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Veröffentliche Beiträge in “BAYER HV 2018”

[Georg Wehr] Hauptversammlung 2018

CBG Redaktion
Georg Wehr (Gadolinium-Selbsthilfegruppe) Die Gefahren von Röntgen-Kontrastmitteln "Sehr geehrter Herr Baumann, sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Georg Wehr und ich spreche heute stellvertretend für zahllose Menschen weltweit zu Ihnen. Es geht um ein sehr trauriges und zugleich sehr wichtiges Thema: Gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel, die auch von Bayer hergestellt und vertrieben werden, sind extrem giftig und haben bereits unzähligen Menschen ihre Gesundheit geraubt und manchen sogar ihr Leben gekostet. Auch wenn man es mir auf den ersten Blick nicht ansehen mag, so stehe ich heute als schwer kranker, junger Mann vor Ihnen. Nachdem ich mich beim Abfangen einer älteren Dame in meinem Beruf als Krankenpfleger im Bereich der Lendenwirbelsäule sowie am Hüftgelenk verletzt habe, hatte ich nach einer misslungenen Hüftoperation mehrere MRT-Untersuchungen mit dem Kontrastmittel Gadovist®, das von Bayer produziert wird. Nach insgesamt vier Injektionen Gadovist® leide ich nun schon seit 1 ½ Jahren unter schweren Vergiftungserscheinungen, die nachweislich durch das MRT-Kontrastmittel entstanden sind. Zu meinen gesundheitlichen Beschwerden zählen u. a. starke Schmerzen am gesamten Körper, Konzentrationsstörungen, Tinnitus, Sehstörungen, Müdigkeit, rasche Erschöpfung, Hautveränderungen, Muskelzuckungen, Störungen des Immunsystems, Störungen des Hormonsystems, Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, narbenartige Gewebsveränderungen, Leberschäden und gar der Anstieg eines Tumormarkers. Aufgrund meines desolaten Allgemeinzustands und auffälliger Blutwerte vermuteten viele Ärzte zunächst, ich würde unter einer Krebserkrankung leiden, doch der vermeintliche Krebs ließ sich nicht finden. Stattdessen wurde nach einem Jahr einer unzumutbaren Odyssee festgestellt, dass sich hochgiftiges Gadolinium in meinem Körper abgelagert hat, und eine großzügige Biopsie zeigte Fibrosierungen bzw. narbenartige Verwachsungen in meinem Unterhautgewebe, die typischerweise durch Gadolinium verursacht werden. Ich bin leider kein Einzelfall, und es existieren weltweit zahllose Gadoliniumopfer, die alle unter ähnlichen Symptomen leiden und dringend effektive Hilfe benötigen. Nach aktuellen Schätzungen wurden seit 1988 ahnungslosen Patienten weltweit ungefähr 450 Millionen Dosen gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmittel verabreicht. Jährlich kommt es inzwischen zu ca. 40 Millionen Gadolinium-Injektionen weltweit — davon ca. 3 Millionen Mal alleine in Deutschland. Nehmen wir an, dass nur 5 % aller Patienten, die gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel erhalten, erhebliche Gesundheitsschäden davontragen, dann sprechen wir Stand heute von mindestens 7 Millionen Betroffenen weltweit. Aufgrund des eklatanten Mangels an Information und Unterstützung habe ich eine Selbsthilfe-Gruppe gegründet, die in den nur 5 Monaten ihres Bestehens bereits rund 200 deutschsprachige Betroffene versammelt hat. Außerdem stehe ich in regelmäßigem Austausch mit unzähligen Betroffenen und den Gründern mehrerer Patientenvereinigungen weltweit, die bereits Tausende Mitglieder haben. Noch bis vor wenigen Jahren nahm man an, dass gadoliniumhaltige MRT-Kontrastmittel nur bei Menschen mit einer ausgeprägten Nierenfunktionsstörung zu schweren Gesundheitsschäden wie der sogenannten nephrogenen systemischen Fibrose (NSF) führen können, doch diese Annahme ist ganz klar nicht weiter haltbar. Entgegen der bisherigen Meinung verbleibt nachweislich bei jeder MRT-Kontrastmittel-Gabe – auch bei Nierengesunden - ein Teil des verabreichten Präparats für lange Zeit im Körper der Patienten und richtet dort aufgrund der spezifischen Toxizität der Präparate und der Freisetzung von Gadolinium-Ionen massive Schäden an, welche der renommierte US-Radiologe Dr. Richard Semelka als Gadolinium Deposition Disease (GDD) bezeichnet. Dr. Semelka arbeitet gemeinsam mit mehreren hochkarätigen Ärzten und einer Auswahl Betroffener, der auch ich angehöre, intensiv an der Erforschung der Gadolinium Deposition Disease (GDD) und einer effektiven Kombinationstherapie, die dringend entwickelt werden muss. Auch mit angesehenen Medizinern aus Heidelberg, wie Prof. Schlemmer und Prof. Radbruch, konnte ich inzwischen ausführlich über die Problematik sprechen. Es besteht Einigkeit, dass dringend umfassend auf die Erkenntnis reagiert werden muss, dass alle gadoliniumhaltigen MRT-Kontrastmittel ein individuell unkalkulierbares Gesundheitsrisiko bergen. Die bisherige Reaktion der EMA, einige ältere, linear gebundene Präparate vom Markt zu nehmen, stellt keine Lösung dar, da auch die vermeintlich sichereren, makrozyklischen Gadolinium-Verbindungen in vielen Fällen bereits nach nur einer Injektion anhaltende Vergiftungserscheinungen hervorrufen. Der weitere Einsatz von gadoliniumhaltigen MRT-Kontrastmitteln ist in keinem Fall zwingend erforderlich und absolut verantwortungslos. Wir sehen aktuell nur die Spitze des Eisbergs eines schier unglaublichen Medizinskandals, denn der überwiegenden Mehrheit der Geschädigten ist bisher unbekannt, weshalb sie so schwer krank ist. Entgegen aller Vernunft werden jeden Tag weiterhin Unmengen gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmittel verabreicht und dabei zahllose Menschen geschädigt und Leben zerstört. Das momentan einzig empfehlenswerte Medikament zur Behandlung der Gadolinium-Vergiftung ist der Chelatbildner DTPA, der bereits in den 50er Jahren für den Fall einer nuklearen Katastrophe entwickelt wurde, doch leider nur begrenzt wirksam ist. Der neuartige Chelatbildner 3,4,3-LI(1,2-HOPO) zeigt im Tierversuch im Vergleich zu DTPA deutlich überlegene Eigenschaften, doch eine längst überfällige Testung am Menschen lässt weiterhin auf sich warten. Als Hersteller mehrerer gadoliniumhaltiger MRT-Kontrastmittel wie Gadovist®, Magnevist® und Primovist® trägt das Unternehmen Bayer eine Verantwortung gegenüber seinen Aktionären, Kunden und Patienten, der es nun nachzukommen gilt und ich hoffe sehr, dass wir gemeinsam greifbare Fortschritte erzielen können. Zu meinen Fragen: 1.) Was kann das Unternehmen Bayer tun, um die Erforschung besserer Behandlungsmöglichkeiten voranzutreiben und den Betroffenen schnellstmöglich helfen zu können? 2.) Wie kann das Unternehmen Bayer dazu beitragen, dass es künftig zu keinen weiteren Gadoliniumopfern kommt? 3.) Wie gedenkt das Unternehmen Bayer Betroffene angemessen zu entschädigen und bei ihrer Behandlung und Rehabilitation zu unterstützen? Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

[Alan Tygel] Hauptversammlung 2018

CBG Redaktion
Alan Tygel (Permanente Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben) Bayer in Brasilien -ES GILT DAS GESPROCHENE WORT- Sehr geehrte Damen und Herren, mein Name ist Alan Tygel, ich bin von der brasilianischen „Permanenten Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben“ (Campanha Permanente Contra os Agrotóxicos e Pela Vida!). Aus der Sicht von BAYER ist Brasilien ein sehr vielversprechendes Land. Brasilien ist das Land, das am meisten Agrargifte verbraucht, und dies weltweit. Und Brasilien ist das Land, das das größte Wachstum beim Verkauf von Agrargiften verspricht. In Brasilien war BAYER im Jahr 2014 die Firma, die am zweitmeisten Agrargifte verkaufte. Nach dem Kauf von MONSANTO wird BAYER auf Platz 1 landen, mit einem Marktanteil von rund 23 Prozent. Und Brasilien hat die weltweit zweitgrößte Anbaufläche von gentechnisch modifiziertem Saatgut. Im Gegensatz zum Land mit dem weltweit größten Flächenanbau gentechnisch veränderter Pflanzen – den USA – hat Brasilien aber noch Platz beim Baumwollanbau. Hinzu kommt, dass die für die Registrierung gentechnisch veränderter Pflanzen zuständige Behörde, die CTNBio, in der Frage „Anbaugenehmigungen für neue transgene Kulturen“ sehr unternehmenfreundlich agiert. So wird es wenig wundern, wenn in Kürze 2 Millionen Hektar Land für den transgenen Reisanbau freigegeben werden. Das ist das Brasilien von BAYER. Das ist das Brasilien von MONSANTO. Es gibt aber auch ein anderes Brasilien. Das Brasilien, wo ich wohne. Das ist das Land der kleinbäuerlichen Landwirtschaft, das Land der Diversität der Nahrungsmittel, das Land des Manioks und des einheimischen Mais’. Es ist dieses Brasilien, wo unsere „Permanente Kampagne gegen Agrargifte und für das Leben“ die Stimmen von Millionen von Menschen zu einer Stimme vereint. Und diese Stimme sagt „Nein!“ zu Agrargiften und zu transgen modifizierten Pflanzen und Saatgut. Und diese Stimme sagt „Ja!“ zum Aufbau einer Bewegung hin zur Agrarökologie. In dem anderen Brasilien sind es jedes Jahr 6.000 Menschen, die wegen Intoxikation durch Agrargifte medizinisch behandelt werden müssen. Aber wir wissen, dass die realen Zahlen mit Sicherheit zehnfach größer sind. Denn die Mehrzahl der Vergifteten lebt auf dem Land, dort, wo es keinen oder kaum Zugang zu medizinischer Versorgung gibt. Landwirte begehen Selbstmord, Kinder werden mit Schäden geboren, Babys weisen Anzeichen von Pubertät auf. Alles nachgewiesenermaßen wegen der Agrargifte. In den Veröffentlichungen zu sozialer und Umweltverantwortung schreibt BAYER, dass Sie empfehlen, die Hinweise der Packungsbeilage, die genaue Eichung der Anwendungsgeräte, die Nutzung vorgeschriebener Schutzkleidung und die Reinhaltung der Gerätschaften zu beachten. Ich frage Sie daher: Meinen Sie, dass BAYER durch solche Hinweise frei sei von Schuld für all die Vergiftungen und all das Leid? Sind also die Opfer selbst schuld? Das in Brasilien registrierte Portfolio an Agrargiften von BAYER umfasst 109 Produkte, die aus 50 verschiedenen Wirkstoffen hergestellt werden. Ihre Verkaufsschlager in Brasilien sind die auf Basis von Carbendazim und Imidacloprid hergestellten Produkte. Beide Wirkstoffe stehen auf der Liste der zehn am meisten genutzten Stoffe. Ist es nun purer Zufall, dass der eine der beiden Stoffe in der EU verboten ist, der andere gerade verboten wird? Daneben verkauft BAYER in Brasilien 8 weitere in Produkten verwendete Wirkstoffe, die in der EU verboten sind: Thidiazuron, Thiodicarb, Ioxynil, Iprodion, Indaziflam, Ethiprole, Ethoxysulfuron und Chlorhydrat Propamocarb. Ich frage Sie: Halten Sie Ihre Politik, in Deutschland längst verbotene Agrargifte in Entwicklungsländer zu schicken, für ethisch vertretbar? Was wird BAYER mit dem Glyphosat von MONSANTO tun, wenn es in der EU in Kürze verboten wird, da es krebserregend sei? Gegenwärtig wird in Brasilien ein enormer Druck ausgeübt, damit das bestehende Gesetz zu Agrargiften gekippt werde. An seiner Stelle schlagen die Kongressabgeordneten der Großfarmerfraktion ein Gesetz zu Pflanzenschutzmitteln vor. Dieses würde die Rolle der Gesundheits- und der Umweltbehörden bei der Registrierung der Agrargifte beschneiden, und es würde die Vorschriften zur Registrierung krebserregender Agrargifte abschaffen. Aktuell haben 250.000 Menschen eine Petition gegen dieses Gesetzesvorhaben unterzeichnet, – aber dieses Gesetz wird offen unterstützt von Sindiveg, dem Branchenunternehmerverband, bei dem MONSANTO und BAYER Mitglieder sind. Im vergangenen Jahr hat MONSANTO an 9 Treffen mit dem brasilianischen Agrarministerium teilgenommen, und BAYER an 6, einige von diesen Treffen waren direkt mit Brasiliens Landwirtschaftsminister Blairo Maggi. Hält BAYER es für gerechtfertigt, zum Zwecke der Schwächung der Gesetzgebung in unterentwickelten Ländern und um in Deutschland bereits verbotene Produkte nach Brasilien liefern zu können, Lobbyarbeit zu machen? In Bezug auf die transgenen Pflanzen gibt es bei BAYER in Brasilien ebenfalls einiges zu kritisieren: Gegenwärtig hat BAYER in Brasilien elf Patente auf transgenes Saatgut. Nach der Übernahme von MONSANTO, das 23 Patente hat, wäre BAYER die Herrin über fast die Hälfte aller 75 in Brasilien gemeldeten transgenen Modifikationen. Heute reden Sie viel darüber, transgene Pflanzen seien nachhaltig und trügen zur Reduzierung der Agrargifte bei. In Wahrheit aber erleben wir eine tragische Umweltverseuchung, den Verlust eines jahrhundertelang bewahrten genetischen Erbes und einen massiven Anstieg beim Verbrauch der Agrargifte. Der Fall des Falters Baumwoll-Kapseleule (Helicoverpa Armigera) zeigt sehr klar das Problem: Im Jahr 2012 explodierte die Population des Falters, da der gentechnisch veränderte Bt-Mais ihm nichts mehr anhaben konnte. In weiten Teilen des brasilianischen Nordosten kam es daraufhin zu einer extremen Notsituation, es kam zu einem volkswirtschaftlichen Schaden in Milliardenhöhe. Als Reaktion darauf importierte Brasilien ein Agrargift, das eigentlich im Land schon längst verboten war, weil es höchst nervenschädigend wirkt: Emamectinbenzoat. Das so transgen-freundlich eingestellte Agrarministerium sah zwar die Schuld bei dem transgenen Mais, aber setzte sich im letzten Jahr dennoch über das Gesetz hinweg – und erteilte dem Emamectinbenzoat in Brasilien die Zulassung. Zwischen 2007, als das erste transgene Produkt aus dem Hause BAYER in Brasilien registriert wurde, und dem Jahr 2014 stieg der Verbrauch von Agrargiften um 52 Prozent an. Jüngsten Studien zufolge geht dieser Anstieg zum großen Teil auf das transgene Soja zurück, ein Bereich, in dem MONSANTO der Verkaufs-Champion ist. Vor diesem ganzen Hintergrund würden wir gerne wissen: Beinhaltet Ihr Verständnis von Nachhaltigkeit diesen hohen hohen Verbrauch an Agrargiften, der durch die Anwendung transgener Pflanzen induziert wird? Beinhaltet Ihr Verständnis von Nachhaltigkeit die Kontamination der Umwelt und ökologisches Ungleichgewicht, das durch eine tiefe Missachtung der Menschenrechte der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern hervorgerufen wird? Sehr verehrte Damen und Herren Aktionärinnen und Aktionäre: Wenn Sie meinen, Brasilien sei das Land des Gewinnes egal um welchen Preis und auf wessen Kosten, und wenn Sie meinen, dass Sie in unser Land all Ihren Müll, der hier zu nichts mehr taugt, abladen können, dann seien Sie gewiss, dass wir Widerstand leisten werden. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.