Eine schlechte Wahl
Das steht traditionell am Ende jeder Hauptversammlung: Die Abstimmung über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat und diverse andere Tagesordnungspunkte.
Von Peer Clausen
Wie jedes Jahr wurde auch auf dieser BAYER-Hauptversammlung fleißig abgestimmt, und wie jedes Jahr frisiert der BAYER-Konzern die Abstimmungsergebnisse subtil, indem er die Enthaltungen herausrechnet und nicht mit in die Ergebnisse einfließen lässt. Dadurch verschieben sich die Abstimmungsergebnisse ein wenig, und zwar immer so, dass die Zustimmungsquote ein kleines bisschen höher ausfällt. Dass die Enthaltungen überhaupt als absolute Zahlen Erwähnung finden, ist erst seit 2020 der Fall und dem Druck kritischer AktionärInnen zu verdanken.
Da BAYER jedes Jahr die Zahlen schönt, liefert das Stichwort BAYER auch dieses Mal wieder die bereinigten Zahlen. Hierbei ist bemerkenswert, dass sich auch 2025 wieder nur rund 52 % der Aktien, sprich der Stimmen, beteiligten. Weiter sollte erwähnt werden, dass ein relevanter Teil der Aktien (28,14 %) sich in den Händen von zehn GroßaktionärInnen – Vermögensverwalter oder FinanzinvestorInnen – befinden. Der größte unter Ihnen ist die BLACKROCK Inc., deren Aufsichtsratsvorsitzender in Deutschland bis 2020 der frischgebackene Bundeskanzler Friedrich Merz war. Diese Besitzverhältnisse sorgen für massiv undemokratische Verhältnisse bei den Abstimmungen, sodass die Stimmen der zahlreichen Kleinaktionär-Innen kaum ins Gewicht fallen.
Vor diesem Hintergrund sollten die Abstimmungsergebnisse der diesjährigen Hauptversammlung betrachtet werden: Die Kritischen AktionärInnen der COORDINATION GEGEN BAYER-GEFAHREN (CBG) stimmten bei allen Tagesordnungspunkten mit NEIN und forderten die übrigen Aktien-HalterInnen auf, es ihnen gleichzutun. Jede Rede enthielt diesen Passus. Diesem Aufruf schloss sich eine beträchtliche Zahl der AktionärInnen an.
Entlastung: Vorstand
Die CBG hat vorgeschlagen, die Mitglieder des Vorstands nicht zu entlasten, weil sie für Verbrechen an Mensch, Umwelt, Profitgier und Ausbeutung verantwortlich sind. Da zunächst der Vorschlag des Vorstands auf Entlastung beraten wurde, forderte die CBG alle AktionärInnen auf, mit NEIN zu stimmen.
Ja -Stimmen: 94,76 % (offiziell: 95,36 %)
Nein -Stimmen: 4,62 % (Offiziell: 4,64 %)
Enthaltungen: 0,62 % (offiziell: – )
Damit lag der Anteil der Nein-Stimmen und Enthaltungen wieder deutlich unter dem Niveau von 2024, als 13,9 % der AktionärInnen mit Nein stimmten oder sich enthielten , aber immerhin leicht über dem Niveau von 2023 (4,9 %).
Entlastung: Aufsichtsrat
Die CBG hat vorgeschlagen, die Mitglieder des Aufsichtsrates nicht zu entlasten, weil sie verantwortlich sind für Verbrechen an Mensch und Umwelt, für Profitgier und Ausbeutung. Da zunächst der Vorschlag des Vorstands auf Entlastung beraten wurde, forderte die CBG alle AktionärInnen auf, mit NEIN zu stimmen.
Ja-Stimmen: 95,70 % (offiziell: 96,37 %)
Nein-Stimmen: 3,60 % (offiziell: 3,63 %)
Enthaltungen: 0,69 % (offiziell: – )
Damit liegt der Anteil der Nein-Stimmen und Enthaltungen am Gesamtstimmanteil niedriger als in den beiden Vorgängerjahren, wo er sich auf 11,85 % (2024), bzw. 9,6 % (2023) belief.
Aufsichtsratswahl:
Alberto Weisser
Bei den Aufsichtsratswahlen geschah in diesem Jahr wenig Unerwartetes. Der 2021 gewählte Alberto Weisser, der sich vorher bei PEPSI und BUNGE verdingt hatte, wurde in seinem Amt bestätigt.
Ja-Stimmen: 95,99 % (offiziell: 96,45 %)
Nein-Stimmen: 3,53 % (offiziell: 3,55 %)
Enthaltungen: 0,48 % (offiziell: – )
Vergütung Aufsichtsrat
Überraschend wenige Gegenstimmen kassierte BAYER trotz der mündlich vorgebrachten Kritik der AktionärInnen während der HV beim Vorschlag zur maßlosen Vergütung der Vorstände.
Ja -Stimmen: 99,15 % (offiziell: 99,32 %)
Nein -Stimmen: 0,68 % (offiziell: 0,68 %)
Enthaltungen: 0,16 % (offiziell: – )
Während 2024 noch 18,07 % mit Nein oder Enthaltung stimmten, waren es in diesem Jahr unter einem Prozent.
Vergütungsbericht
Die meisten Gegenstimmen allerdings kassierte der Konzern bei der Abstimmung über den Vergütungsbericht, der den Anspruch erhebt, die Vergütung der FirmenlenkerInnen transparent zu machen.
Ja -Stimmen: 67,25 % (offiziell: 67,36 %)
Nein-Stimmen: 32,58 % (offiziell: 32,64 %)
Enthaltungen 0,17 % (offiziell: – )
Mit rund 33 % war das Ergebnis der kombinierten Nein-Stimmen und Enthaltungen hier zwar niedriger als 2024 (35 %), aber auf einem vergleichbar hohen Niveau.
Kapitalerhöhung
„[M]it Blick auf mögliche zukünftige Vergleichsvereinbarungen mit Klägern in den USA oder andere Maßnahmen im Zusammenhang mit einer weitgehenden Eindämmung von Klage-Verfahren in den USA“ in Sachen Glyphosat wollte BAYER sich eine Kapitalerhöhung um rund 35 Prozent des Grundkapitals – 875 Millionen Euro – genehmigen lassen. Abhängig vom jeweiligen Aktien-Kurs kommt da schon die eine oder andere Milliarde zusammen, was dann auch mit einigem Gegenwind quittiert wurde.
Ja -Stimmen: 81,23 % (offiziell: 81,97 %)
Nein-Stimmen: 17,87 % (offiziell: 18,03 %)
Enthaltung: 0,90 % (offiziell: – )
Mit immerhin rund 19 % kombinierter Nein-Stimmen und Enthaltungen musste hier die Firmenführung einiges an Federn lassen.
Ermächtigung: Virtuelle HV
Die „Ermächtigung des Vorstands, virtuelle Hauptversammlungen durchzuführen (Satzungsänderung)“ kam unter Punkt 8 zur Abstimmung.
Ja -Stimmen: 75,56 % (offiziell: 75,62 %)
Nein-Stimmen: 24,36 % (offiziell: 24,38 %)
Enthaltungen: 0,08 % (offiziell: – )
24 % der AktionärInnen setzten trotzdem mit ihrem Nein oder ihrer Enthaltung ein starkes Zeichen gegen die fragwürdige Politik der Firmenleitung, die auf den Ausschluss eines Großteils der KleinaktionärInnen und vor allem von Protest durch das digitale Format baut. Dank vieler kritischer Redebeiträge und den gemeinsamen Aufrufen, BAYER die Traumzustimmungswerte zu vermiesen, konnten die KritikerInnen aber auch in diesem Jahr ein Zeichen gegen die Konzernmacht setzen. ⎜