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Veröffentliche Beiträge in “Presse-Infos”

Jan Pehrke
Chefredakteur SWB
+49 178 3359268
presse@cbgnetwork.org

Pressestimmen: Die Arbeit der Coordination im Spiegel der Medien.

Hormonschäden

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 15. Dezember 2005

Hirnentwicklung durch BPA gestört / Marktführer ist BAYER-Konzern

„Bisphenol A muss in offenen Anwendungen verboten werden“

Eine in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Endocrinology veröffentlichte Studie weist nach, dass schon kleinste Mengen der Chemikalie Bisphenol A (BPA) die Hirnentwicklung stören können. BPA wirkt wie ein künstliches Hormon und gefährdet bei einer Exposition insbesondere Säuglinge. Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen und verfrühte sexuelle Reife können die Folge sein.

Größter europäischer Hersteller der Chemikalie ist der BAYER-Konzern. Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der Deutschen Störfallkommission und Beirat der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Bisphenol A und andere hormonaktive Substanzen haben in Produkten des täglichen Bedarfs absolut nichts verloren.„ Philipp Mimkes vom Vorstand des Vereins ergänzt: „Seit Jahrzehnten ist die hormonelle Wirkung von Bisphenol A bekannt – trotzdem verharmlost der größte deutsche Hersteller, der Leverkusener BAYER-Konzern, beharrlich die Risiken und verhindert durch politische Einflussnahme ein Verbot risikoreicher Anwendungen. Wir fordern ein sofortiges Verbot in allen Produkten, die mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen“. Auch das Umweltbundesamt fordert seit Jahren, die Verwendung von Bisphenol A in Lebensmittel-Verpackungen zu reglementieren - kann sich jedoch gegen die Interessen der Industrie nicht durchsetzen.

Besonders brisant sind die neuen Studienergebnisse, da Bisphenol A in Babyflaschen, Konservendosen und Verpackungen eingesetzt wird und in Lebensmittel austreten kann. Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung ist die von deutschen VerbraucherInnen täglich aufgenommene Menge BPA sogar höher als die Konzentration, die in den aktuellen Untersuchungen zu Schädigungen führten. Dr. Scott Belcher von der Universität Cincinnati, der die Studie erstellt hat, bezeichnet die Ergebnisse als beunruhigend. „Die von Menschen aufgenommene Menge Bisphenol A liegt in der selben Größenordnung wie die BPA-Konzentration, bei der wir Schädigungen beobachtet haben“, so Dr. Belcher.

In den USA werden jährlich über eine Million Tonnen BPA produziert, in Europa rund 700.000 to. Die größten Produzenten sind BAYER, Dow Chemicals und GE Plastics. BAYER produziert die Chemikalie in Baytown/USA, Uerdingen und Antwerpen. In den vergangenen Jahren hat BAYER neue BPA-Fabriken in Thailand und China eröffnet.

Lesen Sie hierzu auch einen Artikel, der diese Woche in Spiegel Online erschienen ist:

Lebensmittelverpackungen: Weichmacher könnte Hirngewebe schädigen

Ein Weichmacher in Lebensmittel-Verpackungen steht seit Jahren im Verdacht, die Gesundheit zu gefährden. Jetzt stellt sich heraus, dass schon winzige Mengen der Substanz namens Bisphenol A die Hirnentwicklung bei Kindern und Ungeborenen stören könnten. Behörden sind alarmiert.

Experten verdächtigen den chemischen Weichmacher Bisphenol A (BPA) schon lange, der Gesundheit von Verbrauchern nicht eben zuträglich zu sein. Ergebnisse einer jetzt im Fachblatt “Endocrinology„ veröffentlichten Studie rücken die Substanz jetzt weiter ins Zwielicht - und könnten massive Auswirkungen auf den europäischen Verbraucherschutz haben.

Ein Forscherteam um Scott Belcher von der University of Cincinnati konnte erstmals im Tierversuch zeigen, dass BPA gerade in kleinsten Dosierungen die Hirnentwicklung beeinflusst. Offensichtlich blockiert die über die Nahrung aufgenommene Chemikalie die Aktivität des körpereigenen Hormons Östrogen, das für die Entwicklung bestimmter Hirnregionen unerlässlich ist.

Belchers Team hatte Ratten über einen Zeitraum von lediglich sechs Minuten eine hoch verdünnte BPA-Lösung in den Teil des Gehirns gespritzt, der bisher als unempfindlich gegenüber BPA galt: den so genannten zerebralen Kortex. Das Ergebnis der anschließenden Untersuchung der Rattenhirne könnte sich als “kleine Sensation in der BPA-Diskussion erweisen, falls es auch anderen Forschergruppen gelingt, die Ergebnisse zu reproduzieren„, kommentiert Jürgen Kundke, Sprecher des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).

Die Substanz entfaltete in Belchers Tierversuchen wenige Minuten nach Verabreichung eine verheerende Wirkung: Sie stoppte den Signalweg des weiblichen Sexualhormons Östrogen und damit die natürliche Entwicklung der Gehirnzellen - unabhängig vom Geschlecht der Tiere. Das Problem: BPA scheint insbesondere in jenen winzigen Mengen extrem zu wirken, denen der Mensch im Alltag ausgesetzt ist. Je niedriger die Konzentration der Substanz, desto höher war in Belchers Versuchen die schädigende Wirkung auf das Hirngewebe.

Jährlich werden Millionen Tonnen produziert

Brisant ist die Studie vor allem deshalb, weil Bisphenol A aus dem Leben der Verbraucher kaum mehr wegzudenken ist. Seit den fünfziger Jahren setzt die chemische Industrie die Substanz bei der Herstellung von Plastikverpackungen aller Art ein. “Bisphenol A ist eine Grundchemikalie, die in Mengen von etwa einer Million Tonnen pro Jahr produziert wird„, erklärt Thomas Simat, Professor am Institut für Lebensmittelchemie der TU Dresden. “Sie ist toxikologisch sehr gut untersucht.„

Allerdings hatte bis jetzt niemand erforscht, wie BPA in kleinsten Dosierungen wirkt. Belcher zufolge setzt die Gefährdung des Menschen bereits vor der Geburt ein, weil BPA die Embryonalentwicklung des Gehirns stört. Um das herauszufinden, hatten die Pharmakologen das Fötenwachstum der Ratten verfolgt und die Tiere nach Ablauf bestimmter Fristen seziert.

Weil junge Ratten als besonders gutes Tiermodell gelten, konnte Belcher daraus Rückschlüsse auf die Entwicklung des menschlichen Fötus ziehen und die Zeit vom Beginn des letzten Schwangerschaftsdrittels bis zu den ersten Lebensjahren des Kindes nachvollziehen. “Es besteht Grund zur Sorge„, erklärte Belcher SPIEGEL ONLINE. Der Professor für Pharmakologie und Zell-Biophysik hält es für “sehr wahrscheinlich„, dass es die bei den Ratten beobachtete Wirkung auch beim Menschen gibt. “Es gibt zwar wichtige Unterschiede zwischen Menschen und Nagetieren„, so Belcher, “aber BPA hatte bisher bei jeder Art von Tieren - seien es Säugetiere, Fische oder Amphibien - ähnlich schädliche Effekte.„

PlasticsEurope, der Verband der Kunststofferzeuger in Deutschland, sieht das freilich anders. In einer internen Bewertung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, heißt es über Belchers Arbeit: “Aus der Studie liegen keine Hinweise vor, dass die Beobachtungen beim Menschen zu nachteiligen Folgen führen„. Insbesondere die Methodik von Belchers Versuchen wird angegriffen. So seien direkte Injektionen ins Hirn nicht mit oraler Aufnahme zu vergleichen, außerdem sei die Anzahl der Versuchsratten viel zu gering.

Doch der neurotoxische Effekt, den BPA auf das hormonelle System ausübt, dürfte weitaus größer sein als bislang angenommen. Um welche Größenordnungen es sich handelt, verdeutlich ein Vergleich. Die von Belcher ausgemachte toxische Dosis entspricht in etwa der Menge eines Fünftel Würfelzuckers, der in einem Stausee mit 2,7 Milliarden Litern Wasser aufgelöst ist. Chemisch ausgedrückt sind das etwa 0,23 Teile pro Trillion (ppt) oder 0,23 Nanogramm Bisphenol A pro Kilogramm Trägermaterial.

Alte Substanz, neues Risikoprofil

Das wie ein künstliches Hormon wirkende BPA steht seit Jahren im Verdacht, die Gesundheit des Menschen zu gefährden. So erschienen bis heute über hundert Fachpublikationen, die sich mit den Auswirkungen von BPA befassen. Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt ein im Fachblatt “Cancer„ veröffentlichter Bericht darüber, wie BPA in Tierversuchen Prostatakrebs auslöste. Dieses Potential haben auch andere Untersuchungen bestätigt.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte sich schon 2003 mit derartigen Fällen befasst und den Stand der Dinge unmissverständlich bewertet. Es gebe “Anlass zur Besorgnis„, da die Untersuchungen “auf ein mögliches erbgut- und fortpflanzungsgefährdendes Potential von BPA hindeuten„, heißt es in einer am 17. April 2003 veröffentlichten Stellungnahme des BfR.

Überraschend sei, dass die Schädigung des Erbguts schon bei einer “außerordentlich niedrigen Dosierung„ von 0,02 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht gefunden worden sei.

Über Geschirr, Besteck und Einwegflaschen aus Kunststoff sowie die Innenbeschichtung von Dosen gelangt Bisphenol A in den menschlichen Körper.

Nach Angaben des BfR nimmt ein erwachsener Mensch pro Tag etwa 0,48 Mikrogramm BPA pro Kilogramm Körpergewicht auf. Bei Kindern beträgt die Menge sogar 1,6 Mikrogramm. Das ist mehr als 695 Mal so viel wie jene Menge, die Belchers Team jetzt im Tierversuch als hirnschädigend ausmachte.

Risiko von BPA könnte neu bewertet werden

Dass bisher noch keine Behörde auf die Effekte in kleinsten Dosierungen aufmerksam wurde, ist für Axel Allera vom Institut für klinische Biochemie an der Universität Bonn nicht verwunderlich: “Man hat sich ausschließlich mit den Wirkungen bei hohen Konzentrationen befasst„, sagt der Endokrinologe. Den Einfluss kleinster Chemikalienmengen auf den Organismus habe man über Jahrzehnte hinweg vernachlässigt - gerade bei BPA.

Deutsche Behörden sehen das jetzt ähnlich. Die von Belcher nachgewiesene toxische Menge sei “eine vollkommen neue Dimension„, erklärt BfR-Sprecher Kundke. “Wir nehmen die Studie zur Kenntnis.„ Erkenntnisse über Schäden, die BPA bereits bei Menschen angerichtet haben könnte, gibt es nicht. Denn bisher wurde laut Kundke und Belcher noch nirgendwo auf der Welt eine entsprechende epidemiologische Studie durchgeführt. Allera sieht darin keinen Grund zur Entwarnung: Man müsse die Forschung über das Risiko von BPA in geringen Dosierungen nun “endlich vorantreiben„.

Mittlerweile mahlen die behördlichen Mühlen. Belchers Papier liegt nicht nur dem BfR vor, das auf nationaler Ebene ein Verbot der Chemikalie in bestimmten Verpackungen aussprechen könnte. Die Publikation hat inzwischen auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Parma erreicht, in der ebenfalls Fachleute des BfR sitzen. Dort wird jetzt über eine Neubewertung des Risikopotentials von Bisphenol A nachgedacht, wie Kundke SPIEGEL ONLINE mitteilte. Allerdings: “Bis es zu einer rechtswirksamen Entscheidung kommt, können Jahre vergehen." (von Vlad Georgescu und Marita Vollborn, erschienen am 13. Dezember 2005).

Pharma-Marketing

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 24. November 2005

Australien: Umstrittene Marketing-Methoden untersagt

BAYER muss LEVITRA-Kampagne stoppen

Beschwerden von niedergelassenen Ärzten haben dazu geführt, dass der BAYER-Konzern in Australien eine umstrittene Kampagne für das Potenzmittel LEVITRA stoppen muss. Das Unternehmen hatte auf einer homepage zur Gesundheitsberatung die Adressen von 1000 Ärzten aufgelistet. Potentielle Patienten wurden aufgefordert, die registrierten Doktoren zu konsultieren. Das Unternehmen leitete die Patientendaten an die Ärzte weiter und fügte ein „Informations-Paket“ bei, das an die zu behandelnde Person weiter gegeben werden sollte.

Der Verband der australischen Pharma-Industrie, Medicines Australia, griff die Beschwerden auf und urteilte, dass die Ärzte nicht darüber aufgeklärt worden waren, dass sie Teil einer Marketing-Kampagne waren. Außerdem würden Patienten dahingehend beeinflusst, von ihrem Arzt eine Verschreibung von LEVITRA zu fordern, obwohl auch nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden zur Wahl stünden. Medicines Australia sieht hierin einen Verstoß gegen den Verhaltenskodex des Verbands. BAYER wurde aufgefordert, alle beteiligten Ärzte anzuschreiben und über den Verstoß aufzuklären.

Der Absatz von Levitra liegt mit 200 Mio Euro jährlich weit unter der von BAYER angestrebten Größe von einer Milliarde Euro. Der Konzern begegnet den schwachen Verkaufszahlen mit aggressiven Werbekampagnen, die schon mehrfach beanstandet wurden. So musste BAYER in den USA eine TV-Werbung wegen irreführender Angaben und fehlender Hinweise auf Nebenwirkungen stoppen. Die Zulassung in den USA war wegen möglicher Gesundheitsgefahren mehrfach verschoben worden.

Auch in Deutschland machte das Unternehmen mit unseriösen Angaben von sich reden: Das Kölner “Institut für evidenz-basierte Medizin” untersuchte Broschüren, mit denen Pharmareferenten über neue Produkte informieren. Der Leverkusener Chemie-Multi stellte in einer Publikation die schnelle und lange Wirksamkeit von LEVITRA heraus - verschwieg aber, dass sich diese Aussage auf Tests mit betäubten Hasen bezog.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Jedes Medikament hat Nebenwirkungen. Die Einnahme von LEVITRA kann zu Erblindung und anderen körperlichen Schäden führen. Die aggressiven Kampagnen für LEVITRA zeigen einmal mehr, dass Werbung für Pharmazeutika streng reglementiert und größtenteils verboten werden muss. Die Information über Medikamente gehört in die Hände unabhängiger Prüfer.“

Originaltext der Veröffentlichung von Medicines Australia

Rechtsextremismus

CBG Redaktion

In Dessau produzierten die IG Farben, der Zusammenschluss von Bayer, BASF, Hoechst und weiteren Chemie-Firmen, Zyklon B. Wir dokumentieren eine Pressemitteilung des „Projekt gegenPart“ aus Dessau.

07. November 2005

Informations- und Mahnpunkt Zyklon B in Dessau geschändet

Tat offensichtlich rechtsextremistisch und neonazistisch motiviert

bisher unbekannte Täter besprühen Mahnmal mit schwarzer Farbe
Polizei ermittelt nach Strafanzeige

In den gestrigen Abendstunden haben bislang unbekannte Täter den Informations- und Mahnpunkt Zyklon B auf der Dessauer Brauereibrücke (Askanische Str.) geschändet. Das Mahnmal, das am 27. Januar diesen Jahres eröffnet wurde, informiert über die Zyklon B Produktion in Dessau. Mit dem Giftgas ermordeten die Nationalsozialisten in den deutschen Vernichtungslagern Millionen Menschen.

Mindestens 5 der stilisierten Dosen des Info- und Mahnpunktes, auf denen Textinformationen eingraviert sind, wurden mit schwarzer Farbe besprüht. Darüber hinaus beschmierten die Täter die Mehrzahl der Reflektoren am Brückengelände, die ebenfalls zum Mahnmal gehören. Auf dem Gehweg am Mahnmal war zudem in einem 15-20 m langen Schriftzug die Parole: „60 Jahre danach immer noch schuldig?? Nein!!!“, zu lesen.

Insbesondere dieser die NS-Verbrechen verleugnende Spruch, deutet auf eine rechtsextremistische und neonazistische Motivation der Tat hin. Auch die zeitliche Nähe zum Datum des 09. November und der Umstand, dass in Dessau gerade die „Aktionswochen gegen Antisemitismus“ veranstaltet werden, lässt eine solche Interpretation zu.

Die Forschungsgruppe Zyklon B Dessau, auf deren Initiative das Mahnmal errichtet wurde, verurteilt die Tat auf das Schärfste, fordert eine schnelle Aufklärung und eine öffentliche Ächtung der Schändung.

Der Projektkoordinator der Dessauer Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus (Projekt gegenPart) stellte am gestrigen Abend Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Polizei sperrte darauf hin den Tatort ab und sicherte Spuren. Die weiteren Ermittlungen laufen.

Projekt >gegenPart<
Netzwerkstelle gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit u. Antisemitismus
für Dessau und Umgebung
c/o Alternatives Jugendzentrum e. V.
Schlachthofstr. 25
06844 Dessau

Phone/Fax: 0340/ 26 60 213
e-mail: projektgegenpart@gmx.net
url: www.projektgegenpart.org

Lobbying

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 26. Oktober 2005

Offener Brief an UN-Umweltbehörde UNEP:

„Kooperation mit BAYER beenden“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert von der UN-Umweltbehörde UNEP ein Ende der Kooperation mit dem Chemie- und Pharmakonzern BAYER. Das Unternehmen fördert das Jugendumwelt-Programm der UNEP mit Sachleistungen und Spenden in Höhe von einer Million Euro jährlich. Die CBG weist darauf hin, dass BAYER Dutzende solcher Kooperationen eingegangen ist – besonders in solchen Bereichen, in denen die Firma in der Kritik steht – ohne dass sich die rücksichtslose Unternehmenspolitik dadurch geändert hätte.

BAYER bekämpft über seine Lobbyisten Fortschritte in der Umweltgesetzgebung und stellt eine große Menge hochgefährlicher Produkte her. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren befürchtet, „dass die UNEP und die UN Umweltbotschafter weniger offen sein werden, die Rolle großer Konzerne zu diskutieren, wenn sie Spenden von BAYER erhalten.“ Wörtlich heißt es in dem Brief:

Anlass für unser Schreiben ist das Treffen von „Umweltbotschaftern“ aus aller Welt im indischen Bangalore, das von der UNEP organisiert und vom Unternehmen Bayer gesponsort wird. Ziel des Treffens sind Diskussionen über die Umwelt sowie über die Umsetzung der „UN Millenium Development Goals“.

Unserer Meinung nach werden diese Ziele durch die Zusammenarbeit mit BAYER torpediert. Das Unternehmen bekämpfte über seine Lobbyisten jegliche Art von Umweltgesetzgebung – sei es das Kyoto-Protokoll zum Klimaschutz, die neuen EU-Gesetze zur Chemikaliensicherheit, das Verbot von FCKW oder geplante Verbote von Pestiziden. Zudem produziert BAYER eine große Zahl hochgefährlicher Produkte wie Insektizide, Weichmacher, Bisphenol A oder Phosgen. In der Vergangenheit war BAYER sogar an der Produktion von PCB, Holzschutzgiften, chemischen Waffen und HIV-kontaminierten Blutprodukten beteiligt.

BAYER ist wie jedes multinationalen Unternehmen vornehmlich an Gewinnen interessiert. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende Manfred Schneider drückte es so aus: „Wir sind auf Profit aus. Das ist unser Job“. BAYER hat eine lange Tradition, sein Image mit vorgeblichem Umweltengagement reinzuwaschen. Daher startete der Konzern Kooperationen mit Dutzenden von Umweltgruppen, medizinischen Fachgesellschaften, Selbsthilfegruppen, Umwelt-Magazinen, etc. Hierbei sucht das Unternehmen gezielt Projekte in solchen Bereichen, in denen es in der Kritik steht. Hierdurch soll der Kritik von Umweltgruppen und Medien die Spitze genommen werden. Zudem will BAYER von dem guten Image seiner Partner profitieren.

Für die Umweltbewegung ist es ein Rückschlag, wenn die Vereinten Nationen oder das UN-Umweltprogramm UNEP mit BAYER zusammen arbeiten. Die Firma nutzt diese Kooperationen in ihrer Außendarstellung weidlich - z.B. auf ihrer homepage, dem Geschäftsbericht und zahllosen Werbebroschüren. Für BAYER ist dies eine preiswerte Image-Kampagne, aus der keine realen Veränderungen resultieren.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren dokumentiert seit 25 Jahren Problemfälle, für die der BAYER-Konzern verantwortlich ist. Wir haben hunderte von Fälle gesammelt, in denen die Geschäftspolitik des Unternehmens Menschen oder die Umwelt geschädigt haben. Seit Jahrzehnten machen wir die Erfahrung, dass BAYER die Produktion risikoreicher Produkte nur auf hohen öffentlichen Druck hin einstellt (weitere Informationen finden sich auf unserer homepage, u.a. eine Analyse der Kooperation von BAYER und den Vereinten Nationen).

Großkonzerne sind verantwortlich für eine große Zahl sozialer und ökologischer Probleme. Unternehmen reduzieren ihre Kosten zu Lasten der Allgemeinheit. Die Industrie drängt auf freiwillige Verhaltenskodizes, um einklagbare ökologische Standards zu verhindern. Daher sind wir der Überzeugung, dass man eine kritische Distanz zu multinationalen Konzernen wahren muss, wenn man ökologische oder soziale Ziele verfolgt. Die Annahme von Geld jedoch führt zu Abhängigkeit. Wir befürchten, dass die UNEP und die „UN Umweltbotschafter“ weniger offen sein werden, die Rolle großer Konzerne zu diskutieren wenn sie Spenden von BAYER erhalten. Wir fordern Sie daher auf, diese Kooperation zu beenden.

In Erwartung Ihrer Antwort,

Philipp Mimkes, Hubert Ostendorf, Axel Koehler-Schnura, Jan Pehrke, Uwe Friedrich
Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren

Beirat
Dr. Sigrid Müller, Pharmakologin, Bremen
Dr. Erika Abczynski, Kinderärztin, Dormagen
Eva Bulling-Schröter, MdB, Berlin
Prof. Dr. Jürgen Rochlitz, Chemiker, ehem. MdB, Burgwald
Dr. Janis Schmelzer, Historiker, Berlin
Wolfram Esche, Rechtsanwalt, Köln
Dorothee Sölle,Theologin, Hamburg (gest. 2003)
Prof. Dr. Anton Schneider, Baubiologe, Neubeuern
Prof. Jürgen Junginger, Designer, Krefeld

Preisabsprachen

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 14. Oktober 2005

Medikamenten-Preise für portugiesische Krankenhäuser abgesprochen

Erneut Kartell-Strafe gegen BAYER

Die portugiesische Kartellbehörde verhängt gegen fünf Pharmaunternehmen Strafen von insgesamt 16 Millionen Euro. Unter den Firmen befinden sich die Leverkusener BAYER AG sowie die US-Konzerne ABBOTT und JOHNSON & JOHNSON.

Die Konzerne hatten bei insgesamt 36 Bieter-Verfahren zur Belieferung von 22 Krankenhäusern ihre Preise abgesprochen. Hierdurch sollte der Wettbewerb zwischen den Anbietern „verhindert, beschränkt oder verfälscht“ werden, so die portugiesischen Ermittler. Die Untersuchungen waren aufgenommen worden, nachdem das städtische Krankenhaus von Coimbra, der drittgrößten Stadt Portugals, eine Beschwerde eingereicht hatte: die fünf beteiligten Konzerne hatten in einem Bieter-Verfahren für ein Medikament den selben Preis verlangt.

„Ein Unrechtsbewußtsein ist bei BAYER nicht vorhanden. Der Konzern wird immer wieder bei illegalen Preisabsprachen erwischt – die Rechnung zahlen die Verbraucher und die öffentliche Hand. Es ist zu befürchten, dass die Mehrzahl dieser kriminellen Handlungen unentdeckt bleibt“, so Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG). Die CBG, die den Konzern seit 25 Jahren überwacht, hat eine Vielzahl ähnlicher Betrugsfälle dokumentiert und mehrfach in der BAYER-Hauptversammlung zum Thema gesprochen. Der Verein fordert juristische Konsequenzen für die verantwortlichen Vorstandsmitglieder des Konzerns.

In der Vergangenheit gab es eine große Zahl von Betrugsverfahren gegen BAYER: Im Sommer 2004 zahlte BAYER 66 Millionen Dollar Strafe, nachdem sich die Firma schuldig bekannt hatte, mit Konkurrenten die Preise für Kautschuk-Chemikalien abgesprochen zu haben. Im Herbst des vergangenen Jahres flog ein Kartell für Kunststoff-Vorprodukte auf, die Strafe für BAYER: 33 Mio Dollar. In den 90er Jahren hatte die damalige Tochterfirma Haarmann & Reimer mit fünf Wettbewerbern ein Kartell für Zitronensäure gebildet. Dabei hatten die Firmen Verkaufsquoten ausgehandelt und die Endpreise vorab exakt festgelegt. Gegen Haarmann & Reimer wurden Strafen von 100 Mio Dollar verhängt - die bis dahin zweithöchste Kartellstrafe in der US-Geschichte.

Ebenfalls in den USA hatte BAYER über Jahre hinweg bei Lieferungen an die staatlichen Gesundheitsprogramme „Medicare“ und „Medicaid“ falsche Preise gemeldet. Dem Staat waren jährliche Schäden von rund einer Milliarde Dollar entstanden. Den US-Behörden fielen geheime Firmen-Dokumente zu, in denen die Manipulationen als bewährte „Marketing-Instrumente“ beschrieben wurden. BAYER zahlte schließlich 14 Millionen Dollar Entschädigung.

Tagungsankündigung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 7. Oktober 2005

Jahrestagung „Konzerne und Sozialraub“ am 12. November in Düsseldorf

Kaum waren die Wahlen vorbei, schon wurden bei VW und Daimler neue Massenentlassungen angekündigt. Unverfroren kündigen die Konzerne über die Medien ihre nächsten Wünsche an: Kürzung der Vergütung für Auszubildende, Steuerentlastungen, Aufhebung des Tarifrechts. Immer weitere Teile der Bevölkerung leiden unter dem Sozialraub: Das Gesundheitssystem wird durchlöchert, die Bildung wird abgebaut, das soziale Netz ruiniert.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) ist seit 25 Jahren aktiv im Widerstand gegen einen der einflussreichsten Konzerne der Welt. Sie versteht sich als Teil der internationalen Widerstandsbewegung gegen kapitalistische Globalisierung. Vor dem Hintergrund und mit den Erfahrungen ihrer Arbeit zum BAYER-Konzern stellt sie ihre diesjährige Jahrestagung unter das Thema „Konzerne und Sozialraub - BAYER & Co entfesseln den Kapitalismus“. Das Thema soll nicht nur anschaulich erschlossen werden, die Tagung soll auch Mut machen. Zur Gegenwehr und zum Einsatz für Alternativen. Konkret und faktenreich. Aus der Praxis für die Praxis.

Referenten: Conrad Schuler, Institut für sozialökologische Wirtschaft (ISW), Dr. Ralf Ptak, Wirtschaftswissenschaftler (Uni Köln), Otto Meyer (Pfarrer i.R.), Jan Pehrke (Coordination gegen BAYER-Gefahren)

Anmeldung und weitere Informationen: mailto:info@cbgnetwork.org

Das vollständige Programm und ein Anmeldeformular zum Ausdrucken unter

Australien

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 16. Juli 2005

Australien: Nahrungsmittel mit genverändertem Raps kontaminiert

„Bayer-Konzern muss Haftung übernehmen„

Erstmals ist in Australien die Verunreinigung herkömmlich produzierter Nahrungsmitteln durch genmanipulierte Pflanzen nachgewiesen worden. Australische Behörden fanden in einer für den Export nach Japan vorgesehenen Lieferung die von der Firma Bayer CropScience hergestellte genveränderte Raps-Sorte „Topas 19/2“. Japan besteht auf routinemäßigen Kontrollen, um Gentechnik-Freiheit garantieren zu können.

Bayer hatte vor einigen Jahren im Bundesstaat Victoria Freilandversuche mit herbizidresistentem Raps durchgeführt. Die Herkunft der aktuellen Verunreinigung ist jedoch unbekannt. Australische Landwirte fürchten den Verlust von Absatzmärkten, da in weiten Teilen der Welt nur Gentechnik-freie Nahrungsmittel akzeptiert werden. Australien exportiert jährlich Raps im Wert von 400 Millionen Dollar, landwirtschaftliche Exporte insgesamt liegen bei mehreren Milliarden Dollar.

„Wir wussten, dass dies irgendwann passiert. Jetzt ist die Frage, wer die Haftung für diese grobe Fahrlässigkeit übernimmt. In keinem Fall darf es die mit konventionellem Saatgut arbeitenden Landwirte treffen. Wir brauchen und möchten diese Pflanzen nicht“, fordert Julie Newman von dem Network of Concerned Farmers. „Der Bayer-Konzern muss wissen, dass wir den Verlust von Märkten oder Kosten für zusätzliche Tests nicht hinnehmen werden. Das Unternehmen muss die volle Haftung übernehmen.„ In die selbe Kerbe schlägt die oppositionelle Labour Party Australiens, die weitere Verunreinigungen befürchtet und wirksame Kontrollen fordert.

Australische Umweltverbände bezeichnen die bisherigen staatlichen Kontrollmechanismen als „gescheitert“ und fordern flächendeckende Untersuchungen aller für den Export vorgesehenen Nahrungsmittel. Bob Phelps vom GeneEthics Network: „Niemand weiß, wie weit sich genveränderte Pflanzen in Australien verbreitet haben – sie können überall sein. Nun muss jedes Getreide-Lager und jeder für den Export bestimmte Container untersucht werden. Kontaminierte Proben müssen zerstört werden – nur so können wir langfristig den Status „Gentechnik-frei“ sichern.“

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG), die den Bayer-Konzern seit 25 Jahren überwacht, fordert eine Übernahme der Kosten durch das Unternehmen: „Die modifizierte Raps-Sorte stammt zweifelsfrei aus den Laboren des Bayer-Konzerns. Es ist unerheblich, ob die Kontamination durch Freisetzungsversuche oder durch importiertes Saatgut erfolgt ist – das Unternehmen muss die vollständige Verantwortung für seine Produkte übernehmen.“

Weitere Informationen: http://www.cbgnetwork.de/1100.html
Network of Concerned Farmers (Australien): http://www.non-gm-farmers.com

Gen-Pflanzen auf Schleichwegen

30.7.2005, Greenpeace.de

In Australien sind Bauern, Agrarverbände und Umweltschützer gleichermaßen alarmiert: In einer Lieferung konventionell angebauten Rapses für Japan wurden gentechnische Verunreinigungen gefunden

Bei dem genmanipulierten Raps handelt es sich um die Sorte Topas19/2 von Bayer CropScience. Der Gen-Raps ist in Australien nicht für den Verzehr zugelassen.

Australische Greenpeacer haben spontan auf den Fund reagiert: In weißen Anzügen mit dem Schriftzug Gentechnik-Kontrollteam statteten sie der Konzernzentrale in Melbourne einen Besuch ab. Und wurden für diese friedliche Aktion prompt verhaftet. Bayer CropScience war offenbar besorgter über die Kontaminierung des Unternehmens durch Umweltschützer als über die Kontaminierung australischer Äcker und Exporte mit verbotenem Gen-Raps.

“Freiwillig wird Bayer ganz offensichtlich keine Verantwortung für seinen grenzgängerischen Topas19/2-Raps übernehmen„, schlussfolgerte Jeremy Tager
vom australischen Greenpeace-Büro nach dem Besuch. “Jetzt müssen die Länderregierungen strenge Haftungsgesetze erlassen, um Nahrungskette und Umwelt zu schützen.„ Greenpeace warnt seit Jahren vor der Unkontrollierbarkeit einmal freigesetzter Gen-Pflanzen. Der Vorfall in Australien bestätigt die Befürchtungen. Als Quelle der Verunreinigung mit Topas19/2-Raps werden Bayer-Versuchsfelder im australischen Bundesstaat Victoria oder kontaminiertes Saatgut aus den USA vermutet. Bayer selbst bezeichnete nach Bekanntwerden des Skandals Verunreinigungen als unvermeidlich.

Für die australischen Bauern entsteht daraus ein existenzielles Risiko. Was,
wenn die Reinheit des konventionell oder ökologisch angebauten Rapses auch
bei bester Absicht nicht mehr garantiert werden kann? Australien ist nach
Kanada der größte Rapsproduzent der Welt. Der größte Teil der Ernte wird
exportiert - vor allem nach China, Japan und in die EU. Gen-Pflanzen aber
sind in diesen Ländern - wie auf dem größten Teil des Weltmarkts - nicht
akzeptiert. Und auch in Australien selber stößt der Anbau gentechnisch
veränderter Pflanzen auf Ablehnung.

Wie den australischen könnte es bald auch den deutschen Bauern ergehen. Die
CDU hat für den Fall eines Regierungswechsels bereits eine Wende bei der
grünen Gentechnik angekündigt. Das neue Gentechnikgesetz ist den
Christdemokraten zu restriktiv. Die FDP schlägt in die gleiche Kerbe und
führt Medienberichten zufolge die USA als Beispiel an. Dort habe sich
gezeigt, dass die “Koexistenz von konventionellem Anbau, biologischem Anbau
und Gentechnik möglich ist„.

“Wer das behauptet, blendet alles aus, was nicht ins Bild passt„, konstatiert
Henning Strodthoff, Gentechnikexperte bei Greenpeace. “Untersuchungen gerade
in den USA haben längst gezeigt, dass dem konventionellen und dem Bio-Anbau
durch die Gentechnik massive Gefahren drohen. Offensichtlich geht es CDU und
FDP darum, die öffentliche Meinung zugunsten der Gentechnikkonzerne zu
beeinflussen."

Die US-amerikanische Organic Farming Research Foundation (OFRF) hat 1998 und
Anfang 2002 landesweit Biobauern zu den Gefahren durch Gentechnik befragt.
1998 schätzten die Farmer das Risiko noch eher gering ein. Aber schon nach
dem Erntejahr 2001 ergab sich ein ganz anderes Bild: Ein Drittel der Bauern
schätzte die Gefahr einer Verunreinigung ihrer Produkte durch Gen-Pflanzen
als hoch bis sehr hoch ein. 17 Prozent hatten Tests durchführen lassen. Bei
11 der 17 Prozent wurden Verunreinigungen festgestellt.

Fußball

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 30. Juni 2005

Neue Zahlen zum Fußball-Sponsoring der Bayer AG:

„Sportliche Erfolge sollen Störfälle und giftige Produkte in den Hintergrund drängen“

Der Kölner Express enthüllte Anfang der Woche den Umfang des Sponsorings der Bayer AG zugunsten des Werks-Clubs Bayer 04 Leverkusen. Demnach überwies der Konzern in den vergangenen vier Jahren rund 200 Millionen Euro und gab zudem zinsgünstige Kredite in Höhe von 75 Millionen. Mit einem jährlichen „Imagegeld“ von 25 Mio bleibt Bayer auch künftig größter Einzelsponsor der Bundesliga.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Bayer ist für eine endlose Liste von Skandalen verantwortlich. Im Schwarzbuch Markenfirmen wurde Bayer gar als „übelstes Unternehmen“ bezeichnet. Das umfangreiche Sport-Sponsoring ist ein durchsichtiger Versuch, das durch Störfälle und hochgefährliche Produkte verursachte Negativ-Bild des Konzerns zu verbessern.“ Mimkes kritisiert, dass Bayer den beliebtesten Sport der Welt zu einem bloßen Imagefaktor degradiert.

Bayer 04 Leverkusen ist neben Bayern München der Motor für die voranschreitende Kommerzialisierung des Fußballs. Der Club war der erste, der in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wurde, hierfür mussten 1998 eigens die DFB-Statuten geändert werden. Seitdem kickt die Mannschaft laut Handelsregistereintrag ”zum Zweck des Einsatzes als Werbeträger für die Bayer AG”. Gleichzeitig stellt BAYER immer weniger Geld für den Breitensport bereit. „Wenn sich das Unternehmen für das Gemeinwesen einsetzen wollte, müsste BAYER als erstes angemessene Steuern zahlen" so Philipp Mimkes weiter. Dank bilanztechnischer Tricks hat die Bayer AG in den vergangenen Jahren kaum Steuern abgeführt - trotz gleichzeitiger Milliardengewinne.

Letztlich ist den Verantwortlichen im Konzern der sportliche Aspekt gleichgültig. Selbst die bei den Fans langersehnten Meisterschaft ist zweitrangig - wichtig ist allein das Erreichen der lukrativen Champions League. Die Bundesliga ist schließlich nur eine Komponente im „Marketing-Mix“ des Konzerns, zu dem auch Sponsoring für die Olympischen Spiele sowie die Fußball Weltmeisterschaft gehören.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren tritt für eine konsequente Besteuerung von Konzerngewinnen sowie ein Verbot von Sponsoring ein. Der Verein überwacht den Konzern seit 25 Jahren.

Pestizidtests

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 18. Juni 2005

Bayer, Shell, Cheminova: Pestizidtests an Menschen

Bericht von US-Kongressabgeordneten: „Verletzung ethischer Standards“

Die amerikanischen Abgeordneten Harry Waxman und Barbara Boxer üben scharfe Kritik an der Praxis von Chemieunternehmen, hochgefährliche Pestizide direkt an Menschen zu testen. Die US-Administration hatte im vergangenen Jahr ein Moratorium von Präsident Clinton gekippt und solche Tests bei der Risiko-Bewertung von Agrogiften zugelassen. Die Pestizid-Produzenten erhoffen sich hierdurch eine Lockerung von Grenzwerten in Lebensmitteln und im Wasser.

Waxman und Boxer legten gestern einen Report vor, in dem sie 24 Studien von Pestizid-Herstellern analysieren. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass die Studien ethische Standards systematisch verletzen. Unter anderem wurden unerwünschte Ergebnisse verschwiegen, Probanden mangelhaft auf Risiken hingewiesen und Testpersonen gesundheitlich geschädigt.

Der deutsche BAYER-Konzern, größter Pestizid-Hersteller der Welt, drang jahrelang auf eine Zulassung solcher Menschenversuche und ging juristisch gegen die US-Umweltbehörde vor, die Tests an Menschen als „unnötig und unethisch“ bezeichnet hatte. Drei Studien des Unternehmens werden nun in dem Untersuchungsbericht genannt. In einer Studie schluckten acht Testpersonen über einen Monat das Organophosphat Azinphos-Methyl - die WHO stuft dieses Insektizid als „hoch gefährlich„ ein. Alle Probanden äußerten Gesundheitsbeschwerden, diese wurden in der abschließenden Bewertung jedoch verschwiegen. Die Informationen, die BAYER zuvor zu Verfügung gestellt hatte, gingen in keinster Weise auf drohende Gesundheitsrisiken ein.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Das Vorgehen von BAYER und anderen Pestizidproduzenten ist unmoralisch und scharf zu verurteilen. Die Gesundheit der Probanden wird vorsätzlich aufs Spiel gesetzt. Weitere Testreihen sind zu befürchten – entweder in Ländern der Dritten Welt oder unter Ausnutzung materiell benachteiligter Menschen.“

Erik Olson, Sprecher des amerikanischen NATURAL RESOURCES DEFENCE COUNCIL kritisiert: “Es verwundert nicht, dass bei den Testpersonen keine Spätfolgen entdeckt wurden - schließlich gab es keinerlei Langzeituntersuchungen, die solche Schäden hätten feststellen können.“

Bruce Turnbull aus Edinburgh/Schottland war Teilnehmer einer weiteren Versuchsreihe mit Azinphos-Methyl. Er dachte, er würde an einem Pharmatest teilnehmen: „Die Krankenschwestern sprachen immer von einem Medikament. Vor dem Test erhielt ich zwar Informationsmaterial, aber die Fachausdrücke darin habe ich nicht verstanden.“ Turnbull eine von 50 Testpersonen gewesen, die für einen Lohn von rund 1000 Euro eine Pille mit Azinphos-Methyl schluckten und daraufhin sieben Tage lang beobachtet wurden. „Wer vor Ablauf der Woche nach Hause ging, musste eine Strafe zahlen. Danach habe ich nie wieder von dem Forschungsinstitut gehört, weitere ärztliche Untersuchungen wurden nicht angestellt.“ Auch der Auftraggeber der Testreihe wurde den Probanden nicht mitgeteilt. Erst drei Jahre später wurde Turnbull von Journalisten auf die Hintergründe der Versuche hingewiesen.

Nach dem „Nürnberger Kodex“ von 1947 sind Tests an Menschen nur legitim, wenn „Ergebnisse für das Wohl der Gesellschaft“ zu erwarten sind – wozu die Lockerung von Grenzwerten kaum zählt. Die Testpersonen müssen Ziele und Risiken erfahren und verstehen. Die „Helsinki Deklaration" der World Medical Association fordert zudem, dass solche Tests der Bevölkerungsgruppe, aus der die Teilnehmer stammen, zugute kommen müssen.

weitere Informationen: Artikel aus Spiegel Online, Übersichtsartikel aus den USA

Der vollständige Report: www.democrats.reform.house.gov/Documents/20050616110407-47162.pdf

[HV Lanxess] Lanxess

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 16. Juni 2005

Hauptversammlung der Lanxess AG: Entlastung verweigert

„Ausgliederung geht zu Lasten von Belegschaft und Umwelt“

Anlässlich der heutigen Hauptversammlung der Lanxess AG in Düsseldorf monieren Kritiker den Sparkurs des neuen Unternehmens. Dieser gehe zu Lasten von Belegschaft und Sicherheit. Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Chemie-Produktion bei BAYER war keinesfalls defizitär - sie genügte nur nicht den Profitzielen der Kapitaleigner. Die Zeche für die Ausgliederung zahlt nun die Belegschaft“. Lanxess kündigte Anfang Juni an, knapp 1000 Arbeitsplätze zu vernichten und die Gehälter zu kürzen. Das Lanxess-Werk in Dormagen soll größtenteils geschlossen, der Bereich Kunstfasern zudem verkauft werden. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert, Vorstand und Aufsichtsrat wegen der unsozialen Geschäftspolitik nicht zu entlasten.

Auch die Sicherheitslage in den teilweise hochgefährlichen Werken hat sich durch die Ausgliederung nicht erhöht - im Gegenteil. Im spanischen Murcia brannte ein Werk fast vollständig ab, die Produktion ruht seitdem. Im Leverkusener Werk gab es im Januar einen Großbrand. Unter besonderer Kritik steht auch die Lanxess-Fabrik im südafrikanischen Durban, in deren Nähe hochgefährliches Chrom im Grundwasser gefunden wurde - Lanxess musste für die Sanierung eine Rückstellung von 40 Millionen Euro bilden. Die CBG fordert, die zurückgestellten Gelder für eine gründliche Dekontamination des Geländes und eine Entschädigung aller Vergiftungsopfer zu verwenden.

Proteste gibt es zudem gegen die hohe Zahl von Störfällen im Lanxess-Werk Addyston/USA. Dort war mehrfach das krebserregende Acrylnitril ausgetreten. Ruth Breech von Ohio Citizen Action, einem Umweltverband mit 100.000 Mitgliedern: „Das Werk befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von einem Kindergarten und einer Grundschule. Allein im letzten halben Jahr gab es 16 Unfälle, neun Mal traten giftige Chemikalien aus.“ Ohio Citizen Action fordert anlässlich der Lanxess-Hauptversammlung eine Entlassung der Werksleitung von Addyston und ein sofortiges Ende der Vergiftung der Nachbarschaft des Werks.

Philipp Mimkes von der CBG ergänzt: „Die Vernachlässigung von Gesundheit und Umwelt zugunsten von Konzernprofiten hat bei BAYER und Lanxess System. Durch die angekündigten weiteren Sparmaßnahmen wird die Sicherheitslage in den Lanxess-Werken noch prekärer. Die Produktion gefährlicher Stoffe wie Acrylnitril oder Phosgen hat nichts in der Nähe von Wohngebieten zu suchen“.

Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 29. April 2005

Proteste auf der heutigen BAYER-Hauptversammlung in Köln

„Vorstand muss Entlastung verweigert werden“

Kritiker des BAYER-Konzerns attackieren auf der heutigen Hauptversammlung in Köln die Geschäftspolitik des Unternehmens. Im Mittelpunkt der Proteste stehen die Arbeitsplatzvernichtung bei BAYER, umweltschädliche Chemikalien, illegale Kartellbildung sowie Kinderarbeit bei Zulieferern des Unternehmens.

Daniela Rosche vom europäischen Netzwerk Women in Europe for a Common Future bemängelt den anhaltenden Widerstand der deutschen Industrie gegen eine verbesserte EU-Chemikaliengesetzgebung (REACH): „Ist ihnen die Gesundheit ihrer Familie, ihrer Arbeitnehmer und der nachkommenden Generationen wirklich egal? Warum sonst setzen sie sich in Brüssel für Veränderungen am REACH-Vorschlag ein, die ihnen und uns allen nur Nachteile bringen, da sie keinerlei Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten werden?“, so Rosche an die Adresse des BAYER-Vorstands.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert den anhaltenden Abbau von Arbeitsplätzen bei gleichzeitiger Erhöhung der Vorstandsbezüge: „Die vier Vorstandsmitglieder strichen im vergangenen Geschäftsjahr gut zwei Millionen Euro mehr ein als 2003, allein BAYER-Boss Werner Wenning genehmigte sich eine Lohnerhöhung von 48 Prozent. Gleichzeitig vernichtete der Konzern an den deutschen Standorten 2.400 Arbeitsplätze. Dieses Jahr fallen weitere 750 Stellen weg.“

In seinen Gegenanträgen weist der Verein auch darauf hin, dass sich BAYER seit Jahren an illegalen Kartellen beteiligt. „Allein im vergangenen Jahr wurde BAYER vier Mal bei Preisabsprachen erwischt, die Strafzahlungen liegen bei über 100 Millionen Dollar. Seit Jahren ändert sich nichts an dieser Praxis, Kontrollmechanismen oder auch nur ein Unrechtsbewußtsein scheinen im BAYER-Vorstand nicht zu existieren“, so Pehrke weiter.

Ein weiterer Kritikpunkt in der Versammlung: Mehr als 1.500 Kinder arbeiteten im abgelaufenen Geschäftsjahr für indische Zulieferer des BAYER-Tochterunternehmens ProAgro. Auf öffentlichen Druck hin räumte das Unternehmen die Mißstände ein und legte in dieser Woche einen Aktionsplan vor. „Wir freuen uns gemeinsam mit unseren indischen Partnern, dass BAYER jetzt mit neuen Plänen auf die Proteste reagiert“ sagt Udo Schlüter, Geschäftsführer des Eine Welt Netz NRW: „Es kommt zukünftig darauf an, dass BAYER seine Versprechen ernsthaft umsetzt und dass die Ursachen für Kinderarbeit beseitigt werden.“

An den Protesten beteiligen sich auch Imker, da das BAYER-Pestizid Imidacloprid für das großflächige Bienensterben in Europa mitverantwortlich ist. Die Kritiker fordern wegen der Fülle von Problemen, die durch die Geschäftspolitik von BAYER verursacht werden, die Nicht-Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat (siehe den Gegenantrag im vollen Wortlaut).

Dhünnaue

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 15. April 2005

„Kein Feigenblatt auf der Dhünnaue“

Proteste zur morgigen Eröffnung der Landesgartenschau in Leverkusen

Anlässlich der morgigen Eröffnung der Landesgartenschau in Leverkusen üben Umweltorganisationen scharfe Kritik an dem „Feigenblatt auf der Dhünnaue“. Unter dem Gelände der LaGa liegen mehrere hunderttausend Tonnen Giftmüll aus dem BAYER-Werk Leverkusen, darunter hochgefährliche Schwermetalle und Chlorverbindungen. Mehrere Gruppen werden morgen am „Eingang Mitte“ der Landesgartenschau protestieren. Ab 14 Uhr spielen Jugendliche mit der BUNDjugend NRW Straßentheater und greifen in einem selbst erarbeiteten Stück die Problematik der Giftmülldeponie auf.

Uwe Friedrich von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Mit Hilfe der Landesgartenschau soll vergessen gemacht werden, dass der BAYER-Konzern über Jahrzehnte hinweg die Gefahren der Dhünnaue - der größten bewohnten Giftmülldeponie Europas - verharmlost hat. Die Deponie vergiftete das Grundwasser und schädigte die Gesundheit zahlreicher Anwohner. Nur teilweise abgesichert soll nun im wahrsten Sinne des Wortes Gras über den Skandal wachsen.“

Dirk Jansen, Geschäftsleiter des Bund für Umwelt und Naturschutz NRW, ergänzt: „Ich halte es für bedenklich, dass eine Altlast von BAYER zur Kaschierung des Skandals in ein Vorzeigeprojekt veredelt wird - und das auch noch mit öffentlichen Geldern.“

Von einer nachhaltigen Sicherung der Deponie kann nicht gesprochen werden: Das verseuchte Erdreich wurde weder abgetragen noch vollständig umschlossen. Teile des Geländes wurden nur mit einer oberflächlichen Abdeckung versehen. Nach unten ist die Müllkippe weiterhin offen, daher müssen stündlich 750 Kubikmeter verseuchtes Wasser abgepumpt und gereinigt werden. „Bei Hochwasser können noch immer Gifte ausgespült werden und in den Rhein gelangen“, so Uwe Friedrich weiter.

Auf der Dhünnaue wurden in den 50er Jahren 300 Wohneinheiten, eine Schule, ein Altersheim und ein Kindergarten errichtet. Medizinische Gutachten zeigten bei hunderten von Anwohnern Veränderungen des Blutbilds. In der Hauptschule Adolfsstraße, die am Rand des Geländes lag, traten laut SPIEGEL 15 Krebserkrankungen und fünf Todesfälle auf - viel mehr, als statistisch zu erwarten wäre (s. Artikel unten). Die Gesamtzahl der Opfer ist jedoch unbekannt. Weder BAYER noch die Stadt Leverkusen erfassten die Erkrankungen im Umfeld der Deponie systematisch.

In einem Gutachten hatte das „Landesamt für Abfall und Wasser“ schon 1987 festgestellt: „Die untersuchten Boden-Eluate zeigen eine mehr oder weniger hohe, teilweise extreme Belastung des Bodens mit Schadstoffen. Die Schadstoffe sind bereits so weit in den Untergrund eingedrungen, dass auch das Grundwasser davon betroffen ist. Dieser Umstand ist äußerst bedenklich, vor allem im Hinblick auf eine mögliche Gefahr für das Trinkwasser (...) Eine Kontamination z. B. spielender Kinder oder weidendem Vieh ist nicht auszuschließen“.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert eine vollständige Sicherung des Geländes auf Kosten des BAYER-Konzerns sowie einen Gedenkstein für die Opfer der Dhünnaue auf dem Gelände der Landesgartenschau. Uwe Friedrich von der CBG: „Der Premium Sponsor BAYER darf die Geschichte der Dhünnaue nicht umschreiben. Die Landesgartenschau hat nur dann eine Berechtigung, wenn sie die Gefährdung von Umwelt und Bevölkerung durch die Chemie-Industrie umfassend thematisiert.“

„DER SPIEGEL“ 13/1992, S. 80 bis 85

Bitterfeld am Rhein

Leverkusen erlebt einen beispiellosen Chemieskandal. Bei Menschen, die auf einer Giftmüllkippe leben, häufen sich Krebserkrankungen.

Von 1968 bis 1987 hatte Bernward Prinz an der Gemeinschaftshauptschule im Leverkusener Stadtteil Wiesdorf unterrichtet. Als Werkkunstlehrer musste Prinz häufig in die Abstellräume im Keller, und da, erinnert sich der Pädagoge, „stank es schon mal“. Vor zwei Jahren, Prinz war als Konrektor an eine Kölner Schule gewechselt, spürte der 49jährige Schluckbeschwerden. Der sechste Arzt, den Prinz aufsuchte, stellte eine deprimierende Diagnose: „Tonsillen-Karzinom“, ein Krebs der Mandeln. Fünf schwere Operationen hat der Pädagoge seither durchlitten, nun erwartet er seine Zwangspensionierung.

Edwald Möller war Hausmeister an der Wiesdorfer Schule. Im Keller des Gebäudes trocknete er in seinen 20 Dienstjahren nach Rhein-Hochwassern „Pfützen mit Farben, so schillernd wie ein Regenbogen“. Hin und wieder fand der Pedell „bunte Ausblühungen hinter abbröckelndem Putz“. Im Jahr 1989, lange nach seiner Pensionierung, klagte der damals 70jährige über Schlaflosigkeit und Schweißausbrüche. Ärzte teilten dem Kranken mit, er leide an „chronisch-lymphatischer Leukämie“, einem Blutkrebs.

Der Ort, an dem Möller und Prinz jeweils 20 Jahre lang wirkten, lässt sich unwirtlicher kaum denken: Eine Aschenbahnlänge trennt die 1960 errichtete Schule an der Wiesdorfer Adolfsstraße vom dröhnenden Lärm der Autobahn Al im Norden. Im Westen schmiegen sich die Schulgebäude und ein benachbarter Kindergarten eng an den Autobahnzubringer Westring. Von Süden her grüßen die qualmenden Schlote des Chemieweltkonzerns Bayer (165000 Beschäftigte, über 40 Milliarden Mark Jahressumsatz).

An Abgase und Autolärm hatten sich die Anrainer der sogenannten Dhünnaue in Leverkusen wohl oder übel gewöhnen müssen. Einen Schock aber löste bei vielen die Mitteilung aus, dass sie gleichsam auf einer gigantischen Müllkippe hocken: einer Deponie von 68 Hektar, auf der die Bayer AG zwischen den zwanziger Jahren und 1963 Schutt, Produktionsrückstände und andere giftigen Chemiemüll abgeladen hatte.

Wie in einem „Fortsetzungsdrama ohne Ende“, sagt Marianne Hurten, Grünen-Abgeordnete im Düsseldorfer Landtag, komme nun, nach und nach, die Wahrheit ans Licht.

Die Grünen-Politikerin, zugleich Betriebsrätin der Bayer-Werke, vergleicht die Dhünnaue mit der meistverseuchten Chemieregion im deutschen Osten: „Die Bitterfelder haben ihren Silbersee“, sagt sie, „in der Farbenstadt Leverkusen war alles etwas bunter - eben eine Farbkloake“.

Bereits im Mai 1989 hatte die „Beratende Ingenieursgesellschaft Dr.-Ing. Björnsen“ in einem Gutachten für die Stadt Leverkusen gefordert, die Dhünnaue südlich der Al „unverzüglich“ zu sichern und zu versiegeln: „Geeignete Maßnahmen“ seien von Nöten, um „die Kontaktmöglichkeit Mensch-Boden zu unterbinden“.

Auf dem bislang untersuchten Areal dürfe „keine landwirtschaftliche und gärtnerische Nutzung des Bodens“ mehr erfolgen. Die Altlast solle „nicht mehr als Lebensraum für Pflanzen und Tiere genutzt werden“.

Was die Bayer AG einst - im Einvernehmen mit der von ihr finanziell weitgehend abhängigen Stadt Leverkusen - alles in die Dhünnaue gekippt hat, ist heute nur noch zu erahnen. Bislang wurden lediglich Proben aus dem 25 Hektar umfassenden Gebiet südlich der Al und westlich der Schule Adolfsstraße entnommen. Allein hier hat der Chemiekonzern rund drei Millionen Tonnen Müll abgeladen.
Womöglich, warnte bereits der Düsseldorfer FDP-Landtagsabgeordnete Hans-Joachim Kühl nach Gesprächen mit Bayer-Beschäftigten, sei das „Gefährdungspotential“ der Dhünnaue-Deponie größer als die Bedrohung durch die Gifte „in der Erde von Bitterfeld“. Diese Befürchtung hätten ihm Mitarbeiter der Umweltschutzabteilung von Bayer anvertraut.

Die vom Ingenieurbüro Björnsen ausgewerteten Boden- und Wasserproben stützen das Szenario von einem Bitterfeld am Rhein: „Im Oberboden“ der Deponie fanden sich „auffällig hohe Konzentrationen“ von Schwermetallen und giftigen organischen Verbindungen wie Chlorbenzole, Chlortoluole und polychlorierte Biphenyle.
Der „eigentliche Deponiekörper“ ist sogar „mit einem erweiterten Spektrum an Schadstoffen und in deutlich höheren Konzentrationen belastet“; die giftigen Schwermetalle Chrom und Blei finden sich in schier unglaublichen Konzentrationen (22 beziehungsweise 34 Gramm je Kilogramm - g/kg), für Chlorbenzole wurden Werte bis zu 45 g/kg gemessen.

Das Grundwasser ist im gesamten Untersuchungsbereich durch deponiebürtige Stoffe deutlich belastet; „Kratzproben von Kellerfußböden in den Häusern der Siedlung Rheinallee belegen, dass die Deponie ihr Gift gleichsam ausschwitzt - nachgewiesen wurden Blei (21 g/kg), Chrom (20 g/ kg) und eine ganze Palette giftiger organischer Verbindungen.

Die Luft nahe dem Boden “außerhalb bebauter Flächen„ weist “relative Konzentrationen„ von Schadstoffen wie Benzol auf; im Laub von Pflanzen wurden “erhöhte Gehalte„ an Schwermetallen wie Blei, Chrom, Arsen und Cadmium entdeckt. “Mehr als 20„ der 57 in den Proben nachgewiesenen “Stoffe bzw. Stoffgruppen„ gelten als “kanzerogenverdächtig„ oder sind sogar “nachgewiesenermaßen krebserregend„.

Vollends zum Skandal wird der Fall Dhünnaue durch den Umstand, dass, allen Warnungen zum Trotz, noch immer 106 Familien auf der Giftmüllkippe zwischen Rhein und Al leben - in Häusern, die zwischen 1952 und 1953 errichtet wurden.
Und: Nach wie vor unterrichten Lehrer ihre Schüler an der Gemeinschaftshauptschule Adolfsstraße, tummeln sich Pennäler auf dem Schulhof, bringen Eltern ihre Kinder in den benachbarten Kindergarten. Den Betroffenen, so beschwichtigte noch vor vier Wochen der SPD-Landtagsabgeordnete Ludgerus Hovest, sei durch das “Verbreiten von Horrorgemälden„ nicht geholfen.

Nötig, so der SPD-Politiker, sei vielmehr die “Analyse des Problems, das Aufzeigen von Lösungen und deren Umsetzung„. Die “Altlast Dhünnaue„, bestätigte SPD-Umweltminister Klaus Matthiesen die Sicht des Genossen Hovest, sei “ein hochkomplexer und schwieriger Fall, zu dem es bundesweit bisher kaum eine Parallele gibt„.

Ruchbar wurde der Umweltskandal 1987, als für einen Teil der Dhünnaue zu Planungszwecken eine Umweltverträglichkeitsprüfung vorgenommen wurde. Damals waren, unter anderem in Kellerräumen der Schule, alarmierende Konzentrationen von Giften wie Xylol entdeckt worden.

Was seither geschah, liest sich wie eine Chronik des Versagens: Die Stadt reagierte auf die Xylol-Funde von 1987 lediglich mit ein paar Empfehlungen -die Gartennutzung müsse eingeschränkt werden, Kinder dürften nicht mehr auf den Wiesen der Dhünnaue spielen, unbefestigte Wege und Freiflächen wurden mit einem “Begehungsverbot„ (Ordnungsstrafe: 200 Mark) belegt.

Im Februar 1988 bekannte sich Bayer zu seinen Altlasten und gelobte, sich an der Sanierung der Deponie zu beteiligen. Einen Monat später verlangten Leverkusener Ärzte, die Bewohner der Deponie aus medizinischen Gründen umgehend umzusiedeln. Juni desselben Jahres begann der medizinische Gutachter Hans Joachim Einbrodt mit der Untersuchung von 828 Betroffenen. Im Februar 1989 wurden Kinder aus der Adolfsstraße erneut überprüft.

Ergebnis: 25 Prozent der Probanden von 1988 wiesen “auffällige Befunde„ des Blutbildes auf. Bei 16 Prozent der untersuchten Schüler fanden sich Veränderungen am Blutbild. Eine “akute„ Gefährdung der Betroffenen vermochte der Gutachter zwar nicht zu erkennen, er riet gleichwohl dazu, die Schule zu schließen. Denn über eine mögliche “chronische Gefährdung der Probanden„, so Einbrodt, könne er keine Aussagen machen.

Im Februar 1990 mahnte schließlich auch das Gesundheitsamt die Politiker, “die Einrichtung Schule und Kindergarten aus Vorsorgegründen„ zu verlegen - doch wieder geschah nichts.

Den meisten Lehrern und Schülern der Adolfsstraße dämmerte erst später, in welchem Maße ihre Gesundheit womöglich durch die Giftmülldeponie bedroht wird. Letztes Jahr, so erinnert sich Barbara Ulbricht, Lehrerin der Schule Adolfsstraße, sei ein kranker Kollege von der Schulaufsicht angerufen worden: Er möge sich doch, wurde dem Pädagogen mitgeteilt, “mal vom Amtsarzt untersuchen lassen„.

Im Dezember letzten Jahres schließlich erfuhren die Lehrkräfte, dass es an ihrer Schule in den letzten 15 Jahren insgesamt 15 Krebserkrankungen gegeben habe, darunter fünf mit tödlichem Ausgang - weit mehr, als statistisch zu erwarten gewesen wäre. Und jetzt erst, so bestätigte die Staatsanwaltschaft Köln, wird “in Sachen Schule Adolfsstraße„ wegen des Verdachts der Gesundheits- und Körperverletzung ermittelt.

“Patentrezepte„, beschwichtigt nun die Stadt Leverkusen die verbitterten Bewohner und Anrainer der Giftdeponie am Rhein, habe es “für die Dhünnaue leider nicht gegeben„. Immerhin, lobten die Kommunalverwalter ihr eigenes Engagement, seien von den 259 Familien der Siedlung Rheinallee “heute 156 versorgt„ mit neuem Wohnraum; Ende dieses Monats “sollen es 189 sein„. Bis zum Oktober, verspricht die Stadt, werde “das Kapitel „neue Wohnungen“ abgeschlossen„ sein.
Ein anderes Kapitel des Skandals ist noch nicht einmal angegangen worden: Zwei Tage vor Weihnachten 1989 hatte die Firma Bayer, festtäglich gestimmt, versprochen, das Gelände mit ihrer Müll-Altlast mittels einer Spundwand abzusichern - geschätzte Kosten: 150 Millionen Mark.

Doch bis zum heutigen Tag ist nicht eine einzige Stahlplanke von der versprochenen Spundwand eingerammt worden. Dabei warnen Experten, dass Deponiegifte schon bei mittlerem Rheinwasserstand mit dem Grundwasser ins Landesinnere geschwemmt und bei ablaufendem Rheinwasser in den Strom gesogen werden.

Insgesamt zehn Verträge sind bislang zwischen der Bayer AG und der Stadt Leverkusen abgeschlossen worden. Dieser von der Stadt so genannte “partnerschaftliche„ Weg wurde eingeschlagen, weil es, wie Minister Matthiesen erläutert, “wegen der Unklarheit der Rechtslage nicht erfolgversprechend erschien„, gegen den Konzern mit “Ordnungsverfügungen vorzugehen„.
Zu den Betroffenen, die unter dem Hickhack leiden, zählen auch die Bewohner eines Altenheimes am Rande der Deponie. “Über den Fortbestand des Altenwohnheims„, so die Stadt, werde “in nächster Zeit in Abstimmung zwischen allen Beteiligten" eine Entscheidung gefällt.

Vor den Alten sind die Haustiere evakuiert worden: Der Verein für Deutsche Schäferhunde e.V., der das Gebiet der Deponie lange Zeit als Klub- und Übungsgelände nutzte, hat das giftbelastete Areal bereits verlassen.

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USA

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 6. April 2005

größte Hersteller: Bayer, Dow, GE Plastics

USA: Verbot von Bisphenol A in Babyflaschen gefordert

Die kalifornische Abgeordnete Wilma Chan fordert in einem Gesetzesentwurf ein Verbot der Chemikalie Bisphenol A in allen Produkten, mit denen Kleinkinder in Kontakt kommen. Chan ist Vorsitzende des Gesundheits-Ausschuss des kalifornischen Parlaments, vor zwei Jahren setzte sie bereits ein Verbot giftiger Flammschutzmittel durch.

“Die meisten Eltern wären sicherlich schockiert, wenn sie erführen, dass Plastik-Babyflaschen die Gesundheit ihrer Kinder schädigen können. Wenn man sich die wissenschaftlichen Untersuchungen ansieht, gibt es keinen Zweifel, dass diese Chemikalien in Babyprodukten verboten werden müssen“, so Wilma Chan.

Bisphenol A (BPA) wird bei der Herstellung von Plastikflaschen, der Innenbeschichtung von Konservendosen, in Lebensmittel-Verpackungen und in Zahnfüllungen eingesetzt. Die hormonellen Risiken der Chemikalie sind seit Jahrzehnten bekannt. Säuglinge, deren Hormonsystem noch nicht ausgereift ist, sind besonders gefährdet - Unfruchtbarkeit, Fehlbildungen und verfrühte sexuelle Reife können die Folge einer Exposition sein. Neue Studien zeigen, dass schon die Aufnahme geringster Dosen BPA die Entwicklung des Gehirns behindert. Untersuchungen ergaben zudem, dass BPA aus Babyflaschen, besonders nach längerem Gebrauch, in die Nahrung austritt.

Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der Deutschen Störfallkommission und Beirat der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V.: „Bisphenol A und andere hormonaktive Substanzen haben in Produkten des täglichen Bedarfs absolut nichts verloren.“ Philipp Mimkes vom Vorstand des Vereins ergänzt: „Seit Jahrzehnten ist die hormonelle Wirkung von Bisphenol A bekannt – trotzdem verharmlost der größte deutsche Hersteller, der Leverkusener Bayer-Konzern, beharrlich die Risiken und verhindert durch politische Einflussnahme ein Verbot risikoreicher Anwendungen. Wir fordern ein sofortiges Verbot in allen Produkten, die mit Nahrungsmitteln in Kontakt kommen“. Auch das Umweltbundesamt möchte die Verwendung von Bisphenol A einschränken - kann sich jedoch nicht gegen die Wirtschaftslobby durchsetzen. In Japan hingegen wurde die Verwendung von Bisphenol A in Babyflaschen vom Gesundheitsministerium stark reglementiert.

In den USA werden jährlich über eine Million Tonnen BPA produziert, in Europa rund 700.000 to. Die größten Produzenten sind Bayer, Dow Chemicals und GE Plastics. Bayer produziert die Chemikalie in Baytown/USA, Uerdingen und Antwerpen. In den vergangenen Jahren hat Bayer neue BPA-Fabriken in Thailand und China eröffnet.

Lesen Sie zu dem geplanten Verbot in Kalifornien einen aktuellen Artikel des San Francisco Chronicle: http://sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2005/03/31/BAGIOC13FM1.DTL

Lanxess

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 23. Februar 2005

Lanxess-Werk in Addyston/USA: Anwohner protestieren gegen Störfälle und Luftverschmutzung

Amerikanische Umweltverbände protestieren gegen Emissionen des Chemiewerks Addyston im Bundesstaat Ohio. In der Fabrik wurden in den letzten neun Jahren 63 Unfälle mit giftigen Chemikalien gezählt. Auch im „Normalbetrieb“ emittiert das Werk hohe Mengen Schwefeldioxid, Stickoxide, Kohlenmonoxid und Feinstäube - pro Jahr mehr als 700 Tonnen. Die Kunststoff-Fabrik wurde 1996 von der BAYER Corporation übernommen. Nach der Ausgliederung der Chemie-Sparte des Konzerns im vergangenen Herbst gehört es nun zur Lanxess AG.

Die Proteste in Addyston kulminierten, als Lanxess im Dezember einräumen musste, dass bei einer Störung im Oktober eine halbe Tonne Acrylnitril ausgetreten war. Obwohl zur selben Zeit in unmittelbarer Nähe ein Volksfest mit hunderten von Besuchern stattfand, wurde die Öffentlichkeit erst Wochen später informiert. Acrylnitril ist krebserzeugend und kann die Lungen- und Nervenfunktion schädigen. Im Dezember traten bei einem weiteren Störfall erneut 700 Pfund der Chemikalie aus. Eine großräumige Untersuchung der Gesundheit der Bevölkerung fand erneut nicht statt.

Ruth Breech von Ohio Citizen Action, einem Umweltverband mit mehr als 100.000 Mitgliedern: „Das Werk befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von einem Kindergarten und einer Grundschule. Allein im letzten halben Jahr gab es 16 Unfälle, neun Mal traten giftige Chemikalien aus.“ Breech fordert die Firma auf, die Kontamination der Umgebung zu stoppen und die Kommunikation mit der Nachbarschaft zu verbessern. Mitglieder des Verbands sandten rund 11.000 Briefe an das Unternehmen und forderten ein Ende der Verschmutzung von Luft und Wasser. Auch die US-Umweltbehörde EPA nahm eine Untersuchung des Werks vor.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Vernachlässigung von Gesundheit und Umwelt zugunsten von Konzernprofiten hat bei BAYER und LanXess System. Durch die angekündigten Sparmaßnahmen wird die Sicherheitslage in den Lanxess-Werken voraussichtlich noch prekärer. Die Produktion gefährlicher Stoffe wie Acrylnitril oder Phosgen hat nichts in der Nähe von Wohngebieten zu suchen“. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert einen Ausstieg aus der Chlorchemie. Der Verein hat in den vergangenen 25 Jahren eine endlose Liste von Unfällen und Beinahe-Katastrophen bei Bayer dokumentiert.

Ruth Breech, Ohio Citizen Action: rbreech@ohiocitizen.org, www.ohiocitizen.org

Glufosinat

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 12. Januar 2005

Studienergebnisse aus Japan zu Glufosinat:

BAYER-Pestizid gefährdet kindliche Entwicklung

Japanische Wissenschaftler warnen vor Risiken des von der Firma BAYER vertriebenen Pestizids Glufosinat. Dr. Yoichiro Kuroda vom Tokyo Metropolitan Institute for Neuroscience kommt in der Fachzeitschrift Kagaku zu dem Ergebnis, dass Glufosinat die Entwicklung des menschlichen Gehirns beeinträchtigen und Verhaltensstörungen hervorrufen kann.

„Wem die Gesundheit von Kindern am Herzen liegt, der sollte mit diesen Agrochemikalien sehr vorsichtig sein“, warnt Dr. Kuroda. „Das menschliche Gehirn ist während seiner Entwicklung sehr empfindlich. Die Chemische Industrie hat diese Risiken bislang nicht beachtet“. Kuroda leitet die von der japanischen Regierung finanzierte Untersuchung Effects of Endocrine Disrupters on the Developing Brain (Auswirkungen hormoneller Störungen auf die Entwicklung des Gehirns).

Glufosinat wird seit den 80er Jahren im Obst-, Wein-, Getreide- und Gemüsebau eingesetzt und gehört in Europa und den USA zu den meistverwendeten Herbiziden. Der Wirkstoff ist in den BAYER-Produkten Liberty und Basta enthalten, im vergangenen Jahr setzte BAYER hiermit knapp 200 Millionen Euro um. Das Unkrautbekämpfungsmittel wird von BAYER auch in Kombination mit gentechnisch verändertem Saatgut (Raps, Mais, Reis, Zuckerrüben) angeboten.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert den Konzern auf, die toxischen Analysen aller Chemikalien und Pestizide offen zu legen: „Es kann nicht angehen, dass Chemikalien über Jahrzehnte verkauft werden, ohne dass die Öffentlichkeit deren Risiken kennt. Das Beispiel Glufosinat zeigt, dass die Unternehmen notfalls gezwungen werden müssen, alle Substanzen auf Gesundheitsrisiken hin zu untersuchen und die Forschungsergebnisse frei zugänglich zu machen“.

Erst vor wenigen Monaten hatte BAYER eine juristische Schlappe erlitten, als die Firma den Umweltverband Friends of the Earth daran hindern wollte, Studienergebnisse über Risiken von Glufosinat zu veröffentlichen.

Weltweit ist BAYER der zweitgrößte Pestizid-Herstellern. Im Sortiment befinden sich auch extrem gefährliche Wirkstoffe wie Parathion, Monocrotophos, Fenamiphos und Aldicarb.

Abgeordnetenbezüge

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 6. Januar 2005

Offener Brief an den BAYER- Vorstandsvorsitzenden

Seit den 20er Jahren gibt es enge Beziehungen des BAYER- Konzerns zu Politikern und Abgeordneten. So wechselte der Leiter der Steuer- Abteilung des Unternehmens, Heribert Zitzelsberger, als Staatssekretär in das Finanzministerium und war dort maßgeblich für die Unternehmens- Steuerreform verantwortlich. Die BAYER-Justitiarin Cornelia Yzer wurde zunächst Bundestags-Abgeordnete und dann Staatssekretärin im Gesundheitsministerium. Zahlreiche Mitarbeiter des Konzerns wurden Abgeordnete und sogar Minister.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren nahm dies zum Anlass, den folgenden Brief an das Unternehmen zu senden:

Sehr geehrter Herr Wenning,

im Rahmen der Berichterstattung über geschäftliche Beziehungen von Industrie-Unternehmen und Abgeordneten möchten wir Ihnen die folgenden Fragen stellen:

* Welche Bundestags-, Europa- und Landtags-Abgeordnete haben in den letzten zehn Jahren ein Gehalt oder unregelmäßige Zuwendungen vom BAYER-Konzern bezogen? In welcher Höhe und für welche Tätigkeit?
* Welche der gegenwärtigen Bundestags-, Europa- und Landtags-Abgeordneten sind für die Dauer ihres Mandats vom BAYER-Konzern freigestellt worden?
* Welche ihrer Mitarbeiter haben Mandate in kommunalen Parlamenten? Erhalten diese Mitarbeiter einen Zeitausgleich oder eine zusätzliche finanzielle Unterstützung?
* Haben Sie Mitarbeiter für staatliche Einrichtungen (Behörden, Forschungseinrichtungen, Universitäten, etc) abbestellt?

Wir bitten um eine zeitnahe Beantwortung.
Mit freundlichen Grüßen,

Philipp Mimkes
Axel Köhler-Schnura
Coordination gegen BAYER-Gefahren

Südafrika

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 21. Dezember 2004

Durban/Südafrika: hochgiftiges Chrom im Grundwasser

BAYER-Tochter bildet 40 Mio Euro Rückstellung

Die Lanxess AG, in die der BAYER-Konzern kürzlich seine Chemie-Sparte ausgegliedert hat, bildet für die Sanierung eines Werksgeländes in Südafrika eine Rückstellung von 40 Mio Euro. Die Stadtverwaltung von Durban hatte zuvor rund um das Werk Merebank hochgefährliche Chromverbindungen gefunden. Den Anwohnern wurde dringend empfohlen, das Wasser aus angrenzenden Brunnen weder zum Kochen noch zum Trinken zu verwenden. Lokale Umweltgruppen befürchten jedoch, dass es bereits zu Vergiftungsfällen gekommen ist.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Chrom-Fabrik in Durban hat durch die Vielzahl von Vergiftungsfällen traurige Berühmtheit erlangt. Die von Lanxess zurückgestellten Gelder müssen dafür verwandt werden, das Gelände gründlich zu dekontaminieren und alle Vergiftungsopfer angemessen zu entschädigen - gegebenenfalls muss BAYER hierfür weiteres Geld bereitstellen.“

BAYER hatte die Firma Chrome Chemicals 1968 übernommen und dort bis Anfang der Neunziger Jahre hochgiftige Chromverbindungen hergestellt. Wegen mangelhafter Sicherheits-Einrichtungen war es in dem Betrieb zu einer großen Zahl von Vergiftungsfällen gekommen - selbst die Apartheids-Regierung hatte in einem Bericht Sicherheitsmängel und Gesundheitsprobleme der Arbeiter moniert. Ein Drittel der Belegschaft erlitt schwere Gesundheitsschäden, mindestens zehn Arbeiter starben.

Nach Protesten südafrikanischer Gewerkschaften sowie der Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte BAYER 1991 die Produktion eingestellt und einen Großteil der Beschäftigten entlassen. Eine Kompensation der betroffenen Arbeiter sowie der Hinterbliebenen lehnt die Firma bis heute ab. Mitte der Neunziger Jahre wurde in Merebank die Produktion chromhaltiger Ledergerbstoffe aufgenommen.

BAYER gehört zu den weltweit größten Chrom-Produzenten. Die Verarbeitung der hochgefährlichen Verbindungen wurde vor einigen Jahren in Deutschland und Brasilien eingestellt und in Südafrika gebündelt. Im Nordwesten des Landes betreibt BAYER zudem eine eigene Chrom-Mine.

Hauptversammlung

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. November 2004

BAYER-Hauptversammlung in Essen:

Kritiker lehnen Ausgliederung der Chemie-Sparte ab

Kritische Aktionäre wenden sich auf der heutigen Hauptversammlung der BAYER AG in Essen gegen die Abspaltung der Chemie-Sparte des Konzerns. Die Kritiker befürchten, dass bei der neuen Firma Lanxess der Verlust Tausender Arbeitsplätze droht - durch die Übertragung von Milliarden-Schulden auf Lanxess saniere sich BAYER auf Kosten der Belegschaft. Die Aufspaltung bringe zudem keinerlei Vorteile für den Umwelt- und Verbraucherschutz.

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Mit der Ausgründung von Lanxess findet eine gigantische Bereicherung der Altaktionäre von BAYER statt. Sie bekommen auf 10 Aktien je eine neue geschenkt, insgesamt immerhin 73 Millionen Stück. Die Extra-Profite gehen wieder einmal auf Kosten der Belegschaft - alles natürlich korrekt nach dem Buchstaben des Gesetzes, aber skrupellos gegenüber den arbeitenden Menschen.“ Selbst Heiner Geisler, ehemaliger Generalsekretär der CDU stellt in einem aktuellen Beitrag zu Shareholder-Value und kapitalistischer Wirtschaftsorganisation in der „Zeit“ fest, dass offenkundig „die Gier nach Geld die Hirne zerfrisst“.

Lanxess-Vorstandsmitglied Ulrich Koemm urteilte kürzlich, dass „30 Prozent der Geschäfte von Lanxess keine strategisch haltbare Position, keine Top-Position“ haben, und kündigte Schließungen und Verkäufe an. Wegen des hohen Schuldenstands werden die Beschäftigten von Lanxess dauerhaft unter Druck gesetzt, Kosteneinsparungen durch Mehrarbeit und Lohnverzicht hinzunehmen. Auch die Möglichkeit der Belegschaft, auf den Kurs des Unternehmens Einfluss auszuüben, ist langfristig gefährdet: bei Aufsplitterung in immer kleinere Einheiten fällt die tarifliche Mitbestimmung weg.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kritisiert zudem, dass Lanxess gefährliche Chemikalien wie Weichmacher, Phosgen und Chlorbenzole produziert. Der Verein fordert einen langfristigen Erhalt aller Arbeitsplätze sowie den Ausstieg aus der Chlorchemie. In der Hauptversammlung sprechen Vertreter des Vereins und fordern eine Ablehnung der Ausgliederung.

Lobbying

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 25. Oktober 2004

Über 50 Organisationen aus ganz Europa:

Offener Brief an EU-Kommission: „Einfluss von Konzernen begrenzen“

In einem Offenen Brief an José Manuel Barroso fordern über 50 Organisationen aus ganz Europa, darunter Greenpeace Europe, Attac und der BUND, den „exzessiven Einfluss industrieller Lobbygruppen auf die EU-Politik einzuschränken“. Die Unterzeichner schlagen vor, alle Wirtschaftsbeziehungen der an den Gesetzgebungsverfahren der EU beteiligten Personen offen zu legen. Für EU-Kommissare, die in die Industrie wechseln wollen, solle eine Sperrfrist gelten. Lobbyorganisationen und PR-Firmen müssen nach US-Vorbild verpflichtet werden, regelmäßig Berichte über ihre Tätigkeit, ihr Budget und ihre Klienten zu veröffentlichen und im Internet zugänglich zu machen. Schließlich müsse der priviligierte Zugang von Lobbyorganisationen wie European Roundtable, European Services Forum oder Trans-Atlantic Business Dialogue zur EU-Kommission beendet werden.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren, die zu den Unterzeichnern gehört: „Immer öfter setzen sich Partikularinteressen einzelner Industriezweige gegenüber dem Allgemeinwohl durch – dies ist mit demokratischen Prinzipien nicht zu vereinbaren. So wurde auf Druck der deutschen Chemie-Industrie die ursprünglich ambitionierte Reform der EU-Chemikaliengesetzgebung vollkommen verwässert. Vorschläge von Umwelt- und Verbraucherschützern hingegen wurden bei der Überarbeitung des Gesetzespakets fast völlig ignoriert.“

Allein in Brüssel arbeiten 15.000 Lobbyisten, die zum größten Teil auf der Lohnliste von Unternehmen und Lobbyverbänden stehen. Häufig treten sie als „Experten“ oder „Verbraucherschützer“ auf, ohne Kontakte zu PR Firmen, Konzernen oder wirtschaftlichen Interessensgruppen offen zu legen. Verbesserungen der Sozial-, Umwelt- und Verbraucherschutz-Gesetzgebung werden hierdurch regelmäßig geschwächt oder blockiert. Aktuell in der Kritik ist der Fall des Bromine Science and Environmental Forum (BSEF), das sich vehement gegen eine Regulierung gefährlicher Flammschutzmittel einsetzt,. Erst Recherchen von Umweltgruppen deckten auf, dass sich hinter dem BSEF eine von der Chemie-Industrie finanzierte PR-Firma verbirgt.

Der Offene Brief im Original: www.corporateeurope.org/barroso.html

Phenylpropanolamin

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 15. Oktober 2004

400.000 Dollar Schadensersatz / 1.150 Prozesse anhängig

US-Gericht: „BAYER stellte gefährliches Pharmaprodukt her“

Ein Gericht im texanischen El Paso hat die Bayer AG gestern zu 400.000 Dollar Schadensersatz verurteilt. Der 33-jährige Miguel Valverde hatte vor sechs Jahren einen Schlaganfall erlitten, nachdem er drei Tage das Erkältungsmittel Alka-Seltzer Plus eingenommen hatte. Die Geschworenen stellten fest, dass Bayer ein „mangelhaftes, gefährliches Pharmaprodukt“ vertrieben hatte, obwohl ungefährliche Alternativprodukte verfügbar waren. Gegen Bayer sind 1.150 weitere Klagen anhängig. Ein weiterer PPA-Produzent, Chattem Incorporation, hatte kürzlich in einem Vergleich 76 Millionen Dollar gezahlt.

Alka Seltzer enthielt bis 2000 den Inhaltsstoff Phenylpropanolamin (PPA), der das Risiko eines so genannten hämorrhagischen Schlaganfalls um das Anderthalb- bis Dreifache steigen lässt. Beim Schlucken von Diät-Pillen nimmt die Gefahr sogar um das Fünfzehnfache zu. Dies belegten rund 30 Fallstudien, die seit 1979 in medizinischen Fachzeitschriften erschienen waren. Auch in einem Memo der Firma Sandoz hieß es 1984, dass „PPA das Risiko von Bluthochdruck und Schlaganfällen erhöht“. Etwa 200-500 Patienten pro Jahr starben an den Nebenwirkungen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Die Pharma-Industrie kannte die Risiken von PPA seit Jahrzehnten. Die Unternehmen hielten ihre eigenen Studien zurück, um die Umsätze PPA-haltiger Medikamente von mehreren Hundert Millionen Dollar pro Jahr nicht zu gefährden. Hunderte Menschen mussten diese Strategie mit dem Leben bezahlen.“ Die Los Angeles Times enthüllte kürzlich firmeninterne Dokumente, wonach Bayer nach der Veröffentlichung einer großen Studie zu PPA-Risiken im Jahr 1999 einen „PPA Crisis Action Plan“ entwickelt hatte, um die Studien-Ergebnisse mit Hilfe einer „grobschlächtigen PR-Kampagne“ anzuzweifeln und den „Verkaufs-Stopp zu verzögern“. Hierdurch wurde das Verbot von PPA um 13 Monate verzögert - ursprünglich wollten die Unternehmen den Verkauf sogar erst nach der „Erkältungs-Saison“ im Winter 2000/2001 einstellen. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert daher eine strafrechtliche Verfolgung der Verantwortlichen bei Bayer.