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Veröffentliche Beiträge von “CBG Redaktion”

[Demo Duisburg] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

23. November 2007, Rheinische Post

Duisburg: Schweigemarsch der Gegner

400 Menschen demonstrierten Mittwochabend gegen den Bau der CO-Pipeline. Zum Auftakt hatten die evangelische und katholische Kirche zu einem ökumenischen Gottesdienst eingeladen.

Ein Abend im Zeichen des Kreuzes: Zusammen mit der katholischen Kirche Herz Jesu in Serm und der evangelischen Auferstehungskirche in Ungelsheim hatte die Bürgerinitiative „COntra Pipeline“ zu einen ökumenischen Gottesdienst mit Schweigemarsch entlang der Pipeline-Trasse aufgerufen. Die Auferstehungskirche war zum Auftakt der Veranstaltung gut gefüllt. Pfarrer Thomas Herwig appellierte an die persönliche Verantwortung von Politikern und Konzernen, gestand aber zum Buß- und Bettag auch eigene Versäumnisse ein. „Wir haben das Kleingedruckte nicht aufmerksam genug gelesen und sind erst aktiv geworden, als uns die Angst gepackt hat.“
Dem folgenden halbstündigem Schweigemarsch mit Fackeln gab Pfarrer Herwig danach in seinen Gedanken zu Römer 2, 1-11, die Worte „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ mit auf dem Weg. In der katholischen Kirche Herz Jesu in Serm fand Pfarrer Bernfried Ludwig ähnlich starke Worte wie sein evangelischer Kollege. In seiner bildhaften Ansprache mahnte er zur Erhaltung der Schöpfung und erinnerte an die Verantwortung des Einzelnen. „Großindustriellen, Politikern, den Kapitalisten und Ganoven bedeutet die Schöpfung nichts, Hauptsache die Kohle stimmt.“
Der Bau einer unterirdischen Kohlenmonoxid-Pipeline (CO) durch den Bayer-Konzern sei „menschenverachtend“, schloss sich Andrea Gutsfeld von der Initiative Contra-Pipeline an. An diesen wollen auch Tochter Benbdida Petra und Mutter Renate Schedler teilnehmen. „Aufgeben? Wenn es nötig ist, gehen wir bis zum Bundesverfassungsgericht!“ Unterstützt in ihrem Anliegen werden die Betroffenen von der Stadt. Oberbürgermeister Adolf Sauerland war in Ungelsheim anwesend und Stadtdirektor Dr. Peter Greulich versprach in der Herz Jesu Kirche die Unterstützung der Stadt.
„Wir bezweifeln die Aussagen des vorliegenden Gutachtens, auf dem der Planfeststellungsbeschluss beruht.“ Das TÜV-Gutachten werde nun von einem Gutachter der Stadt Duisburg überprüft. „An der Aussage, dass die Pipeline so sicher wie Pipelines in den Niederlanden ist, müssen wir erhebliche Zweifel anbringen.“ Es sei nicht verantwortbar, die Grundstücke seitens der Stadt aus der Hand zu geben. Diese Position stütze ein Mandat der Stadt. Ein Abend im Zeichen des Kreuzes im doppelten Sinne. An der Bushaltestelle „Kirche Serm“ kann man ein Kreuz sehen, jedoch nicht das der Kirche. Über dem nahen Werkgelände strahlt das Bayer-Kreuz. Still ist es. VON STEFAN OSSENBERG

NRZ, 19.11.2007

Pipeline: Retter sind nicht gerüstet

NOTFALL. Bei einem Bruch der CO-Leitung müssen Bewohner sich selbst in Sicherheit bringen.

Bei einem Bruch der umstrittenen Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG kann die Feuerwehr nicht rechtzeitig alle gefährdeten Bewohner retten. Dies geht aus einer Antwort des Dezernenten Hans-Georg Lohe im gestrigen Ausschuss für öffentliche Einrichtungen hervor. Die Grünen hatten nach dem Katastrophenschutz gefragt. In den ersten Minuten, die über Tod oder Leben entscheiden können, sind die Menschen mehr oder weniger auf sich allein gestellt.
Die Feuerwehr weist darauf hin, dass eine „nur beschränkte Möglichkeit besteht, größere Personenzahlen zeitnah zu warnen und rechtzeitig in Sicherheit zu bringen.“ Der Grund: Für einen derartigen Großeinsatz stehen im Norden, Osten und Süden innerhalb kürzester Zeit nicht genügend Feuerwehrmänner zur Verfügung. In Hubbelrath sind einige Wohnhäuser nur zehn bis 15 Meter von der geplanten CO-Leitung entfernt, in Wittlaer und Angermund 200 Meter. Im Süden verläuft die Pipeline in Monheim bis auf 150 Meter zur Stadtgrenze.
Sollte die Leitung an einer Stelle regelrecht brechen, strömt innerhalb von 15 bis 30 Minuten sämtliches Kohlenmonoxid aus dem beschädigten Rohr aus. Zwar gibt es Absperrschieber, aber nur im Zehn-Kilometer-Abstand. Eine „abschließende Aussage zu dem genauen Ausmaß der betroffenen Stadtgebiete“ kann noch nicht gemacht werden, gibt Lohe zu bedenken.
Die Feuerwehr hält es für dringend erforderlich, bei einem Störfall die in der Nähe wohnenden Menschen sofort über Sirenen und Radio-Durchsagen zu alarmieren, damit die Bürger in das nächstgelegene Haus flüchten können und Türen und Fenster geschlossen halten. In einer solchen Situation bieten Gebäude den einzigen Schutz. Kohlenmonoxid ist geruchlos und ab einer bestimmten Konzentration tödlich. Wer zuviel CO eingeatmet hat, muss in der Druckkammer behandelt werden. „Die Kapazitäten sind allerdings beschränkt“, erklärte Feuerwehr-Chef Peter Albers. MICHAEL MÜCKE

[Wenning] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

Pressemitteilung, 22. November 2007

Bürgerinitiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“
Keine Risiko-Leitung zwischen Dormagen und Uerdingen

Stand der Unterschriften am 22.11.07: 73.900

Gerechte Auszeichnung von Werner Wenning?

Pipeline-Projekt lässt keine Management-Qualitäten erkennen

Die Bürgerinitiative Bau-Stopp der Bayer-Pipeline zeigt sich erstaunt über die Auszeichnung von Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender der BAYER AG, mit dem Titel „Manager des Jahres“ des Manager-Magazins.
Das Projekt Kohlenmonoxid-Pipeline zwischen den Chemieparks Dormagen und Krefeld-Uerdingen offenbart eine Reihe von Management-Fehlern.
Neben zahlreichen Bau-Pannen musste Bayer zuletzt einräumen, das Wetter bei seiner Planung nicht bedacht zu haben und nun nicht wie geplant Ende des Jahres mit dem Betrieb der Leitung starten zu können.
Auch der Kommunikationskultur des Bayer-Vorstands mangelt es an Vorbild-Charakter. Werner Wenning beantwortet Briefe mit Fragen nach seiner persönlichen Verantwortung erst gar nicht selbst.
Bedenklich ist schließlich auch die Auslagerung von Kosten und Risiken:
Während sich der Konzern von der 67 km langen Leitung größere Versorgungssicherheit und damit optimierte Betriebsabläufe sowie höhere Renditen verspricht und damit alle Vorteile einstreicht, werden die Lasten des Projekts der Allgemeinheit aufgebürdet.
Die Wertverluste an Privatimmobilien in unmittelbarer Nähe der Trasse werden vom Verband Haus und Grund auf 5 bis 10 % beziffert. Bei 28.000 betroffenen Häusern allein im Kreis Mettmann ergibt dies einen volkswirtschaftlichen Schaden von bis zu 550 Millionen Euro.
Die gesundheitlichen Hauptrisiken tragen die fast 200.000 Anwohner der Pipeline, die im Gegensatz zu den Arbeitern in den Chemieparks über keinerlei Selbstschutz- und Frühwarneinrichtungen verfügen.
Die Hauptlast der akuten Schadensabwehr obliegt den örtlichen Feuerwehren, die über Steuergelder finanziert werden.
Dieter Donner, Pressekoordinator der Bürgerinitiativen: „Erfolgreich managen heißt auch sozial verantwortlich agieren. Was Herr Wenning mit diesem Projekt vorhat, ist leichtfertig und fahrlässig. Darüber können auch öffentlichkeits-wirksam präsentierte Umwelt- und Sozialkampagnen des Bayer-Konzerns nicht hinwegtäuschen. Auch der zu solchen Anlässen als Pate auftretende NRW-Ministerpräsident verstärkt den faden Beigeschmack nur noch mehr.“

Pestizide im Garten

CBG Redaktion

PAN Germany Presse-Information
Hamburg, 21.11.2007

Kein ausreichender Schutz der biologischen Vielfalt bei der Zulassung von Pestiziden im Haus- und Kleingarten

Die Liste der im Haus- und Kleingarten zugelassenen Pestiziden zeigt: Im Haus- und Kleingarten sind Gifte im Einsatz, die für die Umwelt gefährlich sein können.

Der Verlust an biologischer Vielfalt schreitet fort. Der Rückgang von Arten ist besorgniserregend. Dies ist jedoch bisher nicht ausreichend bei der Novellierung und Umsetzung der Pestizidgesetzgebung berücksichtigt. Dies betrifft unter anderem den Haus- und Gartenbereich.
Hier muss bei der Zulassung von Pestiziden endlich der Schutz der Biodiversität wirksamer berücksichtigt werden. Die Liste der zugelassenen Pestizide für den Haus und Kleingartenbereich zeigt deutlich: Der Schutz der biologischen Vielfalt ist bei der Zulassung von Pestiziden für Haus und Garten noch nicht angekommen. Carina Weber Programm-Geschäftsführerin von PAN: „Die Gesetzgeber auf nationaler und europäischer Ebene müssen hier endlich Verantwortung übernehmen. Mittel mit negativen Auswirkungen auf den Naturhaushalt, die von Laien eingesetzt werden, müssen aus der Zulassung herausgenommen werden.“

Dipl. Ing. agr. Susan Haffmans von PAN: „Im Haus- und Kleingarten werden Pestizide eingesetzt, die sowohl für Wasserlebewesen wie auch z.B. für nützliche Insekten gefährlich sind“.

So ist beispielsweise das „BAYER GARTEN Gartenspray“ gegen Insekten als bienengefährlich und schädigend für Populationen relevanter Nutzorganismen eingestuft. Darüber hinaus ist es giftig für Algen, Fische und Fischnährtiere. Der „Bahr Unkrautvernichter mit Rasendünger“ ist schädlich für Wasserorganismen und kann laut Gefahrenbezeichnung in Gewässern längerfristig schädliche Wirkung haben. Zudem ist er als giftig für höhere Wasserpflanzen eingestuft. Und das „Austrieb-Spritzmittel Weißöl“ der Firma W. Neudorff wird als schädigend für Nützlinge wie die Florfliege und als schwachschädigend gegenüber Marienkäfern eingestuft. Darüber hinaus ist es sehr giftig für Wasserorganismen und auch hier wird auf mögliche längerfristige schädliche Wirkungen in Gewässern hingewiesen.

Federführend verantwortlich für die Zulassung von Pestiziden für den Einsatz im Haus und Garten in Deutschland ist das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Das BVL kann jedoch nur im Rahmen der EU-Pestizidgesetzgebung handeln, deshalb müssen die Vorgaben in Brüssel verbessert werden. Die Bundesregierung muss hier ihren Einfluss stärker zum Schutz der Biodiversität geltend machen.

Weitere Informationen:
Susan Haffmans, Tel. 040-399 19 10-25,
E-Mail: susan.haffmans@pan-germany.org

Klima-Emissionen

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse-Info vom 19. November 2007

Zum heute vorgestellten “Bayer Climate Program”:

“Kritische Bereiche erneut ausgeklammert”

Der BAYER-Konzern hat heute sein neues Klima-Programm vorgestellt. In den Reden des Vorstandsvorsitzenden Werner Wenning sowie des Vorstandsmitglieds Wolfgang Plischke wurden jedoch erneut wichtige Problembereiche ausgespart.

So plant BAYER gemeinsam mit der Firma TRIANEL den Bau eines umstrittenen Steinkohlekraftwerks. Das Kraftwerk, das auf dem BAYER-Werksgelände in Krefeld gebaut und von der BAYER-Tochter BIS betrieben werden soll, würde jährlich 4,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid und jeweils 4000 Tonnen Schwefeldioxid und Stickoxide emittieren. Da das Kraftwerk mit Kohle aus Südamerika und Australien befeuert werden soll, kämen die Emissionen beim Transport hinzu.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Eine Pressekonferenz zum Thema Klimaschutz, zu der Journalisten aus aller Welt eingeflogen werden, macht keinen Sinn, wenn das in Sachen Klimaschutz problematischste Projekt des Unternehmens mit keinem Wort erwähnt wird. Was ist das Gerede von „Klima-Check“ und „holistischem Ansatz“ wert, wenn dadurch der Einsatz einer solchen Dinosaurier-Technologie nicht verhindert wird? Das Steinkohlekraftwerk würde Klima und Umwelt mindestens bis zur Mitte des Jahrhunderts schwer belasten.“

Die CBG fordert den Konzern zudem auf, das Wirrwarr bei den Angaben zu CO2-Emissionen aufzulösen: Im vergangenen Jahr hieß es in Verlautbarungen des Konzerns „Bayer hat die Emissionen der Treibhausgase seit Beginn der 90er Jahe weltweit um über 70 Prozent reduziert“. Noch am 30. August diesen Jahres äußerte Wenning: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die direkten Treibhausgas-Emissionen bis 2010 um 50 Prozent im Vergleich zum Ausgangsjahr 1990 zu reduzieren. 46 Prozent haben wir bereits erreicht.“ Heute hieß es in der Rede von Werner Wenning: „So haben wir zwischen 1990 und 2006 die weltweiten absoluten Treibhausgas-Emissionen des Bayer-Konzerns in der heutigen Portfolio-Struktur erheblich reduziert - um insgesamt 36 Prozent“.

Philipp Mimkes: „Erst nach einer Kampagne der Coordination gegen BAYER-Gefahren war BAYER bereit, die Emissionen der Energie-Zulieferer in seiner Klima-Bilanz zu berücksichtigen und das Ammenmärchen von der 70-Prozent-Reduktion zu begraben. Noch immer ist jedoch eine vollständige Bewertung des CO2-Ausstoßes von BAYER kaum möglich, da der Konzern ständig unterschiedliche Zahlen vorlegt. Wir fordern BAYER auf, absolute Emissions-Zahlen für alle Werke, Tochterfirmen und Energiezulieferer zu veröffentlichen - auch rückwirkend.“

Weitere Informationen zu Klima-Emissionen von BAYER

Entlassungen

CBG Redaktion

Presse Information vom 9. November 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Kunststoff-Produktion von BAYER: Rationalisierung trotz Rekordgewinn

„Rechtfertigung für gefährliche CO-Pipeline hinfällig“

Trotz eines prognostizierten Rekord-Gewinns im laufenden Jahr will der BAYER-Konzern in der Kunststoffproduktion ein Zehntel aller Arbeitsplätze wegrationalisieren. Die Tochterfirma BAYER MATERIAL SCIENCE (BMS) hat in den ersten neun Monaten des Jahres einen Gewinn von 843 Mio Euro erzielt, der Gesamt-Konzern erlöste sogar einen Profit von 3,5 Milliarden Euro. Dennoch sollen von den 15.000 Stellen von BMS allein in Deutschland rund 500 vernichtet werden.

Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Argumentation der BAYER AG im Zusammenhang mit dem Bau der umstrittenen Kohlenmonoxid-Leitung von Dormagen nach Krefeld-Uerdingen. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der BAYER-Konzern rechtfertigt den Bau der CO-Pipeline mit der damit angeblich verbundenen Arbeitsplatz-Sicherung in der Kunststoffproduktion. Die selbe Begründung wurde auch für das Enteignungs-Gesetz, die sogenannte „Lex Bayer“, herangezogen. Angesichts der nun angekündigten Vernichtung hunderter Arbeitsplätze entpuppen sich diese Versprechen als hohles Gerede. Damit entfällt auch die Rechtsgrundlage für das Enteignungs-Gesetz!“ Nach Auffassung der CBG liegen dem Bau der hochgefährlichen Leitung ausschließlich privatwirtschaftliche Interesse zu Grunde. Enteignungen lassen sich aber nur durch Vorteile für das Allgemeinwohl rechtfertigen.

Axel Köhler-Schnura von der CBG ergänzt: „BAYER hat mit der angekündigten Vernichtung weiterer 1.500 Arbeitsplätze endgültig die Solidarität mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aufgekündigt. Angesichts von Umsatzrenditen über 20% sind die von BAYER angekündigten Ausgliederungen und Entlassungen durch nichts zu rechtfertigen.“

In Krefeld-Uerdingen setzt BAYER für die Kohlenmonoxid-Produktion eine veraltete und energieintensive Technik ein. Im vergangenen November musste die Anlage nach einem Brand wochenlang stillgelegt werden. Die CBG fordert den Bau einer modernen CO-Produktionsanlage in Uerdingen - hierdurch ließe sich zum einen der Ausstoß von Treibhausgasen verringern, zum anderen könnten der Bau der Pipeline und die Gefährdung der Anwohner gänzlich verhindert werden.

weitere Informationen
online unterschreiben

[Subventionen] Agrarsubventionen

CBG Redaktion

8.11. 2007 Lausitzer Rundschau

Hohe EU-Subventionen für Agrarkonzerne

Von Agrarsubventionen profitieren besonders häufig große Agrarkonzerne und Güter.
Zitat: „Dem Chemiegiganten Bayer zahlte die EU für den Anbau von Zuckerrüben und Getreide auf seinem Versuchsgut Laacher Hof pro Jahr bis zu knapp 100 000 Euro. Der Unilever-Konzern nahm danach über seine inzwischen verkaufte Tochter Iglo seit 2004 rund 700 000 Euro ein.“

Euparen

CBG Redaktion

Schwäbische Zeitung, 06.11.2007

Bayer-Pestizid im Trinkwasser: Arzt schlägt Alarm

RAVENSBURG Sorgen um das Trinkwasser im Schussental macht sich der Ravensburger Arzt Dr. Friedhelm Struben. Die Belastung des Wassers durch Pflanzenschutzmittel aus der Landwirtschaft sei nicht so harmlos wie zunächst angenommen. In einem offenen Brief hat er sich jetzt an Kommunalpolitiker gewandt.
Wie berichtet, war das Pflanzenschutzmittel „Euparen“ wegen des Abbauproduktes Dimethylsulfamid von der Firma Bayer im Februar 2007 nach 20 Jahren Einsatz im Obst- und Weinanbau vom Markt genommen worden. Grund: Bei der Behandlung mit Ozon entsteht das erbgutschädigende und krebserregende NDMA (Nitroso-Dimethylamin). Und Ozon wird von manchen Wasserwerken für die Trinkwasseraufbereitung verwendet.
Überall im Land ist daraufhin das Trinkwasser auf Rückstände des Pflanzenschutzmittels untersucht worden. In Ravensburg – vor allem in den südlichen und westlichen Ortschaften Taldorf, Eschach und Schmalegg, wo viel Obst angebaut wird – ist der Grenzwert von 0,0001 Milligramm pro Liter etwa um das Vierfache überschritten worden. In Weingarten blieben die Messwerte unter dem Grenzwert. Da aber die Technischen Werke Schussental ihr Wasser nicht mit Ozon behandeln, wurde die Belastung vom Kreisgesundheitsamt als ungefährlich eingestuft und eine Ausnahmegenehmigung für die weitere Abgabe von Trinkwasser bis zum 30. April 2010 erteilt.

Offener Brief an Fraktionen
Das hält Dr. Friedhelm Struben, Facharzt für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und für Psychosomatische Medizin, für „nicht zumutbar“. Die giftige krebserregende Verbindung könne seinen Informationen nach bei allen Oxidationsvorgängen an Dimethylsulfamid entstehen, nicht nur durch die Beigabe von Ozon. „Es kann also nicht mit hinreichender Sicherheit so einfach behauptet werden, dass eine gesundheitliche Gefährdung über dieses Trinkwasser nicht besteht“, schreibt Struben in einem offenen Brief an die Fraktionsvorsitzenden aller Parteien im Ravensburger Gemeinderat. Man könne nicht „einfach zur Tagesordnung übergehen“ und diese Gefährdung banalisieren und beschönigen, meint der Arzt. Im Gespräch mit der „Schwäbischen Zeitung“ konkretisierte er seine Bedenken: „Wasser ist ein Grundnahrungsmittel. Ich kann doch die Grenzwerte nicht einfach am grünen Tisch ändern, weil es so am bequemsten ist.“ Nicht einmal Abkochen würde helfen, da es sich bei dem Fungizid (Pilzabtötungsmittel) im Wasser ja nicht um Keime handele. Seinen Patienten empfiehlt Struben, möglichst Mineralwasser zu verwenden.
Dr. Andreas Thiel-Böhm, Geschäftsführer der Technischen Werke Schussental (TWS), sieht hingegen keine Gefahr. Das von den TWS an vielen Brunnen im Osten von Ravensburg und Weingarten geförderte Trinkwasser sei so rein, dass überhaupt kein chemisches Verfahren zur Trinkwasseraufbereitung verwendet werden müsse. Weder Ozon noch sonst etwas. Mikrobiologische Keime würden allein durch UV-Licht abgetötet. Zu einer Oxidation komme es dabei nicht, folglich könne sich auch nicht das gefährliche NDMA bilden.

UV-Licht reicht aus
„Wenn Trinkwasser ohnehin schon klar ist und keinen weiten Weg zum Verbraucher zurücklegen muss, reicht die UV-Licht-Bestrahlung“, erklärt Thiel-Böhm. Anders sehe das zum Beispiel am Bodensee aus, dessen Wasser bis in den Stuttgarter Raum gepumpt wird, bevor es jemand trinkt. Das Wasser aus den Brunnen der Region sei jedoch so gut, dass es kaum noch aufbereitet werden müsse.
Kann man die Qualität des Wassers in Ravensburg trotzdem noch steigern, um jegliches Restrisiko auszuschließen? Theoretisch schon, meint Thiel-Böhm. Wollte man die seiner Ansicht nach ungefährlichen Rückstände des Pflanzenschutzmittels herausholen, müsste man jedoch enorm kostspielige Anlagen bauen. Etwa Aktivkohlefilter. Das würde aber dann das Trinkwasser mindestens um 25 bis 50 Prozent verteuern. „Wir sprechen hier von 50 Cent pro Kubikmeter.“
Seine Sicht der Dinge teilt man beim Ravensburger Landratsamt, das als Gesundheitsbehörde die Ausnahme-Erlaubnis für die Abgabe des belasteten Wassers gegeben hat. Dort habe man sich wiederum beim Bundesamt für Risikoabschätzung rückversichert. Franz Hirth, Pressesprecher des Landratsamtes: „Wir wissen nur, dass die Belastung dort, wo Obst angebaut wurde – von der Erdbeere bis zum Apfel – höher ist. Ansonsten wissen wir noch relativ wenig über den Stoff.“ Es sei zum Beispiel noch unklar, ob die Werte sinken oder steigen würden. „In ein, zwei Jahren wissen wir mehr. Jetzt haben wir keine neuen Erkenntnisse.“

Daten & Fakten
Das Pflanzenschutzmittel „Euparen“ der Firma Bayer wurde 20 Jahre lang eingesetzt. Anwendung fand es besonders im Obst- und Weinanbau gegen Pilzbefall. Im Herbst des vergangenen Jahres hat die Firma bei einer Eigenuntersuchung von „Euparen“ erstmals das Entstehen des Abbauproduktes Dimethylsulfamid festgestellt und dem Bundesamt für Verbraucherschutz mitgeteilt. Seit Februar ist die Verwendung von „Euparen“ durch das Amt untersagt. Der Stoff Dimethylsulfamid soll gesundheitlich unbedenklich sein. Wenn allerdings Trinkwasser mit Ozon aufbereitet wird, entstehen krebserregende Nitrosamine, Nitroso-Dimethylamin (NDMA).
Annette Vincenz

Trasylol

CBG Redaktion

Coordination gegen BAYER-Gefahren
Presse Information vom 5. November 2007

BAYER nimmt TRASYLOL vom Markt

Risiko von Todesfällen erhöht / Gefahren seit langem bekannt / „aus Lipobay-Skandal nichts gelernt“

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat dem bei Herzoperationen eingesetzten Medikament TRASYLOL heute die Zulassung entzogen. Der Hersteller von TRASYLOL, der Leverkusener BAYER-Konzern, hat das Präparat daraufhin weltweit „vorläufig“ vom Markt genommen.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „BAYER hat nichts aus dem LIPOBAY-Skandal gelernt. Obwohl die Gefährlichkeit von TRASYLOL bereits in zahlreichen Studien nachgewiesen wurde, hielt der Konzern bis zum bitteren Ende an dem Medikament fest - noch Mitte September behauptete BAYER, TRASYLOL sei „sicher und wirksam“. Wie im Fall von LIPOBAY oder der HIV-verseuchten Blutpräparate geht der Konzern für Profite buchstäblich über Leichen.“ Die CBG fordert verbindliche Kontrollen aller bereits zugelassener Pharmazeutika, Industrie-unabhängige Studien bei Neuzulassungen und strafrechtliche Konsequenzen für verantwortliche Manager. Gesundheitsbehörden müssen nach Ansicht der CBG materiell und gesetzgeberisch gestärkt werden, um Nebenwirkungen von Medikamenten systematisch erfassen und risikoreiche Mittel vom Markt nehmen zu können.

Schon Anfang 2006 hatte eine im New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie nachgewiesen, dass TRASYLOL überdurchschnittlich oft gravierende Nebenwirkungen wie Nierenschäden, Herzinfarkte oder Schlaganfälle verursacht – häufig mit Todesfolge. Allein 10.000 Patienten könnte nach Aussage der Untersuchung pro Jahr eine Schädigung der Nieren erspart bleiben. Recherchen des WDR Fernsehens wiesen vor wenigen Wochen zudem nach, dass BAYER bereits zu Beginn der 80er Jahren eigene Studien durchgeführt hatte, die ein erhöhtes Risiko für Nierenschäden ergaben. Die Studien verschwanden jedoch in der Schublade des Unternehmens.

Der Konzern suchte über Jahrzehnte fieberhaft nach neuen Indikationen für TRASYLOL. Der Pharmakologe Prof. Peter Schönhöfer zur Geschichte des Präparats: „Dieses Produkt war immer ein Arzneimittel auf der Suche nach einem Anwendungsgebiet. Und es wurde viel versucht - sinnloses wie sinnvolles, ohne dass etwas herauskam. Und dann hatte man eben mit den Blutungen bei der Bypass-Operation Glück und fand was.“

Im vergangenen Herbst war herausgekommen, dass BAYER der US-Medikamentenaufsicht FDA negative Studienergebnisse zu TRASYLOL bewusst vorenthalten hatte. Am 21. September hatte die FDA eigens ein Komitee einberufen, in dem die Risiken des Medikaments diskutiert werden sollten, hieran waren auch Vertreter von BAYER beteiligt. Obwohl der Konzern zu diesem Zeitpunkt eine Studie mit 67.000 Behandlungsfällen durchführen ließ, von der bereits Ergebnisse vorlagen, wurden die Mitglieder des FDA-Komitees hierüber nicht informiert. Erst durch den Hinweis eines der Autoren wurde die Behörde im Nachhinein auf die Untersuchung aufmerksam. BAYER verniedlichte den Vorgang im Nachhinein als „Fehlverhalten von zwei Mitarbeitern“.

Mitte der 60er Jahre testete BAYER dem Buch „Gesunde Geschäfte“ zufolge das damals nur zur Behandlung von Entzündungen der Bauchspeicheldrüse zugelassene Mittel als Therapeutikum für Schockzustände nach Unfällen. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass sich unter TRASYLOL die Sterberate signifikant erhöhte. Der Pillenriese blies die Untersuchungen daraufhin jedoch nicht ab, sondern manipulierte die Zahlen. Indem nur Todesfälle innerhalb von 3 Wochen nach Gabe von TRASYLOL gewertet wurden, wurde ein Großteil der Pharma-Opfer statistisch wieder zum Leben erweckt.

Das Skript des WDR-Films senden wir gerne zu. Weitere Informationen unter:
BAYERs neuer Pharma-GAU
Trasylol: BAYER verheimlicht Negativ-Ergebnisse
BAYER täuscht US-Gesundheitsbehörde
Bayer verzichtet auf breitere Anwendung Trasylols

[Demo] CO-Pipeline

CBG Redaktion

„HEUTE WIR - MORGEN IHR“

Am Samstag, den 3. November 2007 startete in Düsseldorf vor dem DGB-Haus, in der Friedrich-Ebert-Straße um 11.30 Uhr eine friedliche und beeindruckende Demonstration gegen die Kohlenmonoxid-Leitung der Firma Bayer.

Angeführt wurde die Menge von einem Traktor-Gespann eines Bauern aus Monheim, der mit Anti - Pipeline - Slogans bestückt war. Zur Demonstration aufgerufen hatte die Initiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“, der sich mittlerweile alle Trassenstädte angeschlossen haben, unter dem Motto „HEUTE WIR - MORGEN IHR!“ Und so forderten die Demonstranten bei ihrem Weg über die Oststrasse, Graf-Adolf-Straße und Königsallee zum Marktplatz (Rathausvorplatz) die Passanten auf: „Liebe Leute schließt Euch an, denn sonst seid Ihr morgen dran!“
Auf diese Weise wuchs der Protestzug auf etwa 4.500 Teilnehmer an. Sie wurden auf dem Marktplatz musikalisch empfangen, wo bereits ein CO-Protestlied des Hildener Liedermachers Jörg Owsianowski gespielt wurde. Es war ein beeindruckendes Bild, als sich der Platz vor dem Düsseldorfer Rathaus zunehmend mit friedlichen Demonstranten füllte, von denen viele schwarze Luftballons in der Hand hielten.
Die Abschlusskundgebung startete mit einem Beitrag der Initiative, der von Marlis Elsen, Ulrike Schrooten, Karl Brinkmann und Rolf Portier vorgetragen wurde. Sie schilderten zunächst mit drastischen Worten die möglichen Folgen des Vollbruchs der Leitung. Dann folgten die Forderungen der Initiative an die Bezirksregierung und die Landesregierung. Beide sollen endlich die politische Verantwortung für ihre Fehler übernehmen. Herr Büssow wird aufgefordert, den Planfeststellungsbeschluss aufzuheben. Herr Rüttgers soll sein Schweigen brechen und das umstrittene Enteignungsgesetz zurücknehmen. Die von uns gewählten und bezahlten Landtagsabgeordneten haben die Pflicht, ohne Fraktionszwang und in persönlicher Verantwortung für die Aufhebung des Enteignungsgesetzes zu stimmen sowie die Überzeugungsarbeit bei ihren Landtagskollegen zu leisten, dieses ebenfalls zu tun.
Darüber hinaus fordert die Initiative die Regierung auf, ein neues Gesetz zu schaffen, das in Zukunft definitiv den Transport von Kohlenmonoxid durch eine Pipeline ausschließt. Sie fordert, dass gesetzlich festgelegt wird, dass CO grundsätzlich an ein und demselben Ort produziert und verbraucht werden muss. Die vier Sprecher forderten zum Abschluss zum weiteren gemeinsamen Kampf auf: „Heute für uns und morgen für Sie!“
Den Kollegen im Landtag redete Johannes Remmel von Bündnis90/Die Grünen ins Gewissen, jetzt den im Jahr 2006 gemachten Fehler des „Lex Bayer“ wieder zu korrigieren und einem Aufhebungsgesetz zuzustimmen.
Als Landrat für den Kreis Mettmann bezog Thomas Hendele noch einmal eindeutig Position gegen die Pipeline und machte deutlich, dass der Zusammenhalt der Initiative mit der lokalen Politik weiter wächst und der Protest immer größer wird.
Danach bekam er von dem Unterschriftenverwalter der Initiative Horst Ferber die nächsten Ordner der mittlerweile 70.061 Unterschriften zur Übergabe an den Regierungspräsidenten Herrn Büssow überreicht.
Immer wieder wurden die Beiträge durch Beifall für die Forderungen der Redner und Unmutsbekundungen mit Trillerpfeifen, Sirenen und Buhrufen gegen Rüttgers, Büssow, die Mehrheit der Landtagsabgeordneten und auch Bayer begleitet. Ob sich das die im Publikum vor der Bühne befindlichen Landtagsabgeordneten endlich zu Herzen nehmen, bleibt abzuwarten.
Auf der Bühne nahmen Bürgermeister oder ihre Vertreter der Trassenstädte an der Kundgebung teil.
Die Übergänge wurden mit Pipeline-bezogenen Musikbeiträgen von dem Kabarettist und Liedermacher Okko Herlyn hergestellt.
Während zum Abschluss das Anti-Pipeline-Lied ertönte, ließen viele Kinder als ein starkes Zeichen des Protestes die schwarzen Luftballons steigen.
Wolfgang Cüppers beendete als Verantwortlicher diese friedliche und gelungene Demonstration mit dem Dank an alle Helfer und Teilnehmer.

04.11.2007, KStA (dpa)

Lautstarke Gegner der Bayer-Pipeline

Düsseldorf. Gegen die umstrittene Kohlenmonoxid-Pipeline des Bayer-Konzerns haben in Düsseldorf mehrere tausend Menschen demonstriert. Laut Bürgerinitiative „Bau-Stopp der Bayer-Pipeline“ beteiligten sich 4500 Teilnehmer an dem Protestzug.
Die Polizei zählte dagegen 2500 Menschen, die am Samstag durch die Innenstadt der Landeshauptstadt vor das Rathaus zogen. Redner verlangten einen sofortigen Baustopp der 67 Kilometer langen Trasse. Die Pipeline soll die linksrheinischen Bayer-Werke in Dormagen und Krefeld-Uerdingen verbinden. Die Trasse verläuft aber überwiegend rechtsrheinisch, muss dafür zwei Mal den Rhein unterqueren und ist 30 Kilometer länger als bei einem linksrheinischen Verlauf.
Die Gegner der Kohlenmonoxid-Pipeline kritisieren die Trassenführung durch dicht besiedelte Gebiete. Die Sicherheit sei unzureichend und das vom Landtag eigens erlassene Spezialenteignungsgesetz verfassungswidrig. Laut Bürgerinitiative haben bislang 65 000 Menschen mit ihrer Unterschrift gegen das Projekt protestiert. Kohlenmonoxid ist ein gefährliches Atemgift. Es riecht nicht, schmeckt nicht und ist farblos. Für Bayer ist Kohlenmonoxid ein wichtiger Grundbestandteil für die Kunststoff-Produktion. (dpa)

Express

Pipeline-Gegner protestierten vorm Rathaus

Groß-Demo am Samstag gegen den Bau der umstrittenen Kohlenmonoxid-Pipeline in Düsseldorf. Rund 3000 Teilnehmer zogen mit Pfeifen, Plakaten und begleitet von Samba-Rhythmen vom DGB-Haus über Oststraße und Königsallee zum Marktplatz vor dem Rathaus.
Dort wurde dem CDU-Landrat Thomas Hendele eine Liste mit 70.000 Protestunterschriften überreicht.
Unter den Teilnehmern sollen nach Veranstalterangaben auch mehrere Landes- und Kommunalpolitiker gewesen sein.
Regierungspräsident Jürgen Büssow war auch dabei: auf einem großen Plakat. Unter seinem Konterfei das Zitat: „Es ist natürlich gefährlich, wenn das Gas ausströmt, und Sie stehen daneben. Dann fallen sie natürlich um und sind auch tot.“
Wolfgang Cüppers, Sprecher der Interessengemeinschaft Erkrath: „Kohlenmonoxid ist ein geruchloses, hochgefährliches Atemgift. Wir erwarten, dass sich die Landespolitiker endlich stärker des Themas annehmen und sich gegen den Bau dieser gefährlichen Trasse einsetzen.“
Mit der derzeit im Bau befindlichen Pipeline will Bayer die Firmenstandorte in Dormagen und Krefeld verbinden. An beiden Standorten wird Kohlenmonoxid für die Kunststoffproduktion benötigt. Die Pipeline soll auch über Privatgrundstücke im Kreis Mettmann verlaufen. Dagegen laufen Anwohner seit Monaten Sturm.
Dieter Donner, Koordinator der Bürgerinitiativen: „Mit dieser Giftgas-Leitung versuchen Bayer, Landespolitiker und Regierung, ein Pilotprojekt durchzudrücken. Gelingt das, soll es über Köln und Oberhausen hinaus erweitert werden.“

RP 05.11.2007

Demo contra CO-Pipeline

VON DÉSIRÉE LINDE
Mehrere tausend Menschen gingen am Samstag gegen den Bau der Leitungen der Bayer AG von Dormagen und Krefeld auf die Straße. Dabei wurde auch die Marke von 70 000 Unterschriften geknackt.

Sie reckten Holzkreuze mit dem eigenen Namen in die Höhe, trugen Schilder mit Totenköpfen und steckten in weißen Schutzanzügen oder gar Skelett-Kostümen. „No, no, no, Pipeline geht k.o.“, skandierten sie auf ihrem Weg durch die Düsseldorfer Innenstadt. 2500 Menschen demonstrierten nach Polizeiangaben - nach Zählung der Veranstalter mehr als 3500 - am Samstag gegen die Kohlenmonoxid-Pipeline der Bayer AG.
Der Chemiekonzern baut die Trasse derzeit zwischen seinen Standorten Dormagen und Krefeld-Uerdingen. Die Menschen fürchten um die Sicherheit, wenn dann das farb- und geruchlose Monoxid aus einem Leck austreten sollte. Der Stoff wirkt in Verbindung mit Sauerstoff hoch explosiv. Charlotte Jaques (10) hielt entschlossen ihr Schild umklammert. „CO-Pipeline-Opfer“ stand da geschrieben, darunter war eine Gasmaske abgebildet. So sahen auch die T-Shirts der vierköpfigen Familie Jaques aus. Auf der Rückseite prangte der Schriftzug „10 m“. „So weit von unserem Garten weg wird die Pipeline gebaut“, sagte Mutter Gudrun Jaques. Die „Familien-T-Shirts“ hatte sie extra für die Demo entworfen. Gemeinsam mit einigen Nachbarn waren die Jaques von Duisburg-Ungelsheim in die Landeshauptstadt gekommen.

Eineinhalb Stunden Fußmarsch
Kurz nach elf Uhr ging's los: Friedrich-Ebert-Straße, Oststraße, Königsallee, Rathausvorplatz. Trommeln wurden im Takt der Schritte der Massen in den knapp eineinhalb Stunden Fußmarsch geschlagen, immer wieder brandeten Pfeifkonzerte aus unzähligen Trillerpfeifen und Sprechgesänge auf.
„Wir wollen vor allem Aufmerksamkeit“, sagte Demonstration-Organisator Wolfgang Cüppers von der Interessengemeinschaft Erkrath (IG Erkrath). Wie die IG haben sich entlang der 67 Kilometer langen Strecke, die die CO-Pipeline lang werden soll, zahlreiche Bürgerinitiativen gebildet. Bislang haben sie 70 061 Unterschriften gegen den Bau gesammelt.
Die Demonstration in der Landeshauptstadt war die bislang größte. Mit dabei waren auch Regierungspräsident Jürgen Büssow und Ministerpräsident Jürgen Rüttgers - wenn auch nur auf anklagenden Plakaten der Demonstranten. „Schämt Euch!“ stand etwa unter den Namen auf dem Schild von Günter und Marion Breidbach aus Hilden. Auf dem Podium bei der Abschlusskundgebung hingegen fanden sich naturgemäß nur Gegner der Pipeline. Der grüne Landtagsabgeordnete Jürgen Remmel etwa oder der Mettmanner CDU-Landrat Thomas Hendele.
Bayer selbst verweist darauf, dass die Leitungen sicher seien. „Wir wollen ja mit Bayer reden, dass vielleicht andere Lösungen gefunden werden können“, sagte Demonstrantin Ingrid Veit aus Hilden. Der Fortgang des Streits liegt nun erst einmal bei den Gerichten. Einige Privatpersonen haben gegen den Bau der Pipeline geklagt.

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[Brasilien] Gentechnik Freilandversuche

CBG Redaktion

28. Oktober 2007, taz

Eskalation in Südbrasilien

Blutiger Streit um genmanipuliertes Saatgut

Der Konflikt um das Gentech-Areal des Schweizer Agrarmultis Syngenta in Brasilien fordert zwei Tote - darunter ein Aktivist, der gegen das genmanipulierte Saatgut kämpfte. VON GERHARD DILGER

„Wir sind überzeugt, dass wir mit unseren hervorragenden Produkten weltweit zu einer besseren Ernährung beitragen können“. Diese „Vision“, mit der die Schweizer Saatgutfirma Syngenta auf ihrer Website wirbt, erscheint den Mitgliedern der brasilianischen Landlosenbewegung MST zynischer denn je. Denn ihr langjähriger Aktivist Valmir Mota de Oliveira (34) hat seinen Einsatz gegen den Gentechmulti mit dem Leben bezahlt.

Am Sonntag vor einer Woche hatte die MST zum dritten Mal in 19 Monaten das 127 Hektar große Syngenta-Versuchsgut besetzt, das im südbrasilianischen Santa Tereza do Oeste liegt, unweit der berühmten Iguaçu-Wasserfälle. Stunden später stürmten rund 25 bewaffnete Wachleute das frisch errichtete MST-Zeltlager, erschossen Mota und verwundeten weitere fünf Aktivisten. Auch ein Wachmann wurde getötet. Die Ermittlungen über den genauen Tathergang laufen noch. Sieben Angehörige der von Syngenta verpflichteten Sicherheitsfirma sitzen in Untersuchungshaft, der Chef ist wegen Mordes angeklagt. Auf einer ökumenischen Gedenkfeier forderten die Landlosenaktivisten am Samstag, Syngenta solle Brasilien verlassen.

Danach sieht es gar nicht aus: Erst im September hatte der Multi die Zulassung seines Genmaises Bt11 feiern können. Topmanager Michael Mack kündigte „viele weitere Syngenta-Lösungen für die brasilianischen Pruduzenten“ an. Den Genmais ICP4 soll die zuständige „Nationale Technische Kommission für Biosicherheit“ als nächstes freigeben. Vor 10 Tagen wurde jedoch die Zulassung für Bt11 von einem Bundesgericht wieder ausgesetzt, ebenso wie die früheren Genehmigungen des Bayer-Maises „Liberty Link“ und der Monsanto-Sorte MON810, denen Präsident Lula da Silva bereits im März den Weg geebnet hatte.

Gegen Syngenta, Bayer und Monsanto richtet sich die „Kampagne für eine gentechfreies Brasilien“ vor allem, die von einem breiten NGO-Bündnis von Umweltgruppen, Verbraucherverbänden bis hin zu Kleinbauernorganisationen vorangetrieben wird. „Diese Firmen kümmern sich weder um die nationale Umweltgesetzgebung mit dem Vorsorgeprinzip noch um mögliche Schäden für die Gesundheit oder die Umwelt“, sagt der Aktivist Gabriel Fernandes. „Außerdem beeinträchtigen sie die nachhaltige Landwirtschaft, indem sie den Kleinbauern die Autonomie entziehen, ganz zu schweigen von der Kontaminierung nicht-transgener Kulturen“.

Im brasilianischen Repräsentantenhaus bereitet die Lobby der Großagrarier Gesetze voran, durch die die Rechte von Kleinbauern und Indigenen auf ihr Saatgut zugunsten der Gentechriesen ausgehöhlt werden sollen. Von 513 Abgeordneten werden 116 der Agrolobby zugerechnet, 68 davon gehören zum Regierungslager.

Auch die Gentechgegner haben noch einigen Rückhalt in Lulas Arbeiterpartei. Ihr wichtigster Verbündeter ist jedoch der linksnationalistische Gouverneur Roberto Requião aus dem Bundesstaat Paraná, wo der Konflikt um das Syngenta-Areal seit März 2006 eskaliert. Vor einem Jahr enteignete Requião das von der MST besetzte Versuchsgut, auf dem Syngenta mit Gensoja und Genmais angebaut hatte ? stattdessen sollte dort ein Forschungszentrum für einheimisches Saatgut entstehen. Doch im Juli gab ein Gericht dem Einspruch des Multis statt. Die Landlosen schlugen ihre Zelte in den Nachbarschaft auf.

„Syngenta hat sich mit den reaktionären Großbauern zusammengetan“, sagt MST-Koordinator João Pedro Stedile. Die wiederum hätten die Wachleute dazu gedrängt, vier MST-Anführer umzubringen. Mitverantwortlich sei aber auch die Regierung Lula, die die Landreform als „Randproblem“ betrachte, meint Stedile: „Das haben die Konservativen ausgenutzt. Hätten wir eine Agrarreform, wäre es nicht zur Konfrontation gekommen“.

[Prognos] Mediation

CBG Redaktion

27. Oktober 2007, BI Saubere Luft

Ohne Wortprotokoll keine Gesprächsrunde

Bürgerinitiative steigt aus der Foren-Reihe von Prognos aus

Am Freitagabend traf sich die Bürgerinitiative Saubere Luft erneut im Gemeindehaus „Auf dem Wege“ in Bergheim. Auf der Tagesordnung stand die Information über die Klage gegen den Vorsitzenden Herbert Mommertz. Die Stadt Krefeld beschuldigt ihn des wilden Plakatierens und hatte seinen Widerspruch abgewiesen. Nun trifft man sich vor Gericht.
Der zweite Tagesordnungspunkt nahm die restliche Zeit des Abends in Anspruch. Die Diskussion war kontrovers und teilweise emotional. Die Befürworter des Forums argumentierten, man könne in den Foren wichtige neue Informationen erhalten und damit seine Position besser darstellen. Die Gegner hielten dagegen, dass Prognos einen Konsens anstrebe, den es aus Sicht der Bürgerinitiative mit einem Kohlekraftwerk nicht geben kann.
Am Ende beschloss eine deutliche Mehrheit den Ausstieg aus der Foren-Reihe. Ausschlaggebend für diese Entscheidung war die Ablehnung des beantragten Wortprotokolls durch die Moderatorin Prognos und einige anwesende Politiker. Nur wenn ein solches Protokoll erstellt werde, aus dem klar hervorginge wie argumentiert wurde, wollte die Bürgerinitiative (BI) Saubere Luft ihren Vertreter weiterhin zu den Gesprächsrunden entsenden.

Herbert Mommertz, Vorsitzender der BI meint dazu:
„Wer weiß schon nach ein paar Wochen, was er bei einem Forum gesagt hat. Das Wortprotokoll war uns deshalb so wichtig, damit wir jederzeit hätten beweisen können, dass wir von unserer Haltung gegen das Kohlekraftwerk nicht abgewichen sind. Denn die Öffentlichkeit ist beim Forum ja ausgeschlossen. Deshalb gilt die Devise: Ohne Wortprotokoll keine Teilnahme am Forum.“
Die Bürgerinitiative will aber auf den Dialog nicht verzichten und wird nun ihrerseits den Kontakt zu den Mandatsträgern suchen, um auf direktem Wege ihre Position deutlich zu machen.

[Antwerpen] Proteste Antwerpen

CBG Redaktion

Presse Information vom 18. Oktober 2007
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Arbeiter blockieren BAYER-Werk in Antwerpen

Drohende Entlassungen und Ausgliederungen / erste Zugeständnisse der Werksleitung

Rund 500 protestierende Arbeiter haben gestern die Chemie-Werke der Firmen BAYER und LANXESS in Antwerpen blockiert. Lastwagen wurden nicht abgefertigt. Leiharbeitern und Fremdfirmen wurde der Zugang in die Fabrik verweigert.

BAYER und LANXESS hatten Ende September angekündigt, mehr als 300 Arbeitsplätze in Antwerpen auszugliedern oder zu vernichten. BAYER will sich dabei von einem Fünftel seiner Mitarbeiter trennen. Hierdurch wären sogar sicherheitsrelevante Bereiche betroffen: ein Löschzug der Feuerwehr soll komplett abgeschafft werden, zwei weitere Löschzüge sollen mit weniger Mitarbeitern auskommen. Zudem will der Konzern die 24-stündige medizinische Notfallbetreuung im Werk schließen.

Die Firmen möchten zudem die gültigen Abmachungen mit der Belegschaft („Service Level Agreements“) aufkündigen. Außerdem wollen BAYER und LANXESS den gemeinsamen Betriebsrat im Antwerpener Werk abschaffen – im Gegensatz zu den deutschen Standorten war in Antwerpen auch nach der Ausgliederung von LANXESS der gemeinsame Betriebsrat bestehen geblieben.

Die Belegschaften wehren sich seit den Ankündigungen mit regelmäßigen Demonstrationen und Aktionstagen. Der Betriebsrat pocht auf Einhaltung der bestehenden Abmachungen und protestiert besonders gegen Einschnitte in sicherheitsrelevanten Abteilungen. Vertreter von BAYER und LANXESS kündigten nach den gestrigen Protesten an, ein neues Konzept für Werksfeuerwehr und medizinische Dienste vorzulegen.

Levi Sollie, Vertrauensmann der belgischen Gewerkschaft Algemeen Belgisch Vakverbond (ABVV) im Antwerpener Werk: „Die Fabrik in Antwerpen ist hochproduktiv. Die von BAYER und LANXESS geplanten Entlassungen und Ausgliederungen sind durch nichts zu rechtfertigen. Wir fordern eine Einhaltung der gültigen betrieblichen Vereinbarungen“. BAYER hatte ebenfalls im September angekündigt, in Antwerpen ein neues Werk für Polymerpolyole zu bauen.

Artikel der „Rheinischen Post“

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[BUND] Kohlenmonoxid Pipeline

CBG Redaktion

17.10.2007, BUND NRW

Landtagsanhörung zur BAYER-Giftgas-Pipeline

BUND fordert Baustopp und Aufhebung des Enteignungsgesetzes

Anlässlich der heutigen Landtagsanhörung zur umstrittenen BAYER-Kohlenmonoxid-Pipeline fordert der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen sofortigen Baustopp. Anstatt eine ganze Region den Gefahren und Risiken einer solchen Giftgas-Leitung auszuliefern, seien die Betreiber in der Pflicht, die existierenden alternativen Produktionsmethoden zu nutzen. Vom Landtag fordert der BUND die Aufhebung des dem Pipelinebau zugrunde liegenden Enteignungsgesetzes. Mit dem BUND treten mittlerweile mehr als 64.000 Bürgerinnen und Bürger für eine Aufhebung des Sofortvollzugs des Pipelinebaus ein. Zahlreiche Betroffene waren vor den Landtag gezogen, um gegen die umstrittene Fernleitung zu protestieren.

Paul Kröfges, BUND-Landesvorsitzender: „Das dem Bau der Giftgasleitung zugrunde liegende Enteignungsgesetz ist verfassungswidrig. Trotz ungelöster Sicherheitsfragen wird eine ganze Region tödlichen Risiken ausgesetzt. Die Pipeline dient nicht dem Allgemeinwohl, sondern allein den betriebswirtschaftlichen Interessen der BAYER AG.“

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Atemgift, das zudem hoch entzündlich ist. Daneben wirkt es korrosiv und stellt damit ein Risiko für die Dichtigkeit der Pipeline dar. Selbst rostfreier Stahl wird unter bestimmten Bedingungen von CO angegriffen. Allerdings seien vorliegende praktische und wissenschaftliche Erfahrungen zu den Pipeline-Risiken im Genehmigungsverfahren unberücksichtigt geblieben.

Durch Bau und Betrieb der Kohlenmonoxid-Rohrfernleitung zwischen Dormagen und Krefeld-Uerdingen seien allein im Kreis Mettmann 143.000 Menschen potenziell gefährdet. Dass die Pipeline bereits im Bau ist, obwohl noch Klagen gegen die Genehmigung und gegen Enteignungen anhängig sind, hält der BUND-Chef Kröfges für „einen ausgemachten Skandal“.

Auf der Landtagsanhörung präsentierte der BUND auch mögliche Alternativen. Diplom-Chemiker und BUND-Experte Dr. Wolfgang Roth: „Als Alternative zu der Giftgas-Pipeline durch Wohngebiete regen wir alternative Produktionsmethoden der so genannten „green chemistry“ an. Durch fortschrittliche Syntheseverfahren kann nicht nur das giftige Zwischenprodukt CO sondern auch das Giftgas Phosgen vermieden werden. Diese Alternative macht nicht nur die Pipeline überflüssig, sondern würde auch die Sicherheit in den Werken verbessern.“

Die Einführung dieser Verfahren wäre ein echter Wettbewerbsvorteil für die BAYER AG und würde die Innovationskraft am Standort Nordrhein-Westfalen eindrucksvoll unterstreichen.

Burma

CBG Redaktion

16. Oktober 2007

Burma Initiative Asienhaus
Coordination gegen BAYER-Gefahren
Burma Büro Germany e.V.
Burma Aktion

Offener Brief an Werner Wenning, Vorstandsvorsitzender von BAYER:

Engagement in Burma beenden!

Sehr geehrter Herr Wenning,

mit großer Besorgnis verfolgen wir die gegenwärtigen Proteste und deren Niederschlagung in Burma. Hunderte der friedlich demonstrierenden Mönche und Zivilisten sind inhaftiert und verschleppt worden, von vielen ist der Aufenthalt unbekannt. Ihnen droht Folter oder sogar die heimliche Hinrichtung.

Die jüngsten Ereignisse sind trauriger Höhepunkt der Machenschaften eines Regimes, das seit Jahrzehnten für Zwangsarbeit und die Missachtung grundlegender Menschenrechte bekannt ist.

Umso bestürzter sind wir zu erfahren, dass BAYER zu den wenigen multinationalen Unternehmen gehört, die noch immer Geschäfte in Burma tätigen.

BAYER unterhält eine Niederlassung in Rangun und plant in Burma Versuche mit Hybrid-Reis. BAYER-Manager Harald Printz wird in der von Exil-Burmesen herausgegebenen Zeitung „The Irrawaddy“ wie folgt zitiert: „Ich weiß nicht, wann der Staat sich öffnen wird. Aber wir sind darauf vorbereitet. Wenn es 20 Jahre dauert, dauert es eben 20 Jahre. Wir haben eine längerfristige Perspektive. Wir glauben, wenn wir Jahr für Jahr weitermachen, haben wir später eine gute Marktposition“.

Wirtschaftliche Aktivitäten in Burma sind nicht ohne ein Kooperation mit dem Militärregime möglich. Zum einen wird hierdurch die Militärjunta legitimiert. Zum anderen werden dem Regime durch Geschäfte mit ausländischen Unternehmen Mittel bereitgestellt, die zum Kauf von Waffen verwendet werden, die auch gegen die eigenen Bevölkerung eingesetzt werden.

Wer mit dem Militärregime zusammenarbeitet, macht sich mitverantwortlich für die Gewalt gegen Burmas Bevölkerung. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) hat ihre Mitglieder wiederholt aufgefordert, ihre Wirtschaftsaktivitäten in Burma zu überdenken.

Wir fordern Sie daher dringend auf, sich aus Burma vollständig zurückzuziehen. Gerade vor dem Hintergrund, dass BAYER in der Vergangenheit eine Vielzahl von Geschäften mit repressiven Regimen tätigte – angefangen bei der engen Verquickung mit dem Dritten Reich bis hin zu Geschäften von BAYER mit dem südafrikanischen Apartheidsregime oder Militärdiktaturen in Südamerika – ist eine Geschäftstätigkeit Ihres Unternehmens in Burma nicht zu rechtfertigen.
Darüber hinaus kritisieren wir die von BAYER geplante Vermarktung von Hybrid-Reis in Burma. Hybrid-Reis ist weitgehend steril und nicht zur Wiederaussaat geeignet. Der Einsatz hybrider Sorten geht mit einem erhöhtem Einsatz von Pestiziden einher und gefährdet daher die Artenvielfalt sowie die Umwelt. Landwirten, die Hybrid-Reis verwenden, droht wegen der erhöhten Kosten für Saatgut und Agrochemikalien im Falle einer Missernte die Überschuldung. In Indien begingen Tausende Landwirte, die wegen des Einsatzes hybrider Sorten in die Schuldenfall gerieten, Suizid.

In Erwartung Ihrer Antwort,

Ulrike Bey
Burma-Initiative Asienhaus

Philipp Mimkes,
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Sonny Aung Than Oo
Burma Büro Germany e.V.

Elena Jotow und Nicholas Ganz
Burma Aktion

Für Rückfragen:
Burma-Initiative Asienhaus, Bullmannaue 11, D- 45327 Essen www.asienhaus.de
Tel. 0201-8303825, Email: ulrike.bey(at)asienhaus.de

Coordination gegen BAYER-Gefahren, Postfach 1504 18, 40081 Düsseldorf
www.CBGnetwork.de

Burma Aktion, www.burmaaktion.de, kontakt@burmaaktion.de

Pipeline

CBG Redaktion

Rheinische Post, 15.10.2007

Duisburg: Gottesdienst contra Pipeline

VON JULIAN WEIMER
Die CO-Leitung-Gegner haben noch eine ganze Reihe von Ansatzpunkten, um das im Stadtsüden stark diskutierte und hoch-umstrittene Projekt aufzuhalten.
Gestern feierte die „Bürgerinitiative COntra Pipeline“ gemeinsam mit der katholischen und der evangelischen Gemeinde in Ungelsheim einen ökumenischen Gottesdienst und setzte damit einen weiteren Akzent im Kampf gegen das aus ihrer Sicht unvertretbare, weil lebensbedrohliche Projekt.
Weit mehr als 300 Menschen hat der ökumenische Gottesdienst am Sonntag auf den Karl-Harzig-Platz mitten in Ungelsheim gezogen. Dass aber nur noch der Glaube gegen das Bayer-Projekt helfe, davon wollte hier keiner sprechen. Bayer habe zwar eine gültige Baugenehmigung, an der man erst in Jahren erfolgreich rütteln könne, aber „die Inbetriebnahme muss noch einmal gesondert genehmigt werden“, sagte Sascha Röser von der Bürgerinitiative.
„Wir haben noch eine ganze Menge von Ansatzpunkten gegen die Pipeline“, versicherte Röser, „und im Moment sind die mangelhaften Baumaßnahmen der Hauptansatzpunkt.“ Neben der laufenden Unterschriftenaktion setzen die Pipelinegegner nun auch auf die Aufdeckung von Baumängeln. Dutzende Mitglieder der Bürgerinitiative seien ständig damit beschäftigt, den Bau der Pipeline zu überwachen. Akribisch schrieben sie auf, was ihnen auffällt. „Es sind vor allem die Schweißer, die Alarm schlagen“, so Röser. Die Auflistung von Baumängeln soll der Bezirksregierung klar machen, dass die Pipeline nicht sicher ist.
Trotz solcher Hoffnungen sind die Menschen im Duisburger Süden zunehmend verzweifelt, stellte Pastor Bernfried Ludwig fest. „Manche sagen mir, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen können“, sagte er. „Eine Frau fing sogar an zu weinen.“ In seiner Funktion als Seelsorger kümmert er sich um viele betroffene Ungelsheimer. „Wenn die Leute mir sagen, da sei doch nichts mehr zu machen, antworte ich ihnen, dass sie nicht aufgeben sollen. Die Menschen von Bayer, die soll man bis zum Schluss nicht zufrieden lassen.“
Einige Spezialisten in der Bürgerinitiative bringen immer neue Aspekte in die Diskussion ein. „Seit 25 Jahren beschäftige ich mich mit Duisburgs Luftkriegsgeschichte“, erzählte Harald Molder. Er hat Dokumente im Stadtarchiv ausgewertet und eigene Berechnungen angestellt. „Selbst wenn ich nur von einem Bereich von 50 Metern um die Pipelinetrasse ausgehe, liegen da noch 335 Sprengbomben“, ist er überzeugt. „Die würden gar nicht auffallen, wenn man nicht wirklich danach suchen würde.“ Erich Hennen, der in der Bürgerinitiative die technische Überwachung des Pipelinebaus überwacht, geht nicht davon aus, dass nach diesen Blindgänger ausreichend gesucht wird. „Da wurde ja jetzt in Rahm ‚ne Bombe direkt an der Trasse gefunden, nachdem die die Pipeline schon drüber gebaut hatten“, stellte der Diplom-Ingenieur fest. Die ganze Bauaufsicht sei „miserabel“, urteilt er.
Als Gefahrstoffexperte, so Hennen, könne er über die Pipeline nur den Kopf schütteln. „Ich wohne in Ungelsheim“, sagte er, „aber selbst wenn ich in Buxtehude gewohnt hätte und die Leute hätten mich gerufen, da wär‘ ich auch gekommen.“

[Kartell] Preisabsprachen

CBG Redaktion

11. Oktober 2007

Bayer wegen Verdachts der Preistreiberei durchsucht

weitere Infos: Kampagne „Kartellbetrug: Verantwortliche hinter Gitter!“

Dow Jones, 10. Oktober 2007

Kartellamt geht Vorwürfen gegen Bayer nach

FRANKFURT -- Die Bayer AG ist wegen des Verdachts verbotener Preisabsprachen bei ihrem Kofschmerzmittel „Aspirin“ in das Visier des Bundeskartellamtes geraten. Die Wettbewerbsbehörde bestätigte am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP, sie gehe Vorwürfen nach, dass der Leverkusener Konzern Apotheken dafür bezahlt habe, den Preis für das Mittel hoch zu halten. Der Konzern selbst wies die Vorwürfe zurück.
Der Konzern habe sich bereits direkt an die Kartellbehörden gewandt und seine Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe angeboten. „Das muss vom Tisch“, sage der Sprecher zu AP.
Kartellamtssprecherin Silke Kaul machte gegen über Dow Jones Newswires keine Angaben darüber, in welcher Form die Behörde den Vorwürfen nachgeht und ob beispielsweise Akten von Bayer beschlagnahmt oder eingesehen wurden. „Dazu möchte ich im Moment keine Stellungnahme abgeben“, sagte sie lediglich. Es handele sich auch derzeit nicht um „Ermittlungen“, fügte sie hinzu.
Bayer hatte am Morgen einen Bericht des Magazins „stern“ über verbotene Preisabsprachen mit Apotheken bei verschreibungsfreien Medikamenten, zurückgewiesen. „Das Unternehmen spricht unverbindliche Preisempfehlungen aus“, sagte Bayer-HealthCare-Sprecher Hartmut Alsfasser am Mittwoch zu Dow Jones Newswires. „Es trifft definitiv keine Preisabsprachen.“
„Die Entscheidung, zu welchem Abgabepreis unsere Erzeugnisse in den Apotheken sind, trifft einzig und alleine der Apotheker“, sagte der Sprecher weiter. Bayer habe auch nicht die Absicht, daran etwas zu ändern.
Das Magazin hatte in einer Vorabmeldung berichtet, der Bayer-Konzern stehe in Verdacht, 11.000 Apotheken dafür bezahlt zu haben, den Preis für Aspirin hoch zu halten. Bayer habe den Apotheken in Deutschland einen Sonderrabatt von bis zu 3% eingeräumt, wenn sie sich dazu verpflichteten, die Preise für Aspirin und andere rezeptfreie Medikamente von Bayer nicht länger als vier Wochen um maximal 20% zu senken.
Der „stern“ bezieht sie dabei auf firmeninterne Dokumente der Bayer Vital GmbH, dem Teil des Bayer-Konzerns, der für den Vertrieb rezeptfreier Arzneimittel zuständig ist.
Der Bayer-Sprecher wollte sich nicht konkret zu dem angeblich gewährten Sonderrabatt an Apotheken und den etwaigen Bedingungen dafür äußern. „Es gibt ein Marketingsystem“, sagte er lediglich. Mit dem Vorwurf verbotener Preisabsprachen habe das jedoch überhaupt nichts zu tun, fügte er hinzu.

10. Oktober 2007

stern: Verdacht auf verbotene Preisabsprachen zwischen Bayer-Konzern und Apotheken

Hamburg (ots) - Der Bayer-Konzern steht im Verdacht, mehr als 11000 Apotheken dafür bezahlt zu haben, den Preis für Aspirin hoch zuhalten. Das berichtet das Hamburger Magazin stern in seiner neuen Ausgabe und bezieht sich dabei auf firmeninterne Dokumente der Bayer Vital GmbH, dem Teil des Bayer-Konzerns, der für den Vertrieb rezeptfreier Arzneimittel zuständig ist. Demnach hat Bayer den Apotheken in Deutschland einen Sonderrabatt in Höhe von bis zu drei Prozent eingeräumt, wenn sie sich dazu verpflichten, die Preise für Aspirin und andere rezeptfreie Bayer-Medikamente maximal vier Wochen lang um maximal 20 Prozent zu senken. „Als nicht verantwortbar betrachten wir Preisaktionen mit Dauerniedrigpreisen oder mit Zeiträumen, die 4 Wochen überschreiten“, heißt es in einer E-Mail eines Bayer-Managers an die Apotheken-Außendienstler vom 30. Dezember 2006. „Nur unter Einhaltung dieser Spielregeln“, so schreibt der Bayer-Manager, könne den Apothekern ein besonderer Rabatt in Höhe vonbis zu 3 Prozent gewährt werden.

Bayer selbst erklärte in einer Stellungnahme per Fax gegenüber dem stern: „Absprachen zwischen Bayer Vital und den Apothekern erfolgen nicht.“ Der Konzern dementiert die E-Mail zwar nicht, wollte eine konkrete Frage nach den dort skizzierten Konditionen aber nicht beantworten.

Die nun aufgetauchte E-Mail könnte erklären, warum mehr als 90 Prozent aller Apotheken offenbar bis auf den Cent genau den gleichen Preis für Aspirin verlangen (derzeit 4,97 Euro für 20 Tabletten). Zu diesem Ergebnis kommt jedenfalls ein im vergangenen Jahr von den Verbraucherzentralen durchgeführter „Apothekencheck“. Das Ergebnis: Von den 343 untersuchten Apotheken war in 91,21 Prozent der Preis fürAspirin bis auf den Cent identisch. Die Bayer-Dokumente könnten zu einem der teuersten Kartellverfahren der Bundesrepublik mit millionenschweren Geldbußen führen.

[Antwerpen] Ausgliederungen

CBG Redaktion

5. Oktober 2007

Protest in Antwerpen

Die Belegschaft der Antwerpener Werke von Bayer und Lanxess protestiert heute gegen drohende Ausgliederungen und Entlassungen. Bayer und Lanxess hatten angekündigt,ausgerechnet in sicherheitsrelevanten Bereichen wie der Werksfeuerwehr und der medizinischen Betreuung massiv Stellen zu streichen. Dies widerspricht gültigen Vereinbarungen mit der Belegschaft.

28.09.07, Leverkusener Anzeiger

Auch Bayer streicht Stellen

Leverkusen - Nicht nur Lanxess baut in Antwerpen Jobs ab - auch Bayer spart
drastisch. 155 Stellen sollen in den nächsten zwei Jahren wegfallen, bestätigte gestern Bayer-Sprecherin Lisette Mertens auf Anfrage.
Zusätzlich strebe Bayer Material Science an, 50 weitere Kollegen aus dem technischen Bereich zu anderen Firmen zu transferieren. Auf diese Weise sollten Kosten eingespart werden. Damit würde sich Bayer von 20 Prozent seiner Mitarbeiter am Standort Antwerpen trennen.
Der Grund dafür ist der gleiche, aus dem auch Lanxess in dem belgischen Werk 127 Stellen streicht: Die Kosten seien zu hoch, weil zentrale Dienstleistungen wie Wachdienst und Labor, aber auch technische Wartung das Ergebnis drückten, sagte Mertens.
„In der Produktion sind wir gut“, unterstrich die Sprecherin. Das hätten betriebswirtschaftliche Untersuchungen ergeben. Daher will Bayer Material Science in Antwerpen auch eine neue Polymerpolyol-Anlage für 40 Millionen Euro errichten. Während diese Meldung am Mittwoch vom Unternehmen verbreitet wurde, hielt man sich bei der Nachricht über den gleichzeitigen Stellenabbau zurück. Anders als Lanxess. (tk)

[Chemiepark] STICHWORT BAYER 04/2007

CBG Redaktion

Vom BAYER-Werk zum Chemiepark zum ...?

Standort ohne Stand

Wo einst nur das BAYER-Werk seinen Sitz hatte, da befinden sich heute Niederlassungen von 38 Unternehmen. Und immer noch ist Platz im „Chemiepark Leverkusen“ - zuviel Platz. Die Anwerbe-Politik des Konzerns verläuft nämlich nicht allzu erfolgreich, da sich die gesamte Chemie-Branche ähnlich wie der Multi „gesundschrumpft“. „Was tun“, fragte sich das Unternehmen deshalb und erhoffte sich Anregungen von einem Architektur-Wettbewerb.

Von Jan Pehrke

Wenn es einen Ort gibt, der anschaulich macht, wie stark sich BAYER in den letzten Jahren verändert hat, dann ist es das Werksgelände am Leverkusener Stammsitz selbst. Einst nahmen die Anlagen, Hallen und Lager des Multis dort eine Fläche von 340 Hektar ein. Seit einiger Zeit jedoch herrscht Schwund. Der Konzern trennte sich im Zuge der „Konzentration auf das Kern-Geschäft“ von seiner Chemie-Sparte und anderen Teilbereichen, neuere Fertigungsstätten kamen mit weniger Raum aus und die „Just-in-Time“-Produktion reduzierte den Bedarf an Lagerhallen. Während der Konzern größere Investitionen vornehmlich in Asien vornahm, schrumpfte die Belegschaft am Standort kontinuierlich. Von den zu Zeiten der Vollbeschäftigung vorhandenen 45.000 Arbeitsplätzen bestehen nach stufenweiser Reduzierung heute noch rund 31.000: hiervon sind 14.000 BAYER-Mitarbeiter, 5.000 LANXESS-Mitarbeiter, 5.000 Mitarbeiter weiterer Chemieparkpartner und 7.000 Mitarbeiter von Montagefirmen und Fremdbüros.

So entstand ein zunehmendes Missverhältnis zwischen der dürftigen Auslastung und den nach wie vor hohen Kosten für die Infrastruktur. Deshalb kam der Pharma-Riese auf die Idee, das Areal in einen „Chemiepark“ umzuwidmen und offensiv um die Ansiedlung anderer Industriebetriebe aus dem Chemie-Bereich zu werben. „Synergie-Effekte“ hieß dabei das Zauberwort. Für Unternehmen, die sich wie der Leverkusener Multi auf „ihr Kerngeschäft konzentrieren“ wollten, versprach der Chemiepark das „Rundum-Sorglos“-Paket mit Werkschutz, handwerklichen Diensten, Entsorgung, Transport-Logistik und anderen Service-Leistungen.

38 Firmen ließen sich davon bisher anlocken. Das reicht aber noch lange nicht: Grundstücke in einer Größenordnung von insgesamt 20 Hektar warten noch auf Investoren - und dürften es noch eine Weile tun, denn Expansionschancen sieht die Chemie-Branche nur noch in Fernost. Darum zeigt sich der Leverkusener Multi bei der Auswahl seiner Mieter auch wenig wählerisch. Unter anderem unterschrieben die RHEINISCHE PENSIONSKASSE, die MERCEDES-Großkundenbetreuung, die Fachhochschule für Ökonomie und Management und sogar ein Floristikstudio Verträge.

Ein ziemlicher Wildwuchs hat sich so im Chemiepark breit gemacht. Dabei hatte sich Carl Duisberg, von 1912 bis 1925 Generaldirektor des Konzerns, bei seinen schon bis ins Jahr 1895 zurückreichenden Planungen das Ganze so schön ausgedacht. Alles ging seinen geordneten chemischen Gang, einer Blockstruktur mit Haupt- und Nebenwegen folgend. Erst kamen rheinwärts die großen Anlagen der anorganischen Chemie, dann folgten die für organische Zwischenprodukte und schließlich diejenigen für die Enderzeugnisse wie Farben oder Pharmazeutika. Sogar an Vorratsflächen für das als grenzenlos imaginierte Wachstum von BAYER hatte Duisberg gedacht.

Seine Nachfolger bleiben nun auf den Vorräten sitzen. Aber zu allem Unglück läuft nicht nur das Akquisitionsgeschäft schlecht. Auch die Stammmieter beklagen sich zunehmend. „Wegen Preis-Entwicklung, unflexibler Preismodelle und unzureichender Kosten-Transparenz ist die Unzufriedenheit vieler Nutzer, speziell in den großen Industrieparks, oftmals groß“, schreibt Gunter Festel in dem parallel zum Architektur-Wettbewerb erschienenen Buch „Transformation“. Und Festel muss es wissen, stand er doch in BAYER-Diensten, bevor er sich mit einer Beratungs- und Investmentfirma selbstständig machte.

Der Unternehmensberater empfiehlt den Betreibern als Reaktion auf die verblühenden Parklandschaften das Übliche: Ausgliederungen, Effizienz-Steigerungen, eine verstärkte Service-Orientierung und andere „Strukturanpassungen“. BAYER hat sich diese Ratschläge, die Festel schon seit Jahren in Fachzeitschriften erteilt, zu Eigen gemacht. Seit Ende 2005 setzte der Leverkusener Multi die Beschäftigten der innerhalb der Holding für die Chemieparks zuständigen Sparte BAYER INDUSTRY SERVICES (BIS) unter Druck. Die Belegschaftsangehörigen wehrten sich massiv gegen die Rationalisierungsmaßnahmen, konnten am Ende aber nur das Schlimmste, die Zerschlagung der BIS, verhindern. Im Rahmen der im Frühjahr beschlossenen „Vereinbarung zur Beschäftigungssicherung“ mussten sie die Ausgliederung der „Technischen Dienste“ in eine Tochtergesellschaft und harsche Lohneinbußen hinnehmen. Dem BIS-Boss Klaus Schäfer reicht das immer noch nicht. „Die Technischen Dienste und der Werkschutz liegen in den Kosten noch zu hoch“, sagte er in einem Interview.

Aber die im Chemiepark ansässigen Unternehmen kritisieren nicht nur die hohen Kosten. Sie fühlen sich auch sonst auf dem Areal nicht recht wohl, was kein Wunder ist, denn für Floristik-Studios und Pensionskassen hatte Carl Duisberg es nicht überplant. Diese Dienstleister, die BAYER in Ermangelung von Kunden aus dem produzierenden Gewerbe als Mieter gewonnen hat, vermissen in der ehemaligen „Festung BAYER“, von der Außenwelt durch die hohen Werksmauern abgeschlossen und umgeben von industriellen Zweckbauten, die Aufenthaltsqualität.

Dem Leverkusener Multi ist das nicht verborgen geblieben. Die BankerInnen, FloristInnen & Co. hätten als Dienstleister „andere Bedürfnisse“ stellte BAYER-Chef Werner Wenning fest und räumte ein, der Chemiepark müsste „attraktiv für eine andere Art von Mitarbeitern“ werden. Die beiden Chemiepark-Manager Ernst Grigat und Wolfgang Vogel erachteten hierzu einen „Büro-Campus“ sowie eine „Dienstleistungsmeile“ als probate Mittel, aber der Global Player wollte zusätzlich Rat von ExpertInnen und veranstaltete einen Architektur-Wettbewerb. Die ungefähre Richtung gab er in der Ausschreibung vor. Eine „vorsichtige Öffnung und osmotische Durchdringung von Stadt und Chemiepark“ sollten die StudentInnen mit ihren Plänen bewerkstelligen und dem sich auf dem Gelände vollziehenden Strukturwandel eine architektonische Form geben.

Viel weiter ist der Konzern nach dem Ende der Veranstaltung allerdings nicht. Dass die beiden Preisträger Guilleaume Tripoteau und Gael Hémon in ihrem Entwurf „Cubiquitol 27mg“ ausgerechnet die COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN als einen Teil der Lösung betrachten, hätte der Pharma-Riese sich nicht einmal in seinen düstersten Alpträumen ausgemalt.