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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[avaaz] Bienensterben

CBG Redaktion

2. Mai 2012

970.000 Personen aus aller Welt haben die jüngste Petition von avaaz unterzeichnet. Alle Infos zur Kampagne

24 Stunden zur Rettung der Bienen

Liebe Freundinnen und Freunde,

Lautlos sterben weltweit Milliarden von Bienen und unsere gesamte Nahrungskette ist in Gefahr. Doch wenn Bayer den Verkauf einer bestimmten Gruppe von Pestiziden stoppt könnten wir die Bienen vor der Ausrottung bewahren.

Vier Länder Europas haben bereits begonnen, diese Gifte zu verbieten, und einige Bienenvölker erholen sich langsam. Doch Bayer, der größte Produzent von Neonicotinoiden, setzt sich stark dafür ein, sie auf dem Markt zu lassen. Nun hat weltweiter Druck von Avaaz und anderen Bayer gezwungen, den Tatsachen ins Auge zu sehen -- und in 24 Stunden stimmen Bayer-Aktionäre über einen Antrag ab, der den giftigen Chemikalien ein Ende setzen könnte. Handeln wir jetzt und bringen wir die Aktionäre dazu, den Bienenmord aufzuhalten.

Der Druck zeigt Wirkung und dies ist die beste Gelegenheit, die Bienen zu retten. Unterzeichnen Sie die dringende Petition und erzählen Sie Freunden und Bekannten davon -- gemeinsam erreichen wir eine halbe Million Unterzeichner. Unsere Petition wird morgen direkt an die Aktionäre in Köln überreicht!

http:www.avaaz.org/de/bayer_save_the_bees/?vl

Bienen machen nicht nur Honig, sie sind entscheidend für das Fortbestehen von Leben auf der Erde und bestäuben 90% der Pflanzen, die wir anbauen -- mit einem geschätzten Wert von 40 Milliarden Dollar, mehr als ein Drittel des Nahrungsangebots in vielen Ländern. Ohne dringendes Handeln zur Rettung der Bienen könnten viele unserer beliebtesten Früchte, Gemüse und Nüsse von den Regalen der Geschäfte verschwinden.

In den vergangenen Jahren sind Bienenvölker weltweit in erschreckendem Ausmaß geschrumpft -- einige Bienenarten sind bereits ausgestorben und in den USA sind einige Arten bei nur noch 4% ihrer vorherigen Anzahl. Wissenschaftler suchen nach Erklärungen. Einige Studien kommen zu dem Schluss, dass eine Kombination verschiedener Faktoren wie Krankheiten, der Verlust des natürlichen Habitats und giftiger Chemikalien für das Bienensterben verantwortlich sind. Doch immer häufiger finden unabhängige Untersuchungen Belege dafür, dass die Hautschuld bei den Neonicotinoid-Pestiziden liegt. Frankreich, Italien, Slowenien und sogar Deutschland, Standort des Hauptproduzenten Bayer, haben eine Art der Bienenkiller verboten, doch Bayer exportiert seine Gifte munter weiter in die ganze Welt.

Die neuen Studien haben das Ausmaß des Problems bestätigt und eine hitzige Debatte ist nun neu entfacht. Wenn wir die Bayer-Aktionäre zum Handeln bringen, könnten wir Bayers Einfluss auf politische Entscheidungsträger und Wissenschaftler ein für allemal ein Ende setzen. Die wahren Experten auf diesem Gebiet -- Imker und Landwirte -- wollen, dass die tödlichen Pestizide verboten werden bis eindeutig festgestellt ist, dass sie unschädlich sind. Unterstützen wir sie jetzt: Unterzeichnen Sie die dringende Petition an die Bayer-Aktionäre jetzt und leiten Sie diese Email weiter.

http:www.avaaz.org/de/bayer_save_the_bees/?vl

Wir können unsere empfindliche Nahrungskette nicht in den Händen von wissenschaftlichen Studien, die von Chemiekonzernen und Behörden, die ihnen verpflichtet sind, lassen. Ein Verbot dieser Pestizide macht die Welt sicherer, sowohl für uns als auch für Tier- und Pflanzenarten, die uns wichtig sind.

[HV Bericht] Bayer HV 2012

CBG Redaktion

BAYER-HV 2012 im Zeichen der Kritik

Demonstration vor dem Saal / 20 Redebeiträge von Kritischen AktionärInnen / Ein etwas anderes BAYER-Kreuz als Abschiedsgeschenk der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) für Dr. Manfred Schneider (Vorstandsvorsitzender 1992 bis 2002, danach Aufsichtsratsvorsitzender bis 2012)

Am 27. April 2012 hat BAYER dafür Sorge getragen, dass die etwa 3 Tsd. nach Köln anreisenden BAYER-AktionärInnen keinen Kontakt mit den zahlreich vor der Hauptversammlung demonstrierenden KritikerInnen hatten: Der Konzern hat das Areal großräumig mit Sperrgittern umzäunt, die Busse mit den AktionärInnen fuhren durch spezielle Einlässe, die DemonstrantInnen mussten draußen bleiben. Einmal mehr stellte der Konzern sein mangelndes Demokratie-Verständnis unter Beweis, er sperrte Kritik kurzerhand aus.

Das änderte jedoch nichts daran, dass deutlich wurde, dass der Konzern massiv im Kreuzfeuer umfangreicher Kritik steht. Die Presse titelte „BAYER: Zwischen Jubel und Tribunal“.

Bei den Protesten vor dem Saal ging es um tödliche Menschenversuche, Arbeitsplatzvernichtung, gefährliche Medikamente mit tödlichen Risiken, Nanotechnik, verweigerte Entschädigungen für die Opfer von BAYER-Pharmazeutika, die ultragefährliche CO-Pipeline durch
dichtbesiedelte Ballungsgebiete, millionenfache Tierversuche und immer wieder um das weltweite Bienensterben durch BAYER-Gifte, das die Lebensgrundlagen der Menschheit in Gefahr bringt. Zu den Protesten waren auf Einladung der CBG Imker aus Österreich und andere Gäste aus dem In- und Ausland angereist.

Im Saal sprachen 28 RednerInnen, 20 davon waren Kritische AktionärInnen. Und selbst von den VertreterInnen der Aktionärsgemeinschaften kamen hartnäckige Fragen zu den von der CBG und deren Gästen angesprochenen Themen. Die Versammlungsleitung reagierte darauf, indem sie nach dem ersten Frageblock die Redezeit kurzerhand von 10 auf 5 Minuten reduzierte.

Nachdem BAYER-Chef Dekkers zu Beginn der Veranstaltung noch versuchte, Stimmung gegen die CBG und ihre Gegenanträge zu machen, reagierte er schließlich auf die erdrückenden Argumente und Fakten der GegenrednerInnennur noch stereotyp mit ausweichenden und verharmlosenden Stellungnahmen. Insbesondere den Opfern wie etwa den Medikamentengeschädigten gegenüber zeigte sich Dekkers kalt. Zwar betonte er, dass ihm die Schicksale sehr zu Herzen gingen, er leugnete aber nicht nur jede BAYER-Verantwortung für die Todesfälle und die zahllosen lebensbedrohlichen Gesundheitsschäden durch Menschenversuche und BAYER-Medikamente, sondern bezeichnete die BAYER-Produkte weiterhin sogar als „sicher“ und weigerte sich, diese vom Markt zu nehmen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren vertrat erneut zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre rund 40 Tsd. Aktien im Börsenwert von etwa 2,2 Mio. Euro. Bei den Abstimmungen stimmten stets sehr viel mehr Aktien mit Nein, als die CBG zur HV mitgebracht hatte. Selbst bei der Dividende waren es weit über 100 Tsd. Aktien. Bei der Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand kamen sogar rd. 1,6 Mio. Stimmen hinzu. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat stimmten im Fall des ehemaligen BAYER-Chefs Werner Wenning, den der Konzern nun zum Aufsichtsratsvorsitzenden machte, 12,9 und im Fall von Dr. Kleinfeld, dem ehemaligen SIEMENS-Boss, sogar 33,4 Mio. Stimmen mit Nein.
Dabei ist zu beachten, dass BAYER die Enthaltungen komplett unter den Tisch fallen lässt. Sie werden einfach nicht angegeben. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass das durchaus mehrere Prozent sein können.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Auf der HV waren ca. 450 Mio. Stimmen vertreten (von insgesamt ca. 833 Mio. Stimmen). Die GroßaktionärInnen, die sogenannten Investoren, haben mit ihren Multimillionen Stimmen stets für satte Mehrheiten von weit über 90 Prozent gesorgt.

Die Hauptversammlung 2012 war eine besondere: Sie verabschiedete den langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Manfred Schneider, der von BAYER und den Medien als ökonomischer Superstar gehandelt wird. 38 Jahre im Konzern, prägte er 20 Jahre lang das Unternehmen an der Spitze des Konzerns. Als „ungekrönter König der Deutschland AG“ galt er lange Zeit als „mächtigster Mann Deutschlands“ (manager magazin).

Die CBG würdigte seinen Abgang auf ihre Art: Sie überreichte ihm zum Abschied „ein etwas anderes BAYER-Kreuz“, eines der Kreuze, die sie bei den Protesten in Gedenken an die zahllosen Opfer der BAYER-Produkte und der Arbeitsplatzvernichtung durch das Unternehmen eingesetzt hat. Allerdings war der Redebeitrag von Köhler-Schnura von der BAYER-Regie nahezu auf das Ende der HV gelegt worden, so dass die Medien die alternative Würdigung von Herrn Schneider nicht mehr vor Redaktionsschluss zur Kenntnis nehmen konnten.

[Aktionsbericht] Bayer HV 2012

CBG Redaktion

Aktionsbericht zur Hauptversammlung des BAYER-Konzerns

Freitag, 27. April 2012 - 08.00 Uhr bis ca. 18.00 Uhr

BAYER-HV 2012 im Zeichen der Kritik

Demonstration vor dem Saal / 20 Redebeiträge von Kritischen AktionärInnen / Ein etwas anderes BAYER-Kreuz als Abschiedsgeschenk der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) für Dr. Manfred Schneider (Vorstandsvorsitzender 1992 bis 2002, danach Aufsichtsratsvorsitzender bis 2012)

Am 27. April 2012 hat BAYER dafür Sorge getragen, dass die etwa 3 Tsd. nach Köln anreisenden BAYER-AktionärInnen keinen Kontakt mit den zahlreich vor der Hauptversammlung demonstrierenden KritikerInnen hatten: Der Konzern hat das Areal großräumig mit Sperrgittern umzäunt, die Busse mit den AktionärInnen fuhren durch spezielle Einlässe, die DemonstrantInnen mussten draußen bleiben. Einmal mehr stellte der Konzern sein mangelndes Demokratie-Verständnis unter Beweis, er sperrte Kritik kurzerhand aus.

Das änderte jedoch nichts daran, dass deutlich wurde, dass der Konzern massiv im Kreuzfeuer umfangreicher Kritik steht. Die Presse titelte „BAYER: Zwischen Jubel und Tribunal“.

Bei den Protesten vor dem Saal ging es um tödliche Menschenversuche, Arbeitsplatzvernichtung, gefährliche Medikamente mit tödlichen Risiken, Nanotechnik, verweigerte Entschädigungen für die Opfer von BAYER-Pharmazeutika, die ultragefährliche CO-Pipeline durch dichtbesiedelte Ballungsgebiete, millionenfache Tierversuche und immer wieder um das weltweite Bienensterben durch BAYER-Gifte, das die Lebensgrundlagen der Menschheit in Gefahr bringt. Zu den Protesten waren auf Einladung der CBG Imker aus Österreich und andere Gäste aus dem In- und Ausland angereist.

Im Saal sprachen 28 RednerInnen, 20 davon waren Kritische AktionärInnen. Und selbst von den VertreterInnen der Aktionärsgemeinschaften kamen hartnäckige Fragen zu den von der CBG und deren Gästen angesprochenen Themen. Die Versammlungsleitung reagierte darauf, indem sie nach dem ersten Frageblock die Redezeit kurzerhand von 10 auf 5 Minuten reduzierte.

Nachdem BAYER-Chef Dekkers zu Beginn der Veranstaltung noch versuchte, Stimmung gegen die CBG und ihre Gegenanträge zu machen, reagierte er schließlich auf die erdrückenden Argumente und Fakten der GegenrednerInnennur noch stereotyp mit ausweichenden und verharmlosenden Stellungnahmen. Insbesondere den Opfern wie etwa den Medikamentengeschädigten gegenüber zeigte sich Dekkers kalt. Zwar betonte er, dass ihm die Schicksale sehr zu Herzen gingen, er leugnete aber nicht nur jede BAYER-Verantwortung für die Todesfälle und die zahllosen lebensbedrohlichen Gesundheitsschäden durch Menschenversuche und BAYER-Medikamente, sondern bezeichnete die BAYER-Produkte weiterhin sogar als „sicher“ und weigerte sich, diese vom Markt zu nehmen.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren vertrat erneut zusammen mit dem Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre rund 40 Tsd. Aktien im Börsenwert von etwa 2,2 Mio. Euro. Bei den Abstimmungen stimmten stets sehr viel mehr Aktien mit Nein, als die CBG zur HV mitgebracht hatte. Selbst bei der Dividende waren es weit über 100 Tsd. Aktien. Bei der Entlastung von Aufsichtsrat und Vorstand kamen sogar rd. 1,6 Mio. Stimmen hinzu. Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat stimmten im Fall des ehemaligen BAYER-Chefs Werner Wenning, den der Konzern nun zum Aufsichtsratsvorsitzenden machte, 12,9 und im Fall von Dr. Kleinfeld, dem ehemaligen SIEMENS-Boss, sogar 33,4 Mio. Stimmen mit Nein.

Dabei ist zu beachten, dass BAYER die Enthaltungen komplett unter den Tisch fallen lässt. Sie werden einfach nicht angegeben. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass das durchaus mehrere Prozent sein können.

Damit es keine Missverständnisse gibt: Auf der HV waren ca. 450 Mio. Stimmen vertreten (von insgesamt ca. 833 Mio. Stimmen). Die GroßaktionärInnen, die sogenannten Investoren, haben mit ihren Multimillionen Stimmen stets für satte Mehrheiten von weit über 90 Prozent gesorgt.

Die Hauptversammlung 2012 war eine besondere: Sie verabschiedete den langjährigen Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Manfred Schneider, der von BAYER und den Medien als ökonomischer Superstar gehandelt wird. 38 Jahre im Konzern, prägte er 20 Jahre lang das Unternehmen an der Spitze des Konzerns. Als „ungekrönter König der Deutschland AG“ galt er lange Zeit als „mächtigster Manager Deutschlands“ (manager magazin).

Die CBG würdigte seinen Abgang auf ihre Art: Sie überreichte ihm zum Abschied „ein etwas anderes BAYER-Kreuz“, eines der Kreuze, die sie bei den Protesten in Gedenken an die zahllosen Opfer der BAYER-Produkte und der Arbeitsplatzvernichtung durch das Unternehmen eingesetzt hat. Allerdings war der Redebeitrag von Köhler-Schnura von der BAYER-Regie nahezu auf das Ende der HV gelegt worden, so dass die Medien die alternative Würdigung von Herrn Schneider nicht mehr vor Redaktionsschluss zur Kenntnis nehmen konnten.
Weitere Reden, Aktionsfotos und Infos: www.CBGnetwork.org

Yasmin

CBG Redaktion

Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet 2x über die Proteste zur BAYER-Hauptversammlung gegen risikoreiche Antibaby-Pillen von BAYER. alle Infos zur Kampagne

Noch mehr Ärger mit der Pille

Die Aktionäre von Bayer machen sich Sorgen

28. April -- Die Zukunft von Bayer, sie scheint in Berlin zu liegen. In der Hauptstadt sitzt die Pharmatochter des Leverkusener Dax-Unternehmens, und auf ihr ruhen Milliardenhoffnungen. Denn der Umsatz- und Gewinnzuwachs, den der Pharma- und Chemiekonzern für 2013 in Aussicht gestellt hat, soll besonders durch neue Medikamente gelingen. „Dabei ist vor allem die optimale Vermarktung unserer fortgeschrittenen Produktentwicklungen bei Pharma entscheidend“, bekräftigte Konzernchef Marijn Dekkers am Freitag auf der Hauptversammlung in Köln.
Nach mehreren Jahren mit geringem Wachstum in der Pharmasparte sollen vier neue Präparate künftig mehr als fünf Milliarden Euro Umsatz jährlich einbringen. Allein dem Schlaganfallmittel Xarelto, das vor kurzem auf den Markt kam, traut der Konzern Erlöse von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr zu.
Doch der Erfolg der Pharma-Sparte, die Bayer 2006 durch den Zukauf von Schering massiv stärkte, wird von fast 12 000 Klagen gegen den Konzern in den USA getrübt. Die Betroffenen beklagen Gesundheitsschäden wegen der Antibabypillen der Produktfamilie Yasmin, deren neuartiger Wirkstoff Drospirenon im Verdacht steht, ein höheres Risiko für Thrombosen zu bergen als andere Pillen. Mit 651 Klägerinnen habe sich Bayer auf Vergleiche in Höhe von 107 Millionen Euro geeinigt, sagte Dekkers. Bayer habe nur Vergleichen zugestimmt, bei denen Ansprüche wegen venöser Blutgerinnsel – etwa Lungenembolien – erhoben worden seien. Eine solche Erkrankung werde aber in weniger als der Hälfte der Klagen behauptet. Der Konzern habe „industrieüblichen Versicherungsschutz“, könne aber nicht ausschließen, „dass dieser zur Deckung sämtlicher Kosten nicht ausreichen wird“, sagte Dekkers. Man habe aber „angemessene bilanzielle Rückstellungen" gebildet.
Aktionärsschützer zeigten sich besorgt. „Das ist kein Gerinnsel, das ist ein Risiko“, sagte Hans-Martin Buhlmann von der Vereinigung Institutionelle Privatanleger (VIP) auf der Hauptversammlung mit rund 3000 Aktionären. „Ist das Lipobay 2?“, fragte auch Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Den Cholesterinsenker hatte Bayer nach etlichen Todesfällen 2001 vom Markt genommen. „Verlässliche Schätzungen zur weiteren Entwicklung der Klagen bei Yasmin und Yaz sind uns nicht möglich“, antwortete Dekkers. Martin Jensch, Anwalt der deutschen Klägerin Felicitas Rohrer, wies erneut auf Studien hin, die den Pillen mit Drospirenon ein bis zu dreifach erhöhtes Thromboserisiko bescheinigen. Diese Studien seien in den Beipackzetteln der Pillen berücksichtigt, sagte Dekkers.
Die jüngsten Spekulationen um ein Interesse von Bayer an der Tiermedizin- Sparte von Pfizer wollte der Konzernchef nicht bestätigen. „Unser Fokus liegt primär auf internem Wachstum.“ Zukäufe im Gesundheitsbereich seien aber nicht ausgeschlossen.
Die Hauptversammlung war die letzte des Aufsichtsratschefs Manfred Schneider. Der 73-Jährige, der seit 46 Jahren für Bayer arbeitet, verlässt Ende September den Konzern. Ihm soll dann an der Spitze des Aufsichtsrats der ehemalige Bayer-Chef Werner Wenning (65) folgen. Das Kontrollgremium wurde am Freitag für fünf Jahre neu gewählt. Dekkers und das Aufsichtsratsmitglied Paul Achleitner dankten Schneider für seine Verdienste. Der Konzernumbau, an dem der Aufsichtsratschef beteiligt war, sei eine „Herkulesaufgabe“ gewesen, sagte Achleitner, die „höchst erfolgreich bewältigt“ wurde. Die aktuellen Zahlen seien dafür der beste Beweis. Jahel Mielke

Die Risiko-Frage

Bayer drohen wegen der Klagen um die Antibaby-Pille hohe Kosten und Protest auf der Hauptversammlung

23. April 2012 - Zwanzig Minuten lang war Felicitas Rohrer klinisch tot – ihr Herz hatte nach einer Lungenembolie versagt. Viereinhalb Stunden operierten die Ärzte und retteten schließlich das Leben der 25-Jährigen. Rohrer hatte keine bekannten Vorerkrankungen, kein Risiko in der Familie. Warum sie so schwer krank wurde, ist für die junge Frau klar. „Bayer hat mein Leben zerstört“, sagt sie. „Dass ich überlebt habe, ist ein Wunder.“
Von Oktober 2008 bis Juli 2009 nahm die junge Frau die Antibaby-Pille Yasminelle des Leverkusener Chemie- und Pharmakonzerns. Mit der Produktfamilie, zu der das Präparat gehört, macht die Berliner Pharmatochter von Bayer einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Euro im Jahr. Zugleich brachten die Mittel dem Konzern in den USA bisher mehr als 11 300 Klagen wegen Gesundheitsschäden ein. Denn wegen des neuartigen Wirkstoffs Drospirenon, der in Yasmin, Yaz und Yasminelle steckt, stehen sie imVerdacht, ein höheres Risiko für Thrombosen zu bergen als andere Antibaby-Pillen. Thrombosen sind Blutgerinnsel, die in den Venen entstehen und zu Schlaganfällen und Embolien führen können. Auf der Hauptversammlung von Bayer am Freitag soll es erneut Protest gegen die Präparate geben.
Felicitas Rohrer bekam Anfang 2009 schlechter Luft, fühlte sich schlapp, hatte Schmerzen im Bein. „Ich dachte, das ist der Stress“, sagt sie. Sechs Monate später brach sie zusammen. Heute, knapp drei Jahre später, kämpft sie noch immer mit den Folgen dieses Tages. Vor dem Zusammenbruch hatte Rohrer ihr Studium zur Tierärztin abgeschlossen, nun kann sie ihren Beruf nicht mehr ausüben. Um ihr Leben zu retten, mussten die Ärzte ihr Brustbein durchtrennen. „Ich darf nichts Schweres mehr heben, kann nicht lange stehen“, sagt Rohrer. Dass sie täglich blutverdünnende Mittel einnehmen muss, ist weit mehr als lästig. „Kinder werde ich, solange ich die Mittel schlucke, nicht bekommen können“, sagt sie.
Im vergangenen Jahr entschied die heute 27-Jährige, Bayer zu verklagen. Sie war die erste, die das hierzulande tat. Denn anders als in den USA sind in Deutschland keine Sammelklagen möglich, das Risiko für die Betroffenen ist viel höher. Schmerzensgeld und Schadenersatz will Rohrer, und mittlerweile ist sie nicht mehr die einzige. Als sie 2011 mit ihrem Fall an die Öffentlichkeit ging, lernte sie drei weitere Betroffene kennen, mit ihnen gründete sie eine Selbsthilfegruppe. Eine der Frauen, Kathrin Weigele, geht nun ebenfalls gerichtlich gegen Bayer vor.
Rohrers Anwalt verweist auf die „schädlichen Wirkungen“ von Yasminelle, „die über ein nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft vertretbares Maß hinausgehen“. Drospirenon, so konstatiert der Anwalt, führe im Vergleich zu Pillen der vorherigen Generation zu einem „bis zu doppelten Thromboserisiko“. Bayer verneint dies. „Alle kombinierten oralen Kontrazeptiva von Bayer, auch die mit Drospirenon, haben ein positives Nutzen-Risiko-Profil, wenn sie gemäß ihrer Indikation eingenommen werden“, teilte eine Bayer-Sprecherin auf Anfrage mit. Es gebe keine einheitliche wissenschaftliche Meinung dazu, ob das Risiko bei Drospirenon-Pillen höher sei als bei anderen. Zu Felicitas Rohrers Fall wollte Bayer sich mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. „Wir bedauern, was Frau Rohrer widerfahren ist“, sagte die Sprecherin.
In den USA gerät Bayer wegen der Klagen nun zunehmend unter Druck. Die Verfahren sind derzeit offiziell ausgesetzt, die Mediation, die der Richter Ende 2011 angeordnet hatte, läuft aber nur noch bis zum 30. April. Mit 170 Klägern hat Bayer nach eigenen Angaben bereits einen Vergleich in unbekannter Höhe geschlossen – ohne Anerkennung einer Haftung. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider jüngst, dass der Konzern sich mit 500 Klägern auf eine Summe von mindestens 110 Millionen Dollar geeinigt habe – pro Fall wären das 220 000 Dollar. „Neben einem Schmerzensgeld steht den Klägern auch ein materieller Schadenersatz zu, wegen Verdienstausfällen, Haushaltsführungsschäden, Fahrt- oder Beerdigungskosten“, sagte Tobias Kiwitt, Rechtsanwalt in der Kanzlei Ciper & Coll.
Bayer bestätigte die Zahlen nicht, einige Analysten reagierten aber alarmiert. Die bisherige Schätzung der Belastung des Konzerns sei zu niedrig, schrieben Experten der Investmentbank JP Morgan. Sie schätzten die Gesamtkosten zur Beilegung aller 11 300 Fälle damit auf über zwei Milliarden Euro. Bayer teilte dazu mit, dass der Konzern „von Fall zu Fall“weiter „die Möglichkeit eines Vergleichs einzelner Rechtsstreitigkeiten in den USA in Betracht ziehen“ werde. Mit zusätzlichen Verfahren sei zu rechnen. Der Konzern sei in „industrieüblichem Umfang gegen Produkthaftungsrisiken versichert“. Abhängig vom weiteren Verlauf der Yasmin- und Yaz-Klagen sei es allerdings möglich, dass der bestehende Versicherungsschutz nicht ausreichen könnte, um sämtliche Verteidigungskosten und etwaige Schadenersatzleistungen vollständig abzudecken, hieß bei Bayer in Berlin.
Die Chancen der Kläger könnten zudem durch die jüngste Verschärfung der Warnhinweise für die drospirenonhaltigen Pillen in den USA gestiegen sein. Vor etwa zwei Wochen passte Bayer den Beipackzettel auf Drängen der US-Gesundheitsbehörde FDA an, nun wird davor gewarnt, dass das Thromboserisiko bei diesen Pillen im Vergleich zu anderen Verhütungsmitteln höher sein könnte. In der EU waren die Warnhinweise für Yaz, Yasminelle und Yasmin, die seit 2001 auf dem Markt sind, schon im vergangenen Jahr verschärft worden.
Wann die Verfahren in den USA wieder aufgenommen werden, ist offen. Auch Felicitas Rohrer wartet auf ihren Prozess. Sie hatte versucht, sich mit Bayer außergerichtlich zu einigen, war damit aber gescheitert. „Ich will Gerechtigkeit“, sagt sie, „und dass Bayer Verantwortung für seine Produkte übernimmt.“ Zwei Mal hat sie bereits auf der Hauptversammlung des Konzerns gesprochen, dieses Mal, am Freitag, wird nur ihr Anwalt auftreten. Rohrer will sich auf ihren Neuanfang konzentrieren, gerade macht sie eine Ausbildung zur Journalistin. „Nochmal auf der Hauptversammlung zu sprechen, dafür fehlt mir gerade die Kraft“, sagt sie. von Jahel Mielke

Pharmapatente

CBG Redaktion

27. April 2012, Ärzte ohne Grenzen

Hauptversammlung der Bayer AG:

Statement von Ärzte ohne Grenzen zu Patentstreit in Indien

Zur Hauptversammlung der Bayer AG in Köln erklärt Philipp Frisch von der Medikamentenkampagne von Ärzte ohne Grenzen, der auch persönlich bei der Hauptversammlung spricht:

„Geistige Eigentumsrechte, allen voran Patente, sind in vielen Fällen eine große Barriere für den Zugang zu lebensnotwendigen Medikamenten. Vor allem in ärmeren Ländern sind die hohen Preise patentgeschützter Präparate nicht finanzierbar.

Die Zwangslizenz auf das Bayer-Medikament Nexavar™, die im März diesen Jahres von der indischen Patentbehörde für Indien erlassen wurde, ist in diesem Zusammenhang ein wichtiges Signal.

Das Patentamt begründete die Entscheidung damit, dass Bayer es versäumt habe, den Preis für das Medikament auf eine für Patienten bezahlbare Höhe herabzusetzen und es in ausreichender Menge in Indien zur Verfügung zu stellen.

Damit hat die Behörde klar gemacht, dass Patentmonopole kein Freifahrtschein für überteuerte Preise sind. Bayer sollte diese Entscheidung im Sinne der Patienten akzeptieren und keine weiteren rechtlichen Schritte einleiten. Die Gesundheit und das Leben von Patienten in ärmeren Ländern wiegen schwerer als das Gewinninteresse privater Unternehmen.“

Zwangslizenzen sind im internationalen Handelsrecht verankert. Sie ermöglichen Staaten, bestehende Patente teilweise zu umgehen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen – etwa wenn durch zu hohe Preise der Zugang von Patienten zu Medikamenten beeinträchtigt wird. Die Hersteller werden im Gegenzug zur Zahlung einer Lizenzgebühr an den Patentinhaber verpflichtet.

[Nanotubes] Bayer Hauptversammlung

CBG Redaktion

Presse Information vom 26. April 2012

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband NRW
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

BAYER-Hauptversammlung: BUND kritisiert Risiken von Nanotubes

Gefahrenpotential weitgehend unbekannt / Produktion in Leverkusen und Laufenburg geplant / 4000 Aktionäre in morgiger Versammlung erwartet

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisieren die geplante Genehmigung einer Produktionsanlage für sogenannte Carbon Nanotubes (CNT) in Laufenburg am Hochrhein. Claudia Baitinger vom BUND NRW wird hierzu in der morgigen Hauptversammlung der BAYER AG in den Kölner Messehallen sprechen. Erwartet werden rund 4.000 Aktionärinnen und Aktionäre. Mehrere Umweltverbände und Privatpersonen hatten Einwendungen gegen die Genehmigung der Anlage eingereicht.

„Ein mit Nanotubes vergleichbares Material kommt in der Natur nicht vor. Der derzeitige Wissensstand zum Gefahrenpotential von CNT ist zudem gering - dies ist angesichts einer geplanten Großproduktion nicht zu akzeptieren,“ sagte Claudia Baitinger, Chemieexpertin des BUND. Die derzeit gültigen Umwelt- und Arbeitsschutzgesetze seien geschaffen worden, als Nanoteilchen noch nicht großtechnisch produziert wurden. Die Genehmigungsverfahren für die Anlagen in Leverkusen oder Laufenburg seien daher mit den bestehenden Regelungen nicht beherrschbar.

Die Laufenburger Anlage, die von der Firma H.C. Starck im Auftrag der BAYER MaterialScience AG betrieben wird, hatte im Jahr 2006 eine befristete Genehmigung als Versuchsanlage erhalten. Die Produktion soll nun von 30 auf 75 to/Jahr ausgeweitet werden und eine dauerhafte Genehmigung erhalten. BAYER selbst betreibt in Leverkusen ebenfalls eine Versuchsanlage, die sogar eine maximale Kapazität von 200 Jahrestonnen besitzt. Da diese nicht wie geplant funktioniert, soll nun auf die Anlage in Laufenburg ausgewichen werden.

Die von BAYER MaterialScience produzierten Carbon Nanotubes, winzige Röhrchen aus Kohlenstoff, sollen nach Angaben von BAYER in Lacken, beim Bau von Rotorblättern und in Sportartikeln eingesetzt werden. Tierversuche zeigen, dass bestimmte CNTs die Entstehung von Krebs ähnlich wie Asbestfasern begünstigen können. DNA-Schäden der Aorta sind ebenso möglich wie eine Beeinträchtigung der Lungenfunktion. Nanotubes können vom Körper sowohl über die Atemwege als auch über die Haut oder den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden.

Aus Sicht der Umweltverbände müsse der Betreiber vor einer Genehmigung hinreichend plausibel darlegen, dass von der Anlage keine schädlichen Umwelteinwirkungen ausgehen, welche Emissionen und Immissionen in welcher Höhe zu erwarten sind, welche Wirkungen auf Umwelt und Gesundheit damit verbunden sind, wie hoch die Belastung innerhalb der Anlage ist und welche Mengen dieses speziellen Feinstaubs bei einem Störfall austreten können. Dies habe man in der erforderlichen Transparenz bislang vermisst.

alle Infos zur Kampagne

[Pharmatests] Bayer Hauptversammlung

CBG Redaktion

Presse Information vom 25. April 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

BAYER: Tödliche Pharma-Studien in Indien

BAYER verlegt immer mehr gefährliche Medikamenten-Versuche in arme Länder. Dort locken ein großes Reservoir an Probanden, niedrige Preise und geringe behördliche Aufsicht. Allein in Indien kam es bei Menschenversuchen von BAYER zu mindestens 138 Todesfällen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hat einen Gegenantrag zur Hauptversammlung des Konzerns eingereicht und wird am Freitag vor den rund 4.000 Aktionären zum Thema sprechen.

Immer mehr Pharma-Studien werden in Schwellenländer verlagert. Insbesondere Indien ist aufgrund der niedrigen Kosten, der Englischkenntnisse der Bevölkerung, der großen Masse an Probanden und der laxen behördlichen Kontrollen für die Firmen attraktiv.

Derzeit lassen westliche Unternehmen etwa 1.900 Studien mit 150.000 Probanden in Indien durchführen und zahlen hierfür jährlich etwa eine halbe Milliarde Euro. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Geschädigten zu: innerhalb von nur vier Jahren starben mehr als 1.700 Proband/innen. Allein bei den vom BAYER-Konzern in Auftrag gegebenen Studien kamen nach Angaben des indischen Gesundheitsministeriums 138 Versuchspersonen ums Leben - allein vier an Nebenwirkungen des Gerinnungshemmers Xarelto. BAYER hat den Hinterbliebenen Entschädigungen von gerade mal 5.250 Dollar gezahlt.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert Aufklärung über alle Zwischenfälle bei Pharmatests von BAYER. Zur Hauptversammlung des Konzerns am Freitag in Köln hat die CBG einen Gegenantrag eingereicht. Jan Pehrke vom Vorstand der CBG: „Pharma-Studien in Ländern des Südens müssen nach denselben Standards durchgeführt werden wie in Europa oder den USA. Geschädigte und Hinterbliebene müssen die gleichen Entschädigungen erhalten – nur dann werden gefährliche Billig-Studien unattraktiv. Der BAYER-Vorstand trägt die Verantwortung für die gefährliche Praktik, risikoreiche Studien in Schwellenländer zu verlagern. Wir werden daher in der Hauptversammlung eine Nicht-Entlastung des Managements fordern“.

Derzeit beauftragt BAYER in Indien Studien mit der Krebs-Arznei Nexavar, dem Augen-Präparat VEGF, dem Thrombose-Präparat Xarelto und dem Diabetikum Glucobay. Kürzlich abgeschlossen wurden Versuche mit dem Potenzmittel Levitra, der Hormon-Spirale Mirena, dem Bluter-Medikament Kogenate und dem Röntgen-Kontrastmittel Gadovist. Die Testpersonen sind überwiegend extrem arm und analphabetisch; in vielen Fällen werden Einverständniserklärungen von Dritten unterzeichnet. Die wenigsten Probanden wissen, auf welche Gefahren sie sich einlassen. Die für die Kontrolle zuständigen Ethik-Kommissionen bestehen häufig nur auf dem Papier.

Experten halten die offiziellen Zahlen für viel zu niedrig. Dr. Chandra Gulhati von der Fachzeitschrift Medical Specialties, der die Entwicklung seit Jahren dokumentiert: „Es sind viel mehr, weil die meisten Toten gar nicht gemeldet werden. Die Angehörigen wissen nicht, dass die Verstorbenen Teil einer Studie waren. Es wird nicht ermittelt, es finden keine Obduktionen zur Ermittlung der Todesursache statt“. Jan Pehrke ergänzt: „Selbst wenn die offiziellen Daten unvollständig sind, so widerlegt die Aufstellung der indischen Regierung eindeutig die Aussage des ehemaligen BAYER-Chefs Werner Wenning, wonach es bei klinischen Studien zu keinen schweren Zwischenfällen gekommen sei.“

In einem Schreiben an BAYER-Chef Marijn Dekkers hatte die Coordination gegen BAYER-Gefahren kürzlich um Aufklärung gebeten. Das Unternehmen hatte eine Beantwortung abgelehnt.

Auch in weiteren Ländern mit großen Armutspopulationen wie Kolumbien, Pakistan, Moldawien, den Philippinen und China führt BAYER Menschenversuche durch. Sogar in Deutschland werden Todesfälle bei BAYER-Versuchen gemeldet: nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) starben im Jahr 2010 zwanzig Teilnehmer von Studien des BAYER-Konzerns.

weitere Infos zur BAYER-Hauptversammlung

[Pipeline] Bayer Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 24. April 2012

STOPP-CO-PIPELINE - Initiative vor und auf der Bayer-Aktionärsversammlung

Am Freitag, 27. April 2012 um 10:00 Uhr, Congress-Centrum Koelnmesse, Eingang Nord, Halle 7, Deutz-Mülheimer-Straße 111, 50679 Köln startet die diesjährige Aktionärsversammlung.

Bayer-Chef Dekkers hatte im Vorfeld ja selbst schon Skepsis hinsichtlich der CO-Pipeline erkennen lassen. Jetzt muss er seinen Aktionären erklären, weshalb er bis heute das „Pleiten-Pech und Pannen-Projekt“ auch nach dem Verdikt „Rechtswidrig“ des Verwaltungsgericht Düsseldorf im Mai letzten Jahres dennoch weiterpropagiert.

Zumal Bayer auch verzweifelt versucht, den Protest der über 400 Ärzte einzufangen, um nicht noch mehr an Imageverlust einzugrenzen.

Die Initiative „Stopp Bayer-CO-Pipeline“ wird vor der Versammlung - etwa ab 9 Uhr – die Aktionäre in einem neuen Flyer über die lange und für Bayer verlustreiche Geschichte dieses Projektes informieren.

Auch für diese Versammlung haben wir wieder den Auftrag von langjährigen, treuen Bayer-Aktionären erhalten, deren Rederecht wahrzunehmen und den Aktionären die ganze Wahrheit vorzustellen. So auch über die geplante Vorratsbestellung des CO-Pipeline-Großvaters Werner Wenning, der jetzt in den Aufsichtrat einrücken soll. Freuen Sie sich auf eine spannende Aktionärsversammlung.

alle Infos zur Hauptversammlung

[30 Jahre] Bayer Hauptversammlung

CBG Redaktion

Presse Info vom 19. April 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

BAYER: 30 Jahre Kritische Aktionäre

erste Kritische Aktionärsgruppe in Deutschland / Protestaktion zu BAYER-Hauptversammlung am 27. April / Glückwunsch von Nina Hagen

Seit 30 Jahren protestieren Kritische Aktionäre in den Hauptversammlungen der BAYER AG gegen die Kehrseiten der Geschäftspolitik des Konzerns. 1982 hatten Mitglieder der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) erstmals in der Versammlung das Wort ergriffen. Zum Aktionärstreffen am 27. April in Köln reichte die CBG nun erneut Gegenanträge ein, diese wurden auf der BAYER-website veröffentlicht.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren war die erste Organisation, die Vorstand und Aktionäre eines deutschen Konzerns direkt mit Kritik konfrontierte. Mittlerweile gibt es bei rund 25 Unternehmen Kritische Aktionäre.

Axel Köhler-Schnura, Vorstands- und Gründungsmitglied der CBG: „Als wir vor 30 Jahren das erste Mal in der BAYER-Hauptversammlung auftraten, gerieten die Verantwortlichen geradezu aus dem Häuschen. Nie zuvor war die heilige Profitruhe einer Aktionärsversammlung derart gestört worden. Noch nie hatte jemand gewagt, den „Rat der Götter“ in der Öffentlichkeit derart zu kritisieren. Die mit den Profiten verbundenen Verbrechen kommen seitdem Jahr für Jahr auf die Tagesordnung. Faktenreich, konkret und fundiert.“

Die Rockmusikerin Nina Hagen, Förderin der Coordination, gratuliert zum Jubiläum: „Viele herzliche Glück- und Segenswünsche an alle Freunde und Mitstreiter der Coordination gegen BAYER-Gefahren zum 30-jährigen Hauptversammlungs-Jubiläum! Ich bewundere und unterstütze Euch von ganzem Herzen, frei nach dem Motto: The People United Will Never Be Defeated.“

Schwerpunkte der Protestaktion in diesem Jahr sind tödliche Pharma-Studien in Indien, der Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung, Risiken von Antibabypillen, die geplante CO-Pipeline quer durch NRW, Fehlbildungen durch den hormonalen Schwangerschafts-Test Duogynon und Bienensterben durch BAYER-Pestizide. Zu den Aktionen vor den Kölner Messehallen werden Umweltaktivisten aus dem In- und Ausland erwartet. Rund fünfzehn Kritikerinnen und Kritiker werden in der Versammlung das Wort ergreifen, darunter Vertreter des BUND und von Ärzte ohne Grenzen.

Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre: „Keine Nichtregierungsorganisation beschäftigt sich so intensiv mit den Machenschaften eines einzelnen Konzerns wie die Coordination gegen BAYER-Gefahren. Seit drei Jahrzehnten wird die Hauptversammlung für den BAYER-Vorstand dadurch zum Ärgernis. Ich wünsche unserer Mitgliedsorganisation viel Erfolg für die nächsten 30 Jahre!„. Die CBG gehörte vor 25 Jahren zu den Gründern des Dachverbands.

Axel Köhler-Schnura abschließend: „BAYER hat seit unserem ersten Besuch der Hauptversammlung alles versucht, uns loszuwerden: Einschüchterung, abgestellte Mikrofone, Bespitzelung, Diffamierung, Prozesse, Einsatz des Werkschutzes. Ohne Erfolg. Die RednerInnen der Coordination gegen BAYER-Gefahren enthüllen auf den Hauptversammlungen des Konzerns Jahr für Jahr die Kehrseite der Profite: Ausbeutung und Umweltzerstörung, Verbrechen an Mensch und Umwelt. Und benennen die Verantwortlichen im Vorstand.“

Alle Infos zu Kritischen Aktionären bei BAYER

[Social Marketing] Analyse zum „Aspirin Sozialpreis“

CBG Redaktion

Die Studentin Stephanie Mezger hat sich in ihrer Arbeit Populäre Social-Marketing-Projekte in kritischer Reflexion: Der „Aspirin Sozialpreis“ mit dem Marketing des BAYER-Konzerns beschäftigt. Sie kommt darin zu dem Ergebnis:

„ein Arzneimittel, das sowohl Wirkungen als auch Nebenwirkungen hat, in Verbindung mit sozialem Engagement und wirksamer Hilfe zu bringen und es als Werbe- und Allheilmittel zu ge- bzw. missbrauchen ist sehr kritisch zu betrachten. Die nicht ungefährlichen Nebenwirkungen des Wirkstoffs werden in der Social Marketing-Kampagne von der Bayer AG gar nicht erst genannt, was den Verbrauchern gegenüber leichtsinnig bis unverantwortlich ist. Ebenso unstrittig ist, dass ein so erfolgreicher Konzern wie die Bayer AG einen bedeutend größeren Wert auf Öffentlichkeitsarbeit und Image legt, als auf soziale und gesellschaftliche Verantwortung.“

Sie finden die Arbeit im Volltext unter: Kritische Analyse zum Aspirin Sozialpreis

weitere Informationen zum Thema: Kritik an Social Marketing-Kampagnen der Bayer AG

Xarelto

CBG Redaktion

Presse Information vom 17. April 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Xarelto: unklares Risiko-Profil

Todesfälle bei Xarelto-Studien in Indien / Experten warnen vor breitem Einsatz / Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung

Die Bedenken bezüglich der Sicherheit des Gerinnungshemmers Xarelto konnten bislang nicht ausgeräumt werden. Bei Studien mit dem Medikament ist es wiederholt zu Todesfällen gekommen. Xarelto wird zudem mit unlauteren Methoden vermarktet. Zu befürchten ist, dass ein risikoreiches und überteuertes Präparat ohne therapeutischen Zusatznutzen in den Markt gedrückt wird.

Anlässlich der heute von BAYER veröffentlichten Studien-Daten (Xamos-Studie) zum Einsatz von Xarelto bei Hüft- oder Kniegelenksersatzoperationen erklärt die Coordination gegen BAYER-Gefahren:

Berater der amerikanischen Aufsichtsbehörde Food and Drug Administration (FDA) kamen erst kürzlich zu dem Ergebnis, dass Xarelto gegenüber dem seit langem verwendeten Gerinnungshemmer Warfarin (in Deutschland: Marcumar) keinen therapeutischen Zusatznutzen bietet. Schlaganfälle kann Xarelto nicht häufiger verhindern als die etablierten und kostengünstigen Mittel. Zudem liegen bislang keine Langzeit-Studien zu den Nebenwirkungen von Xarelto vor. Nach Meinung der FDA-Experten werfen die von BAYER eingereichten Studien insbesondere Fragen zu Herzinfarkt- und Blutungsrisiken auf.

Nach Aussage der FDA-Experten zeigte die von BAYER eingereichte Studie (Rocket-AF) nur deshalb eine vergleichbare Wirksamkeit von Warfarin und Xarelto, da die mit Warfarin behandelten Patienten nicht optimal eingestellt worden waren. Bei größeren orthopädischen Eingriffen hätten Patienten ein hohes Risiko für Thromboembolien. Zudem verursache Xarelto mehr Blutungen als ältere Präparate.

Auch als allgemeines Therapeutikum gegen Venen-Thrombosen möchte BAYER das Präparat einsetzen. Gegenüber bislang verwendeten Medikamenten konnte jedoch auch für diese Anwendung kein Vorteil gezeigt werden. Die sogenannte Magellan-Studie war laut BAYER lediglich darauf ausgelegt, bei mehr als 3.400 teilnehmenden Patienten nachzuweisen, dass Xarelto der Vergleichsmedikation „nicht unterlegen ist“. Selbst nach Aussage von BAYER wies das Präparat jedoch „kein konsistent positives Nutzen-Risiko-Profil“ auf.

Zudem strebt BAYER eine Zulassung zur Nachbehandlung des akuten Koronar-Syndroms (ACS) an. Das Präparat soll in Kombination mit einer anderen Therapie der nochmaligen Entstehung von Blutgerinnseln in den Herzkranz-Arterien vorbeugen. In den Tests zeigten sich allerdings auch deutlich die Risiken der Arznei: so erlitten Xarelto-Proband/innen häufiger schwere Blutungen als die Test-Personen, welche die bisherige Standard-Medikation erhielten.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die zahlreichen Meldungen über Gefäß-Verschlüsse, Blutungen, Herz/Kreislaufstörungen und Leberschäden lassen eine breite Verwendung von Xarelto nicht ratsam erscheinen. Präparate, die gegenüber älteren Mitteln keinen Vorteil bieten, sollten grundsätzlich nicht zugelassen werden.“ Der Verband hat zum Thema einen Gegenantrag zur BAYER-Hauptversammlung am 27. April eingereicht.

Der Zulassungsprozess von Xarelto gestaltete sich wegen der vielen Nebenwirkungen und der ungeklärten Langzeitwirkung von Beginn an schwierig. In Indien waren mindestens vier Proband/innen bei Xarelto-Studien ums Leben gekommen. BAYER hat den Hinterbliebenen jeweils bloß 5.250 Dollar Entschädigung gezahlt. Xarelto wird daher in den USA mit einem Warnhinweis versehen, wonach Patienten das Medikament nicht ohne ärztliche Rücksprache absetzen sollten, da sonst das Risiko von Schlaganfällen steigt.

Deutliche Unterschiede zeigen sich im Preis: die bisherige Standard-Medikation Warfarin kostet in den USA 25 Cent pro Tablette, Xarelto hingegen soll sechs Dollar kosten.

Zu kritisieren ist auch das Marketing für Xarelto. BAYER versendet in großem Umfang unverlangte Muster an Allgemeinärzte – ein klarer Verstoß gegen das deutsche Arzneimittelgesetz. Das Gesetz verlangt, dass Muster nur auf schriftliche Anforderung verschickt werden dürfen. Die Regelung wird von BAYER umgangen, indem dem Muster ein angeblicher Quittungszettel beiliegt, der sich als Musteranforderung entpuppt.

weitere Informationen:
=> Brief von Public Citizen
=> FDA staff fears over bleeding risk of Bayer/J&J’s rivaroxaban

[PETA] Gegenanträge BAYER HV

CBG Redaktion

PETA Deutschland e.V.
Harald Ullmann
Benzstraße 1
70839 Gerlingen

Gegenantrag zur Hauptversammlung am 27. April 2012

Hiermit zeige ich an, dass ich zu dem Punkt 2 der Tagesordnung den Vorschlägen des Vorstands und des Aufsichtsrats widerspreche und die anderen Aktionäre veranlassen werde, für den folgenden Gegenantrag zu stimmen. Um Mitteilung dieses Gegenantrages sowie der Begründung darf ich gemäß §§ 125, 126 AktG bitten.

Gegenantrag zu TOP 2: Der Vorstand wird nicht entlastet

Begründung: Bayer veröffentlicht nicht, welche Maßnahmen konkret getroffen werden, um die Einhaltung der konzerneigenen „Grundsätze zu Tierschutz und Tierversuchen“ sowie der jeweiligen nationalen Tierschutzgesetze in Bayers Tierversuchslaboren sowie in den Auftragslaboren, mit denen Bayer zusammen arbeitet, zu gewährleisten.

In den Grundsätzen steht, dass mit externen Laboren nur dann zusammengearbeitet wird, wenn deren Arbeit mit den genannten Tierschutzgrundsätzen vereinbar ist1. Dies würde anhand spezieller Fragebögen kontrolliert. Bayer veröffentlicht aber weder diese Fragebögen noch konkrete Kriterien, die solche externen Labore erfüllen müssen. Ebensowenig ist zu erfahren, wie oft Auftragslabore kontrolliert werden, und welche Sanktionen von Seiten von Bayer den Laboren drohen, wenn nicht nur Bayers eigene Tierschutz-Grundsätze nicht eingehalten werden, sondern auch massiv gegen geltendes Tierschutzrecht verstoßen wird, wie es im vorvergangenen Jahr beim US-Labor PLRS der Fall war, zu dessen Auftraggebern auch Bayer gehörte. Ehemalige Mitarbeiter dieses Labores sind mittlerweile in den USA wegen des Straftatbestandes der Tierquälerei angeklagt worden2.

Bayer hat dennoch seitdem keine strengeren Maßnahmen veröffentlicht, wie sichergestellt werden soll, dass mit solchen Laboren in Zukunft auf keinen Fall mehr zusammengearbeitet wird.

In den „Grundsätzen zu Tierschutz und Tierversuchen“ steht weiterhin, die Haltung der Tiere, die in Versuchen verwendet werden, erfolge „unter fachgemäßen Bedingungen“3, Tierschutzbestimmungen würden „in vielen Fällen übertroffen“4. Bayer veröffentlicht aber nicht, was konkret darunter zu verstehen ist, in wie vielen und welchen Fällen beispielsweise welche Bestimmungen übertroffen werden. Das Umfeld der Tiere werde „nach anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen“5 gestaltet. Welche Grundsätze aber sind das?

Laut der firmeneigenen Grundsätze sollen ein Tierschutzbeauftragter sowie verschiedene regionale Institutionen die Einhaltung der Tierschutz-Richtlinien überwachen6, jedoch veröffentlicht Bayer keinerlei Jahresbericht dieser Institutionen, aus dem klar hervorginge, welche Maßnahmen konkret getroffen wurden, ob Missstände vorgefunden wurden und wie diese behoben wurden.

Bayer hat eine ethische Verpflichtung, zu gewährleisten, dass kein Tier in einem Bayer-Labor oder in einem im Auftrag von Bayer agierenden Labor gequält, vernachlässigt oder misshandelt wird. Bayer hat jedoch keine ausreichenden Schritte unternommen, um dieser Verpflichtung nachzukommen. Der Vorstand trägt die Verantwortung dafür und soll daher nicht entlastet werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der People for the Ethical Treatment of Animals unter www.peta.de.

1 http:www.tierversuche.bayer.de/de/bayer-grundsaetze.aspx
2 http:
www.peta.org/features/professional-laboratory-and-research-services.aspx
3 http://www.tierversuche.bayer.de/de/bayer-grundsaetze.aspx
4 Ibid.
5 Ibid.
6 Ibid.

Antibabypillen

CBG Redaktion

Presse Information vom 13. April 2012
Coordination gegen BAYER-Gefahren

„Antibaby-Pille Yasmin endlich verbieten!“

BAYER zahlt 110 Mio Entschädigung / schwere Gesundheitsschäden und Todesfälle / mehr als 11.000 Klagen

Die Agentur Bloomberg berichtet heute, dass der BAYER-Konzern in den USA mindestens 110 Millionen Dollar an Opfer gefährlicher Antibaby-Pillen zahlt. Pro Fall wird eine Entschädigung von 220.000 Dollar genannt. Mindestens 11.300 Frauen haben Klagen gegen die Firma eingereicht.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert ein umgehendes Verbot der Produktgruppe. Philipp Mimkes vom Vorstand der CBG: „Die erhöhten Risiken von Antibaby-Pillen aus der Yasmin-Gruppe sind seit Jahren bekannt. Eine weitere Gefährdung der Konsumentinnen ist daher nicht hinnehmbar. Alle Präparate mit dem Hormon Drospirenon müssen von den Behörden umgehend vom Markt genommen werden! Mit einem Einlenken der Firma BAYER ist so lange nicht zu rechnen, wie die Entschädigungen nicht die Gewinne durch den Verkauf übersteigen – eine zynische Rechnung!“. Die BAYER AG macht mit drospirenonhaltigen Antibabypillen einen jährlichen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert zudem eine umgehende Entschädigung aller Yasmin-Opfer. Die CBG startete 2009 eine Kampagne zur Unterstützung betroffener Frauen und brachte hierzu mehrfach Gegenanträge zur BAYER-Hauptversammlung ein. Auch in der anstehenden Hauptversammlung am 27. April steht das Thema auf der Tagesordnung.

Inzwischen haben auch deutsche Betroffene Klage gegen BAYER eingereicht. Felicitas Rohrer
von der Selbsthilfegruppe Drospirenon-Geschädigter: „Diese Nachricht ist ein gutes Zeichen für alle Betroffenen. BAYER muss sich nun fragen lassen, warum der Konzern in den USA Zahlungen an Opfer leistet, sich dazu aber in Deutschland weiterhin weigert. Das Unternehmen kann nun nicht mehr behaupten, dass die Pillen der Yasmin-Familie ein gleiches Thromboserisiko haben wie ältere Antibaby-Pillen.„ Susan Tabbach, Mitgründerin der Selbsthilfegruppe, ergänzt: „Wir fordern schon länger einen sofortigen Verkaufsstopp von Antibabypillen mit einem höheren Risikopotenzial! Die Pillen der 3. und 4. Generation, darunter auch die drospirenonhaltige Yasmin-Familie von BAYER, verhüten nicht besser als ältere Pillen mit einem geringeren Risiko für venöse Thromboembolien. Durch eine Entschädigungszahlung können zwar teure Reha-Maßnahmen bezahlt werden, aber vielen Betroffenen ist dadurch nicht geholfen. Die Behörden müssen endlich handeln und diese Pillen vom Markt nehmen, sonst wird es weitere Geschädigte geben!“.

Die Pillen Yasmin, Yasminelle, Yaz, Aida und Petibelle von BAYER, die das Hormon Drospirenon enthalten, verursachen neuen Studien zufolge ein bis zu dreifach erhöhtes Embolie- und Thromboserisiko. Nach Angaben der Aufsichtsbehörde FDA starben bisher allein in den USA mindestens 190 Frauen. Erst am Mittwoch hatte BAYER angekündigt, in den USA die Warnhinweise in den Beipackzetteln zu verschärfen. Künftig solle auf das erhöhte Risiko von Thrombosen und Schlaganfällen hingewiesen werden.

Kampagne zur Entschädigung von Yasmin-Opfern

Website der Betroffenen

Bienensterben

CBG Redaktion

Vrij Nederland, 4. April 2012

Bleker und die Bienen

In der gleichen Woche in der im „Science“ Magazin zwei alarmierende Studien veröffentlicht wurden, in denen das weltweite Bienensterben mit dem Einsatz neonicotinoider Pestizide in Zusammenhang gebracht wird, reichte Henk Bleker (Niederländischer Staatssekretär für Landwirtschaft) dem Niederländischen Parlament einen Bericht zu diesem Thema ein in dem es heißt: „Alles ist in Ordnung – Neonicotinoide können weiter eingesetzt werden wie bisher, ihre Verwendung tötet keine Bienen“.

von Tomas Vanheste, ins Deutsche übersetzt von Dr. Sven Buchholz

Henk Bleker hat es nicht einfach. In der vergangenen Woche, während einer hitzigen parlamentarischen Debatte über die Gründe für das weltweite massenhafte Bienensterben, dachte er, dass er eine endgültige Zusicherung gegeben hatte, dass es keinen Grund zur Beunruhigung gäbe bezüglich der Pestizid Problematik.

Wissenschaftler, Umweltschützer, Politiker und Imker gehen sich gegenseitig an den Hals über die Frage, ob systemische Pestizide, so genannte Neonicotinoide, die Ursache für die Verluste von Bienenvölkern darstellen.

Die Tatsache, dass in Europa und Nordamerika Millionen von Bienenvölkern starben, beunruhigt den niederländischen Landwirtschaftssekretär. Denn ohne Bienen gibt es keine Bestäubung für Karotten, Tomaten und Blumenkohl.
Bleker beauftragte ein Team von Wissenschaftlern, dieses Problem zu untersuchen.
Letzten Mittwoch konnte er das Parlament beruhigen: Seine wissenschaftlichen Berater führten eine Literaturrecherche durch und fanden: „dass es keinen Beweis für eine Verbindung zwischen dem Bienensterben und Neonicotinoiden gäbe.“
Somit gab es keinen Grund, den Einsatz dieser Pestizide zu stoppen.

Bleker war glücklich, die Landwirte waren glücklich, und die Hersteller der Pestizide waren glücklich. Aber die Tinte seines Berichts war kaum getrocknet, als das führende Wissenschaftsmagazin „Science“ zwei neue Studien veröffentlichte, die bestätigen, dass Neonicotinoide in der Tat ernste Schäden bei Bienen hervorrufen.

In der französischen Studie wurden Honigbienen mit Chip-Sendern ausgestattet und anschließend realistischen Feld-Dosen des von der Firma Syngenta entwickelten Pestizids „Cruiser“ (mit dem Wirkstoff Thiametoxam) ausgesetzt. Die Bienen, die das Neurotoxin aufnahmen, hatten größere Schwierigkeiten ihren Stock wieder zu finden und gingen auf dem Weg eher verloren (als die Bienen der unbehandelten Kontrollgruppe).

In der anderen Studie der Stirling University in Schottland wurden Hummeln sehr niedrigen Konzentrationen des Neonicotinoids Imidacloprid der Firma Bayer ausgesetzt. Die exponierten Kolonien erlitten einen 85%igen Rückgang in der Anzahl ihrer produzierten Königinnen. Dieser Verlust neuer Königinnen würde im folgenden Jahr entsprechend zu 85% weniger neuer Hummelkolonien führen.
Kamen die Offenbarungen von „Science“ aus heiterem Himmel, oder hätten Blekers Pestizid-Berater besser informiert sein müssen? Wer sind denn diese Experten, auf die sich der (niederländische) Staat offensichtlich verlässt?

Der erste Autor des Reportes, auf den Bleker seine Mitteilung stützt, war Tjeerd Blacquière von Plant Research International (PRI) in Wageningen. Er war eine gewagte Wahl des Staatssekretärs. Blacquières Glaubwürdigkeit war so gut wie zerstört nach seinem Auftritt in der Fernsehdokumentation „The murder of the honeybee“, ausgestrahlt von Hollands Zembla TV im März 2011. Blacquière, der sich anmaßt der Bienenexperte der Wageningen University zu sein, war gezwungen zuzugeben, dass er nicht einen einzigen durch Experten begutachteten Artikel zum Thema Bienen und Pestizide in irgendeinem wissenschaftlichen Journal veröffentlicht hat.

“Wir machen sehr praktische Forschung.” war seine Erklärung. Er beschreibt PRI als „ein Unternehmen“ mit losen Verbindungen zur Universität, das seine Erträge durch Auftragsforschung generiert.

Das Forschungsbüro Profunde berichtete Zembla, das Blacquières Institut in der Tat viele lukrative Projekte von den Pestizidherstellern Bayer und Syngenta erhalten hat.

Der zweite, von der Regierung konsultierte Experte war Professor Guy Smagghe von der Ghent University, der ebenfalls eine enge Beziehung zu Bayer hat. Sein Wissenschaftsteam in Ghent kooperiert mit dem größten Bayer Forschungscenter in Belgien, das sogar auf demselben Campus angesiedelt ist. Smagghe hat auch zusammen mit einem Wissenschaftler, der direkt bei dem deutschen Chemie-Giganten angestellt ist, einen Artikel veröffentlicht.

„Ich habe nie für Bayer geforscht“, erwidert Blacquière. „Wir haben eine Regierung, die sagt, dass die Universitäten mit der Industrie zusammenarbeiten sollen. Bürger beschweren sich, wenn Wissenschaftler auf Kosten der Steuerzahler ihr Leben lang an einem Thema forschen, die der Gesellschaft keinen Nutzen bringt. Aber sobald wir etwas mit Bayer oder Syngenta zusammen machen, sagen sie: ‚Seht Ihr, sie sind nicht unabhängig!’ “

Bis 2011 publizierte Blacquière nicht eine einzige von Gutachtern beurteilte Studie zu Bienen und Pestiziden. Sein Debüt in der Bienenforschung machte er letzten Februar mit der Veröffentlichung in der Fachzeitschrift ‘Ecotoxicology’. Dieser Artikel war die Basis für den Bericht, den der Staatssekretär an das Parlament sandte. Doch der Artikel wurde nicht in allen Kreisen mit Freuden aufgenommen. Der Toxikologe Henk Tennekes (ehemals Direktor einer großen Schweizer Agentur für die Durchführung von Forschungsprojekten der Industrie, heute unabhängiger Forscher) bezeichnet Blacquières Artikel als „eine Travestie von wissenschaftlicher Integrität“, da er absichtlich entscheidende Literaturquellen ignoriert, in der längst Nebenwirkungen von Neonicotinoiden auf Bienen demonstriert wurden. Tennekes reichte eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Blacquière ein. Aber der Verwaltungsrat der Wageningen University wies, einer Untersuchung zweier Professoren folgend, letzte Woche Tennekes Beschwerde als haltlos zurück. Sie urteilten, dass die Literatur, die die Autoren laut Tennekes ignoriert haben, entweder „nicht essentiell“ waren oder nicht von Experten begutachtet wurde.

Tennekes zufolge ist dies eine fadenscheinige Begründung. Eine der bewusst ausgelassenen und ignorierten Veröffentlichungen war der Report des Wissenschaftlichen und Technischen Komitees der französischen Regierung aus dem Jahr 2003, der zu einem Verbot von Imidacloprid in Frankreich führte. “Werden Berichte der nationalen Gesundheitsbehörden von Regierungen jemals von Gutachtern überprüft? Sollten wir sie etwa ignorieren, weil sie von nicht von Akademikern gegengelesen werden?” Tennekes versteht auch nicht, weshalb seine eigenen Artikel, die die derzeitige Risikobewertung (von Neonicotinoiden) kritisieren, nicht berücksichtigt wurden. Das Gleiche gilt für die Veröffentlichung des australischen Forschers Francisco Sanchez-Bayo. Tennekes und Sanchez-Bayo kommen beide zu dem Schluss, dass eine längerfristige Aufnahme von Neonicotinoiden für Bienen sehr schädlich sein kann sogar in extrem niedrigen Dosen.

Für diese Neurotoxine gibt es keine wirklich sicheren Dosen, sagt Tennekes. Neonicotinoide haben Felder und Gewässer der Regionen kontaminiert, in den Hollands Blumenzwiebeln aufgezogen werden. Und zwar in Größenordnungen, die die „akzeptablen“ Grenzwerte um das Tausendfache übersteigen. Es geht hier nicht nur um die Vergiftung von Honigbienen sondern um die generelle Existenz von Insekten und anderen Wirbellosen. Diese bilden die Basis der Nahrungspyramide und sind Grundlage für alle insektenfressenden Vögel, Amphibien und Säugetiere, wie Feldlerchen, Frösche, Spitzmäuse und Igel. Sollte diese Basis zusammenbrechen, wäre das eine Umweltkatastrophe ungeahnten Ausmaßes.

Sanchez-Bayo und Tennekes schrieben einen Übersichtsartikel, der ebenfalls in der Bibliographie von Blacquiere nicht genannt wird. Der australischen Toxikologe wies in Blacquieres Report auf einen wissenschaftlichen Fehler auf Schulniveau hin: “Ihr Bericht an die niederländische Regierung stellt fest /behauptet dass Neonicotinoide Antagonisten seien, Substanzen also, die sich selbst an neuronale Rezeptoren binden, diese aber nicht aktivieren. Tatsächlich ist aber hinlänglich bekannt, dass Neonicotinoide Agonisten sind, die im Gehirn der Honigbiene neuronale Rezeptoren aktivieren, und gerade das macht sie so gefährlich“.

Blancquiere verteidigt sich damit, dass dies lediglich ein Schreibfehler gewesen sei.
Trotz der großen Anzahl wissenschaftlicher Fehler und absichtlicher Auslassungen war die Burteilung der Wageninger Universität, dass “nichts falsch” an Blacquieres Bericht sei.

Allerdings ist es etwas ungeschickt, dass der Wageninger Wissenschafts-Ethik Kanzler sieben Artikel mit einem der Koautoren des fraglichen Berichts veröffentlicht hat. Zudem war er einer der Professoren, die Tennekes Beschwerde begutachteten. Jegliche Kritik an Blacquieres Integrität würde auch ein schlechtes Licht auf die Glaubwürdigkeit jener werfen, die oft mit ihm zusammengearbeitet haben.
Jeroen van der Sluijs, Assistenz Professor für die Erfoschung neuer Risiken an der Utrecht University und Gastprofessor der Universität von Versailles, gab keinen Kommentar zur Integrität von Blacquière und seinen Koautoren. „Ich würde es vorziehen, über den Inhalt der Studie zu sprechen.“ Aber er stimmt Tennekes zu, dass elementare Studien bewusst weggelassen oder nicht vernünftig bewertet wurden. Bereits letzten Herbst hat er dies Bleker kommuniziert und seine Kritik auch dem Parlament mitgeteilt, nachdem er den ersten Entwurf gelesen hatte.
Er schrieb, die Studie weise „eine Anzahl von bewussten Auslassungen“ auf, zudem „erfülle sie nicht die grundlegenden generellen Anforderungen guter wissenschaftlicher Praxis“. Außerdem käme der Report zu „völlig falschen Schlussfolgerungen“ wenn es um die chronische Toxizität und die (daraus resultierenden) Schäden für die Bienengesundheit ginge.

Die endgültige Version des Reports, den der Staatssekretär dem Parlament übergab, änderte van der Sluijs Meinung nicht im Geringsten: „Meine Hauptkritik liegt darin, dass die Autoren das Risiko nur für die akut lethale Toxizität beurteilen.“ Aber jeder stimmt damit überein, dass dies in erster Linie während der Maisaussaat im Frühjahr auftritt. Es werden dabei giftige Stabpartikeln freigesetzt, was im vergangenen Jahr in Slowenien dazu führte, dass hundert Millionen Bienen aufgrund von Vergiftungen durch Neonicotinoide zugrunde gingen. Die hohen Winterverluste von Bienenvölkern sind aber eine andere Geschichte.

Hier sehen wir die Effekte, wenn die Exposition von nicht unmittelbar tödlichen Dosen von Neonicotinoide über einen längeren Zeitraum wirken: es macht die Bienen anfälliger für Parasiten. „Die Autoren benutzen eine völlig veraltete Methodik, um das Risiko zu bewerten“, erklärt der Utrechter Risikoforscher. Die korrekte Methodik ist offensichtlich: man sollte die niedrigste Dosis, die Nebenwirkungen im Labor hervorruft, mit der tatsächlichen Dosis vergleichen, der die Bienen im Feld ausgesetzt sind.

Erweist sich die Felddosis als höher, ist die Substanz nicht sicher!
Dies ist klar ersichtlich aus den Daten, die die Autoren selbst präsentieren, geradezu himmelschreiend offensichtlich. Aber sie fegen die Laborergebnisse mit einem Handstreich hinfort. In Ihrem Artikel erkennen sie zwar wohlwollend an, dass viele Laborstudien schädliche Auswirkungen von Neonicotinoiden auf das Sammelverhalten, die Lernfähigkeit und die Gedächtnisleistung von Honigbienen demonstrieren. Aber anschließend verschleiern sie diese Beurteilung, indem sie behaupten, dass diese Effekte nicht in Feldstudien zu finden seien. Letzteres erheben sie zum Maß der Dinge.

Nach van der Sluijs sind die wenigen von den Autoren zitierten Feldstudien zur Rechfertigung ihrer Position „in ihrem Design völlig unakzeptabel“. Werfen wir einen Blick auf die Feldstudien der kanadischen Forscher Christopher Cutler und Synthia Scott-Dupree aus dem Jahre 2007. In Ihrem Experiment wurden nur acht Bienenstöcke in zwei kleinen Feldern mit blühendem Raps aufgestellt. Ein Feld war mit dem Neonicotinoid Clothianidin behandelt, das andere war unbehandelt. Allerdings lagen beide Felder weniger als 300m voneinander entfernt. Da es für Honigbienen normal ist, in einem Umkreis von bis zu drei Kilometern auf die Suche nach Pollen und Nektar zu gehen, ist es kein Wunder, dass zwischen der Bienensterblichkeit der Testvölker und jener der Kontrollvölker keine großen Unterschiede zu finden waren. Natürlich sammelten die Beinen Nahrung auf behandelten und nicht behandelten Rapspflanzen. Aber Blacquière negiert dies: „Bienen sind nicht dumm, sie würden überhaupt nicht weit fliegen, da sie (sehr) ökonomisch mit ihren Energiereserven umgehen. Wenn sie mitten in einem Rapsfeld sind, bleiben sie dort und fliegen kaum woanders hin.“ Dennoch hat die US-Amerikanische Environmental Protection Agency (EPA) im November 2010 eben diese Studie als ungültig erklärt.

Darüber hinaus kann man der Website der University of Guelph entnehmen, dass die Forscher Cutler und Scott-Dupree von der Firma Bayer über 130.000 US$ für die Durchführung dieser Studie erhalten haben. In ihrem Artikel, der jedem versichert, dass Neonicotinide für Bienen sicher seien, vergaßen sie allerdings, diese große Summe zu erwähnen. Blacquière schweigt in seinem Report über diese finanzielle Firmensponsoring ebenso wie über die vernichtende Bewertung der EPA. „Wir haben uns lediglich begutachtete Artikel angesehen“, erklärt er. „Die Bewertung der EPA ist nur eine Meinung, die liefert keine Daten.“ Meiner Meinung nach verurteilt sich die EPA selbst mit dieser pathetischen Ausrede.“

Nicht weniger als 17mal verweisen Blacquière und seine Koautoren vorbehaltlos auf die ungültige Studie von Cutler und Scott-Dupree. „ Das ist bizarr und unverantwortlich für jeden Wissenschaftler, sich dermaßen auf eine so schwache und kontroverse Studie zu verlassen“, sagt van der Sluijs.

Wäre Staatssekretär Bleker von Blacquière anders beraten worden, hätte letzterer von den beiden neuen „Science“ Studien gewusst? Blacquière sagt, er hätte seinen Bericht nicht anders verfasst: „Es handelt sich hier um einen wichtiger Forschungsbeitrag, da diese Studien die Lücke zwischen Labor und Feld überbrücken. Aber die von manchen Leuten unterstützen Behauptung, es sei unwiderlegbar klar, dass diese Pestizide die Ursache für das Bienensterben sind, ist schwach. In einem schottischen Labor waren Hummeln für zwei Wochen Neonicotinoiden ausgesetzt und konnten nicht an die giftfreien Blüten gelangen, während sie es in der Natur draußen im Feld konnten. Dies ist ganz klar ein „Worst-Case“ Szenario. In einer anderen französischen Studie wurden Bienen mit 10mal höheren Dosen von Neonicotinoiden gefüttert, als was normalerweise in Pollen und Nektar im Feld gemessen wird“.

Henk Bleker dachte, das er mit der Hedwigepolder-Affäre durchkommt, dadurch dass er sich auf zwei Professoren verließ, die jedoch keine Professoren waren. Und als sie von dieser Zeitung dazu gefragt wurden, unterstützten sie Blekers Position nicht. Diesmal glaubt er die Gemüter beruhigen zu können, indem er mit einem Bericht wedelt, der von einem kommerzhörigen Erstautor mit einer bescheidenen Literaturliste zusammengeschustert wurde. Glaubt der Napoleon von Vlagtwedde wirklich einen Triumph feiern zu können, nicht nur über Europa sondern auch über das „Science“ Magazin?

[Antibiotika] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Antibiotika in der Fleischproduktion

Der Keim, der aus dem Tierstall kommt

In der Massentierhaltung werden große Mengen Medikamente eingesetzt, insbesondere Antibiotika. Immer mehr Krankheitserreger bilden dadurch Resistenzen. Gelangen die Keime über die Fleisch-Verarbeitung in den menschlichen Organismus, so können sie Gesundheitsstörungen verursachen, gegen die kein Kraut mehr gewachsen ist. Zu den größten Herstellern von Tier-Antibiotika gehört der Leverkusener Bayer-Konzern.

Bis zu zwölf Schweine drängen sich in der Massentierhaltung auf 6-8 Quadratmetern. Tageslicht fällt so gut wie nie in die Ställe. Auch Stroh oder Einstreu gibt es für die armen Kreaturen nicht. Sie hausen auf blankem Beton. Hierin sind Spalten eingelassen, damit Urin und Kot direkt eine Etage tiefer in die Gülle-Grube gelangen kann. Vier Monate bleiben ihnen bis zur Schlachtreife - vor 100 Jahren waren es noch zwölf. Zu allem Überfluss müssen sie in dieser kurzen Zeit viel mehr Gewicht zulegen als ihre Vorfahren.
Gesund ist das nicht. Als Abbau-Produkt aus den Fäkalien entsteht giftiges Ammoniak, das zusammen mit der ständigen Feuchtigkeit zu Atemwegserkrankungen führt. Durch die Enge und Dunkelheit bedingt, regen sich die Tiere kaum, weshalb ihre inneren Organe – durch die Turbomast ohnehin stark belastet – Entwicklungsdefizite aufweisen. Mehr Auslauf wäre auch kontraproduktiv: „Diese Drangsal ist bewusst hergestellt. Bei genügender Bewegung würden die Schweine ja nicht so schnell zunehmen“, so der Tierarzt und ehemalige Veterinäramtsleiter Hermann Focke in seinem Buch „Die Natur schlägt zurück“.
Viele Tiere überleben nicht einmal den Transport zum Schlachthof: 400.000 Schweine erleiden alljährlich auf dem Weg zu ihrem letzten Gang den akuten Herztod.

Immer dabei: Baytril
Hühner, Puten, Mastenten und Legehennen leben unter ähnlichen Umständen und leiden deshalb ähnlich oft unter Krankheiten. Auf der Liste ganz oben stehen Infektionen. Als Medikamente kommen folglich bevorzugt Antibiotika zum Einsatz.
Wegen der Ansteckungsgefahr gelangt in der Regel gleich der ganze Bestand in den Genuss dieser Mittel. Das Leverkusener Unternehmen Bayer rät zum Beispiel in einer Produktinformation: „Unter den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Bedingungen ist die Anzahl der Tiere pro Stall sehr hoch. Deshalb ist die Behandlung der gesamten Herde und nicht die individuelle Medikation das Mittel der Wahl, um den Infektionsdruck zu mildern und die Ansteckungsgefahr zu senken“. Mehr als die Hälfte der gesamten Antibiotika-Produktion in Deutschland landet denn auch in den Tierställen - rund 1.000 Tonnen pro Jahr. Kritische Tierärzte sprechen von einer Dunkelziffer von weiteren tausend Tonnen.
Die Firma Bayer ist weltweit der viertgrößte Anbieter von Veterinär-Medikamenten und gehört zu den großen Nutznießern der Massentierhaltung. Welche Mengen Tier-Antibiotika verkauft werden, will das Unternehmen eigentlich „aus Wettbewerbsgründen nicht kommunizieren“. Erst auf mehrmalige Nachfrage Kritischer Aktionäre nannte der Vorstandsvorsitzende in der jüngsten Hauptversammlung in Köln die Verkaufszahlen: demnach machte der Konzern allein 2011 mit dem Tier-Antibiotikum Baytril einen Umsatz von 166 Millionen Euro. 118 Millionen Euro wurden in der Massentierhaltung abgesetzt, der Rest im Haustierbereich.

Immer mehr Resistenzen
Wie alltäglich der Einsatz der Mikrobenkiller ist, zeigt eine Untersuchung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums. Die Studie überprüfte 200 Betriebe und verfolgte 894 Mast-Perioden mit insgesamt mehr als 23 Millionen Tieren. Demnach erhielten 76 Prozent der 18 Millionen überprüften Hühner Antibiotika, durchschnittlich knapp sieben Mal in ihrem kurzen Leben. Häufig schluckten sie Präparate aus der Klasse der Fluorchinolone, zu denen auch Baytril gehört. Die 1,65 Millionen untersuchten Puten erhielten gar zu 90 Prozent Antibiotika.
Die Antibiotika-Quote bei Mastschweinen betrug 68 Prozent, bei Kälbern rund 90 Prozent. Immer dabei: Baytril mit dem Wirkstoff Enrofloxacin.
Der regelmäßige Einsatz in der Massentierhaltung verursacht massive Probleme. Die Krankheitserreger gewöhnen sich an die Mittel und bilden trotz ständig erhöhter Dosen Resistenzen aus. Über die Fleisch-Zubereitung können solche resistenten Bakterien in den menschlichen Organismus gelangen und dort unbehandelbare Gesundheitsstörungen auslösen. Das Stall-Personal als Überträger, der Antibiotika-Eintrag in die Umwelt z. B. über die Gülle und der zu sorglose Umgang mit dieser Medikamentengruppe in der Humanmedizin tragen ein Übriges zur Bedrohungslage bei.
Ende der 1990er Jahre starben dem US-amerikanischen Wissenschaftler Dudley Williams zufolge weltweit rund 200.000 Menschen, weil Antibiotika ihnen nicht mehr helfen konnten. In der Bundesrepublik erliegen nach Angaben des Max-Planck-Institutes alljährlich ca. 15.000 Personen nicht-behandelbaren Infektionen. Und in den USA sorgte 2005 allein ein multiresistenter „Staphylococcus aureus“-Keim für 18.650 Todesfälle.

verwandte Wirkstoffe
Auch eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) kam im vergangenen Herbst zu dem Ergebnis, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast dazu führen kann, die Mittel ihrer Wirksamkeit in der Humanmedizin zu berauben. Die Firma Bayer trägt hierfür eine besondere Verantwortung, da das Unternehmen gleichzeitig Antibiotika für die Veterinär- als auch für die Humanmedizin anbietet, noch dazu solche aus derselben Substanzklasse. Sowohl die Human-Antibiotika Ciprobay (Wirkstoff: Ciprofloxacin) und Avalox (Wirkstoff: Moxifloxacin), als auch das genannte Baytril gehören zu den Fluorchinolonen. Da verwundern die hohen Resistenz-Raten kaum. So stieg die Zahl der Ciprobay-resistenten „Staphylococcus aureus“-Erreger nach Angaben des „German Network for Antimicrobial Resistance Surveillance“ von 1990 sechs Prozent auf über 26 Prozent im Jahr 2006. Die Zahl der Ciprobay-resistenten „Staphylococcus epidermides“-Keime nahm von 55 Prozent (1995) auf 70 Prozent (2004) zu, die der „Escherichia coli“-Erreger von 5 auf 22 Prozent. Auch gegen 90 Prozent der „Enterococcus faecium“-Erreger, 76 Prozent der „Staphylococcus haemolyticus“-Erreger und knapp 40 Prozent der „Enterococcus faecalis“-Erreger erwies sich das Bayer-Präparat Ciprobay als machtlos.
Der „Germap 2008“ zieht daher ein alarmierendes Fazit: „Im Hospitalbereich ist in den letzten 10–15 Jahren eine z.T. deutliche Zunahme der Resistenz-Häufigkeit gegenüber Antibiotika festzustellen. Der Resistenz-Anstieg betrifft besonders die Fluorchinolone und Aminopenicilline.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO fordert daher seit Jahren ein Verbot des massenhaften Einsatzes von Antibiotika in der Tierzucht. Insbesondere die Gruppe der Fluorchinolone, zu denen Baytril gehört, erklärte die WHO zu „Critically Important Antimicrobials“, also zu unverzichtbaren Bakteriziden.
Beim Breitband-Antibiotikum Totocillin, ebenfalls aus dem Hause Bayer, sieht die Lage nicht besser aus. Die Effektivität des seit 2010 wieder erhältlichen Präparats zur Behandlung von Euter- und Gebärmutterentzündungen lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Immer mehr Keime trotzen den beiden Wirkstoffen Ampicillin und Oxacillin. So legte die Rate der Ampicillin-resistenten „Enterococcus faecium“-Stämme von 49 Prozent (1995) auf 89 Prozent im Jahr 2004 zu, diejenige der E.coli-Stämme von 36 auf 50 Prozent.

Bayer wiegelt ab
Der Leverkusener Multi will von alldem nichts wissen. Er streitet trotz seiner Empfehlung, bei Infektionen gleich den ganzen Bestand einer Antibiotika-Behandlung zu unterziehen, und trotz der Zahlen des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums die Beteiligung von Baytril am System der Massentierhaltung ab. „Das Antibiotikum Baytril wird ausschließlich injiziert und nicht dem Futter beigemischt. Deshalb ist es für die Massentierhaltung nicht geeignet“, erklärte ein Sprecher. Über Lösungen zum Eingeben mittels einer Dosierpumpe und Gaben über das Trinkwasser breitet er dezent den Mantel des Schweigens aus. Auch die abnehmende Wirksamkeit von Ciprobay und Avalox ignoriert der Pharma-Riese. Eine „günstige Resistenz-Lage“ bescheinigt das Unternehmen Moxifloxacin in einem Artikel, den es in der Zeitschrift „Der Kassenarzt“ unterbrachte. Und in einer Broschüre schreibt der Konzern: „Bislang liegen kaum Belege dafür vor, dass der Gebrauch von Fluorchinolonen in der Veterinärmedizin ungünstige Auswirkungen auf Fluorchinolon-Therapien in der Humanmedizin hat“.
Für diese Haltung organisiert sich der Multi auch Beistand. So initiierte er im vergangenen September ein Podiumsgespräch zum Thema „Gesunde Tiere – gesunde Lebensmittel“ mit „80 Meinungsbildnern aus Politik, Wissenschaft, Verbänden und Medien“. In dessen Verlauf nahm der Bundestierarzt-Präsident Dr. Hans-Joachim Götz die Massentierhalter vor dem Vorwurf in Schutz, Zuchtbetriebe für Resistenzen zu unterhalten. Er sprach stattdessen von einer unauffälligen Resistenz-Situation in der Veterinärmedizin, es bestehe „kein Grund für Hysterie“.
Solche Meinungen kommen nicht von ungefähr. Bayer lässt sich die Pflege der tiermedizinischen Landschaft viel kosten. Der Konzern spendiert schon Studierenden Sezierbesteck, finanziert Kongresse, „Bildungsreisen“ in ferne Länder, stiftet Lehrstühle und sponsert Universitäten. Die tierärztliche Hochschule Hannover, die dem Leverkusener Multi auch eine Forschungsprofessur für „Veterinärmedizinische Dermatopharmakologie“ verdankt, unterhält sogar einen Bayer-Hörsaal.
Darüber hinaus sind die Veterinär/innen ihre eigene Apotheke und verdienen direkt an den Medikamenten, für die sie Rezepte ausstellen. Jeder Anreiz, den Verbrauch zu drosseln, geht hierdurch verloren. Eine Abschaffung dieses so genannten Dispensier-Rechts lehnt jedoch die Bundestierärzte-Kammer ab. So wenig, wie sie ihre Bande zu Pharmaproduzenten lösen will, so wenig geht die Vereinigung der Veterinäre auf Distanz zur Massentierhaltung insgesamt.

und die Politik?
Trotz der immer bedrohlicheren Entwicklung passiert wenig. Die Behörden zogen lediglich einige Präparate aus dem Verkehr oder erließen Anwendungsbeschränkungen. 1998 stoppte die EU den Verkauf des Bayer-Präparats Olaquindox und von zwei weiteren Mitteln. Im Jahr 2005 untersagten die USA die Verwendung von Baytril in der Hühnermast wegen der zunehmenden Anzahl von resistenten Campylobacter-Bakterien. Der Leverkusener Multi hatte vorher alle Hebel in Bewegung gesetzt, um den Bann zu verhindern. So engagierte er mehrere Lobbyisten und brachte 26 Kongress-Abgeordnete dazu, einen Brandbrief an den Leiter der US-Gesundheitsbehörde FDA zu schreiben, in dem die Antibiotika-Gaben „als absolut notwendig zum Schutz der Gesundheit der Tiere“ bezeichnet werden. Die FDA sah in dem Vorstoß jedoch einen Versuch, die Gesetze zu brechen und blieb bei ihrer Position. Ein Jahr später reagierte die EU erneut und verbot den Einsatz von Antibiotika als Wachstumsförderer, während die Bundesrepublik in ihren Regelungen zum fachgerechten Umgang mit den Mitteln gegen die prophylaktische Verabreichung vorging.
Gebracht hat das wenig. Trotz der Einschränkungen nahmen die Verkaufsmengen nicht ab – im Gegenteil. Zuletzt hat das eine Studie des nordrhein-westfälischen Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz gezeigt. Für den grünen NRW-Umweltminister Johannes Remmel ließ das Ergebnis nur einen Schluss zu: „Entweder handelt es sich um Wachstumsdoping, was seit 2006 EU-weit verboten ist, oder aber das System der Tiermast ist so anfällig für Krankheiten, dass es ohne Antibiotika nicht mehr auskommt.“
Der wachsende politische Druck von Seiten der Grünen und der Öffentlichkeit hat Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner kürzlich dazu veranlasst, sich zu bewegen. Sie kündigte ein ganzes Maßnahme-Paket an. So will die CSU-Politikerin die Antibiotika-Ströme besser dokumentieren, Betrieben mit besonders hohem Verbrauch ein Minimierungskonzept verordnen und den Bau großer Mastanlagen erschweren. Auch das tierärztliche Dispensier-Recht steht auf dem Prüfstand.
Ob es fällt, ist jedoch zu bezweifeln. Die Veterinär-Mediziner haben einen mächtigen Fürsprecher in Berlin: ihr Kollege Hans-Michael Goldmann von der FDP leitet den Agrar-Ausschuss und hat schon seine Ablehnung bekundet. Aber nicht nur an der Durchsetzungskraft Aigners werden Zweifel laut, vielen geht das Vorhaben an sich nicht weit genug. Der agrarpolitische Sprecher der Grünen, Friedrich Ostendorff, bezeichnete die Auflagen für Massenställe als „wirkungslos“, weil sie erst ab 85.000 Hühnern und 3.000 Schweinen griffen. Und Johannes Remmel kritisierte die allzu lückenhaften Transparenz-Regeln für die Verordnungen von Baytril & Co. Zudem vermisst er einen konkreten Plan zur Reduktion dieser Arzneistoffe und ein Bekenntnis zum Ziel einer Tierhaltung ohne Antibiotika.

Forderungen
Auch kritische Tierärzte fordern weitergehende Schritte, u.a. eine lückenlose Dokumentation aller Antibiotika-Anwendungen im Tierstall, flächendeckende Kontrollen, feste Einkaufspreise ohne Rabatte für die Tierärzte sowie ein Verbot der routinemäßigen Behandlung ganzer Tierbestände. Ziel müsse eine antibiotika-freie Tierzucht sein.
Der ehemalige Vizepräsident der bayrischen Landestierärztekammer, Rubert Ebner, spricht von einer riesigen Abhängigkeit seiner Berufskollegen gegenüber der Pharma-Industrie und fordert eine Trennung von Verschreiben und Verkauf. Da unter den derzeitigen Haltungsbedingungen eine Reduzierung des Antibiotika-Einsatzes kaum möglich ist, fordert Ebner massive Veränderungen der Haltungsbedingungen, vor allem eine Reduzierung der Besatzdichte durch kleinere Einheiten mit mehr Platz sowie insgesamt geringere Tierzahlen.
Letztlich führt kein Weg daran vorbei, das System der quälerischen Massentierhaltung, die den exzessiven Einsatz von Bakteriziden erst notwendig macht, abzuschaffen und durch eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft zu ersetzen. Hierzu möchte sich die Mehrheit der Politiker momentan jedoch nicht durchringen. An den Verkaufszahlen für Baytril und Co. dürfte sich vorerst nicht viel ändern.
Von Jan Pehrke

die Kampagne zum Thema

[PSJM] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Kunst gegen Konzerne

BAYER im Visier

Das spanische Künstlerduo PSJM beschäftigt sich mit den Kehrseiten des grenzenlosen Konsums und der Okkupierung öffentlicher Räume durch multinationale Konzerne. Eine Ausstellung in Berlin zeigt Arbeiten, die Missstände wie Kinderarbeit und Umweltzerstörung anprangern. Auch eine Grafik zu BAYER findet sich darunter.

Von Philipp Mimkes

Hinter dem Kürzel PSJM stecken die KünstlerInnen Cynthia Viera and Pablo San José, deren Bilder gegenwärtig in der Berliner Galerie Whiteconcepts zu sehen sind. Ziel ihrer Arbeit ist es, mit modernen Marketingmitteln die Werbestrategien großer Unternehmen transparent zu machen und die Kehrseite der bunten Konsumwelt anzuprangern. PSJM entfremden hierfür Markenlogos, initiieren professionelle Werbekampagnen für nicht-existente Produkte oder drehen Videos in „Science Fiction“-Manier, in denen Konzerne an die Stelle von Staaten treten.

Auch mit BAYER beschäftigt sich das Duo. Die Grafik „Struggle BAYER“ zeigt ein überdimensioniertes BAYER-Logo, das von einem Hochhaus geworfen wird. In einer weiteren Arbeiten stellen die beiden zwergenhafte Personen dar, die das Logo der DEUTSCHEN BANK umstürzen. Die KünstlerInnen propagieren dabei nicht die Zerstörung der Konzerne. Sie wollen aufzeigen, dass es der Gesellschaft möglich ist, sich gegen die scheinbare Übermacht der Firmen zur Wehr zu setzen.

Andere Werke von PSJM beschäftigen sich ebenfalls mit dem Treiben der Multis. So wird in „Corporate Armies“ ein Szenario entworfen, in dem große Unternehmen mit eigenen Armeen ausgestattet sind - keine allzu ferne Vision angesichts der paramilitärischen Gruppen, die mit COCA COLA in Kolumbien, SHELL in Nigeria oder mit GAZPROM in Russland kooperieren. Auch zeigt die Berliner Ausstellung Videos, in denen gepanzerte Truppen von WALMART, VISA und NIKE um die Vorherrschaft kämpfen. Tusche-Zeichnungen apokalyptischer Firmen-Kämpfe im Stil historischer Schlachtengemälde sowie 3D-Kampfroboter mit Firmen-Emblemen vervollständigen die Horrorvision eines unternehmerischen Gewaltmonopols. Weitere Arbeiten von PSJM entfremden die Logos der bunten Warenwelt: NIKE- und ADIDAS-Schriftzüge enthalten den Aufdruck „Made by slaves for free people“. Mickeymaus-Objekte mit dem Hinweis „Made by kids for kids“ verweisen auf die Herkunft aus asiatischen Billig-Fabriken.

Das Duo hat der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) die Grafik „Struggle BAYER“ zur Verfügung gestellt. Cynthia Viera schreibt: „Herzlichen Glückwunsch zu Eurer harten Arbeit in den vergangenen 30 Jahren. Wir stehen auf derselben Seite!“.

Die CBG arbeitet regelmäßig mit KünstlerInnen wie Cynthia Viera and Pablo San José zusammen. So haben Kunstschaffende wie Otto Piene, Bernd Engberding, Claudia Rogge, Robert Butzelar und Peter Royen Werke zu Verfügung gestellt, mit deren Verkauf Kampagnen des Vereins finanziert wurden. Und der bekannte Karikaturist Carlos Latuff aus Brasilien fertigt regelmäßig exklusive Zeichnungen an.

Den vom „Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) ausgerichteten Wettbewerb „Vom BAYER-Werk zum Chemiepark“ gewannen gar zwei französische Architekten, die bei der Erstellung ihres Entwurfs eng mit der Coordination kooperiert hatten. Ziel ihrer Arbeit war es, den Umweltschutz fest auf dem Leverkusener Firmen-Areal zu verankern. Dies symbolisierten sie durch die Idee, auf der Leverkusener BAYER-Zentrale das Büro der Coordination anzusiedeln.

Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG bedankte sich bei den KünstlerInnen von PSJM: „Die Kunstwerke verweisen auf die weltweite Forderung der sozialen Bewegungen ‚Konzernmacht brechen’. Der Sturz eines Markensymbols, das diese Macht symbolisiert, kann in vielfältiger Weise herbeigeführt werden: durch öffentlichen Druck, durch Aufklärung, durch gesetzliche Vorgaben, durch behördliche Kontrollen und vieles anderes mehr. Die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN hat schon in den 80er Jahren einen Kongress zum ‚Umbau’ eines Konzerns durchgeführt. Die über 200 TeilnehmerInnen und die vielen kompetenten ReferentInnen haben konkret erarbeitet, wie der ökologisch-ethisch-soziale Umbau eines Unternehmens wie BAYER aussehen könnte.“

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[Baysilone] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Skandal um BAYER-Produkt

BAYSILONE in Brustimplantaten

Das Silikon, das im Mittelpunkt des Brustimplantate-Skandals steht, stammt von BAYER. Der Leverkusener Multi meldete BAYSILONE 1967 zum Patent an und vertrieb es zuletzt gemeinsam mit GENERAL ELECTRIC. Im Jahr 2006 trennte sich der Konzern von dem ganzen Silikon-Segment. Das vom Implantate-Hersteller POLY IMPLANT PROTHÈSE verwendete BAYSILONE stellte schon der neue Besitzer MOMENTIVE her, über den Chemie-Händler BRENNTAG gelangte die Substanz nach Frankreich.

Von Jan Pehrke

BAYSILONE – dieses von BAYER im Jahr 1967 zum Patent angemeldete Silikon fand sich in den minderwertigen Brustimplantaten der französischen Firma POLY IMPLANT PROTHÈSE (PIP). Das Unternehmen setzte den in solcher Form nicht für medizinische Zwecke zugelassenen Stoff zusammen mit Silopren und dem krebserregenden Rhodorsil an und produzierte auf diese Weise unschlagbar billige Gel-Kissen. Entsprechend hoch fiel die Profit-Rate aus. „Eine Frage des Gewinns“ sei es gewesen, sich für diese Fabrikationsart zu entscheiden, sagte der PIP-Anwalt Yves Haddad dann auch laut Frankfurter Rundschau: „Das ist Kapitalismus, so ist das eben“.

Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Im Jahr 2006 informierte der schottische Schönheitschirurg Awf Quaba die britischen Aufsichtsbehörden über gerissene Implantate, aus denen BAYSILONE & Co. austrat. Und auch das Silikon selber beanstandete er. „Es war auch offensichtlich, dass das in dem PIP-Implantat verwendete Silikon Irritationen verursachte“, so Quaba. Seine französischen KollegInnen gaben ab 2008 Schadensmeldungen ab. Aber es dauerte lange, bis die Behörden reagierten. Die französische AFSSAPS verhängte im März 2010 ein Verkaufsverbot und riet am 23.12. 2011 zu einer Herausnahme der Gel-Kissen. Das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ folgte nach einigem Zögern Anfang Januar 2012.

Das vornehmlich als Dichtungsmasse im Bau-Bereich verwendete BAYSILONE stammte aus dem Leverkusener Chemie-Park, über den Krefelder Chemikalien-Händler BRENNTAG gelangte es nach Frankreich. Hergestellt hatte es die Niederlassung des US-Unternehmens MOMENTIVE. Dieses hatte 2006 GE BAYER SILICONES übernommen, das 1998 von BAYER und GENERAL ELECTRIC (GE) gegründete Joint Venture, und damit auch die Rechte an BAYSILONE und anderen Silikon-Fabrikaten erworben. Die beiden Konzerne wollten ursprünglich mit solchen Produkten, hergestellt für Anwendungen im Maschinenbau, in der Elektronik-Industrie und in der Medizin, eine marktbeherrschende Stellung auf dem Gebiet der Silikon-Chemie erlangen, aber die Erwartungen erfüllten sich nicht, so dass sie sich zu einem Verkauf entschlossen. Ob sich schon GE BAYER SILICONES oder vor 1998 BAYER selber in der Lieferkette von PIP befand, konnte Stichwort BAYER nicht ermitteln.

Zumindest aber GE verfügt über einschlägige Erfahrungen in dem Bereich. Der Multi war gemeinsam mit DOW CORNING, einem Joint Venture von DOW CHEMICAL und CORNING das erste Unternehmen, das Silikon im industriellen Maßstab herstellte. Unter strenger Geheimhaltung kam es im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz. Silikon-Fett schützte Flugzeuge in großen Höhen vor einem Einfrieren der Instrumente und der von den Motoren produzierten Feuchtigkeit. Darüber hinaus isolierte die Substanz Zündkerzen, Transformatoren und Leitungen und diente als Dämmstoff und Antischaum-Mittel. „Das Fett, das half, den Krieg zu gewinnen“, hieß es deshalb nach 1945 über die Chemikalie.

Erst japanische ÄrztInnen entdeckten dann in der Zeit der US-Besatzung seine schönheitschirurgischen „Qualitäten“ und injizierten es Frauen zur Brustvergrößerung direkt. Der „Re-Import“ für diesen Verwendungszweck erfolgte bald. Das Silikon fand als Rohstoff der Schönheitsindustrie große Verbreitung und richtete verheerende Gesundheitsschäden an. Sie reichten von Gewebe-Entzündungen und Rheuma über Dickdarm-Erkrankungen und Wirbelsäulen-Problemen bis hin zu Fruchtschädigungen und Tod. Darum erging 1975 ein Verbot.

Aber DOW CORNING hatte schon vorgesorgt und verpacktes Silikon als Alternative ersonnen: Die ersten Implantate entwickelten die beiden plastischen Chirurgen Frank Gerow und Thomas Cronin im Auftrag des Unternehmens. Andere Konzerne folgten nach. Mit drei von ihnen, der MEDICAL ENGINEERING COOPERATION, der HEYER-SCHULTE-COOPERATION und der MCGHAN MEDICAL COOPERATION, trat GENERAL ELECTRIC von 1971 bis 1976 in Geschäftsbeziehungen. In enger Abstimmung mit den Firmen entwickelte GE spezielle Silikone für Brust-Erweiterungen; RTV 6191, RTV 6193, RTV 6195 oder RTV 7100 lauteten die Bezeichnungen. Die Produktsicherheit hielt sich jedoch weiterhin in Grenzen. Es entstanden nämlich häufig Risse in den Implantaten, aus denen der Füllstoff entwich. Rheuma, Arthritis, Multiple Sklerose, Geschwür-Bildungen und Darm-Erkrankungen gehörten zu den Nebenwirkungen. Viele Frauen mussten ihren Beruf aufgeben und waren für immer an einen Rollstuhl gefesselt. Von „systemic silicone desease“ sprachen die MedizinerInnen. Auf 50.000 schätzte der Rechtsanwalt Geoffrey White im Jahr 2001 die Zahl der Opfer.

GENERAL ELECTRIC und die anderen Hersteller wussten von den Gesundheitsschädigungen. Schon 1958 bescheinigte eine GE-Studie dem Silikon, in den Organismus gelangen zu können. Wie spätere Untersuchungen der Firma ergaben, handelte es sich bei der Substanz nämlich keineswegs um einen chemisch inaktiven Stoff. Sie war nach den Erkenntnissen ihrer ForscherInnen sogar imstande, durch die Implantat-Hülle zu dringen. Angesichts dieser Gefahren und des Risikos späterer Schadensersatz-Prozesse beschloss der Konzern zunächst, Silikon nicht für medizinische Zwecke zu vermarkten, revidierte dann aber seine Entscheidung und stieg in das Brustimplantate-Business ein. Die Befürchtungen bestätigten sich bald. So heißt es 1976 in den Unterlagen des GE-Kunden HEYER-SCHULTE: „Dr. Vinnick ist besorgt darüber, dass das in den Implantaten benutzte GENERAL-ELECTRIC-GEL: 1. nicht stabil und 2. giftig ist.“ GE teilte wohl die Sorgen: Im selben Jahr zog sich das Unternehmen offiziell aus diesem Geschäftsfeld zurück. Und ist nach eigenem Bekunden auch nie wieder eingestiegen, jedenfalls nicht willentlich, wie es ein wenig relativierend in einer Anfang der 2000er Jahre abgegebenen Erklärung bekundet. „GE SILICONES AMERICAS, GE BAYER SILICONES und GE TOSHIBA SILICONES werden nicht bewusst den Gebrauch unserer Produkte für Anwendungen empfehlen oder für Applikationen verkaufen, in denen sie länger als 29 Tage im menschlichen Körper verbleiben“, so der Konzern. Darüber hinaus bekräftigte er noch, kein Silikon für Injektionen oder Verhütungsmittel zu vermarkten.

GENERAL ELECTRIC gab dieses Statement Anfang der 2000er Jahre im Rahmen eines Prozesses ab. Zahllose solcher juristischen Auseinandersetzungen begleiteten die Brustvergrößerungen per Chemie. Von einem „Alptraum“ für die Multis sprach deshalb die Los Angeles Times. Über die erste Schadensersatzklage entschieden die RichterInnen 1977; sie sprachen dem Silikon-Opfer 170.000 Dollar zu. In späteren Jahren sollten die Summen dann noch beträchtlich steigen. 1994 kam es zur bisher größten Sammelklage in der US-amerikanischen Justizgeschichte. Allein DOW CHEMICAL sah sich am Ende mit 20.000 KlägerInnen konfrontiert. Wegen der Milliarden-Forderungen erklärte sich das Unternehmen Mitte der 1990er Jahre für zahlungsunfähig, schaffte es schließlich aber doch, die Krise zu überstehen. Nur GE konnte sich schadlos halten. Obwohl die Firma ihre Silikone in Kooperation mit den Implantat-Unternehmen entwickelt hatte, gelang es ihr, die Verantwortung für die Risiken und Nebenwirkungen der Silikon-Kissen seinen Kunden anzulasten.

Angesichts von über zwei Millionen operierter Frauen zwang der Medizin-Skandal auch die Aufsichtsbehörden zu handeln. 1992 verhängte die US-amerikanische „Food and Drug Administration“ (FDA) ein Moratorium für Implantate und andere Silikon-Anwendungsgebiete. So lange die Hersteller keine Unbedenklichkeitsnachweise vorlegen, bleibt der Verkauf untersagt, ordnete die FDA an. Und das hatte auch Konsequenzen für BAYSILONE. Es fiel unter die neue Richtlinie für Silikon-Produzenten und durfte nicht mehr in diaphragma-ähnlichen Barriere-Verhütungsmitteln wie LEA’S SHIELD zum Einsatz kommen. „Die Silikone von DOW-CORNING, WACKER und BAYER sind komplett vom Frauenprodukte-Markt zurückgezogen worden“, ließ der Kontrazeptiva-Hersteller 2002 wissen.

Mit dem schlechten Image von Silikon hatte sich noch der Neubesitzer von GE BAYER SILICONE, die US-Firma MOMENTIVE, herumzuschlagen. Darum beteuerte der damalige Konzern-Chef John Rich 2007 in einem Interview zwar: „Im Allgemeinen zeigt Silikon eine gute Verträglichkeit mit dem menschlichen Körper“, beeilte sich anschließend aber festzustellen: „Wir engagieren uns nicht im Implantate-Markt“. „Willentlich“, hätte er hinzufügen müssen, wie es GE Anfang der 2000er Jahre tat, denn über den Chemie-Händler BRENNTAG geriet das BAYSILONE dann doch in die Gel-Kissen der Firma PIP.

Mit der Zeit gelang es dem Silikon jedoch, sich ein wenig von seinem schlechten Ruf zu befreien, denn mehrere Studien relativierten den Zusammenhang zwischen der Chemikalie und ernsthaften Erkrankungen. Das im Jahr des Silikon-Banns vom Kongress mit der Untersuchung der Langzeit-Folgen beauftragte „National Institute of Cancer“ fand keine Hinweise auf eine besondere Brustkrebs-Gefahr. Auch andere Karzinome traten bei den Frauen mit Implantaten nicht häufiger als bei nicht-operierten. Nur bei Lungenkrebs und Gehirntumor stießen die WissenschaftlerInnen auf erhöhte Zahlen. Frauen mit Gel-Kissen starben zwei bis dreimal so häufig an Gehirntumor und dreimal so häufig an einem Krebs der Atemwegsorgane wie Frauen ohne Silikon im Körper. Und nur letzteres erreichte eine statistische Relevanz. Ansonsten aber gaben die MedizinerInnen Entwarnung und stellten die Implantate sogar als Gesundbrunnen dar. Nicht nur von den meisten Krebs-Arten, sondern auch von Krankheiten des Immun-, Kreislauf- und Hormonsystems und der Verdauungsorgane waren Implantate-Trägerinnen nicht so oft betroffen wie ihre übrigen Geschlechtsgenossinnen, konstatierten die ForscherInnen.

Allerdings reichten die Daten oftmals für eine genaue Aufbereitung nicht aus. Bei Gewebe-Erkrankungen etwa hatten die Forscher nur Zugang zu 34 bis 40 Prozent der Kranken-Unterlagen. Und wenn sie auf Diagnosen wie „wahrscheinlich Rheuma“ stießen, was nicht selten vorkam, haben sie diese wegen des Unsicherheitsfaktors nicht mit in die Analyse der Nebenwirkungen einbezogen. „Das Risiko, aufgrund von Brustimplantaten eine Gewebestörung zu entwickeln, wurde, obwohl es etwas erhöht ist, als statistisch nicht signifikant betrachtet“, resümierte das Institut und mahnte weitere Untersuchungen zu dem Thema an.

Trotz solcher Unwägbarkeiten hatte die Erhebung einen großen Anteil daran, die Silikon-Einsätze zu rehabilitieren. Die Produzenten nahmen die Arbeit an Weiterentwicklungen auf und fassten Mut, die Gesundheitsbehörde von deren Unschädlichkeit überzeugen zu können. Dies gelang ihnen allerdings erst 2006. Im November des Jahres erteilte die FDA erstmals wieder Genehmigungen. Sie machte den Antragstellern MENTOR und ALLERGAN - berühmt-berüchtigt für BOTOX - allerdings strenge Auflagen.

So mussten die Hersteller Langzeit-Untersuchungen über die Verträglichkeit ihre Produkte durchführen. Die bisher vorliegenden Resultate sprechen nicht unbedingt für einen Qualitätssprung. Bei den 1008 MENTOR-Patientinnen traten nach der ersten Schönheitsoperation in 13,6 Prozent der Fälle Risse im Implantat auf; nach einer zweiten OP bei 15,5 Prozent. Bei Rekonstruktionen nach Entfernung der Brüste in Folge von Brustkrebs kam es nach dem ersten Eingriff bei 14 Prozent der Silikon-Kissen zu Beschädigungen, nach dem zweiten sogar bei 21,3 Prozent. Bei den ALLERGAN-Präparaten lag die Fehler-Quote ähnlich hoch. Zudem verrutschten bis zu 13,3 Prozent der Einsätze.

Über Brustschmerzen klagten bis zu 11,7 Prozent der Betroffenen. Abstoßungsreaktionen im Brustgewebe erlitten bis zu 27,5 Prozent, am höchsten lag der Wert bei Wiederholungs-OPs zur Brustvergrößerung. Für Brustkrebs, Rheuma und Muskelerkrankungen ergab die Auswertung keine erhöhte Gefährdung und bestätigte damit die Resultate des „National Institute of Cancer“. Allerdings beobachteten die WissenschaftlerInnen eine bisher in der Literatur nicht beschriebene Häufung von ALCL, einer Form von Lymphdrüsen-Krebs. Insgesamt deuten die Zahlen auf eine hohe Unzufriedenheit mit den Operationen hin. So ließen 53,4 Prozent der an Brustkrebs Leidenden die Silikon-Kissen wieder entfernen. Bei den Frauen, die sich aus kosmetischen Gründen für eine OP entschieden hatten, waren es bis zu 37,8 Prozent.

Trotzdem bescheinigt die FDA den Silikon-Kissen eine „akzeptable Sicherheit“ und überlässt es den Frauen selbst, auf Basis der verfügbaren Informationen über Nutzen und Risiken der chirurgischen Maßnahme zu entscheiden. Allerdings warnt die Gesundheitsbehörde: „Seien Sie sich bewusst, dass Brustimplantate zu lokalen Komplikationen führen können und dass die Wahrscheinlichkeit dafür mit den Jahren steigt. Die lokalen Komplikationen und Nebenwirkungen umfassen Bindegewebe-Schrumpfungen, Re-Operationen, Entfernung der Gelkissen und Implantat-Risse. Zudem mussten viele Frauen Erfahrungen mit Brustschmerzen, Faltenbildungen, Positionsveränderungen, Narbenbildungen und Infektionen machen.“

Immerhin hat es sich die „Food and Drugs Administration“ mit den Silikon-Implantaten bedeutend schwerer gemacht als ihre Pendants in den anderen Ländern. In Europa beispielsweise erging nie irgendein Verbot, und auch der PIP-Skandal hat nicht zur Folge, die Produktsicherheit der Gel-Kissen generell zu thematisieren. Er führt nur dazu, ein vermeintlich schwarzes Schaf aus der Herde auszusortieren. Sogar der Gebrauch von Polyurethan-Kunststoff zur Umhüllung des Silikons bleibt erlaubt, während die FDA diesen Stoff, den BAYER 1937 entwickelt hat, wegen seiner giftigen Wirkung für diese Anwendungsform schon 1991 aus dem Verkehr gezogen hat.

Der Leverkusener Multi wird vermutlich sagen, er vermarkte die Substanz „nicht willentlich“ für diesen Zweck. Willentlich nimmt er nur in einer Form am Brust-OP-Business teil: Er liefert mit MAKROLON-Folien einen hitzebeständigen und deshalb Sterilisationen standhaltenden Grundstoff für die Verpackungen der Implantate.

[CNT] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Liebe Leserinnen und Leser,

Seit mehr als fünf Jahren betreibt die Firma H. C. STARCK in Laufenburg eine Versuchsanlage, in der sie im Auftrag von BAYER winzig kleine Kohlenstoff-Röhrchen – so genannte Nanotubes – herstellt. Mitte Januar nun hat das Unternehmen, das früher selber zum Leverkusener Multi gehörte, beim Regierungspräsidium Freiburg einen Antrag auf einen dauerhaften Betrieb sowie auf eine Kapazitätserweiterung gestellt. Die zuständige „Abteilung Umwelt“ hält das für eine reine Formsache. Da „keine schweren, komplexen, irreversiblen oder grenzüberschreitende, erheblich nachteilige Unweltauswirkungen auf den Standort (...) zu erwarten“ seien, will sie auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung verzichten und im Genehmigungsverfahren lediglich immissionsschutzrechtliche Aspekte berücksichtigen und eine Erheblichkeitsuntersuchung durchführen.

Dagegen protestieren der Verein LEBENSWERTER HOCHRHEIN und die ÖKOLOGISCHE ÄRZTE-INITIATIVE HOCHRHEIN IM BUND. Die Gruppen befürchten nämlich sehr wohl negative Auswirkungen. Es wäre nicht das erste Mal in der Menschheitsgeschichte, dass bei einer Neuentwicklung mit Blick auf den verlockenden steigenden Umsatz erste Hinweise auf bedeutsame Gesundheitsgefahren nicht beachtet werden. Man denke nur an Asbest, die Atomkraft und Holzschutzmittel. Und bei der Nano-Technologie gibt es solche Anzeichen, denn sie lässt Werkstoffe auf winzig kleine Größen schrumpfen, wodurch diese unbekannte und nicht selten gefährliche Eigenschaften entwickeln. So konstatiert das „Fraunhofer Institut für Toxikologie“: „Einige Untersuchungen weisen daraufhin, dass bestimmte Nano-Tubes mit speziellen Eigenschaften beim Einatmen ähnlich krebserregend sein könnten wie Asbest-Fasern.“ Und der BAYER-Konzern selber hält in dem Sicherheitsdatenblatt zu den „BAYTUBES C 70P“ fest: „Achtung – noch nicht vollständig geprüfter Stoff“ und warnt vor einem Kontakt mit dem Material, denn: „Toxikologische Untersuchungen am Produkt liegen nicht vor.“

Zudem kommen bei der Herstellung von BAYTUBES brennbare Gase wie Ethen und Wasserstoff zum Einsatz, die sich teilweise neben nano-haltigen Feinstäuben und dem krebsauslösenden Kobalt in der Abluft wiederfinden.

Uns ist nicht verständlich, warum bei derart hochexplosiven Einsatzstoffen und gesundheitsgefährdenden Abgasen und angesichts eines Produkts, für das noch keine ökotoxologische Untersuchungen vorliegen, eine solche Anlage nicht zwingend der Störfallverordnung unterliegen muss und eine Umweltverträglichkeitsprüfung zu durchlaufen hat. Noch dazu, wo sie laut Regierungspräsidium mitten in einem „sensiblen Umfeld“ liegt (zwei Kindergärten und zwei Schulen, Wohngebiete und der Rhein in unmittelbarer Nähe!).

Hier drängt sich der Verdacht auf, dass der Regierungspräsident mit einer solchen Unterlassungshandlung die Produktionsfreudigkeit der Industrie begünstigen will – zum Nachteil von Mensch und Umwelt. Wir fordern hingegen den Nachweis der Unbedenklichkeit und die Offenlegung aller BAYER-Studien zu den Nanotubes. Eine Betriebsgenehmigung auf Basis einer derart oberflächlichen Einschätzung des Gefährdungspotenzials halten wir für nicht verantwortbar. Und dieses werden wir auch auf dem für den 21. März angesetzten Erörterungstermin deutlich machen.

Barbara Dohmen ist Allgemein- und Umweltmedizinerin und gehört dem Vorstand der Vereine LEBENSWERTER HOCHRHEIN und ÖKOLOGISCHE ÄRZTE-INITIATIVE HOCHRHEIN IM BUND an.

[Nachhaltigkeitsbericht] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Nachhaltig unnachhaltig

BAYERs Umweltbilanz

Nachhaltigkeit, so weit das Auge reicht - dieses Selbstporträt zeichnete der Leverkusener Multi bei der Vorstellung seiner neuesten Umweltbilanz. Ein Blick in das Kleingedruckte ergibt jedoch ein ganz anderes Bild: Für Kohlendioxid und fast alle anderen schädlichen Stoffe steigen die Emissionswerte an.

Von Jan Pehrke

Schon bei der Vorstellung erhielt der neueste Nachhaltigkeitsbericht des Leverkusener Multis Absolution von höchster Stelle. Ein Vertreter der Vereinten Nationen präsentierte ihn nämlich gemeinsam mit BAYERs Forschungsvorstand Wolfgang Plischke - der bislang größte Erfolg der PR-Strategie des Konzerns, durch Kooperationen mit der UN etwas von der Nobilität der Organisation auf die eigenen profanen Geschäfte abstrahlen zu lassen. Und Wolfgang Engshuber von der „UN-Initiative für nachhaltiges Investment“ zeigte sich dann auch sehr beeindruckt von dem Werk: „Da stehen ja ungeheuer viel Informationen drin!“. Zeit, sie zu bewerten, hatte er aber offensichtlich nicht, sonst wäre sein Urteil kaum so positiv ausgefallen.

Alles öko oder was?
Damit hatte er den anwesenden ReporterInnen aber wenigstens voraus, den Report gelesen zu haben. Die JournalistInnen gaben sich gleich damit zufrieden, wiederzugeben, was Plischke ihnen in den Schreibblock diktierte. „Ein noch ambitionierteres Klimaziel“ habe sich das Unternehmen gesetzt, verkündete etwa die Faz. Als „signifikante Entkoppelung der Produktionsmenge vom Treibhausgas-Ausstoß“ lobte sie das Vorhaben, die Kohlendioxid-Emissionen pro Tonne Verkaufsprodukt gegenüber 2005 um 35 Prozent senken zu wollen. Dass dieser schönen neuen Relativitätstheorie eine häßliche absolute Zahl gegenüberstand - BAYERs CO2-Produktion stieg 2010 um fünf Prozent auf 8,5 Millionen Tonnen - , fand die Zeitung nicht weiter bedenklich. Und der Rheinischen Post zufolge hatte sich „der Chemie-Riese Nachhaltigkeit ganz groß auf die Fahnen geschrieben“. Sie übernahm nämlich unreflektiert den erweiterten Nachhaltigkeitsbegriff Wolfgang Plischkes, der darunter auch die Pillen-Fertigung bzw. „die Gesundheitsversorgung“ und die Pestizid-Produktion bzw. „die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung“ subsummiert - also fast die gesamte Produkt-Palette des Unternehmens.
Im Nachhaltigkeitsbericht selber geht BAYER ebenfalls nach der Methode vor, die harten Fakten hinter Begriffsnebel zu verstecken. So finden sich darin weitschweifige Artikel über alles und jedes, aber die Tabellen mit der wirklichen Umweltbilanz hat der Multi im neuen Report aus den Texten genommen und an den unteren Rand der Seiten verbannt. Wer das Kleingedruckte trotzdem aufmerksam studiert, der verliert rasch den Glauben an einen grünen Global Player im Allgemeinen und ein „verstärktes Klima-Engagement“ im Besonderen. Da mochte Wolfgang Plischke bei der Präsentation der Umweltbilanz noch sehr frohlocken: „Den größten Hebel zur Treibgas-Reduktion sehen wir bei der Energie-Effizienz in unseren Produktionsanlagen“ und von einer Senkung der produkt-spezifischen Emissionen schwärmen, unterm Strich bleibt für 2010 nur eine Steigerung des Kohlendioxid-Ausstoßes um 400.000 Tonnen auf 8,5 Millionen Tonnen übrig. Und der Global Player denkt auch gar nicht an einen Abbau. Im Gegenteil: Von einem Vertreter der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN auf der Hauptversammlung im April 2011 nach der zukünftigen Klimapolitik gefragt, kündigte BAYER-Chef Marijn Dekkers sogar eine Steigerung an. Im vorletzten Nachhaltigkeitsbericht ist diese noch genau beziffert: 9,3 Millionen Tonnen CO2 stellt BAYER bis 2020 in Aussicht. Im neuen Nachhaltigkeitsbericht findet sich diese düstere Prognose nicht mehr - der Konzern hat das Feld unter der Rubrik „Ziel 2020“ lieber frei gelassen.

Gift-Hotspot Vapi
Auch von den anderen, z. T. ebenfalls klimaschädigenden, aber vor allem die Ozonschicht zerstörenden Stoffen - unter dem Begriff ODS (ozon depleting substances) zusammengefasst - gelangt eine größere Menge in die Luft als im Vorjahr. Um 19 Prozent auf 20,8 Tonnen erhöhte sich der betreffende Wert. Und bei den besonders gefährlichen flüchtigen organischen Substanzen, den so genannten VOCs, gibt es ebenfalls keine Entwarnung. Mit 2.540 Tonnen im Jahr verzeichnete der Agro-Riese lediglich einen Rückgang von 50 Tonnen. Dafür macht der Pharma-Riese vor allem ein Werk verantwortlich. „Mehr als 70 Prozent dieser VOC-Konzern-Emissionen werden am BAYER CROPSCIENCE-Standort Vapi (Indien) emittiert“, konstatiert der Bericht. Auf einen solchen Anteil kommt die Fertigungsstätte auch bei den ODS. Der Leverkusener Multi befindet sich damit in guter Gesellschaft. Das US-amerikanische Blacksmith Institute hat die Industrie-Zone um Vapi mit ihren 1.500 Fabriken und 71.000 AnwohnerInnen lange zu den meistverseuchtesten Regionen der Erde gezählt, erst in jüngster Zeit verschwand sie dank einiger Umweltschutz-Projekte von der Liste. Indien selber setzte Vapi allerdings noch im letzten Jahr auf Platz 2 der meistverschmutztesten Gebiete im Land - hinter Ankleshwar, wo der Global Player ebenfalls eine gemeingefährliche Produktion betreibt (siehe Ticker 4/11). Seit Jahren verspricht er in seinen Nachhaltigkeitsberichten nun schon Besserung, passiert ist jedoch in Vapi bislang nichts. Jetzt kündigt das Unternehmen an, bis 2015 „Verfahrensoptimierungen und zusätzliche technische Maßnahmen in der Abluft-Reinigung“ durchzuführen. So lange müssen die Menschen also mindestens noch mit der Dreckschleuder made by BAYER leben.
Aber nicht nur mit Klima-Killern belastet der Konzern die Atmosphäre. Auch gesundheitsgefährdende Substanzen wie Kohlenmonoxid, Schwefeloxide, Stickoxide und Feinstäube blasen seine Schornsteine in die Luft. Die Mengen bleiben dabei konstant oder wachsen sogar, lediglich der Schwefeloxid-Wert ging 2010 geringfügig von 2.800 auf 2.700 Tonnen pro Jahr zurück.

Wasser in Not
Mit den anderen Elementen geht der Multi nicht pfleglicher um. Sein Durst nach sauberem Wasser nimmt ebenso zu wie sein dringendes Bedürfnis, Schadstoffe in die Flüsse zu entsorgen. Um 16,5 Prozent auf 474 Millionen Kubikmeter stieg sein Flüssigkeitsbedarf im Berichtszeitraum, und der Output ließ ebenfalls nicht zu wünschen übrig. 1.420 Tonnen organisch gebundenen Kohlenstoff (TOC) leitete der Pharma-Riese 2010 in die Gewässer ein - 70 Tonnen mehr als 2009. Anorganische Salze legten von 726.000 Tonnen auf 866.000 Tonnen zu und Schwermetalle von 9 auf 11,4 Tonnen. BAYER macht dafür nicht nur die Ausweitung der Produktion verantwortlich, im Falle des TOCs und der Schwermetalle führt er den Anstieg auch auf Abriss-Maßnahmen zurück, was zeigt, welche Umweltbelastung vom Rückbau ausgehen kann. Darum ist hier in nächster Zeit auch keine Entlastung zu erwarten. Aktuell stellt das Unternehmen nämlich die Chlor-Fabrikation in Krefeld auf quecksilber-freie Verfahren um. Der Vorstandsvorsitzende Marijn Dekkers versicherte der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) auf der letzten Hauptversammlung zwar, der Konzern würde beim Umbau mit aller nötigen Sorgfalt vorgehen, aber trotzdem dürften die Arbeiten zu erhöhten Quecksilber-Werten führen. Diese werden allerdings nicht im nächsten Nachhaltigkeitsreport auftauchen. Der Gen-Gigant führt sie seit einigen Jahren nicht mehr gesondert auf und versteckt sie stattdessen unter den Zahlen für Schwermetalle.
Eine positive Entwicklung verzeichnet er allein bei Phosphor und Stickstoff. Die betreffenden Werte gingen von 740 auf 90 Tonnen bzw. von 640 auf 490 Tonnen zurück. Aber einer nachhaltigeren Produktion ist das nur zu einem geringeren Teil zu verdanken. Für die schmeichelhaftere Phosphor-Zahl sorgte neben einer optimierten Kunststoff-Herstellung am Standort Baytown eine schnöde Betriebsschließung in Berkeley, und die Stickstoff-Reduktion gelang lediglich durch den außerplanmäßigen 6-monatigen Stillstand der Insektizid-Fertigung am Standort Institute.
Das Abfall-Volumen sank hingegen von 918.000 auf 809.000 Tonnen, wobei der Multi allerdings nur den selbst erzeugten Müll dokumentiert und nicht den im Rahmen seiner Geschäftstätigkeit für andere Unternehmen entsorgten. Der Anteil gefährlicher Reststoffe an der Gesamtmenge schmolz ebenfalls von 375.000 auf 354.000 Tonnen ab. Das ist aber nicht etwa das Resultat einer umfassenderen Kreislauf-Wirtschaft, denn BAYER produzierte mehr gesundheitsgefährdende Rückstände als 2009. Warum der Giftmüll-Berg trotzdem schrumpfte, erläutert der Nachhaltigkeitsbericht: „Weniger Abriss- und abgeschlossene Sanierungsarbeiten führten 2010 zu einer stark reduzierten Menge gefährlichen Bauschutts, was sich in der Reduktion der Erzeugung gefährlichen Abfalls zeigt.“

Menschen in Not
„Umweltereignisse“ gab es 2010 sechs, zwei weniger als 2009, wohingegen die Transport-Unfälle von fünf auf sieben zunahmen. Ein Mensch kam dabei ums Leben. Wie vielen Belegschaftsangehörigen bereits der Normalbetrieb die Gesundheit kostet, das hingegen vermeldet der Konzern schon lange nicht mehr in seinen Nachhaltigkeitsberichten. Die letzten Angaben zu den von der Berufsgenossenschaft anerkannten Berufskrankheiten – da BAYER & Co. bei den Berufsgenossenschaften mehr als nur ein Wörtchen mitreden, gibt es auch viele nicht anerkannte - stammen aus dem Jahr 2000. Damals waren es 130 Erkrankungen, die meisten von Asbest oder Lärm ausgelöst. Die CBG kritisierte diese Geheimniskrämerei auf der letzten Hauptversammlung und fragte nach den aktuellen Zahlen. Dreizehn Fälle nannte BAYER-Chef Marijn Dekkers, eine solche wundersame Abnahme erscheint jedoch reichlich unglaubhaft.
Aber eine Gefahr für Mensch, Tier und Umwelt geht nicht nur von der Produktion des Chemie-Multis aus, sondern auch von den Produkten, die er herstellt. „Produktsicherheit wird großgeschrieben“ - diese Beteuerung des Nachhaltigkeitsberichts verweist die Realität ins Reich der Legenden. Zahlreiche BAYER-Fabrikationen fügen Personen Schaden zu und beschäftigen deshalb die Gerichte und Aufsichtsbehörden. Die Antibaby-Pillen aus der YASMIN-Familie lösen Thrombo-Embolien aus und brachten allein in den USA bereits mehr als 190 Frauen den Tod. Nicht zugelassener Genreis tauchte unvermittelt in Supermarkt-Packungen auf, und die daraufhin erlassenen Import-Verbote für Reis aus den USA bedrohten die Existenz zahlreicher FarmerInnen. Die in Verpackungsmaterialien Verwendung findende Industrie-Chemikalie Bisphenol A (BPA) steht in dringendem Tatverdacht, Schädigungen des Nervensystems, Übergewicht, Unfruchtbarkeit, Diabetes sowie Herz- und Lebererkrankungen zu verursachen, weshalb die EU 2011 ihren Gebrauch in Baby-Flaschen verbot. Und die Pestizide des Agro-Riesen fordern immer wieder Vergiftungsopfer.
Den Konzern jedoch ficht das alles nicht an. Ein „verantwortungsvoller Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“ sei herrschende Praxis, bekundet der Nachhaltigkeitsreport. Und auf Bisphenol A lässt er ebenfalls nichts kommen: „Im Einklang mit zahl- und umfangreichen wissenschaftlich validen Studien sind wir weiterhin der Überzeugung, dass die Sicherheit von BPA in den bestehenden Anwendungsgebieten gegeben ist.“ Und die sieht der Bericht auch im Fall von LIBERTYLINK-Reis und YASMIN & Co. als gegeben an.

Nicht nur wegen dieser Beratungsresistenz fällt das Fazit nach der Lektüre des Nachhaltigkeitsberichtes ernüchternd aus. Aller Bekenntnisse à la „Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Unternehmensstrategie“ zum Trotz deuten fast alle Indikatoren in eine andere Richtung. Die Umweltbilanz des Leverkusener Multis weist noch schlechtere Zahlen aus als ihr Vorgänger und ist noch lange nicht im grünen Bereich.

[CO Pipeline] STICHWORT BAYER 02/2012

CBG Redaktion

Die Pipeline-Streitsache

BAYERs Rohrkrepierer

Seit sechs Jahren schwellt nun schon der Streit um die Pipeline, die BAYER zwischen Dormagen und Krefeld in Betrieb nehmen will. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Von Uwe Koopmann

Das Oberverwaltungsgericht für das Land Nordrhein-Westfalen zeigt in seiner Terminvorschau für den Februar 2012 einen vollen Sitzungskalender für öffentliche Verhandlungen. BAYER, die CO-Pipeline und Bauer Muhr werden allerdings am Münsteraner Aegidienkirchplatz 5 in noch nicht erwartet. Eine genaue Auskunft über das Datum für die Entscheidung in Sachen „Kohlenmonoxid-Rohrleitung“ vermochten weder Dr. Ulrich Lau, Vorsitzender Richter am OVG Münster noch Michael Schlösser, Leitung Externe Kommunikation bei BAYER MATERIALSCIENCE AG in Leverkusen, zu geben. Dabei zieht sich die juristische Auseinandersetzung inzwischen schon über sechs Jahre hin. „Die Sache ist noch lange nicht ausgeschrieben. Bislang liegen lediglich die Berufungsbegründungen der Beteiligten vor. Stellungnahmen dazu stehen noch aus. Damit ist das Verfahren noch nicht entscheidungsreif und eine Terminierung derzeit nicht absehbar“, antwortete Lau auf eine entsprechende SWB-Nachfrage. Für BAYER ist das eine verlorene Zeit. Alles hätte – Time to Market – noch schneller und noch kostengünstiger laufen können. Wären da nicht die vielen engagierten Leute, die ebenfalls seit Jahren gegen die Inbetriebnahme der hochgiftigen CO-Pipeline des Konzerns kämpfen.

Wie alles anfing
Den Startschuss für die Pipeline gab der 15. März 2006, als das „Rohrleitungsgesetz“ im Plenum des NRW-Landtages ohne Aussprache beschlossen wurde. Das ging so glatt über die Bühne, weil schon zuvor der Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie eine zustimmende Empfehlung ausgesprochen hatte. In den Umweltausschuss brachten CDU und FDP den Gesetzentwurf erst gar nicht ein. Und dem Plenarsaal präsentierten sie ihn am 16. März unter dem irreführenden Titel: „Flüssiggas als Chance für mehr Versorgungssicherheit und Wettbewerb im Gasmarkt. Flüssiggas als Chance für mehr Versorgungssicherheit und Wettbewerb im Gasmarkt“. Auch die spätere Bezeichnung des Paragrafen-Werks trug nichts zur Erhellung bei: „Gesetz über die Errichtung und den Betrieb einer Rohrleitungsanlage zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen“.

Die partielle Blindheit der Landtagsabgeordneten oder potentielle Verblödung angesichts des harmlos erscheinenden Rohrleitungsgesetzes erklärt sich vielleicht auch etwas, wenn die „Geburtsstunde“ des Gesetzes in den Blick gerät. In dem Zusammenhang taucht die Frage auf, ob das Gesetz nach den Regeln der Geschäftsordnung des Landtages überhaupt hätte verabschiedet werden dürfen. Der Paragraph 39 hängt die Latte hoch: „Der Landtag ist beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte der gesetzlichen Mitgliederzahl anwesend ist“. Aus heutiger Sicht ist es strittig, ob genug Abgeordnete im Saal waren. Das jedoch thematisierte während der Sitzung niemand, weshalb keine Ahndung erfolgte. Es hätte allerdings auch eine schnelle Reaktion sein müssen: „Die Beschlussfähigkeit des Hauses kann nur unmittelbar vor (Hervorhebung d. V.) einer Abstimmung angezweifelt werden.“ Nach der Abstimmung – oder heute – sind die Zweifel nicht mehr rechtswirksam. Es stellt sich trotzdem die Frage, warum kein einziger der späteren KritikerInnen der CO-Pipeline erklärt hat: „Aber hallo, der Saal ist ja mehr als nur halb leer!“ In diesem Fall hätte sich allerdings der zweite Notausgang geöffnet: „Wird die Plenarsitzung wegen Beschlussunfähigkeit aufgehoben, so wird die Abstimmung zu Beginn der nächsten Sitzung nachgeholt.“

Die ProtokollantInnen des Landtages hatten es leicht, denn der Tagesordnungspunkt 13 war in wenigen Momenten abgehandelt: „Auch hier ist eine Beratung heute nicht vorgesehen, sodass wir unmittelbar zur Abstimmung kommen ... Wer dieser Empfehlung folgen möchte, der möge die Hand aufzeigen. – Gegenstimmen? – Enthaltungen? – Damit ist die Beschlussempfehlung einstimmig angenommen und in zweiter Lesung“ (Plenarprotokoll 14/23 vom 15.03.2006 auf Seite 2411). So schnell geht das, wenn sich die Fraktionen einig sind. Die Sitzung begann übrigens nach Protokollangaben um 10.03 Uhr und endete um 17.39 Uhr. Bis zum Tagsordnungspunkt 11 werden penibel die unterschiedlichen Minuten für die Redezeiten der einzelnen Fraktionen vorgegeben. Danach heißt es zum „Beratungsverfahren“ übereinstimmend „ohne Debatte“. Die Verabschiedung des Gesetzes war außerhalb der „Kernzeit“ avisiert. Die Tagesordnung enthielt noch einen ergänzenden Hinweis: „Am Donnerstag, dem 16. März 2006, findet um 9.15 Uhr im Raum E 3 – Z 03 eine Landtagsandacht statt.“

Die „Time to Market“ (Vorbereitungszeit zur Inbetriebnahme der CO-Pipeline) dehnte sich auch noch nach den Geburtswehen. Zunächst läuft alles nach Plan. Der Startschuss für den Baubeginn der Kohlenmonoxid-Leitung fällt am 15. Februar 2007 an drei Stellen gleichzeitig: in Solingen, Langenfeld und in Duisburg-Süd. Ein halbes Jahr später wird in allen Kommunen gebuddelt. Aber dann kam von der 3. Kammer des Verwaltungsgerichts Düsseldorf im Mai 2011 das Stopp-Zeichen: Die Bezirksregierung Düsseldorf hatte sich wieder einmal als kleiner Helfer von BAYER erwiesen und einen Planfeststellungsbeschluss geliefert, der den Interessen von BAYER entsprach – aber nicht der Rechtslage. Auch für eine Pipeline muss der Antragsteller nämlich eine Erdbebensicherheit nachweisen. Und dieser Nachweis fehlte, weshalb die Pipeline nicht in Betrieb gehen durfte. Ein neues Planverfahren der Bezirksregierung Düsseldorf, mit dem es BAYER gelingt, eine Unzahl von „kleinen Fehlern“ zu korrigieren, wäre allerdings ein Freibrief für die spätere Inbetriebnahme.

Die aktuelle Situation
Ein nächster Schritt ist auf das OVG in Münster gerichtet. Dort geht es dann wieder um Grundsätzliches: Sind die Interessen des BAYER-Konzerns identisch mit dem „Allgemeinwohl“? Durfte der NRW-Landtag ausgehend von dieser Gleichsetzung Zwangsenteignungen im Trassenbereich durch das Rohrleitungsgesetz legalisieren? Wann das Gericht diese Fragen beantwortet, steht jedoch noch nicht fest.
So schnell, wie der ehemalige Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow die Wünsche von BAYER erfüllte, so groß sind nach seinem Abgang die Hoffnungen der Pipeline-Gegner, dass seine Nachfolgerin Anne Lütges Verstöße gegen die Planungsvorgaben wie zu schmale Sicherheitsmatten über der Pipeline, Schummeleien bei der Rohrqualität oder Abweichungen von der Trassenführung nicht mehr einfach so durchgewinkt. So legte das Verwaltungsgericht Stuttgart für eine Ethylen-Pipeline in Baden-Württemberg eine Distanz von mindestens 350 Metern zu Wohnhäusern fest. In Hilden nähert sich die CO-Pipeline Häusern aber bis auf 20 Meter. Bei einem Totalbruch gäbe es hier sofort 140 Tote. Hier hat BAYER nicht korrigiert. Bleiben auch noch die scharfen Bomben aus dem 2. Weltkrieg im Umfeld der Pipeline. Luftbild-Aufnahmen haben sich bei der Suche als unzuverlässig erwiesen. Trotzdem fanden sich auch ohne sichtbaren Anhaltspunkt gleich mehrere Exemplare.

Vielfältige Aktivitäten
In einem Brief an sämtliche Abgeordneten des NRW-Landtages kritisieren die Gegner der CO-Pipeline von BAYER, dass sich dieser Chemie-Konzern neue Quellen für Monopol-Gewinne aus der Herstellung von Vorprodukten wie Polycarbonat sichern will. Als weitere Einnahmequelle wünscht sich der Leverkusener Multi, dass die hochgiftige CO-Pipeline endlich in Betrieb gehen soll. Die Forderung der CO-Pipeline-Gegner an den Landtag: „Schalten Sie die CO-Pipeline 2012 politisch ab und stellen Sie Monopolen wie BAYER endlich einmal die Gegenrechnung auf.“ Dazu müsste der Landtag allerdings Entscheidungen treffen, mit denen die Giftgasleitung endgültig gestoppt wird.

Da dies eher unwahrscheinlich ist, gehen für die Initiativen der offene Protest und die Arbeit hinter den Kulissen weiter. Das Pipeline-Kataster, die Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf durch die Bezirksregierung und deren Umgang mit dem Planfeststellungsverfahren sowie die von der rot-grünen Koalition angekündigte Evaluierung des Rohrleitungsgesetzes stehen an.
Der Koalitionsvertrag legt fest, dass die Landesregierung bis Ende 2010 das Rohrleitungsgesetz evaluieren muss. In der Vereinbarung heißt es dazu: „Die Landesregierung überprüft bis zum 31. Dezember 2010 die Auswirkungen dieses Gesetzes und unterrichtet den Landtag. In diesem Zusammenhang wollen wir den bislang versäumten Versuch unternehmen, in Vermittlung zwischen Unternehmen und Betroffenen einen Dialogprozess und eine umfassende Problemlösung auszuloten. Dabei soll auch ein Ausbau der Produktion von Kohlenmonoxid am Standort Uerdingen geprüft werden.“ Ein Gesetzesantrag, dass die Regierungsparteien von SPD und Grünen nach diesem Prozess das Rohrleitungsgesetz von CDU und FDP aufheben wollen, ist nicht bekannt.
Dieter Donner, Pressekoordinator der Initiativen, kündigte zum Auftakt der diesjährigen Aktivitäten einen Wiederaufbau der zerstörten Dauermahnwache in Hilden an. „Damit starten wir unsere öffentlichen Kampagnen im Jahr 5 der Planfestellungsgenehmigung und empfinden Genugtuung darüber, dass auch vier Jahre nach dem ursprünglich geplanten Start des CO-Transportes durch diese Leitung noch kein Giftgas strömen konnte und durfte. Wir werden weiter dafür kämpfen, dass dies so bleibt. Sicher werden die betroffenen Bürger wachsam bleiben und uns weiter unterstützen“, so Donner.