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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 1. Januar 2000

Kampagne gegen GenFood

CBG Redaktion

mehr als 20.000 Personen haben den folgenden Aufruf unterzeichnet:

Kampagne gegen GenFood

Das EU-Verbot gentechnisch veränderter Nahrungsmittel steht kurz vor dem Fall. Ein Sieg der Gentechnik-Lobby, angeführt von Konzernen wie BAYER und MONSANTO. Die Folgen für Landwirte und Verbraucher sind unabsehbar, denn bislang liegen keine Langzeituntersuchungen über die Risiken von Gen-Pflanzen vor.

Die USA bezeichnen das EU-Verbot gentechnisch veränderter Pflanzen als „Wettbewerbsnachteil“. Präsident Bush reichte eine Klage bei der Welthandelsorganisation ein – und dient damit ironischerweise besonders einem deutschen Unternehmen: dem BAYER-Konzern. BAYER CROPSCIENCE ist in Europa Marktführer für Gen-Saatgut und drängt mit gentechnisch verändertem Mais, Soja und Raps auf den Markt. Die EU-Kommission scheut den Konflikt mit den USA und hat angekündigt, dass das Verbot im Lauf des Jahres fällt.

[Offener Brief] Kampagne Pestizide Peru

CBG Redaktion

Pestizidvergiftungen in Peru: Offener Brief an Bayer AG

13. März 2003

BAYER AG
Vorstandsvorsitzender W. Wenning
51368 Leverkusen

Sehr geehrter Herr Wenning,

im Oktober 1999 wurden im peruanischen Andendorf Tauccamarca rund 50 Schulkinder durch Pestizide vergiftet. 24 Kinder starben, 22 weitere erlitten schwere innere Verletzungen.

Der peruanische Kongress berief einen Untersuchungsausschuss ein, der im vergangenen Herbst seinen Abschlussbericht vorlegte. Demnach führten Vergiftungen mit dem BAYER-Produkt „Folidol“ zu der Tragödie. Der Untersuchungsausschuss wirft dem BAYER-Konzern sowie den zuständigen Behörden mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor und fordert eine Entschädigung durch BAYER sowie die peruanische Regierung.

In der Hauptstadt Lima haben einige der betroffenen Familien Klage gegen BAYER eingereicht. Neben finanzieller Entschädigung fordern sie ein Verbot hochtoxischer Pestizide, um ähnliche Katastrophen in der Zukunft zu verhindern. Nun wurde bekannt, dass Anwälte von BAYER bei einer Anhörung im Januar eine Abweisung der Klage gefordert haben. Als Gründe wurden Verjährung sowie Unklarheiten in der Klageschrift angeführt.

Wir verurteilen sowohl die Forderung nach Abweisung der Klage als auch die Argumentationsweise Ihrer Anwälte. Das Vorgehen des BAYER- Konzerns stellt eine zynische Mißachtung des über die peruanischen Familien gebrachten Leids dar. Wir stellen uns auf die Seite des peruanischen Kongresses, der die Schuld für diese Todesfälle u.a. bei BAYER verortet. Wir fordern daher eine sofortige Anerkennung dieser Schuld und eine sofortige Entschädigung der betroffenen Familien durch ihr Unternehmen.

Die Verzögerung bei der Einreichung der Klage beruhte auf Repressionen der diktatorischen Fujimori-Regierung, die bis zum Sommer 2001 die Ermittlungen und juristische Schritte blockierte. Die „Unklarheiten“ in der Klageschrift (dort wird von einer Vergiftung durch Methyl Parathion oder Ethyl Parathion gesprochen) beziehen sich auf widersprüchliche Angaben der Behörden: während die Polizei von einer Vergiftung durch Methyl Parathion (ein weißliches Pulver, das Milchpulver ähnelt, von BAYER unter dem Handelsnamen „Folidol“ vertrieben) sprach, machte der damalige Präsident Fujimori den Wirkstoff Ethyl Parathion (ein flüssiges Pestizid) verantwortlich.

Wir fordern Sie auf, sich Ihrer Verantwortung als Vorstandsvorsitzender des BAYER-Konzerns zu stellen, anstatt die Hinterbliebenen mit juristischen Tricks hinzuhalten. Wir wiederholen zugleich die Forderung von Initiativen aus aller Welt nach einem Verkaufs-Stopp für alle Wirkstoffe der WHO-Toxizitätsklasse I.

Für den Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren

Axel Köhler-Schnura
Philipp Mimkes

[Übersichtsartikel] Die Bayer-Tochter und der Krieg im Kongo

CBG Redaktion

H.C. Starck finanziert Rebellengruppen

Die Hügel um die Stadt Mumba im Osten des Kongo sind mit Stollen und kleinen Bergwerken übersäht. Beim Untergang der Sonne klettern Minenarbeiter aus den schlecht befestigten Gräben, einige umklammern Plastiktüten mit schwarzem Sand. Die Arbeit ist hart und gefährlich - hunderte von Arbeitern wurden in den vergangenen Jahren in einstürzenden Stollen begraben. Zweimal wöchentlich kommen schwer bewaffnete Soldaten in die Region 50 km nordwestlich von Goma und kaufen den bröckeligen Sand für zehn bis zwanzig Dollar pro Kilo an – ein Vermögen in diesem Teil der Welt.
Coltan – die Abkürzung von Colombo-Tantalit – enthält das seltene Metall Tantal. Das extrem hitze- und säureresistente und einfach zu verarbeitende Edelmetall wird für die Produktion von Handys, Flugzeugmotoren, Airbags, Nachtsichtgeräten und hochmodernen Kondensatoren verwendet. Das Pentagon stuft Tantal als strategischen Rohstoff ein. Die wichtigsten Reserven liegen in Australien, Brasilien und Zentralafrika - in keinem Land der Welt aber spielt Tantal eine so große ökonomische Rolle wie in der Demokratischen Republik Kongo.
Als Coltan vor zwei Jahren im Verlauf des Handy-Booms knapp wurde, schoss der Preis in die Höhe. An der Londoner Metallbörse stieg der Tantalpreis zwischen Februar 2000 und Januar 2001 von 75 auf knapp 400 Dollar pro Kilo. Die steigenden Preise führten zu einem Konzentrationsprozess, bei dem nur die zahlungskräftigsten Firmen noch zum Zuge kamen. Die Aussichten auf fette Profite riefen zahlreiche Kleinhändler auf den Plan, die sich nach unkonventionellen neuen Bezugsquellen wie dem Kongo umsahen. Viele kongolesische Goldgräber wechselten das Fach und schürften nun nach dem unscheinbaren Mineral.

Rohstoffe finanzieren Waffenkäufe
Der kongolesische Reichtum an Gold, Diamanten, Mineralien und Kupfer weckt seit jeher Begehrlichkeiten. Auf Seiten der kongolesischen Regierung ist die Übertragung von Schürfrechten an militärische Verbündete gut dokumentiert: Ölförderlizenzen gingen an Angola, Diamanten- und Kobaltminen an Simbabwe, Abbaurechte für Diamanten an Namibia. Die Rebellenarmeen, die rund die Hälfte des Staatsgebietes kontrollieren, verkaufen Holz, Kaffee, Diamanten und Gold. So verzehnfachte das mit den Aufständischen verbündete Uganda im Laufe des Krieges seine Goldexporte.
Die von Ruanda unterstützte Rebellengruppe RCD (Kongolesische Sammlung für Demokratie), die den Osten des Kongos beherrscht, finanziert sich hauptsächlich durch Coltan. Die RCD kontrolliert den Export, erhebt pro Tonne bis zu 10.000 Dollar Steuern und finanziert damit Waffenkäufe und Sold. ”Wir befinden uns schließlich im Krieg”, erklärte ihr Kommandant Adolphe Onusumba Anfang 2001, ”wir müssen unsere Soldaten ausrüsten und bezahlen. Der Coltan-Verkauf bringt in einem guten Monat eine Million Dollar .” Der Export läuft über die ruandische Hauptstadt Kigali, russische Antonov-Flugzeuge liefern den Rohstoff nach Europa und bringen auf dem Rückflug Waffen mit.
Neben dem Anheizen des Bürgerkriegs bewirkt der ungeregelten Abbau von Coltan auch die Zerstörung des Lebensraumes einer der letzten großen Menschenaffen-Populationen. Teile des Nationalparks Kahuzi-Biega, in dem einige Tausend Elefanten und Flachlandgorillas lebten, sind von den Minenarbeitern zerstört worden. Hauptnahrungsquelle im Dschungel ist das sogenannte „Bushmeat“ - Affen, Elefanten, Vögel und Krokodile.

Zwei bis drei Millionen Opfer
Der Belgier Erik Kennes, der die Auswirkungen von Bürgerkrieg und Rohstoffabbau für die Zivilbevölkerung untersucht, fasst die Situation wie folgt zusammen: „Die Bevölkerung arbeitet bis zur Entkräftung, um die Armeen zu ernähren, die sie ausbeuten.“ Das in Goma ansässige Pole-Institut schreibt in einer Studie über die sozialen Auswirkungen des Coltanbooms, dass Bauern ihre Felder brachliegen lassen oder in ihnen nach Coltan graben, statt Lebensmittel anzupflanzen. „Folgen wie Jugendkriminalität, Rückgang der Einschulungsquote, Zunahme von Gewalt und Prostitution oder der Umstand, dass Männer mit Taschen voller leicht verdienten Geldes ihre Familien verlassen, belasten das bereits durch den Krieg betroffene soziale Gefüge.“
Nach Angaben der UNO hat der Bürgerkrieg im Kongo seit 1998 2-3 Millionen Opfer gefordert, zum größten Teil durch Vertreibungen, Hunger und Krankheiten. Der Krieg im Kongo ist somit weltweit der verlustträchtigste Konflikt der vergangenen Jahre.

UN fordern Embargo
Die Hintergründe des Krieges beleuchtet ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen, der vor allem die Lage im Osten des Kongo beleuchtet. Demnach dreht sich „der Konflikt in der Demokratischen Republik Kongo hauptsächlich um Zugang zu, Kontrolle von und Handel mit fünf mineralischen Ressourcen: Coltan, Diamanten, Kupfer, Kobalt und Gold.“ Weiter heißt es: „Die Folgen der illegalen Ausbeutung führen zu massiver Verfügbarkeit finanzieller Ressourcen für Ruandas Armee.“
Ruanda ist seit Beginn des Krieges die wichtigste militärische Kraft im Kongo, wobei lange Zeit unklar blieb, wie das winzige und vom eigenen Bürgerkrieg gezeichnete Land die enormen Kosten eines Kampfes an einer 1000 Kilometer langen Frontlinie finanzieren konnte. Der offizielle Militärhaushalt von Ruanda reicht kaum für den Sold der eigenen Armee. Ruandas Armee hat am Handel mit Coltan „über einen Zeitraum von 18 Monaten mindestens 250 Millionen Dollar verdient“, schätzt der UN-Bericht. „Dies reicht, um den Krieg zu finanzieren. Hierin liegt der Teufelskreis des Krieges. Coltan hat der ruandischen Armee die Fortdauer ihrer Präsenz in der Demokratischen Republik Kongo ermöglicht.“
Die UNO scheut sich nicht, auch die Verantwortlichen in den Ländern des Nordens zu nennen: ”Die Verbindung zwischen der Fortsetzung des Konflikts und der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht einige, die nicht zu den Konflikt-Parteien zählen, eine Schlüsselrolle gespielt hätten, willentlich oder nicht.” Genannt werden die Firmen H. C. Starck, Cabot und Ningxia. Der Bericht empfiehlt ein temporäres Embargo für Mineralienexporte. Der UN Sicherheitsrat folgte diesem Votum auf Druck der USA allerdings nicht und beschloss lediglich, weitere Untersuchungen durchzuführen.

Bayer-Tochter verheddert sich in Widersprüche
Die in der UNO-Untersuchung genannte Firma H.C. Starck ist eine hundertprozentige Tochter des Leverkusener Bayer-Konzerns. Nach Recherchen der Washington Post wurde bis ins vergangene Jahr etwa die Hälfte des kongolesischen Tantalits von Starck weiter verarbeitet. Auch RCD-Sprecher Kin-Kiey Mulumba bestätigt: „Es gibt viele Deutsche, die Coltan kaufen“.
Die Firma gehört weltweit zu den wichtigsten Käufern seltener Metalle und ist Weltmarktführer bei der Tantal-Verarbeitung. Zu den wichtigsten Kunden von Starck gehört die Siemens-Tochter Epcos, die auf die Produktion von Chips spezialisiert ist.
Hauptsächlich durch den Tantal-Boom stieg der Umsatz der Firma im Jahr 2000 allein um über 50%. Im Bayer-Geschäftsbericht heißt es denn auch euphorisch: „Tantal heißt das Metall, ohne das heutzutage kein elektronisches Gerät mehr auskommt. Als feines Pulver dient es zur Herstellung leistungsstarker Elektrolyt-Kondensatoren, die in Handys, Personal-Computern oder CD-Spielern eingesetzt werden. Die Bayer-Tochtergesellschaft H. C. Starck produziert einen großen Teil des Weltbedarfs an diesem Spezialpulver - und ist damit sehr erfolgreich.“
H.C. Starck weist auf Anfrage jegliche Verantwortung von sich, verheddert sich dabei aber in Widersprüche. Ein Brief der Coordination gegen BAYER-Gefahren vom Dezember 2000 (sechs Monate vor Veröffentlichung des UN Berichts), in dem sich der Verein nach den Partnern im Kongo und der Höhe der Aufwendungen erkundigte und in dem die Gefahr einer Finanzierung des Bürgerkriegs ausgesprochen wurde, wurde lapidar beantwortet – aus Wettbewerbsgründen könnten die gewünschten Auskünfte nicht erteilt werden. Wenige Monate später erklärte Firmensprecher Manfred Bütefisch, ”in der Praxis ist nur schwer nachvollziehbar, ob Rohstoffe aus der Krisenregion oder anderen Teilen Afrikas stammen”. Auch dass Händler, die in Deutschland Tantal anbieten, sich aus dem Kongo versorgen, könne man „nicht ausschließen“. Einen Monat später erfolgt die Rolle rückwärts: ”H.C. Starck bezieht keine Rohstoffe aus der Krisenregion”. Einen Nachweis blieb die Firma aber schuldig, da sie ihre Zulieferer nicht nennen will.
Nachdem Recherchen verschiedener Medien eine Verbindung zwischen der Bayer-Tochter und den Händlern im Osten des Kongo nachwiesen, ruderte das Unternehmen erneut zurück: Im Oktober 2001 gab Unternehmenssprecher Bütefisch in einem Interview zu, ”wir beziehen unser Material direkt aus der Stadt Goma von einem uns bekannten Händler. Nach allen Informationen, die uns vorliegen, ist es absolut sauber.” Bütefisch gab sich weiterhin „fest davon überzeugt, dass von dem Geld für Coltan-Lieferungen weder Rebellen unterstützt noch Entwicklungen begünstigt würden, die eine Verletzung des angrenzenden Nationalparks zur Folge hätten“. Es bleibt Bütefischs Geheimnis, wie das Unternehmen Rohstoffe aus dem Ost-Kongo beziehen will, ohne die Rebellen zu unterstützen - da die RCD Steuern auf Coltan-Ausfuhren erhebt, liefe die Argumentation des Unternehmens auf Schmuggel hinaus.
Gegenüber der Financial Times war sich H. C. Starck auch nicht zu schade, dreist zu lügen: ”Wir sind erst durch den Bericht der Vereinten Nationen Mitte April 2001, der Verf. auf die besondere Situation in dieser Region aufmerksam geworden” - also sechs Monate nach der abschlägig beschiedenen Anfrage der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Zudem lasse sich das Unternehmen die Seriösität ihrer Geschäftspartner durch das Auswärtige Amt bestätigen. Das AA hingegen weist auf Nachfrage darauf hin, dass es grundsätzlich keine amtlichen Stellungnahmen pauschaler Art über die Seriösität einzelner ausländischer Firmen abgebe .

Recherche nach „Wallraff-Methode“
Auch gegenüber dem Journalisten Klaus Werner, Autor des „Schwarzbuch Markenfirmen“, verweigerte das Unternehmen mit Verweis auf ”interne Daten” jegliche Auskunft. Ob die Firma das wertvolle Pulver auch aus dem Kongo bezieht, gab Sprecher Bütefisch auch nach beharrlichem Insistieren nicht preis: ”Ich werde weder das eine noch das andere sagen.” Um der Wahrheit auf die Spur zu kommen, sah sich Klaus Werner deshalb gezwungen, die Wallraff-Methode anzuwenden. Er schlüpfte in die Haut eines Tantalit-Händlers aus dem Kongo, legte sich die Internet-Identität ”Robert Mbaye Leman, Wohnort: Arusha, Tansania, Beruf: Rohstoffhändler” zu und mailte H. C. Starck ein Angebot. Die Antwort kam postwendend: ”Wir sind generell interessiert am Kauf allen Tantalit-Rohmaterials. Lassen sie uns bitte eine Analyse, eine Probe und ihre Preis-Vorstellung zukommen. Nachdem wir diese Informationen bekommen haben, werden sie schnell unsere Antwort erhalten.” Um der möglichen Aufmerksamkeit der deutschen Öffentlichkeit zu entgehen, trat H. C. Starck/Thailand als Kauf-Interessent auf - wozu ist man schließlich ein Welt-Konzern!
Die schmutzige Quelle ”Kongo” schmälerte das Interesse an dem Tantalit ebenso wenig wie das Bekenntnis Lemans/Werners, er beziehe die Ware über die SOMIGL. Diese Firma wurde von der RCD gegründet und handelt nicht nur mit Bodenschätzen, sondern auch mit Waffen und nimmt es dabei mit den Zoll-Bestimmungen nicht immer genau. ”Geschäft ist Geschäft” - darauf können sich eben alle Beteiligten an der Kriegswirtschaft jederzeit einigen.

Die Lügen und das Geschäft gehen weiter
Nach der Veröffentlichung eines weiteren UN Berichts im Sommer diesen Jahres kam von Starck eine letzte Kehrtwendung: „Seit August 2001 kauft H.C. Starck kein Material aus Zentralafrika mehr.“ Erneut behauptet das Unternehmen, in der Vergangenheit keine Abgaben an Rebellengruppen geleistet zu haben. Wenige Monate später entpuppte sich jedoch auch diese Aussage als Lüge: in einem weiteren Untersuchungsbericht wies die UNO nach, dass H.C. STARCK von der in Bukavu/Kongo ansässigen Firma EAGLE WING weiterhin Coltan bezieht. Zudem bezog die thailändische Niederlassung von STARCK falsch deklariertes Coltan, das ebenfalls aus dem Kongo stammte - nach Angaben der UNO war STARCK die Herkunft des Materials bekannt. Auch die Aussage der Firma, in der Vergangenheit lediglich mit Partnern kooperiert zu haben, die „keine Abgaben an Rebellenorganisationen leisten oder geleistet haben oder in anderer Form mit diesen kooperieren“ wird als unwahr bezeichnet. Nach Meinung der UNO verstoße die Firma somit gegen die Richtlinien der OECD für multinationale Konzerne.
Eine weitere Spur führt nach Angaben der UNO aus dem Kongo nach Kasachstan: Große Teile des in Zentralafrika geschürften Coltans werden an die Atomfabrik Ulba Metallurgical Plant geliefert. H.C. STARCK hat in der Vergangenheit bei der Entsorgung von Giftstoffen eng mit der kasachischen Atomindustrie kooperiert, ob STARCK auch über den Umweg nach Kasachstan Coltan bezieht, wollte die Firma auf Anfrage erwartungsgemäß nicht beantworten.
Wer die Coltan-Minen in Zukunft kontrolliert, ist zur Zeit unklar. Durch den Abzug der ruandischen Regierungstruppen im Herbst 2002 wurde die RCD stark geschwächt, so dass andere Gruppen den Handel mit Rohstoffen übernehmen könnten. Eine andere Entwicklung indes ist absehbar: der Handel mit dem Element Niob wird an Bedeutung gewinnen. In einer Verlautbarung der Siemens-Tochter Epcos heißt es: „Mit Niob-Kondensatoren werden Werte erreichbar sein, die höchstkapazitative Tantal-Kondensatoren um den Faktor 2 bis 3 übertreffen“. Den Kongo braucht das nicht zu stören. Denn Niobium, auch Colombium genannt, ist der andere Bestandteil von Coltan.

[Hauptversammlung] Rede Pater Gregor Böckermann

CBG Redaktion

Pater Gregor Böckermann von den „Weiße Väter - Afrikamissionare“ am 27. April 2001 auf der Hauptversammlung der Bayer AG in Köln

Sehr geehrte Damen und Herren Aktionäre, verehrte Vorstands-
mitglieder,

wenn morgen jemand sein altes Handy gegen das neueste Modell eintauscht, dann heizt er mit hoher Wahrscheinlichkeit den verheerenden Bürgerkrieg im Kongo indirekt mit an. Wenn der Kunde auch noch gleichzeitig Bayer-Aktien besitzt, dann verlängert er mit hoher Wahrscheinlichkeit den Krieg sogar direkt. Denn Bayer hat mit diesem Bürgerkrieg eine Menge zu tun.

In der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire, liegt der Stoff, mit dem Handy- und Computerträume wahr werden. Colombo-Tantalum, kurz Coltan, heißt das Erz. Durch den Handy- und PC-Boom ist die weltweite Nachfrage sprunghaft angestiegen.

Die Bayer-Tochter H.C. Starck mit Sitz in Goslar gehört beim Handel mit Tantalumprodukten zur Weltspitze. Der vor wenigen Tagen veröffentlichte UN-Bericht zur - Zitat - „illegalen Ausplünderung der natürlichen Ressourcen“ in der DRC kommt zu der Kernaussage - ich zitiere: „Der Konflikt dreht sich hauptsächlich um Zugang zu, Kontrolle von und Handel mit fünf mineralischen Ressourcen“, darunter auch Coltan. Der UN-Bericht nennt explizit die Bayer-Tochter H.C. Starck als Bezieherin von kongolesischem Coltan. Die Hamburger Umweltorganisation „Rettet den Regenwald“ hat den Bayer-Vorstand deswegen schriftlich aufgefordert, vorläufig auf den Einsatz von Mineralien aus dem Bürgerkriegsland zu verzichten.

Ich frage den Vorstand, ob er dieser Forderung nachkommen wird?

Der UN-Bericht bezeichnet die Konzerne, die mit kongolesischen Mineralien handeln, als - Zitat - „Motor des Konfliktes“. Laut UN-Bericht „kennen die importierenden Konzerne die tatsächliche Herkunft des Coltan.“ Bayer bereichert sich demnach vorsätzlich an der Veredlung eines Metalls, dessen Förderung den Krieg im Kongo anheizt - ja, sogar noch verlängert. Denn von den Coltanerlösen werden Waffen gekauft. Oder andersherum: Ohne den Handel mit Mineralien wie Coltan wäre der Krieg gar nicht finanzierbar.

Rund 250.000 Menschen fielen dem Bürgerkrieg bisher zum Opfer, eine Million Menschen wurde vertrieben, die Natur ist schwer geschädigt. Bayer hat gegenüber „Rettet den Regenwald“ bisher lediglich zugesagt, keine Mineralien aus Regenwaldgebieten in der DRC mehr zu beziehen, in denen der Coltanabbau schwere Umweltschäden hinterläßt.

Ich frage den Vorstand: Trifft es zu, dass H.C. Starck weiter Coltan aus anderen Gebieten in der DRC bezieht. Und falls ja, ist es mit den Bayer
Unternehmensgrundsätzen vereinbar, dass der Konzern dadurch laut UN-Bericht direkt zur Verlängerung eines blutigen Krieges beiträgt?

In den Unternehmensleitsätze heißt es, ich zitiere: „Produktverantwortung endet nicht am Werkstor. Bayer-Produkte müssen den Grundsätzen von Responsible Care (verantwortliches Handeln) und Sustainable Development (nachhaltige, zukunftsverträgliche Entwicklung) entsprechen.

Bayer hat inzwischen mitgeteilt, H.C. Starck beziehe seine Rohstoffe u.a. von etablierten Händlern, mit denen das Unternehmen bereits seit vielen Jahren zusammenarbeite. Aus der Einschränkung “unter anderem" ergibt sich, dass H.C. Starck seine Rohstoffe auch von nicht etablierten Händlern bezieht bzw. bezogen hat.

Ich frage den Vorstand: Wie können Sie sicher stellen, dass Coltan-Lieferanten von H.C. Starck, die Sie nicht zu den etablierten Händlern zählen, kein Material aus der DRC liefern?

Ich frage weiter: Sind Sie in der Lage und bereit, der Öffentlichkeit die Namen sämtlicher Händler zu nennen, von denen H.C. Starck Coltan aus der DRC direkt oder über die Nachbarländer bezieht bzw. in der Vergangenheit bezogen hat?

Wie gesagt: 250.000 Tote hat der Krieg gefordert und eine Million zu Flüchtlingen gemacht. Wer ein neues Handy kauft, beteiligt sich womöglich indirekt an dem Gemetzel. Wer eine Bayer-Aktie besitzt, ist vielleicht sogar direkt mit verantwortlich. Wer den Konzern führt, erst Recht.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

Coltan aus dem Kongo

CBG Redaktion

Kriegsgewinnler Bayer

Über 2 Millionen Tote sind dem Krieg im Kongo seit 1997 zum Opfer gefallen. Ein Bericht der UNO vom 23. April 2001 stellt fest, dass die Kämpfe hauptsächlich wegen des Zugangs zu Rohstoffquellen geführt werden, neben Gold und Diamanten steht Tantalit im Zentrum des Interesses. Das Mineral enthält Tantal, welches besonders in Handys und elektronischen Schaltkreisen Verwendung findet.

Brief an Joschka Fischer

CBG Redaktion

Außenminister Joschka Fischer
Auswärtiges Amt
11013 Berlin

20. Oktober 2003

Philippinen: Kriminalisierung von Umweltschützern und Journalisten

Sehr geehrter Joschka Fischer,

aus den Philippinen erreicht uns die Nachricht, dass Dr. Romy Quijano seitens philippinischer Regierungsvertreter juristischen Attacken ausgesetzt ist.

Dr. Quijano ist Arzt und lehrt Pharmakologie und Toxikologie an der Universität Manila. Seit rund 20 Jahren arbeitet er u.a. zu Gesund-
heitsrisiken von Pestiziden. Er ist Vorsitzender der philippinischen Sektion des Pesticide Action-Network (PAN) und gehört zu den Leitern des International POPs Elimination Network (IPEN), einem Zusammenschluss von 300 Umweltorganisationen aus aller Welt. Zudem ist er NGO-Repräsentant im Intergovernmental Forum on Chemical Safety, dem mehr als 100 Regierungen angehören.

Seit 1997 hat Dr. Quijano eine Reihe von Untersuchungen in dem Dorf Kamukhaan auf Mindanao vorgenommen. In unmittelbarer Nachbarschaft des Dorfs befindet sich eine große Bananenplantage in Besitz der Lapanday Agricultural Development Corporation (LADECO). Auf der Plantage werden in großem Umfang Pestizide eingesetzt, darunter Wirkstoffe, die von der Weltgesundheitsorganisation als „extrem gefährlich“ klassifiziert werden. Sowohl bei den Arbeitern als auch in der benachbarten Gemeinde trat eine hohe Zahl von Vergiftungsfällen auf. Auch die umliegenden Felder und Gewässer sind stark vergiftet.

Dr. Quijano hat mit lokalen Helfern medizinische Untersuchungen der Dorfbevölkerung vorgenommen und sowohl Trinkwasser- als auch Urinproben auf Pestizidbelastungen hin untersucht. Im März 2000 veröffentlichte Dr. Quijano die Ergebnisse gemeinsam mit seiner an den Recherchen beteiligten Tochter Ilang-Ilang Quijano unter dem Titel Poisoned Lives in der Philippine Post (den Artikel finden Sie im Anhang). Auch der philippinische Fernsehsender ABS-CBN sowie mehrere internationale Medien berichteten über den Fall.

Die Firma LADECO besitzt 40 Plantagen im ganzen Land und ist der größte philippinische Produzent und Exporteur von Südfrüchten (besonders Bananen). Anwälte des Unternehmens reichten im August 2000 Strafanzeige wegen Verleumdung gegen Dr. Quijano und seine Tochter sowie vier Journalisten ein (Leti Boniol (Inquirer desk editor), Danilo Mariano (ABS-CBNnews.com editor), Carlos Conde (New York Times Korrespondent) und Nick Legaspi (Malaya deskperson)). Die Klage wurde im Frühjahr 2001 vom Gericht in Davao City/Mindanao abgewiesen, da die Veröffentlichung der Recherchen von „öffentlichem Interesse“ sei. Das Gericht bezeichnete die Veröffentlichung als „written in good faith to call the attention of the public to the present state of health and risks of the residents of Kamukhaan, and for the government to take appropriate action“.

LADECO befindet sich in Besitz der Familie Lorenzo, einer der wohlhabendsten Familien des Landes. Eine politische Wendung erhält der Fall dadurch, dass Luis Lorenzo Jr., seit langem Beraterin von Präsidentin Gloria Arroyo, im vergangenen Oktober zum Landwirtschaftsminister aufgestiegen ist. In dieser Funktion leitet Lorenzo auch die philippinische Pestizid-Regulierungsbehörde Fertilizer and Pesticide Authority (weitere Informationen zur Familie Lorenzo im Anhang).

Am 4. Juli 2003 entschied das philippinische Justizministerium überraschend, die Abweisung der strafrechtlichen Klage durch das Gericht in Davao City aufzuheben und den Fall neu zu verhandeln. Zwar wurde Dr. Quijanos Anwalt mitgeteilt, dass kein Haftbefehl vorliege. Dennoch wurde Romy Quijano am 8. September verhaftet und erst nach Zahlung einer Kaution wieder freigelassen. Der Haftbefehl bezog sich auch auf die mitangeklagten Journalisten, wurde jedoch nur bei Dr. Quijano vollstreckt.

Wir möchten Sie zunächst auf diesen groben Fall von Unterdrückung wissenschaftlicher und journalistischer Arbeit hinweisen. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit Dr. Quijano zusammen und kennen ihn als engagierten und unbestechlichen Streiter gegen Risiken von Chemikalien und Pestiziden. Alles deutet darauf hin, dass die ungewöhnliche Wendung des Prozesses auf Druck des Landwirtschaftsministers und Mit-Besitzers der LADECO, Luis Lorenzo zustande kam. (Dr. Quijano ist im übrigen nicht das erste Mal juristischen Attacken ausgesetzt. Nachdem er zu Beginn der 90-er Jahre Gesundheitsrisiken des Pestizids Endosulfan veröffentlicht hatte, klagte die deutsche Firma Hoechst gegen ihn und verlangte 22 Millionen Peso Schadenersatz. Die Klage wurde abgewiesen, Endosulfan wurde kurze Zeit später in den Philippinen verboten.)

Wir möchten Sie bitten, alle Institutionen, mit denen Sie auf den Philippinen kooperieren, auf den Fall aufmerksam zu machen. Darüber hinaus möchten wir Sie bitten, bei der philippinischen Regierung gegen die Kriminalisierung unabhängiger Umweltschützer zu protestieren und eine sofortige Einstellung des (offenbar politisch gewollten) Verfahrens zu fordern.

Für eine möglichst umgehende Antwort wären wir dankbar.
Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren
Postfach 15 04 18
40081 Düsseldorf

gez. Niklas Reese
Philippinenbüro e.V. Bullmannaue 11
D-45327 Essen

gez. Friedhelm Meyer
Solidarische Kirche im Rheinland
Borchemstr. 5
40597 Düsseldorf

Hintergrundmaterialien LADECO/Familie Lorenzo
LADECO is owned by Lapanday Holdings, one of the country‚s largest producers and exporters of fresh fruit, taking an 11% share of the total market. In 1999, Lapanday accounted for 33% of the total banana export market in the Philippines. Although bananas are the company‘s main product, they also produce pineapples, mangos, seafood and processed fruits.

Lapanday owns 40 plantations in Mindanao, which represent 6,200 hectares of land and employ 7,300 people. Luis Lorenzo Sr. acquired the Guihing, Lapanday, and Callawa farms from the Ayala-Aboitiz group in 1982. The Lapanday farms produced and packed Cavendish bananas for Del Monte. In 1997, Lapanday‚s expanded from being a grower and packer for multinational brands to being a exporter and regional produce supplier. The first Philippine brands of fresh fruit were introduced to the global market - „Mabuhay,“ „Estrella,“ and „Aloha“ - all grown and packed in farms owned and managed by Global Fruits Corporation, a fully owned Lapanday subsidiary.

On October 2001, Luis Lorenzo Jr. was appointed by Pres. Gloria Macapagal-Arroyo as Presidential Adviser for the Creation of One Million Jobs.

On October 2002, Lorenzo was appointed as Cabinet Secretary of the Department of Agriculture (DA) by Arroyo. According to Lorenzo‘s biodata in the DA's official website, he is the Chairman & CEO of Lapanday Holdings Corporation, and Chairman of Lapanday Foods Corporation.

Previous Positions/Affiliations
* Chairman, Philippine Banana Growers and Employers Association, Inc.

[Rede Lars Neumeister] Rede von Lars Neumeister (PAN) auf der BAYER Aktionärsversammlung am 28. April 2000

CBG Redaktion

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Anfang meiner Rede möchte ich aus dem Geschäftsbericht der BAYER AG aus dem Jahre 1995 zitieren. Im Abschnitt Arbeitsgebiet Landwirtschaft heißt es dort unter anderem:
“Mit einem “Drei Punkte Programm” haben wir uns hinsichtlich Forschung, Entwicklung und Vertrieb der Pflanzenschutz-Produkte klare Ziele für die kommenden fünf Jahre gesetzt, um wichtige Aspekte wie Umweltschutz und Produktsicherheit noch weiter voranzubringen. So werden wir die eingesetzte Produktmenge je Anwendung noch weiter reduzieren und Produkte der WHO-Toxizitätsklasse 1 schrittweise durch Präparate mit geringerer Giftigkeit ersetzen.”

An dieser Stelle möchte ich den Vorstand fragen, wie weit die Ziele des 3 Punkte Programms im Jahr 1999 umgesetzt wurden. Denn 5 Jahre später sind diese Wirkstoffe immer noch auf dem Markt und tragen zur Vergiftung von Mensch und Umwelt bei. Ein besonders schockierendes Beispiel wurde uns durch das Pestizid Aktions- Netzwerk in den Philippinen bekannt. Menschen und die Umwelt wurden dort durch Pestizide vergiftet.

Unter anderem wurden dort die BAYER Wirkstoffe Fenamiphos und Carbofuran ausgebracht. Beide Wirkstoffe gehören zur höchsten Giftigkeitsklasse der Weltgesundheitsorganisation. Im Dorf Kamukhaan, das seit 19 Jahren von Bananen-Plantagen umgeben ist, klagen die BewohnerInnen über akute Vergiftungserscheinungen sowie chro-nische Krankheiten wie Krebs, Asthma und Anämie. Pestizide werden dort nach der Ausbringung oft direkt durch die Luft ins Dorf eingetragen. Die Flüsse und das Grundwasser sind verschmutzt und die wenigen verbliebenen Fische kontaminiert. Allein im Juli 1999 starben neun Menschen an den Folgen von Pestizidvergiftungen. Im Dorf geborene Kinder kommen häufig mit körperlichen Missbildungen und geistigen Behinderungen auf die Welt. Viele sterben während oder kurz nach der Geburt. Nicht nur die direkten Einwirkungen durch Pestizide schädigen die Bewohner des Dorfes. Alle wirtschaftlichen Grundlagen des Dorfes sind durch den Chemikalieneinsatz auf den Plantagen beeinträchtigt. Die Kokospalmen trugen keine Früchte mehr und mussten gefällt werden. In den Flüssen befinden sich kaum noch Fische. Auf den durch Agrochemikalien unfruchtbar gewordenen Böden ist es sehr schwierig geworden, Marktfrüchte anzubauen oder die Selbstversorgung zu sichern. Vieh und Geflügel zu erzeugen, ist fast unmöglich, weil die Tiere immer wieder durch die Pestizideinwirkung getötet werden. Durch die Vermarktung von Pestiziden der Giftigkeitsklassen “extrem gefährlich” und “hoch gefährlich” der Weltgesundheitsorganisation sind Produzenten wie die BAYER AG mit verantwortlich für die Gesundheits- und Umweltschäden in den Philippinen.
Die Vorkommnisse in den Philippinen widersprechen den klaren Zielsetzungen BAYERs und ich frage Sie, ob Sie dazu Stellung nehmen können?

Zum Abschluss meiner Rede möchte ich aus dem Geschäftsbericht der BAYER AG aus dem Jahr 1999 zitieren. In der Einleitung heißt es: “Die technische und wirtschaftliche Kompetenz des Unternehmens ist für uns mit der Verantwortung verbunden, zum Nutzen der Menschen zu arbeiten und unseren Beitrag für eine dauerhafte und umweltgerechte Entwicklung zu leisten.” Wir stellen nun die Frage an den Vorstand: Wird BAYER dieser Verantwortung gerecht und das Ziel aus dem Jahr 1995, die “...Produkte der WHO- Toxizitätsklasse 1 schrittweise durch Präparate mit geringerer Giftigkeit ersetzen” im Jahr 2000 erreichen?
- Vielen Dank.

Auf die Rede von Lars Neumeister (PAN Germany) äußerte der BAYER-Vorstand, das “Drei Punkte Programm” verlaufe planmäßig, über die Vorkommnisse in den Philippinen sei ihnen nichts bekannt, man werde sich darüber aber informieren.

[Kamukhaan] Kamukhaan: das Dorf, die Pestizide und der Tod

CBG Redaktion

Von Dr. Romeo Quijano und Philipp Mimkes

Der Ort sieht öde und verlassen aus. Fast könnte man ihn für eine Geisterstadt halten, doch dann sieht man einige kraftlose Menschen zwischen den schäbigen Hütten sitzen. Die 700 Bewohner des Dorfes Kamukhaan auf der philippinischen Insel Mindanao sind einem Tod auf Raten geweiht: Vor 20 Jahren kamen mit dem Bau einer Bananen-Plantage Vergiftungen, Krankheiten und Armut ins Land. Seitdem werden die Früchte fast täglich mit Pestiziden besprüht, die Gifte töten Menschen, Tiere und Pflanzen. Während die „makellosen“ Bananen ihre Reise in ferne Länder antreten, zahlen die Bewohner von Kamukhaan den Preis für die agro-industrielle Produktion.

Kamukhaan war nicht immer das Ödland, das es heute ist. Wie die Ältesten wehmütig erzählen, war das Dorf einst reich an natürlichen Ressourcen. Niemand brauchte zu hungern. Es gab Bäume und alle Arten von Vegetation, der See war voller Leben. Die Dorfbewoh- nerInnen, die vom Fischfang oder dem Getreideanbau lebten, hatten stets mehr als genug, um ihre Familien zu ernähren und ein einträgliches Leben zu führen. Das Landstück, auf dem jetzt die Plantage angesiedelt ist, war einst in Besitz der Familie Buloy. Der 71jährige Diego Buloy, letzter Überlebender der Clans, erzählt: „Die Abgesandten der Firma Gadeco gaben vor, auf dem Land Rinder züchten zu wollen. Aber sie betrogen uns, und wir leiden immer noch an den Folgen.“

Gadeco, in der Hand einer Großgrundbesitzer-Familie, produziert hauptsächlich für die US Unternehmen Del Monte und Chiquita. Die in Kamukhaan eingesetzten Agrochemikalien stammen von der amerikanischen Firma Du Pont und den deutschen Anbietern Bayer und Aventis. Gadeco versprach ein „banana dreamland“ und Wohlstand für die ganze Region. Die Realität sieht anders aus: ödes, karges Land, ein verseuchter See und kranke, verarmte Menschen, die gezwungen sind, giftige Luft zu atmen.

Seit dem Bau der Plantage sind die DorfbewohnerInnen zwei- bis dreimal im Monat direkt den per Flugzeug versprühten Pestiziden ausgesetzt. Nicht einmal in ihren Hütten können sie den Ackergiften entkommen. Ihre Augen brennen, und die Haut beginnt zu jucken. „Kinder, die auf der Straße gespielt haben, kehren hustend nach Hause zurück und klagen über schmerzende Augen“, erzählt Alona Tabarlong. Vorher kerngesunde Kinder und Erwachsene sind heute extrem krankheitsanfällig, die verschiedensten Krankheiten breiten sich unter den Dorfbewohnern aus. Sie bekommen leicht Fieber und leiden regelmäßig unter Schwächeanfällen, Schwindelgefühlen, Übelkeit und Husten-Attacken. Andere haben Asthma, einen Kropf, chronischen Durchfall oder Anämie (Blutarmut). Bei einigen Erwachsenen haben die Ärzte Krebs diagnostiziert.

Chronische Krankheiten und plötzliche Todesfälle sind in Kamukhaan alltäglich. Ein Angestellter der Dorf- Verwaltung bestätigt, dass im vergangenen Monat fünf Menschen an Durchfall oder hohem Fieber gestorben sind. Und Nanette Rodriguez berichtet: „Allein im vergangenen Juli sind neun Menschen gestorben. Schon vorher sind viele krank geworden, von denen einige mittlerweile tot sind. Deshalb gingen wir zum Geschäftsführer der Plantage. Aber er sagte, die Gesellschaft komme nicht für unsere Krankenhaus- Rechnungen auf, da es unser verschmutztes Wasser sei, dass die Krankheiten verursache. Die Ärzte im Hospital bestätigten, dass unser Wasser-Reservoir mit Pestiziden vergiftet ist, die durch die Erde gesickert sind.“

„Erst gestern verlor eine Frau zwei ihrer Kinder“ erzählt ein Dorfbewohner. Babys kommen oftmals krank oder mit Missbildungen zur Welt. Viele haben von Geburt an schwere Hautleiden. Nicht selten sterben die Säuglinge bei der Niederkunft oder kurz danach. Die Pestizide haben eine fatale Auswirkung auf die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder, viele versäumen wegen ihrer Krankheitsanfälligkeit häufig die Schule. Die 8jährige Lilibeth Hitalia beispielsweise ist wegen ihres chronischen Durchfalls zu häufigen Krankenhaus- Aufenthalten gezwungen. „Bei ihrer Geburt war sie sehr klein, und sie begann erst mit vier Jahren zu sprechen. Noch immer hat sie ein beeinträchtigtes Auffassungsvermögen“, sagt uns ihre Mutter.

Auch die Getreide- und Gemüsefelder des Dorfes leiden unter den Giften. Seitdem auf der Plantage Pestizide verspritzt werden, tragen die Kokosbäume keine Früchte mehr, die DorfbewohnerInnen waren gezwungen, die Bäume zu fällen. Der Boden ist unfruchtbar geworden, so dass der Getreideanbau zur Selbstversorgung oder Sicherung des Lebensunterhalts kaum noch möglich ist. Die Aufzucht von Schweinen, Hühnern und anderen Tieren wird immer schwerer, da viele während der Spritz-Phasen verenden. Die Einwohner von Kamukhaan vermuten, dass ihr 50 Meter unter dem Erdboden liegendes Wasser-Reservoir verseucht ist. Während der Niederschlagszeit nimmt das Regenwasser die Pestizide von den Feldern auf und fließt in Richtung Dorf, wo der Wasserstand manchmal Hüfthöhe erreicht. Die Bewohner sind gezwungen, durch das Wasser zu waten, die darin spielenden Kinder werden oftmals krank.

Die Pestizide verschonen auch den Fluss und den See nicht - Hauptquellen für Nahrung und Lebensunterhalt. Das Wasser, in dem es einst vor Fischen nur so wimmelte, ist heute pestizidverseucht. Fischer erinnern sich noch an die Zeit vor 30 Jahren „als wir jeden Tag 200 Kilogramm Fisch fingen. Heutzutage sind wir froh, wenn es noch zwei Kilo sind“. Das Fischsterben ist in Kamukhaan Alltag geworden. Einige BewohnerInnen sind auf den vergifteten Fisch als Nahrungsmittel angewiesen und deshalb häufig krank. Schon oft hat sich die Dorfbevölkerung bei den Plantagenbesitzern beschwert, aber diese lehnen jede Verantwortung ab. Einmal zogen die Fischer mit toten Fischen, Wasser- und Bodenproben ins Rathaus, aber auch dort stießen ihre Klagen auf taube Ohren. Jetzt, da die Pestizide die natürlichen Lebensgrundlagen des Ortes zerstören, gehen die DorfbewohnerInnen, die vorher nie Hunger leiden mussten, oftmals mit leerem Magen ins Bett.

Der Möglichkeit beraubt, Tätigkeiten als Fischer oder Bauer auszuüben, sind viele Männer genötigt, auf der Plantage zu arbeiten. Die Pestizide werden nicht nur von der Luft aus versprüht, die Arbeiter spritzen auch direkt über ihren Köpfen und stehen stundenlang im Chemikalien-Nebel. Eine angemessene Schutzkleidung erhalten sie nicht, gegen die Pestizid-Dämpfe werden nur Stoff-Masken ausgeteilt. Hände, Füße und Beine bleiben ungeschützt und kommen ständig mit den Pestiziden in Kontakt. Ein Training für die Handhabung der Gifte existiert nicht - lediglich eine kurze Einweisung. Ein Arbeiter erzählt, wie er durch die zwischen den Bananen-Stauden angelegten Kanäle waten musste, in dem das vergiftete Wasser bis zu den Schenkeln reichte und in seine Schuhe lief. Durch eine Infektion verlor er zwei Zehen, für die Behandlung musste er selber aufkommen.

Eines der am häufigsten eingesetzen Agrogifte in der Plantage ist Fenamiphos (Produktname Nemacur), das vom Leverkusener Bayer-Konzern hergestellt wird. Fenamiphos wird von der Weltgesundheitsorganisation WHO in die Gefahrenklasse Ia („extrem gefährlich“) eingestuft. Das Unternehmen Bayer hatte Mitte der 90er Jahre angekündigt, bis Ende des Jahrzehnts alle Pestizide der Klassen Ia und Ib („hoch gefährlich“) vom Markt zu nehmen - das Versprechen wurde aber bislang gehalten.

Die meisten Landarbeiter werden befristet angestellt und erhalten keinerlei Sozialleistungen oder Krankenfürsorge. Für eine 10stündige Schicht müssen sie sich mit einem Lohn von 45 Pesos (2 DM) - weniger als der gesetzliche Mindestlohn - oder gar mit Naturalien abspeisen lassen. „Manchmal erhalten wir 90 Pesos für besonders harte Tätigkeiten“ berichtet einer. Doch dieser Betrag reicht auch in den Philippinen nicht aus, eine Familie zu ernähren, erst recht nicht für eine medizinische Behandlung. Beschwerden ziehen eine sofortige Kündigung mit sich. Arbeiter, die Informationen über die Arbeitsbedingungen an Journalisten weitergegeben hatten, wurden unter Druck gesetzt, ihre Aussagen zurückzuziehen. Andernfalls wurden ihnen Klagen angedroht.

Zwei Männer, die den Wirkstoff Paraquat verspritzten, kamen ins Krankenhaus - einer von ihnen starb. Viele Arbeiter klagen ständig über Schwindelanfälle, Schwächegefühle oder Hautjucken und können deshalb häufig nicht zur Arbeit kommen. Edward Rama, der die Bananen jede Woche mit dem in den USA nicht zugelassenen Wirkstoff Bitertanol behandelt (enthalten in den Bayer-Produkten Baycor und Baymat), berichtet, dass er leicht ermüdet, Fieber bekommt und unter Magenproblemen sowie Hautjucken leidet.

Auch in so abgelegenen Orten wie Kamukhaan zeigen sich die Auswirkungen einer grenzenlosen Globalisierung. Die Bewohner des Ortes stehen möglicherweise vor ihrer Auslöschung: ihr Gesundheits- Zustand verschlechtert sich ständig, die Felder sind erschöpft, andere Einkommens-Quellen gibt es nicht. Die Menschen versinken in Armut und Hoffnungslosigkeit, doch nur wenige nehmen davon Notiz.
Die Dorf-Ältesten haben resigniert: „So sehr wir uns auch anstrengen, wir können gegen diese mächtigen Leute nichts ausrichten“. Solange es Dörfer wie Kamukhaan gibt, ist die Schlacht gegen Ungerechtigkeit, menschliche Gier und Unterdrückung nicht gewonnen.

Dr. Romeo Quijano ist Arzt und lehrt Pharmakologie an der Universität Manila
Philipp Mimkes ist Physiker und Journalist. Er ist Mitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Bayer-Pestizide im philippinischen Bananen-Anbau

CBG Redaktion

Seit dem Frühjahr 2000 kooperieren wir mit dem philippinischen Arzt und Pharmakologen Dr. Romeo Quijano, der Anwohner und Arbeiter von Bananenplantagen auf Pestizid-Schäden untersucht. Bitte lesen Sie einen ausführlichen Bericht über ökologische und gesundheitliche Probleme rund um die Bananen- Plantage im Dorf Kamukhaan auf der Insel Mindanao, in der u.a. das Pestizide Nemacur von Bayer zum Einsatz kommt. Fotos zeigen Plantagenarbeiter beim Ausbringen der Agrogifte und Flugzeuge, die Plantage und Dorfbewohner mit Pestiziden besprühen.

Day of No Pesticides

CBG Redaktion

update 16. Sept. 2011: BAYER nimmt tödliche Pestizide vom Markt

Offener Brief an BAYER zum Day of No Pesticides

Die Bayer AG kündigte 1995 an, hochgiftige Pestizide innerhalb von 5 Jahren weltweit vom Markt zu nehmen. Dieses Versprechen wurde bis heute nicht umgesetzt. Die Umweltverbände Coordination gegen BAYER- Gefahren, WWF Deutschland und Pestizid Aktions- Netzwerk schrieben daher einen Offenen Brief (s. unten) an die Bayer AG, in dem sie einen Verkaufs-Stopp der gefährlichsten Agrogifte fordern.
Über 200 Organisationen aus 40 Ländern, darunter der große amerikanische Umweltverband Friends of the Earth, und 400 Einzelpersonen unterzeichneten bereits den Brief (s.u.).

[Gewässer NRW] Die Giftfracht der Flüsse

CBG Redaktion

Während die Belastung der Gewässer durch Schwermetalle und andere Schadstoffe in den letzten Jahren spürbar abgenommen hat, stellt der Pestizid-Eintrag eine zunehmende Gefahr für die Flüsse dar. Dieser Sachverhalt bewog das Landesumweltamt Nordrhein-Westfalen dazu, die Wasser-Verunreinigungen durch die sogenannten „Pflanzenschutzmittel“ genauer zu untersuchen. Das Ergebnis des gerade erschienenen Gewässergüteberichts ist alarmierend: In nahezu allen Oberflächengewässern des Bundeslandes konnten Agrochemikalien nachgewiesen werden.

Pestizide entstanden im Ersten Weltkrieg als Nebenprodukte chemischer Kampfstoffe. Entsprechend gefährlich sind sie für Mensch und Umwelt. Die Substanzen können unter anderem Krebs, Parkinson und Erbgut-Schädigungen auslösen sowie Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe und Nervenleiden hervorrufen. In die Gewässer Nordrhein-Westfalens gelangen die Gifte durch den Gebrauch in der Landwirtschaft, Anwendungen im Kleingarten-Bereich und durch die Einleitungen der Pestizid-Produktionsanlagen von Bayer-Dormagen Bayer-Wuppertal. Die vorgeschalteten Kläranlagen müssen die Chemie ungehindert passieren lassen, denn sie verfügen nicht über geeignete Vorrichtungen, um die Gifte zu neutralisieren. In Rhein, Ruhr, Wupper und Emscher bedrohen die Pestizide die Ökosysteme der Flusslandschaften.

Da Trinkwasser in Nordrhein-Westfalen vorwiegend aus Oberflächen-
gewässern gewonnen wird, stellen die Chemie-Cocktails auch die Wasser-Wirtschaft vor ernsthafte Probleme. Schon ein Gramm eines Agrochemie-Wirkstoffes lässt 10.000 Kubikmeter Rheinwasser den vorgeschriebenen Trinkwasser-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter überschreiten. Die Wasserwerke sind deshalb gezwungen, immense Summen in Aufbereitungssysteme wie Aktivkohlefilter- Anlagen zu investieren. Das Lebenselixier Wasser wird so zu einem immer teureren Gut.

Im Bereich Landwirtschaft gibt es zahlreiche Wege, auf denen die Pestizide in die Oberflächengewässer geraten. Teilweise werden Flüsse einfach mitübersprüht oder dienen als Auffangbecken für die bei der Ausbringung verwehte Agrochemie. Kleinere Mengen der Gifte verdunsten am Boden, steigen auf und regnen beim ersten Niederschlag wieder auf die Flüsse und Bäche ab. Regnet es so stark, dass der Erdboden die Flüssigkeit nicht mehr aufnehmen kann, kommt es zu Oberflächenabflüssen, die die Pestizide in die Gewässer spülen. Dort sammelt sich auch dasjenige verunreinigte Wasser, das Drainagesysteme den Anbauflächen zur Steigerung des Pflanzen-
wachstums entziehen. Nach Angaben des Gewässergüteberichts stellen unter den Agrochemikalien die Unkrautvernichtungsmittel (Fachbegriff: Herbizide) die Hauptproblemgruppe dar, weil sie in den größten Mengen ausgebracht werden. Unter den zehn meistverwandten - und am häufigsten in den Proben nachgewiesenen - Wirkstoffen waren mit Glyphosat, Chlortoluron, Metamitron und MCPA vier Wirkstoffe, die vom Marktführer Bayer hergestellt werden.

Die größte Gefahr für die Gewässer-Qualität bedeuten allerdings die im Heim und Garten-Bereich verspritzten Unkrautvernichtungsmittel. Hier ist das von Bayer hergestellte Diuron unangefochten die Giftquelle Nr.1. Es zählt zu den sogenannten Total-Herbiziden, die im chemischen Rundumschlag allem „Wildwuchs“ den Garaus machen. Die Substanz dringt tief in das Erdreich ein, da sie über die Wurzeln der „Unkräuter“ wirkt und hat eine extrem lange Halbwertzeit. Besonders die Anwendung auf befestigten Flächen wie Gartenwegen, Garagen- Vorplätzen und Parkplätzen führt zu massiven Wasser-Belastungen, denn dort kann das Gift nicht versickern und wird vom Regen in die Kanalisation gespült. Von den Klärwerken aus gelangt es dann in die Flüsse. Das NRW-weite Messprogramm wies Diuron in 73 % aller Wasserproben nach; die mittlere Konzentration lag bei 0,72 Nano-
gramm pro Liter.

Die Pestizid-Produktion in Dormagen und Wuppertal-Elberfeld hat mit ihren Direkt-Einleitungen einen Anteil von 5-10 % an den Agrochemie-
Rückständen. Im - bereits vorbehandelten - Abwasser des Dormagener Werkes fanden die Fluss-Kontrolleure die sieben Wirkstoffe Chlorpropham, Diuron, Metabenzthiazuron, Metamitron, Metribuzin, Pencycuron und Triadimefon. Alle überschritten den zulässigen Trinkwasser-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter. Triadimefon wurde in allen Proben festgestellt. Die mittlere Konzentration betrug 9,5 Mikrogramm pro Liter; die auf den Tag umgerechnete Proben- Durchschnittsmenge 500 Gramm. In den Einleitungen der Wuppertaler Bayer-Anlage tummelten sich die Wirkstoffe Fenamiphos, Isofenphos, Triadimefon und Triadimenol. Durch die Bank lagen die Mengen über dem Trinkwasser-Grenzwert. Zum höchsten Aussschlag der Messgeräte führte Triadimenol mit einer Konzentration von 44 Nanogramm pro Liter und einem durchschnittlichen Frachteintrag pro Tag von 150-200 Gramm.

Eine verheerende Auswirkung auf das Ökosystem der Wupper hatten 1990 und 1991 zwei Unfälle, bei denen große Mengen Isofenphos und Fenamiphos in den Fluss gelangten. Dies bedeutete das Todesurteil für Wasserflöhe, Kleinkrebse und Insektenlarven und führte laut Gewässergütebericht zu „einer Verödung der Gewässerstrecke von der werkseigenen Kläranlage bis zur Mündung“. Mittlerweile hat sich die Situation durch Produktionsverlagerungen zu Lasten anderer Flüsse und durch technische Maßnahmen etwas gebessert. Aber noch immer ist die Wasserqualität des Fließgewässers nicht gut. In der Güteklassen-Einteilung, die von I-IV reicht, liegt die untere Wupper bei II-III und der Bereich unterhalb der Kläranlage Buchenhofen bei III.

Der Gewässergütebericht enthält zahlreiche Empfehlungen an Bayer, wie die Pestizid-Schäden zu verringern wären. Ein Vorschlag der ExpertInnen ist die Einführung abwasserfreier Herstellungsverfahren oder alternativ die chemisch-physikalische Behandlung der Abwasser-
teilströme. Ein weiterer regt die verbesserte Selbstüberwachung mit anschließender Veröffentlichung der Ergebnisse an. Zudem hält das Landesumweltamt eine Verstetigung der Produktion für geboten. Die en bloc-Herstellung von nur saisonal benötigten Pestiziden führt in den Gewässern nämlich zu Spitzenwerten, die wie chemische Keulen wirken. Auf eine Nachfrage bei der Behörde, ob Bayer die Ratschläge denn beherzigt habe, kommt erwartungsgemäß ein „Nein“ als Antwort. Dafür hätte sich das umweltpolitische Klima zu sehr verändert, so ein Beamter in leicht resigniertem Tonfall. An eine Umwandlung der Empfehlungen in gesetzliche Auflagen möchte er schon gar nicht denken. Trotz der immensen Kosten, die für die Wasserwerke durch die aufwendige Herausfilterung der Schadstoffe entstehen, wird die Politik hier für geraume Zeit keinen Handlungsbedarf sehen.

Nur auf einem Gebiet musste der Hersteller Bayer klein beigeben: Nachdem die Ausbringung von Diuron auf den Gleisanlagen der Bahn AG schon seit längerer Zeit untersagt ist, beugte sich der Konzern dem anhaltenden öffentlichen Druck und kündigte an, das Produkt künftig nicht mehr für den Kleingarten-Bereich anzubieten. Im Obstbau bleibt Diuron aber zum Leidwesen der Flüsse weiter im Einsatz.

Der Gewässergütebericht gibt einen erschreckenden Einblick in die Wasser-Verunreinigungen durch Pestizide. Die Schadensbilanz ist umso alarmierender, als sie gar nicht das ganze Ausmaß der Agrochemie-Vergiftungen aufzeigt. Die Auswirkungen von Insektiziden vernachlässigte der Bericht ebenso wie die von Schwebstoffen und Sedimenten als Pestizid-Bestandteile. Nicht untersucht wurden auch die Direkt-Einleitungen von Pestizid-Vorprodukten aus den Formulierungsbetrieben. Den Folgen, die die Gift-Frachten für die Kleinstlebewesen der Flüsse haben, ging die Behörde ebenfalls nicht systematisch nach. Was also genau so alles im Fluss ist, weiß niemand.

[Stellungnahme Diuron] gemeinsame Stellungnahme

CBG Redaktion

Pestizid Aktions-Netzwerk e.V. (PAN Germany), Tel. 040-3991 9100, Fax: 040-390 7520
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG), Tel. 0211-333 911, Fax: 0211-333 940
WWF Deutschland, Tel. 0421-65846-14, Fax: 0421-65846-26

„Fehler im Vegetations-Management bei der Bahn soll Pestizid-Einsatz rechtfertigen“

Umweltverbände kritisieren geplante Wiederzulassung von Diuron

(Hamburg, 2. November 2000): Das Pestizid Aktions-Netzwerk, WWF Deutschland und die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisieren die geplante Wiederzulassung des Herbizids Diuron auf Gleisanlagen zur Bekämpfung des Pflanzenbewuchses. Die Umweltverbände halten eine Aufhebung des derzeit geltenden Anwendungsverbotes für nicht akzeptabel und fordern Maßnahmen, um die Diuron-Belastung in Grund- und Oberflächengewässern deutlich zu reduzieren.

Die geplante Wiederzulassung von Diuron wird mit dem verstärkten Wildpflanzenbewuchs der Gleise begründet. Diuron tötet jedoch nicht nur Pflanzen, sondern versickert im Boden und belastet Gewässer, Grund- und Trinkwasser. Es ist giftig für viele Wasserlebewesen und steht im Verdacht, beim Menschen Krebs auszulösen und das Hormonsystem zu beeinflussen. Das Umweltbundesamt hat die Wiederzulassung des u.a. von der Leverkusener Bayer AG vermarkteten Herbizids empfohlen, das Bundeslandwirtschaftsministerium legte kürzlich einen entsprechenden Entwurf vor.

In einer detaillierten Stellungnahme des Pestizid Aktions-Netzwerk heißt es, dass der Ruf nach Diuron auf Missmanagement bei der Bahn beruht. Der starke Bewuchs sei darauf zurückzuführen, dass die Bahn seit 1996 die Mittel für die Gleis- und Böschungspflege erheblich reduziert habe und bestehende ungiftige Alternativen nicht einsetzt. Die Bahnunternehmen der Schweiz und Österreichs betreiben bereits seit 1992 ihre Vegetationskontrolle ohne Bodenherbizide wie Diuron.

Die Deutsche Bahn hatte 1993 eine Studie beim Institut Fresenius in Auftrag gegeben, die die Grundwasserbelastung durch den Einsatz von Diuron exemplarisch an fünf Standorten untersucht. Die Studie erfasst jedoch weder die Gefährdung des Oberflächenwassers noch bewertet sie die zahlreichen vorliegenden Untersuchungen zur Gewässerbe-
lastung durch Diuron. Der freiwillige Diuronverzicht der DB AG im Jahr 1996 und das Verbot der Anwendung von Diuron auf Gleisanlagen 1997 sind auf der Basis eines Kenntnisstandes getroffen worden, der nach Ansicht der Umweltverbände nichts an seiner Gültigkeit verloren habe.

Auch die Betreiber von Wasserwerken kritisieren die geplante Wiederzulassung. Ortwin Rodeck von der Gelsenwasser AG: „Bundesweit müsste ein dreistelliger Millionenbetrag aufgewendet werden, um das Diuron aus dem Trinkwasser zu filtern.“

Gerne senden wir Ihnen den vollen Wortlaut der Stellungnahme zu

[Aufruf] NIE WIEDER!

CBG Redaktion

Die „Mordgesellschaft“ IG FARBEN sofort auflösen - ZwangsarbeiterInnen endlich entschädigen!

Im Jahr 1947/48 standen die Verantwortlichen der IG FARBEN in Nürnberg vor einem internationalen Gericht. Die Anklagepunkte lauteten u.a.: Beteiligung an Vorbereitung und Durchführung des Angriffskriegs Nazi-Deutschlands, Sklaverei sowie Raub und Plünderung. Heute existiert diese Verbrecher-AG noch immer.

Verantwortung für Krieg und Naziverbrechen
Die IG FARBEN, der Zusammenschluß von AGFA, BASF, BAYER, HOECHST und einiger kleinerer deutscher Chemiefirmen, steht wie kaum ein anderer Konzern für die enge Verflechtung zwischen der deutschen Wirtschaft und dem nationalsozialistischen Terror-Regime der Nazis. Die IG FARBEN profitierte von der Politik der NSDAP wie die Nazis von der Unterstützung der IG FARBEN profitierten. Die IG FARBEN war der größte Einzel-Finanzier der NSDAP; baute maßgeblich Hitler auf, befürwortete ausdrücklich dessen Kriegspläne und schaffte mit ihren Hitler persönlich gemachten Zusicherungen der Lieferung von Treibstoff, Munition etc. überhaupt erst die Möglichkeit für die Nazis, einen internationalen Krieg loszubrechen. Der Vorstand der IG FARBEN legte seine Interessen z.B. in einem Papier mit dem Titel „Neuordnung“ nieder. Dort plante die IG FARBEN die (wirtschaftliche) Eroberung der Welt im Gefolge der nationalsozialistiischen Heerscharen.

Die IG FARBEN mit ihren Niederlassungen, Töchtern und Verbindungen in aller Welt, auch in den USA, verdiente auf beiden Seiten der (West-) Front. Sowohl die Nazi-Bomber, als auch die Maschinen der West- Alliierten flogen mit IG FARBEN-Sprit. Die IG FARBEN verdiente an todbringenden Waffen, an Medikamenten für sterbende Soldaten und zivilen Kriegsopfern, an der „Industrialisierung“ des Völkermords in den KZs, an der massenhaften Versklavung von Häftlingen und „Feindbevölkerung“ sowie an der Einverleibung aller nur irgend geeigneten „eroberten“ Betriebe.

Perverse Verbrechen und Massenmord
In ihrer Profitgier hat die IG FARBEN perverse Verbrechen und Massenmord begangen. Der Konzern perfektionierte das von IG FARBEN-Gründer Carl Duisberg bereits im Ersten Weltkrieg „erfundene“ System der Zwangsarbeit. In allen Werken des Konzerns wurden Abertausende von ArbeitssklavInnen bis zum Tod geknechtet. Mit dem Terrror-Instrument der SS wurde jeder Widerstand unterdrückt.
Für geringste Beträge von der SS „gekaufte“ Häftlinge wurden von den IG FARBEN-Wissenschaftlern in grausamen „medizinischen“ und anderen Versuchen bei vollem Bewußtsein zu Tode gequält. Der KZ-Arzt Mengele, der in berüchtigten Versuchen Häftlinge zu Tode brachte, wurde direkt von der IG FARBEN finanziert. Der Massenmord an der jüdischen Bevölkerung und an den Sinti und Roma wurde mit dem IG FARBEN- Giftgas Zyklon B „perfektioniert“. Im IG FARBEN eigenen KZ Auschwitz III Monowitz (IG Monowitz) und seinen Nebenlagern fanden ca. 30 Tausend Häftlinge den Tod durch brutalste Ausbeutung.

Milde Strafen im Zeichen des Kalten Krieges
Das Urteil für die Kriegsverbrecher der IG FARBEN vom 29. Juli 1948 entsprach in keinster Weise den Verbrechen: nach 152 Verhandlungs-
tagen gab es nur Minimalstrafen für einige Angeklagte von bis zu acht Jahren Haft. Das Urteil stand im Zeichen des bereits ausgebrochenen Kalten Krieges. Die westlichen Aliierten hatten beschlossen, die alten Eliten zu rehabilitieren, um ein wirtschaftlich starkes Westdeutschland als „Bollwerk gegen den Kommunismus“ aufbauen zu können.

Die weiteren geplanten Prozesse, die unter anderem gegen SIEMENS, KRUPP, DRESDNER BANK und DEUTSCHE BANK hätten geführt werden sollen, fanden gar nicht mehr statt. Bereits am 31. Januar 1951 wurden die noch in Haft befindlichen Manger und Direktoren der IG FARBEN begnadigt. Alle Konzern-Führer fanden sich in Westdeutschland in Top-Positionen wieder, viele bei den Nachfolge-Firmen der IG FARBEN, bei BAYER, HOECHST und BASF. Selbst mit dem Bundes-
verdienstkreuz wurden IG FARBEN-Verbrecher ausgezeichnet.

Weder Reue noch Einsicht
Die IG FARBEN müßten nach dem Urteil von 1948 seit spätestens 1953 aufgelöst sein. Aber die „Mordgesellschaft“ existiert noch immer!
Seit nunmehr fast 50 Jahren zieht sie noch immer Profite aus ihren in Reichsmark notierten Aktien. Gleichzeitig verweigert sie - und mit ihr die anderen Nachfolge-Konzerne BASF, BAYER und HOECHST - gerechte und angemessene Wiedergutmachung für die Opfer und Angehörigen der Opfer ihrer Terror-Tätigkeit in der Zeit des Hitler-Faschismus. Sie setzen darauf, daß die Opfer sterben, die Ansprüche stellen könnten.

Und heute?
Seien wir uns stets bewußt: Jede der IG FARBEN-Firmen BASF, BAYER und HOECHST/AVENTIS ist heute um ein Vielfaches mächtiger und gigantischer als die IG FARBEN seinerzeit. Die Profitgier der großen deutschen Konzerne und Banken hat bereits zweimal dazu beigetragen, die Welt innerhalb eines Jahrhunderts in Schutt und Asche zu legen.
Die IG FARBEN hatte wesentlichen Anteil daran. Ohne Aufarbeitung der Vergangenheit besteht jederzeit die Gefahr einer Wiederholung.

Wir rufen auf zur Demonstration:
Einmal jährlich bereitet eine Demonstration den Aktionären, die zur Hauptversammlung der IG FARBEN anreisen, ein „Spalier der Schande“ und konfrontiert sie mit den Forderungen. In aller Regel findet die Hauptversammlung in Frankfurt statt. Termin und Ort der aktuell anstehenden Demonstration können bei uns erfragt werden.

Wir fordern:

* Die IG FARBEN i.A. muß ihre Geschäfte sofort beenden, der Handel mit diesen „Blut-Aktien“ muß unterbunden werden.
* Sofortige Auszahlung des Restvermögens der IG FARBEN an die Überlebenden der Zwangs- und Sklavenarbeit.
* Die angemessene Entschädigung aller IG FARBEN-ZwangsarbeiterInnen und ihrer Hinterbliebenen durch die IG FARBEN sowie die Nachfolgefirmen muß endlich erfolgen.
* Die Ansprüche der Opfer müssen vererbbar werden.
* Die IG FARBEN und die Nachfolgefirmen müssen die Finanzierung und den Erhalt der die IG FARBEN betreffenden Gedenkstätten Auschwitz und Schwarzheide sicherstellen.
* Die IG FARBEN und die Nachfolger müssen endlich freien Zugang zu ihren Archiven gewähren.

Zur Unterstützung der Forderungen bitten wir um Unterzeichnung dieses Aufrufs.

ErstunterzeichnerInnen:

* Aktion Alternativer BASF-AktionärInnen/Mannheim
* Aktion Sühnezeichen Friedensdienste/Berlin
* Auschwitzkomitee/Hamburg
* Bundesverband Information und Beratung für NS-Verfolgte/Köln
* Coordination gegen BAYER-Gefahren/Düsseldorf
* Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre/Köln
* Deutscher Gewerkschaftsbund/Frankfurt
* Forschungsgruppe ZYKLON B/Dessau
* Interessengemeinschaft der Verfolgten des Nazi-Regimes - Bund der Antifaschisten/Berlin
* Interessengemeinschaft ehemaliger Zwangsarbeiter unter dem NS-Regime/Stuttgart * Lagergemeinschaft Auschwitz/Frankfurt
* Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten/Hannover
* Verein zur Erforschung der IG FARBEN in Auschwitz/Hamburg

Weitere UnterzeichnerInnen:

agimos verlag/Kiel * Aktion Courage/Hilden * Aktionskonferenz Nordsee/Bremen * Allgemeiner StudentInnenausschuß Fachhochschule/Bielefeld * Allgemeiner StudentInnenausschuß Gesamthochschule/Duisburg * Allgemeiner StudentInnenausschuß Heinrich Heine Universität/Düsseldorf * Allgemeiner StudentInnenausschuß Justus-Liebig-Universität/Gießen * Allgemeiner StudentInnenausschuß Technische Universität/Braunschweig * Allgemeiner StudentInnenausschuß Technische Universität/Clausthal * Allgemeiner StudentInnenausschuß Universität/Dortmund * Allgemeiner StudentInnenausschuß Universität/Hannover * Allgemeiner StudentInnenausschuß Universität Köln Ökologiereferat/Köln * Alternative Liste GHS/Duisburg * Alternative Liste/Radevormwald * Anti-Atom-Gruppe StadtpiratInnen/Darmstadt * Antifaschistische Initiative/Hameln-Pymont * Antifaschistisches Jugendbündnis/Darmstadt * Antifa/Dessau * Antirassistische Initiative/Berlin * Arbeitsgemeinschaft Sozialpolitischer Arbeitskreise/München * Arbeitskreis IG FARBEN/Aachen * Arbeitskreis Widerstand und Arbeitergeschichte/Waldkirch * Arbeitskreis Wissenschaftlicher Tierschutz/Stuttgart * Berliner Vereinigung ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener/Berlin * Bündnis 90/Die Grünen Niedersachsen/Hannover * Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz/Bonn * Bundesfachtagung der Chemiefachschaften/Aachen * Bundesverband gegen Giftgas/Pirmasens * BUNDjugend/Darmstadt * Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen/Frankfurt a.M. * Deutsche Gewerkschaftsjugend/Frankfurt a.M. * Deutsche Kommunistische Partei Parteivorstand/Essen * Die Grünen im Umlandverband/Frankfurt a. M. * „Dritte“ Welt Haus/Frankfurt * Eine Welt Laden/Geisenheim * Fachschaft Chemie Technische Universität/Braunschweig * Förderkreis Friedenserziehung und Völkerverständigung/Bochum * Frauen gegen Gen- und Reproduktionstechnologie/Frankfurt * Friedenskreis/Rothenburg * Friedensladen/Heidelberg * Gewerkschaft Holz und Kunststoff/Frankfurt a. M. * Gewerkschaft Nahrung, Genuß, Gaststätten/Frankfurt a. M. * Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Stadtverband/Bonn * Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Studierendengruppe/Bonn * Grüne Alternative/Witten * Grüne Jugend/Frankfurt * Grüne Liga/Berlin * Grüner Weltladen/Berlin * Industriegewerkschaft Medien/Berlin * Industriegewerkschaft Medien/Frankfurt a. M. * Industriegewerkschaft Medien Hauptvorstand/Stuttgart * Industriegewerkschaft Metall/Frankfurt a. M. * Infoladen ‚Volk und Wissen‘/Dessau * Initiative F.E.N.I./Bremen * Institut für Ökologie und Aktions-Ethnologie/Köln * Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit/Berlin * Internationale Liga für Menschenrechte/Berlin * Interessengemeinschaft Komunale Trinkwasserversorgung in Bayern/Rothenbuch * junge welt LeserInneninitiative/Hameln-Pymont * Jungsozialisten in der SPD Bundesvorstand/Bonn * Kampagne gegen Wehrpflicht, Zwangsdienste und Militär/Berlin * Kommunistische Partei Deutschlands/Erfurt * Koryphäe/Oldenburg * Kreis für friedenspolitische und demokratische Bildung/Kirchberg * Lagergemeinschaft und Gedenkstätte KZ Moringen/Moringen * Linke Liste/Aachen * Marxistische Blätter/Essen * Marxistisch Leninistische Partei Deutschlands/Essen * Missionszentrale der Franziskaner/Bonn * Naturfreundejugend/Schwerte * Netzwerk Selbsthilfe/Berlin * Ökologische Linke BundessprecherInnenrat/Frankfurt * Partei des Demokratischen Sozialismus Bundesvorstand/Berlin * Pax Christi Deutsches Sekratariat/Bad Vilbel * Projektwerkstatt/Darmstadt * Radiogruppe im AJZ/Bielefeld * Selbstorganisation der Zivildienstleistenden/Frankfurt * Schmetterling Verlag/Stuttgart * Solidarische Kirche/Mönchengladbach * TIAMAT/Düsseldorf * Über den Tellerrand hinaus - Initiative für eine Welt/Bonn * Unrast Verlagskollektiv/Münster * Verband der demokratischen Pharmazeutinnen und Pharmazeuten/Hamburg * Verein zur Förderung der Partnerschaft mit den Völkern der Dritten Welt/Blaustein Herrlingen * Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten Landesverband Hessen/Frankfurt a.M. * Verein ‚Leben und Arbeiten im Gallus und Griesheim‘/Frankfurt a.M. * Verlag Neuer Weg/Essen * Weltladen Bonn

Elisabeth Fritsch/Wien (Austria) * Dietrich Schmiedel/Diest (Belgium) * Ina Ranson-Schmidt/Versailles (France) * Rudy Kennedy/London (Great Britain) * Fred Knoller/London (Great Britain) * Prof. Dr. Grigorij E. Wedel/Woronesh (Russia) * Committee for Appropriate Acknowledgment/Pittsburgh (USA) sowie ca. 1.500 Einzelpersonen

[Dankschreiben] Dankschreiben aus Taiwan

CBG Redaktion

Liebe Freundinnen und Freunde,

Gemeinsam haben wir einen großen Sieg errungen: BAYER-Chef Manfred Schneider mußte im März bekanntgegeben, daß die umstrittene TDI-Fabrik in meiner Heimat Taiwan nicht gebaut wird. Nachdem die Regierung der Provinz Taichung ein Referendum über das Projekt angekündigt hatte, verzichtete der Konzern auf den Bau der Anlage. Augenscheinlich wünscht der Konzern keine Mitbestimmung der betroffenen Bevölkerung! Vorausgegangen waren zweijährige Proteste der örtlichen Bevölkerung, große Demonstrationen und die Gründung der Bürgerinitiative „Anti-Bayer Action Union“. Der Unmut meiner Landsleute richtete sich vor allem gegen das großspurige Auftreten der BAYER- Vertreter: die taiwanesische Regierung sollte quasi umsonst einen Bauplatz zur Verfügung stellen und auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichten, die Bevölkerung wurde über das Projekt in keiner Weise informiert, und jeder Protest wurde als „kommunistisch“ diffamiert. Auch mit platten Unwahrheiten, in arrogantem Stil vorgebracht, wurde argumentiert. „Wir bauen die sichersten Anlagen der Welt, bei BAYER hat es noch nie einen Störfall gegeben“, so ein Firmensprecher. Als ich auf der letzten BAYER-Hauptversammlung auf die Probleme in meiner Heimat hinwies, wurde mir vom großen Vorsitzenden lediglich beschieden, ich „solle hier keine vorbereitete Rede vortragen“. Die AktivistInnen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) haben uns in der Auseinandersetzung unschätzbare Hilfe geleistet. Ohne sie hätten wir nicht von den Problemen mit BAYER in anderen Ländern erfahren. Über den Besuch des CBG-Vorstandsmitglieds Uwe Friedrich in Taiwan und seine Kritik an der gefährlichen TDI-Produktion haben Zeitungen und Fernsehen im ganzen Land berichtet. Und als im letzten Sommer eine TDI-Anlage in Dormagen explodierte, hat die CBG uns sofort informiert und Fotos und Fernsehberichte zugeschickt. Hierdurch wurde die Diskussion in Taiwan nach-haltig beeinflußt und ein vorläufiger Baustopp erreicht. Dieser Erfolg gegen den übermächtigen Konzern konnte nur durch die erfolgreiche internationale Kooperation errungen werden!

Ich möchte die Gelegenheit wahrnehmen, und der CBG an dieser Stelle zu ihrem 20sten Jubiläum gratulieren. Wir freuen uns über Euer Engagement, Euern Mut und Euern langen Atem! Die multinationalen Konzerne scheinen heute die wahren Herrscher der Welt zu sein, und die Politiker scheuen jede Auseinandersetzung mit ihnen. Daher ist es umso wichtiger, dass Bürgerinitiativen, Umweltschutzverbände und Betroffene ihre Interessen bündeln und den Mächtigen auf die Finger schauen. Die deutsch-taiwanesische Zusammenarbeit ist hierfür ein gelungenes Beispiel.

Ihre Uie-Liang Liou

Taiwan: gefährliches Werk verhindert

CBG Redaktion

 

Der taiwanesischen Anti Bayer Action-Union und der Coordination gegen BAYER-Gefahren ist es gelungen, den Bau eines gefährlichen Werkes mitten in der Stadt Taichung zu stoppen. Das Vorhaben, das schon in der ersten Ausbaustufe Investitionen in Höhe von 450 Millionen Mark erforderte, wurde nach massiven Protesten aufgegeben.

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CBG Redaktion

wissenschaftlich-humanitäres komitee (whk)
Mehringdamm 61
10961 Berlin
www.whk.de

Pressemitteilung vom 2. März 2005

Pharma-Gigant BAYER: AIDS-Leichen im Keller

Konzern will „AIDS bekämpfen“ und wirbt mit Homopaar „for a better Life“/ whk: Unternehmen trägt Mitschuld an tausendfachem AIDS-Tod

Mit einem Schwulenpaar wirbt der BAYER-Konzern derzeit in halbseitigen Tageszeitungsinseraten für seine Diagnosemethode zur Resistenzbestimmung bei HIV. Hierzu erklärt das wissenschaftlich-humanitäre komitee (whk):

Offenbar hocherfreut über profitverheißende Meldungen zu medikamentenresistenten HIV-Virenstämmen schaltet der weltweit agierende BAYER-Konzern derzeit - unter anderem in der Tageszeitung Die Welt vom 1. März - halbseitige Werbeanzeigen mit einem aneinandergeschmiegten Männerpaar. Unter dem Slogan „Diagnostik verbessern - AIDS bekämpfen“ verspricht der Konzern dabei unter anderem „Science for a better life“.

Vollständig heißt es im Anzeigetext: „AIDS ist weiterhin weltweit auf dem Vormarsch. Alle sechs Sekunden infiziert sich ein Mensch mit HIV. Alle zehn Sekunden stirbt ein Mensch an AIDS. Weltweit gibt es bereits 42 Millionen infizierte Menschen. HIV ist ein tückisches Virus, da es immer neue Formen annimmt und deshalb schnell gegen Medikamente resistent wird. Daher hat BAYER Health Care eine neue Diagnostik entwickelt - eine Methode zur HIV-Resistenzbestimmung. Ein wichtiger Schritt, um Patienten gezielter und individueller helfen zu können.“

Für das whk sind diese Äußerungen blanker Hohn. Es ist allgemein bekannt, daß sich BAYER aus der Erforschung wirksamer Medikamente gegen HIV und AIDS weitgehend zurückgezogen hat. Wenn der Konzern nun schwulen Männern, die in den westlichen Industriestaaten nach wie vor am meisten von AIDS betroffen sind, ausgerechnet die Methode der Resistenzbestimmung nun als wichtigen Schritt gezielter und individueller „Hilfe“ verkaufen will, ist das mehr als zynisch.

Vor dem Hintergrund des von BAYER-Medikamenten verursachten weltweiten AIDS-Skandals bekommt die Anzeige sogar den Charakter einer regelrechten Desinformationskampagne. Es sei daran erinnert, daß mit HIV- und Hepatitis-C-Viren verseuchte Medikamente der hundertprozentigen BAYER-Tochter CUTTER seit Beginn der 80er Jahre Tausende von Menschen mit der Bluter-Krankheit das Leben gekostet haben. Anstatt seine verseuchten Medikamente im Sondermüll zu entsorgen, hatte das BAYER-Unternehmen sie seinerzeit massenweise zur Medikation nach Asien, Südamerika und Europa verhökert. In einzelne asiatische Länder wurde AIDS nachweislich erst durch BAYER-Medikamente eingeschleppt, die Krankheit war dort vorher nicht aufgetreten. Während sich damals Firmenmanager in Japan bei den AIDS-Opfern und deren Angehörigen entschuldigen mußten, warten die meisten von BAYER verursachten AIDS-Opfer bis heute vergeblich auf Entschädigung.

Es ist längst erwiesen, daß BAYER um die Gefährlichkeit seiner verseuchten Produkte wußte und die hochinfektiösen Medikament aus reiner Profitgier an ahnungslose Abnehmer verkaufte. Entsprechende Dokumente waren am 27. September 2004 unter anderem in der WDR-Sendung „Tödlicher Ausverkauf“ zu sehen. Auch das in Deutschland ansässige konzernkritische Netzwerk „Coordination gegen BAYER-Gefahren“ (CBG) und die New York Times haben bereits mehrfach über Hintergründe berichtet. Das whk erinnert daran, daß BAYER-Produkte zahlreiche Bluter auch in Deutschland und Frankreich mit HIV infizierten. In Frankreich war es deswegen Mitte der 80er Jahre sogar zu einer Regierungskrise gekommen. Gesundheitsminister Laurent Fabius mußte seinerzeit zurücktreten, zwei Beamte des Gesundheitsamtes wanderten sogar in den Knast. In Deutschland hat sich BAYER bislang weder bei seinen Opfern entschuldigt, noch sind BAYER-Manager je juristisch zur Rechenschaft gezogen worden.

Das Sündenregister von BAYER ist bekanntlich viel länger. Weil BAYER immer wieder die Gefährlichkeit seiner nicht nur von Pharma-Produkten wie dem Cholesterin-Senker Lipobay verschwieg, war der Global Player in den Jahren 2001 und 2004 bereits zwei Mal auf Liste der „zehn übelsten Unternehmen“ des von dem US-Bürgerrechtler Ralph Nader herausgegebenen Magazins Multinational Monitor BAYER gelandet. Demnach hatte der Chemie-Riese das US-Gesundheitsprogramm „MedicAid“, das die Arzneiversorgung von sozial Schwachen organisiert, durch fingierte Rechnungen um Millionen-Summen betrogen. Nach Angaben der CBG verzögerte die US-Gesundheitsbehörde im Jahr 2003 wegen möglicher Gesundheitsgefährdungen die Zulassung der Potenzpille Levitra, die BAYER in den USA zusammen mit dem ebenfalls im Bereich AIDS und HIV aktiven Unternehmen GlaxoSmithKline vermartet. Und Entschädigungsklagen jüdischer KZ-Opfer, die durch BAYER-Präparate in Birkenau und Auschwitz unfruchtbar gemacht worden waren, hat das Unternehmen immer wieder abgeschmettert.

In dem vor zwei Jahren erschienenen „Schwarzbuch der Markenfirmen“ bescheinigen dessen Verfasser dem Konzern unumwunden, BAYER bleibe „unangefochten“ an der Spitze der „bösen Konzerne“ und dies „nicht nur weil BAYER in allen Geschäftsfeldern - Chemie, Pharmazie, Agrobusiness und Rohstoffgewinnung - eine destruktive Phantasie an den Tag legt, was die Mißachtung ethischer Prinzipien betrifft“, sondern auch, „weil BAYERs Kommunikationspolitik offenbar im 19. Jahrhundert stecken geblieben ist. Da wird vertuscht, daß einem die Haare zu Berge stehen.“ (www.markenfirmen.com)

Das whk fordert nunmehr die kommerzielle Szenepresse dringend auf, ihren letzten Rest an Glaubwürdigkeit nicht durch die Annahme potentieller Anzeigenaufträge des BAYER-Konzerns mutwillig zu verspielen. Die verlogene und im Kern homophobe BAYER-Werbung gehört nicht in die Blätter schwuler Emanzipation. Ärzte und medizinisches Personal sollten prüfen, ob sie bei der Diagnose und Behandlung von HIV-Infizierten auf gleichartige Produkte anderer Firmen zurückgreifen können.

Das whk ruft die Szene zu Protesten gegen die Werbekampagne auf.
Rückfragen: 0162/6673642 (Dirk Ruder)

Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 15. März 2005

zur heutigen Bilanzpressekonferenz der BAYER AG:

Kritische Aktionäre reichen Gegenanträge ein

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren reicht zeitgleich zur heutigen Bilanzpressekonferenz der BAYER AG Gegenanträge zur Hauptversammlung des Konzerns ein. Das Unternehmen missachtet demnach den Schutz der Umwelt und schädigt mit seinen Produkten Tausende Personen. „Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung, weshalb ihm die Entlastung verweigert werden muss“, heißt es in dem Antrag.

Im vergangenen Geschäftsjahr war der Konzern erneut für eine Reihe von Skandalen verantwortlich:

* Preisabsprachen mit Konkurrenz-Unternehmen;
* Verkauf hochgefährlicher Pestizide in Entwicklungsländer;
* Kinderarbeit bei indischen Zulieferern;
* Störfälle, bei denen regelmäßig giftige Chemikalien austragen;
* Gefährdung von Patienten durch den Verkauf unwirksamer oder gefährlicher Pharmazeutika.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren macht seit 20 Jahren auf die Schattenseiten der Konzernpolitik von BAYER aufmerksam und wird die Gegenanträge in der Hauptversammlung am 29. April erläutern. Im Folgenden dokumentieren wir den Antrag im vollen Wortlaut:

An die BAYER AG
51368 Leverkusen

Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung am 29. April 2005

Sehr geehrte Damen und Herren,
hiermit zeigen wir an, dass wir zu den Punkten 2 bis 6 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widersprechen und die anderen Aktionäre veranlassen werden, für die folgenden Gegenanträge zu stimmen. Um Mitteilung dieser Gegenanträge sowie der nachstehenden Begründungen gemäß §§ 125, 126 AktG dürfen wir bitten.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet
Begründung: Der BAYER-Konzern verursachte im vergangenen Geschäftsjahr eine Vielzahl von Missständen. Der Vorstand trägt hierfür die Verantwortung, weshalb ihm die Entlastung verweigert werden muss.
Es folgt eine Auswahl aktueller Problemfälle:

* BAYER tätigt regelmäßig Preisabsprachen mit der Konkurrenz und wurde dabei allein im vergangenen Jahr vier Mal erwischt. Im Sommer musste der Konzern 66 Millionen Dollar Strafe zahlen - BAYER hatte sich gegenüber US-Behörden schuldig bekannt, mit anderen Herstellern die Preise für Kunststoff-Zusätze abgesprochen zu haben. Im Herbst erhielt BAYER erneut eine hohe Strafe, diesmal 33 Mio Dollar wegen eines Kartells mit mehreren Polyester-Produzenten. Kurz darauf musste der Konzern illegale Absprachen beim Verkauf von Kautschuk-Chemikalien einräumen und 4,7 Mio Dollar Strafe zahlen. In Portugal wurde BAYER wegen Preisabsprachen beim Verkauf von Diabetes-Tests verurteilt. Illegale Kartelle sind bei BAYER seit vielen Jahren an der Tagesordnung. Diese Praxis wird vom Vorstand augenscheinlich gedeckt.

* Die von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) im Jahr 2003 veröffentlichte Studie „Kinderarbeit im indischen Baumwollanbau“ enthüllte, wie internationale Saatgut-Konzerne von Kinderarbeit profitieren. Zulieferer der indischen BAYER-Tochter ProAgro beschäftigten demnach mehr als 2.000 Kinder zwischen sechs und 14 Jahren. Sprecher von BAYER bekannten sich nach Veröffentlichung der Studie zu ihrer Verantwortung und versprachen Abhilfe. Neue Untersuchungen zeigen aber, dass sich die Situation bei ProAgro kaum gebessert hat: auch im vergangenen Jahr arbeiteten rund 1.650 Kinder für Zulieferer der Firma. Dies ist unvereinbar mit den Standards der ILO, der OECD und der UNO.

* Seit den 20er Jahren finanziert BAYER Politiker - seinerzeit bekannt als das „System Duisberg“. Zahlreiche Mitarbeiter des Konzerns wurden Abgeordnete und sogar Minister. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren nahm die aktuelle Diskussion zum Anlass, einen Offenen Brief an das Unternehmen zu senden. Darin fragten wir nicht nur, welche Abgeordnete ein Gehalt oder Zuwendungen vom BAYER-Konzern bezogen haben, sondern auch, in welche staatliche Einrichtungen (Behörden, Forschungseinrichtungen, Universitäten) Mitarbeiter des Unternehmens abgestellt wurden. Der Konzern bleibt bis heute eine Antwort schuldig. Generell beantwortet BAYER nur solche Fragen, die dem Unternehmen genehm sind - ein klarer Widerspruch zur Kampagne „Chemie im Dialog“.

* In der Umgebung des mittlerweile von der LANXESS AG betriebenen Werks Durban/Südafrika wurden hochgefährliche Chromverbindungen im Grundwasser gefunden. Den Anwohnern wurde dringend empfohlen, das Wasser aus angrenzenden Brunnen weder zum Kochen noch zum Trinken zu verwenden. LANXESS streitet die Verantwortung nicht ab, behauptet aber, seit 1991 kein Chrom mehr herzustellen; die Verunreinigung wäre von Altlasten ausgegangen. BAYER hatte die Firma Chrome Chemicals in Durban 1968 übernommen. Wegen mangelhafter Sicherheits-Einrichtungen erlitt ein Drittel der Belegschaft bleibende Gesundheitsschäden. Mindestens acht Arbeiter starben an Lungenkrebs, zwei weitere an Tuberkulose. Selbst die Apartheids-Regierung hatte 1976 in einem Bericht Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme der Belegschaft moniert. Nach Protesten südafrikanischer Gewerkschaften sowie der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die zu umfangreichen Medienberichten führten, schloss BAYER 1991 die Chrom-Produktion und entließ einen Großteil der Beschäftigten. Eine Kompensation der betroffenen Arbeiter sowie der Hinterbliebenen unterblieb. Die Vergiftung des Grundwassers zeigt, dass BAYER zudem versäumt hat, in den vergangenen 14 Jahren eine Dekontamination des Geländes vorzunehmen.

* Ein US-Gericht hat BAYER im vergangenen Jahr zu 400.000 Dollar Schadensersatz verurteilt. Der 33-jährige Miguel Valverde hatte vor sechs Jahren einen Schlaganfall erlitten, nachdem er drei Tage das Erkältungsmittel Alka-Seltzer Plus eingenommen hatte. Die Geschworenen stellten fest, dass BAYER ein „mangelhaftes, gefährliches Pharmaprodukt“ vertrieben hatte, obwohl ungefährliche Alternativprodukte verfügbar waren. Alka Seltzer Plus enthielt bis zum Jahr 2000 den Inhaltsstoff Phenylpropanolamin (PPA), der das Risiko eines Schlaganfalls um das Anderthalb- bis Dreifache steigen lässt. BAYER kannte die Risiken von PPA seit Jahrzehnten. Die Pharma-Industrie hielt jedoch ihre eigenen Studien zurück, um die Umsätze PPA-haltiger Medikamente von mehreren Hundert Millionen Dollar pro Jahr nicht zu gefährden. Schlimmer noch: Unter Führung von BAYER legten die Hersteller Gegengutachten vor und drohten mit Klagen, um ein Verbot seitens der US-Gesundheitsbehörde zu verzögern. Hunderte Menschen mussten diese Strategie mit dem Leben bezahlen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert zusätzlich eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen bei BAYER und anderen Unternehmen.

* Rund 40 Millionen Amerikaner befolgen die sogenannte „Atkins-Diät“, die den Verzehr von Fleisch, Eiern und fetthaltigen Nahrungsmitteln uneingeschränkt erlaubt, die Aufnahme von Brot, Reis, Obst und Gemüse hingegen stark einschränkt. Ernährungswissenschaftler warnen eindringlich vor Mangelerscheinungen, Verdauungsprobleme und Kreislauferkrankungen. Trotzdem versucht die Pharma-Industrie, von der „Mode-Diät“ zu profitieren. Der BAYER-Konzern brachte speziell zur Ergänzung der Atkins-Diät den Vitamin-Cocktail CarbSmart auf den Markt und machte hiermit mehrere Millionen Dollar Umsatz. Den Verantwortlichen bei BAYER sollte bekannt sein, dass die Atkins-Diät gesundheitsschädlich ist und dass Vitaminpräparate niemals eine ausgewogene Ernährung ersetzen können. Wieder einmal zeigt sich, dass der Pharma-Industrie die Gesundheit der Bevölkerung herzlich egal ist - solange die Umsätze stimmen.

Gegenantrag zu TOP 3: Der Aufsichtsrat wird nicht entlastet
Begründung: Der Aufsichtsrat kommt seiner Kontrollfunktion nur ungenügend nach und soll daher nicht entlastet werden. Es folgen Beispiele einer umweltfeindlichen Konzernpolitik, die vom Aufsichtsrat mitgetragen werden:

* Beinahe täglich kommt es in BAYER-Werken zu gefährlichen Unfällen - auch eine Folge der fortschreitenden Ausdünnung der Belegschaft. Eine kleine Auswahl von Ereignissen im zweiten Halbjahr 2004: Im Werk Addyston (USA), das seit 2005 von LANXESS betrieben wird, traten allein neun Mal giftige Chemikalien aus. Am 23.11.04 kam es im Brunsbütteler BAYER-Werk zu einer Explosion, fünf Beschäftigte mussten im Krankenhaus behandelt werden. Am 29.9.04 trat im Uerdinger BAYER-Werk Aktivkohle aus, acht MitarbeiterInnen kamen ins Krankenhaus. Ebenfalls in Uerdingen traten am 11. Dezember 400 Kilo der giftigen Adipin-Säure aus. Am 3. November stiegen im Dormagener Werk nach einem Stromausfall Chlor und Nitrose-Gas auf, ein 15-jähriger Junge atmete giftiges Chlor ein und kam ins Krankenhaus. Da die Chlorgas-Wolke in Richtung Bahngleise trieb, musste die Feuerwehr den angrenzenden Zug-Verkehr sperren. Am 26.8.04 kam es im Werk von GE BAYER SILICONES zu einem Zwischenfall: bei Reparatur-Arbeiten an einem Kesselwagen schlug dieser Leck, giftige Salzsäure-Dämpfe stiegen auf.

* Die Umweltbehörde im kanadischen Bundesstaat Ontario unterzog rund dreißig Werke im Chemiegürtel von Sarnia einer gründlichen Prüfung. In den vergangenen Jahren hatte die Wasserversorgung der umliegenden Gemeinden mehrmals wegen Lecks und Störfällen unterbrochen werden müssen. Zwanzig Fabriken, darunter vier von BAYER, erhielten im vergangenen Jahr Abmahnungen. Die Verweise wurden erteilt wegen fehlender Betriebsgenehmigungen, ungenügender Deklaration von Giftmüll und nicht-genehmigtem Umbau von Anlagen. Die Umweltministerin von Ontario übte scharfe Kritik am Verhalten der Chemie-Industrie.

* Im südindischen Baumwollgürtel kommt es weiterhin zu einer hohen Zahl von tödlichen Vergiftungen durch BAYER-Pestizide. BAYER dominiert den indischen Pestizidmarkt und lässt große Mengen von in Europa nicht mehr zulassenen Agrogiften wie Monocrothopos von Subunternehmern produzieren. Aufgrund fehlender Sicherheitsstandards sind Unfälle an der Tagesordnung, das Grundwasser ganzer Landstriche ist verseucht.

* In mehreren BAYER-Fabriken soll aus Kostengründen die Werks-Feuerwehr abgeschafft werden, u.a. in Wuppertal und Wolfenbüttel. Im Notfall vergeht mehr Zeit, bis Hilfe von außerhalb eintrifft. Die Sicherheit der Belegschaft wird aus Profitgründen aufs Spiel gesetzt.

* Der Umweltverband Friends of the Earth hat in den vergangenen Jahren mehrere Studien zu Risiken von Pestiziden gesammelt. Größtenteils handelt es sich um Untersuchungen von BAYER zu dem Agrogift Glufosinat. Als BAYER davon Wind bekam, wollte der Konzern eine Veröffentlichung der legal erhaltenen Studien gerichtlich untersagen. Nach dem Willen des Konzerns sollte Friends of the Earth nicht einmal den Titel der Studien oder die Adresse, wo die Untersuchungen angefordert werden können, nennen dürfen. Dies ist nicht der erste Fall, in dem der Konzern die Arbeit von Umweltschützern juristisch angreift. Gerichtlich konnte BAYER seine Forderungen jedoch nicht durchsetzen.

* Im vergangenen Jahr tauchten bislang unbekannte Firmen- Unterlagen auf, die belegen, dass BAYER tausende asiatischer Bluter mit seinem Gerinnungspräparat KOATE bewusst dem HIV-Risiko aussetzte. In den achtziger Jahren hatte die BAYER- Tochter Cutter nicht hitze-behandelte und daher mit einem hohen AIDS-Risiko behaftete Chargen des Blutplasma-Produkts nach Asien geliefert - in den USA war der Verkauf zu diesem Zeitpunkt bereits verboten worden. Trotzdem weigert sich das Unternehmen, die Betroffenen angemessen zu entschädigen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert strafrechtliche Konsequenzen für die verantwortlichen BAYER-Manager.

Gegenantrag zu TOP 4: Wir schlagen vor, Axel Köhler Schnura, Diplom Kaufmann, Düsseldorf als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat zu wählen.
Begründung: Axel Köhler-Schnura kontrolliert den BAYER-Konzern seit mehr als 25 Jahren. Er ist Gründer der Coordination gegen BAYER- Gefahren e.V., Postfach 15 04 18, 40081 Düsseldorf, Telefon: 0211-333 911, und hat zahlreiche Verstöße des Konzerns gegen Menschenrechte und Umweltschutzauflagen publik gemacht. Somit ist er prädestiniert für eine gründliche, von Profitinteressen unabhängige Kontrolle des Vorstands der BAYER AG.

Gegenantrag zu TOP 5: § 12 Abs. 1 der Satzung (Vergütung des Aufsichtsrats) wird aufgehoben und wie folgt neu gefasst: „Jedes Mitglied des Aufsichtsrats erhält neben dem Ersatz seiner Auslagen eine jährliche feste Vergütung von 5.000 Euro. Eine darüber hinausgehende variable Vergütung erfolgt nicht.“

Gegenantrag zu TOP 6: §14 und §15 der Satzung bleiben unverändert
Begründung: Durch die geplante Änderung der Satzung wird die Teilnahme an der Hauptversammlung erschwert. Hierdurch würde die Kontrolle von Vorstand und Aufsichtsrat weiter behindert werden.

Für den Vorstand der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN e.V.
Axel Köhler-Schnura
Philipp Mimkes

Bolivien

CBG Redaktion

Presseerklärung vom 17. März 2005

Bolivien: Sieben Menschen sterben an Pestizidvergiftung

Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert Verkaufs-Stopp

In der bolivianischen Stadt Achacachi starben Ende Februar sieben Menschen an einer Vergiftung mit dem Pestizid Asuntol Fuerte, in der Mehrzahl Kinder. Zwölf weitere Personen erlitten schwere Vergiftungen und mussten notärztlich behandelt werden. Das Agrogift hatte sich in einer Suppe, die bei einem Trauermahl eingenommen wurde, befunden. Wie die in La Paz erscheinende Tageszeitung La Prensa berichtet, haben die Polizei-Ermittlungen noch nicht ergeben, ob es sich um einen Unglücksfall oder um vorsätzliche Vergiftung handelt.

Der in Asuntol Fuerte enthaltene Wirkstoff Coumaphos gehört zur Klasse der Organophosphate. Von der Weltgesundheitsorganisation WHO wird Coumaphos in der Gefahrenklasse Ib (hoch gefährlich) eingestuft. Hersteller des Insektizids ist die deutsche Firma BAYER CROPSCIENCE.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert einen Verkaufs-Stopp aller Organophosphate: „Es ist unerheblich, ob es sich im vorliegenden Fall um einen Unglücksfall oder um ein Verbrechen handelt. Organophosphate sind tödliche Gifte. Wo immer diese in den freien Handel kommen, treten Vergiftungen und Todesfälle auf - gerade in Ländern mit hoher Analphabetenrate. Das Lamento der Produzenten, für die Folgen des Pestizideinsatzes wären allein die Anwender verantwortlich, erinnert an die zynischen Ausflüchte der Waffen-Industrie“. Annick Dollacker von BAYER CROPSCIENCE hatte kürzlich auf die Fragen einer TV-Journalistin bezüglich tödlicher Vergiftungen durch BAYER-Pestizide geäußert: „Tja, wie gesagt, irgendwo liegt die Verantwortung auch bei dem Anwender selbst“ und „Wenn Sie Bestände haben, dann müssen sie die verkaufen“. Philipp Mimkes erinnert daran, dass BAYER bereits im Jahr 1995 versprochen hatte, alle Wirkstoffe der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen, diese Ankündigung bis heute jedoch nicht umgesetzt hat.

Der BAYER-Konzern ist weltweit größter Produzent von Agrogiften. Im Sortiment des Konzerns befinden sich zahlreiche hochgefährliche Wirkstoffe, darunter mehrere Organophosphate der WHO-Gefahrenklasse I. Organophosphate schädigen die Nervenfunktion, was zu Bewusstlosigkeit, Krämpfen, Atemstillstand und dem Tod führen kann. Nach Schätzung der WHO sterben jährlich bis zu 200.000 Menschen an Pestizid-Vergiftungen, hauptsächlich in Entwicklungsländern. Im peruanischen Tauccamarca starben 1999 mehr als zwanzig Kinder nach einer irrtümlichen Einnahme eines BAYER-Pestizids.

Demo

CBG Redaktion

Presseerklärung des Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik vom 20.07.04

Proteste am Genacker

(Berlin / Potsdam ) Seit diesem Jahr betreibt der Solavista Konzern ein Versuchsfeld mit genveränderten Kartoffeln in Berge (Prignitz). Das Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik und die BUNDjugend Brandenburg rufen nun zu Protesten an diesem Feld auf. „Mit den Protesten wollen wir den Versuchsanbau wieder zum Gespräch machen“ so Thorsten Haas von der BUNDjugend. „In den letzen Monaten ist viel über kommerziellen Anbau diskutiert worden, wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es bereits Anbau von genveränderten Pflanzen in Brandenburg gibt.“ Nachdem das Versuchsfeld in Lentzke nach Protesten eingestellt wurde, befindet sich in Berge der letzte private Versuchsanbau in Brandenburg. Hierauf wollen sich die Gentechnikgegner nun konzentrieren. Solavista ist ein Joint Venture Unternehmen des holländischen Stärkeverarbeiters AVEBE b.a., dem Weltmarktführer bei Kartoffelstärkeprodukten und dem größten deutschen Chemiekonzern Bayer. Das Unternehmen will durch die Versuche die Stärkezusammensetzung der Kartoffel ändern. Das Barnimer Bündnis gegen Gentechnik und die BUNDjugend Brandenburg lehnen jeden Anbau von genveränderten Pflanzen ab, da die Auswirkung auf die Natur unkalkulierbar ist.

Die Aktion wird am 24. Juli um 11.00 in Berge stattfinden.

Weitere Informationen zu dem Versuchsanbau:

In Berge, einem Dorf in der Prignitz, direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern, betreibt die Firma Solavista einen Freisetzungsversuch mit genmanipulierten Kartoffeln. Das Feld liegt direkt im Ort (Flur 2, Flurstücke 144/19 und 144/21) und wird von einem örtlichen Kartoffelbauern betreut. Der Versuch findet in diesem Jahr zum ersten mal statt und soll bis 2012 also 9 Jahre lang durchgeführt werden. Die Solavista GmbH & Co. KG, mit Sitz in Potsdam, ist ein Joint Venture Unternehmen des holländischen Stärkeverarbeiters AVEBE b.a., dem Weltmarktführer bei Kartoffelstärkeprodukten und dem größten deutschen Chemiekonzern Bayer. Bayer ist gleichzeitig einer der weltweiten Marktführer in der AgroGentechnik. Die AVEBE b.a. hat ihren Firmensitz in den Niederlanden und ist genossenschaftlich organisiert, mit mehreren regionalen Fabriken.

Die Voraussetzungen für diesen Versuch sind im mit öffentlichen Geldern finanzierten Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie in Golm gelegt worden. Die dort erzielten Forschungsergebnisse wurden zu Gründung eines kleines Unternehmens verwendet, dass dann an den Bayer-Konzern verkauft worden ist. Am 22.6. wurde in Golm ein Versuchsfeld mit Kartoffeln des MPI zerstört. Bereits die Ankündigung von Protestaktionen bewegten Bayer zur Aufgabe des Feldes mit genmanipulierten Kartoffeln in Lentzke bei Neuruppin.

www.dosto.de/gengruppe