Drücke „Enter”, um zum Inhalt zu springen.

Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

Rohstoffe

CBG Redaktion

ein Kommentar zur geplanten „Rohstoff-Partnerschaft“ von 12 deutschen Konzernen, darunter BAYER

Februar 8, 2012, me-Magazine

Rohstoffe statt Menschenrechte

In Kasachstan sind Menschenrechtsverletzungen noch immer an der Tagesordnung. Der kasachische autoritäre Präsident Nursultan Nasarbajew beherrscht seit 20 Jahren mit seiner Familie das Land mit harter Hand.
Auf der von der Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ jährlich veröffentlichten Rangliste der Pressefreiheit weltweit befindet sich Kasachstan stets auf den hinteren Plätzen. Aktuell steht das Land an 142. Stelle, direkt hinter Äthiopien und Algerien und vor Swasiland und dem Irak. Oppositionszeitungen werden immer wieder mit Verleumdungsklagen und Strafzahlungen überzogen, mal wird ihre Gesamtausgabe beschlagnahmt, mal werden sie ganz geschlossen. Trotzdem geben die die Oppositionsjournalisten nicht auf, die Zeitungen erscheinen innerhalb kürzester Zeit unter neuem Namen wieder.
Es gibt nach wie vor zahlreiche Berichte über Folter und andere Misshandlungen, obwohl die Regierung zugesichert hatte, mit einer „Null-Toleranz-Politik“ dagegen vorgehen zu wollen. Derartige Menschenrechtsverletzungen bleiben allerdings weiterhin straflos.
Im Mai letzten Jahres beschloss das Parlament eine Verfassungsänderung, die Präsident Nursultan Nasarbajew zum „Führer der Nation“ erklärte und ihm und seiner engeren Familie permanente Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung gewährte. Die Verfassungsänderung räumte ihm ebenfalls das lebenslang geltende Recht ein, endgültige Entscheidungen über Angelegenheiten der Außen- und Sicherheitspolitik zu treffen. Entstellende Bilder des „Führers der Nation“ und Verfälschungen seiner Biografie wurden zu Straftaten erklärt. Im September 2011 deutete Staatspräsident Nasarbajew an, dass er im Jahr 2012 für eine neue Amtsperiode kandidieren werde.
Da es schon bei der letzten Wahl massive Manipulationen gab, ist mit einer Wiederwahl des Präsidenten zu rechnen. Normalerweise reden demokratische Regierungen mit solchen Despoten nicht; zumindest werden sie nicht offen hofiert. Normalerweise. Es sei denn, das Land ist sehr rohstoffreich. Im Falle Kasachstan trifft das zu.
In den 1990er Jahren wurden im Norden des Kaspischen Meeres und in der kasachischen Steppe die größten Erdölreserven der letzten 30 Jahre gefunden. Experten schätzen sie auf rund neun Milliarden Barrel. Kasachstan besitzt außerdem reiche Reserven an Zinn, Uran, Blei, Zink, Bauxit, Eisen, Gold, Silber, Phosphor, Mangan, Kupfer und vor allem an seltenen Erden.
Deshalb traf sich im Juli letzen Jahres schon Kasachstans Außenminister Jerschan Kasychanow in Berlin mit seinem deutschen Amtskollegen Guido Westerwelle. Mit den Deutschen wollte Astana eine „strategische Rohstoffpartnerschaft“ eingehen, ein entsprechendes Memorandum hatte Wirtschaftsminister Philipp Rösler bereits im Mai unterzeichnet. Es geht um die gemeinsame Ausbeutung von Seltenen Erden, die Produktion von Lithium und anderen Rohstoffen.
Jetzt empfing die deutsche Kanzlerin Angela Merkel den kasachischen Präsidenten Nasarbajew in Berlin. Zwar erklärte Merkel, sie sie habe auch die Menschenrechtslage in Kasachstan und die Einhaltung demokratischer Prinzipien angesprochen, doch eigentlich ging es nur um wirtschaftliche Interessen. Im Beisein von Merkel und Nasarbajew unterzeichneten beide Regierungen am Mittwoch in Berlin eine Rohstoff-Partnerschaft. Außerdem unterschrieben Unternehmen beider Länder im Wirtschaftsministerium rund 50 Verträge mit einem Wert von rund drei Milliarden Euro. Insbesondere die seltenen Erden lösen ungeahnte Begehrlichkeiten aus; die deutschen Unternehmen wollten die Versorgungssicherheit an diesen Rohstoffen vergrößern. Anfang Januar verkündete der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) die Gründung einer „Allianz zur Rohstoffsicherung“. Das ist ein Gemeinschaftsunternehmen, finanziert von zwölf Unternehmen, darunter BASF, Bayer, BMW, Daimler, Evonik Industries, Bosch und ThyssenKrupp. „Der Fokus des Unternehmens wird auf Rohstoffen liegen, bei denen ausgeprägte Versorgungsrisiken für die deutsche Industrie bestehen“, sagte BDI-Vizepräsident Ulrich Grillo. Auch Kasachstan soll etwas von dem Deal haben; die deutschen Unternehmen verpflichten sich im Gegenzug einen Beitrag zur Industrialisierung des Landes zu leisten.
Hintergrund des Hypes um die seltenen Erden ist die Verknappung, die China vorgenommen hat. Das Reich im fernen Osten versorgt den Weltmarkt zu 97 Prozent mit diesen Rohstoffen. Westliche Unternehmen wollen sich unabhängiger von Peking machen, denn wenn China weniger davon auf den Weltmarkt wirft, steigen die Preise dramatisch.
Wie immer, wenn wirtschaftliche Interessen im Vordergrund stehen, spielen Menschenrechtsverletzungen keine Rolle. Wenn doch, dann nur am Rande. Deshalb erinnerte die Organisation Reporter ohne Grenzen an die widrigen Bedingungen, unter denen Journalisten in dem zentralasiatischen Land arbeiten. Die autoritäre Regierung in Almaty hat den Druck auf unabhängige Medien nach gewalttätigen Zusammenstößen bei Ölarbeiterstreiks im Dezember 2011 erheblich verstärkt.
Die jüngsten Angriffe der kasachischen Behörden richteten sich gegen die wichtigsten unabhängigen Zeitungen des Landes, Golos Respubliki und Wsgljad. Anfang Februar lud der kasachische Geheimdienst die stellvertretende Chefredakteurin von Golos Respubliki, Oksana Makuschina, mehrmals zum Verhör. Die Redaktionsräume der Zeitung wurden durchsucht und Computer beschlagnahmt. Wenige Tage zuvor hatte Makuschina eine Pressekonferenz geleitet, auf der sie sich für den inhaftierten Journalisten Igor Winjawski einsetzte.
Igor Winjawski, Herausgeber der Zeitung Wsgljad, wurde am 23. Januar festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft. Er wird beschuldigt, zum Sturz des kasachischen Präsidenten aufgerufen zu haben; Menschenrechtsorganisationen halten die Vorwürfe jedoch für politisch motiviert. Wsgljad kann nicht mehr erscheinen, weil bei der Festnahme Winjawskis die gesamte Redaktionstechnik sowie dessen persönlicher Computer konfiziert wurden.
Leider ist nicht zu erwarten, dass die neue „Rohstoffpartnerschaft“ zu Verbesserungen der Menschenrechte führen wird. Immerhin ist Deutschland der sechstgrößte Außenhandelspartner Kasachstans. Mit einem Umfang von 5,218 Mrd. Euro hat sich der Warenaustausch 2010 positiv entwickelt.
Die kasachischen Lieferungen (3,839 Mrd. €) umfassen Erdöl, Eisen/ Stahlerzeugnisse und chemische Produkte. Die deutschen Lieferungen (1,379 Mrd. €) setzen sich aus Maschinen, Datenverarbeitung und elektrischen Ausrüstungen, chemischen Produkten, KfZ, KfZ–Teilen und pharmazeutischen Erzeugnissen zusammen.
Das Auswärtige Amt befindet, dass sich „die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Kasachstan gut entwickeln“. Gabriele Fiege

[Mirena] Hormonspirale Mirena

CBG Redaktion

Leserbrief, 7. Februar 2012

Artikel „Wie gut ist die Hormonspirale?“ in der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „Eltern“

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit 30 Jahren beschäftigen wir uns mit den Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten, die der Leverkusener BAYER-Konzern vertreibt.

In den letzten Jahren wandten sich verstärkt Frauen an uns, die unter schweren Nebenwirkungen der Hormonspirale „Mirena“ leiden. Etwa jede zehnte Anwenderin leidet unter Depressionen, Zyklusstörungen, Gewichtszunahme, Zysten, Akne, Hautkrankheiten oder Kopfschmerzen. Zudem besteht der Verdacht auf Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Rund 60% aller MIRENA-Benutzerinnen brechen daher die Anwendung vorzeitig ab. Allein 1700 Frauen unterstützten im letzten Jahr eine Petition, in der die Veröffentlichung aller Risiken der Mirena gefordert wird.

Wir begrüßen es daher, dass Sie sich mit diesem wichtigen Thema befassen. Allerdings wundert es uns, dass Sie ausgerechnet den Frauenarzt Michael Ludwig als Verteidiger der Mirena zitieren. Ludwig ist keinesfalls unabhängig. Er steht seit Jahren in Diensten der Firma BAYER und ist wiederholt auf Werbe-Veranstaltungen des Unternehmens aufgetreten. Diese Abhängigkeiten hätten in dem Artikel unbedingt genannt werden müssen. Besser noch wäre es gewesen, ausschließlich unabhängige Frauenärzte zu befragen.

Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

=> „Tupper-Partys“ für Hormonspirale Mirena verboten
=> Gefährliche Verhütungsmittel

[TU Berlin] Uni Kooperationen

CBG Redaktion

3. Februar 2012

Geheime Forschungskooperationen

Der in Berlin erscheinende Tagesspiegel berichtet heute über die Kooperation der TU Berlin mit der BASF AG. Die Unileitung hat hierüber erst im Nachhinein berichtet. Sowohl dem AStA als auch einem Kuratoriumsmitglied wurde eine Einsichtnahme in den Kooperationsvertrag verweigert – nach Angaben des Uni Präsidenten „auf Wunsch von BASF“.

Der Tagesspiegel zitiert auch unsere Kritik an der Kooperation von BAYER und Uni Köln: „An der Kölner Universität wird über die Offenlegung eines Kooperationsvertrags mit dem Pharmaunternehmen Bayer gestritten. Auch dort befürchten Kritiker, Bayer könne über die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen entscheiden. Sie haben beim Verwaltungsgericht geklagt.“

Im Folgenden dokumentieren wir die Kritik des AStA:

Erneut Kooperationsvertrag mit Privatwirtschaft – BASF drängt auf Geheimhaltung

Di, 31/01/2012 - 12:42
An der Technischen Universität Berlin ist erneut ein Kooperationsvertrag mit einem der größten deutschen Unternehmen - der BASF-SE - abgeschlossen worden. Anlass zum Unmut von Seiten der Studierendenschaft gab dabei nicht nur die erneute Investition in Wirtschaftspartnerschaften und Elitenbildung. Auch die Art und Weise, auf die der Vertrag zu Stande, kam erntete Kritik und offenbarte die Bedeutungslosigkeit der „demokratischen“ universitären Gremien. (1)
Denn dort gab es lediglich eine kurze Information über den bereits erfolgten Abschluss. Eine Abstimmung fand nicht statt und sei, so Präsident Steinbach, auch nicht nötig, wenn die Vereinbarung keine Stiftungsprofessuren beinhaltet. Darüber hinaus wurde die Einsicht in den Vertrag sowohl dem AStA, als auch dem Kuratoriumsmitglied Erik Marquardt, auf Nachfrage verwehrt. Präsident Steinbach betonte, dass die Geheimhaltung ausschließlich auf Wunsch der BASF geschehe und eine Zuwiderhandlung einem Vertragsbruch gleichkäme.

Angesichts des nicht allzulang zurückliegenden Skandals um den Vertrag mit der Deutschen Bank, zum „Kauf“ eines TU- Instituts für Finanz-Wirtschaft (2), sorgt diese Geheimniskrämerei für Misstrauen, nicht nur auf Seiten der Studierendenschaft der TU. „Die Abhängigkeit der Lehre und Forschung vom Bedarf privater Unternehmen und des deutschen Wirtschaftsstandortes wird immer unmittelbarer. Kritische Wissenschaft hat deshalb an der TU kaum mehr einen Platz.“, so Elena Gußmann, Referentin für Wissenschafts- und Technikkritik. Eine Einschätzung, die auch einige Lehrende der Hochschule teilen.
Auch im Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse an der Uni Köln (3), fordert der AStA klare Richtlinien für den Abschluss von Kooperationsverträgen zwischen Hochschulen und Unternehmen, sowie eine Pflicht zur Offenlegung und Abstimmung über Verträge derartiger Größenordnung.
Jana Küchler, Referentin für Bildungspolitik meint: „Die Uni tritt mit den Verträgen die Flucht ins Privatrecht an, um sich und die Unternehmen vor kritischen Fragen zu schützen. Allerdings müssen für beide Seiten Regeln gelten: Es kann nicht sein, dass sich die Hochschule jedweder Forderungen der Unternehmen beugen muss um Drittmittel zu erhalten.“
Rico Clauß, ebenfalls vom Referat für Wissenschafts- und Technikkritik, ergänzt: „Insofern Universitäten noch öffentliche Einrichtungen sind, sollten sie auch rechenschaftspflichtig sein gegenüber der Gesellschaft, in deren Auftrag sie ja eigentlich arbeiten sollen. Ansonsten werden die fortwährenden Privatisierungsprozesse jeder Kritik entzogen.“
Die Erarbeitung einer verbindlichen Regelung von Vertragsabschlüssen an der TU wurde jüngst auch vom Kuratorium beschlossen – ob sie den Forderungen der Studierendenschaft nachkommen wird, bleibt fraglich.

(1)Offener Brief von AStA und Fachschaftsinitiativen anlässlich des Kooperationsvertrages: http:astatu.blogsport.de/author/witek/
(2) http:
www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,766535,00.html
http:www.taz.de/!71442/
(3) http:
www.bdwi.de/bdwi/nachrichten/4795500.html
http://www.taz.de/!85219/

Antibabypillen

CBG Redaktion

Presse Information vom 2. Februar 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Antibaby-Pillen: „BAYER muss endlich auf Geschädigte zugehen!“

Vergleichs-Gespräche in den USA gestartet / schwere Gesundheitsschäden und Todesfälle / mehr als 10.000 Klagen

Der BAYER-Konzern hat in den USA eine Verschiebung der Prozesse um gefährliche Antibaby-Pillen beantragt und einen Vergleich in Aussicht gestellt. Der zuständige Richter setzte die Verfahren daraufhin für drei Monate aus. In Deutschland hingegen lehnt BAYER weiterhin jegliche Entschädigung ab.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist nicht hinnehmbar, dass BAYER mit zweierlei Maß misst. Die durch Yaz und Yasmin geschädigten Frauen müssen in allen Ländern rasch entschädigt werden. Zudem fordern wir, dass Antibaby-Pillen mit erhöhtem Risikoprofil vom Markt genommen werden!“. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren startete 2009 eine Kampagne zur Unterstützung betroffener Frauen und brachte hierzu mehrfach Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung ein.

Inzwischen haben auch deutsche Betroffene Klage gegen BAYER eingereicht. Kathrin Weigele von der Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter: „Uns entstehen hohe Kosten durch Reha-Maßnahmen, Medikamente und Verdienst-Ausfälle. Wir verlangen von BAYER, dass diese Kosten übernommen werden. Außerdem fordern wir, dass drospirenon-haltige Pillen vom Markt genommen werden. Anderen Frauen muss mein Schicksal erspart bleiben!“. Kathrin Weigele hatte nach Einnahme der Pille Yasmin eine schwere Lungenembolie erlitten.

Ursprünglich hatten im Januar an mehreren US-Gerichten Prozesse gegen BAYER beginnen sollen. Auf Antrag des Unternehmens waren diese verschoben worden, um Vergleichsgespräche zu ermöglichen. David Herndon, zuständiger Richter am Gerichtshof von East St. Louis, bestellte daraufhin den an der George Washington University lehrenden Juristen Stephen Saltzburg als Vermittler. Saltzburg hat bereits in Verfahren gegen AstraZeneca, die zu Zahlungen in Höhe von mehreren hundert Millionen Dollar führten, als Mediator gewirkt. Sollten die nun aufgenommenen Verhandlungen scheitern, werden die Prozesse am 30. April beginnen. Allein in den USA sind mehr als 10.000 Klagen anhängig.

Die Pillen Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida und Petibelle von BAYER, die das Hormon Drospirenon enthalten, verursachen neuen Studien zufolge ein bis zu dreifach erhöhtes Embolie- und Thromboserisiko. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde FDA starben mindestens 190 Frauen nach der Einnahme von Yaz. Im Dezember hatte ein von der FDA einberufenes Experten-Komitee knapp für eine weitere Zulassung der Präparate votiert; kurz darauf wurde bekannt, dass vier Mitglieder des Komitees enge Verbindungen zu BAYER besitzen.

Die BAYER AG machte im Jahr 2010 einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro mit drospirenonhaltigen Antibabypillen. Yaz und Yasmin sind damit die zweitmeistverkaufte Produktgruppe des Konzerns.

alle Infos zur Kampagne

January 4, 2012 — FiercePharma | By Tracy Staton

Judge calls off Yaz trial , orders suits into mediation

The first Yaz trial won‚t open as scheduled. A federal judge delayed the bellwether patient lawsuit, set for trial next week, and appointed a special master to mediate instead. And this special master is well versed in pharma liability litigation: It‘s George Washington law professor Stephen Saltzburg, who handled mediation in 26,000 Seroquel lawsuits.
Judge David Herndon, who‚s overseeing litigation over Bayer‘s birth control pills, had promised in the fall to press for settlements after the bellwether trials wrapped up. But in an order filed Dec. 31, Herndon abandoned his previous plan in favor of mediation, saying this alternative will „better serve“ plaintiffs and defendants in these cases. Herndon ordered both sides to meet with Saltzburg „without delay“ and negotiate in good faith.
The order not only put the first Yaz trial—Kerry Sims v. Bayer—on hold, but also put the rest of the bellwether trials in limbo. Herndon is presiding over thousands of suits claiming Bayer contraceptives Yaz and Yasmin caused dangerous blood clots, and the drugmaker didn‚t adequately warn patients of the risks. Bayer maintains the pills are safe and effective when used as directed.
Lawyers aren‘t the only ones debating the drugs‚ safety. A range of studies have turned in conflicting results on their safety risks, with some highlighting substantial increase in clotting risks and others finding no increase. In December, an FDA advisory panel reviewed the data, and the group recommended labeling changes to clarify the potential risk of blood clots. The committee backed the drugs‘ risk-benefit profile, however, with a 15-11 vote.

Gentechnik

CBG Redaktion

30. Januar 2012

Heute erschien in der SZ ein Interview mit Wolfgang Huber, dem ehem. Ratsvorsitzender der EKD, in dem viele Kritikpunkte aufgegriffen werden, mit denen wir uns beschäftigen. Einige Zitate:

„Die Verheißung, dass gentechnisch veränderte Pflanzen zur Lösung des Welternährungsproblems beitragen, hat sich leider gerade nicht erfüllt.“

„In Nord- und Lateinamerika wurden die Anbauflächen für gentechnisch veränderte Pflanzen in den vergangenen fünf Jahren um die Hälfte vermehrt. Man muss sich einmal klarmachen, welche Auswirkungen diese Konzentration der Macht der Konzerne als Saatgutproduzenten auf die bäuerliche Landwirtschaft in Entwicklungsländern hat.“

„Nahrungsproduktion muss nah bei den Menschen stattfinden. Da haben die gentechnisch veränderten Saatgüter genau den gegenteiligen Effekt. Die Kleinbauern können diese Produkte nicht bezahlen. In Indien beispielsweise nehmen sich Bauern in erschreckend hoher Zahl das Leben, weil sie damit nicht klarkommen.“

„Eine Verbindung mit dem großen Agro-Business ist aus meiner Sicht gefährlich. Das hat hoch problematische Nebenwirkungen, etwa auf die Gesundheit und die Umwelt. Wir wissen doch noch gar nicht, was es für die Umwelt bedeutet, wenn wir Pflanzen züchten, die gegen Unkrautbekämpfungsmittel resistent sind.“

„In Entwicklungsländern ist gerade die lokal verwurzelte und naturverbundene Landwirtschaft von großer Bedeutung. Das ist für die Sicherung der Welternährung mindestens so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger, als das große Agro-Business.“

IG Farben

CBG Redaktion

27. Januar 2012

BAYER Vorstandsvorsitzender:

10. Todestag von ex-Nazi Kurt Hansen

Gestern jährte sich der 10. Todestag des ehemaligen BAYER-Vorstandsvorsitzenden Kurt Hansen. Als Ehren-Vorsitzender des Aufsichtsrates hatte Hansen noch bis ins hohe Alter (er wurde 91) ein Büro im Leverkusener BAYER-Hochhaus. Hansen repräsentierte in seiner Person den bruchlosen Übergang IG FARBEN => BAYER. Er trat schon frühzeitig, nämlich 1931, in die NSDAP ein und war bei der IG FARBEN für die kriegswichtige Aufgabe der Rohstoff-Beschaffung und Verteilung zuständig. Wegen seiner Verantwortung für Kriegsverbrechen verhafteten und internierten ihn die Alliierten im Jahr 1945. Von alldem war in den Nachrufen natürlich nichts zu lesen.
Selbstverständlich stellte die unrühmliche Vergangenheit Hansens in der Bundesrepublik auch keinen Hinderungsgrund dar, ihn mit Auszeichnungen zu überhäufen. So war er Ehrenbürger der Stadt Leverkusen und erhielt gleich von mehreren Universitäten Ehrendoktor-Würden verliehen.

Phosgen

CBG Redaktion

Presse Information vom 24. Januar 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

geplante TDI-Anlage im BAYER-Werk Dormagen:

Betonhülle zum Schutz vor Giftgas gefordert

Die BASF gab am Freitag bekannt, in Ludwigshafen eine neue TDI-Anlage zu bauen. Die Fabrik soll mit 300.000 Jahrestonnen die selbe Kapazität erhalten wie die von der BAYER MaterialScience AG geplante Anlage in Dormagen.

Die beiden Projekte unterscheiden sich jedoch in einem wichtigen Punkt: die BASF will die gefährlichsten Anlagenteile mit einer Betonhülle umgeben. Umweltverbände hatten ebendies im Erörterungstermin für die BAYER-Anlage im vergangenen Oktober gefordert. Auch eine entsprechende Anlage von Dow Chemicals in Stade ist mit einer Betonkuppel versehen. Die Fabrik in Dormagen hingegen soll nur mit einer Blechhülle geschützt werden; der Standort befindet sich lediglich 300m von der Werksgrenze entfernt.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Wir sind nach wie vor gegen die Genehmigung einer Anlage, die über Jahrzehnte hinweg die Herstellung von Phosgen zementiert. Sollte es dennoch zu einer Genehmigung kommen, so muss zumindest der Einsatz der bestmöglichen Sicherheitstechnik gewährleistet sein. Eine Einhausung aus Beton bietet in jedem Fall einen höheren Schutz gegen Feuer, Explosionen oder eine Beschädigung von außen als die von BAYER geplante Blechhülle.“

In der Dormagener TDI-Produktion sollen als Zwischenprodukt jährlich rund 360.000 Tonnen Phosgen eingesetzt werden; die Chemikalie wurde im 1. Weltkrieg als Kampfgas verwendet. Gegen die Genehmigung des Antrags von BAYER hatten die CBG, der BUND, die Grünen sowie rund 60 Einzelpersonen Einwendungen eingereicht. Hauptpunkte der Kritik sind neben dem Einsatz hochgefährlicher Chemikalien der hohe Energie- und Ressourcen-Einsatz sowie das Fehlen von worst case-Szenarien. Die Bezirksregierung Köln hat über eine Genehmigung des Antrags noch nicht entschieden.

Der Werksleiter der BASF in Ludwigshafen, Bernhard Nick, hatte am Freitag gegenüber der Presse geäußert: „Die eigentliche TDI-Produktion findet in einer kompletten Einhausung in einem hermetisch verschlossenen Betongebäude statt, das sicherstellt, dass keine toxikologischen Stoffe in die Umwelt gelangen“.

weitere Informationen zur TDI-Kampagne

[Bienensterben] [[4231|Neue Studie zu globalen Bienensterben]]

CBG Redaktion

Eine neue Studie amerikanischer Bienenforschungs-Institute kommt zu dem Ergebnis, dass der Befall mit Milben (den BAYER für die weltweiten Bienensterben mitverantwortlich macht), bei imidacloprid-belasteten Bienen stark zunimmt. Die Erkrankungen sind also eine Folge der Pestizidbelastung.

Die Studie endet mit dem Satz „We believe that subtle interactions between pesticides and pathogens could be a major contributor to increased mortality of honey bee colonies worldwide.“

alle Infos zur Kampagne

Werbung

CBG Redaktion

Pervers: Berge in den Alpen dienen als Werbefläche. Was wollen die Konzerne denn noch alles beanspruchen - patentierte Gene reichen wohl noch nicht?

Blick (Schweiz), 20. Januar 2012

«Ein Berg ist kein Werbeobjekt!»

Multis rauben Jungfrau die Unschuld

LAUTERBRUNNEN - Der Lichtkünstler Gerry Hofstetter projizierte das Schweizerkreuz an die Nordflanke der Jungfrau. Unter anderem auch das Logo des Pharmamultis Bayer. Das sorgt für Unmut.

Zum 100-Jahre-Jubiläum der Jungfraubahnen überlegte sich das Unternehmen etwas ganz spezielles: Ein riesiges Schweizerkreuz sollte die Jungfrau beleuchten. Lichtkünstler Gerry Hofstetter setzte das Vorhaben um: Das weisse Kreuz auf rotem Grund beleuchtete die Flanke. Nicht nur das: Pharma-Multi Bayer, Uhrenmarke Tissot und die Bekleidungsfirma Mammut liessen mit ihrem Logo den Berg erleuchten.

«Ein Berg ist doch kein Werbeobjekt!» Geschäftsführerin Katharina Conradin von Mountain Wilderness zu Blick.ch: «Das stösst uns sauer auf.» Das Gebiet Jungfrau-Aletsch – übrigens ein Unesco-Welterbe – als Werbefläche zu missbrauchen, missfällt nicht nur ihrer Organisation.

Die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz bläst ins gleiche Horn. Gegenüber dem «Bund» sagt eine Sprecherin: «Es tut weh zu sehen, wie multinationale Konzerne die grandiose Berglandschaft zur Werbeleinwand degradieren.»

Mountain Wilderness kritisiert nicht nur die Werbung, die an den Berg projiziert wurde, sondern auch die 18 Heliflüge, die notwendig waren, um die Ausrüstung für die Lichtinstallation auf den Berg zu bringen. «Diese Lärmbelästigung hätte vermieden werden können», sagt Conradin.
Ohne Sponsoring nicht möglich

Die Jungfraubahnen weisen daraufhin, dass die Aktion ohne Sponsoring nicht hätte finanziert werden können. Und Künstler Gerry Hofstetter verteidigt sich: Im Fussball oder Eishockey seien Sponsoren und Werbung viel präsenter und aufdringlicher.

Zum «Bund» sagt er: «Wir haben das dezent gemacht.» Aber er könne verstehen, wenn dies nicht allen Leuten gefalle.

Eine der Firmen, deren Logo grossflächig leuchtete, ist die Bekleidungsfirma Mammut. Einen Image-Schaden befürchtet die Firma durch die Aktion nicht. «Es handelt sich hier um eine einmalige Aktion im Rahmen des Jubiläums», sagt Sprecher Dominik Ryser zu Blick.ch. Die Reaktionen seien zudem durchwegs positiv gewesen. «Dass Berge in Zukunft als Werbefläche gebraucht werden, ist nicht abzusehen.» (num)

Werbung auf Berge projiziert

Kommentar von Marcus Knill, 20. Januar 2012

Grossflächtig leuchtete nachts an der Jungfrauwand ein Schweizerkreuz. Der Lichtkünstler Gerry Hofstetter hatte es an die Nordflanke der Jungfrau projiziert. Nun ist auch das Logo des Pharmamultis Bayer zu sehen. Auch die Uhrenmarke Tissot und die Bekleidungsfirma Mammut liessen jetzt ihr Logo am Berg erleuchten.

Das Ganze war als besonderes Projekt zum 100-Jahre-Jubiläum der Jungfraubahnen gedacht. Die Werbung stiess vielen sauer auf. “Das ist der Gipfel” war zu hören bis: “Ein Berg ist doch kein Werbeobjekt!”
Folgende Frage scheint mir berechtigt: Dürfen im Jungfrau-Aletsch-Gebiet (übrigens ein Unesco-Welterbe) die Berge als Werbefläche missbraucht werden?
Die Sprecherin der Stiftung Landschaftsschutz sagte gegenüber dem “Bund”: “Es tut weh zu sehen, wie multinationale Konzerne die grandiose Berglandschaft zur Werbeleinwand degradieren.”
Auch 18 Heliflüge, die notwendig waren, um die Ausrüstung für die Lichtinstallation auf den Berg zu bringen, wurden kritisiert: “Diese Lärmbelästigung hätte vermieden werden können”.
Künstler Gerry Hofstetter verteidigt sich: Im Fussball oder Eishockey wären die Sponsoren und die Werbung viel präsenter.
Mein Eindruck: Dass so ein Event nicht ohne Sponsoring möglich ist, leuchtet ein. Doch müssten solche Aktionen nur mit einer Sonderbewilligung möglich sein. Wenn nicht, besteht tatsächlich die Gefahr, dass die Berge zu
Werbeflächen verkommen könnten. Die Werbeflächen bei Sportveranstaltungen können übrigens nicht mit dieser Aktion verglichen werden. Werbung ja, aber in geregeltem Rahmen.

Tierantibiotika

CBG Redaktion

Presse Info vom 19. Januar 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Baytril: BAYER profitiert von Massentierhaltung

60% aller Antibiotika landen im Tierstall / immer mehr resistente Keime / Demonstration am Samstag in Berlin

Mehr als die Hälfte der weltweiten Antibiotika-Produktion landet im Viehstall. In der Folge entstehen massenhaft resistente Keime, die nach der Schlachtung im Schweine-, Rinder- oder Hähnchenfleisch nachweisbar sind. Eine mitunter tödliche Gefahr.

Zu den großen Profiteuren der Massentierhaltung gehört der Leverkusener BAYER-Konzern. Allein mit dem Tierantibiotikum Baytril machte BAYER im Jahr 2010 einen Umsatz von 166 Mio Euro, elf Prozent mehr als im Vorjahr. BAYER ist weltweit das viertgrößte Unternehmen im Bereich Veterinärmedizin.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Ohne die Produkte von BAYER & Co. wäre die Haltung Tausender Tiere auf engstem Raum gar nicht möglich. BAYER profitiert von den katastrophalen Zuständen in der Massentierhaltung, bei der ständig neue Krankheiten auftreten, und ist daher für die Entstehung antibiotika-resistenter Keime mitverantwortlich.„

In vielen Zuchtbetrieben gehören Baytril-Spritzen zum Alltag. Das Präparat wird seit 1995 in großem Umfang zur Behandlung von Infektionskrankheiten von Hühnern, Kälbern, Rindern, Puten und Schweinen eingesetzt. Der Wirkstoff von Baytril (Enrofloxacin) gehört zu den Fluochinolonen - wie auch die von BAYER vertriebenen Humanantibiotika CIPROBAY (Ciprofloxacin) und AVALOX (Moxifloxacin). Der großflächige Einsatz von Baytril führt dazu, dass gängige Humanantibiotika immer häufiger unwirksam werden.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert:
=> ein Verbot der quälerischen Massentierhaltung, die den exzessiven Einsatz von Bakteriziden erst notwendig macht;
=> eine lückenlose Dokumentation aller Antibiotika-Anwendungen im Tierstall (mit Mengenangaben);
=> ein Verbot der routinemäßigen Beigabe von Antibiotika in Tierfutter und diesbezügliche Kontrollen und Strafen;
=> Verwendung von Antibiotika nur unter strengster Indikation und nur durch Tierärzte/innen; Ziel muss eine antibiotikafreie Tierzucht sein;
=> Verbot der routinemäßigen Behandlung ganzer Tierbestände.
Die Coordination kritisiert zudem die zunehmende Belastung des Grundwassers durch Veterinärprodukte.

Jüngste Studien des BUND belegen, dass Hähnchenfleisch in deutschen Supermärkten größtenteils mit antibiotikaresistenten Keimen belastet ist. Die Verbraucher/innen können im Falle einer späteren Infektion nicht mehr mit gängigen Antibiotika behandelt werden. Im November hatte das Verbraucherministerium NRW eine Studie veröffentlicht, wonach 96 Prozent der Masthähnchen mit Antibiotika behandelt werden.

Auch eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) war im Herbst zu dem Ergebnis gekommen, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast die Gefahr erhöht, dass diese bei Menschen nicht mehr wirken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert daher seit Jahren ein Verbot des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht. In der EU wurde der präventive Antitbiotika-Einsatz schon vor Jahren verboten, ohne dass die verwendeten Mengen dadurch sanken.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren ruft zusammen mit 90 weiteren Organisationen zur Teilnahme an einer Demonstration am Samstag in Berlin auf. Die Kundgebung, die um 11.30 Uhr am Berliner Hauptbahnhof beginnt, steht unter dem Motto “Wir haben es satt! Bauernhöfe statt Agrarindustrie".

weitere Infos:
=> die Süddeutsche greift unsere Forderungen auf
=> US-Behörden verbieten Tierantibiotikum von Bayer
=> Gesundheitsrisiko Veterinär-Medizin

El Salvador

CBG Redaktion

17. Januar 2012&

  • 8201;– IPS

==El Salvador: Nierenschäden durch Herbizide&

  • 8201;– Viele Bauern in Küstenregion krank==

Im Schatten eines Baumes beobachtet Francisco Sosa, wie sein Sohn den Acker für die Aussaat vorbereitet, indem er mit einem Herbizid gegen das wuchernde Unkraut vorgeht. Der 60-Jährige würde gern mithelfen, darf aber aus Gesundheitsgründen nicht. Der jahrelange Kontakt mit den Pflanzengiften hat ihn wie viele andere Bauern in seinem Ort im Südosten von El Salvador krank gemacht.
Sosa leidet an einer Niereninsuffizienz, einer chronischen Krankheit, die in ihrer akuten Phase sogar zum Tod führen kann. »Die Ärzte haben mir gesagt, dass ich kein Gift mehr versprühen soll. Das könnte meine Krankheit weiter verschlimmern«, erklärt er IPS. In der Region Bajo Lempa, in der sich auch Nueva Esperanza befindet, berichten Menschen und Medien seit Jahren über eine alarmierende Zunahme von Nierenleiden. Dort wurde mehr als ein Jahrhundert lang teils unter intensivem Einsatz von Chemikalien Baumwolle angebaut.
Seit den siebziger Jahren sind die Farmer zwar auf Mais, Bohnen und andere Getreide– und Gemüsesorten umgestiegen, Herbizide und Pestizide kommen aber weiterhin reichlich zum Einsatz. In einigen Gemeinden von Bajo Lempa wie Ciudad Romero leiden 20,7 Prozent der Bevölkerung an chronischen Nierenerkrankungen.

Alarmierende Zahlen
In anderen Ländern hingegen seien nur 1,4 bis 6,3 Prozent der Menschen von einer Niereninsuffizienz betroffen, so die vorläufigen Ergebnisse einer Studie des salvadorianischen Gesundheitsministeriums. Begonnen wurde die Untersuchung 2009, als mit Mauricio Funes ein Vertreter der moderaten Linken das Präsidentenamt übernahm. Funes hatte im Bürgerkrieg von 1980 bis 1992 auf Seiten der linken Rebellen der Nationalen Befreiungsfront Farabundí Martí (FMLN) gekämpft, die sich heute als reguläre Partei etabliert hat.
Die Studie, deren endgültige Ergebnisse im kommenden Oktober vorliegen sollen, liefert zwar keine Bestätigung dafür, dass Agrochemikalien der eigentliche Auslöser für die gehäuft auftretenden Beschwerden sind. Immerhin enthält sie deutliche Hinweise, die die Warnungen von Bauern und Umweltschützern untermauern.
Dass mehr als 82 Prozent aller Männer in der Region mit Herbiziden und Pestiziden hantieren, hebt der Bericht als wichtigen Risikofaktor hervor. »Die Krankheit hängt mit den chemischen Substanzen zusammen, die vor allem in der Landwirtschaft in den Küstengebieten verwendet werden«, sagte Gesundheitsministerin Maria Isabel Rodríguez. »Wir haben skandalöse Zahlen, die es sonst in keinem Teil der Welt gibt.« Die Erkrankten seien in der Mehrzahl Bauern im Alter von 18 bis 60 Jahren.
Mauricio Sermeño von der Umweltorganisation ‘Unidad Ecológica Salvadoreña’ verwies auf den massiven Einsatz von Pestiziden und Herbiziden während des Baumwollbooms. Damals wurde vielfach DDT verwendet. Wegen der gesundheitsschädigenden Wirkung wurde DDT schließlich verboten.
In El Salvador seien aber nach wie vor hochtoxische Agrochemikalien wie Gramoxon des Agromultis Syngenta und Hedonal von Bayer auf dem Markt, erklärte der Experte. Sermeño macht diese Erzeugnisse für einen erheblichen Teil der Krankheitsfälle verantwortlich. Auf Nachfragen von IPS hat die Bayer-Niederlassung in dem zentralamerikanischen Land nicht reagiert.
In Bajo Lempa gibt es nach Angaben von Umweltaktivisten mittlerweile kaum einen Einwohner, der nicht einen Verwandten oder Freund durch Nierenversagen verloren hätte.

Todkranke Patienten nach Hause entlassen
Das auf die Krankheit spezialisierte Hospital am Ort bietet Behandlungen während der verschiedenen Stadien der Krankheit an. In der letzten Phase werden die Patienten nach Hause entlassen, wo sie selbst die Dialyse durchführen müssen. Längst nicht alle Betroffenen können gerettet werden. »In 95 Prozent aller Gräber auf dem Friedhof von Nueva Esperanza liegen Menschen, die an Nierenproblemen gestorben sind«, sagt Rosa María Colindres, die als Krankenschwester in der ersten staatlichen Nierenklinik in dieser Zone arbeitet.
»Wenn ich nicht selbst die Dialyse machen würde, wäre ich längst tot«, meint der Bauer Wilfredo Ordoño. Er erinnert sich daran, dass früher aus dem Rucksacksprayer oft Flüssigkeit ausgetreten sei, die sich über seine Schultern verteilt habe. »Ich denke, dass mich das erledigt hat.«
Bajo Lempa ist ein Küstengebiet, in dem der gleichnamige Fluss in den Pazifik mündet. Jedes Jahr kommt es dort zu Überschwemmungen, die Ernten vernichten. Seit dem Ende des Bürgerkriegs 1992 wurden die früher Großgrundbesitzern gehörenden Ländereien aufgeteilt und zur Bewirtschaftung an ehemalige Rebellen vergeben, die wieder in die Gesellschaft eingegliedert werden sollten.
Die politisch überwiegend links orientierten Bewohner der Region werfen den früheren Regierungen unter Führung der konservativen Arena-Partei vor, nicht an einer Eindämmung der Krankheitswelle interessiert gewesen zu sein. So gebe es bis heute keine effizienten gesetzlichen Regelungen für den Handel und Umgang mit Agrochemikalien. Ein 2004 geschlossenes Übereinkommen sei praktisch nicht befolgt worden. Von Edgar Ayala&

  • 8201;— Nueva Esperanza in El Salvador

[attac] Bespitzelung von attac

CBG Redaktion

16. Januar 2012

Bespitzelung durch Nestlé: Solidarität mit attac!

Liebe Mitglieder von Attac-Schweiz

Ich bin als Gründungsmitglied und Aktivist bei der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG / www.CBGnetwork.org), bei ethecon www.ethecon.org) und beim Dachverband der Kritischen AktionärInnen (www.kritische-aktionaere.de) seit Jahrzehnten aktiv gegen multinationale Konzerne. Ich weiß, wie es sich anfühlt von Konzernen diffamiert, bespitzelt, bedroht, kriminalisiert, unter Druck gesetzt und auch in die Terroristenecke gedrängt zu werden.

Im Jahr 2007 haben wir bei ethecon den Internationalen ethecon Black Planet Award an Peter Brabeck-Letmathe und Liliane de Bettencourt, den Vorstandsvorsitzenden und die Großaktionärin des NESTLÉ-Konzerns verliehen, weil sie, und mit ihnen das verantwortliche Management und die hinter diesen stehenden Großaktionäre, Ethik und Moral mit Füßen treten und durch den Ruin von Gesellschaft, Mensch und Natur die Gefahr eines Schwarzen Planeten heraufbeschwören.

Ich wünsche euch viel Erfolg im Prozess gegen Nestlé wegen illegaler Überwachung und Persönlichkeitsverletzung. Auf dass Gerechtigkeit siege!

Wenn wir bei CBG und ethecon etwas für Euch tun können, dann meldet Euch.

Solidarische Grüsse
Axel Köhler-Schnura

Nestlé vor Gericht wegen Überwachung von Attac

Am 24. und 25. Januar 2012 stehen der Nahrungsmittelkonzern Nestlé und die Schweizer Sicherheitsfirma Securitas in Lausanne (Schweiz) wegen Bespitzelung der globalisierungskritischen Bewegung Attac vor Gericht. Mit dem Prozess, der lange auf sich hat warten lassen, wird endlich der Schleier der Verschwiegenheit gelüftet, der sich über den Bespitzelungsskandal gelegt hat.

Nestlé und Securitas sind angeklagt wegen illegaler Überwachung und Persönlichkeitsverletzung von Attac und deren Mitgliedern. Die Anzeigen erfolgten, nachdem das Westschweizer Fernsehen TSR am 12. Juni 2008 publik gemacht hatte, dass eine Gruppe von Attac-Vaud, die an einem Buch über die Nestlépolitik arbeitete, von einer Securitasmitarbeiterin im Auftrag von Nestlé infiltriert und ausspioniert worden war. Die Frau war 2003 unter der falschen Identität „Sara Meylan“ der Attac-Gruppe beigetreten, hatte Arbeitssitzungen besucht (teilweise bei den Mitgliedern zuhause) und darüber detaillierte Berichte zuhanden von Nestlé erstellt. Als Mitglied der Gruppe hatte sie Zugang zu internen Informationen und Zugriff auf sämtliche Recherchen der Autor/-innen, auf ihre Quellen und Kontakte sowohl in der Schweiz als auch im Ausland.

Spioninnen während Jahren aktiv
Am 26. September 2008 haben die Kläger/-innen beim Untersuchungsrichter eine weitere Securitas-Spionin angezeigt, die unter ihrem richtigen Namen 2008 noch immer aktiv bei Attac war. Nestlé und Securitas hatten zunächst behauptet, dass die Bespitzelung mit dem Abgang von „Sara Meylan“ im Juni 2004 beendet worden sei. Als dann diese zweite Agentin entdeckt wurde, haben die Firmen erklärt, diese Agentin hätte nach 2005 keine vertraulichen Berichte mehr für Securitas/Nestlé verfasst.
Das Strafverfahren wurde nach einer mangelhaften Untersuchung am 29. Juli 2009 eingestellt. Der damalige kantonale Untersuchungsrichter übernahm die Darstellungen von Nestlé und Securitas und begründete die Einstellung des Verfahrens u.a. mit der dreijährigen Verjährungsfrist des Datenschutzgesetzes. Dies, obwohl die zweite Nestlé-Securitas-Agentin noch 2008 aktiv bei Attac war!

Nun kommt es am 24. und 25. Januar 2012 zur Verhandlung im Zivilverfahren. Der Prozess ist öffentlich und es ist somit eine einmalige Chance, dass Transparenz über das Handeln von Nestlé und Securitas hergestellt werden kann.

Der Prozess findet im Tribunal d’arrondissement de Lausanne im Palais de justice de Montbenon am Dienstag und Mittwoch, 24 und 25. Januar von 9 bis 17 Uhr statt.

Infos: http://www.multiwatch.ch/de/p97000084.html

Carbendazim

CBG Redaktion

13. Januar 2012

USA: Orangensaft mit BAYER-Pestizid Carbendazim belastet

Amerikanische Orangensäfte sind mit einem verbotenen Schädlingsbekämpfungsmittel belastet. In Europa wird der Wirkstoff Carbendazim wegen drohender Gesundheitsgefahren vom Markt genommen.

„Giftig für Wasserorganismen“, „Kann das Kind im Mutterleib schädigen“, „Kann vererbbare Schäden verursachen“ – so lauten einige Warnhinweise für das Fungizid Carbendazim. Die Chemikalie gehört zu den 23 besonders gefährlichen Stoffen, die wegen erwiesener Gesundheitsrisiken in der EU keine erneute Genehmigung erhalten dürfen. Auf der schwarzen Liste der EU befinden sich insgesamt sechs Inhaltsstoffe von BAYER-Produkten: Glufosinat, Carbendazim, Mancozeb, Tebuconazole, Bifenthrin und Thiacloprid.

Der US-Getränkekonzern Coca-Cola hat nun bei Orangensäften aus eigener Herstellung sowie bei Produkten der Konkurrenz eine Belastung mit dem Agrogift festgestellt. Es seien niedrige Werte von Carbendazim gemessen worden, teilte Coca Cola vorgestern mit. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hatte bereits am Montag mitgeteilt, sie sei von einem Unternehmen über den Fund informiert worden. Das Fungizid wird von der Firma BAYER CropScience unter dem Markennamen Derosal vertrieben.

Der Wirkstoff ist für die Verwendung auf Zitrusfrüchten in den USA nicht zugelassen. Allerdings kommt er in Brasilien zum Einsatz, das Land exportiert Orangensaft in die USA. Jedes Unternehmen, das Orangensaft aus Brasilien verwendet, sei betroffen, sagte ein Sprecher von Coca-Cola.

Die US-Gesundheitsbehörde teilte zwar mit, es sei ungefährlich Orangensaft zu trinken. Nach Ansicht der Coordination gegen BAYER-Gefahren gibt es für Carbendazim jedoch keinen Grenzwert, der als ungefährlich zu betrachten ist. Das Netzwerk fordert BAYER auf, alle Wirkstoffe auf der „Schwarzen Liste“ der EU vom Markt zu nehmen.

[SWB] Stichwort BAYER

CBG Redaktion

11. Januar 2013

Für 2013 eine gute Nachricht:

30 Jahre Stichwort BAYER

Das einzige Magazin, das einem Konzern kontinuierlich die Stirn bietet, erscheint Dank der Solidarität der konzern- und globalisierungskritischen Öffentlichkeit nun schon seit 30 Jahren. Das ist den Konzernen ein Dorn im Auge.

Stichwort BAYER - ein starkes Stück Gegenmacht
Aktuell hat Stichwort BAYER (SWB) eine Auflage von 6.300 Exemplaren. Damit ist SWB ein starkes Stück Gegenöffentlichkeit.
Das Magazin enthüllt spannend, aktuell und faktenreich, was hinter den Konzernmauern geschieht und sonst nie an die Öffentlichkeit dringt. Stets beispielhaft für Konzernwillkür und Unternehmensverbrechen allgemein.

SWB - konzernkritischer Journalismus
SWB erhält keine finanzielle Unterstützung. Der Herausgeber, die Coordination gegen BAYER-Gefahren, muss sich selbst aus Spenden und Förderbeiträgen finanzieren.
Auch wenn Stichwort BAYER weitgehend ehrenamtlich erstellt wird, kostet konzernkritischer Journalismus Geld. Eine Deckung der Kosten über die Abo-Gebühren ist nicht möglich. Sie betragen 30 Euro jährlich (höhere freiwillige Abo-Gebühren sind gern gesehen).

Lesen auch Sie konzernkritisch
Eine starke Gegenöffentlichkeit braucht viele AbonnentInnen – abonnieren Sie SWB jetzt hier online (Abo nur 30 Euro jhrl.)

Recherchen und Produktion von SWB brauchen Förderung - werden Sie jetzt Mitglied im SWB-Förderkreis.

SWB braucht immer wieder mal eine Finanzspritze – spenden Sie jetzt hier.

Falls Sie sich noch nicht direkt für ein SWB-Abo entscheiden können/wollen, testen Sie Stichwort BAYER kostenlos dreimal zur Probe. Ein kostenloses Probeabo (drei Hefte) können Sie per eMail hier bestellen.

Herzliche Soli-Grüße
Jan Pehrke
(Redakteur von SWB)

Soeben ist die aktuelle Ausgabe von Stichwort BAYER erschienen - hier einer der darin enthaltenen Beiträge:

USA: BAYER nimmt „Baby-Aspirin“ vom Markt

[Yasmin] Antibabypillen

CBG Redaktion

11. Januar 2012

FDA-Entscheidung zu Yasmin in der Kritik

Das Wall Street Journal berichtet heute unter der Überschrift “FDA-Empfehlung für Bayer-Mittel verliert an Glaubwürdigkeit“ über die Sitzung der US-Gesundheitsbehörde am 8. Dezember zur Sicherheit von Antibaby-Pillen. Das WSJ weist nach, dass mindestens drei Experten enge Verbindungen zu Bayer hatten. Ein kritischer Pharma-Experte, der keinerlei Geld von der Industrie erhalten hatte, war hingegen wegen angeblicher „Interessenkonflikte“ von der Sitzung ausgeschlossen worden.

Nach Beratungen zur Sicherheit der betreffenden Kontrazeptiva (Yaz, Yasmin) war der Ausschuss mit einem Abstimmungsergebnis von 15 zu 11 zu dem Schluss gekommen, dass die Vorteile der Medikamente höher einzuschätzen seien als die Risiken. Die drei in Frage stehenden Mitglieder stimmten mit der Mehrheit, wenn sich auch zwei von ihnen später für verschärfte Warnhinweise auf den Verpackungen aussprachen. Dass es Risiken gibt, legen Studien der FDA nahe. Studien des Bayer-Konzerns selbst waren zu dem Ergebnis gekommen, dass keine größeren Risiken vorhanden seien.

Die Ausschuss-Anhörung im Dezember soll sehr emotional gewesen sein. Joan Cummings berichtete vom Tod ihrer 18 Jahre alten Tochter im Jahr 2010. Die Yaz-Patientin war kollabiert und an einem Herzstillstand gestorben, verursacht durch ein Blutgerinnsel in der Lunge. Der Rechtsstreit der Familie gegen Bayer ist noch nicht entschieden.

Das WSJ berichtet weiter:

Das Verschweigen der erhobenen Informationen stößt jedoch auf Kritik. Finanzielle Verbindungen zu Pharmakonzernen können bei den Mitgliedern zu Befangenheit führen, warnt Steven Nissen, ein berühmter Kardiologe aus Cleveland und regelmäßiges Mitglied in FDA-Ausschüssen. Die fehlende Veröffentlichung der Angaben unterminiere die Glaubwürdigkeit der Kommitees und beschädige das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fairness der regulatorischen Vorgänge.

So geht es in Bayer-Dokumenten, die dem Gericht vorliegen, um Paula Hillard, einer Professorin für Geburtshilfe an der kalifornischen Stanford University, die im Ausschuss zugunsten der Bayer-Produkte gestimmt hat. In einem Dokument heißt es, durch Hillards Präsenz in Stanford habe man einen Fürsprecher für Yasmin im Norden Kaliforniens, was sehr nützlich sein werde.
Per E-mail teilte Hillard dem Wall Street Journal mit, sie habe 2010 an zwei Bayer-Meetings teilgenommen. Sie habe für ihre Tätigkeit für Bayer 2010 weniger als 10.000 US-Dollar erhalten. Weitere Fragen wollte sie nicht beantworten.

Ein weiteres Ausschussmitglied, Anne E. Burke, Professorin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Baltimore, hatte in Publikationen erklärt, dass sie Forschungsförderung von Bayer erhalten hat. Bayer beschreibt die Ärztin in einem der Dokumente als „Bayers Kontrazeptiva-Expertin“.

Das dritte der betroffenen Ausschussmitglieder und gleichzeitig seinerzeit Vorsitzende des Kommitees ist Julia V. Johnson, Professorin für Geburtshilfe von der Massachusetts Medical School. Sie teilte dem Wall Street Journal per E-mail mit, sie habe bei vier Studien der Bayer-Einheit Berlex mitgearbeitet. Die letzte Studie sei 2008 gewesen, und sie habe keine Forschungsfinanzierung erhalten. Die Mitarbeit an den Studien ohne den Erhalt von Forschungsfinanzierung könne nicht als Konflikt angesehen werden.

Während die drei Ärztinnen im Kommitee abstimmen durften, wurden einem weiteren Mitglied die Stimmrechte von der FDA entzogen. Sydney M. Wolfe hatte die Sicherheit der Verhütungsmittel öffentlich kritisiert. Von THOMAS M. BURTON

alle Infos zur Kampagne

Uni Köln

CBG Redaktion

10. Januar 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

Einsichtnahme in den Kooperationsvertrag mit BAYER

Uniklinik Köln: Berufung eingelegt

Philipp Mimkes, Vorstandsmitglied der „Coordination gegen BAYER-Gefahren“, hat in der Auseinandersetzung um die Einsichtnahme in den Kooperationsvertrag zwischen der Kölner Uniklinik und der Bayer AG Berufung eingelegt.

Das Kölner Verwaltungsgericht hatte sich in seiner Entscheidung vom 6. Dezember über das Votum des NRW-Landesbeauftragten für Informationsfreiheit hinweg gesetzt, der eine Einsichtnahme befürwortet hatte. Anders als das Gericht hatte der Landesbeauftragte den Vertrag eingesehen und darin keine Inhalte, die einer Veröffentlichung entgegen stehen, gefunden.

Philipp Mimkes: „Die Öffentlichkeit hat einen Anspruch darauf zu erfahren, welche Rechte eine aus Steuergeldern finanzierte Einrichtung an ein privatwirtschaftliches Unternehmen abtritt. Wer legt künftige Forschungsinhalte fest? Wer profitiert von den Patenten? Können Betriebsgeheimnisse die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen verhindern? All diese Fragen können nur mit Kenntnis der Vertragsinhalte beantwortet werden.“

Auch der Deutsche Hochschulverband, die Berufsvertretung der Universitätsprofessoren, hat sich jüngst für eine Einsichtnahme ausgesprochen. Gegenüber der Frankfurter Rundschau (28. Dezember) erklärte Verbandssprecher Matthias Jaroch: „Für uns zielen das Gerichtsurteil und die bestätigte Position der Universität Köln hochschulpolitisch in die falsche Richtung. Wir empfehlen, den fraglichen Vertrag offen zu legen.“

Der Fall wird nun am Oberverwaltungsgericht in Münster verhandelt. Der Prozess wird wegen seiner grundsätzlichen Bedeutung bundesweit mit Aufmerksamkeit verfolgt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat zu Spenden aufgerufen, um das weitere Verfahren zu finanzieren. Zu den Unterstützern der Klage gehören Transparency International, IPPNW, medico international, der AStA der Uni Köln und der Verband demokratischer Ärztinnen und Ärzte.

Alle Informationen zur Kampagne

Janis Schmelzer

CBG Redaktion

10. Januar 2013

Konzernkritiker und Antifaschist

Coordination gegen BAYER-Gefahren trauert um Dr. Janis Schmelzer

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) trauert um Dr. Janis Schmelzer. Der Historiker, seit 1999 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Coordination, starb am 28. Dezember im Alter von 85 Jahren.

Janis Schmelzer war ein exzellenter Kenner der politischen Geschichte deutscher Konzerne, insbesondere der IG Farben. Seine Spezialgebiete waren Faschismus, Zwangsarbeit, Konzentrationslager sowie der Aufstieg der IG Farben zum größten europäischen Konzern. In seinen Veröffentlichungen beleuchtete Schmelzer die Machtfülle der IG Farben in verschiedenen Staatsformen (Kaiserreich, Weimarer Republik, Drittes Reich) und deren Entwicklung zum NS-Musterbetrieb. Auch für die Entschädigung überlebender Zwangsarbeiter sowie für die Auflösung der bis zum vergangenen Jahr (!) existierenden IG Farben (in Abwicklung) setzte sich Schmelzer bis zuletzt ein.

Dr. Janis Schmelzer lehrte u. a. an der Universität Halle-Wittenberg. Zu den von ihm veröffentlichten Büchern gehören „IG Farben. Vom Rat der Götter“, „Devisen für den Endsieg“, „IG Farben, Auschwitz, Massenmord“ sowie die Untersuchung „Die Herren Generale“, in der die Unterstützung der deutschen Chemie-Industrie für das Franco-Regime beleuchtet wird. Nach der Angliederung der DDR erhielt er aufgrund der von der Bundesregierung betriebenen „Säuberung“ von Universitäten, Schulen und Behörden, wie tausende mit ihm, de facto Berufsverbot und musste den Rest seines Lebens - immerhin 22 Jahre - zusammen mit seiner Frau Ilse in Berlin unter kargen Umständen leben.

Einer seiner besonderen Verdienste um den Antifaschismus liegt schon länger zurück: Er war maßgeblich an dem Gutachten beteiligt, das in den 50er Jahren das drohende Verbot der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) verhinderte. Janis Schmelzer sorgte auch dafür, dass die Firmenarchive der IG Farben und anderer für die faschistischen Verbrechen mitverantwortlicher Konzerne nach 1989/90 nicht heimlich, still und leise „entsorgt“ werden konnten. Die Konzerne wollten nur allzu gerne die Akten ihrer ehemaligen Betriebe auf dem Gebiet der DDR abtransportieren und verschwinden lassen. Auch Dank des Engagements von Janis Schmelzer landete das Material im Bundesarchiv (wie es dort gehandhabt wird, ist allerdings ebenfalls nicht befriedigend).

Regelmäßig schrieb Janis Schmelzer für „Stichwort BAYER“, die Zeitschrift der Coordination gegen BAYER-Gefahren. Für die Stiftung ethecon - Ethik & Ökonomie betreute er seit deren Gründung im Jahr 2004 ehrenamtlich die Geschäftsstelle in Berlin.

Die CBG verliert mit Janis Schmelzer einen wichtigen Ratgeber zur Geschichte der deutschen Chemie-Industrie. Wir werden sein Andenken in Ehren halten und sein konzernkritisches und antifaschistisches Werk fortführen.

(Urnenbeisetzung am Freitag, 25. Januar 2013 um 11.30 Uhr auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde/Gudrunstraße in Berlin).

Xarelto

CBG Redaktion

blitz-a-t (arznei telegramm), 10. Januar 2012

RIVAROXABAN (XARELTO): NEUARTIGE DRÜCKER-METHODE?

Heute kam der Paketbote und gab an, er müsse den Empfang eines Paketes von mir persönlich abzeichnen lassen. Das Päckchen war in der Farbe der berühmten Schokoladenkuh gehalten und sollte laut Aufschrift Neuigkeiten zu Rivaroxaban (XARELTO) enthalten. Der angebliche Quittungszettel entpuppte sich als Musteranforderung, weshalb ich die Annahme verweigerte. Ist ein solches Vorgehen von Seiten der Firma Bayer rechtens?

Dr. med. F. SCHUMACHER (Facharzt für Allgemeinmedizin)
D-90429 Nürnberg
Interessenkonflikt: keiner

Auch ein weiterer Kollege berichtet uns von dieser Methode. Als Mitglied von MEZIS(1) ärgert ihn besonders, dass er erst im Nachhinein bemerkt hat, dass ihm mit dem Päckchen als „Neuigkeit“ ein XARELTO-Muster untergeschoben worden ist. Pharmahersteller dürfen laut Arzneimittelgesetz Muster nur auf schriftliche Anforderung abgeben. Bei der Bayer-Methode liegt diese bis zum Zeitpunkt der Lieferung nicht vor. Eine Muster-„Anforderung” per Quittungszettel bei Lieferung erachten wir als untergeschobene Anforderung, die nicht vom Arzt initiiert wurde. Nach unserer Einschätzung wird hier versucht, die rechtlichen Vorgaben zu unterlaufen. Wir haben den Vorgang bei der zuständigen Landesbehörde angezeigt. Bayer geht allerdings kein besonderes Risiko ein. Allenfalls droht ein Bußgeld, das Firmen hierzulande üblicherweise aus der Portokasse bezahlen können.

(1) MEZIS = Mein Essen zahl ich selbst (http:www.mezis.de)

Redaktion arznei-telegramm

PS Eine Bewertung von Rivaroxaban (XARELTO) in den neu zugelassenen Indikationen Vorhofflimmern sowie Behandlung und Rezidivprophylaxe tiefer Venenthrombosen folgt in Kürze im arznei-telegramm.

A.T.I. Arzneimittelinformation Berlin GmbH
Bergstr. 38 A, Wasserturm, D-12169 Berlin, Fax: +49 30-79 49 02-20
http:
www.arznei-telegramm.de, E-Mail: redaktion@arznei-telegramm.de
Handelsregister: 10570 Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
Geschäftsführer: Wolfgang BECKER-BRÜSER

[SWB] STICHWORT BAYER

CBG Redaktion

6. Januar 2012

Stichwort BAYER: Ausgabe 1/2012 erschienen

Heute erscheint die Ausgabe 1/2012 des Magazins „Stichwort BAYER“: 32 Seiten spannende Berichte über die Kehrseiten der BAYER-Geschäftspolitik (plus die 16-seitige Beilage „Ticker“ mit Kurzmeldungen).

Probeheft anfordern unter CBGnetwork(at)aol.com

[IG Farben] STICHWORT BAYER 01/2012

CBG Redaktion

NS-Verbrecher in BAYER-Diensten

Das Kap der letzten Hoffnung

Nach dem Krieg setzte sich der hohe Nazi Walther Rauff nach Südamerika ab. Aber er blieb Deutschland verbunden: Rauff war zeitweilig für BAYER tätig und arbeitete für den Bundesnachrichtendienst.

Walther Rauff hatte gute Gründe, sich nach dem Krieg dem Zugriff der Alliierten zu entziehen. Im „Dritten Reich“ unterstand ihm nämlich die Entwicklung der Gaswagen. Diese mobilen Tötungskammern markierten ein Zwischenstadium hin auf dem Weg zum industrialisierten Massenmord in den KZ. Die Nazis ersannen sie, weil „Erschießen doch nicht die humanste Art sei“, sich seiner Feinde zu entledigen, wie Himmler befand. Seine Sorge galt dabei allerdings nicht den Opfern, sondern den Tätern. Der SS- und Polizeichef hatte 1941 in Minsk Massentötungen beigewohnt und sie als zu belastend für die Ausführenden erlebt. Deshalb erließ er den Befehl, nach einer „humaneren Tötungsart“ zu suchen.

Und so entstanden unter der Ägide von Walter Rauff als Gruppenleiter im Reichssicherheitshauptamt die Gaswagen. Sie leiteten tödliches Kohlenmonoxid von den Auspuffen in den Laderaum und brachten so den dort hineingepferchten Menschen den Tod. Rund 97.000 Menschen kamen auf diese Weise um. Von Minsk bis zum Kaukasus reichte die Blutspur. Rauff lehnte später jede Verantwortung dafür ab. „Ich war niemals persönlich anwesend, wenn die Todeswagen in Tätigkeit gesetzt wurden und in ihnen Personen getötet wurden“, erklärte er bei einer Vernehmung kurz nach dem Krieg. Und 1962 gab der Kriegsverbrecher zu Protokoll, dass seine Arbeit nur „die technische Seite betraf und mit der Tötung von Menschen nichts zu tun hatte“. Das anonymisierte und arbeitsteilige Töten erlaubte es den Nazi-Schergen, sich jeglichen Gefühls persönlicher Schuld zu entledigen - und genau das hatte Himmler mit seinem Vorstoß auch bezweckt.

Die KZ perfektionierten den maschinellen Mord dann weiter und machten die mobilen Gaskammern überflüssig. Rauff ging als Leiter einer Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei nach Tunis. Dort verpflichtete er alle männlichen Juden zur Zwangsarbeit und stellte ihrer Gemeinde die Kosten für die durch die alliierten Luftangriffe entstandenen Schäden in Rechnung: 20 Millionen Francs. Nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Nordafrika wechselte der NS-Funktionär nach Italien. Als Leiter der Gruppe „Oberitalien West“ führte Rauff dort ein hartes Regiment. So gab er den Befehl, für jeden getöteten Deutschen zehn Italiener zu erschießen, und ging gegen Streikende und WiderstandskämpferInnen vor. Seine Vorgesetzten dankten ihm dafür, „dass die Unruhen im Keim erstickt wurden oder niedergeschlagen wurden“ und verliehen im noch Februar 1945 das Kriegsverdienstkreuz.

Dementsprechend heißt es in der Akte „Rauff“, die der US-Geheimdienst nach dem Krieg anlegte: „Die ‚Quelle‘ ist, wenn sie je freikäme, als Bedrohung zu betrachten. Sofern sie nicht ausgeschaltet wird, sollte man sie für lebenslange Einsperrung empfehlen“. Auf freiem Fuß blieb Walther Rauff dann auch nicht lange. Er landete im Lager Rimini, brach aber bald aus. Dank bester Verbindungen zum Vatikan fand er zunächst in Klöstern Unterschlupf. Später kam der SS-Standartenführer in Kontakt zu einem syrischen Militär, der ihm anbot, seine NS-Erfahrungen zu nutzen und in dem vorderasiatischen Staat den Geheimdienst mit aufzubauen. Rauff nahm die Offerte an. Nach einem Machtwechsel musste er das Land jedoch wieder verlassen und kehrte über Beirut nach Italien zurück, um von dort aus Ende 1949 nach Südamerika aufzubrechen.

In BAYER-Diensten
Seine erste Station auf dem Kontinent war Ecuador. Nach verschiedenen Tätigkeiten in Handelsvertretungen für MERCEDES BENZ, OPEL und US-amerikanische Pharma-Multis trat Rauff in die Dienste der deutsch-ecuadorianischen Firma Moeller-Martinez ein. Hier durfte er sich wahrhaft zu Hause fühlen, denn die Familie Moeller-Martinez zählte zu den glühensten Parteigängern Hitlers in dem Staat. Firmenchef Gustavo Moeller-Martinez gehörte den ecuadorianischen Ablegern der Wehrmacht und Waffen-SS an, kämpfte wie sein Sohn im Zweiten Weltkrieg und wurde nach 1945 von den Alliierten festgesetzt.

Sein Unternehmen fühlte sich ebenfalls der Heimat verbunden. Es nahm die Interessen des Leverkusener Multis und anderer bundesdeutscher Gesellschaften in Ecuador wahr. Als Prokurist und Verkaufsleiter kümmerte sich Walter Rauff dort unter anderem um die Angelegenheiten des Chemie-Multis. Die „Aufgeschlossenheit“ von BAYER, MERCEDES & Co. für NS-Täter kam nicht von ungefähr. „Die Vertretungen von Firmen wie BAYER, HOECHST und BASF hatten oft alte Kameraden in Europa und Übersee inne“, schreibt der Historiker Gerald Steinacher in seinem Buch „Nazis auf der Flucht“. Simon Wiesenthal bezeichnete derweil die Niederlassungen von SIEMENS, KRUPP und VW in Argentinien als „reine Nazi-Nester“. Bei MERCEDES bestand fast die gesamte Führungsebene aus Einwanderern, darunter Wehrmachtsangehörige, SS-Offiziere und andere Funktionsträger. Sogar die schlimmsten Nazis wie Adolf Eichmann, der Organisator der Massendeportationen von Juden und Jüdinnen, oder der Schlachtflieger Hans-Ulrich Rudel fanden ein Auskommen bei MERCEDES oder anderen bundesdeutschen Betrieben. Steinacher zufolge war dies aber nicht nur ideologischen Seilschaften zu verdanken, auch ganz praktische Erwägungen leiteten diese Personalpolitik: Die Migranten sprachen Deutsch, hatten in der Regel eine gute Ausbildung und gaben sich hoch motiviert.

Über die Zahlen der aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern nach Südamerika geflüchteten Nationalsozialisten existieren unterschiedliche Angaben. Die Alliierten gingen von rund 50.000 Kriegsverbrechern aus. Der Historiker Holger M. Meding kommt in seinem Werk „Flucht vor Nürnberg?“ allein für Argentinien auf 19.000 EinwanderInnen. Dabei handelte es sich allerdings nicht nur um „Demokratie-Verfolgte“, wie sich die Faschisten selber nannten. Meding beziffert das Quantum der höheren NS-Funktionsträger unter den Neu-Argentiniern auf 300 bis 800 und das der gesuchten Kriegsverbrecher und Massenmörder auf 50. Gaby Weber spricht in „DAIMLER-BENZ und die Argentinien-Connection“ hingegen von „mindestens 300“ auf den Fahndungslisten stehenden Nazi-Größen.

Wie vielen davon BAYER Unterschlupf gewährte, darüber gibt es in der ohnehin spärlichen Literatur keine Informationen. Bekannt wurde nur noch ein weiterer Fall, der des Juan Felipe Darnand. Er gehörte zu der von den Nazis im besetzten Frankreich gegründeten französischen Miliz. Von Darnands Vater Joseph befehligt, machte die Truppe Jagd auf Resistance-KämpferInnen. Als sich die Vichy-Regierung nach der Landung der Alliierten auf das Schloss Sigmaringen zurückziehen musste, bildeten die Milizionäre zusammen mit ein paar hundert Soldaten ihre Leibgarde. Diese Nibelungentreue machte sie nach dem Krieg zu gesuchten Kollaborateuren. Joseph Darnand erhielt das Todesurteil und wurde erschossen. Seinem Sohn gelang unter dem Decknamen Felipe Foucachon die Flucht nach Argentinien, wo er dann unter anderem bei BAYER Arbeit fand.

Treu zu NS-Diensten
Die Seilschaften, die so etwas ermöglichten, hatten sich in den 1930er Jahren herausgebildet. Im September 1937 hielten die Manager der von BAYER mitgegründeten IG FARBEN fest: „Es versteht sich dabei von selbst, dass keine Männer in unsere ausländischen Niederlassungen geschickt werden, die nicht der Deutschen Arbeitsfront angehören und die keine positive Haltung der neuen Ordnung gegenüber haben. Die dorthin beorderten Männer sollten es als ihre besondere Pflicht ansehen, das nationalsozialistische Deutschland zu repräsentieren“ (rückübersetzt aus dem Englischen, Anm. SWB).

Gemäß dieser Direktive leisteten die Angestellten BAYERs und anderer IG-Firmen wichtige Dienste für das faschistische Vaterland. Oft waren sie überdies direkt für Nazi-Organisationen tätig. So baute der BAYER-Manager und NSDAP-Funktionär Werner Siering den NS-Geheimdienst in Chile auf, während zwei seiner Kollegen in Venezuela für die Partei und den damaligen militärischen Abschirmdienst arbeiteten. In Mexiko war Baron von Humboldt in Personalunion Chef der dortigen IG-Niederlassung und der Gestapo. In Ecuador hatte L. E. Brueckmann, Leiter der zur IG FARBEN gehörenden Firma BRUECKMANN & Co., gleichzeitig das Amt eines Konsuls inne und wählte auch seine Konsulatsmitarbeiter teilweise aus Belegschaftskreisen aus. Darüber hinaus hatten zwei seiner Beschäftigten hohe Positionen in der ecuadorianischen Nazi-Partei inne. In Peru gehörten derweil zwei NS-Geheimdienstler zu den Führungskräften, und die BASF- und BAYER-Zentralen in Rio de Janeiro bezeichnete der für die Nürnberger Prozesse erstellte Untersuchungsbericht sogar als „Hauptzentren der Nazi-Aktivitäten in Brasilien“.

Darüber hinaus stellten die so genannten Verbindungsmänner der IG FARBEN in ihren monatlichen Bulletins wichtige politische, wirtschaftliche und militärische Informationen über die südamerikanischen Länder zusammen und verzeichneten beispielsweise Aufrüstungsbestrebungen oder Waffenlieferungen. „Natürlich verfügt ein Konzern wie die IG FARBEN (...) über Erfahrungen und Wissen, das von den Regierungsstellen nicht gesammelt werden kann (...) Darum ist es die Pflicht unseres Führungspersonals außerhalb Deutschlands, seine Kenntnisse allen staatlichen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen“, konstatierte IG-Direktor Max Ilgner 1936 nach einer Lateinamerika-Dienstreise.

Zudem gewährten die südamerikanischen IG-Gesellschaften vielen Nazi-Spionen Unterschlupf und arbeiteten eng mit dem „Aufklärungsausschuss“ zusammen, dem Auslandsableger von Goebbels‘ Propaganda-Ministerium. Auch spendeten sie eifrig für die NSDAP. Allein die brasilianischen BAYER-Niederlassungen brachten mehr als 3,6 Millionen Reichsmark für die Organisation auf.

BAYER & das Militär
Nach dem Krieg lebten diese Traditionen fort. Eine „Entnazifizierung“ hatten die Hitler-Getreuen in Lateinamerika noch weniger zu fürchten als ihre Kollegen daheim. Das politische Umfeld auf dem Kontinent mit seinen oftmals autokratischen oder diktatorischen Regimen kam ihnen dabei sehr entgegen. Die ideologische Wahlverwandtschaft ermöglichte ein enges Verhältnis zu den Machthabern. So klagte noch 1978 der brasilianische Gewerkschaftler Jose Ibrahim über die guten Beziehungen bundesdeutscher Unternehmen zu den Generälen: „Aus der Bundesrepublik Deutschland sind da insbesondere VW, DAIMLER-BENZ, MANNESMANN, KRUPP, BAYER, HOECHST, SIEMENS, BASF, VOIGT u. a. zu nennen. Man könnte die Liste beliebig fortsetzen, zu der etwa 50 große westdeutsche Konzerne gehören, die in Brasilien die Privilegien genießen, die ihnen die Militärdiktatur einräumt“. Und zu diesen Privilegien gehörte vor allem, mit den Beschäftigten nach Belieben umspringen zu können. „Bei allen ausländischen Multis herrscht Repression in den Fabrikhallen: Der Arbeiter, der seine berechtigten Forderung stellt, der reklamiert, der protestiert, wird gefeuert und sofort bei der Polizei denunziert“, so Ibrahim.

Argentinien hat der als „Nazi-Jäger“ berühmt gewordene Simon Wiesenthal wegen seines Wohlwollens gesuchten Nazi-Größen gegenüber einmal als „Kap der letzten Hoffnung“ für Kriegsverbrecher bezeichnet. Andere Länder standen dem Andenstaat jedoch kaum nach. Walther Rauff wählte schließlich Chile als Wahlheimat. Er verließ Ecuador 1958 und beendete damit auch seine Dienste für BAYER. Unter anderem im Bundesnachrichtendienst fand er - wiederum durch alte Seilschaften - einen neuen Arbeitgeber. Seine Überzeugungen änderte Rauff nie. Auslieferungs- und Ausweisungsgesuche, von Wiesenthal, Beate Klarsfeld und anderen betrieben, scheiterten immer wieder. So konnte seine Beerdigung 1984 zu einem Klassentreffen Rechtsextremer werden, mit „Sieg Heil“- und „Heil Hitler“-Rufen und Flugblättern, die den Holocaust leugneten.
Von Jan Pehrke