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Beitrag veröffentlicht im “Tag: 11. Januar 2008

[Krefeld] Kohlekraftwerk Krefeld

CBG Redaktion

Presse Info vom 11. Januar 2008

Kohlekraftwerk Krefeld: Umweltverbände kritisieren Schwenk vom Oberbürgermeister Kathstede

Der Niederrheinische Umweltschutzverein, die Bürgerinitiative Saubere Luft, die Coordination gegen BAYER-Gefahren, der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW sowie der Bürgerverein Mündelheim protestieren gegen die neuerliche Stellungnahme seitens Herrn Oberbürgermeister Georg Kathstede (CDU), nun doch einem von Trianel und Bayer geplanten Steinkohlekraftwerk in Krefeld Uerdingen positiv gegenüber zu stehen. Hatte er doch selbst noch im März 2007 gesagt: „Es wäre unglaubwürdig, in einer Zeit, in der wir über Konsequenzen aus dem Klimawandel diskutieren, solch eine Dreckschleuder aufzustellen.“ Da können wir Frau Schnell (SPD) nur zustimmen, die kürzlich vermerkte, das Klima sei seit März schliesslich nicht besser geworden.

Die Ratsfraktionen, allen voran die Christdemokraten, hatten mit Ihrer gemeinsamen Entscheidung noch im Dezember 2007 eine weit über die Stadtgrenzen von Krefeld reichende Signalwirkung für den Umweltschutz erzielt. Krefeld hatte sich somit erneut in die Reihe derjenigen Städte eingereiht, die verstanden haben, der Herausforderung dieses Jahrhunderts, dem Klimaschutz, eine besondere Beachtung zu schenken. Auch zukünftig dürfen nicht allein kurzfristige wirtschaftliche Interessen einiger Industrielobbyisten im Vordergrund stehen.

Die Krefelder Umweltschutzvereine konnten bundesweit bereits positives Feedback und Gratulationen registrieren, obwohl die Diskussion um ein Kohlekraftwerk noch nicht endgültig abgeschlossen ist. Immerhin würde das Kraftwerk jährlich 4,4 Mio Tonnen CO2, jeweils 4.000 to Stickoxide und Schwefeldioxid sowie große Mengen Feinstaub ausstoßen. Allein am Weltklimatag hat die Klimaallianz bundesweit bereits etwa 10.000 Menschen für den Klimaschutz mobilisiert und man vergleicht die Entwicklung schon jetzt mit der Anti-Atomkraft-Bewegung vor einigen Jahren.

Markus Freyt vom Niederrheinischen Umweltschutzverein (NUV): „Wir dürfen nicht den falsche Propheten glauben, die ausschliesslich an kurzfristige, wirtschaftliche Interessen denken, anstatt Millionen von Menschen zukünftiger Generationen das Überleben zu sichern. Der Klimaschutz darf nicht allein den Regierungen überlassen werden. Wir selbst müssen die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft dazu bringen, auf den Bau neuer Kohlekraftwerke zu verzichten und den Umstieg auf alternative Energien zu ermöglichen. Wir sind sehr stolz, daß wir in Krefeld bereits auf dem richtigen Weg sind.“

Dr. Bernd Kaufmann (Ärzteinitiative): „Schon jetzt wurde allein von Januar bis Oktober 2006 der erlaubte Feinstaub-Grenzwert im Krefelder Hafen an 55 Tagen überschritten. Erlaubt sind maximal 35 Tage. Deshalb will das Landesumweltamt dort nun für ein Jahr die Schadstoffbelastungen messen. Wir haben mehrfach darauf hingewisen, daß durch den Bau eines Kohlekraftwerkes unter anderem die Feinstaubbelastung deutlich erhöht wird. Es stellt eine erhebliche gesundheitliche Bedrohung aller Einwohner der Region dar.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Was sind die Ankündigungen des BAYER-Konzerns wert, im Klimaschutz neue Maßstäbe setzen zu wollen, wenn das Unternehmen gleichzeitig auf schmutzige Energieträger setzt? Das Steinkohlekraftwerk im Krefelder Werk würde Klima und Umwelt mindestens bis in die zweite Hälfte des Jahrhunderts schwer belasten und gleichzeitig notwendige Investitionen zugunsten regenerativer Energien blockieren. Wir fordern von BAYER eine glaubhafte Energie-Wende“. Der Konzern emittiert inclusive seiner Energie-Zulieferer rund acht Millionen Tonnen CO2 pro Jahr.

weitere Informationen:
http://www.cbgnetwork.de/1885.html

Rückfragen unter:
Markus Freyt (NUV): markus.freyt@gmail.com, Tel: 0172 / 2 555 194
Dr. Bernd Kaufmann (Ärzteinitiative): bernd-kaufmann@arcor.de
Herbert Mommertz (BI Saubere Luft): herbertmommertz@web.de
Axel Heimendahl (BUND): Wulff.Heimendahl@t-online.de

[Institute] Institute / USA

CBG Redaktion

Presse-Information vom 11. Januar 2008
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER-Fabrik in USA: hochgiftiges Pestizid ausgetreten

Dritter Vorfall in drei Monaten / Gefahren verharmlost / Behörde kündigt Strafe an

Seit zwei Wochen leiden die Anwohner des amerikanischen BAYER-Werks in Institute/West Virginia unter gesundheitsschädigenden Chemikalien-Dämpfen. Am 28. Dezember waren in der Fabrik mehrere Fässer mit dem Pestizid Thiodicarb geborsten. Seitdem hält im Umfeld des Werks eine starke Geruchsbelästigung an. Dutzende Anwohner mussten wegen Kopfschmerzen und Atemwegsproblemen behandelt werden, mindestens ein Betroffener liegt im Krankenhaus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO bezeichnet Thiodicarb als „extrem gefährlich“.

Der Präsident des zuständigen Verwaltungsbezirks Kanawha County, Kent Carper, übt scharfe Kritik an der Werksleitung: „Das Verhalten von BAYER nach dem Unfall war bodenlos, die veröffentlichten Informationen waren vollkommen unangemessen. Niemand wusste, was zu tun war“. Noch acht Stunden nach dem Vorfall am 28. Dezember lagen den Behörden keinerlei Informationen zu den ausgetretenen Chemikalien und deren Gefährlichkeit vor.

Anfang der Woche wurde BAYER von der Umweltbehörde des Bundesstaats West Virginia vorgeladen, zudem startete die Behörde eigene Luftmessungen. Der Vorfall kurz vor Sylvester war bereits der dritte innerhalb von nur sechs Wochen: Am 16. November waren 50 kg der Chemikalie Rhodimet ausgetreten, was zu einer zehntägigen Geruchsbelästigung führte. Am 20. Dezember traten stinkende Abgase aus einem Faultank aus. Earl Billingsley, Leiter der staatlichen Abteilung für Luftqualität, kündigte Strafzahlungen wegen der Vorfälle an. Die Höhe werde in den nächsten Wochen bekannt gegeben.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Behauptung der Werksleitung, Thiodicarb sei ungefährlich, ist unverantwortlich. Tatsächlich gehört Thiodicarb zu den gefährlichsten Agrogiften überhaupt, in der EU wurde der Wirkstoff deswegen verboten. Wir fordern BAYER auf, endlich alle Pestizide der Gefahrenklasse 1 vom Markt zu nehmen“. Im vergangenen Jahr hatten 154 Organisationen aus 35 Ländern den BAYER-Konzern aufgefordert, den Verkauf von Thiodicarb und weiterer hochgefährlicher Pestizide einzustellen.

Kritik kommt auch von der West Virginia State University, deren Gebäude direkt neben dem Werk liegen. Hazo Carter, Präsident der Universtität, schrieb gestern in einem Brief an den Leiter des Werks: „Ich möchte energisch unterstreichen, dass wir, die wir in der Nachbarschaft des Werks leben, arbeiten und studieren, ernsthafte Schritte von Bayer erwarten. Die Nachbarn müssen kurzfristig und detailliert über Unfälle informiert werden“. Carter kritisiert, dass ein von BAYER eingerichtetes Notfalltelefon nicht funktionierte und dass die Universitäts-Leitung erst aus dem Radio von dem Unfall erfuhr.

Das Werk in Institute gehörte früher zu UNION CARBIDE und war das „Schwester-Werk“ der Fabrik in Bhopal. In Bhopal fielen 1984 mindestens 4000 Menschen der Chemikalie Methyl-Isocyanat (MIC) zum Opfer. Heute ist Institute das einzige Werk in den USA, in dem MIC in großen Mengen produziert und gelagert wird. Etwa die vierfache Menge des in Bhopal ausgetretenen MIC lagert in der Fabrik, genaue Angaben verweigert die Werksleitung. Ein worst-case-Szenario kam 1994 zu dem Ergebnis, dass bei einem Großunfall in einem Umkreis von 15 km tödliche Vergiftungen auftreten könnten. Bevor das Werk von BAYER gekauft wurde, kam es in Institute zu mehreren schweren Unfällen mit Todesfolgen.

weitere Informationen:
Artikel “Bayer's odor alert called abysmal”
Liste “Unfälle bei Bayer”
Hintergrund “Bayer plant still home to MIC stockpile / MIC killed thousands in Bhopal”
Verbot von Thiodicarb in der EU: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2007:139:0028:0029:DE:PDF