und Input (Wirkstoffe: Prothioconazole und Spiroxamine). Schon auf den Markt gebracht hat der Leverkusener Chemie-Multi das Insektizid RUNNER. Das im Obst- und Wein-Anbau einsetzbare Mittel soll nach Konzern-Angaben angeblich nicht bienen-gefährlich sein und Nützlinge schonen.

Neue Haushaltsinsektizide
BAYER bietet zwei neue Pestizide an. Die LIZETAN-KOMBISTÄBCHEN sollen gegen saugende Schadinsekten wirken, der berühmt-berüchtigte GAUCHO-Inhaltsstoff Imidacloprid tötet so nebenbei allerdings auch Bienen. CUPRAVIT KUPFERKALK mit dem Wirkstoff Kupferoxychlorid ist zum Schutz von Erdbeeren, Gemüse und Zierpflanzen vor Pilz-Krankheiten vorgesehen.

STANDORTE & PRODUKTION

Auch 2004 keine Gewerbesteuer
“Wann zahlt BAYER wieder Gewerbesteuer?”, fragte ein Journalist der Rheinischen Post BAYER-Chef Werner Wenning auf der letzten Bilanz-Pressekonferenz. Antwort: “Wenn wir wieder Gewinne machen. 2004 nicht!” Tatsächlich wies der Leverkusener Chemie-Multi für das Geschäftsjahr 2003 einen Verlust von fast 1,35 Milliarden Euro aus, während der Umsatz sich mit 28,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr kaum verändert hatte. BAYER hat also wieder einmal ganz legale Steuertricks angewendet und in den Bilanzen mit Wertberichtigungen und Abschreibungen herumoperiert, um Abgaben zu sparen.

Sirenen: BAYER zahlt nur wenig
Anfang der 90er Jahre rechnete der Staat nicht mehr mit “Verteidigungsfällen” und baute flächendeckend Sirenen ab, auch in Krefeld. Nach Besorgnis erregenden Störfällen im Uerdinger BAYER-Werk erachteten die Kommunal-PolitikerInnen ein Warn-System aber dennoch für notwendig und errichteten im Industrie-Gebiet 20 neue Sirenen. An den Kosten beteiligten sich der Chemie-Multi und die anderen Konzerne allerdings nur unzureichend. Bloß ein Drittel der Summe schossen sie zu.

Verkleinerung des Chemie-“Parks”?
Bei BAYER gibt es Überlegungen, den Wiesdorfer Chemie-“Park” zu verkleinern und Verwaltungsgebäude “außen vor” zu lassen, um die Vermarktungschancen für freie Flächen zu erhöhen. Liegen die Büros außerhalb des Geländes, müssen die Sicherheitsauflagen nämlich nicht mehr dem Chemie-Standard entsprechen. Für sie gelten dann viele Umwelt-Vorschriften und Bestimmungen zu Werkschutz, Feuerwehr und PförtnerInnen nicht mehr, was die Nebenkosten reduziert.

Spedition baut Silos
Das Speditionsunternehmen SCHMIDT baut auf dem Dormagener Chemie-“Park” 40 Silos zur Zwischenlagerung der BAYER-Kunststoffe NOVODUR 9 und LUSTRAN. Die 24 Meter hohen Türme können jeweils 340 Kubikmeter Plaste aufnehmen.

Großanlagen-Bau in China
BAYER will in China bis 2008 für über 1,8 Milliarden Dollar vier Großanlagen zur Produktion von Stoffen wie Diphenylmethandiisocyanat (MDI) und Tolylendiisocyanat (TDI) bauen, welche die Weltgesundheitsorganisation als Krebs erregend und Erbgut schädigend einstuft. Der letzte Störfall in der TDI-Produktion ereignete sich 1997 in Dormagen, als eine Explosion mehr als 12 Tonnen des Vorproduktes TDA freisetzte.

BAYER schließt Galerie
Die Kultur-Förderung gehört nicht zu den Kern-Geschäften des Leverkusener Chemie-Multis. Deshalb gab BAYER INDUSTRY SERVICES (BIS), in deren Händen das Management der Chemie-“Parks” liegt, die Schließung der Werksgalerie bekannt. Der Konzern spart dadurch 100.000 Euro. Auch die 70.000 Euro kostende Unterstützung der Kleinkunst gibt die BIS auf. Die KULTURVEREINIGUNG LEVERKUSEN protestierte scharf gegen die Streich-Orgien. Sie erinnerte in diesem Zusammenhang an den kontinuierlichen Sozial-Abbau BAYERs und nannte als Beispiele dafür die Schließung der Werkskindergärten, des Duisberg-Bades und des BAYER-Kaufhauses. Auch die “Arbeitsgemeinschaft Leverkusener Künstler” äußerte Kritik. Es sei einfach albern, zu glauben, die Holding werde an den eingesparten 170.000 Euro gesunden. Vielmehr spreche aus dieser Manager-Entscheidung eine “extreme Ignoranz den Künstlern und dieser kulturellen Initiative gegenüber”, gab der Kölner Stadtanzeiger die Worte des AG-Sprechers Klaus Wolf wieder.

IMPERIUM & WELTMARKT

Kooperation mit SIEMENS
BAYER TECHNOLOGY SERVICES und SIEMENS haben eine Zusammenarbeit bei Bau und Wartung von Anlagen vereinbart. BAYER liefert das Ingenieur-Wissen und die SIEMENS-Abteilung das digitale Knowhow. Gemeinsam will man künftig Aufträge zur Automatisierung der gesamten Produktion im Auto- oder Chemie-Bereich akquirieren und so Arbeitsplätze wegrationalisieren.

USA: Abwicklung des Pharma-Vertriebs
Nach dem LIPOBAY-Skandal konnte BAYER nicht länger ein Big Player im Pharma-Bereich sein. Der Leverkusener Chemie-Multi strebte fortan eine Positionierung als “mittelgroßes europäisches Pharma-Unternehmen” an. Im Zuge dieses Rückbaues hat der Konzern in den USA nun den Pillen-Vertrieb aufgegeben. CIPROBAY, ADALAT & Co. wird künftig SCHERING-PLOUGH vermarkten. BAYER hingegen kümmert sich um den Absatz von SCHERING-PLOUGHs Krebsmedikamenten und um das japanische Geschäft mit dem Cholesterinsenker ZETIA. Darüber hinaus verkauft das Unternehmen nur das nicht direkt an MedizinerInnen oder Apotheken abgegebene Blut-Produkt KOGENATE und das Blutungen bei Bypass-Operationen stillende TRASYLOL weiterhin selber. Damit vernichtet der Gen-Gigant betriebsintern 1.800 Arbeitsplätze. Das war auch Sinn der Übung. “Denn bei genau definierten Verkaufspreisen und einer Gewinn-Beteiligung kann man sich eine 1.800-köpfige Vertriebsmannschaft weitgehend sparen, zumal so auch die Umsätze planbarer werden. Nur 800 Mann weniger könnten schon 66 Millionen Euro mehr bringen”, rechnet die Financial Times Deutschland vor. Zum Schicksal der Beschäftigten heißt es lediglich vage, die meisten von ihnen übernehme SCHERING-PLOUGH

Pharma-Forschungsabteilung verkauft
BAYERs Pharma-Sparte schrumpft und schrumpft. Ende August hat der Leverkusener Chemie-Multi seine Abteilung “Atemwegserkrankungen” an das Unternehmen AEROVANCE verkauft, dessen Mehrheitsanteile dem Finanz-Investoren APAX PARTNERS gehören. Gegen die Veräußerung der Rechte an 11 Mitteln, die sich in der klinischen Erprobung befinden, erhielt der Konzern eine 19,9-prozentige Beteiligung an AEROVANCE.

BAYER im LION-Aufsichtsrat?
Das Heidelberger Bioinformatik-Unternehmen LION BIOSCIENCE, an dem BAYER sieben Prozent der Geschäftsanteile hält, hat den Rücktritt von Vorstand und Aufsichtsrat angekündigt. Zur Begründung gab die an der US-Börse notierte Firma an, sie sei finanziell nicht in der Lage gewesen, die nach US-amerikanischem Recht persönlich haftenden Manager durch eine Versicherungspolice abzusichern. Jetzt muss das Heidelberger Amtgericht den neuen Aufsichtsrat berufen. Da hierfür normalerweise die Groß-Aktionäre erste Ansprechpartner sind, könnte demnächst ein BAYER-Mann im LION-Aufsichtsgremium sitzen.

Kooperation mit AMERSHAM
BAYER und das britische Unternehmen AMERSHAM vereinbarten eine Zusammenarbeit auf dem Diagnostika-Gebiet. Die beiden Konzerne wollen gemeinsam “AIDS”-Tests und Geräte zur Gen-Analyse des HI-Virus sowie anderer Krankheitserreger entwickeln und vermarkten. Darüber hinaus liefert AMERSHAM künftig Chemikalien an den Leverkusener Chemie-Mult

[Editorial] STICHWORT BAYER 03/2004

CBG Redaktion

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

die Arbeit in der indischen Baumwollsaat-Produktion ist kein ungefährlicher Job. Ende Juni starb ein dreizehnjähriger Junge, als er Pestizide auf einer Baumwollsaatfarm versprühte. Die Saatgut-Unternehmen bezeichnen solche Vorkommnisse gern als Einzelfälle - doch allein die Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION hat in den vergangenen zwei Jahren 36 Fälle tödlich vergifteter Kinder dokumentiert. Zehntausende Kinder, teilweise nicht älter als acht Jahre, arbeiten in Südindien auf den Feldern - für Cent-Beträge. Da sie keine Schulen besuchen, werden sie niemals aus dem Armuts-Kreislauf ausbrechen können.

Auch die BAYER AG ist in diesem Sektor aktiv und bezieht ihr Saatgut von Zulieferern, die Kinder beschäftigen, genauso wie MONSANTO und andere Agro-Multis. Dies hat die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) im vergangenen Sommer in Deutschland publik gemacht. In einem gemeinsamen Brief haben sich die CBG, GERMANWATCH und der GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR im Dezember an die BAYER AG gewandt und das Unternehmen aufgefordert, endlich Maßnahmen einzuleiten.

Lange hatten sich die Multis gesträubt, Verantwortung für die Beschäftigung von Kindern zu übernehmen - da dies bei ihren Zulieferern geschähe, könnten sie daran nichts ändern. Im September vergangenen Jahres haben sich die Unternehmen, darunter die indische BAYER-Tochter PROAGRO, mit Kinderrechts-Initiativen getroffen und ein wirksames Handeln zur Abschaffung von Kinderarbeit innerhalb eines halben Jahres zugesagt.

Inzwischen ist die doppelte Zeit vergangen und wir warten noch immer auf die
Umsetzung der versprochenen Maßnahmen. Die Kinderrechtsaktivistin Shantha Sinha von der MV FOUNDATION, unsere wichtigste Kontaktperson vor Ort, beschwerte sich Ende Juni, dass bis auf die Veröffentlichung von Statements und Flugblättern sowie internen Treffen nichts passiert sei.

So war zunächst zugesagt worden, dass die Namen der unter Vertrag genommenen Bauern für unabhängige Prüfungen an die MV FOUNDATION übergeben werden. Dann forderten die Unternehmen aus Vertraulichkeitsgründen, statt der Vertragsbauern nur die Dörfer aufzulisten. Aber selbst diese Daten sind von PROAGRO/BAYER Monate nach dem vereinbarten Termin nicht geliefert worden. Auch sollten Muster-Verträge übergeben werden, um zu kontrollieren, ob und in welcher Schärfe die Nichtbeschäftigung von Kindern verlangt wird. Denn erst kürzlich fand sich ein neu unter Vertrag genommener Bauer, der nichts von der Forderung eines Kinderarbeitsverbotes gehört hatte. Auch ist noch nicht belegt, ob in dieser Saison den Bauern wirklich mehr Geld gezahlt wird, wie aus Indien und Deutschland immer wieder gefordert wird. Denn nur dann können die Landwirte es sich leisten, Erwachsene einzustellen.

Inzwischen läuft die nächste Saison auf Hochtouren und noch immer arbeiten Tausende Kinder auf den Feldern. Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen wie BAYER wirksame Maßnahmen ergreifen. Wir werden dies gemeinsam mit der CBG und dem GLOBAL MARCH AGAINST CHILD LABOUR weiterverfolgen.

Cornelia Heydenreich arbeitet bei Germanwatch zum Thema Unternehmensverantwortung

[Ticker 03/2004] STICHWORT BAYER 03/2004 – Ticker

CBG Redaktion

AKTION & KRITIK

Kinderarbeit in Indien
Das Engagement gegen die Kinderarbeit bei den Zulieferern von BAYER und anderen Saatgut-Multis, das die MV FOUNDATION vor Ort und Initiativen wie die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) an den Stammsitzen der Konzerne zeigen, trägt Früchte. Nach einer neuen Untersuchung sank dort, wo die indische Kinderrechtsorganisation MV FOUNDATION aktiv war, der Anteil der in der Saatgut-Produktion beschäftigten Minderjährigen von 90 auf 40 Prozent. Auf den Plantagen der BAYER-Zulieferer arbeiteten im letzten Jahr noch 2.100 Jungen und Mädchen. Bei den Vertragsverhandlungen für die im Juli einsetzende neue Pflanz-Saison drang BAYER darauf, auf die Einstellung von Kindern zu verzichten. Ob das nur eine symbolische Aktion war, oder BAYER bei den Geschäftspartnern auch wirkliche Kontrollen durchführen wird, dürften die nächsten Monate zeigen.

Australien: GENE ETHICS schreibt Regierung
In Australien gibt es massive Proteste gegen Freisetzungsversuche von BAYER. So hat die Initiative GENE ETHICS die australische Regierung in einem Brief aufgefordert, dem Gen-Giganten keine weiteren Genehmigungen für Tests zu erteilen. Da nach Landesgesetz vorbestrafte Personen oder Körperschaften keinen Zugang zu Risiko-Technologien erhalten, müsste einem Konzern, der „in allen Teilen der Welt Gesetze zum Schutz der Bevölkerung gebrochen hat“, die praktische Erprobung der „grünen Gentechnik“ verwehrt bleiben, schreibt GENE ETHICS.

Kein Gen-Raps in Australien
BAYER und MONSANTO beabsichtigten in Australien auf einer Fläche von 5.000 Hektar einen Freisetzungsversuch mit Gen-Raps durchzuführen und die Ernte auch gleich zu verkaufen (Ticker 1/04). Die Behörden erlaubten nach Protesten von LandwirtInnen und anderen Gentechnik-GegnerInnen jedoch nur einen Anbau auf einer 450 Hektar großen Fläche und untersagten eine Vermarktung des Gen-Rapses. Damit wollte der Gen-Gigant sich nicht abfinden und erklärte vorerst seinen Verzicht auf weitere Tests mit genetisch manipuliertem Raps.

Gentechnik-Proteste auf den Philippinen
Das philippinische ANARCHO ACTIVIST MOVEMENT hat in Manila vor der dortigen BAYER-Zentrale gegen die Gentechnik-Aktivitäten des Konzerns protestiert.

Protest gegen Freisetzungsversuch
Am 24 Juli 2004 führten Gentechnik-Gegner vor einem BAYER-Versuchsfeld mit gentechnisch manipulierten Kartoffeln in Berge (Prignitz) eine Demonstration durch. Zu den Protesten aufgerufen hatten das BARNIMER AKTIONSBÜNDNIS GEGEN GENTECHNIK und die BUNDJUGEND BRANDENBURG (siehe auch SWB 3/04).

BUKO kritisiert Bundesregierung
Der von der Welthandelsorganisation WTO geschlossene TRIPS-Vertrag zum Schutz des geistigen Eigentums verhindert die Versorgung der armen Länder mit erschwinglichen Medikamenten, weil der 20 Jahre geltende Patentschutz die Preise hochtreibt und die Produktion von Nachahmer-Produkten unterbindet. Auch der 2003 bei der letzten WTO-Runde in Cancun ausgehandelte Kompromiss, der es den „Entwicklungsländern“ in medizinischen Notfall-Situationen gestattet, per Zwangslizenzen die Versorgung mit den benötigten Arzneien sicherzustellen, hat diese Situation nicht verändert. Bisher ist es nämlich trotz großer Bemühungen noch keinem Land des Südens gelungen, dieses Instrument für sich zu nutzen, da es ihnen nicht gelang, die mit der Ausnahme-Regelung verbundenen bürokratischen Hürden zu überwinden. Trotzdem tritt die Bundesrepublik dafür ein, den in Cancun nur als Übergangslösung angesehenen Notfall-Paragrafen fest im TRIPS-Vertragswerk zu verankern. Dies stieß auf scharfen Widerstand der BUKO-PHARMAKAMPAGNE. Sie fordet, „den TRIPS-Vertrag schnellstens zu ändern - und zwar so, dass gerade die armen Länder von ihren Rechten Gebrauch machen und so das Menschenrecht auf Zugang zu unentbehrlichen Arzneimitteln umsetzen können“.

Kampagne für das Chemie-Gesetz
Das EU-Chemikaliengesetz, nach dem BAYER & Co. Tausende niemals getestete chemische Substanzen erstmals auf ihre gesundheitsschädlichen Wirkungen hin untersuchen müssen, ist noch immer massivem Druck von seiten der Unternehmen ausgesetzt. Nunmehr versuchen sie, bei der länder-spezifischen Umsetzung weitere Aufweichungen durchzusetzen. Deshalb haben europäische Umwelt-Gruppen wie GREENPEACE und FRIENDS OF THE EARTH die online-Kampagne „Chemical Reaction“ gestartet. Vor der Europawahl am 13. Juni forderten sie EU-PolitikerInnen auf, sich zu der neuen Regelung zu bekennen. Auch die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) beteiligte sich an der Aktion. Sie versandte Schreiben an die ParlamentarierInnen und streute den Musterbrief über ihren internationalen Verteiler.

CBG sammelt 12.000 Unterschriften
12.000 Unterschriften gegen gen-manipulierte Lebensmittel hatte die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) bis Ende Juni gesammelt. Am 2. Juli überreichten zwei CBG-Vertreter diese Herta Däubler-Gmelin, der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für Landwirtschaft und Ernährung (siehe auch SWB 3/04).

Pestizid-Moratorium in Frankreich
In Frankreich ist die Ausbringung von BAYERs Saatgut-Behandlungsmittel GAUCHO in Mais-Kulturen wegen seiner Gefährlichkeit für Bienen seit diesem Jahr verboten (Ticker 2/04). Die ImkerInnen erreichten aber noch mehr: Der französische Landwirtschaftsminister Hervé Gaymard erließ ein bis Ende 2005 geltendes Zulassungsmoratorium für neue Ackergifte. Zudem müssen BAYER & Co. künftig in den Genehmigungsverfahren für jedes Pestizid die Bienenverträglichkeit nachweisen.

Gemeinsame GAUCHO-Presseerklärung
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat gemeinsam mit dem NATURSCHUTZBUND (NABU) und dem „Berufsimkerbund“ eine Presseerklärung zum Thema „GAUCHO“ veröffentlicht. Darin forderten die Verbände Verbraucherschutz-Ministerin Renate Künast auf, den Vertrieb des in Frankreich wegen seiner bienenschädigenden Wirkung unlängst verbotenen BAYER-Saatgutbehandlungsmittel auch in der Bundesrepublik zu untersagen.

Einsatz für Naturheilverfahren
Die Gesundheits„reformerInnen“ haben viele Naturheilverfahren aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen gestrichen, damit mehr Geld für die Pillen von BAYER & Co. übrig bleibt. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) hat gegen diesen Schritt mit einer Eingabe an die EU-Kommission protestiert.

Werkserweiterung genehmigt
Nicht nur in Krefeld, sondern auch in Brunsbüttel plant BAYER einen Ausbau der Kunststoff-Produktion, der mit einem erhöhten Verbrauch des Ultra-Giftes Phosgen verbunden ist. Allerdings hatten Initiativen dort Gelegenheit, im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung Einspruch gegen das Bau-Vorhaben zu erheben, was der BUND FÜR UMWELT- UND NATURSCHUTZ DEUTSCHLAND (BUND) und die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auch getan haben (Ticker 1/04). Letztendlich genehmigten die zuständigen Stellen die Werkserweiterung aber doch. Immerhin gingen sie in der Begründung ihrer Entscheidung auf 60 Seiten ausführlich auf die Bedenken von BUND und CBG ein.

BAYER raus aus „Global Compact“!
Mit BAYER, DAIMLER/CHRYSLER, SHELL und 47 anderen Global Playern unterzeichnete UN-Generalsekretär Kofi Annan Ende Juli 2000 in New York den „Global Compact“, eine unverbindliche Vereinbarung zur Umsetzung internationaler Menschenrechts-, Sozial- und Umweltstandards (Ticker 4/00). Im Gegenzug berechtigt die Unterschrift BAYER & Co., mit dem UN-Emblem für Konzern-Produkte zu werben. Darüber hinaus sicherte Kofi Annan den Multis Unterstützung bei ihrer Forderung nach einer weiteren Liberalisierung des Welthandels zu. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) und andere Initiativen haben gegen diese Liason der UNO mit den Multis in der Vergangenheit bereits scharf protestiert. Anlässlich eines Treffens der „Global Compact“-Teilnehmer erneuerte die internationale Sektion des PESTIZID-AKTIONS-NETZWERKES (PAN) diese Kritik. PAN INTERNATIONAL forderte, den Leverkusener Chemie-Konzern wegen seiner unverantwortlichen Vermarktung von Mensch, Tier und Umwelt gefährdenden Pestiziden aus dem „Global Compact“ auszuschließen.

CBG auf „Eliten“-Konferenz
Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gehörte zu den Mitveranstaltern der Konferenz „Wie neoliberale Eliten die Demokratie unterhöhlen“. Die von der BEWEGUNGSSTIFTUNG organisierte Veranstaltung fand vom 26. bis 27. Juni in Frankfurt statt. CBG-Geschäftsführer Philipp Mimkes bot dort die beiden Workshops „Umgang der Wirtschaft mit Kritik und Protest“ und „Watchdogs und ihre Rolle“ an, die unter den 130 Konferenz-TeilnehmerInnen regen Zuspruch fanden.

Datenschützer gegen Tests
BAYER führt bei Lehrstellen-AnwärterInnen Drogen-Tests durch. Für diesen Einbruch in die Intimsphäre erhielt der Leverkusener Chemie-Multi im Jahr 2002 den „BigBrotherAward“. Auch bei dem Vorsitzenden der „Deutschen Vereinigung für Datenschutz“, Dr. Thilo Weichert, stößt diese Praxis auf Kritik. In einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau schreibt er: „Dass Drogen-Screenings zur Verbesserung der Arbeitssicherheit beitragen, konnte bis heute statistisch nicht nachgewiesen werden. Diese Screenings wirken aber selektiv und diskriminierend. Ihr Effekt liegt in der Disziplinierung besonders der einfachen Mitarbeiter bis hinein in den Bereich ihres Privatlebens“. Die bei BAYER und anderen Chemie-Unternehmen schon üblichen Gentests (Ticker 2/03) zur Aussortierung bestimmter MitarbeiterInnen bezeichnete Weichert als Aufbruch in eine gesundheitsspezifische Klassengesellschaft.

Verbraucherzentralen kritisieren Pillen-Tests
Zwischen 1998 und 2001 hat die US-Gesundheitsbehörde FDA BAYERs LIPOBAY und neun weitere Medikamente wegen gefährlicher Nebenwirkungen vom Markt genommen. Bei den klinischen Erprobungen haben die Konzern-PharmakologInnen diese nicht festgestellt - oder feststellen wollen. Thomas Isenberg vom Bundesverband der Verbraucher-Zentralen kritisierte die Arznei-Tests deshalb. „Die Fall-Zahl ist zu klein, um seltene Nebenwirkungen zu erkennen. Außerdem sind die Probanden tendenziell jünger und weniger krank als die Patienten, die das Mittel dann wirklich nehmen“, so Isenberg. Er forderte entsprechende Veränderungen und sprach sich darüber hinaus dafür aus, neu zugelassene Präparate mit dem Hinweis zu versehen, etwaige unerwünschte Arznei-Effekte umgehend einer/m MedizinerIn mitzuteilen.

Demonstration für mehr Lohn
Im Rahmen der Tarif-Auseinandersetzungen in der Chemie-Industrie (s. u.) haben am 13. Mai 250 Leverkusener BAYER-Beschäftigte vor dem Werk demonstriert. In einer symbolischen Aktion banden sie ihre „letzten Hemden“ aneinander, was einen 500 Meter langen Kordon ergab, um ihrer Forderung nach angemessenen Lohn-Erhöhungen Ausdruck zu verleihen.

AKTION & REAKTION

Brief aus Dänemark
Seit Jahren kritisiert die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) die Unterschiede in Bezug auf Umweltschutz, Arbeitssicherheit und ArbeitnehmerInnen-Rechte, die an den verschiedenen BAYER-Standorten rund um den Globus herrschen. Dazu erreichte sie jetzt ein Brief eines Labor-Inspektors aus Dänemark. „Dank für eure großen Bemühungen, die doppelten Standards der multinationalen Konzerne zum Thema zu machen. Gier ist der Hauptantrieb bei ihren globalen Unternehmungen“, schrieb er.

CBG rettet Leben
Immer wieder informiert die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) die Öffentlichkeit über die Gefahr bestimmter ALKA-SELTZER-Arten und anderer Erkältungsmittel, die wegen des Wirkstoffes Phenylpropanolamin (PPA) das Schlaganfall-Risiko erhöhen. Über den internationalen Verteiler gelangte die Nachricht zu einem indischen Aktivisten. Er verbreitete sie über seine regelmäßige Verbraucherschutz-Kolumne weiter und erhielt folgenden Dankesbrief: „Es dürfte sie interessieren, dass ihr Artikel möglicherweise ein Leben gerettet hat. Eine 80-Jährige, die ihren Artikel über die Pharma-Lobby gelesen hatte, bevor ihr Doktor ihr ein Erkältungsmittel verordnete, realisierte, dass es PPA enthielt (...) Ihr, einer Bluthochdruck-Patientin!(...)“

KAPITAL & ARBEIT

Magere Tarif-Erhöhung
Offiziell haben sich die IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) und die Unternehmensverbände auf eine Tarif-Erhöhung von 2,1 Prozent geeinigt. Unter dem Strich kommt jedoch eine weit geringere Steigerung zustande. Die Laufzeit des Vertrages beträgt nämlich 13 Monate und beinhaltet einen vorgeschalteten „Leermonat“. Zusammen mit der vereinbarten Einmalzahlung, die nicht in die Tarifsätze eingeht und somit als Grundlage für aufbauende Berechnungen wegfällt, beträgt das Entgelt-Plus so gerade mal 1,5 Prozent. Darüber hinaus hat die IG BCE einer Aushöhlung der Tarif-Autonomie zugestimmt. Die einzelnen Betriebe können Vereinbarungen des Abschlusses einfach aufheben. Der lautstarken Forderung von BAYER & Co. nach Preisgabe des Tarifrechts wurde damit ein erster Erfolg beschert - ohne jeden Kampf.

Neuer „Beschäftigungspakt“
Der Betriebsrat hat der Trennung vom Chemie-Geschäft nur unter der Bedingung zugestimmt, dass BAYER einen „Beschäftigungspakt“ schließt und weniger Arbeitsplätze abbaut als geplant. Mitte Juli 2004 beendeten Betriebsrat und Geschäftsleitung die Verhandlungen. Nach der neuen, auch für LANXESS geltenden Vereinbarung verzichtet der Konzern bis 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen sowie den Abbau von 1.000 Arbeitsplätzen und verpflichtete sich, jährlich 875 Ausbildungsstellen anzubieten. Den Erhalt der Jobs finanziert allerdings die Belegschaft. Sie nimmt eine Reduzierung der leistungs- und erfolgsabhängigen Sonderzahlungen in Höhe von 10 Millionen Euro hin und alimentiert so die Weiterbeschäftigung der 1.000 KollegInnen als SpringerInnen im konzern-internen „Service-Pool“. Der Betriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich war mit dem Ergebnis zufrieden. „Wir haben alles erreicht, was wir wollten“, erklärte er.

Schlechte Zeiten für LANXESS
BAYER hat sich von Teilen des Chemie-Geschäfts getrennt und dafür die eigenständige Gesellschaft LANXESS gegründet. Das Unternehmen wird der viertgrößte Chemie-Konzern in der Bundesrepublik. Es beschäftigt 20.000 MitarbeiterInnen und verfügt über 52 Standorte in 21 Ländern. LANXESS bietet hauptsächlich Chemikalien für den Massen-Bedarf an wie z. B. Kunststoffe, Kautschuk, Fasern, Leder-, Textil- und Papier-Chemikalien sowie Materialschutz-Produkte. Eine hohe Gewinn-Spanne versprechen sie nicht, deshalb stehen BAYERs Reste-Rampe harte Zeiten bevor. „30 Prozent der Geschäfte von LANXESS haben keine strategisch haltbare Position, keine Top-Position“, urteilt das Vorstandsmitglied Ulrich Koemm und kündigt Schließungen und Verkäufe an. Viele Beschäftigte dürften also ihren Job verlieren, spätestens wenn der betriebsbedingte Kündigungen ausschließende „Beschäftigungspakt“ im Jahr 2007 ausläuft.

BAYER & Co. für Hartz-Gesetze
Der „Bundesarbeitgeber-Verband Chemie“ (BAVC) hat die Hartz-Gesetze begrüßt und sich gegen die auf vielen Demonstrationen erhobenen Forderungen nach Lockerung der Zumutbarkeitskriterien und Einführung eines Mindestlohnes ausgesprochen. Nur „absolute Minderheiten“ beteiligten sich nach Meinung des BAVC-Geschäftsführers Hans Paul Frey an den Protest-Aktionen. Aber BAYER & Co. geht der Sozialabbau nicht weit genug. Die Sozialhilfe-Sätze sind Frey zufolge „immer noch zu hoch“. Zudem sprach er sich für eine Lockerung des Kündigungsschutzes und eine Einschränkung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall aus. Nur der Punkt „40-Stunden-Woche“ fehlte in dem Horror-Katalog - da die Chemie-Tarifverträge sowieso Arbeitszeit-Korridore von 35 bis 40 Stunden (und Entgelt-Korridore mit der Möglichkeit von Lohn-Kürzungen bis zu zehn Prozent) vorsehen, sieht Frey hier momentan keinen Handlungsbedarf.

Mitbestimmung gerät unter Druck
Die Mitbestimmung gerät von verschiedenen Seiten unter Druck. Der BDI-Vorsitzende Michael Rugowski bezeichnete sie als „als bürokratisches Monstrum“. Theodor Baums von der „Corporate Governance“-Kommission sieht in ihr einen Grund für die schlechtere Bewertung bundesdeutscher Holdings auf den internationalen Finanzmärkten. Und Roland Wolf von der „Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände“ befürchtet Nachteile für hiesige Unternehmen durch das geplante europa-weite Unternehmensrecht. Dieses schreibt nämlich bi-nationalen Firmen vor, die Mitbestimmungsregelung des Landes zu übernehmen, das den MitarbeiterInnen die meisten Rechte einräumt. „Das macht eine deutsche Beteiligung als größerer Partner eher unwahrscheinlich und deutsche Unternehmen damit strukturell fusionsunfähig“, so Wolf. Das Kapital nutzt also die viel beschworene „Globalisierung“, um die eh schon bescheidenen Mitsprache-Möglichkeiten von Belegschaften als Standort-Nachteil darzustellen.

Weniger Jobs bei BAYER CROPSCIENCE
BAYER CROPSCIENCE will die Nr. 1 der Agro-Branche werden und die Umsatz-Rendite von derzeit 19 Prozent auf 26 Prozent steigern. Dies soll vornehmlich durch Rationalisierungsmaßnahmen geschehen. Jetzt nehme man die Kosten unter die Lupe, wobei auch Standorte und Personalstärken auf den Prüfstand kämen, kündigte CROPSCIENCE-Chef Friedrich Berschauer an.

Nur noch 115.400 BAYER-Beschäftigte
Der Leverkusener Chemie-Multi hat in den letzten Jahren über 20 Prozent der Arbeitsplätze in den Werken vernichtet. Betrug die Anzahl der Beschäftigten 1994 noch 146.700, so sank sie bis Ende 2003 auf 115.400. Mit der beabsichtigten Abspaltung von Teilen des Kunststoff-Geschäfts und der Chemie-Sparte dürfte die Belegschaft bald auf unter 100.000 MitarbeiterInnen sinken.

Noch weniger Jobs in Brunsbüttel
BAYER betreibt am Brunsbütteler Standort eine massive Arbeitsplatzvernichtung. Zusätzlich zu den bis Ende Juli angekündigten Streichungen von 156 Jobs will der Chemie-Multi noch weitere 300 der ursprünglich 950 Stellen abbauen. Damit halbiert sich die Belegschaft binnen eines Jahres annähernd. Als Gründe nannte der BAYER-Vorstand die schlechte Konjunktur in Europa und die harte Konkurrenz aus Asien. Auch die Standort-Politik der Landesregierung, die unter anderem zu hohen Subventionen für die im Bau befindliche Öl-Pipeline zwischen Stade und Brunsbüttel führte, hat diesen Aderlass nicht verhindern können. Dem Brunsbütteler Bürgermeister Wilfried Hansen war diese allerdings noch nicht chemie-freundlich genug. Er machte neben Fehlern der BAYER-ManagerInnen die angeblich durch die Öko-Steuer und Umweltgesetze verursachten schlechten Rahmenbedingungen für den Wegfall der Arbeitsplätze verantwortlich. Der Betriebsratsvorsitzende Hans-Joachim Müller verzichtete gänzlich auf Konzern-Kritik: „Die Kosten sind hoch, also muss Personal gespart werden“.

BAYER macht Hattersheim dicht
Vor der Übernahme durch BAYER unterhielt AVENTIS CROPSCIENCE ein Vertriebsbüro in Hattersheim mit 70 MitarbeiterInnen. Im Zuge der Integration der beiden Agro-Sparten reduzierte der Leverkusener Chemie-Multi jedoch die Zahl der Vertriebsagenturen von vier auf drei. Hattersheim starb einen Tod auf Raten, bis BAYER CROPSCIENCE-Geschäftsführer Martin Gruß das endgültige Aus verkündete: „Wir haben die Nutzung am 1. März aufgegeben“. Der Konzern hielt es nicht einmal für angebracht, die Kommune über ihre Schließungspläne zu informieren, was den Bürgermeister Hans Franssen zu einer harschen Kritik an den Umgangsformen des Pillen-Riesen bewog.

BAYER macht Goch dicht
Der Leverkusener Chemie-Multi schließt das Garn-Veredlungswerk in Goch, nachdem er dort in der Vergangenheit schon massiv Jobs gestrichen hat. 165 Arbeitsplätze vernichtet der Konzern durch diese Maßnahme. Nur ein geringer Teil der Belegschaft kann darauf hoffen, in der Dormagener Faser-Produktion eine neue Beschäftigung zu finden.

Werksschließung in Brasilien
Wie die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) erst jetzt erfuhr, hat BAYER im Jahr 2002 am brasilianischen Standort Camacari die Kunststoff-Werke geschlossen.

Neue Pensionskasse
BAYER gründet für neu eingestellte MitarbeiterInnen eine gesonderte Pensionskasse und lässt die bestehende langsam auslaufen. Die größte bundesdeutsche Betriebsrenten-Kasse hatte in der Vergangenheit durch wenig glückliche Investments und sinkende Aktien-Kurse ein Vermögen im Wert von 296 Millionen Euro vernichtet. Wenn das letzte Mitglied gestorben ist, wickelt das Unternehmen sie ab. Während der Konzern in die alte Betriebrenten-Kasse vier Prozent des Bruttogehaltes der Beschäftigten als Arbeitgeber-Anteil einzahlt, beläuft sich sein Beitrag zur neuen nur noch auf zwei Prozent. Zudem plant der Chemie-Multi, die Pensionskasse auch für Dritte zu öffnen.

Beschäftigte denken, BAYER kassiert
Die Verbesserungsvorschläge von Belegschaftsangehörigen rechneten sich für BAYER weit mehr als für die Kreativen selber. Allein die Umsetzung der Hälfte der 17.000 MitarbeiterInnen-Ideen brachte dem Leverkusener Chemie-Multi im ersten Jahr ihrer Realisierung einen Rationalisierungsgewinn von über 8,8 Millionen Euro ein. Den ErfinderInnen zahlte er für den Zugriff auf ihr geistiges Eigentum aber insgesamt nur 3,7 Millionen Euro an Prämien. Zudem nutzt der Konzern das betriebliche Vorschlagswesen, um eine Hitliste der kreativsten BAYER-Standorte zu erstellen, was die Konkurrenz unter den Belegschaften der verschiedenen Niederlassungen schürt.

BAYER zahlt einen Bonus
Seit geraumer Zeit richten sich die Bonus-Zahlungen bei BAYER nach dem Betriebsergebnis und einer Leistungsbeurteilung durch den jeweiligen Vorgesetzten. Da die Geschäftszahlen nach Meinung des Vorstandes zu schlecht ausfielen, zahlte der Leverkusener Chemie-Multi anno 2003 keine Sonder-Prämien. In diesem Jahr schüttete er für die 34.000 MitarbeiterInnen der AG gerade mal 39 Millionen Euro aus. In der Vergangenheit hatte es wegen ungerechter Bewertungen immer wieder Einsprüche gegeben. Der Betriebsratsvorsitzende Erhard Gipperich und die KOLLEGINNEN UND KOLLEGEN FÜR EINE DURCHSCHAUBARE BETRIEBSRATSARBEIT, eine Gruppe alternativer GewerkschaftlerInnen im Leverkusener BAYER-Werk, kritisierten besonders, dass die unteren Einkommensgruppen durchweg eine schlechtere Benotung erhielten als ihre KollegInnen in den mittleren oder höheren Gruppen.

ERSTE & DRITTE WELT

Imperialistische Tropen-Medizin
Nach allgemeiner Vorstellung befasst sich die Tropen-Medizin mit Krankheiten, die Menschen in den armen südlichen Ländern befällt. Sie verdankt ihre Entstehung aber keinesfalls der reinen Menschenliebe, wie der Pharma-Brief Spezial 2/2004 herausstellt. „Tropenforschung ist ein Mittel der imperialistischen Politik“, zitiert die Publikation die vom britischen Minister J. Chambalain 1898 bei der Eröffnung des Tropen-Institutes gesprochenen Worte. Die Tropen-Medizin war vor allem eine Medizin für Weiße. Sie sollte die Kolonial-Truppen besser vor Krankheiten wie Malaria schützen, die mehr Tote forderte als die Kampfhandlungen. Die Pharma-Forschung von BAYER spielte deshalb eine wichtige Rolle für die deutsche Kolonial-Politik. Noch lange nach dem Scheitern der Suche „nach dem Platz an der Sonne“, widmeten sich WissenschaftlerInnen des Leverkusener Chemie-Multis der Entdeckung von Heilmitteln gegen Tropen-Krankheiten und entwickelten 1934 mit Chloroquin ein Mittel gegen Malaria. Sie begriffen sich als Patrioten, die mit ihrer Arbeit unterstreichen wollten, dass ihr Land den Anspruch auf Kolonien keinesfalls aufgegeben habe. Erst als Deutschland diese Träume endgültig begraben musste, gab der Pharma-Riese auch seine tropenmedizinische Abteilung auf. Inzwischen haben die Malaria-Erreger längst Resistenzen gegen Chloroquin und ähnliche Stoffe entwickelt, aber die eine Million jährlich an Malaria sterbenden Menschen interessierte den Konzern über Jahrzehnte hinweg herzlich wenig, weil die Länder der „Dritten Welt“ keinen lukrativen Absatzmarkt darstellten. Erst in jüngster Zeit nahm er die Forschungen wieder auf und kündigte für 2005 das Malaria-Medikament ARTEMISONE auf Basis der chinesischen Heilpflanze Artemisia annua an. Aber nur großzügige Subventionen von seiten der Weltgesundheitsorganisation WHO und privater Spender wie Bill Gates sowie Aussichten auf einen Image-Gewinn haben BAYER zu diesem Schritt bewegen können.

IG FARBEN & HEUTE

Kein Geld für ZwangsarbeiterInnen
Am 27. Mai hat die Insolvenz-Verwalterin der IG FARBEN einen Zwischenbericht vorgelegt. Angelika Amend zufolge verfügt der 1925 unter anderem von BAYER, BASF und HOECHST gegründete und seit 1945ff in Abwicklung befindliche Mörder-Konzern über liquide Mittel in Höhe von 21.000 Euro; die Schulden belaufen sich auf ein Vielfaches dieser Summe. Die verschiedenen Liquidatoren haben den Konzern also derartig ausgeplündet, dass für die ZwangsarbeiterInnen kein Geld mehr übrig ist. Amend hatte im Verlaufe des Insolvenz-Verfahrens angekündigt, die Ansprüche der ehemaligen Sklaven-ArbeiterInnen wohlwohlend zu prüfen, weshalb einige GläubigerInnen - allerdings erfolglos - ihre Ablösung betrieben.

IG spendete 40 Mio. für Hitler
Die IG FARBEN hat die NSDAP insgesamt mit Spenden in Höhe von 40 Mio. Reichsmark unterstützt. Eine Investition, die sich lohnte: Die IG produzierte 18 kriegswichtige Stoffe für das Regime und lieferte mit Zyklon B das Gift für die Gaskammern. Görings Vierjahresplan bescherte dem Mörder-Konzern Jahr für Jahr hohe Zuwachsraten. Der Großkunde „NS-Staat“ erteilte der IG FARBEN allein zwischen 1936 und 1942 Aufträge im Wert von 4,3 Milliarden Reichsmark.

POLITIK & EINFLUSS

Verheugen für BAYER
Im Zuge der Opposition gegen das EU-Vorhaben, BAYER & Co. erstmals Chemikalien auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin überprüfen zu lassen, haben die Konzerne so erfolgreich PolitikerInnen für ihre Interessen mobilisieren können, dass die Industrie-Politik der Europäischen Union unter dem neuen Kommissionschef Jose Manuel Durao Barroso ein deutlich stärkeres Gewicht bekommt. Im Jahr 2003 hatte Wolfgang Clements Staatssekretär Georg Wilhelm Adamowitsch geheime Gespräche mit französischen und britischen RegierungsvertreterInnen geführt. Am Ende stand die „Koalition der Industrie-Länder“ - eine Übereinkommen der wirtschaftlich leistungsfähigsten EU-Staaten, die Vorstellungen der Unternehmen künftig noch stärker zu berücksichtigen. Diese den Zielen von Lissabon, wonach die EU bis 2010 zum „wettbewerbfähigsten Wirtschaftsraum der Welt“ werden soll, verpflichtete Dienstleistungspolitik mündete in der Forderung Schröders nach einem Super-Kommissar für die Wirtschaft. Einen Kandidaten für den Posten wusste er auch schon: Günter Verheugen. Der Bundeskanzler hat dieses Programm weitgehend durchgesetzt. In seiner künftigen Rolle als Industrie-Kommissar hat Verheugen die Macht, Gesetzespläne z. B. in den Bereichen „Umwelt“ und „Verbraucherschutz“ hinsichtlich ihrer möglicherweise negativen Folgen für BAYER & Co. zu kontrollieren. Und da die Chemie-Politik Ausgangspunkt zur Schaffung des neuen Postens war, untersteht Verheugen auch die Chemikalien-Agentur, welche die Tests und Registrierung der Chemie-Gifte überwacht. Schröder konnte zufrieden sein. Mit Verheugen sitze der künftig einzige deutsche Vertreter in der EU-Kommission mehreren Kommissaren vor, die alle mit Fragen der Wettbewerbsfähigkeit zu tun hätten. Dies sei eine „ganz herausgehobene Position“, so der Kanzler. Der „Bundesverband der Deutschen Industrie“ (BDI) teilte seine Begeisterung ebenso wie der DGB-Chef Michael Sommer. Nicht nur darum dürften für die Umwelt-, Gesundheits- und Verbraucherschutz-Politik schlechtere Zeiten anbrechen, sondern auch, weil der neue Umwelt-Kommissar Stavros Dimas mit der Umwelt bisher nicht viel am Hut gehabt hat. „Sein wirtschaftsnaher Hintergrund lässt vermuten, dass er auch in der Umweltpolitik zurückhaltender sein wird als Wallström (seine Vorgängerin, Anm. Ticker), schreibt die Faz.

Schröder bei BAYER
Im Oktober 2003 hat der Leverkusener Chemie-Multi seine Berliner Repräsentanz am Pariser Platz in unmittelbarer Nähe zum Regierungsviertel eingeweiht. Die offizielle Eröffnung fand am 11. Mai statt. 350 Bundes- oder Landtagsabgeordnete, Partei-VertreterInnen, BotschaftlerInnen und Wirtschaftsbosse folgten der Einladung des Konzerns. Stargast war Bundeskanzler Schröder. „Wir nehmen das Angebot zu Gesprächen gerne an, um die Erfahrung von BAYER in die politische Diskussion einfließen zu lassen“, sagte er und gab sich kämpferisch: „Wir wollen in der Forschung wieder zur Weltspitze aufschließen bzw. dort verteidigen, wo wir führend sind. Wir in Deutschland haben das Potenzial - und BAYER allemal. Die Strategie des Unternehmens ist Erfolg versprechend und für mich nachvollziehbar“. BAYER-Chef Werner Wenning ließ in seiner Rede keinen Zweifel an Sinn und Zweck des Verbindungsbüros. „Wir bei BAYER verstehen uns als Bestandteil der Gesellschaft und sehen es daher als unsere Pflicht, uns in die gesetzgeberischen Entscheidungsprozesse einzubringen“. Und dieses „Einbringen“ trug auch bei der Veranstaltung Früchte. Schröder versprach Mithilfe bei der weiteren Verwässerung des EU-Chemikaliengesetzes, das tausende niemals geprüfte Substanzen erstmals auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin untersuchen will. „Die Richtlinie ist nicht in einer Verfassung, die wir unterschreiben könnten. Wir werden auch weiterhin in Brüssel jene Argumente vertreten, die wir für richtig halten“, so der Bundeskanzler.

Vertragsunterzeichnung mit Schröder
Aus Anlass des Staatsbesuches von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao im Mai 2004 fand in Berlin das deutsch-chinesische Hochtechnologie-Dialogforum statt. Dieses nutzte BAYER öffentlichkeitswirksam als Rahmen, um im Beisein von Bundeskanzler Schröder und Wen Jiabao mit der SHANGHAI CHEMICAL INDUSTRY PARK COOPERATION den Vertrag zum Bau einer neuen Lackrohstoff-Anlage zu unterzeichnen (siehe auch STANDORTE & PRODUKTION). Mit Protesten gegen Menschenrechtsverletzungen in China störten politische AktivistInnen die feierliche Prozedur.

BAYER mobilisiert gegen Chemie-Gesetz
Unermüdlich arbeitet BAYER an einer weiteren Aufweichung des Chemikalien-Gesetzes der EU, das die VerbraucherInnen besser vor giftigen Substanzen schützen will. Die Konzern-Abteilung „Governmental & Product Affairs“ (GPA) lud in Straßburg zum „Parlamentarischen Abend“. 20 bundesdeutsche EU-Abgeordnete, darunter der Vize-Präsident des Europäischen Parlaments, Ingo Friedrich, und - wieder einmal - der christdemokratische Umweltpolitiker Karl-Heinz Florenz. Der lieferte seinem Gastgeber dann auch die gewünschten zitierfähigen Aussagen. „Bei der weiteren Diskussion ist es mit einem bloßen Drehen an den Stellschrauben nicht getan - diese Verordnung muss komplett überarbeitet werden“, so Florenz.

Steinbrück fördert Gentechnik
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück steht seinem Vorgänger Wolfgang Clement bei der Förderung der Biotechnologie in nichts nach. Er bezeichnete die Gentechnik als der Mikroelektronik vergleichbare Schlüssel-Technologie und kündigte die Einrichtung von Netzwerken in den Bereichen „Biomaterialien/Medizintechnik“ und „Genomforschung/Gentechnik“ an. Der Stammzellen-Forscher Oliver Brüstle von der BAYER in vielfältiger Weise verbundenen Universität Bonn (siehe SWB 2/02) bedankte sich dann auch artig für die bisherigen Zuwendungen. Darüber hinaus finanzierte das Land die vom 12. bis 15. September in Köln stattfindende ABIC, die weltweit größte Gentechnik-Konferenz, vor der die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) gemeinsam mit anderen Initiativen zahlreiche Gegen-Aktionen durchführen will.

„Konvent für Deutschland“ mit Schneider
Die taz zählt den ehemaligen BAYER-Chef Manfred Schneider zu den einflussreichsten Männern im bundesdeutschen Wirtschaftsleben. Er ist Aufsichtsratsvorsitzender bei BAYER und LINDE und hat einen Sitz in den Kontroll-Gremien von ALLIANZ, DAIMLER CHRYSLER, METRO, RWE und TUI. Zudem gehört Schneider dem „Konvent für Deutschland“ an, wo er sich in der zweifelhaften Gesellschaft von Otto Graf Lambsdorff, Roman Herzog und Klaus von Dohnanyi befindet. Mitte August 2004 kritisierte der Konvent die Arbeit der Bund/Länder-Kommission zur Reform des Föderalismus. Da er in dem Vorhaben eine große Chance zur weiteren institutionellen Verankerung des Neoliberalismus sieht, gehen ihm die bisher geplanten Deregulierungen nicht weit genug. Schneider & Co. fordern unter anderem, den Länderfinanz-Ausgleich zu kippen und die Anzahl der Gesetze, denen der Bundesrat zustimmen muss, drastisch zu senken.

BAYER & Co. gegen Steuer-Pläne
Die Bundesregierung plant Veränderungen im Steuer-Recht. Sie will das Betriebsausgaben-Abzugsverbot erweitern, das Außensteuer-Recht und die Bestimmungen zur Gesellschafter-Fremdfinanzierung verändern sowie eine Mindestbesteuerung einführen. 1,5 Milliarden Mehr-Einnahmen erwarten die ExpertInnen. BAYER & Co. kritisieren das Vorhaben, besonders die Aussicht, mindestens die Hälfte ihres Gewinns versteuern zu müssen, behagt ihnen nicht. „Die Wirtschaft lehnt eine Mindestbesteuerung für die Einkommens- und Körperschaftssteuer entschieden ab“, erklärten die Unternehmensverbände bei einer Anhörung des Finanzausschusses. Deshalb dürfte es wieder einmal „Nachbesserungen“ in ihrem Sinne geben.

Bush trifft BAYER & Co.
DieWahlkampf-Spenden des Leverkusener Chemie-Multis für George W. Bush in Höhe von 120.000 Dollar erwiesen sich als lohnende Investition (siehe auch Ticker 2/03). Nach einer jetzt veröffentlichten Untersuchung des ENVIRONMENTAL HEALTH FUND traf sich Bush gleich nach seinem „Wahlsieg“ mit den Konzernen, um ihre Wunschliste abzuarbeiten. Ganz oben stand das Anliegen, die Chemikalien-Gesetzgebung der EU zu stoppen. Also startete die Bush-Administration eine Kampagne; die Argumentationshilfen übernahm sie der Einfachheit halber 1 zu 1 aus einer Veröffentlichung des US-amerikanischen Chemie-Verbandes „American Chemical Council“. Die US-PolitikerInnen intervenierten bei der EU-Kommission sowie den Regierungen der einzelnen Länder und forderten anndere Staaten auf, es ihnen gleichzutun. Zudem wies Außenminister Colin Powell die US-Botschaften an, gegen das Vorhaben zu protestieren. Es kam auch zu Treffen zwischen VertreterInnen der US-Umweltbehörde EPA, Unternehmen und Ministeriumsangehörigen, auf denen unter anderem die Idee zu dem gemeinsamen Positionspapier von Bundesregierung, „Verband der Chemischen Industrie“ und IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE) entstand (siehe auch Ticker 3/03). Die Amtshilfe aus den USA hat nach Einschätzung des ENVIRONMENTAL HEALTH FUND eine wesentlichen Anteil an den Verschlimmbesserungen des Chemie-Gesetzes gehabt.

BAYER-Gutachter EU-Experte
Die Europäische Kommission hat einen ExpertInnen-Rat berufen, der bestimmen soll, ab welcher Menge Chemie-Gifte dem Organismus schaden. Mit dabei: Der BAYER-Gutachter Helmut Greim. Der Toxikologe stand der BAYER-Tochter DESOWAG im Frankfurter Holzgifte-Prozess treu zur Seite und bescheinigte dem Gericht, der Wirkstoff Pentachlorphenol sei unschädlich. Auch in Genehmigungsverfahren für Müllverbrennungsanlagen vertrat er die Interessen der Industrie und spielte die Dioxin-Gefahr herunter. Das brachte ihm zahlreiche Jobs ein. So sitzt er der MAK-Kommission vor, welche die Höchstgrenzen für Schadstoff-Belastungen am Arbeitsplatz festlegt, und berät das Bundesumweltamt sowie das Bundesumweltministerium. Auch die EU störte sich nicht an seinem schlechten Ruf. „Jeder hat doch einen schwarzen Fleck in der Biographie“, erklärte eine Sprecherin des Verbraucherschutz- und Gesundheitsressorts. Zu allem Überfluss berief die Kommission auch noch Greims SchülerInnen Inge Mangelsdorf vom Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin und den Toxikologen Wolfgang Dekant von der Universität Würzburg in das Gremium.

Frank übernimmt Regionen-Marketing
Der Geschäftsführer der Bitterfelder BAYER-Werke, Georg Frank, übernahm Ende April den Vorsitz des „Regionen-Marketings Mitteldeutschland“.

Gen-Mais: Druck auf Mexiko
Mexiko ist das Ursprungsland von Mais, vor mehreren tausend Jahren kultivierten ihn dort die indigenen Völker. Entsprechend groß war der Schock, als WissenschaftlerInnen in mexikanischem Mais Spuren von gen-manipulierten Sorten entdeckten, die höchstwahrscheinlisch aus den USA stammten. Daraufhin entflammte die Diskussion über das geplante Gesetz für Biosicherheit neu, eine Regelung, die nach Meinung der Initiative ETC „die Verseuchung mit gen-manipulierten Produkten legalisieren, fördern und erhöhen wird“. Aber letztlich dürften sich die PolitikerInnen doch dem Druck von BAYER, DUPONT und anderen Gen-Multis beugen, die über beste Verbindungen zum Agrarministerium und zur Regierungskommission „Cibiogem“ verfügen.

BAYER-Mann VdTÜV-Vorsitzender
BAYER hat künftig bei Gutachten des Technischen Überwachungsdienstes (TÜV) zu Störfällen noch weniger zu befürchten als ohnehin schon. Neuer Vorsitzende des Verbandes der Technischen Überwachungsdienste (VdTÜV) wurde nämlich Hans-Nicolaus Rindfleisch, Chef der Abteilung für technische Überwachung im Leverkusener BAYER-Werk. Als Multifunktionär ist Rindfleisch zusätzlich noch für den „Bund deutscher Arbeitgeber“, den „Bundesverband der deutschen Industrie“, den „Verband der Chemischen Industrie“ sowie den EU-TÜV „European Comittee of User Inspectorates“ tätig.

Böhmer bei BAYER
BAYER hat in Bitterfeld die zweite Bau-Phase der Werkserweiterungen in Bitterfeld abgeschlossen und empfing zu diesem Anlass den sachsen-anhaltinischen Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer. „Heute ist ein guter Tag für BAYER, aber auch ein guter Tag für Bitterfeld“, verkündete der CDU-Politiker. BAYER-Chef Werner Wenning sah sich zum Eigenlob herausgefordert und stellte Bitterfeld als ein Beispiel für die wirtschaftliche und soziale Kompetenz des Konzerns dar, der Anfang der 90er Jahre beschlossen hätte, aus wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Verantwortung zu investieren. In Wirklichkeit haben nicht unternehmerischer Wagemut und Altruismus zu der Entscheidung geführt, sondern die Zusage von Bund und Land, ein Drittel der Bau-Kosten zu tragen.

Britischer Konsul bei BAYER
Der britische Konsul Boyd McCleary unternahm mit 35 Mitgliedern des „British Chamber of Commerce in Germany“ eine Besichtigungstour im Leverkusener Chemie-„Park“. Steve Painter von BAYER/Großbritannien und Jürgen Hinz versuchten den EngländerInnen eine Ansiedlung von Industrie-Unternehmen auf dem Areal schmackhaft zu machen.

SPD-Bundestagsabgeordneter bei BAYER
Seit geraumer Zeit kritisieren BAYER & Co. das „Kraft/Wärme-Koppelungsgesetz“ und das „Erneuerbare-Energien-Gesetz“. Die in den Paragrafen-Werken festgelegte Subvention von umweltverträglicher Strom-Produktion via Windkraft ist ihrer Meinung nach für zu hohe Energie-Preise verantwortlich. Um dieser Position Ausdruck zu verleihen, lud das Krefelder BAYER-Werk zu einer „energie-politischen Diskussion“, an der unter anderem der städtische Bürgermeister und SPD-Bundestagsabgeordnete, Dr. Bernd Scheelen teilnahm.

BAYER & Co.: MCS keine Krankheit
Die US-amerikanischen MedizinerInnen S. M. Caress und A. C. Steinemann fragten 1.582 Personen danach, ob sie empfindlich auf Chemikalien reagieren. 13 Prozent antworteten mit „Ja“, drei Prozent gaben an, unter der Multiplen Chemikalien-Empfindlichkeit (MCS) zu leiden. Als auslösenden Substanzen nannten die meisten Pestizide und Lösungsmittel. BAYER & Co. tun alles, um diesen Sachverhalt zu leugnen. Auch in dem „Informationskrieg“ des Interessensverbandes von BAYER & Co., dem „American Chemistry Council“ (ACC), gegen ein Chemie-Gesetz dürften Desinformationen zu MCS eine große Rolle spielen. Mit dem „Environmental Sensitivities Research Institute“ (ESRI) finanzieren die Konzerne eine Forschungseinrichtung, die den Krankheitscharakter von MCS schlichtweg bestreitet. Der in Diensten des ESRI stehende Psychotherapeut S. Barrett etwa rät MedizinerInnen: „Versuchen Sie zu erklären, dass Stress häufig Symptome auslöst und überzeugen Sie die Patienten, ‚mental health‘ zu suchen“. ErzieherInnen gibt er den Tip: „Gehen Sie nicht darauf ein, schadstoffarme Räume für Kinder mit MCS zur Verfügung zu stellen, (...) denn das würde falsche Signale an die Kinder über ihren Gesundheitszustand senden“. Die Chemie-Multis versuchen die Krankheit zu psychologisieren und sind deshalb bestrebt, für sie die Bezeichnung „Idiopathic Environmental Intolerances“ (IEI) durchzusetzen. Mit Erfolg: Das Umweltbundesamt hat sie in einem Forschungsbericht schon aufgegriffen. Sie bestreiten sogar den Zusammenhang von „Niedrigstdosen“ und der Entstehung von Krebs oder anderen Krankheiten. Auch bei arbeitsmedizinischen Studien wie der von der „Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“ zu Krebs-Risiken gelang es ihnen, den Schwerpunkt von den gefährlichen Substanzen hin zu einer Untersuchung der individuellen Veranlagung zu lenken. „Die Chemie stimmt - nur der Mensch nicht“ - so lautet die Devise der Gift-Mischer.

TIERE & ARZNEIEN

ADVANTIX jetzt auch in Europa
BAYER vermarktet die in den USA schon seit 2003 erhältliche Hunde-Arznei ADVANTIX nun auch in Europa. Das verschreibungspflichtige Präparat soll gegen Zecken, Mücken und Flöhe wirken und hat es in sich. Es enthält nämlich die Nervengifte Permethrin und den GAUCHO-Inhaltsstoff Imidacloprid. GAUCHO hat die französische Regierung unlängst verboten, weil zahlreiche ImkerInnen das Mittel für den Tod ihrer Bienen verantwortlich machten.

DRUGS & PILLS

Higgins neuer Pharma-Boss
Der Schotte Arthur Higgins ist neuer Chef von „BAYER HEALTH CARE“. Vorher hatte er bei dem Biotech-Unternehmen ENZON PHARMACEUTICALS die Funktion des Vorstandsvorsitzenden inne. Äußerst nützlich für den Leverkusener Chemie-Multi dürften Higgins‘ Beziehungen sein: Der Pillen-Manager steht dem „Biotech Council of New Jersey“ vor und gehört dem Vorstand des US-amerikanischen „National Pharmaceutical Council“ an.

Erfolge bei EU-Arzneimittelreform
Die EU bereitet eine europa-weite Arzneimittel-Gesetzgebung vor. Im Zuge der Vorbereitungen gelang es der BUKO PHARMAKAMPAGNE und anderen Initiativen, auf einige bedeutende Veränderungen im Sinne des Verbraucherschutzes hinzuwirken. So gilt die Zulassung eines Medikamentes nur noch für einen befristeten Zeitraum; nach fünf Jahren findet eine erneute Überprüfung statt. Die BUKO-Forderung, bloß noch solchen Arzneien eine Genehmigung zu erteilen, die vergleichbaren Pharmazeutika in ihrer Wirkung überlegen sind, lehnten die EU-PolitikerInnen allerdings ab. In der Frage der Sperrfrist für die Entwicklung von Nachahmer-Präparaten ließen sie sich auf einen Kompromiss ein: Ihre Produktion ist künftig nicht erst zehn, sondern schon acht Jahre nach dem Herauskommen des Original-Medikaments möglich. Auch in Fragen der Transparenz konnten die Pharma-KritikerInnen Erfolge erringen. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMEA ist gehalten, ihre Sitzungsprotokolle mitsamt abweichenden Meinungen bei Genehmigungsentscheidungen zu veröffentlichen. Auch der Zugang aller Interessierten zu den Datenbanken mit unerwünschten Nebenwirkungen ist gewährleistet. Zudem müssen alle MitarbeiterInnen, Ausschuss-Mitglieder und Sachverständige ihre Verbindungen zur Pharma-Industrie offen legen. Darüber hinaus haben künftig PatientInnen-VertreterInnen einen Sitz im Verwaltungsrat der Behörde und nehmen an den Zulassungsverfahren teil.

USA: Gesundheitsbehörde verwarnt BAYER
In den Vereinigten Staaten hatte BAYER im Jahr 2003 eine Rückruf-Aktion für Harnanalyse-Geräte mit dem Produkt-Namen CLINITEK 50 gestartet, da sie Produktionsmängel aufwiesen. Im April dieses Jahres bekam der Pharma-Riese deshalb Hausbesuch von MitarbeiterInnen der US-Gesundheitsbehörde FDA. Sie wollten herausfinden, ob sich ein solcher Vorgang wiederholen könne und mussten das nach eine Betriebsprüfung bejahen. „Die Fehler von zwei wie verlautet geschulten Mitarbeitern, das Versagen eines Vorgesetzten, die Schulung des Personals angemessen zu dokumentieren und das Versagen des internen Überwachungsprozesses, diese Schwächen zu identifizieren, legen nahe, dass es Probleme gibt, die ihrer Aufmerksamkeit bedürfen“, schrieb die Behörde an den Leverkusener Chemie-Multi und erteilte ihm eine Verwarnung.

Suramin gegen Leber-Versagen?
Der von BAYER vor 90 Jahren gegen die Schlafkrankheit entwickelte Pharma-Stoff Suramin soll nach ersten Studien des Krebsforschungszentrums Heidelberg gegen Leber-Versagen (Apoptose) wirken. Am homo sapiens haben die ForscherInnen die Substanz allerdings noch nicht erprobt, und Tierversuche stellen nicht nur eine inakzeptable Quälerei dar, ihre Resultate haben sich auch allzu oft schon als auf den Menschen nicht übertragbar erwiesen.

Vielfältige Antibiotika-Risiken
Die regelmäßige Einnahme von CIPROBAY und anderen Antibiotika führt zu Gesundheitsschädigungen. Die Mittel zerstören die Darmflora, die eine wichtige Rolle im Immunsystem des Körpers spielt. Nach einer Studie des „Henry-Ford-Health-Systems“ erhöht sich deshalb für Babys, die in den ersten sechs Monaten ihres Lebens Antibiotika erhielten, das Risiko, an Asthma zu erkranken, um das 2,6-fache. Auch die Gefahr, an allergischen Reaktionen der Atemwegsorgane zu leiden, steigt durch CIPROBAY & Co., wie ForscherInnen der Universität Michigan feststellten. Ihre KollegInnen von der „Washington University“ aus Seattle fanden durch das Studium von 10.000 Krankenakten heraus, dass die Arzneien auch die Entstehung von Brustkrebs befördern, weil die angegriffene Darmflora die gesundheitsförderliche Wirkung bestimmter Nahrungsmittel beeinträchtigt.

ASPIRIN gegen Brustkrebs?
Alle paar Monate wartet BAYER mit einer Meldung über ein angeblich neues Anwendungsgebiet von ASPIRIN auf. Jetzt soll es sich auch zur Behandlung von hormonell bedingtem Brustkrebs eignen. Der Leverkusener Chemie-Multi weist auf eine entsprechende Untersuchung der „American Medical Association“ hin, ohne allerdings darüber zu informieren, ob es sich um eine Auftragsstudie handelt. Zusätzlich skeptisch stimmt der Hinweis der beteiligten MedizinerInnen, aus dem Resultat lasse sich keine Empfehlung über den Einsatz des Tausendsassas zur Brustkrebs-Prävention ableiten.

ASPIRIN gegen Grauen Star?
Nach einer Untersuchung der britischen Universität Reading schützen ASPIRIN und andere Schmerzmittel angeblich vor Grauem Star, weil sie die Bildung von Eiweiß-Klumpen im Auge verhindern, die für die Linsen-Trübung verantwortlich sind. Allerdings handelt es sich nur um „erste Ergebnisse“.

ASPIRIN stört Geschlechtsentwicklung
ASPIRIN und andere Schmerzmittel haben einen negativen Einfluss auf die Geschlechtsentwicklung von Ratten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der MedizinerInnen Stuart Amateau und Margaret McCarthy von der University of Maryland, welche die Fachzeitschrift Nature Neuroscience (Bd. 7) veröffentlichte. Das Enzym Prostaglandin, das der ASPIRIN-Wirkstoff Acetylsalicylsäure hemmt, ist nämlich nicht nur für das Schmerzempfinden verantwortlich, es steuert auch die Ausprägung männlicher Eigenschaften in der Frühentwicklung. Tierversuche hätten die WissenschaftlerInnen allerdings nicht zu unternehmen brauchen. Die Auswertung von Langzeitstudien mit Schwangeren hätte gereicht, um ihre Hypothese zu überprüfen.

Schlechte Noten für ASPIRIN FORTE
Die Zeitschrift Öko-Test untersuchte 19 frei verkäufliche Mittel gegen Regelschmerzen. Nur zwei schnitten gut ab, darunter BAYERs AKTREN. Als besonders bedenklich stuften die TesterInnen aber ASPIRIN FORTE ein, da es zusätzlich zum Wirkstoff noch Koffein enthält. Dieses kann Sucht-Potenzial entfalten und die Patientinnen von dem Medikament abhängig machen, kritisierte die Zeitschrift.

CIPROBAY ohne Patentschutz
Mitte Juni lief in den USA der Patentschutz für BAYERs Antibiotikum CIPROBAY aus, das im Jahr 2003 mit weitem Abstand das ertragreichste Medikament des Pharma-Riesen war. Zugleich kamen Nachahmer-Produkte auf den Markt. Der Leverkusener Chemie-Multi rechnet deshalb damit, dass der Jahres-Umsatz mit der Arznei von 1,4 Milliarden Euro auf unter eine Milliarde Euro sinkt.

Künftig zwei Diagnostika-Sparten
BAYER teilt seine Diagnostika-Abteilung in zwei Bereiche. Die Sektion „Self Testing Systems“ konzentriert sich auf Blutzucker-Geräte und andere konsumentInnen-nahe Produkte; die Sektion „Professionial Testing Systems“ vertreibt Groß-Apparaturen für Krankenhäuser, Labor-Gemeinschaften und ÄrztInnen-Praxen. Grund für die Aufspaltung: Die Geschäftsfelder bieten unterschiedliche Gewinn-Aussichten und erfordern eine den jeweiligen Gegebenheiten angepasste Vermarktungsstrategie. Der Handel mit Apparaturen für den Hausgebrauch ist „margen-trächtiger“ und dürfte deshalb in Zukunft mehr Investitionen an sich binden, vermutet die Börsen-Zeitung.

Begrenzter Zugang zu Arznei-Studien
Nach neuem EU-Recht müssen BAYER & Co. ihre Medikamenten-Studien einer zentralen Datenbank zur Verfügung stellen. Die Öffentlichkeit hat jedoch keine Zugriffsmöglichkeit. „Pleiten, Pech und Pannen“ werden so nicht nur VerbraucherschützerInnen und interessierten Laien weiter verborgen bleiben, auch WissenschaftlerInnen können nicht aus den Fehlern ihrer KollegInnen lernen.

PESTIZIDE & HAUSHALTSGIFTE

GAUCHO fördert Umweltbewusstsein
Durch BAYERs Saatgut-Behandlungsmittel GAUCHO und das zeitweilig ebenfalls zur Produkt-Palette des Konzerns gehörige REGENT kam es in Frankreich bei 182 Menschen zu Vergiftungserscheinungen. Fast hundert Milliarden Bienen sind in dem Land gestorben. Jahrelang haben die ImkerInnen für ein Verbot gekämpft, bis sie endlich Erfolg hatten. Ihr unermüdlicher Einsatz hat in Frankreich für ein neues Umweltbewusstsein gesorgt. Als „Staatsskandal“ bezeichnete der konservative Abgeordnete Philippe de Villiers BAYERs Lizenz zum Töten. Diese verlängerten immer wieder willfährige BeamtInnen aus dem Landwirtschaftsministerium. Im Zuge der Ermittlungen im Fall „GAUCHO“ musste die Hälfte der MinisteriumsmitarbeiterInnen ihren Posten verlassen. Am 7. Mai unterschrieben namhafte Künstler und Wissenschaftler wie Pierre Boulez und Edgar Morin eine Petition gegen die „chemische Umweltverschmutzung“. Die erhöhte Sensiblitität für die von BAYER & Co. ausgehenden Gefahren hat die französische Nationalversammlung schließlich eine „Umweltcharta“ verabschieden lassen. Sie knüpft an die Menschenrechtserklärung an und deklariert ein Recht darauf, in einer intakten Umwelt zu leben. Deshalb hat sie das Vorsorge-Prinzip, wonach der Staat angehalten ist, potenziell gefährliche Stoffe zu verbieten, zu Gesetzesrang erhoben. Ein später, aber umfassender Erfolg für die ImkerInnen, welche die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) nach Kräften unterstützt hat.

Wirkungslose Anti-Unkrautmittel
Der Dauer-Einsatz von Herbiziden auf den Feldern macht Unkräuter im Laufe der Zeit resistent gegen die Mittel. So kann BAYERs ECONAL mit dem Wirkstoff Chlortoluron kaum noch etwas gegen den Ackerfuchsschwanz ausrichten. Auch halten sich die Gifte oftmals so lange im Boden, dass beim Anbau von neuen Acker-Früchten Schäden entstehen. So hat die Langzeitwirkung des in Getreide-Feldern eingesetzen Konzern-Produkts ATTRIBUT mit dem Sulfonyl-ähnlichen Wirkstoff Propoxycarbazone bei anschließend auf den Arealen angepflanzten Raps- und Zuckerrüben-Kulturen Ernte-Ausfälle verursacht.

DECIS zugelassen
Das „Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit“ hat BAYER die Zulassung für das Insektizid DECIS erteilt. Das Mittel mit dem Wirkstoff Deltamethrin wirkt gegen alles, was auf Getreide-, Raps-, Kartoffel- und Rüben-Felder kreucht und fleucht.

GENE & KLONE

Beschleunigtes Verfahren für Krebsmittel
Der Leverkusener Chemie-Multi kann die dritte und letzten Test-Periode für ein Gentech-Mittel gegen Nieren-Krebs, das er gemeinsam mit ONYX PHARMACEUTICALS entwickelte, schneller als erwartet abschließen. Die US-Gesundheitsbehörde FDA stimmte einem beschleunigten Verfahren zu, da es bis jetzt gegen die Krankheit noch kein Medikament gibt. Nach dem Abschluss-Bericht zur zweiten Erprobungsphase haben angeblich 89 von 106 PatientInnen auf den Wirkstoff BAY 43-9006 angesprochen. Er soll das für das Wachstum der Tumore verantwortliche Enzym Raf-Kinase und das für ihre Nährstoff-Versorgung zuständige Enzym VEGF hemmen. Der Pharma-Riese testet die Substanz in Kombination mit Carboplatin und Paclitaxel ebenfalls als Mittel gegen Haut-Krebs. Bei der Indikation „Bauchspeicheldrüsen-Krebs“ versagte BAY 43-9006 jedoch: Das Unternehmen brach die Studien ab. Das Unternehmen selbst dämpft allzu große Erwartungen. Es spricht zwar von einem „Durchbruch in der Krebs-Therapie“, betont aber gleichzeitig, „dass dieser Durchbruch nicht die Heilung von Krebs bedeutet“.

Gen-Mais schädigt Ratten
Ein von den Behörden bereits zugelassener Gen-Mais von MONSANTO hat sich im Tierversuch als gesundheitsschädigend erwiesen. Französische ForscherInnen verfütterten konventionell angebauten und gentechnisch manipulierten Mais an Ratten und stellten bei den in den „Genuss“ von MONSANTO-Mais gekommenen Tieren eine Vermehrung der weißen und eine Reduzierung der roten Blutkörperchen sowie einen Anstieg von Nieren-Erkrankungen fest. Für diese Erkenntnisse hätten die WissenschaftlerInnen nicht erst Kreaturen quälen müssen; ExpertInnen warnen bereits seit langer Zeit vor den Risiken der Gentechnik.

Verfahren an SYNGENTA verkauft
BAYER hat die Rechte an einem Verfahren, Mais mittels Gentechnik gegen den Pestizid-Wirkstoff Glyphosate immun zu machen, an den Konkurrenten SYNGENTA verkauft.

Genfood im Darm
Der Körper verdaut gentechnisch manipulierte Nahrung nicht rückhaltlos. Ein Forscher-Team aus Newcastle upon Tyne ließ gesunde ProbandInnen sowie an Darm-Erkrankungen Leidende Gen-Soja verzehren. Bei den TeilnehmerInnen mit Verdauungsproblemen fanden sich Gene im Darm-Trakt, bei manchen sogar in der Darmflora. Bislang ging die Wissenschaft immer davon aus, das Genfood werde bereits im Magen und Dünndarm vom Organismus aufgenommen. John Heritage, der vielen britischen Kommissionen für Lebensmittel-Sicherheit angehörte, fürchtet nun, die sich in vielen Gen-Pflanzen befindenden Antibiotikaresistenz-Gene könnten sich ebenfalls im Verdauungsapparat ansiedeln und so Antibiotika-Präparate wirkungslos machen. Deshalb trat er für weitere Forschungen ein.

WASSER, BODEN & LUFT

Todesgefahr durch Feinstäube
800 Tonnen Feinstäube stießen die Werke des BAYER-Konzerns im Jahr 2002 aus. Diese Partikel können erhebliche Gesundheitsstörungen verursachen, allein in der Bundesrepublik sind sie jährlich für über 10.000 Todesfälle verantwortlich. Die Feinstäube lösen z. B. Entzündungen in der Lunge aus, was das Immunsystem aktiviert und das Blut verdickt, so dass das Herzinfarkt-Risiko steigt. Auch indem sie die Bildung von gerinnungsfördernden Blutplättchen aktivieren, schädigen sie den Blut-Kreislauf.

Emissionen fördern Zwillingsgeburten
Mütter, die in der Nähe von Produktionsstätten oder Giftmüll-Verbrennungsanlagen leben, bringen mit größerer Wahrscheinlichkeit Zwillinge zur Welt. Das hat eine Untersuchung Hamburger ForscherInnen ergeben.

CHEMIE & GIFTE

EU-Abgeordnete kontaminiert
Mit einer spektakulären Aktion hat der WORLD WILDLIFE FOUND (WWF) die Notwendigkeit des Chemikalien-Gesetzes der EU unterstrichen, das BAYER & Co. erstmals tausende Substanzen auf ihre gesundheitsschädliche Wirkung hin untersuchen lässt. Die Organisation testete das Blut von 40 EU-ParlamentarierInnen auf Spuren von Chemie-Giften - und wurde fündig. 76 verschiedene Substanzen spürte der WWF auf, darunter polychlorierte Biphenyle (PCB), Weichmacher und Flammschutzmittel. Unter 13 Chemikalien kam kein/e PolitikerIn davon, ein Abgeordneter hatte sogar 54 Stoffe im Blut.

PLASTE & ELASTE

Renditeziel 18 Prozent
BAYER MATERIALSCIENCE-Chef Hagen Noerenberg kündigte an, die Rendite von momentan 15 Prozent bis zum Jahr 2006 auf 18 Prozent steigern zu wollen. Dieses Ziel beabsichtigt Noerenberg durch Preis-Erhöhungen sowie Effizienz-Programme, also Arbeitsplatzvernichtung durch Rationalisierungsmaßnahmen, zu erreichen.

BAYER etwas besorgt über Öl-Preise
Öl ist ein wichtiger Rohstoff für die Kunststoff-Produktion. Darum bezeichnete der Vorsitzende von BAYER MATERIAL SCIENCE, Hagen Noerenberg, die gestiegenen Weltmarkt-Preise für das Schwarze Gold gegenüber der Presse Mitte Juni als „Belastungsfaktor“. Steigen die Kosten um einen Dollar je Barrel, so bedeutet das für den Leverkusener Chemie-Multi Rohstoff-Mehrausgaben in Höhe von 40 Millionen Dollar. Das bis 2006 anvisierte Rendite-Ziel von 18 Prozent beeinträchtige die Entwicklung auf dem Öl-Markt Noerenberg zufolge jedoch nicht. „Mittelfristig wird sich das Preis-Niveau auch bei Rohbenzin wieder normalisieren, sagt er voraus. Der „Verband der Chemischen Industrie“ rechnete Ende Mai mit einem Öl-Preis von 33-36 Dollar pro Barrel (Vorjahr: 29 Dollar) und erwartet trotzdem noch ein Umsatz-Plus für die Chemie-Branche von 1,5 Prozent.

STANDORTE & PRODUKTION

BAYER spielt mit Standorten
Die BAYER INDUSTRY PRODUCTS (BIP) will Köln verlassen. Auf der Suche nach einem neuen Grundstück spielte der Konzern die verschiedenen in Frage kommenden Standorte gegeneinander aus. Der Stadt Leverkusen präsentierte das Unternehmen die fertig ausgearbeiteten Baupläne und ließ ihr nach vorher fehlgeschlagenen Verhandlungen gerade mal drei Tage Zeit, um ein neues Angebot zu unterbreiten. Die Kommune sah sich außer Stande, so schnell zu reagieren. Deshalb gab BAYER Langenfeld den Zuschlag - wie wahrscheinlich ohnehin geplant. In Leverkusen ist derweil eine politische Debatte über den Fall entbrannt, den die PolitikerInnen als ein Symbol für das Versagen der Wirtschaftsförderung Leverkusen (WFL) betrachten. „Was hat die Stadt, hat die WFL bei den Angeboten falsch gemacht, die BIP aufgezeigt wurden?“, fragte Finanzdezernent Rainer Häusler BAYER-Chef Werner Wenning in einem Brief. Als Konsequenz aus der Niederlage im Standort-Wettbewerb soll die Unternehmenspflege jetzt Chef-Sache werden: Die SPD will den Oberbürgermeister auch zum Aufsichtsratsvorsitzenden der WFL küren. Zu allem Überfluss muss sich die BAYER-gebeutelte Stadt vom Werksleiter Heinz Bahnmüller auch noch Ratschläge zur Sanierung der kommunalen Kassen geben lassen, was nicht nur bei dem SPD-Politiker Heinz-Gerd Bast auf einige Empörung stieß.

Sparzwang in Leverkusen
Die ausbleibenden Gewerbesteuern von BAYER zwingen die Stadt Leverkusen zu einem drastischen Sparkurs. Die Kommune diskutierte Ende April über Vorschläge der „Industrie- und Handelskammer“ (IHK), das Rathaus zu verkaufen, die KRAFTVERKEHR WUPPER-SIEG AG und das städtische Parkhaus zu privatisieren und den Rat zu verkleinern. Die Fremdvergabe der Schulgebäude-Reinigung ist schon vollzogen. Aber gewonnen hätte der BAYER-Standort selbst bei Umsetzung des gesamten IHK-Programms wenig. „Das alles reicht nicht aus, um wieder Land zu sehen“, sagt der CDU-Fraktionschef Klaus Huppert. Im Moment stellt das Chemie-Werk eher einen Kostenfaktor dar. Besonders die für den Chemie-Multi und seine MitarbeiterInnen bereitgestellte Infrastruktur kommt Leverkusen teuer zu stehen. „Dieser Block bricht uns jetzt natürlich die Knochen“, so der SPD-Fraktionsvorsitzende Walter Mende.

IG BCE sieht für Leverkusen schwarz
Nach Beobachtungen des Bezirksleiters der IG BERGBAU, CHEMIE, ENERGIE (IG BCE), Frank Löllgen, zieht der Standort Leverkusen bei Produktionsentscheidungen immer öfters den Kürzeren. „Wir haben natürlich das Problem, dass wir im Leverkusener Werk die ältesten Anlagen haben“, so der Gewerkschaftler. Angesichts der vielen leer stehenden Gebäude auf dem BAYER-Areal schlug er der Kommune vor, Verhandlungen mit dem Konzern über die Ansiedlung von Fremdfirmen auf dem Werksgelände zu führen. Die Gespräche haben inzwischen auch begonnen. Die Stadt und der Konzern haben unter anderem ein Abbruch-Programm erstellt. Da steht nur zu hoffen, dass der Chemie-Multi sich von der - hauptsächlich durch BAYERs Gewerbesteuer-Nullrunden - finanziell arg gebeutelten Stadt nicht auch noch die Renovierung des Firmen-Areals mitbezahlen lässt.

Mehr HDI aus Leverkusen
BAYER hat Mitte Mai am Leverkusener Standort eine zweite Anlage zur Herstellung von Hexamethylen-Diisocyanat (HDI) in Betrieb genommen. Die riesige Fertigungsstätte für den Lackrohstoff - die Rohrleitungen sind 21 Kilometer lang - bietet aber gerade mal 20 neue Arbeitsplätze.

Mehr HDI aus China
Anfang Mai hat BAYER den Bau einer Anlage zur Produktion des Lackrohstoffes HDI im chinesischen Caojing nahe Shanghai bekannt gegeben (siehe auch POLITIK & EINFLUSS). Sie ist für eine Kapazität von 50.000 Tonnen im Jahr ausgelegt.

IMPERIUM & WELTMARKT

BAYER kauft ROCHE-Sparte
Der Leverkusener Chemie-Multi hat von ROCHE für 2,4 Milliarden Euro die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten erworben. Sie umfasst unter anderem Produkte wie die Hautsalbe BEPANTHEN, das Schmerzmittel ALEVE, die Magen-Arznei RENNIE sowie die Vitamin-Präparate REXODON und SUPRADYN. Mit diesem Kauf steigt BAYER zum drittgrößten Anbieter von rezeptfreien Pharmazeutika auf. Durch die Fusion rechnet sich der Pharma-Riese Kosten-Vorteile in Höhe von bis zu 120 Millionen Euro aus. Ob der Konzern diese Synergie-Effekte auch durch Arbeitsplatz-Vernichtung realisieren will, ließ ein Unternehmenssprecher offen. Ein anderer Weg, durch die Übernahme Geld einzusparen, steht allerdings schon fest: BAYER verlegt die „Health Care“-Zentrale aus steuerlichen Gründen von Leverkusen nach Basel.

DYSTAR verkauft
Die Anteilseigner BAYER, BASF und AVENTIS haben den Textilfarbstoff-Hersteller DYSTAR, der einen Weltmarkt-Anteil von 25 Prozent hält, an den Finanzinvestoren PLATINIUM EQUITY verkauft. Nach Schätzungen von ExpertInnen betrug der Preis ca. 560 Millionen Euro. In letzter Zeit fallen Chemie-Unternehmen wie DYNAMIT NOBEL, MG TECHNOLOGIES und CELANESE gleich reihenweise in die Hände solcher privater Beteiligungsgesellschaften. Die Zukunft der 4.000 Beschäftigten, davon 2.000 in der Bundesrepublik, ist ungewiss. Der Betriebsratsvorsitzende Heinz Schaus sah in dem Deal mit PLATINIUM allerdings einen Vorteil gegenüber einem Verkauf an einen Mitkonkurrenten, der vermutlich sogleich arbeitsplatzvernichtende Synergie-Effekte hätte verbuchen wollen.

Ausstieg bei SOLARWOLRD
Im Jahr 2000 hat Leverkusener Chemie-Multi die BAYER SOLAR GmbH an die SOLARWORLD aus Bonn verkauft (siehe TICKER 4/00). Im Rahmen dieses Deals erhielt der Konzern 5,1 Prozent der SOLARWOLRD-Aktien. Diese hat BAYER nun an den SOLARWORLD-Großaktionär Frank H. Asbeck veräußert.

BAYER verkauft KWS-Anteile
Der Leverkusener Chemie-Multi hat seinen 15-Prozent-Anteil an dem Saatgut-Unternehmen KWS SAAT AG an die TESSNER BETEILIGUNGSGESELLSCHAFT sowie an Arend Oetker verkauft. Nach dem Kauf von AVENTIS CROPSCIENCE war die kartellrechtliche Auflage, die Beteiligung aufzugeben, von AVENTIS auf BAYER übergegangen.

Staatliche Konkurrenz in China
BAYER investiert Unsummen in China, da das Land als momentan größter Wachstumsmarkt gilt. Allerdings macht es die Regierung dem Leverkusener Chemie-Multi nicht immer leicht. So hat sie die Fusion zweier einheimischer Kunststoff-Produzenten angeordnet, die nun eine veritable Konkurrenz für den Konzern darstellen. Als Reaktion darauf hat der Vorstandsvorsitzende Werner Wenning angekündigt, eine Allianz mit BASF zu bilden. So wollen die beiden Unternehmen Anlagen gemeinsam nutzen, um ihre Produkte schneller herstellen zu können. „Wir müssen uns daran gewöhnen, solche Kooperationen einzugehen“, so der BAYER-Chef.

BAYER baut Aufbereitungsanlage
Der Leverkusener Chemie-Multi hat für die Fertigungsstätte des taiwanesischen Unternehmens FORMOSA CHEMICAL FIBER COOPERATION im ostchinesischen Ning Po eine Anlage zur Aufbereitung von Fluss-Wasser für die Produktion gebaut.

ÖKONOMIE & PROFIT

LANXESS: kein Börsengang
Im Herbst 2003 beschloss BAYER, sich von seinem Chemie-Geschäft zu trennen, das sich unter dem Namen LANXESS neu formierte. An die Börse bringt der Gen-Gigant das Chemie-Unternehmen allerdings nicht. Er nahm sich die Zerschlagung des HOECHST-Konzerns zum Vorbild und entschied sich für ein „Spin-Off“, eine Abgabe der LANXESS-Aktien an die BAYER-Couponschneider. Zu diesem Zweck beraumte der Pharma-Riese für den November eine außerordentliche Hauptversammlung an (siehe auch KAP

Offener Brief

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Germanwatch
Global March Against Child Labour (Germany)

An: Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender von Bayer AG
Dr. Jochen Wulff, Vorstandsvorsitzender von Bayer CropScience AG

Düsseldorf/ Berlin/ Stuttgart, den 18. Dezember 2003

Kinderarbeit bei Zulieferern von Bayer-Tochter ProAgro

Sehr geehrter Herr Werner Wenning, sehr geehrter Herr Dr. Wulff,

mit diesem Schreiben wenden sich die Coordination gegen BAYER-Gefahren, Germanwatch und Global March against Child Labour an Sie, um unsere Sorge über die massive Beschäftigung von Kindern im Anbau von Baumwoll-Saatgut in Indien auszudrücken, von der auch das Bayer-Unternehmen ProAgro profitiert. Um von den Kindern Schaden abzuwenden, drängen wir Bayer, sofortige Gegenmaßnahmen wirksam werden zu lassen.

Die seit Juli 2003 auf Deutsch vorliegende Studie „Child Labour and Transnational Seed Companies in Hybrid Cottonseed Production“ des Instituts „Glocal Research and Consultancy Services“ (GRCS) in Hyderabad/Indien belegt die Beschäftigung von Kindern bei den Zulieferern von ProAgro, Monsanto, Unilever und weiteren Firmen. Damit werden die ILO-Kernarbeitsnormen und weitere internationale Standards wie die OECD-Leitsätze verletzt. Zu den betroffenen Unternehmen gehört die Firma ProAgro, die seit 2002 zum Bayer-Konzern gehört.

Bayer hat sich dazu verpflichtet, keine Kinderarbeit zu dulden (z.B. durch Beitritt zum Global Compact). Ihr Unternehmen hat mittlerweile das angesprochene Problem bei seinen indischen Saatgut-Zulieferern eingeräumt. Doch erst im September 2003 gab es ein Treffen zwischen den betroffenen Saatgutfirmen mit der indischen Kinderrechtsinitiative Mamidipudi Venkatarangaiya Foundation (MV Foundation) in Hyderabad/ Indien, bei der die Unternehmen, darunter auch ProAgro, die Verantwortung für die Nutzung von Kinderarbeit übernommen haben. Seitdem gab es jedoch wieder Monate dauernde Verzögerungen, den Versprechungen sind keine Taten gefolgt. Inzwischen hat am 13. Dezember 2003 ein weiteres Treffen zwischen der MV Foundation und den Unternehmen stattgefunden, auf dem ein konkreter Zeitplan mit konkreten Aktivitäten vereinbart wurde.

Wir erwarten von Bayer und seiner Tochterfirma ProAgro, dass alle notwendigen Schritte zur Beendigung der Beschäftigung von Kindern getätigt und die auf dem Treffen eingegangenen Verpflichtungen umgehend erfüllt werden. Außerdem fordern wir, für die bei Ihren Zulieferern beschäftigten Kinder ein Wiedereinschulungsprogramm zu finanzieren in Abstimmung mit den örtlichen Behörden.

Das Bekenntnis, dass Kinderarbeit bei Bayer nicht akzeptiert wird, reicht nicht aus, ebenso wenig das bloße Festschreiben eines Verzichts auf Kinderarbeit in den Verträgen mit den Saatgutproduzenten. Diese Vereinbarung muss auch mit entsprechenden Informationen vor Ort, mit Kontrollen und vor allem mit der Zahlung höherer Abnahmepreise verbunden werden, damit eine Einstellung von Erwachsenen für die lokalen Firmen überhaupt rentabel wird.

Es ist eine nachweisliche Erfahrung, dass bei Kindern, die von der Schule genommen wurden, um arbeiten zu gehen, nur selten die Wiedereinschulung gelingt. Nach jeder Arbeitssaison bei den indischen Baumwollsaatpflanzern - sie dauert im Schnitt sieben Monate - erhalten die meisten der betroffenen Kinder, überwiegend Mädchen, keine weitere Schulbildung mehr. Diese Kinder sind zwischen sechs und 14 Jahren alt. Sie haben durch die Arbeit für die von Bayer/ProAgro abhängigen Zulieferer ihre Zukunftschancen verloren. Zudem ist auch die Gesundheit der arbeitenden Kinder massiv gefährdet, weil die Arbeitsschutzbestimmungen, zum Beispiel beim Einsatz von Pflanzengiften, nicht eingehalten werden.

Wir stehen in engem Austausch mit unseren Partnern in Indien, der MV Foundation, und werden von Deutschland aus die weiteren Schritte von Bayer/ProAgro und die Einhaltung des vereinbarten Zeitplanes intensiv beobachten. Da das Verhalten von Bayer/ProAgro unter anderem gegen die OECD-Richtlinien für Multinationale Unternehmen verstößt, prüfen wir derzeit eine Beschwerde.

Welche Schritte gedenken Sie und die Verantwortlichen bei ProAgro zu tun, um schnellstmöglichst die Nutzung von Kinderarbeit bei Ihren Zulieferern vollständig zu unterbinden?

In der Erwartung einer baldigen Antwort verbleiben wir mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Postfach 15 04 18
40081 Düsseldorf
info@cbgnetwork.org

Cornelia Heydenreich
Germanwatch e.V.
Voßstraße 1
10117 Berlin
heydenreich@germanwatch.org

Rainer Kruse
Global March against Child Labour/ Germany
Spemannstr. 15
70186 Stuttgart
kruserainer@surfeu.de

e.velop

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 5. September 2003

Instrumentalisierung der Regierungspresse - oder einfach nur schlechter Journalismus?

Antwort auf „e.velop“ Nr. 11 vom Juli 2003, Schwerpunkt: Brasilien

In der 11ten Ausgabe des online-Entwicklungsmagazins „e.velop“ der Bundesregierung erschien ein Lobgesang auf das vorbildliche Verhalten des BAYER-Konzerns in Brasilien. Unter dem Titel „Gesellschaftliches und soziales Engagement eines deutschen Großunternehmens in Schwellen- und Entwicklungsländern“ wird das Bild einer deutschen Musterfirma und ihrer vorbildlichen Wirtschaftsweise in einem Land des Südens gezeichnet. Der Autor des Artikels, Günter Graichen vom Presseamt der Bundesregierung, bescheinigt dem BAYER-Konzern „nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung“ und veranschaulicht dies anhand konkreter Projektbeispiele. Als Quelle für seine Recherche gibt Graichen treuherzig die BAYER-Pressestelle an - der Artikel liest sich denn auch wie Werbepropaganda und hat in seiner Unreflektiertheit mit journalistischer Arbeit kaum etwas zu tun.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren kritisch begleitet, protestiert gegen diese einseitige Positionierung eines Presseorgans der Bundesregierung. Im Folgenden werden einige der im Artikel genannten Beispiele näher beleuchtet.

e.velop: BAYER fördert „Projekte gegen Kinderarbeit“
Kinderarbeit ist seit langem international geächtet. BAYER spendet regelmäßig an die brasilianische Abrinq-Stiftung, die sich für die Abschaffung von Kinderarbeit einsetzt. Eine genaue Bewertung dieser Spenden fällt schwer, da BAYER die Höhe der Aufwendungen nicht veröffentlicht. Zur Abschätzung der Summe muss man den Geschäftsbericht des Unternehmens zur Rate ziehen: hierin wird keine Spende erwähnt, die höher als eine Million Euro liegt.

Bevor man jedoch das BAYER-Engagement gegen Kinderarbeit preist, sollte man die Situation bei Zulieferbetrieben des Konzerns betrachten: so bezieht die indische BAYER-Tochter Proagro Saatgut von südindischen Farmbetrieben, die nach jüngsten Untersuchungen rund 2.000 Kinder im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren beschäftigen. Diese Kinder befinden sich zum Teil in Schuldknechtschaft und arbeiten bis zu dreizehn Stunden täglich. Die Verwendung von Kindern als billige „Arbeitssklaven“ liegt in den geringen Abnahmepreisen, die die BAYER-Tochter an die Zulieferer zahlt, begründet. Dem Unternehmen ist die massenhafte Verwendung von Kindern bei seinen Zulieferern seit langem bekannt, trotzdem blieben bislang Initiativen aus, die eine Verwendung erwachsener Arbeitskräfte und einen Schulbesuch der Kinder ermöglichen würden.
(ausführliche Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Kampagnen/Kinderarbeit/kinderarbeit.html)

e.velop: BAYER organisiert „Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung“
Für ebenso löblich wie die Kinderarbeitskampagne kann man Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung von Landarbeitern im Süden Brasiliens erachten (Programm „Agrovida“). Allerdings nur, wenn man außer Acht lässt, dass BAYER nach dem von der FAO initiierten „Kodex zum Verkauf von Agrogiften“ verpflichtet ist, Pestizide der Gefahrenklasse I („extrem gefährlich“ bzw. „hoch gefährlich“) nur an „trainierte und zertifizierte Personen“ zu verkaufen, die bei der Anwendung einen Ganzkörperschutz tragen. Falls diese Bedingung nicht gewährleistet werden kann, so ist BAYER laut Kodex verpflichtet, das entsprechende Mittel vom Markt zu nehmen.

Diesem Kodex wird BAYER als weltweit zweitgrößter Pestizidhersteller in keinster Weise gerecht. Recherchen aus Lateinamerika und Asien belegen, dass der Konzern gefährliche Agrogifte ohne Hinweis auf die hohen Gesundheitsrisiken frei verkauft. Im Rahmen des Programms „Agrovida“ konnten nach Angaben von BAYER rund 25.000 Kleinbauern erreicht werden. Dies kann jedoch nicht mal als Tropfen auf den heißen Stein bewertet werden - nach Schätzungen der Weltgesundheits-
organisation WHO werden jährlich mindestens zwei Millionen Landarbeiter mit Pestiziden vergiftet, wobei mindestens 20.000 sterben. Ein großer Teil der Vergiftungen geschieht durch BAYER-Produkte.

Abgesehen von der Frage, ob der Einsatz von Pestiziden als nachhaltige Landwirtschaft bezeichnet werden darf, bleiben weitere Probleme völlig unbeachtet:

* Schutzbekleidung ist nur für wenige Kleinbauern und insbesondere nicht für Plantagenarbeiter finanzierbar, außerdem in tropischen Temperaturen nicht anwendbar;
* oftmals resultiert die mangelnde Vorsorge auch aus der verharmlosenden Werbung und unzureichenden Kennzeichnung durch BAYER; hochgiftige Pestizide finden mitunter sogar Verwendung als Düngemittel;
* Nummer 1 auf dem brasilianischen Pestizid-Markt ist das BAYER-Produkt Baysiston. Der Konzern vermarktet Baysiston trotz zahlreicher Vergiftungsfälle und Ermittlungen der Staatsanwalt-
schaft in aggressiver Art und Weise.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_1999/SWB01_99/Kaffee_-_Brasilien/kaffee_-_brasilien.html)

e.velop: Unternehmenseigene Stiftungen gewähren „Geld-und Sachspenden“ / BAYER stellt der WHO das Medikament Germanin kostenlos zur Verfügung
Als weiteres Beispiel für engagiertes Handeln erwähnt Autor Günter Graichen, dass BAYER Sach- und Geldspenden leistet und der WHO dringend notwendige Medikamente gegen die afrikanische Schlafkrankheit zur Verfügung stellt.

Dass der Leverkusener Chemie-, Pharma- und Gentechnik-Riese, der jährlich rund 28 Milliarden Euro umsetzt, dadurch nicht verarmt, dafür sorgt er an anderer Stelle. So betrog BAYER das US-amerikanische Programm „Medicaid“ zur Arznei-Versorgung sozial Schwacher durch falsche Preisangaben um mehr als 100 Millionen Dollar. Auch spielte der Konzern nach den Anthrax-Anschlägen in den USA seine Monopol-
stellung bei CIPROBAY, dem einzig zugelassenen Medikament gegen Milzbranderreger, so gewissenlos aus, dass nur die Androhung der Regierungen Kanadas und der USA, den Patentschutz aufzuheben, BAYER dazu bewegen konnten, das Antibiotikum zu bezahlbaren Preisen anzubieten.
(weitere Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_04_01/Ciprobay_04_01/ciprobay_04_01.html)

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass BAYER seine Abteilung „Tropenforschung“ bereits in den 80er Jahren geschlossen hat, obwohl Tropenkrankheiten weltweit mehr Todesopfer fordern als Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Doch entscheidend für das Unternehmen ist, ob sich ein Medikament teuer verkaufen lässt, nicht ob es Menschen hilft.
Auch ist es instruktiv, den Wert der von BAYER geleisteten Spenden mit den durch das Unternehmen gezahlten bzw. nicht gezahlten Steuern zu vergleichen: Lagen die weltweiten Unternehmenssteuern von BAYER im Jahr 2000 noch bei rund 1,15 Milliarden Euro, so wurden diese im Jahr 2001 bereits um fast 90% reduziert: gerade noch 150 Millionen Euro überwies der Konzern an Bund und Länder. Im vergangenen Jahr gab es dann dank der von Heribert Zitzelsberger, seinerzeit Eichels Staatssekretär und zuvor Leiter der Steuer-Abteilung bei BAYER, eingeführten Unternehmensteuerreform eine saftige Steuerrückerstattung von 107 Mio Euro.

Somit machen sämtliche „wohltätigen“ Gaben von BAYER maximal einige Prozent der eingesparten Steuern aus. Die Öffentlichkeit wäre mit angemessenen Steuern auf den Unternehmensgewinn, deren Einsatz planbar und frei verfügbar wäre, weit besser bedient als mit einzelnen, willkürlich verteilten Almosen.

BAYER will der „wachsenden Bedrohung durch Bakterien entgegenwirken, die schnell Resistenzen gegen die heutigen Antibiotika entwickeln“
Ein weiteres BAYER-Prestigeprojekt ist die Förderung der Initiative „Libra“, die Forschung zu Antibiotikaresistenzen durchführt. Libra will auf den WHO-Bericht über Infektionskrankheiten aus dem Jahr 2000 reagieren, der Antibiotikaresistenzen zu den größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählt. Laut WHO ist es notwendig, alle Vorkehrungen zu treffen, die die Ursachen von Antibiotikaresistenzen beseitigen.

Einer der Hauptgründe für die Ausbreitung von Resistenzen ist der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht - in manchen Ländern landen mehr als die Hälfte aller Antibiotika im Tierstall. Dadurch entstehen resistente Bakterienstämme, etwa von Salmonellen, die über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen und unbehandelbare Infektionen auslösen können.

BAYER gehört weltweit zu den größten Herstellern von Antibiotika und ist zudem drittgrößter Hersteller von Veterinärprodukten. Die Substanz-
klasse der Fluoquinolone vermarktet der Konzern sowohl für Menschen („Ciprobay“) als auch für Tiere („Baytril“). In Deutschland ist Baytril seit 1995 zugelassen und wird in großem Umfang zur Behandlung von Schweinen verwendet. In den USA wird das Präparat massenhaft Hühnern, Truthähnen und Rindern verabreicht. Nach einer Untersuchung des Wissenschaftlers S. A. Anderson ist das Bakterium Campylobacter jejuni resistent gegen Fluochinolone geworden. Die US-Gesundheits-
behörde CDC hat BAYER bereits vor drei Jahren aufgefordert, Baytril zur Behandlung von Geflügel vom Markt zu nehmen. Anderson zufolge machen die massenhaften Verordnungen von Ciprobay ebenfalls immer mehr Keime immun gegen Fluochinolone.

Die Wirtschaftspraxis des BAYER-Konzernes ist also maßgeblich für die Entstehung von Resistenzen verantwortlich. Es kommt einer Gehirnwäsche gleich, wenn sich der Konzern mit der Verhinderung von Resistenzen im Rahmen der Initiative Libra brüstet. BAYER sollte die Forderung erfüllen, keine Antibiotika in der Tierzucht zu vermarktet, die auch Anwendung in der Humanmedizin finden, um somit die Gesundheit von Mensch und Tier zu gewährleisten. Ein diesbezüglicher Offener Brief an BAYER wurde in den USA von mehr als 20.000 Gesundheitsorgani-
sationen und Ärzten unterschrieben.

(der Offene Brief findet sich unter: www.KeepAntibioticsWorking.com)

e.velop: BAYER-Werk in Belford Roxo verfügt über eine vorbildliche Infrastruktur von Umwelteinrichtungen
Das Magazin der Bundesregierung bescheinigt BAYER in seinem brasilianischen Werk Belford Roxo „moderne Umwelttechnologie“ sowie „umwelt- und ressourcenschonende Produktionsabläufe“ und „nachhaltigen Produktergebnisse“. Untersuchungen von Greenpeace in der Umgebung des in den 60er Jahren gebauten Werks, in dem u.a. Pestizide, Kunststoffe und Farben produziert werden, zeigen jedoch ein anderes Bild. Bei Messungen rund um das Werk stießen Greenpeace- Wissenschaftler auf extrem hohe Schadstoff-Werte. So wiesen sie rund um das zentrale Werksabwasser-Rohr massive Schwermetall-Belastun-
gen nach - diese lagen um das bis zu 30fache über der für diese Stoffe üblichen Hintergrundbelastung. Der Wert für Quecksilber überschritt diese sogar um das 800fache. Noch höher fielen die Messdaten für Schwermetalle in der Nähe der Müll-Deponie aus.

Bei den anderen in den Proben nachgewiesenen Stoffen war besonders der hohe Anteil von Chlorchemikalien Besorgnis erregend. 38 chlorhaltige Substanzen wie DDT, HCH oder PCB fanden sich in den verschiedensten Zusammensetzungen an der Einleitungsstelle der BAYER-Abwässer. Für die Wissenschaftler ließ dies nur einen Schluss zu: „Die Resulate zeigen, dass das Schadstoff-Management des Werkes nicht effizient ist und eine Ursache der Verschmutzung des Sarapui- Flusses darstellt.“

Eine weitere hochgiftige, Krebs erregende und das Erbgut schädigende Stoffgruppe, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, stellten die größte Belastung im Umfeld der BAYER-Mülldeponie dar. Naphthaline, Anthracene, Pyrene und Phenanthrene bestimmte Greenpeace auch in den Erd- und Wasserproben stromaufwärts des Sarapui und an der Einleitungsstelle.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_02_01/Bayer_Brasilien/bayer_brasilien.html)

„Nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung als Gütesiegel für die Zukunft“
Wenige Begriffe werden wohl so sehr missbraucht, wie der Begriff der Nachhaltigkeit. Folgt man der Argumentation von „e.velop“, so wird Nachhaltigkeit über (preiswerte) Musterprojekte hergestellt. Es wird nicht hinterfragt, nach welchen Kriterien die Projekte ausgewählt werden und in welcher Form BAYER als Geldgeber den Inhalt der Projekte bestimmt. Es wird nicht diskutiert, dass soziale Projekte somit in erster Linie für ein positives Firmenimage sorgen sollen und diesbezügliche Aufwendungen schlicht als Werbeausgaben anzusehen sind. Vollkommen unter den Tisch gekehrt wird, dass BAYER maßgeblich an der Entstehung vieler Probleme beteiligt ist, die durch die geförderten Projekte gelindert werden sollen (laut „Schwarzbuch Markenfirmen“ liegt BAYER unter den Top Drei der umweltzerstörenden Konzerne; BAYER befindet sich zudem auf der Liste der „10 übelsten Unternehmen des Jahres 2001“ der amerikanischen Fachzeitschrift Multinational Monitor).

In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass Kritiker des Konzerns von e.velop nicht kontaktiert wurden. Günter Graichens unkritischer und konzernfreundlicher Artikel ist im Hinblick auf eine Verbesserung von nachprüfbaren Umwelt- und Sozialstandards kontraproduktiv und erschwert es, die soziale Verantwortung von Großkonzernen wie BAYER einzufordern. Der Text trägt dazu bei, von Konzernen ausgehende Probleme zu negieren und die Öffentlichkeit zu desinformieren. Insgesamt handelt es sich um Verbreitung von Werbepropaganda unter dem Missbrauch einer staatlichen Institution.

[BMZ] Kampagne gegen Kinderarbeit

CBG Redaktion

An Heidemarie Wieczorek-Zeul
Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Friedrich Ebert Allee 40
53113 Bonn

3. September 2003

Kinderarbeit im indischen Baumwoll-Anbau / Verantwortung multinationaler Saatgut-Hersteller

Sehr geehrte Frau Wieczorek-Zeul,

gemeinsam mit dem Global March Against Child Labour haben wir Anfang August die deutschsprachige Übersetzung der Studie CHILD LABOUR AND TRANS-NATIONAL SEED COMPANIES IN HYBRID COTTONSEED PRODUCTION des indischen Arbeitswissenschaftlers Dr. Davuluri Venkateswarlu veröffentlicht (s. Anlage). Darin werden die Produktionsbedingungen im indischen Baumwollanbau, der Rückgriff auf Kinderarbeit sowie die Verbindungen zwischen transnationalen Saatgut- Konzernen und lokalen Produzenten untersucht.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Zehntausende Kinder - überwiegend Mädchen zwischen 6 und 14 Jahren - in kleinen Zuliefer-
betrieben beschäftigt sind, die für multinationale Unternehmen Baumwoll- Saatgut produzieren. Viele Kinder befinden sich in Schuldknechtschaft und arbeiten über Jahre hinweg auf den selben Feldern, um Darlehen und Zinszahlungen abzuarbeiten. Vom Schulbesuch sind sie ausgeschlossen - damit haben sie keine Chance, jemals aus dem Armutskreislauf ausbrechen zu können. Insgesamt sind nach den Berechnungen von Dr. Venkateswarlu bis zu 450.000 Kinder in der indischen Baumwollsaat- Herstellung beschäftigt. Diese Zahlen übertreffen alle anderen Bereiche der indischen Wirtschaft, in denen Kinderarbeit auftritt (Teppich-
herstellung, Diamanten schleifen, Verarbeitung von Kalkstein, etc).

Rund ein Viertel des mit Hilfe von Kinderarbeit produzierten Saatguts wird von Tochterfirmen sechs multinationaler Unternehmen aufgekauft. Hierzu gehört neben dem US-amerikanischen Konzern Monsanto, der Schweizer Syngenta AG und dem holländischen Unternehmen Unilever auch der deutsche Bayer-Konzern.

Die lokalen Farm-Betriebe arbeiten zwar nominell unabhängig, sind jedoch durch Qualitäts- und Preisvorgaben sowie durch langfristige Lieferverträge vollständig an die Abnehmer gebunden. Vertreter der Konzerne geben die Dauer der Pflanzperiode, den Einsatz von Pestiziden, die Häufigkeit von Bewässerung und die Qualität der Ernte detailliert vor und nehmen auf den Farmen regelmäßige Kontrollen vor. Mit dem massenhaften Einsatz von Kindern sind die Multis daher gut vertraut. Auf Anfrage räumen die Unternehmen denn auch „Probleme mit Kinderarbeit“ ein, schieben jedoch die Verantwortung auf die Zulieferer. Die Farm-Betreiber hingegen verweisen auf die niedrigen Abnahme-
preise für das Saatgut, die eine rentable Produktion nur mit Hilfe von Kinderarbeit ermöglichen.

Gemeinsam mit dem Global March Against Child Labour und anderen NGOs haben wir die verantwortlichen Unternehmen aufgefordert, keine Produkte aus Kinderarbeit zu vertreiben, angemessene Abnahmepreise für Saatgut zu zahlen, die eine Produktion mit Hilfe erwachsener Arbeitskräfte ermöglichen würde, strikte Kontrollen bei allen Zulieferern durchzuführen und allen Kindern, die in den vergangenen Jahren für ihre Zulieferer gearbeitet haben, eine Schulausbildung zu finanzieren. Zwar gab es vor Ort erste Gespräche (u.a. mit den indischen Kinderarbeits- Aktivisten der M.V. Foundation), substantielle Schritte sind bislang jedoch ausgeblieben (gerade auch beim Bayer-Konzern).

In diesem Zusammenhang haben wir die folgenden Fragen an Sie:

Ist dem BMZ die Problematik bewusst?
Unterstützt das BMZ unsere Forderungen an die genannten Unternehmen?
Steht das BMZ mit den beteiligten Unternehmen (inbesondere der deutschen Firma Bayer) diesbezüglich im Gespräch?
Vier der sechs internationalen Unternehmen, die für die Situation verantwortlich sind, stammen aus Europa (Syngenta, Bayer, Advanta, Unilever). Gibt es auf europäischer Ebene Ansatzpunkte, Druck auf die Firmen auszuüben?
Die beigelegte Studie ist aus Geldmangel bislang nur an ausgewählte Pressekontakte versandt worden. Kann das BMZ bei der weiteren Streuung der Studie finanziell behilflich sein?

Für Rückfragen stehen wir natürlich gerne zu Verfügung. In der Anlage erhalten Sie zudem Artikel der tageszeitung sowie der Schweizer Zeitung Blick, in denen über die Veröffentlichung der Studie berichtet wird.
Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Geschäftsführer CBG

Axel Köhler-Schnura
Vorstandsmitglied CBG