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Veröffentliche Beiträge in “Presse-Infos”

Jan Pehrke
Chefredakteur SWB
+49 178 3359268
presse@cbgnetwork.org

Pressestimmen: Die Arbeit der Coordination im Spiegel der Medien.

Schwarzbuch

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. September 2003

„Das neue Schwarzbuch Markenfirmen“:

BAYER-Konzern führt erneut die „Liste der Bösen“ an

Die Journalisten Klaus Werner und Hans Weiss haben das „Neue Schwarzbuch Markenfirmen - Machenschaften der Weltkonzerne“ veröffentlicht. Die erste Auflage wurde über 100.000 Mal verkauft - das Schwarzbuch ist damit das in Deutschland erfolgreichste Buch zum Thema Globalisierungskritik. Das überarbeitete Buch aktualisiert die Vorwürfe gegen 50 multinationale Unternehmen, die das politische und gesellschaftliche Geschehen in aller Welt wesentlich mitbestimmen.

In der Erstauflage führten die Unternehmen BAYER, TotalFinaElf und McDonalds die „Hitliste der Bösen“ an. BAYER wurde genannt wegen unerlaubter Medikamententests, des Verkaufs giftiger Chemikalien und Pestizide sowie wegen des Handels mit Rohstoffen aus dem Kongo, mit dem laut Angaben der UNO der mörderische Bürgerkrieg in Zentralafrika finanziert wird.

Auch in der Neuauflage bleibt BAYER unangefochten an der Spitze. „Nicht nur, weil dieser Konzern in allen Geschäftsfeldern - Chemie, Pharmazie, Agrobusiness und Rohstoffgewinnung - eine enorme destruktive Phantasie an den Tag legt, was die Missachtung ethischer Prinzipien betrifft“, so die Autoren, „sondern auch, weil BAYERs Kommunikationspolitik offenbar im 19. Jahrhundert stecken geblieben ist. Da wird vertuscht, dass einem die Haare zu Berge stehen.“

Die im Schwarzbuch aufgezeigten Mißstände bei BAYER recherchierten die Autoren in Kooperation mit der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG). Die CBG überwacht den Leverkusener Konzern seit 25 Jahren. Der Verein arbeitet zu einer großen Bandbreite von Problemen, die aus der Geschäftstätigkeit des Konzerns resultieren: Umweltschäden, Pestizidvergiftungen, Risiken unbrauchbarer oder gefährlicher Medikamente, Einfluss auf Politik und Gesellschaft, Gefahren von Chemikalien, Störfälle, uvm.

Philipp Mimkes von der CBG: „Die im Schwarzbuch aufgeführten Beispiele zeigen, dass für große Konzerne Profitraten wichtiger sind als Umweltschutz und Menschenrechte. Abhilfe können nur aufgeklärte Verbraucher, strikte politische Vorgaben und unabhängige Kontrollen schaffen.“

Bestellung: Das „Neue Schwarzbuch Markenfirmen - Machenschaften der Weltkonzerne“ kann zum Preis von 19.90 Euro (+ 2,50 Euro Versand) beim Mensch+Umwelt-Versand bestellt werden. Einfach Adresse per email zusenden, das Buch kommt mit Rechnung

Chemiewaffen

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 13. September 2003

Stasi-Vorwürfe gegen Günter Wallraff:

„Chemiewaffen-Forschung bei BAYER kein Hirngespinst“

Günter Wallraff wird vorgeworfen, im Auftrag der Stasi die Bundes-
republik Deutschland verleumdet zu haben. So behaupten die „Stasi- Experten“ Hubertus Knabe und Prof. Manfred Wilke, Wallraff hätte Berichte über Chemiewaffen „herbeiphantasiert“, um den „Industriestandort Deutschland zu schwächen“.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. (CBG) weist darauf hin, dass die von Wallraff kritisierte Firma BAYER jahrzehntelang Chemiewaffen-Forschung betrieben hat. Axel Köhler-Schnura, Vorstandsmitglied der CBG: „Die im Zusammenhang der Rufmord- Kampagne gegen Günter Wallraff in Frage gestellte Beteiligung des BAYER-Konzerns an Entwicklung und Herstellung chemischer Waffen ist weder ein Hirngespinst noch eine Erfindung der Stasi.“ Köhler-Schnura führt mehrere Beispiele an:

* BAYER war während des Vietnam-Kriegs an Entwicklung und Produktion von AGENT ORANGE beteiligt. Die Produktion des Giftstoffs erfolgte bei der gemeinsam von BAYER und MONSANTO gegründeten Firma MOBAY.
* Mehrere Firmen entwickelten in den 50-er Jahren Pestizide, die auch als sogenannte VX-Chemiewaffen eingesetzt werden können. BAYER hat 1957 unter der deutschen Patent Nr. 3014943 und 1961 unter der amerikanischen Patent Nr. 3014943 eine Substanzklasse schützen lassen, die bis heute von den US-Streitkräften als VX-Kampfgas verwendet wird.
* Nach Aussage des Toxikologen Prof. Max Daunderer verfügt BAYER über das weltweit größte Wissen über tödliche Wirkungen von Chemikalien.
* Jahrelang wurde die Bundesrepublik Deutschland bei den Genfer Verhandlungen zur Abschaffung von Chemiewaffen von dem BAYER-Direktor Prof. Hoffmann vertreten.
* BAYER hat im ersten und zweiten Weltkrieg intensiv an Chemiewaffen geforscht. Der Erfinder von chemischen Kampfstoffen auf Phosphorsäureester-Basis (SARIN, TABUN),
* Dr. Gerhard Schrader, leitete bis in die 60-er Jahre die BAYER-Pestizidabteilung.

Diese Vorwürfe wurden von der Coordination gegen BAYER-Gefahren auch auf der BAYER-Hauptversammlung vorgetragen.
Trotz ausdrücklicher Aufforderung hat das Unternehmen diese Aussagen nie gerichtlich angefochten.

e.velop

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 5. September 2003

Instrumentalisierung der Regierungspresse - oder einfach nur schlechter Journalismus?

Antwort auf „e.velop“ Nr. 11 vom Juli 2003, Schwerpunkt: Brasilien

In der 11ten Ausgabe des online-Entwicklungsmagazins „e.velop“ der Bundesregierung erschien ein Lobgesang auf das vorbildliche Verhalten des BAYER-Konzerns in Brasilien. Unter dem Titel „Gesellschaftliches und soziales Engagement eines deutschen Großunternehmens in Schwellen- und Entwicklungsländern“ wird das Bild einer deutschen Musterfirma und ihrer vorbildlichen Wirtschaftsweise in einem Land des Südens gezeichnet. Der Autor des Artikels, Günter Graichen vom Presseamt der Bundesregierung, bescheinigt dem BAYER-Konzern „nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung“ und veranschaulicht dies anhand konkreter Projektbeispiele. Als Quelle für seine Recherche gibt Graichen treuherzig die BAYER-Pressestelle an - der Artikel liest sich denn auch wie Werbepropaganda und hat in seiner Unreflektiertheit mit journalistischer Arbeit kaum etwas zu tun.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., die den BAYER-Konzern seit 25 Jahren kritisch begleitet, protestiert gegen diese einseitige Positionierung eines Presseorgans der Bundesregierung. Im Folgenden werden einige der im Artikel genannten Beispiele näher beleuchtet.

e.velop: BAYER fördert „Projekte gegen Kinderarbeit“
Kinderarbeit ist seit langem international geächtet. BAYER spendet regelmäßig an die brasilianische Abrinq-Stiftung, die sich für die Abschaffung von Kinderarbeit einsetzt. Eine genaue Bewertung dieser Spenden fällt schwer, da BAYER die Höhe der Aufwendungen nicht veröffentlicht. Zur Abschätzung der Summe muss man den Geschäftsbericht des Unternehmens zur Rate ziehen: hierin wird keine Spende erwähnt, die höher als eine Million Euro liegt.

Bevor man jedoch das BAYER-Engagement gegen Kinderarbeit preist, sollte man die Situation bei Zulieferbetrieben des Konzerns betrachten: so bezieht die indische BAYER-Tochter Proagro Saatgut von südindischen Farmbetrieben, die nach jüngsten Untersuchungen rund 2.000 Kinder im Alter zwischen sechs und vierzehn Jahren beschäftigen. Diese Kinder befinden sich zum Teil in Schuldknechtschaft und arbeiten bis zu dreizehn Stunden täglich. Die Verwendung von Kindern als billige „Arbeitssklaven“ liegt in den geringen Abnahmepreisen, die die BAYER-Tochter an die Zulieferer zahlt, begründet. Dem Unternehmen ist die massenhafte Verwendung von Kindern bei seinen Zulieferern seit langem bekannt, trotzdem blieben bislang Initiativen aus, die eine Verwendung erwachsener Arbeitskräfte und einen Schulbesuch der Kinder ermöglichen würden.
(ausführliche Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Kampagnen/Kinderarbeit/kinderarbeit.html)

e.velop: BAYER organisiert „Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung“
Für ebenso löblich wie die Kinderarbeitskampagne kann man Maßnahmen zur gesundheitlichen Aufklärung von Landarbeitern im Süden Brasiliens erachten (Programm „Agrovida“). Allerdings nur, wenn man außer Acht lässt, dass BAYER nach dem von der FAO initiierten „Kodex zum Verkauf von Agrogiften“ verpflichtet ist, Pestizide der Gefahrenklasse I („extrem gefährlich“ bzw. „hoch gefährlich“) nur an „trainierte und zertifizierte Personen“ zu verkaufen, die bei der Anwendung einen Ganzkörperschutz tragen. Falls diese Bedingung nicht gewährleistet werden kann, so ist BAYER laut Kodex verpflichtet, das entsprechende Mittel vom Markt zu nehmen.

Diesem Kodex wird BAYER als weltweit zweitgrößter Pestizidhersteller in keinster Weise gerecht. Recherchen aus Lateinamerika und Asien belegen, dass der Konzern gefährliche Agrogifte ohne Hinweis auf die hohen Gesundheitsrisiken frei verkauft. Im Rahmen des Programms „Agrovida“ konnten nach Angaben von BAYER rund 25.000 Kleinbauern erreicht werden. Dies kann jedoch nicht mal als Tropfen auf den heißen Stein bewertet werden - nach Schätzungen der Weltgesundheits-
organisation WHO werden jährlich mindestens zwei Millionen Landarbeiter mit Pestiziden vergiftet, wobei mindestens 20.000 sterben. Ein großer Teil der Vergiftungen geschieht durch BAYER-Produkte.

Abgesehen von der Frage, ob der Einsatz von Pestiziden als nachhaltige Landwirtschaft bezeichnet werden darf, bleiben weitere Probleme völlig unbeachtet:

* Schutzbekleidung ist nur für wenige Kleinbauern und insbesondere nicht für Plantagenarbeiter finanzierbar, außerdem in tropischen Temperaturen nicht anwendbar;
* oftmals resultiert die mangelnde Vorsorge auch aus der verharmlosenden Werbung und unzureichenden Kennzeichnung durch BAYER; hochgiftige Pestizide finden mitunter sogar Verwendung als Düngemittel;
* Nummer 1 auf dem brasilianischen Pestizid-Markt ist das BAYER-Produkt Baysiston. Der Konzern vermarktet Baysiston trotz zahlreicher Vergiftungsfälle und Ermittlungen der Staatsanwalt-
schaft in aggressiver Art und Weise.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_1999/SWB01_99/Kaffee_-_Brasilien/kaffee_-_brasilien.html)

e.velop: Unternehmenseigene Stiftungen gewähren „Geld-und Sachspenden“ / BAYER stellt der WHO das Medikament Germanin kostenlos zur Verfügung
Als weiteres Beispiel für engagiertes Handeln erwähnt Autor Günter Graichen, dass BAYER Sach- und Geldspenden leistet und der WHO dringend notwendige Medikamente gegen die afrikanische Schlafkrankheit zur Verfügung stellt.

Dass der Leverkusener Chemie-, Pharma- und Gentechnik-Riese, der jährlich rund 28 Milliarden Euro umsetzt, dadurch nicht verarmt, dafür sorgt er an anderer Stelle. So betrog BAYER das US-amerikanische Programm „Medicaid“ zur Arznei-Versorgung sozial Schwacher durch falsche Preisangaben um mehr als 100 Millionen Dollar. Auch spielte der Konzern nach den Anthrax-Anschlägen in den USA seine Monopol-
stellung bei CIPROBAY, dem einzig zugelassenen Medikament gegen Milzbranderreger, so gewissenlos aus, dass nur die Androhung der Regierungen Kanadas und der USA, den Patentschutz aufzuheben, BAYER dazu bewegen konnten, das Antibiotikum zu bezahlbaren Preisen anzubieten.
(weitere Infos: http:www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_04_01/Ciprobay_04_01/ciprobay_04_01.html)

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass BAYER seine Abteilung „Tropenforschung“ bereits in den 80er Jahren geschlossen hat, obwohl Tropenkrankheiten weltweit mehr Todesopfer fordern als Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen. Doch entscheidend für das Unternehmen ist, ob sich ein Medikament teuer verkaufen lässt, nicht ob es Menschen hilft.
Auch ist es instruktiv, den Wert der von BAYER geleisteten Spenden mit den durch das Unternehmen gezahlten bzw. nicht gezahlten Steuern zu vergleichen: Lagen die weltweiten Unternehmenssteuern von BAYER im Jahr 2000 noch bei rund 1,15 Milliarden Euro, so wurden diese im Jahr 2001 bereits um fast 90% reduziert: gerade noch 150 Millionen Euro überwies der Konzern an Bund und Länder. Im vergangenen Jahr gab es dann dank der von Heribert Zitzelsberger, seinerzeit Eichels Staatssekretär und zuvor Leiter der Steuer-Abteilung bei BAYER, eingeführten Unternehmensteuerreform eine saftige Steuerrückerstattung von 107 Mio Euro.

Somit machen sämtliche „wohltätigen“ Gaben von BAYER maximal einige Prozent der eingesparten Steuern aus. Die Öffentlichkeit wäre mit angemessenen Steuern auf den Unternehmensgewinn, deren Einsatz planbar und frei verfügbar wäre, weit besser bedient als mit einzelnen, willkürlich verteilten Almosen.

BAYER will der „wachsenden Bedrohung durch Bakterien entgegenwirken, die schnell Resistenzen gegen die heutigen Antibiotika entwickeln“
Ein weiteres BAYER-Prestigeprojekt ist die Förderung der Initiative „Libra“, die Forschung zu Antibiotikaresistenzen durchführt. Libra will auf den WHO-Bericht über Infektionskrankheiten aus dem Jahr 2000 reagieren, der Antibiotikaresistenzen zu den größten medizinischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählt. Laut WHO ist es notwendig, alle Vorkehrungen zu treffen, die die Ursachen von Antibiotikaresistenzen beseitigen.

Einer der Hauptgründe für die Ausbreitung von Resistenzen ist der massenhafte Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht - in manchen Ländern landen mehr als die Hälfte aller Antibiotika im Tierstall. Dadurch entstehen resistente Bakterienstämme, etwa von Salmonellen, die über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen und unbehandelbare Infektionen auslösen können.

BAYER gehört weltweit zu den größten Herstellern von Antibiotika und ist zudem drittgrößter Hersteller von Veterinärprodukten. Die Substanz-
klasse der Fluoquinolone vermarktet der Konzern sowohl für Menschen („Ciprobay“) als auch für Tiere („Baytril“). In Deutschland ist Baytril seit 1995 zugelassen und wird in großem Umfang zur Behandlung von Schweinen verwendet. In den USA wird das Präparat massenhaft Hühnern, Truthähnen und Rindern verabreicht. Nach einer Untersuchung des Wissenschaftlers S. A. Anderson ist das Bakterium Campylobacter jejuni resistent gegen Fluochinolone geworden. Die US-Gesundheits-
behörde CDC hat BAYER bereits vor drei Jahren aufgefordert, Baytril zur Behandlung von Geflügel vom Markt zu nehmen. Anderson zufolge machen die massenhaften Verordnungen von Ciprobay ebenfalls immer mehr Keime immun gegen Fluochinolone.

Die Wirtschaftspraxis des BAYER-Konzernes ist also maßgeblich für die Entstehung von Resistenzen verantwortlich. Es kommt einer Gehirnwäsche gleich, wenn sich der Konzern mit der Verhinderung von Resistenzen im Rahmen der Initiative Libra brüstet. BAYER sollte die Forderung erfüllen, keine Antibiotika in der Tierzucht zu vermarktet, die auch Anwendung in der Humanmedizin finden, um somit die Gesundheit von Mensch und Tier zu gewährleisten. Ein diesbezüglicher Offener Brief an BAYER wurde in den USA von mehr als 20.000 Gesundheitsorgani-
sationen und Ärzten unterschrieben.

(der Offene Brief findet sich unter: www.KeepAntibioticsWorking.com)

e.velop: BAYER-Werk in Belford Roxo verfügt über eine vorbildliche Infrastruktur von Umwelteinrichtungen
Das Magazin der Bundesregierung bescheinigt BAYER in seinem brasilianischen Werk Belford Roxo „moderne Umwelttechnologie“ sowie „umwelt- und ressourcenschonende Produktionsabläufe“ und „nachhaltigen Produktergebnisse“. Untersuchungen von Greenpeace in der Umgebung des in den 60er Jahren gebauten Werks, in dem u.a. Pestizide, Kunststoffe und Farben produziert werden, zeigen jedoch ein anderes Bild. Bei Messungen rund um das Werk stießen Greenpeace- Wissenschaftler auf extrem hohe Schadstoff-Werte. So wiesen sie rund um das zentrale Werksabwasser-Rohr massive Schwermetall-Belastun-
gen nach - diese lagen um das bis zu 30fache über der für diese Stoffe üblichen Hintergrundbelastung. Der Wert für Quecksilber überschritt diese sogar um das 800fache. Noch höher fielen die Messdaten für Schwermetalle in der Nähe der Müll-Deponie aus.

Bei den anderen in den Proben nachgewiesenen Stoffen war besonders der hohe Anteil von Chlorchemikalien Besorgnis erregend. 38 chlorhaltige Substanzen wie DDT, HCH oder PCB fanden sich in den verschiedensten Zusammensetzungen an der Einleitungsstelle der BAYER-Abwässer. Für die Wissenschaftler ließ dies nur einen Schluss zu: „Die Resulate zeigen, dass das Schadstoff-Management des Werkes nicht effizient ist und eine Ursache der Verschmutzung des Sarapui- Flusses darstellt.“

Eine weitere hochgiftige, Krebs erregende und das Erbgut schädigende Stoffgruppe, die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe, stellten die größte Belastung im Umfeld der BAYER-Mülldeponie dar. Naphthaline, Anthracene, Pyrene und Phenanthrene bestimmte Greenpeace auch in den Erd- und Wasserproben stromaufwärts des Sarapui und an der Einleitungsstelle.
(weitere Infos: http:
www.cbgnetwork.org/Ubersicht/Zeitschrift_SWB/SWB_2001/SWB_02_01/Bayer_Brasilien/bayer_brasilien.html)

„Nachhaltiges Handeln und gesellschaftliche Verantwortung als Gütesiegel für die Zukunft“
Wenige Begriffe werden wohl so sehr missbraucht, wie der Begriff der Nachhaltigkeit. Folgt man der Argumentation von „e.velop“, so wird Nachhaltigkeit über (preiswerte) Musterprojekte hergestellt. Es wird nicht hinterfragt, nach welchen Kriterien die Projekte ausgewählt werden und in welcher Form BAYER als Geldgeber den Inhalt der Projekte bestimmt. Es wird nicht diskutiert, dass soziale Projekte somit in erster Linie für ein positives Firmenimage sorgen sollen und diesbezügliche Aufwendungen schlicht als Werbeausgaben anzusehen sind. Vollkommen unter den Tisch gekehrt wird, dass BAYER maßgeblich an der Entstehung vieler Probleme beteiligt ist, die durch die geförderten Projekte gelindert werden sollen (laut „Schwarzbuch Markenfirmen“ liegt BAYER unter den Top Drei der umweltzerstörenden Konzerne; BAYER befindet sich zudem auf der Liste der „10 übelsten Unternehmen des Jahres 2001“ der amerikanischen Fachzeitschrift Multinational Monitor).

In diesem Zusammenhang wundert es nicht, dass Kritiker des Konzerns von e.velop nicht kontaktiert wurden. Günter Graichens unkritischer und konzernfreundlicher Artikel ist im Hinblick auf eine Verbesserung von nachprüfbaren Umwelt- und Sozialstandards kontraproduktiv und erschwert es, die soziale Verantwortung von Großkonzernen wie BAYER einzufordern. Der Text trägt dazu bei, von Konzernen ausgehende Probleme zu negieren und die Öffentlichkeit zu desinformieren. Insgesamt handelt es sich um Verbreitung von Werbepropaganda unter dem Missbrauch einer staatlichen Institution.

Positivliste

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 22. Juli 2003

Nach dem Aus von „Positivliste“ und „Institut für Qualitätssicherung“

Kniefall vor Pharma-Konzernen

Scharfe Kritik übten Vertreter der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) an der geplanten Gesundheitsreform. Der auf Druck der CDU erfolgte Verzicht auf „Positivliste“ und „Institut für Qualitätssicherung in der Medizin“ bedeuteten einen „Kniefall vor der Pharma-Lobby“ und würden zu weiteren Kostensteigerungen im Gesundheitssystem führen. Besonders die Positivliste hätte die Möglichkeit erbracht, nutzlose und risikoreiche Medikamente aus dem Leistungskatalog zu streichen. Hierdurch wären eine Verbesserung der Versorgung und Einsparungen in Milliardenhöhe zu erreichen.

Philipp Mimkes von der CBG: „Vor zehn Jahren versuchte Horst Seehofer, damals noch Gesundheitsminister, selbst eine Positivliste aufzustellen. Wider besseren Wissens beendete er damals auf Druck der Pharmakonzerne das Projekt. Heute lässt sich die Union erneut zum Lakaien der Pharmalobby machen.“ Mimkes erinnert an die Demuts-
geste, mit der Seehofer das Projekt seinerzeit kassiert hatte: beim Geburtstag des Verbandspräsidenten der Pharmaindustrie, Hans- Rüdiger Vogel, übergab der Staatssekretär des Gesundheitsministers, Baldur Wagner, die Positivliste in zerschreddertem Zustand. „Wirkungslose Präparate wie das Diabetes-Mittel Glucobay von BAYER werden die Kassen weiterhin mit hunderten Millionen von Euro pro Jahr belasten“, so Mimkes weiter.

Über 40.000 Präparate tummeln sich auf dem deutschen Markt, skandinavische Länder oder Großbritanien kommen mit wenigen Tausend aus. „Kein Arzt kann bei dieser Pillenflut die Übersicht behalten. Verschrieben wird daher auch in Zukunft nicht das effektivste Präparat, sondern das, was am intensivsten beworben wird“, so Jan Pehrke von der CBG. Pehrke entkräftet auch das Argument der Lobbyisten, eine Reglementierung des Pharmamarkts würde die Forschung gefährden. „Für Marketing geben die Konzerne doppelt so viel Geld aus wie für die Forschung“, kritisiert Pehrke.

Der Kampf gegen die Positivliste wird heute vor allem vom Verband der Forschenden Arzneimittelhersteller (VFA) geführt. Der VFA wurde 1994 auf Initiative des BAYER-Konzerns gegründet und wird von Cornelia Yzer, früher Justitiarin bei BAYER, geleitet. Alle vorherigen Versuche zur Aufstellung einer Positivliste durch Krankenkassen und Ärztekammern verhinderte der VFA durch Millionenklagen – wegen angeblicher Wettbewerbsverzerrung. Ellis Huber, damaliger Präsident der Berliner Ärztekammer, musste den Versuch aufgeben, Licht in den Pharma- Dschungel zu bringen: „Ich kapituliere vor der wirtschaftlichen Übermacht der Pharmakonzerne“, so Huber angesichts sechsstelliger Prozesskosten.

Cornelia Yzer war nach dem ersten Scheitern der Positivliste als Staatssekretärin ins Gesundheitsministerium gewechselt und hatte dort die Wünsche ihres Arbeitgebers BAYER direkt umgesetzt. Ein weiterer Versuch zur Aufstellung der Positivliste, die auch Bestandteil des Koalitionsvertrags zwischen SPD und Grünen ist, wurde SPD-intern gekippt: Wolfgang Clement, damals noch NRW-Ministerpräsident, verhinderte das Projekt im Bundesrat - nach einer entsprechenden Intervention von BAYER. „Es ist beschämend zu sehen, dass die Gesundheit der Bevölkerung einen niedrigeren Stellenwert besitzt als die Profitinteressen der Pharmaindustrie“, so Philipp Mimkes von der CBG.

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren kontrolliert seit 25 Jahren die Geschäftspolitik des BAYER-Konzerns. Der Verein arbeitet u.a. zu den Bereichen Produktrisiken, Gentechnik, Störfallgefahren und Lobbyismus.

Australien

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 10. Juli 2003

Australien: Bayer verweigert Haftung für Genpflanzen

„Konzerne müssen volle Verantwortung übernehmen“

Das australische Network of Concerned Farmers (NFC) fordert in einem Offenen Brief an die Firma Bayer CropScience die Übernahme aller Folgekosten, die sich aus dem Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben. Gentechnisch veränderte Nahrungsmittel sind in der australischen Landwirtschaft bislang verboten, die Firma Bayer drängt aber auf die Zulassung von modifiziertem Raps. Australien würde hierdurch seinen Status als „Gentechnik-frei“ verlieren - Landwirte, die weiterhin Gentechnik-frei produzieren möchten, wären gezwungen, die Reinheit ihrer Produkte mit aufwendigen Testverfahren zu belegen. In einer Stellungnahme weigerte sich das Unternehmen Bayer, der Forderung nachzukommen.

„Wenn die Verantwortlichen bei Bayer sicher sind, dass der Anbau von Gen-Raps keine Probleme verursacht, dann sollen sie auch die Haftung und alle Folgekosten übernehmen“, so Julie Newman, Sprecherin der NFC. „Die Konzerne planen offenbar, die Kosten, die sich bei der Inverkehrbringung gentechnisch veränderter Pflanzen ergeben, den Gentechnik-frei arbeitenden Landwirten aufzubürden. Diese sind aber nicht bereit und nicht in der Lage, Unternehmen wie Bayer und Monsanto zu subventionieren. Die Firmen müssen die volle Verantwortung für Ihre Produkte übernehmen“. Die Kosten Gentechnik-frei arbeitender Landwirte für Tests und Aussortierung gentechnischer Verunreinigungen lägen bei 10-20% des Verkaufspreises.

In dem Brief an Bayer CropScience schreibt die NFC: „Wie Ihnen bekannt ist, gibt es in Bezug auf den kommerziellen Anbau von gentechnisch verändertem Raps viele ungelöste Probleme. Als ein Netzwerk Gentechnik-frei arbeitender Landwirte weigern wir uns, jegliche Kosten zu übernehmen, die durch die Kontamination Gentechnik-freier Felder durch benachbarte Gentechnik-Pflanzen entstehen. Wir bestehen darauf, dass Bayer CropScience alle Kosten für die Kontrolle seiner Produkte übernimmt.“

Die NFC weist darauf hin, dass wichtige Importeure wie China und die EU nur Gentechnik-freien Raps abnehmen und diese Märkte verloren gehen werden. Untersuchungen in Kanada hatten ergeben, dass 95% des von Öko-Bauern angebauten Raps mit Fremdgenen kontaminiert waren.

der Offene Brief und weitere Infos der NFC finden sich unter:
www.non-gm-farmers.com

England

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 23. Juni 2003

Kurz vor der Entscheidung über Zulassung kommerzieller Gen-Pflanzen:

Gentechnik-Industrie stürzt britischen Umweltminister Michael Meacher

Nach Angaben der britischen Zeitschrift Daily Telegraph erfolgte der Sturz des britischen Umweltministers Michael Meacher in der vergangenen Woche auf Druck der Gentechnik-Industrie, insbesondere des BAYER-Konzerns. Meacher ist als profunder Kritiker genveränderter Nahrungsmittel bekannt und war den Biotechnik-Firmen seit langem ein Dorn im Auge.

Dr Paul Rylott, Vorsitzender der einflussreichen Industrie-Vereinigung Agricultural Biotechnology Council (ABC) und Leiter der BAYER- Tochterfirma BioScience, hatte den Minister nur wenige Tage vor seiner Entlassung heftig kritisiert. Daraufhin war in der englischen Presse offen über einen Sturz Meachers spekuliert worden. Regierungs-Chef Tony Blair gilt als uneingeschränkter Befürworter der Gentechnik.

Erst Anfang Juni hatte die britische Regierung einen „Gentechnik-Dialog“ initiiert - dieser soll bereits in drei Monaten darüber entscheiden, ob Großbritannien das erste europäische Land wird, in dem gentechnisch veränderte Pflanzen kommerziell angebaut werden. Der Dialog wird von einem 11-köpfigen Komitee geleitet, dem BAYER-Lobbyist Paul Rylott ebenfalls angehört. Auch der Agriculture and Environment Biotechnology Commission, die die britische Regierung über Risiken der Gentechnik beraten soll, gehört Multifunktionär Rylott an.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist kein Zufall, dass der Gentechnik-Kritiker Meacher just in dem Moment geschasst wird, in dem die Zukunft gentechnisch veränderter Lebensmittel in England und in ganz Europa entschieden wird. Es ist erschreckend, dass die Macht des BAYER-Konzerns auch in England groß genug ist, um unliebsame Politiker auszubooten.“ Mimkes kritisiert, dass Industrievertreter wie Paul Rylott in staatlichen Kommissionen sitzen, die über die Zukunft strittiger Probleme entscheiden.

Der BAYER-Konzern ist seit der Übernahme der Aventis CropScience AG der größte europäische Anbieter gentechnisch veränderter Pflanzen. Das Unternehmen sitzt in den Startlöchern, um modifizierte Getreide- Sorten, Raps, Mais und Soja auf den Markt zu bringen. Die Mehrheit der europäischen Bevölkerung lehnt Gentechnik in Nahrungsmitteln ab.

REACH

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 12. Mai 2003

„Auslichten im Chemie-Dschungel dringend erforderlich“

Coordination gegen BAYER-Gefahren fordert Verbot risikoreicher Chemikalien

Die EU-Kommission hat in der vergangenen Woche neue Richtlinien für die Zulassung von Chemikalien vorgelegt. Der ursprünglich ambitionierte Entwurf wurde jedoch auf Druck der Industrie entscheidend geschwächt: die Beweislast für die Sicherheit der Produkte wird nicht auf die Hersteller übertragen, sondern bleibt bei Behörden und Umwelt- verbänden. Auch das ursprüngliche Vorhaben, risikoreiche Chemikalien nur dann zuzulassen, wenn keine sicheren Alternativen existieren, wurde fallen gelassen. Lediglich das Ziel, 30.000 häufig verwendete Substanzen erstmals auf Gesundheitsrisiken hin zu untersuchen, bleibt bestehen.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Der von der EU-Kommission vorgelegte Entwurf erlaubt der Industrie auch künftig, Tausende gefährlicher Chemikalien zu verkaufen. Dabei wäre ein Auslichten im Chemie-Dschungel dringen erforderlich.“ Europaweit haben von rund 100 000 produzierten Chemikalien erst 2.700 ein Prüfverfahren durchlaufen. Selbst für großtechnisch hergestellte Stoffe liegen den Behörden in den meisten Fällen keinerlei Informationen über mögliche Umweltrisiken vor. „Die Profitinteressen der Industrie werden auch künftig höher bewertet als die Sicherheit der Verbraucher“, so Mimkes weiter.

Bundeskanzler Schröder und Wirtschaftsminister Clement waren auf Druck der Chemie-Konzerne mehrmals in Brüssel vorstellig geworden, um der Reform die Zähne zu ziehen – offenbar mit Erfolg. Die Industrie drohte mit der Vernichtung hunderttausender Arbeitsplätze, sollten die Pläne vollständig umgesetzt werden. EU-Umweltkommissarin Margot Wallström hatte daraufhin die deutsche Chemie-Wirtschaft der Lüge bezichtigt: wenn durch das Regelwerk tatsächlich Arbeitsplätze verloren gingen, gestehe die Industrie ein, dass tatsächlich zahlreiche Substanzen wegen ihrer Gefährlichkeit aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Dies hätte sie aber immer bestritten. „Ich mag insbesondere die Panikmache der deutschen Chemie-Industrie nicht“, so die EU-Kommissarin in Brüssel.

Der BAYER-Konzern produziert eine lange Liste hochgefährlicher Chemikalien: Weichmacher, Chlororganika, das hormonaktive Bisphenol A und hunderte von Pestiziden. In der Vergangenheit mussten zahlreiche BAYER-Produkte wegen der Vergiftung Tausender Menschen vom Markt genommen werden: PCBs, Holzschutzmittel, Pentachlorphenol, etc. Philipp Mimkes weiter: „Nur eine Beweislastumkehr, nach der die Industrie die Ungefährlichkeit der von ihr verkauften Produkte beweisen muss, könnte künftige Chemie-Skandale verhindern.“

TAUCCAMARCA

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 25. April 2003

Wegen tödlicher Pestizid-Vergiftung von 24 Kindern:

BAYER-Hauptversammlung: Peruanischer Menschenrechtler fordert Wiedergutmachung

Der peruanische Menschenrechtler Luis Gomero, Vorsitzender des Pestizid Aktions-Netzwerk Peru, fordert in der heutigen Hauptversamm-
lung der BAYER AG eine Entschädigung der Vergiftungsopfer von Tauccamarca. In dem peruanischen Andendorf waren vor drei Jahren 24 Kinder gestorben, nachdem sie in der Schule verunreinigtes Milchpulver zu sich genommen hatten; 18 weitere wurden schwer vergiftet.

Gomero wörtlich: „Trotz jahrelanger Warnungen hält BAYER bis heute an dem Verkauf hochgefährlicher Pestizide fest. Damit trägt der Konzern die Verantwortung für den Tod der Kinder von Tauccamarca und von Tausenden von Menschen in aller Welt“. Gomero reist auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) nach Deutschland. Er nahm an der Untersuchung der Tragödie von Tauccamarca teil und vertritt die Angehörigen vor Gericht.

Nach dem Sturz des Diktators Fujimori hatte der peruanische Kongress einen Untersuchungsausschuss einberufen, der kürzlich seinen Abschlussbericht vorlegte. Demnach führten Vergiftungen mit dem BAYER-Produkt „Folidol“ zu den Todesfällen. Folidol ist ein weißes Pulver, das Milchpulver ähnelt. Es enthielt keinen Warn-Geruch und wurde vor allem in entlegenen Andenregionen an Kleinbauern verkauft. Informationen zur Gefährlichkeit der Produkte fehlten meist vollständig, statt mit Warn-Piktogrammen waren die Tüten mit Abbildungen von Gemüse bedruckt. Der Untersuchungsausschuss wirft dem BAYER-Konzern mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor und fordert eine Entschädigung der Hinterbliebenen sowie eine Übernahme der Behandlungskosten der Überlebenden durch BAYER.

Axel Köhler-Schnur von der CBG: „Seit 20 Jahren stehen die BAYER-Hauptversammlungen im Zeichen massiver Kritik. Unsere zentrale Forderung lautet: Nicht der Profit darf im Mittelpunkt stehen, sondern der Schutz des Mensch und der Umwelt.“

Betrug

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 17. April 2003

Wegen Betrugs an staatlichem Gesundheitssystem

USA: Bayer-Konzern zahlt Rekordstrafe

Die Bayer AG bestätigte heute, dass der Konzern rund 250 Millionen Dollar wegen Betrugs an dem amerikanischen Gesundheitsprogramm „Medicaid“ zahlt. Bayer hatte sich sowohl in einem strafrechtlichen als auch in einem zivilrechtlichen Verfahren schuldig bekannt, dem Hilfsprogramm nicht wie vorgeschrieben die niedrigst möglichen Medikamentenpreise eingeräumt zu haben.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters handelt es sich um die bislang höchste Strafe in einem Verfahren wegen Preismanipulationen. Dem Staat waren jährliche Schäden von rund 1 Milliarde Dollar entstanden. Die Staatsanwaltschaft des US-Bundesstaats Massachusetts war durch Hinweise eines ehemaligen Mitarbeiters auf den Betrug aufmerksam gemacht worden. Demnach hatte Bayer jahrelang Medikamente über Mittelsmänner und Scheinfirmen vertrieben, um die Offenlegung der tatsächlichen Medikamentenpreise zu verhindern.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG): „Betrug hat bei Bayer eine lange Tradition. Konzerne müssen viel stärker kontrolliert werden - leider geht die Entwicklung in Deutschland in die falsche Richtung, wie das Scheitern des Anti- Korruptionsregisters im Bundesrat gezeigt hat.“ Mimkes fordert die Entlassung der verantwortlichen Bayer-Manager und eine Reglementierung von Preisen von Pharmazeutika.

Erst im vergangenen Herbst hatte die EU-Wettbewerbsbehörde die Bayer-Zentrale wegen mutmaßlicher Preisabsprachen beim Verkauf von Kautschukchemikalien durchsucht. In einem weiteren Verfahren wegen überhöhter Preise hatte der Konzern vor zwei Jahren 14 Millionen Dollar an „Medicare“ und „Medicaid“ bezahlt. Bereits in den 90er Jahren hatte die damalige Bayer-Tochter Haarmann & Reimer (H&R) mit fünf Wettbewerbern ein Kartell für Zitronensäure gebildet - gegen H&R wurden Strafen von 100 Mio Dollar verhängt. In den 80er Jahren beteiligte sich Bayer an einem europaweiten Kartell für den Kunststoff Polyethylen, auch damals waren Preise und Quoten exakt abgestimmt gewesen.

England

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 28. Februar 2003

Bayer: Geheime Experimente mit Terminator-Genen in England

Umweltaktivisten fühlen sich von Regierung betrogen

Britische Umweltorganisationen protestieren vehement gegen Freilandversuche des Bayer-Konzerns mit gentechnisch verändertem Raps, der sogenannte „Terminator Gene“ enthält. Terminator Gene schaffen sterile Pflanzen, deren Samen für die Aussaat nicht weiter verwendet werden können. Die Verwendung solcher Pflanzen wurde in dieser Woche von Forschern des Institute of Science in Society (ISS) nachgewiesen. Die Freilandversuche an rund 150 Orten in ganz Großbritannien gehören zu einer 4-jährigen Versuchsreihe der britischen Umweltbehörde.

Der Einsatz von „Terminator-Genen“ wurde seitens des Saatgut- Herstellers Bayer CropScience und der Aufsichtsbehörd DEFRA geheim gehalten, berichtet der neuseeländische Nachrichtendienst Scoop. Die Wissenschaftler Mae-Wan Ho und Joe Cummins vom ISS warnen vor den Gefahren der neuen Raps-Saat: genetisch veränderte Raps-Samen können auf gentechnisch unbehandelte Sorten und auf verwandte Arten überspringen. Verwandte Arten wie Broccoli, Senf, Blumenkohl und wildlebende Pflanzen könnten an der Fortpflanzung gehindert werden und schlimmstenfalls aussterben.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Bereits im letzten Sommer mussten die Freilandversuche in England gestoppt werden, nachdem bekannt wurde, dass Saatgut der Firma Bayer verbotene Antibiotika-Resistenzgene enthielt. Die Tests mit gentechnisch verändertem Saatgut dienen nicht der Ernährungssicherheit sondern einzig und allein den Profitinteressen der Agroindustrie.“

Die Aktivistengruppe GM-Free Cymru aus Wales will die weitere Aussaat von „Terminator Genen“ parlamentarisch stoppen. Brian John von GM- Free Cymru: “Die Verwendung dieser Technologie in Raps-Saaten ist über Jahre hinweg geheim gewesen. Wir fühlen uns von den Verantwort-
lichen verraten. Erst nachdem unabhängige Wissenschaftler die Existenz solcher Saaten nachgewiesen hatten, gaben die zuständigen Stellen zu, dass in Großbritannien anderes Saatgut verwendet wurde als in den USA und Kanada. Die Öffentlichkeit wurde getäuscht und belogen.“

Brasilianische Bauernaktivisten wie Wilson Campos hatten beim Welt- Sozialforum in Porto Alegre vor Terminator-Gen-Saaten gewarnt. Diese bewirken, dass die Bauern von der Ernte nichts für die nächste Aussaat aufheben können, wie es in den meisten Entwicklungsländern praktiziert wird. Da sich die patentierten Pflanzen der Agrarindustrie nicht fortpflanzen können, müssen die Bauern im Folgejahr wieder Saatgut kaufen. Nach den neuen Regelungen sei es den Bauern auch verboten, Saatgut zu tauschen. Die UN-Welternährungsorganisation FAO hat festgestellt, dass 1,4 Mrd. Bauern der südlichen Hemisphäre darauf angewiesen sind, Saatkörner auszubringen, die sie aus der Ernte abgezweigt haben oder die sie von ihren Nachbarn für die Fruchtfolge eingetauscht haben.

Die Studie des Institute of Science in Society findet sich unter: www.i-sis.org.uk/CEDF.php

Bienensterben

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 27. Januar 2003

franz. Agrarminister verhängt Teilverbot / Massensterben auch in Deutschland

Imker befürchten weitere Bienensterben durch BAYER-Pestizid GAUCHO

Der französische Agrarminster Hervé Gaymard hat das Anwendungs-
verbot des von der Firma BAYER hergestellten Pestizids GAUCHO auf Sonnenblumen um drei Jahre verlängert. Eine Beschränkungen für andere Pflanzen wurde jedoch abgelehnt. Vertreter französischer Imker zeigen sich enttäuscht und befürchten ein Anhalten des großen Bienen-
sterbens, dem seit Einführung des Pestizids im Jahr 1994 rund 50% aller Bienenvölker zum Opfer fielen.

Auch in Deutschland treten Massensterben von Bienen auf: am Nieder-
rhein sind 80% der Bienenvölker tot, in anderen Gebieten sind es 30 bis 50%. Der in GAUCHO enthaltene Wirkstoff Imidacloprid ist in Deutsch-
land unter dem Namen CONFIDOR auf dem Markt.

Die Imkerin Renate Ruck aus Maillezais kommentiert: „Die Anwendung von GAUCHO auf Mais ist extrem bienenschädlich - da jedoch GAUCHO auch auf anderen Kulturen angewendet wird (z.B. Weizen) und Rück-
stände noch nach drei Jahren in der Erde zu finden sind, wäre selbst ein erweitertes Verbot auf Maispflanzen nur von geringem Nutzen gewesen. Zudem gibt es mit REGENT ein weiteres Produkt, das mindestens genauso bienenschädlich ist. REGENT wird auch auf Sonnenblumen verwendet, so dass das GAUCHO-Verbot auf Sonnenblumen kein wirklicher Erfolg ist.“ Mehr als eintausend Imker hatten in der vergangenen Woche in Toulouse und Poitiers für ein Verbot der beiden Pestizide demonstriert; bei früheren Aktionen war u.a. die französische BAYER-Zentrale in Paris besetzt worden.

Der Inhaltsstoff von GAUCHO dringt in alle Teile der behandelten Pflanze und in die Pollen ein - eine tödliche Gefahr für die Bienen. Da das Mittel bis zu drei Jahren im Boden verbleibt, können selbst unbehandelte Pflanzen eine für Bienen tödliche Konzentration enthalten. Der Imker- Verband Union National d´Apiculteurs (UNAF), der rund 50.000 Imker vertritt, wirft BAYER vor, die Risiken von GAUCHO zu verschleiern und die französischen Zulassungsstellen systematisch zu belügen, und fordert daher ein vollständiges Verbot von GAUCHO und REGENT. BAYER hatte gegen das 1999 verhängte Teil-Verbot von GAUCHO vergeblich geklagt.

Die auf Verlangen des französischen Staatsrats (Conseil d´Etat) herbeigeführte Entscheidung des Landwirtschaftsministeriums beinhaltet auch, dass die Verwendung von GAUCHO zu Versuchszwecken in bestimmten Regionen ganz ausgesetzt wird. Ruck kritisiert: „Da in den Versuchszonen weiter das Pestizid REGENT verwendet wird, ist auch dort nicht mit einem Ende des Bienensterbens zu rechnen. Damit wird auch der Nachweis eines Zusammenhangs zwischen Pestizideinsatz und Bienensterben erschwert.“

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist zu befürchten, dass auch die Bienensterben in Deutschland mit dem Wirkstoff Imidacloprid zusammen hängen. Pestizide mit dem Inhaltsstoff Imidacloprid gehören mit einem Umsatz von mehr als einer halben Milliarde Euro jährlich zu den wichtigsten BAYER-Produkten - dies ist der Grund, weswegen sich das Unternehmen trotz der gravierenden Umweltschäden mit Zähnen und Klauen gegen Anwendungsverbote wehrt.“ Mimkes fordert die Behörden auf, die Zulassung von Imidacloprid zurück zu ziehen, wenn sich ein Zusammenhang mit den Bienensterben bestätigt.

PCB

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 20. Januar 2003

Wegen PCB-Vergiftung des Hafens

Stadt Oslo fordert von BAYER AG 3,4 Millionen Euro für Reinigungsarbeiten

Die Stadt Oslo fordert von der Leverkusener BAYER AG 25 Millionen Kronen (3,4 Mio Euro) für die Beseitigung hochgefährlicher polychlorierter Biphenyle (PCB). Weite Teile der norwegischen Küste sind mit PCB verseucht, chemische Nachweisverfahren zeigen, dass rund die Hälfte der gefundenen Gifte aus der Produktion von BAYER stammt. In einem Brief der Osloer Umweltbehörde an das Unternehmen beziffern Vertreter der Stadt die Reinigungskosten allein des Osloer Hafens mit 100 Mio Kronen.

Vertreter von BAYER versprachen in einem Antwortschreiben lediglich, den Fall zu prüfen. Tom Erik Økland vom Umweltverband Norges Naturvernforbund (Friends of the Earth Norway): „Sollten sich BAYER und zwei weitere PCB-Hersteller nicht freiwillig an den Entsorgungs-
kosten beteiligen, wird die Stadt Oslo Klage einreichen.“ Økland hatte auf Einladung der Coordination gegen BAYER-Gefahren auf der letzten BAYER-Hauptversammlung auf die Probleme hingewiesen.

Die in Oslo gefundenen PCB stammen hauptsächlich aus alten Schiffs-
Anstrichen. BAYER hatte die Hersteller von Schiffsfarben bis Ende der 70er Jahre mit PCB beliefert, jedoch keine Informationen über deren Giftigkeit und Persistenz veröffentlicht - obwohl dem Unternehmen die Gefahren für die Umwelt bereits Mitte der sechziger Jahre bekannt waren. Økland weiter: “Die Kontaminierung weiter Teile der norwegi-
schen Küste und die Vergiftung hunderter Werftarbeiter hätten verhindert werden können, wenn BAYER die Risiken von PCB rechtzeitig bekanntgegeben hätte.„

Axel Köhler-Schnura von der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. ergänzt: “Bereits 1983 habe ich von BAYER die Entgiftung aller PCB- Fundorte gefordert. Doch der Konzern hat sich rücksichtslos über seine Verantwortung hinwegsetzt: Die Profite wurden eingestrichen, eine Haftung für die Folgen wird bis heute verweigert."

PCB sind eine aus rund 200 Einzelkomponenten bestehende Verbindungsklasse organischer Chlorverbindungen. Sie sind extrem langlebig und finden sich nahezu überall in der Natur - in Tiefsee-
sedimenten ebenso wie im arktischen Eis. Wegen der guten Fettlöslich-
keit treten sie in verschiedenen Bestandteilen der Nahrungskette auf, besonders in Fischen und Vögeln. Die Chemikalien können das menschliche Nervensystem, die Immunabwehr sowie Leber und Nieren schädigen und zu Unfruchtbarkeit führen. Die amerikanische Umwelt-
behörde EPA prüft zudem die Einstufung von PCB als krebserregend.

Die USA als bis dahin größter Hersteller verboten 1977 die Herstellung und Verwendung von PCB. Daraufhin sprang die deutsche Bayer AG in die Bresche und steigerte trotz Protesten ihre Produktion von 6.000 auf 7.500 Tonnen jährlich. Erst 1983 stellte Bayer als letzter Hersteller in den westlichen Industrieländern die Produktion ein.

Tom Erik Økland, Norges Naturvernforbund
eMail: tomeo@online.no

Per-Erik Schulze, Norwegian Society for the Conservation of Nature
per_erik_schulze@hotmail.com

[Seminar] Pressemitteilung vom Seminar „Corporate War – Krieg, Konzerne und soziale Bewegungen“

CBG Redaktion

Samstag, 23. November, 10 Uhr - 18 Uhr
Umweltzentrum Düsseldorf, Merowinger Str. 88
Pressegespräch ab 10 Uhr

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren lädt ein zur Tagung „Corporate War - Krieg, Konzerne und soziale Bewegungen“. In der ganztägigen Veranstaltung werden folgende Bereiche diskutiert:

* Analyse des „Kriegs gegen den Terror“, seiner Ziele, Folgen und Perspektiven: Wie hat er die politische Szene geprägt und verändert?
* Auswirkungen auf die demokratischen Bewegungen: Wieviel Spielraum bleibt? Wie sehr leiden Aktionsgruppen und Globalisierungskritiker unter der neuen Entwicklung?
* Historischer Abriss über den Zusammenhang von Krieg und ökonomischen Interessen, speziell die Rolle transnationaler Konzerne.
* Wie hat sich die gesetzliche und juristische Situation nach dem
11. September in Deutschland geändert?

Das Seminar vermittelt Basis-Informationen und richtet sich an interessierte Laien und Aktive. Pressevertreter sind zu Gesprächen mit den Referenten herzlich eingeladen.

Phosgen-Unfall

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 18. November 2002

Staatliches Amt für Arbeitsschutz bestätigt: Phosgen-Unfall bei BAYER Uerdingen

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V. erhielt anonym die Information, nach der sich im Dezember 2001 im Bayer-Werk Uerdingen ein Unfall in der Phosgen-Produktion ereignet habe. Dabei soll ein Mitarbeiter einer Fremdfirma mit Phosgen vergiftet worden sein. In der Presse tauchten bislang keinerlei Informationen über diesen Unfall auf.

Das Staatliche Amt für Arbeitsschutz in Mönchengladbach bestätigte auf Anfrage das Ereignis. Die Behörde war bis dahin nicht über den Unfall informiert und stellte eigene Nachforschungen an, lehnt jedoch weitergehende Informationen „aus Gründen der Geheimhaltungspflicht nach dem Arbeitsschutzgesetz“ ab.

Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist absolut unverantwortlich, wenn Unfälle in hochgefährlichen Bereichen wie der Phosgenproduktion unter den Teppich gekehrt werden. Wir fordern die Firma BAYER sowie die zuständigen Behörden auf, umgehend die folgenden Fragen zu klären:

1. wie ist der Gesundheitszustand der betroffenen Arbeiter?
2. wie kam es zu dem Unfall, welche Mengen Phosgen sind dabei ausgetreten?
3. welchen staatlichen Stellen wurde der Unfall gemeldet?
4. welche Vorraussetzungen müssen Fremdfirmen erfüllen, um an gefährlichen Anlagen wie der Phosgenproduktion eingesetzt zu werden?
5. welche Konsequenzen wurden aus dem Vorfall gezogen?“

Der Chemieprofessor Jürgen Rochlitz, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Vereins, ergänzt: „Die Phosgenproduktion ist immerhin eine der gefährlichsten Betriebe der BAYER AG. Die Öffentlichkeit hat nach der Störfall-Verordnung ein verbrieftes Recht, darüber unterrichtet zu werden, ob der Unfall durch einen Störfall ausgelöst worden ist. Vertuschungen gegenüber Behörden und der Öffentlichkeit können nicht hingenommen werden.“

Asbest

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 7. November 2002

Mitangeklagt im weltgrößten Produkthaftungsprozess:

BAYER muss an Asbest-Opfer zahlen

Mehr als 8.000 Asbest-Geschädigte haben in den USA eine Sammelklage eingereicht und insgesamt drei Milliarden US Dollar erstritten. Der Prozess im Bundesstaat West Virginia gilt als das bisher größte Produkthaftungsverfahren in der Justiz-Geschichte, mit auf der Anklage-Bank saß der Leverkusener BAYER-Konzern.

Im nun beendeten Prozess hatten die Konzernjuristen mit der fadenscheinigen Begründung, die Geschworenen wären dem Mammut-Prozess nicht gewachsen, zunächst eine Verschiebung beantragt. Die Richter ließen sich hierauf jedoch nicht ein und setzten den 23. September als ersten Verhandlungstermin an - einem Prozess mit ungewissem Ausgang zogen die rund 200 beklagten Konzerne nun eine außergerichtliche Einigung vor.

Für BAYER war es nicht die erste juristische Auseinandersetzung in Sachen Asbest. Bereits 1996 saß der Leverkusenser Chemie-Multi auf der Anklagebank. Und es dürfte nicht die letzte gewesen sein. Angesichts von jährlich 2.500 Neu-Erkrankungen sehen Beobachter den Höhepunkt der Rechtsstreitigkeiten erst noch kommen.

Der Großteil der Opfer kam in der Bau-Wirtschaft, bei Reifen-Herstellern oder bei Chemie-Unternehmen mit den gefährlichen Asbest-Partikeln in Berührung. Die Folge waren Asbestose (Staublunge) und Lungenkrebs. Zwischen dem Kontakt mit Asbest und dem Ausbruch von Krankheiten lagen oft Jahrzehnte. In Deutschland beziffert die Berufsgenossenschaft Chemie die Zahl der 2001 gestellten Anträge auf Anerkennung einer asbest-bedingten Krankheit auf 768; 135 Menschen erlagen in dem Berichtszeitraum ihrer Asbest-Erkrankung. Genaue Angaben über die Zahl der geschädigten BAYER-Mitarbeiter hat das Unternehmen nicht veröffentlicht.

Jan Pehrke von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Es ist ein Skandal, dass Asbest-Kranken in der Bundesrepublik nicht die gleichen juristischen Wege offen stehen wie ihren Leidensgenossen in den USA. Das wenigste, was BAYER tun kann, ist, dem Beispiel des Unternehmens RWE zu folgen und ein Nachsorge-Programm einzurichten, das die Betroffenen erfasst und ihnen medizinische Betreuung anbietet.“

Bei der Errichtung von Chemie-Anlagen diente Asbest als Dichtungs-
material. Desweiteren umhüllte die Substanz säure- und laugen-führende Leitungen. Auch Filter, Lacke, Beiz-Wannen, Lager-Behälter und Reaktionsbehältnisse enthielten den Stoff. 1978, in der Hochzeit des „Wunderstoffes“, entfielen von ca. 1,5 Millionen Tonnen asbest-haltiger Produkte rund 311.000 Tonnen auf die Chemie-Industrie. Die „Zentrale Erfassungsstelle asbeststaub-gefährdeter Arbeitnehmer“ (ZAS) stufte noch 1989 von 28.550 bundesdeutschen Chemie-WerkerInnen 6.283 als Risiko-KandidatInnen ein.

Das Risiko war BAYER & Co. lange bekannt. Bereits 1918 weigerten sich Versicherungen in den USA wegen der zahlreichen Fälle von Berufskrankheiten im Zusammenhang mit dem Mineral, Asbest-
Arbeitern Policen zu verkaufen. 1964 räumte dann eine groß angelegte, im Journal of the American Medical Association veröffentliche Untersuchung letzte Zweifel an den krankmachenden Effekten aus. Trotzdem erfolgte das Asbest-Verbot in der Bundesrepublik erst 1989. Durch gekaufte GutachterInnen und WissenschaftlerInnen sowie Zuwendungen an das dem damaligen Bundesgesundheitsamt angegliederte „Institut für Wasser-, Boden- und Luft-Hygiene“ für verharmlosende Expertisen gelang es den interessierten Kreisen 25 Jahre lang, die fälligen gerichtlichen Schritte hinauszuzögern. 25 Jahre, welche die Todes- und Krankheitslisten ein immenses Ausmaß annehmen ließ. Von 1950 bis 1989 starben in der Bundesrepublik offiziell 1.417 Arbeiter durch Asbest-Exposition, 3.557 erkrankten.
Der Diplom-Chemiker Gerd Albracht schätzt den volkswirtschaftlichen Schaden, den Asbest-induzierte Berufskrankheiten verursachten, auf ca. 3,75 Milliarden Euro. Büßen mussten BAYER & Co. dafür jedoch nur in den USA.

Der Asbest-Hersteller GAF hatte in den USA die politische Landschaft mit Spenden in Höhe von 7,1 Millionen Dollar gepflegt, damit der Kongress das juristische Eigengewächs der Industrie, den „Fairness in Asbestos and Compensation Act“, erblühen ließ. Dieses Gesetz schließt durch eine äußerst strenge Definition von asbest-induzierten Krankheiten sehr viele Anspruchsberechtigte aus und bürdet überdies den Opfern die Beweislast auf. Wie die Betroffenen-Organisation WHITE LUNG ASSOCIATION und andere Verbände kritisieren, sparen die Multis auf diese Weise Milliarden Dollar.

BigBrotherAward

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 25. Oktober 2002

Bayer AG erhält BigBrotherAward 2002

Der BigBrotherAward der Kategorie „Arbeitswelt“ geht an die Bayer AG, Leverkusen, da sie Bewerberinnen und Bewerber, die im Unternehmen eine Ausbildung machen wollen, zu einem Drogentest. Dafür müssen die Betroffenen eine Urin-Probe abgeben. Formal haben sie die Wahl und können den Drogentest auch ablehnen - faktisch kann hier von „freiwilliger Zustimmung“ keine Rede sein. Denn allen ist klar: wer den Drogentest verweigert, hat schlechte Karten bei der Vergabe der Ausbildungsplätze.

Gründe
Die Schweigepflicht der - wohlgemerkt - „Werks- oder Betriebsärzte“ ist zwar offiziell gewährleistet, denn die Details der Test-Ergebnisse dürfen der Firmenleitung nicht mitgeteilt werden. Stattdessen gibt es den Vermerk „Bewerber/in geeignet“ oder „nicht geeignet“. Ein Etikett mit weitreichenden Folgen auf wackeliger Grundlage.

Als Begründung für die Drogentests wird die Arbeits-Sicherheit angeführt - auch wenn es bislang noch keine Studien über die Folgen von illegalem Drogenkonsum am Arbeitsplatz gibt. Nach Angaben der Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. geht jeder dritte bis vierte Arbeitsunfall auf die legale Droge „Alkohol“ zurück - Alkohol wird aber bei diesen Tests gar nicht geprüft.

Fest steht: Die Urintests dienen der Selektion im Vorfeld. Damit zeugen die Tests von einem grundsätzlichen Mißtrauen einer Unternehmens-
leitung gegenüber den potentiellen Mitarbeitern. Generalverdacht für alle, statt Unschuldsvermutung, wie sie in unserem Rechtsstaat eigentlich üblich ist. Und: Kontrolle statt Beratung.

Urintests sind entwürdigend. In Gegenwart eines möglichen zukünftigen Kollegen eine Pinkelprobe abgeben zu müssen, ist eine Demütigung. Mit einem solchen Drogentest muß man auch sein Privatleben und seine Freizeitgewohnheiten dem Konzern gegenüber offenlegen - und das im immer häufiger schon im Vorfeld, noch bevor man bei einem Unternehmen in Lohn und Brot steht.

So haben Urintests den Nebeneffekt, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzuschüchtern und ihnen die Macht des Unternehmens zu demonstrieren, indem sie sprichwörtlich am eigenen Leibe erfahren, dass Menschenwürde und Privatsphäre hinter den Fabriktüren nur noch eingeschränkt Gültigkeit haben. Barbara Ehrenreich schreibt in ihrem Buch „Arbeit poor“, für das sie im Selbstversuch Erfahrungen mit Einstellungstests bei us-amerikanischen Billig-Jobs gesammelt hat: „Ich bin mir sicher, dass der eigentliche Sinn dieser Tests darin besteht, nicht etwa dem Arbeitgeber, sondern dem potentiellen Angestellten bestimmte Informationen zu übermitteln. Und die wichtigste Information lautet stets: Du wirst keine Geheimnisse vor uns haben.“

Bei all diesen „Nebenwirkungen“ sind die Urintests zudem fachlich auch noch ausgesprochen unzuverlässig. Die Fehlerquellen sind vielfältig: Genuß von Mohnkuchen z.B. kann tatsächlich zu einem positivem Opiatergebnis führen. Passivraucher oder Müsli-Esser können sich plötzlich und unerwartet mit einem positiven Cannabis-Wert konfrontiert sehen. Grenzwerte, wieviel einer Substanz im Urin gefunden werden darf, sind unklar.

Und die Nachweiszeiten der verschiedenen Substanzen sind äußerst unterschiedlich: Gefährliche Drogen wie Heroin, Kokain, Extasy und Speed sind nur 1 - 4 Tage nachweisbar, während Marihuana, das vergleichsweise harmlos und mittlerweile gesellschaftlich weithin akzeptiert ist, mehrere Wochen lang im Urin zu finden ist. Das bedeutet: Im Urin sind die Stoffe auch dann noch nachweisbar, wenn der Rausch längst verflogen und die betreffende Person voll arbeitsfähig ist.

Die Bayer AG ist hier exemplarisch nominiert - Drogentests werden in den letzten Jahren bei immer mehr Unternehmen in Deutschland zur gängigen Praxis bei der Bewerberauswahl, insbesondere bei der chemischen Industrie, z.B. BASF und Höchst, aber auch bei DaimlerChrysler in Sindelfingen und Untertürkheim, bei der Deutschen Bahn, bei Bosch, Heidelberger Druckmaschinen, den Kieler Stadtwerken oder der Volkswagen AG Wolfsburg. Damit setzen sie unversehens neue Standards, denn es wird suggeriert, dass Unternehmen, die nicht testen, nun die ganzen Drogenkonsumenten als Bewerber bekämen.

In den USA führen inzwischen über 80 % der umsatzstärksten Unternehmen „drogenscreenings“ durch. Entsprechend blüht in den USA der Markt mit Medikamenten zum Ausschwemmen der nachweisbaren Substanzen. Sogar Proben von garantiert drogenfreiem Fremdurin (à 69 Dollar) kann man dort erwerben. So wird der amerikanische Drogentest eher zum Kostenfaktor und Intelligenztest: Wie manage ich es, eine einwandfreie Probe zu bekommen? Die Arbeitsicherheit ist durch diese Tests übrigens nicht nachweisbar verbessert worden. Sie dienen mehr der Gängelung der Arbeitnehmerinnen. Bezeichnenderweise werden Drogenscreenings vor allem bei den unteren Lohnklassen durchgeführt - Ingenieuren, Programmiererinnen und Managern wird diese Prozedur nicht zugemutet.

Ganz nebenbei sind dem Mißbrauch im Unternehmen Tür und Tor geöffnet: Nicht zuletzt kann der für einen Drogentest abgegebene Urin einer Bewerberin auch auf eine etwa bestehende Schwangerschaft geprüft werden. Das ist illegal. Aber wer überprüft, ob das Verbot auch eingehalten wird? Und wer weiß, wie lange das Verbot noch gilt?

Gewerkschaftsvertreter befürchten, dass auch genetische Tests für Bewerber bald hoffähig werden, wenn Urintests stillschweigend akzeptiert werden.

Bayer macht es vor beim Drogenscreening für Auszubildende: Mit Mehrheitsbeschluss des Betriebsrates zur sogenannten Regelabsprache und natürlich völlig freiwillig und mit Zustimmung der Betroffenen ist alles möglich.

Herzlichen Glückwunsch, Bayer AG
Bielefeld, 25. Oktober 2002
für die Jury, Rena Tangens

Die BigBrotherAwards Deutschland wurden ins Leben gerufen, um die öffentliche Diskussion um Privatsphäre und Datenschutz zu fördern - sie sollen missbräuchlichen Gebrauch von Technik und Informationen aufzeigen.

Seit 1998 wird ein solcher „Preis“ in verschiedenen Ländern und seit dem Jahr 2000 auch in Deutschland an Firmen, Organisationen und Personen verliehen, die in besonderer Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigen oder (persönliche) Daten Dritten zugänglich machen.

Weitere Infos: http://www.bigbrotherawards.de/

Coltan

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 24. Oktober 2002

Rohstoff-Importe aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet

UNO-Bericht: BAYER-Tochterfirma H.C. STARCK sagt die Unwahrheit

Ein in dieser Woche veröffentlichter Bericht der UNO zu Rohstoff-
exporten aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet bezichtigt die Goslarer Firma H.C. STARCK der Lüge. Das zum BAYER-Konzern gehörende Unternehmen behauptete Anfang des Jahres in einer Pressemitteilung, seit Sommer 2001 keine Rohstoffe mehr aus Zentralafrika zu beziehen. Der UNO liegen jedoch Dokumente vor, nach denen H.C. STARCK von der in Bukavu/Kongo ansässigen Firma EAGLE WING weiterhin das Mineral Coltan bezieht und somit die Kriegswirtschaft im Kongo am Leben erhält. Auch die Aussage der Firma, in der Vergangenheit lediglich mit Partnern kooperiert zu haben, die „keine Abgaben an Rebellenorganisationen leisten oder geleistet haben oder in anderer Form mit diesen kooperieren“ wird als unwahr bezeichnet.

Wörtlich heißt es in dem Bericht der UNO: „In a press statement issued on 24 May 2002, H. C. STARCK reiterated that the company had purchased no material originating in Central Africa since August 2001. The Panel possesses documents showing the contrary. In the same press release, H. C. STARCK claimed that its coltan originates from “peasant suppliers„ and not from rebel groups. In fact, no coltan exits from the eastern Democratic Republic of the Congo without benefiting either the rebel group or foreign armies.“ Der Bericht wird am heutigen Donnerstag dem UN Sicherheitsrat vorgelegt.

Nach Angaben der UNO wird der Krieg im Kongo wegen des „Zugangs zu und der Kontrolle von fünf Rohstoffen, darunter Coltan“ geführt.
Die ruandische Armee und die von Ruanda unterstützte Rebellen-
gruppen RCD finanzieren sich weitgehend mit dem Verkauf von Coltan. Die UNO-Experten empfehlen dem Weltsicherheitsrat, „restriktive Maßnahmen“ gegen Firmen zu ergreifen, die an der „Plünderung der Ressourcen“ des Kongos beteiligt seien.

In einem weiteren von der UNO untersuchten Fall bezog die thailändische Niederlassung von STARCK falsch deklariertes Coltan, das ebenfalls aus dem Kongo stammt. Nach Angaben der UNO war STARCK die Herkunft des Materials bekannt. Somit verstoße die Firma gegen die Richtlinien der OECD für multinationale Konzerne.

Die Firma H.C. STARCK ist Weltmarktführer für das in Coltan enthaltene Metall Tantal. Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen mehrmals die Unwahrheit gesagt. So äußerten Unternehmenssprecher gegenüber der Presse, erst Mitte 2001 auf die Problematik aufmerksam geworden zu sein. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte aber bereits im Jahr 2000 in einem Brief an das Unternehmen gefordert, wegen der Finanzierung von Kriegsparteien den Import aus dem Kongo einzustellen, hierauf jedoch eine unverbindliche Antwort erhalten.

Eine weitere Spur führt aus dem Kongo nach Kasachstan: Große Teile des in Zentralafrika geschürften Coltans werden an die Atomfabrik Ulba Metallurgical Plant geliefert. H.C. STARCK hat in der Vergangenheit bei der Entsorgung von Giftstoffen eng mit der kasachischen Atomindustrie kooperiert. Ob STARCK auch über den Umweg nach Kasachstan Coltan bezieht, wollte die Firma auf Anfrage nicht beantworten.

Philipp Mimkes, Sprecher der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „H.C. STARCK trägt Mit-Verantwortung für die grauenhaften Kämpfe, denen bereits Hunderttausende zum Opfer fielen. Wir fordern die Firma auf, den Tantal-Import aus dem Kongo umgehend einzustellen und alle Partner vor Ort offenzulegen.“

Nach Angaben der UNO führt der zwangsweise Einsatz von Landarbei-
tern in der Rohstoffproduktion zu einem Rückgang der Produktion von Nahrungsmitteln im Kongo. Unterernährung sowie die anhaltenden Kämpfe bedingen eine der höchsten Sterblichkeitsraten der Welt - in den letzten fünf Jahren sollen 2-3 Millionen Menschen ums Leben gekommen sein.

Gerne senden wir weitere Informationen zu: den vollständigen UNO- Bericht, einen Hintergrundartikel sowie Presseberichte. Der Bericht ist hier einsehbar.:
http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=5102&Cr=dr&Cr1=congo

[UN Bericht] Kampagne Kongo

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 24. Oktober 2002

Rohstoff-Importe aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet

UNO-Bericht: BAYER-Tochterfirma H.C. STARCK sagt die Unwahrheit

Ein in dieser Woche veröffentlichter Bericht der UNO zu Rohstoff-
exporten aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet bezichtigt die Goslarer Firma H.C. STARCK der Lüge. Das zum BAYER-Konzern gehörende Unternehmen behauptete Anfang des Jahres in einer Pressemitteilung, seit Sommer 2001 keine Rohstoffe mehr aus Zentralafrika zu beziehen. Der UNO liegen jedoch Dokumente vor, nach denen H.C. STARCK von der in Bukavu/Kongo ansässigen Firma EAGLE WING weiterhin das Mineral Coltan bezieht und somit die Kriegswirtschaft im Kongo am Leben erhält. Auch die Aussage der Firma, in der Vergangenheit lediglich mit Partnern kooperiert zu haben, die „keine Abgaben an Rebellenorganisationen leisten oder geleistet haben oder in anderer Form mit diesen kooperieren“ wird als unwahr bezeichnet.

Wörtlich heißt es in dem Bericht der UNO: „In a press statement issued on 24 May 2002, H. C. STARCK reiterated that the company had purchased no material originating in Central Africa since August 2001. The Panel possesses documents showing the contrary. In the same press release, H. C. STARCK claimed that its coltan originates from “peasant suppliers„ and not from rebel groups. In fact, no coltan exits from the eastern Democratic Republic of the Congo without benefiting either the rebel group or foreign armies.“ Der Bericht wird am heutigen Donnerstag dem UN Sicherheitsrat vorgelegt.

Nach Angaben der UNO wird der Krieg im Kongo wegen des „Zugangs zu und der Kontrolle von fünf Rohstoffen, darunter Coltan“ geführt.
Die ruandische Armee und die von Ruanda unterstützte Rebellen-
gruppen RCD finanzieren sich weitgehend mit dem Verkauf von Coltan. Die UNO-Experten empfehlen dem Weltsicherheitsrat, „restriktive Maßnahmen“ gegen Firmen zu ergreifen, die an der „Plünderung der Ressourcen“ des Kongos beteiligt seien.

In einem weiteren von der UNO untersuchten Fall bezog die thailändische Niederlassung von STARCK falsch deklariertes Coltan, das ebenfalls aus dem Kongo stammt. Nach Angaben der UNO war STARCK die Herkunft des Materials bekannt. Somit verstoße die Firma gegen die Richtlinien der OECD für multinationale Konzerne.

Die Firma H.C. STARCK ist Weltmarktführer für das in Coltan enthaltene Metall Tantal. Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen mehrmals die Unwahrheit gesagt. So äußerten Unternehmenssprecher gegenüber der Presse, erst Mitte 2001 auf die Problematik aufmerksam geworden zu sein. Die Coordination gegen BAYER-Gefahren hatte aber bereits im Jahr 2000 in einem Brief an das Unternehmen gefordert, wegen der Finanzierung von Kriegsparteien den Import aus dem Kongo einzustellen, hierauf jedoch eine unverbindliche Antwort erhalten.

Eine weitere Spur führt aus dem Kongo nach Kasachstan: Große Teile des in Zentralafrika geschürften Coltans werden an die Atomfabrik Ulba Metallurgical Plant geliefert. H.C. STARCK hat in der Vergangenheit bei der Entsorgung von Giftstoffen eng mit der kasachischen Atomindustrie kooperiert. Ob STARCK auch über den Umweg nach Kasachstan Coltan bezieht, wollte die Firma auf Anfrage nicht beantworten.

Philipp Mimkes, Sprecher der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „H.C. STARCK trägt Mit-Verantwortung für die grauenhaften Kämpfe, denen bereits Hunderttausende zum Opfer fielen. Wir fordern die Firma auf, den Tantal-Import aus dem Kongo umgehend einzustellen und alle Partner vor Ort offenzulegen.“

Nach Angaben der UNO führt der zwangsweise Einsatz von Landarbei-
tern in der Rohstoffproduktion zu einem Rückgang der Produktion von Nahrungsmitteln im Kongo. Unterernährung sowie die anhaltenden Kämpfe bedingen eine der höchsten Sterblichkeitsraten der Welt - in den letzten fünf Jahren sollen 2-3 Millionen Menschen ums Leben gekommen sein.

Gerne senden wir weitere Informationen zu: den vollständigen UNO- Bericht, einen Hintergrundartikel sowie Presseberichte. Der Bericht ist hier einsehbar: http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=5102&Cr=dr&Cr1=congo

Razzia

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 11. Oktober 2002

Lange Betrugsliste bei der Bayer AG

Razzia der EU-Kommission wegen verbotener Preisabsprachen

Nach der Razzia der EU-Wettbewerbsbehörde bei der Leverkusener Bayer AG wegen mutmaßlicher Preisabsprachen weist die Coordination gegen BAYER-Gefahren auf die lange Betrugsliste des Konzerns hin. Philipp Mimkes, Geschäftsführer der CBG: „Die Konzerne müssen viel stärker kontrolliert werden. Aber in der Bundesrepublik geht die Entwicklung in die andere Richtung, wie das Scheitern des Anti-
Korruptionsregisters im Bundesrat gezeigt hat.“ Der Verein weist darauf hin, dass durch den ungezügelten Konzentrationsprozess in den meisten Branchen informelle Absprachen immer einfacher werden.

Die Bayer-Tochter Haarmann & Reimer (H&R) hatte in den 90er Jahren mit fünf Wettbewerbern aus drei Kontinenten ein Kartell für Zitronensäure gebildet. Dabei hatten die Firmen Verkaufsquoten ausgehandelt und die Endpreise exakt festgelegt. Während der Existenzphase des Kartells verkaufte H&R allein in den USA für 400 Mio. Dollar überteuerte Zitronensäure. Gegen H&R wurden Strafen von 100 Mio Dollar verhängt - die bis dahin zweithöchste Kartellstrafe in der US-Geschichte.

Ebenfalls in den USA hatte Bayer über Jahre hinweg bei Lieferungen im Rahmen der staatlichen Gesundheitsprogramme „Medicare“ und „Medicaid“ falsche Preise gemeldet. Dem Staat waren durch die Preismanipulationen jährliche Schäden von rund 1 Milliarde Dollar entstanden. Den US-Behörden fielen geheime Firmen-Dokumente zu, in denen die Manipulationen als bewährte „Marketing-Instrumente“ beschrieben wurden. Bayer zahlte schließlich 14 Millionen Dollar Entschädigung. Bereits in den 80er Jahren beteiligte sich Bayer an einem europaweiten Kartell für den Kunststoff Polyethylen. Auch damals waren Preise und Quoten exakt abgestimmt gewesen.

Anfang des Jahres hatte die amerikanische Fachzeitschrift Multinational Monitor den Bayer Konzern in die Liste der „10 Worst Corporations of 2001“ aufgenommen. Die Aufstellung umfasst Firmen, die „Verbraucher betrügen, die Umwelt verseuchen und Arbeiterrechte mißachten“. Mehrere Skandale führten zu der erstmaligen Nominierung des Konzerns: so verlangte Bayer nach den Milzbrand-Anschlägen in den USA von der amerikanischen Regierung Milliardenbeträge für Antibiotika, obwohl die Herstellungskosten der Medikamente bei wenigen Prozent dieser Summe liegen. Gleichzeitig zahlte das Unternehmen mehrere hundert Millionen Dollar an Konkurrenzfirmen, damit diese keine billigeren Alternativen auf den Markt bringen.
Den Cholesterinsenker Lipobay hatte der Konzern erst auf Druck amerikanischer Behörden vom Markt genommen, obwohl dem Unternehmen die Gefahren jahrelang bekannt gewesen waren - mehr als 100 Patienten bezahlten dies mit ihrem Leben.

Die EU-Kommission hatte gestern bekannt gegeben, dass sie die Konzernzentralen von Bayer, Shell und Exxon durchsucht hatte. Die Unternehmen stehen in Verdacht, illegale Preisabsprachen getätigt zu haben. Bayer soll mit amerikanischen Wettbewerbern ein Kartell für Kautschukchemikalien, die für die Produktion von Autoreifen verwendet werden, gebildet haben. Shell und Exxon sollen sich auf dem Markt für Asphalt-Rohstoffe abgesprochen haben.

Gentechnik-Skandal

CBG Redaktion

Pressemitteilung vom 9. September 2002

BAYER in Gentechnik-Skandal verwickelt

England: illegale Aussaat von Antibiotika-resistentem Raps

Die Firma BAYER CROPSCIENCE, die vor zwei Monaten nach der Übernahme von AVENTIS CROPSCIENCE durch die BAYER AG gegründet wurde, ist in England in einen Gentechnik-Skandal verwickelt. Das Unternehmen räumte in einem Brief an das britische Umwelt-
ministerium ein, seit drei Jahren gentechnisch veränderten Raps, der nicht zugelassene Antibiotika-Resistenzen enthielt, gepflanzt zu haben.

Das im Rahmen eines 4-jährigen Versuchsprogramms verwendete Saatgut ist ursprünglich gegen das von BAYER CROPSCIENCE hergestellte Herbizid „Basta“ resistent. An vierzehn verschiedenen Versuchs-Standorten in ganz England enthielt es jedoch zusätzlich Gene, die die Pflanzen gegen die Antibiotika Neomycin und Kanamycin, die bei der Behandlung von Leberversagen verwendet werden, resistent machen. Die gefundene Genveränderung kann außerdem zu einer Resistenz gegen das Antibiotikum Gentamycin führen, welches gegen schwere Infektionen eingesetzt wird. Wissenschaftler äußerten sich besorgt, dass die Resistenzen auf Bakterien übertragen werden, wodurch die Antibiotika unbrauchbar werden.

Da in England zahlreiche Raps-Sorten heimisch sind, können gentechnisch veränderte Pollen zudem umliegende Felder und Wildkräuter kontaminieren. Die britische Regierung sprach von einem „ernsthaften Vergehen“ und verhängte ein vorläufiges Verbot weiterer Gentechnik-Versuche. Nach Angaben des britischen Landwirtschafts-
ministers Elliot Morley erwägt die Regierung zudem rechtliche Schritte gegen das Unternehmen. Britische Umweltverbände kündigten Strafanzeige gegen BAYER an und riefen zu Protesten auf.

Nach Angaben von Gentechnik-Kritikern illustriert der Fall das verantwortungslose Handeln der beteiligten Firmen sowie die mangelnden Kontrollen staatlicher Stellen. Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren: „Dem Unternehmen wurde quasi gestattet, sich selbst zu überwachen. So erklärt sich, dass über einen Zeitraum von drei Jahren kontaminiertes Saatgut verwendet werden konnte.“ Mimkes fordert wegen der nicht umkehrbaren Konsequenzen ein Verbot von Freisetzungsversuchen mit gentechnisch veränderten Pflanzen und eine Verlängerung des EU-Moratoriums zur Zulassung gentechnisch veränderter Pflanzensorten. Adrian Bebb von Friends of the Earth: „Dies ist nicht der erste Schnitzer der Gentech-Industrie. Wie können wir Unternehmen, die nicht einmal Versuchsreihen ordnungsgemäß durchführen können, die Verantwortung für unsere Nahrung übertragen?“

AVENTIS/BAYER war bereits im Juni von einem schottischen Labor auf die Verunreinigungen aufmerksam gemacht worden, die Öffentlichkeit wurde jedoch erst zwei Monate später über den Fall unterrichtet. Weitere Freisetzungsversuche mit Gen-Raps wurden in Belgien und Deutschland unternommen - inwiefern dabei auch Antibiotika-Resistenzen verbreitet wurden, ist unklar.

In Kanada reichten zahlreiche Landwirte, deren Felder mit gentechnisch veränderten Rapspollen verunreinigt wurden, eine Sammelklage gegen BAYER CROPSCIENCE ein. Auch in Deutschland gibt es Proteste gegen Freisetzungsversuche: Vor wenigen Wochen beantragte BAYER die Aussaat von Gen-Raps in unmittelbarer Nähe eines Naturschutz-
gebietes in Swisstal bei Bonn. Umweltschützer befürchten einen Präzedenzfall und die Umgehung des europäischen Naturschutzrechts. Greenpeace hatte in einer Untersuchung nachgewiesen, dass in Deutschland verkaufter Honig Verunreinigungen mit Gen-Raps enthält.

Gerne senden wir weitere Informationen zu: den Brief der Firma Aventis an das britische Landwirtschaftsministerium, Artikel aus „Independent“, „Times“ und „Guardian“ sowie Stellungnahmen britischer Umwelt-
verbände und der Umweltbehörde.

Zur Europa-weiten Initiative zum Schutz des Saatguts vor gentechnischen Verunreinigungen: www.saveourseeds.org