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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[WAZ] Westdeutsche Allgemeine

CBG Redaktion

Westdeutsche Allgemeine, 16. Juni 2007

Giftige Stoffe liegen in der Luft

Feinstaub, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid – zahlreiche Sondermüllverbrennungsanlagen in NRW stoßen im mehr gefährliche Abfälle aus. Beim Geschäft mit dem Sondermüll geht es um viel Geld

Essen. Das Verbrennen von Sondermüll ist in Nordrhein-Westfalen nach wie vor eine hochgiftige Angelegenheit. Das zeigt der Blick auf neu veröffentlichte Daten des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv). Demnach lag in zahlreichen Sondermüllverbrennungsanagen bei der bislang letzten Messung 2004 der Ausstoß bestimmter Giftstoffe viel höher als bei der vorherigen Messung m Jahr 2000.

Zum Beispiel bei BASF in Münster. Dort lag der Ausstoß von Kohlenmonoxid im Jahr 2004 bei 388 Kilogramm. Vier Jahre zuvor waren es nur 183 Kilogramm. Bei Dynamit Nobel in Leverkusen stieg der Schwefeldioxid-Ausstoß von 758 Kilogramm im Jahr 2000 auf 2637 Kilogramm. Schweldioxid trägt in erheblichem laß zur Luftverschmutzung bei. Ebenfalls deutlich in die Höhe gingen dort die Feinaub-Emissionen. Von gut 600 Kilogramm auf über 900 Kilogramm.

Feinstaub gehört zu den gefährlichsten Schadstoffen. Er stetzt sich in der Lunge fest, verursacht Krebs und führt zu Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Hauptversacher von Feinstaub ist neben den Kraftfahrzeugen vor allem die Industrie.

Die Ausstoßangaben für die weiligen Anlagen beruhen auf freiwilligen Angaben der jeweiligen Betreiber. Die sind manchmal nicht immer eindeutig. Etwa bei BASF. So wurde im Jahr 2000 der Ausstoß von gerade sechs Kilogramm Feinstaub angegeben. Vier Jahre später hieß es lediglich, der Ausstoß habe unter 100 Kilogramm gelegen.

Bei Bayer in Leverkusen führten zunächst falsch veröffentlichte Zahlen des Landesamtes zu Verwirrung. Am Ende stellte sich heraus, dass der Ausstoß von Giftstoffen 2004 ähnlich hoch gewesen ist wie vier Jahre zuvor. Das aber ändert nichts an der Tatsache, dass Bayer einsamer Spitzenreiter ist beim Freisetzen gefährlicher Stoffe. Allein in der Leverkusener Anlage wurden 2004 knapp 22 Tonnen Schwefeldioxid freigesetzt, zehn Tonnen Ammoniak und 160 Tonnen Stickoxide. In der Bayer-Anlage in Dormagen gingen 67 Tonnen Stickoxide und knapp fünf Tonnen Schwefeldioxid in die Luft.

Sowohl in Leverkusen als auch in Dormagen sollten 4500 von 22 000 Tonnen australischen Giftmülls verbrannt werden. Außerdem in einer Anlage in Herten und in Brunsbüttel (Schleswig-Holstein). NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) hat diesen Import jetzt untersagt. Das Verbrennen von Sondermüll in deutschen Anlagen ist ein lohnendes Geschäft. Es geht um viel Geld. Die Entsorgung des australischen Sondermülls hätte allein Bayer rund drei Millionen Euro Umsatz gebracht.

Damit sich die oft überdimensionierten Anlagen rechnen, sind deren Betreiber aber auch auf lukrative Sondermüll-Lieferungen aus dem Ausland angewiesen. So verwundert es nicht, dass sich Bayer bis zuletzt um den australischen Sondermüll bemühte. Erst im Jahr 2004 nämlich wurde die Kapazität des Dormagener Sondermüllofens von 56 000 Tonnen auf 75 000 Tonnen ausgeweitet.

Giftmüll aus Brunei
In NRW gibt es 13 Sondermüllverbrennungsanlag Davon sind zwölf im Besitz von Chemiekonzernen, Gefüttert werden viele diese Anlagen mit Giftabfällen aus dem Ausland. Die Liste ist lang Quecksilber-Reste aus Brunei, aus Kolumbien kamen Chemikalien, aus Mexiko PCB Öle. Zwischen 1999 und wurde aus 52 Staaten Müll nach NRW geliefert. online Diskussion: Sondermüll in NRW verbrennen? Von Wolfgang Pott

[HCB] Hexachlorbenzol

CBG Redaktion

Presse-Information vom 15. Juni 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Kampagne gegen HCB-Import erfolgreich!

Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Alle Müllimporte gehören auf den Prüfstand“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren begrüßt die Entscheidung der Umweltminister von Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen, die Einfuhr von australischem Sondermüll abzulehnen. Nach Ansicht der Umweltminister Christian von Boetticher und Eckhart Uhlenberg verstößt das Vorhaben gegen das Basler Abkommen, das den Export gefährlicher Chemikalien regelt. Die australischen Behörden hätten nicht ausreichend dargelegt, dass der Sondermüll nicht vor Ort beseitigt werden könne.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Dies ist ein großer Erfolg für die Umweltbewegung und die Initiativen vor Ort. Ohne den lautstarken Protest der Betroffenen wäre das Projekt von den Behörden durchgewunken worden. Widerstand gegen risikoreiche Geschäfte lohnt sich!“ Die australische Firma ORICA hatte im Winter beantragt, 22 000 Tonnen hexachlorbenzolhaltiger Abfälle nach Deutschland zu bringen. Der Sondermüll sollte in Brunsbüttel, Herten sowie in Müllöfen des BAYER-Konzerns in Dormagen und Leverkusen verbrannt werden.

„Nun gehören alle Müllimporte auf den Prüfstand. Allein der BAYER-Konzern verbrennt Sonderabfälle von 300 Firmen aus aller Welt. Wir fordern eine Offenlegung aller Importe nach Herkunft und Inhaltsstoff sowie eine drastische Reduzierung der Importe. Es ist nicht hinnehmbar, dass ein so dicht besiedeltes Land wie die Bundesrepublik, das bereits eine hohe Umweltbelastung aufweist, zum Ziel internationaler Giftmülltransporte wird“, so Mimkes weiter. Allein nach Nordrhein-Westfalen hat sich der Import von Sondermüll in den letzten 10 Jahren verzehnfacht.

Der Müllofen von BAYER Dormagen war 2004 im Hauruck-Verfahren vergrößert worden, um Sonderabfälle aus aller Welt verbrennen zu können. Die CBG hatte sich bereits Ende der achtziger Jahre gegen den Bau der Anlage ausgesprochen und einen Giftmüll-Tourismus prognostiziert. Genehmigt war die Dormagener Anlage ursprünglich nur für Abfälle des BAYER-Konzerns sowie für Sondermüll aus dem Kreis Neuss.

weitere Informationen:
11.000 Protest-Unterschriften für Umweltminister Uhlenberg
Fotos von den Protesten zur BAYER-Hauptversammlung
Alle Informationen zur Kampagne

[WDR] Kampagne gegen Giftmüllimporte

CBG Redaktion

WDRonline, 15. Juni 2007

Landesregierung lehnt Anträge ab

Kein Giftmüll aus Australien

Australischer Sondermüll soll nicht in NRW verbrannt werden. NRW-Umweltminister Eckhart Uhlenberg (CDU) hat die Bezirksregierungen Münster, Düsseldorf und Köln angewiesen, entsprechende Anträge nicht zu genehmigen.

Stopp für den Giftmüll
Ein australischer Chemiekonzern wollte belasteten Restmüll in den Müllverbrennungsanlagen in Herten, Dormagen und Leverkusen entsorgen lassen. Dagegen hatten sich im Land heftige Proteste geregt. Umweltminister Eckhart Uhlenberg (CDU) wies jetzt die Bezirksregierungen Münster, Köln und Düsseldorf an, die Anträge nicht zu genehmigen.
Eine frühere Entscheidung sei nicht möglich gewesen, sagte Uhlenberg. Erst seit einer Woche habe die Erklärung Australiens vorgelegen, worin sich das Land außerstande erklärt, den Giftmüll im eigenen Land zu entsorgen. „Die vertiefende Erläuterung ist nach Einschätzung des beauftragten Gutachters nicht mit den internationalen Regeln vereinbar“, sagte Markus Fliege vom NRW-Umweltministerium.

Kein Export von Protesten
Uhlenberg hatte einen Abfallrechtler mit der Prüfung beauftragt, dessen Gutachten die Grundlage für die Entscheidung des Ministers bildet. Aus den nachgereichten Unterlagen zu den Anträgen gehe als Hauptgrund hervor, dass der Müll nicht in Australien entsorgt werden könne, weil die dortige Regierung bei der Beseitigung vor Ort mit heftigen Protesten rechnet. „Da können wir nur sagen: Müll kann zwar exportiert werden, nicht aber Proteste“, so Fliege. Diese Begründung stehe nicht im Einklang mit den Bestimmungen des Baseler Abkommens, wonach Sonderabfall möglichst dort zu entsorgen sei, wo er anfalle.

Ablehnung auch in Schleswig-Holstein
Die australische Firma Orica Australia hatte Ende vergangenen Jahres beantragt, bis zu 22.000 Tonnen mit Hexachlorbenzol verunreinigte Abfälle nach Deutschland zu bringen. Bis zu 5.000 Tonnen davon sollten in Brunsbüttel in Schleswig-Holstein verbrannt, die übrige Menge nach Nordrhein-Westfalen gebracht und in Herten, Leverkusen und Dormagen verbrannt werden. Auch die schleswig-holsteinische Landesregierung hat die Anträge abgelehnt.

[SH] Kampagne gegen Giftmüllimporte

CBG Redaktion

Umweltministerium Schleswig-Holstein

Einfuhr und Beseitigung von Sondermüll aus Australien wird abgelehnt

Umweltminister Dr. Christian von Boetticher: „Antragsbegründung unzureichend“

Kiel, 15.06.2007 - Die Einfuhr und Beseitigung von Sondermüll aus Australien nach Schleswig-Holstein wird abgelehnt. Das teilte Umweltminister Dr. Christian von Boetticher mit. Zur Begründung sagte er: „Die geplante Verbringung des Sondermülls verstößt gegen das Basler Übereinkommen. Dabei handelt es sich um ein internationales Abkommen, das die grenzüberschreitende Verbringung von gefährlichen Abfällen regelt. Danach hat die Entsorgung gefährlichen Abfalls vorrangig im Inland zu erfolgen. Der Export von Sondermüll ist auf ein Mindestmaß zu beschränken. Aus unserer Sicht haben die australischen Behörden nicht ausreichend dargelegt, dass eine ordnungsgemäße und umweltgerechte Beseitigung der Abfälle in Australien selbst nicht erfolgen kann. Davon hatten wir stets eine positive Entscheidung abhängig gemacht.“
Der Umweltminister verwies darauf, dass dieser Nachweis nach gültigem Recht eine zwingende Voraussetzung einer Genehmigung sei.

Australien begründete die Unmöglichkeit der Beseitigung des Abfalls im eigenen Land wie folgt:„Obwohl Orica bereits umfangreiche Untersuchungen von Pilotanlagen zur Einbindung in diese Technologie durchgeführt hat, war das Unternehmen noch nicht in der Lage, die Entwicklung und Anwendung in Australien weiterzuführen, da bisher noch kein Standort gefunden wurde, der von der ansässigen Gemeinde akzeptiert wurde.“
„Die Argumentation der australischen Behörden, die Errichtung einer geeigneten Entsorgungsanlage sei mangels Akzeptanz vor Ort nicht durchsetzbar, reicht als Begründung jedenfalls nicht aus“, sagte Christian von Boetticher. Das Basler Übereinkommen habe nicht den Zweck, mögliche Proteste der eigenen Bevölkerung in einen Drittstaat zu exportieren.
Er gehe deswegen davon aus, so der Minister weiter, dass auch Nordrhein-Westfalen die Genehmigung verweigern werde.
Zur Erinnerung: Ende 2006 hatte die australische Firma Orica die Einfuhr und Beseitigung von bis zu 22.000 Tonnen mit dem Stoff Hexachlorbenzol (HCB) verunreinigter Abfälle beantragt. Davon sollten bis zu 5.000 Tonnen in Brunsbüttel verbrannt, die übrige Menge zu Standorten in Nordrhein-Westfalen transportiert und dort entsorgt werden.

Ratingen

CBG Redaktion

14.06.2007, Rheinische Post

Ratingen: Kampf gegen Pipeline-Bau

(RP) CO-Leitung: In der kommenden Woche wird vermutlich über den Eilantrag der Stadt gegen die „Enteignung“ durch die Bezirksregierung entschieden. Ratingen will notfalls bis vors Oberverwaltungsgericht ziehen.

In Breitscheid hat Bayer bereits mit Vorarbeiten für die Verlegung der umstrittenen Pipeline für Kohlenmonoxid (CO) begonnen. Wie berichtet, hatte sich der Konzern per Enteignungsverfahren den Zugang zu den städtischen Grundstücken erstritten. Bei der Stadt erwartet man nun für die kommende Woche eine Entscheidung des Verwaltungsgerichtes über das kürzlich von der Stadt sofort angestrengte Eilverfahren gegend den Beschluss der Bezirksregierung.
Wie auch immer die Richter urteilen: Brigitta Brakmann, Chefin des Ratinger Rechtsamtes, rechnet damit, dass die endgültige Entscheidung erst beim Oberverwaltungsgericht (OVG) fällt. Es werde auf jeden Fall, von wem auch immer, Beschwerde eingelegt. Einen genauen Termin für das Eilverfahren gebe es nicht, weil auch keine mündliche Verhandlung anberaumt sei. Für das gesamte Verfahren inklusive OVG sei mit etwa zwei Monaten zu rechnen.
Die Stadt wolle den Bau komplett verhindern – nicht nur wegen der enormen Sicherheitsbedenken, die auch von den anderen betroffenen Kreisstädten angemeldet wurden. Nachdem der Bau der ebenfalls geplanten Polypropylen-Leitung auf Eis gelegt worden sei, entfielen auch sämtliche Argumente für eine Bündelung der Trassen, wie dies von der Bezirksregierung gefordert worden sei. Die beiden Bayer-Werke Uerdingen und Dormagen, die mit der CO-Leitung verbunden werden sollen, liegen beide linksrheinisch. Eine direkte Leitung würde nur etwa 35 Kilometer lang werden. Im Gegensatz dazu sind für den Umweg etwa 70 Kilometer notwendig. Auch die Kosten würden bei einer Direktlösung viel geringer liegen – immerhin müssten die Rohre zweimal unter dem Rhein hindurch verlegt werden.
Brakmann hält auch das Zeit-Argument von Bayer, möglichst zeitnah an die Verlegung der Wingas-leitung anzuschließen (RP berichtete), um nicht nebenan ins Gelände ausweichen zu müssen, für nicht besonders zugkräftig: Wingas könne gar kein Interesse daran haben, dass in einem Abstand von drei Metern (wie geplant) eine so brisante andere Pipeline vergraben werde.
Bei Wartungsarbeiten an der CO-Leitung müsse auch die Gasleitung stillgelegt werden. Dasselbe gelte, wenn nach letztinstanzlichem Urteil die CO-Leitung wieder zurückgebaut, sprich ausgegraben werde müsse. Alle Arbeiten an der CO-Leitung bedeuteten Stillstand für Wingas.
Derzeit gebe es keine Gespräche mit Bayer, auch nicht wegen des von der Stadt geforderten Sicherheitskonzeptes, sagte Brakmann. Von allen betroffenen kreisangehörigen Städten hat es Ratingen als erste Kommune „getroffen“, weil die Leitung von Nord nach Süd verlegt wird. Dementsprechend groß ist das Interesse im Kreis, wie die Gerichte im Falle Ratingen entscheiden: Enteignungsverfahren drohen auch in anderen Städten. VON JOACHIM PREUSS

[NRZ] Demo Hilden

CBG Redaktion

NRZ, 13.06.2007

Protestliste ohne Abnehmer

CO-PIPELINE. Bürgerinitiativen haben 13 000 Unterschriften gesammelt. Und wohl niemanden, dem sie sie überreichen können.

HILDEN. Mehr als 13 000 Unterschriften haben die CO-Pipeline-Gegner gesammelt. Unter anderem in Hilden, Langenfeld, Erkrath und Monheim. Bei der großen Demonstration am Samstag - Start ist um 11 Uhr an der Einfahrt Weeger an der Hildener Straße - wollen sie die Liste einem Vorstandsmitglied der Bayer AG übergeben. Nur wird von dem Unternehmen, dass die 70 Kilometer lange Pipeline quer durch den Kreis Mettmann baut, niemand vor Ort sein.
„An Sachdiskussionen zum Thema nehmen wir gerne teil. Für eine solche Veranstaltung halten wir diese Demonstration jedoch nicht“, sagt Pressesprecher Christian Zöller auf NRZ-Anfrage. Dann müssen die Gegner der längsten Kohlenmonoxid-Leitung Deutschlands die Unterschriftenlisten selbst nach Leverkusen bringen? „Ja“, heißt es dazu aus der Presseabteilung.

Stadtrat lässt Klagen gegen Enteignungen zu
Auch Regierungspräsident Jürgen Büssow kommt nicht nach Hilden. „Sein Terminkalender lässt es nicht zu“, sagt sein Pressesprecher Bernd Hamacher. Und: „Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, dass die neutrale Genehmigungsbehörde bei der Demonstration dabei ist.“
Der Stadtrat schaffte gestern die Grundlagen, um weiter gegen den Bau der Pipeline mit geruchlosem und hochgiftigem Gas vorgehen zu können. Das Gremium stimmte für einen Antrag von Horst Ferber, Kopf der Bürgerinitiative. Der Bürgerantrag sieht vor, alles zu unternehmen, um den Bau aufzuhalten. Die notwendigen Haushaltsmittel werden bereitgestellt. Ebenso ist es laut Ratsbeschluss jetzt möglich, gegen Enteignungen für den Bau der Pipeline vor Gericht zu ziehen.
Einigkeit herrschte auch über einen Antrag der Bürgeraktion. Der Inhalt folgt dem Monheimer Beispiel: Die Verwaltung prüft, ob eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf sinnvoll ist. Zudem soll eine Verfassungsbeschwerde gemeinsam mit allen von Enteignung bedrohten Grundeigentümern gegen das Projekt eingelegt werden. Ein Anwalt soll ein entsprechendes Gutachten erstellen. Außerdem soll ein Spendenkonto bei der Stadt eingerichtet werden und der Rat soll 50 000 Euro für die Kosten für Gutachten und Gerichtskosten bereit stellen.
Zum Thema Enteignungen für den Pipelinebau sagte FDP-Fraktionschef Rudolf Joseph: „Da haben wir alle geschlafen, in den Städten und im Landtag. So etwas darf nicht noch einmal passieren.“ Durch die gefassten Beschlüsse könnte die Stadt jetzt den Rechtsweg gegen die Pipeline einschlagen. DANIEL CNOTKA

[IG BCE] Brief an IG BCE

CBG Redaktion

13. Juni 2007

Hauptvorstand IG BCE
Königsworther Platz 6
30167 Hannover

Lieber Kollege Schmoldt, liebe Kolleginnen und Kollegen,

immer wieder kommt uns zu Ohren, dass von Funktionären des Hauptvorstandes verbreitet wird, dass wir die IG Chemie „bekämpfen“ würden und ähnliches mehr. Wir stellen dazu fest:
Wir sind ein BAYER-kritisches Netzwerk, das 1978 als lokale Bürgerinitiative aufgrund zweier Beinahe-Katastrophen im BAYER-Werk Wuppertal entstanden und seit 1983 als internationale Coordination lokaler inner- und außerbetrieblicher BAYER-Kritik in aller Welt arbeitet. Wir arbeiten inner- und außerbetrieblich, überregional und über alle weltanschaulichen Grenzen hinweg. Einzig mit Nazis gibt es definitiv keine Zusammenarbeit. Aber mit VertreterInnen konservativer Parteien gibt es durchaus Kooperation.

Einmal abgesehen davon, dass in unserem Netzwerk Mitglieder aller möglichen in- und ausländischen Gewerkschaften tätig sind, haben wir zu keiner Zeit eine Gewerkschaft bekämpft - auch nicht die IG Chemie. Im Gegenteil, 1978 unterstützten wir beispielsweise in Deutschland die IG-Chemie-Forderung, die gewerkschaftlichen Vertrauensleute im Betrieb wählen zu dürfen; heute unterstützen wir die IG-BCE-Forderung nach Sicherung der Arbeitsplätze bei BAYER.

Dass wir Kritik üben an gewissen gewerkschaftlichen Praktiken wie sie beispielsweise unter den Überschriften „Co-Management“ und „Sozialpartnerschaft“ gefasst werden, kann nicht dafür herhalten, uns eine gewerkschaftsfeindliche Haltung zu unterstellen oder gar den Vorwurf zu verbreiten, wir würden die IG BCE bekämpfen.

Seit nunmehr fast 30 Jahren sind wir tätig, unsere Haltung und unsere Taten sind öffentlich zugänglich umfangreich dokumentiert. Es werden sich keine stichhaltigen Belege für diese Behauptung finden lassen. Im Gegenteil, immer wieder würdigen Gewerkschaftsverbände des Auslands unsere Arbeit und unsere Leistungen positiv. Darunter auch Gewerkschaften aus Australien und anderen großen Industrienationen.

Andererseits ist es Tatsache, dass die IG Chemie und dann die IG BCE von Anbeginn an einen Bogen um uns und unsere Arbeit machten. Wie kann das angehen? Wie kann eine Gewerkschaft, die in Kontinuität mit ihrem Vorsitzenden im Aufsichtsrat des BAYER-Konzerns vertreten ist, fast 30 Jahre lang in nicht einer einzigen Frage den Kontakt herstellen; im Gegenteil, wieso hintertreibt diese Gewerkschaft in dieser langen Zeit immer wieder unsere Gewerkschaftskontakte und redet uns Falsches nach? Es gibt nichts und niemanden auf der Welt, der die IG Chemie bzw. IG BCE zwingen würde, die Meinung und Haltung des BAYER-Konzerns uns betreffend zu übernehmen und nachzuplappern. Auf den Hauptversammlungen
des Konzerns, die wir als „Kritische Aktionäre“ seit 24 Jahren besuchen, haben die Gewerkschaftsvertreter immer wieder erleben können, dass wir die Probleme der KollegInnen in den in- und ausländischen Werken aktiv vertreten und zur Sprache bringen. Zugleich haben wir in all den Jahren nicht ein einziges Mal erlebt, dass ein Vertreter der IG Chemie bzw. der IG BCE dort den Besitzern des Konzerns auch nur ein einziges Problem vorgetragen hätte.

Nun mag man sagen, das wäre für die betrieblichen Verhandlungen kontraproduktiv. Doch dazu kann man geteilter Meinung sein. Und auch daraus lässt sich keinesfalls ableiten, dass wir gewerkschaftsfeindlich“ wären, oder gar die IG Chemie/IG BCE „bekämpfen“ würden.

Wir schlagen vor, dass wir im direkten Kontakt einmal über diesen Problem-Komplex sprechen. Es ist einfach lächerlich, wenn die IG BCE einen solchen Bogen um uns macht - als wären wir diejenigen, die die Arbeitsplätze bei BAYER zu Tausenden vernichten und gefährden; die die Löhne drücken und die Arbeitszeiten verlängern; die die Arbeitsbedingungen immer weiter verschlechtern; die die Arbeitssicherheit in Gefahr bringen. Die Konzerne, BAYER vorneweg, greifen die Rechte und die Lebensbedingungen der KollegInnen auf breiter Front an. Der Stoß richtet sich gegen die Gewerkschaften. Auch gegen die IG BCE. Im Aufsichtsrat von BAYER findet sich erstmals ein Vertreter der AUB, ein deutlicheres Warnsignal kann es nicht geben. Die IG BCE darf da nicht Partner und Gegner verwechseln; sie darf ihrerseits nicht das tun, was sie uns vorwirft, nämlich einen potenziellen Partner bekämpfen und Coordinationsfeindlich agieren. Wir halten an den gewerkschaftlichen Prinzipien Solidarität und Verbundenheit der Lohnabhängigen fest und lassen uns auch nicht von der IG BCE in eine gewerkschaftsfeindliche Ecke drängen.

Mit kollegialen Grüßen

für den Vorstand

Philipp Mimkes
Hubert Ostendorf -

Indien

CBG Redaktion

Eine Welt Netz NRW
Pressemitteilung vom 11. Juni 2007

Bayer AG profitiert weiter von Kinderarbeit

Immer noch arbeiten in Indien Kinder auf Farmen, die Baumwoll-Saatgut für die Bayer-Tochterfirma ProAgro herstellen. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die das Eine Welt Netz NRW zum 12. Juni 2007, dem internationalen Tag gegen Kinderarbeit, veröffentlicht.

Die neue Studie untersucht die Aktivitäten der Konzerne Monsanto und Bayer gegen ausbeuterische Kinderarbeit in der indischen Produktion von Baumwoll-Saatgut. Erstellt wurde sie vom indischen Wissenschaftler Dr. Davuluri Venkateswarlu im Auftrag des Eine Welt Netz NRW, der Deutschen Welthungerhilfe und Nichtregierungsorganisationen aus den Niederlanden und den USA.

Die Studie beschreibt, dass im Gegensatz zu vielen indischen Firmen Bayer und Monsanto Aktionspläne gegen Kinderarbeit umsetzen. Dadurch konnte der Prozentsatz an Kinderarbeit auf Feldern der Zulieferfarmen von Bayer von 20% in 2005 auf 11% in 2006 verringert werden, so Dr. Davuluri Venkarteswarlu.

Der Wissenschaftler untersuchte in Stichproben 64 Farmen im Bundesstaat Andhra Pradesh mit einer Fläche von 61 Acres (=25 Hektar), die für Bayer Baumwoll-Saatgut produzieren. Dort fand er 67 Kinder unter 14 Jahren. Die Gesamtfläche, auf der für ProAgro in der letzten Saison produziert wurde, beträgt aber 281 Acres. Die tatsächliche Zahl arbeitender Kinder dürfte also ein Vielfaches der 67 Kinder ergeben, die in Stichproben gefundenen wurden.
Der Studie zufolge schuften die Kinder bis zu 12 Stunden täglich und müssen oft sogar auf den Feldern bleiben, wenn hochgiftige Pestizide versprüht werden.

„Wir freuen uns, dass unsere Kampagne im Verbund mit indischen, europäischen und US-amerikanischen Organisationen dazu beigetragen hat, dass Bayer und Monsanto Aktionspläne gegen Kinderarbeit entwickelt haben. Die Aktionspläne haben zu einer erheblichen Reduzierung der Kinderarbeit geführt. Trotzdem ist es beschämend für den Weltkonzern Bayer, dass er seit 2002 von der Kinderarbeit in der Zulieferkette weiß, aber das Problem immer noch nicht in den Griff bekommt,“ kritisiert Jens Elmer vom Eine Welt Netz NRW.
Bayer hat angekündigt, die Anbaufläche für Baumwoll-Saatgut in der kommenden Saison zu versechsfachen und besonders in den Bundesstaaten Tamil Nadu und Karnataka zu intensivieren. Dort gibt es nicht so starke staatliche und nichtstaatliche Initiativen gegen Kinderarbeit wie in Andhra Pradesh. Die Studie beschreibt, dass es bisher keine Anhaltspunkte gebe, mit welchen zusätzlichen Maßnahmen Bayer gewährleisten will, ausbeuterische Kinderarbeit bei der sechsfach höheren Anzahl von Zulieferfarmen zu unterbinden.

[RP] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

09.06.2007, Rheinische Post

Grüne wollen Pipeline-Bau stoppen

In einem vierseitigen Antrag hat die Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Landesregierung aufgefordert, den Bau der umstrittenen CO-Pipeline zu stoppen. Außerdem verlangen die Grünen die Überprüfung des Enteignungsgesetzes auf die Verfassungsmäßigkeit hin sowie die Vorlage eines umfassenden Risiko- und Katastrophenschutzplanes. Wie berichtet, laufen gegen die Stadt Ratingen, die mit Hinweis auf ungeklärte Sicherheitsfragen den Zugang zu Grundstücken verweigert, Enteignungsverfahren.

Die Grünen verweisen besonders auf das soeben von Prof. Dr. Gerd Falkenheim vorgelegte Gutachten, das „erhebliche Sicherheitsmängel“ der Pipeline nachweise. Die Leitung, durch die mit Kohlenmonoxid (CO) ein „hochtoxisches Atemgift“ durch dicht besiedeltes Gebiet transportiert werden soll, entspreche nicht dem Stand der Technik, so die Grünen.
Nach dem derzeitigen Stand des Verfahrens sei nicht gewährleistet, dass kleinste Lecks tatsächlich zeitnah erkannt würden. An diesem Punkt seien die Genehmigungsunterlagen in sich widersprüchlich. Während Gutachten wie das vom TÜV Nord Gefahren bei einem Leitungsdruck von 13,5 bar durchspielten, habe die Bezirksregierung einen Druck von bis zu 40 bar genehmigt. Eine der Folgen: Während bei 13,5 bar aus einem 3,5 Millimeter großen Loch 60 Kubikmeter Gas pro Stunde austräten, sind es bei 40 Bar bis zu 500 Kubikmeter. Das derzeit angewandte Melde-System würde unter Umständen so spät reagieren, dass nah an der Leitung wohnende Menschen schlimmstenfalls sterben müssten, heißt es in dem Antrag weiter.
Die Schieberstationen trennten im Ernstfall die einzelnen Rohrabschnitte und seien ein „Schwachpunkt des Systems“. An fünf Ventilen pro Station sowie an den mit Flachdichtungen versehenen Flanschen könnten leicht Undichtigkeiten auftreten. Dennoch sei ausgerechnet dort keine eigene CO-Sensorik vorgesehen. Auch sei das Sabotage-Risiko „erheblich“, so die Grünen weiter.
„Wir hoffen, dass der Landtag diesem Antrag folgen wird und erwarten die volle Unterstützung aller Landtagsabgeordneten des Kreises Mettmann“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Dr. Bernhard Ibold. „Die vom Kreis und der Stadt Monheim in Auftrag gegebenen Gutachten haben eindeutig gezeigt, dass die Gefahrenabschätzung seitens des Bayer-Konzerns unzureichend ist. Wir Kreisgrünen halten es für verwerflich, dass hier Unternehmensgewinne zugunsten der Manager und Aktionäre privatisiert werden, während Sorgen, Risiken und Probleme rund um die Pipeline sozialisiert und auf Privatbürger und Steuerzahler abgewälzt werden“, kritisiert Ibold.
VON JOACHIM PREUSS

[CO Pipeline] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

7. Juni 2007, Rheinische Post

Landrat: Pipeline-Bau stoppen

Die von Bayer geplante CO-Leitung steht weiter in der Kritik. Gestern forderte Landrat Thomas Hendele, der Chemie-Konzern solle erst die Entscheidungen der Gerichte abwarten. Er empfahl eine Route an der A57.

Kreis Mettmann/Hilden: Mit klaren Worten wandte sich Landrat Thomas Hendele gestern an die Öffentlichkeit: „Wir sind kein Experimentierfeld für Bayer.“ Er könne nicht nachvollziehen, warum die erste lange Kohlenmonoxid-Pipeline ausgerechnet durch den am dichtesten besiedelten Kreis Deutschlands führe. Gerade Hilden sei nach seiner Auffassung besonders von den Plänen des Chemiekonzerns betroffen, weil die Bevölkerungsdichte hier sehr groß ist.

Keine Synergieeffekte mehr
Weil inzwischen mehrere Eilanträge gegen die Baugenehmigung vorlägen, sei es eigentlich selbstverständlich, dass Bayer die Arbeiten vorerst einstelle. „Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat“. Zudem seien die vom Unternehmen angeführten Synergieeffekte durch eine rechtsrheinische Verlegung der Pipeline nicht mehr nachvollziehbar, nachdem die auf der selben Trasse geplante Propylenleitung nun nicht gebaut würde. Statt eines 30 Kilometer langen Umweges solle Bayer die Pipeline linksrheinisch an der A57 entlang zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen verlegen.
Das Sicherheitskonzept von Bayer, das von der Bezirksregierung akzeptiert wurde, stellte Hendele in Frage. Kreisordnungsdezernent Ekkehard Fabian warnte noch einmal vor den Gefahren: „Kohlenmonoxid ist hochtoxisch, aber geruchlos.“ Jüngst hatte der Bochumer Professor Dr. Gerd Falkenhain in einem Gutachten kritisiert, dass die Leckerkennung mangelhaft sei und in den störanfälligen Schieberstationen keine CO-Melder geplant seien (die RP berichtete).

Am Mittwoch Thema im Rat
Bürgermeister Scheib kritisierte gestern in einem Interview mit Radio Neandertal noch einmal die Informationspolitik des Konzerns. „Bayer hätte intensiver aufklären sollen.“ Nächsten Mittwoch wird sich der Hildener Rat erneut mit der Pipeline befassen. Er soll Scheib beauftragen zu klagen, wenn die Verwaltung angewiesen werde, städtische Flächen an Bayer abzutreten. VON SEBASTIAN BRINKMANN UND OLIVER WIEGAND

[Kirchentag] Coordination gegen BAYER-Gefahren auf ev. Kirchentag in Köln

CBG Redaktion

Halle 2.1, Stand AO5

Gemeinsam mit der Solidarischen Kirche im Rheinland präsentiert die Coordination gegen BAYER-Gefahren ihre Arbeit auf dem ev. Kirchentag in Köln.

Schwerpunkte der Darstellung sind Risiken von gentechnischem Saatgut sowie der überproportionale Einfluss multinationaler Konzerne auf Politik und Gesellschaft.

Mehrere hundert Besucherinnen und Besucher unterstützten bereits am ersten Tag des Kirchentags einen Aufruf an die Europäische Union, keine Importgenehmigung für gentechnisch veränderten Reis von BAYER zu erteilen (weitere Infos hierzu unter: http://www.cbgnetwork.de/1606.html).

Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Gutachten

CBG Redaktion

1. Juni 2007, Rheinische Post

Gutachten kontra CO-Pipeline

Eine neue in Monheim präsentierte Expertise zur CO-Leitung setzt Bayer und die Bezirksregierung unter Druck: Die Leckerkennung sei mangelhaft, an den störanfälligen Schieberstationen fehle sogar die CO-Sensorik.
Die bereits im Bau befindliche Kohlenmonoxid(CO)-Pipeline des Bayer-Konzerns gerät weiter unter Druck. Ein jetzt in Monheim vorgelegtes Fach-Gutachten kommt zu dem Schluss, dass die Leitung anders als von Bayer sowie von Regierungspräsident Jürgen Büssow behauptet, „definitiv nicht dem Stand der Technik entspricht“.

Auf diesen Nenner bringt es jedenfalls der emeritierte Bochumer Professor Dr. Gerd Falkenhain. Gründlich hat der Ingenieur in den vergangenen Wochen die 44 Ordner des Planfeststellungsbeschlusses studiert. Mit der von ihm präsentierten Studie hoffen nun der Monheimer Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim (CDU) als Vertreter der Stadt sowie Landwirt Heinz-Josef Muhr als Privatkläger, die Gerichte davon überzeugen zu können, die Eilbedürftigkeit des Projekts vorerst auszusetzen.

Gelänge dies, würde die Leitung bis zur Entscheidung in der Hauptsache auf Eis liegen. „Die Art wie die Pipeline umgesetzt wird, erinnert an den Eisenbahnbau im Wilden Westen. Es wird Zeit, vor Schaffung vollendeter Tatsachen den Gegnern eine faire Chance auf Wägung ihrer Argumente einzuräumen“, sagte Pipeline-Kritiker Dünchheim.

Punkte gegen die Leitung
Vor allem folgende Punkte wendet der Bochumer Gutachter gegen die Leitung ein:
Fernleitung CO sei gefährlicher als alle anderen bislang in deutschen Fernleitungen transportierten Gase. Falkenhain: „Derzeit werden hochtoxische Gase wie CO nur zwischen Chemie-Werken, zum Beispiel von Dormagen nach Leverkusen transportiert, nicht aber über 70 Kilometer quer durch dicht besiedeltes Gebiet.“ Dafür habe das vollkommen geruch- und geschmacklose, unsichtbare CO bislang als zu gefährlich gegolten.

Leck-Erkennung Umso entscheidender sei eine professionelle Leck-Erkennung. „Nach dem derzeitigen Stand des Verfahrens ist nicht gewährleistet, dass kleinste Lecks tatsächlich zeitnah erkannt werden“, sagt Falkenhain. An diesem Punkt seien die Genehmigungsunterlagen in sich widersprüchlich. Während Gutachten wie das immer wieder zitierte des TÜV Nord (Dünchheim: „von Bayer beauftragt und schon deshalb nicht objektiv“) Gefahren bei einem Leitungsdruck von 13,5 bar durchspielten, habe die Bezirksregierung inzwischen einen Druck von bis zu 40 bar genehmigt.

Eine der Folgen: Während bei 13,5 bar aus einem 3,5 Millimeter großen Loch 60 Kubikmeter Gas pro Stunde austräten, sind es bei 40 Bar bis zu 500 Kubikmeter. „Das derzeit angewandte Melde-System würde unter Umständen so spät reagieren, dass nah an der Leitung wohnende Menschen schlimmstenfalls sterben müssten, stellt Falkenhain fest. Und Dünchheim fügt an: “Die Zusicherung, Bayer halte sich an 13,5 bar Leitungsdruck nützt uns gar nichts. Morgen kauft ein anderer Konzern oder eine andere Betreibergesellschaft das Ding und schöpft die einmal genehmigten 40 bar prompt aus.„

Schieberstationen Anders als von den Fachleuten der Monheimer Verwaltung zunächst propagiert, hält der Bochumer Professor die Schieberstationen - sie trennen im Ernstfall die einzelnen Rohrabschnitte wie die Schotten eines Schiffs voneinander - für den eigentlichen Schwachpunkt des Systems. Vor allem die Stationen in Langenfeld-Berghausen und Ratingen-Breitscheid hat Falkenhain genauer unter die Lupe genommen.

An fünf Ventilen pro Station sowie an den mit Flachdichtungen versehenen Flanschen könnten leicht Undichtigkeiten auftreten. Dennoch sei ausgerechnet dort keine eigene CO-Sensorik vorgesehen. Auch sei das Sabotage-Risiko erheblich. Resümee des Professors: “Insbesondere die Risiken, die von den insgesamt fünf Ventilstationen ausgehen, verbieten den Betrieb einer Fernleitung mit dem heimtückischen Kohlenmonoxid."
VON JÖRG JANSSEN

Positionieren!

Mehr als nur eine Denksportaufgabe hat der Bochumer Professor Gerd Falkenhain den Gerichten, die über die Zukunft der Kohlenmonoxid-Pipeline entscheiden werden, mit seinem 26-seitigen Kurzgutachten an die Hand gegeben. Wer die fachlich fundierte Expertise genau studiert, hat kaum noch Zweifel, dass das immer wieder zitierte TÜV-Gutachten an manchen Stellen mit der heißen Nadel gestrickt wurde. So weist der Ingenieur akribisch nach, dass in den Antragsunterlagen der Leitungsdruck in verwirrender Vielfalt abgehandelt wird. Auch die Genehmigung von 40 bar bei gleichzeitigem Hinweis auf die doch nur beabsichtigten 13 bar (das ist nur ein Drittel!) trägt nicht gerade zur Klarheit des Projekts bei. Noch schwerer wiegen freilich die Einwände gegen die offenbar unzureichend gesicherten Schieberstationen. Angesichts dieser Mängel stellt sich eine entscheidende Frage: Warum setzt die Bezirksregierung nicht wenigstens die sofortige Vollziehbarkeit des Projekts aus? Und zwar so lange, bis die Gerichte darüber entschieden haben, ob nachgebessert werden muss. Letzteres wird immer wahrscheinlicher. Die Langenfelder Entscheidungsträger werden nun – siehe Hilden – um eine etwas pointiertere Eigen-Positionierung kaum noch umhin kommen. JÖRG JANSSEN

31.05.2007, Westdeutsche Zeitung

Kohlenmonoxid-Pipeline: Bezirksregierung unter Druck

Monheim präsentiert ein Gutachten, wonach das aktuelle Sicherheitskonzept untauglich ist.

Kreis Mettmann. Der Druck auf Bezirksregierung und Bayer in Sachen unterirdischer Leitung mit dem giftigen Gas Kohlenmonoxid von Krefeld-Uerdingen nach Dormagen wächst im wahrsten Sinne des Wortes: Denn am Mittwoch wurde im Monheimer Rathaus – die Stadt klagt vor dem Verwaltungsgericht gegen das Projekt – ein Gutachten präsentiert, das die Sicherheit der Trasse vor allem deshalb in Frage stellt, weil der ursprünglich vorgesehene Betriebsdruck (gemessen in bar) nun viel höher werde.

„Das Sicherheitskonzept des Tüv geht von 13,5 bar aus. Die Bezirksregierung hat aber eine Betriebserlaubnis von 40 bar gegeben. Da muss das gesamte Konzept neu erstellt werden“, kritisiert Professor Gerd Falkenhain.

„Muss mich doch sehr über das ,Ja’ der Bezirksregierung wundern“
Ingenieur Falkenhain, bis zu seiner Emeritierung stellvertretender Leiter im Labor für Umwelttechnik an der Fachhochschule Bochum und lange Jahre in der Industrie tätig, wurde von der Stadt Monheim mit dem Gutachten beauftragt. „Und nachdem ich die Pläne für die Trasse durchgearbeitet habe, muss ich mich doch sehr wundern, dass die Bezirksregierung ihr Ja gegeben hat“, so der 66-Jährige.
Er gibt dem Tüv dabei keine Schuld. „Ausgehend von besagten 13,5 bar sind die Szenarien bei einem Leck in der Leitung seriös.“ Diese Druckhöhe wird immer wieder von Bayer angegeben. Damit will sie die Leitung betreiben. „Doch das ist für den Konzern nicht bindend. Die von der Bezirksregierung gegebene Erlaubnis lässt das Dreifache zu. Wer weiß, ob Bayer die Pipeline nicht im nächsten Jahr verkauft“, kritisiert Monheims Bürgermeister Thomas Dünchheim.
Als fragwürdig mit Blick auf die Sicherheit bezeichnet Falkenhain auch so genannte Schieberstationen. Hier geht er vor allem auf das Szenario einer bewusst schadenden Fremdeinwirkung ein. „Dort einzudringen, dürfte nicht allzu schwer sein. Mit Personal besetzt sind die Stationen nicht. Und die Ventile kann man leicht öffnen.“ Und solche Schieber – in Langenfeld nahe an der Autobahn oder in Ratingen-Breitscheid nur 150 Meter von der Wohnbebauung entfernt – sind für den Gutachter „ein unfassbares Risiko“.
Übrigens lässt die Stadt Monheim derzeit auch ein juristisches Gutachten erstellen. Darin soll bewiesen werden, dass das einstimmig in Düsseldorf beschlossene Landesgesetz zur Enteignung von Land für die Pipeline verfassungswidrig ist.
Von Norbert Jakobs

[HCB] Hexachlorbenzol

CBG Redaktion

Reise um die halbe Erde ist nicht akzeptabel

Interview mit australischer Umweltschützerin. Firma vor Ort hat ein Angebot zur Entsorgung gemacht

Die australische Regierung hat dem Export des HCB-haltigen Abfalls der Firma Orica zugestimmt. WAZ Redakteurin Angelika Wölke sprach mit der australischen Umweltschützerin Dr. Mariann Lloyd-Smith.

Stimmen Sie mit der Einschätzung des australischen Umweltministers Malcolm Turnbull überein, dass der giftige HCB-haltige Abfall der Firma Orica in Down Under nicht entsorgt werden kann?
Lloyd-Smith: Nein. Das NTN (die im Pazifikraum agierende Umweltorganisation National Toxics Network) ist überzeugt, dass Australien den Müll entsorgen kann. Die Firma Dolomatrix hat Orica ein Angebot gemacht. Da die Kapazitäten des Werks momentan nicht ausreichen, hat Dolomatrix eine Erweiterung in Aussicht gestellt, sobald sie den Auftrag erhält. Die Firma ist überzeugt, sie könnte sofort mit der Entsorgung beginnen.

Turbull hat im Zusammenhang mit seiner Export-Genehmigung erklärt: „Die Regierung hält die von Orica getroffenen Verschiffungsmaßnahmen den internationalen Standards entsprechend und angemessen.“ Sehen Sie das auch so?
Lloyd-Smith: Nein.Wir glauben nicht, dass es angemessen oder akzeptabel ist, eine solche Menge an hochgiftigen Abfällen (22 000 Tonnen HCB-Abfälle in 60 000 Fässern) einmal rund um den Globus zu schicken. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Schiffsunfälle, die zu immensen Umweltverschmutzungen geführt haben. Eine Verschiffung beinhaltet aber auch einen Lade- und Entladevorgang sowie den Transport über die Straßen in Deutschland. Die Risiken sind einfach zu groß.

taz, 29.5.2007

giftmüll verbieten: jetzt aber wirklich!

Uhlenbergs Torschlusspanik

Endlich macht Eckhard Uhlenberg ernst. Nach einem halben Jahr Spekulationen darüber, ob der Landesumweltminister zuständig ist. Nach 11.000 Unterschriften von BürgerInnen gegen den Giftmüll. Jetzt, wo die Lieferung schon von der australischen Regierung genehmigt worden ist, wird er erstmals aktiv gegen den Transport des hochgiftigen Hexachlorbenzol nach NRW. Gut, dass er reagiert, wenn auch spät.

Dass Giftmüll erst um die halbe Erde geschickt wird, um es in der nordrhein-westfälischen Provinz verbrennen zu lassen, darf nicht einfach durchgewunken werden. Der Transport erzeugt nicht nur unnötig viel klimaschädliches Kohlendioxid, der Müll birgt auch große Gefahren für die Umwelt. Die australische Regierung sollte lieber selbst moderne Verbrennungsanlagen bauen, bevor sie das Gift verschippert.

Die Probleme hat Minister Uhlenberg längst erkannt, aber bisher gezögert. So hat er ein schmutzig-lukratives Geschäft für einige NRW-Unternehmen gedeckt. Dabei haben sowohl die Bundesregierung, als auch die EU-Kommission inzwischen bestätigt, dass Uhlenberg die Giftmüll-Lieferung verbieten darf. Das sollte er jetzt machen. Ein Umweltminister muss vor allem die Belange der Umwelt berücksichtigen. Für die wirtschaftlichen Interessen sind andere zuständig.
Kommentar MORITZ SCHRÖDER

WAZ, 29. Mai 2007

Der Protest formiert sich

Australische Regierung stimmte am Wochenende dem Export von 22 000 Tonnen Hexachlorbenzol-Abfälle zu. Von Angelika Wölke

Herten. Vorläufig kommt der Giftmüll aus Australien nicht. Da NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben hat, in dem geklärt werden soll, ob Deutschland zum Import der 22 000 Tonnen hochgiftiger Hexachlorbenzol-Abfälle (HCB) verpflichtet ist, wird sich die Zu- oder Absage an die Australische Regierung noch ein wenig verzögern. „Ein Zeitpunkt ist schwer zu benennen“, sagt Uhlenbergs Sprecher Markus Fliege. „Aber ich denke, dass ein Ergebnis nicht vor Ende Juni vorliegt.

Am Wochenende hatte die Regierung in Canberra dem Export zugestimmt. Und vor Ort im Vest - 5000 Tonnen sollen bekanntlich im Hertener RZR verbrannt werden - hat sich über Pfingsten bereits der Protest formiert.
In einer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz hat Claudia Baitinger, Sprecherin des BUND Landesarbeitskreises Abfall NRW, den Regierungspräsidenten (RP) in Münster angeschrieben. Dieser ist zuständig für die Genehmigung des Importes - muss jetzt allerdings, so Fliege, die Ergebnisse des Rechtsgutachtens abwarten.

Unter anderem bezieht sich Baitinger in ihrer Anfrage auf die vier Brände im neuen Gebindeschredder des Müllofens RZR, die bis Ende März gemeldet wurden. “Wie wird sichergestellt, dass bei Bränden die Rauchgase entsprechend den Grenzwerten des Bundesimmissionsschutzgesetzes behandelt werden„, möchte Claudia Baitinger jetzt wissen.

Parallel zum BUND hat die Bürgerinitiative “Pro Herten„ den RP angeschrieben. Bezug nehmend auf das Informationsfreiheitsgesetzes NRW fordert sie Akteneinsicht in die für den HCB-Import erforderlichen Unterlagen. Als Entscheidungshilfe schickt Joachim Jürgens von der Bürgervereinigung Pro-Herten dem RP eine 16-seitige Einschätzung der australischen Umweltorganisation “National Toxics Network" mit, in der widerlegt wird, dass Australien den Giftmüll nicht selbst entsorgen kann.

Viele Behörden sind zuständig
Der Export-Stempel des Umweltministers in Canberra ist der erste Akt, dem weitere folgen müssen, bevor der Giftmüll tatsächlich in Herten ankommt. In Südafrika etwa müssen die Hafenbehörden von Durban einen Schiffs-Zwischenstopp genehmigen. Der Bund ist zuständig für die Anlandung in Brunsbüttel, das Land NRW für den Transport nach und die endgültige Entsorgung in Herten.

Monheim

CBG Redaktion

Neue Rheinische Zeitung, 17.05.2007

Rückfall in den Kalten Krieg

Der BAYER-Konzern will eine Pipeline für hochgiftige Kohlenmonoxid von Dormagen nach Krefeld bauen. Das Vorhaben ist hochgefährlich, überflüssig und zudem klimaschädlich. Trotzdem wurde das Vorhaben im Landtag ohne einen einzigen Redebeitrag durchgewunken. In den betroffenen Gemeinden entlang der Pipeline formiert sich der Widerstand. Die Stadt Monheim sammelt Spenden für eine Klage. Als die Coordination gegen BAYER-Gefahren eine Spende überreichen will, interveniert die Lokalausgabe der Rheinischen Post mit einem antikommunistischen Artikel aus der Giftküche des Kalten Krieges.

Im Rathaus Monheim war ein Pressetermin angesetzt. Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim wollte eine Spende der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) über 1.000 Euro in Empfang nehmen. Den CDU-Bürgermeister und das BAYER-kritische Netzwerk eint der Widerstand gegen eine hochgefährliche Gas-Pipeline, die vom BAYER-Werk in Dormagen zur Krefelder BAYER-Produktion führen soll.
Für Bürgermeister Dünchheim ist die Pipeline nicht nur eine „Todeszone“, sondern er hält sie auch für illegal, weil die dafür stattfindenden Enteignungen keinerlei rechtsfähige Grundlage hätten und nach „Gutsherrenart“ durchgeführt würden. Entsprechend hat der wackere Kommunal-Politiker bereits eigenhändig die Vermessungsstäbe der BAYER-Planer aus städtischem Boden herausgerissen und konfisziert.

Nach Meinung der Coordination ist die Giftröhre des BAYER-Konzerns „hochgefährlich für Zehntausende von AnwohnerInnen, überflüssig, weil das benötigte Gas auch in Krefeld direkt hergestellt werden kann, und zudem klimaschädlich, weil die Pipeline verhindert, dass die Kohlendioxid-Emissionen des Krefelder Werkes erheblich reduzieren werden.“ Und in der Tat, auch eine Studie der Stadt Ratingen kommt zu dem Schluss, dass nach einem Leck „mehr als 100.000 Anwohner (in Ratingen) gefährdet sind“. Tausende davon tödlich. Zudem gibt es bislang keinerlei Konzepte für den Katastrophenschutz im Ernstfall.

Die Pipeline war auf dem kurzen Dienstweg zwischen BAYER und der CDU-Landesregierung im Landtag in Form eines Gesetzes mit 476 Seiten und 246 Nebenbestimmungen - ohne einen einzigen Diskussionsbeitrag - durchgewunken worden. Dass so etwas funktioniert, dafür sorgen U-Boote im Parlament, wie etwa der CDU-Abgeordnete in BAYER-Diensten Karl Kress aus Dormagen. Bei solcher Kumpanei werden die nicht zu verheimlichenden Gefahren verharmlost und alle Haftungsrisiken von Regierung und Konzern abgewälzt. So heißt es im Planfeststellungbeschluss wörtlich: „Betriebsbedingte Risiken können ... unter sehr ungünstigen und sehr unwahrscheinlichen Umständen auftreten. ... Eine absolute Sicherheit ist ... niemals zu erreichen und kann weder durch den zukünftigen Betreiber ... noch behördlicherseits ... erreicht werden.“ Weshalb also folglich auch niemand haftbar gemacht werden kann. Dabei sind Schäden bis hin zum Vollbruch der Giftleitung in einem erdbebengefährdeten Gebiet wie der Rheinschiene überhaupt nicht abwegig; und auch andere Großunfälle wie Explosionen, Flugzeugabstürze etc. sind keinesfalls außerhalb des Vorstellbaren. Von „betriebsbedingten“ Störungen, die am laufenden Meter in den BAYER- und anderen Industrieanlagen eintreten, ganz abgesehen. Das alles aber verschweigt der Gesetzesbeschluss.

Das sollte eigentlich ausreichen, um gemeinsam gegen dieses für die rechtsrheinische Bevölkerung zwischen Leverkusen und Duisburg gefährliche BAYER-Projekt vorzugehen. Wenn da nicht die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) und die erzreaktionäre CDU-Postille Rheinische Post (Volksmund „Rheinische Pest“) wäre. Denn unmittelbar am Tag der geplanten Pressekonferenz in Monheim mit dem Bürgermeister und den Vertretern der CBG publizierte die Lokalausgabe der RP in einem Aufmacher, dass das Vorstandsmitglied der Coordination gegen BAYER-Gefahren Axel Köhler-Schnura Mitglied der DKP sei und dem Kreisvorstand dieser Partei in Düsseldorf angehöre. Und dann folgte die ganze Litanei von linksextremistischer Gefahr, von Verfassungsfeindlichkeit, vom Unrechtssystem DDR, von den Toten an der Mauer bis hin zu Brandanschlägen auf Landeskriminalämter und Fahrzeuge des Bundesgrenzschutzes. Fehlte nur die Gefahr einer kommunistischen Übernahme von Monheim. Und das ist allemal schlimmer als der Tod durch ein BAYER-Giftgas, immerhin geht der Bürgermeister im Ernstfall von ca. 2.500 Todesopfern in Monheim aus. Auf jeden Fall reichte es aus, um die Pressekonferenz im Rathaus kurzfristig platzen zu lassen: „Der Stadt ist bekannt geworden, das zwischen dem Verein und linksextremen Gruppierungen personelle Beziehungen bestehen. Deshalb ist eine Zusammenarbeit mit dem Verein nicht möglich.“

Nun ist die Tatsache, dass Axel Köhler-Schnura Mitglied der DKP ist und dort auch Funktionen wahrnimmt, nicht neu. Köhler-Schnura gründete zusammen mit anderen die CBG 1978 nach zwei großen Beinahe-Katastrophen im BAYER-Werk Wuppertal. Und seit der Zeit ist auch seine DKP-Mitgliedschaft bekannt. Die CBG selbst schreibt: „Diese unsachlichen Angriffe kennen wir seit 30 Jahren, mit antikommunistischen Angriffen auf die DKP-Mitgliedschaft unseres Gründungs- und Vorstandsmitglieds Axel Köhler-Schnura versucht der BAYER-Konzern immer wieder, von den Problemen für Umwelt und Mensch abzulenken. ... Wir arbeiten bei der Lösung der vielen Probleme mit dem multinationalen BAYER-Konzern in mehr als 60 Ländern mit Menschen aller weltanschaulichen Richtungen, politischen Parteien und Berufsgruppen zusammen, mit Kommunisten ebenso wie mit Konservativen und kirchlichen Gruppen. Einzig mit Faschisten und Nazis kommt entsprechend eines Mitgliederversammlungsbeschlusses eine Zusammenarbeit für uns nicht in Frage.“

Und wenn in Monheim ein Vertreter einer Bürgerinitiative, der zufällig auch Mitglied der DKP ist, nicht ins Rathaus darf, dann bleibt zu fragen, was in Bottrop und anderen bundesdeutschen Städten los ist, wo doch dort - oftmals seit vielen Jahrzehnten und oftmals sehr erfolgreich - Kommunisten mit teilweise beachtlichen Fraktionen im Rathaus sitzen? Selbst im Düsseldorfer Stadtrat und in einigen Düsseldorfer Bezirksvertretungen sitzen Mitglieder der DKP. Angesichts von für die gesamte Menschheit existenziellen Problemen wie Klimakatastrophe und Zusammenbruch der sozialen Systeme ist es doch wohl allerhöchste Zeit sich von antikommunistischen Feind- und Zerrbildern aus den Zeiten des Kalten Krieges zu verabschieden und gemeinsam die Probleme zu bewältigen. Gerade erst ist Heiner Geisler, der sich übrigens als marxistischer Christ bezeichnet bei Attac eingetreten, wohl wissend, dass er dort auch Seite an Seite mit DKP-Mitgliedern gegen die verheerenden Auswirkungen der Globalisierung kämpft.

Der Coordination gegen BAYER-Gefahren geht es um die Sache, um das Wohl von Mensch und Umwelt. Sie hat auch nach abgesagter Pressekonferenz die Spende auf das städtische Spendenkonto überwiesen. Bürgermeister Dünchheim freut sich, den „sie hilft ein rechtsstaatliches Verfahren durchzuführen.“
(Weitere Informationen unter www.CBGnetwork.org/Zur Refinanzierung bzw. Erhöhung der Spende bitte die CBG um Überweisungen auf GLS-Bank 8016 533 000, BLZ 430 609 67
von Chr. LeMaan

[Monheim] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.
Presse Info vom 15. Mai 2007

Klagen gegen Kohlenmonoxid-Pipeline:

Coordination gegen BAYER-Gefahren übergibt 1000€-Spende an Stadt Monheim

Vertreter der Coordination gegen BAYER-Gefahren übergeben heute der Stadt Monheim eine Spende von 1000 Euro. Der Verein unterstützt damit den juristischen Widerstand gegen die geplante Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen Dormagen und Uerdingen. Die Stadt sammelt Spenden zur Finanzierung privater Klagen und hat zudem beim Verwaltungsgericht Düsseldorf Widerspruch gegen die Baugenehmigung eingereicht.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) kritisiert die drohende Gefährdung der Bevölkerung sowie die mangelhafte Informationspolitik von BAYER. „Wie schon beim Thema Giftmüll-Verbrennung hat es der BAYER-Konzern nicht für nötig befunden, die Bevölkerung über die Risiken einer Kohlenmonoxid-Pipeline zu informieren. Die Explosion der ukrainischen Gas-Pipeline in der vergangenen Woche zeigt, dass die Bedenken der betroffenen Städte vollkommen berechtigt sind. Ein Erdbeben oder ein terroristischer Anschlag könnten zu einer Katastrophe führen“, so Axel Köhler-Schnura vom Vorstand der CBG. Ein Gutachten der Stadt Ratingen kam zu dem Ergebnis, dass im Falle eines Vollbruchs der Leitung mehr als 100.000 Anwohner gefährdet wären. Dennoch startete BAYER in der vergangenen Woche gegen den Widerstand der betroffenen Städte Enteignungsverfahren.

Nach Meinung der CBG ist die Rechtsgrundlage für die Baugenehmigung hinfällig. „Enteignungen lassen sich nur mit einem Nutzen für das Allgemeinwohl rechtfertigen. Die geplante Leitung dient aber ausschließlich Profit-Interessen von BAYER“, so Köhler-Schnura weiter. „Die Gefährdung der Anwohner lässt sich vermeiden, indem BAYER in Uerdingen eine neue Produktionsanlage für Kohlenmonoxid aufbaut. Nebenbei wäre damit dem Klimaschutz gedient“. Die bestehende CO-Produktion in Uerdingen, die im vergangenen Jahr nach einer Explosion wochenlang stillstand, verbrennt große Mengen Koks. Moderne Anlagen hingegen verbrauchen klimaschädliches Kohlendioxid, das im Uerdinger BAYER-Werk in hohen Mengen anfällt.

siehe auch den Artikel Rückfall in den Kalten Krieg

Pipeline

CBG Redaktion

taz NRW vom 10.5.2007

Erkrath schaut in die Röhren

Im Neandertal sollen drei neue Chemie-Pipelines verlegt werden: Sie sollen Erdgas, Propylen und Kohlenmonoxid transportieren. Die Anwohner fürchten einen Unfall. Laut einer Studie wären bei einem Vollbruch 5.000 Menschen gefährdet

Im August 2004 stürzte auf der Autobahn zwischen Köln und Olpe ein Tanklastzug von der Wiehltalbrücke und explodierte. Was würde passieren, so fragen inzwischen viele Erkrather, wenn sich ein ähnlicher Unfall im nächsten Jahr statt auf der A4 auf der A3 im Neandertal ereignen würde? Unten im östlich von Düsseldorf gelegenen Tal verlaufen jetzt schon zwei Rohrleitungen für Gas und Flugbenzin. Das Kerosin wird von der Nordsee zum Frankfurter Flughafen geleitet. Zu den beiden Leitungen sollen in diesem Jahr drei weitere Pipelines hinzukommen, eine für Erdgas, eine für Propylen und eine für Kohlenmonoxid (CO). Besonders letztere, die die Bayer-Werke Uerdingen und Dormagen miteinander verbinden soll, ist bei den Anrainern heftig umstritten.

Im Landkreis Mettmann, durch den die CO-Leitung führen soll, regt sich Widerstand. Norbert Stapper von den Grünen im südlich gelegenen Monheim sagt: „Kohlenmonoxid ist geruchs- und geschmacksneutral, farblos und schon in geringen Konzentrationen tödlich.“ Nicht nur ein Unfall auf der Autobahn könne eine Katastrophe auslösen. Ein Bagger könnte, so der Sprecher des Ortsverbandes, die Röhre, die in 1,40 Meter Tiefe verlegt werden soll, beschädigen. In einer Risikostudie eines Ingenieurbüros, so war bereits in der Rheinischen Post zu lesen, wären bei einem Vollbruch der Leitung 5.309 Gebäude und 29.208 Bewohner in Erkrath gefährdet. Das Gas ist schwerer als Luft, kann sich bei Windstille in Tälern sammeln. Rettungsaktionen gestalten sich äußerst schwierig. Die Feuerwehr müsste nicht nur mit Atemgerät arbeiten. Ein Funke reicht, um ein Gemisch von Luft und Kohlenmonoxid explodieren zu lassen.

„Unsere Feuerwehr ist für solch ein Szenario überhaupt nicht geschult und ausgerüstet“, gibt Stapper zu bedenken. Bayer weigere sich, eine Werksfeuerwehr für die Trasse der Pipeline bereitzustellen. So würden die Kosten für den Katastrophenschutz bei den betroffenen Kommunen entstehen. „Dabei zahlt Bayer durch deren geschickte Abschreibungspolitik in Monheim weniger Steuern als ein Apotheker am Marktplatz“, ärgert sich der Grüne. Auch das Arbeitsplatzargument, vom Chemieriesen ins Feld geführt, will Stapper nicht gelten lassen. Durch die Pipeline könne Bayer sogar eines der beiden CO-Produktionsstätten in Uerdingen oder Dormagen schließen und so Arbeitsplätze streichen. „Wenn beide Werke wie bisher ihr Kohlenmonoxid selbst herstellen, müsste das Gas auch nicht per Straße oder Schiene transportiert werden.“ Bayer beteuert nämlich, dass eine Rohrverbindung viel sicherer sei als ein LKW oder ein Güterzug. Die Grünen in Monheim fragen sich außerdem, ob die rechtsrheinische Trassenführung wirklich besser sei. Sowohl Uerdingen wie Dormagen liegen westlich des Rheines. So muss die CO-Leitung zwei mal den Fluß unterqueren. Statt der etwa 30 Kilometer Luftlinie wird die Pipeline nun etwa doppelt so lang. Ursache der geschlängelten Route sind die ebenfalls geplanten Gas- und Propylenpipelines. Natürlich, das gibt auch Norbert Stoppar zu, sei der Landschaftsverbrauch geringer, wenn man drei Röhren übereinander legt als wenn man drei Schneisen in die Natur walzt.
In Monheim sind nicht nur Bündnis 90/Die Grünen gegen die CO-Pipeline. Der Bürgermeister Thomas Dünchheim und mit ihm die ganze CDU engagieren sich, um das Bayer-Bauvorhaben zu verhindern. Die Stadt habe, so erklärt der Beigeordnete Roland Liebermann, vor drei Wochen Klage gegen den Bau der Rohrleitung eingereicht. „Die Sicherheitsbelange sind nicht ausreichend berücksichtigt worden. Außerdem sehen wir uns in unserer Planungshoheit beeinträchtigt.“ Desweiteren habe man ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, inwieweit das „Gesetz über die Errichtung und den Betrieb einer Rohrleitungsanlage zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen“ verfassungsgemäß ist. Wenn jenes von der Landesregierung beschlossene Gesetz Schule macht, drohten jeder Kommune die Enteignung ihrer Grundstücke.

Auch in der Kreisverwaltung in Mettmann versucht man, die Röhre, die den gesamten Kreis in Nord-Süd-Richtung passiert, zu verhindern. Nils Hahnheide, Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes erklärt, dass man seitens des Kreises zwei private Kläger finanziell unterstützen will. Zunächst werde noch geklärt, inwieweit diese direkten Anwohner ihre Widersprüche fristgemäß eingereicht haben und ob deren Klagen Aussicht auf Erfolg haben. „Wir prüfen auch, ob ein Eilverfahren sinnvoll ist.“ Damit könnten die bereits durchgeführten Bauarbeiten gestoppt werden. Außerdem will der Kreis bei jeder Straßenquerung der Baustelle die dazu benötigten „Gestattungsverträge“ mit dem Bauherrn verweigern. Eine Flut von Enteignungsverfahren stehen den Beteiligten ins Haus.

So weit ist man im äußersten Nordwesten des Kreises bereits. Schließlich soll nach Willen von Bayer bereits in diesem Jahr das Kohlenmonoxid in der Röhre fließen. „Nach Offenlegung des Planfeststellungsbeschlusses hat es einen Antrag auf vorzeitige Besitzeinweisung gegeben. Im Laufe der Woche erwarten wir die Entscheidung des stellvertretenden Regierungspräsidenten“, erklärt der Baudezernent der Stadt Ratingen Ulf-Roman Netzel. Nördlich der Landeshauptstadt wird also schon munter enteignet. Eine besondere Überraschung erlebte der Baudezernent vor kurzem. Der Firma WINGAS erlaubte er mündlich, mit der Verlegung ihres Gasrohres zu beginnen. „Gegen eine Gasleitung habe ich nichts.“ Als er in die Baugrube schaute, entdeckte er aber noch eine zweite Röhre, und zwar für Kohlenmonoxid. „Mit einem Schreiben an WINGAS habe ich angewiesen, weitere Bauarbeiten zu unterlassen.“ WINGAS, eine Tochtergesellschaft von BASF und dem russischen Energiemulti GAZPROM, betreiben mit der Europeen Pipeline Development Company (EPDC) und dem Unternehmen Bayer eine gemeinsame Projektgesellschaft, die die Bauarbeiten der drei Rohrleitungen durchführt. Mit der Verlegung der CO-Leitung wollte man offensichtlich Fakten schaffen.
Aber sind es wirklich noch drei Leitungen, die auf der Trasse verlegt werden? Durch die Presse ging vor einigen Wochen, dass EPDC auf ihre Propylenröhre verzichten will. Das war drei Tage vor Ende der Klagefrist. Bislang, so versichert Ulf-Roman Netzel, sei bei der Bezirksregierung noch kein Schreiben von EPDC eingegangen, das dies offiziell bestätigt. Die Genehmigungsbehörde sollte man, so der städtische Beamte, doch am schnellsten davon unterrichten, wenn man solch ein Projekt nicht weiter verfolgt. Ist das Ende der Propylenpipeline also nur deshalb in Aussicht gestellt worden, um die Gegner der CO-Röhre zu verunsichern? „Ein Schelm, der Böses dabei denkt“, zitiert Ulf-Roman Netzel ein französisches Sprichwort.
von LUTZ DEBUS

Rheinische Post, 10.05.2007

Ratingen: Bayer will enteignen lassen

VON JOACHIM PREUSS
Kohlenmonoxid-Leitung: Bayer beißt bei der Stadt Ratingen auf Granit. Zu starke Sicherheitsbedenken. Nun will der Chemieriese über den Rechtsweg an die Grundstücke, um mit dem Bau beginnen zu können.
Der Chemikonzern Bayer will für den umstrittenen Bau der CO-Pipeline die Stadt Ratingen enteignen lassen. Die Verwaltung verweigere die Baugenehmigung auf städtischen Grundstücken, weil man noch „erhebliche Sicherheitsbedenken“ habe, sagte gestern Baudezernent Dr. Ulf-Roman Netzel. Daher habe Bayer ein so genanntes Verfahren zur vorzeitigen Besitzeinweisung eingeleitet. Es gilt als Vorstufe zur Enteignung. Damit wolle sich Bayer juristisch den Weg zu den Grundstücken bahnen, um dort mit der Verlegung der Leitung beginnen zu können. Mit einer Entscheidung der Bezirksregierung sei für Ende der Woche zu rechnen.
Netzel betonte, dass man unter anderem einen Katastrophenschutzplan vermisse: „Unsere Feuerwehr ist auf Unfälle mit dem hochgiftigen, unsichtbaren und geruchlosen Gas gar nicht vorbereitet.“ Auch die Schieberabstände seien mit zehn Kilometern viel zu lang: „Was passiert bei einem Leck mit dem Gas zwischen den Absperrungen?“
Die Stadt verlange unter anderem, dass umfangreiche Vorkehrungen für den Fall der Fälle, nämliche eine hochgefährliche Leckage, getroffen werden. Das sei unter anderem der Einsatz einer Werksfeuerwehr durch Bayer und zusätzliche Ausrüstung der eigenen Wehr. Wie auch immer: Bevor mit dem Bau begonnen werde, müsse ein schlüssiges Sicherheitskonzept vorliegen. Schließlich sei es durchaus möglich, dass Experten doch noch zu dem Schluss kämen, dass bauliche Veränderungen, also zum Beispiel Verkürzung der Schieberabständen nötig würden. Das müsse vor dem Verlegen der Leitung geklärt werden.
Christian Zöller, Sprecher der Bayer Industry Services GmbH, erklärte gestern auf RP-Anfrage: „Bis März haben Verhandlungen bezüglich einer Bauerlaubnis mit der Stadt Ratingen stattgefunden, die nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Daher wurde ein Verfahren zur vorzeitigen Besitzeinweisung eingeleitet, um die Baumaßnahmen zeitgleich mit den parallel laufenden Arbeiten an der Erdgasleitung unseres Projektpartners Wingas durchführen zu können.“ Der Antrag auf „vorzeitige Besitzeinweisung“ beziehe sich auf alle durch den Pipelinebau betroffenen Grundstücke der Stadt Ratingen. Und: „Bezüglich der Sicherheit liegt ein Entwurf für einen Abwehrplan vor, der zurzeit abgestimmt wird. Erste Gespräche mit den Behörden und Feuerwehren haben bereits stattgefunden.“
Zöller sagte, dass die Zeit langsam knapp werde: Wie berichtet, versucht Bayer seine Leitung parallel zur Verlegung der Wingas-Leitung, die bereits begonnen hat, zu vergraben. Sei diese erst einmal verlegt, müsse man seitlich der bestehenden Trasse ins Gelände oder in den Wald ausweichen. Sollte die Bezirksregierung für Bayer entscheiden, sei das erleichternd. Sonst würde es zeitkritisch.
Brigitta Brakmann, Rechtsamtsleiterin, kündigte an, gegen eine Enteignungsentscheidung der Bezirksregierung auf jeden Fall zu klagen. Selbst im Eilverfahren dauere das mindestens ein halbes Jahr für zwei Instanzen, sagte sie.

[FR] Giftmüll NRW

CBG Redaktion

FR, 3. Mai 2007

Australischer Giftmüll: Streit über Entsorgung in Nordrhein-Westfalen

Düsseldorf - Das politische Tauziehen um die geplante Verbrennung von 11 000 Tonnen australischen Giftmülls in Nordrhein-Westfalen hält an. Landes-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) forderte die australische Regierung auf, eigene Entsorgungsstrukturen aufzubauen. Allerdings könnten die Landesbehörden nicht nach Belieben entscheiden, ob eine Einfuhr-Genehmigung letztlich erteilt oder verweigert werde.

„Wir drücken uns nicht, Verantwortung zu übernehmen, für eine Ablehnung müssten aber rechtssichere Gründe vorliegen“, sagte Uhlenberg. Von der australischen Regierung liege bislang noch kein Nachweis vor, dass der Giftmüll nicht im eigenen Land entsorgt werden könnte.

Grüne und der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) forderten Uhlenberg auf, seinen Ermessensspielraum für ein Einfuhrverbot zu nutzen. Der geplante Transport über eine Entfernung von 16 000 Kilometern von Australien bis zu Sondermüllverbrennungsanlagen in Herten, Dormagen und Leverkusen sei eine unzumutbare Gefährdung für Bürger und Umwelt.

Bei dem Giftmüll handelt es sich um Hexachlorbenzol, das nach Angaben des BUND Krebs, Stoffwechselstörungen und Organschäden auslösen kann. Der Müll soll über den Wasserweg transportiert werden. dpa

03.05.2007, NRZ

„Ohrfeigen für die Landesregierung“

UMWELT. In Sachen Giftmüll aus Australien gerät NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg unter Druck.

DÜSSELDORF. Landes-Umweltminister Eckhard Uhlenberg (CDU) wird zur zentralen Figur im Schacher um australischen Giftmüll-Import nach Nordrhein-Westfalen. Denn die Landesregierung hat es selbst in der Hand, den Transport von 11 000 Tonnen Sondermüll zu untersagen. Das jedenfalls legen Stellungnahmen der Bundesregierung und der EU-Kommission nahe, die gestern von den Landtags-Grünen und dem Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) NRW vorgelegt wurden. Sie fordern Uhlenberg auf, seinen Ermessensspielraum zu nutzen und den Mülltourismus zu stoppen.
„Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt“, so Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Johannes Remmel, „der Minister muss ihn nur noch verwandeln.“ Bisher habe Uhlenberg stets mit Hinweis auf die Zuständigkeit des Bundes behauptet, ihm
seien die Hände gebunden.
Das Ministerium pochte auch gestern darauf, für eine Ablehnung müssten „rechtssichere Gründe“ vorliegen. Von der australischen Regierung gebe es bisher keinen Nachweis, dass das krebserzeugende Hexachlorbenzol nicht im eigenen Land entsorgt werden kann. 20 000 Bürger haben bisher gegen die Pläne unterschrieben, den Sondermüll über 16 000 Kilometer auf dem Wasserweg bis zu den Verbrennungsanlagen in Herten, Leverkusen und Dormagen zu transportieren.
Nach EU-Auffassung kann die zuständige Behörde am Bestimmungsort Einwände erheben. „Sie entscheidet letztlich, ob sie die Verbringung mit oder ohne Auflagen genehmigt oder die Genehmigung verweigert“, heißt es in einem
Schreiben an den BUND. Gründe für einen Einwand seien beispielsweise neben dem Prinzip, Giftmüll in der Nähe zu entsorgen, die öffentliche Sicherheit oder der Gesundheitsschutz. Auf eine Kleine Anfrage der Bundestags-Grünen widerspricht die Bundesregierung ausdrücklich in vier Punkten der Uhlenberg-Position, das Land habe „keine rechtskräftige Möglichkeit“, Importe zu verhindern. „Das sind Ohrfeigen für die Landesregierung“, sagte Remmel.
Dirk Jansen, Geschäftsführer des BUND, sprach von einem „Müll-Sog“, der durch die Verbrennungsanlagen in NRW ausgelöst werde. „Mit Müll lässt sich immer ein schneller Euro machen“, sagte er. Uhlenberg dürfe nicht zulassen, dass die ohnehin hochbelastete Industrieregion „zum Giftmüll-Dorado für Europa und die ganze Welt verkommt“.
(NRZ) 02.05.2007

[Pestizide] Pestizidvergiftungen

CBG Redaktion

Eine Welt Netz NRW
Presse Info vom 27. April 2007

154 Organisationen fordern von Bayer: Stopp hochgiftiger Pestizide!

Das Eine Welt Netz NRW übergibt anlässlich der heutigen Bayer-Hauptversammlung in Köln einen Offenen Brief an den Vorstand der Bayer AG. Darin wird der Konzern aufgefordert, den Verkauf hochgiftiger Pestizide sofort einzustellen (vollständiger Text und Unterschriftenliste s.u.).

154 Organisationen aus 35 Staaten erinnern den Weltkonzern in dem Offenen Brief an sein Versprechen aus dem Jahr 1995, bis zum Jahr 2000 sämtliche Pestizide vom Markt zu nehmen, die von der Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem gefährlich (Gefährdungsklasse 1a) und hochgefährlich (1b) eingestuft werden. Über 2.600 Einzelpersonen haben diese Forderung ebenfalls unterzeichnet.
Bayer vertreibt noch mindestens acht dieser Pestizide, u.a. Thiodicarb (1a) und Methyl Parathion (1b). Viele dieser Wirkstoffe sind in Deutschland nicht mehr zugelassen, werden von Bayer aber in vielen Entwicklungsländern verkauft (www.bayercropscience.com).

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der Menschen, die jährlich durch Pestizide vergiftet werden, auf bis zu 25 Millionen. (1) 40.000 Menschen werden jedes Jahr unbeabsichtigt durch Pestizide getötet. Die Dunkelziffer liegt noch weit höher.(2)

Die Bayer AG hat in der Sparte Pestizide einen Weltmarktanteil von 20 Prozent. „Durch den fortwährenden Bruch des Versprechens trägt Bayer daher eine Mitverantwortung an der Vergiftung tausender Arbeiter und Arbeiterinnen jährlich“, so Jens Elmer vom Eine Welt Netz NRW.

Die Forderung des vom Eine Welt Netz NRW initiierten Briefes wird unterstützt durch das Pestizid Aktions-Netzwerk Deutschland und die Coordination gegen Bayer-Gefahren. Weitere Unterzeichner sind die Katholische Frauengemeinschaft und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung im Bistum Münster, der Ärzte-Verband des indischen Bundesstaates Punjab, die polnischen Gewerkschaft Solidarnosc sowie mehrere große indische Gewerkschaften.

Die Pestizide sind nicht nur für die direkten Anwender gefährlich. Zahlreiche Studien beweisen, dass Rückstände der Gifte in Gewürzen, Tee, Obst, Gemüse, Fleisch und Textilien auch Konsumenten belasten.(3)

Offener Brief an die Bayer AG

Den Verkauf hochgiftiger Pestizide sofort stoppen!

Sehr geehrter Herr Wenning,

wir als Unterzeichner dieses Briefes fordern die BAYER AG auf, alle Pestizide, die durch die Weltgesundheitsorganisation WHO als extrem gefährlich 1a) und hoch gefährlich (1b) eingestuft wurden, unverzüglich in allen Staaten der Erde vom Markt zu nehmen.

Obwohl Sie in Ihrem Geschäftsbericht 1995 angekündigt haben, bis zum Jahr 2000 den Verkauf sämtlicher Pestizide der Gefahrenklasse 1a und 1b einzustellen, verkauft die Bayer AG weiter solche Pestizide in Entwicklungsländern.

Zivilgesellschaftliche Akteure haben Sie seit dem Jahr 2000 bereits mehrfach aufgefordert, den Verkauf zu beenden. Ungeachtet dieser Kritik und Ihres Versprechens verkauft die Bayer AG unter anderem noch Pestizide mit den folgenden Wirkstoffen: Ethoprop (1a), Methyl Parathion (1b), Methamidophos (1b), Triazophos (1b) Thiodicarb(1a), Oxydemeton-Methyl (1b), Fenamiphos (1b) und Azinphos-Methyl (1b) (www.bayercropscience.com, 20.März 2007).

Dies steht im klaren Widerspruch zu Ihren Ansprüchen, die Sie selbst im Vorwort Ihres Nachhaltigkeitsberichtes 2005 formulieren: „Deshalb möchten wir technologisch und wirtschaftlich in unserer Branche eine Spitzenposition einnehmen, aber auch beim Umweltschutz und sozialem Engagement Maßstäbe setzen.“

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt die Zahl der Menschen, die jährlich durch Pestizide vergiftet werden, auf 3 Millionen1 bis 25 Millionen2.
200.000 Menschen begehen jedes Jahr mit Pestiziden Suizid, weitere 40.000 Menschen werden jedes Jahr unbeabsichtigt durch Pestizide getötet. Die Dunkelziffer liegt noch weit höher.3

Die Bayer AG hat nach eigenen Angaben einen Weltmarktanteil in der Sparte Pestizide von 20 %. Durch die Einstellung des Verkaufs von Wirkstoffen der Gefahrenklasse 1 ließe sich die Zahl der Vergiftungsfälle signifikant verringern.
Die Pestizide sind nicht nur für die direkten Anwender gefährlich. Rückstände der Gifte belasten in Gewürzen, Tee, Obst, Gemüse, Fleisch und Textilien auch Konsumenten.

Wir fordern Sie daher auf:
Halten Sie Ihr Wort: Stoppen Sie den Verkauf hochgiftiger Pestizide!

Eine Initiative des Eine Welt Netz NRW
mit Unterstützung von
Coordination gegen Bayer-Gefahren (CBG)
Pestizid Aktions-Netzwerk Deutschland (PAN Germany)

weitere Unterstützer:

A
A SEED Europe/Netherlands
Abekra (Verband arbeits- und berufsbedingt Erkrankter e.V.)/Germany
ACCORD/India
ActionAid/India
Adivasi Aikya Vedika (Indigenous communities organisation Andhra Pradesh)/India
African Centre for Biosafety/South Africa
African Conservation Foundation/Tanzania
Afrikanischer Verein in Aachen e.V. /Germany
Aktionsgemeinschaft Eine Welt in Beckum/Germany
Aktionsgemeinschaft Minden/Germany
Aktion Selbstbesteuerung e.V. /Germany
ALGA, Rural Women‚s organisation/Kyrgyzstan
Alliance for a Clean Environment inc./Australia
Alliance of Women‘s Organizations/Philippines
Alter Vida/Paraguay
Andhra Pradesh Vyavasaya Vruthidarula Union - APVVU/India
ANTHRA (women veterinary scientists)/India
Appiko Movement/India
Armenian Women for Health and Healthy Environment/Armenia
Arnika Association - Toxics and Waste Programme/Czech Republic
ART at WORK/Germany
Ärztinnen und Ärzte für eine gesunde Umwelt (ISDE) Austria
Asociacion Argentina de Medicos por el Medio Ambiente, Argentina
Associazione Consumatori Utenti (ACU)/Italy
Asia Pacific Forum on Women, Law and Development/Thailand
B
Behinderung und Entwicklungszusammenarbeit e.V./Germany
Berliner entwicklungspolitischer Ratschlag (BER e.V.)/Germany
Bharat Krishak Samaj (Farmers‚ Forum India)/India
Botanischer Verein zu Hamburg e.V./Germany
BUKO Agrar Koordination/Germany
C
Calhoun county resource watch/USA
Centre for Sustainable Agriculture/India
COECOCEIBA-FoE/Costa Rica
Collective for Economic, Social and Environmental Justice/India
Community Environmental Monitoring/India
Convenor Forum For A Sustainable Environment/India
Coordination gegen Bayer-Gefahren/Germany
Corporate Accountability Desk/India
CROPS/India
D
DAKO Deutsch-Afrikanische Kooperation e.V./Germany
Decentralized cotton Yarn Trust/India
Deutsch Chilenischer Freundeskreis/Germany
Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmerbewegung Bistum Münster/Germany
DUGI e.V./Germany
E
Earthcare Books/India
Ecologistas en Acción/Spain
Eco-TIRAS International Environmental Association of River Keepers/Moldova
Edmonds Institute/USA
Eine Welt Forum Aachen e. V./Germany
Eine-Welt-Initiative der Ev. Kirchengemeinde Greven,Bezirk Christus-Kirche/Germany
Eine-Welt-Laden Hückelhoven e.V/Germany
Eine-Welt-Laden TeKaBana/Germany
Eine Welt Netz NRW/Germany
Ekogaia Foundation, Cape Town/South Africa
El grito de la tierra/Argentina
Erklärung von Bern - Berne Declaration/Switzerland
Environment Support Group/India
Evangelische Frauenhilfe in Westfalen e.V./Germany
F
Federação dos Trabalhadores na Agricultura Familiar da Região Sul do Brasil (Fetraf-Sul)/Brazil
FIAN Deutschland/Germany
FIAN Gruppe München/Germany
Forum For A Sustainable Environment/India
Forum for Biotechnology & Food Security/India
G
GENE CAMPAIGN/India
Global March against Child Labour/Germany
Glocal Research/India
Gramya Resource Centre for Women/India
Greenpeace Gruppe Aachen/Germany
Greenpeace India/India
GRÜNE LIGA e.V. - Netzwerk Ökologischer Bewegungen/Germany
H
Hafengruppe Hamburg/Germany
I
Indian Medical Association (IMA) Punjab Chapter/India
Informationszentrum Dritte Welt Dortmund e. V/Germany
International Coalition to Protect the Polish Countryside (ICPPC)/Poland
International Union of Food and Allied Workers/Switzerland
Institute for Zero Waste in Africa/South Africa
Instituto Regional de Estudios en Sustancias Tóxicas (IRET)/Costa Rica
J
Jenaer Internationaler Studierendenkreis (JISK) der Friedrich-Schiller-Universität Jena/Germany
K
Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands, Diözesanverband Münster
Kheti Virasat Mission/India
Kolpingwerk Bezirksverband Wuppertal/Germany
Kolpingwerk DV Münster/Germany
Kooperation Brasilien e.V., Bundesweiter Zusammenschluß der Brasiliensolidaritätsgruppen/Germany
Koordination Suedliches Afrika (KOSA)/Germany
Kórima e.V., Verein zur Unterstützung der indigenen Völker in der Sierra Tarahumara/Germany
L
Light of Africa NRW e.V./Germany
Living Farms/India
La Bottega Solidale/Italy
M
Maharashtra Organic Farmers Association (Aahara)/India
Menopausal help line London/United Kingdom
Mexican Action Network on Free Trade/Mexiko
Milieudefensie (Friends of the Earth Netherlands)/Netherlands
Mythen-Post/Schweiz
N
NATIONAL ALLIANCE OF PEOPLE‘S MOVEMENTS/India
National Association of Professional Environmentalists (NAPE/Uganda
National Toxics Network Inc/Australia
Naturschutzbund (NABU) NRW/Germany
Navya Seema Development Society/India
Naz Foundation/India
Nicaragua-Verein Düsseldorf e.V./Germany
O
Ökumenische Eine-Welt-Gruppe Cronenberg/Germany
OroVerde/Germany
P
Pax Christi - Gruppe Sendenhorst/Germany
PEACE/India
Pesticide Action Network Africa/Senegal
Pesticide Action Network Asia and the Pacific/Malaysia
Pesticide Action Network Europe/Bulgaria
Pesticide Action Network Germany/Germany
Pesticide Action Network in Mexico (RAPAM)/Mexiko
Pesticide Action Network United Kingdom/United Kingdom
Pesticide Action Network Uruguay/Uruguay
Pesticide Eco-Alternatives Center/China
Pesticide Eco-Alternatives Center (PAN China)/China
Pesticide Watch Group of Nepal Forum of Environmental Journalists/Nepal
Politischer Arbeitskreis Schulen e.V./Germany
Preet lari magazine/India
PRO WILDLIFE e.V./Germany
Programa Agroecologia/Paraguay
Pudhu Nilavu Organic Farm, Tamil Nadu Organic Agriculturists’ Movement/India
R
Red de Acción en Plaguicidas y sus Alternativas de América Latina, Cono Sur (RAP-AL Cono Sur)/Columbia
Red de Acción en Plaguicidas y sus Alternativas en México (RAPAM)/Mexiko
Red de Acción en Plaguicidas y sus Alternativas de América Latina (Rap-al)/Uruguay
Red de Accion en Plaguicidas y sus Alternativas para America Latina (RAP-AL)Costa Rica /Costa Rica
Referat Weltkirche im Bischöflichen Generalvikariat Münster/Germany
Rettet den Regenwald/Germany
ROBIN WOOD e.V./Germany
Rural Reconstruction Nepal/Nepal
S
SANSAD/India
Sarvodaya Youth Organisation/India
School of Rural Development Tuljapur (TISS)/India
Societe pour l‚Etude, la Protection et l‘Amenagement de la Nature dans le Sud-Ouest (SEPANSO)/France
Solidarische Welt e.V., Träger des Weltladens Gießen/Germany
Solidaritätsfonds Demokratische Medien in der Welt e.V./Germany
Solidarnosc-Gewerkschaft/Poland
South Durban Community Environmental Alliance (SDCEA)/South Africa
Sunray Harvesters India/India
Suzuzi Amadi/Brazil
Swedish Society for Nature Conservation, SSNC/Sweden
T
Tamil Nadu Organic Agriculturists’ Movement/India
Tamil Nadu Women‚s Collective/India
Thanal/India
U
União de Mulheres de São Paulo/Brazil
United Artists‘ Association (UAA)/India
V
Vamos e.V. Münster/Germany
Verband Entwicklungspolitik Niedersachsen e.V. (VEN)/Germany
Vidarbha Jan Andolan Samiti, organisation against farmers suicide/India
Viva Amazoni Austria/Austria
Vollkornbäckerei Cibaria, Münster/Germany
W
Walter Sisulu Environmental Center/South Africa
WECF - Women in Europe for a Common Future/Germany
Welthaus Bielefeld/Germany
Weltladen Gießen/Germany
Weltladen-Team St. Martinus Kerpen/Germany
Weltladen Unterwegs Mainz/Germany
WWF-India/India
Y
Yakshi/India

_______________
1 Jeyaratnam J. Acute pesticide poisoning: a major global health problem. World Health Statistics Quarterly 43(3), 139-144, 1990.
2 I LO (2000): International Labour Conference, Report VI (1):Safety and health in Agriculture), 88th Session, 30 May-15 June 2000, International Labour Organization, Geneva
3 http://www.greenpeace.de/themen/chemie/pestizide_lebensmittel/

[HV Protest] Protestaktionen Hauptversammlung

CBG Redaktion

Presse Information vom 27. April 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.

BAYER-Hauptversammlung: Kritische Aktionäre protestieren gegen Giftmüll-Verbrennung, giftige Pestizide und CO2-Emissionen

Kunstaktion von Klaus Klinger / Übergabe von Offenem Brief

Kritische Aktionäre kündigen Proteste vor und in der heutigen Hauptversammlung der BAYER AG an. Schwerpunkte der Aktionen sind die umstrittene Verbrennung von Giftmüll, der Verkauf hochgiftiger Pestizide, der Neubau eines umweltschädigenden Kohlekraftwerks sowie gentechnische Kontaminationen. Die Aktionäre werden von einem 4 m hohen Gerippe begrüßt, das ein Giftfass transportiert. Der Aktionskünstler Klaus Klinger hat das Werk eigens für die Hauptversammlung angefertigt.

BAYER steht seit Monaten in der Kritik, da in Anlagen des Konzerns entgegen früherer Zusagen Giftmüll aus aller Welt verbrannt wird. Aktuell will BAYER rund 5.000 Tonnen krebserregendes Hexachlorbenzol aus Australien importieren und hiermit drei Millionen Euro erlösen. Gerade angesichts des jüngsten Unfalls auf dem Rhein halten die Kritiker den Transport solch gefährlicher Stoffe für unverantwortlich. „Die Verbrennung von Giftmüll ist mit einem erhöhtem Ausstoß von Schadstoffen verbunden. Giftige Filterkuchen müssen über Generationen hinweg deponiert werden. Immer wieder kommt es zu Unfällen beim Transport von Gefahrstoffen. Es ist nicht hinnehmbar, dass die Bevölkerung diese Risiken tragen muss, damit der BAYER-Konzern seine zu groß dimensionierten Anlagen auslasten kann“, so Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.
Zweiter Schwerpunkt der Aktionen sind Treibhaus-Emissionen von BAYER. Der Konzern stellt sich zwar als ökologischen Musterknaben dar, verweigert aber die Veröffentlichung einer aussagekräftigen Klimabilanz. BAYER macht keinerlei Angaben zu den CO2-Emissionen seiner Energie-Zulieferer. Die von BAYER behauptete Reduktion des Ausstoßes von Treibhausgasen basiert zum Teil auf der Ausgliederung der Energieversorgung – ein Bilanztrick, der dem Klima nicht hilft. In Krefeld-Uerdingen will BAYER zudem ein Steinkohle-Kraftwerk betreiben, das jährlich für über 4 Millionen Tonnen Kohlendioxid- und 4000 Tonnen Schwefeldioxid-Emissionen sorgen würde. Hierdurch würde eine klimaschädliche Stromproduktion für Jahrzehnte festgeschrieben. Nach Protesten von Umweltschützern sprach sich der Stadtrat von Krefeld gegen das Kraftwerk aus, BAYER hält aber an dem Projekt fest. Zu den Rednern in der Hauptversammlung zählt daher auch Ulrich Grubert, der aus Protest gegen die „CO2-Schleuder“ im Frühjahr in den Hungerstreik getreten war (siehe: www.cbgnetwork.de/1868.html).

Gemeinsam mit dem Eine Welt Netz NRW hat die Coordination gegen BAYER-Gefahren mehr als 2.800 Unterschriften für einen Offenen Brief gesammelt, der in der Versammlung dem BAYER-Vorstand übergeben wird. Hierin fordern die Verbände den Konzern auf, das Versprechen aus dem Jahr 1995 umzusetzen, alle Pestizide der Gefahrenklasse I vom Markt zu nehmen. BAYER hat die Ankündigung bis heute nicht eingehalten. Jahr für Jahr werden in Ländern des Südens Tausende Landarbeiter durch hochtoxische BAYER-Pestizide vergiftet.

Weitere kritische Redebeiträge befassen sich mit der geplanten Zerschlagung der BAYER-Tochter BIS, der Kontamination von Reis durch gentechnisch verändertes Saatgut und den tödlichen Nebenwirkungen des Medikaments Trasylol. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren wird in der Hauptversammlung die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat fordern.

Spektakulärer Kunstaktion
Klaus Klinger, ehemaliger Schüler von Top-Künstler Gerhard Richter, hat ein über vier Meter großes Gerippe gestaltet, das ein Giftfass transportiert. Die Arbeit des weltweit mit seinen großformatigen Arbeiten gegen Ausbeutung und Krieg aktiven Künstlers ist Teil des Protests gegen die geplante Verbrennung von hochgiftigem Hexachlorbenzol aus Australien in Anlagen des BAYER-Konzerns. Die Arbeit wurde eigens für die BAYER-Hauptversammlung geschaffen. Klinger gehört zu den führenden Vertreter von AgitPropArt. Der Künstler stellte viele Werke in Kooperation mit sozialen Bewegungen her, zum Teil unter Schirmherrschaft der UNESCO.

[Kohlekraftwerk] Kohlekraftwerk Uerdingen

CBG Redaktion

Niederrheinischer Umweltschutzverein (NUV), 27.04.07

Aktionärshauptversammlung des BAYER-Konzerns in Köln:

Pressemitteilung zur Kritik an der Planung eines umweltschädigenden Steinkohlekraftwerks im Bayer-Chemiepark Krefeld-Uerdingen

Etwa um das Jahr 2015 herum ist beabsichtigt, im BAYER-Werk Uerdingen zwei relativ kleine Kohlekessel, die jeweils 150 Tonnen Dampf pro Stunde produzieren, stillzulegen, während ein größerer Kohlekessel mit 400 to Dampf pro Stunde und vier gasbefeuerte Kessel weiter betrieben werden können. Durch eine Ausgliederung der Dampfproduktion in ein Kraftwerk der Firma Trianel (auf zu pachtendem BAYER-Gelände im Chemiepark Uerdingen) könnte dann auch der jahreszeitlich schwankende Bedarf an elektrischer Energie, der die Eigenproduktion übersteigt, gedeckt werden. Ein Kraftwerk mit 200 MegaWatt (MW) elektrischer Leistung wäre hierfür ausreichend. Berücksichtigt man noch den Wunsch der Stadtwerke Krefeld nach elektrischer Leistung in der Größenordnung von 100-150 MW, wäre ein umweltfreundliches Gas- und Dampfturbinenkraftwerk mit passender Kraft-Wärme-Kopplung von 350 MW elektrischer Leistung voll ausreichend. Zur Zeit wird in Hamburg-Tiefstack vom Energiekonzern Vattenfall ein GuD-Heizkraftwerk mit gut abgestimmter Kraft-Wärmekopplung gebaut, das einen Gesamtwirkungsgrad von 90 Prozent erreichen soll.

Die Firma Trianel plant hingegen mit massiver Unterstützung von BAYER ein großes, mit Importkohle befeuertes Kraftwerk mit ca. 750 MW elektrischer Leistung. Der elektrische Wirkungsgrad von nur 46% wird durch eine relativ geringe Dampfauskoppelung für den Chemiepark auf einen Gesamtwirkungsgrad von dann ca. 51% nur geringfügig erhöht. Da das Kraftwerk über Flusswasser gekühlt werden soll, wird somit die Hälfte der Energie, die mit hohen Umweltbelastungen aus Südafrika, Australien oder Kolumbien über die Weltmeere transportiert worden ist, dazu verwendet, den Rhein aufzuheizen. Aus Kostengründen verzichtet man auf den Bau eines Kühlturms und beabsichtigt die Kühlwasserentnahme von 25 000 l pro Sekunde aus dem Rhein. Dieses Wasser wird um bis zu 10 Grad erwärmt und gelangt dann wieder zurück in den Rhein.

In dem von BAYER und Trianel geplanten Kohlekraftwerk würden jährlich mindestens 4,4 Millionen Tonnen CO2 produziert! Zum Vergleich: Würden alle Bewohner Australiens ihre Glühlampen durch Energiesparlampen ersetzen, würden jährlich 3 Millionen to CO2 eingespart!

200.000 to verbrannter Steinkohle pro Monat würden neben der gewaltigen Emission an CO2 auch zu einem hohen Ausstoß anderer Schadstoffe führen. Aus dem Schornstein würden bei Normalbetrieb trotz Filteranlagen jährlich über 500 kg Cadmium, 500 kg Thallium, 600 kg Quecksilber, 1000 kg Arsen, 2000 kg Nickel, 6000 kg Blei, 400 to Staub, 4000 to Schwefeloxide und 4000 to Stickoxide entweichen. Hinzu kommen dann noch die verkehrsbedingten Zusatzbelastungen (u.a. Feinstaub durch Lkw) für den Transport der Betriebsstoffe und die Entsorgung der Abfälle. Zudem sollen auf dem Gelände des Chemieparks gelagert werden: 2,5 Millionen l Heizöl, 280 000 to Kohle in einem offenen, mit Abwehungen verbundenen Kohlelager, bis zu 4900 to Gips, bis zu 4800 to Flugasche, bis zu 600 to Kesselasche und bis zu 720 to Kalksteinmehl.

Ablehnung des Stadtrats
Bezüglich der CO2-Freisetzung unterscheiden sich die verschiedenen Brennstoffe erheblich. Im Vergleich zur Steinkohle erzeugt Erdgas etwa die Hälfte des Treibhausgases (56 %). In Zukunft wird Biogas, das ins Erdgasnetz eingespeist werden kann, zunehmend die Abhängigkeit von fossilem Erdgas vermindern, das zur Zeit in Deutschland zu etwa 62% aus Norwegen, Dänemark, den Niederlanden und England importiert wird. Das Ergebnis einer Studie, die u.a. von den Stadtwerken Aachen in Auftrag gegeben wurde, zeigt auf, dass bis zum Jahr 2020 der gesamte Erdgasbedarf Europas durch eigenes Biogas ersetzt werden könnte und dabei 2,7 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen würden.

Die Umweltverbände NABU, BUND, NUV und das Umweltforum Duisburg lehnen das
Steinkohlekraftwerk in Krefeld zusammen mit dem „Werbering Krefeld-Uerdingen“ und der „Ärzteinitiative gegen das Kohlekraftwerk Uerdingen“ entschieden ab. Auch der Krefelder Stadtrat hat am 08. März 2007 dieses Steinkohlekraftwerk abgelehnt und damit ein bundesweit beachtetes Klimaschutzsignal gegen Kohlekraftwerke ausgesendet.

Trotz dieser breiten Ablehnung macht die BAYER-Werksleitung gebetsmühlenartig den Versuch, die Mitarbeiter des Chemieparks und deren Angehörige mit Arbeitsplatzverlustängsten zu verunsichern. Die IG Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE) wird dabei instrumentalisiert. Auszubildende, die nur extrem wenig über die Gesamtproblematik informiert waren, wurden während der Arbeitszeit am 29. März 2007 mit Bussen zur Regionalratssitzung nach Düsseldorf gekarrt, um dort Gewerkschaftsfähnchen zu schwenken. Ein Gesprächsangebot der Umweltverbände an die Gewerkschaft wurde bis heute ignoriert. Noch schlimmer: Der Wunsch eines Umweltschützers, an einer Informationsveranstaltung der Gewerkschaft auf dem BAYER-Gelände als Zuhörer teilnehmen zu dürfen wurde explizit abgelehnt!
Eine inzwischen viele Jahre bewährte Diskussionskultur mit Anwohnern und Interessensvertretern wird heftig mit Füßen getreten!

Insgesamt stellt die Planung eines Steinkohlekraftwerks und die Ignoranz gegenüber umweltverträglicheren Alternativen einen Großangriff auf das Klima, Flora, Fauna und Mensch dar. Die Bürger in Krefeld und Umgebung werden sich dies aus Klimaschutzgründen einerseits und wegen der bereits sehr hohen Gesundheitsbelastung der Einwohner andererseits nicht gefallen lassen! BAYER riskiert mit dem Versuch einer hartnäckigen Gangart den Verlust der bislang recht hohen Akzeptanz in der Bevölkerung.

V.i.S.d.P.: Ulrich Grubert, Kreuzbergstr. 81, 47800 Krefeld (Tel.: 02151/594473)

Krefelder Ärzte lehnen Steinkohlekraftwerk in Krefeld-Uerdingen ab

Krefeld liegt am West-Rand des Ruhrgebietes. Durch die hier vorhandenen Industrieanlagen ist die Luftbelastung sehr hoch und gleichzeitig müssen wir Ärzte leider eine deutlich erhöhte Rate an neu auftretenden z. T. bösartigen Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislauf-Systems feststellen !
In den Messungen des Umweltbundesamtes liegt der Messort Krefeld - Linn im Jahr 2006 an 5. Stelle im gesamten Bundesgebiet bei den Überschreitungen der Höchstgrenze für Feinstaubbelastung von 50µg/m³.
Die Lungenkrebsrate im Ruhrgebiet liegt erheblich über der des Bundesdurch -schnitts. Dabei ist Duisburg besonders stark betroffen.
Es ist gesichert, dass Schwermetalle und Feinstäube Entzündungen in der Lunge und im Gefäßsystem verursachen und kanzerogene Wirkung haben. Pope et. al. in den USA haben statistisch signifikant nachgewiesen, dass eine Erhöhung der Feinstaubkonzentration um nur 10µg pro m³ zu einer Erhöhung der allgemeinen Sterberate von 6 %, zu einer Erhöhung der Sterberate an Herz-Kreislauf-Erkrankungen von 9 %, sowie zu einer Erhöhung der Sterberate an Lungenkrebs um 14 % !!! nach sich ziehen. Ebenso zeigen Untersuchungen, dass eine erhöhte Allergierate durch Luftverschmutzung ausgelöst wird. In letzterem Zusammenhang haben sich übrigens praktisch alle niedergelassenen Kinderärzte unserer Initiative angeschlossen.
Angesichts dieser Tatsachen müssen wir die Schadstoffkonzentration in der Luft soweit wie irgend möglich verringern, um die Erkrankungs- und Sterberate nicht weiter in die Höhe zu treiben !!!

136 Ärzte in Krefeld haben sich bislang zu einer Initiative zusammengeschlossen, um eine Verschlechterung der Krefelder Luft durch ein Steinkohlekraftwerk dieser Dimension zu verhindern. Wir müssen Alternativen für unsere Energieprobleme vorantreiben.
Falls die Firmen Bayer und Trianel ihr Projekt trotz Ablehnung durch den Stadtrat in Krefeld weiter durchzusetzen suchen, sehen wir uns gezwungen, die umliegende Bevölkerung umfassend über die drohenden Gefahren durch dieses überdimensionierte Steinkohlekraftwerk zu informieren, und werden hoffentlich diese Bedrohung der Gesundheit insbesondere von älteren Menschen, Kindern und Kranken durch die Interessenwahrung der betroffenen anwohnenden Menschen abwenden können.

Das hartnäckige Verfolgen - verständlicher - wirtschaftlicher Interessen auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung schadet dem Ruf der Firma Bayer - die für uns als Ärzteschaft eigentlich auch für Innovation und Forschung im Dienste der Gesundheit steht - in unseren Augen enorm.
Wir sind der Meinung, dass gesundheitliche Belange auch bei den Fragen der Energiegewinnung und Produktion vorrangige Beachtung finden müssen.

v.i.S.d.P.R.: Dr. Bernd Kaufmann, Facharzt für Allgemeinmedizin